Zusatzluftfeder
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REC-BMS Ansteuerung von ML-RBS 500A und Victron Quattro


xbmcg am 20 Feb 2018 12:07:51

Hallo Leute,

Ich mach mal einen neuen Tröt für das Thema auf, um nicht andere Lösungen durcheinander zu bringen.

Hier meine Schaltung (Platine) als Interface zwischen den vollständig beschalteten REC-BMS Ausgängen (Relais und Optokoppler)
und der Anbindung von bi-stabilen Relais mit Impulssteuerung und Eingangs-Signalverstärker ML-RBS 500A,

Bild

sowie Anbindung an die Victron Multiplus / Quattro mit Lithium-Profil und Assistent für externes BMS mit 2 Kontakten
mit folgenden Einstellungen:

- Zelle Hoch / Zelle Niedrig,
- Batterie Voll bei AUX1 offen,
- Batterie leer bei TEMP offen,
- Bei Batterie voll auf Erhaltungsladung schalten und SOC=100% setzen

Bild

Schaltplan:
Bild

Die Schaltung ist "Eigensicher", ich habe an allen Eingängen entsprechende Widerstände verbaut, damit die REC BMS
Ausgänge nicht überlastet werden können (15 Ohm zur Begrenzung der Relaiskontakte unter 1A, 2k Ohm zur Strombegrenzung der
Optokoppler, 15 Ohm am Ausgang der Signalrelais zum Schutz der Kontakte / Strombegrenzung auf unter 1A.
Zusätzlich könnte man noch eine Diode am Plus Eingang in Flussrichtung als Verpolungsschutz einbauen.

Man kann die Optokoppler Ausgänge auch direkt an die Victron Inverter anschließen, dann sollte man eine entsprechende
Sicherung oder Vorwiderstand (Strombegrenzung) und eine Diode (Verpolungsschutz) zum Schutz einbauen.

Die LED's dienen zur Kontrolle der Schaltzustände und bei den Relaisansteuerungen zusätzlich zum Entladen der Elkos.
Wenn man mehr Signale benötigt, kann man die Vorwiderstände der LED durch die REED-Relais ersetzen, sofern sie
einen Widerstand von 700..1000 Ohm haben. (Wie umgesetzt bei den Optokoppler Interfaces).

Pro leuchtende LED fällt ein Strom an von ca. 12mA, also für die gesamte Schaltung oben incl. der Relais in etwa 50mA oder 0.05A,
das war es mir Wert.

Als Signalrelais hab ich die MEDER SL12-1A72-71D verwendet, die haben bereits eingebaute Schutzdioden, wenn ihr 2 unabhängige
Kontakte braucht, geht auch das MEDER DIP12-2A72-21D, ebenfalls mit eingebauten Schutzdioden. Natürlich geht auch jedes
andere Relais, wenn man den passenden Transistor zur Ansteuerung wählt, ich hatte noch S9013 herumliegen (NPN, Ic = 500mA),
mit denen kann man auch schwerere Geschütze problemlos schalten.

Wie funktioniert das ganze nun?

Ich erkläre mal den oberen Teil mit den potentialfreien Relaiskontakten am Beispiel BMS CHG:

Es gibt 3 Anschlüsse am BMS fürdas Relais BMS CHG:

CHG F (FUSE steht für Sicherung ), Eingang, max. 1A belastbar, hier wird über 15 Ohm Batterie-Plus zugeführt.
Bei einem Kurzschluss würde über den Widerstand R1 13V abfallen und ein Strom vin I=U/R = 13V/15Ohm= 860mA fließen.
Das ist noch unter 1A, also keine Gefahr für die Relais-Kontakte.

