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Wales über Weihnachten und Silvester

permanenter Linkvon gnarz18 am 16 Jan 2017 19:54:22


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Nach unserer letzen Winterreise nach Schottland schlug ein anderer Anglophiler vor, doch mal im Winter nach Wales zu fahren. Und da man auf gleichartig veranlagte Leute auch mal hören soll, haben wir uns für die Weihnachtsferien tatsächlich Wales zum Ziel gesetzt. Ein wenig Bedenken haben wir beim Wetter, so zählen die Monate Dezember und Januar mit je durchschnittlich 18 Regentagen zu den regenreichsten Monaten des Jahres. Aber lassen wir uns mal überraschen.
Da ich am Mittwoch erst um 22 Uhr von einer Dienstreise zurückkomme, beschließe ich am darauf folgenden Abreise-Donnerstag nicht nochmal ins Büro zu gehen und stattdessen in aller Ruhe mit Uschi das Womo zu packen. Dank der guten Vorarbeit meiner GG ist das Auto dann auch schnell beladen und reisefertig. Um 13:30 kommt Paula aus der Schule und wir machen uns sofort auf den Weg nach Calais. Wir haben wenig Verkehr und sind pünktlich um 17:30 am Fährterminal. Die Fähre ist ziemlich leer und neben einem britischen heimfahrenden Wohnmobil sind wir das einzige Womo, welches auf die Fähre wartet.

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Hafen von Calais

Kurz nach 20:00 haben wir dann britischen Boden unter den Rädern und fahren zum Drum Inn nach Stanford. Den Pub mit zugehörigen CP haben wir bei unserem letzen Schottlandurlaub zum ersten Mal getestet und wir wissen, dass man dort gut essen kann und dass sie einen vernünftigen Platz zum Übernachten haben. Die zwanzig Minuten von Dover nach Stanford sind schnell geschafft und wie vermutet ist der CP relativ leer. Außer uns steht nur noch ein britisches Womo auf dem Platz.
Der Morgen startet sonnig und wir machen uns zeitig auf.

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CP beim Drum Inn inStanford

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die Sonne geht auf

Wir wollen Wales von oben aufrollen. Starten möchten wir deshalb auf der Insel Anglesey, vorher wollen wir allerding noch einen vorweihnachtlichen Shopping Nachmittag in Chester einlegen. Es ist recht wenig Verkehr und auch den Orbitel um London schaffen wir ohne Stau. Kurz nach 13:00 Uhr erreichen wir Chester und ergattern auf den P&R-Parkplatz einen der wenigen Plätze, die für Autos über 2.10m geeignet sind. Der Bus bringt uns zügig in die Stadt und wir stürzen uns ins Getümmel. Chester ist ein wirklich tolles Städtchen mit seinen alten Fachwerkhäusern und seinen Arkaden, die auf der ersten Etage dieser Häuser verlaufen. Wir besorgen uns eine neue Vodafone-Daten-Karte und kaufen noch ein paar letzte Weihnachtsgeschenke. Die Straßen sind zwar voller Menschen, aber es ist längst nicht so voll wie im Sommer. Man bekommt einen Platz in den Cafes und in manchen Geschäften ist man der einzige Kunde.

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Chester

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Arkaden in Chester

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Gegen 19:00 Uhr sind wir wieder beim Auto und müssen uns so langsam um einen Schlafplatz kümmern. Unser erstes Ziel ist ein CP in Prestatyn. Ich habe mir im Vorfeld der Reise eine Liste von CPs, die auch im Winter aufhaben auf mein Navi geladen. Leider stellt sich der anvisierte CP als Holiday-Park heraus, der zumindest im Winter keine Womos nimmt und um diese Jahreszeit auch nur für die Besitzer der festen Caravans geöffnet ist. Im Dunkeln einen schönen Stellplatz zu finden ist schwierig und so fahren wir über kleine einspurige Straßen ins Landesinnere. In der Nähe von Ruthin werden wir in Graig-fechan beim Three Pidgeons Inn fündig und dürfen uns für die Nacht auf den Parkplatz stellen. Das „Three Pidgeons“ ist ein Inn von 1777, aber angeblich wird in diesen Gebäuden schon seit dem 12ten Jahrhundert Bier getrunken. Mit dem Biertrinken funktioniert es heute immer noch und auch das Essen ist durchaus zu empfehlen. In der Nacht fängt es an zu regnen und der Tag startet feucht und trübe. Nach einem gemütlichen Frühstück kommen wir relativ früh von Platz. Heute ist Weihnachten und wir möchten den Abend irgendwo am Meer auf einem schönen Stellplatz verbringen und nicht bis in die Dunkelheit herum gurken.
Auf unserem Weg nach Anglesey halten wir kurz in Holywell, einem kleinen Städtchen mit der heiligen Quelle der St. Winefride ( wie man an dem Ortsnamen ja auch leicht erkennen kann - holy well ). Die Dame wurde hier wegen Ablehnung eines Liebhabers kurzerhand von diesem geköpft. Daraufhin fing die Quelle an zu sprudeln – sagen die Waliser und glauben daran, dass das Wasser der Quelle alle möglichen Krankheiten heilt.

