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Schottland 2011

permanenter Linkvon gnarz18 am 26 Sep 2011 09:33:54

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Schottland lässt uns einfach nicht los. Diesmal soll es für vier Wochen auf die Äußeren Hebriden gehen, diese rauen und baumlosen Inseln vor der Westküste Schottlands. Leider fahren wir mit einem etwas unguten Gefühl los, unser Wohnmobil auf Ford Transit-Basis hatte Ostern bei nur 26000km und vier Wochen nach Ablauf der Garantie einen kapitalen Motorschaden. Nach dreimonatiger Reparatur, dem mittlerweile wohl üblichen Ärger mit dem Händler und dem Kulanz-Service von Ford ging es nun endlich mit neuem Motor los in Richtung England. Das dumme an so einem Schaden ist neben den Kosten, das verlorene Vertrauen. Man horcht dauernd nach irgendwelchen Geräuschen, meint Unterschiede zu bemerken wo keine sind usw.. Die 350km bis nach Calais schaffen wir jedenfalls problemlos und freuen uns, endlich wieder die White Cliffs von Dover zu sehen.

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Unser erster Weg führt uns wieder zu dem kleinen Ort St.Margaret's at Cliffe, wo uns der freundliche Pub-Besitzer wieder erlaubt, auf seinem Parkplatz zu nächtigen. Das Wetter ist schön und das Meer nur fünf Meter vom Womo entfernt. Dazu gibt es leckeres Bier und die berüchtigte englische Küche in Form von Fish 'n Chips. Hier aber in ihrer schmackhaften aber auch nicht ganz günstigen Variante. Der Fish ist auf jeden Fall sehr frisch.

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Stellplatz am Coastguard

Am nächsten Morgen geht es im wüsten Berufsverkehr um London herum immer weiter Richtung Norden. Die Fahrt verläuft völlig ereignislos, auch wenn das Auto manchmal sporadisch anfängt zu ruckeln. Aber das ignorieren wir konsequent, denn was soll schon großartig passieren, in einem Land wo jeder zweite Transporter ein Transit ist?! Am späten Nachmittag erreichen wir unseren ersten Stellplatz in Schottland bei der Sweetheart Abbey nahe Dumfries. Der Platz liegt wunderschön direkt neben der Abbey und nahe dem etwas verschlafenen aber mit immerhin 2 Pubs ausgestatteten Village. Nach und nach gesellen sich noch drei andere Womos zu uns.

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Sweetheart Abbey

Wir schlendern noch ein wenig durch den wirklich schönen Ort New Abbey und beschließen den Tag in den örtlichen Pubs bei Fish'n'Chips (was sonst) und mehreren kleinen Bieren und Cheese and Onions Crisps für unsere Tochter.

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New Abbey

Die Nacht war ein wenig nervig, unser Womo-Nachbar hat die ganze Nacht über einen Generator laufen lassen. Ich habe mir echt überlegt, ob ich das Ding nicht einfach sabotiere ... aber er hatte ein großes Behindertenschild am Auto. Ich lass' das also besser. Man weiß ja nie, was für ( medizinische ) Geräte er damit betreibt. Trotzdem sind diese Generatoren eine echte Belästigung!
Da wir seit letztem Jahr Mitglied bei „Historic Scotland“ sind, können wir alle Sehenswürdigkeiten, die von Historic Scotland ( und von English Heritage ) betreut werden, kostenlos besichtigen. So besuchen wir am Morgen zuerst die nahe Mühle und anschließend die Abbey, in der angeblich nebst Gattin das einbalsamiertes Herz von John de Balliol beerdigt sein soll.

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Sweetheart Abbey

Die Mühle ist nicht so der Hit, zumindest nicht, wenn man 4,50 Pfund pro Person bezahlen müsste. Aber man muss sagen, dass sich die Angestellte echt Mühe gibt, das Leben als Müller/in und die Funktionsweise der Mühle zu erklären. Angeblich hat sie selbst bis zur Rente die Mühle auch bedient. Die Abbey ist auf jeden Fall sehenswert.
Weiter geht es gutgelaunt Richtung Oban, wo die Fähre zu den Western Isles. Die Fahrt dauert etwas länger, da die Straße nach Oban wegen eines Unfalls für drei Stunden gesperrt ist. Wir vertreiben uns die Zeit in einem Garten-Center mit angeschlossenem Cafe. Als wir endlich in Oban ankommen, fahren wir sofort auf den nah gelegen CP. Wir müssen dringend entsorgen und Frischwasser tanken. In der Nacht fängt es dann auch Schottland typisch mächtig an zu regnen. Morgens müssen wir sogar ein bisschen die Heizung anmachen, um es gemütlich beim Frühstück zu haben.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit britischem Wabbel-Brot geht es zum Fähr-Terminal der Caledonian MacBrayne. Dort erwerben wir den Hopscotch Nr. 8. Dieses Fährangebot umfasst die Verbindungen:
Oban – Castlebay (Isle of Barra)
Barra - Eriskay
Berneray (North Uist) – Leverburgh (Harris)
Stornoway (Lewis) – Ullapool
Anschließend schlendern wir noch durch Oban, was bei dem andauernden Regen auch nicht wirklich Spaß macht.

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Lismore-Lighthouse

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Sound of Mull

Um 13:00 Uhr geht es dann endlich mit der MV Lord of the Isles los auf die 5-stündige Fahrt nach Barra, der südlichsten, bewohnten Insel der Äußeren Hebriden. Das Wetter wird ein wenig besser. Es geht vorbei am Lismore-Lighthouse, durch den Sound of Mull aufs offene Meer dem Hauptort Castlebay entgegen.Auf dem offenen Meer wird das Wetter leider wieder schlechter und das Schiff fängt zum Leidwesen mancher Passagiere (besonders meiner Frau, die schon die kleinste Welle spürt und moniert) heftig an zu schaukeln. Es ist echt immer wieder erstaunlich, wie grün man im Gesicht werden kann. Na ja, nach fünf Stunden taucht dann Barra aus den Wolken auf und wir bekommen einen ersten Blick auf die „Metropole“ Castlebay. Trist, ja fast feindlich, wirkt der kleine Ort bei diesem Wetter.