CHG NC (NC = normally connected) - Der Anschluss ist geschlossen bei Überspannung und offen im Normalbetrieb (OVP)
CHG NO (NO = normally open) - Dieser Anschluss ist offen und wird geslossen, wenn Laden erlaubt ist (ALLOW CHARGE)

Nun zur Schaltung. Beim Einschalten ist zunächst NC stromführend, dadurch gelangt Batterie-Plus an den Kondensator C1 und
die rote LED, die dann leuchtet. Der Kondensator lädt sich auf (und zieht damit die orange Leitung des ML-RBS Relais
(RESET) kurzzeitig während des aufladens auf Plus) Das dauert wenige Millisekunden, lange genug um das Relais auszuschalten.
Nach dem Ladevorgang (Schaltimpuls) liegt wieder keine Spannung mehr an den Relais-Eingängen (Braun und Orange).

Nach dem Selbsttest schaltet das BMS um undaktiviert die Stromkreise (Normalzustand, OVP und LVP werden ausgeschaltet,
ENABLE CHARGE und ENABLE LOAD werden eingeschaltet, beide Relais schalten um und die Optokoppler werden leitend)

Nun liegt am NC keine Spannung mehr an, C1 entlädt sich über die rote LED und den Widerstand R3 gegen Masse (sie leuchtet
weniger als eine halbe Sekunde nach), damit ist der Eingang wieder scharf für den nächsten Impuls. Gleichzeitig wird am NO
Eingang 12V Spannung angelegt und der Kondensator wird kurzzeitig "leitend", er lädt sich auf, die Grüne LED leuchtet und
das ML-RBS bekommt einen kurzen positiven Impuls am SET-Eingang (braun) und schaltet daraufhin ein.

Bei Überspannung tritt Fall 1 wieder ein, grün geht aus, rot an, Relais schaltet aus.

Kann man die Eingänge des ML-RBS nicht direkt an die Ausgänge des REC BMS anschließen? Doch, kann man, allerdings fließen dann um
einige 100mA dauerhaft, der Strom nimmt zwar etwas ab mit der Zeit, aber man hat den Vorteil des bi-stabilen Relais nicht ausgeschöpft.

Das wirklich Gute an der Schaltung ist, das sie nur auf Zustandsänderungen reagiert. Man kann die Relais notfalls per Hand schalten,
weil sie nicht ständig unter Strom sind - bei der nächsten Zustandsänderung übernimmt wieder das BMS. Dadurch, dass ein Umschaltkontakt
zur Ansteuerung durch das BMS verwendet wird, ist auch der Zustand ausgeschlossen, dass an beiden Eingängen des bi-stabilen Leistungsrelais
gleichzeitig ein Schaltimpuls anliegen kann.

BMS DCH funktioniert nach dem selben Prinzip, in meiner Schaltung sind 2 Leisungsrelais parallel verbaut, ein separates für den WR
und eins für den Rest der Bordelektrik. Ist im WoMo nicht notwendig, da die zu erwartenden Ströme unter 500A liegen durften.

Nun kurz zu den Optokopplern, zunächst der für das Laden:

OPTO CH C Optokoppler Collector ENABLE CHARGE
OPTO CH E Optokoppler Emitter ENABLE CHARGE

Die Schaltstufen sind Darlington - NPN-Transistoren, am Collector wird 12V Plus angelegt, der Transistor schaltet durch, wenn Laden erlaubt ist.
Über den Widerstand R7 (2k) wird er Strom begrenzt und der Transistor geschützt (12V / 2000Ohm = 6mA Basistrom am T1, der seinerseits
den Strom zwischen Collector und Emitter durchschaltet. Das Relais wird vom Strom durchflossen über die LED, die gleichzeitig den Schaltzustand
anzeigt. Der Kontakt wird geschlossen und über den 15 Ohm Schutzwiderstand wird der AUX1 Eingang am Victron freigegeben, Das Ladegerät
wird damit aktiv und geht in BULK bis zur Ladeschlußspannung und später ABSORPTION für 1 Stunde und danach in FLOAT oder wird unterbrochen
durch ein Signal vom BMS.

