Hallo, es geht weiter.
Wo waren wir gleich stehen geblieben :?:
Ach ja, in der seterhütte bei Christian :!:
So ein seter in
Norwegen ist ca. 5 -10 ha groß und besteht aus kleinen lichtungen im wald mit weide und wiesenflächen und weiträumigen waldweideflächen rund um das "zentrum" mit einer bewohnbaren hütte, welche einen extra raum für die milchverarbeitung, käseherstellung und käselagerung hat. In der nähe der seterhütte sind noch blockhausahnliche gebäude zur winterfutterlagerung und aufstallung der vorhandenen tiere zum melken.
Der tierbestand setzt sich zusammen aus 8 - 10 milchkühe, 8 -10 kälber oder jungrinder und 15 - 20 schafe oder milchziegen und einem hütehund. Die betreuung der tiere, das melken, die milchverarbeitung und käserei wurde früher meist von der älteren bauerngeneration übernommen. Jeder bauernhof hat einen oder mehrere seter. Der nächste seter einer anderen bauernfamilie liegt nur einige hundert meter weiter.
Der Gutuliaseter, auf dem wir jetzt waren gehört der ehefrau von Christian und wurde noch bis ende der siebziger jahre im vorigen jahrhundert noch aktiv bewirtschaftet.
Für die erhaltung der seterbewirtschaftung wird von der norwegischen landwirtschaftsverwaltung viel unternommen und gefördert, entweder eine nutzung als ferien- oder wochenendhütte, oder eben wie hier als wanderziel mit beköstigung und eventueller übernachtung.
Christian ist pensionär und ist, wenn sein schild am parkplatz und sein auto da stehen fast täglich zwischen 12 und 18 uhr in den sommermonaten und am wochenende in den wintermonaten auf dem seter und kocht kaffee und backt waffeln für die ankommenden touristen und wanderer.
Er kommt mit einem Cherokee bis zum bootssteg und fährt mit einem kleinen motorboot in 15 min übern see wo wir fast eine stunde für die knapp 3 km um den see rum brauchen.
Dann beobachten wir noch wie er den kaffee zubereitet - echt norwegisch -
kaffeepulver in kochendes
wasser aufkochen, absetzen lassen und in pumpthermoskannen umfüllen.
Interessant ist sein waffelnbacken. Nicht etwa eine fertige waffelmischung von TORO, nein, altes rezeptbuch was schon vielleicht 50 - 100 jahre in der seterhütte auf einem balken liegt und dann mit meßbecher wasser, mehl, usw. dazu, das alles sehr genau mit brille auf der nase und hygienisch mit gummihandschuhen an, die mischung in einer schüssel umgerührt und zurechtgemacht, das alles ohne mixer, denn elektrisch strom gibt´s hier nicht. Das modernste was zu sehen war ist ein auch schon altes kofferradio mit batterien, die zweiflammigen gaskocher, die thermospumpkannen und pappbecher für den kaffee, und die pappteller für wie waffeln.
Auf der offenen gasflamme lag ein waffeleisen mit einem langen griff, welches erst mal erwärmt werden muß bevor der waffelteig rein kommt.
Leider hab ich davon keine fotos gemacht, habe aber mal ein bild von so einem waffeleisen rausgesucht.
Gibt es in N noch in sogenannten outdoorläden und gehört eigentlich zu jeder hüttenküchenausrüstung - könnte für die waffelliebhaber wie wir auch im
Womo dabei sein.
Als dann unsere waffeln fertig waren hat er uns bescheid gegeben. Für auf die waffel drauf konnte man zwischen erdbeer-, himbeermarmelade und rømme(saure sahne) wählen. Wir nahmen unseren papptellel mit waffel und erdbeermarmelade und unseren pappbecher mit kaffee aus der pumpkanne und setzten uns draußen au die bank am giebel der hütte. Es hat köstlich geschmeckt und
hund Vicky hat fast noch die pappteller aufgefressen.
Dann kam eine dunkle wolke, es donnerte auch mal und alle anwesenden gingen schnell in die hütte, weil ein platzregen runterprasselte. später kamen noch einige völlig durchnäßte gäste dazu, welche froh waren .
Die hütte war um den tisch rum gut besetzt mit 8 erwachsene und zwei kinder, 5+6jährig, welche auf den betten rumtobten und zwei hunde.
Christian hatte mit waffelbacken voll zu tun und draußen regnete es bindfäden. Es war richtig urgemütlich, der kamin wurde wieder angeheizt zum sachen trocknen, die pumpthermoskannen kamen auf den tisch und alles duftete nach lecker waffeln.
Christian zeiggte mir noch die alte handbetriebene milchzentrifuge und den kupferkesses über der offenen feuer wo früher der käse karamelisiert wurde,
der braune schnittkäse den man heute noch in N kaufen kann, und erzählte vom seterleben.
In den sommermonaten bekommt er täglich besuch von 20 -60 gästen im laufe des tages.
So verbrachten wir ca. 1,5 - 2 stunden bis der regen etwas weniger wurdeund die ersten sich zum aufbruch rüsteten.
Wir haben uns dann recht herzlich bedankt, auch bezahlt, unsere regenponchos aus dem rucksack geholt und uns auf den rückweg zum
Womo gemacht.
Die regenponchos waren das erste mal im einsatz und haben sich bewährt, besser wie regenjacke, -hose oder -mantel. auch der rucksack passt gut drunter. Sieht nur ein bischen komisch aus :D
Unterwegs zum
Womo waren wir uns dann einig hier auch zu übernachten und weil das wetter wieder besser wurde, im
Womo zum duschen auch nur kaltes
wasser war, kam doch die fixe idee auch noch zu baden.
Naja, es war kalt, seeeeeeeehr kaaaaaaaaaaalt - bestimmt vor vier wochen noch zugefroren - aber sehr erfrischend :!:
Nach der erfrischung machten wir es uns gemütlich im womo.
Nach einer weile kam ein boot übern see - Christian mit hund.
Er nahm eine leere gasflasche mit in seinen Cherokee stieg mit dem
hund ein und wollte los, aber der motor springt nicht an. Wir konnten das nicht hören und haben nur beobachtet wie er die motorhaube öffnet.
Neugierig stieg ich aus dem
Womo und ging die 50 m bis zum Cherokee.
Ich sprach mit ihm und bot starthilfe an. Er lehnte dankend ab, versuchte zu erklären wo das problem liegt und begann mit der demontage des obenliegenden ventildeckels - also ein ihm bekannter fehler, weshalb er auch entsprechendes werkzeug und ersatzteile im fahrzeug hatte.
Er zeigte mir einen ventilstößel, welcher unter dem kipphebel vorgesprungen ist. Dieser wurde ersetzt durch einen neuen und der wieder unterm kipphebel plaziert, alles wieder zusammen gebaut, werkzeug und ersatzteile wieder eingepackt und gestartet.
Während der ganzen reparatur hab ich mich mehrmals mit AntiBrumm eingesprüht und war fasziniert, daß die mücken den Christian nicht attakierten. Er grinste, lüftete auch das geheimnis, erzählte das sich die einheimischen immer heimlich unbeobachtet auch einsprühen und zeigte mir seine sprühflasche
:D - die sind also auch nicht immun, sondern tun nur so :D
Wir haben noch etwas erzählt, er fragte ob wir morgen auch noch mal zum seter kommen, er hätte dann frische fische, weil er heute abend noch wenn er zurück kommt ein netz aufstellen will. Ich verneinte, bedankte mich für das angebot und wir verabschiedeten uns.
Wir haben dort eine sehr ruhige nacht verbracht und sind dann am montag vormittag gefahren.