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Quelle der St. Winefride

Die von einer Kapelle umrahmte Quelle wird seit 660 n.Chr. von Pilgern aufgesucht und in dem Tauchbecken kann man sogar im heilenden Wasser baden. Uns ist es dafür aber zu kalt und wir fahren über Conwy weiter auf die Insel Anglesey. Inzwischen ist auch das Wetter besser geworden und ab und zu kommt sogar mal die Sonne heraus.
Für die Nacht haben wir uns die Ostspitze der Insel, den Penmon Point, ausgesucht. Dieses hübsche Fleckchen erreicht man von Baumaris aus über eine einspurige Privatstraße, die im Sommer Maut kostet. Nun im Winter ist das Kassenhäuschen (Cafe) nicht besetzt und wir können kostenlos zum Penmon Point fahren. Ein britisches Womo steht schon auf dem kleinen Parkplatz und lässt leider einen relativ lauten Generator laufen. Der Platz ist wirklich toll, man hat einen super Blick übers Meer auf die Berge vom Snowdonia Nationalpark und auch der Leuchtturm ist ein echter Hingucker.

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Penmon Lighthouse

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Häuser am Penmon Point

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morgens zeigt sich sogar etwas die Sonne

Am Abend kommen noch zwei weitere Wohnmobile an und natürlich schaut auch das Christkind vorbei, ist ja klar. Zum Glück schaltet die alleine fahrende Lady aus dem britischen Womo am Abend doch ihren Generator ab, so ein lautes Teil nervt schon mächtig. Am nächsten Morgen ist es recht frisch, aber die Sonne scheint und so besichtigen wir bevor wir weiterfahren noch die Penmon Priory aus dem 6ten Jahrhundert.

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Penmon Priory

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Auch hier gibt es wieder eine heilige Quelle, deren Wasser heilende Kräfte zugesprochen werden. Auf dem Rückweg in Beaumaris hoffen wir auf ein offenes Cafe, aber der verschlafene Ort wirkt wie ausgestorben.

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Beaumaris

Und so fahren wir immer an der Küste entlang bis nach Holyhead zum South Stack. Hier am South Stack ist in der Saison mit Cafes, Shops und Imbissbuden usw. die Hölle los. Jetzt im Winter ist man hier dagegen fast alleine, nur ein paar Wanderer und eine Familie auf Sonntagsausflug treffen wir auf dem Parkplatz.
Der Leuchtturm ist im Sommer auch zu besichtigen, wir müssen uns mit einem Blick von der Brücke aus begnügen.

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vom Küstenwanderweg hat man einen guten Blick auf den Leuchturm

Der Leuchtturm ist schon eindrucksvoll und liegt phänomenal auf dem Felsen. Wir laufen etwas den Küstenwanderweg entlang und suchen anschließend „Die Kirche im Meer“. Die Kirche Llangwyfan ( St. Cwyfan ) findet man in Porth Cwyfanan in der Nähe von Cribinau, nicht besonders Navi-freundlich und so fahren wir wie früher einfach mal wieder mit Karte.

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es ist ein wenig stürmisch

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Kirche gefunden

Wir finden die Kirche und parken am nahe gelegen Strand. Sehr eindrucksvoll wie diese kleine, immer noch in Betrieb befindliche Kirche auf der kleinen Insel wellenumtost im Meer liegt. Nur bei Ebbe ist sie über einen natürlichen Damm zu erreichen. Die Gottesdienstzeiten richten sich dementsprechend nach den Gezeiten.

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Wir sind ganz alleine und von der Landschaft her ist der Besuch der Kirche ein echtes Wow-Erlebnis.