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Castlebay

Da die Orientierung auf der Insel nicht wirklich schwierig ist - es gibt nur eine Ringstraße - entschließen wir uns, die östliche Variante zu nehmen und uns einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Fündig werden wir am Jetty von Eoligarry nahe dem Flughafen. Ja richtig, diese kleine Insel mit ihren 1078 Einwohnern (2001) besitzt einen Flughafen. Und einen der besonderen Art, aber dazu später.
An diesem Stellplatz in Eoligarry zeigen die Schotten, wie Womo-freundlich sie sein können. So gibt es an der kleinen öffentlichen Toilette (leider etwas ungepflegt) eine extra Möglichkeit für die Entsorgung und kostenloses Frischwasser. Zudem liegt der Platz direkt am Meer mit riesigen Sandstrand.

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Jetty in Eoligarry

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Der Stellplatz liegt echt toll. Man steht nur ein paar Meter vom Meer entfernt, hört nachts das Rauschen der Wellen und kann aus dem Fenster eine atemberaubende Landschaft genießen. Der nächste Tag beginnt jedenfalls wieder mit leichtem Regen und wir beschließen das Kisimul Castle in Castlebay zu besichtigen. Das Castle liegt in der Bucht vor Castlebay und ist nur mit dem Boot zu erreichen, hat aber eine eigene Frischwasserquelle. Sehr praktisch im Belagerungsfall! Für Mitglieder von Historic Scotland ist auch dieses Castle inkl. Überfahrt kostenlos. So fahren wir im Regen nach Castlebay, trinken dort Cafe und staunen über den Humor der Schotten. (Ist es Humor .. oder doch eher the scottish way of life!?!?!)
Da wir noch etwas Zeit haben bevor unser Boot losfährt, besuchen wir die Touri-Info, gehen einen Kaffee trinken und laufen die Hauptstraße von Castlebay ein wenig rauf und runter. Viel zu sehen gibt es wahrlich nicht.

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Öffnungszeiten in Schottland

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Hauptstraße in Castlebay

Gegen zwei Uhr bringt uns das Boot pünktlich zum Castle. Es ist wirklich sehenswert und wurde bis vor kurzen noch vom Clan der MacNeil bewohnt. Nun ist es für tausend Jahre an Historic Scotland verpachtet, für ein Pfund im Jahr und … einer Flasche Whiskey. Da ist er wieder, the scottish way of life!

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Kisimul Castle

Abends fahren wir wieder auf unseren Stellplatz nach Eoligarry und genießen die Landschaft im wechselnden Wetter.

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Tags darauf machen wir erst mal Halt am Flughafen. Ich möchte mich nach Rundflügen erkundigen. Der Flughafen von Barra ist der einzige von Linienflugzeugen angeflogene Flugplatz Europas, der über eine natürliche Landebahn in Form eines Sandstrandes verfügt. Der Flugplatz ist daher auch nur bei Ebbe zu benutzen und wirkt auf einen Städter schon recht seltsam.
Wir haben Glück, ein Flugzeug soll landen. Das war seit zwei Tagen wohl aufgrund des Wetters nicht möglich. Umso betriebsamer geht es im Terminal zu.

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Barra Airport Terminal

Und dann geschieht Seltsames. Zuerst fährt ein Traktor über den riesigen Sandstrand und sammelt Strandgut auf, setzt ein paar Positionsmarken. Anschließend fährt ein Fahrzeug der Feuerwehr aus der Garage und bleibt nach ein paar Metern wieder stehen. Und dann kommt das Flugzeug.

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Das sieht schon recht holprig aus! Kaum ist der Flieger vor das Terminal gerollt, kommt der Gepäcktraktor angerollt, rennen drei Mitarbeiter auf den Strand und sperren mit einer Kette den Weg zum Terminal ab. Wohl damit sich kein Passagier auf dem Strand verläuft.

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Nun könnte man ja jedem Passagier den Koffer in die Hand drücken und gut ist's. Das Flugzeug steht ja nur zehn Meter vom Terminal und vom Parkplatz entfernt auf dem Strand, aber nicht so bei den Briten. Dort muss man selbstverständlich die Gepäckausgabe benutzen, so sinnfrei einem das auch vorkommt.

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Die Gepäckausgabe

Da es noch früh am Tag ist und das Wetter immer besser wird, beschließen wir den Rundflug ein anderes Mal zu nehmen und stattdessen den höchsten Berg von Barra zu besteigen. Der 384 Meter hohe Heaval ist leicht zu besteigen und bietet eine grandiose Aussicht auf Barra. Ich für meinen Teil wäre wohl besser unten geblieben...
Da es die letzten Tage oft und viel geregnet hatte, ist der Weg rutschig und matschig aber durchaus begehbar und so gewinnen wir schnell an Höhe. Was für eine tolle Aussicht!

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Kurze Zeit später kommen wir an der Madonna „Our lady of the seas“ vorbei, die auf Castlebay blickt.

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Eine halbe Stunde später sind wir auf dem Gipfel.

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Toll diese Aussicht.

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Da es auf dem Gipfel doch recht kalt und windig ist, machen wir uns nach einer kurzen Pause wieder auf zurück zum Auto. 500 Meter vom Auto entfernt rutsche ich auf dem nassen Gras aus, höre einen kurzen Knack und merke sofort, da stimmt was mit dem Knöchel nicht. Es tut sofort sauweh und ein Auftreten mit dem Fuß ist nicht möglich. Nach einem kurzen Schwindelanfall humpel ich zum Teil auf Uschi gestützt, zum Teil auf meinem Hinterteil rutschend die letzten langen Meter zum Auto. Nach einer Stunde erreichen wir wieder das Auto und müssen feststellen, dass mein Fuß ganz schön angeschwollen ist. Also ab ins örtliche Krankenhaus. Nach etwas Sucherei finden wir das Hospital der Insel Barra, versteckt in einem Wohngebiet. Das Krankenhaus hat die Ausmaße einer etwas größeren Arztpraxis, verfügt aber wohl über ein (genau ein) Intensivbett, Hubschrauberlandeplatz usw.. Wir werden von einer freundlichen Krankenschwester empfangen, die meine Daten aufnimmt, sich meinen Knöchel genau anschaut und daraufhin kurz verschwindet. Nach fünf Minuten kommt sie wieder und sagt, sie habe mit dem Arzt telefoniert, ihm alles berichtet und man wäre sich nun sicher, ich hätte mir den Knöchel tüchtig verstaucht. Ich bekomme einen schicken Stütz-Verband, zwei Krücken und die Anweisung den Fuß ruhig zu halten. Außerdem soll der Fuß natürlich gekühlt werden. Da man im Barra-Hospital nur ein (genau ein) Kühlpad besitzt, werden wir mit Einweg-Instant-Kühlpads versorgt. Die kann man im Womo-Eisfach wenigstens ansatzweise reaktivieren. Dann bekommen wir noch mit auf den Weg, dass morgen die Schmerzen und die Schwellung noch mal schlimmer werden würden. Aber übermorgen würde es dann wieder besser. Sollte es nicht doch besser werden, solle ich nach Uist ins Krankenhaus gehen, die hätten ein Röntgengerät und einen anwesenden Arzt.

