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Reisebericht Frankreich und ein bisschen Spanien im Juli 18 1, 2


birgit60 am 19 Jul 2018 22:10:35

Donnerstag, 28.6.2018

Entgegen unserer Gewohnheit – freitags, am späten Nachmittag in den Urlaub aufzubrechen – versuchen wir uns in diesem Jahr als Frühstarter. Und das schon donnerstags. Pünktlich wie geplant wird um 08:00 Uhr entspannt und ausgeruht der Diesel gezündet um nach wenigen Kilometern, vor dem Erreichen der Autobahn und somit früher als sonst im Stau zu stehen. Das war ja wohl nix! Egal. Wir ignorieren das Navi und leiten uns kurzer Hand selbst um: Über Egelsbach nach Darmstadt und dann auf die Autobahn, was es aber nicht besser macht, denn auch hier geht es nur zögerlich voran.
Viele Kilometer später, hinter Baden Baden, läuft es endlich so, wie wir es uns erhofft hatten und nach rund 600 Kilometern, am späten Nachmittag, erreichen wir den Campingplatz Surchauffant am Lac de Vouglans, mit der Erkenntnis: Stau ist immer und überall.





Dafür bekommen wir problemlos einen Platz mit Strom und Wasser. Und das für 13 € die Nacht, Dank ACSI bzw. ADAC Camping Card. Da kann man nicht meckern.

Wir richten uns auf einer schönen Parzelle ein, essen eine Kleinigkeit und fahren anschließend nach Arbent, wo sich Gert zum „La Forest’Cime 2018“ schon im Januar angemeldet hatte, eine dreitägige Rennradveranstaltung mit 430 Kilometern und 9200 Höhenmetern, und seine Startunterlagen samt neuem Trikot entgegennimmt.

Danach geht’s die 35 Km wieder zurück zum Platz. Wir machen uns Nudeln mit Tomatensoße und einen kleinen Verdauungsspaziergang zum See und erkunden das restliche Gelände.

Zufällig entdecke ich eine schönere Parzelle und frage umgehend an der Rezeption, ob wir nochmal wechseln können. Wir können. Also packen wir - ich freudig, Gert murrend – schnell zusammen und parken um, denn heute möchte Gert früh ins Bett. Die Radsportler wollen morgen zeitig nach Arbent aufbrechen; denn der Startschuss fällt um 09:00 Uhr.





Freitag, 29.6.2018

Sicherheitshalber haben wir unsere Handys als Wecker gestellt und werden um 5.40 Uhr geweckt. Während Gert sich hektisch fertig macht, koche ich Tee und Kaffee und bereite das Frühstück vor. Gemütlich frühstücken ist was anderes. Um 07:00 Uhr wird Gert mit Rad und Gepäck abgeholt und ist schwuppdiwupp einfach weg. Nun muss ich mir ganz alleine die Zeit bis Sonntag vertreiben.

Nach dem Spülen mache ich also erst mal einen Spaziergang zum See und durch den Hafen auf die Brücke. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf den Strand, an den ein kleines schattenspendendes Wäldchen direkt an den Campingplatz anschließt.







Samstag, 30.06.2018

Gegen 07:00 Uhr wache ich auf, mache mir meinen Tee und setze mich vor den Kastenwagen. Mal schauen, wie ich heute die Zeit totschlage. Der Versuch gestern Abend, den Fernseher mit DVB-T2 zum Laufen zu bringen, scheiterte kläglich. Wir haben einen DVB-T2-tauglichen Fernseher. Wir haben eine DVB-T-Antenne aber einen schwarzen Bildschirm. 200 Puls habe ich ☺.
So „zwischengeparkt“ (das war übrigens Birgits Vorschlag, Anm. Gert) zu werden, kann ziemlich einsam sein, wenn man nur französische Nachbarn hat. Also mache ich das, was ich immer tue, wenn ich nichts Besseres mit mir anzufangen weiß: Ich räume auf und putze. Sogar das Solarpanneel und die Windschutzscheibe erfahren eine gründliche Reinigung. Langsam erwachen auch meine Nachbarn. Sie grüßen freundlich.

Ich verfolge per Handy interessiert die Strecke der Radsportfreunde vom La Forest’Cime, bis die Telekom mir mitteilt, dass mein vertraglich festgelegtes Kontingent zu 80% erschöpft ist und ich bald mit gedrosselter Leistung weitersurfen muss. Ok, reicht ja auch.

Nachdem ich gestern mit meinem Campingstuhl dem Schatten hinterher gewandert bin, fasse ich einen mutigen Entschluss: Ich möchte alleine, ganz ohne Hilfe, die Markise ausfahren! Vorsichtshalber lese ich mir noch einmal die Bedienungsanleitung der „Multianker“ durch. Ich säubere die Stellen, an denen ich die Anker anbringen werde mit Fensterreiniger und befestige sie.

Dann geht’s los: Kurbel rausholen, Schiebetür schließen, Markise rauskurbeln, Stützen ausklappen, ausfahren und fixieren, und in die Multianker stecken. Fertig. Die Franzosen verfolgen mein Treiben merklich interessiert und es scheint mir, als wären sie von dem Ergebnis positiv überrascht. :respekt:



Günther fotografiert sein Käsebrot, ich meine von Multiankern gehaltene Markise. Kurz darauf poste ich es den Kastenwagenfreunden der Fratzefibel und siehe da: 23 „gefällt“ das. :yau:

Zufrieden sitze ich unter „meiner“ Markise und trinke Kaffee. Dann gehe ich an den Strand. Das Wasser ist herrlich.
Wieder zurück, empfangen mich fröhlich aufgeregte Nachbarn, die gespannt vorm Fernseher sitzen. Frankreich spielt gegen Argentinien und gewinnt. Der Jubel ist groß und weithin hörbar.

Ob das ein Argentinier ist?





