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Schottland 2010

permanenter Linkvon gnarz18 am 09 Aug 2010 12:09:17

Endlich geht es los, für vier Wochen nach Schottland!
Als Hauptziel haben wir uns die Orkney Inseln im Norden von Schottland gesetzt. Die hatten wir vor zehn Jahren schon einmal besucht. Damals allerdings noch zu zweit und in unserem T4 California.

Da wir in Aachen leben, ist die Fahrt nach Calais in 3,5 Stunden diesmal schnell geschafft. Ostern diesen Jahres waren wir das letzte Mal in Großbritannien und hätten damals, dank eines zweistündigen Staus um Brüssel herum und mächtig Gegenwind, beinahe die Fähre verpasst. Diesmal, mit einer großen Zeitreserve und ohne Stau, können wir entspannt eine Fähre früher über den Kanal setzen.

Unser erstes Ziel ist St. Margaret’s at Cliffe, nur ein paar Kilometer von Dover entfernt, mit Pub und schönem Blick auf die Kreidefelsen und den Kanal. Bei schönem Wetter erkennt man sogar die Küste von Calais. Auf Nachfrage erlaubt uns der Besitzer des Pubs auf seinem Parkplatz zu übernachten. So bleibt uns das schlechte Gewissen erspart, auf dem öffentlichen Parkplatz zu stehen. Dort ist das Übernachten im Wohnmobil verboten.
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Wir starten unseren ersten Urlaubstag früh um 7 Uhr und beeilen uns, vom Parkplatz zu kommen. Für heute haben wir uns viel vorgenommen. Wir wollen in Cambridge einkaufen, das WM-Viertelfinale Deutschland-Argentinien anschauen und es streckenmäßig bis in die Yorkshire Dales schaffen.

Das frühe Aufstehen belohnt uns mit einer stress -und staufreien Fahrt um London herum und so erreichen wir zeitig Cambridge. Dort besorgen wir uns für 20 Pfund einen Surfstick mit einem Monat freiem Zugang. Nach kurzem Bummel durch die Stadt machen wir uns wieder auf den Weg in Richtung Norden.

Am frühen Nachmittag machen wir einen Stopp, um uns in einem Pub einer typischen englischen Kleinstadt in etwas angespannter Atmosphäre das Spiel Deutschland - Argentinien anzuschauen. Die Engländer nehmen uns das Ausscheiden bei der WM doch ein wenig übel, freuen sich dann aber trotzdem mit uns über die schönen Tore. Der Ausgang ist fast jedem bekannt und wir beeilen uns, den Pub zu verlassen und wieder auf die Strasse zu kommen. Nachdem wir die Meute zahnloser und tätowierter Engländer abgeschüttelt haben, die Diskussionen um das nicht gegeben Tor für England führen wollen, setzen wir die Fahrt fort in Richtung Tan Hill Inn.

Tan Hill ist Englands höchst gelegener Inn und liegt mitten in den Yorkshire Dales in der Nähe des Örtchens Keld. Für eine Donation von 2 Pfund kann man dort mitten in der Einsamkeit einen gemütlichen Abend im Pub verbringen (Achtung: dazu hat uns bei der Rückfahrt eine böse Überraschung ereilt, Weiterlesen lohnt sich also). Sehr oft gibt es Live Musik oder Dichterlesungen. Der Pub und seine Besitzerin sind beide etwas speziell. So gilt z.B. absolutes Handy-Verbot. Wer erwischt wird, muss 1 Pfund für wohltätige Zwecke spenden. So sind im letzten Jahr über 9000 Pfund zusammen gekommen! Als Haustiere gehören zum Pub Hund, Katzen, Hühner und Hahn, Enten und Schafe. Letztere legen sich abends gemütlich ans Kaminfeuer und sind nicht wirklich stubenrein. Aber unsere Tochter hat ihren Spaß und der alte Steinboden verzeiht so manches.

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Tan Hill Inn

Nach einer ruhigen Nacht werden wir pünktlich um 6:30 vom asthmatischen Hahn geweckt. Wen wundert’s, wenn man auch schon so früh mit dem Trinken anfängt!

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Im Grunde genommen sind wir dem Hahn aber dankbar. Wir wollen heute endlich Schottland erreichen und Dank Weckruf können wir uns früh auf den Weg in Richtung Highlands machen. Der Tag, geprägt durch viel Fahrerei, verläuft ereignislos und gegen Abend erreichen wir einen nicht näher erwähnenswerten Campingplatz im nichtssagenden Dingwall bei Inverness.

Da wir Inverness schon von früheren Besuchen her kennen, machen wir uns am nächsten Morgen dann auch sofort wieder auf den Weg, um Stromness in Orkney zu erreichen. Am Vorabend haben wir mit Hilfe unserer Neuanschaffung, dem Surfstick aus Cambridge, online die Fähre für 13 Uhr gebucht und so müssen wir uns ein wenig sputen, um pünktlich in Gill's Bay zu sein.
Als wir im Hafen ankommen, sehen wir auch schon unsere Fähre. Mir fällt natürlich sofort die „fehlende“ Bugklappe auf!

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Rückwärts eine abfallende Laderampe herunter zu fahren ist nicht wirklich angenehm, da man dabei die Ecken und Kanten der Fähre aus dem Rückspiegel verliert. Man muss halt dem Einweiser vertrauen! Ein Engländer mit Wohnwagen schafft es einfach nicht, sein Gespann (natürlich ebenfalls rückwärts) gerade die Rampe herunter zu bringen und so muss jemand vom Fährpersonal diese Aufgabe übernehmen.

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Nach einer etwas wackligen Überfahrt mit eindrucksvollen Flugmanövern von Basstölpeln legt der Katamaran eine gute dreiviertel Stunde später in St. Margaret's Hope an.

