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Unsere Rückkehr nach Südfrankreich


loeffel123 am 24 Mär 2016 23:57:05

Reisebericht Südfrankreich August/September 2015

Kurz vorgestellt habe ich mich ja schon bei den Neuen, nun will ich mal meinen ersten Reisebericht loswerden und hoffe, dass ihr das Ein oder Andere daraus mitnehmen könnt.

Mit meiner heutigen Frau bereiste ich in den Neunzigern ausgiebig per Motorrad bzw. Pkw Frankreich, bevorzugt den Süden. Dann kamen das Erwachsenwerden, die Kinder, diverse Umzüge und das Thema Camping war erst mal gegessen. Durch unseren Womi-Kauf und nach den ersten erfolgreichen Tests in der näheren Umgebung wagten wir es, den ersten Sommerurlaub wieder auf den Spuren unserer Vergangenheit zu absolvieren.


Tag 1 – Zwischenstopp in Louhans

Es ging früh morgens um 5 Uhr von Calw aus los. Das erste Ziel war Louhans, ca. 500 km. Wir entschlossen uns, auf die französischen mautpflichtigen Autobahnen zu verzichten und die Nationalstraßen zu nutzen. Gut, dass unser Navi die Option „Mautstraßen vermeiden“ unterstützte so dass an den ein oder anderen Stellen kostenfreie Abschnitte zu nutzen waren.

Nach der Ankunft im Elsass und den ersten Kreisverkehren der erste Schreck: Beim Verringern der Geschwindigkeit ertönten komische Geräusche irgendwo aus dem hinteren Teil des Womis. Gleich schossen mir die schlimmsten Gedanken durch den Kopf. Was kann das sein, ist nun alles aus, kann ich samstags noch kurzfristig eine Autowerkstatt finden? Nach dem ersten Stopp am Supermarkt konnte das Geräusch aber lokalisiert werden. Scheinbar waren die Blattfedern der Übeltäter, beim hinteren Ein- und Aussteigen waren die gleichen Geräusche festzustellen wie während der Fahrt. Also erst mal etwas Beruhigung, kein Motor- oder Getriebeschaden. Ich beschloss, normal weiterzufahren, und mich am Abend bei unserem ersten Ziel per Online-Recherche darum zu kümmern. Wir drehten einfach die Musik lauter und schon waren die Geräusche nicht mehr so schlimm.

Gegen 13 Uhr erreichten wir unser Ziel Louhans, erst mal am Supermarkt billig vollgetankt, die ersten französischen Leckereien eingekauft und ab zum Camping Municipal. Dieser wurde im Netz mehrfach lobend als Übernachtungsmöglichkeit erwähnt. Leider konnten wir zuerst nur den Platz besichtigen da die Rezeption erst ab 15 Uhr besetzt war. Dank Verpflegung aber kein Problem, ruck-zuck waren die ersten Köstlichkeiten verspeist und schon kam die freundliche Dame von der Rezeption. Seit meinem Wegzug aus dem Saarland ist mein Französisch mangels Anwendungsmöglichkeiten erschreckend verkümmert, zum Glück ist die Globalisierung mittlerweile auch in Frankreich angekommen so dass man mit Englisch gut weiterkommt (wenn dies bei mir aber auch grausam ist). Wir konnten uns den Platz selber aussuchen und entschieden uns für eine nette Parzelle mit direktem Blick auf den Fluss.

Der Platz hat uns Männern gut gefallen, nur meine Frau fand die Sanitäranlagen so lala. Da gibt es doch noch einige Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Toiletten waren zwar bereits in die Jahre gekommen aber sauber, ebenso die Duschen (es waren aber auch sehr wenige Gäste da). Die Stellplätze sind mit Hecken abgetrennt und wie so oft in Frankreich äußerst groß. Dank der Kieselsteine dürfte auch bei nassem Wetter nicht alles gleich vermatscht sein. Für die Kinder gab es einen Volleyballplatz, der von meinen Jungs gleich als eine Art Volley-Fussballplatz umfirmiert wurde sowie einen Spielplatz und eine Tischtennisplatte. Außerdem freies WLAN. Und das alles für den stolzen Gesamtpreis von sage und schreibe 18,80 €! Da kann man wirklich nicht meckern.