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St. Cwyfan

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Die kleine Kirche stammt aus dem zwölften Jahrhundert. Leider war sie abgeschlossen und so konnten wir das Innere nicht besichtigen, aber alleine schon die Lage ist ein Besuch wert. Die Nacht verbringen wir in Newborough auf dem geöffneten CP Awelfryn, wir müssen dringendst mal unsere Toilette entsorgen. Der Reiseführer „Mit dem Wohnmobil nach Wales“ empfiehlt öffentliche Toiletten für die Entsorgung zu benutzen, aber zu dieser Jahreszeit sind die leider alle geschlossen. Auf dem CP ist nicht wirklich was los. Neben uns steht nur noch ein bewohnter T2, ansonsten scheinen alle Fahrzeuge leer zu sein. Direkt beim CP befindet sich das Marram Grass Cafe, ein Restaurant das wohl auf der ganzen Insel für sein gutes Essen bekannt ist. Leider ist das Restaurant vollkommen mit Familien die sich hier zum Weihnachtsessen – mit den typisch britischen Papierkrönchen auf dem Kopf – treffen, ausgebucht. Aber man lässt uns natürlich nicht vor der Tür stehen und wir dürfen uns auf ein paar Getränke an den Kamin setzen.
Der Morgen beginnt mit einem eindrucksvollen Sonnenaufgang über dem Snowdon.

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Heute wollen wir zur kleinen Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn ( keine Ahnung wie man das ausspricht ). Auch hier führt der Weg zum Parkplatz über eine Privatstraße, die im Sommer Maut kostet. Wenn man sich die Größe des Parkplatzes anschaut, scheint das ein sehr einträgliches Geschäft zu sein. Aber auch hier sind heute die Schranken offen und die Kassenhäuschen unbesetzt. Vom Parkplatz läuft man gut zwei Kilometer bis zur Insel. Es herrscht ein gewaltiges Wetter mit aufgewühlter See und großen schweren Wolken. Ein wirklich eindrucksvolles Naturschauspiel.

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Sonnenaufgang über dem Snowdon

Wir hoffen mal, dass wir ablaufendes Wasser haben, denn bei Flut hat man schon Probleme von der Insel zu kommen. Der Weg bis zur vorderen Spitze ist nur ein paar hundert Meter lang. Vorne am Ende der Insel liegt äußerst fotogen ein Leuchtturm, der eigentlich mehr an eine Mühle erinnert.

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Vom Leuchtturm haben wir einen grandiosen Blick auf den Snowdon, den höchsten Berg von Wales. Die tiefstehende Sonne, das tosendes Meer, absolut super. Zudem sind wir noch ganz alleine, was will man mehr. Die hier lebenden Wildpferde kommen mal kurz neugierig vorbei, sie sind aber zu scheu als das man sie streicheln könnte.

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Wir sind schon auf dem Rückweg, als uns die ersten Leute entgegenkommen und wenn man so über den Strand schaut, wird es auf der kleinen Insel gleich richtig voll. Auch der riesige Parkplatz ist inzwischen gut gefüllt.

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der Wind treibt den Sand über den Strand

Wir verlassen Anglesey und fahren nach Caernaforn mit seinem riesigen Castle. Wir bekommen einen Parkplatz direkt unterhalb des Castles und begeben uns in die kleine Stadt. Das Castle hat heute wegen dem Boxing Day geschlossen, was uns aber nicht weiter stört, da wir es von früheren Besuchen her kennen. Hier in Caernaforn wird der Prince of Wales gekrönt, dementsprechend geschichtsträchtig ist das Castle.

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Caernaforn Castle

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Caernaforn

Nicht nur das Castle sondern fast alle Geschäfte haben geschlossen. Da wir auch kein offenes Cafe finden, begnügen wir uns mit einem kleinen Rundgang durch die Stadt und fahren weiter nach Morfa Nefyn. Dort gibt es gegenüber dem Lifeboat Büro einen Parkplatz, auf dem das Übernachten erlaubt zu sein scheint. Da es noch früh ist und die Sonne scheint, machen wir eine kurze Wanderung zu dem kleinen Ort Porth Dilean. Der Ort besteht eigentlich nur aus einer Handvoll Häusern, die sich direkt am Strand eng an die Klippen schmiegen. Der Ort hat auch einen Pub und in dem ist die Hölle los, scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein.

