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gnarz18
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Schottland 2008

permanenter Linkvon gnarz18 am 31 Okt 2010 11:05:48

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Es geht wieder los, und wieder mal nach Schottland. Diesmal wollen wir (Uschi, Paula (3) und ich) zur Insel Arran und zur südlichen Hebriden Insel Islay. Im letzten Jahr waren wir auf den Shetlands. Da gab es ‚lots of weather’ und wir wollen unserer Tochter doch auch mal Schottland in der Sonne zeigen. Also, auf in den Süden! Da Paula noch unter fünf ist, entschließen wir uns noch mal die Fähre von Ijmuiden (in der Nähe von Amsterdam) nach Newcastle zu nehmen. Bei der DFSD Seaways reist unsere Tochter noch kostenlos. Und der Preis von €506,- für uns drei mit Auto (Hin -und Rückreise) ist es sicher eine gute Alternative zu der langen Fahrt über Calais/Dover durch ganz England. Und die Diesel-/Benzinpreise sind in GB ja echt zum Heulen.

Also machen wir uns am 30.April zeitig in Aachen auf, um mit unserem vollgepackten T4 California auch rechtzeitig in Ijmuiden zu sein. Die Fahrt durch die Niederlande ist ziemlich nervig, da die ganze Autobahn eine einzige Baustelle zu sein scheint. Außerdem herrscht ziemlich viel Verkehr. In Ijmuiden machen wir den Tank noch mal randvoll. Und weil immer noch Zeit bis zur Abfahrt haben, gehen wir erst mal Fritten mit Frikandel essen. Anschließend besichtigen wir noch den Leuchtturm von Ijmuiden.Bild

Die Überfahrt nach Newcastle verläuft ereignislos und wir erreichen am nächsten Morgen pünktlich um 9:00 Uhr Ortszeit die britischen Inseln. Unser Ziel für heute ist die Gegend um Anstruther an der Ostküste Schottlands. Von da aus wollen wir morgen auf die Vogelinsel May fahren. Die 180 Meilen von Newcastle bis Anstruther sind schnell geschafft. Am Ziel angekommen erkundigen wir uns erst mal nach den Abfahrtszeiten für das Boot nach May.
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Seafront von Anstruther

Anschließend irren wir dann relativ planlos auf der Suche nach einem Campingplatz umher. So früh im Jahr ist es doch gar nicht mehr, trotzdem haben einige Campingplätze immer noch geschlossen. Fündig werden wir in St. Monans, ein paar Kilometer von Anstruther entfernt. Der Platz ist noch relativ leer. Außer uns sind nur noch eine Handvoll andere Leute in den festen Caravans auf dem Platz. Abends gibt es erst mal die obligatorischen Fish 'n' Chips im Ort und einen kleinen Spaziergang zum Meer. Es ist kalt, aber die Sonne scheint. Mal schauen, wie die Nacht so wird.

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Am nächsten Morgen ist zeitiges Aufstehen angesagt. Die Nacht war mit 2,7 °C lausig kalt und unsere Standheizung funktionierte natürlich mal wieder nicht. Ich habe sie vorher zu Hause extra noch ausprobiert und alles funktionierte wie es sollte. Aber was soll's, wir haben ja zum Glück unsere warmen Schlafsäcke dabei und sind nicht aus Watte. Wie jedes Mal müssen wir uns erst wieder an das enge Leben im Bulli gewöhnen, so ein T4 ist ja nicht direkt als geräumig zu bezeichnen. Morgens und abends immer erst mal Bett umbauen, Dach runterklappen, Kindersitz umräumen usw., alles schon ein wenig nervig. Aber da die Sonne scheint und der ganze Urlaub noch vor einem liegt, kann man es ertragen.

In Anstruther haben wir noch Zeit, einen Kaffee zu trinken, bevor wir uns auf die einstündige Seereise zur Insel May aufmachen.
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Unterwegs sieht man schon eine Menge Vögel wie z.B. diesen Basstölpel.

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Am Anleger auf der Isle of May werden wir von zahlreichen Seehunden, Enten, Papageientauchern usw. begrüßt.

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Nun haben wir zwei Stunden Zeit, die unbewohnte Insel zu erkunden. Und es gibt eine Menge zu sehen. Außer den verschiedenen Vogelfelsen gibt es zwei Leuchttürme, eine alte verlassene Abtei und natürlich jede Menge Landschaft.
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Das Wetter ist schön, wenn auch kalt, und so laufen wir die Insel ab. May ist knappe 2km lang und 500 Meter breit. Wir besichtigen den alten Leuchtturm, die Überreste der alten Abtei und natürlich die Vogelklippen. Anfang Mai geht das Brutgeschäft so richtig los und in den Felsen ist die Hölle los. Da wird sich gezankt, gebissen und geschubst, jeder will seinen Platz in den Felsen verteidigen oder einen neuen erobern.
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Razorbill / Tordalk

Leider scheinen die auf den Plakaten beworbenen Papageientaucher gerade alle unterwegs zu sein.
Naja, macht nichts. Es gibt sie, wir haben sie immerhin auf dem Meer gesehen. Nach zwei Stunden machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Anstruther. Dank eines Motorschadens an unserem Boot bleiben wir auf halben Weg mitten auf dem Meer liegen. Am Anfang findet unser Kind das noch abenteuerlich. Dann kommt eine Phase der elterlichen Knochenarbeit, es wird nämlich langweilig. Welch’ Erlösung als sich die Rettung in Form eines englischen mittlerweile ebenfalls gelangweilten Geschwisterpaar findet. Schließlich kommen wir mit 3 Stunden Verspätung im Hafen von Anstruther an.

Da wir nun nicht noch mehr Zeit verlieren möchten, machen wir uns sofort auf in Richtung Sterling. Dort kommen wir auf dem Campingplatz „Witches Craig“ unter. Am nächsten Morgen, die Nacht war mit 7°C nicht ganz so frostig, fahren wir weiter nach Westen zum Fährhafen Ardrossan. Von dort legt die Fähre nach Arran ab. Ardrossan selbst hat nichts zu bieten und so geht es direkt zum Fährterminal. Und das ist gut so, denn dort ist die Hölle los und wir haben schon Angst, keinen Platz mehr zu bekommen. Wir haben aber Glück und unser kleiner T4 passt tatsächlich noch als letztes Auto auf die Fähre.