Einen Laden gibt es bei diesem Platz nicht, dafür beträgt der Weg in die Stadt zu Fuß nur ca. 15 Minuten wo man sich im Notfall mit Lebensmitteln eindecken kann. Die Stadt an sich ist sehr schnuckelig wie auf den Bildern vielleicht etwas zu sehen ist. Es gibt insgesamt 157 Arkaden unter denen die verschiedensten Geschäfte zu entdecken sind. An vielen Stellen sahen wir Hähnchenbratereien, erst später wurde uns klar, dass hier das berühmte Bresse-Hühnchen ansässig ist. Nun war uns auch klar, warum wir auf der Fahrt bereits einige große Wiesen mit vielen freilaufenden Hühnern gesehen hatten.

Zurück am Platz dann die Suche nach den Geräuschen unseres Womis (das WLAN war übrigens einfach so verfügbar, ohne Passwort oder Anmeldung). Schnell wurde meine Vermutung bestätigt: Die Blattfedern knarzen wohl recht häufig beim Ducato, dies liegt oft an mangelnder Schmierung. Als WD40-Fan war mir klar, dass dies meine erste Wahl sein würde. Tatsächlich hat es dann auch ein paar Tage später geholfen, als ich endlich eine Sprühdose in einem Baumarkt ergattern konnte und die Federn kräftig einsprühte. Kein Knarzen mehr. Ich werde ich das irgendwann von einem Fachmann prüfen lassen, denn eventuell müssen ja auch noch andere Sachen an der Federung gemacht werden. Aber zum Glück war dies dann für den Urlaub kein Thema mehr (und den Rest der Saison auch nicht).






Tag 2 – Auf nach Avignon

Das Ziel der zweiten Etappe war die ehemalige Stadt der Päpste. Leider bewölkte sich der Himmel langsam aber sicher je weiter wir im Midi waren. Die Straßen waren trotz Sonntag vor allem auf der Gegenspur recht voll (es war das erste Ferienrückreisewochenende der Franzosen), in unserer Richtung ging es aber ganz gut. Die Strecke ab Lyon bis ungefähr Valence würde ich aber wahrscheinlich beim nächsten Mal auf der Autobahn zurücklegen da doch sehr viele Kreisverkehre zu fahren waren und die Gegend entlang der Straße nicht ganz so schön war (viele hässliche Industrie- und Gewerbegebiete). Kurz vor Avignon machte es dann richtig runter. Wir fanden schnell unseren Platz Camping-du-Pont-d-Avignon und waren positiv überrascht, dass er schon ziemlich leer war, so dass wir eine schönen Parzelle nahe der Rhone fanden. Erst mal raus in den Regen, Strom angeschlossen und dann das obligatorische Fahrbier genossen, da war mir der Regen egal (der auch kurz danach aufhörte). Am Abend konnte man noch schnell vom Platz aus einen wunderbaren Blick auf die beleuchtete Altstadt werfen.

Zum Platz an sich: Ich hatte ihn nach 20 Jahren kleiner in Erinnerung aber wem geht das nicht so in fortgeschritteneren Jahren? Auch hier eher französischer Standard, die 4 Sterne sind übertrieben, aber sonst alles sauber. Die Parzellen haben Naturboden, da war es dann schon recht schnell matschig. Sehr angenehm ist der schön angelegte Pool, mit einigen Extras wie Whirlpool-Düsen (es ging aber nur noch eine) und Strömungskanal. Das kleine Geschäft hat alles was man so braucht und ganz wichtig morgens frisches Baguette und Croissants. Ein Restaurant ist auch dabei, ebenso Waschmaschinen und Tennisplatz. Haben wir aber alles nicht genutzt. Kommunikation in Englisch auch hier kein Problem. Vom Platz kann man in ca. 10 Minuten zum Ufer laufen, da fährt dann bis abends eine kostenlose Fähre. Wir haben aber den Fussweg in die Stadt genutzt (ca. 20-30 Minuten), schöner Uferweg. Fazit: Für den Preis (35 €) echt in Ordnung.

Ergänzung: Es gibt zu Beginn der Ile de Barthelasse noch einen weiteren Campingplatz, dort ist aber auch eine Jugendherberge was wahrscheinlich zu mehr Lärm führt. Man ist von hier aus aber noch schneller in der Altstadt.




Tag 3 – Ausflug nach Nimes

Am Morgen empfing uns wieder kräftiger Regen. Scheinbar ist die Kanalisation in Südfrankreich recht schnell überlastet denn in Windeseile waren die Straßen des Platzes überflutet.