Sonntag 1.7.2018

Ab heute gilt auf Frankreichs Landstraßen Tempo 80 :ja:

Wie jeden Tag bin ich gegen 06:00 Uhr wach und setze mich gewohnheitsgemäß mit meinem Tee vor den Kasten. Danach schlendere ich wieder an den Strand. Die halbe Jura Bevölkerung scheint es heute hierher verschlagen zu haben. Es ist rappelvoll. Am Nachmittag ist Gert wohlbehalten aber müde von seinem Radrennen zurück. Wir sitzen noch lange draußen, und da Gert nichts Süßes mehr sehen kann, essen wir deftige Weißwürste und plaudern uns in die Dunkelheit. Noch immer ist es unerträglich heiß. Die Nacht ist dementsprechend unruhig.

birgit60 am 19 Jul 2018 22:13:15

Montag, 2.7.2018

Wir starten früh, kaufen noch im Supermarkt nahe Oyonnax ein und nehmen die Autobahn Richtung Süden. Das Verkehrsaufkommen ist gering.



Gegen Nachmittag erreichen wir Port Vendres. Wir schauen uns dort ein wenig um und fahren weiter nach Banyuls sur Mer. Dort soll es im Sportboothafen die Möglichkeit zur Übernachtung geben. Das Gelände ist mit einer Schranke versperrt, neben der ein Kasten mit Gegensprechanlage steht. Nach dem Drücken der Taste meldet sich eine männliche Stimme und erklärt unmissverständlich, dass wir ohne Boot dort nicht stehen und somit dort auch nicht übernachten dürfen. Toll. Also fahren wir die Küstenstraße weiter Richtung Portbou, wo es im Hafen auch einen Stellplatz geben soll.

Auf der linken Seite, hoch über dem Meer entdecken wir einen Parkplatz, auf dem bereits zwei Wohnmobile stehen und stellen uns kurzer Hand dazu.





Die Aussicht ist traumhaft. Wir machen uns Bratkartoffeln mit Rühreiern und dazu gibt es einen Gurkensalat. Mit unseren englischen und schweizer Nachbarn kommen wir schnell ins Gespräch. Der Engländer, der nur schwer zu verstehen ist und von dem wir vermuten, reichlich angetrunken zu sein, gibt uns dennoch sehr freundlich zu verstehen, dass weiter unten eine wunderschöne Badebucht wäre, die es lohnen würde, morgen früh aufzusuchen um ein schönes Bad zu nehmen. Wir könnten ihn wecken, er würde auch mitgehen, er könne aber nicht schwimmen. Mit dieser romantischen Vorstellung verrammeln wir uns im Wohnmobil, denn man weiß ja nie, was nachts so alles auf der Landstraße vorbei kommt, und gehen mit Einbrechen der Dunkelheit ins Bett.




Dienstag, 3.7.2018

07:30 Uhr. Wir leben noch. Wir wurden nicht überfallen und auch nicht ausgeraubt und unsere Nachbarn sind auch noch da.



Und der Engländer war auch nicht betrunken, der kommt, wie sich herausstellt, aus Manchester und dort spricht man eben so.

Nach einem kleinen Frühstück und Smalltalkversuch mit dem Mann aus Manchester entschließen wir uns zur Weiterfahrt. Wir verzichten auf das Frühschwimmen, denn die Badebucht liegt doch unromantisch weiter entfernt als gedacht, zudem liegt sie auch noch im Schatten.
Nach einer kurvenreichen Stunde erreichen wir den CP Ballena Alegre in Sant Pere Pescador.



Es gibt noch genügend freie Parzellen und wir können uns doch tatsächlich noch einen Platz in der vordersten Reihe aussuchen. Bis Samstag können wir hier bleiben. Erst dann ist der Platz vergeben.



Im Gegensatz zum September 2016, herrscht jetzt deutlich mehr Betrieb, doch sowohl auf dem Platz, als auch am Strand verteilt sich alles recht gut. Supermarkt und Obstladen sind gut sortiert. Das uns am nächsten gelegene Sanitärgebäude scheint renoviert worden zu sein. Alles wirkt hell und freundlich. Nach dem Auspacken trinken wir Kaffee und gehen anschließend an den Strand.





Zurzeit findet bis zum 5.7. die Europameisterschaft im Katamaransegeln statt. Zum Abendessen grillen wir heute Hähnchenbrüstchen und Würstchen. Dazu gibt es gemischten Salat und frisches Baguette. Nun schaut Gert an der Bar Fußball und ich schreibe unser Reisetagebuch.


Mittwoch, 4.7.2018

Katastrophe. Der Plastiktürschnappwinkel - oder wie der Pinökel heißt - an der Klotür ist gebrochen. Noch lässt sich die Tür Dank eines Pflasters verschließen, aber während der Fahrt dürfte das wohl kaum halten. Mal schauen, ob wir irgendwo einen Baumarkt finden.

Heute ist Wochenmarkt in Sant Pere und wir machen uns zeitig mit den Rädern auf den Weg. Aber als erstes geht es in den Haushaltswarenladen, wo ich schon vor zwei Jahren eine Pfanne gekauft habe, und ich bestelle eine weitere Paellapfanne, allerdings ein paar Zentimeter größer, die ich aber frühestens am Abend oder erst am nächsten Morgen abholen kann. Dann schlendern wir über den Markt und kaufen den leckeren Serano-Schinken, Hartwurst und Käse ein. Anschließend genehmigen wir uns beim „Holländer“ einen Café con leche und Gert verdrückt noch ein Stück Apfelkuchen dazu.

In Sant Pere gibt es keinen Baumarkt, aber in L’Escala soll es einen Schraubenladen geben. Mal schauen, ob wir dort nochmal unser Glück versuchen. Ein kleiner Eisenwinkel würde schon reichen. Ansonsten werden wir den Winkel vom Gaskasten zweckentfremden.
Heute bleibt die Küche kalt – wir essen unsere frischen Leckereien vom Markt.
Donnerstag, 5.7.2018

Nach dem Frühstück macht Gert eine Radtour nach Cadaques und ich fahre nach Sant Pere, hole meine Paellapfanne ab, kaufe auf dem Rückweg bei Mas Guso Gemüse, Aijoli und einen Liter unseres Lieblingsrotweins ein und gehe anschließend zum Strand. Kurz darauf ist Gert zurück. Zum Abendessen gibt es eine Gemüse-Reis-Pfanne mit Hähnchen. Die Nacht wird recht windig und nach Mitternacht fahren wir vorsichtshalber unsere Markise ein.



