In diesem Herbst sollte es mal wieder Griechenland sein. Da unser jüngerer Sohn mit Zelt auf den Spuren der gemeinsamen Reisen im Wohnmobil auf dem Peloponnes wandeln wollte, haben wir unsere diesjährige Wohnmobil-Reise ein wenig drumherum geplant. So ließen sich einige Treffen während des Urlaubs verwirklichen.
Unsere Reise ging vom 31. August bis zum 14. Oktober 2018. Wir haben dabei insgesamt 4.200 km mit dem Wohnmobil zurück gelegt. Auf beiden Strecken durch Italien haben wir uns noch ein wenig genauer umgesehen und die Orte Soragna, Corinaldo, Chioggia, aber besonders Ravenna und Venedig besichtigt.
Für die Überfahrt nach Griechenland haben wir die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa gewählt. Zurück ging es dann ab Patras. Die Abwicklung der Buchung hat für uns die Agentur „Linos-Travel“ in Igoumenitsa übernommen. Danach war für uns der Weg das Ziel zum und auf dem Peloponnes. Besichtigungen haben wir dort bei unseren vielen Reisen schon zur Genüge genossen. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Land und der Natur.
Was wir aber gerne angenommen haben, war die ungeheure Anziehung der unscheinbaren orthodoxen Kirchen. Während unsere Dome und die Kathedralen in Frankreich und England gewaltig nach oben streben und dadurch ihre Wirkung erzielen, sind es hier die kleinen Gotteshäuser mit den Kleinoden im Inneren. Erhardt Kästner schreibt in seinem Buch „Stundentrommel vom heiligen Berg Athos“ über die kleinen Kapellen: „Stein stellt was dar, wenn jemand Macht zeigen will. Stein steht für Unsterblichkeit. Holz aber, worin das Laubgeflüster noch wohnt, ist Wachstum, bildgewordene Jahre, Musik und Trost.“ (zusammengefaßtes Zitat).
Bei den Übernachtungsplätzen haben wir auf unsere Augen vertraut. Informationen holten wir uns im Reisemobil-Bordatlas, ACSI-Stellplatzführer und der App „park4night“.
Sehr wichtig für die Reise sind einfache Badeschuhe. Denn es gibt nicht nur Sandstrände, sondern auch wunderschöne Kiesstrände, wo nicht durch äußere Umstände der Badespaß vermiest werden sollte.
Sauriereierstrand

Schiffswrackstrand

Ochsenbauchbucht

Highspeed nach Hydra

Mosaik in der Basilika San Vitale

Venedig - San Marco

Freitag, 31. August 2018
Im Vorfeld hattten wir schon einige Aufregungen. Die griechischen Fähren streiken am 03. September. Unsere Fähre, die „Helenic Spirit“ von ANEK, verläßt zum Glück schon am 02. September den griechischen Hafen Patras, und fällt somit nicht unter die Streikregelung. Wir können, wenn alles klappt, am 03. von Ancona mit der Fähre nach Griechenland fahren.
Nach der seit April andauernden Hitze ist es zur Zeit etwas kühler und unbeständiger geworden. So fällt es nicht schwer, auch ein paar wetterfeste Kleidungsstücke im Wohnmobil zu verstauen.
Nach einem Mittagessen vom „Italiener um die Ecke“, machen wir uns um 13.40 Uhr auf den Weg. Im Elsaß fahren wir den Super U in Seltz an. Früher wurde hier eingekauft und vollgetankt. Das Tanken ist mittlerweile viel zu teuer geworden. So beschränken wir uns auf ein paar Leckereien und Dosenbier ohne Pfand.
Unser Übernachtungsziel ist Breisach, auf der deutschen Seite des Rheines. In der Stadt ist eine Großbaustelle auf dem Marktplatz. Ich komme auf dem Weg zum Stellplatz aber noch hindurch. Doch nach wenigen Metern versperrt uns die Feuerwehr den Weg zum 50 m entfernten Wohnmobil-Stellplatz. Es ist Weinfest und die Fahrgeschäfte stehen unter anderem auf dem Stellplatz. Der Ausweichplatz ist jetzt auch schon überfüllt, deshalb fahren wir nur wenige Meter weiter auf den Parkplatz vom Sportplatz und haben unsere Ruhe.