Arran wirbt damit, Schottland im Kleinen zu sein. So gibt es ein paar Berge, Hochmoore wie in den Highlands und schöne Küstenlandschaften. Wir lassen uns überraschen und fahren auf den Campingplatz nach Kildonan. Der Ort besteht aus einer handvoll Häusern, einem Hotel mit Pub und dem Campingplatz. Der liegt malerisch direkt am Meer mit einem tollen Ausblick auf Pladda Lighthouse und die Insel Ailsa Craig. Irgendwie schreit das alles nach einem tollen Sonnenuntergang ….
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es ist wenig los auf dem CP in Kildonan
Auf dem Campingplatz richten wir uns erst mal häuslich ein, kramen im Auto wieder alles von unten nach oben ... wo hat sich nur wieder diese verdammte Schaufel versteckt … und gehen dann an den Strand Sandburgen bauen. Nach getaner „Arbeit“ gehen wir in den Pub zum Fish 'n' Chips Essen und genießen auf der Terrasse tatsächlich den Sonnenuntergang.
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Pladda Lignthouse

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Ailsa Craig im letzten Licht
Der Abend wird dann unerwartet noch recht lang und sehr lustig. Im Pub findet eine echte schottische Hochzeit statt und man sucht noch Leute für die Hochzeitsspiele. Auch unsere Tochter wird herzlich in die Feier einbezogen.

Am nächsten Morgen schlafen wir dann erst mal etwas länger. Dann machen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf nach Lochranza, um dort die Destille und das Castle zu besichtigen. Leider ist das Wetter nicht mehr ganz so schön wie am Vortag, aber wir sind halt in Schottland.
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verfallene Häuser in Lochranza

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Castle in Lochranza

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Lochranza Bay
Nach der sehr „leckeren“ Besichtigung der Destille und des schön gelegenen Castles, nutzen wir die Regenpause und werfen ein paar große, wirklich formvollendete Kiesel ins Meer. Der Regen macht noch länger Pause und wir können unsere Tochter von den Steinen loseisen und zu einer Kurzwanderung um die Bucht von Lochranza herum überreden. Dann machen wir uns auf den Weg nach Brodick, um dort Kaffee zu trinken und etwas in den Läden zu stöbern. Wir kaufen uns einen kleinen Wanderführer über Arran und einen Outdoorlöffel für Paula. Dieser Löffel wird lange Zeit der tollste Löffel überhaupt sein. Wie schön, dass man den kleinen Menschen mit so einfachen Sachen eine große Freude machen kann. Das Wetter bessert sich und wir beschließen, eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall nahe bei unserem Campingplatz in Kildonan zu starten.
Vom Campingplatz geht es immer am Strand entlang, vorbei an Seehundkolonien bis zu einem kleinen Wasserfall. Den Abend verbringen wir bei eintönigem Regen im Auto.

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Am nächsten Morgen prüfen wir zuerst wieder das Thermometer. Die Nacht war mit 5°C wieder recht frisch und wir machen uns langsam ein wenig Gedanken, ob es unserer Kleinen mit ihren drei Jahren oben im Hubdach nicht ein wenig kalt werden könnte. Aber morgens beim Wecken herrscht in ihrem Schlafsack tropische Hitze, also alles ok.

Das Beste ist aber: die Sonne scheint wieder und es verspricht ein wirklich schöner Tag zu werden. Über dem Meer hängt allerdings noch dichter Nebel.

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Pladda Lighthouse im Morgennebel

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es herrscht ( noch ) dichter Nebel

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Wir machen uns zeitig auf, um zur King's Cave zu wandern. Die Wanderung ist 5km lang und soll zu einer Höhle führen, in der sich Robert the Bruce versteckt haben soll. Der erste Teil des Weges führt vom Parkplatz aus durch einen Wald, was hier wohl anhand der ganzen Informationsschilder als spektakulär anzusehen ist. Nach ungefähr zwei Kilometern erreichen wir die Küste und steigen steil bergab zum Strand hinunter. Die Höhle entpuppt sich als ziemlich ungemütlich, nass und kalt. Aber sie ist als Versteck sicher bestens geeignet.
Bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen, vertreiben wir uns die Zeit mit Picknick und Steine Werfen.
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Gesellschaft am Strand leisten uns ein paar hübsche Gryllteisten. Sie sind zwar von den herum fliegenden Steinen beeindruckt, lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und bleiben fotogen sitzen.

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Der Weg zurück führt außen um den Wald herum wieder zurück zum Parkplatz. Unterwegs hat man einen atemberaubenden Blick auf die Berge von Arran.

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Goatfell, der höchste Berg von Arran
Da das Wetter wirklich wunderschön ist und stabil scheint, beschließen wir auch noch die 5 km zum Machrie Moor Stone Circle zu laufen. Die Wandermotivation unserer Tochter ist allerdings auf dem Nullpunkt angekommen und so greifen wir zur Kindertrage. Was der kurzen Wanderung eine zusätzliche sportliche Note verleiht.

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Machrie Moor Stone Circle
Abends findet im Pub von Kildonan wieder eine Hochzeit statt. Die Gäste sind ziemlich genau die Gleichen wie zwei Tage zuvor und so feiern wir „gezwungenermaßen“ einfach wieder mit.

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von Kildonan und Arran. Wir nehmen die Fähre von Lochranza nach Cloanaig. Von dort aus wollen wir uns etwas auf der Halbinsel Kintyre umsehen.
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Abschied vom CP in Kildonan
Wieder auf dem Festland suchen wir uns sofort einen Campingplatz. Wir wollen ans Meer und ein wenig relaxen, Sandburgen bauen und im Wasser planschen. Fündig werden wir in Carradale. Der Platz ist wirklich schön, liegt direkt am Wasser und wir sind wieder mal fast die einzigen Gäste.
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wir haben den Strand für uns alleine
Der nächste Morgen startet erneut mit Sonnenschein. Bevor wir weiter zur Whisky-Insel Islay fahren, wollen wir noch Campletown besuchen und dort ein wenig Shopping betreiben. Wir machen kurz vor Campletown noch einen Stopp bei einem Friedhof. Es ist immer wieder interessant zu lesen, was so alles auf den Grabsteinen dieser alten Friedhöfe steht.
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„ERECTED
BY
ELISABETH MC MILLAN
IN MEMORY OF
DONALD MCMILLAN
HER HUSBAND
LATE OFFICER ON BOARD H,M,S, CEYSER,
WHO DIED AT STEWARTON,10TH SEPT,
1858,AGED 36 YEARS
ALSO HER BELOVED NIECE
LIZZIE SCOTT
WHO DIED 17TH MAY 1895,AGED 29 YEARS
ALSO IN MEMORY OF HER BELOVED NEPHEW
WILLIAM NEIL SCOTT, ENGINEER,
WHO WAS KILLED AT FORT LUBWAG UGANDA
BY ??? MUTINEERS
ELIZABETH MC MILLAN
21ST MAY 1899,AGED 77 YEARS
ALSO THE GREMATED REMAINS OF
DR. JOSEPH SCOTT M.B.G.M
NEPHEW OF ELIZABETH MC MILLAN,
BORN 26TH APRIL 1870, DIED 12th APRIL 1939,
AT HIS HOME IN ENGLAND AFTER TWENTY SEVEN
YEARS SERVICE IN PERSIA“