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Geschafft, endlich in Orkney! Die Orkney Inseln sind flach und die Straßen sind meist gut ausgebaute zweispurige Verbindungen. So erreichen wir gegen 17 Uhr Stromness, die zweitgrößte Stadt der Inselgruppe. Der Campingplatz liegt wunderschön direkt am Wasser mit Blick auf Stromness und auf die Insel Hoy.

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Stromness

Nachdem das Wohnmobil zurechtgemacht ist, machen wir uns zum Fish’n’Chips Essen auf in die Stadt. Die Hauptstraße von Stromness ist recht schmal. Man sollte auf eine Durchfahrt mit dem Wohnmobil besser verzichten.

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An den kommenden Tagen wollen wir die Hauptinsel erkunden und so beginnen wir den Tag mit einer Wanderung zum Yesnaby Castle. Yesnaby Castle ist kein Schloss im üblichen Sinne, sondern eine frei im Meer stehende und von Wellen umtoste Felssäule.

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Yesnaby Castle

Die Wanderung ist nicht besonders lang und unterwegs gibt es immer wieder etwas zu finden und zu bestaunen. Also ausreichend Möglichkeit, sein Kind zu bespaßen und davon abzulenken, dass es eigentlich wandert.

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Weiter geht die Fahrt zum Brough of Birsay, einer kleinen Insel, die nur bei Ebbe über einen Damm zu erreichen ist. Hier findet sich eine der zahlreichen Siedlungen aus Zeiten der Wikinger und der Pikten, die wir uns anschauen möchten. Bekannterweise kann ein 5-jähriges Mädchen nicht wirklich viel mit einem Haufen Steine aus der Vergangenheit anfangen. Uns so retten wir mit ihr hunderte Wasserschnecken, die auf dem Verbindungsdamm auf die nächste Flut warten, vor dem Zertreten-Werden durch die Brough Besucher. Und vor dem Vertrocknen natürlich.

Anschließend entdecken wir an der Steilküste von Birsay eine kleine Papageientaucher (Puffin) Kolonie, die natürlich helle Begeisterung bei unserer Tochter auslöst. So nah kommt man ohne größere Kraxelei eher selten an die putzigen Vögel heran.

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Der nächste Tag startet sonnig und wir machen uns von unserer Basisstation in Stromness auf zu einer kurzen Wanderung zum Kitchener Memorial. Ein weithin sichtbarer Turm auf der Steilküste, der zum Gedenken an das verunglückte Schiff von Admiral Kitchener von den Orkadiern errichtet worden ist.

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Die Wanderung dauert nur knapp eine Stunde und wir genießen bei schönstem Sonnenschein die eindrucksvolle Küste von Orkney. Da die Vogelfelsen am Memorial bereits wieder verlassen sind, müssen wir anschließend nochmals zurück zu den Papageientauchern am Brough of Birsay. War ja irgendwie klar … Immer noch das gute Wetter nutzend steht dann mit dem Broch of Gurness wieder ein wenig Kultur auf dem Programm.

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Den Tag beschließen wir mit einem „Stadtbummel“ durch die Strassen von Kirkwall, der Hauptstadt von Orkney. Gemütlich Kaffeetrinken kann man in der Fußgängerzone und um den St. Magnus Dom übrigens auch.

Am nächsten Morgen werden wir durch das starke Wackeln des Wohnmobils geweckt, in der Nacht ist es sehr windig geworden. Also beschließen wir ein „Schlechtwetter-Programm“. Zuerst besuchen wir die Rundkirche von Orphir. In einer kleinen Ausstellung werden Histörchen der alten Siedlung sowie an Hand von Auszügen aus der Orkneyinga Saga der Stammbaum der Earls of Orkney erklärt. Ausstellung und Rundkirche sind kostenfrei zu besichtigen, um Spenden wird gebeten.

Von Orphir aus fahren wir weiter südlich über die Churchill Barriers bis zum Grab „Tomb of the Eagles“ an der Südspitze der Insel South Ronaldsay. Unterwegs machen wir Halt an der Italian Chapel, einer Kirche, die von italienischen Gefangenen während des Krieges gebaut worden ist. Sie besteht aus einer Nissenhütte, die von den Kriegsgefangenen während ihrer „Freizeit“ liebevoll mit tollen Wandmalereien und einer Holzfront geschmückt wurde.

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Tomb of the Eagles erreichen wir am frühen Nachmittag. Tapfer hangeln wir uns durch den engen Eingang in die Grabkammer, was zumindest einem Familienmitglied sichtlich Freude bereitet.

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Die Nacht möchten wir freistehend in Yesnaby verbringen. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Steinkreis „Ring of Brodgar“ vorbei. Der Ring of Brodgar gehört neben Callanish auf den Äußeren Hebriden und Stonehenge in Südengland wohl mit zu den berühmtesten Steinkreisen von Großbritannien und ist wirklich eindrucksvoll.

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Sehr erfreulich ist, dass der Eintritt zum Steinkreis jederzeit möglich und kostenlos ist (was man über Stonehenge ja leider nicht sagen kann). Bei geeignetem Wetter lohnt es sich durchaus, auf einen Sonnenuntergang am Steinkreis zu warten.

Da es inzwischen noch windiger geworden ist, freuen wir uns auf eine stürmische Nacht in Yesnaby. Man schmeckt die salzige Gischt auf den Lippen und hört nachts das tosende Meer. So mögen wir das und sichern wir uns zeitig unseren Platz in Yesnaby. Wie sich noch herausstellen wird, ist die Stellplatz dort nicht wirklich ein Problem. Wir sind ganz alleine dort! Mal abgesehen von ein paar Raubmöwen, Basstölpeln, etc.

