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England, Schottland, Wales … die Challenge I

permanenter Linkvon gnarz18 am 15 Sep 2017 07:11:05

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Einen Teil von Grossbritannien kennen wir noch nicht - die Isle of Man. Dort soll es denn diesmal auch hingehen. Zuvor wollen wir aber endlich einmal zum höchsten Berg von England, dem Scafell Pike. Jeder kennt zumindest vom Namen her den Snowdon und den Ben Nevis. Den Scafell Pike hat dagegen kaum einer auf dem Schirm. Wir kommen kurz nach Mittag in Aachen weg und eigentlich sollte es kein Problem sein, die Fähre um 18:30 Uhr von Calais nach Dover zu erreichen. Aber wir haben die Rechnung ohne die britischen Zöllner gemacht und so verpassen wir zum ersten Mal in all den Jahren unsere Fähre. Fast 2 Stunden brauchen wir bis zum Zollhäuschen! Von den vierzehn Zollhäuschen sind nur zwei geöffnet und pro Auto benötigt so ein Zollbeamter ca. 2 bis 4 Minuten.

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warten, warten, ....

Zu Glück haben wir auch diesmal für die Hinfahrt den Flexi-Tarif gebucht, so müssen wir uns wenigstens keine Gedanken um Umbuchungsgebühren machen. Wir hatten uns im Vorfeld einen Pub in der Nähe von Maidstone für die erste Nacht ausgeguckt. Da dort die Küche aber nur bis 21 Uhr geöffnet hat, schaffen wir das natürlich nicht pünktlich. Wir essen also auf der Fähre, schmeckt ein wenig wie in jeder Kantine – ist aber ok.

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Ankunft in Dover

Es ist schon dunkel als wir von der Fähre rollen und um kurz nach neun erreichen wir den Woolpack Inn. Es sind nicht mehr viele Gäste im Pub und eigentlich ist man dabei zu schließen. Das wundert uns für einen Freitag Abend, aber wir bekommen unseren Stellplatz und auch noch ein Bier bevor der Pub dann auch schließt.

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Woolpack Inn

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die Campingwiese beim Pub

Der nächste Tag startet sonnig und wir machen uns auf den Weg nach Norden. Den Weg um London herum bringen wir staufrei hinter uns und erreichen am frühen Abend den Green Man in Inglewhite. Inglewhite liegt im Süden des Lake District's und besteht lediglich aus ein paar Häusern, die um eine Straßenkreuzung gruppiert sind. Die angeschlossene Campingwiese ist recht klein, außer uns stehen noch zwei andere Camper auf dem Platz. Der Pub ist recht nett und mit 10 Pfund inkl. Strom bewegt sich der Platz finanztechnisch im vernünftigen Rahmen.

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muss man kennen : Inglewhite

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The Green Man

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Am nächsten Morgen kommen wir früh vom Platz und fahren nach Heysham, dem Fährhafen zur Isle of Man. Wir hatten uns vor dem Urlaub wenig Gedanken über diese Überfahrt gemacht. Der TT ist schon vorbei und ein Blick auf die Homepage der Fährgesellschaft sagte, dass es spezielle Angebote für Camper gäbe, die so bei 150 Pfund lägen. Außerdem ist das ja wohl nichts anderes, als eine inländische Fährverbindung, oder?
Der freundliche Mann am Schalter rückt diese Angebote dann aber ins rechte Licht. Die Überfahrt (return) würde uns 780 Pfund kosten. Die Angebote für Camper müsse man mindestens 8 Wochen im Voraus buchen und es gäbe auch nur eine limitierte Anzahl. Wir sind erstaunt, beratschlagen uns kurz und entscheiden, dass uns dieser Preis eindeutig zu viel ist – auf jeden Fall bei der aktuell eher unbeständigen Wetterlage. Wir werden irgendwann mal wieder kommen und frühzeitig buchen. So fahren wir vom Hafen aus ins nahegelegene Morecombe, einem mondänen Hafenstädtchen mit den in England üblichen Amusements und einem Vergnügungspark.

