rolandderaeltere am 11 Jan 2017 17:04:37

Russland „vor der Krim“...

Selbstverständlich hat sich zu so manchem Thema im Laufe der Jahre schon einiges geändert. Das sollte aber jeder Schreiber und auch Leser voraussetzen.
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Hallo,

2013 durften wir wieder einmal eine Reise mit unserer heiligen Kuh (unser Reisemobil) in einer Art machen, wie wir sie eigentlich 1971 schon begannen:
Ein Ziel welches schon lange ein Traum war, eine Zeitspanne die Hetze weitgehend ausschloss.

Während dieser Reise berichtete ich einige Male im Forum der Interessengemeinschaft Syncro 16“, einem Internetforum für Enthusiasten der alten VW-Busse T3 mit Allradantrieb.
Hier für alle die daran Interesse haben, zum mitlesen:
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Wir dürfen den Rubel rollen
Verfasst am: Fr Mai 03, 2013 12:17 am


Hallo,

wir haben endlich unsere Visa in den Pässen !

Ab dem 1. Juni dürfen wir uns 88 Tage in Russland rumtreiben! Unsere Jungfernfahrt dort.
Der Start soll ca. in einer Woche oder so stattfinden. Schaun wir mal, wie lange "oder so"dieses Mal dauert.
Wir wollen über das Baltikum einreisen, dann nördlich in Richtung St. Petersburg und darüber hinaus, dann vielleicht den "goldenen Ring"streifen, rechts oder links am Don gen Süden in Richtung Georgien um dann in die Türkei, oder Ukraine auszureisen. Sollten wir schneller wie erwartet vorwärts kommen, denken wir auch daran Kalmückien einen Besuch abzustatten.

Wer ist denn zu dieser Zeit von Euch auch in dieser Gegend unterwegs?
Wäre schon schön, Planung, Erfahrungen, ja zur Not auch Ersatzteile oder sonstige Hilfen austauschen zu können.
Nach dem Start sind wir (hoffentlich) am besten per Email zu erreichen.
Gerne natürlich auch schon jetzt.

Gespannt, welche Emailmengen wir zu bewältigen haben werden
grüßt wieder einmal
noch aus Niederbayern

Rolandderältere
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Wir sind in Russland!
Verfasst am: Mo Jul 15, 2013 7:32 pm

Hallo,

Jetzt kommt doch wirklich ein klitzekleiner Schritt für die Menschheit, jedoch DER, auf den wir uns doch schon seit Beginn jeglicher Reiseplanung, mit Ziel Russland, hin konzentrierten. Ob das wohl klappt? Schließlich erwähnte selbst das russische Konsulat noch, dass der Grenzübertritt an der russischen Grenze, auch ohne Angabe von Gründen, versagt werden könne.

1. Halt am Schlagbaum. Sichtkontrolle der Pässe nebst Aushändigung eines zweifachen Laufzettels zum ausfüllen. Sprache nur russisch, aber sehr freundlich.
2. Halt an der polizeilichen Kontrolle der Pässe nebst Visa und Gesichtsinspektion. Autokontrolle von der Schiebetür aus in Sekundenschnelle. Ausreichend englisch und sehr freundlich.
3. Halt. Die Zollkontrolle bestand aus dem ausfüllen der Deklaration unter tatkräftiger Hilfe der lustigen, jungen und hübschen Beamtin. Ausreichend englisch, sehr lustiges Klima und äußerst freundlich.
4. Halt. Straßengebühr Rubel 210,00, € 5,25 bei einer Dame hinter dem Gitter, die doch endlich dem Klischee einer typischen Russin entsprach: Kein englisch und nachdem wir nur Euros vorzeigten, ein Handzeichen auf ein "Magazin", dem Gemischtwarenladen gegenüber. Dort bekamen wir problemlos und zum guten Kurs 40 Euros getauscht und konnten die Straßengebühr bei der Dame bezahlen, die uns optisch auch noch sicher machte: Wir sind ja schon drin!

Vom Zeitaufdruck auf der estnischen Quittung bis hinter dem Schlagbaum der Straßengebührsmatruschka dauerte alles zusammen 80 Minuten und war total stressfrei!
Damit hatten wir nun doch nicht gerechnet.

Eine lang erwartete Freude wollten wir uns auch gleich noch machen: Diesel tanken!
Diese Erwartung erfüllte sich schon einmal mit dem Preis von € 0,78. Eine russische Spezialität auch: Der gewünschte Preis wird im Voraus bezahlt, danach aufgefüllt. Wird wohl seine Gründe haben...

Na dann wollen wir mal die nächste Unbekannte angehen: Wie wird denn die OSM Generic Karte in unserem Navigator (Garmin Nüvi 760) arbeiten, für dessen Existenz Iris, meine hauseigene Computerfreakadelle, zuhause so viel Hirnschmalz verbrannte?
Pskov war der erste Ort, zu dem uns das gute Stück lotsen sollte. Eintippen lies er sich schon einmal, aber die Route sah so gerade aus, wie eine Luftlinie.
Start, "Steffi" (unsere deutsche Garminstimme) sprach wie gewohnt von abbiegen und abbiegen u.s.w.. Da werden wir uns wohl an eine etwas andere Navihilfe gewöhnen müssen?
Nach einigen hundert Metern, war dann alles wieder im Lot. Die Route folgte dem Straßenverlauf wie mit den originalen Karten. Uff.
Überhaupt sind wir bis jetzt äußerst zufrieden mit dieser Orientierungsmöglichkeit. Ein bleibendes Problem ist die Schreibweise von Straßen- oder Ortsnamen. Die Übersetzung vom kyrillischen ins lateinische, aber auch direkt kyrillisch eingetippt ist oft nicht im Sinne dieser Technik, so dass wir uns jedes Mal freuen, wenn wir auf Geodaten zurückgreifen können. Zum Glück sind die in vielen touristischen Druckerzeugnissen, die wir hier bekommen üblich.
Auf der Papierkarte ausgesuchte Ortschaften lassen sich bis jetzt zu ca. 30% eintippen. Als Lösung scrollen wir dann auf dem Display bei verschiedenen Maßstäben in unsere gewünschte Fahrtrichtung und setzen dann einen Punkt in das ausgesuchte Ziel, um diese Gehhilfe dann wie gewohnt genießen zu können.

In Pskov waren wir zwar zu spät für die Touristinformation, das "Lenta", eine riesige Filiale dieser Supermarktkette versprach uns aber 24 Stunden lang jeden Tag der Woche um unsere Rubel zu buhlen und stellte zu deren "rauslassen" gleich 5 (in Worten fünf) Geldautomaten zur Verfügung, die alle gerne die Visa Karte "akzeptierten".


