Dometic
motorradtraeger

Mai 2018 - mit dem alten Wohnmobil über den Autoput nach Gr


McHymer64 am 17 Mai 2018 19:33:00

Mit Bildern lest ihr hier:

--> Link

Tag 1 - Ab in den Süden - wir kommen gerade mal bis Bad Reichenhall
Es ist Mittwoch, und dank akribischer Vorbereitung und einem perfekten Plan verlassen wir kurz vor 16 Uhr Göppingen. Unbegreiflich wie wir das geschafft haben. Glücklich düsen wir los.

Aber Geschichte wiederholt sich, müssen wir schmerzlich erfahren, im Kleinen genauso wie im Großen.
Wir vertrauen dem Navi und stehen von Göppingen bis Kuchen im Stau. Ich werfe alle guten Vorsätze über Bord und versuche über Schleichwege den Stau zu umfahren. Ergebnis - wir schaffen die ersten 50 km in 90 Minuten. Prost Mahlzeit. Geläutert folge ich ab sofort den Anweisungen meines Garmin-Camper-Navi und finde mich auf dem mittleren Ring in München wieder. Stadtdurchquerung im Schneckentempo. Love it.
Kaum aus der Stadt raus läuft es wie am Schnürchen. Aber wir haben schon zu viel Zeit verloren und erreichen nach 5 Stunden und 340 km Bad Reichenhall. Auch geschichtsträchtig die Region hier. Unheimlich irgendwie.
Auf dem Campingplatz Staufeneck begrüßen uns 2 riesige Hunde und nette Menschen, auch noch um kurz vor 22 Uhr. Und hier gibts auch noch Bier und Jägermeister. Der Urlaub kann beginnen.
Tag 2 - Langeweile auf dem Autoput - von Bad Reichenhall bis nach Serbien
Vatertag! Vor 30 Jahren sind wir mit dem Leiterwagen aufs Esslinger Jägerhaus gelaufen. Heute sitze ich nach 720 km und 10 Stunden auf dem Autoput auf dem Camping Zasavica kurz vor den Toren Belgrads und trinke ein Bier mit meiner Frau.
Den Tag haben wir klassisch gestartet. Einstimmung auf Griechenland mit My Big Fat Greek Wedding.
Wir stehen schön - zwischen zwei Flüssen:

Kurz nach 9 Uhr geht es los. Und wir fahren und fahren und fahren. Monotonie pur. Die einzige Abwechslung sind Tankstops und kurze Pausen. American Diner auf der Autobahn in Österreich. Grotesk.

Der Autoput zieht sich, wir durchqueren Österreich, Slowenien, Kroatien. Überall sieht es gleich aus. Wir fahren konstant mit 100 km/h die Autobahn entlang:
Topfeben und schnurgerade. Wie mit dem Lineal gezogen. Sozialismus funktioniert doch, denke ich heimlich;

Mal im Regen:

Mal mit einer Kurve:

Es ist das langweiligste was man sich vorstellen kann. Zudem ist das Auto so laut, dass keine Unterhaltung oder gar Musik hören möglich ist. Stumpf beobachte ich den Kilometerzähler und schalte am Navi immer zwischen Reisedaten und POI hin und her. Ich ermittle im Kopf den Durchschnittsverbrauch. 12,7 Liter bis Grenze Österreich, danach dann 14,6 Liter. Woran das wohl liegen mag? Christina wandert durch das Womo, legt sich hin, steht wieder auf, geht zum Kühlschrank, setzt sich wieder. Ich beobachte sie wie einen Tiger im Zoogehege. Wahrscheinlich kann ich morgen ihre Spuren auf dem Teppich verfolgen.
Endlich wieder eine Grenze! Aktion. Pässe zeigen, runterschalten, andere Autos und den Motorradfahrer beobachten. Der Motorradfahrer schiebt seine BMW. Stück für Stück, Auto für Auto arbeiten wir uns parallel vorwärts. Stop and Go. Mal schiebt er auf der rechten Seite, mal auf der linken. Rechts geht es besser. Keine Ahnung warum. Vielleicht passiert ja was, das Motorrad ist ja so groß für diesen schmächtigen Franzosen. Aber sie will nicht umfallen. Alles so langweilig. Ich fühle mich erbärmlich.
Irgendwann ist gut und wir landen auf dem Camping Zasavica. Wir ärgern uns noch, weil es über 10 km von der Autobahn ist. Aber wir werden entschädigt.

