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Das Gogolobil unterwegs: ins unbekannte Europa 2015 1, 2, 3, 4, 5


Gogolo am 11 Jul 2015 20:40:04

Eigentlich wollte ich diesen Bericht schon viel früher absenden, aber die Netzabdeckung des Internets lies dies nicht zu. Hinzu kam, dass in Serbien – wo ein Hauptteil dieses Berichts „spielt“ - die EuropaSIM-Karte von Vodafone Italien nicht funktioniert. Aber jetzt in Bulgarien habe ich wieder gutes WLAN und auch der Einsatz der EuropaSIM ist möglich. Aber von Anfang an und im Anschluß zum letzten Bericht:

In den Budapester Markthallen haben wir uns noch mit genügend hausgemachten Paprika (süß und scharf) eingedeckt. Er hat eine herrliche intensive Farbe und schmeckt wesentlich besser, gehaltvoller als der „Fabrikpaprika“. Und in der Gaststätte des Campingplatzes haben wir noch eine frische, kalte „Pfirsichsuppe Tokajerart“ gegessen. Ich habe das Rezept!

Aber jetzt geht es weiter in Richtung Süden, schließlich haben wir noch einige Kilometer bis zum Schwarzen Meer. Und diese wollen wir nicht durchrauschen, sondern schön gemütlich der Donau entlang bummeln. Wir fahren zwischen vielen ausgedehnten Sonnenblumenfeldern, die gerade mit ihrer herrlicher prallgelben Blüte beginnen, rund 90km bis nach Dunaföldfar. Dort ist unmittelbar an der Donau und unweit eines Schwimmbades ein kleiner ACSI-Campingplatzes mit toller Aussicht auf die Donauschiffe, wo die Nacht incl. WLAN nur 11€ kostet. Nach dem Trubel eines großen städtischen Campingplatzes in Budapest tut es gut, die Ruhe eines kleinen, naturnahen Platzes zu genießen, die Füße hochzulegen und bei diesem herrlichen Wetter auszuspannen.




Gleich in der Nähe ist auch eine Csárdá (Wirtshaus, Dorfschänke) am Ufer, dort gibt es eine hervorragende Wels-Fischsuppe. Aber auch eine geröstete Welsleber schmeckte wirklich köstlich. Das Abendessen war gerettet und ich brauchte nicht zu kochen.







Der Fluss zeigt sich so, wie wir ihn von vielen Natur-Berichten der mittleren und unteren Donau im Fernsehen kennen. Groß, ruhig und gemächlich. Die großen Städte, wo die Donau durchfließt, werden seltener und das Land ursprünglicher. Auch die Donauschifffahrt ist nur noch ganz selten zu sehen, die Frachtschiffe und die Passagierschiffe kann man tagsüber an zwei Händen abzählen. Wir sind in der ungarischen Tiefebene und kommen allmählich in den Balkan.





Schon am nächsten Tag geht es zeitig weiter, denn wir wollen zum Gemencer Wald. Der Wald Gemenc ist nicht nur von Ungarn, aber auch Europas ein geschützter und kostbarer Schatz. Er ist seit 1996 Teil des Donau-Drava Nationalparks und erstreckt sich ca. 6 km ab Szekszárd. Dieses Überschwemmungsgebiet ist eines der beschützten Schätze Europas, wo die üppige Pflanzenwelt den Rothirschen und Wildschweinen Unterschlupf gewährt. Seinen Namen hat das Gebiet den Weltrekord-Trophäen der hier erlegten Rothirsche zu verdanken. Hier könnte man mit viel Glück den in Europa als Seltenheit geltenden Waldstorch beobachten. Das Gebiet kann mit der Waldbahn, mit dem Boot, Katamaran, Kanu per Pferdekutsche oder aber auch individuell zu Fuß oder Fahrrad entdeckt werden. Wir entscheiden uns für die kleine Waldbahn, bei der während der Fahrt das Blumenpflücken verboten ist. Aber das haben wir uns nur gedacht, denn die Bahn fährt nur am Wochenende – und wir waren am Freitag dort...

Aber ganz soooo schlimm ist es nicht, denn wir sehen den Urwald auch von der Bahnstation und vom Auto aus. Jetzt ist die Donau vom üblichen Touristenrummel schon etwas befreit, links und rechts erstrecken sich undurchdringliche Wälder und Dickichte und die Natur ist noch ziemlich unberührt. Der Grundwasserspiegel ist recht hoch und überall blitzen aus dem undurchdringlichen Dickicht Altwasser, Sümpfe und Bäche im Sonnenlicht heraus. Der Fischreichtum ist aus diesen Gründen riesig und die Vogelwelt (u.a. Fischreiher, Waldstörche und Seeadler) findet auf 50.000ha einen üppig gedeckten Tisch für ihren Nachwuchs.

Am Parkplatz der Schmalspur-Eisenbahn, könnte man sicher auch gut übernachten. Die Bahn durchfährt auf einer Länge von rund 30km den Auwald-Dschungel. Abfahrt ist täglich um 10:50 Uhr und um 14:30 Uhr (aber nur am Wochenende!).








Das Tagesziel ist heute ein Thermalbad mit angeschlossenem Campingplatz bei Dávod, kurz vor der serbisch/kroatischen Grenze. Bei der Hitze ist ein Abkühlung im Bad sicher das Richtige. Auf dem fast leeren Campingplatz finden wir ein recht schönes Plätzchen im Halbschatten wo man es ein paar Tage aushalten kann. Mir gefällt der Platz ausnehmend gut, denn er hat keine Parzellen und man kann stehen wo man will – ohne Nachbarn.

Auch im angeschlossenen Bad ist nicht zu viel Trubel (lauter Eingeborene – und wir sind wahrscheinlich fast die einzigen Touris) und es wird ohnehin um 19Uhr geschlossen, so dass abends himmlische Ruhe herrscht. Nur die Vögel in den zahlreichen Bäumen zwitschern ihr Lied, am Abend und am Morgen. Wunderschön.








20km nach Dávod fahren wir über die Grenze nach Serbien und Kroatien. Ab dort funktionierte meine Internetverbindung über die EuropaSIM-Karte nicht. Serbien ist eines der wenigen europäischen Länder, mit denen Vodafone Italien keinen diesbezüglichen Vertrag hat. Auf ein freies WLAN möchte ich mich nicht unbedingt verlassen. Vielleicht habe ich in Kroatien wieder ein Netz. Leider ist es so – auch hier kein Netz, obwohl wir hier in Serbien bei Apatin unmittelbar bei der kroatischen Grenze stehen.

Der Grenzübergang in ein für uns unbekanntes Europa-Land (Serbien) war unproblematisch. Allerdings gab es drei Kontrollen, einmal durch die Grenzbehörde und zweimal durch den Zoll. Jedes mal mit Ausweiskontrolle und Fahrzeugbesichtigung. Wir waren an der Grenze das einzige Fahrzeug, vielleicht war es den Beamten zu langweilig... Aber alles lief total korrekt ab. Maut wird in Serbien streckenbezogen an den Autobahnen kassiert. Es werden auch Kreditkarten akzeptiert.

Gleich nach Grenze war wieder die Suche nach einem Geldautomat angesagt, was aber mithilfe des Navis im Garmin und der App auf dem Smartphone ganz einfach war. Dann mussten wir noch einkaufen, denn im südlichen Ungarn waren richtige Supermärkte Mangelware. Wir dachten, dass in den größeren serbischen Städten solche Supermärkte anzutreffen wären – falsch gedacht. Nur Tante-Emma-Läden waren in den Städten anzutreffen mit ziemlich beschränktem Angebot auf rund 100qm. Bäcker und Metzger natürlich separat, wobei der Bäcker nur weiches, knatschiges Weißbrot in vielen Variationen im Angebot hatte. Das ist mal so, kann man nichts machen, dafür sind wir im Ausland. Aber beim Metzger, da gab es echt gute Sachen: Hackfleischwürstchen natur oder im Speckmantel, Schweinefiletscheiben am Spieß u.ä. Um es vorweg zu sagen, am Abend wurden die Sachen gegrillt und gerade das Schweinefleisch war so etwas von zart, da hat sicher der Metzger das Schwein persönlich beim Vornamen gekannt. Mit Sicherheit stammte es nicht aus einer Fleischfabrik!

Bei Apatin habe ich im Internet nach Recherche einen Campingplatz (CP) ausfindig gemacht. In Serbien werden wir nur auf CP nächtigen, denn man soll sich laut ADAC in Diesem Land innerhalb von 24 Stunden bei einer Meldebehörde registrieren. Und Campingplätze erledigen das für den Touristen, wobei der CP-Besitzer meinte, dies wird nicht mehr so streng gehandhabt. Dieser schöne CP ist nur über den Donaudamm zu erreichen und man überfährt dabei mehrfach die serbisch/kroatische Grenze – natürlich ohne Grenzkontrollen. Denn der Grenzverlauf ist hier nicht eindeutig festgelegt.

Dieser CP namens „Camping Buzak Apatin“ ist wirklich sehr zu empfehlen (--> Link). Klein, mit viel Schatten durch alte Bäume, absolut ruhig und sehr sauber und mit 7€/Person/Nacht auch noch sehr günstig. Lediglich die Einfahrtshöhe am Eingangstor war für die 3,45m des Gogolobils nicht einfach, da das Tor oben einen Bogen hatte und links und rechts die Einfahrt niedriger war. Gogoline hat mich aber sehr gut eingewiesen. WLAN gibt es keines hier, nur totale Ruhe, denn auch das Handynetz ist sehr schwach.

Wir machen mit den Pedelecs einen schönen Ausflug auf dem Donaudamm zu einem Naturpark. Schon zeitig am frühen Morgen stehen wir dafür auf, denn ab 11 Uhr wird es mit über 35°C unerträglich heiß und wir verkriechen uns dann in den Schatten um wenigstens ein klein wenig Abkühlung zu erhalten.








Als wir am darauffolgenden Tag weiter fahren, machen wir noch einmal einen Abstecher zum Metzger in Sombor und kauften nochmals das köstliche Schweinefilet, denn so eine Fleischqualität ist bei uns in Deutschland eine absolute Seltenheit. Selbst mein Lieblingsmetzger in Rosenheim kann mir nicht so ein zartes Schweinefilet anbieten.