Halb so lang wie Prora erstreckt sich der CP ca. 2 km am Strand entlang.







Freitag, 6.7.2018



Wie schnell die Zeit doch vergeht. Heute ist schon unser letzter Tag in Spanien und wir beschließen: Heute machen wir mal nichts. Zwar haben wir die letzten Tage auch nicht viel gemacht aber egal. Wir gammeln und lassen es uns gut gehen. Damit unsere Vorräte ein bisschen abnehmen, machen wir uns eine ordentliche Portion Nudelsalat mit Würstchen und weil wir ab morgen durch die Berge fahren und frei stehen werden, können wir den restlichen Nudelsalat morgen noch essen. Während Gert an der Bar das Spiel Belgien gegen Brasilien schaut, räume ich schon ein wenig zusammen. Belgien gewinnt und auf dem CP ist die Freude groß. Wir fahren die Markise ein und packen den Teppich zusammen.

birgit60 am 19 Jul 2018 22:33:19

Samstag, 7.7.2018

Wir liegen gut in der Zeit und verlassen La Ballena Alegre gegen 09:00 Uhr. Bei Mas Guso stehen wir vor verschlossenen Türen. Wein gibt es erst ab 10:00 Uhr. Und weil es sowas von heiß ist auf dem Parkplatz sagen wir uns: „Dann eben nicht“.

Wir fahren auf Nebenstraßen Richtung Frankreich.



Ohne Autobahn geht es gemütlich unserem ersten Ziel entgegen: Castelnou.



Dieses wunderschöne mittelalterliche Dorf zählt zu Recht zu den „plus beaux villages de la France“. Hinter dem monumentalen Stadttor findet man malerische Gassen, blumengeschmückte Häuser und die Überreste der Stadtmauer mit Wachtürmen. Außerhalb der Stadtmauer befindet sich die Kirche Sainte-Marie du Mercedal.













Man könnte stundenlang hier verweilen aber wir wollen heute ja noch weiter und so geben wir „Tautavel“ ins Navi ein.



Tautavel ist ein kleines Winzerdorf am Ufer des Verdouble. Bekannt wurde es durch den „Homme de Tautavel“. Zwischen 1969 und 1971 legten Forscher wenige Kilometer nördlich in der ca. 40 m tiefen Karsthöhle Caune de l’Arago Schädelfragmente des Tautavelmenschen frei. Wie dieser vor fast 450.000 Jahren lebte, ist im Centre Européen de Préhistoire dokumentiert. Und das hat leider geschlossen. Wie überhaupt alles geschlossen hat. Tautavel scheint ausgestorben. Selbst die Bars und Restaurants sind zu.






Aufgrund der unerträglichen Hitze entscheiden wir uns zur Weiterfahrt nach Cucugnan.





Cucugnan mit seinen 129 Einwohnern zählt ebenfalls zu den schönsten Dörfern Frankreichs und steht, was die Hitze betrifft, Tautavel in nichts nach.














Eines der Wahrzeichen Cucugnans, neben der Kirche, ist die runde Mühle Moulin d’Omer, der Maîtres de mon moulin, der Biobäcker von Cucugnan. Hier werden allerfeinste Biobackwaren hergestellt und man kann sogar das Brotbacken lernen. Der Maître bietet nämlich Kurse an. Wir gönnen uns einen Café au Lait und zwei lecker riechende Orangen-Zimt-Muffins aus Dinkelmehl und schlendern dann gemütlich durch den glücklicherweise wenig touristisch erschlossenen Ort zurück zum WoMo. Neben dem Parkplatz machen wir noch eine Weinprobe beim hiesigen Winzer und kaufen einige Flaschen Rot- und Roséwein.









Nach kurzen 5 km erreichen wir unseren heutigen Übernachtungsplatz in Duilhac-sous-Peyrepertuse, das, wie der Name schon vermuten lässt, am Fuße der Burg Peyrepertuse liegt. Ein charmantes, authentisches Dorf mit nett gepflasterten Gassen, dem Brunnen der Liebe und einem befestigten Zentrum.
Außer uns stehen hier noch zwei Wohnmobile. Der Platz ist tadellos, es gibt saubere Toiletten, die sogar mit Toilettenpapier ausgestattet sind. Man kann kostenlos Frischwasser auffüllen sowie Abwasser- und Toilettentank entleeren.



Den Ort hat man schnell durchquert.





Der Dorfplatz bietet viel Freiraum zum Feiern. Dort findet auf einer beachtlichen Bühne gerade der Soundcheck statt, denn: Heute Abend treten hier zwei Newcomerbands auf.



Wo das Publikum herkommen soll ist mehr als fraglich. Denn am anderen Ende des Dorfes findet ein weiteres lokales Fest statt. Das ist allerdings jetzt schon gut besucht. Wegen dieser zwei Feierlichkeiten haben die einzigen beiden Lokale leider geschlossen. Wie sehr hatten wir uns auf den Besuch des einen gefreut, das in großen Lettern „Crêpes“ auf seinem Schild stehen hat. Vermutlich offeriert der Crêpesbäcker seine Crêpes und Gallettes heute auf dem Rockfestival.

Zur Burg hinauf führt ein holpriger Trampelpfad. Ein kleiner Junge mit Ball in der Hand fragt uns freundlich interessiert, ob er uns helfen könne und mit Blick auf Gerts Badeschlappen, ob wir dort hinauf steigen wollten. Er meinte: „trop seche … une heure, peut être une heure et demi“.



Also lassen wir den schweißtreibenden Aufstieg und bestaunen diesen kleinen Ort in entgegengesetzter Richtung, der offensichtlich außer sehr netten Einheimischen und niedlichen Katzen nicht viel zu bieten hat.



