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Die Orkney Inseln im Winter I

permanenter Linkvon gnarz18 am 17 Jan 2020 22:54:32


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Da wir das Wohnmobil nicht täglich benutzen, gehe ich kurz vor dem Urlaub zu unserer fahrenden Unterkunft, um nach dem Rechten zu sehen und mit den Urlaubsvorbereitungen anzufangen. Unser Auto steht ca. 200m von uns zuhause entfernt auf einem angemieteten Stellplatz. Als ich dann das Womo betrete merke ich sofort: hier stimmt was nicht. Es stinkt! Normalerweise räumen wir unser Auto immer komplett leer, diesmal lagert allerdings ein Stapel Decken und Kissen auf den Sitzen der Dinette. Und auf eben diesen Stapel liegen jede Menge Tempo-Tücher und andere Schnipsel. Mir ist sofort klar, dass wir Mäuse im Auto haben. Vorsichtig hebe ich Decke für Decke ab, und tatsächlich sehe ich mich auf einmal Auge in Auge mit einem dieser Nager. Bevor ich überhaupt irgendetwas machen kann, springt das blöde Vieh todesmutig von dem Stapel und verschwindet irgendwo hinter der Verkleidung. Da wir außer Konserven und ein paar Gläsern mit Gürkchen usw. keine Nahrungsmittel im Auto haben denkt man sich, was können so kleine Tiere schon großartig anstellen!? Wir werden eines besseren belehrt. Außer dass es fürchterlich nach Mäusepisse stinkt, haben die Nager sämtliche Decken, Schlafsäcke, Handtücher, Matratzen und Polster angefressen. Das Serviceheft von Auto und das gelbe Gasprüfheft im Handschuhfach besteht nur noch aus Schnipseln. Das Schlimmste ist aber, dass alle Sicherheitsgurte bis zur Hälfte durchgenagt sind! Die scheinen besonders gut zu schmecken.

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Mist, ich will Rache

Den Sonntag verbringen wir dann also mit intensivem Putzen und Sichten der Schäden. Mit defekten Sicherheitsgurten kann man auf jeden Fall nicht in Urlaub fahren. Am Montag kontaktiere ich dann den Ford-Händler unseres Vertrauens und erfahre, dass ein Ersatzgurt mit 460€ zu Buche schlägt. Wow, das ist ja mal eine Ansage! Er rät mir, den Schaden der Versicherung zu melden. Uns läuft ein wenig die Zeit davon. Die Versicherung meint dann: Ohne Gutachter würde da gar Nichts gehen. In mir entwickelt sich purer Hass und nachmittags kaufe ich sofort 8 Mausefallen, um dem Leben dieser Nager ein Ende zu setzen. Paula will noch die Existenz von Lebend-Fallen thematisieren, stößt aber bei mir und meiner GG auf absolut taube Ohren. Wir wollen Rache! Es dauert knappe 4 Stunden und meine Fallen haben zwei Mäusen das Genick gebrochen. Wobei die Zahl 2 natürlich Raum für Spekulationen lässt, aber ich denke mir, da die eine Maus quasi in ihrem Nest in unseren Decken saß, dass sich dort auch eventueller Nachwuchs befunden hätte.
Der Gutachter ist glücklicherweise auf Zack und kommt kommt bereits mittwochs vorbei, um sich den Schaden anzuschauen. Nach der Besichtigung teilt er mir bedauerlicherweise sofort mit, dass normalerweise nur Marderbissschäden versichert sind. Steht auch so explizit in den meisten AGBs. Ich kann’s nicht fassen und schaue zuhause direkt in die Versicherungsunterlagen. Aber wie gesagt, der Gutachter ist auf Zack und während ich noch recherchiere, ruft er mich eine halbe Stunde später nochmal an und teilt mir mit, dass bei der RMV-Wohnmobilversicherung auch Tierbissschäden mitversichert wäre und damit von seiner Seite aus einer Regulierung nichts im Wege stehen würde. Da hätte ich wohl Glück, meinte er! Für 1200€ werden uns dann am Donnerstag neue Gurte eingebaut. Die Sicherheitsgurte in der Dinette baue ich abends selbst ein, diese hatte ich schon vorab sonntags noch im Netz bestellt.
Freitag sind wir dann trotz allem reisefertig und es geht tatsächlich los. Diesmal nehmen wir die Fähre von Zeebrügge nach Hull. Die Fähre nach Newcastle war leider schon ausgebucht und somit dauert die Fahrt nach Schottland gut zwei Stunden länger. Uschi und ich packen vormittags das Auto, bestücken die Betten mit neuen Matratzen und schaffen es pünktlich Paula um 13:15 von der Schule abzuholen. Die Fahrt geht relativ staufrei über Brüssel bis an die belgische Küste nach Zeebrügge. Um 16:00 erreichen wir den Hafen und obwohl die Fähre erst um 19:00 ablegt, können wir direkt an Bord fahren und die Kabine beziehen.

