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Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?

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mueckenstuermer: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion??

Das ist eine ernst gemeinte Frage! Ich will auch nicht die anderen Threads zur Antriebsart wiederholen. Mir leuchtet nur etwas nicht ein. Siehe auch meinen Beitrag unter "Antrieb" zur Schleppachse.

http://www.wohnmobilforum.de/w-t64345.html

Beispiel:

Auf der Hinterachse lasten 3,5 Tonnen. Sind pro Rad bei einfacher Bereifung 1.750 kg, die als Last den Kontakt zwischen Straße und Fahrzeug herstellen. Diese recht hohe Last bringt viel Traktion. Je höher die Last, umso mehr Traktion.

Jetzt mache ich auf dieselbe Achse noch zwei Räder, also Zwillingsbereifung. Dann lastet aber auf jedem reifen nur noch eine Last von rund 800 kg (die zwei Räder mehr bringen ja auch ein wenig Last). Das ist nur noch rund die Hälfte wie vorher, jedenfalls pro reifen.

Wodurch soll also mehr Traktion zustandekommen, wenn man das gewicht auf der Hinterachse durch Zwillingsreifen nicht erhöhen kann (abgesehen von dem Eigengewicht der zwei zusätzlichen Räder), sondern nur auf 4 reifen verteilt??

Wir vergleichen das mal mit einem Zweirad und einem Allrad. Beim Zweirad und 3,5 To, hätten wir auf der Antriebsachse 1.500 kg für die Traktion. Beim Allrad haben wir auf 4 Rädern 3.000 kg für die Traktion, also auf den angetriebenen reifen die doppelte Last. Jeder, der als PKW zB einen Allrad fährt, kann das sofort spüren und den rieseigen Vorteil erahren. Ich tue das seit 1988 mit Allrad-Audis. Diesen Effekt würde man mit Zwillingsbereifung auf einer Antriebsachse nie erreichen.

Letzte Grundregel, die wir alle kennen und schon erfahren haben: Schmale reifen bringen im winter auf Glätte viele Vorteile, breite reifen sind von Nachteil. Mit einer Zwillingsbereifung tue ich doch eigentlich nichts anderes, als "Breitreifen" zu montieren?! Nach dieser Logik müßte also der Zwillingsreifen im Nachteil zur einfachen Bereifung sein.

Ich habe gegoogelt, zur Traktion von Zwillingsbereifung im Vergleich zur einfachen Bereifung nichts gefunden. Logisch kann ich es nicht erklären. Die Physik spricht gegen einen Vorteil und läßt Nachteile vermuten.

Der Zwilling wird was bringen bei der Traglast, klar, dafür wird er überwiegend eingebaut. Dann ggf. noch bei der Wankneigung, aber doch nicht bei der Traktion!?

Wer erklärt mir das nachvollziehbar??
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rundefan: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Hallo mueckenstuermer,

ohne jetzt viel darüber nachgedacht zu haben, würde ich sagen wollen, dass für die erhöhte Traktion bei Zwillingsbereifung schlicht und einfach die größere Oberfläche zuständig ist. Die Last bleibt, wenn man von Deinem theoretischen Vorgaben ausgeht, identisch. Die Antriebsfläche( blöder Ausdruck, ich wüsste aber im Augenblick keinen anderen Namen dafür) wird nahezu verdoppelt. Mittlerweile sehe ich auch keine Vorteile für schmale reifen im Matsch oder Schnee.

Meine o.g. Ansicht ergibt sich aus den Bremswerten auf dem Bremsenprüfstand, wo, bei sonst identischen Voraussetzungen, der zwillingsbereifte sprinter ( ich fahr nun einmal einen und bin deshalb bei einer MB-Werkstatt ) fast 40 % mehr Bremsleistung bringt. Du siehst den gedanklichen Ursprung: bessere Verzögerung wegen mehr Gummiauflage auf Asphalt entspricht bessere Beschleunigung wg. größerer Aufstandsfläche. ( so zumindest meine Meinung zu Deiner Frage )

