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Reisebericht Polen 17.7. - 18.8.2008
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| WoRo1: "Reisebericht Polen 17.7. - 18.8.2008"
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Wir fahren ca. 100 km weiter in Richtung Süden nach Tarnow, einer Mittelstadt mit einem schönen historischen Stadtkern. Glanzstück ist der von pastellfarbenen Bürgerhäusern umrahmten Marktplatz, in dessen Mitte sich ein gotischen Rathaus aus dem 16. Jh. befindet.
Weiter geht es in Richtung Süden bis zum Roznowskie-See. wo wir auf einem einfachen unmittelbar am See gelegenen Zeltplatz („Campingplatz“ wäre weit übertrieben) bleiben.
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Dienstag, 5. August : Wir fahren am Roznowskie-See entlang durch die Beskiden, einem sanften Mittelgebirge, und kommen bald nach Nowy Sacz, einer lebhaften Stadt mit 75.000 Einwohner, dessen mittelalterliches Stadtbild weitgehend erhalten ist. Mittelpunkt ist der Marktplatz, der von älteren Häusern eingerahmt ist und in dessen Mitte ein prächtiges Rathaus aus dem 19. Jh. steht. Wir schlendern durch die Straßen und gelangen auf einen Markt, auf dem hauptsächlich Obst und Gemüse verkauft wird. Auffällig sind etliche Verkäufer mit einem sehr begrenzten Angebot, das offenkundig aus dem eigenen Garten stammt. Von einer alten Frau erstehen wir ihr gesamtes Angebot an gesammelten Pilzen, das uns bei einem Halt auf dem weiteren Weg nach Süden zu einem leckeren Mittagessen gemacht wird. Da weder sie mich noch ich sie verstehen kann, reiche ich ihr 5 Sloty (1,50 €) zum Bezahlen. Sie nimmt jedoch nur zwei davon (60 Cent) und gibt mir drei zurück. Als ich ihr daraufhin einen wieder gebe, strahlt sie überglücklich. Ja, das ist auch polen.
Eigentlich wollten wir nach Zakopane, einem bekannten Wintersportort am Fuße der Hohen Tatra, dem höchsten Bergmassiv der Karpaten. Das ganze Gebiet dort ist – was wir gerade lesen - Naturschutzgebiet, das man nicht mit einem hund betreten darf (Außerdem erfahren wir später, dass Zakopane Massen-Tourismus in höchster Vollendung sein soll, was wir uns wirklich nicht antun müssen). Also entscheiden wir uns für Niedzika, einem kleinen Ort, der an einem großen Stausee liegt und Grenzort zur Slowakei ist. Wir bleiben auf dem dortigen Campingplatz, der unmittelbar an einem Fluss liegt, einen guten Eindruck macht und nur mäßig belegt ist. Bei einem kurzen Spaziergang kaufe ich bei einem Almbauern köstlichen geräucherten, sehr würzigen und etwas nach geräuchertem Schinken schmeckenden Schafskäse, die Spezialität dieser Gegend, die auch überall am Straßenrand zu kaufen gibt.
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Mittwoch, 6. August : Heute Vormittag fahren wir mit den Fahrrädern am Stroowieckie-Stausee vorbei zu höher gelegenen, bedeutend größeren Czorsztynskie-Stausee. Dort wollen wir eigentlich eine sehr gut erhaltene Burg besichtigen. Hunde haben dort aber keinen Zutritt. Und abwechselnd hinein gehen wollen wir auch nicht, da Unmengen an Touristen hinein strömen. Deshalb bewundern wir die Burg lieber von außen und bestaunen anschließend noch die gewaltigen Ausläufe der beiden Stauseen.
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Am Nachmittag unternehmen wir eine zweistündige Floßfahrt auf de Fluss Dujanec, der während der ganzen Fahrt die Grenze zwischen polen und der Slowakei bildet. Es werden zwei tolle Stunden, nicht nur wegen der abenteuerlichen Fahrt durch die zahlreichen Stromschnellen hindurch, sondern auch wegen der wunderschönen Wald- und Berglandschaft, durch die wir fahren. Am Ende wird das Floß wieder in seine Einzelteile zerlegt und zum Ausgangspunkt zurück gebracht.
