Selbstverständlich hat sich zu so manchem Thema im Laufe der Jahre schon einiges geändert. Das sollte aber jeder Schreiber und auch Leser voraussetzen.
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Hallo,
2013 durften wir wieder einmal eine Reise mit unserer heiligen Kuh (unser Reisemobil) in einer Art machen, wie wir sie eigentlich 1971 schon begannen:
Ein Ziel welches schon lange ein Traum war, eine Zeitspanne die Hetze weitgehend ausschloss.
Während dieser Reise berichtete ich einige Male im Forum der Interessengemeinschaft Syncro 16“, einem Internetforum für Enthusiasten der alten VW-Busse T3 mit Allradantrieb.
Hier für alle die daran Interesse haben, zum mitlesen:
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Wir dürfen den Rubel rollen
Verfasst am: Fr Mai 03, 2013 12:17 am
Hallo,
wir haben endlich unsere Visa in den Pässen !
Ab dem 1. Juni dürfen wir uns 88 Tage in Russland rumtreiben! Unsere Jungfernfahrt dort.
Der Start soll ca. in einer Woche oder so stattfinden. Schaun wir mal, wie lange "oder so"dieses Mal dauert.
Wir wollen über das Baltikum einreisen, dann nördlich in Richtung St. Petersburg und darüber hinaus, dann vielleicht den "goldenen Ring"streifen, rechts oder links am Don gen Süden in Richtung Georgien um dann in die Türkei, oder Ukraine auszureisen. Sollten wir schneller wie erwartet vorwärts kommen, denken wir auch daran Kalmückien einen Besuch abzustatten.
Wer ist denn zu dieser Zeit von Euch auch in dieser Gegend unterwegs?
Wäre schon schön, Planung, Erfahrungen, ja zur Not auch Ersatzteile oder sonstige Hilfen austauschen zu können.
Nach dem Start sind wir (hoffentlich) am besten per Email zu erreichen.
Gerne natürlich auch schon jetzt.
Gespannt, welche Emailmengen wir zu bewältigen haben werden
grüßt wieder einmal
noch aus Niederbayern
Rolandderältere
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Wir sind in Russland!
Verfasst am: Mo Jul 15, 2013 7:32 pm
Hallo,
Jetzt kommt doch wirklich ein klitzekleiner Schritt für die Menschheit, jedoch DER, auf den wir uns doch schon seit Beginn jeglicher Reiseplanung, mit Ziel Russland, hin konzentrierten. Ob das wohl klappt? Schließlich erwähnte selbst das russische Konsulat noch, dass der Grenzübertritt an der russischen Grenze, auch ohne Angabe von Gründen, versagt werden könne.
1. Halt am Schlagbaum. Sichtkontrolle der Pässe nebst Aushändigung eines zweifachen Laufzettels zum ausfüllen. Sprache nur russisch, aber sehr freundlich.
2. Halt an der polizeilichen Kontrolle der Pässe nebst Visa und Gesichtsinspektion. Autokontrolle von der Schiebetür aus in Sekundenschnelle. Ausreichend englisch und sehr freundlich.
3. Halt. Die Zollkontrolle bestand aus dem ausfüllen der Deklaration unter tatkräftiger Hilfe der lustigen, jungen und hübschen Beamtin. Ausreichend englisch, sehr lustiges Klima und äußerst freundlich.
4. Halt. Straßengebühr Rubel 210,00, € 5,25 bei einer Dame hinter dem Gitter, die doch endlich dem Klischee einer typischen Russin entsprach: Kein englisch und nachdem wir nur Euros vorzeigten, ein Handzeichen auf ein "Magazin", dem Gemischtwarenladen gegenüber. Dort bekamen wir problemlos und zum guten Kurs 40 Euros getauscht und konnten die Straßengebühr bei der Dame bezahlen, die uns optisch auch noch sicher machte: Wir sind ja schon drin!
Vom Zeitaufdruck auf der estnischen Quittung bis hinter dem Schlagbaum der Straßengebührsmatruschka dauerte alles zusammen 80 Minuten und war total stressfrei!
Damit hatten wir nun doch nicht gerechnet.
Eine lang erwartete Freude wollten wir uns auch gleich noch machen: Diesel tanken!
Diese Erwartung erfüllte sich schon einmal mit dem Preis von € 0,78. Eine russische Spezialität auch: Der gewünschte Preis wird im Voraus bezahlt, danach aufgefüllt. Wird wohl seine Gründe haben...
Na dann wollen wir mal die nächste Unbekannte angehen: Wie wird denn die OSM Generic Karte in unserem Navigator (Garmin Nüvi 760) arbeiten, für dessen Existenz Iris, meine hauseigene Computerfreakadelle, zuhause so viel Hirnschmalz verbrannte?
Pskov war der erste Ort, zu dem uns das gute Stück lotsen sollte. Eintippen lies er sich schon einmal, aber die Route sah so gerade aus, wie eine Luftlinie.
Start, "Steffi" (unsere deutsche Garminstimme) sprach wie gewohnt von abbiegen und abbiegen u.s.w.. Da werden wir uns wohl an eine etwas andere Navihilfe gewöhnen müssen?
Nach einigen hundert Metern, war dann alles wieder im Lot. Die Route folgte dem Straßenverlauf wie mit den originalen Karten. Uff.
Überhaupt sind wir bis jetzt äußerst zufrieden mit dieser Orientierungsmöglichkeit. Ein bleibendes Problem ist die Schreibweise von Straßen- oder Ortsnamen. Die Übersetzung vom kyrillischen ins lateinische, aber auch direkt kyrillisch eingetippt ist oft nicht im Sinne dieser Technik, so dass wir uns jedes Mal freuen, wenn wir auf Geodaten zurückgreifen können. Zum Glück sind die in vielen touristischen Druckerzeugnissen, die wir hier bekommen üblich.
Auf der Papierkarte ausgesuchte Ortschaften lassen sich bis jetzt zu ca. 30% eintippen. Als Lösung scrollen wir dann auf dem Display bei verschiedenen Maßstäben in unsere gewünschte Fahrtrichtung und setzen dann einen Punkt in das ausgesuchte Ziel, um diese Gehhilfe dann wie gewohnt genießen zu können.
In Pskov waren wir zwar zu spät für die Touristinformation, das "Lenta", eine riesige Filiale dieser Supermarktkette versprach uns aber 24 Stunden lang jeden Tag der Woche um unsere Rubel zu buhlen und stellte zu deren "rauslassen" gleich 5 (in Worten fünf) Geldautomaten zur Verfügung, die alle gerne die Visa Karte "akzeptierten".

