aqua
motorradtraeger

Das MoMo in Südnorwegen


moensters am 21 Jul 2018 10:00:47

Was bisher geschah: --> Link

Jetzt sind wir also in Norwegen.

Wer B sagt, muss auch Ah! sagen

Wir setzen also unseren Plan B in die Tat um. Es geht nach Norwegen!
Etwas wehmütig, aber gleichzeitig gespannt auf alles, was uns Norwegen wieder an grandiosen Erlebnissen bescheren wird, brechen wir auf.
Im Tante-Emma-Laden kurz vor der Gränse (ich liebe es, wie ähnlich sich deutsch und schwedisch manchmal sind!) machen wir kurz Halt, um die Vorräte aufzufrischen, sind dann aber vom doch sehr übersichtlichen Angebot sehr ernüchtert. Und der versprochene Systembolaget bedeutet Schwachbier und nichtmal unsere Pfanddosen werden wir hier los. Immerhin können wir sie für einen guten Zweck spenden, indem wir sie in die Tonne des örtlichen Vereins werfen, der sie beizeiten einlösen wird.
Die Landschaft wirkt hier im Grenzgebiet teilweise schon kanadisch. Jede Menge Bäume, ein breiter Fluss, viel Landschaft.
Norwegen heißt uns dann mit dem gewohnten gelben Mittelstreifen willkommen - ansonsten könnte man fast verpassen, dass wir uns in einem anderen Land befinden. Stück für Stück zunächst mal wieder Richtung Oslo und damit auch Richtung Zivilisation. Viel Landwirtschaft, viel Verkehr!
Als wir unterwegs an einer Kirche eine kurze Pause eingelegen, finde ich per Google Maps unser Ziel für ein ausgiebiges Mittagspäuschen: Die Kirchenruine von Nes, idyllisch gelegen direkt oberhalb des Zusammenflusses von Glomma und Vorma.
Der Weg dorthin ist schotterig eng und gleichzeitig ein guter Härtetest für unser provisorisch befestigtes Regalbrett: Alles fest!
Und der Platz an der Ruine könnte auch glatt ein netter Stellplatz für die Nacht sein, wenn man damit leben kann, dass ein Schlagbaum die Ruine von 23-7 Uhr versperrt.
Wir machen lieber eine Kaffeepause mit kleinem Nickerchen im Kirchgarten und müssen uns allen Ernstes schnell einen Schattenplatz suchen, weil es in der Sonne einfach zu heiß ist. Auch hier: Temperaturen um die 30°! Der Boden ist so ausgetrocknet, dass sich Risse gebildet haben - aber wir sind hier doch in Nor-we-gen! Was ist denn hier los?
Unser Weg führt uns weiter Richtung Randsfjord, wo wir mal wieder Bekanntschaft mit ellenlangen Tunneln machen und den sonnigsten Blick auf den Fjord genießen dürfen. An der Badebucht in Hornslinna machen wir Rast und gucken uns das Treiben am Strand an. Es weht ein herrlich kühlender Wind, der so manchen fetten Sonnenbrand erklärt - man merkt einfach nicht, wie sehr die Sonne knallt!
Unser Zielpunkt für heute liegt im Etnedalen, durch das sich das Flüsschen Etna schlängelt. Am Rastplatz Sandmovegen kann man sich unterhalb des Rastplatzes an den Fluss stellen und hat einen richtig feinen Stellplatz mit Flussrauschen inklusive.
Noch besser ist aber der natürliche kleine Badeplatz mit seinen Minikaskaden nebenan. Wir steigen hinab und sind begeistert von der Erfrischung, der Aussicht und dem sanft strömemden Wasser im Fluss.
Während Annette sich in den Bikini schmeisst, spiele ich mit meinem neuesten Fotospielzeug rum. Mit dem Selfiestick und dem wasserdichten iPhone lassen sich schon ziemlich schräge Sachen veranstalten!
Und weil es so schön war, begebe ich mich abends dann erneut an die Kaskaden - nur diesmal mit der dicken Kamera. Und das macht dann auf ganz andere Art und Weise Spaß.
So kann es mit Norwegen gerne weiter gehen!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

moensters am 21 Jul 2018 23:11:57

Wir können auch kühler

Auch am nächsten Morgen gefällt uns das Rauschen des Wasserfalls - es hat uns nämlich eine ausgesprochen gute Nacht beschert: sehr beruhigend!
Nach dem Frühstück gehen wir noch in die Blaubeeren (und Himbeeren) und sammeln fleißig für unsere Dickmilch, die es später am Tage geben soll.
Es ist fast schon unheimlich, dass auch heute die Sonne strahlt, als gäbe es kein Morgen. T-Shirts, Shorts und Flip-Flops sind die Kleidung für den Tag.
Unser Weg führt uns nach Fagernes, wo wir aufgrund der Menschenmengen leicht irritiert sind. Alle erledigen ihren Samstagseinkauf!
Wir sind ganz entzückt, dass es direkt neben unserem Parkplatz den Sport-Outlet gibt, wo wir schon beim letzten Norwegen-Trip zugeschlagen haben. Ich werde mit neuer Regenjacke (kann man in Skandinavien ja immer brauchen, fühlt sich heute aber ausgesprochen dumm an) und Sportschuhen fündig. Annette geht leider leer aus, da ihre Wunschschuhe leider nicht in der richtigen Größe da waren.
Nach dem Einkauf fahren wir ein kurzes Stückchen und machen Pause am Strondafjorden. Und sowohl die Küstenstraße als auch die Aussicht und sogar der Geruch erinnern uns stark an die Seen im Berner Oberland. Nicht die schlechteste Referenz!
Wir machen ein Päuschen im dringend benötigten Schatten (erwähnte ich schon, dass es heiß ist?) und lassen uns unsere Dickmilch schmecken.
Auch der weitere Weg entlang des Strondafjords geizt nicht mit schönen Aussichten.
Hinter dem Fjord fährt man am Fluss Storåni entlang, der sich hier neben der Straße entlangschlängelt. Wir wollen ein bisschen die Aussicht genießen, machen daher Kaffeepause und unterhalten uns kurz mit der Familie aus Bangladesh, die jetzt in Norwegen lebt und vorher in Kiel war.
Wir fahren weiter und merken zunächst gar nicht, dass es Stück für Stück uriger und karger wird. Passend dazu ist auf dem Tyinvegen dann auch erst mal Schluss mit dem Sonnenschein. Bei Bewölkung und in entsprechender Höhe sind es plötzlich nur noch 18°! Hier oben mag es im Winter ganz toll sein - jetzt im Sommer ist das ein beeindruckendes Nichts durchsetzt mit Steinen und Schafen. Dafür ist die Straße groß und breit ausgebaut. Und auch der Borlaugstunnel ist ein Erlebnis: 4km in gleichmäßigem und nicht gerade geringem Gefälle bin ich so auch noch nicht gefahren!
Unser Ziel ist die Gegend um die Stabkirche von Borgund. Auf der ehemaligen Route der E16, heute die „historische Straße“, soll es einige Park- und Picknickplätze geben, die sich für eine Übernachtung eignen könnten. Wir biegen also hinter dem Tunnel ab auf den Borgundsvegen, der auch sehr malerisch ist, aber nur einige Campingplätze oder einen eher schmucklosen Parkplatz an einer Pommesbude/Tankstelle zu bieten hat. Aber als wir dort aussteigen, steigt mir der Pommesduft so verführerisch in die Nase, dass wir eine Bestellung aufgeben. Der Preis von 3,50€ für ein Becherchen Pommes ist zwar norwegisch sportlich, dafür sind die Pommes aber immerhin wirklich lecker!
Solchermaßen gestärkt machen wir uns weiter auf die Stellplatzsuche und finden schließlich wieder mal einen Top-Deluxe-Platz auf der an dieser Stelle wirklich als historisch erlebbaren Straße 630. An einem Tunnel mit Höhenbegrenzung 3,20m werden wir leicht nervös, bis wir das Schild verstehen: Lediglich am Rand ist es so „niedrig“! In der Mitte sind es beruhigende 4,20m und man wird sogar ermutigt, im Zweifelsfalle in der Mitte zu fahren. Nett!
Unser Parkplatz ist dann gegenüber der mittlerweile verlassenen Bergsiedlung Galdane und ist nicht nur eben sondern auch groß und mit Picknickbänken ausgestattet. Jackpot!
Der Lærdalselvi rauscht hier an uns vorbei und schimmert herrlich grün- weißlich. Und weil wir fast am Beginn der Straße eine Hängebrücke über den Fluss gesehen haben, machen wir noch eine kleine Wanderung entlang der Straße.
Da die deutlich komfortablere E16 den meisten Verkehr übernimmt, ist es aber ein äußerst ruhiger Weg - wer jedoch auf seiner Reise auf der E16 Zeit hat, dem sei dieser Umweg entlang des Flusses hiermit wärmstens ans Herz gelegt. Wenn das in diesem Sonnensommer mit Niedrigwasser schon so schäumt, muss das im Frühjahr ein ganz schön spektakuläres Getöse sein!
Gänzlich ungewohnt beschließen wir diesen Tag doch etwas wärmer angezogen, da die Sonne hier im Tal schon lange vor Sonnenuntergang goodbye gesagt hat und es dann doch etwas frisch wird. Aber das sind wir von Norwegen ja auch gewöhnt…

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 22 Jul 2018 23:54:23

Von steilen Wegen und düsteren Kirchen

Hier im Tal ist es über Nacht dann doch frisch geworden. Bei 12° wollen wir dann doch nicht draußen frühstücken… Und sicherheitshalber ziehen wird uns für heute dann doch mal lange Hosen an und packen für unsere heute geplante Wanderung auch noch die Jacken in den Rucksack - in Norwegen kann man ja nie wissen!
Vindhellavegen
Wir fahren das kurze Stückchen zum Einstieg in den Vindhellavegen und machen uns auf die erste Wanderung des Urlaubs. Der Weg führt über den Bergrücken zur Stabkirche von Borgund. Laut Reiseführer eine Attraktion, die man nicht auslassen darf.
Das besondere am Vindhellavegen ist, dass er steil ist. Also 20%-Steigung-steil. Und das ist noch die entschärfte Variante, denn in seiner ersten Version hatte dieser Weg sogar 25% Steigung. Da war doch was mit Norwegen und Straßen? Ach ja, „Home of crazy roads“…
Und wirklich: wir kommen nach 200m steilem Bergaufgehen zu einem lauschigen Bänkchen mit der Bezeichnung „Lusahaug“. Haben wir mal ganz frei mit „Bank für Loser“ übersetzt und uns niedergelassen, um erst mal den anderen zuzugucken, die auf dieser Straße nach oben wollen. Und verfluchen jetzt schon unsere Bekleidungswahl. Denn es ist, obwohl noch schattig, ein weiterer sommerlicher Tag, der definitiv keine langen Hosen geschweige denn Jacken erfordert.
Besonders im oberen Teil mit seinen Serpentinen ist der Weg wirklich fotogen: Geländerpfosten, die mit Rost und Flechten gesprenkelt sind, Birken am Wegesrand und die geschwungene Straße die ruft „Komm, so schlimm wird’s nicht!“