Das hat uns aber nicht davon abgehalten, die Pfützen zu durchqueren und den Weg nach Nimes anzutreten. Hier der nächste Tipp: Versucht erst gar nicht, in der Innenstadt einen Parkplatz mit dem Womi zu finden. Wir gurkten eine Weile rum, fanden wenn überhaupt nur Plätze mit Sperr-Barke ab 2,50 m Höhe. In Richtung „Centre commercial Sud“ war dann ein großes Einkaufszentrum (in den man zum Ende des Ausfluges noch gut für das Abendessen einkaufen kann), von dort aus konnten wir, bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein, mit dem Stadtbus gut und günstig (8 €) in die Innenstadt und zurück fahren.

Nimes ist eine schöne Stadt, zu dieser Jahreszeit auch nicht mehr so voll und natürlich für ihre römischen Bauwerke berühmt. Unser erster Weg ging zur Arena. Wir entschieden uns für ein Kombiticket für Arena, Maison Carrée und Tour Magne sowie das antike Theater in Orange für rund 50 €. Recht viel aber wer bereits zwei Attraktionen besucht für den lohnt es sich schon. Nach dem Eingang nahmen wir die sehr empfehlenswerten Audioguides und konnten die Arena innen und außen besichtigen. Alles schön und informativ gemacht, gepaart mit den blutrünstigen Geschichten über die Gladiatoren für kleine Jungs auch sehr spannend. 2 bis 3 Stunden sollte man aber schon einkalkulieren, um alles sehen (und hören) zu können.

Das zweite Bauwerk Maison Carée war dagegen nicht so zu empfehlen: Hier läuft im Innern nur ein Film über die Geschichte der Stadt, ansonsten gibt es nur die Architektur von außen zu bewundern. Da wir leider etwas zu spät dran waren schenkten wir uns diesen Teil. Ebenso mussten wir den Ausflug zum Tour Magne sausen lassen. Von hier aus hat man wohl eine sehr schöne Aussicht auf die Stadt wie uns gesagt wurde, er liegt aber schon ein Stück weit von der Arena als Mittelpunkt der Stadt entfernt. Wir schlenderten dann noch etwas durch die engen Gassen und genossen einfach die Atmosphäre des Midi, was ja auch nicht zu vernachlässigen ist.

Mein Tipp: In Nimes kann man ohne weiteres den ganzen Tag verbringen, also rechtzeitig anreisen, um die meisten Sehenswürdigkeiten genießen zu können.






Tag 4 – Ausflug Pont-du-Gard und Orange

Wir hatten unsere Lektion des Vortages gelernt und standen früher auf, um die nächsten Sehenswürdigkeiten anzusteuern. Als erstes zum Pont-du-Gard, dessen Umgebung sich seit unserem letzten Besuch stark verändert hatte. Hier gibt es mittlerweile nur noch kostenpflichtige Parkplätze, dessen Parkgebühr (18 €) aber auch zum Eintritt in das zu Beginn des Jahrtausends neu errichtete Dokumentationszentrum berechtigt. Einige Leute in diversen Foren finden das zu hoch, ich muss aber sagen, dass ich froh war, ganz unbeschwert einen Parkplatz zu finden. Und das Dokumentationszentrum mit Kino (in dem sehr schön die Geschichte des Bauwerkes dargestellt wurde) sowie das sehr schön gemachte Museum (auch für Kinder interessant) waren das Geld auf jeden Fall wert. Man muss schließlich beachten, dass das Geld zur Erhaltung dieses wirklich sehenswerten Bauwerkes zweckgebunden genutzt wird. Im Vergleich zu manch überteuerten „Erlebnismuseum“ fand ich die Gebühr wirklich nicht zu hoch.

Zum Aquädukt muss man glaube ich nicht viel sagen: Hinfahren, anschauen, spazieren gehen, staunen, beeindruckt sein von den Wahnsinnsfähigkeiten der römischen Ingenieure!

Mein Tipp: Wenn noch Zeit sein sollte, einen Badeaufenthalt mit einrechnen. Nach der Kultur noch eine schöne Erfrischung unter historischem Bauwerk, das hat was.