Geldautomat
Das erste Einkaufen in Russland war natürlich auch eine Erwartung für sich. Schließlich hängt davon schon eine gewisse Lebensqualität ab.
Der erste Endruck war auch hier wieder positiv. Das Angebot regelrecht überwältigend. Sehr viel Bekanntes und interessantes Unbekannte. Die Preise waren überwiegend um unser gewohntes Niveau herum platziert.


Für einen Euro bekommt man ca. 40 Rubel!

Später sollte es sich herausstellen, dass man in den Filialen der großen Ketten preisgünstiger kauft, wie in den kleinen "Magazin´s" und "Produktis". Ist aber zuhause auch nicht anders.

Hinter diesen bewachten Wänden befindet sich ein äußerst gut sortierter "Tante Emma Laden".

Später haben wir dann auch die überwiegend angebotenen 1,5 Liter Bierflaschen da drin.
Ein Platz für die Nacht war in Pskov recht einfach gefunden. Dort fiel uns schon gleich eine, für ein ruhiges "stehen", sehr angenehme Eigenart der Russen in diesem Teil des Landes auf: Man nimmt fast keine Notiz von uns. Selbst Betrunkene trotten einfach nur ihres Weges, ohne Pöbelanstalten uns gegenüber. Hoffen wir einmal, dass das so bleibt.
Die Touristinformation!
Die einzige Kraft dort war absolut fremdsprachenfrei, dafür aber äußerst willig und hilfsbereit.
Wir erinnerten uns an eine Erfahrung, die Wolfgang16 hier schilderte und trafen ins schwarze: Da sie 2 Rechner mit Internet zur Verfügung hatte, unterhielten wir uns sehr gründlich per Google- Übersetzer.
Unsere Hauptanliegen waren erst einmal Adressen von Internetanbietern und das hier mögliche Procedere der "Registratur für Geschäftsreisende innerhalb von 7 Tagen ab der Einreise im Lande", vor der uns sämtliche Reiseforen, aber auch unsere Visaagentur regelrecht Respekt einflößten. Für Touristen, die üblicherweise in Hotels nächtigen, erledigen die diesen Akt. Bisher schien nur eine Hotelübernachtung die Lösung zu sein. So sah die erste Auskunft unserer Dame auch aus. Sie telefonierte mit dem "föderalen Migrationsdienst", der diese Prozedur wohl auch so bestätigte. Als wir dann aber klar machten, dass wir mit einem Wohnmobil unterwegs sind, kam die freudigste Erlösung wie aus einer Pistole geschossen: Für Reisende mit Wohnmobil gibt es keine Registrierpflicht!!! War das auf einmal eine Stimmung in diesen ehrwürdigen Mauern.
Uns klang das alles sehr kompetent. Als "Beweissicherung" habe ich auch gleich Fotos vom Bildschirm gemacht.