Borgund
Der Abstieg hinunter zur Stabkirche ist dann ein Klacks. Man kann sie lange nicht sehen, bis sie dann doch durch die Bäume hindurchschimmert. Zunächst sind wir verwirrt, weil es so aussieht, als gäbe es keinen Zugang vom Wanderweg aus, aber nachdem wir außen um das Gelände herumgeführt worden sind, ist uns auch klar, warum: Die wollen Geld sehen. Denn man kann weder ins Besucherzentrum noch auf das Kirchengelände ohne 90 Kronen (9€) Eintritt gezahlt zu haben. Und Hunde sind auch verboten. Na toll!
Nach kurzem Kriegsrat ist der Plan klar: Ich kaufe ein Ticket, guzcke und fotografiere alles weg und erstatte dann hinterher Bericht. Und Annette macht sich eine gemütliche Zeit mit den Hunden im Schatten des Besucherzentrums.
In der wirklich gut gemachten Ausstellung im Besucherzentrum wird die Bauweise erklärt und auch ansonsten alles, was wichtig ist, gut dargestellt. Das können die Norweger echt gut!
Der eigentliche Kirchbesuch ist dann für mich aber eher ein Flop. Der Innenraum ist düster und eher klaustrophobisch klein und zu sehen gibt es auch nicht viel. Das mag ein Schreiner, Theologe oder Historiker anders sehen. Aber für den banausigen Fotografen ist das eher ernüchternd. Aber immerhin: Der Geruch nach altem Holz war toll - der lässt sich nur so schlecht fotografieren…
Den Rückweg treten wir dann über den Sverrestigen an. Benannt nach dem König Sverre, nicht weil er so schwer ist. Wobei: Wir hatten uns auf einen netten ebenerdigen Panoramaweg zurück zum MoMo eingestellt, haben dann aber doch ganz ordentlich zu klettern und wieder hinabzusteigen. Nur leider ohne weitläufige Aussicht.
Nachdem wir uns am MoMo erst mal mit Salzkaramelleis gestärkt haben, welches Annette gestern in Fagernes n den Einkaufskorb geschmuggelt hat, geht es weiter Richtung Fjord.
Durch unzählige, aber immer auffallend lange Tunnel geht es weiter. Und als wir das erste Mal wieder den Blick auf einen „richtigen“ Fjord werfen, sind wir auch sofort wieder sicher, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.
Aber als wir dann am gletschergrün schimmernden Årdalsvatnet eine kurze Kaffeepause einlegen, wird es sogar noch besser. So ein unwirkliches Grün! Immer wieder schön.
Unser Ziel für heute ist der Campingplatz im Utladal bei Øvre Årdal. EIn sehr einfacher Platz mit einer sehr originellen Entsorgungstation. Man fährt quasi in einen baumumsäumten Platz, wo das Abflussloch an einer Stelle ist, wo kein Wohnmobil seinen Grauwasserabfluss hat. Also wird mit Staubsaugerschlauch und Winkelrohr ein Abflussrohr gebastelt, was man dann beim Ablassen festhalten muss. Nunja.
Wir genießen es, uns mal wieder draußen breit zu machen und, da es hier doch deutlich feuchter ist als im Osten, sogar zur Feier des Abends zu grillen. Das erste Mal, dass man das ohne schlechtes Gewissen auch tun kann. Und vielleicht deswegen doppelt so lecker?
Abends parken zusehends mehr Leute an der Straße neben dem Campingplatz. Heraus steigen Familien mit Kind und Kegel und pilgern los. Wir vermuten, dass hier in der Nähe was großes los sein muss!
Als wir abends dann mal dorthin spazieren, wo alle hingegangen sind, löst sich das Rätsel auf: Der Norweger Lars Monsen wandert quer durch Norwegen und im staatlichen Fernsehen gibt es eine Sondersendung dazu. Und wir sind mittendrin…!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 23 Jul 2018 23:36:16

Queen of crazy hikes

Wir sind im Skandinavien-Modus angekommen. Das bedeutet, dass ein Tag nicht sehr weit vor 10 Uhr beginnt.
Wir haben festgestellt, das die Kunststoffschürzen am Aufbau, die unten links und rechts hinter den Türen angebracht sind, marode sind. Auf der rechten Seite ist sie genau an der dünnen Stelle gebrochen, wo die Schraube sie an der Karosserie festhalten soll. Und links ist das nur noch eine Frage der Zeit. Mrks. Unser Freund Panzertape hält auch diese Macke hoffentlich bis nach Hause, wo wir mal bei Knaus nachhören wollen, was das denn sein soll.
Und beim Entleeren der Toilette macht es auf einmal so ein klonkerndes Geräusch im Innern. Wir holen überrascht ein längliches weißes Kunststoffteil aus der Kassette. Zu unserer Verdauung gehörte das aber nicht! Hat jemand eine Ahnung, was das sein könnte? Und wofür es gut ist? Denn gottseidank ist die Kassette weiterhin benutzbar und auch dicht. Zumindest für den Moment…
Aufgrund dieser Problemchen starten wir etwas später als geplant zu unserer heutigen Wanderung durchs Utladalen mit dem Vettisfossen als Zielpunkt. Seines Zeichens höchster unregulierter Wasserfall Norwegens mit einem freien Fall von stattlichen 273m!
Wanderung nach Vetti Gard
Auf dem Parkplatz kriegen wir mit einen der letzten Plätze - voll hier! Und auch auf der Wanderung begegnet man regelmäßig anderen Wanderern. Ein beliebter Hike!
Schon auf den ersten Metern wird deutlich, warum: die Landschaft hier im Tal ist grandios, die im hellen Türkis schäumende Utla wird nie langweilig und als wäre das noch nicht genug, gibt es mehrere tolle Wasserfälle auf der Strecke, die dann mit dem wunderschönen Vettisfossen als klangvollem Höhepunkt ihr Ende findet.
Sozusagen als Appetithäppchen gibt es den mächtigen Hjellefossen, den man quasi für lau am Einstiegspunkt in die Wanderung präsentiert bekommt. Nicht schlecht!
Hinter dem erneut grandiosen Ardalsfossen geht ein eher unscheinbarer Weg steil und unwegsam hinauf zu einem…Hotel! Man macht am Wegesrand fleißig Werbung für das Avdalen Gard, aber für heute bleiben wir dann doch lieber auf der Hauptstrecke.
An einer Stelle liegt in der Utla ein merkwürdig rotes Ding, was wir zunächst nicht zuordnen können. Normalerweise gehört dies nicht hier hin, so viel steht fest. Ein älterer Norweger löst das Rätsel für uns: Es müsste ein Elch(?)-Kadaver sein, der hier als Wasserleiche aufgedunsen rumliegt. Hey, unser erster Elch…!
Im weiteren Verlauf wird man auf einem tatsächlich auch als Fahrstraße zu benutzenden Weg Richtung der Tourenhütte Vetti Gard gelotst. Ein Stück mit besonders heftiger Steigung ist sogar asphaltiert!
Man bekommt wieder einen Heidenrespekt für die Norweger, als man diese kleine Siedlung dann tatsächlich am Ende des Weges erreicht: Da haben die echt noch Häuser hingebaut? Wahnsinn!
Wir sind aber einfach nur froh, dass wir uns nach 300m Steigung mit Waffel und Cola stärken können, bevor es zum Vettisfossen weitergeht.
Zum Vettisfossen
Auf dem Papier liest sich das easy: 1km, 30 Minuten und schon ist man am Fuße des Wasserfalls angekommen. In der Realität ist das Schwerarbeit. Denn nicht nur muss man die 300m, die man nach Vetti Gard hochgelaufen ist, in ziemlich kurzer Strecke wieder steil hinab, sondern das ganze jetzt auch noch auf einem Stolperpfad, wo man jeden Schritt auf den vielen, vielen Steinen gut setzen muss.
Und wir haben uns dann auch noch ein kleines Handicap eingebaut, was es noch ein bisschen anspruchsvoller macht: Annette übernimmt Elli, die gerne schon mal übermütig Harakiri am Steilufer der Utla probt. Und ich habe unsere alte, blinde Mia an der Leine, die sich mehr als wacker schlägt. Nicht nur hat sie auch am Ende des Tages die beste Kondition von allen, sondern sie findet auch willig und forsch immer einen Weg - buchstäblich immer der Nase nach! Ich hätte mir als Blinder an ihrer Stelle mehr als einmal vor Angst in die Hose gemacht und mich alsbald schlicht geweigert, weiter zu gehen. Für uns ist sie die Heldin des Tages, unsere „Queen of crazy hikes“!
Nach einem seeeehr langen Kilometer kommen wir am Vettisfossen an und sind sofort für die Strapazen entschädigt. Man sieht ihn tatsächlich quasi erst unmittelbar vor Ende der Tour, ist dann aber von dem majestätischen Schleier, der die Felswand hinunterfällt, sofort gefangen.

Spektakulärer Rückweg
Auf dem Rückweg erledigen wir dann noch ein paar Specials, die wir uns auf dem Hinweg verkniffen hatten.Wir kommen wieder an der Hängebrücke über die Utla vorbei und diesmal trauen wir uns auch drauf. Erst Micha, dann Annette. Den Hunden ersparen wir diesen leichten Nervenkitzel…
Noch besser wird es beim Høljafossen. Dieser Wasserfall mit seinem natürlichen Becken am unteren Ende sah schon auf dem Hinweg so aus, als hätte man hier den „Schatz im Silbersee“ gedreht. Jetzt gehen wir die paar Schritte hinunter und ich komme noch dazu, ein paar Fotos zu machen. Toller Wasserfall Nummer 4!
Auf dem weiteren Rückweg geht es uns dann bittersüß: Man erinnert sich an die besonderen Punkte, die einem schon beim Hinweg gefallen haben, hat aber immer auch das Gefühl „Ach, hier sind wir erst - dann kommt ja jetzt auch noch xyz, bevor wir wieder zurück sind…“
Denn wir sind am Ende der Wanderung echt fertig. Und daher ist der Plan für den Rest des Tages auch schnell geklärt: Zurück zum Campingplatz. Denn andere Alternativen haben wir hier in der Nähe nicht und jetzt ist für den Rest des Tages einfach mal ausruhen angesagt…

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Klemme am 24 Jul 2018 08:48:47

Hallo und ich sage hier einfach mal danke für Bilder und Texte,wir starten zum Ersten Mal am 10. August Richtung Süd Norwegen und deshalb lese ich ganz neugierig diese Reiseerlebnisse
Grüße von Andreas

moensters am 24 Jul 2018 09:50:33

Danke für die Rückmeldung, Andreas. :)
Wenn ihr es auf eurer Tour einbauen könnt, wäre der Weg zum Vettisfossen sicherlich ein Highlight! Könnte nur sein, dass dann die Hütte schon zu ist. Für die Skandinavier endet die Saison gerne schon mal Mitte August.

Liebe Grüße, Michael

moensters am 25 Jul 2018 00:09:09

Erholtag mit Aussicht


Heute legen wir einen Erholtag ein. Die Eindrücke wollen verarbeitet werden und ein bisschen Lesen ist ja auch mal ganz schön. Wir nutzen daher schamlos aus, dass es weiterhin sommerlich ist und sitzen bei angenehmen Temperaturen in der Sonne und schauen weiße Wölkchen beim Dahinziehen über den blauen Himmel zu. Erst als es sich gegen Mittag zuzieht, brechen wir unsere Zelte ab und fahren weiter.
In Øvre Årdal frischen wir noch einmal unsere Vorräte auf, bevor es dann hinauf auf den Tindevegen geht. Vor 2 Jahren haben wir ihn schweren Herzens ausgelassen - heute ist er fällig!
Die Voraussetzungen erfüllen wir locker - erst ab 10m Länge ist es verboten. Und die möchte ich in einem solchen Schlachtschiff bei den engen Serpentinen zu Beginn auch nicht wirklich hoch kutschieren. Unser kurzes wendiges MoMo ist mir da mal wieder sehr lieb.
Und wer in Höchstgeschwindigkeit einmal mitfahren möchte: Bitteschön, wir haben da mal ein Video vorbereitet!
--> Link
Wir klettern und klettern und klettern - ganz schön hoch hier! Das einzige, was die mächtige Landschaft hier dann doch empfindlich stört sind die 3 Reihen von Stromleitungen, die uns den größten Teil des Weges begleiten. Aber auch so ist das Erlebnis eindrücklich genug.
Hinter der Mautstation, die sich sinnigerweise fast schon an der Passhöhe befindet und nur mit Kreditkarte gefüttert werden kann, wird es dann richtig dolle. Und am Rastplatz hat man einen wirklich großartigen Rundumblick und kann von hier aus auch den Rastplatz auf der Sognefjellet-Straße sehen, von dem wir beim letzten Mal hier rüber geguckt haben und die Fahrt dann doch auf ein anderes Mal verschoben haben. Erledigt!
Wir machen bei sehr bedecktem Wetter, böigem Wind, aber kurioserweise eher milden Temperaturen erst einmal ein Kaffeepäuschen. Hat schon was mit dieser Aussicht! Und die Norweger haben netterweise auch Steintischchen und Bänke hingestellt, die gut in diese karge Landschaft passen.
Wir hatten kurzzeitig überlegt, an diesem Platz mit seiner tollen Aussicht unsere Zelte aufzuschlagen. Aber ein zwischenzeitlicher Regenguss und eventuell mögliche Gewitter lassen uns dann doch lieber einen Platz am Fjord suchen.
Die Bergabfahrt gestalte sich in gewohnter Manier: Ich habe Spaß und Annette steht Todesängste aus. Zumindest rutscht sie immer tiefer in ihren Sitz, bremst verzweifelt in ihrem Fußraum mit und stöhnt „Aber doch nicht so schnell!“ 40km/h sind aber auch wirklich eine Höllengeschwindigkeit…!
Am heutigen Nachmittag haben wir das erste Mal wieder das graue und wolkenverhangene Norwegen erlebt - nur mit dem Unterschied, dass man weiterhin im T-Shirt rumlaufen kann, ohne dass man dafür ein Wikinger sein müsste. Es ist immer noch mild.
Hinter Skjolden sehen wir am herrlich grünen Lustrafjord ein paar Womos auf einer großen asphaltierten Fläche stehen. Sieht gar nicht mal so dumm aus! Aber als wir dann sehen, dass der dann doch sehr spartanische Platz ohne irgendwelche Annehmlichkeiten 150 Kronen kosten soll, zeigen wir ihm einen Vogel und fahren weiter Richtung Urnes, wo die Straße am Fähranleger endet.
Dorthin wollen wir heute aber gar nicht. Denn es gibt auf dem Weg noch eine Top-Sehenswürdigkeit: Der Feigefossen ist nach dem Vettisfossen der zweithöchste nicht regulierte Wasserfall Norwegens. Da wollen wir hin. Die Straße dorthin ist aber wieder mal eine „crazy road.“ Zwischen Fjord und Felswand schlängelt sich ein einspuriges Sträßchen, auf dem es oft für längere Zeit keine wirkliche Ausweichstelle gibt. Ach ja, und unbeleuchtete, stockdüstere Tunnel. Sehr adrenalinfördernd! Aber gottseidank hält sich der Gegenverkehr in Grenzen…
Der Wanderparkplatz am Wasserfall entpuppt sich als Reinfall. Womoverbotsschild… Aber Annette hat neben einer Ausweichbucht so ungefähr die einzige Stelle auf 10km gesehen, wo man sich hinstellen kann, ohne asozial die Ausweichstelle gleich mit zu blockieren. Probieren wir aus. Passt!
Nach dem Abendessen gehen wir noch mal Richtung Wasserfall. Und genießen die herrlich ruhige Abendstimmung am Fjord. Was ein schöner Ort das hier ist!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