Aber der kulturbeflissene Chef des Unternehmens wollte ja vor dem Erholungsurlaub noch möglichst viel sehen, daher nix mit Baden sondern ab nach Orange! Hier beschränkten wir uns auf die Besichtigung des Triumphbogens (im Vorbeifahren) und des antiken Theaters. Zum Glück gibt es ganz in der Nähe einen Parkplatz, der auch für Wohnmobile nutzbar ist (rechts am Theater vorbei, links ist dann die Einfahrt). Auch hier gab es wieder die praktischen Audioguides, die einen schönen Einblick in dieses ebenso sehr beeindruckende Bauwerk ermöglichten. Einfach toll wenn man sich vorstellt, was hier schon alles aufgeführt wurde (unter anderem auch zu sehen in „Asterix und der Kupferkessel“ ;-)). Im Sommer findet hier ein berühmtes Festival statt, welches Opernstars aus der ganzen Welt aufbieten kann. Wahre Opernfreunde seien hier aber gewarnt, dass es sich eher um Eventaufführungen à la Verona handelt, dessen Publikum nicht unbedingt kunstbeflissen ist und auch mal an den falschen Stellen klatscht oder jubelt. Aber ein tolles Erlebnis an diesem historischen Ort bleibt es trotzdem.




Nun war es genug mit Kulturausflügen, von Avignon wollten wir ja auch noch etwas sehen. Bereits am Vortag besuchten wir abends die Innenstadt und staunten wieder einmal über die schiere Größe des Papstpalastes. Einfach beeindruckend, wie majestätisch und auch protzend dieser Palast die Innenstadt beherrscht. Die Besichtigung des Palastes haben wir uns erspart, da doch für die ganze Familie recht teuer und im Inneren überwiegend kahle Wände zu sehen sind. Die Fresken wurden nämlich vor vielen Jahren alle abgeschlagen. Auch hier empfiehlt sich ein zwangloses Schlendern durch die kleinen Gassen und über die Plätze. Nur vom Eis muss ich abraten, das war überteuert und nicht besonders schmackhaft. Dies sollte doch besser den Italienern überlassen werden, dafür reicht den Franzosen bei vielen anderen kulinarischen Genüssen kein anderes Land der Welt das Wasser.

Am nächsten Abend war die Stadt gespickt mit Veteranen, historischen Kriegsmaschinen und Fahnen. Ebenso war ein großes Feuerwerk angekündigt. Google erklärte uns, dass jedes Jahr am 25. August ein Festtag anlässlich der Befreiung der Stadt von den Deutschen im Jahr 1944 veranstaltet wird. Daher war es für uns alle ein sehr schönes Gefühl, 71 Jahre danach friedlich und gemeinsam mit Massen an Franzosen, Holländern, Engländern, Deutschen und anderen Nationen dem wirklich schönen Feuerwerk zusehen zu können. Damals haben sich diese Nationen gegenseitig niedergemetzelt, heute bewundern wir gemeinsam die strahlenden Lichter am Himmel. Glückliches Europa in Frieden, das sollte man auch in unserer heutigen Zeit nie vergessen!!!


Tage 5 bis 9 – Ab zum Mittelmeer


Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir Avignon und machten uns auf den Weg zum Mittelmeer. Schließlich sollte nun nach dem Kulturprogramm der Erholungsurlaub beginnen. Auch hier verzichteten wir auf die Autobahn, die Route über die Nationalstraßen war aber sehr gut zu fahren. Außerdem stieg die Spannung, wann wir zum ersten Mal das Meer sehen und riechen konnten. Bald war es so weit und gleichzeitig erblickten wir die ersten Nachteile dieses Meeresabschnittes: In den Sechzigerjahren war hier noch alles voller Mücken, die französische Regierung wollte aber unbedingt diese Gegend ebenfalls touristisch erschließen was dann auch unter Einsatz von viel Chemie auch gelang. Leider wurden dann aber viele hässliche Zweckbauten hingeklotzt. Von weitem sahen wir dann beispielsweise die überaus schrecklichen Bauten von La Grande Motte. Wer hier Urlaub macht… na ja, meins ist das nicht unbedingt. Je näher wir an das Meer kamen um so voller war es dann auch schon. Sämtliche Parkplätze am Meer waren auch hier mit den mittlerweile bekannten Barken versehen, also keine Chance für einen kurzen Strandabstecher.



In Sète dann der erste Stau des Urlaubes: Die Stadt soll ja ganz schön sein, leider sahen wir nur die Durchgangsstraße, dies aber ausgiebig. Ich will mir gar nicht vorstellen wie voll es hier in der Hochsaison ist. Als wir schließlich unseren Zielort Marseillan-Plage erreichten schauderte es mir schon wieder: Ein reiner Touri-Ort mit einem Neppgeschäft nach dem anderen! Ich war ja schon durch die Internetrecherche vorgewarnt, wenn man es dann aber live erleben darf schüttelt es einen doch immer wieder. Hinzu kommt, dass ich es nicht besonders attraktiv finde, z. B. neben offen zur Schau gestellten Bierbäuchen einkaufen zu gehen. Es ist doch überraschend wie manche Leute im Urlaub jeglichen Sinn für Ästhetik verlieren, ich gebe zu ich bin da etwas überempfindlich aber warum lassen die Leute im Urlaub alle Hemmungen fallen und daheim nicht?