Wir stellen erstaunt fest, dass dieser Ort für seine 148 Einwohner aber jede Menge tut: Es gibt einen Kinderspielplatz, einen Bolzplatz, einen Bouleplatz, einen Tennisplatz und einen Miniladen in der Größe unseres Wohnmobils, wo es alles Lebensnotwendige zu kaufen gibt.



Gegen 21 Uhr soll das Konzert beginnen. Der Wohnmobilparkplatz hat sich wie von Geisterhand mit PKWs gefüllt, aus denen überwiegend schwarz gekleidete Jugendliche steigen. Weil es der einzige Parkplatz vor dem Ort ist, handelt es sich wohl um keinen „offiziellen“ WoMostellplatz. Jede noch so kleine Parklücke wird besetzt.

Wir essen eine Kleinigkeit und beschließen, wenigstens den Beginn des Konzerts anzuschauen und laufen zurück zum Dorfplatz, bestellen zwei Crêpes und setzen uns an einen Tisch. Kurz darauf tauchen immer mehr recht skurrile ausschauende Menschen auf und bald sind alle Tische besetzt. Hier scheint jeder jeden zu kennen. Schade, dass wir nur Bruchteile der Unterhaltungen verstehen. Leider hat um 21.30 Uhr das Konzert noch immer nicht begonnen und wir laufen zurück zum WoMo. Offensichtlich werden wir alt.
Um 22.30 Uhr liegen wir im Bett und lauschen dem Konzert, das uns in moderater Lautstärke einschlafen lässt.


Sonntag, 8.7.2018

Ich bin, wie immer, früh wach. Die Sonne geht auf und ich setze mich nach draußen. Bis auf ein WoMo scheinen alle Konzertbesucher und andere Wohnmobilisten noch in der Nacht die Flucht ergriffen zu haben. Wo neben uns noch ein Teilintegrierter stand, steht nun ein kleiner PKW. Auf der Rückbank schläft einer der letzten Feierwilligen, der sich von der steigenden Hitze geweckt, mühsam aus dem Auto zwängt. Am anderen Ende des Stellplatzes stehen die Bandmitglieder vor ihrem VW Bus und warten darauf, dass ihre Fahrtüchtigkeit zurückkehrt. Die Toiletten sind wider Erwarten immer noch sauber und der Parkplatz auch.
Wir frühstücken eine Kleinigkeit, entledigen uns noch unseres Brauchwassers und machen uns auf den Weg nach Lagrasse.

Über Berge und durch wunderschön gelegene Täler kommen wir nur langsam voran und brauchen für die 40 Kilometer mehr als eine Stunde. Aber es lohnt sich. Die Aussicht ist grandios.





Der Wohnmobilstellplatz in Lagrasse liegt schön in Wiesen eingebettet am Ortseingang (oder Ausgang, je nachdem, aus welcher Richtung man kommt) und ist über den P2 erreichbar. Nicht, wie in der P/MApp beschrieben, über P3.



Heute ist Flohmarkt. Wir schlendern an den Ständen vorbei, trinken zwischendurch einen Café au Lait und erkunden das einstige Wehrdorf. Hier bilden Stadtmauer, Kirche, Markthalle und die Pont Vieux aus dem 12. Jahrhundert mit den mittelalterlichen Gassen und Häusern eine harmonische Einheit.










Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Orbieu, in dem man übrigens auch baden kann, liegt die mächtige, im 8. Jahrhundert gegründete Benediktinerabtei St.-Marie d’Orbieu, die wir auch gleich besichtigen.











Zurück im Ort, lauschen wir kurz auf dem Dorfplatz einem Klavierkonzert und essen auf dem Rückweg beim Bäcker noch zwei Quiches mit Spinat und Schafskäse.





Unser Navi ist auf Gruissan programmiert. Gruissan kennen wir. Auf dem WoMostellplatz „4 Vents" standen wir aber schon zweimal, weswegen wir uns heute auf den Besuch der Salinen beschränken.

















Wir kaufen Salze in diversen Geschmacksrichtungen – ja, das gibt es – und fahren weiter nach Le Sérignan Plage. Das Navi lotst uns vorbei a CP Beauséjour, den wir bei der Gelegenheit gleich mal anschauen.

Komisch: Die nette Empfangsdame erklärt uns, dass letzte Woche noch alles ausgebucht gewesen wäre und nun sei sie selbst verwundert darüber, noch genügend freie Parzellen für uns zu haben. Wir hätten freie Wahl. Sie nimmt sich viel Zeit, und streicht auf einem Plan sämtliche Plätze an, die noch zu haben sind. Wir freuen uns wie Bolle, laufen über den Platz, schauen hier, schauen da, und stellen enttäuscht fest: Der gefällt uns aber gar nicht. Alles wirkt dunkel und erinnert an die Schrebergärten bei uns zuhause. Zum Strand ist es wohl nicht weit, sehen kann man ihn aber nicht. Gert übernimmt die peinliche Aufgabe und sagt der jungen Dame wieder ab.

Wir beschließen, die Nacht auf dem WoMostellplatz in Portiragnes Plage zu verbringen. Auch hier ist noch jede Menge frei. Gert, immer noch Freund unsinniger Statistiken, schreitet den Platz ab und zählt: 18 Wohnmobile. Davon 12 Franzosen, 2 Deutsche (mit uns), 2 Belgier, 1 Schwede, 1 Italiener.



Auf dem Empfangsschild steht, dass ein Mitarbeiter der Gemeinde mehrmals am Tag zum Kassieren der Gebühr vorbeikommt. Wir gehen an den Strand und sind entsetzt, wie viel Trubel um 18 Uhr noch immer herrscht. Eine Stunde später sitzen wir vorm Kasten und essen Schinkennudeln mit Gurkensalat. Klingt komisch, schmeckt aber.


