Und da wir eigentlich schon auf vielen auch politisch riskanten Flecken dieser Erde waren, kratzten wir unseren gesamten Mut zusammen und beschlossen nun auch einmal in die DDR einzureisen.
Gewagt, denn unser gegen einen Trabant 601 mit Klappfix doch dekadent wirkendes Wohnmobil könnte ja „drüben“ Neid auslösen und die Staatsicherheit dazu bewegen es uns zu enteignen, damit Ärich und Konsorten damit ihre Jagdausflüge in Zukunft gestalten. Skeptisch waren wir auch wegen der Schüssel auf dem Dach und dem Kameraauge im Heck, könnten wir doch schließlich als Spione in Bautzen landen.
Einige „Protzmobil“ Ausgaben, auffällig in die Regale gelegt, sollten den Grenzern zeigen, dass die Weißware auf Fiat kwasie auch nur ein Volksmobil wie der Trabbi war.
Und so, alle Zweifel blieben, die Neugier war stärker, auch taten uns die armen Ostbürger leid, die es doch wert waren, mal besucht und beschenkt zu werden. So luden wir Südfrüchte, Westliteratur, Naschwerk und guten Westkaffee. Alles natürlich gut versteckt in den Schränken, wo wir hofften, daß die Grenzer niemals hinter die Druckknopfmechanik kommen sollten.
Das Mobil wurde vor der Reise noch ordentlich gereinigt und mit einer Wachsschicht versiegelt, denn wir hörten viel über die Verschmutzung von Industrie und den Braunkohleöfen der Ostbürger.
Und so ging am 2.Juni2012 die Reise los in Richtung DDR. Autohof Holdorf eine letzte Stärkung beim Wirt des güldenen Emm, denn wir wussten, die folgende Woche wird hart.
Der Verkehr wurde ruhiger, wer will dort auch hin. Die ersten Schilder mit der groben Richtung Schwerin lösten feuchte Hände am Lenkrad aus, hatten wir doch viel von den berüchtigten Grenzkontrollen gehört. Auch die Reaktionen auf unseren vierbeinigen Begleiter sorgten uns, schließlich musste man für Fleisch drüben wohl lange anstehen. Würde er als zähes Sauerfleisch im Topf enden?
Die Gedanken kreisten…
Plötzlich!!! Eine verlassene Grenzanlage…ich stockte…lautes Gehupe und Lichtsignalgewitter von hinten, ich gab wieder Gas und wir waren drüben! Unfassbar. Drüben. Einfach so…
Da das Navigationsgerät auch drüben weiter arbeitete, legten wir den Shell-Atlas78, ein Erbstück von meinem Vater, beiseite und erreichten um 18:00 Sternberg.
Der Campingpark bietet zwar einen Wohnmobilhafen mit fast fertiger Versorgungsstation, da wir aber erst Montag weiter wollten, wählten wir den Campingplatz, der schöne Stellflächen direkt am See bereit hielt. Den Ortskern mit schöner restaurierter Altstadt erreicht man problemlos zu Fuß. So waren wir hungrig und Broiler, Grilletta und ein paar frisch gezapfte Petermännchen würden es schon tun. Ich hatte mir die Nationalspeisen extra vorher in einschlägiger Literatur ausgewählt. Man soll niemals unvorbereitet Reisen.
Wir fanden die „Gaststätte am Markt“ und es wurde H…röder und der Holden ein leckerer Portugieser serviert. Zu essen gab es für die Dame Zanderfilet und für mich eine leckere Scholle. Alles hervorragend hergerichtet mit modernen Saucen und köstlichen Beilagen. Irgendwie muss sich in den letzten Jahren in der DDR etwas verändert haben, deuchte es mir. Vielleicht hätte ich statt vor dem Computer doch mal lieber vorm Fernseher sitzen sollen. Und auch hier, die Schüssel unseres Wohnmobils empfing abends ganz normales Westfernsehen. Trotzdem zogen wir vorsichtshalber die Jalousien runter und dämpften die Lautstärke.
Morgens beim Brötchen holen entdeckte ich sogar einen Farbfilm, den ich sogleich einlegte.
Eine wirklich herrliche Landschaft mit Wander und Radwegen. Hier gewöhnten wir Muffin auch an sein neues Gefährt, damit wir auch mal weitere Touren gemeinsam machen können, ohne das Wohnmobil jedes Mal mitzunehmen. Es wurde laut, das Gejammere forderte menschliche Nerven, aber als „Rütter für Arme“ hab ich den Hänger tapfer Runde um Runde gezogen.
Sternberg ist ein idealer Ort, den Urlaub in ruhiger gemütlicher Atmosphäre zu beginnen. Viel Natur, aber es ist auch im Ort am Wochenende sehr ruhig und nicht auf Touristenströme ausgelegt.
Das Wetter war angenehm und trocken, abends ließen wir den Ofen bullern.
Montag früh, das ist bei uns so halb zehn, da wurde gefrühstückt, der Mops entleert und das Wohnmobil klargemacht in Richtung Fischland. Wir entschieden uns aber, vor der Insel zu bleiben und auf dem Ort Dierhagen aufzuschlagen.
Fortsetzung folgt.









