Und wieder geht es nach Schottland. Der letzte Winterurlaub in den Highlands hat uns so gut gefallen, dass wir es dieses Jahr sofort wiederholen wollen. Um besser nachvollziehen zu können, wie unsere Tour verlaufen ist hier eine kleine Darstellung:
unsere Route durch England
und unser Weg durch Schottlan
Am Montag vor Weihnachten holen wir unsere Tochter Paula pünktlich um 13:15 Uhr von der Schule ab und machen uns auf den Weg nach Dünkirchen. Die Ferien beginnen für uns glücklicherweise einen Tag früher, der „freie Tag“ wird im Januar durch „Den Tag der offenen Tür“ an der Schule nachgeholt. Das Wetter ist super und wir kommen gut voran. Selbst auf dem Ring um Brüssel ist kein Stau und wir erreichen kurz vor fünf Dünkirchen.
freie Fahrt duch Belgien
Wir haben uns diesmal für die Überfahrtmit der DFDS von Dünkirchen aus entschieden. Wir hoffen, dass die Kontrollen wegen der Flüchtlingssituation in Calais in Dünkirchen nicht so lange dauern werden. Bei unseren letzten Überfahrten von Calais haben wir eine halbe Ewigkeit am Zoll warten müssen.
In Dünkirchen wird natürlich auch kontrolliert und es wird wirklich in jeden Schrank geschaut, aber es geht doch einigermaßen zügig vonstatten. Das Einzige was uns - bzw. Uschi - ein wenig Sorge bereitet, ist der Wind. Schon auf der Fahrt durch Belgien wurde das Auto von heftigen Windböen durchgeschüttelt und hier am Kanal ist es richtig stürmisch. Die P&O meldet Wetter bedingte Störungen im Fährbetrieb.
der Hafen von Dünkirchen
Um kurz nach 17:00 Uhr dürfen wir auf die Fähre, die dann auch pünktlich um 18:00 ablegt. Es ist wirklich stürmisch und recht rau auf dem Kanal. Es dauert nicht lange und die ersten Gläser fallen aus den Regalen. Vom Kapitän werden wir aufgefordert sitzen zu bleiben und nur in dringenden Fällen über die Gänge zu laufen. Hält sich natürlich nicht wirklich einer daran. Die Fähre ist sowieso recht leer und man ist z.B. im Board-Shop der einzige Kunde.
Im strömenden Regen erreichen wir die Insel und fahren sofort nach St. Margaret’s at Cliffe zu unserem “Pub” dem Coastguard. Es schüttet wie aus Kübeln und durch den immer noch heftigen Wind werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Am Coastguard ist nichts los und wir dürfen uns natürlich wieder auf den Parkplatz zum Übernachten stellen. Wir sollen nur weit genug vom Zaun weg bleiben, weil sonst bei der stürmischen Brandung die Kieselsteine vom Strand gegen das Auto geworfen werden. Nach Umstellung des Autos und der Beseitigung der ersten Kiesel genießen wir dann ein leckeres Abendessen mit einem köstlichem und gut gekühltem Pint Lager.
Wir wachen am nächsten Morgen früh auf. Es ist immer noch sehr stürmisch aber zum Glück hat es aufgehört zu regnen. Wir beeilen uns vom Parkplatz zu kommen, müssen aber doch vorher noch das Spektakel genießen, das der Sturm und die Wellen uns bieten.
stürmisches Wetter am Coastguard
Paula findet es toll
Wir kommen gut voran und bewundern auf der Autobahn den optimierten Transport von defekten Fahrzeugen.
Um 14:00 machen wir einen Zwischenstopp in Preston und fahren mit dem P&R Bus für 1Pfund in das Städtchen, um ein wenig britischen vorweihnachtlichen Einkaufsflair zu genießen. Wir schlendern was durch die schönen Passagen und besorgen uns bei Vodafone eine Telefonkarte. Ich darf mich jetzt ja nicht zu weit aus dem Fenster legen. Mein Bericht bzw. meine Darstellung der englischen Weihnachtsbräuche im Bericht vom letzten Jahr wurde in einem englischen Wohnmobilforum falsch verstanden und kritisiert.
Zur Begrüßung schenkt uns Vodafone dann noch 50GB Datenvolumen, das bedeutet für uns, dass wir den Rest des Urlaubs nur noch Radio streamen werden. Natürlich schauen wir uns auch die angeblich zweit größte Busstation Europas an. Ein absoluter Bauirrsinn, aber inzwischen ist das Gebäude allerdings sogar bei English Heritage gelistet. Es ist vollkommen an den Bedürfnissen vorbeigeplant worden. Ich habe Uschi die Bücher „Nothing to see here“ und „Northern Delights“ vom pocket mountains Verlag geschenkt - zwei Reiseführer, die genau solche „Sehenswürdigkeiten“ beschreiben.
Preston Bus Station
schöne Einkaufspassagen
Um kurz vor fünf sind wir wieder beim Auto und machen uns auf den Weg nach Schottland. Wir wollen es wieder bis nach Moffat schaffen. Wir wissen vom letzten Jahr, dass dort der CP geöffnet hat und wir im Dorf mit seinen zahlreichen Pubs auch etwas zu Essen bekommen. Während der Fahrt rufen wir beim CP an und melden uns als late arrival an. Sicher ist sicher, denn das office macht im Winter früher zu. Kurz nach sieben erreichen wir das voll illuminierte Örtchen und bekommen für geschmeidige 28 Pfund einen Platz auf dem CP zugewiesen. Auf diesen preislichen Schock brauchen wir erst mal ein Bier und suchen uns im Ort einen Pub zum Essen. Fündig werden wir im angeblich schmalsten Hotel der Welt - The Star Hotel. Früher wurden die Steuern nach der Hausfrontbreite berechnet. Dieses Hotel hat deshalb nur eine Breite von 6 Metern, aber eine Tiefe von 50 Meter.