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Ganz schön dick..

Ziemlich frustriert machen wir uns auf zurück zu unserem Jetty-Stellplatz nach Eoligarry. Nun ist es an Uschi, das Wohnmobil über die Singletrack Roads der Insel Barra zu lenken. So als Beifahrer sieht man eigentlich auch viel mehr von der Landschaft – und natürlich auch, viel mehr als einem lieb ist, vom Gegenverkehr. Was einem sofort an den Äußeren Hebriden auffällt ist, dass sie so gar nichts von dem „kitschigen“ Schottland des Festlandes haben. Keine Dudelsackspieler, keine Souvenirläden, die irgendwelchen Ramsch aus China verkaufen, keine Reisebusse mit Japanern, einfach Nichts davon. Was sie wohl haben, ist ein Problem mit ihrem Schrott. Und so findet man häufig irgendwelche Schrottautos bzw. Teile davon irgendwo in der Landschaft verteilt.

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Mein Fuß wird zum Problem, nur mit Mühe komme ich in den Alkoven. Das Gehen ist trotz Krücken recht schmerzhaft. Aber das Schlimmste ist, ich kann rein gar nichts machen. Ich kann nicht Autofahren, die Toilette entsorgen, Frischwasser einfüllen, Wandern. Ich kann Nichts.
Und der Fuß wird nicht besser. Ganz im Gegenteil, er wird immer dicker und hat langsam die Farbe von reifen Pflaumen angenommen. Wir entschließen uns daher, Barra zu verlassen und mit der Fähre weiter auf die Insel South Uist zu fahren. Früh morgens nehmen wir also die Fähre von Barra nach Eriskay, einer kleinen Insel, die über einen Damm mit der Insel South Uist verbunden ist. Die Überfahrt dauert nicht lange und bei schönem Wetter genießen wir die Landschaft.

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Fähre nach Eriskay

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Auch in Eriskay gibt es einen Stellplatz. Direkt am Fähranleger, mit Dusche, Toilette und VE-Einheit. Super! Hier bleiben wir. Uschi geht mit Paula an den nahen Strand und ich vertreibe mir die Zeit im Womo, surfe ein wenig, setze mich vor dem Womo etwas in die Sonne und beobachte die Basstölpel beim Jagen.

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Super gepflegt, SP Eriskay

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Vom Stellplatz hat man einen schönen Blick auf den Polochar Inn, der einsam auf der Südspitze von South Uist liegt. Seit Eriskay mit South Uist über den Damm verbunden ist, hat der Polochar Inn eine Zweigstelle aufgemacht, den „Am Politician“. Weil neu gebaut, ist er nicht ganz so gemütlich. Aber immerhin müssen die Bewohner von Eriskay nun nicht mehr mit der Fähre übersetzen, um ein Pint im Pub zu trinken. Als Attraktion kann man im Am Politician eine Flasche Whisky bestaunen, die von dem in Jahr 1941 vor South Uist gestrandeten Schiff SS Politician stammt. Dieses Schiff hatte wohl Unmengen von Whisky geladen (so ca. 28000 Kisten Malt Whisky sollen es gewesen sein) und wurde von den Einheimischen natürlich geplündert. In diesem Pub verspeisen wir bei schönstem Wetter ein recht leckeres Abendessen.

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Einsam, Polochar Inn

Abends am Stellplatz werden wir dann noch mit dem Ansatz eines Sonnenuntergangs belohnt.

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Am nächsten Morgen fahren wir nach Benbecula, ein absolut flaches Gebiet, wo sich der Flughafen und ein Krankenhaus mit Röntgengerät befindet. Es dauert eine knappe Stunde und ich bin an der Reihe. Nach dem Röntgen steht fest, ich habe mir das Bein gebrochen. Mist! Zum „Glück“ ist es ein einfacher, glatter Bruch und man erklärt mir, dass man solch einen Bruch in GB nicht operieren sondern nur Gipsen würde. Naja, dem muss man wohl glauben! Ich bekomme einen schönen Gips, meine Röntgenbilder auf CD und ein paar Schmerztabletten. Was macht man im Urlaub mit gebrochenem Bein und 'nem dicken Gips? Nach Hause fahren? Weitermachen? Mit dem Gips komme ich jedenfalls nicht in den Alkoven und auch das Bewegen im Womo, das auf Toilette gehen ist echt schwierig. So eine Sche...! Wir entscheiden uns trotzdem weiterzumachen. Paula zieht von ihrem oberen Stockbett zu Uschi in den Alkoven, die ganzen Sachen vom unteren Stockbett wandern ins obere und ich schlafe die nächsten drei Wochen im nun freien unterem Bett. Die Nacht verbringen wir auf dem CP in Benbecula. Ich stinke wie ein toter Kanalarbeiter und brauche dringend eine Dusche. Der CP verfügt zwar nicht über extra Behindertendusche. Aber immerhin gibt es einen Stuhl in der Dusche. Das Duschen ist mit Gips ein echtes Abenteuer, danach bin ich zwar wieder wohlriechend aber auch fix und fertig. Der CP liegt landschaftlich nicht besonders attraktiv direkt an der Straße, aber bei dem geringen Verkehr stört dies auch nicht weiter.

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Am Strand von Benbecula

Der nächste Morgen startet mit wüstem Regenwetter und so fahren wir erst mal zum Flughafen. Der Rundflug über die Inseln steht ja noch auf dem Programm. Aber leider werden von Benbecula, im Gegensatz zu Barra keine Rundflüge angeboten und so fahren wir weiter nach Lochboisdale. Dort gibt es ein wirklich schönes Info-Center mit angegliederten Künstlerateliers und Paula nimmt spontan an einem Kunstkurs für Kinder zum Thema Muscheln teil. Am späten Nachmittag fahren wir weiter nach Bernaray. Dort befindet sich neben dem Youth Hostel ein wirklich einmaliger Stellplatz. Traumhaft zwischen den Dünen, direkt am riesigen Strand und mit einer unbeschreiblichen Aussicht auf die Berge von Harris. Mittlerweile ist das Wetter wieder schön. Wir gehen also noch an den Strand, Paula ins eiskalte Wasser, Uschi und ich setzen uns in Dünen.