Wir finden relativ viele Kindergräber aus der Zeit von 1850 bis 1900. Scheint echt eine lausige Zeit gewesen zu sein ... Paula drängt zum Aufbruch, schließlich möchte sie „Die kleine Hexe“ weiterhören. Na ja, also wir fahren weiter nach Campletown zum Shoppen.
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Campletown
Wir laufen bei schönstem Wetter ein bisschen durch die Stadt, gehen Kaffee trinken, tanken unser Auto noch mal richtig voll und füllen unsere Vorräte im örtlichen Supermarkt auf. Gegen Mittag machen wir uns dann auf in Richtung Kennacraig, von wo die Fähre nach Islay ablegt. Die Überfahrt nach Islay ist immer ziemlich ausgebucht. Daher ist es ratsam, die Überfahrt im Voraus zu buchen.

Die einstündige Überfahrt genießen wir auf dem Deck in der Sonne. In Port Askaig angekommen beginnt wieder sofort die Suche nach einem Campingplatz. Irgendwie nervt das, hätte man ein Mobil mit WC, funktionierender Heizung und Dusche könnte man sich ja auch mal in die Landschaft stellen. Aber so....

In Port Charlotte, klingt wie in einem Piratenfilm, finden wir einen gerade erst eröffneten Campingplatz, mit super sanitären Einrichtungen, kostenlosem WLAN und das beste - einem großen und gut ausgestatteten Spielplatz. Sogar ein Bistro gibt es.

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wir haben die Qual der Wahl, Hauptsache Spielplatz
Wir sind auch hier ganz alleine auf dem Platz und können uns unsere „Parzelle“ aussuchen. Nachdem Paula den Spielplatz ausgiebig bespielt und sich vom Klettergerüst aus ordentlich auf die Nase gelegt hat, dürfen wir den kurzen Weg in den Ort antreten. Dort trinken wir in jedem der beiden schönen Pubs ein Half-Pint. Einfach schön ruhig und gelassen ist es hier.

Sonnenschein begrüßt uns auch am nächsten Tag. Wir machen uns auf in Richtung Portnahaven. Portnahaven ist ein ruhiges Fischerdorf an der Südspitze vom Rhinns of Islay. Unterwegs hören wir zum gefühlten 30000mal „Die kleine Hexe“ von Otfried Preussler und wir sind froh, endlich in Portnahaven angekommen zu sein. Das gilt natürlich nur für Uschi und mich. Paula protestiert heftig, dass sie schon wieder Pause machen muss. Ja, so hat jeder seine eigene Vorstellung von Urlaub…

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Portnahaven, Schottland pur
Wir schaffen es aus dem Auto und erkunden das verschlafene Örtchen auf der Suche nach einem Kaffee. Sehr zur Begeisterung unserer Tochter bekommen wir Gesellschaft von einem Hund und einer Katze.

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Leider kann man um diese Jahreszeit noch nicht auf die kleine vorgelagerte Insel Orsay übersetzen. Die Fähre geht nur in den Sommermonaten. So ein Mist! Wir fragen im örtlichen Pub nach und ergattern eine Telefonnummer. Dort sollen wir mal anrufen ... machen wir, später. Wir fahren weiter nach Kilchoman, wo eine neue Destille aufgemacht haben soll. Im Jahr 2002 waren wir, damals noch ohne Paula, schon mal auf Islay und Jura unterwegs. Damals haben wir es geschafft, alle 7 alt eingesessenen Destillen zu besichtigen. Wir fragen uns, wozu noch eine weitere eröffnen?

Wir sind freudig überrascht. Denn auch die neue Farm-Destille hat ihren ganz eigenen Charme.
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Man zeigt uns das Fass Nr. 1 und die Fässer, die noch zu befüllen sind.

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In einem der Warehouses macht ein deutscher Fotograf Werbefotos für die Destille. Ich komme mit ihm ins Gespräch und darf auch mal mein Glück versuchen.

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lecker
Für die Rückfahrt zum CP ist es noch zu früh und das Wetter ist zu schön. So fahren wir weiter zum Vogelschutzgebiet nach Loch Gruinart. Wir besuchen das Infocenter, wo eine Menge zu den dort heimischen Vögeln erklärt wird. Für die Kinder gibt es eine Spielecke mit Malvorlagen und Stiften, so können wir uns mal in Ruhe umschauen. Vom Infocenter fahren wir noch die paar Kilometer bis zum Loch Gruinart und gehen dort mit Schaufel und Eimer bewaffnet an den Strand. Gegen ein wenig Plantschen und Burgenbauen ist ja bei so freundlichem Wetter nichts einzuwenden. Wir haben diesen riesigen Strand für uns ganz alleine und genießen die Ruhe und die Sonne. Und natürlich die tolle „Matschepampe“. Davon gibt es dank eines kleinen ins Meer fließenden Bachs unendlich viel Nachschub.

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Planschen am Strand von Loch Gruinart
Am späten Nachmittag fahren wir zurück zum CP, es ist erst mal eine Grundreinigung unseres Kindes nötig! Duschen mit Haare waschen gehört außerhalb eines Schwimmbades nicht unbedingt zu der liebsten Freizeitbeschäftigung unserer Tochter. Aber in der großen Familiendusche hat sie ihren Spaß und die Grundreinigung artet doch noch in extensives Geplansche aus.

Am Morgen hängen schwere Wolken über der Insel und es fängt leicht an zu regnen. So fahren wir über Bridgeend nach Bowmore, der „Hauptstadt“ von Islay. Islay ist ja berühmt für seine Whiskys, Namen wie Bowmore, Ardbeg, Lagavulin oder Laphroaig sind weltbekannt und auf jeden Fall auch für (Noch-) Nicht-Whisky-Trinker einen Besuch wert. Wir starten unsere Whisky-Tour in Bowmore, wo es neben einer guten Tourist Information und der Destille auch noch eine runde Kirche zu besichtigen gibt. Rund deshalb, damit sich der Teufel nicht in einer Ecke verstecken kann ... Tja, so einfach kann man dem Bösewicht aus dem Weg gehen! Nach einer kleinen Verköstigung in der Destille geht es weiter über die A846 nach Port Ellen. Die Straße von Bowmore nach Port Ellen ist wirklich etwas Besonderes. Es geht 11km wie mit dem Lineal gezogen absolut gerade aus übers Moor um dann kurz vor Port Ellen im rechten Winkel abzuknicken. Eine echt ingenieursmäßige Leistung! Angeblich ist die Straße auf mit Schafswolle gefüllten Leinensäcken gebaut. Davon gab es wohl damals (wie heute) reichlich und ist ein optimales Baumaterial als Untergrund im moorigen Gelände.