Moffat
Unser nächstes Ziel hier in Schottland ist die Insel Mull, die zweit größte Insel der Inneren Hebriden. Diese Insel wird häufig zugunsten der nördlich liegenden Insel Skye von den meisten Touristen gemieden. Völlig zu Unrecht, denn auch die Mull bietet tolle Landschaften und jede Menge Sehenswürdigkeiten. So fahren wir am Loch Lomond vorbei nach Oban. Die Straße am Loch vorbei steht teilweise wieder mächtig unter Wasser.
Loch Lomond
Überhaupt scheint das Wetter hier letzte Nacht recht heftig gewesen zu sein, wir kommen an zwei umgekippten LKWs und drei im Graben liegenden PKWs vorbei. Kurz vor Oben müssen wir dann eine gute dreiviertel Stunde warten, bis die Bergung eines LKWs abgeschlossen ist.
Unseren ersten Halt machen wir am Kilchurn Castle, welches am Nordufer des Loch Awe liegt. Das Schloss ist im Winter leider geschlossen und so müssen wir uns mit einem Blick von außen begnügen.
Kilchurn Castle
In Oban angekommen fahren wir dann auch sofort zum Fährterminal der Calmac, um unsere Überfahrt zur Mull zu buchen. Wir werden fast ausgelacht, als wir unseren Wunsch äußern heute noch übersetzen zu wollen. „Bei dem Wetter?!“ lacht uns der Officer am Schalter entgegen und schüttelt den Kopf. Alle Fähren sind gecancelt. Unsere einzige Chance heute noch auf die Mull zu kommen, ist somit die kleine Fähre ab Lochaline. Der fröhliche Officer bestätigt, dass diese noch fährt, allerdings läuft der Fährbetrieb dort auch schon unter „gelben Alarm“.
amber alert
Wir tanken noch schnell in Oban und machen uns dann sofort auf den Weg in Richtung Fort William. Ein Stück hinter Oban kommt Stalker Castle in Sicht, das äußerst fotogen auf einer kleinen Insel im Loch Linnhe liegt.
Stalker Castle
Ein paar Kilometer vor Fort William nehmen wir die Corran Ferry über das Loch Linnhe, das spart unheimlich Kilometer. Wir sind natürlich nicht die Einzigen, die die Idee mit der Fähre ab Lochaline verfolgen und dementsprechend lang ist die Schlange an der Fähre. Wir haben aber Glück und kommen mit der ersten Fähre über das Loch Linnhe.
am Loch Linnhe
Kaum am anderen Ufer angekommen beginnt eine wilde Raserei über den Single Track nach Lochaline. Jeder möchte natürlich als erster dort sein, um die vielleicht letzte Fähre zur Mull zu bekommen. Es wird viel überholt, gehupt und geschimpft. Da wir mit dem WoMo den Single Track von der Breite her komplett ausfüllen, kann man uns allerdings schwerlich überholen. Und so erreichen wir als drittes Fahrzeug die Schlange an der Fähre.
Für schlappe 13 Pfund bringt uns die Calmac rüber nach Fishnish auf der Mull. Es regnet in Strömen und der Wind rüttelt mächtig am Womo. Wir fahren nach Craignure, dort gibt es im Sommer einen tollen CP direkt am Wasser. Der hat natürlich geschlossen. Aber frei nach Professor Bömmel aus der Feuerzangenbowle „Da stelle mer uns wieder janz dumm“ fragen wir einfach mal nach. Das Gute an Schottland ist, dass die Leute ihre Türen nicht abschließen und meistens auch keine Klingel haben. So stehen wir irgendwann nach heftigem Klopfen beim Campingplatzbesitzer im Wohnzimmer. ? Die Frau vom CP scheint relativ begeistert zu sein, als sie uns sieht und meint wir können uns selbstverständlich kostenlos irgendwo auf ihren CP stellen. Die Duschhäuser sind zwar geschlossen, aber die Ver –und Entsorgung sind in Betrieb. Also, alles gar kein Problem. Am besten sollen wir aber Platz 1 direkt am Wasser nehmen, da dieser wegen eine kleinen Hecke doch relativ windgeschützt liegt. Der Sturm würde noch zulegen, meint sie…
Das Angebot nehmen wir natürlich dankend an und nachdem wir uns eingerichtet haben gehen wir bei echt lausigem Wetter in das nahe Craignure Inn.
einladend, das Craignure Inn
Der nächste Morgen startet leider mit Regen und so beschließen wir in die Hauptstadt der Insel Mull zu fahren, nach Tobermory. Ich bedanke mich mit 5 Pfund bei der netten Frau vom CP, immerhin haben wir Wasser getankt entsorgt usw.. Und wir wollen ja vielleicht auch nochmal wiederkommen, da sind 5 Pfund schon fair.
unser SP in Craignure
Die Fahrt nach Tobermory dauert nicht lange, es ist Nichts los auf den Straßen. Gerademal ein Auto kommt uns auf den 20 Meilen entgegen.
alte Boote auf dem Weg nach Tobermory
In Tobermory ist es schon etwas betriebsamer. Wir besuchen die Distillery, die einzige auf der Insel Mull und schlendern durch die Geschäfte der Hauptstrasse. Tobermory ist mit seinen bunten Häusern nett anzuschauen und auch von den Geschäften her hat es eine interessante Mischung zu bieten.
die Skyline von Tobermory
Nach einem leckeren Kaffee fahren wir über einen wilden Single Track nach Fionnphort, dem westlichsten Punkt der Insel Mull und gleichzeitig Fährhafen zur Insel Iona, mit ihrer berühmten Abbey.