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Donnnerstag, 7.August : Heute wollen wir in dem Berggebiet nördlich der Dujanec wandern. Als wir mit den Rädern dort angekommen sind, sehen wir, dass Hunde keinen Zutritt haben, weil das ganze Gebiet als Naturschutzpark ausgewiesen ist. Also ist das wohl so in allen Naturschutzparks in polen. Stattdessen machen wir „lediglich“ eine gemütliche Radtour auf der polnischen Seite bis Sromowce Wyzne und auf der slowakischen Seite dann zurück.
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Freitag, 8. August : Wir fahren in Richtung Norden. Kurz vor Krakow/Krakau besichtigen wir im Ort Wielicka die Salzgrube Kopalnia Soli, eine der ältesten Salzminen der Welt, die seit 1978 zum Weltkulturerbe zählt und seit 1996 still gelegt ist und seitdem als Museum genutzt wird. Die Anlage erstreckt sich über neun Stockwerke bis zu 327 m tief. Bei der zweistündigen Besichtigung der ersten drei Stockwerke erfahren wir über den Salzbergbau nicht all zu viel. Dafür gibt es zahlreiche aus Salz hergestellte Plastiken und Wandreliefs, außerdem Restaurants und Läden unter Tage. Beeindruckend ist dann doch ein riesiger – auch schon früher so genutzter - Kirchensaal 100 m unter der Oberfläche, in dem nahezu alles aus Salz ist : Fußboden, Wände, Decke, Altar usw.
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Kurz danach sind wir auch schon in Krakow/Krakau. Wir nehmen für 35 Sloty den erstbesten bewachten Parkplatz in der Nähe der Altstadt, eigenartigerweise auf dem Gelände eines Krankenhauses (Straße : Lazarka Nr.12). Da es schon spät ist, planen wir die Besichtigung der Altstadt für den nächsten Tag ein.
Krakow/Krakau (740.000 Einwohner), das fast sechs Jahrhunderte lang polnische Hauptstadt war, hat als einzige große polnische Stadt den 2. Weltkrieg völlig unversehrt überstanden. Der Grund : Die Stadt war während des Krieges die Hauptstadt des Generalgouvernements polen, von der aus der berüchtigte Statthalter Hans Frank mit grauenvoller Gründlichkeit die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung betrieb. Als die Deutschen 1945 abzogen, zerstörten sie die Stadt nicht. Vielleicht war Hans Frank neben seiner schrecklichen politischen Gesinnung ja ein kulturliebender Mensch.
Krakow/Krakau präsentiert sich deshalb heute in seiner originalen und wunderschönen mittelalterlichen Bausubstanz. Mit seinen 140 Kirchen, 70 Palästen und etwa 5000 erhaltenen Bürgerhäusern wurde die Stadt 1978 von der UNESCO als Teil des Weltkulturerbes ausgezeichnet und zu einer der zwölf bedeutendsten historischen Städte der Welt erklärt. Zudem erhielt sie wegen ihrer 40 Museen, 125 Galerien, zahlreichen Theater und Festivals im Jahr 2000 den Titel einer der Kulturhauptstädte Europas.
Sonnabend, 9. August : Heute Nacht hat es durchgehend geregnet und das bleibt auch den ganzen Tag über so. Aber immerhin hatten wir drei Wochen lang gutes Wetter. Da darf so etwas auch einmal sein. Wir gehen deshalb zum Muzeum Czartoryskich, das neben römische, griechische, ägyptische und etruskische Gegenständen wie insbesondere Büsten, Vasen und Mumien eine umfangreiche Sammlung alter Meister, darunter das berühmte Bild „Die Dame mit dem Hermelin“ von Leonardo da Vinci, enthält.
Durch ein gut erhaltenes altes Stadttor hindurch geht es zum Schlossberg Wawel, einem Ensemble aus Schloss, Kathedrale, Wirtschaftsgebäuden und einem gewaltigen Innenhof. Wir besichtigen die Kathedrale, die neben einer prächtigen Ausstattung auch Sarkophage zahlreicher polnischer Könige, Nationalhelden, Kirchenfürsten und Heiligen enthält.