brina1510 am 25 Jul 2018 12:49:27

Was meint ihr denn für ein weißes Teil von der Toilette? Habt ihr davon ein Bild? Vielleicht kann euch dann jemand weiterhelfen ;-)

moensters am 26 Jul 2018 23:34:14



Spektakuläre Stabkirche
Unser Parkplatz am Straßenrand hat sich wie erhofft als ruhig und problemlos herausgestellt. Und auch der Regen hat sich die Nacht zum arbeiten ausgesucht - morgens scheint die Sonne wieder!
Feigefossen
Ideale Bedingungen, um zum Feigefossen hochzusteigen. Annette hatte gestern schon ausgecheckt, dass es wieder eine ziemliche Kraxelei werden würde, die wir Mia trotz ihren heldenhaften Leistung nicht noch einmal zumuten wollen. Denn gestern war sie quasi zu nichts zu gebrauchen und wollte nur ihre Ruhe haben. Darf sie ja auch.
Also begeben wir uns nur mit Elli hinauf zum Wasserfall. Schwer ist der Aufstieg nicht, aber auch hier muss man immer gut gucken - nix für blinde Hunde!
Wir haben dafür ums so mehr Spaß an dem, was wir hier sehen. Durch die Sprühzone des Wasserfalls gibt es hier ein üppiges Grün und wir fühlen uns sehr an Irland erinnert.
Als wir am Aussichtspunkt ankommen, sind wir trotzdem durchgeschwitzt. Es gibt gleich 3 Bänke und die Aussicht auf den Feigefossen ist formidabel.
Aber hier ist noch nicht Schluss. Es geht noch ein Stückchen weiter, bis man wirklich am Fuße des Wasserfalls landet. Zumindest gibt es ein Hinweisschild, dass den Weg für beendet erklärt, weil es sonst zu gefährlich würde. Es reicht uns auch so…
Hier gibt es am gesamten Weg immer wieder so üppige Himbeersträucher, wie ich so noch nie gesehen habe. Annette ist pragmatisch und funktioniert (unbenutzte…) Hundekacktüten zu Himbeersammeltüten um.
Für den Rückweg haben wir schon fest Kaffee und Waffel in einem kleinen Schuppen eingeplant. Alles dort wirkt von außen noch unfertig und improvisiert und um so überraschter bin ich, als ich den Schuppen betrete! Alles ist liebevoll renoviert und mit einem Sammelsurium an Möbeln eingerichtet. Die freundliche Eigentümerin erklärt mir, dass es die ehemalige mit Wasserkraft betriebene Säge sei, die man wieder hergerichtet habe und sie jetzt in der ersten Saison sei. Die feine Doppelbank am Fjord ist auf jeden Fall ein Top-Platz, um sich für die Wanderung zu belohnen!
Die romantische Straße führt uns weiter am Lustrafjord entlang und es ist einfach nur toll, diese einsame Straße über dem grünlich schimmernden Fjord entlang zu fahren. Wir machen eine spontane Pause an einem Laden am Wegesrand, der mit dem Schild „SLOW local FOOD“ wirbt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass es lediglich ein üppig gefülltes Kühlregal ist. Da die Waren aber verlockend aussehen, kratzen wir unser Geld für Rhabarbermarmelade und Bärlauchpesto zusammen und werfen es in die Kasse des Vertrauens. Toll, dass das hier in Norwegen so funktioniert!
Am Parkplatz in Urnes gibt es mehrere Picknickbänke mit Luxusaussicht auf den Fjord, wo wir uns dann die Himbeerdickmilch schmecken lassen, die Annette mit den gesammelten Himbeeren gezaubert hat.
Stabkirche von Urnes
Anschließend pilgern wir hoch zur Stabkirche. Nach dem Flop von Borgund allerdings mit sehr geringen Erwartungen. Der Weg führt den Berg hinauf und man fühlt sich fast ein bisschen nach Südtirol versetzt, weil hier auch so viele Apfelbäume am Wegesrand zu finden sind. Und kultivierte Himbeeren gleich noch dazu, die es hier in großen Schalen für 30 Kronen zu kaufen gibt.
Wir machen wieder das Borgund-Programm: Annette wartet mit den Hunden draußen, ich mache die Besichtigung. Aber der sehr nette Herr an der Kasse gibt mir schon mal einen guten Tipp: Annette könne mit den Hunden an der Friedhofsmauer entlang gehen und könne von dort aus auch gut die berühmten Schnitzereien an der Außenwand sehen.
Und es geht gut weiter: Denn obwohl von der Grundfläche her sicher kleiner als die in Borgund, ist diese Stabkirche innen wirklich sehenswert. Nicht so ein dunkles Loch wie in Borgund, sondern mit allem, was man in so einer alten Kirche auch erwarten würde.
Und wir kriegen das alles noch extra erklärt, als der nette Kassierer uns eine englischsprachige Einführung in die Geschichte und Bauweise dieser Kirche gibt. Und die ist wirklich spannend und hörenswert - was die alten Norweger sich beim Bau der Kirche alles für Feinheiten ausgedacht haben!
Aber vor allem: Wie beeindruckend, dass dieses alte Holz(!)-Bauwerk heute immer noch so stabil steht wie vor hunderten von Jahren!
Wer nicht so der Kirchenfreak ist und höchstens eine Stabkirche in Norwegen besuchen würde: Mit dieser macht man sicherlich keinen Fehler! Guckbefehl!
Auf dem Weg zurück zum MoMo sieht Annette die Fähre zum anderen Fjordufer nach Solvorn einlaufen. Das wird knapp! Wir finden uns schon halb damit ab, dass wir eine Stunde am Anleger auf die nächste Fähre warten müssen, werden aber wider Erwarten als wirklich allerletztes Fahrzeug noch an Bord gewunken - rückwärts auffahren bitte!
Nach dem netten Bezahlschnack mit dem deutsch sprechenden Fährmann legt die Fähre sofort ab und bringt uns ins wirklich hübsche Örtchen Solvorn auf der anderen Fjordseite. Wir wären gerne noch geblieben, aber das Jostedal ruft!
Unterwegs ist aber noch mal Tanken fällig, wobei ich mich am Tankautomaten besonders dusselig anstelle. Erst im dritten Anlauf fließt der Sprit…
Nach der „romantischen Straße“ von anderen Fjordufer kommen uns die Straßen hier wirklich wie Autobahnen vor. 80km/h. Wow!
Wildes Jostedal
Wir biegen ins Jostedal ein und sind von der breiten, teilweise wild schäumenden Jostedøla schon mal sehr beeindruckt. Gekommen sind wir aber für die Gletscher. Am Ende des Tals kommt dann nämlich mit dem Nigardsbreen ein beeindruckender Gletscher, den wir aber buchstäblich links liegen lassen, um zu unseren Stellplatz für die Nacht zu kommen. Am Fåbergstølbreen gibt es nämlich gleich mehrere Stellen, die wie inoffizielle Stellplätze wirken. Überall sieht man mit Steinen gebildete Feuerstellen und die paar Womos, die sich bis hier oben verirren, verteilen sich auf jeweils separate Plätze.
Nach unserem Abendessen, Spaghetti mit dem sehr leckeren Bärlauchpesto von heute mittag, machen wir uns noch zu einem kleinen Erkundungsspaziergang in der Umgebung auf und sind begeistert von den mächtigen Bergwänden an beiden Seiten und den in der Ferne sichtbaren Gletschern, denen wir morgen auf die Pelle rücken werden. Ach ja, Blaubeeren gibt es hier endlich in Hülle und Fülle!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 27 Jul 2018 00:31:38



Schnitzeljagd und Gletscherwind
Die Nacht war kalt. 5° haben wir länger nicht gehabt! Aber als am nächsten Morgen die Sonne am blauen Himmel aufgeht, wird es schnell wärmer und Annette möchte bei diesem Prachtwetter liebend gerne draußen frühstücken. Aber was ist das? Als alles hergerichtet ist, verschwindet die Sonne wieder hinter dem mächtigen Berg an der östlichen Talseite. Würd es reichen, einfach den Tisch zu verschieben? Ich checke mit meiner Foto-App und es sieht schlecht aus…
Egal, wir mummeln uns ein und frühstücken auch im frischen Schatten. Wir sind ja nicht zum Vergnügen hier!
Schnitzeljagd am Fåbergstølsbreen
Denn das Vergnügen kommt erst danach: Wir starten zur Tour zum Fåbergstølsbreen, dem Gletscher nebenan, den man aber von der Talstraße aus nicht sehen kann.
Wir brechen mit beiden Hunden auf, müssen aber nach ein paar Metern die Tour als zu hart für Mia einstufen: grober Kies, gerne auch mal klettern und man merkt ihr auf diesem Untergrund doch an, dass sie sich unwohl fühlt. Nicht behindertengerecht! Aber als sie sich, wieder zurück am MoMo, auf ihren Chefsessel kuschelt, wirkt sie nicht so wirklich traurig, dass sie nicht mitkommen darf.
Für uns geht es aber los und es ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd. Denn anstelle einer Farbmarkierung gibt es hier nur die bekannten Steintürmchen, die entlang des Weges immer wieder zu finden sind. Und da der Weg oft nicht so wirklich klar zu erkennen ist, heißt es: Augen auf!
Wirklich verlaufen kann man sich aber auf dieser Tour ohnehin nicht. Einfach immer dem Gletscherbach folgen und nach oben. Und bei der Kraxelei steinauf, steinab fühlen wir uns bestätigt, dass es eine sehr gute Entscheidung war, Mia nicht mitzunehmen. Das wäre für sie (und uns) der reine Horrortrip geworden.
Für uns ist es eine mäßig anstrengende, aber sicheren Tritt erfordernde Wanderung. Aber ab der Mitte des Weges ist es ein Selbstläufer. Nämlich ab da, wo der Gletscher zu sehen ist.
Zunächst wirkt er noch weit entfernt, dann aber kommen wir erstaunlich nah dran. Also nicht in Berührungsweite, aber doch so, dass man das blaue Leuchten aus den Gletscherkanten genießen kann. Was für Farben!
Auf den letzten Metern ziehen wir sogar unsere Windjacken an, weil vom Gletscher ein kühler Wind hinabbläst. Zunächst noch herrlich erfrischend, später aber so, als hätte jemand im Auto die Klimaanlage auf 18° eingestellt. Auf dem Rückweg merkt man dann aber ziemlich schnell, dass man wieder in den Sommer unterwegs ist: Jacken wieder aus!
Styggevatnet
Zurück am MoMo brechen wir dann ziemlich schnell zum Stausee am Ende des Tales auf. Wir schrauben uns noch mal einige Höhenmeter nach oben und landen an der mächtigen Staumauer. Nur dumm, dass die Landschaft drumherum noch mächtiger aussieht und das ganze fast schon wie Spielzeug aussehen lässt.
Nach einer Stärkung mit Kaffee und Keksen nehmen wir den Aufstieg zur Staumauerkrone in Angriff. Und weil es hier oben noch Schnee gibt, kann ich der Versuchung nicht widerstehen und hinterlasse einen Abdruck im Schneefeld. Schön kühl!
Der Blick hinüber auf den Gletscher ist dann eine feine Belohnung für den gar nicht mal so langen Weg. Was für eine Landschaft!
Der Campingplatz zu Babel
Nachdem wir auf dem Rückweg noch fleißig Blaubeeren gepflückt haben, geht es zurück in die Zivilisation: Heute soll es mal wieder ein Campingplatz mit Entsorgung und Internet sein.
Wir haben über den Campingplatz am Nigardsbreen nichts schlechtes gelesen und dass die ältere Dame an der Rezeption nur Norwegisch spricht, kann doch nicht wirklich ein Problem sein, oder?
Nun, in der Tat ist es das. Wir müssen dringend unser Grauwasser entsorgen, sehen aber keine Station. Lediglich ein tonnenförmiges Loch, was wohl für die Toilettenentsorgung gedacht ist. Wir versuchen, uns irgendwie verständlich zu machen, aber irgendwie reden wir immer aneinander vorbei. Sie wirkt regelrecht verzweifelt, weil wir anscheinend nicht die ersten sind, die mit ihr an der Sprachbarriere scheitern. Was wir verstehen: Man könne ja an dem anderen, 3km entfernten, Campingplatz entsorgen und dann wiederkommen. Hm, aber warum sollten wir dann noch mal zu ihr umkehren? Schwierige Entscheidung und bei ihr fließen in der traurigen Verzweiflung, dass wir uns nicht verstehen, schon ein paar Tränchen. Eieiei…
Wir beschließen, erst mal den anderen Campingplatz auszuchecken, da hier alles schon sehr basic wirkt. Sollte es uns dort besser gefallen, bleiben wir und ansonsten: Mal gucken.
Der Campingplatz in Gjerde ist dann in jeder Hinsicht das Gegenteil. Alles pieksauber, ein Traum von einer Ver- und Entsorgungsstation und noch dazu werde ich aufs freundlichste auf Deutsch begrüßt. Nur leider mit einer traurigen Botschaft: Alles voll! Ich erzähle ihr von unserem Erlebnis am anderen Campingplatz und sie nickt verständnisvoll - entsorgen sei bei ihr heute kein Problem und wenn wir morgen wiederkommen wollten (aber bitte früh am Nachmittag!), wären wir sehr willkommene Gäste.
Bei einem kurzen Stop im Breheimsenteret, dem Gletscherbesucherzentrum, erfahren wir, dass man leider nicht über Nacht dort stehen dürfte. Kuriose Interpretation des „No Camping“-Schildes: „Och, Stühle und Tische könnt ihr ruhig rausstellen, das stört uns nicht. Aber Übernachten geht halt nicht, sorry.“
Also fahren wir wieder zurück zu unserer norwegischen Omi, machen den Platz für die Nacht klar und können dann endlich Feierabend mit Blaubeerpfannkuchen machen.


Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 28 Jul 2018 18:08:39



Gletschertastisch
Unser Plan für heute ist simpel: MoMo auf dem alten Campingplatz stehen lassen, mal eben rüber den Nigardsbreengletscher weggucken und dann frühzeitig auf den schöneren Campingplatz in Gjerde wechseln. Was sollte da schon schief gehen?
Zum einen: Spät aufbrechen. Annette weckt mich um 9 Uhr, weil wir ja doch irgendwann mal los wollen.
Zum anderen: Wir brechen wieder zu viert auf. Es gibt nämlich parallel zur Fahrstraße einen Wanderweg, der so schwer nicht sein kann und 3km kommen uns läppisch kurz vor. Das schafft man auch mit blindem Hund.
Jedoch: der Weg ist nicht sehr behindertenfreundlich. Zwischendurch gibt es zwar immer kurze „kultivierte“ Teilstücke, aber das meiste ist das bekannte Kraxeln über Steine. Für Mia und mich Schwerarbeit. Als wir am großen Parkplatz für die Autotouristen ankommen ist Mia sichtlich wenig begeistert von unserer tollen Idee und ich bin schweißgebadet. Denn heiß ist es heute auch noch. Für norwegische Verhältnisse sind mit 28° offiziell Saharatemperaturen erreicht.
Wir gönnen uns die Abkürzung mit dem Bötchen. Das verkürzt den Wanderweg zum Gletscher, welchen man übrigens schon lange vorher blauweiß leuchten sieht, um 20 Minuten. Vor allem aber: Um mühsames Vorausgucken und Führen. Dumm, dass man für das Boot nur cash zahlen kann und wir 10 Kronen zu wenig im Portemonnaie haben. Nett, dass der Kassierer großzügig meint: „Passt scho!“
Die Fahrt im vollbesetzten Motorboot geht dann schneller vorbei als uns lieb ist. Denn der Weg zum Gletscher hat sich noch nicht merklich verkürzt. Was hier aber schon anders ist: Im Seewasser schwimmen kleine Gletschereisstücke. Eins davon nimmt Annette dankbar zum Kühlen des Wespenstichs, den sie sich auf der Wanderung zugezogen hat…

Gletscher in Sicht
Weiter geht es über lange, vom Gletscher glatt geschliffene Steinblöcke. Aber auch immer wieder über jede Menge Geröll. Je näher wir an den Gletscher herankommen um so aufregender wird es. Denn der Ausblick auf diese noch viel größeren und blaueren Eisflächen als am Fåbergstølsbreen ist wirklich spektakulär. Und erst recht bei dem strahlenden Sonnenschein.
Ebenfalls beeindruckend ist der Gletscherfluss, der regelrecht aus einem Haifischmund herausgeschossen kommt. Welche Power!
Was ebenfalls beeindruckend ist: Zu sehen, wie die winzigkleinen Menschenketten ihre Gletschertouren auf dem Gletscher machen. Wie kleine bunte Ameisen in Slow-Motion sieht das aus.
Der Rückweg zieht sich dann. Obwohl wir zum Schluss die Fahrstraße statt des Wanderweges nehmen und zügig voran kommen, ist es fast 15 Uhr, als wir wieder am MoMo ankommen.
Schnell packen wir alles zusammen und fahren los. Heute soll es doch klappen mit dem anderen Campingplatz! Denn ohne Bargeld hätten wir an dem anderen ja gar nicht bleiben können. Und genug haben wir von diesem tollen Tal noch nicht!

Feiner Campingplatz
Als wir am Campingplatz in Gjerde ankommen, werden wir wiedererkannt und freundlich begrüßt. Und ja, es gibt noch einen Platz für uns. Wie schön!
Heute gibt es aber eher das Problem der Qual der Wahl. Es gibt reichlich Auswahl.
Und nachdem wir uns schon an einem Platz fast komplett häuslich eingerichtet haben, kommen wir doch noch mal ins Grübeln. Denn vom nebenan liegenden Stall eines Bauernhofs kommt ein monotones Lüftungsgeräusch und es liegt frische Landluft in der Luft.
Wir planen also noch mal um, nehmen einen Platz direkt am Fluss und sind mit unserer Wahl jetzt so was von happy, dass wir sicher sind: Hier wollen wir ein paar Tage bleiben. Wie lange? Mal gucken…

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 28 Jul 2018 23:18:26

Watcher on the wall

Eigentlich war ja der Plan, es einmal etwas gemächlicher anzugehen. Aber als wir den Wetterbericht sehen, stellen wir fest, dass es besser wäre, noch etwas zu unternehmen, bevor ab 16 Uhr dann ziemlich regnerisches Wetter einsetzen soll.
Im Tal, was direkt an unserem Campingplatz Richtung Gletschergebiet abgeht, gibt es am Ende den Bergsetbreen. Wäre doch doof, wenn wir diesen Gletscher nicht auch noch mitnähmen!
Also reservieren wir einen anderen, fein geschotterten Stellplatz etwas näher am Hauptgebäude mit Tisch und Stühlen und fahren los.
Es geht auf schmaler Straße wieder mal gut bergauf und ich bin dem Treckerfahrer echt dankbar, der mit seinem Gülleanhänger extra für uns am Berg rückwärts fährt, damit wir vorbeikommen.
Am Anfang des Wanderweges ist ein im Vergleich zu gestern lächerlich kleiner Wanderparkplatz. Und nicht mal der ist gefüllt.
Entsprechend übersichtlich ist auch die Zahl der Leute, die zusammen mit uns auf dem Weg unterwegs ist. Aber das ist uns auch recht.
Diesmal ist es ein Mittelding zwischen problemlos und ein bisschen abenteuerlich. Meistens ist der Weg eben und sogar breit. Es gibt aber auch einige Passagen, die ganz schön überschwemmt sind und an einer Brücke rauscht der Gletscherbach mit Karacho auch neben dem Bachbett weiter. Da schmilzt gerade ganz schön viel Eis!
Der Star auf dieser Tour ist aber mal wieder der Gletscher. Ganz anders als die beiden Gletscher der vergangenen Tage wirkt er, je näher man kommt, wie eine majestätisch mächtige und abweisende Eismauer. So stellen wir uns die „Wall“ aus Game of Thrones vor.
Als wir schließlich an der roten Endmarkierung des Weges ankommen, werden wir von einem älteren Norweger gelobt, dass wir nicht noch weiter gehen, wie der Niederländer mit seinen 4 Kindern vor uns. Nach seiner Erfahrung könnten jederzeit auch größere Eis- oder Gesteinsbrocken runterkommen. Muss man ja nicht haben.
Das Wetter ist kurios. Obwohl es sich immer mehr zuzieht und die Wolken über den Gletscher fliegen, ist es eher schwülwarm. Der Schweiß fließt fleißig. Mit Blick auf die Uhr (und die angekündigten Regenfälle) treten wir den Rückweg an.
Und als wir um 16 Uhr am Campingplatz ankommen, fallen auch prompt die ersten Tröpfchen. Alles richtig gemacht! Naja, fast. Denn bis auf einen kleinen Schauer kommt dann nicht mehr viel.
Bald ist es wieder trocken und wir können danach den ganzen Abend noch draußen sitzen und uns die irren Wolkenbilder angucken, die sich über den Himmel schieben und immer neue Bilder und Lichtstimmungen erzeugen. Dramatisch, aber ohne einen Tropfen Regen.