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Morecombe

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Wir laufen an der Hafenpromenade entlang und überlegen, was wir denn nun tun sollen. Wir beschließen erst mal, zum Scafell Pike zu fahren. Der höchste Berg von England liegt ja hier in der Nähe im Lake District und das Wetter verspricht für die nächsten 1-2 Tage relativ gut zu bleiben. Morecombe sieht wie die meisten dieser Städtchen etwas heruntergekommen aus. Die Souvenirgeschäfte sowie der Vergnügungspark sehen alle ein wenig ranzig aus und scheinen die besten Jahre schon weit hinter sich gelassen zu haben. Trotzdem tummeln sich hier einige Touristen. Wir besuchen nach dem Pier noch einen Wochenmarkt und machen uns dann am frühen Nachmittag wieder auf den Weg. Paula möchte ans Meer und so suchen wir einen CP am Meer. Der erste Platz, den wir ansteuern, heißt Lakeland Leisure Park. Ein typisch englischer Freizeitpark mit Schwimmbad, vielen festen Caravans, Amusements usw. - aber kein direkter Zugang zum Meer. Ein großes Schild am Eingang weist darauf hin, dass es Touring-Plätze gibt und Tourer sehr willkommen sind. Wir stellen das Auto ab und latschen erst mal über das riesige Areal zur Rezeption. Uns schwant schon Übles, gleicht die Rezeption doch mehr einem High-Tec Büro als einer Campingplatz-Rezeption. Vier Angestellte, alle in adretter Uniform, sitzen an einer langen Theke mit jeder mindestens drei Monitoren vor der Nase. Da muss man ja erst mal jemanden finden, der uns weiterhilft. Große 55Zoll Fernseher hängen von der Decke und zeigen irgendwelche Werbefilmchen vom Park.
Man möchte sage und schreibe 79 Pfund für eine Nacht für den Touring-Platz! Das ist mit Abstand der höchste Preis, den wir jemals gehört haben. Eigentlich wollten wir entsetzt sein, aber wir können nur darüber lachen. Man schaut uns ziemlich verständnislos an und erläutert uns die Vorzüge dieser „wundervollen“ Einrichtung. Wir sitzen ziemlich schnell wieder im Auto und hoppeln über die gefühlten hundert Bumps, die sich auf der Straße zum Leisure Park befinden, zurück zur Hauptstraße. Zum Glück ist es ja heute relativ einfach einen CP zu finden, man öffnet google, quasselt seinen Wunsch ins Micro und bekommt sofort verschiedene Vorschläge präsentiert, man tippt einen der Vorschläge an und das Handy stellt sofort eine Verbindung her. Irgendwie schon lässig, wie geschmeidig das alles heute so funktioniert ( wenn man denn eine gute mobile Verbindung hat ). Keine zwei Minuten später haben wir einen CP in Grange over Sands. Der Platz liegt oberhalb des Ortes an einem Hang und man kann fußläufig den Ort erreichen. Hier haben wir zumindest auch Blick auf's Meer.

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CP in Grange over Sands

Leider hat es inzwischen angefangen zu regnen und alles sieht ein wenig trostlos aus. Wir machen uns trotzdem auf in den Ort, es gibt ja schließlich Regenkleidung. Da Sonntag ist, haben die Geschäfte alle geschlossen und im Ort ist vielleicht auch wegen dem Wetter nichts los. Wir suchen uns einen netten Pub und gehen essen.
Zum Glück ist am nächsten Tag das Wetter ein wenig besser und wir wollen wenigstens in Startposition zum Scafell Pike kommen. Unseren ersten Halt machen wir in Ulverston, der Geburtsstadt von Stan Laurel.