Über Novi Sad geht der 150km lange Weg zu den bekannten Klöstern der Fruška Gora, dem Kloster Novo Hopovo und dem Kloster Krusedol. Die Fruška Gora ist ein kleines Mittelgebirge am rechten Ufer der Donau südlich von Novi Sad in der serbischen Provinz Vojvodina. Sie erstreckt sich in der Ost-West-Richtung über eine Länge von 80 Kilometern. Die Täler der Fruška Gora sind mit Viehweiden, Getreidefeldern, Weingärten, Obstplantagen, Waldwiesen und Abhängen bedeckt. Ab etwa 300 m Höhe überwiegen dichte Mischwälder mit einem großen Bestand an Lindenbäumen.

Die genannten Klöster liegen nahe beieinander und wir besichtigen beide. Die Fruška Gora gilt mit mehr als einem Dutzend mittelalterlicher serbischer Klöster als einer der drei heiligen Berge in der christlich-orthodoxen Welt (neben dem Berg Sinai mit dem Katharinenkloster und dem Berg Athos mit dem Kloster Hilandar). Novi Sad „schenken“ wir uns, denn bei dieser Hitze von über 38°C macht eine Stadtbesichtigung absolut keinen Spaß. Wir sind froh, im Gogolobil zu sitzen und eine funktionierende Klimaanlage zu genießen.

Ursprünglich waren es 35 serbisch-orthodoxe Klöster, von denen noch 17 erhalten sind. Man sollte die beiden Klöster schon besichtigen wenn man in der Nähe ist, denn sie sind sehr eindrucksvoll:


Das Kloster Novo Hopovo ist eines der ältesten Klöster der Region, die Fresken ähneln denen der Klöster vom Berg Athos.








Das Kloster Krusedol stammt ursprünglich aus de, 16. Jahrhundert. Die Fresken und Ikonen sind aus dem 16. und 19, Jahrhundert und geben einen lebendigen Einblick in die biblische Geschichte.








Gleich in der Nähe der Klöster ist auch ein CP, der Eco-CP Fruska Gora. Sehr naturbelassen und ruhig – und vor allem schattig unter hohen Bäumen. Der Platz eignet sich gut als Ausgangspunkt für die Besichtigung der genannten Klöster und des netten Ortes Sremski Karlovci, der gleich am Ufer der Donau liegt. Am CP habe ich festgestellt als ich Wasser zum abspülen des Geschirrs mit der Truma-Heizung wärmen wollte, dass weder die Wasseraufbereitung noch die Heizung funktioniert. Den Fehlercode der Heizung habe ich zwar ausgelesen und auch einen Reset habe ich versucht, aber das hilft mir auch nicht weiter, denn wahrscheinlich ist das Lüfterrad defekt. Naja, es gibt schlimmeres, denn eine Heizung brauchen wir auf dieser Reise wohl wirklich nicht und warmes Wasser können wir auch auf dem Herd machen. Nur das freie Stehen ist etwas eingeschränkt, denn wir haben dadurch auch kein warmes Duschwasser im Fahrzeug, müssen daher auf Campingplätze ausweichen. Im Internet habe ich recherchiert, dass es in Bukarest eine Truma-Servicestation gibt, die werden wir mal aufsuchen.


Es war geplant, der Hauptstadt Serbiens, Belgrad, einen Besuch abzustatten. Aber auch dieser Besuch fällt der Hitze zum Opfer. Stattdessen fahren wir gleich zum sog. „Eisernen Tor“, wo sich die Donau ein letztes Mal durch ein enges Tal auf ihrem Weg zum Schwarzen Meer zwängen muss.

Das „Eiserne Tor“ ist viel gewaltiger als der Donaudurchbruch bei Weltenburg. Kein Wunder, denn die Donau ist hier durch die zwischenzeitlichen vielen Zuflüsse schon zu einem sehr mächtigen Strom angewachsen. Das Wetter hat sich kurzfristig etwas eingetrübt und nachts war auch ein Gewitter, das hat angenehm abgekühlt. Viele Aussichtspunkte von der Straße auf die Engstellen der Donau gibt es nicht und auch beim großen Kraftwerk Derdap darf man nicht anhalten. Aber trotzdem ist das Bild recht aussagekräftig:





Weiter geht es mit großen Schritten nach Bulgarien. Die Grenze besteht aus einem serbischen und einem bulgarischen Posten. Beide kontrollieren die Ausweis- und Fahrzeugpapiere (jeweils Grenzpolizei und Zoll getrennt), denn wir kommen wieder an eine Schengener Außengrenze. Schon vor dem bulgarischen Zollgebäude ist wieder ein kleines Häuschen, wo man den Obolus für die bulgarische Straßenmaut entrichten muss und eine Vignette für die Windschutzscheibe erhält. Ich zahlte nur 15€, obwohl nach den ADAC-Informationen rund 27€ fällig gewesen wären. Nachdem ich aber dem Beamten die Fahrzeugpapiere zeigte und er die Klassifizierung vornahm, freute ich mich über den geringen Zahlbetrag. Es muss auch gesagt werden, dass alle Kontrollen sehr korrekt abgelaufen sind und die Beamten und Beamtinnen recht freundlich waren. Gleich nach dem bulgarischen Grenzgebäude konnte man Bargeld umtauschen.

Bulgarien ist das „Armenhaus“ der EU und der nordwestliche Teil davon ist der ärmste Part. Dementsprechend sehen die Straßen und die Häuser aus. Ich werde die Situationen zwar fotografieren aber in meinen Berichten nicht veröffentlichen, auch wenn die Pferde- und Ochsenfuhrwerke auf den Straßen recht malerisch bzw. exotisch sind, denn es ist mir zutiefst zuwider, die Lebensweise und das Leid dieser armen Menschen durch meine Bilder im Internet plakativ zur Schau zu stellen.

Ganz beeindruckend sind die überall blühenden Sonnenblumenfelder. Waren sie in Ungarn schon sehr zahlreich, sind sie hier überall zu finden. Teilweise reichen die Felder bis zum Horizont.





Wir sind jetzt auf einem kleinen CP namens Han Madona in der Nähe des Dorfes Ruzhintzi. Er ist klein und sauber und hat ein gutes Restaurant.


Weiter geht es in Kürze zu urzeitlichen Höhlen, Klöster und einem Platz zum Ausspannen bei Weliko Tarnovo, denn wir haben jetzt Halbzeit bei unserer Reise.



Bis dahin viele in die Heimat


Habe die Ehre

Gogolo

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Gast am 11 Jul 2015 21:14:23

Hallo, Gogolo Toller Bericht und eindrucksvolle Bilder.Danke dafür!Weiter gute Fahrt,bin schon gespannt auf die "Fortsetzung".


Arno

Gogolo am 12 Jul 2015 18:10:37

Einen Nachtrag zu meinem letzten Bericht habe ich noch. Ich hatte über den CP Han Madona geschrieben:

Wir sind jetzt auf einem kleinen CP namens Han Madona in der Nähe des Dorfes Ruzhintzi. Er ist klein und sauber und hat ein gutes Restaurant.



Beim ersten mal war das Essen noch gut. Wir sind aber gestern abend nochmals dorthin zu Essen gegangen, aber da waren wir weniger begeistert. Ich hatte eine Kuttelsuppe (die ging noch), aber zum Hauptgang hatten wir Fleisch mit Pilzsauce. Die Pilzusauce war schlichtweg ungeniessbar, offensichtlich mit Mehl und Wasser klumpig angerührt und Pilze aus der Dose. Wenig Geschmack.


Habe die Ehre

Gogolo

Lancelot am 12 Jul 2015 18:12:21

Immer doof, wenn einem der Abend verdorben wird ... :tanz:

Sehr schöne Fotos ... :gut:

Gast am 12 Jul 2015 18:14:32

Na gut Günter,

wenn das so ist, dann fahren wir da nicht hin. :)
Ansonsten sind wir virtuell auf Euren Spuren, (Danke für die schönen Bilder und die ausführlichen Reiseberichte)
und wünschen Euch weiterhin alles Gute und auf den weiteren Etappen nur noch ausgezeichnete einheimische Restaurants. :ja:

pipo am 14 Jul 2015 10:37:51

Tolle Eindrücke :!:

Gogolo am 29 Jul 2015 13:17:00

Da es hier seit Wochen so heiß ist, habe ich erst einmal keine Lust gehabt, Berichte zu schreiben. Jetzt habe ich mich aber selbst am Kragen gepackt und trotz über 30°C hingesetzt und den Laptop ausgepackt und geschrieben. Ich bin mit den Berichten weit hinten, denn aktuell stehen wir schon in Rumänien im Donaudelta und ich habe den Bulgarienbericht noch nicht fertig. Schande über mich! Aber die Hitze ist so brutal, dass wir nicht einmal große Lust haben, Klöster und sonstige Sehenswürdigkeiten zu besuchen, und Großstädte schon gleich zweimal nicht.

Von Han Madona (im Westen von Bulgarien) aus sind wir zu zwei Höhlen gefahren, und zwar die Ledinika Höhle bei Wraza und zur Devetaki Höhle beim gleichnamigen Ort. Diese Höhlen liegen jeweils rund 50km südlich der Donau, sind aber absolut sehenswert und die Parkplätze vor den Höhlen eignen sich auch als Übernachtungsplätze, wenngleich sie keinerlei Infrastruktur haben.

Ledenika Höhle: Sie liegt im nordwestlichen Teil des bulgarischen Naturparks Wratschanski Balkan (westliches Balkangebirge), 16 km westlich von der Stadt Wraza. Die Höhle ist ca. 300 Meter lang und verkarstet. Ledenika ist eine sehr kalte Höhle und im Winter gibt es um den Eingang viele Eiszapfen, deshalb heißt die Höhle Ledenika (Gletscher). Wir machten dort eine Führung mit, allerdings auf bulgarisch, d.h. wir verstanden kein Wort. Dafür fand dann in der Höhle eine 3-D-Laser-Schau statt, die ziemlich kitschig gestaltet war. Der Eintrittspreis von umgerechnet 3€ war es nicht wert – weder die Höhle noch die Laserschau.