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Am nächsten Tag besuchen wir das gut erhaltene steinzeitliche Dorf Skara Brae. Die Häuser sind teilweise mit Einrichtung erhalten geblieben. Damit kann auch unsere Tochter etwas anfangen und fröhlich hüpft sie durch die engen Verbindungsgänge. Dann fängt es stark zu regnen an und den Rest des Nachmittags verbringen wir im Schwimmbad von Stromness.
Sofern man Interesse an historischen Besichtigungen hat, sollte man sich in der Tourist Information oder besser noch bei Historic Scotland direkt wegen eines Besucherpasses informieren. Die teils deftigen Eintrittspreise für einzelne Sehenswürdigkeiten reduzieren sich z.B. durch den Erwerb eines Kombi-Tickets. Für Reisende, die länger unterwegs sind und z.B. auch Mainland Scotland besichtigen, lohnt sich evtl. sogar der Familien-Jahresbeitrag von 76 Pfund (2 Erwachsene plus 6 Kinder).

Der Samstag startet sonnig und Deutschland wird Dritter bei der WM. Die erste Woche Urlaub ist also schon rum … Morgens besichtigen wir Maes Howe, das wohl bekannteste Grab in Orkney mit den Wikinger Graffiti. Gegen Mittag unternehmen wir bei strahlendem Sonnenschein eine Wanderung zum Gloup. Das ist ein sehr tiefes längliches Loch mitten in einer Wiese, das durch Erosion und durch die Kraft des Meeres entstanden ist. Also eine eingestürzte Höhle. Verbunden ist der Gloup durch einen natürlichen Tunnel mit dem Meer. Nachmittags besuchen wir die erstaunlich große Kathedrale von Kirkwall und den dortigen Earl's & Bishop Palace.

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Unseren letzten vollen Tag in Orkney starten wir mit einer Wanderung zum Skiba Geo (manchmal auch Skippy Geo genannt), einem alten Walknochen, der früher wohl einmal als Seezeichen gedient hat. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer alten Fischerhütte vorbei. Klein, dunkel und muffig-feucht ist sie. Trotzdem damals wohl eher eine der bequemen Wohnungen für die schuftende Bevölkerung. Am Skiba Geo angekommen machen wir erst mal ein kleines Picknick. Die Klippen mit den faul in der Sonne liegenden Robben wollen auch noch erkundet werden.

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Dann sehen wir über dem Meer das schlechte Wetter anrollen. Jetzt heißt es schnell zurück zum WoMo. Dass dicke schwarze Wolken viel Regen mit sich bringen können, hat unsere Tochter in diesem Urlaub schnell gelernt. Der Spurt zurück gelingt, kaum ist die Türe zu, setzen heftiger Regen und Wind ein.

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Die letzte Nacht in Orkney wollen wir eigentlich noch mal bei den Klippen in Yesnaby verbringen. Regen und Wind haben sich aber in Laufe des Tages leider zu einem echten Sturm entwickelt. Von der Küste in Yesnaby ist nichts mehr zu erkennen. Bei Landuntergangsstimmung entscheiden wir uns doch zurück nach Stromness zu fahren. Als wir dort auf dem Campingplatz ankommen sehen wir, dass die Hälfte der Zelte den Sturm wohl nicht überlebt haben ... ein Glück wer ein Wohnmobil sein Eigen nennt.

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Am Abend legt sich der Sturm und das Wetter wird wider Erwarten doch noch mal schön. Wir laufen etwas an der Küste entlang und beobachten eine große Seehund Kolonie. Die jagenden Skuas (Große Raubmöwen), Arctic Skuas (arktische Raubmöwen) und tauchenden Kormorane scheinen ebenfalls froh über den unerwarteten Wetterwechsel zu sein.

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Die Insel Hoy mit den einzigen Bergen der Orkney Inseln besuchen wir diesmal nicht. Vor zehn Jahren haben wir die Wanderung über die Berge zum Old Man of Hoy gemacht. Diese Wanderung ist wirklich jedem zu empfehlen. In Acht nehmen muss man sich nur vor den Skuas, die zeitweise eine beachtliche Aggression an den Tag legen können, wenn man ihr Revier betritt. Besonders reizbar sind diese eigentlich nett wirkenden Vögel natürlich während der Brutzeit. Skuas jagen immer als Paar zu zweit. Eine der beiden Skuas sitzt auf einem Beobachtungsposten und „ruft“ Kommandos. Die zweite Skua startet die Angriffe indem sie ungefähr in Kniehöhe auf den Wanderer zufliegt und erst kurz vor ihm „nach oben abdreht“. Der dabei entstehende Lufthauch ist durchaus beachtlich.

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Bevor wir uns auf den Weg zur Fähre zurück zum Mainland machen, halten wir noch am Grab „Unstan Tomb“ und an den Standing Stones of Stennes an. Ehrlich gesagt haben unsere Tochter und ich langsam die Nase voll von alten Steinen. Nur meine Frau kann nicht genug davon bekommen …

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Wir nehmen die Mittagsfähre von St. Margarete's Hope Richtung Gill's Bay, wo wir knapp eine Stunde später eintreffen. Die einfache Fahrt für zwei Erwachsene, ein Kind und 6m-WoMo kostet 62 Pfund.

Von Gill's Bay geht es weiter Richtung Durness. Endlich Single Track Roads und ein paar Berge. Dieses flache, von Landwirtschaft geprägte Orkney ist nicht so das Schottland wie man es sich vorstellt und kennt. Nicht dass man mich falsch versteht, Orkney ist wirklich schön und die Küstenlandschaft eindrucksvoll. Aber irgendwie fehlt der Landschaft das Spektakuläre. Wer allerdings alte Steine und die damit verbundenen Sehenswürdigkeiten mag, der findet sie in Orkney auf Schritt und Tritt und kommt voll auf seine Kosten.
Hier noch ein paar Impressionen von Orkney:

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Der CP von Stromness

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auf dem Weg nach Durness

In Durness angekommen mache ich mich auf den Weg nach Balnakeil, um noch ein wenig Bewegung zu haben und um die Landschaft zu genießen. Auch in Durness kann man Puffins finden. Was der wohl vorhat?!