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SP Bernaray

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Am nächsten Morgen als wir den SP verlassen wollen, fliegt uns beim Rückwärtsfahren mit einem wirklich fiesen Geräusch der Rückwärtsgang immer wieder raus. Das hat uns noch gefehlt, dass uns hier am Ar... der Welt das Auto verreckt! Das Internet sagt uns, dass der nächste offizielle Ford-Händler in Inverness wäre. Das sind 172 Meilen! Wenn man die Schaltung gut festhält, klappt es dann schließlich auch wieder mit dem Rückwärtsfahren. Mir tut meine Frau eh' schon leid, mit dem ungewohnt breiten Auto, auf der falschen Seite über die zum Teil wirklich schlechten und schmalen Straßen zu fahren und dazu noch alles um das Womo herum, wie Entsorgen usw. alleine zu machen.Und nun auch noch ein nicht wirklich zuverlässigen Auto.
In Bernaray kann man jedenfalls wunderbar Seehunde beobachten. Sie liegen direkt auf den Steinen der kleinen Bucht im Ort, nur ein paar Meter von der Straße entfernt, faul in der Sonne.

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Wir vertreiben uns die Zeit mit Seehundbeobachten und gehen nochmals an den Strand. Gegen Mittag nehmen wir dann die Fähre nach Harris, meiner Meinung nach die schönste Insel der Äußeren Hebriden. Vorher tanken wir am Fährterminal noch mal Frischwasser auf und entsorgen bei der VE.
Wir haben Glück und kommen als letztes Auto mit auf die Fähre. Man muss ja auch mal Glück haben. Die Überfahrt genießen wir an Deck bei schönstem Fotowetter. Dicke dunkle Wolken mit Sonnenschein, einfach toll.

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Harris

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Von Leverburgh auf Harris fahren wir weiter nach Horgabost auf den CP. Für 12 Pfund ist dieser Platz einfach zu teuer. Es gibt keinen Strom, entsorgen soll man am Fährterminal in Leverburgh und die Facilities sind auch nicht der Hit. 4 Minuten warmes Wasser zum Duschen kosten noch mal ein Pfund extra. Da es mal wieder spät geworden ist, bleiben wir trotzdem. Der Sonnenuntergang am CP kann sich allerdings sehen lassen und die Lage ist schon vom Feinsten.

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Am nächsten Morgen fahren wir nach Rodel, um die dortige Kirche aus dem 15. Jahrhundert zu besichtigen.

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Rodel Church

Die Landschaft von Harris ist wirklich einmalig. Riesige Sandstrände, wilde Berglandschaften und jede Menge Natur.

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Einsamkeit pur

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Was für eine Straße, die EU läßt grüssen

Um mal wieder ein wenig „Stadtluft“ zu schnuppern, begeben wir uns anschließend auf eine Shoppingtour nach Tarbert, der Hauptstadt von Harris. Nicht dass der Ort viel zu bieten hätte, aber es gibt zumindest Cafes, eine Tankstelle, Supermarkt, usw..

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Tarbert

Wir kaufen tüchtig ein, essen ein leckeres Softeis, stöbern etwas in der Touri-Info und besuchen einige Tweed Geschäfte, denn schließlich ist Harris weltbekannt für seinen Tweed Stoff.

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Der "OBI" von Tarbert

Wir müssen leider heute noch bis nach Stornoway fahren, mein Gips muss kontrolliert werden.
Da der Fuß als er eingegipst wurde sehr geschwollen war, besteht die Gefahr, dass der Gips nun zu locker ist. Also ab nach Stornoway.
Mit über 8000 Einwohnern ist Stornoway schon eine richtig große Stadt für hiesige Verhältnisse, mit Fußgängerzone, großem Tesco, mehreren Tankstellen usw.. Stornoway liegt auf der Insel Lewis, ist aber nicht durch Wasser von der Insel Harris getrennt. Die „Inseln“ trennt ein Gebirgsmassiv, über das ein gut ausgebauter Pass führt. Zum Glück ist mit dem Gips noch alles ok und wir verlassen Stornoway sofort wieder, um unseren Stellplatz bei dem Gearrannan Blackhouse Village aufzusuchen. Ein Black House ist eine spezielle Hausform, die in Schottland und Irland anzutreffen ist. Das Village besteht aus mehreren gut in Stand gesetzten Black Houses, die noch bis ca. 1974 bewohnt wurden. Das Village ist Museum und Jugendherberge zugleich. Einige Black Houses im Village sind sogar als Ferienwohnung zu mieten. Den Parkplatz an den Häusern darf man als Stellplatz nutzen Er ist zwar etwas schief, dafür aber ruhig.

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Gearrannan Blackhouse Village

Der Eintritt in das Dorf ist kostenlos, der Besuch der Museumshäuser kostet natürlich Eintritt. Aber abends, wenn die Touris weg sind, kann man ganz gemütlich und vollkommen alleine durch das Dorf schlendern. Eine schöne kleine Bucht mit tollen großen Kieseln gibt es noch dazu. Die öffentliche Toilette in einem der Black Houses ist für die SP-Nutzer sogar nachts geöffnet. Und wenn das Youth Hostel geöffnet ist, kann man dort sogar gegen kleine Münze duschen. Als Ausgangspunkt für die diversen Sehenswürdigkeiten an der Westküste von Lewis ist dieser SP wirklich gut. Wenn es hier nun noch Frischwasser und eine Versorgungseinheit gäbe ...
Am nächsten Morgen besuchen meine beiden Damen das Museum in den Black Houses und den Carloway Broch.

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Weiter geht die Fahrt nach Calanais, neben Stonehenge und dem Ring of Brogar auf Orkney wohl einer der bekanntesten Steinkreise von GB. Toll finde ich, dass der Eintritt kostenlos ist und dass man rund um die Uhr Zugang hat. Einen Sonnenuntergang sollte man sich hier jedenfalls nicht entgehen lassen.