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Porth Dilean

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Im Pub drinnen ist es noch voller als draußen davor, heute gibt es Live Musik! Wir ergattern Getränke und Sitzplätze auf der Terrasse, genießen die Aussicht und das bunte Treiben und machen uns dann über den Strand zurück auf den Weg zum Auto. Abends werden wir dann noch mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

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Der nächste Tag startet wie der alte aufgehört hat - mit Sonne. Wir fahren über Criccieth, wo wir beim Castle vor verschlossener Tür stehen, nach Beddgelert im Snowdonia Nationalpark. In Beddgelert hat sogar der CP offen, auf den buchen wir uns dann auch sofort ein. Da es noch früh ist und man das schöne Wetter ausnutzen muss, wollen wir noch ein wenig durch den Nationalpark fahren und uns in Llanberis nach dem Weg auf den Snowdon erkundigen. Fünf Kilometer hinter Beddgelert auf einmal ein Lärm, als würde ein Hubschrauber auf unserem Dach landen und der Wagen will sich auch gar nicht mehr richtig bewegen. Uns ist sofort klar, dass es einen Reifen erwischt hat. Auf einer engen walisischen Straße einen platten rechten Hinterreifen zu haben, ist echt mies! Man kann ja nicht einfach stehenbleiben und den Reifen wechseln, da ja keiner an einem vorbeikommt.

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rechts und links eine Mauer

Die Straße wird rechts und links durch Steinmauern begrenzt, da kann man nicht so einfach anhalten. So retten wir uns mit eingeschalteter Warnblinkanlage mit Schritttempo in eine Farmeinfahrt. Obwohl wir nur knappe 200 Meter mit dem platten Reifen gefahren sind, ist er kochend heiß und vollkommen kaputt gewalkt.

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der Reifen ist Schrott

Nun ist ein Reifenwechsel mit dem originalen Wagenheber von Ford nur unter optimalen Bedingungen möglich. Da wir etwas abschüssig stehen, komme ich mit meiner Ausrüstung nicht weiter und folge dem Rat meines Reifenhändlers, der meint bei einer Panne des Hinterreifens am besten den ADAC zu rufen. Unser Auto muss man hinten richtig aus den Federn heben, damit man den Reifen unter der Verkleidung herausbekommt und das ist mit dem original Wagenheber echt schwierig. Das Dumme ist, wir haben - natürlich - keinen Handy-Empfang und so stiefeln Uschi und Paula erst mal hoch zur Farm. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Farmer mit seinem Landi, meinen Mädels und einem hydraulischen Wagenheber zurück. Aber auch dieser Wagenheber schafft es nicht, unser Auto hoch genug über die Straße zu bringen.

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unsere Rettungsbucht

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das Zuhause der freundlichen Farmers-Familie, im Hintergrund der Snowdon

So fahren die drei zurück zur Farm, um den ADAC zu informieren. Landschaftlich stehen wir echt schön, die Farm liegt direkt unterhalb des Snowdon und an der Straße führen die Gleise einer historischen Dampfbahn vorbei.
Es dauert nicht lange und es dampft ein Zug heran. Und wieder zeigt sich, dass Schafe jetzt nicht unbedingt zu den cleversten Tieren gehören. Da läuft doch so ein dummes Vieh über dreihundert Meter direkt vor der Lok entlang anstatt einfach nach rechts oder links auszuweichen. Die Lok hupt und pfeift, doch das Schaf läuft stur direkt vor der Lok in einen kleinen Tunnel.

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Im Tunnel scheint das Schaf seine Strategie noch mal überdacht zu haben, denn auf der anderen Seite hat es sich vollkommen gestresst in den Hang gerettet.