Montag, 9.7.2018

Wir wissen zwar nicht was besagter Mitarbeiter mehrmals am Tag macht, aber kassieren sicherlich nicht. Da bis 08.30 Uhr niemand zum Abkassieren kommt, fahren wir los. Wir haben umsonst, naja besser gesagt gratis gestanden. Viel zu bieten hatte der Stellplatz ohnehin nicht. Es gibt keine Toiletten und die V+E ist ein paar hundert Meter entfernt.
Nach einer halben Stunde sind wir in Marseillan Plage.



In der hintersten Ecke einer zum Strand führenden Sackgasse landen wir vor CP „La Plage“. Die Einfahrt ist schmal. Wir warten am Empfang bis die „Chefin“ kommt. Sie spricht deutsch und kreuzt auf dem Plan die freien Parzellen an. Auch hier haben wir genügend Auswahl. Sogar in der ersten Reihe mit Meerblick gibt es noch freie Plätze. Schnell entscheiden wir uns für Platz 101, der direkt am Strandausgang liegt.



Vom Platz aus hat man eine schöne Sicht auf das Meer (man muss nur den Zaun ignorieren). Wir buchen bis Donnerstag.





Eigentlich hätte ich den Platz als ungeeignet für größere Wohnmobile beschrieben, aber das ist Unfug. Am Abend kommen zwei große italienische Concordes (oder Hymer), die zunächst für einen kapitalen Stau vor dem kleinen Waschhaus sorgen. Sie weisen sich aber gekonnt gegenseitig in die relativ kleinen Parzellen ein. Geht doch ☺

Im Ort Marseillan Plage gibt es jede Menge Läden und Kneipen aber schön ist das nicht wirklich. Ich war zwar noch nicht am Ballermann, aber so stelle ich es mir dort vor. Es blinkt und leuchtet in allen erdenklichen Farben, eine völlige Reizüberflutung wohin man sich auch dreht. Aber wenn man sich erstmal mit Lebensmitteln eindeckt, kann man hier auf La Plage richtig schön die Seele baumeln lassen.
Die Sanitäranlagen sind etwas vorsintflutlich, dafür aber sauber und die Lage des Platzes mit dem kurzen Weg zum schönen Strand und der schönen Aussicht, gleicht das alles wieder aus.
Zwischen 08:00 und 08:30 Uhr kommt die Bäckerin mit einem kleinen PKW auf den Platz und verkauft ihre Backwaren aus dem Kofferraum heraus. Wie praktisch. Ihr Verkaufsplatz ist vor der Nummer 101!



Das Meer ist etwas kälter als in Spanien, dafür glasklar und schön sauber.

birgit60 am 19 Jul 2018 22:35:47

Dienstag 10.7.2018

Wir haben wunderbar geschlafen und fühlen uns geborgen wie in Abrahams Schoß. Das Tor zum Strand wird gegen 22 Uhr verschlossen. Danach zieht ein Nachtwächter zu Fuß seine Runden über den Platz. Ein Fremder hat kaum eine Chance auf den Platz zu gelangen.
Nach dem Frühstück bricht Gert zu einer Radtour auf. Der Garmin ist für einen Rundkurs programmiert. 70 Kilometer will er rund um Séte fahren und nimmt nur eine Trinkflasche mit. 2,5 Stunden würde es ca. dauern. Es ist ja flach.
Derweil schaue ich mir die umliegenden Campingplätze an: Nouvel Floride und Charlemagne, Beach Garden und Beau Séjour. Aber bei keinem ist es so familiär wie auf La Plage. Anschließend kaufe ich ein.
Gert kommt später als erwartet. Blöd wenn man bei der Routenplanung „unbefestigte Straße“ nicht deaktiviert hat. So kam er irgendwann selbst mit dem Trekkingrad nicht mehr weiter und musste improvisieren um einen „Berg ohne Asphalt“ zu umfahren. 85 Kilometer wurden es dann und Gert – sichtlich gezeichnet – hatte einen ordentlichen Flüssigkeitsnachholbedarf. Schließlich waren es weit über 30 Grad.
Am Abend grillen wir. Kurz nach 18 Uhr leert sich der Strand blitzartig.



Heute Abend ist Halbfinale und es spielt Frankreich gegen Belgien. Überall wird noch schnell gegessen und geduscht, um sich dann beim CP eigenen Restaurant Les Pieds dans l’O einzufinden. Aus allen Richtungen ertönt „Allez les Bleus“ begleitet von Hupen und Tröten.
Nach dem Spiel laufen wir nochmal an den „Ballermann“. Dort tobt das Leben. Die französische Jugend feiert ausgelassen den Einzug ins Finale. Gert isst zur Feier des Tages noch 2 Crêpes mit ordentlich Zucker, bevor wir zum CP zurücklaufen.





Dort werden wir gleich vom Nachtwächter kontrolliert. In vorauseilendem Gehorsam tragen wir unsere orange-blauen Campingplatz-Kautschukbändchen, die uns zuvor die Chefin bei der Anmeldung nach Inaugenscheinnahme unserer Handgelenke angelegt hatte.



Zunächst empfanden wir die Dinger als recht unappetitlich und ich überlegte, ob diese nach dem Zurückgeben in irgendeiner Art gereinigt werden? Obwohl, wenn man damit erst einmal im Meer und anschließend unter der Dusche gewesen ist, geht’s eigentlich.


Mittwoch, 11.7.2018

Der Bäcker steht heute wieder hinter unserem „Schlafzimmer“. Nur wenige Schritte trennen uns vom Baguette. Wir frühstücken in gewohnter Urlaubsweise reichlich und gemütlich und stellen übereinstimmend fest, dass es hier wunderbar zum Ausspannen ist.