Angesagte Fahrtrichtung war jetzt Sankt Petersburg.
Wir starteten erst einmal auf der Hauptstraße, die in diese Richtung führte, erlebten da aber gleich eine Eigenart des russischen Autoverkehrs:
Für uns zuerst einmal brutal, aber mit bestimmten, herauszufindenden, Regeln!
Die großen Hauptstraßen sind bisher meist zweispurig, mit jeweils einer breiten "Standspur". Da wir auch hier wieder zu den langsameren Verkehrsteilnehmern gehören, ging es auch gleich los: Beim ersten, mit Vollgas rechts überholenden gab es noch einen gewissen Schrecken, dann aber bald die Erinnerung an einige Länder Afrikas: Einkalkulieren! Rechts wird offensichtlich immer überholt, wenn es überhaupt geht. Auf Einfädelspuren nach einer Kreuzung, Bushaltestelle oder an kleeblattartig ausgebauten Kreuzungen. Vollgas ist angesagt, wo es nur irgendwie geht.
So einfach mal nach Sankt Petersburg "autowandern" ist hier nicht möglich, also suchen wir nach ruhigeren Nebenstrecken. Mit den beschriebenen Einschränkungen unseres Navis merken wir recht bald, dass wir schon genau hin schauen müssen, um nicht ungewollt in, manchmal 100 Km lange, Sackgassen zu landen. Wir waren durch Reiseberichte zwar darauf vorbereitet, finden es deshalb aber auch nicht netter. Verkehrsplaner mussten wohl schon besondere Vorgaben gehabt haben...
Die hier recht wenigen Mit- Verkehrsteilnehmer fahren schon deutlich ruhiger. Oft ja alleine auf weiter Flur fehlt wohl doch der Hahnenkampf.
Auf diesen Straßen machen wir aber schon deutlich Bekanntschaft mit den Ursachen oft beschriebener Fahrwerksprobleme, gelösten Schrauben und gebrochener Federn. Tadellose Fahrbahn und solche mit allermiesester, hunderte Male geflickter Oberfläche mit Löchern an den blödesten Stellen (weil man doch gerade da seine Räder hinlenkt) wechseln sich stetig ab. Wie erwartet.
Näher in Richtung Sankt Petersburg führen diese Landstraßen immer öfter auf die Hauptstraße. Man kommt nicht mehr drum herum und landet so bald auf der Autobahn, die dann endlich in diese 5 Millionen Einwohner zählende Großstadt mündet. Selbstverständlich wieder mit Autos, die überall und in jeder Situation überholen. Wir sind ja mal auf die Innenstadt gespannt.
Zwar nicht gesittet, wie ich den Verkehr in London kenne, Fahrbahnmarkierungen fehlen hier größtenteils und ebenfalls große Löcher im Asphalt erfordern oft Slalomfahrten. Im Gegensatz zur Anfahrt auf die Stadt herrscht dort jedoch eigentlich richtig Sitte und Anstand.
Die Eremitage, für viele Leute fast ein Grund zum ausflippen.
Wenn wir Zuhause nur den Namen Saint Petersburg aussprachen, folgte die Frage, ob wir uns denn nicht auch die Eremitage dort "vorgenommen" hätten.
Hatten wir. Irgendwie waren wir auch schon lange auf dieses, eines der weltweit berühmtesten Museen gespannt.