Geldautomat

Das erste Einkaufen in Russland war natürlich auch eine Erwartung für sich. Schließlich hängt davon schon eine gewisse Lebensqualität ab.
Der erste Endruck war auch hier wieder positiv. Das Angebot regelrecht überwältigend. Sehr viel Bekanntes und interessantes Unbekannte. Die Preise waren überwiegend um unser gewohntes Niveau herum platziert.





Für einen Euro bekommt man ca. 40 Rubel!



Später sollte es sich herausstellen, dass man in den Filialen der großen Ketten preisgünstiger kauft, wie in den kleinen "Magazin´s" und "Produktis". Ist aber zuhause auch nicht anders.



Hinter diesen bewachten Wänden befindet sich ein äußerst gut sortierter "Tante Emma Laden".



Später haben wir dann auch die überwiegend angebotenen 1,5 Liter Bierflaschen da drin.

Ein Platz für die Nacht war in Pskov recht einfach gefunden. Dort fiel uns schon gleich eine, für ein ruhiges "stehen", sehr angenehme Eigenart der Russen in diesem Teil des Landes auf: Man nimmt fast keine Notiz von uns. Selbst Betrunkene trotten einfach nur ihres Weges, ohne Pöbelanstalten uns gegenüber. Hoffen wir einmal, dass das so bleibt.

Die Touristinformation!
Die einzige Kraft dort war absolut fremdsprachenfrei, dafür aber äußerst willig und hilfsbereit.
Wir erinnerten uns an eine Erfahrung, die Wolfgang16 hier schilderte und trafen ins schwarze: Da sie 2 Rechner mit Internet zur Verfügung hatte, unterhielten wir uns sehr gründlich per Google- Übersetzer.
Unsere Hauptanliegen waren erst einmal Adressen von Internetanbietern und das hier mögliche Procedere der "Registratur für Geschäftsreisende innerhalb von 7 Tagen ab der Einreise im Lande", vor der uns sämtliche Reiseforen, aber auch unsere Visaagentur regelrecht Respekt einflößten. Für Touristen, die üblicherweise in Hotels nächtigen, erledigen die diesen Akt. Bisher schien nur eine Hotelübernachtung die Lösung zu sein. So sah die erste Auskunft unserer Dame auch aus. Sie telefonierte mit dem "föderalen Migrationsdienst", der diese Prozedur wohl auch so bestätigte. Als wir dann aber klar machten, dass wir mit einem Wohnmobil unterwegs sind, kam die freudigste Erlösung wie aus einer Pistole geschossen: Für Reisende mit Wohnmobil gibt es keine Registrierpflicht!!! War das auf einmal eine Stimmung in diesen ehrwürdigen Mauern.
Uns klang das alles sehr kompetent. Als "Beweissicherung" habe ich auch gleich Fotos vom Bildschirm gemacht.



Angesagte Fahrtrichtung war jetzt Sankt Petersburg.
Wir starteten erst einmal auf der Hauptstraße, die in diese Richtung führte, erlebten da aber gleich eine Eigenart des russischen Autoverkehrs:
Für uns zuerst einmal brutal, aber mit bestimmten, herauszufindenden, Regeln!
Die großen Hauptstraßen sind bisher meist zweispurig, mit jeweils einer breiten "Standspur". Da wir auch hier wieder zu den langsameren Verkehrsteilnehmern gehören, ging es auch gleich los: Beim ersten, mit Vollgas rechts überholenden gab es noch einen gewissen Schrecken, dann aber bald die Erinnerung an einige Länder Afrikas: Einkalkulieren! Rechts wird offensichtlich immer überholt, wenn es überhaupt geht. Auf Einfädelspuren nach einer Kreuzung, Bushaltestelle oder an kleeblattartig ausgebauten Kreuzungen. Vollgas ist angesagt, wo es nur irgendwie geht.
So einfach mal nach Sankt Petersburg "autowandern" ist hier nicht möglich, also suchen wir nach ruhigeren Nebenstrecken. Mit den beschriebenen Einschränkungen unseres Navis merken wir recht bald, dass wir schon genau hin schauen müssen, um nicht ungewollt in, manchmal 100 Km lange, Sackgassen zu landen. Wir waren durch Reiseberichte zwar darauf vorbereitet, finden es deshalb aber auch nicht netter. Verkehrsplaner mussten wohl schon besondere Vorgaben gehabt haben...
Die hier recht wenigen Mit- Verkehrsteilnehmer fahren schon deutlich ruhiger. Oft ja alleine auf weiter Flur fehlt wohl doch der Hahnenkampf.
Auf diesen Straßen machen wir aber schon deutlich Bekanntschaft mit den Ursachen oft beschriebener Fahrwerksprobleme, gelösten Schrauben und gebrochener Federn. Tadellose Fahrbahn und solche mit allermiesester, hunderte Male geflickter Oberfläche mit Löchern an den blödesten Stellen (weil man doch gerade da seine Räder hinlenkt) wechseln sich stetig ab. Wie erwartet.
Näher in Richtung Sankt Petersburg führen diese Landstraßen immer öfter auf die Hauptstraße. Man kommt nicht mehr drum herum und landet so bald auf der Autobahn, die dann endlich in diese 5 Millionen Einwohner zählende Großstadt mündet. Selbstverständlich wieder mit Autos, die überall und in jeder Situation überholen. Wir sind ja mal auf die Innenstadt gespannt.
Zwar nicht gesittet, wie ich den Verkehr in London kenne, Fahrbahnmarkierungen fehlen hier größtenteils und ebenfalls große Löcher im Asphalt erfordern oft Slalomfahrten. Im Gegensatz zur Anfahrt auf die Stadt herrscht dort jedoch eigentlich richtig Sitte und Anstand.

Die Eremitage, für viele Leute fast ein Grund zum ausflippen.
Wenn wir Zuhause nur den Namen Saint Petersburg aussprachen, folgte die Frage, ob wir uns denn nicht auch die Eremitage dort "vorgenommen" hätten.
Hatten wir. Irgendwie waren wir auch schon lange auf dieses, eines der weltweit berühmtesten Museen gespannt.



Nicht nur, dass wir uns an diesem Tag angemessen zwischen Milliarden Euros zählenden Werten bewegten, sicher werden dort besuchstäglich auch viele Millionen Fotos geschossen. Erwartungsvoll ist die Stimmung bei jedem, nach dem Passieren der Eingangshalle.



Wenn man vorher wissen würde, was einem da für eine Fülle in Sachen Kunst serviert wurde, würde man es vielleicht nicht glauben, oder wenigstens eine gute Woche für den Besuch dort einplanen. Da das aber die ganz seltene Ausnahme zu sein scheint, werden die Besuchergesichter schnell immer müder und desinteressierter. Zitat eines französischen Paares "Bis hier her haben wir es geschafft, da müssen wir jetzt auch noch durch."



Uns ging es um keinen Deut besser.

