ich habe wegen Krankheit gerade ein paar Tage "Sonderurlaub" :eek: und konnte zuhause mal etwas aufräumen. Dabei sind mir ein paar uralte Reisetagebücher in die Hände gefallen. Bin gerade dabei, die damaligen Reisen anhand der niedergeschriebenen Erlebnisse noch einmal nachzulesen. Hier ist z.B. meine allererste Ausfahrt mit einem - damals noch gemieteten - Wohnmobil. Wenn Ihr Lust habt, mich auf diesem Zeitsprung zu begleiten, seid Ihr natürlich Alle wieder herzlich eingeladen. Ein kleines Wehmutstränchen muß ich Euch aber gleich abverlangen; es gibt diesmal leider keine Fotos zu diesem Bericht :cry: , die habe ich nämlich nicht dazu gefunden. Wohl wären die Bilder auch nicht mehr gut zu erkennen, das waren nämlich noch gute alte Polaroid-Fotos. Kennt Ihr noch diese Sofortbild-Kameras: Klick - 5 Minuten warten und wie durch Zauberei entwickelte sich dann allmählich das Foto. :)
Wir machen einen Zeitsprung zurück in das Jahr 1992, in den Wonnemonat Mai und jetzt geht es los! :)
Mit dem Wohnmobil auf "Großer Fahrt"
Das Wohnmobil, ein Wilk Aventura 480MC, hatte ich seinerzeit bei einem Vermieter in Bad Grund im Harz gemietet. Ich habe ein Bild solch eines Gefährts im Netz gefunden:

Ein Alkoven-Mobil auf dem Fahrgestell des Fiat Talento, dem "kleinen Bruder" des Ducato. Damals war das für mich ein tolles Anfängerfahrzeug. Die Maschine hatte wohl so um die 70 Pferdchen unter der Haube. :D
Die Fahrtroute des ersten Reisetages führte mich über die Autobahn A 7 südwärts bis zum Kasseler Kreuz, dann weiter auf der A 49 bis Fritzlar. Auf der Bundesstraße 485 gelangte ich zum Eder-Stausee. Laut meinen Aufzeichnungen war ich zuhause um 6:00 Uhr losgefahren und bereits gegen 8:30 am Edersee. Klar, daß um die Zeit da noch "tote Hose" war. :D Nach einer längeren Pause ging es weiter zur Halbinsel "Scheid", auch hier schien noch alles zu schlafen. Vielleicht lag das ja auch am regnerischen Wetter.
Nach einer Frühstückspause in einer Waldecke fuhr ich weiter über Korbach, Willingen, Brilon, Bestwig und Warstein zur A 44. Doch schon nach wenigen Kilometern fuhr ich an der Abfahrt Soest-Ost schon wieder von der Autobahn runter zum Möhnesee. Dieser Stausee, randvoll mit Wasser, hat eine Länge von etwa 8 Kilometern. In einem Gasthof wurde zur Mittagspause gehalten, anschließend einmal um den Stausee gefahren und dann ging die Fahrt zurück zur Autobahn A 44. An der Rastanlage Soester Börde an der A 44 sollte die erste Nacht damals verbracht werden. Weil es aber noch früher Nachmittag war, fuhr ich noch ein Stück weiter bis zur Rastanlage "Lichtendorf" an der A 1, kurz hinter dem Kreuz "Dortmund/Unna". Dort legte ich mich damals zur Ruhe. Aber aus der Ruhe wurde nichts, weil dauernd PKw, Busse und jede Menge LKW´s ankamen. Also fuhr ich gegen 21 Uhr noch ein Stückchen weiter zu einem Parkplatz. Heute, rund 25 Jahre später, weiß ich leider nicht mehr genau, wo das war. Meine Aufzeichnungen geben dazu keine genauere Auskunft. Dort jedenfalls legte ich mich endgültig in den TOP-Sleeper, den Alkoven. Leises Motorengeräusch und gleichmäßiges Rauschen eines Kühlaggregats halfen beim Einschlafen.
Der zweite Tag:
Erwachen auf einem Parkplatz an der A1. Der Wecker schrillt wie gewünscht um 4 Uhr in der Frühe; der frühe Vogel fing schon damals den Wurm! :D
Zum Frühstück gibt es Schinken mit Rührei. Ich glaube aber, daß das noch Reste vom Vortag waren. Ich habe das bestimmt nicht morgens frisch zubereitet! :eek:
Nach einer "Katzenwäsche" ging meine Tour weiter. Ich setzte mich wieder hinter´s Steuer und ab ging die Post.
Es herrscht reger LKW-Verkehr, an den Steigungen bilden sich rasch Schlangen dieser kraftstrotzenden Kolosse. Über Wuppertal, Remscheid und Leverkusen erreichte ich Köln. Die Morgendämmerung liegt noch über der Domstadt. Ein Chaos von Autobahnkreuzen tut sich auf.
Man bedenke: Diese Reise war damals meine erste Ausfahrt alleine. Im zarten "Alter" von 25 Jahren, zum ersten Mal "auf großer Fahrt".