Um zur Ledenika-Höhle zu gelangen muss man am Ende der Anfahrt eine ca. 15km lange, enge und vor allen Dingen mit üblen Schlaglöchern gepflasterte, steile Anfahrt auf sich nehmen. Vor der Höhle ist ein weitläufiger Park mit Picknick- und Grillstellen, einem Hotel und einem Restaurant und die Eingeborenen nutzen dieses Angebot ausgiebig. Am Abend beruhigt sich die Lage und wir sind ganz alleine im Park. Wir stehen dort auch mit dem Gogolobil und übernachten in absoluter Ruhe.








Eine kurze Tagesetappe (ca. 100km) weiter ist die Devetaki Höhle: sie ist eine Höhle mit riesigem Eingang und auch im Inneren fällt immer wieder Licht aus großen Felsöffnungen herein. Leider gab es dort keine Führung, wahrscheinlich weil die Höhle von rund 15.000 Fledermäusen unterschiedlichster Art (auch schützenswerte Arten sind dabei) bevölkert ist. Die Höhle war schon zur Steinzeit von Menschen besiedelt und es soll weiter im Inneren auch Felszeichnungen geben.









Zwar ist dort auch ein staubiger Parkplatz, den man zum Übernachten nutzen könnte, aber zum einen ist es zu heiß, zum anderen ist es auch noch früh am Nachmittag und wir beschließen noch nach Veliko Tarnovo weiter zu fahren, denn jetzt ist erst einmal Halbzeit unserer Reise und daher ist auch eine einwöchige Pause an einem schönen Platz angesagt. Das haben wir uns schließlich verdient, denn wir haben ja keinen Urlaub sondern sind auf einer anstrengenden Reise….

Und einen solchen schönen Platz haben wir auch in Bulgarien entdeckt. Nein, nicht wir haben ihn entdeckt, sondern wir haben einen guten Tipp erhalten, für den ich mich gleich bedanken möchte. Es handelt sich um den CP Veliko Tarnovo, ca. 90km südlich von der Stadt Russe. Neben einer ansprechenden Homepage --> Link hat der Platz wirklich allerhand auch für einen längeren Aufenthalt zu bieten. Die Betreiber sind Engländer (eigentlich sind sie aus Wales), die den Platz mit einem europäischen Standard betreiben. Auch das angeschlossene Restaurant hat recht gute einheimische und europäische Speisen (zweimal während unseres Aufenthalts getestet und für gut befunden) zu wirklich günstigen Preisen. Leider ist derzeit der Swimmingpool defekt, er hat Risse und verliert Wasser. Die Reparatur wurde zwar schon in Auftrag gegeben, aber wir sitzen halt ein wenig auf dem trockenen. Allerdings stehen wir dort in einer herrlichen Lage mit Wasseranschluss am Platz und können uns selbst eine kühle Dusche basteln. Kostenloses WLAN am Platz ist selbstverständlich. Der CP stellt den südlichsten Punkt unserer Reise dar.

An unserem Stellplatz befindet sich auch ein Zwetschgenbaum, dessen Früchte in voller Reife sind. Ich erntete kräftig und machte daraus sofort einen Zwetschgenröster und dazu meinen weltberühmten Kaiserschmarrn.






Bevor wir zum Platz hinkommen, mussten wir auch noch über das Land fahren. Wir benutzten dazu gute Schnellstraßen und auch einfache Fahrwege. Die Schnellstraßen in Bulgarien sind durchaus mit den deutschen Autobahnen zu vergleichen. Auch die Bundesstraßen haben einen recht guten Asphalt. Bei den Nebenstraßen dagegen sind schon Schlaglöcher vorhanden, die beim fahren zu Schlangenlinien verleiten, dazu sind diese Straßen auch noch sehr eng.

Die Dörfer in Bulgarien sind einfach, aber sauber. Vielfach merkt man schon, dass das Geld für Renovierungsarbeiten fehlt. Ein paar Bilder mögen das zeigen:









Die größeren Städte sind durchaus fast nach westlichem Standard gepflegt und ebenfalls sehr sauber.


Jetzt kurz vor der „Halbzeitpause“ habe ich auch mal die Zeit und die Muse, ein paar Zeilen über die bisherige Reise abseits des eigentlichen Reiseberichts zu schreiben:

Sicherheit: wir fühlten uns in Serbien/Bulgarien absolut sicher und hatten nie das Gefühl, dass wir dort nicht erwünscht wären oder dass die Gefahr bestünde bestohlen zu werden. Bettler waren dort weniger zu sehen als bei uns in den Fußgängerzonen der Großstädte.

Die Diesel- und LPG-Versorgung war weder in Ungarn noch in Serbien noch in Bulgarien ein Problem. Die Tankstellen sind sehr zahlreich und modern. Kartenzahlung ist überall möglich. Diesel kostet in Serbien um 1,35€, in Bulgarien um 1,15€.

Einkaufen kann in Serbien und in Bulgarien ein kleines Problem werden, wenn man die kyrillische Schrift nicht kann (so wie wir). Da ist dann mal schnell statt Butter ein Stück Margarine im Einkaufskorb oder statt einem Eiersalat (wie es der Aufdruck vorgaukelte) schlichte Majonäse. In Serbien sind Einkaufszentren absolute Mangelwaren, dafür sind in den Dörfern wirklich zahlreiche Tante-Emma-Läden. Die Warenauswahl bei letzteren ist natürlich eingeschränkt, denn auf 100qm kann man fast nichts unterbringen. Bäcker und Metzger zu finden ist oftmals schwierig und von Zufällen abhängig. Die Qualität der einheimischen Produkte – besonders beim Fleisch – ist wirklich sehr hoch. Da merkt man den Unterschied zwischen einer „Industrieschlachtung“ und einer „Hausschlachtung“ ganz extrem deutlich. Einkaufen ist dort fast jedes mal ein Abenteuer – und es macht Spaß. In Bulgarien dagegen gibt es wieder die großen Supermärkte Lidl, Billa, Kaufland und andere Einkaufsmärkte in Hülle und Fülle. Die Schrift ist zwar nach wie vor kyrillisch, aber die Produkte sind größtenteils bekannt. Kartenzahlung ist überall möglich.

Das Wasser war in Serbien oftmals nicht so gut und es wurde darauf hingewiesen, dass man das Wasser nicht trinken soll. In Bulgarien dagegen ist die Wasserversorgung sehr gut. An den Straßen sind vielfach Wasserstellen mit köstlichem Trinkwasser.

Noch ein paar Sätze zu den Flüchtlingen, die nach deutschen Pressangaben angeblich über Serbien in die EU illegal einreisen wollen. Die Journaille zeigte dazu vielfach Flüchtlingsfamilien die sich halb verdurstet mit Gepäck in Richtung serbisch-ungarischer Grenze schleppen um dort über die grüne Grenze zur EU zu kommen. Dazu ist aktuell folgendes zu sagen: wir waren über eine Woche im serbisch-ungarischen Grenzgebiet und haben keinen einzigen Flüchtling gesehen. Es waren KEINE dunkelhäutigen Menschen oder Personen mit erkennbar islamischen Kennzeichen (z.B. Kopftuch) unterwegs. Den letzten Farbigen haben wir im Basar von Budapest gesehen. Auch auf dem Autoput, den wir stellenweise benutzten, waren keine Flüchtlinge zu bemerken. Wir können beim besten Willen diese Nachrichten nicht nachvollziehen.

Zum Wetter: alles „eitel Sonnenschein“. Zur Zeit schon ab Sonnenaufgang wolkenloser Himmel, gegen Mittag bilden sich kleine Kumulus-Schönwetterwolken die sich am Abend wieder auflösen. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Die Temperaturen liegen tagsüber so bei rund 30-35°C. Hat es in den letzten Wochen mal geregnet, dann war das freundlicherweise in der Nacht und am nächsten Morgen war wieder alles trocken und die Sonne kam zum Vorschein. Für Fahrradausflüge ist es definitiv zu heiß und zu sonnig (wir haben es ausprobiert und nach 10km keinen Spaß mehr in der Hitze gehabt). Wir haben hier einen UV-Faktor von 10!

Mücken/Moskitos: ja, gibt es. Zwar nicht allzu viele, aber sehr lästig, weil sie stechen und die Stichstellen unangenehm jucken. Und dann gibt es noch so gelbe Fliegen, die beissen! Das tut richtig weh! Wir haben nachts im Gogolobil ein elektronisches Mückenlicht aufgestellt und manchmal hört man, wie sich eine oder mehrere Mücken darin „grillen“ lassen.

Für einen evtl. Fernsehempfang haben wir eine 85cm große externe SAT-Schüssel dabei und je weiter wir nach Südosten kommen, desto schwieriger wird das Auffinden des Astra-Sateliten. Aber mit dem guten Schwaiger-Satfinder ist das kein größeres Problem. Ich schreibe das, weil auf dem letzten Campingplatz ein deutscher Wohnwagenbesitzer dreieinhalb Tagen vergeblich versucht hat mit seiner Antenne etwas zu finden – so nach dem Motto „wie bekomme ich einen Sonnenbrand beim SAT-aufstellen?“ (UV-Index 10!). Ich würde ihm ja ganz gerne mit meinem Equipment helfen, aber wenn dieser „Kollege“ nicht einmal den Morgengruß erwidert, dann mag ich auch nicht...und bleibe im Schatten vor meinem Laptop sitzen.


Wir fahren weiter, zunächst 100km nach Russe (zweitgrößte bulgarische Stadt) an der Donau und übernachten dort mitten im Stadtzentrum direkt bei einem Park beim Pantheon sicher, ruhig und frei. Russe ist wirklich nett und schön anzusehen, hat große Plätze und viele Parks. Es wr auch der Tag der Überraschungen: wir kauften Eiskaffee, aber der war mit warmen Kaffee, dann kauften wir Mineralwasser, aber es war Zitronenlimonade (de kyrillischen Schrift sei Dank). Und am Abend bestellten wir im Restaurant etwas nach Bildern wegen der kyrillischen Schrift – und Gogoline bekam etwas anderes als sie wollte...