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Stan Ollie

Wir schlendern durch das kleine Städtchen, gehen Kaffee trinken und stöbern in den Geschäften. Überall stolpern wir über „Dick und Doof“ und am Rathaus hat man ihnen ein Denkmal gesetzt.

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Ulverston

Hoch über Ulverston thront das gewaltige Hoad Monument. Es erinnert an Sir John Barrow, ein Gründungsmitglied der Royal Geographical Society, die durch Namen wie Darwin, Scott und Hillary bekannt wurde. Das Monument gleicht meiner Meinung mehr einem fehl platzierten Leuchtturm - aber das ist ja nur meine Meinung. Um uns ein wenig zu bewegen, beschließen wir den 133m hohen Monument Hügel zu erklimmen. So richtig anstrengend ist der Hügel natürlich nicht, aber man hat einen tollen Blick über die Landschaft und die Lage ist schon schön.

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Nach gut einer Stunde sind wir wieder beim Auto und fahren weiter an der Küste entlang bis nach Salthouse. Das Wetter ist inzwischen erstaunlich schön geworden. Wir überlegen, ob wir mit der kleinen Fähre nach Piel Island übersetzen, um uns das Piel Castle anzuschauen.

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auf dem Weg zum Pie Castle

Wir verwerfen die Idee aber wieder und fahren lieber weiter in den Lake District.

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Kurz vor drei erreichen wir Santon Bridge - einen kleinen Ort, der nur aus einer Handvoll Häusern besteht, aber immerhin einen Pub und einen CP zu bieten hat. Von hier sind es nur ein paar Kilometer bis zum Scafell Pike bzw. bis zum Parkplatz, von dem die Wanderung startet.

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The Bridge Inn beim CP

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Wir starten früh und fahren die recht kleine Straße zum Parkplatz vom National Trust am Scafell Pike. Die Straße führt durch eine schöne Berglandschaft und später am Wast Water vorbei, Englands reinsten und tiefsten See.

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Wast Water

Die Briten versäumen es wirklich nie, jedem noch so unbedeutenden Landschaftspunkt irgendwelche Superlativen anzuhängen. Gut 4km vor dem Parkplatz bremst ein Verbotsschild unsere Weiterfahrt, für Fahrzeuge breiter als 2m sei diese Straße nicht geeignet. Da kommt man mit einem 2,32m breiten Fahrzeug natürlich ans Grübeln ... zum Glück kommt ein Bauer auf seinem Quad angefahren, meint mit einem kurzen abschätzenden Blick auf unser WoMo „no problem“ und braust weiter. Wir vertrauen dem Ureinwohner und fahren weiter, tatsächlich ohne Probleme. Nur der ein oder andere Entgegenkommende regt sich auf. Der Parkplatz ist noch leer, aber die Ersten sind wir nicht und so stiefeln wir los, den höchsten Berg von England zu besteigen.

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Der Weg ist gut präpariert und führt immer steil bergauf. Erst an einem Bach vorbei, später am Hang durch ein schönes Tal.

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Am Lingmell Col legen wir eine Pause ein und genießen die Aussicht.

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Lingmell Col

Die Zahl der Wanderer ist überschaubar und das Wetter spielt auch einigermaßen mit.

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Ab hier wird der Weg steiniger und nochmals ein wenig steiler, aber nach gut einer Stunde erreichen wir den etwas aufgeschüttet aussehenden Gipfel.

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Und wir haben, was für uns auf einem Gipfel recht ungewöhnlich ist, Aussicht! Wir sitzen da also so schön gemütlich auf dem Scafell Pike und schauen beim verdienten Picknick auf die umliegenden Gipfel. Unter anderem ist da der Sca Fell, der 964m hohe Nachbargipfel. Das liest sich komisch - aber wegen eines Fehlers in der damaligen Ordnance Survey Karte hat man die heute als Scafell Pike, Ill Crag und Broad Crag bekannten Gipfel früher Pikes of Sca Fell genannt. Man dachte, dass die 3 untergeordnete Gipfel seien, da der Sca Fell die anderen Gipfel aus verschiedenen Blickrichtungen zu überragen scheint. Später hat man dann nachgemessen, aber da waren die Namen bereits vergeben.
Plötzlich Lärm und Hektik. Da kommt vom Tal her eine viermotorige schwere Transportmaschine auf uns zugeflogen, da wird einem schon anders.