Da soll ein armer, kleiner Dorfjunge noch durchsteigen bei so viel Autobahn. Die Uhr zeigt 5:30 Uhr. Nach einer Rundfahrt um Köln herum überquere ich die neue Rheinbrücke bei Rodenkirchen. Der Fluss ist hier riesig breit, etwa wie 1,5 Fußballfelder lang sind. Rechts ragt der Fluss bis an den Horizont, links kann man den Kölner Dom erkennen..
Runter von der Autobahn, Kehrtwendung und auf der Gegenfahrbahn nochmal über die riesige Rheinbrücke. Gleich dahinter verlasse ich die Autobahn und fahre auf der Bundesstrasse 9 am westlichen Rheinufer Richtung Bonn. Die Tankanzeige leuchtet auf; ich suche eine Tankstelle, aber noch ist keine geöffnet. Es ist erst 6:15 Uhr. Nach einer Pause auf einem Parkplatz erneuter Versuch. Diesmal klappt´s! :)
Mit randvollem Tank ging es hinein in die Bundeshauptstadt, die Bonn damals noch war! :)
Helmut, "Didi" und Co schlafen wohl um diese Zeit noch. Auf endlosen, mal vier-, mal sechsspurigen Straßen geht es durch die Stadt. Endlose Blechlawinen schleichen voran. In Bad Godesberg läd ein Parkplatz am Rhein zu einer Rast ein. Es ist herrliches Wetter; die Sonne strahlt auf "Vater Rhein". Schon bald ist das Fahrzeug innen von der Sonne aufgewärmt und weil die Müdigkeit sich langsam bemerkbar macht, mache ich in Remagen auf einem Campingplatz ( das war die "Goldene Meile" ) station. Der Platz liegt direkt am Rhein. Bei strahlendem Sonnenschein geht der 2. Tag zuende.
Der 3. Tag:
Nach einer erfrischenden Morgendusche und einem Blick auf den Rhein geht es weiter auf der B 9 am Fluss entlang. Ich durchfahre die Orte Andernach, Boppard, St Goar, Bacharach und Bingen. "Eine herrliche Landschaft ist das hier", stellt auf einem Parkplatz vor Bingen ein englisch sprechender Mann ganz richtig fest. :)
ab Bingen verlasse ich die Bundesstrasse 9 und fahre auf der Autobahn A 61 an Bad Kreuznach, Alzey, Worms und Ludwigshafen vorbei. In Hockenheim, wo die bekannte Rennstrecke ist, mache ich eine Rast. dann geht es über die B39 zurück nach Speyer. Am Dom vorbei und dann wieder auf die Bundesstraße B9.
Über Germersheim und Wörth erreiche ich Karlsruhe. Hier verläuft unsere gute, alte Bundesstraße 3, die auch durch meine Heimatregion verläuft. Ein Hinweisschild auf einen Campingplatz taucht auf. Da es schon fast 17 Uhr ist, beschließe ich, den anzusteuern. Die Sonne meinte es wieder gut, der Himmel erstrahlte in kräftigem Blau und kein Wölkchen trübte ihn. So ging auch dieser Tag zuende und ich war an dem Tag rund 300 Kilometer gefahren. Insgesamt zeigte der kilometerzähler 855 Kilometer an.
Der vierte Tag:
Nach einer Nacht auf dem Campingplatz Karlsruhe-Durlach, bin ich um 8:30 Uhr wieder durchgestartet. Fahrtziel war der Schwarzwald. Es ging auf der A 5 von Karlsruhe über Brühl, Achern, Offenburg und Laar nach Freiburg/Breisgau. Hier habe ich die Autobahn verlassen und bin in den Hochschwarzwald gefahren. Durch das "Glottertal", wo die "Schwarzwaldklinik" steht, die allerdings im Fernsehbild viel schöner ist, ging es zum 1241 Meter hohen Kandel den teilweise kurvenreichen und steilen Anstieg schaffte das Wohnmobil problemlos. Oben war eine herrliche Aussicht zu genießen.
Nach einer Pause ging die Reise weiter nach St. Peter, wo ich Mittagspause gemacht und Einkäufe getätigt habe. Nach längerem Aufenthalt ging es weiter zum Titisee.
Dabei war hier oben einschöner Rundblick zu genießen. Der schneebedeckte Feldberg überragte die grünen Berge. Dann war der Titisee erreicht. Auf dem campingplatz "Sandbank", direkt am see, war die Tagesetappe beendet. Auf dem in mehreren Terrassen angelegten Platz hat man eine schöne Aussicht über den See.