Über die 2824m lange „Brücke der Freundschaft“ fuhren wir am nächsten Tag nach Rumänien. Die Brücke ist absolut desolat mit tiefen Spurrillen, wo es durch die Hitze den Asphalt weggedrückt hat, so dass richtige Verwerfungen da sind, in denen in der Mitte die Autos „aufsitzen“. Allerdings wird die Brücke gerade renoviert und es bilden sich auf beiden Seiten lange Warteschlangen. Wir hatte gleich Glück und kamen nach Zahlung einer geringen Brückenmaut (2€) sofort hinüber. Am anderen Ufer beginnt Rumänien, und auch dort ist eine elektronische Vignette erforderlich. Wie sich der Betrag errechnet ist mir unerklärlich, aber ich zahlte für 30 Tage Maut nur 13€.

In Bukarest werde ich mal schauen, ob die dortige Truma-Vertretung meine Heizung reparieren kann. Ich berichte in Kürze über das Abenteuer Rumänien weiter.


Bis dahin viele in die Heimat


Habe die Ehre

Gogolo

pipo am 29 Jul 2015 13:50:35

Die "Wirtschaftsflüchtlinge" kommen nach Deutschland und wir hauen ab in die unberührte Natur nach Bulgarien/Rumänien.
Hat was :lach:

Ne im Ernst, schöne Eindrücke die Du hier hinterlässt :wink:
Interessant auch immer wieder zu erleben, was in solchen Gebieten letztendlich auf dem Teller landet. Hauptsache es macht satt..

Ich freue mich auf weitere Berichte.. Kannst ja mal ein Bilderrätsel posten, was sich hinter welcher Verpackung befindet :lach:

Gogolo am 29 Jul 2015 13:59:22

pipo hat geschrieben:Interessant auch immer wieder zu erleben, was in solchen Gebieten letztendlich auf dem Teller landet.


Bei Fisch kann mann/frau eigentlich nichts verkehrt machen (hier immer recht gut). Obwohl, das was sich Gogoline in Russe von der Speisekarte nach den Bildern ausgesucht hat, wären eigentlich auch gegrillte Fischstücke gewesen. So waren es halt gegrilltes Gemüse und Hühnchenstücke. Aber auch nicht schlecht. Reklamationen waren sinnlos, denn wir sprechen nicht bulgarisch und Englisch war für die Bedienung im wahrsten Sinne des Wortes eine Fremdsprache.


Habe die Ehre

Gogolo

pipo am 29 Jul 2015 16:00:19

Gogolo hat geschrieben:denn wir sprechen nicht bulgarisch

Ich hätte vermutet, dass Du für solche Zwecke eine Translator APP hast um zumindest die Grundbegriffe zu erlernen :mrgreen:

ToniPETER am 29 Jul 2015 23:51:13

Servus!

Habe schon auf Deinen Bericht gewartet. Das Warten hat sich wieder gelohnt.

Für mich ist nicht nur die Gegend interessant sondern auch das rundherum. Vielen Dank für die tollen Berichte und Fotos.

Gogolo am 31 Jul 2015 08:24:20

ToniPETER hat geschrieben:Servus!

Habe schon auf Deinen Bericht gewartet. Das Warten hat sich wieder gelohnt.




Das Warten lohnt sich auch weiter, denn es wird jetzt spannend (zumindest war und ist es für mich spannend). Der nächste Bericht wird wahrscheinlich noch heute erscheinen. Ich schreibe gerade daran.


Habe die Ehre

Gogolo

dylan08 am 31 Jul 2015 09:43:13

Hallo Gogolo,

ich bin auch schon gespannt auf die Fortsetzung.
Hau in die Tasten :-)

Gogolo am 31 Jul 2015 13:03:48

Ich habe wunschgemäß in die Tasten gehauen, bitte Tippfehler verzeihen.

im Nachgang zu meinem letzten Bericht noch ein paar Bilder von Russe, einer der
schönsten Städte von Bulgarien.








Es ist nach unseren Begriffen fast eine Schnellstraße, die von Russe nach Bukarest führt. Hier sind wenigstens keine Esel- und Ochsenfuhrwerke unterwegs, die man sonst in Bulgarien und Rumänien häufig sieht. Bei der Gelegenheit: selbst die Esel- und Ochsenfuhrwerke haben ein Nummernschild und manche Fahrer tragen eine Warnweste!

In Bukarest angekommen fahre ich – noch vor wir uns auf dem dortigen CP häuslich ausbreiten - gleich zum Truma-Service um ggf. meine Heizung reparieren zu lassen. Ich mache bei dem wirklich sehr freundlichen Service gleich einen Termin für den nächsten Morgen aus, denn ich muss noch den „Keller“ des Gogolobils dazu ausräumen um zur Heizung zu gelangen. Die Leute dort wollen gleich mit der Fehlersuche beginnen! Es ist ja nicht so, dass es uns bei 30-35°C friert, aber wenn wir frei stehen, dann wollen wir schon warmes Wasser für die Dusche haben. Ich bin schließlich bekennender „Warmduscher“. Und zum Geschirrspülen braucht es auch warmes Wasser (ginge natürlich auch auf dem Herd zum warm machen, aber so ist es einfacher).

Am nächsten Morgen war ich pünktlich dort und die Leute begannen ihre Arbeit. Ein Fehler konnte nicht gefunden werden, die Bedienungsanzeige blieb „tot“ und in der Heizung rührte sich nichts – außer dem Fehlerblinkcode #64, der auf einen Defekt bei dem Lüfterrad hindeutet. Es wurde alles aus- bzw. hin- und hergetauscht: aber der Fehler blieb. Dann wurde noch der Fehlerspeicher gelöscht. Und siehe da, die Heizung ging wieder. Warum das so war, war auch für den Techniker ein Rätsel. Lediglich 25€ kostete dieser Service, Trinkgeld wurde nicht angenommen.

Wir besichtigten Bukarest und fuhren dazu mit einem Taxi für 2€ in die Stadt, wo wir dann in einen Sightseeingtour-Bus umstiegen. Um es vorweg zu nehmen: die Stadt hat keinen Flair und gefällt uns überhaupt nicht. Das Beste war noch das Hard-Rock-Cafe (wo wir sehr gut gegessen haben) und die verschiedenen Parks, besonders der Park Her?strau, in der Stadt. Der Präsidentenpalast ist ein Relikt der Gigantomanie und die Straßen sind relativ „grau“.











Wir flüchten aus Bukarest nicht bevor wir noch kräftig bei Carrefour (dort kann man die meisten Artikel noch in lateinischer Schrift lesen und macht keine Fehlkäufe) eingekauft haben und fahren auf der A2 in Richtung Constanta ans Schwarze Meer. Nachdem wir bei Cernadov? die Donau überquert haben, verließen wir die Autobahn und fuhren über ganz kleine Straßen nach Rasova. Immer wieder die Donau im Blick. Durch ein Weinanbaugebiet (angeblich das beste in Rumänien) ging es dann durch noch kleinere und engere Straßen mit vielen, vielen Schlaglöchern und über ärmliche kleine Dörfer u.a. auch zum Ort Jon Corvin. Dort leben in äußerst bescheidenen Behausungen, kleinen Einraumhütten wirklich arme Menschen.







In Adamclisi steht die Traianssäule, ein imposanter Nachbau der Siegessäule, die vom Kaiser Traian im Jahre 109 errichtet wurde. Am Parkplatz der Stichstraße zur Säule konnten wir mit schöner Aussicht auf die Umgebung ruhig und unbehelligt übernachten. Bewacht wurden wir von den beiden Hunden der Denkmalsanlage. Kein Wunder, sie haben von uns zum Abendessen ein paar LecGast erhalten. In der Nacht kam dicker Nebel auf, der sich in den Bäumen niedersetzte und in dicken Tropfen auf das Gogolobil fiel. Wir dachten, es regnet.








Und was macht unsere Heizung, als wir am Morgen warmes Duschwasser machen wollen? Sie spinnt wieder. Keinerlei Funktion. Gut das das Wasser im Wasertank nicht sooo kalt ist, so duschen wir halt mit kühlem Wasser. Ist bei der Hitze auch nicht so schlecht.

Ich habe einen Verdacht wegen der Ursache für den Heizungsdefekt. Kurz bevor die Heizung ausfiel fuhren wir immer auf schlechten Rumpelstraßen und ich vermute, dass hier ein Drähtchen irgendwie abvibriert ist. Truma in Deutschland wird es schon richten...

Aber die defekte Heizung bringt doch mittelfristig für diese Reise unsere Pläne durcheinander. Denn wir wollten ja nach Moldawien und Transnistrien. Und dort gibt es keinerlei Campinginfrastruktur. Schweren Herzens entscheiden wir, dass wir diese beiden Länder auslassen und statt dessen Rumänien, besonders die Karpaten, intensiver bereisen werden. Es sind zwar auch dort tage- bzw. nächteweise Übernachtungen in freier Natur oder auf Stellplätzen ohne Infrastruktur notwendig, aber zwischendurch können immer wieder Campingplätze angefahren werden.

Wir fahren jetzt übers Hinterland und kleinen Weilern wie Tufani, Furnica, Olteni, zum südöstlichsten Eck von Rumänien nach Negru Voda, dabei haben wir immer die Grenze zu Bulgarien im Blick. Wir kamen dabei an riesigen Getreidefeldern vorbei und wo gerade umgepflügt wurde, da versammelten sich die Störche am „gedeckten Tisch“. Es waren geschätzte 100 Störche, die sich hier versammelt hatten.






Die nächste Stadt war dann Mangalia, sie liegt schon am Schwarzen Meer und man ist gleich an den südlichsten Badeorten Rumäniens angelangt. Wir fuhren zum CP Palace Venus. Es war viel los und wir bekamen noch knapp einen Platz dort. Ursache war das Wochenende und – war wir erst viel später merkten - eine Liberty Parade mit vielen LKWs, die mit Lautsprechern und vielen Menschen besetzt waren und die ab Nachmittag einen Höllenlärm machten. Die Bässe der Musik waren noch bis 6 Uhr morgens zu hören. Das ist nichts für uns und wir brachen zeitig auf um zu einem ruhigen Ort zu gelangen.

Zunächst fuhren wir über Constanta und Mamaia nach Corbu Beach. Dort könnte man auch gut frei am Sandstrand stehen, aber da Sonntag war, ging es auch hier lebhaft zu. Also fuhren wir zu unserem nächsten Ziel, Vadu Beach. Zu beiden Beaches gingen nur Holperpisten aus Betonplatten und Sand, letzter könnten für Weißware bei Regen zu extremen Schwierigkeiten führen.