Der „Ballermann“ ist nicht unser Ding aber da wir kein Wasser mehr haben, schwingen wir uns auf die Räder und fahren zum Supermarkt. Auf dem Weg dorthin gucken wir uns zwei weitere Campingplätze an, die in entgegengesetzter Richtung, auch direkt am Strand liegen. Doch keiner von beiden gefällt uns besser als La Plage. Nach dem Einkauf gönnen wir uns etwas Gesundes in Form von Obst und Quark mit Honig. Wir laufen fast eine Stunde am Strand im knöcheltiefen Wasser, damit wir uns wenigstens ein bisschen bewegt haben und uns, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, auf unsere Apfeltaschen zum Kaffee freuen können. Jetzt wollen wir ein letztes Mal an den Strand, denn morgen heißt es Abschied nehmen. Während ich auf Gert warte, kommt eine Frau zögernd auf unsere Parzelle zu. Wir schauen uns an und können es kaum glauben. „Birgit?“ Fragt sie mich und ich erwidere sofort: „Nevenka, das gibt’s doch wohl gar nicht.“ Vor mir steht eine Schulkameradin. Wir besuchten Parallelklassen derselben Schule und waren in der Oberstufe zusammen in diversen Kursen. Nevenka steht mit Mann, Hund und Wohnwagen nur 3 Parzellen weiter. Wir verabreden uns für den Abend auf einen gemeinsamen Wein.

Am Strand unterhalten wir uns mit einer jungen Familie mit einjährigen Zwillingen. Sie reisen im selbstausgebauten Sprinter oder Crafter. Der junge Familienvater erzählt uns stolz einiges über die Ausstattung, wie autark er mit seiner leistungsstarken Solaranlage sei und dass wir uns das Ganze gerne mal anschauen können, wenn wir möchten. Klar möchten wir und sagen sofort zu. Gerne erweitern wir unseren Horizont, was Wohnmobiltechnik angelangt, zumal wir auf diesem Gebiet ziemlich unwissend sind. Was hat die Aufbaubatterie mit Euro 6 zu tun, oder haben wir ihn falsch verstanden und er meinte die Fahrzeugbatterie? Warum braucht man bei Euro 6 einen Ladebooster? Er hat einen Wechselrichter mit 2000 Watt verbaut und 2 Solarzellen auf dem Dach. Im Prinzip braucht er auch auf Campingplätzen keinen Strom, sagt er. Und er hat komplett auf Gas verzichtet. Stattdessen kocht er auf einem eingebauten Spirituskocher, der eigentlich auf Booten eingesetzt wird. Wir sind gespannt.

Während wir so am Strand liegen und die Uhr unaufhörlich tickt, meint Gert, dass er noch keine Lust hätte, morgen schon zu fahren. Ich auch nicht. Außerdem haben wir zum ersten Mal Probleme unsere Verabredungen unter einen Hut zu bringen und so laufe ich schnell zur Rezeption und verlängere um eine Nacht. Glück gehabt, denn der Platz ist noch immer nicht vergeben.



Damit wir noch in Ruhe essen können und Gert pünktlich zum Fußballgucken kommt, verschieben wir unsere Verabredungen kurzerhand auf den nächsten Tag.

Nun sitzt Gert biertrinkend am „Ballermann“ und verfolgt das Spiel Kroatien gegen England, während ich den Abwasch vom ganzen Tag erledigt habe und frisch geduscht im Dunkeln unser Reisetagebuch schreibe, Camping ist schön ☺ (Stimmt, Anm. Gert)


Donnerstag, 12.7.2018

In den ersten Stunden unseres Verlängerungstags hat die Sonne große Mühe sich durch die Wolken zu kämpfen, was aber nicht weiter schlimm ist, denn die WoMobesichtigung bei Christian und Laura sowie den Zwillingen Anna und Paul steht ja bevor. Christian ist in seinem Element. Obwohl ihn vom Vorabend ein Pastis-Kopfschmerz plagt, erklärt er in ausführlicher Weise den Komplettausbau seines Crafter-Kastenwagens. Als gelernter Tischler bringt er natürlich alles mit, was man zum Ausbau eines Lieferwagens zum Wohnmobil braucht. Das „elektrische Drumherum“ hat er sich in zwei Jahren einfach mal angelesen. Unglaublich. Der Wagen ist von vorne bis hinten durchdacht. Von den Fenstern, Dachluken, Bett, Schränken, Licht, Heizung, bis zur Wasserversorgung und Solaranlage … alles ist Handarbeit. Besonderes Gimmick: ein in der Sitzbanklehne elektrisch versenkbarer und um 180° drehbarer Fernseher!
Ein letztes Mal geht‘s zum Einkaufen. Für abends holen wir noch was zum Grillen und beginnen langsam zusammenzupacken. Abends kommt Nevenka noch zum Tschüss sagen bei uns vorbei und wir quatschen über Gott und die (kleine) Welt.

birgit60 am 19 Jul 2018 22:38:42

Freitag, 13.7.2018

Am frühen Vormittag verabschieden wir uns noch von Christian, der in der Nähe des Ausgangs steht und uns hektisch mit dem Zeigefinger gen Himmel deutend darauf aufmerksam macht, dass unser vorderes Heki noch offen steht. Wie peinlich.





Durch ein Kreisellabyrinth verlassen wir den Ballermann und fahren Richtung Mont Ventoux – denn Gert möchte dieses Radsportmonument mit seinem Trekkingrad erklimmen. Und dieses Mal die „Männerauffahrt“ von Bedoin aus, und nicht wie vor zwei Jahren, die „Nasenbohrerrunde“, wie er hinterher in einem Zeitungsartikel gelesen hatte, die von Sault aus startet.

Ich möchte unbedingt noch auf dem Weg dorthin in Les-Baux de Provence ein paar der Seifenschalen kaufen, die ich mir letztes Jahr dort schon geholt hatte. Bei der Gelegenheit kommen wir auch wie letztes Jahr an der Olivenölmühle vorbei und decken uns mit sündhaft teurem aber super leckeren Olivenöl ein.
Bei weit über 30 °C kämpfen wir uns die Treppen hinauf nach Les-Beaux.