Der fünfte Tag:
Nach einem Frühstück ging es um 8:30 Uhr weiter. auf dem Tagesplan stand eine Schwarzwaldrundfahrt. Über den 1448 m hohen Feldbergpass fuhr ich zum Großparkplatz des Feldbergs (1493 m). Dort schaute ich mir die Gegend an und fuhr dann weiter, bergab nach Todtnau. Dort machte ich einen Stadtrundgang und fuhr dann anschließend weiter über Todtnauer Berg und Schauinsland ( 1284 m ) hinab nach Freiburg im Breisgau. der Schauinsland bietet einen herrlichen Rundblick ins Umkand. Das Wetter war sonnig und warm und die Sicht war sehr gut. eine kurvenreiche Strecke führte hinab nach Freiburg Ich fuhr an der stadt vorbei nach waldkirch. Von dort zweigte eine Pass-Strasse zum Kandel ab. Auch diese Strasse war ziemlich kurvenreich und ging bis auf 1241 m stetig und steil bergauf. Aber die Plagerei hatte sich auch jetzt wieder gelohnt, hatte man doch auch hier eine gute Aussicht. Und von der Winterzeit lagen sogar noch Scheereste herum. Nach einem Aufenthalt ging es über St. Peter und Titisee zum Schluchsee, wo auf dem dortigen Campingplatz Quartier bezogen wurde.
Der sechste Tag:
Um 9 Uhr bin ich vom Schluchsee gestartet, mein Ziel des Tages war der bekannte Rheinfall bei Schaffhausen in der Schweiz. Nach etwa 2 1/2 Stunden Fahrt durch den kühlen Morgen, war ich gegen 11 Uhr am Rheinfall. Es ist ein toller Anblick, wenn das Wasser über die Felsen rauscht... ganz besonders deshalb, weil ich auf dieser Reise auch auf Stellen geblickt hatte, wo der Fluss fast stillsteht. Nach einer längeren Rast am Rheinfall ging meine Tour dann weiter Richtung Bodensee. Endlich kam auch die Sonne wieder durch die Wolkendecke. So machte ich nach 140 Fahrtkilometern in Überlingen am Bodensee auf einem kleineren Campingplatz Station. Dieser Platz lag direkt am Bodensee, allerdings war dieser Abschnitt nicht als Badestrand geeignet. Außerdem liegt er ziemlich weit außerhalb, man muß schon gut 20 Minuten gehen, um ins Zentrum zu kommen. Nach einem Sonnenbad ging auch der 6. Urlaubstag zuende. Es bleiben leider nur noch drei Tage übrig, von denen zwei schon für die Rückfahrt gebraucht werden.
Der siebente Tag
Nach einer Nacht direkt am Bodenseeufer, ging es um 7:30 von Überlingen auf der B 31 nach Meersburg und Friedrichshafen. dort habe ich meine Reisekasse wieder aufgefüllt und einen Bummel über die Uferpromenade gemacht. Nach etwa 2 Stunden ging es weiter nach Lindau. Dort ging es auf die A 96, die ich aber nur wenige Kilometer befuhr, um dann auf der B 308 über Lindenberg und Oberstaufen nach immenstadt zu gelangen. Dort machte ich erst einen Ortsbummel und fuhr dann ein Stück zurück zum Albsee, wo ich auf einem Campingplatz in Bühl nächtigte. Eine Fahrt mit dem Tretboot auf dem See brachte Abwechselung in den Tagesablauf. Ein Sonnenbad am Nachmittag. Es war nochmal ein herrlicher Tag. Leider war es langsam Zeit, an die Rückfahrt zu denken. Bis jetzt sind auf dem Kilometerzähler 1539 Kilometer angezeigt.
Der achte Tag:
Nach dem Frühstück und einem letzten Blick auf den Albsee, ging es über Immenstadt auf der B 19 nach Oberstdorf. Dort habe ich einen Stadtbummel gemacht. Eigentlich wollte ich noch mit der Seilbahn zum Nebelhorn hoch, doch die Bahn war wegen Kontrollarbeiten noch nicht in Betrieb. So bin ich zum Auto zurück und langsam in Richtung Heimat zurück gefahren. Auf der B 19 bis Kempten und von dort auf der A 7 ganz gemütlich bis Ochsenfurt gefahren, wollte ich dort noch eine Übernachtung machen. Aber der Platz war nicht besonders gut, deshalb bin ich weiter gefahren. Als ich dann schon in der Rhön war, habe ich keine Pause mehr gemacht, sondern bin direkt nach Hause gefahren. Um 20:40 Uhr war ich zuhause angekommen; der Kilometerstand zeigte 2180 Kilometer an.
Es war ein wunderschöner Urlaub, der leider viel zu schnell vorüber war. Es war bestimmt nicht der letzte Urlaub, den ich auf diese Weise mit einem Wohnmobil gemacht habe.
ENDE
Zeitsprung zurück in die Gegenwart
So, liebe Forumskollegen; ich hoffe, dieser kleine Ausflug in meine Anfänge mit dem Wohnmobilfahren hat Euch ein Wenig gefallen. Diese Reise ist jetzt etwa 25 Jahre her und wenn ich diese Zeilen heute in meinem Reiselogbuch von damals lese, muß ich schmunzeln. Damals war ich echt ein Rennfahrer. Diese Tagesetappen in solcher Länge, das wäre heute nichts mehr für mich. In neun Tagen quasi einmal durch das halbe Deutschland und zurück, nee, das würde ich heute so nicht mehr machen. Da wird mir ja heute beim Lesen noch schwindelig.
Vielleicht hat Euch dieser kleine Ausflug in meine Vergangenheit gefallen, lasst es mich wissen. Dankeschön an dieser Stelle schon mal für Euer Interesse! :)