Die Iris war tapfer und verstellte die Sicht zu den "Aufsichtsdamen" und meinem Fotoapparat, wenn hie und da für Werke ein Fotografierverbot bestand.



Ich hielt mich mit dem Ablichten der Werke leicht zurück und konzentrierte mich hauptsächlich auf lebendige Objekte, oder auch die, die solch einen Anschein erwecken sollten.





Nach dem Passieren des Ausgangs fragte ich die Iris ob sie in Kürze denn noch einmal, und wenn geschenkt, solch einen Besuch dort machen würde: "Frag mich doch mal in einer Woche wieder", war die Antwort.
Später kam dann aber doch ein wohlüberlegtes "Nein!".
Es war einfach alles zu viel. Vielleicht nur für uns?!
Mit 1000,00 Rubel, ca. € 25,00 für 2 Personen incl. einer Fotoerlaubnis war der Eintritt zwar zu bezahlen, für Einwohner Russlands galt jedoch 700,00 Rubel für die selbe Leistung. Macht mich leicht nachdenklich.
Wer die Eremitage allerdings am 1. Donnerstag im jeweiligen Monat besucht, zählt zu den 1. Siegern: Dann ist der Eintritt frei!

Unter den Besuchern im Museum gab es schon die eine oder andere deutsche Stimme. Deren Klangkörper waren aber offensichtlich fast alle eingeflogen. Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen sahen wir bisher noch keine!
Keine? Da gab es doch aber eine (in Worten EINE) Ausnahme. Das war allerdings nicht so einfach ein Fahrzeug, sondern immerhin ein VW Bulli T3!
Bis zu diesem Zeitpunkt sahen wir allerdings auch kein einziges weiteres Wohnmobil, gleich welcher Nationalität.



Einen recht luftigen Standplatz für unsere Nächte fanden wir am Golf von Finnland, auf einem ehemaligen Wohnmobilstellplatz, direkt zwischen schwer bewachten Regierungs- Empfangspalästen und einer Marina. Die Entsorgung fürs Porta Potti funktionierte noch bestens.



Wir fühlten uns irgendwie auch gut bewacht. Bewacht von einer übergroßen Bronzestatue Peters des Großen, im größten Land der Erde.



Auf dem Weg heraus aus Saint Petersburg gab es dann noch einen Leckerbissen für unseren Fotoapparat. Kurz bevor sie jetzt in eine Restaurierungswerft verschwindet, konnten wir noch die Aurora fotografieren.
Von den Matrosen aus Kronstadt auf der Aurora gingen die ersten Schüsse auf den Winterpalast mit dem letzten russischen Zaren, die die Oktoberrevolution einleiteten.

So, genug aus dem Osten für dieses Mal.
Die Sterne stehen offensichtlich gut, dass der nächste Reisebericht nicht solch einen riesigen Abstand haben wird, von diesem.

Schreibt uns auch recht fleißig, was sich so alles bei Euch getan hat
und seid wieder recht herzlich gegrüßt

von der Iris und ihrem älteren Roland



Jammernswertes
Verfasst am: Mo Jul 29, 2013 12:28 pm

Hallo,

wer seit unserem letzten Bericht auch den parallel im Technikbereich unseres VW Forums der IG Syncro 16“ , von den Problemen "Hitzewallungen"unserer heiligen Kuh, gelesen hat, weiß dass unsere Reise bei weitem nicht nur positiv verlief.
(Auf dieses Forum lann ich leider nicht mehr verlinken. Es ist leider "gestorben worden")

Seit Estland häufte sich so manches Unangenehme:
Angefangen mit dem Insektenproblem.
Das erste Mal im Baltikum, vor ca. 19 Jahren brauchten wir überhaupt nie Moskitonetz oder Chemie für die Haut. Dieses Mal waren wir für diese Viecher aber dermaßen attraktiv, dass für uns kein Spaß übrig blieb.
Unsere Einreise von Estland nach Russland erwies sich zu unserer gewählten Jahreszeit als suboptimal. Oder besser noch, als Fehler.
Wer die Landkarte darauf hin anschaut, findet deutlich Hinweise dass sich ein Sumpf an den anderen reiht. Konsequenz daraus war für uns wiederum, dass wir enorme Probleme mit der Standplatzsuche zum übernachten hatten.



Da wir möglichst nie jemand direkt vor seinem Grundstück belästigen wollen, andererseits dort auch nicht Gesten der oft üblichen Gastfreundschaft herbei provozieren möchten, verbieten sich für uns Standplätze dort.
Andere waren äußerst rar.
Ausreichend gerade Plätze, die nicht landwirtschaftlich bebaut, waren in der Regel die Müllkippe der umliegenden Anwesen.
Wer sich jetzt noch an die allabendlichen Wetterkarten vom Sommer 2013 im Fernsehen erinnert, weiß von einer großen Hitzewelle in Russland, während man in Deutschland bibberte und große Hochwasser vor sich hatte.
Statt gemütlicher Abende im Campingstuhl vor dem Auto gab es nur die totale Abwehr gegen Mücken, Bremsen und Fliegen, wobei letztere in der Art der Kamikazeflieger voll Angriff auf unsere Haut und Haare flogen. Das dann auch noch in einer Größe, nicht gerade die von Pferden, mindestens aber die von Einhörnern. Fastungelogen!
Zeitgleich gab es hier im IG Forum eine Diskussion über den möglichst erfolgreichsten Kampf gegen solche Plagegeister. Für uns blieb nur: Für die eingesperrten Stunden im stehenden Auto eine totale "Vergazeierung"aller Fensteröffnungen bei händigem ermorden möglichst aller blinder Passagiere. Letztes war da dann oft die Hauptbeschäftigung bis zum Einschlafen. Danach war dann aber Ruhe unter unserem Passform-Moskitonetz für das Bett.
Irgend einen Grund wird es ja wohl haben:
In Ortschaften fand eben geschriebenes nicht statt!



Wie oben schon angedeutet, zeigten die Instrumente unseres VW Bullis eine von Tag zu Tag steigende Kühlwassertemperatur an. Das, nachdem wir das Treibstoffversorgungssystem wieder von Pflanzenöl auf Diesel umgestellt hatten, da Pflanzenöl in Russland preislich nicht mehr attraktiv ist. Fälschlicherweise vermuteten wir dies als den Grund des Übels.
Für uns Hirten unserer heiligen Kuh begann ein Martyrium, welches so an die 3 Wochen anhielt. Unter diesem Link

klickt doch mal hier (dann kommt mittlerweile leider nur noch "Error 404", da das IG Syncro 16" Forum unglücklicherweise gestorben wurde.)

hatten wir unsere Bemühungen bis zur Lösung auch technisch interessierten Mitlesern dargestellt.
Bis wir in Moskau dann bei den dortigen Freunden des VW Bus Fan Club Russland endgültig die Lösung angehen konnten (ein elektronisches Bauteil der Temperaturanzeige war ausgefallen und unser, wohl doch schon zu alter, Wasserkühler litt unter Verstopfung), haben wir mindestens 30 Mal einen mehr oder weniger großen, aber nicht hilfreichen Eingriff machen müssen.