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Hafen Zeebrügge

Die Bars und der Shop haben schon alle geöffnet und ein sehr, sehr mäßig begabter Musiker klimpert in der Lounge-Bar auf seiner Gitarre und versucht sich an den aktuellen Hits. Das tut ehrlich gesagt schon fast weh, was der Typ da so vorbringt und wir wechseln zumindest für die Dauer des Auftritts in eine andere Bar. Das Schiff legt pünktlich ab und wir begeben uns sofort zu dem schon vorher gebuchten Buffet. Das Essen ist auf jeden Fall besser als bei der DFDS Amsterdam - Newcastle. Auch das Ambiente ist nicht ganz so Kantinen-like. Den Abend lassen wir dann in einer der Bars ausklingen. Die Nacht ist ruhig und um kurz nach 7 Uhr sind wir beim Frühstücksbuffet. Die Fahrt durch die Flussmündung bis zum eigentlichen Hafen in Hull dauert recht lange, außerdem muss das Schiff kurz vor dem Anlegen noch durch eine Schleuse.

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Schleuse in Hull

Ist zwar mal interessant anzusehen, kostet allerdings auch mächtig Zeit. Um kurz nach neun können wir als letztes Fahrzeug das Schiff verlassen. Eine gute Stunde stehen wir in der Warteschlange bis wir endlich bei der Passkontrolle ankommen und werden natürlich dann noch als letztes Fahrzeug in die spezielle Untersuchungshalle geschickt. Dort stehen noch drei Fahrzeuge vor uns und warten auf ihre Durchsuchung. Ein englischer VW Tuareg ist bis unter das Dach voll mit Alkohol, außerdem fördern die Beamten noch zwei Müllsäcke voll mit Zigaretten zu Tage. Begeisterung sieht anders aus, die beiden Insassen sehen reichlich bedrückt aus. Aber was erwarten die denn auch, wenn man zu zweit in einem Tuareg unterwegs ist bei dem die Vorderräder fast in der Luft hängen und die Hinterräder schon fast im Radkasten schleifen... Die ganze Prozedur dauert extrem lange und die Beamten sind ziemlich gründlich. Ich gehe zu den Beamten und bitte sie, ob sie nicht schon mal bei mir anfangen könnten, immerhin sind sie zu Acht - wovon fünf mit den Händen in der Tasche den anderen beim Arbeiten zuschauen. Man bequemt sich dann auch zu unserem Auto und wie alle anderen Autobesatzungen müssen wir das komplette Auto ausräumen. Es werden zwei Hunde an unserem Gepäck vorbeigeschickt, die Hunde kommen in den Alkoven um dort nach Drogen zu suchen, es wird das Wasser im Wassertank kontrolliert, das Handschuhfach wird ausgehangen und hinter die Armaturen geschaut usw. usw. Bei Fragen wie “Grund der Reise” bleibt meine GG erstaunlich gelassen und erklärt der Protokoll-schreibenden Beamtin, dass wir mit unserem Wohnmobil tatsächlich Urlaub in ihrem schönen Land machen möchten. Unsere Laune sinkt immer weiter und so langsam können wir uns ein bisschen Rumstänkern nicht mehr verkneifen. Die Beamten machen natürlich nur ihre Arbeit und faseln dauernd “we have to protect our border”, aber so richtig professionell wirkt das Ganze dann eben doch nicht. So werden wir im Gegensatz zu den Tuareg-Fahrern nicht persönlich durchsucht. Außerdem prüfen sie weder Toilette noch Gasflaschen oder unsere Zargesbox auf dem Radträger, dafür aber den Inhalt der Weihnachtsgeschenke und unser Spritzwasser. Nach geschlagenen drei Stunden werden wir dann unhöflich und legen uns mit einer Zollbeamtin an, die offensichtlich hier das Sagen hat. Bringen tut es natürlich Nichts, aber es beruhigt zumindest etwas. Gefunden haben die Beamten selbstverständlich Nichts (mal abgesehen von dem Brotmesser, dass mal wieder als Waffe wegen stehender Klinge mit 26cm Länge gewertet wird), aber der Zeitverlust ist natürlich enorm. Wir wollten eigentlich am Abend schon im Norden von Schottland sein, daraus wird jetzt natürlich Nichts. Da es vom Hafen nicht mehr weit bis in die Innenstadt von Hull ist, nutzen wir die Gelegenheit um uns einen Daten-Sim-Karte zu organisieren, Tochter... Internet ist ja wichtig. Bei vodafone finden wir ein Bundle für knappe 30 Pfund mit einem Datenvolumen von 60GB. Damit kann man dann auch mal TV streamen. Wir halten uns nur kurz in Hull auf und fahren über die A1 Richtung Norden. Wir kommen gut voran. Man merkt, dass man immer weiter in den Norden kommt, die Sonne steht tief über dem Horizont und alles wird in ein gold-gelbes Licht getaucht.