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Der Strand von Balnakeil

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Am nächsten Tag laufen wir die fünf Kilometer von Balnakeil Beach nach Keoldale, um uns heute zumindest ein wenig zu bewegen. Es steht nämlich wieder eine längere Fahrt bevor. Wollen wir doch heute noch einen unserer Stammcampingplätze in Achmelvich in der Nähe von Lochinver erreichen. Wieder zurück am Auto fahren wir am Loch Assynt vorbei und erreichen bei strahlendem Sonnenschein unser Ziel.

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Die Ferienzeit hat mittlerweile auch in Großbritannien begonnen und der Platz ist sehr voll. Wir ergattern gerade noch den letzen Platz mit Stromanschluss und machen uns auf den Weg zum weißen Sandstrand.

Dort erklärt ein netter Mensch vom National Heritage den Kindern, was man alles in den, wie er sie nennt, Rock Pools (vom Meer bei Ebbe zurückgelassene Pfützen) finden kann. Die Kinder fangen Seeigel, Seesterne, Einsiedlerkrebse, Garnelen usw.. Wir fangen sogar eine Sea Potato. Das Tierchen war uns bis dahin auch völlig unbekannt. Es sieht aus wie eine Kreuzung aus Seeigel und Kartoffel, der Name ist also Programm. Der Kauf eines eigenen Fangnetzes wird nach diesem aufregenden Nachmittag zum allesbeherrschenden Thema. Da es in Achmelvich außer dem Campingplatz (immerhin mit eigenem sehr zu empfehlenden Fish'n'Chips Shop) und Strand nichts gibt, kommt Fangnetz-Kaufen ganz nach oben auf die ToDo-Liste.

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Der Morgen startet wettermäßig durchwachsen und so beschließen wir, heute nach Ullapool zu fahren und dort in den Geschäften ein wenig zu bummeln. Außerdem sind wir guter Hoffnung, dort den ersten Punkt der ToDo-Liste erledigen zu können.

Aus dem anfänglichen Nieselregen wird echter schottischer Sommerregen und so verbringen wir die nächsten zwei Tage in Ullapool. Wir können auch tatsächlich ein Fangnetz käuflich erwerben, nur fehlt nun leider das Wetter zum „Was-Fangen-Gehen“. Aus dem Sommerregen wird stürmischer Regen und der Wind wird für einige Mitcamper zum echten Problem. Wehe dem, der sein Zelt nicht genügend abgespannt hat:

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Dieser arme Kerl konnte sein Zelt zum Glück gerade noch aus dem Loch Broom fischen. Einige Einzelteile fand er auch noch am Strand verteilt. Sehr unangenehm.

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Regenpause in Ullapool

Der folgende Tag beginnt leider auch wieder mit viel Regen und so fahren wir über Achnasheen, vorbei am Eileen Donan Castle nach Kyle of Lochalsh. Auch die RAF scheint das Castle als Sehenswürdigkeit für sich entdeckt zu haben ...

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Der Regen bleibt uns erhalten und so entscheiden wir uns, am Nachmittag mit einem Glasbodenschiff durch den Sund zwischen der Isle of Skye und Kyle of Lochalsh zu fahren. Ist mal ganz interessant zu sehen, was sich so alles auf dem Meeresboden tummelt. Und für unsere Tochter ist es natürlich ein großer Spaß.

Der nächste Morgen beginnt sehr unangenehm. Ich sag nur: LÄUSE!
Ja genau die. Kleine Mistviecher, die über Kindergartengruppen herfallen und die Eltern in den hygienischen Wahnsinn treiben. Den Läusealarm im Kindergarten an unserem Abreisetag hatten wir ignoriert, da dieser in einer anderen Gruppe aufgetreten war. Nun also doch auch wir. Den Beteuerungen unserer Tochter „ Die tun doch Nichts und die haben doch auch Spaß am Leben“ können wir nicht so recht zustimmen und decken uns in der Apotheke von Kyle of Lochalsh erst einmal mit der nötigen Chemiekeule und einem Nissenkamm ein. Für heute brauchen wir auf jeden Fall einen CP mit guten Duschen. Also ändern wir unsere Reiseroute und fahren über Portree nach Uig auf der Insel Skye. Zuerst besuchen wir den Pub am Hafen und schauen beim Be- und Entladen der Fähre zu den Äußeren Hebriden zu. Dann, es hilft ja nix, beginnen wir mit der Läuse Bekämpfung.

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Entseucht und übel riechend (das englische Läusezeug stinkt erbärmlich, aber wenn's hilft ...) starten wir den nächsten Tag bei strömenden Regen mit einem Besuch des Freilichtmuseums „Flora McDonald“. Das heißt, wir wollten starten ... aber leider hat das Museum sonntags geschlossen (typisch britisch, wer geht denn wohl schon sonntags ins Museum). So fahren wir weiter zur Hauptstadt der Insel, Portree, und trinken dort mal gemütlich eine Tasse Kaffee. Am Nachmittag steuern wir Glen Brittle an. Ich möchte endlich mal ein bisschen Wandern gehen und Glen Brittle auf der Südseite der Cullins of Skye eignet sich als Ausgangspunkt hervorragend dafür.

Früher war Glen Brittle für seine schönen Plätze zum geduldeten wilden Campen bekannt. Nun ist daraus leider ein von der Lage her sehr schöner aber viel zu teurer Campingplatz geworden. Die Nacht mit dem WoMo kostet für 2 Erwachsene und 1 Kind 18 Pfund. Wohlgemerkt ohne Strom und ohne Entsorgungsmöglichkeit für Grauwasser und Chemo-Toilette! Auch das Duschhaus ist diesem Preis in keinster Weise angemessen.

Wir bleiben trotzdem und verbringen den Nachmittag mit Drachensteigen und spazieren gehen am Strand. Natürlich ist das Fangnetz mit dabei, gefangen wird leider nichts.