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Am Nachmittag besuchen wir die Time and Tide Bell, eine Glockenkonstruktion, die durch den Wellengang bei Flut eine Melodie spielt. Wer möchte, kann sich bei YouToube ja mal das Video anschauen.

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Time and Tide Bell

Es hat inzwischen fürchterlich angefangen zu regnen. Die Nacht verbringen wir in Showbost auf dem CP. Bei Starkregen haben wir ausgiebig Zeit zu duschen, das Womo mal wieder aufzuräumen und zu entrümpeln, zu entsorgen und unser Frischwasser aufzufüllen.

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CP in Showbost

Nach einer recht stürmischen Nacht besuchen wir am nächsten Morgen die Arnol Black Houses. Diese Black Houses werden von Historic Scotland betreut und sind somit für uns kostenlos zu besichtigen. In einem der Häuser brennt das traditionelle Torffeuer und wenn man bedenkt, das diese Form der Häuser keinen Kamin hatte, kann man sich leicht vorstellen, was für ein Rauch in den Räumen herrschte.

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Wir fahren weiter zum größten freistehenden „Standing Stone“ in Schottland, dem Clach an Truisheal. Mit über 6 Metern ist es schon ein recht gewaltiger Stein, der dort einsam in der Landschaft steht.

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Es fängt wieder zu regnen an und wir entscheiden uns, noch mal nach Stornoway zu fahren. Uschi möchte sich eine Ausstellung über die Lewis Chessman anschauen, Schachfiguren aus der Wikingerzeit, die am Strand von Uig auf Lewis gefunden wurden. So besuchen meine beiden Mädels die kostenlose Ausstellung während ich mir in einem Auto-nahen Cafe mit kostenlosem Internetzugang die Zeit mit Surfen vertreibe. Anschließend nutzen wir noch die (naja relativ gesehen) günstigen Spritpreise von Stornoway und gehen beim Tesco nochmal gut einkaufen.
Mit Krücken zu laufen ist irgendwie doof. Ich hatte es mir nicht so anstrengend vorgestellt, die Hände schmerzen und jede Treppe wird zum Problem.
Nach unserem Besuch in Stornoway fahren wir zur Nordspitze der Insel, dem Butt of Lewis. Dort soll man beim Leuchtturm gut stehen können und eine tolle Aussicht haben. Unterwegs fallen uns wieder die vielen Schrottautos auf, die überall in der Landschaft rumstehen. Meist sind es Busse, die als Schuppen oder Gewächshäuser dienen.

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Butt of Lewis Leuchtturm

Ja, der Stellplatz am Leuchtturm ist wirklich schön! Es gibt zwar keine VE-Einheit oder Frischwasser, aber die Lage ist wirklich toll. Hier bleiben wir. Die Nacht wird einsam, wir bleiben die einzigen. Nachdem der letzte Tagesbesucher abgefahren ist, können wir in Ruhe die Wellen und die Basstölpel beobachten. Außerdem baden sehr zur Freude unserer Tochter die Möwen in den Pfützen neben unserem Womo. Und über uns dreht sich das Leuchtfeuer.
Irgendwie finden wir, dass die Insel Harris bisher zu kurz gekommen ist und da in diesem Urlaub sowieso Autofahren angesagt ist, beschließen wir noch mal zurück nach Harris zu fahren. Ist ja auch nicht wirklich weit.
Vorher fahren wir noch kurz an der Norse Mill vorbei zurück nach Rodel. Die Besitzerin vom Rodel Hotel erlaubt uns, auf ihrem Parkplatz zu nächtigen. So können wir nochmal Essen im Pub genießen.

Am nächsten Tag fahren wir über die sogenannte „Golden Road“ nach Tarbert. Paula möchte zwar unbedingt noch mal ins Wasser. Sieht aber ein, das ein kurzer Spaziergang durch Tarbert angesichts der Größe des Örtchens nicht von langer Dauer sein kann.
Die Golden Road führt durch eine ziemlich karge Gegend mit einer super Aussicht auf die Inseln Skye, Rum und Coll.

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"Golden Road" auf Harris

Es kommen uns auf dem ganzen Weg nur zwei Fahrzeuge entgegen. Die Gegend ist so was von einsam, dass es einen echt wundert, wie Menschen es hier auf Dauer aushalten können. Von Tarbert geht es weiter nach Huisinish, eine Landzunge im Westen der Insel.

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Der höchste Berg von Harris,der Clisham

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Hier auf der Single Track Road nach Huisinish hat Uschi dann auch ihr erstes und einziges Problem mit der Straße, genauer gesagt mit den Mitbenutzern. Weil uns drei Autos entgegenkommen, hält sie vorbildlich in einem Passing Place. Das erste Auto, ein Landrover winkt zum Dank und passiert. Das zweite Auto, ein Passat, voll mit Holländern winkt und passiert. Das dritte Fahrzeug mit einem britischen Opi, der kaum über das Lenkrad seines Jaguar schauen kann, bleibt mitten vor uns auf der Straße stehen. Dann steigt er aus und krakelt in wirklich gutem Deutsch herum, dass er da nicht vorbei käme. Wir hätten gar nicht erst fahren dürfen und nun sollten wir gefälligst rückwärts zum nächsten Passing Place fahren. Nun ist das Rückwärtsfahren bei uns natürlich aktuell ein Problem, zumal es gute 150 Meter bergab sind. Meine Frau bekommt einen Puls von 200 und steigt ebenfalls aus und versucht diesem Wicht zu erklären, das die anderen Autos es ja nun auch geschafft hätten. Wo denn nun sein Problem liegen würde? Der Engländer steigt wieder ein und bleibt stur in der Mitte der Straße stehen. Mein Fahrlehrer sagte früher schon, die Taktik den Kopf in den Sand zu stecken wäre blöd, da man den Arsch ja trotzdem sehen würde. Mittlerweile sind wir auch nicht mehr nur zu zweit auf dem schmalen Sträßchen. Die Royal Mail, ein Kleintransporter noch ein paar PKWs warten geduldig weiter oben hinter dem Jaguar und schauen dem Treiben des Jaguarfahrers belustigt und kopfschüttelnd zu.
Frei nach dem Motto, der Klügere gibt nach, klammere ich mich an den Rückwärtsgang und wir tuckeln ganz langsam zurück. Es dauert eine Weile, meine Frau ist ja manchmal auch ein bisschen Stur und lässt sich nun alle Zeit der Welt, den nächsten Passing Place zu erreichen. Beim Passieren schreit uns dann der Wicht noch zu, dass das so auch gesünder für uns gewesen wäre.
Was für ein Ars....