Wenn der Optokoppler aus ist (Batterie Voll-Signal vom BMS), dann sperrt der Optokoppler, der Strom an der Basis von T1 wird 0 mA und T1 sperrt
auch, die Masse am Relais ist dan aus, das Relais fällt ab, die LED geht aus, die Induktionsspannung der Relaisspule wird über die Schutzdiode
kurzgeschlossen und kann keinen Schaden am T1 anrichten (Verpolung) Der Kontakt öffnet und der Victron schaltet sofort auf Erhaltungsladung
FLOAT 13.5V.

Analog funktioniert auch der DCH Optokoppler, der bei Erreichen der programmierten Schwellenspannung den Wechselrichter deaktiviert.
Beide Optokoppler sind unabhängig von den Relais programmiert, sie haben eigene Schwellwerte (custom programming von REC, vielen Dank dafür!)

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

Gast am 20 Feb 2018 12:39:28

Danke, tolle Beschreibung!

Von mir ein kleiner Tip für ein passendes Relais:

--> Link



Vorteil: 2 Wechsler, halbe Leistung, preisgünstig, verfügbar.

Grüße, Alf

xbmcg am 20 Feb 2018 12:44:38

So schaut das REC BMS aus:

Bild

Dazu gibt es den Kabelsatz, optional einen Shunt und einen weiteren Temperatursensor:

Bild

und optional ein Touch-Display mit Kabel in Wunschlänge:

Bild

Außerdem noch optional die Konfigurationssoftware:

Bild

und eine kundenspezifische Programmierung ohne Mehrkosten.

Rockerbox am 20 Feb 2018 12:59:04

Super gemacht!

xbmcg am 20 Feb 2018 13:00:51

KudlWackerl hat geschrieben:Danke, tolle Beschreibung!
Von mir ein kleiner Tip für ein passendes Relais:
--> Link
Vorteil: 2 Wechsler, halbe Leistung, preisgünstig, verfügbar.

Grüße, Alf


Ja, Signalrelais gibt's wie Sand am Meer, Ich habe die gewählt, weil sie auch günstig waren und die
Schutzdiode schon drin ist, ein Bauelement weniger und ich brauchte keine Umschaltkontakte (weniger
Fehlerquellen beim Löten). Die Fujitsu gibts aber sicher auch mit Schutzdiode.

Die Umschaltrelais sind schön, wenn das BMS keine potentialfreien Umschaltkontakte anbietet,
die kann man dann einfach vorschalten. Ist interessant, wenn man andere BMS mit den ML-RBS
verwenden will. Ist ja nur eine günstige Alternative für die Ansteuerung.

Von REC gibt es auch eine teuere Lösung, man braucht 2 davon:
Nennen sich BSLRD oder "Bi-Stable relay driver"

Bild

Auch LiSunEnergy hat eine Treiberschaltung für die Lastrelais im Angebot...

Gibt sogar bi-stablie Reed Relais, aber die wären für meine Anwendung nicht brauchbar,
ich brauche ja den Entladestrom für die Kondensatoren.

Gast am 20 Feb 2018 14:27:08

bei nur 10 mA Strom habe ich mir die Löschdiode am Relais verkniffen. :wink:

Grüße, Alf

xbmcg am 20 Feb 2018 14:37:09

Hier noch mal meine aktuellen Einstellungen am REC BMS, ich bin noch beim tunen ;D

Bild

Zusätzlich habe ich die unteren Parameter des 2. Optookopplers auf CLOW=3.200V und die Hysterese auf RELH=0.100V
(Kundenspezifische Programmierung, hat nicht jeder.)

Übrigens, für die Anwender von REC BMS mit der neuesten SW:

WCIB? liefert die Celle, die gerade ausgeglichen wird
ALRM? liefert den Zustand der internen Einstellung für den Alarm-Beeper =0 ist aus =1 ist an,

falls jemand die SW hat, kann er das eventuell konfigurieren oder bei Bedarf auslesen / überwachen.