Werkstattbesuche brachten ein anderes Problem zutage: Mit Deutsch-, Englisch- oder Französischkenntnissen unserer Gegenüber, oder Russischkenntnisse unsererseits hätten wir wenigstens vermeiden können, dass jeder Werkstattchef das Problem "zu hohe Kühlwasseranzeige"immer wieder beim buchstäblichen A beginnen wollte: Blick in den Wasservorratsbehälter, Frage nach Wasserpumpe, Thermostat, Keilriemenspannung u.s.w.. Wir konnten, wegen allgemein mangelnder Fremdsprachkenntnisse, einfach nie klar machen, was wir alles schon selbst an Ursachen ausgeschlossen hatten.
Schließlich schrieb ich das Punkt für Punkt nieder, um mich mittels Google Übersetzer auch auf Russisch mitteilen zu können. Natürlich streikte da dann unsere eigene Internetverbindung zu Google. Ein Freund im deutschen IG Syncro 16"- Forum sandte uns im Forum die russische Übersetzung, die zwar Erklärung für die russischen Mechaniker brachte, aber trotzdem nur Ratlosigkeit hinterließ. Die offizielle VW Vertretung in Jaroslavl, der Stadt in der wir am längsten in einem Ort an unserem Problem herumdokterten, wollte uns unbedingt eine neue Zylinderkopfdichtung verbauen...
Zur Geschäftsmoral der verschiedenen Werkstätten ist noch sehr wichtig anzumerken:
Bis auf die eine Werkstatt, der ich (total überredet) das Kühlwasserthermostat ausbauen ließ, konnten wir nirgendwo auch nur einen Rubel bezahlen. Trotz oft stundenlangem recherchieren hieß es jedes Mal "kein Resultat, keine Bezahlung". Schier unglaublich.



Den wichtigsten Rückhalt bekamen wir von der deutschen IG Syncro16"Gemeinde per Beiträge im Forum. Im Endeffekt dann ja auch die Lösung.
Bis zum Ende dieser 3 Wochen bedeutete dies, mit steigender Tendenz, eine immer größere Ratlosigkeit, weil wir doch fast alles Erdenkliche schon ausgeschlossen hatten. Die meisten der Reparaturstopps fanden am Straßenrand, neben eben diesen schon erwähnten Müllkippen statt. Natürlich waren wir da wieder ein totales Angriffsziel der fliegenden Plagegeister der Sümpfe. Wenn es darauf dann zu einer neuen Probefahrt weiterging, die doch wieder nur einen Misserfolg zeigte, hieß es nach kurzem, sämtliche Innenraumheizungen aufdrehen um die angezeigte Kühlwassertemperatur abzusenken. Heizungen, die ja eigentlich für Außentemperaturen von -32°C und nicht von unseren hier herrschenden +32°C ausgelegt sind. Da wir überwiegend gen Süden fuhren, hatte die Iris zu unseren täglichen Hauptreisestunden auch noch die Sonne buchstäblich auf ihrer Seite.
So ward dann aus meiner Computerfreakadelle bald eine Art Grillhähnchen. Hier auch, etwas ostdeutsch, Broiler genannt.
Dass sie inmitten dieser Situation dann aber einmal mein schwaches, resignierendes "dann sollten wir uns vielleicht doch so langsam in Richtung Heimat bewegen..."entschieden von sich wies, werde ich wohl kaum gut machen können.
Um dem Ganzen auch noch einen gewissen makabren Touch zu geben, sind an lukrativen Stellen für einen Berufszweig auch noch Telefonnummern hinter kyrillischen Buchstaben groß annonciert:



Nachdem wir den "Evakuierer"als Abschleppdienst eingestuft hatten, sahen wir auf jedem Ast nur noch Aasgeier. Woher wohl diese Verbindung?

Um die Jammerei nicht all zu abrupt abzubrechen, soll hier auch noch vom Wasser die Rede sein:
Bis Estland war es kein Problem immer genügend Wasser, z.B. auf einem Campingplatz, vorher auch aus öffentlichen Hähnen, auch auf Friedhöfen für den eigenen Tank zu bunkern. Ab der russischen Grenze war damit Schluss. Campingplätze fanden wir bisher nur in Saint Petersburg, einmal Wasser an einer Tankstelle, allerdings aus einem fragwürdigen Tank, gut für die Windschutzscheibe oder zur Not auch den Wasserkühler. Auf Friedhöfen zieht man das Blumenwasser aus Brunnen. Wir murmelten automatisch etwas von Leichenwasser... Gut, weit ab von Friedhöfen hatte auch fast jedes Anwesen seinen eigenen Brunnen. Dafür fühlten wir uns aber noch nicht reif genug, zweifeln doch erst einmal an der Wasserqualität. Unseren fabrikneuen Katadyn- Wasserfilter wollen wir nur im Notfall in Betrieb nehmen. Als wir gerade, neben dem schon immer üblichen Trinkwasser, auch drei 8 Liter Plastikflaschen aus dem Supermarkt zum waschen gekauft hatten, fanden wir unseren ersten öffentlichen Wasserspender.
Was wir bis zu diesem Zeitpunkt mit dem Wasser zauberten, nannte die Iris "Pfützenmanagement"!
In Jaroslavl war das auch mit ein Grund, warum unser Tempo bei den Aktivitäten um unser Kühlwassertemperaturproblem einen offensichtlich so trägen Eindruck machen konnte. Um aber irgendwo in einer Werkstatt oder Ersatzteilgeschäft auftreten zu können, war es schon angebracht, nicht gerade zu müffeln. Also Wasser für die Hygiene bunkern.
Auch war die Entsorgung unseres Pottiinhaltes nicht in der Stadt möglich. Also auch deshalb täglich raus in die Botanik, wo man ihn dieser anvertrauen kann.
Lebensmittel einkaufen. Da hatten wir bald unsere bevorzugten Adressen.
Für die verschiedenen Reparaturversuche fanden wir ebenfalls einen jeweils geeigneten Platz. Hier eine öffentliche Rampe, wie sie allenthalben an viel frequentierten Verkehrswegen jedermann zur Verfügung steht.
Wo das Motoröl nach dem Wechsel in der Regel aufzufinden ist, sieht man hier unter meinen Füßen. Untergelegte Bretter, Steine, Teppiche und vieles andere mehr, lassen die Arbeitshöhe unter dem Auto immer kürzer werden. Hier hatte ich noch Glück, als Schrumpfgermane.