Hoffentlich kommen jetzt noch einige, die das besser begründen können.
Freetec 598: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Ich würde mal ganz laienhaft sagen,
die Reifenaufstandsfläche verdoppelt sich
und somit auch die Gripfläche,
also die Fläche, in die die reifen
greifen können und somit den Vortrieb
erbringen.
Sonst wären ja alle Hersteller und alle Käufer
von zwillingsbereiften LKW aller Art dumm,
denn nach Deiner Theorie wäre es viel einfacher
und billiger, LKW aller Art hinten nur jeweils
einzeln bereift einzusetzen.
dem ist offenbar nicht so.
Bei unseren reifen gilt ein LI von 102,
d.h. jedes Rad darf mit 850 Kg belastet werden.
Also insgesamt dürfte die HA mit 3300 Kg
belastet werden.
bert: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Da bin ich mal auf die Antworten gespannt :) .
Vielleicht kann man es damit erklären daß 2 Räder schneller durchdrehen als vier, gefühlvolles anfahren angenommen.
Weiters kann man durch die Zwillingsbereifung vielleicht eher Grip bekommen
wenn nur ein reifen auf Eis steht.

Die neuere Generation der Allradfahrzeuge bringen die Kraft aber auch nicht mehr 50:50 auf die Straße sondern verteilen die Kraft von den durchrutschenden Rädern auf Räder mit Traktion.

Ich fahre beruflich den neuen ducato, privat einen Allradkombi und als Womo den Zwillingstransit.

Beim Duc müssen öfters schneeketten ran, der hat aber leider keine Traktionskontrolle,
wenn ein Rad rutsch ist es bald aus.

Da ich mit dem Womo nur in der schneefreien Zeit unterwegs bin kann ich über die Wintereigenschaften des transit nichts sagen.

Mit dem Allradkombi ( Oktavia 1Z) macht der winter einfach nur Spaß.

Auf nassen Wiesen ist das zwillingsbereifte Fahrzeug, durch mehr Auflagefläche im Vorteil, aber im Schnee :?:

Ich hätte aber trotzdem gerne den transit mit Allrad und Zwillingsreifen :D

bert
tober: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Mit Berechnungen/Formeln kann ich nicht dienen. Aber "mehr reifen" heisst ja auch mehr auflagefläche - beim Zwilling doppelt soviel (man bin ich schlau :D) - und das bringt evt. mehr Traktion als der "gewichtsverlust" nimmt.


Wehe es kommt einer und bringt ne Mathematische Berechnung die meine Illusion zerstört :ironie:
Lancelot: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
mueckenstuermer hat folgendes geschrieben::

Wodurch soll also mehr Traktion zustandekommen, wenn man das gewicht auf der Hinterachse durch Zwillingsreifen nicht erhöhen kann (abgesehen von dem Eigengewicht der zwei zusätzlichen Räder), sondern nur auf 4 reifen verteilt??


Weil Du die "Fläche" der angetrieben Räder nicht berücksichtigst :)

Nicht nur die reine Last ist maßgeblich, sondern in erster Linie der wirksame Bodendruck, bestehend aus "Fläche" und "gewicht".

Mit kleinem Bodendruck wird das Fahrzeug zunächst weniger tief einsinken, mit großer Fläche erhöhst Du bei angetriebenen Rädern den wirksamen Vortrieb (Du kriegst die Motorkraft besser auf die Straße - Prinzip Breitreifen bei viel Motorkraft).

Außerdem ist bei der Tandemachse ja NIX angetrieben ... die trägt somit zum Vortrieb/Traktion garnix bei ...
willi_chic: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
hallo,

gemäß der reinen Physik ist die Reibung folgendermaßen definiert (Amontonssches Gesetz):

Reibungskraft = Reibungskoeffizient x Normalkraft (= Radlast)

die Fläche taucht hier nirgendwo auf.