Toller Platz. Alles neu. Freundliche Menschen. Sanitäranlagen in typischem serbischen pseudochic.
Wir packen Tisch und Stühle aus und kochen, zum ersten Mal in diesem Jahr. Perfekt.

Tag 3 - von Zasavica über Kragujevac bis vor die Tore von Skopje
Das war mal eine ruhige Nacht. Absolute Stille um uns rum. Wir frühstücken, duschen und packen zusammen und bezahlen. 22 Euro überraschen mich dann doch für das serbische Hinterland. Es geht durch Belgrad über die Stadtautobahn Richtung Kragujevac, wo ich vor 8 Jahren zum ersten Mal ein Projekt für Fiat hatte: Umbau der alten Zastava - Fabrik zur Fabrik für den Fiat 500 XL. Wir vermissen die EU, absolute Hilflosigkeit schleicht sich ein. Wir sind offline. Datenroaming außerhalb der EU: 10 MB für 1 Euro sind uns dann doch zu viel.
Außer den hohen Mobilgebühren hat sich in knapp 6 Jahren, seit ich nicht mehr hier war, viel verändert. Es gibt keine alten Zastavas mehr auf der Straße, das Land hat Wohlstand entwickelt. Kragujevac ist über eine 4 spurige Schnellstraße an die Autobahn angebunden. Aber in Kragujevac ist alles beim Alten.
Das Kreuz mit dem Jesus gibt es noch:

FAS - Fiat Serbia gibt es noch:

Das Hotel Andjelika gibt es noch:

Den Pink Panther und Sopska Salad und Pommes gibt es noch:

Damit hätten wir das dann auch erledigt. Schnell noch Medikamente kaufen. Meine Augen spielen verrückt. Pollenallergie, zum ersten Mal im Leben. Das Zeugs kostet hier maximal 1/3 wie bei uns. Und Diclo gibt es in 100er Einheit. Paradiesische Zustände. Könnte den ganzen Laden kaufen.
Wir fahren weiter Richtung Süden.
Die Ebene wir enger und es wird wieder hügelig und saftig grün. Richtig schön hier. Es erinnert an Südtirol. Tolle Landschaft. Aber wir wollen ja nach Griechenland, wir wollen ans Meer!

An der Grenze von Serbien nach Mazedonien haben wir Glück. Nur 2 Autos vor uns. Das geht ruckzuck. Leider haben wir vergessen, dass es ja auch noch eine Einreise nach Mazedonien gibt. Wir fahren durch die Schranke und vor uns 2 Spuren, in jeder bestimmt 50 Autos.