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Bei Scotch Corner wechseln wir auf die M6 und erreichen am frühen Abend Glasgow. Über Stirling, Perth geht es bis nach Aviemore. Hier machen wir bei geschmeidigen -3°C Pause und essen etwas. Dank der 3000 Freiminuten unserer neuen Daten-Sim-Karte ( wobei ich mich schon frage, wie man bei einer Karte, die 30 Tage gültig ist, auf 50 Stunden Telefoniererei kommen soll ) haben wir von unterwegs die Überfahrt zu den Orkney-Inseln reserviert. Wir müssen daher spätestens um 12:30 am Sonntag in Gills Bay in der Nähe von John o’ Groats sein. Also geht es nach einem gar nicht so üblen Fish n’ Chips weiter nach Inverness, von dort weiter über die A9 bis nach Tain. Oberhalb des Städtchens stellen wir uns für die Nacht auf einen Waldwanderparkplatz. Die Nacht ist ziemlich kalt und die neuen Schlafsäcke wohl doch nicht so wärmend wie gedacht.

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unser Platz für die Nacht

Es ist Sonntag und dementsprechend ist zum Glück auf den Strassen wenig los.

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es ist lausig kalt, aber es gibt einen schönen Sonnenaufgang

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kurz vor Wick

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So langsam stellt sich richtige Urlaubsstimmung ein und gegen kurz vor elf erreichen wir Wick. Wir tanken und gehen beim Lidl ein paar frische Sachen einkaufen, da wir unseren Kühlschrank auf der Fähre natürlich ausgeschaltet lassen mussten. Wick haben wir als nicht besonders interessante Stadt in Erinnerung und da sonntags die Shops geschlossen sind, verzichten wir auf eine nähere Erkundung und fahren stattdessen für einen kurzen Stopp nach John o’ Groats. In einem ziemlich versifften Cafe vor Ort gehen wir einen miserablen Kaffee trinken. Im Winter wirkt das ganze ein wenig trostlos, die meisten Shops haben geschlossen und wir stehen fast alleine auf dem geräumigen Parkplatz.