Für große Wohnmobile ist die Straßen nur bedingt geeignet. Steigungen und Gefälle mit 25% hat dieses Sträßchen und manche Kurven sind schon recht eng. Funktionieren würde es natürlich, aber der Spaß würde vermutlich auf der Strecke bleiben und der Zorn der Einheimischen wäre einem sicher. Die Straße führt erst durchs Landesinnere, später dann immer schön am Wasser entlang. Kurzum eine tolle Straße mit super Aussichten.
Die Insel Mull ist bekannt für ihre große Adler Population und wir sehen tatsächliche jede Menge dieser großen Vögel.
Die Strecke ist wie schon gesagt wunderschön und uns kommt sogar ein anderes Womo entgegen. Dessen Besatzung ist genauso erstaunt wie wir, dass es um diese Jahreszeit doch auch noch andere Womo-Fahrer auf der Insel gibt. Um kurz nach drei erreichen wir Fionnphort und fahren, weil es gestern so gut funktioniert hat, zum dortigen CP. Auf halben Weg dahin - der CP liegt etwas „außerhalb“ des Ortes - kommt uns der CP-Betreiber mit seinem Pickup entgegen und sagt uns, dass der CP geschlossen ist. Die Wiesen sind außerdem viel zu nass für uns. ABER wir können uns gerne im Ort auf den Parkplatz am Columba Center stellen. Das Schild mit dem “No Overnight Parking” sollen wir einfach ignorieren. Das gilt nur im Sommer bzw. in der Saison, aber jetzt im Winter erlaubt ER uns das. Und so machen wir das dann auch.
Columba war ein irischer Geistlicher, der um 563 nach Schottland kam, die Abbey auf Iona gründete und maßgeblich die Christianisierung von Schottland einleitete. Hier in Fionnphort gibt es ein kleines Museum, welches das Leben und Wirken des Mönchs dokumentiert.
Viel los ist auf dem Parkplatz nicht … wir sind das einzige Auto. Das Problem ist der Wind bzw. der Sturm, der Parkplatz liegt völlig ungeschützt auf einem Plateau. Obwohl wir uns mit dem Heck in den Wind stellen rüttelt es das Womo ordentlich durch und dauernd rutschen irgendwelche umgekippten Mülltonnen oder sonstiger Müll über den Asphalt.
Heute ist Weihnachten, wir gehen aber erst mal in den kleinen Ort und schauen was dort so los ist. Das einzige Geschäft hat noch geöffnet und auch der Pub ist noch auf und gut gefüllt. Irgendwie scheinen hier die Uhren anders zu laufen als bei uns an Weihnachten. Nach einem kurzen Pub Besuch ziehen wir uns dann in das Womo zurück. Es ist ja schließlich Weihnachten und Paula wird natürlich schon ein wenig ungeduldig… Wir schmücken unseren kleinen Weihnachtsbaum, essen zu Abend und dann ist endlich Bescherung!
In der Nacht ist es wahnsinnig stürmisch und der Wetterdienst warnt vor heftigstem Wetter, an Schlaf ist nur bedingt zu denken. Wann kippt ein Wohnmobil eigentlich um? Mitten in der Nacht erwischt es eins unserer Mini-Hekis. Das Glas bekommt einen Sprung und auch der Rahmen hat nach dieser Nacht auch einen Riss. Gegen vier Uhr fängt es dann an rein zu tropfen, erst langsam dann immer schneller. So richtig Lust um vier Uhr morgens irgendwelche Dichtungsmaßnahmen vorzunehmen, habe ich natürlich nicht und so stelle ich einfach eine Schüssel drunter und gehe wieder schlafen.
es ist nicht viel los, auf dem Parkplatz :)
Am Morgen hört es dann auf zu regnen, der Wind aber bleibt. So wird das Nichts mit unserem Ausflug zur Insel Iona, alle Fähren sind gestrichen und auch für die nächsten Tage wird die Fähre nur auf Vorbestellung verkehren ohne Garantie, dass man wieder zurück kommt.
Unsere erste Aufgabe für heute ist es eine Möglichkeit zu finden, auf das Womodach zu kommen. Man schleppt ja schließlich im Urlaub keine Leiter mit, nur um eventuell sein Dach zu flicken. Fündig werden wir bei einem Cattle Grid mit hohem Zaun, welchen ich als Leiter benutzen kann. Ein paar Meter Panzer-Klebeband lösen erst mal das Wasser-Problem. Unser Auto ist wieder dicht!
Da der Tag noch jung ist, fahren wir zum Moy Castle. Unterwegs halten wir oft an und genießen die Landschaft.
Kintra
Und wir freunden uns mit einigen Ureinwohnern an.
es regnet wieder :(
Was sofort auffällt, wenn man so über die Mull fährt, ist der Baumbestand an alten Eichen und die bemoosten Steinmauern. Früher war ganz Schottland bewaldet, bis die Engländer das Holz für ihre Schiffe gegen die Armada brauchten. Hhier in der Gegend gibt es noch viele dieser dichten alten Laubwälder.
alte Eichenwälder
Das Moy Castle ist nur über eine grottenschlechte, 10 Kilometer lange Single Track Road zu erreichen, bietet aber tolle Aussichten. Wir parken etwas abseits des Castles und besichtigen erst die schöne kleine Kirche St. Kilda.
St. Kilda
in Lochbuie gibt es viel zu sehen
Anschließend laufen wir die paar Meter zum Castle. Leider ist das Wetter nicht so optimal, es ist kalt und immer noch sehr windig. Ziemlich düster liegt das Castle in der Bucht. Was muss das früher für ein Leben gewesen sein, bei so einem kalt nassen Wetter in so einem Gemäuer.