Nicht nur, dass wir uns an diesem Tag angemessen zwischen Milliarden Euros zählenden Werten bewegten, sicher werden dort besuchstäglich auch viele Millionen Fotos geschossen. Erwartungsvoll ist die Stimmung bei jedem, nach dem Passieren der Eingangshalle.

Wenn man vorher wissen würde, was einem da für eine Fülle in Sachen Kunst serviert wurde, würde man es vielleicht nicht glauben, oder wenigstens eine gute Woche für den Besuch dort einplanen. Da das aber die ganz seltene Ausnahme zu sein scheint, werden die Besuchergesichter schnell immer müder und desinteressierter. Zitat eines französischen Paares "Bis hier her haben wir es geschafft, da müssen wir jetzt auch noch durch."

Uns ging es um keinen Deut besser.
Die Iris war tapfer und verstellte die Sicht zu den "Aufsichtsdamen" und meinem Fotoapparat, wenn hie und da für Werke ein Fotografierverbot bestand.

Ich hielt mich mit dem Ablichten der Werke leicht zurück und konzentrierte mich hauptsächlich auf lebendige Objekte, oder auch die, die solch einen Anschein erwecken sollten.


Nach dem Passieren des Ausgangs fragte ich die Iris ob sie in Kürze denn noch einmal, und wenn geschenkt, solch einen Besuch dort machen würde: "Frag mich doch mal in einer Woche wieder", war die Antwort.
Später kam dann aber doch ein wohlüberlegtes "Nein!".
Es war einfach alles zu viel. Vielleicht nur für uns?!
Mit 1000,00 Rubel, ca. € 25,00 für 2 Personen incl. einer Fotoerlaubnis war der Eintritt zwar zu bezahlen, für Einwohner Russlands galt jedoch 700,00 Rubel für die selbe Leistung. Macht mich leicht nachdenklich.
Wer die Eremitage allerdings am 1. Donnerstag im jeweiligen Monat besucht, zählt zu den 1. Siegern: Dann ist der Eintritt frei!
Unter den Besuchern im Museum gab es schon die eine oder andere deutsche Stimme. Deren Klangkörper waren aber offensichtlich fast alle eingeflogen. Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen sahen wir bisher noch keine!
Keine? Da gab es doch aber eine (in Worten EINE) Ausnahme. Das war allerdings nicht so einfach ein Fahrzeug, sondern immerhin ein VW Bulli T3!
Bis zu diesem Zeitpunkt sahen wir allerdings auch kein einziges weiteres Wohnmobil, gleich welcher Nationalität.

Einen recht luftigen Standplatz für unsere Nächte fanden wir am Golf von Finnland, auf einem ehemaligen Wohnmobilstellplatz, direkt zwischen schwer bewachten Regierungs- Empfangspalästen und einer Marina. Die Entsorgung fürs Porta Potti funktionierte noch bestens.

Wir fühlten uns irgendwie auch gut bewacht. Bewacht von einer übergroßen Bronzestatue Peters des Großen, im größten Land der Erde.

Auf dem Weg heraus aus Saint Petersburg gab es dann noch einen Leckerbissen für unseren Fotoapparat. Kurz bevor sie jetzt in eine Restaurierungswerft verschwindet, konnten wir noch die Aurora fotografieren.
Von den Matrosen aus Kronstadt auf der Aurora gingen die ersten Schüsse auf den Winterpalast mit dem letzten russischen Zaren, die die Oktoberrevolution einleiteten.
So, genug aus dem Osten für dieses Mal.
Die Sterne stehen offensichtlich gut, dass der nächste Reisebericht nicht solch einen riesigen Abstand haben wird, von diesem.
Schreibt uns auch recht fleißig, was sich so alles bei Euch getan hat
und seid wieder recht herzlich gegrüßt
von der Iris und ihrem älteren Roland