Winterrreifen sind schmäler als Sommerreifen, bestätigen also das Gesetz
Hecklastige Fronttriebler drehen deshalb durch

allerdings gibt es 2 gegenläufige Kräfte:

- die Adhäsion, steigt proportional mit der Fläche

- die Verzahnung über das Profil, jede Zahnkante verhakt sich mit dem Untergrund, je mehr Zähne (=Fläche) desto mehr Reibung

soweit meine Physikkentnisse, was tatsächlich Sache ist dürfte in der empirisch gewonnenen Erfahrung der Reifenhersteller schlummern

grüße klaus
Lancelot: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
willi_chic hat folgendes geschrieben::

gemäß der reinen Physik ist die Reibung folgendermaßen definiert (Amontonssches Gesetz):


Ja Klaus :)

es geht aber nicht nur um "Reibung", sondern um Traktion :

Zitat:

Der Begriff Traktion (lateinisch trahere = ziehen) bezeichnet die ziehende Kraft, mit der ein Fahrzeug beschleunigt wird. Ein reifen hat eine hohe Traktion, wenn er die Beschleunigungskräfte des Motors mit möglichst geringen Verlusten auf die Straße übertragen kann.

Dabei gilt: Traktion = Motorkraft minus Schlupf.


Schlupf:

Zitat:

Wird ein reifen abgebremst, dann dreht er sich etwas langsamer, als es der Geschwindigkeit des Fahrzeugs entspricht. Die dabei pro Reifenumdrehung zurückgelegte Strecke entspricht dann nicht mehr dem Reifenumfang. Denn der reifen rollt nicht mehr exakt auf der Fahrbahn, sondern gleitet zum Teil darüber. Der (in Prozent gemessene) Anteil dieses Gleitens wird Schlupf genannt. Ein einfaches Beispiel: Auf einer 20 Meter langen Strecke dreht sich der reifen eines normal rollenden Pkw zehnmal. Bei einer Bremsung auf derselben Strecke ist es möglich, dass sich der reifen nur achtmal dreht. Die fehlenden zwei Umdrehungen des Reifens entsprechen dem Schlupf, der in diesem Fall 20 Prozent beträgt. Ein total blockiertes Rad hat also 100 Prozent Schlupf. Das gleiche gilt für einen reifen, der auf vereistem Untergrund durchdreht, weil sich sein Profil nicht mit dem Untergrund verzahnen kann.


Quelle : Conti --> Link
icealiens97: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Ich versuche das mal laienhaft zu erklären:

Wir lassen jetzt mal die Achlastverteilung ausser Acht. Da diese in den meisten Fällen ein weiterer Traktionsvorteil bei angetriebener HA ist, macht das für das Verstehen des Grundprinzip nichts aus.

Die Kraft die notwendig ist, um ein 5 Tonnen schweres Gefährt in der Ebene zu bewegen, ist konstant.

Fahrzeug A, Frontantrieb, Tandemachse = 6 reifen. Um die Fuhre nun nach vorne zu bewegen, wird der Haftwert von 2 der 6 Räder beansprucht.

Fahrzeug B, Heckantrieb, Zwiilingsreifen hi, = 6 reifen. Hier stehen nun von 4 von 6 Rädern die Haftkräfte zur Verfügung, um Motorkraft über reifen in eine Drehbewegung umzusetzen und die 5 Tonnen zu bewegen. Die Kraft die dazu nötig ist, ist in beiden Fällen gleich. Bei Fall A stehen aber nur 33% der Räderhaftung aller 6 Räder zur Verfügung um diese auf die Strasse zu bringen, in Fall B jedoch 66 %.

Bei Allrad sind es beispielsweise 100%.

Um das Genau auszurechnen, muss man jetzt natürlich noch das gewicht, mit dem die einzelnen Räder auf den Boden gedrückt werden mit einrechnen. Da die meisten Fahrzeuge aber Hecklastig sind, bleibt es beim Traktionsvorteil für die Zwillingsbereifte Hinterachse.