Wir finden auch recht schnell den Seifenschalenladen wieder, allerdings – Skandal – ohne Seifenschalen. Die gibt‘s nämlich nicht mehr. Glücklicherweise gibt‘s ein paar Ecken weiter ein ähnliches Geschäft, und das hat welche. Statt „Made in Taiwan“ steht hier „Made in France“ drauf und zack sind auch die Preise „Made in France“ denn sie sind deutlich teurer. Nach kurzem Verhandeln gibt’s einen Rabatt und der Rucksack wird mit 10 schönen Schalen bepackt. Auf diese Schalen kommen nämlich meine selbstgesiedeten Seifen, und schon hab ich ein schönes Geschenk für meine Lieben.

Glücklich und zufrieden schlendern wir raus in die sengende Hitze und machen genau das, was wir uns nach dem letzten Besuch vor einem Jahr geschworen hatten nicht mehr zu tun, nämlich in dem urgemütlichen aber sauteuren Bistro zwei Kaffee und zwei Crepes für 15 Euro zu bestellen! Selbst schuld. Aber egal, schön war’s.



Der Berg ruft …



Auf dem Weg zu unserem Ziel Bédoin finden wir ein Weingut. Nach einer kurzen Weinprobe sind wir im Besitz von 14 weiteren Flaschen. Von allem etwas. Weiß-, Rot- und Rosé-Wein, und finden auch noch den nötigen Platz diese zu verstauen.

Bevor wir uns um einen Übernachtungsplatz kümmern, fahren wir noch hoch auf den Mont Ventoux. Meine Premiere. Zwar nicht mit dem Rad, aber immerhin. Die 22 Kilometer mit 1600 Höhenmetern meistert der 130 PS Ducato-Diesel ohne Probleme, und oben, auf 1908 m angekommen, erfreuen wir uns einer atemberaubenden Aussicht.











Ein Grupetto lustiger italienischer Rennradfahrer knipst uns vor dem Gipfelschild des Mont-Ventoux.



Die anschließende Talfahrt bleibt durch stinkende Bremsbeläge und einem einsamen Schaf, das frontal auf uns zu galoppiert, in ewiger Erinnerung.

Der Stellplatz in Bédoin liegt unweit des Zentrums neben einem kleinen Schwimmbad. Die Anlage ist tipptopp sauber, nahezu eben und mit Strom sowie einer gut zugänglichen Ablassstation ausgestattet. 15 Mobile stehen schon dort, mindestens nochmal so viele hätten Platz. 11,60 Euro inkl. Strom soll die Nacht kosten. Perfekt. Nur der vollautomatische Kartenautomat macht Probleme.



Trotz deutscher Menüführung will der Bezahlvorgang nicht funktionieren. Die Schranke bleibt verschlossen. Ich wähle die angezeigte Notfallnummer und nach einem kurzen Gespräch auf „Franzenglisch“ wird uns die Einfahrt gewährt.



Mit den Rädern fahren wir nur wenige Minuten ins Zentrum.





Wir schließen sie am Rand des kleinen Marktplatzes an und flanieren die Platanen-Allee auf und ab bis wir eine Pizzeria finden, die noch zwei freie Plätze für uns hat. Auf die Pizza „Royale“ und „Onion“ fällt unsere Wahl, dazu ein Panaché und ein „Bière Pression“. Zwei französische Pärchen, die neben uns sitzen sind sichtlich erfreut über unser perfekt ausgesprochenes „Bon appetit!“
Der Nachtisch in Form eines grandios schmeckenden Eises aus der Eisdiele nebenan rundet den kulinarischen Ausflug gaumenfreudig ab.







Samstag, 14.7.2018

Der Plan für heute: Gert beradelt den Mont-Ventoux in aller Herrgottsfrühe. Ich schaue mir derweil den Ort an. Wir brechen gegen 13:00 Uhr auf und fahren idealerweise bis Freiburg.
So weit so gut…
Gert verschläft. Gert muss natürlich vorher noch frühstücken. Gert muss danach noch einen Kaffee trinken. Gert fährt 10:10 Uhr los und vergisst seinen Ersatzschlauch. Ich ahne Böses im Falle eines Plattfußes.



Das Telefon bleibt aber still und kurz vor 13:00 Uhr ertönt die von einem glückseligen Gert betätigte Fahrradklingel am Stellplatz. Erst ausschwitzen, noch was essen und erstmalig noch unter die Außendusche stellen – somit kommen wir erst gegen 14:30 Uhr los.



Bis zur Autobahn geht es über holprige kleine Wege.







Die Autobahn ist voll. Ein Stau reiht sich an den anderen. Ich studiere genervt die Straßenkarte und wir entscheiden uns gemeinsam, die Autobahn hinter Lyon zu verlassen. Die Landstraßen scheinen parallel zur Autobahn zu verlaufen und laut Navi bleiben die Kilometer bis nach Hause nahezu gleich. Nur die Ankunftszeit hat sich merklich nach hinten verschoben. Noch sind wir entspannt.

Es wird kurven- und kreiselreicher als gedacht. Für meine Begriffe fährt Gert zu schnell und fährt überall dort vorbei, wo ich gerne stoppen würde, Gert dagegen empfindet seine Fahrweise den Tempovorschriften angemessen und beruft sich auf den ursprünglichen Plan soweit wie möglich Richtung Grenze zu kommen. Hungrig, müde und nicht mehr sitzen könnend, rasten wir auf einem schmuddeligen Parkplatz, auf dem sich schon zwei polnische Transporter befinden. Einer der Fahrer rührt auf einem Einflammen-Gaskocher im Topf herum. Wortkarg essen wir die Reste, die sich im Kühlschrank finden. Im letzten Jahr gab es noch ein Drei-Gänge-Gourmet-Menu als Abschlussessen, dieses Mal Weißbrot vom Vortag, Hartwurst und Käse von der Vorwoche.

Wir fahren weiter auf der nicht enden wollenden Landstraße und haben einen Stellplatz in 39 Kilometer Entfernung in Baume-les-Dames ausfindig gemacht. Allerdings erreichen wir diesen erst in der Dunkelheit. Von dem eigentlich schönen Stellplatz sehen wir so gut wie nichts, sind aber froh auf dem überfüllten Platz den letzten noch bekommen zu haben. Die Stromkästen sind komplett belegt.