Rechts neben uns liegen die Nerven blank. Der 50jährige Exsoldat in seinem roten Sharan neben uns flucht und hupt. Dem Wahnsinn nahe. Wir schließen erst mal die Türen ab. Er schlägt die Räder ein und beobachtet die Grenzkabinen. Auf einmal schießt er mit quietschenden Reifen los. Eine neue Kabine wurde eröffnet! Darauf hat er nur gewartet. Er rast drauf zu. Aber ist nicht schnell genug. Auch andere, stärker motorisierte oder besser positionierte Autos haben die Situation, im Gegensatz zu uns, verstanden und schießen wie eine Schar Piranhas auf ihr Opfer zu. Sie zerren daran, bis eine Ordnung hergestellt ist. Das geht bemerkenswert schnell. Der rote Sharan steht verzweifelt daneben. Alleine zwischen zwei Reihen. Mit Aggression gefüllt bis unter die wenigen, zu einem paramilitärischem Kurzhaarschnitt geformten Haarspitzen. Irgendjemand erkennt die Gefahr für uns alle und lässt ihn sich in die Schlange einreihen. Danke. Wir schließen die Türen wieder auf. Wahre Helden sind stille Helden. Ein silberner Audi A6 versucht es anders. Er schleicht sich von hinten an und will sich in die Reihe drängen. Am Steuer eine junge Frau, auf dem Beifahrersitz ein älterer Mann der wohl Anweisungen gibt. Der Skoda Yeti - Fahrer findet das mal garnicht lustig und bremst den Audi aus. Er steigt aus, der Beifahrer des Audi steigt aus. Eskalation. Endlich! Schlägerei an der Grenze nach Mazedonien! Ich setze auf den Yeti - Fahrer. Leider steigt auch die junge Frau aus, entschuldigt sich. Schlichtet. Schade für uns, wieder nix los und Pech für die Beiden. Inzwischen wurden sie von 2 Autos überholt. Survival of the fittest!
An ersten Rastplatz halten wir an und suchen ein freies WLAN. Das ist praktisch hier. Wir loggen uns ein und suchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Auswahl gibt es nicht. Genau ein Platz auf unserer Route. Wir fahren nach Skopje - Campingplatz Bellevue. Unterwegs zahlen wir Maut. Bar und in Euro. Einmal 2 Euro und dann noch 1 Euro. Jeder Abschnitt wird separat bezahlt. Komisches System, aber sinnvoll in einem Land wo die Autobahnen auch von Fahrradfahrern und Fußgängern benutz werden und man auch gerne mal rückwärts fährt.
Der Campingplatz Bellevue ist an ein Hotel angeschlossen. Ich watschele zur Rezeption. Der Mann will Euro. 25,50 um genau zu sein. Ich zücke meine Kreditkarte. Er schaut mich fragend an und wir einigen uns auf 20 Euro in bar. Ich zahle mit einem 50 Euro - Schein und bekomme eine Rolle 2 Euro - Stücke zurück. Praktisch, denke ich, in einem Land wo die Autobahn in 2 Euro - Abschnitte unterteilt ist.

Wir kreisen über den Platz. Eigentlich ganz praktisch. Immer sternförmig sind 4 Plätze angeordnet. Leider passen da nur sehr kurze Camper drauf. Heute sind hier nur große neue Womos. Wir sind das bei weitem älteste Womo am Platz und ergattern den letzten freien Stern. Auch ganz für uns alleine.
Tag 4 - von Skopje bis an das ägäische Meer
Ups - schon ist es 9 Uhr am Samstag dem 12.Mai 2018. Wir haben lange geschlafen. Verwunderlich, denn uns trennen nur 20 Meter Rasen und eine Mauer von der Autobahn nach Skopje. Und morgens müssen da anscheinend ganz schön viele Menschen hin. Ein Summen und Rauschen wie im Bienenschwarm. Ein Blick nach draußen - der Platz ist leergefegt.

Wir scheinen einen anderen Reiserhythmus zu haben. Kommen als letzte, gehen als letzte. Griechenland ist heute unser Ziel. Chalkidiki - der mittlere Finger. Keine 400 km mehr.
Zurück auf der mazedonischen Autobahn tuckern wir in 2 Euro und 2,50 Euro !!! -Abschnitten Richtung Griechenland. Zum Glück habe ich meine Geldrolle. Es geht durch sehr schöne Landschaften und vorbei an Ikonen-Händlern. Uns ist langweilig. Zum ersten Mal machen wir das Radio an. Wenn ich mal wüsste wie der Sendersuchlauf an dem Ding funktioniert. Die Taste um das Kontroll-Panel abzumachen habe ich jedenfalls schnell gefunden. Nach unzähligem manuellem weitertippen fahren wir beschwingt von mazedonischen? oder griechischen? Klängen weiter. Vor der Grenze verpassen wir die letzte Ausfahrt zum tanken. Macht nix. Full stop, Rückwärtsgang und 300 Meter zurückstoßen. Haben wir hier so gelernt.
An der Tankstelle wieder nur lauter nette Menschen. Ich habe Kontrollverlust. Kaufe Zigaretten, Cola, Wasser, alles was der Laden hergibt. Im Schnäppchenrausch. Keine Ahnung wie der Wechselkurs ist. Wird schon günstig sein. Wir hätten uns auch besser vorbereiten können.
Die Grenze ist unspektakulär.