Gruß
Martin
gerald: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
mueckenstuermer hat folgendes geschrieben::


Wodurch soll also mehr Traktion zustandekommen, wenn man das gewicht auf der Hinterachse durch Zwillingsreifen nicht erhöhen kann (abgesehen von dem Eigengewicht der zwei zusätzlichen Räder), sondern nur auf 4 reifen verteilt??



mehr Auflage - mehr Reibung - mehr Grip.
Noch etwas gesteigert siehe hier:




vg gerald
willi_chic: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Hallo Wolfgang,

und die physikikalische Definition bringt es wieder zur Reibung zurück:

Traktion τ ist das Verhältnis der an der Haftreibungsgrenze möglichen Beschleunigung in Fahrtrichtung zu der senkrecht zur Fahrbahn wirkenden Erdbeschleunigung

Contis Erklärung des Schlupfs bringt auch die Verzahnung ins Spiel:
"...der auf vereistem Untergrund durchdreht, weil sich sein Profil nicht mit dem Untergrund verzahnen kann"

Martins Erklärung über den Haftwert ist auch logisch, 4 reifen pappen besser als 2

ist ja ein interessantes Thema, weil so widersprüchlich, deshalb hab ich mal ein bissi in Wiki gestöbert:

"Gemessen wird der Reibungskoeffizient bei Metallen an polierten Oberflächen, um eine mechanische Verzahnung (Formschluss) weitgehend ausschließen zu können. Ausschlaggebend sind die Adhäsions- und Kohäsionskräfte zwischen den Materialien. Es bilden sich je nach Material Van-der-Waals-Kräfte oder in polarisierten Werkstoffen Wasserstoffbrückenähnliche Kräfte zwischen den Oberflächen. Am höchsten ist die Werkstoffhaftung bei ionischen Werkstoffen wie z. B. Kochsalz"

und weil das in die "schwachen nicht-kovalenten Wechselwirkungen zwischen Atomen oder Molekülen, deren Wechselwirkungsenergie mit etwa der sechsten Potenz des Abstandes abfällt" führt, wird mir das jetzt alles zu hoch

in dem Glauben und der Hoffnung daß Zwillinge doch die bessere Traktion haben....sonntägliche Grüße klaus
mueckenstuermer: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
Scheint nicht so einfach zu sein!

Noch mal: Nicht Vorderrad oder Heckantrieb ist die Frage, sondern der angebliche Vorteil des Zwillings zum Single. Hebt also das geringere gewicht pro reifen nicht den Vorteil der größeren Fläche längst auf?!

Die Formel von oben scheint ja Die Fläche für nicht bedeutend zu halten. Mit der Logik müßte ein Breitreufen im winter Vorteile haben, die er aber eben gerade nicht hat....

Suchen wir weiter nach Argumenten!
matthiast4: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
gerald hat folgendes geschrieben::
mueckenstuermer hat folgendes geschrieben::


Wodurch soll also mehr Traktion zustandekommen, wenn man das gewicht auf der Hinterachse durch Zwillingsreifen nicht erhöhen kann (abgesehen von dem Eigengewicht der zwei zusätzlichen Räder), sondern nur auf 4 reifen verteilt??



mehr Auflage - mehr Reibung - mehr Grip.
Noch etwas gesteigert siehe hier:




vg gerald


Die Reibung ist von der Reibfläche völlig unanhängig. Das ist Physik 7. Klasse.

Selbes 'Problem' übrigens - warum sind breitere reifen in der Lage höhere Kräfte zu übertragen, sowohl beim Beschleunigen, als auch beim Bremsen?

Die Antwort lautet u.a. FORMSCHLUSS / Verzahnung mit dem Untergrund. Darüberhinaus kann man einen reifen mit weniger Traglast auch noch weicher bauen, da sich die Belastung ja auf 2 reifen verteilt. Das Thema ist schon etwas komplexer.
thomas56: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
das wird wohl nicht viel mit Vorteil zu tun haben, es gibt ja auch Einzelrad als Heckantrieb. Es ist aber so, dass es reifen nicht bis zur Endlosen Traglast gibt, um diese Lasten zu splitten wählt man Zwillingsreifen.
-So denke ich mir das.-
willi_chic: "Warum bringt Zwillingsbereifung (angeblich) mehr Traktion?"
mueckenstuermer hat folgendes geschrieben::
Scheint nicht so einfach zu sein...

wahrscheinlich muß man differenzieren:

glatter Untergrund (Eis) -> eher Reibung mit Betonung auf hoher Radlast/kleiner Fläche

matschiger Untergrund (frischer Pappschnee) -> eher Verzahnung über große Auflagefläche
was bringen Zwillinge ohne jedes Profil im Matsch ??

grüße klaus
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