Hier der Bericht des 3. Reisetages:
Samsttag, 14.04.2018 3. Reisetag
Ja, mein Englisch ist schlechter wie das der Rezeptionistin am CP. So habe ich überhört, das die warmen Duschen "Upstairs" sind und im Erdgeschoß nur was für Männer ist. Da hat der Warmduscher morgens um 6 Uhr vergeblich das Wasser ewig laufen lassen und ist dann mit langem Gesicht zurück ins WoMo geschlichen, um sich am heimischen Waschbecken frisch zu machen. Klasse Auftakt in den Tag. Da fällt der abgestürzte volle Löffel Marmelade kaum noch ins Gewicht.
Trotz allem war Start um 7:30 Uhr bei 15°C sowie klarem Himmel. Mister Navi ist ein Tausendsassa und kennt sich überall aus. Selbst Beograd wie der Einheimische Belgrad nennt, birgt kein Geheimnis für Meister TomTom. Schnell sind wir auf der Autobahn und erhaschen noch einige Blicke auf die in meinen Augen zweifelhaft stilistische Skyline der Hauptstadt Serbiens. Seltsam anmutendende Hochhauskomplexe erfreuen oder erschrecken das Auge. Je nach Betrachter.

Manchmal wähne ich mich in einem billigen Sincefictionfilm. Aber alles hat ein Ende, so auch Belgrad. Eingentlich hat sich nicht sooo viel verändert seit meiner letzten (Durch-)Reise vor 28 Jahren. Schade eigentlich.
Der damalige Autoput ist jedenfalls verschwunden. Was haben wir damals noch jedes Jahr jeden neuen Autobahnabschnitt bejubelt und uns gefreut, irgendwann einmal einfach auf der Autobahn nach Griechenland durchfahren zu können. Dann kam der unselige Jugoslawienkrieg und machte die Träume zunichte. Außer ein paar, für den aufmerksamen Betrachter noch immer sichtbaren Ruinen, ist von dieser unsäglichen Kriegszeit scheinbar nichts geblieben.
Die Autobahn jedenfalls ist sehr gut zu befahren. Keine Autowracks wie früher am Strassenrand und keine ölverschmierten Park- und Rastplätze. Alles auf europäischem Standard.

Reisen bildet:

Für mich hat Serbien jedenfall seine Schrecken (zumindest äußerlich) verloren. Nur die Staatsdiener haben noch immer jenes großkotzige Gebaren. Da gibt es beim Grenzübertritt kein freundliches Wort oder einen Gruß. Da wird harsch gefordert! Zack - und mit dem Kopf weiter gewinkt. Die Kollegen in Mazedonien waren unverkennbar auf der gleichen (jugoslawischen) Schule.
Serbien ade:

Finde den Fehler

Mazedonien hallo!

Jedoch ist die Landschaft in Mazedonien auf dieser Strecke wirklich schön. Schade eingentlich, dass man sie nun auf der brandneuen Autobahn so unspektakulär hinter sich läßt.

Gott sei Dank ist die mazedonische Autobahn noch nicht ganz fertig. Noch immer sind Stücke des alten Autoput in Betrieb. Bei Tag erstens ein Augenschmauß und zweitens eine willkommene Abwechslung in der Monotonie des Fahrens. Endlich wieder enge Kurven und Gegenverkehr.


Man beachte die Außentemperatur 8)

Das alles bei sommerlichem Wetter und entsprechenden Temperaturen. Diese steigen unterwegs bis 29°C und ich bin froh, die Aircondition einschalten zu können.
Entspannt geht es der griechischen Grenze entgegen. Auch früher versuchte ich dann irgendwann mit Drehen am Empfänger erste griechische Laute im Radio einzufangen. Mit Sendersuchlauf ist das heute kein Ding mehr und plötzlich ist sie da die griechische Musik. Erste Vorfreude macht sich breit und so lassen sich die letzten hundert Kilometer bis Gevgelja gut überbrücken. Die wechselhafte Landschaft tut ihr übriges. Es hat jemand aus dem WoMo-Forum schön beschrieben: Plötzlich ging nachts in der Ferne die Sonne auf. Das war der Grenzübergang Gevgelja-Evzoni. Toll beschrieben. Genau so war es. Wir mußten nur noch durch die schlechtbeleuchteten, grauen, trostlosen Abfertigungshallen mit mürrisch-schlechtgelaunten jugoslawischen Grenzern fahren und waren plötzlich im hellen Licht von "Hellas" gelandet. Alles plötzlich freundlich und nett. Das hat auch in der heutigen Zeit nicht viel verloren. Bei hellem Sonnenlicht betrachtet, sieht natürlich sowieso alles besser aus.
Endlich!!!!