Der nächste Halt ist die Ardbeg Distillery, die mit einem schönen Besuchercenter aufwarten kann. Hier essen und trinken wir erst mal was. Dann fahren wir weiter zur Laphroaig Destillery, um dort unserem Grundbesitz einen Besuch abzustatten.
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In der Nähe der Destille besitzen Uschi und ich jeweils einen Square Foot Moorland, welches wir für ein Glas Whisky pro Jahr der Destille verpachten. Wenn wir schon mal in der Nähe sind, möchten wir natürlich unsere Pacht abholen und kontrollieren, ob auch alles seine Ordnung hat. Per Vertrag ist es uns leider verboten, auf unserem Grund zu Bauen, Viehzucht zu betreiben, zu campen, sich archäologisch zu betätigen oder nach Bodenschätzen zu graben ;-).

Im Besucherzentrum angekommen wird man in einen edel eingerichteten Raum geführt, der an einer Seite Regale mit in Leder gebundenen Büchern beherbergt. Anhand seiner Plotnummer sucht man sich das entsprechende Buch heraus und kann seine Besitzansprüche prüfen.

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links unsere Plot-Urkunde
Wir sind ordnungsgemäß gelistet, können uns „ausweisen“ und erhalten unsere ausgesprochen leckere Pacht. Für den Besuch unseres Square Foots bekommen wir von der Destille leihweise

 Gummistiefel (wegen dem moorigen Grund)
 Regenschirm (gegen das Nass von oben)
 Anker (damit uns der Wind nicht wegweht)
 Helm (gegen tief fliegende Möwen)
 kleine Deutschlandfahne zum Markieren unseres Square Foots

Das Wetter ist freundlich, der Wind weht nicht und Möwenattacken sind auch diesmal nicht zu erwarten. Den Moormatsch nehmen wir in Kauf, nehmen nur die Fahne und natürlich unseren Whisky und marschieren zu unserem Land.
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Rußgeschwärzter Hahn in der Destille

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das Erbe wird markiert ;-)
Leicht angeduselt fahren wir noch zu den Destillen Lagavulin und Bruichladdich. Danach haben wir erst mal genug Whisky … abends gehen wir, da das Wetter sich gebessert hat, nach Port Charlotte zum Essen.
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Post Office in Port Charlotte
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auch schön gelegen, Port Charlotte
Wir rufen auch noch die Telefonnummer an, die man uns im Pub in Portnahaven gegeben hat. Eine Angestellte sagt uns, dass der Wirt uns morgen mit seinem Boot zur Insel Orsay bringen kann. Super! Wir verabreden uns für neun Uhr in Portnahaven am Pier.

Wir sind am nächsten Morgen etwas zu früh in Portnahaven. Und haben so noch Zeit, etwas mit unserem alten Bekannten dem Hund zu spielen und die Seehunde, die faul in der Bucht von Portnahaven liegen, zu beobachten.
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mitten im Dorf
Pünktlich um neun kommt unser Kapitän mit seinem kleinen Boot zum Pier. Unsere Tochter bekommt eine Schwimmweste angelegt und los geht es zur unbewohnten Insel Orsay. Zu unserer Freude fährt der Wirt mit uns einmal um die kleine Insel herum, zeigt uns die Vogelfelsen und erklärt einiges zur Insel bevor er uns am Anleger für zwei Stunden auf der Insel absetzt. Wenn etwas ist oder wir früher abgeholt werden wollen, sollen wir uns einfach an den Anleger stellen und tüchtig winken. Es würde uns schon jemand sehen und Bescheid gegeben. Das kommt uns ein wenig komisch vor … so dicht besiedelt ist „die andere Seite“ – Portnahaven - ja auch wieder nicht. Aber auf der anderen Seite funktionieren die sozialen Strukturen auf so einer Insel ganz anders, als wir das so gewohnt sind. Wir sagen also ganz beruhigt „see you later“ und stiefeln los.

Wir haben die Insel für uns ganz alleine und laufen zum Leuchtturm, der von der berühmten schottischen Ingenieursfamilie Stevenson erbaut worden ist.
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Infotafel Rinns of Islay Lighthouse
Wir beobachten ein paar Vögel beim Jagen, besichtigen das gigantische Nebelhorn und machen ein kleines Picknick in der Nähe des Leuchtfeuers.

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Dann schaffen wir es auch noch zu der Ruine der Kapelle. Überall liegen die Gelege der vielen unterschiedlichen Seevögel herum und Paula lässt sie alle fotografieren, um sie später in unserem Vogelbestimmungsbuch suchen und zuordnen zu können. Wie süß! Die ganzen Vogelbabies! Die will ich sehen, können wir nicht noch ein bisschen länger hier bleiben?
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eine lange Druckluftleitung führt zum Nebelhorn
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Leider nicht … Gegen halb zwölf hören wir das Boot und beeilen uns, an den Anleger zu kommen: Auch hier liegen wieder jede Menge Robben und Seehunde faul in der Sonne.
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Rinns of Islay Lighthose
Als wir wieder wohlbehalten in Portnahaven angekommen sind, fragen wir unseren Kapitän was wir ihm für die Überfahrt geben dürfen. Er lehnt kategorisch jede Bezahlung ab und sagt, dass er das gern getan hätte und hoffe, es hätte uns Spaß gemacht. Toll! Daraufhin gehen wir also in seinem Pub noch was essen. Irgendwie müssen wir ihm ja was Gutes tun. Und es ist auch noch sehr lecker. Anschließend beeilen wir uns nach Port Askaig zur Fähre zu kommen.

Wieder auf der Halbinsel Kintyre suchen wir uns einen CP. Diesmal landen wir in Peninver auf einem nicht gerade tollen Platz. Es ist laut, direkt an der Straße und die sanitären Anlagen sind unter aller S... . Für eine Nacht wird’s aber schon gehen.