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Post Office in Huisinish

Ich wusste gar nicht, das meine Frau so viele Schimpfwörter kennt und dann auch noch so gute. Und dann teilweise auch noch auf englisch. Zum Glück hört Paula auf ihrem MP3-Player Hörspiele. In Huisinish angekommen verschwinden meine Mädels an den Sandstrand. Paula spielt Wellenhochsprung und Wellenwettrennen und wird selbstverständlich bis in die Haarspitzen nass. Und sandig. Sandig und nass, das ist Uschi ein Graus. Der Sand muss also irgendwie weg. Da nichts anderes zur Verfügung steht „duscht“ sich Paula unter einem Außenwasserhahn an dem nahen Toilettenhäuschen ab. Tapfer, tapfer, denn das Wasser ist eiskalt. Aber auch das Entsanden scheint nach Paulas Gelächter zu urteilen ein Höllenspaß zu sein. Nach dem Schwimm- und Duschvergnügen verlassen wir endgültig die Insel Harris und fahren bei schönstem Wetter wieder zu dem SP am Black House Village. Die Fahrt führt an einsamen Höfen vorbei und man kommt sich wie in eine andere Zeit versetzt vor.
Überhaupt findet man auf den Western Isles wunderschöne alte noch bewohnte Häuser, hier mal eine kleine Auswahl.

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Wie ich abends so durch das Dorf humpel treffen wir ein nettes Pärchen aus D'dorf, die uns zu Bier und Chips einladen. Die beiden haben sich eines der Black Houses für ein paar Tage gemietet und es wird noch ein recht netter Abend...

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So langsam zieht es mich zurück in die Zivilisation, in eine Gegend wo an jeder Ecke ein Arzt lauert und Krankenhäuser mit Röntgengeräten und Ärzten die Regel sind. So nehmen wir am nächsten Nachmittag die Fähre von Stornoway nach Ullapool. Die Fahrt ist recht kurzweilig da die Royal Coastguard eine Rettungsübung abhält.

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Endlich wieder in Ullapool. Paula und Uschi stöbern etwas durch die Touri-Läden. Abends gehen wir im nahen am CP gelegenen Pub essen.

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Die Fähre von/zu den Hebriden

Am nächsten Tag geht es weiter nach Inverness. Die Innenstadt meiden wir diesmal, die Parkplätze sind für mich alle zu weit vom Zentrum entfernt. Wir shoppen dafür aber in den Outdoorläden an der äußeren Ringstraße. Die haben nämlich Parkplätze direkt vor der Tür. Dann werden wir beim örtlichen Ford-Händler wegen unserem Rückwärtsgang vorstellig. Eine Woche Wartezeit! Nee, das geht gar nicht und so entscheiden wir uns, so wie bisher weiterzumachen, mit Festhalten der Schaltung.
Unser Nachtlager finden wir auf dem Rosemarkie Campsite auf der Black Isle, der wirklich eine exzellente Behindertendusche hat. Uschi und Paula laufen noch am Strand entlang zum nahe gelegenen Leuchtturm, um Delfine zu beobachten. Ich schau mir das Ganze vom Womo aus durch mein Fernglas an.

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Chanonry Lighthouse

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Der nächste Tag startet nebelig, aber es verspricht ein sonniger Tag zu werden. Vom CP schaut man genau auf das gegenüberliegende Fort George, das wollen wir heute besichtigen. Fort George ist riesig und als man mich mit meinem Bein sieht, drängt man mich doch, einen Elektro Scouter zu nehmen. Naja, warum eigentlich nicht, ist ja auch mal eine Erfahrung. Mit einem mal bin ich wieder schneller als meine sechsjährige Tochter, die ist natürlich begeistert vom neuen Gefährt ihres Papas. Ich nehme sie auf den Schoss und sie darf mich durch das Fort George fahren. Das ist bestimmt „ against the law“, macht aber riesig Spass.

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Fort George

Nachdem wir die Batterie des Elektromobils leergefahren haben, fahren wir weiter am Loch Ness entlang zum Urquhart Castle. Hier steppt echt der Bär, Reisebusse, Massen an Menschen und natürlich der obligatorische Duddelsackspieler. Welch' krasser Unterschied zu den einsamen und ruhigen Hebriden!

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Die Nacht verbringen wir auf einem CP am direkt Loch Ness. Wie jedesmal fällt uns auf, das hier Wucherpreise genommen werden. Aber wir haben keine Lust noch viel länger zu fahren und bleiben. So kann Paula Enten im Loch Ness füttern und Ausschau nach Nessie halten. Ohne Erfolg natürlich ... Hier treffen wir auch wieder auf Massen von Midgies, diese kleinen fiesen Mücken, die einem den letzten Nerv rauben können.
Nun geht es unaufhaltsam immer weiter Richtung Süden und so fahren wir frühmorgens weiter Richtung Fort William. Dort legen wir einen kurzen Stop ein. Hier gibt es einen Outdoorladen, dem wir seit ca. 10 Jahren immer wieder einen Besuch abstatten. Nach dem Einkaufen geht’s dann eine Etage höher in das recht gute Cafe / Bistro. Diesmal segel ich beinahe eine Treppe rückwärts runter. Zum Glück fängt mich ein Verkäufer auf, puh das war knapp! Dann geht es weiter durch das bekannte Glen Coe bis nach Linlithgow. Dort gibt es einen ziemlich großen Palast zu besichtigen.

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Glen Coe

Leider hat dieser bei unserer Ankunft schon geschlossen, so dass wir die Besichtigung auf den nächsten Tag verschieben müssen. Angeblich kann man den Parkplatz nahe beim Palast („The Vennel“) als Stellplatz nutzen. Wir werden aber aus den Preistafeln nicht schlau und fahren zum nächsten (und in der Nähe einzigen) CP. So landen wir auf einem recht schmutzigen und prohligen Farm Camping direkt neben der Autobahn. Außer uns scheinen nur Monteure mit ihren Familien dort zu nächtigen und es geht dort abends recht laut und ungemütlich zu.... Die Dusche und Toiletten werden nach kurze Betrachtung durch Uschi zur Kloake und als unnutzbar eingestuft. Spülen und Entsorgen geht aber so gerade.
Wir beeilen uns am nächsten Morgen vom CP zu kommen, bevor wir noch eine der Bierdosen ans Auto bekommen, die dort schon morgens Freunde findet. Wir fahren also zum Linlithlow Palace und finden nach längerer Suche dann endlich auch einen Parkplatz. Die Zufahrt zu „The Vennel“ blockiert nämlich dreistes halber ein Reisebus. Somit fällt auch diese Besichtigung für mich flach. Ok, die ganzen Stufen in dem 5-stöckigen Palast wären eh' nicht das richtigen für mich gewesen. Aber der Innenhof ist auch sehr schön. Wie auch immer, meine Burgfräuleins verziehen sich für mehrere Stunden in den Palast. Ich finde ein Cafe und schaue den bunten Treiben auf der Hauptstraße vom Womo aus zu.