Beim Vadu Beach fanden wir nach ein wenig Sucharbeit inmitten der Dünen einen schönen Platz am Strand. Zwar mitten in den Sanddünen und für Nicht-Allradfahrzeuge u.U. mit Schwierigkeiten verbunden hatten wir einen Platz mit Blick auf das Schwarze Meer und nur ein paar Schritte zum Wasser, in das wir uns alsbald stürzten. Abends stieg der Mond auf und glitzerte im Meer, am Morgen begrüßte uns die Sonne mit einem prächtigen Sonnenaufgang.








Hier blieben wir zwei Tage, denn es war sooo schön und das Duschwasser war durch die Außentemperaturen von 30-35° auch nicht ganz kalt. Wir haben diesen Erholungs- und Badetag in vollen Zügen genossen. Die Batterien des Gogolobils
blieben wegen des durchwegs strahlenden Sonnenscheins immer proppenvoll, die Getränke im Kompressorkühlschrank hatten mit rd. 3° eine angenehme Trinktemperatur.

Wir haben diesen außergewöhnlich schönen Standplatz verlassen und sind zunächst auf einer Schnellstraße nach Babadag und über Sarichiol und Valea Nucarilor nach Murighiol gefahren. Die Straßen wurden immer schlechter, der letzte Teil war gespickt mit wirklich großen und tiefen Schlaglöchern, z.T. kam dann noch eine nicht geteerte, staubige Wellblechpiste dazu. Es werden schon rund 30km Schlechtweg gewesen sein bis wir in Murighiol eingetroffen sind. Mit dem CP „Lac Murighiol“ haben wir eine gute Wahl getroffen. Ein sehr schöner Platz im Grünen und die Betreiber sind ausgesprochen freundlich. Jetzt sind wir im Donaudelta angelangt, sind jetzt fast am Ende unserer Fahrt entlang der Donau.

Der Besitzer bietet auch eigene Bootstouren ins Donaudelta an. Nicht solche für Touristen, sondern nur für Hausgäste. Daher war die Abfahrt auch schon um 06:00 Uhr früh, denn da ist es zum einen noch kühl, zum anderen sind die Vögel noch nicht von den übrigen Touristenfahrten aufgescheucht und auch das Fotolicht ist morgens bei Sonnenaufgang besser. Wir sahen Silberreiher, Nachtreiher, Rosa-Pelikane, Sichler, Eisvögel, Schwäne, Störche, Kormorane, Flussseeschwalbe, Zwergscharbe, eine Schlange, Frösche, viele Enten und Gänse usw. Die Fahrt ging über große Seen und durch engste Kanäle. Das Ergebnis:





















Während der Fahrt kreuzten unzählige (geschätzte) 25 Eisvögel unseren Weg durch die Kanäle. Diese herrlichen Vögel waren leider allerdings zu flink um sie fotografieren zu können. Trotzdem waren die Eindrücke und die Ausbeute der Fotos (ca. 300!!) gigantisch! Übrigens: um diese Bilder machen zu können, braucht mn keine riesige profimäßige Fotoausrüstung - es genügt eine Handkamera und einen guten Blick.

Am Abend gingen wir noch auf Empfehlung des CP-Besitzers in ein nahegelegenes Fischrestaurant. Wir aßen eine gute Fischsuppe und einen gebratenen Zander mit Polenta. Alles sehr fein und frisch. Es war ein toller, ereignisreicher Tag.

In Rumänien sind wir öfters zum essen gegangen – und werden dies auch noch weiterhin so handhaben. Denn dort schmeckt es noch, weil man keinen vom deutschen Bauernverband und der Lebensmittelindustrie konfektionierten Chemiefraß vorgesetzt bekommt und das Fleisch noch wie Fleisch, Fisch noch wie Fisch und nicht wie Schaumgummi und die Kartoffeln noch wie Kartoffeln schmecken und nicht nach Monsanto, Pfanni, Knorr oder sonstwas. Solltet ihr mal nach Bulgarien und/oder Rumänien fahren, dann nehmt auf keinen Fall tiefgefrorene frische Sachen mit, sondern kauft diese vor Ort! Oder esst für wenig Geld in einem Restaurant! Ihr werdet es nicht bereuen.


Wir werden in den nächsten Tagen aber noch tiefer mit dem Gogolobil ins Delta zu fahren versuchen (und außerdem möchte Gogoline ihren Geburtstag im Delta feiern). Dazu müssen wir auch noch ein Fähre benutzen. Wie es da dann weiter geht, das steht im nächsten Bericht.


Bis dahin viele in die Heimat


Habe die Ehre

Gogolo

Lancelot am 31 Jul 2015 14:46:11

Toll - toll - toll - :gut:

Blöd mit Eurer Heizung .. :(

Verratnix am 31 Jul 2015 15:15:44

Daß ihr Bukarest schnell verlassen habt kann ich verstehen. schade daß ihr das wohl schönste Lokal der Stadt nicht besucht habt. --> Link Ich war eigentlich sicher ihr würdet dort "landen".

Gogolo am 31 Jul 2015 17:17:34

:arrow: verratnix

wir sind nicht so die großen Biertrinker. Und wenn ich bei dieser Sommerhitze Bier getrunken hätte, dann wäre ich Nachmittags eingeschlafen und der Tag wäre für mich beendet gewesen. Das Lokal als solches ist sicher sehr schön.


Habe die Ehre

Gogolo

glohm am 31 Jul 2015 19:48:51

Hallo,
ich gehöre zu deiner Stammkundschaft, was das Lesen der Reiseberichte angeht. Dieser (entlang der Donau) gefällt mir besonders gut, weil so viel unberührte Natur dabei ist. Schade, dass ihr schon fast am Ziel der Reise seid, aber ich hoffe, dass auch die Rückfahrt noch voller schöner Eindrücke sein wird.
Ich freue mich auf deine weiteren Berichte mit den wunderschönen Bildern.
Kommt also bitte nicht so schnell wieder zurück :vielposten:

Noch tolle Tage/Wochen/Monate wünscht euch
Gerd

Gogolo am 31 Jul 2015 20:14:57

Du brauchst keine Bedenken haben , dass jetzt die Tour aus ist. Wir haben "nur" unser Ziel erreicht. Jetzt geht es dann auf unbekannten Wegen dann nach Hause. Und unbekannte Wege sind für uns auch die rumänischen Karpaten und Siebenbürgen bzw. Transsilvanien (dort wo Dracula zu Hause war).

Bis Ende September werden wir schon noch brauchen für unsere Reise.


Habe die Ehre

Gogolo

Anne42 am 31 Jul 2015 21:07:14

wunderbar, kann garnicht lange genug dauern, wieder ein großes Danke für deinen Bericht!!!!!!!!!!

gerri86 am 31 Jul 2015 23:39:32

Sehr spannend zu lesen, von Gogolo immer noch die besten Berichte! Danke dafür und viel Spaß noch :ja:

macagi am 01 Aug 2015 08:26:32

Gogolo hat geschrieben:Als wir am darauffolgenden Tag weiter fahren, machen wir noch einmal einen Abstecher zum Metzger in Sombor und kauften nochmals das köstliche Schweinefilet, denn so eine Fleischqualität ist bei uns in Deutschland eine absolute Seltenheit. Selbst mein Lieblingsmetzger in Rosenheim kann mir nicht so ein zartes Schweinefilet anbieten.


Ich bin ein bisschen hintendran mit Lesen.....ist das Filet nur zart, oder auch geschmacklich besser? Oder anders zubereitet?

Es gibt ja hierzulande auch genügend Bauern mit Direktvermarktung, die müssten doch eingentlch auch was Gescheites herbringen....oder ist das wie mit dem Wein? Im Urlaub vor Ort schmeckt er immer besser, wenn man welchen mitbringt schmeckt er nicht mehr.....

DirksBiMo am 01 Aug 2015 10:55:07

Moin,

vielen Dank für den klasse Bericht ..... an dieser Stelle nochmal vielen Dank für den ein oder anderen Faröer /Island Tipp ....die waren klasse.
Ich kann soviel sagen .... unser neues Wohnmobiles Projekt hat begonnen :wink:
Da wird dann auch "euer" Heizungsproblem anders gelöst.

--> Link

--> Link

Evtl. ja auch ein Tipp für euch, kein weiteres Geld in den Truma Kram zu investieren .... Umrüsten auf einen Vetus Boiler sollte im Bimo machbar sein.

und euch noch viel Spaß.

Dirk

Gogolo am 01 Aug 2015 12:00:04

macagi hat geschrieben:....ist das Filet nur zart, oder auch geschmacklich besser? Oder anders zubereitet?

....oder ist das wie mit dem Wein? Im Urlaub vor Ort schmeckt er immer besser, wenn man welchen mitbringt schmeckt er nicht mehr.....



Das Schweinefilet war nicht nur superzart, sondern auch geschmacklich runder, voller, "schweiniger". Den rumänischen Wein habe ich noch nicht probieren können, da ich ihn in den Geschäften noch nicht gefunden habe. Da gibt es alle Sorten französischer Weine, aber keinen lokalen Wein - irgendwie traurig. Sobald ich einen probieren konnte berichte ich darüber.


Habe die Ehre

Gogolo

Verratnix am 01 Aug 2015 12:25:11

Gogolo hat geschrieben: Den rumänischen Wein habe ich noch nicht probieren können, da ich ihn in den Geschäften noch nicht gefunden habe. Da gibt es alle Sorten französischer Weine, aber keinen lokalen Wein - irgendwie traurig.

Entschuldigung, du musst einfach falsch geschaut haben.
Du warst doch gerade erst in der Dobrudscha. Der Wein aus der Region ist der "Murfatlar", und den gibt es wirklich überall in RO. Von "sehr gut" bis "na ja".