Ausfahrt, Einfahrt und schon sind wir in Griechenland und schnell auch im Moloch der Stadtumfahrung von Thessaloniki. Schön ist anders. Gutes Wetter ist auch anders. Konsequent halten wir auf die dunklen Wolken zu. Kurzer Check bei Wetter.de. Alles wird gut.
Wir fahren die Ostseite des Fingers entlang, Berg- und Talfahrt, immer wieder Stichstrassen zu den Stränden, wo das Meer aus der Ferne türkis schimmert. Unser Ziel ist Kalamitsi.
Am Camping Thalatta buchen wir uns ein. Vorderste Reihe, direkt am Strand. Juhu - wir freuen uns und fahren auf den Platz ein. Verzweifelt suche ich den Stellplatz 61. Finde ihn nicht. Erste Reihe komplett belegt!? Dann wird klar, es ist die 1.Reihe nach den 2 Reihen mit festen Zelten und Wohnwagen die frei für Camper ist. Selten zuvor so etwas hässliches wie dieses Ensemble gesehen.
Wir fahren wieder zurück zur Rezeption, holen unsere Ausweise ab und landen nach 5 km kurz vor 19 Uhr auf dem Camping Katerina. Einfacher Platz, vom Meer durch eine schmale Promenade getrennt. Wir stehen am Meer und sind erstmal angekommen in Griechenland.

War ja ein Katzensprung - 2.030 km bei einem Schnitt von 78 km/h.
Tag 5 - Muttertag in der Nähe von Kalamitsi
Sonntag - Muttertag. Um es vorwegzunehmen, genauso wie den Vatertag interessiert das keines unserer 3 Kinder.
Wir sind sehr früh wach. Ab 7 Uhr turnt Christina durch das Wohnmobil und ist in Aktion. Sie kocht sich sogar ein Ei. Eigentlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich mich auch zu beeilen habe. Ich deute die Zeichen aber falsch und schaue Guardians of the galaxy an. Kurz vor Ende des Films mache ich aus. Der soziale Druck wird zu groß als auch noch das Wasser ausgeht.
Habe ich gestern Abend bei der Anreise tatsächlich vergessen den Tank zu füllen. Zum Glück habe ich eine 10 Liter - Giesskanne dabei. Ich laufe 12 mal die 80 Meter stoisch hin in her und schon ist der Tank wieder halb voll.
Um 10 Uhr liegen wir am Strand. Blöderweise liegt mein Kindle zuhause im Schrank. Wo ist wohl der nächste Elektrofachmarkt? Oder soll ich das spiegelnde IPad benutzen? Existentielle Fragen ohne Antworten. Es ist frisch im Wind, das Meer aber verhältnismäßig warm.

Einmal springen wir rein. Das reicht dann aber auch.
Zurück am Womo kochen wir. Es ist kalt - wir stehen den ganzen Tag im Schatten und im Wind. Verstehe immer noch nicht, weshalb ich nicht in die Sonne stehen durfte. Hatte der Campingplatz-Wächter gestern aber ausdrücklich verboten. Die Plätze dort sind leer, es sind außer uns ja auch nur 4 Camper hier. 3 davon stehen im Schatten. Ich verstehe die Griechen nicht.
Nach einem schnellen Mittagessen - inzwischen und dank unserer Plastikboxen verwerten wir sogar die Reste vom Vorabend - packen wir uns dick ein und schwingen uns auf den Roller.
Endlich wieder fahren! Easy Rider mit 50ccm. Wir fahren kleine Küstenstraßen entlang, über Stock und Stein, vorbei an Ziegen und Kühen und entdecken total schöne Buchten und stille Orte.