Die Nacht verbringen wir wieder in Craignure. Es ist wieder sehr stürmisch und an Schlafen ist irgendwie wieder nicht zu denken.
Am nächsten Tag fahren wir zum berühmtesten Castle der Insel Mull, dem Duart Castle. Leider ist es im Winter, wie die meisten Castles, geschlossen und so bleibt uns auch hier nur der Blick von außen. Die Lage des Schlosses ist auf jeden Fall phänomenal.
Duart Castle
Friedhof beim Castle
Vom Schloss hat man auch einen super Blick auf den Sound of Mull und den Leuchtturm vor Lismore.
Lismore Lighthouse
Unser Sprit geht langsam zu Neige und wir müssen auch dringend ein paar frische Grundnahrungsmittel einkaufen, so fahren wir nochmals nach Tobermory.
auf dem Weg nach Tobermory
Es ist Christmas Day. In Tobermory hat deshalb die Tanke natürlich geschlossen, der örtliche Coop hat dagegen trotzdem geöffnet. Etwas planlos stehen wir an der Zapfsäule, als ein Pickup vorfährt und der Fahrer uns fragt, ob wir tanken möchten. Ich liebe diese Fragen!
Artig sagen wir, dass wir tanken möchten und der freundliche Pickup-Fahrer meint, dass die Tanke heute eigentlich geschlossen hätte. Er hat allerdings etwas im Büro vergessen und kann uns deshalb natürlich auch kurz mal die Pumpen anmachen. Puh, Glück gehabt, wir sind wieder mobil. Über Dervaig, einer netten kleinen Siedlung, fahren wir zur Calgary Bucht, die der gleichnamigen Stadt in Kanada ihren Namen gab. Hier schlagen wir unser Lager für die Nacht auf. Die Bucht ist wirklich sehr schön und trägt ihren Namen (schottisch-gälisch für ”Strand an der Wiese”) völlig zu Recht.
abends an der Calgary Bay
Wir haben Vollmond und als der nachts rauskommt, taucht er die Bucht in ein wunderbares mildes Licht - sehr schön das Ganze.
Vollmond
Im Sommer ist die Calgary Bucht ein beliebter Stellplatz, etwas unterhalb unseres Platzes gibt es ein öffentliches Toilettenhäuschen, wo man auch Wasser tanken kann. Gleich in der Nähe gibt es für Kulturinteressierte einen schönen Skulpturenpark, der mit einer kurzen Wanderung besichtigt werden kann.
--> Link
Der starke Wind hat am nächsten Morgen die Wolken vertrieben und der Tag startet mit ein wenig Sonne. Wir stehen zeitig auf, denn wir wollen gegen zehn Uhr die Fähre von Fishnish zurück auf’s Festland bekommen.
Sonnenaufgang auf der Mull
Der Vorteil am frühen aufstehen ist, dass man den Sonnenaufgang mitbekommt und sich nicht so abhetzen muss. Der Nachteil ist ein eher missgelauntes Kind.
es ist fast windstill
Wir erreichen trotz diverser Foto-Stopps pünktlich die Fähre und setzen bei schönstem Wetter über den Sund of Mull.
das Duart Castle bewacht den Sund of Mull
Unser heutiges Ziel ist die Ardnamurchan Halbinsel, die nördlich der Insel Mull ins Meer ragt. Eigentlich ist diese Halbinsel gut mit der Fähre direkt von Tobermory aus zu erreichen, aber auch heute sind bei diesem Wind alle Fähren gecancelt. Der Weg über Land hat allerdings auch durchaus seine Reize. Wir sind vollkommen alleine unterwegs und bis zur Hauptstraße, die durch das Glen Tarbert, führt begegnet uns kein einziges Auto.
wohnen in der Einsamkeit
Nachts hat es auf den Bergen geschneit und die Berge wirken wie gepudert.
es hat geschneit
und die Berge wirken wie gepudert
Mehr durch Zufall halten wir am Loch Sunart kurz vor Salen an einem CP an. Dieser hat natürlich geschlossen. Aber die Besitzerin ist zufällig vor Ort und kommt, kaum das wir angehalten haben, auf uns zu gestürmt. Sie sagt - man ahnt es schon… - der CP wäre geschlossen. Gerne können wir uns aber irgendwo hinstellen. Die Duschhäuser sind geschlossen aber Strom, Wasser usw. sind angestellt und wir können uns bedienen. Geld möchte sie dafür keines, aber wir können sie ja weiter empfehlen und vielleicht noch einmal im Sommer wieder kommen. Das tun wir beides gerne, deshalb hier auch der Link zu der Homepage dieses netten CPs:
--> Link
Da es noch viel zu früh ist, bedanken wir uns und versprechen am Abend wiederzukommen und ihr Angebot zu nutzen. Hinter Salen wird die Straße ziemlich schlecht und kurvig. Der Zustand und die Größe bzw. die Ausbaustufe einer Straße lässt sich in GB leicht an der Bezeichnung der Straße festmachen. So gleicht die A9 fast einer Autobahn, Straßen mit zwei oder drei Ziffern lassen sich meist (aber eben auch nicht immer) noch gut und zügig befahren, die mit vier Ziffern sind meist Single Track Roads. Wir befinden uns nun auf einer Straße der Kategorie B mit vier Ziffern, was bedeutet, dass Gras auf der Straße wächst. :)
Unseren ersten längeren Halt machen wir in Kilchoan, hier soll es einen auch im Winter geöffneten CP geben. Der CP sieht nicht besonders einladend und eher geschlossen aus und so fragen wir im örtlichen Geschäft/Post Office nach. Obwohl der CP nur 50 Meter vom Geschäft entfernt ist und die Einwohnerzahl des Ortes sich wohl um die einhundert bewegen dürfte, hat der gute Mann keine Ahnung was mit dem CP los ist. Er scheint sogar ein wenig erstaunt zu sein, dass so was in seinem Ort überhaupt gibt. Sehr merkwürdig wieder mal das Ganze...