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Linlithlow Palace

In dem riesigen Palast gibt es für Paula einen Rätselbogen und so rennen meinen Damen durch die Stockwerke um die Fragen zu beantworten, als Gewinn gibt es einen Aufkleber. Zum Rätsel noch eine Info: auch das ist eine nette Sache bei den Sehenswürdigkeiten von Historic Scotland. In vielen Abteien, Schlössern etc. gibt es für die Kinder Rätsel oder sogar Kostüme. Als Äbtissin, Ritter, Königin macht so eine Besichtigung auf jeden Fall viel Spaß. Vom Linlithlow Palace machen wir einen spontanen Abstecher zum Blackness Castle, auch ganz nett. Und auch ganz viele Treppen … aber mit tollen Bild auf den Firth of Forth.

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Blackness Castle

Über Moffat fahren wir durch unwetterartigen Starkregen weiter zum Camping in Castle Douglas. Der kann wirklich mal eine eindrucksvolle Platzordnung vorweisen.

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Wir sparen uns das Durchlesen, nutzen lieber ausgiebig die auch hier bestens ausgestattete Behindertendusche und gehen dann Essen. Am folgenden Morgen gilt es Abschied von Schottland zu nehmen. Der Abschied fällt uns schwer und wir nutzen jede Gelegenheit, ihn noch ein wenig herauszuzögern. „Zufällig“ führt uns unser Weg noch in Kirkcudbright am MacLellan's Castle vorbei. Auch hier gibt es ein Rätsel und einen Aufkleber. Weiter geht’s, aber nur bis zur nahe gelegenen Dundrennan Abbey. Hier gibt es ein Rätsel, aber leider sind dem netten Herrn an der Kasse die Aufkleber ausgegangen. Paula diskutiert und bekommt einen extra Stempel auf ihnen Rätselbogen. Sie diskutiert weiter und hilft beim Suchen und bekommt von dem netten Herrn an der Kasse einen tollen Leuchtstift geschenkt. Uschi leiert sie dann noch das Versprechen aus den Rippen, dass wir nächstes Jahr wieder hier her kommen und uns den Aufkleber abholen. Mal sehen ... Weiter geht’s. Aber nicht wirklich weit. Kurz hinter der Dundrennan Abbey fangen die riesigen Sandstrände an. Wir finden am Sandyhills Beach einen Parkplatz und Paula darf für dieses Mal ein letztes Mal Sonne, Strand und Meer geniessen. Weiter geht’s. Aber nur bis zum Caerverlock Castle. Ein wirklich tolles 3-eckig gebautes Castle. Paula darf sich als Burgfräulein verkleiden, kann ihr eigenes Wappen entwerfen und muss wieder ein Rätsel lösen. Zum Glück haben die hier noch Aufkleber. Uschi bekommt einen blauen Stern und ein „well done“ auf den Rätselbogen als Auszeichnung für ausgezeichnete Übersetzungsarbeit. Weiter geht’s.

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Um 15:00 überqueren wir die Grenze nach England und finden gegen Abend einen Farm Camping an der A66. Da morgen Bank Holiday ist, ist der Platz sehr gut besucht und mit 20 Pfund ohne Strom auch recht teuer. Komischerweise haben wir in England immer Probleme, einen CP zu finden. Entweder sind sie voll, zu teuer oder wollen uns für nur eine Nacht nicht haben. Da es mit Stellplätzen in England auch nicht so gut klappt, beschließen wir zu bleiben. Es ist auch mal wieder schon recht spät und meine Frauen haben ja auch ein anstrengendes Besichtigungsprogramm absolviert.
Der nächste Morgen startet sonnig und wir besuchen die etwas versteckt gelegene aber absolut sehenswerte Rievaulx Abbey. Da wir im zweiten Jahr unserer Historic Scottland Mitgliedschaft sind, können wir auch alle Sehenswürdigkeiten vom English Heritage kostenlos besuchen. Das lohnt sich nun echt, bei Eintrittspreisen von 7 Pfund für einen Erwachsenen! Auch hier gäbe es ein Rätsel, aber das wird Paula von Uschi gnadenlos verschwiegen. Hat sie gestern etwa zu viel gerätselt!?!?!

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Da wir am Rande der Yorkshire Dales sind, fahren wir etwas durch die Gegend und landen wieder mal beim Tan Hill Inn.Eigentlich wollten wir hier nicht mehr übernachten, da uns die Preise von letztem Jahr, immerhin 12 Pfund für einen einfachen Stellplatz ohne VE noch gut in Erinnerung sind. Aber diesmal ist die Laune der Bediensteten besser und deshalb sollen wir nur etwas Geld in die Charity-Box werfen und dann wäre es schon ok. Dann bleiben wir natürlich gerne. Paula trifft ihre Lämmer von letztem Jahr wieder, die sich zu ziemlich gierigen Schafen entwickelt haben.

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Gemütlich, Tan Hill Inn

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Yorkshire Dales

Es gibt auch kein Handy-Verbot mehr, es wird kräftig mit IPAD & Co gesurft und telefoniert. Das Essen ist auch sehr lecker und so wird es ein netter Abend in einem einfach tollen Inn.
Heute machen wir einen großen Sprung nach Süden in die Gegend von Stonehenge. Der Tag ist geprägt von viel Fahrerei. Wir machen ab und an Pause um einen Kaffee zu trinken und uns mal die Beine zu vertreten. Paula hat in diesem Urlaub Uschi's alten iPod entdeckt und wie mit 7tem Sinn hatte ich eine große Auswahl an Enyd Blyton Hörspielen dabei. Wir hätten nicht gedacht, dass Paula sich schon für diese Abenteurgeschichten interessiert, aber weit gefehlt! Und so übersteht sie die langen Fahrten ohne Probleme. Die Nacht verbringen wir auf einem CP mit Pub (und Behindertendusche) in Wyke Down.
Heute besuchen wir (also meine Frauen) den wohl berühmtesten Steinhaufen der Welt, Stonehenge. Es ist die Hölle los.
Aber eindrucksvoll ist es schon, was die Menschen vor ein paar tausend Jahren mit ihren primitiven Mitteln geschafft haben. Auch hier ist der Eintritt für uns kostenlos.