Wenn aber schon ein Fest im Ort ist, wollen wir dahin, auch wenn das Wetter nicht so schön ist. Nieselregen begleitet uns zum Festplatz. Links der Straße ist ein riesiger Rummelplatz aufgebaut. Unser Ziel ist aber rechterhand das Weindorf mit Winzern vom Kaiserstuhl und Umgebung. Hier läßt sich sogar der stärker werdende Regen gut aushalten. Nur sind die vielen unüberdachten Plätze in der Mitte leer. Alles drängelt sich bei den Winzern mit Zelten.
Als krönenden Abschluß des Tages gibt es noch über dem Rhein ein tolles Feuerwerk.
Müde, nass und trotzdem gut gelaunt gehen wir zurück zu unserem Wohnmobil und genießen die Ruhe.
Tagesstrecke: 345 km
Samstag, 01. September 2018
Heute fahren wir über Lörrach und einem kleinen Umweg, weil ich mich bei der Suche nach einer bestimmten Tankstelle ein wenig verfranst habe, in die Schweiz zur A2 in Richtung Gotthardt-Tunnel. Es regnet nur noch, und am Gotthardt sind 6 km Stau. Mit Gelassenheit bringen wir aber auch dies hinter uns.
Im Tessin ist das Wetter etwas besser. Der Verkehr um Mailand herum ist okay. Bis zur Autobahnausfahrt Fidenza-Süd nach Soragna, unserem Übernachtungsziel, haben wir EUR 11,60 an ital. Autobahngebühren zu bezahlen. An der Tankstelle kurz vor dem Ort kostet der Diesel EUR 1,529. Auf dem kostenlosen Stellplatz mit V+E stehen schon ein paar Wohnmobile. Für uns ist aber immer noch Platz.
Im Ort haben sich Veränderungen ergeben. Die gemütliche Bar am Platz hatte einen Besitzerwechsel. Ein junges asiatisches Ehepaar führt jetzt Regie und die Aperitivobeigaben haben sich verändert. Wir ziehen deshalb etwas weiter in eine Bar, wo nur einheimische Männer sitzen und trinken dort unseren abendlichen Aperol Spritz, jetzt gänzlich ohne Knabbersachen, sehr ungewöhnlich in diesem Lande.
Tagesstrecke: 545 km
Sonntag, 02. September 2018
So langsam kommt die Sonne durch. Wir backen unsere Brötchen für das Frühstück selbst auf, da am Sonntag kein Bäcker offen hat. In Soragna haben wir bei unseren Übernachtungen schon einige Runden gedreht, heute nutzen wir aber die Gelegenheit und besichtigen die offene Synagoge. Zwei Italienerinnen aus einem anderen Wohnmobil stehen schon für eine Führung bereit. So erhalten wir eine italienische Führung mit ein wenig englisch und ein wenig deutsch.
Die Synagoge „Fausto Levi“ in Soragna ist selbst nur noch eine Museums-Synagoge. Hier sind Kultgegenstände aus den vielen anderen Gebetsräumen der weiteren Umgebung, die bereits gänzlich geschlossen sind, zusammengetragen. Es gibt nicht mehr genug jüdische Mitbürger. Bei dem Rundgang wird uns die Bedeutung und Nutzung der verschiedenen kirchlichen Gegenstände erklärt. Anhand des Spruchbandes unter der Decke des sakralen Raumes wird uns erläutert, dass die Juden aus Ehrfurcht vor der Größe Gottes keine Bezeichnung für Gott nutzen. Stattdessen setzen sie ein Apostroph als Platzhalter.
Wenige Meter weiter befindet sich die katholische Kirche. Es ist Gottesdienst, und in der Nachbarschaft sind die Cafés und Bars mit Männern gefüllt, die sich wahrscheinlich ihren Segen aus der Ferne geben lassen.
Bei dem alten Palazzo, dem Rocca Meli Lupi di Soragna, strecken wir unsere Nasen durch das Absperrgitter und werden prompt auf deutsch angesprochen und zu einer weiteren Führung animiert. Die Innenausstattung muss laut den ausgehängten Bildern wirklich phantastisch sein. Naja, vielleicht machen wir es ja beim nächsten Mal. Heute wollen wir weiter.