Jammernswertes
Verfasst am: Mo Jul 29, 2013 12:28 pm
Hallo,
wer seit unserem letzten Bericht auch den parallel im Technikbereich unseres VW Forums der IG Syncro 16“ , von den Problemen "Hitzewallungen"unserer heiligen Kuh, gelesen hat, weiß dass unsere Reise bei weitem nicht nur positiv verlief.
(Auf dieses Forum lann ich leider nicht mehr verlinken. Es ist leider "gestorben worden")
Seit Estland häufte sich so manches Unangenehme:
Angefangen mit dem Insektenproblem.
Das erste Mal im Baltikum, vor ca. 19 Jahren brauchten wir überhaupt nie Moskitonetz oder Chemie für die Haut. Dieses Mal waren wir für diese Viecher aber dermaßen attraktiv, dass für uns kein Spaß übrig blieb.
Unsere Einreise von Estland nach Russland erwies sich zu unserer gewählten Jahreszeit als suboptimal. Oder besser noch, als Fehler.
Wer die Landkarte darauf hin anschaut, findet deutlich Hinweise dass sich ein Sumpf an den anderen reiht. Konsequenz daraus war für uns wiederum, dass wir enorme Probleme mit der Standplatzsuche zum übernachten hatten.

Da wir möglichst nie jemand direkt vor seinem Grundstück belästigen wollen, andererseits dort auch nicht Gesten der oft üblichen Gastfreundschaft herbei provozieren möchten, verbieten sich für uns Standplätze dort.
Andere waren äußerst rar.
Ausreichend gerade Plätze, die nicht landwirtschaftlich bebaut, waren in der Regel die Müllkippe der umliegenden Anwesen.
Wer sich jetzt noch an die allabendlichen Wetterkarten vom Sommer 2013 im Fernsehen erinnert, weiß von einer großen Hitzewelle in Russland, während man in Deutschland bibberte und große Hochwasser vor sich hatte.
Statt gemütlicher Abende im Campingstuhl vor dem Auto gab es nur die totale Abwehr gegen Mücken, Bremsen und Fliegen, wobei letztere in der Art der Kamikazeflieger voll Angriff auf unsere Haut und Haare flogen. Das dann auch noch in einer Größe, nicht gerade die von Pferden, mindestens aber die von Einhörnern. Fastungelogen!
Zeitgleich gab es hier im IG Forum eine Diskussion über den möglichst erfolgreichsten Kampf gegen solche Plagegeister. Für uns blieb nur: Für die eingesperrten Stunden im stehenden Auto eine totale "Vergazeierung"aller Fensteröffnungen bei händigem ermorden möglichst aller blinder Passagiere. Letztes war da dann oft die Hauptbeschäftigung bis zum Einschlafen. Danach war dann aber Ruhe unter unserem Passform-Moskitonetz für das Bett.
Irgend einen Grund wird es ja wohl haben:
In Ortschaften fand eben geschriebenes nicht statt!

Wie oben schon angedeutet, zeigten die Instrumente unseres VW Bullis eine von Tag zu Tag steigende Kühlwassertemperatur an. Das, nachdem wir das Treibstoffversorgungssystem wieder von Pflanzenöl auf Diesel umgestellt hatten, da Pflanzenöl in Russland preislich nicht mehr attraktiv ist. Fälschlicherweise vermuteten wir dies als den Grund des Übels.
Für uns Hirten unserer heiligen Kuh begann ein Martyrium, welches so an die 3 Wochen anhielt. Unter diesem Link
klickt doch mal hier (dann kommt mittlerweile leider nur noch "Error 404", da das IG Syncro 16" Forum unglücklicherweise gestorben wurde.)
hatten wir unsere Bemühungen bis zur Lösung auch technisch interessierten Mitlesern dargestellt.
Bis wir in Moskau dann bei den dortigen Freunden des VW Bus Fan Club Russland endgültig die Lösung angehen konnten (ein elektronisches Bauteil der Temperaturanzeige war ausgefallen und unser, wohl doch schon zu alter, Wasserkühler litt unter Verstopfung), haben wir mindestens 30 Mal einen mehr oder weniger großen, aber nicht hilfreichen Eingriff machen müssen.

