Anreise
Von Deutschland aus führt der Weg nach Spanien durch Frankreich. Da unser Womo über 3m hoch ist, kann die französische Autobahn sehr teuer werden. Wir haben uns weitgehend für die National- und Landstraßen entschieden, die teilweise autobahnähnlichen Charakter haben und man auf ihnen flott vorankommt. Zudem hatten wir es nicht eilig und wir haben uns auf ein paar Tage in Frankreich gefreut, in dem wundervollen Land, in dem wir unsere erste Womo-Reise unternommen hatten.
Die Grenze haben wir bei Mühlhausen überschritten und das erste Teilstück auf der Landstraße war schon recht kurvig mit vielen Ortsdurchfahren. Danach ging es fast ausschließlich einfach auf N-Straßen quer durch Frankreich. Hinter Bordeaux sind wir dann bei Biganos auf der Autobahn bis nach Spanien / San Sebastian gefahren, was uns über 30 Euro an Mautgebühren gekostet hat.
Geld
Klar, auch in Spanien gibt es den Euro. Viel Bargeld habe ich nicht benötigt, denn meist habe ich mit der Kreditkarte bezahlt. Bei der richtigen Bank und durch den Einsatz der passenden Karte konnte ich in Spanien gebührenfrei bezahlen bzw. an den Automaten Geld holen.
Land & Leute
Das Land ist verglichen zu Deutschland ungewohnt weit und nur dünn besiedelt. Und der Großteil Spaniens ist sehr hoch gelegen, d.h. es ist recht bergig und der Frühling hält dort für diese südlichen Breiten erst recht spät Einzug. So ist das zentral gelegene Madrid mit 667m die höchst gelegene Hauptstadt der EU. Und wo wenig Menschen wohnen hat die Natur noch viel Platz und die Nationalparks Spaniens sind wunderschön (mehr dazu bei meinen Highlights, siehe oben).
Zu den Spaniern haben wir nur wenig Kontakt gehabt. Ein paar Wochen vor der Abfahrt Spanischlernen haben mir nicht gereicht, um eine Unterhaltung in der Landessprache zu führen und von den Metropolen mal abgesehen, sprechen die Spanier nur wenig Englisch, auch die Jungen nicht. Ich hatte aber auch oft das Gefühl, dass gar kein Interesse vorhanden war, mit Fremden in Kontakt zu treten.
Sicherheit
Um die Sicherheit hatte ich mir offen gesagt etliche Gedanken zu Spanien gemacht. Das Land war schon immer in Verruf für Diebstähle und Einbrüche bei Touristen. Die Wirtschaftskrise und die hohe Jugendarbeitslosigkeit hat die Situation sicherlich nicht verbessert. Wie war die Stimmung auf Deutsche generell? Konnte das Womo Ziel von Vandalismus werden?
Mit diesen Bedenken und Fragen habe ich dann mit gemischten Gefühlen die Reise angetreten. Zunächst fällt in der Tat auf, dass die Eingangstür und alle Fenster der unteren Etage, meist auch die der oberen, mit schweren Gittern versehen sind. Aus Angst vor Einbrüchen zieht man es scheinbar vor in einem Gefängnis zu leben. Auf mich wirkten die dicken Eisenstäbe jedenfalls sehr bedrückend.
Trotzdem haben wir uns in Spanien sicher gefühlt: Auf Parkplätzen habe ich nur einmal die Scherben einer eingeschlagenen Autoscheibe gefunden. In Südfrankreich war das regelmäßig der Fall. Zudem ist die Polizei Tag und Nacht Patrouille gefahren, was uns ein zusätzliches Gefühl an Sicherheit vermittelt hat. Wie auch immer, uns und unserem Womo ist kein Schaden zugefügt worden und wir haben auch von keinen Vorfällen direkt mitbekommen.

Straßen & Verkehr
Das Land ist groß und weit, aber auf spanischen Autobahnen kommt man entspannt zu seinem Ziel. In der Regel sind die Straßen in einem hervorragendem Zustand und von den Ballungszentren abgesehen, sehr leer. Oft sind wir am helligten Tag auf der Autobahn gefahren, ohne eine viertel Stunde lang ein anderes Fahrzeug zu sehen. Neben den kostenlosen staatlichen Autovia gibt es noch die Autopista in privater Hand, die eine Mautgebühr verlangen. Zu diesen eher wenigen Bezahlstraßen gibt es aber meist auch eine gute, kostenlose Alternative.
Die spanischen Autofahrer sind sehr, sehr rücksichtsvoll. Unserem Womo wurde bereits Platz gemacht, bevor ich reagieren konnte. Auch das Halten vor Zebrastreifen, bei uns schon etwas aus der Mode gekommen, wird von den Fußgängern erwartet und von den Autofahrern stets berücksichtigt.
Tanken
Diesel in Frankreich heißt Gazole. In Spanien heißt Diesel auch Diesel, aber manchmal eben auch Gasóleo, was sehr ähnlich zu Gasolina klingt, aber Benzin ist! Bezahlt habe ich immer mit Kreditkarte, Diesel Frankreich ist teurer als in Deutschland. Am billigsten ist er in Spanien, insbesondere bei Supermärkten.
Übernachtung & Stellplätze
In Spanien konnten wir problemlos freistehen. Übernachtungsverbotsschilder gibt es wohl hauptsächlich am Mittelmeer. Überall anders scheint das Freistehen toleriert zu werden.