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Über Amesbury fahren wir weiter nach West Wittering auf einen CP. Am nahen Strand geht Paula noch mal Baden. Wir sind an der Sunshine Coast und es ist wie bei dem Namen zu erwarten inzwischen auch ziemlich warm geworden. Strand kommt bei Kindern ja immer gut an. Dieser hier ist aber besonders auch für ganz kleine Kandidaten geeignet, weil das Wasser bei Ebbe über eine große Fläche nur knöcheltief ist. Und wenn die Sonne scheint, ist das Wasser sogar nett angewärmt.
Unser erster Stopp am nächsten Morgen ist Chichester. Uschi hat hier mal Ferien bei einer englischen Familie verbracht und so tun wir ihr den Gefallen und bummeln etwas durch die Geschäfte, essen ein leckeres Eis. Ich für meinen Teil bin danach froh, wieder irgendwie zum Womo zurückzukommen. Meinen Mädels gönne ich aber noch ein paar mehr Geschäfte und den Besuch der Kathedrale. Anschließend fahren wir weiter bis nach Arundel. Dort leihen wir uns ein Motorboot (endlich darf ich noch mal fahren!) und tuckern bei schönstem Sonnenschein ein wenig über den Fluß Arun, immer mit Blick auf das riesige Arundel Castle.

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Danach machen wir uns auf den Weg weiter an der Küste entlang. Wir haben uns vorgenommen, heute mal keinen Stress bei der Campingplatz Suche zu haben und den nächsten schönen CP zu nehmen. Der Vorsatz war gut … Wir fahren über Lyminster, Littlehampton, Camber und Seaford bis zum bis zum Beachy Head, mit seinem tollen Leuchtturm an den Kreidefelsen. Nirgendwo ein vernünftiger CP. Sogar die von uns so sehr gemiedenen Holiday Parks mit ihren Amusements müssen wir links liegen lassen – sorry we are full. Wahrscheinlich,weil wir nur eine Nacht bleiben wollen. Nach langer Suche landen wir auf einem CP bei Pevensey Bay. Der CP ist nicht nur teuer sondern auch laut und schmutzig. Hat dafür aber jede Menge heißes Wasser in den Duschen zu bieten, in Schottland eine Seltenheit. Dafür sind 90% der Türriegel bei den Duschen und Toiletten defekt. Man kann halt nicht alles haben. Und da es keine Behindertendusche gibt, ist es für mich eh' kein Problem.

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Wir beeilen uns am nächsten Tag den CP zu verlassen. Was war das doch schön und einfach mit den Stellplätzen in Schottland! Hier in England leider eine totale Fehlanzeige. Wir machen Stopp in Battle und besuchen die Abbey und das Battlefield (die Normannen haben hier die Angelsachsen vernichtend geschlagen). Sehr zu Paula's und und meiner Freude bekomme ich wieder einen Elektro-Scouter. Und der ist mal richtig flott und so heizen wir beide ein wenig über das Gelände.

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Tja, es läßt sich nicht mehr vermeiden, der Urlaub geht zu Ende. Wir probieren mal was Neues aus und fahren nach Martin Mill in der Nähe von Dover auf den CP. Der nächstgelegenen Inn ist für mich zu Fuß nicht erreichbar, aber den evtl. letzten Abend wollen wir auf jeden Fall in einen netten Pub verbringen. Das Schild „Good Food Pub“ lügt nicht, der Fisch ist frisch und lecker. Wir hoffen morgen eine Fähre nach Calais zu bekommen. Eigentlich haben wir noch zwei Tage Zeit, aber da Uschi das Womo alleine ausräumen und versorgen muss, ist es wohl stressfreier nicht zu knapp vor Arbeitsbeginn wieder in Deutschland zu sein.
Die Umbuchung von Montag auf den heutigen Samstag ist kein Problem, zudem ist sie auch noch kostenlos. Wir bekommen einen Sticker mit Liftsymbol und müssen beim Beladen die Warnblinkanlage anschalten. Dies ist wohl das Zeichen, dass wir nahe beim Lift positioniert werden sollen. Klappt auch wirklich prima. Als ein freundlicher Platzzuweiser mich quer durch den Bug zum Lift humpelt sieht, lässt er Uschi noch mal umrangieren. Dafür hält er sogar die nachfolgenden LKW an und so bekommen wir die allererste Wahl, den Platz direkt am Lift! 1,5 Stunden später sind wir wieder auf dem Festland und drei Stunden später in Aachen. Geschafft.
Bleibt nur noch ein Fazit. Die Äußeren Hebriden sind einfach toll, ein super Reiseziel und ganz anders als das schottische Festland. Wir haben relativ wenige Touristen getroffen und waren auf den meisten Stellplätzen ganz alleine. Die Möglichkeit der VE an den Fährterminals oder öffentlichen Toiletten sind vorbildlich und alle top gepflegt. Nur mit der Grauwasserentsorgung hapert es manchmal ein wenig. Zumindest Womos mit dem Ablauf unter dem Auto kommen manchmal nicht an die Grauwasserentsorgung ran. Meist ist aber schlichtweg gar keine Entsorgungungsmöglichkeit vorgesehen. Großbritannien ist für einen Fußkranken oder einen Gehbehinderten ein optimales Reiseland, alle CPs, Sehenswürdigkeiten und offiziellen Gebäude (z.B. Fährterminal, Museum), die wir aufgesucht haben verfügten über Behindertentoiletten bzw. -duschen. Einfach vorbildlich. Die Mitgliedschaft bei Historic Scottland ( Jahresbeitrag ab dem 2ten Jahr für uns drei 65 Pfund) hat sich in diesem Urlaub mehr als gelohnt. Wir haben sogar den Beitrag vom ersten Jahr raus … Wer also nicht nur Landschaft sondern auch die vielen Sehenswürdigkeiten sehen möchte, sollte das mal in Erwägung ziehen.

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