Anreise
Um erst einmal auf die Insel zu kommen, braucht es eine Fähre oder einen Zug durch den Euro-Tunnel. Einen Preisvergleich der Möglichkeiten gibt es --> Link
Insgesamt scheint die Fähre gegenüber dem Zug immer noch preislich deutlich im Vorteil zu sein, und man sieht bei der Ankunft die berühmten weißen Klippen von Dover, wenn man vor hat das Land im Süden von England zu betreten.
Geld
Englische bzw. schottische Pfund (die Bank of Scotland druckt eigene Scheine) habe ich mit der Visa-Kreditkarte direkt aus dem Geldautomat vor Ort geholt. Direkt-Banken, wie die comdirect, bieten solche Karten nicht nur kostenlos an, sondern auch das Geldabheben im Ausland ist damit kostenfrei zum festgesetzten Wechselkurs. In GB konnte ich überall mit Bargeld bezahlen. Die Kredit-Karte habe ich lediglich noch für Online-Transaktionen benötigt (Mitgliedschaft English Heritage, Caravan Club, Aufladung Internet Prepaid-Karte).
Land & Leute
Ungewohnt und unschön sind in England die vielen "Private Property"-Schilder, die dafür sorgen, dass man die ohnehin knappen Feldwege nicht zum Spaziergang nutzen darf. Zum Glück gibt es aber einige "Public Footpath", die dann aber teilweise wirklich mitten durch die Vorgärten führen ...
In Schottland verändert sich dann die Situation. Hier hat der Spaziergänger das Recht, auch Privatland zu betreten, ähnlich dem Jedermannsrecht aus Skandinavien. Nur der Sumpf schränkt hier die Freiheit des Wanderers ein ;-)
Die Menschen selber sind reizend, nett und aufgeschlossen. Überall wird man zu einem kurzen Plausch "eingeladen". Der Brite entschuldigt sich wirklich für alles und jedes, sodass ich oft gar nicht recht wusste, was ich darauf erwidern sollte. Rüpel gibt es natürlich überall, aber insgesamt ist es ein sehr angenehmer Umgang, sodass ich die Inselbewohner in mein Herz geschlossen habe.
Etwas reservierter, aber nicht unfreundlich sind hingegen die Schotten - auch hier erinnern sie mich sehr an die Skandinavier.
Straßen & Verkehr
An das Linksfahren gewöhnt man sich bereits nach der ersten Ausfahrt. Es kommt zwar mal wieder vor, dass man für den Bruchteil einer Sekunde einen "Rechtsdrall" bekommt, aber spätestens das nächste entgegenkommende Fahrzeug erinnert einen.
Ungewohnt sind zunächst die allgegenwärtigen Kreisel, die teilweise recht komplexe Formen annehmen können. Die Straßenführung erinnert dann an keltische Knotenmuster ;-). Ein sehr schönes Beispiel für vollendete Kreiselkunst ist der „Magic Roundabout in Swindon“:

Eine "Gebrauchsanweisung" zum Kreisverkehr von Swindon, untermalt mit britischen Humor, findet man --> Link :lach:
Für die einfacher strukturierte Kreisel habe ich folgende allgemeine Tipps: Führen mehrere Spuren auf den Kreisel und diese tragen keine Beschriftung, hält man sich generell auf der linken Spur, wenn man bei der nächsten Gelegenheit wieder ausfahren will, ansonsten die rechte Spur (bei der Einfahrt darf dann auch rechts geblinkert werden, aber vor der Abfahrt dann wieder links blinkern!). Allerdings bitte nur dann auf den Kreisel auffahren, wenn dieser komplett frei ist, auch wenn man nur die äußere Spur nutzen will, denn Blinken tun nur die wenigsten auf dem Kreisel.