Jaroslavl ist eine Großstadt! Da kommen insgesamt schon eine Menge Kilometer zusammen. Dank der bald im Navi gespeicherten POI´s war wenigstens die Orientierung kein Problem.



An diesem schönen Schattenplatz übernachteten wir alleine 5 Nächte hintereinander. Auf der einen Seite die Wolga, auf der anderen eine recht geschäftige Hauptstraße. Ungestört! Das können wir uns in Deutschland so nicht vorstellen.

Solch einen negativen Bericht wollen wir niiie wieder schreiben müssen.
In der Planung ist der nächste schon fast fertig.

Schöne Grüße wieder einmal aus Russland

von der Iris mit ihrem älteren Roland
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Großstädtisches
Verfasst am: Mi Aug 07, 2013 5:53 pm

Hallo,

Moskau.
Na ja, mit Moskau hatte man schon Bücher gefüllt.
Was haben wir uns nicht alles über diese Stadt unangenehmes anhören müssen, bevor wir in Moskau waren,
Es war aber nicht nur unsere kränkelnde heilige Kuh, die dann in Moskau ihren Veterinär finden sollte, sondern auch unsere Neugier, was an den Schauergeschichten denn wirklich dran sei. Wir steuerten Moskau an!
Als die Landstraßen auf Moskau zu immer mehr zur Autobahn wurden, sah alles noch furchtbar aus. Die Überholmanöver, der fast nur Vollgas fahrenden Autofahrer, aus jeder Situation heraus rechts auf dem Standstreifen, aber auch in jeder sich bietenden Lücke... Das endete dann in einem gigantischen Stau, der 38 Km vor Moskau begann, Kupplungen, Kühlwasser und Knautschzonen (bei den anderen) kostete und in Moskau dann überraschend endete.
Überraschend, weil hier meistens äußerst diszipliniert und zuvorkommend gefahren wird! Man gibt dem "schwächeren" schon einmal eine Chance. Wer den Pariser Verkehr kennt, erlebt hier vielfach angenehmeres.
Ausnahmen bestätigen das. Hummerfahrer, aber auch der anderer Marken mit ähnlichem zulässigem Gesamtgewicht. Grundsätzlich gilt schon, wenn von hinten ein blitzsauberes, dickes und schwarzes Auto heran rauscht, dessen Fahrer hat kräftige Ellenbogen!


rolandderaeltere am 12 Jan 2017 02:54:48

Für uns haben die Verkehrsplaner bisher in Russland fast ein Wunder vollbracht:
Es gibt keine Parkscheinautomaten, keine Parkscheiben und auch keine sonstigen Parkzeitbeschränkungen an sämtlichen nur denkbaren Knotenpunkten!
Zwar werden hin und wieder behindernde Autos abgeschleppt, dessen Fahrer haben es dann aber all zu dämlich getrieben und besaßen vor allem nicht die Autos mit oben erwähnter Gewichtsklasse incl. blankem Lack.
Überall im Land, fanden wir selbstverständlich einen guten Parkplatz. Ob vor der Eremitage in Saint Petersburg, aber auch beim Moskauer Kreml und vor jedem Einkaufladen oder Sehenswürdigkeit.

"So gern es mir leid tut":
Vor ein paar Wochen hat Google mir verraten, dass wir 2013 genau vor der Einführung der Parkgebühren --> Link Moskau besuchten :lol:


Die Verkehrsampeln zeigen, ähnlich wie in Österreich, grünes Blinklicht vor dem Gelb/ Rot. Meistens sogar noch mit herunterzählender Sekundenangabe der Restzeit. Sehr beruhigend.
Vor Zebrastreifen halten die Autofahrer sicher, wenn Fußgänger ihn queren.
Durchgezogene Mittelstreifen und Überholverbote werden sehr genau beachtet. Wieso dann die oft selben (?) Autofahrer brutal rechts auf dem Standstreifen u.s.w. überholen bleibt ein Rätsel. Da werden sie schon recht gerne von der Polizei abgefangen.

Die russische Polizei, Hauptgrund vieler Warnungen von Kennern Russlands, aber auch sehr vieler "dem Hörensagen nach Kenner".
Sie sei so ziemlich hinter jeder Ecke präsent und immer darauf aus, Autofahrern eine Strafe abzuverlangen. Berechtigt, oder auch nicht. Möglichst in die eigene Tasche. Also total korrupt.
Ich erkläre hier feierlich, dass das von mir geschriebene von keiner Seite (staatliches Fremdenverkehrsamt, Polizeidirektion o.ä.) subventioniert wird! Denn:
Nach mittlerweile 2 Monaten und 3 Tagen in Russland sind wir überhaupt nur ein einziges Mal kontrolliert worden. An einer allgemeinen, festen Kontrollstelle in Elista, der Hauptstadt der autonomen Republik Kalmückiens. Wie jeder andere auch.
Hoffentlich bleibt das auch so für die weitere Zeit hier...

Moskau ist in seiner Größe ein Moloch in jeder Beziehung.
Es gibt von allem viel und das in gigantischen Dimensionen.
Die Hauptverbindungsstraßen sind in äußerst gutem Zustand, von gewaltig breiten Maßen und extrem sauber gehalten. Wir sahen hier die modernsten Reinigungsmaschinen:




Als ich einmal in einem besonders großem Kreisverkehr die Ausfahrt verpasste, meinte die Stimme unseres Navis nicht "fahren Sie die ...te Straße rechts", sondern "fahren Sie einen Kilometer und dann rechts abbiegen".



Als wir schon viele Kilometer weit durch ähnlich ausschauende Wohngebiete fuhren, meinte die Iris "Besoffen darfst du da abends nicht deine Wohnung suchen müssen...".
Es gibt natürlich auch noch das "andere" Moskau. Schließlich ist diese Stadt nicht nur während der letzten 20 Jahre entstanden.



Charme, vielleicht aus den 1960er Jahren, strahlen da so manche Gebäude aus.



Etwas, von den Hauptstraßen abgelegen darf man auch schon wieder auf die Fahrbahnbeschaffenheit achten.




Sehr gut, oft im Gegensatz zu anderen von uns bisher besuchten Landesteilen, ist hier das Thema Müll gelöst. Auch in den "Nichtparadestadtteilen" geht alles seine geordneten Bahnen.
Besser wie bei uns zuhause, finden wir hier die Sperrmüllabfuhr. Gleich neben den Hausmüllsammelstellen (offenbar keinerlei "individuelle" Preisgestaltung) ist Platz für den anfallenden Schrank oder Teppich, o.ä.. Da bleibt auch der Stadtteilpark verschont!




Nicht immer so prunkvoll hat aber auch hier eine gewisse Esskultur alle Stadtteile eingenommen. Da gibt es keine der berühmten und total guten Pelmelis oder Soljanka. Warum auch?
Geschäfte lassen sich auch hier mit allem möglichem machen:



Im Supermarkt.