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 31 Jul 2018 10:03:41

Die wilde 13

Byebye, Jostedal. Es war schön bei dir, aber jetzt geht es weiter!
Wir genießen noch einmal die Fahrt entlang des Flusses, auch wenn der Tag heute eher trüb beginnt. Aber egal: Wir erledigen dann erst mal das Auffrischen der Vorräte in Gaupne und sind dort schon verwundert, wie mild es ist. Unsere Norwegen-Erfahrung bei einem solchen Himmel sagt uns doch: Dick anziehen! Stattdessen laufen hier Leute in Badehose und Bikini rum. Und das Kuriose: Ist gar nicht mal so verrückt, wie es sich anhört…
Wichtige Einkäufe
Weiter geht es auf herrlicher Strecke nach Sogndal, wo wir 2 Dinge erledigen wollen:
Zum einen muss ich jetzt doch eine norwegische SIM-Karte kaufen, da irgendetwas in Gjerde über Nacht mein komplettes Handy-Datenvolumen leergesaugt hat. Autsch! Immerhin weiß ich schon, wonach ich suchen muss und was zu tun ist. Mycall war vor 2 Jahren nicht schlecht, wird also wieder genommen. 10GB für 30€ sind fair. Zumindest gemessen an den 10€/1GB, die Vodafone jetzt von mir haben will. Aber mit einer Träne im Auge denke ich an den letztjährigen sorglosen Sommer in Frankreich, wo man 100GB bei Free für 30€ kriegt… Irgendwann müssen das doch auch die anderen Länder mal hinkriegen! Nachdem ich im dritten Laden die SIM-Karte gekriegt habe, fülle ich brav das Formular für die Registrierung aus. Die ahnungslose Verkäuferin weiß damit zwar nichts anzufangen, ruft aber ganz pragmatisch für mich bei der Hotline von Mycall an und erledigt die ganze Registrierung am Telefon. Supernett!
Das andere was wir noch erledigen wollen: Shoppen in unserem Stammladen „Sport Outlet“. Den gibt es hier nämlich auch mal wieder. Und als wir in die Straße einbiegen, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Hier waren wir doch vor 2 Jahren auch schon!
Und wie schon vor 2 Jahren verlassen wir den Laden mit gut gefüllter Einkaufstasche, denn die Preise hier sind tatsächlich (man glaubt es nicht): günstig!
Entlang des Sognefjords
Jetzt geht es aber endlich weiter mit dem eigentlich Star des Tages: Der norwegischen Landschaft. Wir fahren weiter - immer entlang des Sognefjords, der hier schon ordentlich breit ist. Mittlerweile scheint schon länger die Sonne und die schillernden Lichtreflexe auf dem Fjord sehen einfach herrlich aus. Aber da wir uns Richtung Vassenden bewegen, sehen wir natürlich vor uns: Eine düstere Wolkenwand, die nichts Gutes verheißt. Werden wir trocken bleiben?
Ein Kniff, der uns hilft, ist das Wechseln der Fjordseite. Die Fähre in Hella wartet schon brav auf uns und fährt praktisch sofort los. Wieder mal gutes Timing!
Und damit schlagen wir 2 Fliegen mit einer Klappe: Wir machen den düsteren Wolken eine lange Nase und bleiben (für den Moment) im Schönwettergebiet.
Die wilde 13
Nach einer Kaffeepause am Fjord widmen wir uns endlich der Straße Nummer 13. Die ist zwar keine der „Nationale Touristenveger“, soll aber trotzdem ganz schön sein. Na dann wollen wir mal testen.
Es fängt schon mal gut an, die Fjorduferstraße ist schon mal sehr schön und auch wenn sie teilweise eng ist, freuen wir uns irgendwie, dass der sich im Bau befindliche Tunnel hier noch nicht fertig geworden ist. Der Ausblick ist so einfach schöner.
In Vikøyri geht es dann den Berg hinauf. In der letzten Kehre befindet sich ein kleines Lädchen/Cafe und von hier aus hat man einen wahrlich grandiosen letzten Ausblick auf den Fjord. Kurz bin ich versucht, zu fragen, ob wir hier für die Nacht stehen dürfte. Es wäre ein spektakulärer Stellplatz!
Aber wir haben noch nicht genug und fahren weiter hinauf aufs Vikarfjell. Kurz vor dem Storehaugtunnelen hat man noch einmal ein irres 360°-Panorama und auch hier könnte man sich anscheinend problemlos mit dem Womo hinstellen. Auch nicht schlecht!
Hinter dem Tunnel kommen wir auf die Hochebene und es ist wirklich eines Landschaftsbildners feuchter Traum, was wir hier zu sehen bekommen. Kleine Seen, hohe, aber eher weich geschwungene und trotzdem wuchtige Bergkuppen in dutzenden von Grüntönen. Und dadurch führt einen die Straße in herrlichen Schwüngen. Und das Beste: Die Straße ist durchgängig breit genug ausgebaut, dass man nicht bei jedem Gegenverkehr schon überlegen muss, wer jetzt ausweichen muss. Also quasi wildes Norwegen für Warmduscher. Tolltolltoll!
Die Bergabfahrt führt dann noch am obligatorischen ellenlangen Wasserfall und dem Myrkdalsvatn mit seiner mysteriös dunklen Farbe vorbei, bevor es wieder in die Zivilisation geht. Eine tolle Strecke!
Skuriller Stellplatz
Unser Stellplatz für die nacht kann sich aber auch sehen lassen. Am Aussichtspunkt Nesheimtunet ist ein kleiner Parkplatz, der etwas oberhalb des Lønavatnet an einer Ansammlung uralter Höfe liegt. Wir haben das dann mal schnell gegoogelt und uns übersetzen lassen:
Nesheimstunet
Nesheimstunet liegt am nördlichen Ende von Lønavatnet, 16 km von Vossevangen entfernt, mit einer Kreuzung von E 16 bei Tvinne. Der Thunfisch hat keine festen Öffnungszeiten, der Garten ist ein Einhorn, er wurde nicht geteilt, wie viele andere Vossgards.
(...)
Im Haus gibt es Ohren und Raucher.
(...)
Hier befinden sich auch das Loft, die Ställe, Scheunen und Löwen, die bis 1948 in der neuesten Stova eingeladen wurden.
Klar, dass wir hier bleiben müssen! Denn freundlicherweise gibt es hier auch wieder einen Picknicktisch, allerdings in der steinernen Variante. Hundefreundlich mit Leinenloch, während Herrchen und Frauchen ihr Abendessen genießen können.

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 01 Aug 2018 08:58:33

Regengammeltag

Was so ein schlechter Wetterbericht doch ausmachen kann. Die Wettervorhersage für den heutigen Tag war so miserabel, dass wir beschlossen, den Tag an unserem schnuckeligen Stellplatz einfach auszusitzen und gar nichts zu tun.

Was man leider fast schon wörtlich nehmen muss. Denn außer ein paar kürzeren Ausflügen lud das Wetter tatsächlich nicht zum Draußensein ein und mit so schönen Aussichten wie gestern können wir auch nicht dienen.

Eher mit vielen Varianten, wie man ein und dieselbe Umgebung in verschiedensten Tönen von Tristesse darstellen kann und dem sogar noch etwas abgewinnen kann.

Ansonsten stellen wir gegen Nachmittag fest, dass 2 Gammeltage so kurz hintereinander fast schon ein bisschen zu viel des Guten sind - ab morgen wird wieder gefahren und entdeckt! Es kribbelt in dein Beinen!


Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

tammy99 am 01 Aug 2018 11:24:56

Moin,
verstehe ich das richtig, dass Du immer aktuell schreibst? Dann kōnnte ich Dir ein paar Tipps geben. Wir sind gerade zurück gekommen.
In Vik lohnt der Besuch der Stabkirche Hopperstad. Man kann dort gut parken.
Wenn Ihr von Balestrand aus die 13, hier nationale Touristenstraße, fahrt, sind die Ausblicke toll und man kann auf der anderen Seite des Gaularfjellet den Fossestien, den Wasserfall weg, wandern. Zum Übernachten kann ich den Mini CP Hov Hyttegrend empfehlen : --> Link
Der Besitzer spricht deutsch. Er f betreibt einen Shuttledienst zu den Ausgangspunkte des Wanderwege. Wir haben uns ganz hoch talaufwärts fahren lassen und sind dann 15km bis zum CP zurück gewandert. Das war toll und mit den Kindern gerade noch so machbar. Wir waren 6 Stunden unterwegs.

Wenn Du schreibst, wo Ihr noch so hinwollt, kann ich noch weitere Tipps liefern.

LG
Fred

CCHT am 01 Aug 2018 14:23:24

Hallo ihr,

den Regen(gammeltag) hätten wir uns auch mal gewünscht. Hier ist es bekanntlich seit Wochen heiß und dürr ohne Ende. :angry:
Wir sind selber erst Ende Juli von unserer dreiwöchigen Norge-Tour zurückgekehrt auf der wir doch tatsächlich bis auf einen kurzen Schauer nur Sonne hatten, wer hätte das gedacht!
Zum Glück war es meistens "nur" bis an die 30°, aber nachts dann immer schön kühl.
Hätte ja nicht gedacht, dass ich mich mal wieder nach so einem Regentag sehnen könnte ...

Euch noch viel Spaß!
Gruß
Christoph

moensters am 02 Aug 2018 01:34:02

Hallo Fred,

vielen Dank für deine Tipps - ich habe sie leider erst gerade gelesen. Wir sind jetzt auf der Folgefonn-Halbinsel am Hardangerfjord. Der Rest der Reise geht jetzt in den Süden. Wir sind aber noch nicht entscheiden, ob noch mal ans Meer oder in die Telemark. Mal gucken...

Falls du für diese Regionen noch Tipps hast: Gerne! Und danke für deine Mühe!

Christoph, wir vermissen den Regen noch nicht so sehr, sondern genießen es einfach, in Norwegen leicht bekleidet rumzulaufen.

Liebe Grüße, Michael

moensters am 02 Aug 2018 01:35:25



Hardanger

Was wir morgens noch nicht wissen: Wir brechen in einen Tag der Superlative auf. Alle Leser, bitte anschnallen!
Nach dem Regengammeltag hat sich der Himmel über Nacht wieder aufgeklart und ist so, wie wir in von den letzten Tagen gewöhnt sind. Der Spuk ist vorüber.
Für heute steht wieder mal eine Fahrt auf einem der Nasjonalen Touristveger an: Hardanger.
Duschen am Skjervsfossen
Und das erste Highlight, der Skjervsfossen ist ein Spätzünder. Denn unsere Einstellung ist ein bisschen: Just another waterfall. Was soll uns da noch überraschen? Und tatsächlich: Der erste Stop an der oberen Aussichtsplattform ist toll angelegt, Wasser rauscht und fällt. So weit, so normal.
Dann geht es ein, zwei Serpentinen nach unten und wir erleben schon unsere erste Überraschung: Ein Skateboarder wartet in der ersten Serpentine, dass die Bahn frei ist, bekreuzigt sich nochmal und fährt dann mit vollem Karacho bis an den Fuß des Wasserfalls hinunter. Abgefahren!
Am unteren Teil des Wasserfalls steigen wir noch mal aus und gehen zum Aussichtspunkt Dusjen. Wird auf Norwegisch „Duschen“ ausgesprochen und genau das ist es dann auch - obwohl man nicht unmittelbar in den Fallbereich geht… Wir haben zwar Regenjacken übergezogen, aber unsere Jeans sind nachher pladdernass, als einmal ein besonders heftiger Duschwasserfallregen neben uns niedergeht. Was ein Spaß!
Und als wäre das nicht schon toll genug, gibt es zum Abschluss sogar noch einen Regenbogen gratis dazu.
Skjervsfossen, du hast echt abgeliefert!
Hardangerfjord
Ab dem netten, winzigen Örtchen Granvin fahren wir am Hardangerfjord entlang. Und es stimmt wirklich alles, was man vorher gelesen hat. Tolle Aussichten und am Wegesrand stehen mit hübscher Regelmäßigkeit Apfelbäumchen. Und das die Straße mal mehr, mal weniger breit, aber immer spektakulär, am Fjord entlang führt, ist natürlich Ehrensache.
In Indre Ålvik machen wir ein kleines Kaffeepäuschen mit Himbeerdickmilch, welche hier Kulturmjölk heißt. Ein netter kleiner Rastplatz mit vielen Picknickbänken. Ein paar Mutige planschen sogar im Fjord.
Am Aussichtspunkt Steinstøberget machen wir erneut einen kleinen Stop und essen die norwegische Variante von Zimtschnecken. Hefig und lecker. Dumm nur, dass das die norwegischen Wespen auch finden. Schnell wieder weg!
Steinsdalsfossen
Und der nächste Wasserfall. Hier ist mal so richtig die komplette Touri-Infrastruktur am Start: Busse, Info, Café, Souvenirshop. Und das ganze für einen von vielen Wasserfällen hier in Norwegen? Nicht ganz.
Der Clou hier ist nämlich, dass man ganz bequem mit wenig Anstrengung hinkommt. Und als wäre das noch nicht genug: Man kann auch hinter dem Wasserfall entlang gehen!
Und was von weitem noch wie ein Gimmick aussieht, ist dann in echt doch reichlich cool. Denn da tröpfeln nicht ein paar Tröpfchen an dir vorbei wie am Weeping Rock im Zion NP in den USA. Da rauschen richtige Wassermassen mit reichlich Wumm an einem vorbei.
Und anders als noch heute morgen: Wir bleiben trotzdem weitestgehend trocken. Regenkleidung überflüssig!
Fähre ins Glück
In Tørvikbygd müssen wir anschließend fast eine Stunde auf die Fähre warten, die wir bei unserer Ankunft gerade abfahren sehen. Die Zeit wird uns aber trotzdem nicht lang, da es hier einfach wunderschön ist und wir es auch nicht wirklich eilig haben, anzukommen.
Stattdessen unterhalten wir uns mit einem jungen amerikanischen Paar, dass mit seinem kleinen, 1,5-jährigen Mädchen durch Norwegen reist und anspruchsvolle Wanderungen mit ihr durchführt. Den Weg zum Kjeragbolten hätten sie schon gemacht und zur Trolltunga wollten sie auch noch. Respekt!
Wir hingegen wollen heute nur noch zum Rastplatz Hereiane auf der Folgefonn-Halbinsel. Hatten wir als Tipp bekommen und die Aussicht auf den Fjord soll hübsch sein. Uns reicht das ja schon…
Und wirklich: Die Anfahrt zum Rastplatz ist schon eine richtig schöne Strecke und als wir dann am Platz ankommen, sind wir überrascht: Nur ein Womo steht hier? Wir hatten uns auf mehr eingestellt…
Was den Platz jetzt aber wirklich perfekt macht: Es gibt kleine Betonpicknickbänke mitten in der schärenähnlichen Felslandschaft, an denen es sich trefflich grillen lässt. Und Sonnenuntergang gucken. Wow!
Und weil es sich geradezu anbietet, stiefele ich nach dem Grillen noch ein bisschen mit meiner Kamera und dem Stativ umher, während Annette und die Hunde einfach genießen, wie wunderschön es hier ist.
Tollster Reisetag bisher!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

tammy99 am 02 Aug 2018 07:50:06

Sorry, die Telemark steht auch noch auf unserer Liste..
Wie ist denn die Straße zwischen Utne und Jindal? Soll sehr eng sein?!?
Wollt Ihr noch in den Lysefjord? Den fand ich am schönsten!