Im Sommer ist sicher die Hölle los, heute sind wir alleine. Jetzt erschließt sich uns auch, weshalb die Leute so von dieser Region schwärmen.

In der Taverna Zorbas sitzen wir direkt auf dem Strand und genießen die warmen Sonnenstrahlen bei unserem ersten griechischen Bier. Spätestens seit König Otto gibt es ja eine Bierbrautradition in Griechenland. Gefährliches Halbwissen.

Nach 40 km Motocross mit der guten alten Piaggio Sfera sind wir wieder zurück im Wind- und Schattenloch. Haben uns erkältet.
Unser Entschluss steht fest. Wir suchen uns morgen ein netteres Plätzchen.
Abends dann wieder kochen und eine Runde Rumikub bis die Sonne untergeht. Dazu die Standardflasche Jelen, dem besten Bier Serbiens.

Nach einem Becher Wick MediNait, was für ein großartigeres Teufelszeug, und 10 Minuten Ein Goldfisch an der Leine fallen wir in den Schlaf der Gerechten.
Tag 6 - von Kalamitsi nach Toroni ins Paradies
Irgendwie sind wir noch nicht im Urlaubsmodus. Schlag 7 Uhr sind wir wach. Draußen ist es windstill. Hoffnung keimt auf - vielleicht können wir ja doch noch hier bleiben. Im Womo neben uns ist der Papagei auch schon wach und trällert seine Weisen. Ein älteres Paar, das schon über 32 mal in Griechenland war, steht schon länger mit dem großen 3 achsigen Frankia hier - das Grass unter deren Womo ist deutlich höher als drumrum. Hinten auf dem Heck klebt ein riesiges Foto von den Zweien mit dem Papagei in der Mitte. Ob der wohl weiß wo er ist? Und dass er in einer Dreierbeziehung steckt?
Der Wind kommt auf und wir entscheiden uns zu fahren. Irgendwohin wo es schön ist, einfach in eine Bucht stellen und baden.
Wir verlassen den Campingplatz und fahren Richtung Toroni. Gute Entscheidung. Kaum erklimmen wir die Hügel hinter Kalamitsi wird es richtig schön.

Wir schlängeln uns durch die Berge und das Örtchen Toroni. Hier laufen die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren, aber alles ist noch geschlossen.
Als wir aus dem Ort rausfahren entdecken wir das Paradies und stellen uns zu den 5 anderen Womos dazu und packen den Sonnenschirm aus. Wie alle anderen auch ignorieren wir die Höhenbeschrönkung auf 2 Meter und fahren neben dem Tor auf den Strand ein. So haben wir uns das eigentlich von Anfang an vorgestellt.

Die tschechische Großfamilie neben uns ist mit 2 Womos und Anhönger unterwegs. Sehr süß - ganz junge Familie mit ca. 1 jährigem Sohn und vermutlich die Eltern mit 2 weiteren Töchtern. Die haben alles dabei was das Männerherz begehrt - 2 riesige Strandbuggys auf den Höngern und ein motorbetriebenes Surfbrett. Die sind permanent in Aktion, fahren mit den Buggy’s zum Wasser holen und beschäftigen den jüngsten Spross der Familie, der permanent ins Wasser krabbelt. Als der junge Familienvater mit dem Board ins Wasser geht erbebt der Strand vom Klang des offenen 2 Takters. Großartig, bin neidisch.
Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns von der romantischen Vorstellung frei zu stehen, wir brauchen Infrastruktur und wollen auch mal mehrere Tage an einem Ort bleiben.
Weiter geht es an der Küste entlang und nach einer Stichstrasse ans Meer hinunter schauen wir zwei Plätze an. Camping Areti und Camping Stavros. Beide toll, und bei beiden sind Plätze am Meer frei.
Panik macht sich breit - wir haben keine Lebensmittel mehr und wer weiß schon, ob wir auf den Plätzen alles bekommen. Wir fahren die Stichstrasse zurück auf den Berg und in die nächste Ortschaft zum Supermarkt. Der Spirituosenschrank wird für uns aufgeschlossen und wir sind die Sensation des Tages, als wir 6 Flaschen Prosecco entnehmen. 145 Euro ärmer und voll gepackt mit Essen und Getränken fahren wir zurück und entscheiden uns für den Camping Stavros.
Wir packen unser komplettes Equipment aus und gehen kurz ins Meer und dann griechisch Essen. Lecker hier. Nur 40km vom vorherigen Platz.