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Nach einem netten Nachmittag endet der Abend dann sehr unangenehm. Ich sag nur: ZECKEN!
Ja genau die. Miese kleine Mistviecher, die sich das gleiche Ziel wie die Läuse auf die Fahne geschrieben haben: an das Blut anderer Lebewesen zu kommen! Nein danke. Zum Glück sitzt die Zecke noch nicht richtig fest und wir bekommen sie in einem Stück heraus. Der Vorschlag unserer Tochter (der geneigte Leser ahnt es eventuell schon … auch die Zecke hat schließlich Spaß am Leben), die Zecke doch in ihrem Beobachtungsglas mit nach Deutschland zu nehmen, um sie im Kindergarten zeigen zu können, ignorieren wir selbstverständlich. Die Zecke wird an Ort und Stelle eliminiert und entsorgt.

Neuer Tag. Neues Glück. Trotz bedenklichen Wetters starte ich einen Versuch, auf den höchsten Berg der Skye, den Alasdair, zu wandern. Aber nach drei Stunden im Dauerregen bin ich nass bis auf die Unterhosen und habe schlichtweg einfach keine Lust mehr. Zumal die Aussicht auf Wetterbesserung gleich Null ist. Zurück am CP versorge ich mich erst mal mit trockenen Klamotten.

In der Zwischenzeit hat meine Tochter ein neues Kunststück einstudiert. Sie überzeugt nicht nur mit anmutigem aber kraftvollem Sprung, nein auch mit einem guten Blick für die wirklich tiefen Pfützen.

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Nach dem Entschlammen des Kindes (auch die beste Matschhose gibt mal auf …) machen wir das WoMo startklar, bestimmen das nächste Ziel und fahren los. Auf nach Elgol!

Auf dem Weg nach Elgol bessert sich das Wetter allmählich und die Sonne kommt sogar ein wenig heraus.

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Sollte das Wetter morgen endlich mal besser sein, würde ich gerne nochmals versuchen, ein wenig zu wandern. Wer um das Loch Slapin Richtung Elgol fährt, dem fällt sofort die Felskulisse des Blaven auf. Den habe ich schon seit Jahren im Visier, in diesem Urlaub soll es endlich klappen.

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Blaven

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Loch Slapin

In Elgol gibt es einen wirklich schönen Stellplatz mit fantastischem Blick auf die Insel Rum und die Berge von Skye. Bis 17 Uhr gibt es im Mini-Shop neben der Community Hall einen trinkbaren Kaffee. Danach werden in Elgol die Bürgersteige hochgeklappt. Immerhin gibt es ein Stück unterhalb des Shops eine öffentliche Toilette. Bei gutem Wetter kann man einen sehr kitschigen Sunset über den Cuillins erleben.

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Am kleinen Hafen von Elgol gibt es 2 Buden, die verschiedenste Schiffstouren anbieten. Neben dem gemütlichen Nachmittagsausflug zum Loch Coruisk werden auch Touren mit sogenannten Speedboats angeboten. Für Wanderfreudige, die zur Insel Rum möchten, sind die Speedboats eine echte Alternative. Die „normale“ Fährverbindung nach Rum von Mallaig aus versorgt die Insel nur 2-3 mal pro Woche. Mit dem Speedboat ist man von Elgol aus in einer Stunde da. Letztes Jahr habe ich eine solche Tour gebucht, um den höchsten Berg der Rum, den Askival, zu erklimmen. Morgens früh wurde ich auf Rum abgesetzt und zur verabredeten Zeit am Nachmittag wieder abgeholt. Der Anbieter ist relativ flexibel und so sind auch Touren mit Übernachtungen auf Rum möglich. Die Speedboatfahrten sind sehr vom Wetter abhängig. Und so kann es leider durchaus passieren, dass eine schon zugesagte Tour doch noch kurzfristig abgesagt wird. Da geht der Käpt’n zum Glück lieber auf Nummer sicher. Aber wenn’s klappt, ist eine solche Fahrt auf jeden Fall ein Erlebnis.

Der nächste Morgen beginnt mit strahlendem Sonnenschein. Nur vorübergehend, wie sich später zeigen wird. Noch schnell die neugierigen Kühe neben dem Auto füttern (ja, die nehmen auch Brot!) und in deren Hinterlassenschaften treten (müssen die denn auch direkt vor meine Tür sch… naja, vielleicht bringt's Glück).

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Ich packe also meine sieben Sachen und los geht es auf den 928 Meter hohen Blaven. Die Tour wird mit 7 Stunden angegeben, sollte also kein Problem sein, diesmal trocken zu bleiben.

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Mit mir starten 5 Engländer. Der Gipfel ist zwar noch in Wolken, aber ich bin guter Dinge, dass sich das bis ich oben bin gelegt haben wird. Da die Engländer häufig Pause machen, setzte ich mich nach der Hälfte des Weges von ihnen ab und verliere sie später aus den Augen. Stutzig werde ich, als ich sie eine halbe Stunde später einen ganz anderen Weg hoch kraxeln sehe.
Als ich oben ankomme, sind die Engländer auch schon oben. Aber die auf dem richtigen Gipfel, dem Blaven!

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Da wollte ich doch auch hin! Ich beeile mich natürlich, zum richtigen Gipfel zu kommen und verkaufe meinen Umweg als sehenswerten Rundweg. Leider ist das Wetter nicht stabil und immer mehr Wolken ziehen über den Grat. Und es kommt, wie es kommen muss. Es fängt erst leicht dann stark an zu regnen.

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Ich werde also mal wieder so richtig nass. Herrlich! Ich beeile mich, den Berg schnell und heil runter zu kommen. Nach knapp sechs Stunden bin ich also trotz neu entdecktem Rundweg wieder beim WoMo. Schön war's trotzdem.

Die Nacht verbringen wir in Dunvegan auf dem CP. Alle freuen sich mal wieder auf eine vernünftige Dusche und Fish’n’Chips im Dorf.