LG
Fred

moensters am 02 Aug 2018 20:20:03

Hallo Fred,

die Straße von Jondal nach Utne ist fahrtechnisch total easy. Zwar manchmal etwas enger, aber so wenig befahren, dass es da schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn du Probleme bekämst. Und wirklich eine schöne Strecke!

Wir werden jetzt Richtung Telemark fahren, da das Wetter in den kommenden Tagen hier im Westen und Südwesten mal eher nicht so prall sein soll. Aber wir kommen definitiv für den Ryfylkeweg und den Lysefjord noch mal wieder!

Liebe Grüße, Michael

moensters am 02 Aug 2018 22:14:19



Den Fjord entlang

Was für ein Geschenk der Tag gestern war! Denn heute haben wir mal wieder graues Wolkenwetter. Nicht wirklich schlecht, aber wenn man von den vergangenen Tagen so verwöhnt ist, schon etwas enttäuschend.
Wir lassen uns die Laune aber nicht verderben und fahren weiter die Küste Richtung Utne entlang. Und ob es das Wetter ist oder die Lage auf der Halbinsel: Hier ist verkehrstechnisch echt tote Hose. Kaum mal kommt uns ein Fahrzeug entgegen. Sehr entspannt!
Unterwegs bestaunen wir die Obsthöfe des Hardangerfjords. Man fährt hier wirklich mitten durch die Obstplantagen und alle naselang steht ein Häuschen, wo man sich Moreller (Kirschen) oder Plommer (Pflaumen) holen könnte.
Am Rastplatz Hesthamar hat man einen tollen Überblick über den Fjord.
Und das Steinkrossen ist auch ganz fotogen.
Wir ändern unseren ursprünglichen Plan, wieder mit der Fähre überzusetzen und in Kinsarvik am östlichen Ufer weiterzufahren. Denn eigentlich gefällt es uns ganz gut auf der Folgefonn-Halbinsel. Und das die Straße ab Utne größtenteils zweispurig ist (also: für jede Fahrtrichtung eine eigene Spur, was in Norwegen ja nicht selbstverständlich ist…) finden wir auch ganz gut - warum also wechseln?
Kurz vor Aga machen wir eine kleine Kaffeepause. Den Rastplatz dort haben die Leute schön vorbereitet. Sogar eine schöne gelb gestrichene Bank gibt es für die Besucher. Wir richten uns dort häuslich für unser Kaffeepäuschen ein und können auch der bewölkten Aussicht auf den Fjord etwas abgewinnen.
Next Stop: Odda. Hui, das ist ja eine richtig Große Stadt! Mit Industrie! Und einem Stadtkern! Mit FuZo! Und so vielen Geschäften… Sind aber trotzdem laut Wikipedia nur 6923 Einwohner - norwegische Verhältnisse!
Hinter Odda können wir kurz einen Blick auf den Bruabreen erhaschen, der im mystischen Licht vor uns liegt. Ist schon mal als Ziel für die nächste Norwegenreise notiert.
Ausgerechnet bei der nächsten Touristenattraktion, dem Låtefossen, ist die Straße wieder mal eher knapp bemessen - wie die da noch den Platz für eine Souvenirbude und zumindest eine Handvoll Parkplätze gefunden haben ist schon bewundernswert. Und wie es der Zufall will, kriegen wir den vorletzten der ausgewiesenen Parkplätze- Mehr als ein Fahrzeug muss in Ermangelung von Platz einfach weiterfahren oder stellt sich kurz in zweiter Reihe hin. Was zu einer sehr hektischen und unübersichtlichen Parksituation führt, wo dann auch gerne mal energisch gehupt wird. Komische Atmosphäre!
Aber der Doppelwasserfall ist wirklich sehenswert. Da wird das Wort Wasserkraft wirklich erlebbar! Die Luft ist mit der Feuchte des Wassers geschwängert, dass beim Herabtosen in der Luft herumschwirrt. Geduscht haben wir diesmal aber nicht…
Auf unserer Weiterfahrt Richtung Røldal geht es mal wieder ein gutes Stück bergauf. Belohnt werden wir mit einem letzten fantastischem Ausblick zurück in das Tal durch das wir gekommen sind.
Richtung Røldal wird es zusehends karger und fjelliger. Der lange, eher schmale, viel befahrene Røldal-Tunnel mit ohne Mittellinie ist dann noch mal ein Nervenkitzel der besonderen Art, den ich lieber nicht so oft habe. Danach weiß man auf jeden Fall, was ein Tunnelblick ist.
Wir steuern den ersten Campingplatz des Ortes an. Im Seim Camping sucht man sich einfach einen Platz aus und geht dann zur Rezeption. Wir vollbringen ein kleines Wunder und finden auf Anhieb(!) einen guten Platz, an dem man nichts mehr korrigieren muss. Dass ich das noch erleben darf!
Wir setzen uns anschließend noch kurz zum Abendessen und Leute gucken nach draußen. Interessant, dass viele Leute ganz ähnliche Suchstrategien haben. Wir können bald schon vorhersagen, welcher Platz wohl als Nächstes ausprobiert wird…
Es wird uns dann aber doch recht bald schon zu kühl (schönen Gruß nach Deutschland an die Hitzegeplagten!), so dass wir seit langem mal wieder einen Abend lieber drinnen als draußen verbringen. Schön gemütlich!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Klemme am 03 Aug 2018 08:40:47

Hallo Michael, deine Berichte sind sooooo herrlich und weißt du warum? Noch sitze ich im Büro am PC aber genau in einer Woche geht es los und wir haben fast die selben Ziele gesteckt wie ihr, Vorfreude pur !!!!!!
Viel Spaß euch noch und Grüße von Andreas

moensters am 03 Aug 2018 09:19:39

Oh, wie toll, Andreas! Unter anderem dafür mache ich das ja auch so gerne.

Ich drück dir die Daumen, dass ihr wettermäßig auch so viel Glück habt!

Liebe Grüße, Michael

moensters am 04 Aug 2018 11:08:37



Der Schlüssel

Ein Drama in 5 Akten
Prolog
Gestern abend haben es ein paar Kuschelcamper geschafft, sich auf dem wirklich großen Campinggelände 1m neben uns zu stellen. Respekt! Wir fühlten uns auch gar nicht durch deren Hantieren an ihrem Fahrzeug gestört. Top Ebayer, gerne wieder.
Wir machen noch eine kleine Hunderunde zum See und finden die Regentropfen auf den Pflanzen irgendwie auch mal ganz romantisch. Regen! Hatten wir ja noch gar nicht so viel in diesem Urlaub.
Erster Akt: Die Landschaft
Wir flüchten mal wieder vor dem grauen Nieselwetter. Da für den Südwesten nur grau-in-grau angesagt ist, legen wir die Telemark als Ziel fest. Da soll die Sonne scheinen.
Als wir dann über die Hardangervidda, dieses karge Felsplateau, fahren, sind wir mit dem Wetter aber fast schon versöhnt. Passt irgendwie zu dieser unwirtlichen Landschaft. Wir tippen noch, ob die Temperaturen in den einstelligen Bereich gehen könnten, aber bei 12° ist dann doch Schluss. Mitleidig denken wir an die Armen, die Zuhause unter der Hitzewelle leiden.
Da der Nieselregen immer mal wieder aufhört, machen wir einen Stop an einem Parkplatz, wo ein Norweger sich ein Tipi als Imbissbude hergerichtet hat.
Und während Annette Waffler und Geitost (Ziegenkäse) kauft, mache ich ein paar Fotos von dieser wilden Landschaft.
Wir haben heute richtig viel Zeit und machen daher einen Fotostopp nach dem anderen. Kurz vor dem Vågslid-Tunnel sieht es gerade mit einem Hauch Sonnenlicht besonders dramatisch aus. Schnell wieder raus, bevor die Sonne weg ist! Annette nimmt die Hunde, ich die Kamera und auf geht’s!
Zweiter Akt: Der ADAC
Als ich begeistert wieder zum MoMo zurückkehre, fühle ich in meine Hosentasche. Nix. Ach ja, den Schlüssel hattest du ja in der Jackentasche. Ups - nix. Ich werde doch nicht…? Nachdem alle Taschen durchsucht sind, bringt ein Blick ins MoMo Gewissheit. Da liegt der Schlüssel auf der Küchenzeile. Sch#’?sse!
Naja, dann rufen wir halt den ADAC an. Die helfen ja schnell. Und vorbildlich. Die Erfahrung hatten wir vor 5 Jahren gemacht, als unser Womo in St. Tropez aufgebrochen wurde, weswegen ich wohl auch heute brav alles abgeschlossen hatte. Trauma. Denn an dieser Stelle hätte sich sicher kein Diebesgesindel rumgetrieben…
Erster Versuch: „Bitte haben sie Geduld.“ Natürlich, ist bestimmt viel los bei euch. Ich nutze in der Zeit, die ADAC-App, um meine Panne mit Koordinaten und allen Angaben schon mal durchzugeben. Wie praktisch! Jetzt soll man nur noch telefonisch den Auftrag bestätigen und ab geht die Luzie. Toll! Nach 6 Minuten fliege ich aber aus der Warteschleife. Tut, tut, tut.
Zweiter Versuch: „Bitte haben sie Geduld.“ Naja, kann ja mal passieren. Noch mal angerufen. Nach 6 Minuten fliege ich aus der Warteschleife. Tut, tut, tut.
Dritter Versuch: Ich rufe die deutsche Hotline an. Da stimmt wohl was nicht. „Ja, bei mir sind sie hier falsch, sie sind ja in Norwegen.“ Achwas. „Ich verbinde sie jetzt…“ Warteschleife. Nach 5 Minuten meldet sich die gleiche Dame noch mal: „Das ist ja wirklich komisch, da geht wirklich keiner ran. Dann versuchen sie es doch bitte selber noch mal. Irgendwann wird es schon klappen. Ach, sie haben die Daten schon mit der App gemeldet. Ja, das ist noch im Erprobungszustand. Im Ausland funktioniert das nicht.“ Echt jetzt? Das ist alles? Es ist.
Vierter Versuch: Ich rufe noch 2x die internationale Nummer an. Nach 6 Minuten fliege ich aus der Warteschleife. Tut, tut, tut. Mein Vertrauen in den ADAC ist komplett geschwunden.
Fünfter Versuch: Wir stehen mittlerweile seit einer halben Stunde doof in der Landschaft rum. Also doch noch mal die deutsche Hotline? „Ich verbinde!“ „Aaaargh!“ Aber wie durch ein Wunder habe ich diesmal einen echten Menschen an der Strippe, der alles für mich aufnimmt. „Sie kriegen in der nächsten halben Stunde einen Anruf vom Pannendienst aus Norwegen. Schlüsseldienst ist übrigens mit 100€ gedeckelt, den Rest werden sie dann selber zahlen müssen. Tschüssi!“
Innerlich formuliere ich schon mal meine Kündigung.
Dritter Akt: Das Warten
Nun stehen wir also da. Es setzt ein leichter Nieselregen ein und was wir am Himmel auf uns zukommen sehen, verheißt nichts gutes. 12°. Immerhin haben wir beide unsere Regenjacken an. Annettes Hose ist aber nicht wirklich für diese Temperaturen gemacht und mein T-Shirt unter der Regenjacke wärmt auch nur so mittelprächtig.
Von norwegischer Stille ist übrigens auch keine Rede, denn die Entlüftung des Tunnels röhrt auf Hochtouren. Auf Dauer ganz schön laut. War mir noch nie so aufgegangen, dass es vor einem Tunnel laut sein könnte…
Nach einer halben Stunde ruft der norwegische Pannendienst an. Hurra! Und nach ersten Verständigungsschwierigkeiten haben wir auch unsere Position durchgegeben (sollte das nicht der ADAC machen…?) und kriegen das Versprechen, dass der Pannenhelfer gleich da sein werde. „Wann ist denn gleich? In 20 Minuten?“ frage ich angesichts unserer Panne in the middle of nowhere. “Och, so 1-1,5 Stunden!“ Meine Kinnlade klappt runter. Es fängt an zu regnen.
Gottseidank gibt es neben dem Tunnel eine Art Schutzhütte im Fels. In dieses Refugium mit seinen weichen Sesseln, die wir durch die Scheibe sehen, kommen wir zwar nicht rein, aber immerhin gibt es einen 40cm tiefen Unterstand, so dass der meiste Regen an unser vorübergeht. Außerdem ist hier das Lüftungsröhren des Tunnels kaum noch zu hören. Es könnte schlimmer kommen…
Wir betrachten, wir die Landschaft vor uns im Wolkensuppenmeer versinkt. Der Regen wird stärker. Schon eine Stunde geschafft. Jetzt könnte er doch langsam kommen…?
Mia zittert mittlerweile und auch Annettes Bewegungsprogramm kriegt uns nicht wirklich wieder warm.
Annette hat noch die Idee, dass wir wetten können. Wie viele Autos kommen noch aus dem Tunnel gefahren, bis unser Pannenhelfer da ist. Ich schätze 30, sie legt sich auf 50 fest. Nach 50 Fahrzeugen sind 1,5 Stunden vergangen. Ich rufe noch mal in Norwegen an. „Der müsste gleich da sein.“
Vierter Akt: Öffnungsversuche
Er kommt. Hurra! Ab jetzt geht alles ganz einfach. Hat man doch schon tausendmal gehört. Das sind Profis, die machen einmal ritsch, einmal ratsch und zack ist das Ding offen. Easy!
Nicht bei uns. Der Anfang sieht noch vielversprechend aus. Mit Luftbeuteln wird die Fahrertür etwas aufgepumpt, damit das Öffnungswerkzeug passt, aber unser wortkarger, hagerer blonder Helfer guckt hier, guckt da, schüttelt mit dem Kopf. Zu wenig Platz und er habe Sorge, dass das Fenster springe, wenn er noch weiter pumpe. Ernüchterung.
Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten ins Fahrzeug zu kommen. Die Aufbautür soll doch ein leichtes Opfer sein! Also wird ein Set Dietriche, ein paar Drähte und ein Schraubendreher ausgepackt. Und gefriemelt und geporkelt und gedreht. Einzig: Das erlösende Klack! ist nicht zu hören.
Eventuell das Küchenfenster? Aber das hat Verschlüsse, die man von innen ja auch noch drücken muss. Fällt also auch flach.
Ich habe die rettende Idee: Wir haben doch den Außenzugang zu unserem Kleiderschrank! Und die Knebelverschlüsse lassen sich doch viel leichter öffnen als die manchmal hakelige Aufbautür! Wir versuchen alles. Und scheitern. Och!
Die Hunde haben es sich mittlerweile unter dem MoMo gemütlich gemacht.
Fünfter Akt: Erlösung
Unser Blonder Engel wirkt zusehends ratlos. Aber irgendwas versucht er dann doch immer noch. Jetzt geht es wirklich ans Küchenfenster. Nachdem er uns gefragt hat, ob es okay wäre, wenn das dabei auch zu Bruch ginge. Er könne für nichts garantieren. Letztes Jahr hätte ein Kollege von ihm das auch so lösen müssen. Also gut, versuchen wir’s!
Mit Keil und Zollstock bringt er das Fenster so unter Spannung, dass er mit seinem Öffnungswerkzeug, einem langen dicken, so gerade noch biegbaren Metallstab, tatsächlich hineinkommt. Wir sind immerhin schon mal mit etwas im Fahrzeug! Aber das Öffnen der Knebel kann so nicht gelingen und da hat unser Norweger einen genialen Einfall: Man müsste doch nur mit dem Stab auf die Schlüsselfernbedienung drücken, oder? Na klar!
Mit viel Ächzen und Stöhnen und Drehen und Nachbiegen gelingt ihm das Kunststück dann: Klack! Was ein erlösendes Geräusch!
2 Stunden hat unser Retter für seine Heldentat gebraucht. Aber wie durch ein kleines Wunder ist tatsächlich nichts am MoMo kaputt gegangen und wir können, nach „Tusen Takk“ und Aushändigung eines Feierabendbierchens für unseren Helfer, einfach so weiter fahren. 5 Stunden Zittern im buchstäblichen und übertragenen Sinne wegen eines blöden, vergessenen Schlüssels. Beziehungsweise: Wegen Verriegelns und Verrammelns an einem Ort, wo das komplett unnötig war…
Epilog
Die Weiterfahrt zu unserem Stellplatz im Furufjell in der Nähe von Åmot ist dann im teilweise wunderschönen Abendlicht eine wahre Erholung. Breite Straßen, Entspannung, Schreck aus den Gliedern kriegen, Wärme tanken.
Wir belohnen uns am Ende mit einem wunderbaren Platz in absoluter Stille an einem kleinen See. Und die Sonne scheint auch schon wieder ein bisschen!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Lancelot am 04 Aug 2018 11:18:48