Verstehe einer das Trio mit dem Frankia - Wohnmobil!?
Tag 7 - Strandtag und erfolglose Detektei
Es ist Dienstag und wieder sind wir sehr früh wach. Dösen aber bis nach 9 Uhr weiter und frühstücken trotz bestem Wetter drinnen.
Strandtag. Das Glück ist ja so nahe, wir stehen 15 Meter vom Meer entfernt.

Getrübt wird unser Glück durch ein wassertropfendes Wohnmobil. Das begleitet uns seit Tagen und heute gehe ich auf Ursachenforschung. Freundliche Menschen aus meiner Fiat Ducato 280/290 Wohnmobil Gruppe versuchen mir aus der Ferne zu helfen. Auf deren Anraten habe ich das Ablassventil der Therme und das Rückkopplungsventil geprüft. Fehlanzeige. Dafür habe ich das halbe Womo demontiert und fühle mich jetzt wie Dr. House. Erstmal alles denkbare ausschließen, den Fehler einkreisen. Es gibt 3 Löcher mit Schläuchen hinter der rechten Hinterachse und aus dem dritten Loch, am nächsten dem Innenraum tritt Wasser auf.

Wir detektieren, dass es erst nach einiger Zeit auftritt, nachdem wir den Wasserhahn der Spüle oder des Bads betätigt haben. Umgerichteter Dinge montiere ich die ganzen Holzeinbauten wieder zusammen. Habe alles außer dem Bad und dem Unterboden demontiert was Kreuzschlitzschrauben hatte.
Egal. Uns hält nix auf. Gehen wir eben wieder an den Strand. Ich trinke Rotwein, den wir versehentlich mitgenommen haben (dachten es sei Prosecco) und lese „Einführung in die (System-) Theorie der Beratung“. Schwerer Soff. Schwerer Kopf. Wo ist mein Kindl? Jack Reacher?
Griechenland ist Hundeland. Das war uns garnicht so offensichtlich bewusst, wobei man ja immer wieder von Menschen hört die einen griechischen Hund gerettet haben. Überall streunen Hunde durch die Straßen. Die sehen aber alle erschöpft und nicht sehr glücklich aus. Auch auf dem Platz hier gibt es einen alten Hund mit der Größe eines Kalbs, der sich von Parzelle zu Parzelle schleppt.

Gestern wurde uns vom Koch eine vegetarische Hauptspeise, grüne Bohnen, versprochen. Wann immer ich den Kellner heute sehe sind „grüne Bohnen“ das zentrale Thema. Zwangsläufig, dem geschickt aufgebauten sozialen Druck folgend, gegen wir abends wieder in die Camping-Platz Taverne. Wie sich herausstellt heißt sie Afros, bedeutet wohl Gischt. Seltsam - das Meer ist richtig ruhig hier. Kaum sitzen wir, kommt, wie schon gestern, eine bestimmt 75 jährige sehr resolute Österreicherin mit ihrem „wahrscheinlich“ Sohn eingelaufen. Nettes Paar. Ein herzliches „Mahlzeit“ erhellt die Terrasse und den halben Platz. Ohne Bestellung werden Getränke und Essen in sagenhafter Geschwindigkeit dargereicht und verspeist. Wir beobachten und schlürfen unseren Frappé, eines der wahrscheinlich besten Dinge an Griechenland.