Die Felder für Cell Voltage steuern die Relais bei mir,

OVP: CMAX 3.650V
re-enable charge: CMAX-MAXH 3.650V-0.250V (3.4V)

UVP: CMIN 2.900V
re-enable discharge: CMIN+MINH 2.900V + 0.100V = 3.000V

Charging steuert Opto1

Optokoppler1 (Kundenwunsch - Programmierung):
go to FLOAT: CHAR 3.600V
resume charge program: CHAR-CHIS 3.600V-0.250V (3.350V)

Optokoppler2
(Kundenwunsch - Programmierung):
Disable inverter: CLOW 3.200V
re-enable inverter CLOW+RELH 3.200V + 0.100V (3.300V)

Das Balancen wird konfiguriert im Kasten Balancing:
BMIN 3.376V - ab hier startet das Balancing, wenn der Ladestrom > 0.2A ist
BVOL 3.420V - ab hier wird grundsätzlich ausgeglichen "volume balancing"
RAZL 0.250V - default Einstellung, nur über Console änderbar: Differenzspannung der Zellen bei der ein Balancing immer ausgelöst wird. (max. zul Zelldifferenz)
CMIN 2.900V - Bottom Balancing wird ausgelöst, wenn eine Zelle CMIN unterschreitet und das BMS UVP ausgelöst hat. Wenn die anderen Zellen noch genügend hohe Spannungen haben, wird ausgeglichen und ggf nach CMIN+MINH wieder eingeschaltet.

Die Variablen sind für eingeweihte mit der Software für das Consolen - Interface.

Es gibt noch mehr davon,

z.B. SOCS setzt den SOC auf einen benutzerdefinierten Wert oder liest den aktuellen Wert aus, SOCH ist die Hysterese von SOC usw. Wird verwendet, um SOC zu synchronisieren.
Die komplette Liste kann man in der Anleitung nachlesen.

rolfblock am 20 Feb 2018 15:48:40

Ich verstehe schon eine Menge der Details, aber was das ganze macht und warum hab ich nicht kapiert. Was ist ein REC-BMS? BMS ist wohl Batterie Management System.
Die nächste Frage ist: Brauch ich das? Kann ich es einsetzen?

Da nach der Umstellung auf Kompressorkühlschrank meine Wechselrichtersteuerung über AES kaum noch Einsätze hat, erübrigt sich die Verwendung von Überschussstrom, weil es kaum noch welchen gibt.

Es fehlt mir nur noch eine Verzögerung für D+, damit das Relais im EBL 99 nicht zu früh die Li Batterie mit der Starterbatterie zusammenschaltet.
Dafür erscheint mir dein Aufwand zu hoch.

xbmcg am 20 Feb 2018 16:28:03

Hallo Rolf,

Das REC BMS ist ein Batteriemanagement System für Lithium Batterien aller Art,
ich setze es ein für die gelben Winston Zellen. REC ist die Firma, die es herstellt
(kommt aus Slovenien).

Das Ganze kümmert sich darum, dass es den teuren Zellen gut geht und sie brav geladen werden.

Deswegen ist es auch im LiFeYPO4 Forum gepostet. Wenn Du nicht weißt, was das ist,
dann brauchst Du es vermutlich auch nicht. Es ersetzt die Balancer und Zellmodule der anderen
vergleichbaren BMS-Lösungen. Ist alles in dem kleinen Gehäuse drin. Die Zellen werden nur über
die 5 Mess-leitungen angeschlossen (Masse und die 4 Plus-Pole der Zellen.

Ich habe meine Ansteuerung mal aufgemalt und beschrieben, da viele sicher vor dem gleichen
Problem stehen, die bi-stabilen Leistungsrelais anzusteuern. Das sind sehr dicke Brocken
und viele haben Hemmungen sowas zu verbauen und per Elektronik oder Signalrelais anzusteuern.

Kann man eigentlich universell einsetzen, z.B. auch sehr hohe Ströme vom BMV Relais aus zu schalten
oder sonst was anzustellen.

Da hier im Forum einige sind, die auch das REC bestellt / verbaut haben, dachte ich ich zeige
Euch mal meine Lösung. Ist zwar nicht fürs WoMo sondern für ein Boot, und hat 1000Ah statt der
hier normal verbauten 100-400Ah, die Leistungsrelais werden von anderen hier aber auch verbaut
und eingesetzt.