Die Kreisel funktionieren insgesamt sehr gut, sodass man in GB verhältnismäßig wenigen Ampeln begegnet. Bei stark befahrenen Kreiseln kommen Ampeln zusätzlich zum Einsatz und vor allem in größeren Städten geht es nicht mehr ohne. Dabei ist ungewohnt, dass Ampeln doppelt aufgestellt werden: jeweils vor und hinter der Kreuzung. Für Alkovenfahrer sehr angenehm, wenn man direkt vor einer roten Ampel steht und den Kopf nicht verdrehen muss, da man auf die Ampel hinter der Kreuzung schauen kann. Komisch wird es aber dann beim Abbiegen, wenn man dann direkt mit einer roten Ampel konfrontiert wird, aber dieses Signal gilt ja dem Verkehr von der Seite. Noch unbehaglicher wurde es mir, wenn ich eine Ampel bei Gelb genommen habe, denn die zweite Ampel ist dann beim Passieren bereits knallrot. Was tun? Auf der Kreuzung vor der Ampel stehen bleiben? Eher nicht, also bei Rot über die Ampel?! Einen "guten Deutschen" kostet das schon Überwindung :wink:
Und ja, die Straßen sind eng! Und ja, viele Briten sind rücksichtsvoll, aber es gibt immer wieder genug, die ungebremst auf die Engstelle zuhalten, wie das Kasten-Womo, das mir auch den Spiegel abrasiert hat (und ungerührt weitergefahren ist). Das Fahren auf den engen Straßen ist deshalb sehr anstrengend: Die linken Reifen müssen stets auf dem Seitenstreifen fahren, damit der rechte Außenspiegel nicht auf die andere Fahrbahn ragt. Befinden sich dann meterlange Schlaglöcher am Fahrbahnrand können LKWs und Busse im Gegenverkehr ganz schön nervenzerrend werden.
Nachdem ich mir den Spiegel angeschlagen hatte, besitze ich nun auch diese Protector-Schalen für die Außenspiegel. In England gehören sie bereits quasi zur Standardausstattung, vor allem bei Miet-Womos habe ich sie oft gesehen.
Die englische Antwort auf die engen Straßen ist das Bedford Bambi Womo:

Aber es geht noch kleiner, ich habe auch Womo’s auf PKW-Basis in England gesehen.
Entspannter sind die sog. Single-Track-Roads mit Ausweichbuchten. Hier ist klar, dass keine zwei Fahrzeuge ohne weiteres aneinander vorbei passen und man begegnet sich weit umsichtiger.
In England hatte ich mit dem Womo fast täglichen Kontakt mit der Vegetation am Straßenrand. Obwohl das Grünzeug oft dornenbesetzt war, habe ich aber verhältnismäßig wenig Kratzer davon getragen. Die Mauern sind da wohl weniger nachgiebig. In Schottland sind die Straßenränder freier, aber Schlaglöcher oder Sumpf verhindern oft ein Befahren. Doch durch die freie Sicht ist das Fahren auf schottischen Straßen weit entspannter.
Navigationsgeräte
Es gibt zwei Besonderheiten, auf die ich eingehen möchte: Oft hat man als Navigationsziel nur die Postleitzahl, die aus einer sieben bis achtstelligen Folge von Ziffern und Buchstaben und in der Mitte aus einem Leerzeichen besteht, z.B. "IP28 6LR". Manche Navis bestehen auf dieses Leerzeichen, bei anderen kann man es gar nicht erst eingeben. Mit der PLZ kommt man jedenfalls bereits ziemlich genau ans Ziel, aber nicht so punktgenau wie mit Koordinaten. Hausnummern gibt es äußerst selten, die Häuser tragen stattdessen Namen, die das Navi aber nicht kennt ;-)
Ein anderer Punkt betrifft die Routenwahl der Navis, der man nicht blind folgen sollte, sondern man sollte die berechnete Route mit der Straßenkarte abgleichen und während der Fahrt eher der Beschilderung, als dem Navi folgen. Wir taten das auf der Fahrt nach Penmon (Anglesey/Wales) nicht und das Navi hat uns durch die grüne Hölle geschickt: Ein Tunnel aus Dornen und abgebrochenen Ästen, die gleichzeitig von links, rechts und oben über das Womo geschrappt sind...
Auch hätte ich mir die Fahrt durch die Innenstadt von Aberdeen zum Feierabend-Verkehr lieber erspart.
Tanken
Das Tankstellennetz ist sehr dicht, auch LPG findet man regelmäßig, wenn dann der Adapter passt. Diesel kostet auf der Insel etwa genauso viel wie Benzin. Der Preis in Pfund entspricht etwa dem in Deutschland in Euro. Diesel heißt auch in England Diesel, in Frankreich Gazole.
Übernachtung & Parkplätze
Stellplätze gibt es in UK sehr wenige, eine schmale Sammlung findet sich --> Link
Das Freistehen ist in England nicht ohne Hürden, aber vereinzelt durchaus möglich. Dieses Forum befasst sich u.a. mit diesem Thema: --> Link
Eine Kartenübersicht mit möglichen Freistehmöglichkeiten gibt es --> Link
Mit obigen Links habe ich allerdings keine praktische Erfahrung, erste Quelle für Übernachtungsplätze waren für mich die beiden Bände des Womo-Verlangs "England" und "Schottland", wobei man gerade beim England-Band im hauseigenen Forum nach Kommentaren schauen sollte, denn sehr viele angegebene Plätze lassen kein Übernachten zu.