Direkt vor der Autobahnauffahrt gibt es beim Kreisel zwei Geschäfte mit regionalen Spezialitäten, die man dort auch sofort verzehren kann. Es lohnt sich!!!
Bei sonntäglichem, ruhigen Verkehr rollen wir auf der Autobahn dahin, passieren Bologna, und fahren kurz hinter Fano, bei Marotta, ab. Die Maut beträgt EUR 21,30. Bis zu unserem Ziel, Corinaldo, sind es nur noch 20 Kilometer. An der Landstraße kostet der Diesel EUR 1,429. Es geht ständig bergauf und bergab. Die Zufahrt aus Senigallia ist einfacher. Wir befinden uns im Weinanbaugebiet des Verdicchio dei Castelli di Jesi und der DOC-Lage Corinaldo. Der Ort selbst thront auf einem Bergkamm in den Marken.
Der kostenlose Stellplatz mit V+E und Strom liegt unterhalb der mit hohen Mauern befestigten Altstadt.
Nachdem wir unser Wohnmobil ausgerichtet und an den kostenlosen Strom angehängt haben, steigen wir zur Altstadt hinauf. Es ist wie immer ein wenig beschwerlich, aber schön.
Es ist kühl geworden und da der Außenbereich auf der Aussichtsterrasse der „Nova Taberna“ nicht genutzt werden kann, stehen im Innenbereich nur wenige Tische zur Verfügung. Wir haben Glück und erhalten noch einen Platz. Das Essen und der Wein sind sehr gut.
Tagesstrecke: 315 km
Montag, 03. September 2018
Heute ist Fährtag und die Spannung steigt, ob wirklich alles gut läuft. Der Streik sitzt uns irgendwie im Nacken, denn unser Sohn Christian ist davon betroffen. Seine für morgen Mittag geplante Überfahrt mit der „Superfast XI“ ist gecancelt, und auf übermorgen Mittag verlegt worden.
Wir verlassen Corinaldo bei schönem Wetter, kaufen im LIDL von Senigallia noch einmal ein, und erreichen frühzeitig den CheckIn im Hafen von Ancona. Mit „unserer“ ANEK ist alles okay. An der Mole reihen wir uns in die vielen Wartenden ein, die alle beim Eintreffen der „Hellenic Spirit“ aufatmen.
Auf dem Camper-Deck ist es sehr heiß. Wir stehen aber gut und können vor allem in unserem eigenen Bett schlafen. Die eigentliche Abfahrt von 13.30 Uhr verschiebt sich auf 14.30 Uhr. Uns stört dies wenig. Wir verköstigen uns selbst mit der im LIDL erstandenen Lasagne, die wir in unserem Elektro-Backofen anfertigen.
Zum Sonnenuntergang holen wir uns in der Bar an Deck einen Tsipouro. Allerdings haben wir schon Bessere getrunken. Auf dem Wasser ist es ruhig. Es ist weit und breit kein Schiff zu sehen.
Tagesstrecke: 53 km
Dienstag, 04. September 2018
Die Überfahrt war sehr ruhig. Um 07.00 Uhr griechischer Zeit verlassen wir in Igoumenitsa das Schiff. Wir suchen uns die nächste Bäckerei. Lena erhält das erste noch heiße Brot aus dem Backofen und erfährt nebenbei, das die Fähren noch weiter streiken.
Wir fahren an den Strand von Drepano Beach. Dort stehen sehr viele Wohnmobile, die aufgrund des Fährstreiks dort „gestrandet“ sind und auf die nächste Überfahrt warten.
früher Besuch in Igoumenitsa von einem Kreuzfahrtschiff
Ich lasse mir noch ein wenig Zeit und rufe dann bei Linos-Travel an, da ich Infos für die Abfahrtzeiten von Christian erfahren will. Ich erreiche die arme Katerina noch im Halbschlaf, da sie bis nach Mitternacht die betroffenen Kunden über die Streiks angerufen und informiert hat. Es herrscht totales Chaos und eventuell muss sich Christian noch für eine zweite Nacht im Hotel in Ancona einquartieren.