Jetzt geht es zurück zum Womo. Uns reicht es. Es regnet nämlich immer noch und unsere Schuhe sind völlig durchnässt. Gegend Abend ziehen wir in eine Nebenstraße unterhalb des Wawel am Ufer der Weichsel um, da es für unseren hund eine schöne große Grünanlage gibt und wir von dort einen günstigeren Ausgangspunkt für die weiteren Programmpunkte haben.
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| M.Brandes: "Reisebericht Polen 17.7. - 18.8.2008"
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ein toller Bericht,
vieles deckt sich mit unseren Erfahrungen von unserer "POLENREISE" (Masurische Seenplatte, und Danzig)
zur gleichen Zeit, vom Juli 2008
leider konnten wir zeitlich nur zwei Wochen bleiben
aber im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall nochmal dort
Vielen Dank für die wirklich tollen Fotos
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Sonntag, 10. August : Die Nebenstraße, in der wir genächtigt haben, hat sich doch als sehr laut herausgestellt. Dafür scheint zum Trost wieder die Sonne vom blauen Himmel herab.
Zuerst sehen wir uns etwas genauer als gestern im Regen das Herzstück der Altstadt an : den Hauptmarkt Rynek Glowny, der mit 40.000 qm zu den größten Plätzen Europas zählt. Schöne historische Gebäude säumen den riesigen quadratischen Platz. In seiner Mitte steht zum einen eine riesige langgezogene Halle mit markanten Spitzbogenarkaden, in der 14. Jh. Tuch gelagert wurde und die heute Stände mit Kunsthandwerklichem und allerlei Trödel beherbergt.
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Zum anderen steht mitten auf dem Platz der gotische Rathausturm aus dunklem Backstein, der der verbliebene Teil des 1820 abgerissenen Rathauses ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist aber die am Rande des Platzes stehende Marienkirche Kosciol Mariacka aus dem 13. – 16. Jh. mit ihren unterschiedlich hohen und gestalteten Türmen und einem wunderschönen blauen Netzgewölbe. Und was wäre der Markt ohne die vielen gut besuchten Restaurants und Cafes und die zahllosen Menschen, die hier flanieren.
Jetzt gehen wir zu dem Kazimierz-Viertel, dem ehemalige jüdischen Viertel Krakaus. Hier sind - scheinbar eigenartigerweise - alle etwa sechs Synagogen noch erhalten. Der Hintergrund : Hitler wollte dieses Viertel zu einer Art Museum machen, in dem der „Niedergang der jüdischen Rasse“ zu besichtigen sein sollte. Gedacht war wohl, dass die Besucher beim Anblick der Synagogen von Abscheu gepackt und so in ihrem Bewusstsein als Herrenrasse gestärkt werden.
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Wir sagen Krakau adieu und fahren nach etwa 60 km weiter westlich nach Oswiecim/Auschwitz, wo wir mit dem Womo für 10 Sloty (WC und Duschen gegen Gebühr) bis zum nächsten Tag auf einem riesigen Parkplatz bleiben. Auch wenn man weiß, wofür der Name Auschwitz steht, ist es doch gut, einmal dort gewesen zu sein. Ein unmittelbarer Eindruck ist doch etwas anderes als nackte Zahlen. Zumindest ist ein solcher Besuch nicht schädlich. Zur Erinnerung : Auschwitz I war das größte Konzentrationslager des nationalsozialistischen Regimes mit dem bekannten zynischen Spruch über dem Eingang „Arbeit macht frei“. Ab 1940 wurden hier etwa 400.000 Gefangene, Juden, polen, Sinti und Roma und sowjetische Kriegsgefangene, registriert, von denen mehr als die Hälfte an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starb. Heute ist das Lager ein Museum für beide Teile von Auschwitz. Gezeigt werden auszugsweise die vielen Dinge, die man den Todgeweihten abgenommen hat wie Koffer, Kleidung, Brillen, Haare, Prothesen, Gebisse usw., aber auch akribisch registrierte Sammlungen von Fotos der Häftlinge von Auschwitz I (Auszüge siehe unten). Und ein Interessantes noch nebenbei : Das Museum ist voller Menschen. Ansonsten nerven Massen von Touristen ja immer. Hier kann man sie aber nur als positiv empfinden, zeigen sie doch, welch großes Interesse, insbesondere bei jungen Leuten, an dieser Gedenkstätte besteht. Erstaunlich finden wir, dass so viel Italiener hier sind (von denen wir auch sonst in polen relativ viel gesehen haben).