Im Nobelrestaurant.



Aber auch danach.
Für ca. 66 Eurocent darf man hier neben dieser Dame seine eigenen verrichten.



N 55.65775 O 37.81528
Geodaten geben wir nicht gerne all zu viele von uns. Damit wird oft Schindluder getrieben.
Hier dürfen Reise-, aber auch Wohnmobilisten aller Art sich ihrer getätigten Geschäfte entledigen.
Eine vernünftige Entsorgungsmöglichkeit für ein duftes Porta Potti in Moskau verraten wir aber gerne.


In Moskau war doch aber noch was?
Ein Muss?
Na klar, auch für uns.



Der rote Platz.



Vor den ehrwürdigen Mauern des Kremls wurden sicher schon viele Geschäfte getätigt. Wohl aber nicht lange solche, wie dieses Angebot an Fotos in Farbe, in unserer Zeit der Digitalfotografie.

Geschäfte gehobenen Kalibers macht an der anderen Platzseite seit mittlerweile 120 Jahren der berühmteste Einzelhändler Russlands, das Kaufhaus GUM.
Trotz seiner Berühmtheit stahl ihm dort vor einigen Jahren ein gewisser Herr Rust die Schau, als er mit seinem Flugzeug vor dessen Mauern landete.



Zur Jubelfeier hat man standesgemäß das Haus Dior verpflichtet, für Blickfang, Düfte und sonstigen Budenzauber zu sorgen.



Logisch dass da sämtliche Traditionen, auf die man stolz ist, mit verpflichtet werden.



Mit "Do swidanja" "auf wieder sehen" meint das Kaufhaus GUM wahrscheinlich, dass es sich freut, wenn man wieder einmal mit seiner Kreditkarte vorbeischaut.




Rest in Russland?
Verfasst am: Do Aug 22, 2013 4:43 pm

Hallo,

wir hatten bei unserer Planung der Russlandreise ja auch den "Goldenen Ring", einen Ring von geschichtsträchtigen Städten im Raum nördlich von Moskau, in unsere leichtgewichtige Planung mit einbezogen. Da wollten wir, ähnlich wie die Eremitage in Saint Petersburg, anschauen, was man dann alles so "gesehen haben muss".
Das ging mit uns nicht lange gut. Lag es an einer gewissen Übersättigung, Kunst und Kunsthandwerk zu bewundern, oder änderte sich unsere Einstellung zur Präsentation von Baudenkmälern allgemein?
Die Wirklichkeit der russisch orthodoxen Kirchenbauten hinkte hinter den Erwartungen auf keinen Fall hinterher. Mit Gold muss jetzt, bei den Restaurationsarbeiten nach der langen Pause durch andersgeartete politische Vorgaben, offensichtlich nicht mehr gespart werden.



Was jetzt so fertig da steht, kann sich wirklich sehen lassen, bei interessierten.



Gewisse Kirchenbauten sind offensichtlich zu Museen umgewidmet und öffnen sich gegen Zahlung eines Obolus.
Andere schließen uns einfach ganz aus:



Es tut mir wirklich richtig weh, hier ein Foto in dieser Qualität zu veröffentlichen. Normalerweise wird so etwas am Abend seiner Entstehung gelöscht. Bitte verzeiht das hier.
Schon vor Saint Petersburg standen wir ein paar Mal vor verschlossenen Kirchentoren. Nun gut, das gibt es bei uns zuhause auch. Dahinter befinden sich eben Werte, für die viele empfänglich sind. Somit halten sich unsere Besuche eben aus verschiedenen Gründen in engeren Grenzen.


Mitte Juli sind wir dann ja doch noch wirklich da angekommen, wo wir eigentlich die ganze Zeit der Reise schon sein wollten, in einer angenehmen und reisemobilgerechten Gegend:
Südlich von Moskau und Tula gab die Vegetation auf unserer Route endlich ein erstes Mal unseren Blick frei über eine lang vermisste Distanz.



Insektenfrei, nachts abkühlend und meistens ein angenehmer Wind.
Aufatmen. Wir hatten endlich wieder das Gefühl, von diesem Ort wollen wir nicht wieder schnell einen besseren suchen. Hier kann mal lange aufgeschobenes am Auto, der Ausrüstung und dem PC erledigt werden.




Ein weiteres Besuchsziel war für uns der Don!
Da der sich nicht rar macht für Neugierige fanden wir bei Donskoje seine Quelle in einer hervorragend präsentierten Umgebung, in einem schönen Park.



Wohl dem, der so etwas in erreichbarer Nähe hat. Wie bei allen Sehenswürdigkeiten machen russische Familien nicht nur Ausflüge mit ihren Kindern hier her, sondern auch viele Hochzeitsgesellschaften mit den dazu gehörenden Fotografen. In Gegenden ohne ähnlichem halten die nicht wenigen Ehrenmale der Sowjetarmee mit Panzern und anderem Kriegsgerät auch so die Erinnerung an den 2. Weltkrieg wach.



Zeugnisse der Geschichte werden allenthalben mit Stolz dargestellt:



Hier die Errungenschaften der Kosaken für den Don.



Wolgograd. Als es noch Stalingrad hieß, war es der Wendepunkt des "Großen vaterländischen Krieges".
Eine gigantische Statue weist heute dort auf ein noch gigantischeres Verbrechen an vielen Völkern Europas hin.




Weitaus lieber war uns unser Besuch im letzten geplanten Ziel, in Kalmückien.



Im Osten des europäischen Russland bis zum Kaspischen Meer reichend, stellt Kalmückien eine Besonderheit dar.
Die Bewohner dieser autonomen Republik in Russland sind, als Nachkommen Tschingis Khans, Buddhisten. Somit einziges Volk mit dieser Religion in Europa.
In der Zeit unter Stalin wurden sie in ihrer Gesamtheit nach Sibirien deportiert, um nach dem Krieg wieder nach Kalmückien zurück zu kehren. Dort leben sie hauptsächlich als Hirtenvolk wieder eigenständig mit ihrer angestammten Religion.



Nicht nur wegen ihres fernöstlichen Aussehens fühlten wir uns weit weg aus Russland versetzt. Gewaltige Unterschiede gab es auch im tagtäglichen normalen nebeneinander.
Seit der Einreise in Russland kam niemals jemand an unseren Standplatz um sich nach irgend etwas zu erkundigen. Wir beobachteten, absolut auch unter Russen selber, generelles wegschauen, was größte Hilfsbereitschaft nach einem ansprechen jedoch nicht ausschließt. Hier waren wir auf einmal wieder Ziel offen gezeigten Interesses. So, wie wir es überwiegend bei Reisen in sehr entfernte Länder kennen. Man kam zum Auto, fragte nach dem woher und wohin, wollte von dem unbekannten Fahrzeug erfahren. Kurz so, wie wir selbst es auch halten.