Aber wir wollten ja unseren Kindern das Meer zeigen, so fuhren wir auf den Campingplatz Camping-Beauregard-Plage. Hier konnten wir uns einen Platz ganz in Meeresnähe aussuchen, auch hier wieder viel Platz auf der Parzelle. Sanitär & Co. war ganz ok, klar ist durch das Meer überall Sand aber schließlich ist man ja beim Camping und nicht im Hotel. Wenn man aber bedenkt, dass der Platz in der Hochsaison fast doppelt so viel kostet, wäre das für mich ein Grund, eher im Hinterland zu stehen (wobei ich nicht so bescheuert bin, im Juli/August direkt ans Mittelmeer zu fahren ;-)). Selbstverständlich ziehen solche Plätze gerne auch Jugendliche an, was wir besonders nachts mitbekamen. Wer Ruhe sucht sollte also auch eher woanders hin.



Aber genug kritisiert, wir standen nur ca. 50 Meter vom Strand entfernt. Und was soll man zum Meer auch anders sagen als: traumhaft! Ein schöner Strand, der gar nicht mal so überfüllt war, tolle Wellen, die am besten auf einer Luftmatratze zu genießen sind, aufmerksames Strandpersonal, das bei zu viel Wind bestimmte Badebereiche sperrte und nachts ein wunderbarer Vollmond über dem Meer. Besonders zu genießen mit Picknickdecke und einer Flasche Wein. Das entschädigte für die touristischen Auswüchse.






Im Ort gibt es diverse Einkaufsmöglichkeiten, am Eingang des Platzes eine Boulangerie und besonders empfehlenswert ein tolles Fischgeschäft mit absolut frischer Ware. An die leckeren Muscheln muss ich heute noch denken… Von den Pizzen würde ich aber auch abraten, hier gilt das Gleiche wie mit dem Eis in Avignon, lieber den Italienern überlassen und sich statt dessen an den frischen Fischen laben.

Weil wir gerade so gut standen und alles aufgebaut hatten beschränkten sich die Ausflüge auf kleine Fahrradtouren ins Hinterland. Nachdem man sich an diversen weiteren Neppeinrichtungen vorbeigekämpft hat (Rummelplatz, Kart-Bahn) kann man in den alten Fischerort Marseillan gelangen. Hier muss es wohl ruhiger zugehen, so weit habe ich es aber nicht geschafft und habe mich lieber der Kulinarik und dem Strand gewidmet, schließlich war nun Erholung angesagt und dazu gehört für mich als Nichtsportler Radfahren eindeutig nicht dazu ;-).




Tage 10–11: Zurück zur Ruhe in die Cevennen

Trotz Protesten unserer Jungs hatten wir nun genug vom Meer gesehen. Der vorausgegangene Abendspaziergang durch den Ort entlang diverser Karaoke-Bars und vorbei an aufdringlichen „Kommen Sie doch zu uns Essen“-Personal an den Restaurants hatte uns den Abschied erleichtert. Unser letztes Ziel waren die Cevennen, das absolute Gegenteil zum Meeresrummel. Diese einsame Gegend ist ziemlich entvölkert, die große Armut trieb die Leute in die Städte. Nach diversen Förderprogrammen der EU und des französischen Staates konnte aber der sanfte Tourismus etwas angekurbelt werden. Trotzdem sieht man hier immer noch sehr viel verlassene Häuser oder sogar ganze verlassene ehemalige Kleindörfer. Aber der Midi ist hier perfekt zu spüren: Die Menschen sind gelassen, etwas rau aber durchaus freundlich, die Luft enthält Aromen der Wildkräuter, das Sonnenlicht ist traumhaft, die teils abenteuerlichen Felsen sind wunderschön und der Himmel ist irgendwie blauer. Alles natürlich total subjektiv beschrieben aber schon vor 20 Jahren war dies unsere absolute Lieblingsgegend in Frankreich, gerade weil sie auch in der Hochsaison nicht zu voll war.