Oh je - schöner Mist ... :troest: ... mit schließlich doch noch glücklich gutem Ausgang :gut:
:)
Überleg Dir das mit der ADAC-Kündigung nochmal : wer sonst hätte Dir dort helfen können ?

Gute Weiterreise - ohne Pannen :)
dafür mit noch vielen solchen fantastischen Fotos :ja:

Knoelles am 04 Aug 2018 13:40:46

Hallo Michael,

deine Reiseberichte lese ich immer wieder gerne. Locker, lustig manchmal auch richtig spannend. Bei Deinem Talent hättest Du auch als Profi ne gute Chance zumal auch die Fotos höheren Ansprüchen genügen.

Darf ich daher mal nach Deinem Equipment fragen. Welche Kamera (RAW oder jpg) Vorsatzfilter und Software zur Nachbearbeitung benutzt Du.

Da Norwegen auch unser liebstes Reiseland ist, freuen wir uns schon jetzt auf den nächsten Bericht und wieder viele schöne Bilder.

Auch von hier „Danke für s Mitnehmen. :ja: :bia:

moensters am 04 Aug 2018 15:09:29

Danke für die Blumen, Wolfgang und Knoelles!

Ja, der Ärger über den ADAC war eher momentan - dafür war die Pannenhilfe in der Vergangenheit eigentlich immer super. Ich hoffe nur, dass das nicht eine neue "Qualität" beim ADAC bekommen hat... Unser Erlebnis war auf jeden Fall kein Ruhmesblatt...

Meine Fotoausrüstung ist die eines ambitionierten Amateurs. Mehr nicht. Kein Vollformat und keine sündhaft teuren Objektive. Hätte ich aber gerne... ;-)
Hardware: Sony A77II mit 16-50mm/2.8, 85mm/1.4 und 70-300mm/4.5-5.6, ein Polfilter, ein 1000er Graufilter für Langzeitbelichtung und iPhone X
Software: Lightroom, Nik Color EFEX Pro und gerne auch die simple, aber effektive Bildbearbeitung am iPhone. Dort habe ich gerade als "Pro"-App "Obscura2" für mich entdeckt und bin schwer verliebt. Genau das, was ich mir am iPhone immer gewünscht habe, wenn es mal etwas mehr sein soll. Gibt es momentan sogar kostenlos(!) statt 5,49€, wenn man die App über die "Apple Store"-App runterlädt. Dicke Empfehlung.

Knoelles am 04 Aug 2018 18:20:51

Danke für die ausführliche und schnelle Antwort. Dein Equipment ist wohlgewählt und wie an den Ergebnissen zu sehen, kann man damit hervorragend arbeiten.

Obscura2 finde ich im Apple Store nicht. Im App Store 5,49 werde ich trotzdem mal testen. Bewertungen hören sich gut an.
Guter Tip :ja:

Unsere 1. Reise auf die Lofoten liegt schon über 40 Jahre zurück aber die Faszination ist ungebrochen.
Die nächste Scandinavienreise ist schon wieder in Planung. Es gibt soviel zu entdecken :lol:

moensters am 04 Aug 2018 21:15:51

Wegen Obscura: Du musst auf dem iPhone die "Apple Store"-App laden. Dort gibt es dann unter dem "Entdecken"-Reiter und dann ziemlich weit unten den Hinweis auf Obscura. Man erhält dann einen Code, mit dem man im Appstore die App kostenlos statt für 5,49€ laden kann.

Knoelles am 04 Aug 2018 22:10:10

moensters hat geschrieben:Wegen Obscura: Du musst auf dem iPhone die "Apple Store"-App laden. Dort gibt es dann unter dem "Entdecken"-Reiter und dann ziemlich weit unten den Hinweis auf Obscura. Man erhält dann einen Code, mit dem man im Appstore die App kostenlos statt für 5,49€ laden kann.


Aah ja, gerade heruntergeladen. Funzt auch auf dem iPad. Prima :ja:

moensters am 05 Aug 2018 18:09:39

Elchland
Nach einer herrlich ruhigen Nacht an unserem See starten wir mit einer kleinen Wanderung aufs Furufjell. Viel wissen wir eigentlich nicht. Nur, dass der Weg direkt an unserem Stellplatz losgeht, dass es einen Höhenunterschied von 200m gibt und dass jemand bei Park4night geschrieben hat, dass es 45 Minuten Weg sind. Kann also so schlimm nicht werden.
Wird es auch nicht. Der Weg ist gut gekennzeichnet, geht immer bergauf, aber nie so steil, dass man schlimm ins Schwitzen gerät. Von unten ist es oft moosig moorig. Nass! Kein Weg für Leute ohne Wanderschuhe!
Ansonsten aber prima. Mit allem, was einem als Skandinavienreisendem so gefällt. Birken, Flechten, Blåbärfelder. Und, wenn man mal stehen bleibt: absolute Stille. Herrlich.
Was es besonders prickelnd macht: Ebenfalls an unserem Parkplatz soll wohl auch der Startpunkt für eine Elchsafari sein und wir haben gestern schon gedacht: Wo sollen wir auf einen Elch treffen, wenn nicht an diesem einsamen See? Also halten wir Augen offen. Aber vorerst: Kein Elch in Sicht.
Dann wird es spannend: Mitten auf dem Weg: Runde Köttel, die aussehen, wie die billigen kleinen Schokoladeneier, die es immer eingepackt in bunter Silberfolie zu Ostern gibt. Hier ist es aber tatsächlich: Elchlosung! Annette ermutigt mich, sie mal zu probieren, um die Frische zu bestimmen. Ich lehne dann doch dankend ab.
Als wir oben auf das Furufjell kommen, ist immer noch kein Elch zu sehen. Dafür aber ein tolles Panorama mit beträchtlicher Fernsicht. Auch nicht schlecht!
Das Wetter heute ist zum Wandern perfekt. Nicht zu heiß, nicht zu kalt und meistens freundlich sonnig mit ein paar Wolken. Nur als wir in Richtung Westen gucken, genau dahin, von wo wir gestern gekommen sind, sehen wir ein dickes Regenband kommen. Es wird doch nicht…? Nein, es schwenkt brav in ein Tal vor uns ab. Das wäre ungemütlich geworden!
Stattdessen können wir weiter nach Elchen suchen. Es gibt einige Seen und Gebiete, die wieder sehr attraktiv für die Langbeiner sein müssten. Und so leicht übersehen kann man so große Tiere doch auch nicht! Aber wir finden: nichts.
Auf dem Rückweg ernten wir noch ein paar Moltebeeren, die wir hier erstmals in größerer Anzahl vorfinden. Lecker!
Den Rest des Tages verbringen wir dann ganz unaufgeregt am See. Stühle raus, Kekse raus. Gut gehen lassen. Abends noch lecker Grillen. Es kann so einfach sein!
Ach ja, der Sonnenuntergang war auch nicht so ganz schäbig. Nur einen Elch, den haben wir bis Ende des Tages. nicht gesehen…

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 05 Aug 2018 22:40:54



Überraschung Telemark

Wir verlassen unseren schönen Platz am See und fahren Richtung Süden. Ein sehenswerter Aussichtspunkt liegt quasi an der Strecke, wenn man für ein paar Kilometer den sicheren Asphalt mit einer urigen Schotterpiste tauscht. Lohnt sich!