Wer's braucht, kanns nachnutzen.

Gibt ja auch Bastler die mit Arduino oder RaspberryPi herumexperimentieren und vielleicht
mal große Ströme schalten wollen, ohne dass die Batterie leergesaugt wird.

Es ist keine Zeitschaltuhr, also für Deinen Zweck eher nicht geeignet. Du kannst die dicken
Relais aber auch als Batterietrennrelais einsetzen und mit einem Timer Baustein verzögert
einschalten.

thomker am 20 Feb 2018 19:44:41

Boah ey, da bin ich um Längen überfordert, Medizin ist einfacher... :mrgreen:

Sorry für OT.
Gruß
Thomas

gespeert am 20 Feb 2018 21:48:21

At kudl

warum laesst Du die Loeschdiode weg?
Das kann Dir die Halbleiter schiessen wenn die Spule die Abmagnetisierung mittels Spannungsspitze ausgleichen moechte.
Und die Bauteile koennen sich ueberall im Fz befinden!

Gast am 20 Feb 2018 22:01:54

Wo soll die Energie herkommen, bei 12 Volt und 10 mA durch das Relais? Die Induktivität ist bei diesen Ralais gegenüber dem ohmschen Anteil minimal. Vor allem, wenn die Abschaltung durch einen Halbleiter ist, da gibt es keine Spannungsspitzen.

Grüße, Alf

andwein am 21 Feb 2018 10:34:49

Hallo "xbmcg"
tolle Beschreibung, danke. Da musste ich auf den Punkte-Knopf drücken.
Gruß Andreas

xbmcg am 21 Feb 2018 11:21:47

Ich habe meine Schaltung mal etwas weiterentwickelt.

Folgendes Problem galt es zu lösen:

An Bord sind neben der Lithium Hausbank auch noch AGM Starterbatterien,
die anständig geladen werden wollen. Das Problem bei der Sache ist, dass
die AGM höhere Spannungen brauuchen und auch eine Absorptionsphase.

Ich habe lange überlegt, wie ich das Thema angehe. Einerseits möchte ich,
dass alle zur verfügung stehenden Ladequellen auch die Hausbank speisen,
andereseits ist die Batterietehnologie zu unterschiedlich und die alte Ladetechnik
kann kein Lithium.

Nun zu der Lösung des Problems:

Die alte Ladetechnik wird auf AGM Kennlinie konfiguriert, wenn überhaupt möglich.
Der Solarregler und das Ladegerät des Victron Quattro bekommen die angepasste
niedrigere LiFeYPO4 Kennlinie verpasst. Sie werden über den Optokoppler zusätzlich
wie oben beschrieben abgeriegelt.

Es kommt ein weiteres bi-stabiles Relais ML-RBS zum Einsatz, das in Reihe zum OVP
Relais angeschlossen wird und ausschließlich vom Victron BMV angesteuert werden soll.
Das Relais des BMV wird as "Charge Relais" programmiert, hier wird eine Einschaltschwelle
bei SOC 50% und eine Abschaltschwelle bei SOC 80% programmiert.

Wie funktioniert das Ganze nun:

Solange die Lithiumbank über 50% voll ist, ist die alte Ladetechnik ausschließlich für die
Ladung / Erhaltungsladung der AGM Batterien zuständig und die Verbindung zur Hausbatterie
unterbrochen. Sie kann mit Solar in ca. 5 Stunden wieder voll geladen werden, oder mit dem
Generator in ca. 2 Stunden.

Wenn die Hausbatterie unter die 50% Marke fällt, schaltet das BMV alle Ladequellen auf die
Hausbatterie, damit stehen weiter 200A zur Verfügung, was die Ladezeit bei maximaler Leistung
aller Ladequellen von leer bis voll auf 2-3 Stunden verkürzt.