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John o’ Groats

Ab und zu kommen ein paar Touries angefahren, um vor dem bekannten Entfernungsschild ein Selfie zu machen und verschwinden dann auch wieder schnell. Um kurz vor 13Uhr sind wir in Gills Bay, von wo unser Schiff zu den Orkneys ablegt. Es gibt drei Verbindungen zu den Inseln: von Aberdeen, Scrabster mit der Northlink oder von Gills Bay mit dem Familienunternehmen Pentland Ferries. Letztere ist die günstigste und dazu noch die schnellste Verbindung. 97 Pfund bezahlen wir für die knapp 1-stündige Überfahrt und kaum haben wir uns in die Warteschlange einsortiert, kommt auch schon der neue in Vietnam gebaute Katamaran der Pentland Ferry angefahren.

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Alfred

Das Schiff sieht auf den ersten Blick genauso aus wie das, mit dem wir vor 10 Jahren auf die Orkney Inseln gefahren sind. Der neue erst zwei Monate alte “Alfred” ist aber um einiges größer als das alte Schiff. Trotz “größer neuer besser umweltfreundlicher” muss ich mit dem Wohnmobil wie beim letzten Mal auch immer noch rückwärts auf die Fähre fahren. Das Personal achtet dabei akribisch darauf, dass ich mit meinem Heck nicht aufsetzte. Mit einem längeren Überhang wird das schon kritisch. Der Katamaran ist ziemlich flott unterwegs und die Überfahrt recht kurzweilig. Bei tollem Wetter mit Sonnenschein und gewaltigen Wolken geht es an den Inseln Stroma und Flotta vorbei bis nach St. Margaret's Hope.

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auf der Fahrt nach St. Margaret's Hope

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Hoy

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Unser erstes Ziel in Orkney ist Deerness. Dort gibt es einen Campingplatz, der auch im Winter geöffnet sein soll. So langsam geht die Sonne unter und die tief stehende Sonne taucht die Landschaft in eine gold-gelbe Farbe, die die Landschaft schon fast unwirklich erscheinen läßt.

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die Churchill Barriers bei Sonnenuntergang

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Eigentlich ist der CP mehr ein Stellplatz neben dem Community Center. Der Parkplatz des Gemeindehauses verfügt über zwei Stromanschlüsse und man kann die sanitären Anlagen des Hauses mitbenutzen. Wir platzen in eine Weihnachtsfeier der Dorfkinder und keiner weiss Bescheid, wie das mit dem SP so funktioniert. Aber man ist natürlich sehr hilfsbereit, gemeinsam finden wir eine Telefonnummer und ein paar Minuten später steht Linda auf der Matte und zeigt uns die Laundry, Duschen und Toiletten. Eine spezielle Entsorge-Möglichkeit hat der Platz nicht, aber wenn wir keine Chemie verwenden, sollten wir unsere Kassette einfach in die Toilette entsorgen. Sie händigt uns noch einen Schlüssel aus, für den Fall, dass wir länger oder nochmals kommen würden und sie nicht erreichbar wäre. Das Geld ( 15Pfund/Nacht) und den Schlüssel könnten wir einfach in den Briefkasten werfen. Als alles geregelt ist, ist es gerade mal 16Uhr - aber schon pechschwarze Nacht. Also fahren wir noch nach Kirkwall, der Hauptstadt der Orkneys. Wir finden einen Parkplatz direkt an der Hauptstraße und schlendern durch die weihnachtlich geschmückten Gassen der kleinen Stadt.

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Kirkwall

Viele Geschäfte haben leider geschlossen - an einem Sonntag wenig verwunderlich - aber einige haben doch auf und wir erledigen noch ein bisschen last minute Weihnachtsshopping. Es gibt erstaunlich viele Geschäfte für eine so kleine Stadt. Bei einem vorweihnachtlichen Spaziergang durch Kirkwall fällt einem unweigerlich auf, dass alle Fenster, Türen, Hinterhöfe und sogar die Geldautomaten mit starken Bohlen verriegelt sind.

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Der Grund dafür ist ein recht merkwürdiger Wettkampf, der seinen Ursprung hier in Orkney hat. Dazu aber später mehr.
Gegen Abend finden wir dann einen recht netten Pub, der auch ein leckeres Abendessen serviert. Mitunter ist es im Winter schwierig, einen Pub mit geöffneter Küche zu finden. Es steht zwar überall “Food served all day”, aber wenn man dann fragt wird man eher verständnislos angeschaut und auf März oder gar Mai vertröstet. Wir genießen unser Essen und gegen halb neun sind wir wieder auf unserem SP in Deerness. Die Weihnachtsfeier ist vorbei und wir haben den Parkplatz für uns alleine. Auch diese Nacht war mit -6°C empfindlich kalt, aber mit einer zusätzlichen Decke kein Problem. Die Duschen im Community Center sind übrigens tiptop.