Ravnejuv
Man landet dann nach einer sich wieder mal bergauf, bergab windenden Straße am Ravnejuv. Das ist diesmal ein Aussichtspunkt für Fußfaule. Der Parkplatz ist direkt an der Straße und der Weg zur Aussicht ist gerade mal gute 100m lang.
Das Warnschild zu Beginn sollte man aber trotzdem beachten. Wenn man die 350 Meter Richtung Talgrund guckt, wird einem schon anders.
Zumal, da hier gar nichts in irgendeiner Form gesichert ist. Es ist jedem selbst überlassen, wie nah er sich an die Kante begibt. Und wenn man am Überhang sieht, dass der Fels schon an einem Stück ganz schön gebröselt ist und demnächst sicher mal wieder ein dicker Otto Richtung Tal knallt, wird einem schon anders…
Wir fahren weiter Richtung Dalen, dem kleinen Örtchen am Ende des Telemark-Kanals. Für einen Augenblick überlegen wir, ob wir einfach am großen Stellplatz am Seeufer des Bandak-Sees bleiben. Aber die Abenteuerlust ist dann doch größer. Ab hier geht es dann steil(!) über mehrere Serpentinen hinauf Richtung Eidsborg. Das hat schon Trollstigen-Niveau!
An der Einfahrt zum Wanderparkplatz müssen wir erst mal kurz auf Nummer Sicher gehen: Also da fahren wir jetzt wirklich rein? Okay… Gut, dass es am Ende des schmalen Weges einen etwas breiteren Parkplatz gibt.
Lårdalsstigen
Wir bereiten uns auf eine nette, unkomplizierte Panoramawanderung oberhalb des Sees vor. Denn wir sind ja schließlich schon auf den ganzen Serpentinen den Berg hochgefahren, oder?
Nun, es stellt sich heraus, dass der lokale Tourismusverband den Mund voll nimmt: „Besser als Bessegen“, der berühmte Hike in Jotunheimen sei der Lårdalsstigen. Ähnlich wie in Bessegen macht man den Weg in eine Richtung und fährt dann zurück mit dem Schiff über den See. Ähnlich wie in Bessegen gibt es wohl auch eine Passage, für die man besser schwindelfrei ist, weil man über ein schmales Teilstück gehen muss, dass zu beiden Seiten hin abfällt. Wir bleiben aber entspannt, da wir ohnehin nicht die ganze Strecke machen wollen und das schmale Teilstück erst ganz zum Schluss käme.
Wir machen uns also auf den bestens markierten Weg und genießen das sonnige Wetter mit dem leichten Wind. Perfektes Wanderwetter!
Zunächst geht es leicht aufwärts und entspricht dem, was wir uns vorgestellt haben. Mit Abstrichen. Denn den See kann man zunächst leider gar nicht, oder nur ein bisschen sehen. Zu viel Wald…
Aber da der Weg trotzdem abwechslungsreich ist und vor allem ordentlich steil nach oben geht, vergeht die Zeit bis zum ersten Aussichtspunkt dann doch schnell. Und wenn man dann diese tolle Aussicht über die Breite des Sees genießen kann, hat das schon was. Sehr toll!
Besonders sind auch die krisseligen Wellenmuster auf dem Wasser, die fast wie ein sich ständig ändernder Fingerabdruck aussehen.
Aber wir sind bei weitem noch nicht „oben“. Denn auch von hier kennt der Weg nur einen Weg: aufwärts. Und zwar steil. Das verrückteste an der Sache: Er lotst uns zum alten Bauernhof Urdalen, von dem nur noch das Fundament steht. Wie man auf die Idee kommen konnte, an dieser Stelle ein Haus, geschweige denn einen Bauernhof errichten zu wollen, ist aus heutiger Sicht völlig irre. Home of crazy Bauernhöfe. Aber mit einer geilen Aussicht!
Bis zum nächsten Aussichtspunkt kommen wir auch noch und finden auch hier den Blick wieder phänomenal. Aber weiter wollen wir heute dann auch nicht gehen. Ist aber für „kann man gerne noch mal machen“ notiert.
Wir haben festgestellt, dass es am Ende des Weges, in Lårdal, einen Campingplatz geben soll, der nicht schlecht ist. Da es uns hier gefällt, wird das also unser Tagesziel.
Auf dem Weg dorthin machen wir noch Station an der Stabkirche von Eidsborg und dem Telemark-Museum, das für die Kinder draußen einen kleinen Telemark-Kanal nachgebaut hat, wo man Schiffchen fahren lassen kann und Schleusen bedienen muss. Cool!
Die Stabkirche ist ein von der kleineren Sorte und wir belassen es diesmal bei einer Besichtigung von außen. Reicht auch.
Als wir schließlich in Lårdal ankommen, sind wir ganz überrascht. Ein solch großes und vor allem fast schon idyllisches Örtchen hatten wir am Ende dieser Straße gar nicht mehr erwartet. Gefällt uns!
Der Campingplatz ist winzig, aber für uns gibt es noch ein Plätzchen. Und als ich sehe, dass vor der Rezeption ein Mann eine sehr ansehnliche Pizza verspeist, kommt mir der Gedanke für das Abendessen. Wir lassen mal für uns kochen! Oder besser backen. Und gut, dass ich nachgefragt habe: Die Pizza ist nämlich so riesig, dass sie uns beide mehr als satt macht. Und geschmacklich war es auch eine eher positive Überraschung - leckerer, fluffig Teig und satt belegt. Mal was anderes!
Wir sind bisher äußerst überrascht, wie gut es uns in der „beschaulichen“ Telemark gefällt!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 06 Aug 2018 23:34:33

Von Norwegen nach Norwegen
Es ist grau.
Es regnet.
Es sind 14°.
Abfahrtswetter.
Wir hatten den Wetterbericht jetzt schon länger verfolgt und für Norwegen ist eine durchwachsene Vorhersage das höchste der Gefühle. Es zieht uns daher zurück ins sonnige(re) Schweden.
Also machen wir das MoMo startklar und machen uns auf den weiten Weg nach Osten. Obwohl, weit ist es ja gar nicht. Wir haben nur knappe 300km vor der Brust. Aber in Norwegen heißt weit dann halt auch: lang.
Da unser Campingplatz sehr basic ist, gibt es keine Entsorgungsstation für Grauwasser und Toilette. Aber die gibt es hier in Norwegen ja in regelmäßigen Abständen. Wir steuern also diejenige in Seljord an, weil sie ohnehin auf der Strecke liegt. Was wir dort vorfinden ist eine komische Mischung aus perfekt und unpraktisch. Die einzelnen Klappen sind mit „A“ (Grauwasser), „B“ (Toilette) und „C“ (Frischwasser) gekennzeichnet. Da kann man schon mal nichts falsch machen.
Hinter Klappe A versteckt sich dann eine flache fahrbare Wanne mit Ablaufschlauch, welche sogar bewässert wird. Einziger Nachteil: Das Ding ist so hoch, dass es unter kein Wohnmobil der Welt passen würde. Was tun? Wir fahren das MoMo auf Keile, damit die Wanne passt. Dann läuft das Grauwasser auch vorbildlich ab - mit dem kleinen Nachteil, dass durch die Schräglage ein Rest Stinkewasser im Tank verbleibt. Hmmmm…..
Auf der weiteren Stecke verschwindet dann immer mehr das schroffe, bergige Norwegen und wird hügelig, bis es in Skien dann wirklich schon ziemlich unspektakulär ist - das normale Skandinavien hat uns wieder. Byebye Gletscher, byebye Fjorde, byebye Wasserfälle!
Woran ich mich wieder gewöhnen muss: Hier ist richtig Verkehr! Nix mit Einsamkeit! An einer Kreuzung nimmt mir sogar ein PKW mit quietschenden und qualmenden Reifen die Vorfahrt - willkommen in der Zivilisation.
Um den ganz dicken Verkehr rund um Oslo zu umgehen nehmen wir die Fähre von Horten nach Moss. Ein halbstündige Fährpassage über den Oslofjord ist das, bei der wir zwar die abfahrende Fähre knapp verpassen, aber trotzdem nicht sehr lange auf die Nächste warten müssen.
Und als wir auf die Fähre fahren, fühlt es sich an, als wäre das dann auch das Schlusskapitel unserer Norwegenreise.
Ist es aber nicht, denn wir fahren hier, auch wenn es über den Oslofjord auf die „schwedische“ Seite geht, von Norwegen nach Norwegen.
Und da wir hier in der Nähe den tollen Stellplatz in Grimsøy in bester Erinnerung haben, fahren wir noch ein paar Kilometer weiter Richtung schwedische Grenze, um einen letzten Abend in Norwegen zu genießen - auch wenn die Schärenlandschaft hier schon sehr nach Schweden aussieht.
Zunächst ist es, wie schon den ganzen Tag, bedeckt, aber abends kommt dann noch mal für einen Moment die Sonne raus.
Aber so schnell wie sie gekommen ist, so schnell ist sie dann auch wieder von den nächsten grauen Wolken verschlungen. Gut, wenn man schon so viele schöne Sonnenuntergänge in diesem Urlaub erlebt hat - da ist der eine vergurkte irgendwie gar nicht mehr so schlimm…

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Klemme am 07 Aug 2018 09:06:20

Hallo und danke das du uns auf deiner Reise mit genommen hast. Ich hoffe der Temperaturschock von hier seit Wochen über 30 Grad wird nicht zu krass für uns,wir werden eventuell einige deiner Etappen nach fahren und freuen uns wie Bolle.
Schöne Tage noch und Grüße von Andreas.

CCHT am 07 Aug 2018 09:23:05

Hallo Michael,

ja ja, das mit den Schlüsseln... kennen wir auch.

Das erste Mal in Irland, damals noch mit einem gemieteten Womo. Schlüssel drin, wir draußen.
Das Badezimmerfenster war zum Glück in der Lüftungsstellung und wir bekamen es leicht auf, aber der Schreck saß.

Das zweite Mail dann in Schweden, hier mit dem Auto. Schön einsam am See in den småländischen Wäldern.
Auto abgeschlossen, Badeshorts hatte ich schon an. In Gedanken den Schlüssel in die Hosentasche gesteckt und ab ins Wasser.
Gemerkt hatte ich es dann erst als wir wieder weg wollten, alles an Land abgesucht und dann die Vermutung, dass der Schlüssel wohl mit baden gegangen ist.
Unser Glück war, dass das schwedische Seewasser so schön klar und sauber war und ich "nur" rund eine halbe Stunde suchen bzw. tauchen musste. Die Schüsselelektronik hat es sogar überlebt.

Was lehrt uns das für die Zukunft? Meine Frau hat immer einen Ersatzschlüssel dabei und ich kaufe mir nie wieder Badeshorts mit Taschen!

Gruß
Christoph

haroba am 07 Aug 2018 09:52:55

Moin Michael!

Danke fürs Mitnehmen. Wir haben Eure Reise also auch mitgemacht.
Im Juni/Juli 2018 waren wir in Norwegen. Einige Eurer Stellen haben wir ebenfalls besucht.
Die Entsorgung in Seljord fand ich sehr gut. Vor allem war alles blitzsauber durch die permanente Spülung des Ausgussbeckens.

Unseren Reisebericht Norwegen 2018 (2013, 2011) findet Ihr auf unserer Hocmepage.
Andreas, wahrscheinlich sind dort auch Tipps für Eure Reise dabei.

Michael, kommt gut nach Hause.

Munterholln!
Hartmut

volkermuenster am 07 Aug 2018 11:02:04

Hallo zusammen,

zuersteinmal an "die Moensters": Tolle Berichte und Fotos habt ihr auf eurem Blog. Ich lese begeistert mit. Klasse!

Dann an CCHT:
CCHT hat geschrieben:Was lehrt uns das für die Zukunft? Meine Frau hat immer einen Ersatzschlüssel dabei und ich kaufe mir nie wieder Badeshorts mit Taschen!


SUUPER! :lol:

Schönen sonnigen....
Volker

moensters am 07 Aug 2018 22:19:20

Vielen Dank an alle für die warmen Worte und an Christoph fürs Teilen deiner Schlüsselerlebnisse - tut gut, zu wissen, dass man nicht der Einzige ist... :D

Da Norwegen jetzt für uns beendet ist, schreibe ich mal brav beim Schwedenthema weiter, dass ich vor 3 Wochen eröffnet habe: --> Link

Alle Norwegen-Fans können dort quasi unsere "Zugabe" mitlesen. Viel Spaß!

Liebe Grüße, Michael

Lancelot am 07 Aug 2018 22:57:16

Gut - wenn jetzt "Norwegen zu Ende" ist, will ich auch noch :
moensters hat geschrieben:... tut gut, zu wissen, dass man nicht der Einzige ist... :D

Keinesfalls der Einzige : Womo-Nachbarn gings ähnlich und auch der Versuch
- von uns
- vom Profi-Schlüsseldienst
irgendwie ins Fahrzeug zu kommen verlief keineswegs reibungslos ...
Wie die Verbrecher das hinkriegen .. :nixweiss:

Unsere (miterlebte) Geschichte dazu : --> Link

  • Die neuesten 10 Themen
  •  
  • Die neuesten 10 Reiseberichte
  • Die neuesten 10 Stellplätze

LPG antwortet zur Gasversorgung
Österr Tourist stirbt am Gletscher in Norwegen
Alle Rechte vorbehalten ©2003 - 2018 AGB - Datenschutzerklaerung - Kontakt