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Auschwitz II / Birkenau lieg nur wenige Kilometer entfernt. Dieses Lager wurde 1941 als größtes Vernichtungslager der Nazis auf dem Gelände der IG Farben errichtet. Bis 1945 wurden hier weit über 1 Million Menschen, darunter 90 % Juden, vergast und anschließend verbrannt, bis zu 5000 pro Tag. Heute sind noch das berühmte Eingangstor zu sehen, durch das die mit Menschen vollgepferchten Güterzüge in das Lager rollten, weiterhin etliche der äußerst primitiven Holzbaracken, in denen die - ca. 25 % - zur Zwangsarbeit selektierten als arbeitsfähig erscheinenden Juden hausten, und ein ganzes Feld voller Schornsteine der nicht mehr bestehenden Baracken.
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Montag, 11. August : Wir rutschten auf der Autobahn durch das Industrieviertel von Katowice /Kattowitz und Gliwice/Gleiwitz bis nach Opole/Oppeln. Die Universitätsstadt Oppeln befindet sich 80 km südöstlich von Breslau und zählt etwa 130.000 Einwohner. Sie wird von drei Armen der Oder durchzogen und umfasst zwei Inseln. Das Stadtzentrum am rechten Ufer der Oder wird durch ein buntes Gemisch alter und neuer Gebäude unterschiedlicher Stilrichtungen geprägt. Mittelpunkt ist der kopfsteingepflasterte Marktplatz, der durch zahlreiche Bürgerhäuser mit barocken Fassaden eingerahmt wird. In der Mitte steht das im 19. Jh. nach dem Vorbild des Palazzo Vecchio in Florenz erbaute Rathaus. In einer Nebenstraße finden wir für heute Nacht ein ruhiges Plätzchen.
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Dienstag, 12. August : Heute fahren wir – weitgehend über die Autobahn – nach Wroclaw/Breslau, einer Universitätsstadt, heute mit 650.000 Einwohnern und zusätzlich 120.000 Studenten. Durch dichtes Verkehrsgefühl erreichen wir endlich den avisierten Campingplatz an der Oder. Den gibt es aber nicht mehr, weil das Gelände von Bauwagen-Bewohnern besetzt ist. Also fahren wir zu dem nächsten Platz, der sich unmittelbar am Olimpijski-Stadion befindet. Das ist zwar weiter von der Altstadt entfernt. Dafür ist er aber fast leer. Außerdem können wir bis in die Altstadt mit den Rädern durch schöne Parks und entlang der Oder fahren, die in zwei mehreren Armen an der Altstadt vorbei fließt und dabei mehrere kleinere Inseln bildet.
Breslau wurde im Krieg zu etwa 70 % zerstört. Die meisten deutschen Bewohner flohen bzw. wurden vertrieben. In ihren Häusern fanden daraufhin Flüchtlingen aus der vormals polnischen Ukraine eine neue Heimat. Heute ist die Innenstadt wieder ein städtebauliches Juwel. Hervorzuheben ist insbesondere der Marktplatz, der mit seinen 173 x 208 m zu den größten Europas zählt und nach unserer Meinung auch der schönste ist. Er wird von zahlreichen - nach dem Krieg wieder aufgebauten - Bürgerhäusern mit prächtigen Fassaden eingerahmt.
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In der Mitte des Breslauer Marktes befindet sich ein interessantes spätgotisches Rathaus, eine durchgehende Reihe weiterer schöner Bürgerhäuser und eine Kirche, was alles zusammen einen großen quadratischen Block auf dem Platz ergibt, so dass der Eindruck eines riesigen Platzes nicht mehr unmittelbar vorhanden ist.
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