Insgesamt stellt sich die Situation in England, Wales und Schottland sehr unterschiedlich dar. Während es in England und vor allem in Wales sehr oft heißt: "No Overnight Parking", hat man in Schottland sehr viele Möglichkeiten frei zu stehen.
Dann gibt es noch die Möglichkeit von Britstops: --> Link
Gegen eine Jahresgebühr (ca. 50 Euro) erhält man ein Verzeichnis von über 500 Gastgebern, die Übernachtungen für Womos gestatten, Farmen oder Pubs, wobei letztere deutlich überwiegen. Das Übernachten ist kostenlos, aber die Gastgeber freuen sich natürlich über Kundschaft. Unabhängig davon werden die meisten Pub-Besitzer nach einer Einkehr einer Übernachtung auf dem eigenen Parkplatz zustimmen, aber mit Britstops hat man zumindest schon mal einen Anlaufpunkt.
Auf öffentlichen Parkplätzen werden gelegentlich verschiedene Maßnahmen getroffen, die eine Übernachtung oder gar nur ein Parken mit dem Womo verhindern:
- Absperren der Parklätze über Nacht
- Hinweis, dass "Overnight stay" im geparkten Fahrzeug verboten ist
- ein generelles Verbot von Overnight Parking
- oder gleich ein Höhenbeschränkungsbalken (zum Glück eher sehr selten)
Insgesamt wird für das Parken in England recht oft eine Gebühr erhoben, meist in der Form von Park&Display, d.h. man zieht sich am Automaten ein Ticket und legt es hinter die Windschutzscheibe. Dabei sollten so viele Tickets gezogen werden, wie das Womo an Parkplätzen einnimmt. Daher ist es besser den Hecküberhang über dem Rasenseitenstreifen zu parken.
Eine geniale Seite zur Parkplatzsuche mit den jeweiligen Regulatorien für die entsprechenden Parkplätze ist --> Link
Campingplätze gibt es in UK flächendeckend. Ein umfassendes Verzeichnis gibt es --> Link
Eine Nacht im Womo mit zwei Erwachsenen kostet um die £20.
Darüber hinaus bietet der Camping & Caravan Club (--> Link) bzw. der Caravan Club (--> Link) sog. Certificated Sites/Locations. Kleine Plätze mit einfacher Infrastruktur zu einem relativ geringen Preis (um die £10). Für mich die perfekte Option zum Campingstuhl auspacken und zum Ver- und Entsorgen. Offiziell dürfen nur Mitglieder des jeweiligen Clubs diese Plätze anfahren (Jahresmitgliedschaft ca. 80€).
Zusammengefasst haben wir 10 Nächte auf einem Bezahl-Parkplatz/Stellplatz übernachtet, 11 Nächte bei Britstop, 10 Nächte auf Campingplätzen (CP) bzw. Certificated Locations (CL) und 51 mal frei gestanden.
Ver- und Entsorgung
Frischwasser: haben wir immer an CP/CL getankt. Meist konnten wir den Schlauch anschließen, aber gelegentlich musste auch unsere Gießkanne zum Einsatz kommen. Freie Wasserhähne gibt es kaum. Generell ist das Wasser von Nord bis Süd stark gechlort. Zum Kochen habe ich es verwendet, zum Trinken mussten wir leider auf Plastik-Flaschen aus dem Supermarkt zurückgreifen.
Abwasser: Entsorgung ist auch nur an CP/CL möglich. Unbedingt Eimer zum Ablassen mitnehmen, da es im Boden eingelassene Ausgüsse eher selten gibt. Der Engländer ist eher im Wohnwagen als mit dem Wohnmobil unterwegs, entsprechend ist die Infrastruktur ausgerichtet. Davon unabhängig findet man eigentlich fast überall (meist sehr saubere) öffentliche Toiletten. Bezieht man diese regelmäßig mit ein, kann die eigene Toiletten-Kassette stark entlastet werden.
Müll-Recycling: Das Recycling-System ist landesweit nicht einheitlich geregelt. Meist gibt es an Supermärkten lediglich Altglas-Container. Papier, Metall und Plastik wird meist in privaten Tonnen gesammelt. Daher ist deren ordnungsgemäße Entsorgung oft nur auf CPs möglich, wenn öffentliche Container fehlen.