Der Weg dorthin führte uns nochmals an den sehr schönen Etangs entlang, kleinen „Meeresseen“ entlang der Küste. Nun war uns auch klar warum hier das Zentrum der französischen Muschel- und Austernproduktion liegt. Soweit das Auge blickte Holzgestelle im Wasser, die zur Zucht der Meerestiere genutzt werden (hätte gerade wieder einen Sack davon kaufen und essen können…). Je weiter wir Richtung Norden fuhren um so leerer wurde es auf den Straßen, teilweise auch enger. Tipp am Rande: Man sollte nicht immer stur seinem Navi folgen sondern auch die Himmelsrichtungen beachten oder einfach den Hauptstraßen folgen. Teilweise führt die Berechnung der schnellsten Strecke dazu, dass man von der Hauptstraße heruntergeführt wird, durch enge Dörfer fahren muss nur weil das in der Berechnung zu 1 Minute Zeitersparnis führt. Also ganz altmodisch auch mal einen Blick in die Landkarte werfen, das erspart den Stress mit einem doch teilweise recht unhandlichem Gefährt in engen Gassen.



Wir erreichten frühzeitig unseren Platz in St. Ambroix Camping-Beau-Rivage. Hierzu muss ich sagen, dass wir diesen Platz rein aus nostalgischen Gründen gewählt haben, für Wohnmobile ist er nicht unbedingt zu empfehlen. Es geht teilweise steil runter, einige Plätze sind auch etwas schief, die Entsorgung von Brauchwasser geht mangels zentraler Station nur mit dem Eimer. Außerdem war um diese Zeit die Saison bereits vorüber, das heißt es gab kein Brot auf dem Platz, ebenso war das Bistro am „Animationszentrum“ nicht mehr besetzt. Uns war das ganz recht, schließlich suchten wir die Ruhe. Mit dem Fahrrad sind es ca. 10 Minuten bis in den Ort, hier stehen zwei große und gut eingerichtete Supermärkte zur Verfügung. Ich kam also um sportliche Aktivitäten morgens nicht herum, was aber gar nicht so schlimm war, konnte ich auf diese Art und Weise doch sehr früh die wunderbare Landschaft genießen.

Der Platz hat mittlerweile auch einen kleinen aber schönen Pool, sowie Spielplatz und Tischtennis. Mehr braucht es auch nicht denn das Beste ist die direkte Lage am Fluß Cèze. Hier kann man z. B. schnorcheln und dabei die Fische verfolgen, sich an den Stromschnellen wie an einem Whirpool fühlen, mit den Kindern vom Felsen ständig reinspringen oder einfach nur sitzen, lesen und dem dem Flußrauschen zuhören. Unseren Kindern wurde es jedenfalls nie langweilig. Im September gibt es in dieser Gegend aber auch schon heftigste Regenfälle, dann treten die Flüsse schnell über ihre Ufer und es kann ganz schön ungemütlich werden. Dies sollte man wissen wenn man irgendwo in Flussnähe übernachten sollte.

Wir unternahmen auch eine Paddeltour auf dem Cèze, dies kann ich aber nur bei gut gefülltem Flussbett empfehlen. Teilweise war es schon sehr flach so dass einer aussteigen und schieben musste. Hier würde ich eher eine Tour auf der Ardèche empfehlen, ist zwar teurer jedoch deutlich schöner.






Tag 12: Gorges de l‘Ardèche

Gleich am nördlichen Teil der Cevennen grenzt das schöne Tal der Ardèche. Die Schlucht zu durchfahren ist in der Hochsaison auch nicht immer ein Spaß, bei uns im September war das aber kein Problem. Als erster Haltepunkt war der Parkplatz nach Vallon Pont d’Arc Pflicht, um die berühmte Felsenbrücke bewundern zu können (Fußweg vom Parkplatz ca. 10 Minuten). Auch hier kann man durchaus länger verweilen und seine Badesachen mitnehmen. Der Fluss ist sehr sauber und die Erfrischung tut gut. Anschließend ging es steil aufwärts, immer an der Schlucht entlang. Es gibt an der Strecke einige gut ausgebaute Haltplätze, eigentlich könnten man an allen anhalten aber das würde die Fahrt doch etwas sehr verlängern. Man hat wunderschöne Aussichten auf die Schlucht, ein guter Fotoapparat sollte hier nicht vergessen werden. Den Berg runter sollte man dann auch mal die Motorbremse nutzen, manchmal ist es doch schon recht kurvig. Aber im Vorfeld hatte ich es mir schlimmer vorgestellt, ging also.