Sonntag, 15.7.2018




Die Nacht ist schnell rum und nach einem kurzen Frühstück entsorgen wir noch am Ausgang und machen uns um 08:00 Uhr auf die letzen 420 Kilometer unserer Reise.
Nach wenigen Kilometern wechseln wir die Plätze und ich sitze hinter dem Steuer. Kaum in Deutschland nimmt der Verkehr zu und Baustellen aller Art und Länge drücken den Schnitt merklich. Gert fragt süffisant „wie war das gestern nochmal mit dem Rasen?“ und blickt auf die Tachonadel, die sich zitternd der 140 nähert. Naja, das ist doch auch was anderes – wir wollen ja nicht mehr anhalten.


Statistisches zum Abschluss:

Unfall/Pannen: keine.

Defekte:
Plastiktürschnappwinkel der Klotür abgebrochen (oder wie das heißt)
Meine Kaffeetasse (als Gert die volle Spülschüssel aus der Hand rutscht.)
Baumreste in Fahrradschaltung (als Gert rückwärts ausparkt, und meint er sieht alles)
Ein Gaskochfeld bleibt nicht mehr an.

Zahlen:
2950 Kilometer
9,0 Liter Durchschnittsverbrauch

288 Liter Diesel gesamt
403,38 € Tanken
145,50 € Maut
522,00 € Camping-/Stellplatz
267,28 € Verpflegung/Essen gehen

1.338,16 € Gesamtausgaben

phili am 20 Jul 2018 00:06:00

Das ist ja ein super Bericht. Vielen Dank dafür.

Ich bin immer wieder begeistert, wie packend toll und amüsant manch eine(r) schreiben kann.


Grüße


Phili

Gast am 20 Jul 2018 00:19:29

Bei mir war der Start der Tour in BaWü auch mit ziemlichen Hürden verbunden. Auf der Autobahn bei Mannheim war kein Stau, aber rund um Karlsruheging dann nichts. Zum Glück konnte man bei Ettlingen runter und langsam, aber fließend nach Rastatt fahren. Da war dann alles frei.
Auf dem Rückweg dasselbe wieder. Ab Rastatt wäre Stau gewesen. Also bei Baden-Baden rüber nach Frankreich und erst hinter Biblis zurück zur Autobahn.

Stephan2703 am 20 Jul 2018 06:13:11

Klasse Reise und sehr schöne Fotos. Wir wollen im Herbst nach Frankreich und nach eurem Bericht fängt es richtig an zu jucken.
Übrigens, das mit dem Euro 6 und dem Ladebooster hast du richtig verstanden. Bei den Fahrzeugen läuft die Lichtmaschine nicht mehr ständig. Ist die Fahrzeugbatterie voll bleibt die Lichtmaschine auch während der Fahrt einfach stehen. Hast du eine Aufbaubatterie, wird diese nicht mehr geladen. Der Ladebooster ist für die Fahrzeugelektronic wie ein großer Verbraucher. Er sorgt dafür, das die Lichtmaschine durchläuft bis auch die Aufbaubatterie voll ist.

Julia10 am 20 Jul 2018 08:38:41

Super schöner und interessanter Reisebericht. Eine schöne Tour habt Ihr da gemacht.
Klasse Fotos :!:

Vielen Dank für die Mühe und das Einstellen des Berichts :)

Asterixwelt am 20 Jul 2018 09:16:24

Hallo birgit60,

Danke für den sehr schönen Reisbericht + Fotos. Frage, Dein Mann ist ja ein aktiver Radler, während der Reise ist ja die Tour de France, habt Ihr was mitbekommen? Am 8. Juli ist Frankreich Weltmeister geworden, was war in Frankreich los?


gruß

Michael

birgit60 am 20 Jul 2018 09:52:09

Hallo Michael,

das Endspiel der WM war am 15.7. und da waren wir schon zuhause. Zu gerne hätten wir das Endspiel in Frankreich geschaut.

Die ersten Etappen der Tour de France führten durch die Bretagne. Live haben wir davon nichts mitbekommen.

Nette Grüße

Birgit

Asterixwelt am 20 Jul 2018 09:59:23

Hallo birgit60,

Du hast natürlich Recht mit dem WM-Endspiel, hätte mal lieber meine Brille putzen müssen.

Schönes Wochenende


gruß

Michael

Gast am 20 Jul 2018 12:49:37

Wegen der Tour hatte ich auch Befürchtungen, dass diese die Rückfahrt behindern könnte. Es gibt hier --> Link eine Karte mit allen Daten. Man kann auf die jeweilige Etappe klicken. Da erscheint das Datum der Etappe. Sollte wohl reichen, um trotz Tour gut durch die Lande zu kommen. Oder daneben stehen und miterleben.

Aretousa am 20 Jul 2018 14:10:58

Bonjour Birgit :D
Schon gestern Abend habe ich deinen schönen, unterhaltsamen Bericht gelesen. Vielen Dank dafür. Wie du bei Hans-Werners Bericht schon festgestellt hast, gibt es bei euch und uns immer wieder Überschneidungen, was die besuchten Orte betrifft. Aber ich finde auch immer wieder neue Reiseziele.
Ja , das Endspiel in F zu schauen, wäre schon ne Sensation gewesen. Wir sahen vor Jahren in einer kleinen Bar beim Cap Frehel das Europameisterschaftsendspiel Frankreich-Italien. Ein Wahnsinnserlebnis.
Danke nochmal für Wort und Bild.

birgit60 am 20 Jul 2018 15:54:52

Die Frankreichkenner haben es bestimmt schon bemerkt:

Das erste Foto von "Castelnou" zeigt natürlich nicht Castelnou sondern Cucugnan. Da ist mir im Eifer des Gefechts ein Fehler unterlaufen. :roll:

Da ich meinen eigenen Beitrag leider nicht mehr ändern kann, muss das so bleiben, es sei denn, jemand hat eine zündende Idee, wie ich dieses Foto entfernen kann.

Grüße von der schusseligen Birgit

womopark
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