Wenn SOC 80% erreicht ist, werden die AGM Ladegeräte und die Lichtmaschinen wieder
in Richtung Hausbank abgeschaltet und laden dann nur noch die Startbatterien mit AGM Kennlinie.

Damit ist sichergestellt, dass die Lithiumbatterie keine schädlichen Spannungen erreichen kann
und auch OVP nicht ausgelöst wird. Die letzten 20% lädt dann wieder Solar und bei Bedarf
der Victron uber den Generator.

Ist natürlich im WoMo-Umfeld etwas einfacher, aber auch interessant für die jenigen, die eine
Lithium Batterie und eine AGM oder GEL Batterie zusammen eingebaut haben und eine Lösung
suchen, beide Batterien nebeneinander optimal zu laden ohne ihre Lebensdauer zu verkürzen.
(Geht natürlich nur, wenn die nicht dauerhaft verbunden sind - z.B. Starterbatterie und Bordbatterie
oder 2 umschaltbare Batteriebänke als Bordbatterie).

Hier die Schaltung, wie man das BMV an ein ML-RBS anbinden kann (Ist genau wie bei dem BMS)

Bild

Gast am 21 Feb 2018 11:26:09

Toll!

Wie groß ist R1?

Grüße, Alf

xbmcg am 21 Feb 2018 13:26:20

15 Ohm, um den Strom auf 0.9A zu begrenzen. Die Kontakte im BMV sind mit 60V/1A spezifiziert.
Steht auch in der Zeichnung, ist nur nach unten gerutscht, ist am Fuss des Widerstandes gelandet.

Gast am 21 Feb 2018 13:30:35

Gute Idee!

lisunenergy am 22 Feb 2018 11:58:35

Sehr gut ! Eins muss man noch beachten : soc in % ist beim BMV 712 sehr abhäng von der Volladung und Entladung mit kleinen Verbrauchern.

xbmcg am 22 Feb 2018 12:18:29

Ja, da hast Du natürlich Recht. Vor allem wenn man einen 1000A Shunt hat sind kleine
Ströme schwer zu erfassen. Andererseits ist das Verhältnis der Kleinen Ströme zur
Batteriekapazität (200mA bei 1000Ah) ja so klein im Vergleich zu einer 100Ah Batterie,
dass die Auswirkungen diese Ströme beim SOC viel weniger ins Gewicht fallen (eine
10er-Potenz).

Die Batterie wird ja ab und zu vollgeladen durch den Solarregler, dann sollte der BMV
sich wieder aufsynchronisieren. Ich setze die Schwelle entsprechend tiefer nach unten.

Außerdem setze ich den Abschaltwert relativ weit weg von SOC=100% (bei 80%), das sind
200Ah vor Schluß, da spielen die Schwankungen der Kleinstverbraucher eine geringe Rolle.

Das System schaltet die "alte" Ladetechnik ja nur ein, wenn der Akku relativ tief entladen ist,
damit es schneller wieder voll wird und der Generator nicht so lange laufen muss.
Die meiste Zeit sind die Laderegler nur für die AGM Batterien zuständig.

Der Generator muss sowieso ab und zu mal laufen wegen der Schmierung und sollte dabei
auch nicht zu kurz an sein, er muss seine Betriebstemperatur erreichen damit der Verschleiß
nicht so groß wird, wahrscheinlich mindestens 1 mal pro Woche für eine Stunde oder so.

Ist eine relativ komplexe Schaltung mit vielen Verbrauchern und Ladegeräten. Das schöne ist,
dass man alles nachträglich programmieren und anpassen kann. Wie gut es am Ende funktioniert
wird sich mit der Zeit schon zeigen - man kann es ja später immer noch verbessern.

lisunenergy am 22 Feb 2018 12:26:23

Bei meiner Solaranlage sehe ich auch keine Probleme. In meinem Caravan im Winter sah das schon ganz anders aus . 3-4 Wochen Schnee auf den Modulen brachte abenteuerliche SOC Werte!

andwein am 23 Feb 2018 10:45:52

xbmcg hat geschrieben:Ich habe meine Schaltung mal etwas weiterentwickelt.