Der nächste Tag verspricht wieder sonnig zu werden und so geht die Reise weiter über Lochgilphead, am Stalker Castle vorbei nach Oban. Dort gibt es etwas außerhalb im Sound of Kerrera einen netten CP.
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Stalker Castle
Für heute Nachmittag ist Shopping in Oban angesagt. Wir laufen etwas durch die Geschäfte, erstehen in einer Sekond-Hand-Buchhandlung günstiges Kartenmaterial und füllen bei Lidl unsere Vorräte auf.

Am nächsten Tag fahren wir bei schönstem Wetter über Fort Wiliam, wo wir nur kurz zum Kaffee trinken Pause machen, weiter bis nach Shiel Bridge. Ich möchte endlich mal wandern gehen. Das Wetter scheint stabil zu sein und so suche ich mir für morgen die Überschreitung der Five Sisters of Kintail aus. Die Tour ist bei einer Länge von 16km und 1300 Höhenmeter mit einer Zeit von 6-8 Stunden angegeben, das bedeutet früh aufstehen.

Auf der Fahrt nach Shiel Bridge halten wir oft an, genießen die Landschaft und bauen einen Steinmann.
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unser Steinmann, klein aber fein
Der CP von Shiel Bridge liegt wunderschön mitten in den Bergen und ist sehr sauber. Außerdem bietet sich am nahen Bach die Möglichkeit, ein paar Steine zu werfen. Ist irgendwie der Hit in diesem Urlaub.
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Five Sisters of Kintail
Der Tag beginnt, wie angedroht, früh morgens um 6 Uhr, was bei 2/3 der Familie gewaltigen Unmut erzeugt. Nach einem spärlichen Frühstück fahren mich meine beiden Frauen zum Startpunkt der Wanderung. Es ist noch lausig kalt und die Berge sind Nebel verhangen.

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Es geht sofort knackig steil bergauf zum 800 Meter höher gelegenen Grat, der die Five Sisters miteinander verbindet.

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Unterwegs zum Grat wird es immer nebeliger und ich denke schon ernsthaft über einen geordneten Rückzug nach. 16 km im Nebel rumlaufen, darauf habe ich echt keine Lust! Doch je höher ich komme desto heller wird es. Und plötzlich, beim Erreichen des Grates, bin ich über den Wolken.

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über den Wolken

Wow, ist das schön! Ich setze mich erst mal in eine windgeschützte Ecke und lasse mir die warme Sonne ein bisschen auf den Pelz scheinen.

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Dann halte ich noch einen kleinen Plausch mit einem Ehepaar aus Neuseeland, die die Tour ebenfalls gehen wollen, und mache mich nach einer halben Stunde auf den Weiterweg.

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Und der Weg ist lang. Und anstrengend. Kaum ist man oben angekommen, geht es auf der anderen Seite wieder steil bergab, um wieder ebenso steil zum nächsten Gipfel bergauf zu gehen.

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der Weg ist noch lang

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Der Weg zieht sich und man muss an manchen Stellen schon konzentriert gehen, denn rechts und links geht es stellenweise ziemlich steil bergab.

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Nach gefühlten 30 km kommt nach 6 Stunden das Loch Duich in Sicht. Wird auch langsam Zeit, denn mir tun die Füße weh und ich habe kaum noch etwas zu trinken.

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Nach sieben Stunden treffe ich meine beiden Frauen am Ende der Tour. Sie holen mich mit dem Auto ab und haben sogar eine extra kalte Cola für mich im Kühlschrank. Das zischt vielleicht! Damit ist aber auch genug des Mitleids, die beiden haben Unternehmensdrang und fordern Beschäftigung. Trotz meiner lahmen Beine haben wir also noch Programm und wir fahren nach Glenelg. Dort gibt es zwei recht gut erhaltene eisenzeitliche Brochs zu besichtigen. Vorher halten wir aber noch im Glenelg Inn an und genießen in der Sonne kühle Getränke sowie Cheese and Onion Crisps. Paula hat sie für sich entdeckt und könnte sich wohl den Rest des Urlaubs davon ernähren …

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Glenelg

Die Brochs sind wirklich gut erhalten. Es ist wirklich erstaunlich, wie und wo die Menschen früher gelebt haben.

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Nach dieser kulturellen Einlage geht es zurück nach Shiel Bridge auf den CP. Wir schlafen am nächsten Morgen etwas länger und fahren dann weiter in Richtung Skye. Wir kommen dabei mal wieder auch an Schottlands wohl meist fotografierten Castle vorbei.

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Obwohl Eilean Donan Castle der Touri-Klassiker schlechthin ist und bei keiner geführten Schottland Rundreise fehlen darf, sind wir immer wieder begeistert. Es ist einfach ein echt schönes Castle. Wir fahren über Kyle of Lochalsh, Portree und Flodigarry bis nach Uig. Unterwegs halten wir immer mal wieder an, vertreten uns die Beine oder schauen, wie das Wasser am Kilt Rock ins Meer stürzt. Die Wolken vom Morgen haben sich verzogen und die Sonne lacht vom fast wolkenlosen Himmel.

Im Norden der Isle of Skye halten wir am Duntulm Castle. Das ist leider wegen Restaurierung geschlossen. Wir laufen ein wenig um das Castle herum und jagen ein paar Schafe. Das macht anscheinend genauso viel Spaß wie Steine werfen. Zum Glück sind die Schafe scheu und viel schneller auf den holprigen Wiesen unterwegs als unsere Tochter. Für diesen Bericht wurden also keine Tiere gequält ….

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Duntulm Castle

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die Kleine Hexe zeigt Wirkung
Wir haben eine tolle Fernsicht. Die äußeren Hebriden scheinen zum Greifen nah zu sein.

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Wir fahren noch das kurze Stück bis nach Uig und nisten uns dort im „Stadtteil“ Idrigill auf dem CP ein. Der macht wie immer einen etwas unaufgeräumten Eindruck, aber wir fühlen uns wieder mal sehr wohl. Den Abend beschließen wir Pub am Fähranleger. Dort gibt es immer eine interessante Mischung aus Einheimischen, Hebridenreisenden, Wanderern, Rundreisenden usw..

Am nächsten Morgen scheint uns das Wetterglück wieder verlassen zu haben. Der Tag startet trübe und dicke Wolken hängen in den Bergen. Wir fahren zum Neist Point, einem Leuchturm am westlichsten Punkt der Insel Skye - natürlich ebenfalls von einem Stevenson erbaut.

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Wir laufen die steilen Stufen vom Parkplatz zum Leuchtturm hinunter. Unten angekommen schauen wir uns das um 1909 in Dienst gestellte Leuchtfeuer an und suchen den Minch nach Delfinen ab.