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das sieht gefährlich aus

Kurz bevor das Flugzeug über uns ist, geht die Maschine in eine krasse Seitenlage und scheint auf uns runter zustürzen.

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Man sieht den Copiloten fröhlich winken und die Maschine verschwindet in der Scharte zwischen Scafell Pike und Sca Fell.

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Das muss man schon können, viel Platz war da nicht und die Aktion lässt bestimmt nicht viel Raum für Fehler. Hätte nicht gedacht, dass man so was mit solch einem schweren Flugzeug machen kann.

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tolle Aussicht vom Gipfel

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Wir machen uns wieder auf den Abstieg und sind nach gut weiteren zwei Stunden beim Auto. Wir beschließen, eine weitere Nacht auf dem CP in Santon Bridge zu bleiben. Nachdem wir uns dort einen Platz gesichert haben, fahren wir in das kleine Städtchen Whitehaven. Vorbei geht es an dem englischen Atomdorf Sellafield, welches durch seine zahlreichen Störfälle einen zweifelhaften Bekanntheitsgrad erreicht hat.

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Sellafield

In Whitehaven steppt nun auch nicht gerade der Bär und so begnügen wir uns mit einem kurzen Gang durch die Geschäfte und einer Portion Chips. Abends im Pub beim CP überlegen wir dann, wie es mit unserem Urlaub weitergehen soll. Eigentlich standen ja der Scafell Pike und die Isle of Man auf dem Programm. Das Eine haben wir gemacht, das andere fällt wegen der Kosten flach. Uschi bringt dann die Challenge ins Spiel, d.h. alle drei höchsten Berge von GB in einem Urlaub. Gut - normalerweise lautet die Challenge alle drei Berge in 24 Stunden, aber das muss man seinem Kind ja nicht antun. Paula findet die Idee wider Erwarten toll. In ihrem Englisch Schulbuch werden der Snowdon und Ben Nevis thematisiert, aber natürlich keiner aus ihrer Klasse - Lehrerin eingeschlossen - kennt diese Berge wirklich. Mir ist es nur Recht und so ist es beschlossene Sache: wir fahren zum Ben Nevis nach Schottland, am Snowdon sind wir ja schon vorbei.
Am nächsten Tag geht es also weiter nach Norden, zum Kaffee trinken halten wir kurz in der kleinen Stadt Cockermouth und erreichen am frühen Nachmittag bei bestem Wetter Ardwell, wo wir uns auf dem CP einquartieren.

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CP in Ardwell

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Ardwell

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Der CP liegt direkt am Wasser, was Paula direkt auf die Idee bringt Krebse angeln zu gehen. Das Dumme ist nur, dass Ebbe ist und es hier kein Pier gibt. Und so ist die Jagd nach den Krustentieren von keinem Erfolg gekrönt. Immerhin hört man abends beim Einschlafen das Plätschern der Wellen und der Sonnenaufgang kann sich auch sehen lassen.

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Es gibt in Schottland wirklich immer noch Stellen, die wir noch nicht kennen. Am nächsten Tag fahren wir deshalb zum Mull of Galloway. Dort thront hoch über dem Meer ein schöner Leuchtturm, den man besichtigen kann. Vorher kaufen wir noch Milch im - wie kann es anders sein - südlichsten Geschäft Schottlands um dann zum natürlich südlichsten Leuchtturm Schottlands zu fahren.

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der südlichste "store" in Schottland

Wir verzichten auf die Besichtigung des Maschinenhauses und begnügen uns mit einer Besteigung des Turms und den Besuch der nahen RSBS-Station.

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Den nächsten Halt machen wir in dem Fährort Straenraer, aber auch dieser Ort wirkt ein wenig armselig und vernachlässigt, viele Häuser im Zentrum stehen leer und verfallen so langsam. Wir bleiben nicht lange und fahren weiter.

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Straenraer

Beim Culzean Castle nehmen wir den direkt benachbarten Campingplatz vom Camping and Caravanning Club. Eines muss man diesen Club Sites ja lassen, sie sind in der Regel immer super gepflegt. Wobei mir die Regeln schon ein wenig auf die Nerven gehen. So wird man z.B. meistens vom Warden persönlich zum Platz gebracht, der peinlichst genau darauf geachtet, dass die linke hintere Autokante genau mit dem in das Gras eingeschlagenen Pflock bündig abschließt.
Wir bekommen als Tipp noch mit auf den Weg, dass wenn man mit der Besichtigung des Schlosses bis nach fünf wartet, das Kassenhäuschen dann geschlossen hat und man so zumindest die Außenanlagen kostenlos besichtigen kann. Wir warten also noch ein paar Minuten und traben dann los in Richtung Castle. Die etwas voluminöse Kassenfrau sitzt zwar noch in ihrem Häuschen, schaut auf ihre Uhr und winkt uns in Erwartung ihres nahenden Feierabends mit einem fröhlichen Lächeln durch.

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Culzean Castle

Das Schloss selber finden wir nicht so aufregend. Die Außenanlagen sind recht nett und die Lage ist natürlich auch toll, aber ob das Ganze 15 Pfund/Erwachsener wert ist…
Ziemlich wüster Regen weckt uns am nächsten Tag und mir tut die Familie mit den zwei kleinen Kindern im Iglu-Zelt hinter uns leid, das Zelt säuft langsam aber sicher ab. Wir nutzen die perfekte Ver-/Entsorgung, um Frischwasser zu tanken und das Grauwasser zu leeren. Dann fahren wir weiter gen Norden, wir dürfen ja unser Ziel Ben Nevis nicht aus den Augen verlieren. Vorbei geht es am Stalker Castle bis nach Bunree kurz vor Fort Wiliam. Der CP dort gehört zum Caravan and Motorhome Club und ist natürlich auch in einem Top-Zustand.

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Wir bekommen einen Platz direkt am Wasser und richten uns erst mal ein. Das Wetter ist ziemlich durchwachsen, ab und zu kommt zwar mal die Sonne durch aber die Schauer überwiegen. Da der Tag noch jung, schlägt Uschi vor doch mal mit der Fähre in den Pub zu fahren. Wie bitte? Ja, das geht: Ein kurzer Fußmarsch an der leider stark befahren Straße vorbei führt uns zur Corran-Ardgour Ferry. Die bringt Fußgänger kostenlos über das Loch Linnhe und direkt am Anleger auf der anderen Seite ist schon The Inn at Ardgour. Da es leider wieder angefangen hat zu regnen, gehen wir kaum auf der anderen Seite angekommen erst mal im Pub etwas trinken.

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altes Schiff in Ardgour

Irgendwann hört es dann auch wieder auf zu regnen und wir besichtigen den kleinen Leuchtturm in der Nähe.

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Ardgour

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Leuchtturm in Ardgour

Das kleine Gebäude liegt malerisch an einem Kieselstrand und wird heute wohl als Ferienhaus vermietet. Wir laufen ein wenig um den Leuchtturm herum und als es wieder anfängt zu nieseln, nehmen wir die Fähre zurück nach Corran.
Zurück am Auto ziehen dicke Wolken auf und es sieht aus, als ob gleich die Welt untergeht.