Obwohl ich unseren Körperhygienezustand jetzt nicht als bedenklich einstufen würde, gibt uns der freundliche Herr vom Geschäft eine guten Tipp. Wenn wir Duschen wollten, könnten wir die sanitären Einrichtungen vom Yachthafen benutzen könnten. Die sind direkt neben seinem Geschäft und für 1 Pfund gibt es 6 Minuten lang warmes Wasser. Das machen wir dann auch, man will ja nicht unangenehm auffallen.
das Post Office in Kilchoan
Frisch geduscht fahren wir weiter zum Point von Ardnamuchan, wo ein mächtiger Leuchtturm uns erwartet.
Im Sommer gibt es hier sogar ein Kaffee mit Shop und man kann den Turm besteigen. Jetzt im Winter laufen außer uns nur noch eine Familie aus den Niederlanden um den Leuchtturm herum. Und ein Hund.
die Zufahrt zum Leuchtturm ist recht eng
Paula schließt sofort Freundschaft mit dem netten Fellhaufen und die beiden spielen ein wenig Stein-Apportieren.
Paulas neuer Freund
Der Platz vor dem Leuchtturm wäre außerhalb der Saison ein toller Platz zum Übernachten, aber es ist einfach zu stürmisch und so fahren wir zurück nach Salen auf den CP.
wir sind alleine auf dem CP :D
selbst im Loch Sunart gibt es Wellen
Die Nacht war dann auch tatsächlich wieder ziemlich stürmisch und wir sind froh, nicht am exponierten Leuchtturm gestanden zu haben. Das Radio meldet im Süden von Schottland schwere Schäden durch Sturm und Überschwemmung. So schlimm ist es hier im Westen zum Glück nicht. Unser erstes Ziel für heute ist das Tioram Castle, welches auf einer kleinen Insel im Loch Moidart liegt. Das Schloss ist nur bei Ebbe zu erreichen und so müssen wir durchs kalte Nass. Ich hoffe mal, dass wir wirklich ablaufendes Wasser haben…
wir bekommen nasse Füße
Das Castle selber ist leider sehr baufällig und der Zutritt ist deshalb verboten. Angeblich wird es gerade renoviert, allerdings sieht der Bauzaun so aus, als wäre das schon seit Jahren so. Das Castle selber ist relativ unspektakulär, aber die Lage ist schön. Schade, wenn es ganz verfallen würde.
Tioram Castle
Vom Tioram Castle schlagen wir uns über die A830 nach Fort William durch. Wir machen unseren Tank nochmal voll und fahren weiter nach Osten in die Cairngorms. Wir hoffen, dass weiter östlich das Wetter besser ist und auch das ein wenig Schnee liegt, gelten die Cairngorms doch als Schnee sicheres Skigebiet. Viel Schnee liegt nicht auf den Bergen und das Wetter ist jetzt auch nicht so viel besser als im Westen, aber immerhin ist es nicht ganz so stürmisch. Die Nacht verbringen wir in der Nähe von Aviemore auf einem CP. Abends fahren wir noch nach Aviemore rein, um etwas zu Essen. Wir parken neben vier anderen Wohnmobilen mitten im Ort. Die anderen Mobile scheinen hier über Nacht zu bleiben, das wird anscheinend geduldet. Aber schön ist der Platz nicht, so direkt an der Hauptstraße.
viktorianischen Bahnhof von Aviemore
Wir schlendern durch die Geschäfte und schauen uns noch den viktorianischen Bahnhof von Aviemore an.
Der Morgen startet sonnig und wir fahren die paar Meter zur Talstation der Cairngorm Bahn. Hier oben ist echt Betrieb, eine Menge Leute machen sich auf zu Wandertouren oder gehen mit Skies bepackt zur Bahnstation, also irgendwo muss Schnee liegen. Wir überlegen kurz, ob wir zu den Rentieren gehen sollen, die hier in der Gegend angesiedelt wurden. Wir verwerfen den Plan aber ganz schnell wieder, als wir den Rummel auf dem Parkplatz der Rentier Ranch sehen. Über Grantown on Spey fahren wir weiter bis zum Corgarff Castle. Aber selbst auf dem 600 Meter hohen Pass liegen nur ein paar Schneeflecken.
Corgarff Castle
Da auch hier kein wirklicher Winter herrscht, entscheiden wir uns doch wieder in den Norden zu fahren. Eigentlich sollte dieses Jahr so in der Höhe von Inverness Schluss sein, aber vielleicht ist ja das Wetter im Norden doch besser.
Die A9 bringt uns schnell nach Inverness, wo wir erst mal Tanken und bei Feinkost Albrecht tüchtig einkaufen.
Inverness
In die Stadt selber gehen wir nicht, die kennen wir von früheren Schottlandaufenthalten und es zieht uns nun schnell hoch in den Norden. Die A835 führt uns weiter nach Ullapool, wo wir kurz aussteigen und durch die drei geöffneten Geschäfte schlendern. Der CP hat leider geschlossen, wir wären gerne in dem etwas lebhafteren Ullapool geblieben. Aber auf eine Nacht auf dem Tesco Parkplatz haben wir keine Lust. Schade, dass der CP-Betreiber nicht einfach eine Fläche zum Hinstellen bereitstellt.
auf dem Weg nach Ullapool
Da wir mal wieder Lust auf Barfood haben, fahren wir dann nach diesem kurzen Aufenthalt weiter nach Achiltibuie, genauer gesagt nach Altandhu. Denn vom letzten Jahr wissen wir, das dort der CP mit angeschlossenem Pub ganzjährig geöffnet ist.