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Macleod's Maidens

In der Nacht zieht erneut Sturm auf und das WoMo wird heftig durchgeschüttelt. Konsequent wie nur das schottische Wetter sein kann, regnet es am nächsten Morgen wie aus Kübeln. Wir fahren also nach Portree zum Tanken und Lebensmittel auffüllen. Das nächste Ziel ist Shieldaig, ein kleiner hübscher Ort am Meer mit Pub und Shop. Hinter Shieldaig beginnt das Torridon. Shieldaig lockt auch mit einem Stellplatz oberhalb des Ortes. Unterhalb des SP am Ende der Dorfstrasse gibt es eine öffentliche Toilette und einen Spielplatz. Um Spenden bittet eine kleine unauffällige Box am Eingangsgatter zum SP.

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Wie so oft wird das Wetter gegen Abend immer besser. Sogar ein Sonnenuntergang wird diesmal geboten. Meine bessere Hälfte schlägt mir vor, nein bedrängt mich fast, am kommenden Tag erneut meiner Wanderslust zu frönen. Ich zaudere erst, willige dann aber zähneknirschend ein.
Ich suche mir einen 1055 Meter hohen Gipfel des Liathach im Torridon aus. Das Wetter ist am nächsten Morgen so richtig schön. Wir stehen extra früh auf und so stiefele ich bereits gegen 9 Uhr los, den Liathach zu besteigen. Der Weg geht extrem steil los und ich merke, wie sehr mir noch der Blaven in Knochen steckt. Je höher ich komme, desto schöner wird der Blick auf die umliegenden Berge des Torridon.

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Nach eineinhalb Stunden habe ich endlich den Grat zum Liathach erreicht und ruhe mich erst mal ein wenig aus. Nicht nur ich brauche eine Pause. Schon komisch auf fast 1000 Meter in dieser Umgebung einen Hirsch zu treffen.

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Der Grat bis zum Gipfel zieht sich noch ziemlich hin und so bin ich erst eine Stunde später endlich oben auf dem Gipfel.

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In der Zwischenzeit bespaßt meine Frau tapfer unsere Tochter. Manchmal hat sie ja richtig gute Ideen … so wird heute das heißgeliebte Fangnetz kurzerhand zum Schmetterlingsnetz umfunktioniert. Die beiden haben sogar Erfolg. Als ich später wieder bei ihnen bin, werden mir stolz 2 Schmetterlinge im Beobachtungsglas präsentiert!

Noch auf dem Rückweg treffe ich einen Schotten mit seinem Sohn. Die beiden bestaunen die Aussicht. Wir kommen ins Gespräch und er bietet mir an, die umliegenden Berge zu erklären und zu benennen. Ich sage ihm, dass ich mir die Namen der Berge nie merken kann, geschweige denn aussprechen kann (der Gipfel des Liathach, auf dem ich gerade war, heißt Spidean a´ Coire Leith; ist doch ganz einfach, oder?). Er grinst und erwidert, dass ginge ihm genauso. Er würde einfach jedem irgendwelche Bergnamen um die Ohren hauen, könnte sich ja eh keiner merken. Ja so kann er sein, der schottische Humor!

Nach zwei Stunden Abstieg bin ich zurück beim WoMo. Ich bestaune angemessen die beiden Falter. Danach entlassen wir sie wieder in die Freiheit und wir fahren bei strahlendem Sonnenschein nach Applecross. Die Strecke von Shieldaig nach Applecross, außen um die Halbinsel herum, ist eine der schönsten von ganz Schottland wie ich finde.

Abends genießen wir noch ein wenig das sonnige Wetter. In dem wirklich tollen Pub von Applecross essen wir lecker zu Abend (das Seafood ist hier wirklich empfehlenswert), trinken draußen im Biergarten mit Blick auf die Skye noch ein Bier und wollen zeitig ins Bett gehen.

Vorher wechseln wir dann allerdings noch unseren Platz auf dem CP, da zwischenzeitlich gut 70 schottische Biker angekommen sind. Ihr Party- und Versorgungszelt haben sie direkt neben uns aufgebaut. Immerhin weisen sie uns freundlich darauf hin, dass es wahrscheinlich ein wenig lauter werden wird. Da die zu Recht ja auch ihren Spaß haben wollen, ziehen wie also in eine etwas ruhigere Ecke um.

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Sunset in Applecross


Auch am nächsten Tag lacht die Sonne vom Himmel und wir beschließen, mit Picknick und dem Fangnetz ausgestattet (maritime Fangerfolge haben wir bisher ja noch nicht zu verzeichnen) zum Coral Beach von Applecross aufzubrechen. Nach kurzer Wanderung erreichen wir eine Stunde später den wirklich traumhaft gelegenen Strand, der mit weißem Sand, einer Menge Rock Pools und einer super Aussicht auf die Insel Skye aufwarten kann.

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Skye

Wir haben Glück und treffen am Strand einen schottischen Opa, der seiner 4-jährigen Enkelin die Rock Pools zeigt und genau weiß, wie und wo man nach was suchen muss. Wir werden kurzer Hand für die nächsten Stunden „adoptiert“ und so stellen sich auch bei uns schnell die ersten Erfolge ein. Wir fangen Garnelen, Krabben, Einsiedlerkrebse in allen Größen und Variationen. Auch ein Baby Cat Fish, ein Mini Aal und ein Baby Seeigel gehen uns ins Netz. Außerdem retten wir natürlich erneut hunderte Schnecken vor dem Vertrocknen.