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Deerness Community Center

Nach dem Frühstück geht es wieder nach Kirkwall, zum Einen braucht Paula doch noch Weihnachtsgeschenke, zum anderen wollen wir uns die Stadt mit ihrer St. Magnus Kathedrale anschauen.

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Dingieshowe Bay, zwischen Deerness und Mainland

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auf dem Weg nach Kirkwall

Wir parken diesmal etwas außerhalb und gehen in das nun recht lebhafte Städtchen.

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St. Magnus Kathedrale

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Es gibt einige Juweliere, einen Shop der hiesigen Destillerie Highland Park, Lidl, Tesco usw. usw.. Besonders die Juweliere Aurora und Sheila Fleet, die beide von den Orkney-Inseln kommen sind, über die Inseln hinaus recht bekannt. Ihren keltischen Schmuck gibt es quasi überall in Schottland zu kaufen. Auch diese Designer haben natürlich in der Hauptstadt der Insel ihre Läden.

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es ist ziemlich kalt

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selbst in den Geschäften trägt mann besser Mütze und Schal

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Bishop’s and Earl's Palaces, die andere wichtige Sehenswürdigkeit in Kirkwall

Nach gut einer Stunde sind wir dann durch. Paula ist fündig geworden und wir gehen uns im Lidl für Weihnachten eindecken. Da wir noch gut drei Stunden Licht haben, entschließen wir uns in den Norden der Insel, nach Birsay, zu fahren. Dort gibt es mit den Brough of Birsay eine Gezeiteninsel, auf der sich Siedlungsreste der Pikten und Wikinger befinden.

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Brough of Birsay

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Wir haben Glück denn es ist Ebbe, so dass wir trockenen Fußes zur Insel können. Die Siedlung ist jetzt nicht so beeindruckend aber durchaus sehenswert. Wir laufen die paar Meter bis zum Leuchtturm, von dem aus man einen tollen Blick auf die Küste hat.

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Leuchtturm auf Birsay

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Viel los ist hier nicht, im Gegensatz zum Sommer sind wir vollkommen alleine, nur ein paar Seehunde genießen die Sonne und liegen faul auf ihren Steinen. Wer Seehunde bzw. Robben sehen möchte, ist hier in Orney genau richtig, man sieht sie quasi in jeder Bucht.

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Die Nacht verbringen wir in Yesnaby, einer wilden Küstenlandschaft im Westen der Insel.

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auf dem Weg nach Yesnaby, tief stehende Sonne mit Bodennebel

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Wenn es nicht zu windig ist, kann man hier gut stehen. Wir laufen noch etwas an der Küste entlang und genießen den Sonnenuntergang.

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Um kurz vor 16Uhr ist der Tag dann auch schon wieder vorbei und es wird kalt und dunkel.
In der Nacht war es wieder ziemlich kalt und deshalb ist am nächsten Morgen alles voller Reif und die Pfützen sind gefroren. Sehr fotogen das Ganze.

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unser Platz für die Nacht

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Heute ist Weihnachten (also hier in Orkney Christmas Eve) und Paula besteht nicht ganz uneigennützig darauf, sich früh einen Schlafplatz zu suchen. Wir fahren zuerst zu dem Ring of Brodgar. Mit Stonehenge und Callanish wohl mit einer der bekanntesten Steinkreise. Der Eintritt ist kostenlos. Leider darf man sich den Steinkreis nur noch von außen ansehen, da die durch die Besucher verursachte Erosion das Monument zu beschädigen droht. Aber da der Boden hart gefroren ist, besteht diese Gefahr im Augenblick nicht und wir gehen etwas näher an die Steine (bleiben dabei aber natürlich auf dem alten Trampelpfad um den Kreis herum). Der Steinkreis hat einen Durchmesser von ca. 100m und liegt umgeben von zwei Seen auf einer leichten Anhöhe. Gerade bei dem Reif wirken die Steine sehr plastisch.