Lebensmittel: Es gibt verschiedene Ketten und uns macht es immer besonderen Spaß zu entdecken, was im jeweiligen Land so gegessen wird. Besonders gut haben uns die großen Niederlassungen von Sainsburys, Tesco oder COOP gefallen, weil man hier auch etwas Bio bekommt und die eigene "Bäckerei" ziemlich leckere Sachen anbietet. Unsere Favoriten: Sauerteigbrot, Doughnuts mit Marmeladenfüllung, Rhabarber-Pie, Scones und aus der Kühltheke Lemon-Cheesecake. Dann gibt es noch die üblichen Aldi und Lidl, aber die besuche ich auch in Deutschland selten.
Supermärkte werden nicht wie beispielsweise in Frankreich offensiv angekündigt und liegen auch nicht immer an den Hauptverkehrswegen.
Eine große Hilfe war der Navigator Free von mapFactor der Karten von OpenStreetMaps verwendet. Hier sind auch alle möglichen Points Of Interests (POIs) verzeichnet: Supermärkte, aber auch Parkplätze. Auch nehme ich das Programm sehr gerne auf dem Pocket-PC zum Wandern mit.
Bäcker und Metzger gibt es relativ wenige, dafür gibt es entlang der Landstraßen etliche Farm-Shops, die regionale Produkte anbieten. Es lohnt sich auch, sich nach den Wochenmärkten zu erkundigen.
Nützliches und unnützes im Gepäck
Aufgrund des unbeständigen Wetters sind das Kanu und der Grill gar nicht zum Einsatz gekommen, Fahrräder und Campingstühle sehr selten. Bewährt hat sich eine Anfahrhilfe, da bei den CL/CP oft auf nasser Wiese gestanden werden muss. Am besten das Womo so abstellen, dass zum Verlassen nur bergab gerollt werden muss. Bewährt hat sich auch das Panzertape, um meinen Außenspiegel wieder zusammenzuhalten.
Gefehlt haben uns Gummi-Stiefel und eine regendichte Hose, vor allem in Schottland, das sehr sumpfig und feucht ist.
Hund
Inzwischen ist die Einreise mit Hund dank EU ziemlich einfach: --> Link. Der Hund braucht den int. Impfpass, einen Chip, eine gültige Tollwutimpfung und eine eingetragene Bandwurmkur (zwischen 1 und 5 Tage alt). Bei der Einreise musste ich den Chip bei meinem Hund eigenhändig einlesen - wenn möglich am besten schon mal beim Tierarzt üben.
Während der kurzen Überfahrt nach Dover kann und muss der Hund im Fahrzeug bleiben. Bei den längeren Fährfahrten in den Norden muss in der Regel ein Transportkäfig gemietet werden.
Die Engländer sind selber große Hundefreunde und herrlich entspannt im Umgang. Die Hunde laufen meist ohne Leine und dürfen sich begrüßen. Auch wird meist eher an den gesunden Menschenverstand appelliert, als Leinenzwang vorgeschrieben.
In Schottland wiederum ist es üblich, den Hund an der Leine zu führen, und entsprechend häufiger begegnet man auch verhaltensauffälligen Kläffern, obwohl Halter nur im Frühjahr/Frühsommer angehalten sind, die Hunde auf Weiden an der Leine zu führen.
Beim Thema Hundekot sind die Engländer sehr strikt. Überall findet man Aufforderungen, die Hinterlassenschaften einzusammeln. Das erstreckt sich sogar auf Felder und Wälder fernab von allem. Bei Unterlassung wird mit einer Geldstrafe von bis zu £1000 gedroht. Beutelspender findet man allerdings äußerst selten, also besser von zu Hause aus gut eindecken.
Zecken gibt es erfreulicherweise recht wenige, eher in Schottland, vor allem im Osten.