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Der nächste Tag ist der Tag der Applecross Games. Eine etwas abgespeckte Form der Highland Games, aber schon mit Dudelsack, Heavy Events (Baumstammwerfen und Co.), Tauziehen usw.. Das schottische Wetter weiß um seinen Ruf und schließlich ist Tauziehen nur im Matsch wirklich lustig. Es regnet also mal wieder. Die Games sind trotzdem (oder eben gerade wegen dem Wetter) einen Besuch wert und so bleiben wir bis zum späten Nachmittag. Meine Frau entdeckt zwischenzeitlich tatsächlich einen ihr bis dahin unbekannten alten Steinhaufen (ein eisenzeitlicher Broch, wie sich noch herausstellen wird) und ist glücklich, dass ein Archäologe im Rahmen der Games eine Führung durch die Ausgrabung macht. Gegen Abend machen wir uns dann auf zum CP in Balmacara. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, auch an diesem Abend bessert sich das Wetter und die Skye zeigt sich im Wolkenkleid.

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Um mal wieder ein wenig Stadtluft zu schnuppern, entscheiden wir uns den Sonntag in Fort William mit Shopping zu verbringen und anschließend weiter in die Cairn Gorms zu fahren. Es hat sich wieder eingeregnet. Aber dann hat man zumindest nicht das Gefühl, beim Stadtbummel etwas zu verpassen. Unsere Tochter passt sich den schottischen Gegebenheiten an und beweißt, dass sie manchmal sehr praktisch veranlagt ist. In einem der vielen Outdoor Läden in Fort William entdeckt sie ein Paar Kinder-Gamaschen. Die müssen es sein! Zitat: „Dann wird die Hose nicht immer so matschig und du musst nicht mehr soviel waschen, Mama.“ Wir befürchten einen enormen Preis, zögern dann aber bei 2,50 Pfund keine Sekunde. Wie einfach manchmal Mutter und Kind zu beglücken sind!

Weiter geht es dann nach einem Light Lunch nach Glenmore in den Cairn Gorms. Wir kennen diese Berglandschaft von früheren Besuchen nur bei schlechtem Wetter. Das soll sich leider auch diesmal nicht ändern. Der CP in Glenmore ist recht teuer, da er in einer von Briten begehrten Ferienregion liegt. Dafür ist er aber auch gut ausgestattet. Ca. die Hälfte der Plätze liegt mitten im Wald, mit Stromanschluss und schön durch natürlichen Baumbestand von einander getrennt. Durch den Wald führen viele schmale Wanderwege. Es gibt auch einen Zugang zum See mit Sandstrand.

Morgens werden wir vom eintönigen Trommeln auf das Dach wach. Es schüttet in Strömen. Die Hoffnung nicht aufgebend fahren wir zur Skistation der Cairn Gorms. Eventuell sind wir da ja über den Wolken. Guter Plan, leider kein Erfolg. Regen auch an der Skistation. Trotzdem entschließe ich mich, die 600 Höhenmeter auf den Gipfel des Cairn Gorm in Angriff zu nehmen. Nass werden bin ich ja schon gewohnt. Meine Mühen bescheren mir eine „grandiose“ Gipfelaussicht:

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Meine beiden Frauen besuchen in der Zwischenzeit eine Rentierherde und werden der Gerechtigkeit halber auch nass. Meine Tochter trägt stolz ihre neuen Gamaschen. Wenigstens der Teil an ihr bleibt trocken. Das Rentierprojekt wurde vor 50 Jahren von einem Schweden ins Leben gerufen, nachdem vor ca. 1000 Jahre der natürliche Rentierbestand Schottlands ausgestorben war. Heute besteht die Herde aus ca. 140 freilebenden Tieren. Naja, wirklich frei sind nur die Weibchen mit den Jungen. Die laufen den Sommer über in den Bergen herum und bequemen sich im Herbst zur Paarungszeit zurück zu den im (immerhin sehr großzügigen) Freigehege lebenden „halb-wilden“ Männchen. Wie das Leben halt so ist …

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Wir treffen uns ein paar Stunden später wieder an der Skistation. Ich bin mal wieder nass bis auf die Unterhosen und habe für diesen Urlaub die Nase vom Wandern so ziemlich voll. Nach dem wir allesamt wieder trockene Klamotten am Leib haben, machen wir uns auf den Weg nach Ballater.

Ja, ich wiederhole mich. Ich kann aber nichts dafür, denn auch an diesem Spätnachmittag wird das Wetter erneut immer besser. Und je weiter wir uns von ihnen in Richtung Ballater in der Royal Deeside entfernen, desto mehr erstrahlen die Gipfel der Cairn Gorms aus der Ferne in schönstem Sonnenschein. So was liebe ich ja, mich im miesesten Wetter hoch laufen lassen und dann, wenn ich frustriert und nass wieder unten bin, ist auf dem Gipfel das schönste Wetter. Was soll's, ich hab’s wohl nicht anders verdient. Im nächsten Jahr versuch’ ich es halt wieder.

Die Fahrt geht weiter durch die Grampian Mountains vorbei am Corgarff Castle nach Ballater.

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Meine Frau kann es ja nicht lassen. Kaum ist ein Sonnenstrahl zu sehen, fängt sie mit dem Gerede über schöne Berge und tolle Wanderungen an. Und auch diesmal lasse ich mich noch mal infizieren und entscheide mich für einen Rundweg über den Lochnagar.

Der nächste Morgen begrüßt uns mit schönstem Wetter und wir fahren ins Glen Muik, dem Ausgangspunkt für meine (diesmal wirklich) letzte Wanderung. Die Tour auf den 1155 Meter hohen Lochnagar ist mit 5 bis 6 Stunden bei einer Strecke von 16 km angegeben.

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Der Weg auf den Lochnagar ist super ausgebaut und ich komme gut voran. Nach gut 1,5 Stunden erreiche ich den Grat, der mich zum Gipfel führt. Man hat einen tollen Blick auf die Klippen des Lochnagar und auf den Namen gebenden See.

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Ein wirklich kunstvoll gebauter Steinmann zeigt mir auf dem Grat den Weg zum Gipfel.

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Und so erreiche ich nach gut 2,5 Stunden den Gipfel, der eine wunderbare Aussicht auf die Grampians bietet.