So ländlich die Gegend auch ist, Die Mobilfunkabdeckung ist meistens hervorragend! Ob der Schafhirte zu Pferde, der Kuhhirte zu Fuß oder die für den Melonenverkauf am Straßenrand abkommandierten Söhne oder Töchter, sie sind online per Handy, Laptop oder Tablett PC. Darin kaum ein Unterschied zur BRD.


Die Landwirtschaft hat in den Sommermonaten überall Hochkonjunktur. Sie ist während der Reise immer wichtiger Gegenstand unserer Beobachtungen.
Wir sehen Gegenden in denen alte Männer mühsam mit der Sense Gras mähen, andere in denen Maschinen von bisher nie gesehenen Ausmaßen den Boden bearbeiten.
Eine Abwechslung für uns durften wir bereitwillig bei einer anderen Art Landwirte fotografieren:



Die Tank- und Servicestation der chemischen Feldbehandlung.
Ganz rechts der Servicetechniker und im schwarzen Hemd der Pilot. Der wog ungefähr doppelt so viel wie seine Ladung in dem blauen Kunststofffass im Flieger.
Vom Herrn im weißen Hemd wissen wir jetzt, dass er als Sowjetsoldat bei Königswusterhausen in der (Originalton) „Deutschen Demokratischen Republik“ stationiert war.

Von der abgeleisteten Militärzeit in der DDR bekommen wir sehr oft und von allen möglichen Leuten erzählt. Da die "einfachen Soldaten" in der Regel kaum Kontakt zu Bürgern hatten, beschränkt sich deren deutscher Sprachschatz meist auf den Namen der Garnisonsstadt und eben auf "Deutsche Demokratische Republik". Schade.




N 50.57575
O 40.98710
Dass wir davon noch nie gehört oder gelesen hatten...
Das hier könnten wir glatt als Toskana verkaufen. Sie stellt einen einzigen Reisemobilstellplatz dar.
Jedem seinen Feldherrenhügel mit freiem Blick in freie Landschaft.



Vor einiger Zeit erwähnte ich schon die Gastfreundschaft in diesem Land.
Als wir seiner Frau mit deren Kindern bereitwillig von Bus und Reise "erzählten", kam dieser Imker anschließend einige Kilometer zu Fuß extra zu uns gelaufen, um sich mit einem dicken Glas Honig dafür erkenntlich zu zeigen. Widerrede zwecklos.



Hier erkundigten wir uns nur nach der Existenz eines Weges, um sofort zum Essen eingeladen zu werden.



Ein "harmloses" herumstehen an einem tscherkessischen Fluss artete kurzerhand nicht nur in die Gabe einer riesigen Menge Obst aus, sondern dazu noch in einer Einladungskaskade, die auch am nächsten Morgen wiederholt, dann nicht mehr abzulehnen war.



Dieses Mal in der Familie eines pensionierten, ehemaligen, Militärjuristen. Dort lernten wir das feiern kennen, wie es eben in "gehobenen Kreisen" üblich ist: In einer Beziehung keinerlei Unterschied. Der Gast soll es auf jeden Fall besser haben, wie man selbst!
Hier gleich noch ein Buch mit seiner Widmung von A. Puschkin Literatur.

Da wir gleiches schon seit den 1970er Jahren kennen lernten, daheim in Deutschland aber auch die oft ganz andere Behandlung von Ausländern erlebten, haben wir immer mehr Schwierigkeiten diese Offerten anzunehmen.


Ein immerwährendes Thema um Russland sind die Straßenverhältnisse.

Ursachen oft beschriebener Fahrwerksprobleme, gelösten Schrauben und gebrochener Federn. Tadellose Fahrbahn und solche mit allermiesester, hunderte Male geflickter Oberfläche mit Löchern an den blödesten Stellen (weil man doch gerade da seine Räder hinlenkt) wechseln sich stetig ab. Wie erwartet.

Letztes schrieb ich schon im Reisebericht aus dem nördlichen Teil gen Saint Petersburg.
So sollte es auf vielen, in der Landkarte als "bessere" asphaltiert gekennzeichnete Straßen weitergehen.
Auf unserer Nord/Südstrecke im europäischen Russland gab es ähnliches immer wieder, aber nicht immer öfter, sondern immer seltener. In der Nähe von größeren Metropolen fanden wir Autobahnen, die auch bei uns diesen Namen verdient hätten. Dazwischen aber fanden wir immer wieder lange, auch tagelange, normale Strecken in 1a Zustand. Rechnen muss man aber zumindest bei jedem Wechsel in einen anderen Bezirk, aber auch sonst jederzeit, mit einem genauen Gegenteil der momentanen Straßenqualität.



Fotos von unbefestigten Wegen kann ich nicht viele zeigen. Meistens sind sie nicht aussagekräftig, indem sie einen Schwierigkeitsgrad gar nicht zeigen:



Bisher war dieses Schlammloch die einzige Stelle auf der bisherigen Reise, an der wir wahrscheinlich ohne unseren Allradantrieb, beiden Differentialsperren und den noch sehr griffigen Allterrainreifen stecken geblieben wären.
Diesen Weg hätten wir aber nicht fahren müssen!
Mit einem Umweg (zurückfahren) wären wir auch ohne Allradantrieb an das damalige Tagesziel gekommen. In einer nasseren Jahreszeit dürfte das oft schlechter aussehen. Fahrer aller möglichen Geländefahrzeuge, brauchen trotzdem nicht verzweifeln. Hilfreich ist Allrad schon oft. Zusammen mit der kurzen Geländeübersetzung und guter Traktion ist manche Strecke "einfach so" zu fahren.
Gelegenheiten, den Syncro da zu versenken, wo sonst kein Fahrzeug mehr hinkommt, gibt es allenthalben auch. Unser Ehrgeiz besteht aber tagtäglich darin, die heilige Kuh so zu fahren, dass sie schlussendlich wieder in ihrem Heimatstall wiederkäuen kann.
Es braucht niemand, der bei einer Russlandreise "Off Road" schnuppern will, Angst haben außen vor zu bleiben. Man hat das laufend selbst in der Hand.

Von zuhause aus sollen dann Videoaufnahmen auch noch entsprechende Eindrücke wiedergeben.



Schon einen Tag nach dem putzen des Luftfilters kann der Zyklonvorsatz schon wieder so aussehen.
Den 1. Filter hab ich dann nach ca. 8000 Km ersetzt. Nach mehrmaligem ausklopfen .
Momentan zeigt unser Kilometerzähler übrigens 9000 auf dieser Reise zurückgelegte Kilometer. Einen Reservefilter haben wir noch.