Werkstattbesuche brachten ein anderes Problem zutage: Mit Deutsch-, Englisch- oder Französischkenntnissen unserer Gegenüber, oder Russischkenntnisse unsererseits hätten wir wenigstens vermeiden können, dass jeder Werkstattchef das Problem "zu hohe Kühlwasseranzeige"immer wieder beim buchstäblichen A beginnen wollte: Blick in den Wasservorratsbehälter, Frage nach Wasserpumpe, Thermostat, Keilriemenspannung u.s.w.. Wir konnten, wegen allgemein mangelnder Fremdsprachkenntnisse, einfach nie klar machen, was wir alles schon selbst an Ursachen ausgeschlossen hatten.
Schließlich schrieb ich das Punkt für Punkt nieder, um mich mittels Google Übersetzer auch auf Russisch mitteilen zu können. Natürlich streikte da dann unsere eigene Internetverbindung zu Google. Ein Freund im deutschen IG Syncro 16"- Forum sandte uns im Forum die russische Übersetzung, die zwar Erklärung für die russischen Mechaniker brachte, aber trotzdem nur Ratlosigkeit hinterließ. Die offizielle VW Vertretung in Jaroslavl, der Stadt in der wir am längsten in einem Ort an unserem Problem herumdokterten, wollte uns unbedingt eine neue Zylinderkopfdichtung verbauen...
Zur Geschäftsmoral der verschiedenen Werkstätten ist noch sehr wichtig anzumerken:
Bis auf die eine Werkstatt, der ich (total überredet) das Kühlwasserthermostat ausbauen ließ, konnten wir nirgendwo auch nur einen Rubel bezahlen. Trotz oft stundenlangem recherchieren hieß es jedes Mal "kein Resultat, keine Bezahlung". Schier unglaublich.

Den wichtigsten Rückhalt bekamen wir von der deutschen IG Syncro16"Gemeinde per Beiträge im Forum. Im Endeffekt dann ja auch die Lösung.
Bis zum Ende dieser 3 Wochen bedeutete dies, mit steigender Tendenz, eine immer größere Ratlosigkeit, weil wir doch fast alles Erdenkliche schon ausgeschlossen hatten. Die meisten der Reparaturstopps fanden am Straßenrand, neben eben diesen schon erwähnten Müllkippen statt. Natürlich waren wir da wieder ein totales Angriffsziel der fliegenden Plagegeister der Sümpfe. Wenn es darauf dann zu einer neuen Probefahrt weiterging, die doch wieder nur einen Misserfolg zeigte, hieß es nach kurzem, sämtliche Innenraumheizungen aufdrehen um die angezeigte Kühlwassertemperatur abzusenken. Heizungen, die ja eigentlich für Außentemperaturen von -32°C und nicht von unseren hier herrschenden +32°C ausgelegt sind. Da wir überwiegend gen Süden fuhren, hatte die Iris zu unseren täglichen Hauptreisestunden auch noch die Sonne buchstäblich auf ihrer Seite.
So ward dann aus meiner Computerfreakadelle bald eine Art Grillhähnchen. Hier auch, etwas ostdeutsch, Broiler genannt.
Dass sie inmitten dieser Situation dann aber einmal mein schwaches, resignierendes "dann sollten wir uns vielleicht doch so langsam in Richtung Heimat bewegen..."entschieden von sich wies, werde ich wohl kaum gut machen können.
Um dem Ganzen auch noch einen gewissen makabren Touch zu geben, sind an lukrativen Stellen für einen Berufszweig auch noch Telefonnummern hinter kyrillischen Buchstaben groß annonciert:

Nachdem wir den "Evakuierer"als Abschleppdienst eingestuft hatten, sahen wir auf jedem Ast nur noch Aasgeier. Woher wohl diese Verbindung?
Um die Jammerei nicht all zu abrupt abzubrechen, soll hier auch noch vom Wasser die Rede sein:
Bis Estland war es kein Problem immer genügend Wasser, z.B. auf einem Campingplatz, vorher auch aus öffentlichen Hähnen, auch auf Friedhöfen für den eigenen Tank zu bunkern. Ab der russischen Grenze war damit Schluss. Campingplätze fanden wir bisher nur in Saint Petersburg, einmal Wasser an einer Tankstelle, allerdings aus einem fragwürdigen Tank, gut für die Windschutzscheibe oder zur Not auch den Wasserkühler. Auf Friedhöfen zieht man das Blumenwasser aus Brunnen. Wir murmelten automatisch etwas von Leichenwasser... Gut, weit ab von Friedhöfen hatte auch fast jedes Anwesen seinen eigenen Brunnen. Dafür fühlten wir uns aber noch nicht reif genug, zweifeln doch erst einmal an der Wasserqualität. Unseren fabrikneuen Katadyn- Wasserfilter wollen wir nur im Notfall in Betrieb nehmen. Als wir gerade, neben dem schon immer üblichen Trinkwasser, auch drei 8 Liter Plastikflaschen aus dem Supermarkt zum waschen gekauft hatten, fanden wir unseren ersten öffentlichen Wasserspender.
Was wir bis zu diesem Zeitpunkt mit dem Wasser zauberten, nannte die Iris "Pfützenmanagement"!
In Jaroslavl war das auch mit ein Grund, warum unser Tempo bei den Aktivitäten um unser Kühlwassertemperaturproblem einen offensichtlich so trägen Eindruck machen konnte. Um aber irgendwo in einer Werkstatt oder Ersatzteilgeschäft auftreten zu können, war es schon angebracht, nicht gerade zu müffeln. Also Wasser für die Hygiene bunkern.
Auch war die Entsorgung unseres Pottiinhaltes nicht in der Stadt möglich. Also auch deshalb täglich raus in die Botanik, wo man ihn dieser anvertrauen kann.
Lebensmittel einkaufen. Da hatten wir bald unsere bevorzugten Adressen.
Für die verschiedenen Reparaturversuche fanden wir ebenfalls einen jeweils geeigneten Platz. Hier eine öffentliche Rampe, wie sie allenthalben an viel frequentierten Verkehrswegen jedermann zur Verfügung steht.
Wo das Motoröl nach dem Wechsel in der Regel aufzufinden ist, sieht man hier unter meinen Füßen. Untergelegte Bretter, Steine, Teppiche und vieles andere mehr, lassen die Arbeitshöhe unter dem Auto immer kürzer werden. Hier hatte ich noch Glück, als Schrumpfgermane.

Jaroslavl ist eine Großstadt! Da kommen insgesamt schon eine Menge Kilometer zusammen. Dank der bald im Navi gespeicherten POI´s war wenigstens die Orientierung kein Problem.

An diesem schönen Schattenplatz übernachteten wir alleine 5 Nächte hintereinander. Auf der einen Seite die Wolga, auf der anderen eine recht geschäftige Hauptstraße. Ungestört! Das können wir uns in Deutschland so nicht vorstellen.
Solch einen negativen Bericht wollen wir niiie wieder schreiben müssen.
In der Planung ist der nächste schon fast fertig.
Schöne Grüße wieder einmal aus Russland
von der Iris mit ihrem älteren Roland
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Großstädtisches
Verfasst am: Mi Aug 07, 2013 5:53 pm
Hallo,
Moskau.
Na ja, mit Moskau hatte man schon Bücher gefüllt.
Was haben wir uns nicht alles über diese Stadt unangenehmes anhören müssen, bevor wir in Moskau waren,
Es war aber nicht nur unsere kränkelnde heilige Kuh, die dann in Moskau ihren Veterinär finden sollte, sondern auch unsere Neugier, was an den Schauergeschichten denn wirklich dran sei. Wir steuerten Moskau an!
Als die Landstraßen auf Moskau zu immer mehr zur Autobahn wurden, sah alles noch furchtbar aus. Die Überholmanöver, der fast nur Vollgas fahrenden Autofahrer, aus jeder Situation heraus rechts auf dem Standstreifen, aber auch in jeder sich bietenden Lücke... Das endete dann in einem gigantischen Stau, der 38 Km vor Moskau begann, Kupplungen, Kühlwasser und Knautschzonen (bei den anderen) kostete und in Moskau dann überraschend endete.
Überraschend, weil hier meistens äußerst diszipliniert und zuvorkommend gefahren wird! Man gibt dem "schwächeren" schon einmal eine Chance. Wer den Pariser Verkehr kennt, erlebt hier vielfach angenehmeres.
Ausnahmen bestätigen das. Hummerfahrer, aber auch der anderer Marken mit ähnlichem zulässigem Gesamtgewicht. Grundsätzlich gilt schon, wenn von hinten ein blitzsauberes, dickes und schwarzes Auto heran rauscht, dessen Fahrer hat kräftige Ellenbogen!










