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Ich beeile mich, den Berg runterzukommen. Der Weg zurück zum Loch Muik zieht sich ziemlich hin. Aber bei so schönem Wetter und guter Aussicht lässt es sich gut aushalten.

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Der wirklich öde Teil der Wanderung folgt, wenn man das Loch Muik erreicht hat. Man muss ca. 3 km auf einem Fahrweg um das Loch herum laufen, um wieder zurück zum Auto zu kommen. Ich erreiche meine wartenden Frauen und das WoMo nach 5 Stunden. Wir machen uns sogleich auf den Weg nach Aberfeldy, wo wir in einem Pub einen wirklich leckeren Lachs mit Shrimps verdrücken.

Am folgenden Tag fahren wir über Pitlochy nach Jedburgh in den Borders. Dort nehmen wir Abschied von Schottland, schauen wir uns aber vorher noch die Abbey, das Mary Queen of Scots House und das Castle Jail an. Nett finde ich, dass sich die Kinder bei einem Abbey-Besuch als Burgfräulein, Mönch o.ä. verkleiden dürfen (als Mitglied im Historic Scotland auf jeden Fall, sonst evtl. nur in Abhängigkeit von der Laune der Angestellten). So wird es nicht ganz so langweilig für die doch etwas Kultur-faulen Kinder.

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Nun den Süden und den Fährtermin fest im Blick fahren wir wieder zum Tan Hill Inn. Dort erleben wir (wie weiter oben ja bereits angekündigt) eine böse Überraschung. Für den Stellplatz will die Landlady nun 4 Pfund pro Person. Preisnachlass für Kinder kennt man nicht und so schlagen 12 Pfund für uns zu Buche. Das ist eine enorme Preissteigerung von 10 Pfund innerhalb von 4 Wochen! CP bieten für den gleichen bzw. einen teilweise unerheblich höheren Preis zumindest Toiletten und VE.

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Der SP bei Tan Hill bietet das alles nicht. Immerhin wird, wie wir erfahren, die Hälfte des Preises für wohltätige Zwecke abgeführt. Eventuell lohnt es sich bei dem Preis aber eher, das schmale Sträßchen nach Keld weiterzufahren (Achtung: wirklich schmal, steil und viele Buckel, auf denen längere Fahrzeuge auch schon mal aufsetzen). Dort gibt es einen sehr einfachen Campingplatz, der aber sicher nicht viel teuerer als Tan Hill ist (Wir haben den CP in Keld ehrlich gesagt nur im Vorbeifahren gesehen, aber selbst noch nicht ausprobiert; aber auch ein größeres WoMo hatte dort Quartier bezogen).

Wir bleiben trotzdem und fahren am nächsten Tag recht früh, wieder Dank asthmatischen Hahnengeschrei, weiter in Richtung Nottingham. Den Nachmittag verbringen wir in Nottingham. Dort ist der Marktplatz zur „Nottingham Riviera“ umgebaut, also kleiner Sandstrand und Pool für die Kinder und jede Menge Karussells. Auch einen Ganzkörperfön gibt es hier. Aber auch hier gilt: Der Sommer kann grausam sein und es ist erschreckend, wie viel dicke Kinder es in England gibt! Aber zu was sollen auch die obligatorischen Chips in der Schulbrotdose sonst führen!?

Über Petersborough, wo wir uns die Kathedrale anschauen und zur Freude unserer Tochter mitten in der Fußgängerzone ein Trampolin aufgebaut ist (schließlich hat die arme bei soviel Fahrerei entsprechenden Bewegungsdrang), fahren wir wieder zum Pub am Meer in St. Margaret’s at Cliffe. Dort hat sich in den letzten 4 Wochen zum Glück nichts verändert und wir genießen einen vorerst letzten schönen englischen Sommerabend. Mit dem Meeresrauschen im Ohr schlafen wir ein und träumen schon vom nächsten Urlaub auf den britischen Inseln. Bye Bye, see you again soon!

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4 Kommentare 16988 mal betrachtet
Kommentare

permanenter Linkvon tuga am 25 Sep 2010 20:40:40

:lol:

Hallo gnarz18,

habe gerade mit Freude Deinen Schottlandurlaub miterlebt!
Vielen Dank, besonders für die wundervollen Bilder. Alles Gute für Euch und noch viele schöne Reisen wünsch ich Euch.

Paulinchen48
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RE: Schottland 2010

permanenter Linkvon moensters am 25 Dez 2015 11:16:59

Skandal! Wieso gibt es zu diesem herrlich geschriebenen Bericht und den tollen Bildern nicht mindestens 1000 Kommentare und Dankeschöns?

Meine Frau hat mir gestern den Rother-Wanderführer für unseren kommenden Sommertrip nach Schottland geschenkt und ich bin neugierig auf die Orkneys geworden. Vielen Dank für deine Bilder und die Infos. Jetzt bin ich schlauer!

Liebe Grüße, Michael
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RE: Schottland 2010

permanenter Linkvon road-king am 04 Jan 2016 22:58:30

Danke fürs ausgraben Michael ... was für ein wunderbarer Reisebericht ... und was für umwerfende Bilder ... vielen Dank dafür ... nach meinem kathstrophalen Englandurlaub macht das doch wieder Laune auf die Insel..
Liebe Grüsse

Klaus
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RE: Schottland 2010

permanenter Linkvon volkermuenster am 31 Jan 2019 14:19:59

Ein freundliches Danke nach Aachen!

Hallo Gnarz18,

ich lese nun nach und nach deine Reiseberichte und bewundere die Fotos.
Zuerst mal vielen Dank für die Mühe des Schreibens und einstellen.

Schottland hatten wir eigentlich gar nicht auf dem Schirm, nun nach diesen Berichten und Bildern können wir uns das doch ganz gut vorstellen.

Kann ich dann wegen Tipps etc. mal auf euch zukommen?

Viele Grüße ins ca. 40 Km entfernte Aachen.

Volker
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