Christel am 01 Aug 2015 14:58:54

Hallo,
ein idealer Platz gibt es in Fundu Moldovei. Von hier kann man die Bukovina und die Moldauklöster besichtigen. Die Betreiber des Platzes, ein holländisches Ehepaar, bieten weitere Touren mit authentischem Erlebniswert an (Besuch eines orthodoxen Gottesdienstes , Essen im Kloster, Pferdewagentour zur Käserei) Hier mehr: --> Link Man kann mit ihm und seiner Frau Essen. Man erfährt dabei viel über Land und Leute, was halt in keinem Fremdenführer steht. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er ist wohl ein Aussteiger als erfolgreicher Geschäftsmann. Er gehört zu dem Verband der holländischen Campingplatzbesitzer in Rumänien. Beim Gottesdienst im Kloster schreiben alle ihren oder den Namen von Verwandten, der Segen braucht, auf ein Zettelchen und geben es mit etwas Geld an den Helfer des Patriarchen. Der liest irgendwann alle Namen laut vor. In den Gottesdienst kommt und geht man wann man will. Als ich mal in einer ev. Kirche in Siebenbürgen nach den unterschiedlichen Bänken fragte, sagte man mir, dass alle gesessen hätten und die Frauen mit den großen Schleifen saßen ohne Lehne , um sich nichts zu zerknittern. Die Fremdenführerin bemerkte als das besondere des Gottesdienstes, dass alle pünktlich kommen mußten und nicht vor Ende gehen durften. Wer es nicht befolgte mußte vor der Kirche mit dem Finger Löcher in den Stein bohren. In Reichesdorf, heute Richis, ist das oft passiert. Man kann die Löcher dort noch nachsehen. Dort ist schräg gegenüber der Kirche in einem Innenhof ein kleiner, feiner sehr gastfreundlicher Campingplatz. Und wenn man Glück hat, wird gerade für eine Festlichkeit gekocht und man kriegt was ab. Es fährt sich schnell dort vorbei, weil man es nicht als Campingplatz erkennt. --> Link
Die Plätze wurden noch zu Diktaturzeiten gegründet, um in die armen Regionen Geld zu bringen. Die holländischen Campingwirte waren verpflichtet so viel wie möglich Arbeitsplätze an besonders Benachteiligte zu geben. So findet man die holländischen Plätze mitten in Wohngebieten, auch in Romadörfern wie der Platz in Câr?a (Kerz). --> Link

Christel

Christel

Gogolo am 01 Aug 2015 18:03:14

Hallo Christel, hab recht herzlichen Dank für deine Tipps, denn mit den Karpaten habe ich mich noch nicht sooo sehr beschäftigt. Und da kamen deine Tipps für die weitere Planung gerade recht. Der Platz in Fundu Moldovei gefällt mir sehr gut und ich habe ihn schon bei mir eingetragen.


Habe die Ehre

Gogolo

Gast am 01 Aug 2015 21:28:05

Hallo, Gogolo

Dein Bericht war mal wieder große Klasse,bin schon gespannt darauf wie es weiter geht.Denk dran in Rumänien genügend Knoblauch mit zu nehmen,so von wegen Dracula und Co.....


Arno

Gogolo am 02 Aug 2015 08:47:40

Arno, Knoblauch habe ich immer mit an Bord. Zum einen gehört für mich Knoblauch in viele Gerichte fast zwingend notwendig hinein, zum anderen muss ich doch - wie du schon sagst - das Gogolobil und die Besatzung vor den Vampiren schützen. :lol: :lol: :lol: Und Knoblauch zu kaufen gibt es hier in rauhen Mengen.

Am besten ist der Knoblauch und das Gemüse, das man den Frauen an den Ständen an der Straße abkauft. Darüber hinaus ist es viel günstiger als im Laden und ich unterstütze mit diesen Käufen unmittelbar die Erzeuger und nicht die großen Einkaufsketten.


Habe die Ehre

Gogolo

Gast am 02 Aug 2015 22:03:37

Hallo,Gogolo

Kann Dir da nur zustimmen,weiterhin gute Fahrt.Bin selbst in Bremerhaven zur Sail 2015.

Arno

nuvamic am 04 Aug 2015 16:48:50

Habt euch ein trockenes Jahr ausgesucht - grade kam die Meldung, dass in Rumänien (genauer haben sie es nicht gesagt) die Flussschifffahrt eingstellt sei - Wassertiefe der Donau stellenweise nur noch 97cm...

Gogolo am 04 Aug 2015 18:38:23

Also heute war noch genügend Wasser in der Donau, denn wir sind mit der Fähre übergesetzt. Bei 97cm hätte ich sogar durchfahren können... So trocken wie es ist, so heiß ist es auch - und eine Änderung ist nicht absehbar.


Habe die Ehre

Gogolo

nuvamic am 04 Aug 2015 18:42:45

Vielleicht gibt es flachere Stellen? An der Ecke, die sie gezeigt haben, konnte man wirklich den Flussboden sehen.

Gogolo am 07 Aug 2015 17:22:49

Noch ein Nachtrag zu unserem letzten Bericht über den geführten Ausflug ins Donaudelta mit Vogelbesichtigung. Die Tour startete bereits um 6 Uhr in der Früh, was sehr gut war für das Fotolicht und die Temperatur. Die Tour dauerte
über 4 Stunden und war 50km lang. Kostenpunkt: 50€/Person. Auch ein Permit für das Betreten des Donaudeltas musste gekauft werden – dies war aber schon im Tourpreis enthalten.


Wir haben Murighiol, den östlichsten Ort unserer Reise, verlassen und sind rund 40km nach Westen, zur größeren Stadt Tulcea, gefahren um dort in einem der dortigen Supermärkte unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Besonders bei den Getränken ist bei dieser Hitze ein großer „Schwund“ zu verzeichnen. Mann/frau kann gar nicht so viel trinken wie mann/frau wieder raus schwitzt.

Nach dem Einkauf ging es wieder zurück in Richtung Osten, aber nicht bis Murighiol, sondern nur 15km nach Nuf?ru. Hier geht eine „Fähre“ ab, die uns über den Sf?ntu Gheorghe-Arm der Donau nach Ilganii de Jos bringt.

„Fähre“ ist gut gesagt für das Teil, das uns über das Wasser brachte. Uralt, verbeult, verrostet und wie in jeden Film über Afrika meistens auch zu sehen. Aber wir sind nicht in Afrika und hier bzw. in Europa hätte ich mit so einem Gefährt nicht gerechnet. Mit 5,5to da hinauf zu fahren braucht schon ein gewisses Selbstbewustsein, aber das Gogolobil hätte ja eine Wattiefe von knapp einem Meter...







Von dort aus sind es nur noch rund 8km bis zu unserem Ziel Partizani und dem dortigen CP Campo-Euro-Club. Wir sind dann am Sulina-Arm der Donau und damit mitten im Herzen des Donaudeltas – und damit am weitesten (östlichsten) mit einem Wohnmobil anfahrbaren Punkt in Richtung Mündung innerhalb des Deltas. Es sind zwar immer noch rund 58km bis zur Mündung aber wir werden noch mit einem Boot bis zum Kilometer 0 nach Sulina fahren. Das habe ich am CP bereits organisiert. Wenn wir schon einmal da sind, dann sollten wir nicht so knapp vor dem Ziel aufgeben. Außerdem hat Gogoline dieser Tage Geburtstag und das soll dann mein Geburtstagsgeschenk sein. Übrigens: an alle, die Gogoline in diesen Tagen per eMail, Telefon, SMS, in den Foren, usw. zum Geburtstag gratuliert haben ein recht herzliches Danke. Meine Frau hat sich sehr darüber gefreut.


Nun stehen wir an einem „gottverlassenen“ Ort, nicht gerade am „Ende der Welt“, aber fast am Ende unserer Reise entlang der Donau. Die Gesamtreise ist aber noch lange nicht zu Ende, denn wir werden ganz intensiv die rumänischen Karpaten bereisen und am Schluss noch in Ungarn verschiedene Thermen besuchen. Davor ist auch noch die Transfagara?an, die höchste Gebirgsstraße Rumäniens befahren. Sie soll zu den TOP15 der schönsten Bergstraßen gehören. Es geht also sicher mit den Berichten weiter – bis wir wieder zu Hause angelangt sind.


Wie schon gesagt, eine Fähre (vergesst alles was ihr bisher über Urlaubsfähren gelesen, gesehen oder erlebt habt) bringt uns von Nuf?ru über den Sf?ntu Gheorghe-Arm der Donau nach Ilganii de Jos. Dann folgt eine ziemlich schlechte Straße über 8km nach Partizani. Ungeteert, staubig mit „Wellblech“ garniert. Und das Ganze noch einspurig und ganz eng zwischen den Bäumen hindurch. Bei Gegenverkehr muss einer stehen bleiben und total ausweichen – oder eine gute Strecke rückwärts fahren bis eine Ausweichmöglichkeit kommt. Aber derartige Strecken sind wir auf dieser Reise von Nebenstraßen schon gewohnt.





Der CP Campo-Euro-Club wirklich ein netter, absolut ruhiger Platz inmitten des Donaudeltas. Das vermutet man so gar nicht in dieser verlassenen Gegend (--> Link). Allerdings ist „ruhig“ sehr relativ: Hahnengeschrei, Schweinegrunzen, Ziegengeblöke, Taubengegurre, Störchegeklapper und Pferdegewiehere sind an der Tagesordnung. Aber es sind Naturlaute und diese sind uns wesentlich lieber als der Großstadt-Straßenverkehr. Wobei: wenn die zahlreichen Hähne ab 4 Uhr früh zu schreien anfangen, dann ist es mit der Nachtruhe vorbei.

Für diesen CP hatte ich auch nach langer Zeit mal wieder eine Reservierung getätigt – und innerhalb von 10 Minuten war in gutem Deutsch eine Antwort da. Leider ist eine Entsorgung mit Grauwassereinlaß nicht möglich – es geht nur über die Kassette und die Toilette. Auch gibt es nur zwei Plätze mit wirklich großzügigem Grundriss, die anderen 5-6 Plätze sind nur für kleinere Womos gedacht. Trotzdem ist der Platz recht nett.








Auch das Restaurant des CP ist recht gut, der Fisch schmeckte hervorragend. Am nächsten Tag habe ich ein Schnellboot gemietet das uns die letzten 58 Kilometer bis zu der Stelle bringen soll, an der die Donau ins Schwarze Meer fließt, zum Kilometer „0“ sozusagen. Dieser befindet sich an einem Leuchtturm beim Ort Sulina (der auch nur mit dem Boot erreichbar ist). Auch ein altes Wrack liegt in der Mündung mit der sinnigen Aufschrift „Safety first“.







Das ist er, der Kilometer „0“ der Donau.