Es ist schon stockdunkel, als wir am CP ankommen. Der Pub hat zwar geöffnet, aber die Köchin ist für zwei Tage auf Tour und so bleibt die Pub Küche leider kalt. Es ist auf jeden Fall wieder mächtig stürmisch geworden und wir müssen unser Auto mehrmals umstellen, um die richtige Position im Wind zu finden. Der CP ist mit 12 Womos gut besucht. Es lohnt sich also doch einen CP auch im Winter zu öffnen, immerhin kostet die Nacht 19 Pfund. Und wenn man Strom braucht, werden 25 Pfund fällig. Mein Vater hat mir zum Geburtstag das Buch „Schotten dicht: Nachrichten aus Schottland und Achiltibuie“ geschenkt. Man erkennt viele in diesem Buch beschriebene Stellen wieder, wenn man über die Halbinsel fährt. Auch abends im Pub werden wir auf den deutschen Autor angesprochen, der in dem „gelben Haus“ einen Ort weiter wohnt.
Der Wind hat uns wieder ganz schön durchgerüttelt und weiter oben an der Straße hat es einen Wohnwagen, der in einem Garten stand, durch die Gegend geweht. Auf dem CP stehen die Womos allerdings zum Glück noch alle in Reih und Glied. Wir fahren einmal um die kleine Halbinsel herum und suchen natürlich auch das „gelbe Haus“.
Selbst das lausige Wetter, das im Moment herrscht, gibt Landschaft noch eine gewisse Mystik und Schönheit. Uns wäre zwar Sonne und weiße Berge lieber, aber es ist halt wie es ist.
Achiltibuie
Wir fahren im strömenden Regen weiter Richtung Norden und erreichen nach knapp zwei Stunden Durness. Auch hier stellen wir uns wieder auf den CP, der im Winter, sofern man keinen Strom und Wasser braucht, kostenlos ist. Zum Glück hört es in der Nacht auf zu regnen und der Silvestermorgen startet mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen knapp unter 0°C. Unser erster Gang ist runter zum Strand, wo Paula auf den Felsen rumklettert und mit einem „herrenlosen“ Bordercollie Apportieren spielt. Irgendwann hört man ein kurzen Pfiff und der Spielkamerad verschwindet wie von der Tarantel gestochen vom Strand.
Sango Sands Bay, was für ein super CP
Wir fahren die paar Kilometer nach Balnakeil und laufen über den riesigen Strand zum Cape Wrath raus, man muss sich im Urlaub ja auch mal ein wenig bewegen.
Friedhof in Balnakeil
Da es bei unserer Rückkehr noch früh ist, entscheiden wir uns noch zum Broch “Dun Dornaigil” zu fahren. Der liegt zwar nicht direkt um die Ecke, aber bei dem Wetter und der Landschaft ist ja auch die Fahrerei eine Freude. Den ersten Halt machen wir dann aber schon an der Smoo Cave am Ortsrand von Durness. Im Sommer kann man mit einem Boot über den Höhlensee in das Höhlensystem fahren. Nun im Winter ist diese Touri-Attraktion natürlich geschlossen und man kann nur zu dem Wasserfall gehen, der den See speist. Netterweise hat man zumindest das Licht am Höhleneingang angelassen.
der Eingang zur Höhle
der Wasserfall, der den See speist
Wir gehen noch zum nahegelegenen Aussichtspunkt auf der Klippe, bei dem Wind und den Temperaturen eine recht frostige Angelegenheit und sind dann auch froh, wieder ins warme Auto klettern zu können. Über Port-na Con fahren wir bis nach Hope, wo die kleine Straße zum Broch abzweigt. Die Straße, es gibt anscheinend keine Nummer zu dieser Straße, führt immer entlang des Loch Hope. Wunderschön, nur leider auch sehr sehr „basic“.
was für eine imposante Landschaft
die Straße ist ziemlich mies, man muss lamgsam fahren
Man kommt am Wanderparkplatz vom Ben Hope vorbei, einer der mächtigsten Berge dieser Region und recht leicht zu Besteigen. Ein paar Minuten später erreichen wir den Parkplatz vom Broch. Nach kurzer Besichtigung fahren wir langsam zurück und sind kurz vor fünf wieder auf dem CP in Durness. Hier oben wird es schon recht früh dunkel und ab halb vier wird das Fotografieren echt schwierig.
der Broch mit dem Ben Hope im Hintergrund
es wird früh dunkel hier oben
Da Silvester ist und somit der Abend noch recht lang wird, schauen wir erst mal eine DVD, dann essen wir gemütlich und begeben uns anschließend in den örtlichen Pub. Dieser ist nun nicht unbedingt ein Aushängeschild der britischen Pubkultur, aber die einzige Lokalität im 20 Meilen Umkreis. Nach und nach füllt sich der Laden und wir trinken bei kostenlosem Wifi Hotspot ein/zwei Pint Bier. Irgendwann wird es dann doch zu langweilig und wir beschließen wieder zurück ins Womo zu gehen. Passend zu unserem Aufbruch rappelt mein Handy und informiert uns darüber, dass der KP-Index auf 7 geklettert sei und die Chancen auf eine Aurora Borealis ziemlich gut seien. Also schnell nach draußen.