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Der nächste Tag beginnt wie der alte geendet hat mit Regen. Wir fahren nach Fort William.
Als wir in Fort William ankommen, regnet es immer noch in Strömen und ein Blick auf das Wetterradar prognostiziert vorerst keine Änderung.

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Fort William

Seit zwei Tagen leuchtet bei unserem Auto die Anzeige, dass die Bremsbeläge erneuert werden müssen. Da dies aber erst vor einen halben Jahr sowohl hinten wie vorne geschehen ist, muss das Aufleuchten wohl eine andere Ursache haben. Und so lassen wir die Bremsen beim ortsansässigen Ford-Händler checken. D.h. wir wollen sie checken lassen, denn die etwas gelangweilte Empfangsdame erklärt uns, nachdem sie ihr Handy ziemlich widerwillig aus den Händen gelegt hat, dass heute niemand da wäre und so kurzfristig würde das sowieso nicht gehen wir sollten nächste Woche nochmal wiederkommen. Dann widmet sie sich ohne ein weiteres Wort wieder ihrem Handy, scheint also wichtig zu sein. Wir fahren die 10 Meter zum benachbarten Kwik Tire und Brake Service, die haben uns vor zwanzig Jahren schon mal geholfen und uns für 5 Pfund einen Reifen geflickt. Und auch diesmal werden wir nicht enttäuscht. Kaum haben wir unser Problem erklärt, rutschen auch schon zwei Leute unter unser Auto und nehmen die Bremsen in Augenschein. Nach kurzer Kontrolle ist man sich sicher, dass irgendein Stecker abgesoffen ist, also kein Grund zur Besorgnis. Geld möchte man keines, aber einen Obolus für die Kaffeekasse geben wir natürlich. Wir fahren zum Auffüllen der Vorräte weiter zum Lidl, hier stehen auf dem angrenzenden Womo-Parkplatz eine Menge Womos, die hier auch genächtigt haben, nicht sehr schön, da es sich um ein Industriegebiet handelt aber bestimmt praktisch wenn man abends nach Fort William rein möchte.
In Fort William selber ist wenig los, es schüttet wie aus Kübeln und nur wenige Menschen sind auf der Straße. Schade ist, dass inzwischen viele Geschäfte geschlossen haben, an deren Stelle sind überwiegend Cafes eingezogen bzw. Ketten wie Costa usw. Ein Blick auf das Wetterradar zeigt, dass es im Westen auf der Insel Skye schöner sein soll, zumindest soll es dort nicht regnen. Wir entscheiden uns, bei besserem Wetter wiederzukommen und fahren über Glenelg zur Skye. Hier in Glenelg haben wir ja noch die Drehfähre auf dem Plan. Hier wird der Drehteller noch mit Hand gedreht.

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mit viel Gefühl geht's auf die Fähre