Der Ort Sulina hatte früher wesentlich mehr Bedeutung. Heute hat diese einst blühende Handelsstadt mit ihren schönen Bürgerhäusern, Kirchen und Moscheen von ihrem nostalgischen Charme wenig bewahren können. Die Stadt ist duch ihre Abgeschiedenheit „überschaubar“ geblieben.










Das Schnellboot mit 115PS bewältigt die Strecke in 1 ½ Stunden. Und der Fahrer fährt dorthin, wo wir es ihm sagen. Toll. Aber auf der Rückfahrt – so ca. 10 km vor dem Ziel Partiziani wird das Boot plötzlich langsamer und der Motor geht aus. Der Sprit ist aus!!! Wir treiben auf der Donau wieder in Richtung Schwarzem Meer! Nach ein paar Telefonaten – gottseidank ist hier der Handyempfang prima – kommt nach rund einer halben Stunde der Chef des Campingplatzes und bringt 30 Liter Sprit. Das Abenteuer wärem ja ganz lustig gewesen, wenn es nicht so heiß gewesen wäre und die Sonne nicht so vom blauen Himmel herunter gebrannt hätte. Wir sind froh, als wir wieder im Schatten vor dem Gogolobil sitzen.


Ein wenig Wehmut ist schon dabei, wenn das primäre Ziel der Reise, die Donau vom Beginn bis zum Ende abzufahren, erreicht ist. Andererseits warten auf uns auf der rund zweimonatigen Rückreise sicher noch einige schöne und spannende Touren. Am Abend feierten wir das Ereignis mit einem tollen Abendessen (Lachs, Kaviar, Toastbrot, Melone mit Serano-Schinken, Astzi Muscato,...).






Gleich in der Frühe wird zeitig nach dem Frühstück das Gogolobil startklar gemacht und es geht wieder los über die Wellblechpiste und die enge baumbewachsende Straße. Nur dass dieses mal in der Zwischenzeit ein Baum in der Engstelle umgestürzt ist und die Leute, welche die Stelle zwischenzeitlich passiert haben, vom Baum gerade so ein breites Stück herausgeschnitten haben, dass wir ganz knapp durchkommen ohne anzukratzen. Die uralte rostige Fähre, die uns ans Festland bringt, ist immer noch die gleiche wie vor ein paar Tagen, ebenso der Preis für eine einfache Passage mit 28 Lei (rd. 6,30€).

Unsere weitere Strecke führte uns von Smardan nach Braila. Dort mussten wir wieder auf eine Fähre. Es war ein ewig langer Lkw-Stau vor der Fähre und wir fuhren einem Pkw nach und an den Lkws vorbei, stellen uns vorne an und kamen alsbald ans andere Ufer. Von Braila fuhren wir nach Buzau und Berca auf z.T. Recht schlechten Straßen (schon asphaltiert, aber bereits hundertmal geflickt, mit Löchern und Wellen) zum CP Muddyland. Hier ist – man glaubt es kaum – ein Vulkangebiet (Vulcanii Noroiosi) mit heißen Fumarolen! Das hätte ich in Rumänien nie erwartet. In Island ja, aber in Rumänien? In dem Gebiet soll es immer wieder kleinere Erdbeben geben. Wir haben aber nichts davon bemerkt. Gleich am nächsten Morgen gingen wir auf den Berg ins das geothermische Gebiet und machten ein paar Fotos. Der Weg hinauf vom CP ist nicht weit, so ca. 15 Minuten. Der Eintritt ins Geothermalgebiet kostet 4 Lei pro Person – das wussten wir leider nicht und gingen ohne Geld auf den Berg. Freundlicherweise hat uns der Aufpasser auch so hinein gelassen.

Übrigens: der CP ist recht nett und der Besitzer ist total freundlich und hilfsbereit.








Die Landschaft hat sich jetzt total verändert, es ist jetzt alles hügeliger und es wird auch wieder Wein angebaut. An den Straßenständen gibt es jetzt keine Melonen und Tomaten mehr, sondern Weintrauben rot und weiß. Wir sind über Buzau, Ploiesti, Targoviste und Pitesti nach Curtea de Arges gefahren. Es ist unverändert heiß und selbst die Rumänen sagen, dass sie so eine anhaltende Hitze nicht kennen.


Curtea de Arges ist für uns der Ausgangspunkt für die bekannte Transfagara?an-Höhenstraße, die zu den weltweit 15 schönsten Bergstrecken gehören soll. Aber darüber dann mehr im nächsten Bericht.


Viele in die Heimat


Habe die Ehre

Gogolo

Lancelot am 07 Aug 2015 17:52:16

"Malosol" ... *schluck* ... :gut:
Schönes Abendessen, dem Anlaß (Reisewendepunkt) angemessen :D
Deine Berichte und Fotos haben so was ... *willsofortauchweg*
:wink:

Verratnix am 07 Aug 2015 19:00:25

Eine Frage, bitte.
Hast du vor anschließend ( nach der Transfogarasch) wieder Richtung Osten
zu fahren?

Gogolo am 07 Aug 2015 19:51:42

Ja, wir werden zunächst nach Sibiu-Hermannstadt (sind wir jetzt kurz davor) fahren, dann über Sighisoara nach Brasov (Kronstadt) und von dort weiter den Karpatenring nach Norden. Grobe Richtung, wir sind noch nicht festgelegt in der genauen Route. Wir werden uns treiben lassen. Schon ein wenig die Kirchenburgen und Klöster ansehen (aber nicht zu viele), mehr das Land und die Landschaft geniessen. Wir wollen so gegen den 25. August nach Ungarn ausreisen, denn dann läuft die Vignette ab.


Habe die Ehre

Gogolo

TorstenS am 07 Aug 2015 20:03:21

Hallo Gogolo,

wir haben uns südlich der Transfagarasan kurz zugewinkt. Hoffentlich hat euch das Gewitter nicht in den Bergen getroffen.

Ich muss dich ein ganz klein wenig korrigieren: Die höchste Passstrasse ist die Transalpina, südwestlich der Transfagara. Ist ganz neu gemacht und hat ebenfalls ein prima Panorama. Wir haben gerade beide gefahren.

Wir fahren derzeit irgendwie Zickzack und stehen im Moment am schwarzen Meer, ähnlich wie ihr es gezeigt habt. Deshalb ein großes Dankeschön für die Berichte. Passt genau für unsere weitere Route.

Vielleicht treffen wir uns ja noch mal.


Torsten

Gast am 07 Aug 2015 22:35:13

Hallo, Gogolo

Toller Bericht,wie immer.Nachträglich noch herzliche Glückwünsche für Deine Frau zum Geburtstag.Weiter gute Reise,grüß mir den guten Dracula.

Arno

Verratnix am 08 Aug 2015 01:58:14

Gogolo,
es hätte mich auch sehr enttäuscht wenn du den wohl schönsten Teil von RO ausgelassen hättest.
( obwohl du zugeben musst daß deine Streckenführung schon ungewöhnlich ist).
Tipps geb ich dir keine weil du keine brauchst, sonst melde dich einfach.
Aktuelles gibts in der ADZ am Kiosk oder im Netz. ("Karpatenrundschau") --> Link

Christel am 08 Aug 2015 09:35:56

Auf dem Campingplatz Ananas im ehemaligen Michelsberg vor den Toren von Sibiu hat man einen wunderschönen Blick über die hügelige Landschaft. Im Ort kann man gut essen gehen. Nur die Hunde könnten nachs die Ruhe stören. Die deutschstämmige Campingwirtin ruft einem ein Taxi oder gibt eine Nummer, wenn man nach Sibiu oder ins Freilichtmuseum Astra will. Der Taxifahrer hat sich gleich als Fahrer angeboten zu Festpreisen für kommende Tage. In Michelsberg trifft man noch sehr viele deutsche "Ureinwohner".

Christel

Gogolo am 21 Aug 2015 14:00:20

Die Transfagara?an-Höhenstraße wäre fast einen eigenen Bericht wert. Aber ich kann ja nicht gleich jeden zweiten oder dritten Tag einen neuen Bericht losschicken...Dafür hat es jetzt etwas länger gedauert.

Die Transfogarascher Hochstraße – wie sie auch genannt wird - ist eine Gebirgsstraße, die sich stellenweise abenteuerlich in unzähligen Kurven über eine Strecke von rund 160km durch die Fogarascher Bergwelt schlängelt wobei sie das F?g?ra-Gebirge – eine Gebirgsgruppe in den Transsilvanischen Alpen – überquert. Scheitelpunkt liegt bei 2042m Höhe. Die Straße verbindet das Arge-Tal in der Großen Walachei mit dem Olt-Tal in Siebenbürgen, Der frühere rumänische Herrscher Ceau?escu hat diese Straße befohlen, das behaupten böse Zungen, um angeblich schneller in sein geliebtes Jagdgebiet zu kommen. Nach offiziellen Angaben sollte durch die Straßenverbindung über das Hochgebirge eine schnelle Truppenbewegungen ermöglicht werden. Nach viereinhalbjähriger Bauzeit wurde die Straße am 20. September 1974 eröffnet. Am Bau beteiligt waren Bergleute, Bauarbeiter, Bautechniker, die Mehrheit waren Soldaten. Der Bau der Straße forderte zahlreiche Menschenleben.


Wir haben die Strecke von Süden nach Norden in Angriff genommen. Die Südseite ist bei weitem nicht so spektakulär wie die Nordseite. Sicher sind auf der Südrampe auch einige Haarnadelkurven, aber größenteils fährt man an einem riesigen Stausee in tausenden von Kurven vorbei oder man fährt ohne gute Aussicht im Wald. Erst die letzten Kilometer wird es dann interessanter. Einen kurzen Stopp machten wir noch im unteren Bereich der Straße um einen Blick auf die Festung Poenari zu erhaschen. Hier lebte Vlad Tepes Dracula, bzw. hielt sich mehrfach hier auf. Wir fotografierten nur von unten, denn auf die 1480 Stufen hinauf zur Festung verzichteten wir.