Besichtigung
Es gibt so viel zu sehen in GB, das meiste kostet allerdings Eintritt und das nicht zu knapp. Für unseren längeren Aufenthalt hat sich daher eine Jahresmitgliedschaft bewährt, wobei man im Wesentlichen die Wahl zwischen English Heritage (EH) oder National Trust (NT) hat. Als Mitglied hat man kostenlosen Zugang zu den verwalteten Einrichtungen. EH legt seinen Schwerpunkt auf prähistorisches und historisches, wie Kammergräber und Burgen, hingegen NT vorwiegend Schlösser, Gärten und Natur im Programm hat. Da wir an früher Geschichte interessiert sind, haben wir uns für EH entschieden, zudem die Natur-Spots des NT, wie die Weißen Klippen von Dover, ohnehin frei zugänglich sind. Die Jahresmitgliedschaft des EH kostet für die gesamte Familie £88. Man bekommt noch ein Buch aller Einrichtungen, das bereits als Reiseführer dienen kann, und erhält ermäßigten Eintritt zu Historic Scottland und Cadw, die entsprechende Organisation in Wales (Irland und Neuseeland sind wiederum frei ;-). Unterm Strich hat uns die Mitgliedschaft mehr als £100 Ersparnis gebracht.
Internet & Kommunikation
Fürs Internet hatte ich mich für eine Karte von drei.at entschieden, ich hatte bereits berichtet: --> Link. Insgesamt wohl die günstigste Prepaid-Karte und von den Highlands abgesehen, hatte ich meist sehr gute (UMTS) Verbindung. Das Paket verlängert sich immer automatisch, wenn Guthaben aufgebucht ist. Das Geld fehlt allerdings bereits zwei Tage vor Ablauf.
Fazit
Insgesamt haben wir knapp 12 Wochen in Großbritannien verbracht, davon fünf Wochen in England, sechs in Schottland und eine in Wales. Von den Menschen her hat uns England am besten gefallen. Kaum irgendwo findet man nettere oder angenehmere Menschen. Die Leute in Wales und Schottland wirkten auf uns etwas verschlossener. Das mag zum einen in der Geschichte begründet liegen und zum anderen darin, dass beide Länder sehr stark touristisch frequentiert sind. Vor allem Wales ist sehr beliebt, was es uns paradoxer Weise erschwert, es zu lieben: Es wird noch viel enger, es gibt mehr Menschen und Gedränge. Allerorts findet man Reglementierungen, um die Massen zu lenken. Parkplätze kosten Geld und das "No Overnight Parking"-Schild gehört zur Standardausstattung. Mir hat es einfach zu sehr an Freiheit gefehlt, um mich wirklich wohl zu fühlen (so haben wir es Anfang September erlebt). Ja, Wales ist unbestritten schön, aber es hat nicht unbedingt mehr zu bieten, was man nicht auch auf dem Rest der Insel finden könnte. Daher wird für uns ein Wiedersehen mit Wales eher unwahrscheinlich sein.
Wie in Wales geht es auch auf Englands Straßen eng zu, was das Fahren sehr anstrengend macht und wenn mal wieder die Hecke am Womo entlangkratzt, frage ich mich schon verärgert, warum die Engländer es nicht schaffen, ihre Hecken wenigstens etwas zurückzuschneiden. Der Engländer als solcher scheint offenbar sehr unter Angst zu leiden. Es gibt kaum ein Haus ohne Alarmanlage, überall findet man Schilder "Neighbourhood Watch", "Farm Watch" oder "You are watched!". Und in der Tat findet man auch überall Überwachungskameras, und das Nummernschild wird an „jeder Ecke“ aufgenommen und elektronisch ausgewertet, selbst wenn man nur auf den Supermarktparkplatz fährt. Neben dieser Überwachung nerven auch die Schilder "Private Property" oder "Keep Out!". Da kann man schon Beklemmungen bekommen. Trotz aller Paranoia sind die Engländer aber wie gesagt ganz reizend. Fernab der stark frequentierten Touristenziele hat man auch mehr Raum, und es gibt so viele kulturelle Schätze zu entdecken, dass wir in England sicherlich wieder verweilen werden.
In Schottland weichen die Hecken von den Straßenrändern, der Blick weitet sich und bleibt an den Hügeln und Bergen der Highlands haften. Schottlands Landschaft ist unglaublich schön. Egal ob Dünen und Strände, Klippen und Berge - das ist eine Landschaft, die man erleben muss, kein Foto kann das Gefühl vermitteln. Nach dem fast schon bedrückenden England weht hier oben der Wind der Freiheit - aber leider auch des Regens - Sonne haben wir nicht viel gesehen. Aber es gab auch nie lang andauernden Regen, sodass wir schon bald Frieden mit dem Wetter schließen konnten. In Schottland haben wir uns verliebt und wir wollen unbedingt zurückkehren. Vielleicht dann etwas früher im Jahr, wenn die Papageientaucher noch an der Küste sind ;-)