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Delfine finden wir zum Leidwesen von Paula nicht. Die Laune sinkt auf den Tiefstpunkt. Dann entdeckt sie ein ominöses „H“ und das spornt ihre Phantasie an. Wir schaffen den Weg und sogar die steilen Stufen auch wieder hoch zurück zum Auto ohne Gemecker, dafür mit wilden Spekulationen über das „H“. Das es schlicht und ergreifend ein Hubschrauberlandeplatz ist, werden wir Paula mal „beichten“, wenn sie größer ist …

Da das Wetter zunehmend besser wird, beschließen wir noch zur Insel Oronsay zu wandern. Oronsay ist eine 5 km² große Insel, die nur bei Niedrigwasser über einen unbefestigten Damm zu erreichen ist. Nach 3km Wanderung sind wir am Damm und haben Glück, dass der auch noch frei ist. Da wir dummerweise uninformiert sind und nicht wissen, ob auf -oder ablaufendes Wasser ist beschließen wir, dass ich erst mal alleine über den ungefähr zwei Meter breiten Damm zur Insel gehe. Meine Frau darf mit Paula auf der „sicheren“ Seite bleiben und ihr beim, na was wohl … richtig! Steine werfen zu schauen.

Ich mache mich also auf den Weg. So richtig wohl ist mir bei dem Gedanken ans eventuell kommende Wasser nicht. Und nach kurzem Aufenthalt auf der Insel beeile ich mich, zurück zum Damm zu kommen. Und es kommt wie es kommen muss. Der Damm ist natürlich schon teilweise überspült. Ich ziehe mir also schnell Schuhe und Socken aus und wate unter dem Gebrüll meiner Tochter durch das kniehohe Wasser. Nach diesem unfreiwilligen, aber provozierten Kneippbad fahren wir nach Dunvegan auf den CP.

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jetzt aber schnell

Mit 0,3°C stellen wir nachts einen neuen Kälterekord auf und sind froh, als die Sonne am nächsten morgen beginnt, unser Auto aufzuwärmen. Heute wollen wir auf die Insel Raasay fahren und den schon von weitem sichtbaren und markanten Vulkankegel Dun Caan besteigen. Wir geben Gas und sind noch rechtzeitig an der Fähre zur Insel Raasay.

Wieder mal sind wir alleine unterwegs und beginnen den Aufstieg zum Dun Caan. Der Weg ist super ausgebaut und wir kommen gut voran. Unterwegs werfen wir natürlich wieder den ein oder anderen Stein in irgendeinen Tümpel. Zum Glück gibt es von beidem in Schottland reichlich!

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Auf dem Gipfel machen wir Picknick und genießen den wirklich tollen Ausblick auf die Cullins der Insel Skye im Süden. Richtung Osten bewundern wir die Berge um den Applecross Pass. Was für ein Panorama!

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Für den gesamten Rückweg packen wir Paula in die Kindertrage, geht einfach schneller und ist auch sicherer, denn der erste Teil vom Gipfel runter ist recht steil.

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Wieder beim Auto fahren wir zum „North Pole“ ( ist wirklich so beschildert ), der Nordspitze der Insel. Die einzige Straße dorthin ist eng und in einem erbärmlichen Zustand. Das folgende Schild beschreibt diesen Umstand recht gut.

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„North Pole“ Einsamkeit pur

Die Zeit bis zum Ablegen der Fähre zurück zur Skye verbringen wir im Süden von Raasay auf dem Spielplatz. Alle Spielplätze, die wir hier in Schottland besuchen, würden deutsche Kommunen vor Neid erstarren lassen. Super gepflegt und gut ausgestattet. Und keine Flaschen, Fastfood-Tüten (woher auch …) oder Spritzen. Auch Hunde-Haufen sucht man vergeblich.

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Skye, von Raasay aus gesehen

Die Nacht verbringen wir noch einmal in Dunvegan. Auf der Suche nach Programm für den nächsten Tag stöbern wir in den diversen Reiseführen und Leaflets aus der Tourist Information. Wir werden fündig, am Strand von Flodigarry soll man Fossilien finden können. Das hört sich gut an. Wandern kombiniert mit Spiel-Spaß-Spannung für unser Kind.

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Das Wetter am nächsten Morgen lockt nach draußen und so fahren wir am Quiraing Gebirge vorbei zum Fossil Beach im Nordosten von Skye. Wir finden tatsächlich Versteinerungen und laufen den ganzen Strand entlang und bis zum Flodigarry Hotel. Das Hotel liegt etwas oberhalb der Bucht. Der Pub kann mit einer besonderen Extravaganz aufwarten. Schottische Gemütlichkeit gepaart mit ägyptischen architektonischen Elementen. Und Essen kann man auch sehr gut hier. Heute begnügend wir uns aber mit der Tea-Time. Die ältesten Gebäudeteile gehen auf die Nationalheldin der Isle of Skye Flora McDonald zurück. Sie soll hier nach ihrem Gefängnisaufenthalt wegen Beihilfe zur Flucht für Bonnie Prince Charlie (auch ein schottischer Nationalheld) gelebt haben.

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Quiraing-Gebirge

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Algen bei Flodigarry

Weiter geht es nach Elgol. Von hier aus sollen Speedboats zur Insel Rum fahren. Der höchste Berg von Rum, der von mir bisher unbestiegene Askival, ist mir schon lange ein Dorn im Auge. Wenn die Überfahrt nicht allzu teuer ist, möchte ich morgen einen Versuch wagen. Wir haben Glück, am späten Nachmittag wird eine Schnuppertour für 8 Pfund / Person zur Rum angeboten. Da fahren wir doch alle mit!

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Wir werden mit seetüchtiger Kleidung ausgestattet und nach kurzer Einweisung geht es mit 500 PS auf in Richtung Rum. Das Hüpfen auf den Wellen ist recht amüsant, der Fahrtwind ist noch ein wenig von der Nachmittagssonne aufgewärmt und schnell ist die Insel Rum erreicht.

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Delfine oder Basketsharks sehen wir leider nicht. Am Pier von Rum sammeln wir zwei Wanderer auf und schon geht es wieder zurück nach Elgol. Die Rückfahrt findet Paula leider nicht mehr so lustig. Der kalte Fahrtwind im Gesicht ist ihr dann doch unangenehm.
Der Bootsführer kann leider keine verbindliche Zusage für den morgigen Trip zur Rum machen („depends on the weather“), deshalb soll ich morgen früh um acht Uhr wieder am Pier sein. Da es uns zu weit bis zum nächsten CP ist, stellen wir uns am Loch Muik zum Nächtigen auf einen Wanderparkplatz. Meine Frauen ahnen, dass sie am nächsten Morgen wegen „Papas Wanderei“ schon wieder früh raus müssen.