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Irgendwann kommen auch Uschi und Paula zurück und meinen, in den nächsten 90 Minuten käme Hilfe. Ich habe da mal so meine Zweifel.
Uschi hofft nur, dass der ADAC Mensch sie auch richtig verstanden hat. Wir stehen in Ffridd Uchaf und sie musste es dreimal wiederholen bis es in Deutschland korrekt notiert war. Uschi bekommt literweise Tee angeboten und kennt nun auf jeden Fall die ganze Farmers-Familie und deren Geschichte. Die Kinder sind schon größer, wohnen aber dank Mama-Taxi immer noch gerne hier und man hatte früher Weiden bis hoch an den Snowdon. Nun macht man überwiegend in Ferienwohnungen - ist lukrativer. Wie schon früher mal erwähnt, bei solchen Gelegenheiten lernt man sich kennen. Die Schafe machen nur Arbeit und bringen wenig. Wir warten. Irgendwann macht sich die Farmers-Familie auf ins nächste Dorf und wundert sich ( naja, eigentlich nicht wirklich ), dass wir immer noch in ihrer Einfahrt stehen und ob wir Tee oder sonst etwas brauchen. Brauchen wir nicht, der Vorteil mit dem Womo zu stranden ist offensichtlich – es ist ja inkl. Heizung alles an Bord. Ach ja, einen Anruf aus Frankreich vom ADAC haben sie noch für uns im Haus entgegengenommen, es kommt gleich jemand vorbei.
Nach gut zwei Stunden, es fängt schon an zu dämmern, mach‘ ich mich dann auf den Weg in Richtung Beddgelert, um irgendwo Handy-Empfang zu bekommen. Drei Kilometer später klappt es dann und ich falte erst mal den ADAC-Menschen, der sich die lange Wartezeit sogar nicht erklären kann. Wir gleichen nochmals die Daten ab und er verspricht schnelle Hilfe. Ich latsche wieder zurück zum Auto, vielleicht ist ja inzwischen Hilfe eingetroffen.
Nach vier Stunden kommt dann endlich der AA-Mann. Kann der schön fluchen! Inzwischen ist es stockduster und kalt, aber nach gut eineinhalb Stunden ist der Reservereifen montiert und meine Plastikschürze um zwei Ecken ärmer. Wie ich dann aus der Einfahrt setze, überfahre ich fast noch zwei Wanderer, die vom Snowdon kommen und auf dem Weg zum CP in Beddgelert sind. Wir nehmen sie die fünf Kilometer zum CP mit, so unbeleuchtet auf schmaler Straße ist Wandern ja auch gefährlich. Am CP schmeißen wir die beiden raus und fahren direkt weiter in den Ort, nach so einem Nachmittag in einer Farmzufahrt ist man hungrig und durstig. Der Ort hat für seine Größe eine erstaunliche Anzahl an Pubs zu bieten, was wohl dem Ansturm im Sommer geschuldet ist. Wir finden sofort einen Platz in dem von „Mrs. Farmer“ empfohlenen Pub und genießen ein wirklich gutes Pie.

Der CP in Beddgelert liegt etwas außerhalb des Ortes und die Parzellen sind schön zwischen alten Eichenbäumen angelegt. Direkt hinter dem Platz fährt die Strecke der historischen Eisenbahn vorbei und da die ihre erste Fahrt recht früh durchführt, sind wir auch früh auf den Beinen.

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CP in Beddgelert

Keine Wolke ist am Himmel zu sehen, sodass der Tag nach einer Wanderung schreit. So muss eine Besteigung des Snowdon herhalten. Eigentlich hatten wir uns für den einfachen Llanberis-Pfad entschieden, aber nun da wir schon mal hier sind nehmen wir den Llwybr Rhyd Ddu Pfad. Der soll laut Aussage des Wanderehepaars von gestern Abend auch recht einfach sein. Der Pfad startet direkt an der Bahnstation Rhyd Ddu und wir bekommen, da wir zum Glück früh unterwegs sind, noch einen Parkplatz. Der Weg führt gemächlich auf einen Sattel und von dort über einen Grat zum Gipfel.

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Bahnstation Rhyd Ddu

Es ist relativ viel los, bei diesem schönen Wetter sind eine Menge Leute unterwegs. Der Weg lässt sich gut gehen, da er recht gut ausgebaut ist.

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Die Temperaturen liegen so um den Gefrierpunkt, aber in der Sonne lässt sich gut laufen und nur der kalte Wind macht die Sache ein wenig ungemütlich.

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Auf dem Sattel wird erst mal Pause gemacht und die Aussicht genossen. Die Sicht reicht bis nach Anglesey zur Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn.
Lange hält man es allerdings nicht aus, es ist einfach zu windig.

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Auf dem Grat wird es dann eisig, man ist ja fast 1000 Meter hoch. Nach gut zwei Stunden erreichen wir den Gipfel, dort herrscht ziemlicher Betrieb.

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der Gipfelgrat

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wir sind oben, der Gipfel des Snowdon

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vom Gipfel hat man eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge

Nach einer kurzen Pause auf dem Gipfel geht es dann auch wieder auf dem gleichen Weg zurück zum Auto. Ich hatte eigentlich auf etwas mehr Schnee gehofft, aber es war trotzdem eine Winterbesteigung des Snowdon.

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im Hintergrund die Insel Anglesey mit dem Leuchtturm auf der Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn

Der „Sieg“ über den höchsten Berg von Wales muss natürlich gefeiert werden und so fahren noch einmal nach Beddgelert. Wir laufen durch die wenigen Geschäfte und besuchen das Grab von Gelert.