Erst ganz schwach und dann immer stärker werdend erscheinen dann auch tatsächlich die grünen Lichter am Himmel. Viel besser als ein Feuerwerk. Auf jeden Fall ein gelungener Start ins neue Jahr.
erst recht schwach
und dann immer stärker
Um halb eins gehen wir dann trotz des Naturschauspiels schlafen. Wir schlafen etwas länger und gehen morgens wieder zum Strand hinunter. Paula hofft auf ihren felligen Freund. Kaum sind wir am Strand, kommt dieser natürlich auch angetrabt - mit einem Stein im Maul, den er erwartungsvoll vor sich hinlegt.
Sonnenaufgang in Sango Sands Bay
Während die beiden spielen, mache ich noch ein paar Fotos und gegen Mittag verabschieden wir uns dann für dieses Mal von Durness. Am Neujahrsmorgen ist wirklich der Hund begraben, kein Mensch ist unterwegs außer uns und jede Menge Wild.
Auf dem direkten Weg nach Ullapool biegen wir in Newton auf die B869 nach Drumbeg ab. Das Sträßchen weist mitunter recht steile Steigungen und Gefälle aus, zudem sind manche Passagen für Fahrzeuge länger als 8 Meter gesperrt. Es funktioniert natürlich auch mit längeren Fahrzeugen, macht aber bestimmt keinen Spaß.
die C1127
In Cruachan biegen wir von der B869 auf die C1127 ab, die uns nach vier Meilen zum Stoer Lighthouse führt. Tolle Straße mit toller Aussicht aus die Insel Skye mit ihren Cullins. Auch der Leuchtturm selbst liegt wirklich schön. Von hier aus kann man auch zu einer kurzen Wanderung zum Old Man of Stoer starten , einem 60 Meter hohen Brandungspfeiler.
Besonders schnell kommt man natürlich auf solchen Sträßchen nicht voran und erst nach gut zwei Stunden erreichen wir Lochinver.
auf der Straße muss man aufpassen
Von hier aus fahren wir am Loch Assynt vorbei wieder nach Achiltibuie. Das Essen im Pub steht ja noch aus und vom letzten Jahr wissen wir, dass die Köchin ihr Handwerk versteht und man nicht nur das übliche Fish ‘n’ Chips von der Stange bekommt.
Loch Assynt
diese Jahr ohne Schnee und Sonne
Leider hat der Pub zwar offen, aber nur für Familie und Freunde. So wird dann halt wieder die Bord-Küche angeworfen.
Achiltibuie bietet ein tolles Panorama auf die Insel Skye
Über Ullapool, Inverness am Loch Ness vorbei geht es am nächsten Tag zum Urquhart Castle. In Ullapool haben wir noch so um die 0°C und heftiges Wetter mit Schneeregen. Je weiter wir Richtung Inverness kommen, desto besser wird das Wetter und entlang am Loch Ness scheint dann sogar die Sonne.
mieses Wetter auf dem Weg nach Inverness
Beim letzten Besuch konnte ich leider ja wegen meines gebrochenen Beins nicht mit ins Castle, nun mit gesundem Bein kein Problem. Hier beim Castle ist echt die Hölle los.
Urquhart Castle
Was für eine Menge Touristen! Neben der Menge Leute geht mir am meisten die Selfie-Fotografiererei auf die Nerven. Da ist z.B. das asiatische Pärchen, das sich die ganze Zeit voll am anpampen ist. Kaum ist ein vermeintliches Motiv in Sicht, grinsen beide dämlich in die Linse ihres Smartphone, nur um danach mit ihrem Gezeter weiterzumachen. Schrecklich. Das Castle selber ist schon schön allem voran ist die Lage direkt über dem Loch Ness natürlich toll. Aber meiner Meinung nach gibt es lohnendere und vor allem weniger überlaufenere Castles. Am Loch Ness haben alle CPs geschlossen und so landen wir wieder in Fort William. Hier gibt es zumindest etwas zu Essen.
dunkle Wolken am Commando Memorial
[img]wenig%20los%20in%20der%20Fußgängerzone%20in%20Fort%20William[/img]
Wir gehen durch die Fußgängerzone und finden ein Familien-freundliches Restaurant, welches nicht sonderlich gemütlich ist aber dafür hervorragendes Hirsch-Pie und Cullen Skink, also Fisch Pie, serviert. Zum Schlafen steuern wir den Parkplatz am Ben Nevis Visitor Center an. Hier zu übernachten ist natürlich generell verboten. Aber das Center ist im Winter geschlossen, und so wird es wohl auch keinen stören. Genauso denken wahrscheinlich auch die anderen beiden Womo-Besatzungen auf dem Parkplatz.
SP am Ben Nevis Visitor Center
Vom Regen werden wir geweckt und der halbe Parkplatz steht unter Wasser. Wir machen, dass wir zügig vom Platz kommen und halten nur noch mal kurz beim Lidl in Fort William. Da wollen wir uns u.a. zwei Dosen Bier für den Abend kaufen, aber wir sind eine viertel Stunde zu früh dran. Das Geschäft ist zwar schon seit 9:00 geöffnet. Bier, so erklärt uns die Kassiererin dürften wir allerdings erst ab zehn Uhr kaufen! Komische Regelung, ob ich mir das Bier um neun oder zehn Uhr morgens in den Kopf schütte, ist doch nun wirklich egal, oder? Typisch britisch.
Von Fort William geht es durch das Glen Coe, weiter auf der A82 am Loch Lomond vorbei auf einen CP in der Nähe von Glasgow.