Nicht zu vergessen sind die weiteren Sehenswürdigkeiten in der Nähe dieses schönen Tales. z. B. Aven d’Orgnac, eine spektakuläre Tropfsteinhöhle. Den Dinopark gegen Ende der Schluchtstraße kann man sich aber sparen, das ist reiner Nepp. Sofern man am Ende der Tour in Aiguèze den Fluß überqueren will sollte man unbedingt beachten, dass die Brücke nur Fahrzeuge mit einer maximalen Breite von 2,40 m zulässt. Wir haben das noch rechtzeitig gesehen und sind weitergefahren bis Saint-Just d‘Ardèche. Hier ist es dann kein Problem mehr, zurück nach St. Ambroix zu kommen.








Somit hatten wir unsere ganzen Sehenswürdigkeiten abgehakt und verbrachten die restliche Zeit mit dem ausgiebigen Testen der französischen Spezialitäten und dem süßen Nichtstun. Die Nächte waren nun schon deutlich kühler, da sternenklar. Betonung auf Sterne denn die nächtliche Aussicht auf den Sternenhimmel war nicht zu vergleichen mit der in unseren Breitengraden. Glasklarer Blick auf das ganze Firnament, da hätte sich ein Teleskop gelohnt. Sich einfach auf die Picknickdecke legen und in den Himmel schauen hat es aber auch getan.


Tag 13 – Heimweg über Lons-le-Saunier


Schweren Herzens mussten wir nun den Heimweg antreten. Zum Abschluss konnten wir auf der Paßstrasse von Joyeuse über Aubenas nach Privas noch ein letztes Mal die Landschaft genießen. Gemeinerweise hatte uns der Wettergott eine ganz klare Sicht geschenkt so dass wir am liebsten noch länger dageblieben wären. Aber die Pflicht rief. In der Nähe von Lyon wollte ich partout nicht die Anweisungen des Navis beachten (siehe oben), diesmal hätte ich aber besser darauf gehört. Sehr schnell fanden wir uns mitten in der Stadt bei entsprechendem Verkehr wieder. Durch den Stillstand konnten wir aber noch ein wenig von der Innenstadt sehen was dann auch ganz nett war. Zeitstress kennt man ja auf solchen Touren nicht, hat also alles auch seine guten Seiten. Tipp: Vor Städten dann doch lieber auf das Navi hören, auch wenn es einem komisch vorkommen sollte.

Somit kamen wir etwas später als gedacht an unserem letzten Übernachtungsplatz in Lons-le-Saunier an Camping-Marjorie. Der Weg zum Platz durch die Stadt animierte uns nicht gerade, dort abends noch eine Besichtigung zu unternehmen. Lieber machten wir es uns im Womi bei schon deutlich niedrigeren Temperaturen gemütlich während draußen bereits etwas Laub von den Bäumen fiel.

Der Platz ist für eine Übernachtung gut geeignet. Nichts Besonderes aber auch hier wieder alles sauber, wenn auch etwas veraltet. Man sollte versuchen, im hinteren Teil des Platzes einen Platz zu bekommen. Vorne liegt der Platz an einer stark befahrenen Straße, die auch nachts recht viel Lärm macht. Ansonsten gab es hier noch einen schönen Kinderspielplatz mit Trampolin, der Stresstest durch unsere Jungs fiel aber wegen des späten Ankommens aus.




Tag 14 – Heimfahrt

Am nächsten (kühlen) Morgen wurden noch die letzten französischen Spezialitäten eingekauft. Für Käsefreunde ist hier in der Nähe von Poligny der Intermarché zu empfehlen, dahinter ist nämlich eine Käserei in der man frische Molkereiprodukte kaufen kann, vor allem den in dieser Gegend hergestellten Comté (würziger Hartkäse). An Werktagen kann man auch noch einen Blick in die Käserei werfen, die war bei uns am Samstag zwar zu, dafür war das Lager mit den riesigen Käselaiben äußerst beeindruckend.

Unser Heimweg führte uns durch das Elsass gemütlich wieder auf die deutsche Seite des Rheins. Auch hier ließe sich wunderbar ein Kurzurlaub verbringen. Von der Architektur her ganz anders, mit immer noch vielen deutschen Einflüssen (z. B. Ortsnamen) und im Allgemeinen alles recht entspannt. Das ist das Schöne an den Touren über die Landstraßen, immer findet man neue Ziele für spätere Womi-Touren.

Unsere Heimat empfing uns mit Sonnenschein, ein wundervoller Urlaub ging zu Ende und wir freuen uns auf die nächste Mini-Tour-de-France. Ich hoffe, der Bericht war für euch nicht zu lang und wünsche allzeit gute Fahrt.


wohnmobilbenutzer am 25 Mär 2016 11:12:05

Hallo,

sehr schöner Bericht mit informativen und gut lesbaren Texten. Weiter so!