Es soll die einzige ihrer Art sein, die noch in regelmäßigen Betrieb ist – das behauptet zumindest der Fährmann in Glenelg. Das Auffahren auf die Fähre gestaltet sich nicht ganz so einfach. Ich darf nur bis zur Mitte fahren, dann müssen die anderen zwei PKWs langsam nachrücken, damit das kleine Schiff im Gleichgewicht bleibt. Die Fährleute machen das aber ja nicht zum ersten Mal und so geht natürlich auch alles gut. Die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten und man ist auf der Skye. Hier ist das Wetter wirklich eindeutig besser, es scheint sogar die Sonne. Die Straße vom Fähranleger in Kylerhera zur A87, die nach Broadford führt, ist recht schmal, und zum ersten Mal kommen wir wirklich in Bedrängnis. Ich voran, ein Transit-Bus und drei Pkws hinter mir fahren gemütlich im Konvoi die Straße entlang, da kommt uns eine Omi in einem SUV entgegen. Wir haben unseren Passing Place schon passiert und die Omi rauscht hochmotiviert an ihrem vorbei. Uschi und mir ist klar, dass das auf keinen Fall passt. Ich habe eine kleine Mauer links von mir und die Omi eine steile Böschung mit Graben. Die Omi probiert es wohlgemut trotzdem, verliert dann aber leider doch die Nerven und fängt fürchterlich an zu schimpfen. Was so ein Scheiß-Wohnmobil auf dieser Straße überhaupt zu suchen hat und der Transit solle sich auch am besten sofort verpissen. Ich hätte nie gedacht, dass aus so einer zierlichen Person solche Wörter kommen können. Der Transit-Fahrer erklärt dann der Omi freundlich, dass das auf jeden Fall so nicht funktioniert und sie solle doch am besten die zwanzig Meter bis zu ihrem Passing Place zurücksetzen. Rückwärtsfahren ist unserer Erfahrung nach nicht so das Ding der Briten und so schafft die Omi das leider auch nicht. Sie landet mit ihrem Heck und einem fiesen Geräusch in der Böschung, was ihren Puls sichtlich weiter nach oben treibt. Der Transit-Fahrer gibt dann das Signal, dass wir (also alle fünf Autos) die ca. dreihundert Meter bis zum nächsten Passing Place zurücksetzen. Es dauert eine Weile, bis sich alle einsortiert haben und der Weg für die SUV-Fahrerin frei ist. Da sich in der Zwischenzeit deren Puls wieder gesenkt hat, kommt die Lady in ihr durch und sie fährt sich freundlich bedankend an uns vorbei. Was für ein Act.
Über Sligachan fahren wir weiter nach Glenbrittle, einer schönen Bucht auf der Westseite der Insel. Der CP ist gut besucht, aber wir bekommen noch einen Platz direkt am Wasser.

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CP in Glenbrittle

Glenbrittle ist der Ausgangspunkt für viele Wanderungen in den Cullins, einer schroffen Berggruppe auf der Skye. Hier habe ich auch noch eine Rechnung offen. Die Besteigung des Sgùrr Alasdair, mit 993m die höchste Erhebung GBs außerhalb der Hauptinsel.

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Cullins, leider in Wolken

Die Briten immer mit ihren Superlativen! Paula geht schwimmen und Uschi und ich vertreiben uns die Zeit am Womo mit „in der Sonne sitzen“. Die Umgebung ist wirklich nett, nur die am Abend in Massen auftretenden Midges nerven ein wenig.
Am nächsten Tag hat uns das schlechte Wetter wieder eingeholt, wir reservieren unseren Platz und fahren nach Stein.

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Dort gibt es eine kleine Schafsfell-Manufaktur und Paula kauft sich ein kleines Schafsfell.

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alte Boote auf dem Weg nach Stein

Sowas braucht man in einem eher verregneten Sommerurlaub in Schottland auf jeden Fall. Anschließend angeln wir tatsächlich am Pier ein paar Krebse, hatten wir diesen Urlaub ja noch nicht. Als es wieder stärker anfängt zu regnen, machen wir uns auf den Weg nach Portree. Aber bei schlechtem Wetter ist auch Portree nicht unbedingt der Hit und so sind wir relativ früh wieder zurück auf dem CP in Glenbrittle.

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in Glenbrittle ist das Wetter auch nicht besser

Als das Wetter so gegen sechs dann doch noch mal besser wird, machen wir uns auf den Weg zu den Fairy Pools, die aus einer Aneinanderreihung von vielen kleineren und größeren Wasserfällen, Kaskaden und Pools verteilt über eine Strecke von ein paar Kilometern bestehen.

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Fairy Pools

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ab und zu kommt mal die Sonne durch

Hier sollen angeblich auch Feen wohnen. Die Pools sind auf jeden Fall gut besucht, wahre Menschenmassen sind unterwegs. Bei schönerem Wetter findet man hier bestimmt ein paar tolle Fotomotive, aber auch bei diesem Wetter sind die Pools einen Besuch wert.

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