CP bei Glasgow
Was mich immer wieder an den CPs des Caravan Clubs wundert, ist die Ahnungslosigkeit des jeweiligen Camping Wardens. Unsere erste Frage: Wie kommt man am besten vom CP aus nach Glasgow in die Innenstadt? Schulterzucken, der Warden ist erst ein paar Monate für den Platz zuständig und wird im März wieder einen anderen Platz übernehmen. Es wird ein Camper gerufen, der uns ausführlich Auskunft geben kann. Ich meine bei einem Stadtcampingplatz, da muss es doch einen Zettel oder Aushang geben, wo für die Touris genau draufsteht wie man am besten in die Stadt kommt. Unsere zweite Frage betrifft das in der Nähe liegende Bothwell Castle. Wieder Schulterzucken, da wäre man noch nie gewesen … sehr merkwürdig.
Bothwell Castle
Wir finden das Castle auch ohne Hilfe und Paula löst wieder eins dieser Rätsel. Der Warden von Historic Scotland ist richtig glücklich uns zu sehen, anscheinend sind wir die ersten Gäste an diesem Tag. Nach einer halben Stunde wissen wir alles über diesen Mann und seine Familie. ?
Das Castle selber wird leider zurzeit renoviert und deshalb sind der große Turm und einige Räume gesperrt. Aber es ist trotzdem nett anzuschauen.
Mit dem Taxi fahren wir am nächsten Tag für vier Pfund zur nahen Bahnstation. Das Womo dürfen wir auf dem Kamera-überwachten Parkplatz des CP lassen. 8 Pfund kostet für uns drei das Zug Ticket zur Glasgow Central Station.
Glasgow Central Station
Es ist kurz vor zehn als wir in Glasgow aufschlagen und unser erster Weg führt uns zur Glasgow Cathedral, im Winter ist der Eintritt kostenlos. Tolles Bauwerk, vor allem die Decke.
tolle Decke in der Glasgow Cathedral
Glasgow Cathedral
Nach der Besichtigung der Kirche gehen wir zur nahen Necropolis von Glasgow. Diese viktorianische Totenstadt ist äußerst sehenswert, man sollte sie sich nicht entgehen lassen und für den Besuch etwas Zeit einplanen. Die alten Kreuze hoch über der Stadt mit ihren modernen Bauwerken, super.
Necropolis von Glasgow
Zurück in der City brauchen wir erst mal einen Kaffee! Mittlerweile haben sich ja überall die großen Kaffeeketten breitgemacht und so ist es kein Problem einen Platz zu finden. Wir besuchen den Willow Tearooms and Gift Shop, ein von Charles Rennie Macintosh designtes Tee –und Kaffehaus und verbringen den Rest des Tages mit Shoppen in der City von Glasgow.
Gegen 5 Uhr sind wir wieder am CP und fahren noch, damit der morgige Tag nicht zu stressig wird, bis nach Gretna an die schottische Grenze. Hier finden wir einen etwas basic geführten CP, der uns für 18 Pfund einen Platz gibt. Er gibt uns noch den Tipp, dass das Solway Lodge Hotel gutes Essen serviert. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und bekommen an unserem letzten Abend in Schottland noch ein sehr leckeres Abendessen in der Hotel Bar serviert.
Der Urlaub ist nun quasi vorbei und wir machen uns am nächsten Morgen auf den langen Weg in Richtung Süden. Für zwei Stunden halten wir in Winsor Halt und laufen ein wenig durch das doch stark Royal geprägte Städtchen.
Winsor
Um 6 Uhr abends sind wir dann genau dort, wo unser Urlaub begonnen hat, beim Coastguard. Die letzten Meilen waren kein Zuckerschlecken, ab der M25 hat es mächtig angefangen zu regnen. Viele, die schon mal über Dover in GB waren, kennen bestimmt die vom Hafen hoch zur Autobahn führende A2.
Land unter
Die Straße steht komplett unter Wasser und es staut sich natürlich dementsprechend. Wir kommen trotzdem gut beim Coastguard an. Doch dann ein Schreck: Die Küche hat zu, also kein leckeres Fish ‘n’ Chips zum Abschluss. Wir fahren zurück in den Ort und suchen uns dort etwas zum Essen. Danach geht’s zurück zum Coastguard, die Bar hat ja noch auf und wir dürfen natürlich auch diesmal unsere letzte Nacht dort verbringen. Aber dann kommt es richtig schlimm. Schock: der Pub schließt zum 10.01.2016! Der Besitzer erklärt uns, dass er den Pub - bisher ein Freehouse, also privat geführt - an eine große Kette verkauft hat. WO SOLLEN WIR DANN BEI UNSEREM NÄCHSTEN GB AUFENTHALT ÜBERNACHTEN! Ich habe mal in einem Fernsehbericht gesehen, dass immer mehr privat geführte Pubs in GB von großen (Brauerei)-Ketten gekauft würden und somit die ursprüngliche britische Pub-Kultur den Bach runtergehen würde. Nun hat es also auch den Coastguard getroffen. Frustriert trinken wir also ein Abschiedsbier.
der letzte Morgen am Coastguard
Unser letzter Urlaubstag startet sonnig und wir beeilen uns zur Fähre zu kommen. Eigentlich geht unserer Fähre erst um zwölf Uhr, aber wir können schon um 10 Uhr übersetzen, allerdings nach Calais und nicht wie gebucht nach Dünkirchen.
Abschied bei tollem Wetter
wir kommen aber wieder
Das machen wir trotzdem und sparen uns so gut zwei Stunden. Der Hafen von Calais gleicht inzwischen mehr einer Festung als einem Hafen. Die langen Zaunreihen und die immense Polizeipräsenz sind schon bedrückend. Und dann auch noch die Camps der Flüchtlinge, echt beschämend für das reiche Europa. Schön ist das letzte Bild nicht.
Flüchtlingscamp in Calais
Um 16:30 Uhr sind wir wieder zurück in Aachen.