Nach einer verdammt kalten Nacht jage ich die beiden aus dem warmen Schlafsack und ernte dabei eher unfreundliches Gegrummel. Pünktlich kommen wir mit Frühstück intus um 8 Uhr in Elgol an. Da hole ich mir eine Abfuhr ab. Der Kapitän sagt, dass das Wetter nicht stabil genug für eine Tagestour nach Rum ist. Er kann nicht garantieren, mich abends wieder abholen zu können. Die Laune ist bei der ganzen Familie auf dem Tiefpunkt. Ich verabschiede mich von meiner Bergtour. Meine Frau versucht zu trösten und meint, dass der Askival nächstes Jahr bestimmt auch noch da steht. Wir fahren also etwas angesäuert über Plockton, Lochcarron nach Applecross.

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Highland Cows in Plockton

Nach Applecross fahren wir immer wieder gerne. Es gibt einen schönen CP, einen Pub mit ausgesprochen leckerem Barfood direkt am Meer und wundervolle Landschaft mit Blick auf die Skye. Den schönen Sonnenuntergang gibt es an den meisten Tagen noch dazu.

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So verbringen wir den Nachmittag an der Bucht, graben Kanäle und bauen Sandburgen. Dabei retten wir diverse Muscheln und Schnecken vor dem Austrocknen. Sogar einen kleinen Fisch finden wir und können ihn in einem unserer Kanäle bis zur nächsten Flut schwimmen lassen. Applecross wirkt wie immer, schnell sind wir applecrossed und die Laune bessert sich. Abends gehen wir in den Pub zum Essen und trinken das ein oder andere Bier.

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Mit 0.9°C war die Nacht wieder recht frisch und ich beneide die WOMOs mit funktionierender Heizung, wie entspannt die Bewohner im T-Shirt am Frühstückstisch sitzen … Wir machen uns auf weiter nach Norden. Über Shieldaig, wo wir einen Kaffee trinken und den Spielplatz besuchen, und Poolewe fahren wir an der Küste vorbei in Richtung Ullapool. Zwischendurch finden wir einen schön am Meer gelegenen Friedhof mit alten, verwitterten Grabsteinen. Wir entscheiden uns spontan für ein Picknick am Strand. Dann geht es weiter bis nach Ullapool.

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Ullapool

Auch Ullapool ist eine Station, die wir immer wieder gerne anlaufen. Der CP liegt ortsnah direkt am Wasser, zweimal am Tag fährt die Fähre nach Lewis direkt am WOMO vorbei. Die sanitären Einrichtungen sind zwar alt, aber durchaus akzeptabel. Da der CP so früh im Jahr noch relativ leer ist, bekommen wir einen der begehrten Plätze direkt am Wasser mit Blick auf das Loch Broom. Den Nachmittag verbringen wir mit einem Spaziergang durch das Örtchen, schauen uns die Souvenirläden an und gehen im örtlichen Supermarkt einkaufen. Im Seaforth Pub essen wir mal wieder ein „Pint Squatlobster“. Immer wieder ein Genuß!

Die Nacht endet um 7:30 Uhr als der Chef vom CP an unser Auto hämmert, um seine Platzmiete einzufordern. Wir kennen diese Angewohnheit und bezahlen sofort für zwei Nächte. Für morgen ersparen wir uns so das rabiate Wecken. Nachdem wir gefrühstückt haben und das Auto fahrbereit gemacht haben (also wie jeden Morgen alles einräumen, Dach einklappen, usw.), fahren wir nach Achiltibuie. Der kleine Ort liegt auf einer Halbinsel nördlich von Ullapool. Der Blick von dort über die Summer Isles ist einfach toll.

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Summer Isles bei Achiltibuie

Wir halten auf dem Weg dorthin oft an, gehen an einem der zahlreichen Strände Ball spielen, picknicken und beobachten die große Calmac-Fähre auf ihrem Weg zu den Äußeren Hebriden. Über Lochinver, wo wir zur großen Freude unserer Tochter Rehe am Strand ganz aus der Nähe beobachten können, fahren wir am Loch Assynt vorbei. Dort besichtigen wir das ziemlich verfallene Ardvreck Castle. Die Ruine liegt einmalig schön auf einer Mini-Halbinsel im Loch Assynt, umgeben von den imposanten Bergen des Assynt. Dann geht es zurück nach Ullapool.

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Ardvreck Castle

Das Praktische am WOMO ist ja, dass man das Wetter hören kann. Und so hören wir heute Morgen vor dem Aufstehen das Prasseln des Regens auf unserem Dach. Ein kurzer Kontrollblick und wir entscheiden, uns noch mal rumzudrehen. Irgendwann kommt aus der ersten Etage das allmorgentliche Papaaaaaaaaaaa (oder je nach Dringlichkeit ein Mamaaaaaaaaaaaaa) und wir wissen, die Nacht hat nun endgültig ein Ende.

Nach einem gemütlichen Frühstück geht es weiter gen Norden. Am Point of Stoer laufe ich, um mich wenigstens mal wieder ein bisschen zu bewegen, die 3 km zum Old Man of Stoer. Old Men nennt man hier nahe an der Küste stehende Felssäulen, vergleichbar mit unserer Langen Anna auf Helgoland. Der Rest der Familie hat keine Lust (ok, eigentlich nur Paula …) und vertreibt sich mit puzzeln und der Kleinen Hexe die Zeit bis zu meiner Rückkehr. Die beiden schaffen es in der Zwischenzeit sogar auch mal bis zum Leuchtturm, immerhin gute 30 Meter vom Auto entfernt.
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Old Man of Stoer

Wir erreichen Durness am späten Nachmittag und begeben uns sofort zum Strand, um Burgen zu bauen. Ich möchte nicht wissen, wie viel Sand ich in diesem Urlaub schon bewegt habe! Am Abend suchen wir vom WOMO aus das Meer nach Delfinen ab. Immerhin besuchen uns die wilden Kaninchen, aber von den Meeressäugern fehlt mal wieder jede Spur.