Auch wird das Netz an offiziellen Stellplätzen für Wohnmobile immer dichter, sodass wir insgesamt nur drei Nächte auf dem Campingplatz verbracht haben. Die ACSI-Karte hatte sich für uns jedenfalls nicht gelohnt.
Als Quelle für Übernachtungsplätze hatten wir wie immer die Bücher vom Womo-Verlag „Spanien-Nord“ und „Spanien-Süd“ im Gepäck. Zudem hatte ich auch eine Stellplatz-App eines holländischen Anbieters parat, immerhin haben die Niederländer ja das Camping erfunden ;-)
Eine gute Adresse im Netz scheint mir auch Womo Iberico --> Link mit seiner Stellplatzkarte zu sein. Dann gibt es noch das spanische Pendant zum Landvergnügen: Espana Discovery --> Link, aber bislang gibt es nur relativ wenige Plätze.
Ver- und Entsorgung
Frischwasser: haben wir immer an CP/SP getankt. Meist konnten wir den Schlauch anschließen, aber gelegentlich musste auch unsere Gießkanne zum Einsatz kommen. Generell ist das Wasser stark gechlort und das ist wohl auch gut so: meist kommt das Wasser sehr warm aus der Leitung und ist teils auch trüb gefärbt. Zum Kochen habe ich es verwendet, zum Trinken empfehle ich auf die Plastik-Flaschen aus dem Supermarkt zurück zu greifen.
Abwasser: Entsorgt haben wir ebenfalls auf CP/SP. Mit der zweiten Toiletten-Kassette waren wir lange unabhängig.
Lebensmittel: In den Supermärkten bekommt man den Eindruck, dass es den Spaniern hauptsächlich um billige Lebensmittel geht, oft mit einer langen Liste von E-Zusatzstoffen. Bioprodukte sind die absolute Ausnahme. Spanien ist unter anderem berühmt (und das zu Recht) für seinen Käse und luftgetrockneten Schinken. Beides gibt es in den Supermärkten in überwältigender Vielfalt. Da heißt es durchprobieren :-) Den Schinken besser frisch an der Theke aufschneiden lassen, denn einmal in Folie eingeschweißt hat er viel von seinem Geschmack eingebüßt. Wer will, kann sich auch gleich ein ganzes Schweinebein in den Einkaufswagen einladen, aber wer will sich da durchessen? Nach ein paar hundert Gramm im Urlaub hatte ich jedenfalls für eine Weile genug Schinken.

Beim Brot hat sich das Baguette durchgesetzt. Der Aufpreis zu einer Bäckerei lohnt in der Regel nicht, da die Stangenweißbrote aus den Supermärkten meist sogar besser schmecken.
Müll-Recycling: Auf den Campingplätzen ist das Recycling nicht recht konsequent umgesetzt und wird dann spätestens von den Gästen zu Nichte gemacht, die den gesamten Müll unsortiert in eine Tonne werfen. In den Städten stehen aber verteilt am Straßenrand Recycling-Container.
Hund
Bei der Einreise muss der Hund gegen Tollwut geimpft sein, kontrolliert wird allerdings in der Regel nicht. Über Spanier und ihrem Verhältnis zu Hunden hatte ich bereits viel gehört, meist nichts Gutes: Einem Hund wird in Spanien höchstens mit geworfenen Steinen Aufmerksamkeit gezollt und in manchen Gegenden werden nicht mehr benötigte Hunde gar an Bäumen erhängt. Entsprechend überrascht war ich, ein vollkommen anderes Bild vorzufinden. Es gibt sie zwar noch, die Hunde, die irgendwo im Nirgendwo in einem Zwinger oder angebunden auf eine armseliger Gartenlaube aufpassen müssen, aber in den meisten Fällen, habe ich Spanier als Hundenarren erlebt, die alles für ihre geliebten Vierbeiner tun würden. Wie gesagt hatte ich mit Spaniern sonst nicht so viel Kontakt, aber über den Hund sind wir oft ins Gespräch gekommen. Mit einem Hund ist man nie alleine ;-)
Internet & Kommunikation
Zum Surfen habe ich mich für das EU-Internet-Paket von AldiTalk jeweils für eine Woche entschieden. Das war einfach, weil ich ohnehin die SIM hatte. Inzwischen bekommt man 500MB für 5€, das ist ok zum gelegentlichen Surfen. Telefonieren wird im EU-Ausland bei AldiTalk ohnehin genauso berechnet wie Anrufen innerhalb Deutschlands.
Fazit
Insgesamt haben wir einen Monat in Spanien verbracht, sowie zwei Wochen in Frankreich. Die Spanier sind uns, von den Begegnungen mit Hund abgesehen, meist fremd geblieben, aber das weite Land mit der sagenhaften Natur hat uns begeistert. Auch hat Spanien unheimlich viel an Geschichte und Kultur zu bieten.
Das Touristische Leben spielt sich vor allem an den Küsten mit Schwerpunkt Mittelmeer und den Metropolen ab. Aber ich finde, dass dabei das Landesinnere vollkommen unterschätzt wird. Daher werden wir mit Sicherheit dort zurückkehren und uns auch noch Nordspanien anschauen, das wir wegen dem noch recht kühlen Wetter im April/Mai diesmal noch weitgehend ausgespart haben.
Übrigens: Reisen bildet und befreit von Vorurteilen, wie wir mal wieder selbst feststellen durften :-)