Da gewiss nicht nur T3 Syncro Fahrer hier lesen, muss ich zum Thema noch berichten:

Am 14. August trafen wir die ersten "Autotraveller" auf dieser Fahrt überhaupt. In Kislovodsk, schon tief im Kaukasus trafen wir Malene und Marco, ein dänisch/ italienisches Paar. Diese, eigentlich doch viel versprechende Mischung bewahrte die beiden jedoch nicht vor einer wieder einmal vielen Landyfahrern nachgeplapperten Aussage, nachdem sie ihre momentane Streckenplanung erklärten, "aber da könnt Ihr nicht fahren".
Wir fuhren diese Strecke selbstverständlich. Leider ohne vielleicht interessante Reiseteilstreckenbegleitung.

Ein Ziel für manch kranke Kaukasustouristen ist dieses Kislovodsk. Ein Trink- und Badekurort, der vielen in westlicheren Ländern nicht hinterher hinkt!
Da kann man das Wort mondän schon anwenden.

Als Leckerbissen, noch, anderer Art geht von dort aber eine Straße in Richtung Elbrus, dem höchsten Berg Europas.
Nach 85 Km quellen an verschiedenen Stellen in 2376 m Höhe, dem Hörensagen nach, wahre Wunderwasser in reicher Menge aus dem Boden. Als Stehbad eingerichtet, getrennte Badezeiten für Weiblein und Männlein, aber auch als Trinkquelle gegen alle möglichen Wehwehchen sind die Wasser so berühmt, dass mit enormen Kostenaufwand eine moderne Asphaltstraße dort hin (SPA, Skilifte, Hotels, Travel Agenturen für Bergtouren u.s.w. sind wohl geplant) gebaut wird. Ca. 40 Km davon sind schon fertig, der Rest ist momentan so eine normale Baustellenpiste, die die Kenner normaler Bergstrecken allgemein verwünschen.



Am momentanen Hauptziel trafen sich um diese Jahreszeit bis zum letzten Jahr wohl noch ca. 20 bis 30 Grüppchen um hier die Geschenke der Natur zu genießen. Dieses Mal waren wir mindestens 250 davon. Wohl das übliche Ergebnis allgemein wachsenden Wohlstands und seinen Informationsmöglichkeiten.



Für uns gab es in diesem Camp eine ganz neuartige Atmosphäre zu entdecken. Die Zusammensetzung der einzelnen Grüppchen und Familien war international. Da Russland ja ein wirklicher Vielvölkerstaat ist, hatten die Fahrzeuge trotzdem fast alle russische Kennzeichen.



Rheuma und andere Probleme kennen keine Grenzen



Solch eine Harmonie gab es allerdings nicht zwischen allen Nachbarn.
Wir als die "Nemze" hatten es da doch einfach. Konnten wir doch zu allen hingehen, uns mit jedem auf ein Schwätzchen versuchen. Bei denen wurden wir aber oft gewarnt. Gewarnt, mit den anderen doch bitteschön etwas vorsichtiger zu sein, die wären nicht immer alle so gesittet wie man selber. Für uns ein weiterer Beweis, dass auch Rassismus international ist.



Sehr viel Gemeinsamkeit gab es dann aber beim Bewundern dieses Naturereignisses.



Manch anderes Bewundern (?) fand dann aber doch nur klammheimlich statt.


Ich schrieb über die Polizeipräsenz während unserer Reise in Russland und die Behandlung die wir erfuhren.
Jetzt sind wir gerade in Vladikavkaz, in Nordossetien und bereiten uns auf unsere Ausreise nach Georgien vor. Seit Kalmückien bedeutet das, dass wir einige Grenzen autonomer Republiken innerhalb Russlands gequert haben. Offensichtlich hat jede dieser Republiken irgendwo feste Kontrollstellen, an denen jedes Fahrzeug nach irgend welchen Gesichtspunkten kontrolliert wird. So auch wir.
Wir erlebten bei keiner auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit, Schikane oder gar Korruptionsversuch! Das "allerschärfste" war ein kurzer Blick in unsere Reisepässe.
Wenn wir da an unsere Erlebnisse in Mitteleuropa zurückdenken, Schweizer Grenzen, Österreichsche Grenzen (ja wir haben eben das entsprechende Alter) oder auch Checkpoint Charlie u.s.w., dürfen wir hier über wirklich nichts derartiges maulen.
Letzteres nur, weil wir vor unserer Reise doch immer wieder vor diesen Unmöglichkeiten gewarnt wurden.


Aus Russland wird dieses unser letzter Reisebericht sein.
Wie unsere Internetverbindung nach der Grenze aussehen wird, wissen wir noch nicht.

Über unser Erlebtes gibt es noch sehr viel, was ich eigentlich nicht für mich behalten möchte.
Es gibt noch viele Fotos, zu denen ebenfalls viel zu berichten ist.
Wir haben auch noch viele Videoaufnahmen "in der Kiste", von denen ich gerne etliches zeigen will. All das soll dann von zuhause aus stattfinden, weil wir in erster Linie hier unterwegs einfach die Zeit für den notwendigen Aufwand nicht abzweigen wollen, aber auch nicht die www- Möglichkeiten wie zuhause besitzen.


Hinter der russischen Grenze treibt uns kein auslaufendes Visa mehr vorwärts.
Grob planen wir interessantes neues in Georgien kennen zu lernen. Dann werden wir wahrscheinlich über die Türkei den Rückweg in die Heimat einschlagen.
Schau´n wir mal, dann sehn wir schon...
Irgendwie werde ich davon weiter berichten.

Diesen Teil "Russland" hier im Forum der IG 16", Aber auch jetzt hier im Wohnmobilforum. habe ich nicht gemietet!
Ich würde mich freuen wenn hier andere, allgemein interessierendes zu Russland veröffentlichen würden. Weiteren Interessierten könnte das dann vielleicht auch weiter helfen.

Schöne Grüße aus Vladikavkaz
senden dieses Mal wieder

die Iris mit ihrem älteren Roland


iwoi am 14 Jan 2017 13:56:59

nach dem lesen des Reiseberichtes "von Georgien bsi Niederbayern" , wo ich leider noch keinen Kommentar schreiben konnte, hab ich nach
weiteren Berichten gesucht und diesen gefunden.
Ich bin begeistert. Kurzweilig geschrieben und ganz tolle Bilder. Vor allem die Bilder von den Menschen, denen ihr auf eurer Reise begenet,
finde ich interessant.
Ihr habt und macht ja eine tolle Reise! So eine Reise war auch mal unser Traum. Leider konnten wir den nicht mehr verwirklichen.
Deswegen freue ich mich über diesen Bericht ganz besonders!

Jonah am 14 Jan 2017 16:00:52

Sehr schöner Reisebericht, hat richtig Spaß gemacht mitzufahren, vielen Dank.

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