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in Beddgelert sind sogar die Briefkästen geschmückt

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Kirche in Beddgelert, gleich daneben befindet sich das Grab von Gelert

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In the 13th century Llewelyn, prince of North Wales, had a palace at Beddgelert. One day he went hunting without Gelert, ‘The Faithful Hound’, who was unaccountably absent.
On Llewelyn's return the truant, stained and smeared with blood, joyfully sprang to meet his master. The prince alarmed hastened to find his son, and saw the infant's cot empty, the bedclothes and floor covered with blood.
The frantic father plunged his sword into the hound's side, thinking it had killed his heir. The dog's dying yell was answered by a child's cry.
Llewelyn searched and discovered his boy unharmed, but nearby lay the body of a mighty wolf which Gelert had slain. The prince filled with remorse is said never to have smiled again. He buried Gelert here".


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Beddgelert

Für die Besteigung des Snowdons wollen wir uns mit leckerem Pub Food belohnen und gehen deshalb abends in einen „etwas“ weihnachtlich geschmückten Pub. Dort treffen wir dann auch zufällig das Wanderehepaar, das wir nach unserer Panne mit zum CP genommen haben. Die Unterhaltung wird merkwürdigerweise sofort recht politisch, das Ehepaar aus Birmingham jammert über den Brexit und möchte wissen, wie wir mit der großen Zahl der Flüchtlinge fertig werden. Wir waren ja nun schon oft in GB und noch nie wurden wir so oft auf die politische Lage angesprochen, wie dieses Mal. Es wird trotzdem ein lustiger Abend.

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gemütlicher Pub

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aber mit der Weihnachts-Deko hat man es ein klein wenig übertrieben

Leider hat über Nacht das Wetter gewechselt und der nächste Tag startet trübe und trist. Wir fahren nach Llanberis, um uns dort den Ort und das Castle anzuschauen. Kaum sind wir angekommen, wird das Wetter ein wenig besser und wir beschließen erst mal Kaffee trinken zu gehen. Vielleicht kommt ja sogar noch die Sonne raus.

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die Hauptstraße in Llanberis

In Llanberis selber ist wenig los, die Straßen sind leer und auch hier haben die meisten Geschäfte geschlossen.

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Dolbadarn Castle

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Das Dolbadarn Castle liegt auf einem kleinen Hügel und der Eintritt ist frei. Besonders groß ist die Anlage nicht und so fahren wir nach der kurzen Besichtigung über den Pen Y Pass nach Blaenau Ffestiniog, dieser etwas trostlos wirkenden Bergbaustadt.
Hier soll es eine verlassene Bergbausiedlung geben, die wir besichtigen wollen.

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Blaenau Ffestiniog

Die Straße zum Parkplatz, der Ausgangspunkt für den Fußweg zur Siedlung ist, ist nicht leicht zu finden und wir müssen zweimal drehen, da wir von einer niedrigen Brücke aufgehalten werden. Zum Glück habe ich mir vor der Reise die OS-Karten mit 1:25000 bzw 1:50000 auf Navi / Tablet geladen und da ist wirklich jeder Kieselstein eingezeichnet und wir finden schnell eine brückenlose Alternative.
Der Weg führt zunächst zwischen alten Abraumhalden hindurch, steil bergauf in einen Talkessel mit einem idyllischen See.

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Am Eingang des Talkessels tauchen dann auch schon die ersten alten verlassenen Gebäude auf.

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Die alte Straße führt immer am See entlang, gesäumt von alten Schiefertafeln. Wir passieren die verlassene Kirche und erreichen schließlich den Ort selbst.

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die alte Kirche

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Etwas unheimlich ist das Ganze schon - aber wunderschön. Die tiefhängenden Wolken und der Nebel verleihen der Landschaft eine stimmungsvolle Mystik und fotografisch gesehen bietet das Dorf tolle Motive.





1 Kommentar 6462 mal betrachtet
Kommentare

RE: Wales über Weihnachten und Silvester

permanenter Linkvon Will2014 am 21 Jan 2017 17:56:00

Hallo, ein toller Reisebericht mit super Fotos. :daumen2: :daumen2: :daumen2:
Macht richtig Lust, selbst zu dieser Zeit, eine solche Reise zu machen.( Wenn zu Hause keine Verpflichtungen sind, werden wir mal so etwas angehen.)
Werde gleich die Fortsetzung lesen.
Schöne Grüße aus Kassel-
Will
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