Grüße

Guenni3967 am 25 Mär 2016 11:28:15

Hallo und Guten Morgen,
Danke für den schönen Reisebericht, wir möchten auch los-aber geht erst ab dem 1.4 wieder

Momentum am 25 Mär 2016 12:30:44

Danke,

kurzweilig geschrieben, besonders der direkte Vergleich mit Euren ersten Urlauben hat mir gut gefallen. Zu unseren Tour-Zielen sind auch gleich wieder einige dazu gekommen. Wir müssen leider noch bis Herbst ausharren.

Gruß
Momentum

Ganzalleinunterhalter am 25 Mär 2016 12:32:55

Hallo Alex, Danke für's mitnehmen, den größten Teil eurer Strecke wiedererkannt.
An der Mttelmeerküste bei Marseillan Plage war ich vor einigen Jahren auch geschockt wie sich das seit unserem ersten Besuch 1971 verändert hat, würde ich in der Hauptsaison auch meiden. Offensichtlich hat man/frau als Saarländer eine besondere Beziehung zu dem Nachbarland wobei ich doch davon ausgehe daß Du trotz Deiner Bedenken mit der französchischen Sprache zurechtgekommen bist :lach:
Hätte noch eine kleine Bitte zu dem toll bebilderten Reisebericht, eventuell könntest Du zu den einzelnen Zielpunkten noch die Koordinaten bekannt geben - viele nutzen solch gut geschrieben Reiseberichte gerne auch als Anregung zum Nachreisen.

Grüße von einem Exilsaarländer ( Saarpfalzkeis ) aus der Westpfalz
Horst

harrymobil am 25 Mär 2016 14:27:18

:dankeschoen: Alex ,wirklich ein kurzweiliger Reisebericht.
Obwohl wir erst letzten September in Südfrankreich waren, bekomme ich schon wieder auf´s neue Lust :ja:

mk9 am 25 Mär 2016 16:06:46

Hallo Alex,

danke für den Bericht. Ich denke, dass sich in den Orten am Mittelmeer bezgl. des Rummels nicht viel geändert hat. Waren 1990 in Marseillan-Plage.
Gerade noch zu ertragen. Dann in VIAS sur Mer, grausam. Nie mehr zum Mittelmeer auf diese Campingplätze. Nun, wenn die Kinder ihren eigenen Urlaub gestalten, so kann man andere Gegenden in Frankreich aufsuchen um den Urlaub zu genießen, vor allen Dingen außerhalb der großen Ferienzeiten.

Aber Hauptsache war ja, dass ihr einen schönen Urlaub verbuchen konntet.

Gruß vom linken Niederrhein
Manfred

bonjourelfie am 25 Mär 2016 16:29:28

Hallo Alex,

da hätten wir uns im September ja fast auf dem CP in Marseillan-Plage treffen können. Auch wir waren beeindruckt von der Hässlichkeit dieses Ortes, sind aber auch wegen des phantastischen Strandes und der tollen Radfahrmöglichkeiten geblieben.
--> Link
Dein Reisebericht gefällt mir sehr gut und macht schon wieder Lust auf Frankreich.

LGElfie

loeffel123 am 25 Mär 2016 18:04:47

Hallo zusammen,
vielen Dank für die netten Antworten :) .

Ergänzend noch anbei die Koordinaten zu den Campingplätzen:

Camping Louhans:
Latitude: 46.624356
Longitude: 5.216951999999992

Camping Avignon:
Latitude: 43.955881
Longitude: 4.803016000000071

Camping Marseillan-Plage:
Latitude: 43.3137892
Longitude: 3.5479106999999885

Camping Marseillan-Plage:
Latitude: 43.3137892
Longitude: 3.5479106999999885

Camping St. Ambroix:
Latitude: 44.2380375
Longitude: 4.19699890000004

Camping Lons-le-Saunier:
Latitude: 46.685203
Longitude: 5.568726999999967

Frohe Ostern wünscht
Alex

Rossi64 am 25 Mär 2016 21:23:04

Vielen Dank für den tollen Bericht.

Ich muss mal wieder nach Frankreich

bartcreme am 28 Mär 2016 07:02:10

Frankreich erleben - Nur nicht in der Hauptsaison !
Einige Ziele im Reisebericht kenne ich auch. Wir nehmen uns aber mehr Zeit zum Erlebennis.
bc

tuga am 28 Mär 2016 10:56:41

Vielen Dank für diesen schönen und sehr gut geschriebenen Reisebericht!

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