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Ring of Brodgar

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In direkter Nähe des Steinkreises befinden sich dann noch die “Stones of Stenness” und die neolithische Siedlung Barnhouse, die wir uns auch noch anschauen.

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Über Kirkwall, wo wir einen kurzen Kaffee-Stopp machen, fahren wir wieder auf den CP nach Deerness. Wie fast in jedem zweiten Urlaub, ist wieder eine Abblendbirne kaputt gegangen, die ich dann auf dem Long-Stay-Parkplatz in Kirkwall auch noch wechseln muss. Der Parkplatz verfügt über extra Womo-Parkplätze: maximale Parkdauer 24h, kein “overnight” Verbotsschild und zumindest jetzt im Winter kostenlos. Es ist schon dunkel als wir in Deerness am Community Center ankommen und wir freuen uns wieder über die sehr sauberen und mit reichlich warmem Wasser ausgestatteten Duschen. Mit dem warmen Wasser ist das in Schottland schon öfters mal ein Problem, weil bei vielen CPs das warme Wasser nur in homöopathischen Mengen vorhanden ist. Am Abend kommt dann noch wie erwartet das Christkind vorbei.

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alter Friedhof in Deerness

Am nächsten Tag ( also Christmas Day ) findet nun das jährliche Event statt, wegen dem wir diesmal im Winter zu den Orkney-Inseln gefahren sind: das Kirkwall Ba’ Game. Dieses etwas skurrile Spiel wird in dieser Form nur hier in Orkney gespielt und findet jährlich am Christmas Day und am New Year Day statt. Das Spiel ist auch der Grund dafür, dass jedes Fenster, Tore, Einfahrten usw. mit Brettern geschützt sind. Selbst Ausfahrt der Feuerwehr ist davon nicht ausgenommen, also brennen sollte es während des Spiels nicht.

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das nennt man Brandschutz :D

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eine Stunde vor Spielbeginn, die Straßen sind menschenleer

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Platz vor der Kathedrale

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alles ist verriegelt

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selbst der Geldautomat wird geschützt

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Die Regeln dieses merkwürdigen Spiels sind denkbar einfach, denn es gibt eigentlich keine festen Regeln. Es gibt zwei Mannschaften, die Uppies und die Doonies. Welchem Team man angehört gibt der Geburtsort vor: südlich der St. Magnus Kathedrale geboren ist ein Uppie, ein Doonie erblickte nördlich von ihr das Licht der Welt. Die Anzahl der Spieler ist unbegrenzt und es gibt auch keine Trikots oder ähnliche Erkennungsmerkmale. Gewöhnlich sind es so um die 300 Mitspieler, nur Männer, die versuchen müssen den Ba’, einen mit Cork gefüllten Lederball, ins eigene “Tor” zu bringen. Dabei ist das Uppie-Tor eine Hauswand und das Doonie-Tor das Hafenbecken. Die Tore liegen gut eine Meile auseinander und das Spielfeld ist die ganze Stadt, deshalb auch die Balken vor den Fenstern. Das Spiel ist erst beendet, wenn der Ba’ in einem der beiden Tore gelandet ist. Wir sind pünktlich um 12Uhr, also eine Stunde vor Spielbeginn, in Kirkwall. Obwohl es keine Hinweis- oder Verbotsschilder gibt, ist kein einziges Auto mehr auf den Straßen zu sehen, die Bewohner wissen wohl auch so Bescheid. Nach und nach trudeln die Zuschauer ein. Wir suchen uns einen Platz auf der Mauer der St. Magnus Kathedrale nahe dem Mercat Cross, von wo aus der Ba’ eingeworfen wird. Ein paar Minuten vor Spielstart tauchen auf der linken Seite der Straße die Uppies auf und auf der rechten Seite die Doonies.

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die Uppies

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und die Doonies

Man trifft sich genau in der Mitte vor dem Kreuz und sofort beginnt ein wildes Gerangel.