Auch der Kalbshund watschelt herbei und kniet devot vor der älteren Dame und wartet sehnsüchtig auf Zärtlichkeiten. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Jetzt ist auch klar wessen hood das hier ist.
Und schon werden auch die sagenumwobenen Bohnen serviert.

Der lauwarme Eintopf mit Karotten, Tomaten, Kartoffeln und Bohnen stößt auf geteiltes Interesse. Tapfer essen wir auf und versuchen den Blickkontakt zum Kellner zu vermeiden. Geschickt entziehen wir uns weiteren Vorschlägen für den morgigen Abend durch Bezahlung an der Bar. Morgen kochen wir dann mal lieber wieder selbst.
Tag 8 - Hilfe ein Unwetter und die Bulgaren kommen!
Mittwoch 16. Mai 2018. Die Sonne begrüßt uns morgens mit ihren lieblichen Strahlen. Das wird ein perfekter Strandtag heute. Ab 11 Uhr liegen wir am Meer. Die Stille wird nur durch die kläglichen Versuche eines Bulgaren seinen Jet-Ski zum laufen zu bringen, unterbrochen. Der Campingplatz gerät langsam aber sicher in Aufruhr. Als wir Mittagessen schwebt eine Abgaswolke über den Platz. Scheint zu fett eingestellt. Die Gäste formieren sich nach einer guten Stunde. Ich stehe mit einem Stift bereit, die Anti-Jet-Ski-Petition zu unterzeichnen. Irgendwann gibt der arme Kerl auf. Wie ärgerlich, hat er das Ding ja auf dem Hänger auch hierher transportiert. Und was soll er mit seiner Zeit jetzt überhaupt anfangen?
Wir chillen weiter am Strand. Mir wird langweilig, brauche Lektüre. Mein Kindle fehlt so sehr. Mit meinem iPad setze ich mich vor die Campingplatz-Taverne. Hier gibts Wifi! Ich lade mir die Kindle-App und ein Jack Reacher Buch runter. Lieber Jack Reacher mit Spiegelung als gar kein Jack Reacher. Früher war mal garnix besser, da hätte ich jetzt eine deutsche Buchhandlung suchen müssen.
Zurück am Strand lese ich gespannt „Underground“. Die israelische Liste wird von Reacher neu interpretiert. Besser als McGuyver!
Eine Regenfront zieht auf und wir packen alles zusammen.

Leider verläuft das Unwetter unspektakulär und zieht schnell weiter. Das Meer ist aber glasklar danach und wir springen direkt wieder rein.

Damit wäre dann auch bewiesen, dass das Iphone inzwischen tatsächlich wasserfest ist. Danke Apple!
Den Abend verbringen wir mit Rumikub, und Pasta. Als es dunkel wird und wir gemütlich Support Your Local Sheriff anschauen bricht die Hölle über uns herein. Zwei bulgarische Großfamilien mit riesigen Womos fahren ein, rangieren 30 Minuten, und stellen sich versetzt auf die Plätze quer hinter uns. Die Kinder packen die Räder aus und fahren wild bimmelnd über den Campingplatz. Das wird ein Spaß. Einen Jet-Ski haben die natürlich auch dabei.

Mit Bildern lest ihr hier:

--> Link

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

scubafat am 17 Mai 2018 22:08:47

Echt kaum lesbar ohne Absätze!

gerhardo am 17 Mai 2018 23:24:15

Die Version mit Bildern wählen!
Gerhard

hanton am 19 Mai 2018 22:13:58

sehr schöner Beitrag - DANKE -

McHymer64 am 20 Mai 2018 20:19:16

Danke

  • Die neuesten 10 Themen
  •  
  • Die neuesten 10 Reiseberichte
  • Die neuesten 10 Stellplätze

Montenegro nach Albanien, Bauarbeiten
CP bei Igoumenitsa
Alle Rechte vorbehalten ©2003 - 2018 AGB - Datenschutzerklaerung - Kontakt