Guter Gedanke, gute Lösung. Ohne tieferer Kenntniss der "Hymer-LÖsung" könnte ich mir vorstellen, dass die das ähnlich handhaben, halt ein bisschen billiger.
Gruß Andreas

JackSchmidt am 23 Feb 2018 13:25:26

Hallo xbmcg,

super gelungen und beschrieben. Dafür von mir ein Plus.

xbmcg am 06 Sep 2018 11:50:12

Hallo,

wollte mal ein kurzes Update über die Anlage an Bord unseres Bootes geben,
nachdem wir diesen Sommer knapp 2000nm im Mittelmeer gesegelt sind und die meiste
Zeit autark geankert haben.

Das System funktioniert nun seit einem viertel Jahr wie geplant,
das Boot ist völlig autark was Strom und Wasser angeht, wird fast ausschließlich über Solar
geladen, täglicher Verbrauch zwischen 500 und 600Ah für Kochen
mit bis zu 4 Platten gleichzeitig (Induktion), Backofen, Warmwasser, Navigation,
el. Winchen, Hydraulik-Autopilot, Wasserentsalzung, Klimaanlage, Espressomaschine,
Eiswürfelbereiter, 2 Kühlschränke und ein Tiefkühlschrank (alle in 12V Kompressor-Technik)

Insgesamt wurden in der Zeit von der Batterie 300kWh entnommen (21000Ah),
die Solaranlage hat insgesamt 500kWh (36000Ah) geliefert (die Differenz entsteht
dadurch, dass am Tag ein Teil der Sonnenenergie direkt an die Verbraucher geht).

Wir haben das Propangas an Bord erfolgreich verbannt, die Energieversorgung war
stets über jeden Zweifel erhaben, keine Erwärmung der Zellen über Raumtemperatur,
kein Abfall der Spannung unter hohen Lasten, wir haben täglich 100-120l Frischwasser
produziert.

Tiefste Entladung lag bei 600Ah, nach einigen Tagen Regenwetter, entsprach in etwa 50%
der verfügbaren Kapazität, war am nächsten Sonnentag fast wieder voll, längste Periode
ohne Volladung waren 5 Tage.

Eine vielleicht doppelt so große Anlage könnte ein Einfamilienhaus im Süden
locker autark mit Strom versorgen, ohne dass die Batterie ins schwitzen gerät.

Für ein europäisches größeres WoMo reicht vermutlich eine Anlage mit 400Ah, Solardach mit
2-3 350Wp-Hochleistungs-Solarmodule um Kochfeld mit 2 Induktionsplatten + kleiner Backofen
oder Grill zu betreiben und ab und zu mal Warmwasser zu erzeugen.

Ist zwar etwas OT, da wir hier im WoMo Forum sind, aber als Anregung für Umbauten für
autarkes Langzeitreisen im WoMo ist da sicher die eine oder andere Idee in einem kleineren Maßstab
übertragbar...

xbmcg am 06 Sep 2018 12:09:09

Sehe gerade, hab die Dimensionierung gar nicht explizit im Tröt angegeben:

4x Winston 1000Ah Zellen,
REC ABMS mit Display, Anschluß-Set voll beschaltet mit 2 Wärmesensoren, Software
Victron BMV 712 mit 1000A Shunt
Inverter Victron Quattro 5000W mit USB Programmier-Interface
Solarregler Victron SmartSolar MPPT 150/100 mit Display und eingebautem BT
5x AUO Solarpanele BENQ PM096B00 je 330Wp
4 ML-RBS 500A Leistungsrelais, Eigenbau Interface wie beschrieben
Diverse AML Sicherungen mit Halter, Eigenbau Kupfer Bus-Bars, Kabel und Kleinteile...

normales Siemens Induktionskochfeld, kompakter Neff Backofen.

JackSchmidt am 06 Sep 2018 12:24:03

Hallo, tolle Anlage, danke fürs Zeigen. Dafür von mir ein Plus.

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