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Pünktlich beim ersten Glockenschlag der Kathedrale, wirft ein Funktionär den ca. Basketball großen Ba’ in die Menge. Das ist eigentlich auch der einzige Moment, in dem man den Ball mal zu sehen bekommt.

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Einwurf!!!

Kaum ist der Ba’ in der Menschenmenge verschwunden, wird geschrieen, gedrückt, geschoben - ein herrliches Durcheinander!

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man rottet sich zusammen

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Die Uppies versuchen die Menschentraube in die eine Richtung zu schieben, die Donnies versuchen natürlich die Menge in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Wobei uns nicht klar ist, ob irgendjemand überhaupt genau weiss, wo jetzt eigentlich der Ba’ ist und welches Team ihn gerade hat. Das ganze ist vergleichbar mit einem Bienenschwarm, dauernd lösen sich irgendwelche Spieler, um dann an einer anderen Stelle wieder zu drücken. Für die Leute in der Mitte der Traube ist es auf jeden Fall relativ schmerzhaft. Und warm scheint es in der Menge auch zu sein, sieht man doch immer eine Dampfschwade dort, wo wir das Zentrum des Geschehens vermuten. Natürlich birgt diese Art des Spielens ein hohes Konfliktpotential, diese Drücken und Zerren gefällt nicht jedem und so verliert der ein oder andere Spieler auch schon mal die Nerven. Die Streithähne so kurzer Prügelattacken werden aber sofort von anderen Spieler auseinander gebracht und zum Durchatmen an den Spielfeldrand verwiesen. Nach gut einer halben Stunde hat es die Traube mal bis auf die andere Strassenseite geschafft. Die Zuschauer sind immer nahe am Geschehen, wobei man als Zuschauer auch schon recht vorsichtig sein muss, man wird von der Traube im Zweifelsfalle gnadenlos über den Haufen gerannt. Nun hat jede Partei diverse Einpeitscher, die brüllen und schreien und versuchen den Gegner zu verwirren, indem sie z.B. einen falschen Aufenthaltsort des Ba’ anzeigen. Manchmal löst sich auch eine kleine Gruppe von Spielern und rennt in eine Richtung. Dabei tut einer der Spieler so, als hätte er den Ba’ bei sich - immer in der Hoffnung, dass ein paar Deppen der anderen Mannschaft folgen und so der Spieler mit dem echten Ba’ entkommen kann. Braucht ein Spieler ärztliche Hilfe wird das Spiel nicht etwa unterbrochen, die Menschentraube bewegt sich einfach so geschickt, dass der Hilfesuchende aus der Traube rausfällt. Nach gut eineinhalb Stunden hat es die Traube knappe 50 Meter weit geschafft und hängt nun für die nächste dreiviertel Stunde vor einem Geschäft fest. Inzwischen gleicht die Menschentraube mehr einem rauchenden Misthaufen.

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es dampft



3 Kommentare 532 mal betrachtet
Kommentare

RE: Die Orkney Inseln im Winter I

permanenter Linkvon flairisti am 19 Jan 2020 02:18:13

Was für Bilder........... :daumen2: :daumen2: :daumen2: :daumen2: :daumen2:
Und ein toller Bericht.
Ich bitte um Mitfahrgelegenheit und bin gespannt. :respekt:

Hartmut
Früher war alles leichter..... ich auch :lol:
Früher war alles leichter..... ich auch. ;-)
flairisti
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RE: Die Orkney Inseln im Winter I

permanenter Linkvon Antarena am 20 Jan 2020 14:33:41

Ein toller Bericht und wunderschöne Bilder, ich lese mal weiter, danke!
Gruss
Anke

Der Kastenwagen ist verkauft, ich fahre mit in dem Eura Profila T 695 EBCL von Momentum - einmal in der Datenbank reicht ja ;-)
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RE: Die Orkney Inseln im Winter I

permanenter Linkvon Anne42 am 29 Jan 2020 22:33:42

unglaublich schöne Bilder, toller Bericht, danke!!!!!!!!!!!!!!!!
schöne Grüße
Anne
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