Die Stimmung ist jedoch noch immer ähnlich. Freundliche griechische Beamte und Beamtinnen bitten um die Papiere und wünschen nach einem kurzen netten Gespräch eine gute Weiterreise. Das gleiche an den Zahlstationen der griechischen Autobahnen. Überall freundliche Menschen!



Festung von Platamonas

Allerdings macht mir die griechische Mentalität später doch noch einen kleinen Strich durch die Rechnung. Glücklich endlich angekommen zu sein, macht der von mir anvisierte Campingplatz in Palatamonas einen sehr verwaisten Eindruck. So verwaist, dass gar niemand anwesend ist. Ganz schön blöd. Zumal mein Internet auch auf "Null" ist!
Es ist eben nicht sicher, ob geöffnet oder nicht. Das hängt hier von vielen Dingen ab, oder eben auch nicht. Aber notfalls brauche ich auch keinen Campingplatz und es ist kein Drama.
Ich erinnere mich schließlich an dreißig Jahre zuvor. Wir waren damals auf einem CP mit dem Namen "Castle Camping" gelandet und rasteten dort für drei Tage nach der anstrengenden Anfahrt mit dem Kindern. Die Suche führt mich natürlich mit dem WoMo durch die enge Hauptstraße Platamonas bis ich feststelle, dass der gesuchte Ort Neos Penteleimonas heißt. Also wieder ein paar Kilometer zurück und tatsächlich finde ich den Cmpingplatz wieder. Und - er hat als einer der wenigen um diese Jahreszeit hier - geöffnet! Ein freundlicher Herr erklärt mir, wo ich Platz nehmen darf (ganz vorne, ganz am Strand, erste Reihe) und gibt mir auch gleich das Passwort für den Internetzugang! Obwohl sich der Platz seit damals (vor 28 Jahren) stark verändert hat, erkenne ich ihn wieder. Allerdings hat sich die damalige grüne Wiese auf der wir standen, in eine Dauercamperkolonie verwandelt. Dicht zugestellt. Nur eben ganz vorne am Strand. Da sind drei vier Plätze frei! Jetzt einer weniger. ICH stehe nämlich da! Ein Traumplatz!!! Vor der Türe nur der Strand und das Meer!



Nach der langen Fahrzeit habe nun auch keine Lust mehr auf Kochen. In fussläufiger Nähe befindet sich eine Taverne. Ich hatte heute eine Frühstückssemmel, einen Bountyriegel und nen Apfel. Alles lecker - aber jetzt ist etwas Warmes gefragt. Und - ein eiskalter Retsina muß es sein!
Schon auf der Suche nach einem Campingplatz bin ich an einem Supermarkt vorbeigekommen. Vorsichtshalber habe ich mich da schon um Retsina gekümmert. Man(n)weiß ja nie, wie und wo der (Camper-) Abend endet. Der Leckere mit dem gelben Etikett muß es sein und der wird es dann auch. War ja nun nicht wirklich nötig, denn der Herr Wirt hat natürlich Vorrat (Nein - es wird dann auch wirklich nur einer). Befteki mit Brot, Pommes und natürlich eine Schale Zaziki. Ach, ist das gut zum Auftakt.
Zum Schluß und am Rande vielleicht noch die Hygienestory!
Wie wir Mediziner ja wissen, war Frau Hygiene eine geborene Griechin. Im Gedenken an die Dame lassen zumindest die Besitzer dieses Campingplatzes, die Toilettenbrillen schon mal gleich ganz weg. So kann sich kein Keim auf den Genannten ansiedeln. Ganz schön clever wie ich finde. Nur halt gewöhnungsbedürftig.
In der Dusche sind die gaaanz schmalen Gestalten erstmal scheinbar klar im Vorteil. Der Raum ist klein. Sehr klein! Der Duschkopf sprüht (fast) waagrecht von der Wand. Mit ganz, ganz wenig und sensibel gesteuertem Wasserdurchfluß gelingt es tatsächlich, sich unter die Dusche stellen und naß dabei zu werden. Zumindest etwas naß.
Die etwas fülligeren Gestalten (wie meiner einer) können sich an stärkerem Durchfluß erfreuen und das Wasser mit dem Körper abfangen. Es spritz nur etwas mehr.
Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Handtuch und Bademantel am Türhaken werden praktischerweise gleich mitgewaschen.
Es wird sich zeigen, ob unser Griechenlandurlaub in Bezug auf Körperhygiene vollkommen neue Erkenntnisse für uns auftut. Mir sind jedenfalls schon lange verdrängte Ereignisse von vor 28 jahren in den Sinn gekommen. Wir werden sehen.
Bis bald :ja:

