nach „Russland vor der Krim“ können wir jetzt in bester Laune aus Georgien weiter berichten.
Unsere Ausreise aus Russland, nachdem wir 88 Tage dort reisen durften verlief, mittlerweile erwartungsgemäß, reibungslos.
Die Kontrolle der Zolldeklaration beschränkte sich auf einen Vergleich mit dem Nummernschild unserer heiligen Kuh (für „Quereinsteiger, das ist unser VW T3 Syncro Reisemobil).
Dann am Polizeischalter eine gründliche Kontrolle wohl sämtlicher Sicherheitsmerkmale, die unsere Russlandvisa und Reisepässe so in sich tragen: "Do swidanija"!
Das war´s.
Die schon im Russland- Reisebericht erwähnte Frage nach unserer Registrierung blieb aus.
Für Reisende im Reise-Wohnmobil wohl wirklich kein Thema mehr.
Uff.
Am 25. August 2013 kamen wir, nach ebenfalls problemloser und korrekter Grenzabfertigung ("Welcome to Georgia") über die letzte Schranke in das Land.

Es begrüßte uns auf der Stelle mit einer seiner auffälligsten Eigenarten:
Die unmöglichsten Autofahrer, die wir jemals kennen lernten!
Chaotischstes vorwärts drängen vieler bis zur vollständigen Blockade der Fahrbahn. So etwas ist uns von Reisen schon bekannt. Allerdings Jahrzehnte zurückliegend. In Russland können wir uns das nicht vorstellen. Nicht an einem Kontrollpunkt, der von Staatsbeamten geführt wird.
Unser Bericht über Russland fing ja auch mit den besonderen Verkehrsregeln an, die man sich erst einmal zu eigen machen muss, dann konnte man schon gut damit zurecht kommen. Heute sind wir den 22. Tag in Georgien, haben 2 Mal die Hauptstadt durchfahren und müssen leider sagen: So nett, wie die Georgier allgemein auch sind, beim Autofahren sind zu viele absolutes Gegenteil, so dass das fahren zum Russischen Roulett wird.
Wieder ist es das überholen, ebenfalls das heran preschen an jegliches Hindernis, wie z.B. eine rote Ampel, Baustellenhindernis oder gar Fußgängergruppe: Mit Hupe und überhöhtem Tempo, aber auch quietschenden Reifen. Das ist für uns in dieser Größenordnung wirkliches Neuland. Voraussehendes fahren noch mehr gefragt...

Erster Übernachtungsplatz war für 2 Tage bei der berühmten Kirche vor dem 5033m hohen Berg Kazbek, die Touristenattraktion im Nordosten schlechthin. Die ca. 6 Km Strecke vom letzten Ort dort hin ist recht schmal und teilweise haarig. Damit Reparaturarbeiten hier überhaupt statt finden können, finden sie unter den Augen der Polizei statt.
Vom letzten Dorf im Tal werden andere Touristen mit Allradtaxis und Pferde die Serpentinen hoch befördert. Sportlichere Typen gehen fast Luftlinie per Pedes. 1,2 Stunden Aufstieg benötigten die schnellsten, die wir dort sprachen. "Richtige" Alpinisten waren aber auch bis kurz vor dem Kazbekgipfel dabei.
Die Fahrt dort hoch hatte sich für uns gelohnt! Sollten wir hier doch gleich einen Vorgeschmack von dem bekommen, was uns in Georgien auf ca. 70 % der ausgewählten Strecken bevorstand.
Die 3 Monate in Russland hatten wir westeuropäische Touristen ein wenig vermisst. Hier trafen wir an den ersten 2 Tagen ein vielfaches. Selbst 3 weitere Autotouristen waren dabei.
Was man nicht alles unter einen Bann stellen kann:
Nicht nur die nackte Haut oberhalb der weißen Turnschuhe im Hintergrund waren in der Kirche tabu, auch die Jeansbeine der Iris mussten mittels Tuch noch einmal verhüllt werden!
Notstandsmaßnahme?
In dieser engen Linksserpentine bergab konnten wir bequem für dieses Foto anhalten.
Dass das Moniereisen auf Reifenhöhe bergauf und bei Gegenlicht dem linken Vorderachsreifen verdammt nahe kam, lässt mir jetzt noch Schweiß ausbrechen...
Die Fahrer der Allradtaxis kennen dieses Eisen sicher.
Unsere 5 Reifen leben jetzt noch in einem prima Zustand.
"Am Kazbek" oben verabschiedete sich aber wortlos Iris ihr Laptop, der neuere von unseren beiden, in die ewigen (?) Jagdgründe. Außer dem Kühlerlüfter und Ladekontrolle tat sich absolut nichts mehr. Hardware!
Der Fachmann in Tiflis tauschte auf Verdacht einige Komponenten aus - Fehlanzeige. Er meinte, das wohl defekte Motherboard könne man in einigen Tagen per Amazon aus dem Ausland kommen lassen...
Blöd, dass auf den Festplatten gerade soo viele Informationen über Georgien sind. Schlimmer aber noch, sämtliche Programme für unser Navi ebenfalls (dann nur noch zuhause auf unserer großen Festplatte). Die Navikarten selbst haben wir aber auf SD Speicherkarten.
Tiflis oder Tibilisi, wie es hier nicht nur geschrieben, sondern auch ausgesprochen wird.
Gegensätze, wie sie wohl schon per Gesetz zu einer Hauptstadt zu gehören scheinen. Der Potsdamer Platz und Neukölln bestätigen das in unserer Hauptstadt auch.
Als Stadt lang, ewig lang gezogen.
Alte und neue Pracht und Reichtum neben alter Pracht und nicht mehr Reichtum.
In Tiflis suchten wir wieder einmal eine Touristinformation auf. Eigentlich nichts verwerfliches. Dass wir uns dann aber an den Stellplatztip von dort hielten, sollte uns eigentlich nicht mehr passieren:
Am Turtellake befindet sich ein ganz nettes Freizeitzentrum. Hier selbstverständlich mit einem bewachten Parkplatz. Beim Eingang erkundigte ich mich mittels Händen und Fingern, was das Parken denn so koste. 2 Lari, ca. 1 € für 12 Stunden hieß es. Nun gut, also 2 € für uns Langschläfer. Passt schon.
Nach dem Einschlafen, gegen Mitternacht, weckte uns dieser Parkwächter aber recht unsanft und forderte sofort 10 Lari. Wir waren wieder in einer Umgebung gelandet, die den Tourismus in jeglicher Variante kennt...
Keine 2 Minuten, da hatten wir das Gelände verlassen und fanden einen ruhigen Platz in einem Wäldchen. Stinksauer ob dieses Versuches der Erpressung.
Sofort kam wehmütige Erinnerung an "unser Russland" auf.
Unter Touristen geht die Mär um, wegen des Kampfes gegen früher angeblich schlimme Korruption bei der Polizei werden jetzt sämtliche Polizeistationen als durchsichtige Glaspaläste gebaut?
Genau wie in Russland erlebten wir bisher auch in Georgien noch nicht den kleinsten derartigen Versuch.
Das liebe Geld regiert auch die Reisewelt.
Für Diridari, Zaster, Pinkepinke, Moneten oder wie man zur Kohle noch sagen mag, sollte man irgendwie vorher schon gesorgt haben. Wie man heutzutage damit unterwegs aber klarkommt, dafür haben Ökonomen und Politiker erfolgreich einiges auf die Beine gestellt.
Zwischen den, von uns in den letzten Jahren bereisten, Ländern gibt es eigentlich keinerlei Probleme im Geldverkehr mehr. Ein Schwarzmarkt und somit Geldschmuggel über die Grenzen ist ausgestorben, weil nicht mehr lohnend. Normale Mengen von "Restgeld" kann man mit über die Grenze nehmen und bei einem zugelassenen Geldwechsler, zum angemessenen Kurs, in die neue Währung umtauschen.
Die wichtigste Errungenschaft ist für uns aber der eigentliche Geldnachschub bei einer Langreise per Geldkarte und "Bankomat".
Absolut gebührenfrei (Stand 2013! Mittlerweile gab es Änderungen. Also; aktuellen Stand abklären.) und zum offiziellen Tageskurs "zieht" man sich mittlerweile weltweit jegliche Währung. Wir mit der VISA Karte, unsere von der DKB (Deutsche Kreditbank), ähnlich gut gewiss aber mit Karten etlicher anderer Gesellschaften, die nur so um unsere Gunst werben.
Wenn man von zuhause per Vertrag mit der Bank auch noch die richtigen "Einstellungen" (limitieren der monatlichen Auszahlsumme) für diese Karte gemacht hat, vermeidet man auch absolut sicher, dass bei einem Kartenverlust auch noch das Konto leer geräumt werden kann.
Für Partner (z.B. Ehepaare) gibt die DKB- VISA sogar 2 gleichberechtigte Karten heraus, bei der die verbleibende nach einem Verlust der einen weiterhin voll funktionsfähig bleibt.
Wer für "den Ernstfall" daheim keine Eltern oder die richtig guten Freunde hat, die bei einer außergewöhnlichen Katastrophe aushelfen, kann mit seiner Bank immer noch eine Überweisung ausmachen, die telefonisch per Passwort auf den Weg geht.
Vor 3 Jahren machten wir in Südeuropa unseren letzten Versuch, mit Traveller Cheques unterwegs "flüssig" zu werden. Nie wieder!
Etliche Banken lehnten den Ankauf glattweg ab, andere berechneten eine Gebühr bis zu 5%. Die 6% Verlust, incl. 1% Kaufgebühr, taten somit schon weh.

Bilderrätsel!
Wer kennt diesen Herrn denn noch?
Der Zustand seines Ehrenmals zeigt die wechselhafte Anerkennung die er selbst in seinem Geburtsland Georgien erlebte.
Heute gibt es hier etliche Stalinstraßen und auch neue Denkmale.

Das Straßennetz in Georgien gibt wieder alles her, was man sich so denken kann.
Hochmoderne Autobahnstücke an der Grenze zu Südossetien, gepflegte Alleen in Adjara, der südwestlichen autonomen Republik mit der Hauptstadt Batumi, akzeptable Hauptverbindungsstraßen allenthalben. Dann Ortsverbindungen, die ich einfach nur "Altlasten" nennen kann. Wer einen aussagekräftigen Überblick über dieses Land gewinnen möchte, lernt somit alles kennen. Da wir in der offiziellen Landkarte der Touristinformation, aber auch in unserem Navi, sämtliche Straßenzustände gezeigt bekamen, die entweder Geschichte oder Zukunftsmusik waren, bewegten wir uns zu ca. 70 % unserer Fahrzeit auf federbrecherischen Pistenresten.
Auf dem Weg zu einigen Zielen mussten wir umdrehen. Zur Rkoni Brücke sogar bei der Anfahrt von beiden Seiten, die die Karte zeigte.
Vom Süden aus war, wohl wegen Erdrutsch, nur noch ein Fußweg übrig, vom Norden war es diese Furt, bei der der Treiber seiner heiligen Kuh streikte und alle Beteiligten diese Strecke bei der vorzeitigen Rückfahrt noch einmal genossen. Die Wassertiefe versprach ein zu großes Risiko mit der Aussicht, bei diesem Spiel den 2. Sieg davon zu tragen. Gewitter vor und nach diesem Tag dort stellten auch noch einen wesentlich höheren Wasserstand in Aussicht.
"Schisser"? Nun wenn ja, dann aber auch ein bekennender!

Hier die Dandalo Brücke. Ungefähr so hätte ein Foto von der Rkoni Brücke ausschauen sollen.
Vielleicht gar mit einer Eigenproduktion von der heiligen Kuh drauf:


Hier hat wohl jemand etwas dagegen, dass mit unserer heiligen Kuh auch noch was anderes gemacht wird, als zu reisen.
Ich auch!







Mit dem Neuland ist dieser Tage so ziemlich Schluss.
Wahrscheinlich morgen werden wir über die Grenze in die Türkei fahren. Ab da sehen wir die weitere Fahrt bis nach Bayern dann als Rückreise an.
Wie beim letzten Bericht soll das dann erst wieder einmal heißen, dass unser www Zugang nicht sicher ist und der folgende Bericht wieder auf sich warten lassen kann.
Vertreibt Euch bitte diese Zeit nur mit angenehmen

und seid von einem schönen Flussufer in der Nähe von Akhaltsikhe in Georgien
wieder einmal recht herzlich gegrüßt
von der Iris mit ihrem älteren Roland



