Das schlechte Wetter war wohl nur ein kurzes Intermezzo, denn der nächste Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Wir machen uns mit Kind in Kindertrage auf zum Faraid Head. Dort soll es Papageientaucher geben. Dank einer Skizze vom Camping Warden sind diese dann auch schnell gefunden. Paula ist kurzzeitig begeistert von den putzigen kleinen Vögeln. Bringt dann aber ihr Interesse an den Muscheln am langgezogenen Sandstrand der Bucht von Balnakeil ins Gespräch. Meine Frau fügt sich und zieht mit Paula los zum Muschel Sammeln. Ihre Ausbeute ist gigantisch. Ich darf bei den Puffins bleiben und mache fotografisch meine Beute.

Wieder vereint besichtigen wir noch die alte Kirche in Balnakeil und springen etwas in dem weichen Dünensand herum.

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Balnakeil
Den Nachmittag verbringen wir mit einem Besuch der Smoo Cave, einer großen Höhle in der Nähe von Durness. Zu der angebotenen Bootsfahrt können wir uns nicht durchringen, aber der Blick vom sicheren Weg aus verspricht Schönes. Naja, vielleicht beim Nächsten Mal …

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So langsam müssen wir an den Heimweg denken, das Ende des Urlaubs naht. Vorbei an einsamen Lochs und schneebedeckten Bergen geht es nun stetig immer weiter nach Süden. In Invermorriston finden wir einen CP, wo wir die Nacht über bleiben.

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Abschied vom hohen Norden

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Lech Mine

Den nächsten Vormittag verbringen wir in Inverness. Wir laufen ein bisschen durch die Geschäfte und tanken beim örtlichen Supermarkt noch mal voll. Gegen Mittag geht es weiter in Richtung Cairngorms. Zwischendurch machen wir Pause und laufen vom Parkplatz aus die paar Meter zur Lech Mine. Bevor wir die verlassene Mine über den gewundenen Pfad erreichen, ergibt sich eine der ach so seltenen Gelegenheiten, Steine in Wasser zu werfen. Am Weg entlang fließt ein kleiner Bach und wir erweitern auf dem Rückweg unseren Horizont und werfen Stöckchen ins Wasser. Wer ist schneller? Paula oder Stöckchen? Nach kurzer Fahrt über den Pass und durch das Skigebiet landen wir schließlich in Braemar.

Fast 25 Pfund wollen die dort für eine Nacht auf dem CP von uns haben! Das ist uns zu teuer und so fahren wir weiter nach Ballater. Doch hier prangt ein großes Schild an der Campingplatzeinfahrt:
CAMPSITE FULL !

Wir haben eine lange Fahrt hinter uns und möchten eigentlich nur einen Platz zum Übernachten haben. Auf dem Weg bis Ballater haben wir viele schöne Stellplätze gesehen. Aber ohne Toilette und mit Paula können wir uns schlecht einfach in die Landschaft stellen. Da wir alle keine Lust mehr auf Fahren haben, beschließen wir in den sauren Apfel zu beißen und den CP in Braemar zu nehmen. Wir machen das Beste daraus und es wird noch ein schöner Abend. Der CP hat einen schönen Spielplatz, die sanitären Anlagen sind gut und der Weg ins Örtchen ist nicht weit. Wir entscheiden, heute auch nicht beim Essen zu sparen. Die WOMO Küche bleibt also kalt und wir machen den Pub in Braemar unsicher.

Die Sonne scheint, heute soll's auf Paulas ersten Munro ( Berg über 3000 feet ) gehen. Der Weg auf den 987 Meter hohen Creag Leacach ist relativ kurz und auch die zu bewältigenden Höhenmeter halten sich in Grenzen. Bevor es losgeht füttern wir noch auf dem CP eine Entenfamilie, die uns schon während des ganzen Frühstücks neugierig beäugt.

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Der Weg auf den Creag Leacach lässt sich gut gehen und wir brauchen die Kindertrage nur selten.
Am Gipfel muss ich dann doch ein wenig „schieben“.
Trotz der Sonne ist es auf fast 1000 Meter lausig kalt und windig. Wir essen nur kurz etwas und machen uns dann sofort wieder auf zum Abstieg.

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endlich oben

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Cairngorms

Nach knapp vier Stunden sind wir wieder am Auto und fahren in Richtung Roslin in der Nähe von Edinburgh. Roslin ist spätestens nach dem Film Sakrileg wohl bekannt. Wir wollen uns Schottlands berühmteste Kapelle anschauen und auf dem CP um die Ecke die Nacht verbringen. So ist der Plan, aber: Sowohl der CP als auch die Kapelle sind geschlossen! So ein Mist! Wieder viel Fahrerei und dann verschlossene Türen. Zum Glück kenne wir uns ja ein wenig aus und nach kurzer Krisensitzung im örtlichen Pub fahren wir weiter zum CP Morton Hall in Edinburgh.

Unser letzter Tag in Schottland begrüßt uns mit dicken Wolken und Regen. Wir fahren mit dem Bus nach Edinburgh rein, schlendern etwas über die High- und Princess Street. Am frühen Nachmittag setzen wir unsere Reise nach Süden fort. Um 17 Uhr überqueren wir die schottisch-englische Grenze und fahren weiter bis zu einem Farm-CP in Bellingham.

Heute geht unser Schiff, es heißt also Abschied nehmen. Wir verbringen den Vormittag in Blyth und Paula ersteht dort für 1 Pfund einen wirklich kleidsamen Regenhut. Ob sie den in Aachen auch gebrauchen kann?

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Hauptsache Hut

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Abschied von GB, Bohrinsel in Newcastle

Die Überfahrt verläuft ereignislos. Zum Glück gibt es einen Piratenclown mit ausgeprägtem niederländischem Akzent, so ist zumindest unser Kind bespaßt. Als wir im Car-Deck unser Auto suchen, kommt noch mal Hektik auf. Paula hat gerade gemerkt, dass sie ihr Kuscheltier verloren hat. Wahrscheinlich hat sie es 5 Decks höher im Spielbereich vergessen. Während wir noch überlegen, wer wie noch rechtzeitig hin und wieder zurück kommt … rennt der bordeigenen Kinderbespaßungsclown laut nach Paula rufend in voller Kostümierung mit dem Kuscheltier im Arm über das Car-Deck. Ein Bild für die Götter! Auf diesem Wege noch mal: Herzlichen Dank!

Die Strecke nach Aachen ist schnell geschafft und das leidige Ausräumen, Waschen usw. beginnt.
Abschließend bleibt zu sagen, wir werden wieder nach Schottland fahren. Mit dem Wetter hatten wir dieses Mal enormes Glück, auch wenn es zeitweise ein wenig kalt war. Die Reisezeit war gut gewählt, die CPs waren bis auf eine Ausnahme relativ leer. Also: Bis bald, Schottland!

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