Am Scheitelpunkt der Höhenstraße ist ein Tunnel und auf der anderen Seite – uns hat fast der Schlag getroffen – sind hunderte von Verkaufsbuden und tausende von Touristen auf zwei großen Parkplätzen. Der Lac Balea ist zwar auch gleich in der Nähe, aber wir haben uns einen Stopp zunächst verkniffen. Der Rummel war uns viel zu groß. Am nächsten Morgen fuhren wir von der Nordseite nochmals ein paar Kilometer hinauf und haben uns dann diese Stelle angesehen. Da waren dann viel weniger Menschen. Das nachstehende Bild wurde am nächsten Morgen aufgenommen, da zu diesem Zeitpunkt viel weniger Menschen dort unterwegs waren.









Wir kauften an den Ständen noch etwas Schafswurst und eine rumänische Spezialität der Schafshirten, „Bulz de Mamaliga cu Carnat“ genannt. Das sind Polentakugeln, die mit Schafskäse gefüllt sind und mit Alufolie umwickelt gegrillt werden. Dazu gibt es Schafswurst. Na ja, etwas gewöhnungsbedürftig das Ganze. Der Schafskäse im Inneren der Polentakugeln hat mir am besten geschmeckt. Die Schafswurst war auch recht gut. Aber die Polenta mache ich wesentlich besser. Diese hier war zu trocken und zu wenig würzig.







Das mit dem zurück fahren am nächsten Morgen war ganz einfach, denn wir haben nur rund hundert Meter unterhalb des Scheitelpunktes an einer ganz spektakulären Stelle gehalten und auch übernachtet. Eigentlich haben wir ursprünglich gleich in der Nähe neben der Straße in einer Wiese einen schönen, geraden Übernachtungsplatz gesehen. Beim herumgehen habe ich dann „unseren“ Platz entdeckt, und obwohl dieser als Halte- und Fotobucht gleich neben der Straße liegt unser Gogolobil umgesiedelt. Das war eine weise Entscheidung, denn am Spätnachmittag ist die Polizei gekommen und hat alle Wiesenparker aufgefordert, den Platz zu verlassen. Offensichtlich weil die Wiese Weideland für die Schafe ist. Das haben wir später von einer Wohnmobilbesatzung erfahren, die von der Polizei „vertrieben“ worden ist.

Wir dagegen blieben unbehelligt und konnten auch weiter dort stehen – und übernachten. Der Straßenverkehr nahm am Abend ziemlich ab und es war eine ruhige Nacht. Warum dieser Platz sooooo schön war, zeigen sicherlich die nächsten Bilder, die eigentlich jeder Tourist von dieser Stelle aus macht, der die Transfagara?an befährt. Wir hatten diesen Blick beim nachmittäglichen Kaffee trinken, beim Abendessen und beim Frühstück aus dem Gogolobil. Auch war genügend Platz um Stühle hinaus zu stellen und die Aussicht zu genießen. Gigantisch!

Blick von ganz oben auf die Transfagara?an (gelber Pfeil: unser Stellplatz):






Unser Stellplatz:





Unser Blick aus dem Gogolobil:






Noch etwas erfreuliches: nach dem Abendessen habe ich - spaßeshalber - probiert, ob die Truma-Heizung wegen des warmen Wassers für den Abwasch wieder funktioniert. Und siehe da, ich traute meinen Augen nicht, sie funktionierte wieder. Warum und wieso = unbekannt. Und wie lange sie funktionieren wird = ebenso. Also gibt es voraussichtlich morgen früh warmes Duschwasser! Trotzdem lasse ich die Heizung eingehend bei Truma durchchecken, damit wir bei unserer Überwinterungsreise (voraussichtlich nach Marokko) keine unangenehme Überraschung erleben.

Die Transfagara?an wird oftmals auch mit der Trollstigen in Norwegen verglichen. Beides sind spektakuläre Straßen, aber die Transfagara?an ist wesentlich leichter zu befahren, weil die Straßenbreite viel größer ist. Ausblicke haben beide Straße mindestens genau so gute. Die Steigung bzw. das Gefälle ist auf beiden Seiten moderat, d.h. leicht auch mit Anhänger zu befahren. Auf der Transfagara?an gibt es viele Stellen, wo man problemlos anhalten und auch nächtigen kann. Man sollte sich aber hüten, in Wiesen zu fahren, mögen sie noch so schön und die Aussicht so toll sein. Man kann es natürlich probieren, sollte aber auf alle Fälle einen Übernachtungsplan „B“ parat haben (dies gilt bei jeder „freier“ Übernachtung gleichermaßen).

Nach der Besichtigung der Pass-Scheitelhöhe fuhren wir in vielen Kurven und Kehren Richtung Norden ins Tal hinunter. Gleich wurde es wieder sehr, sehr warm. Oben im Gebirge hatten wir eine Tagestemperatur von angenehmen 20° und nachts kühlte es auf 15° ab. Jetzt sind wieder über 30° Hitze im Tal.

Wir standen auf dem CP „de Oude Wilg“ in Câr?a (Kerz), der unter niederländischer Leitung ist. Ein recht gepflegter Platz! Hier bleiben wir mal wieder zwei Nächte, denn es sind noch „knechtliche“ Arbeiten zu verrichten wie Wäsche waschen, Solarpaneele und Dachlukenventilator reinigen, Gogolobil sauber machen, usw. Und die Füße wollen auch mal hochgelegt werden.

Ich habe gemerkt, dass wir aufgrund der Umplanung mit unserer Tour länger in Rumänien sein werden als gedacht. Also habe ich im Internet auf --> Link eine weitere Wochenvignette für Rumänien gekauft. Die Bestellung und die elektronische Bestätigung war ganz problemlos und einfach. Die Wochenvignette kostete rd. 3€.

Hier in Câr?a sehen wir unsere erste Kirchenburg. Wir befinden uns jetzt im sogenannten Siebenbürgener Kirchenboden, und dieses doch recht große Gebiet werden wir uns in nächster Zeit etwas näher ansehen.

Eigentlich ist diese Kirchenburg in Câr?a nicht nur eine Kirchenburg, sondern es sind die Überreste einer ganzen Zisterzienserabtei aus dem 13. Jahrhundert. Schwere Überfälle von Türken, Tartaren und anderen Barbaren haben das Kloster immer wieder stark beschädigt. Heute stehen nur noch der Chor und die Vierung. Vom Langbau und den Nebengebäuden sind nur noch Reste vorhanden.







Sibiu/Hermannstadt war unser nächstes Ziel. Sibiu ist eine bedeutende Stadt in Siebenbürgen und war 2007 zusammen mit Luxemburg Kulturhauptstadt Europas. Im historischen Siebenbürgen bildete Hermannstadt das Oberzentrum im wichtigsten Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. Es gibt sehr viele Sehenswürdigkeiten in dieser schönen Stadt, angefangen mit dem „Großen Platz“, genannt Piata Mara.













Wir machen in den nächsten Tagen im Siebenbürgener Kirchenboden eine Kirchenburgentour und schauen uns einige der dortigen zahlreichen Kirchenburgen an. Die Namen sagen sicher nur denjenigen etwas, der schon einmal da war oer sich dafür interessiert. Ich werde daher auch keine Namen nennen, sondern ausgewählte Bilder der Kirchenburgen für sich sprechen lassen. Ausgangspunkte dafür waren die Campingplätze in Cârta/Kerz, Blâjel und Sighisoara.


Eine architektonisch „lustige“ Kirche am Wegesrand in der Provinz:




Ein kleiner Auszug aus den vielen Bildern der Kirchenburgen















Gleichzeitig mit uns war auch eine Gruppe italienischer Wohnmobile unterweges und wir haben sie zumindest an einem sehenswerten Ort „genossen“. Sie benahmen sich, als wenn nur sie alleine unterwegs wären. Von Pietät in den Kirchen keine Spur. Wir haben uns alsbald wieder entfernt, denn mit solchen Wohnmobilisten mögen wir nichts zu tun haben.

Lediglich Sighisoara möchte ich noch besonders erwähnen. Wir standen mit dem Gogolobil weit oberhalb des Ortes beim Hotel Vila Franca hatten von dort einen schönen Ausblick auf den Ort. Mit dem Taxi ließen wir uns für wenige rumänische Lei in das Zentrum der Altstadt fahren. Taxifahren ist in Rumänien gnadenlos günstig!

Die außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Oberstadt gilt als geschützes Kleinod und Weltkulturerbe der UNESCO. Sie ist eine von einer Wehrmauer komplett umschlossenen Zitadelle.


















Durch landschaftlich sehr schöne Strecken fuhren über Viscri/Deutsch-Weißkirch nach Brasov. Unterwegs waren immer wieder Zigeuner zu Fuß und mit Pferdewagen zu sehen. Alle waren sehr freundlich und zum Teil winkten sie uns zu. Die Straßen waren allerdings „rumänisch“, d.h. mit vielen tiefen Löchern und Ausbesserungen, welche die Fahrbahn sehr wellig und ruppig machten. Ein Schnitt von 40-50 km/h war das Maximum des Erreichbaren. Große Strecken können so nicht bewältigt werden und das muss man wissen, wenn man die Tagesetappen plant.

Und in Brasov begann das „Elend“ der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Aber davon dann mehr im nächsten Bericht...


Bis dahin viele in die Heimat

Habe die Ehre

Gogolo

macagi am 21 Aug 2015 21:30:40

Wieder schöne Bilder, und noch echtes Abenteuer. Noch richtig ursprünglich. Bis ich mal dorthin komme ist das bestimmt verschwunden.

Allerdings hat es mit Pietätlosigkeit wenig zu tun, wenn die Leute in der Kirche normal reden. Ich glaube wir Deutsche dürften zu einer Minderheit weltweit gehören denen dort das Flüstern eingetrichtert wurde. Gerade Italiener sind oft sehr fromme Leute.

Gogolo am 21 Aug 2015 21:57:42

Ich habe ja gar nicht gegen normales reden in der Kirche. Aber wenn sich die Anführerin der italienischen Wohnmobilisten in der Kirche auf die Stufen dieses Altars!!! stellt



und eine Viertel Stunde lang den Mitgliedern lauthals die Geschichte des Ortes erzählt obwohl auch Gläubige in der Kirche gebetet haben, dann ist dies in meinen Augen Pietätlosigkeit und Ungezogenheit. Eine andere (einheimische) Gruppe hatte sich vorbildlich im Rückraum der Kirche für derartige Erklärungen versammelt.


Habe die Ehre

Gogolo

macagi am 22 Aug 2015 09:49:49

Dem würde ich allerdings auch zustimmen!

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