Hier ist es so herrlich, dass wir langsam „herunter kommen“. Es ist nicht nur warm, sondern schon fast heiß. Die Wassertemperatur liegt bei 28 °. Schattenplätze sind gefragt. Das Meer ist vollkommen glatt. Kein Schiff ist auf dem sonst so belebten Wasser zu sehen. Denn normalerweise verkehren hier zu den Italien-Fähren ständig die stündlichen Fähren mehrerer Gesellschaften nach Korfu.
hinter uns der Binnensee
Christian meldet sich, dass sie nach jetzigem Stand und der Info von Linos-Travel am 05. von Ancona abfahren. Wir faulenzen derweil und besuchen das Restaurant am Strand.
Das zweite und letzte Schiff für heute.
Unser erstes griechisches Essen des Urlaubs.
Kalamaraki
gegrillte Sardinen
Mit Schwimmen und Faulenzen kann auch ein Tag vergehen.
Tagesstrecke: 10 km
Mittwoch, 05. September 2018
Wir werden am frühen Morgen von den Motorgeräuschen der Fähren geweckt, die wieder ihren Regelbetrieb aufgenommen haben. Nach dem Frühstück und einem ausgiebigen Bad im Meer fahren wir außerhalb von Igoumenitsa zur BP-Tankstelle zwecks Entsorgung und Tanken (Diesel EUR 1,455). Danach gehen wir wirklich zum ersten Mal in das Zentrum von Igoumenitsa, kaufen ein paar Sachen ein und setzen uns zu den Einheimischen in die Ouzeri. Hier gibt es zum Ouzo wirklich tolle Meze.
Ein Metzger bei der Souvlaki-Herstellung:
Da wir vor Drepano kleine Souvlaki bei einem Imbiss am Strand essen wollen, schlagen wir die leckeren Angebote zu gutem Mittagessen aus, und werden enttäuscht. Das Schild mit den Souvlaki ist momentan eine Luftnummer. Es hat nur ein großes Restaurant mit ausgiebigem Essen offen. Das war gut, aber zu viel.
Den restlichen Tag gestalten wir mit Ausruhen, Lesen und Schwimmen. Am Abend backt Lena noch Leslies Geburtstagskuchen.
Tagesstrecke: 19 km
Donnerstag, 06. September 2018
In der Nacht hören wir, dass in unserer Nähe ein PKW anhält. Das kann nur Christian sein. Etwas zu früh werden wir in den weiteren Tagesablauf mit einbezogen. Bei dem gemeinsamen Frühstück erfahren wir die Details der letzten 48 Stunden. Leslie, eine ehemalige Klassenkameradin, die sich Christian für die Reise angeschlossen hat, bekommt von Lena ihren Geburtstagskuchen mit eintägiger Verspätung. Griechische „Nachbarn“ schenken uns noch einen Beutel mit Feigen. Ist heute vielleicht der Tag des Schenkens?
Bevor wir nun weiterfahren, genießen wir noch einmal das ruhige Wasser des herrlichen Badestrandes von Drepano Beach.
Am späten Vormittag halten wir auf unserer Weiterfahrt zunächst in Sivota an. Auf dem Parkplatz unter den Olivenbäumen werden mittlerweile Parkgebühren erhoben. Wir spazieren rund um den Hafen, kehren in einem Imbiss zu Pita Gyros und Pita Souvlaki ein, …
… und weiter geht es nach Perdika-Arillas zum Restaurant „Soukas“ (kostenloser Stellplatz mit V+E), das über einer herrlichen Badebucht liegt.
Nach den ganzen Strapazen mit Streik und Fährüberfahrt nehmen sich Christian und Leslie ein Zimmer im „Soukas“. Wir nutzen die schöne Bucht zu unserem nachmittäglichem Schwimmvergnügen. Abends beehren wir das Restaurant zu einem ausgiebigen griechischen Essen um den Geburtstag von Leslie nachzuholen.
Tzatziki, Saganaki, gegrillte Peperoni, gebackener Schafskäse mit Gemüse
Kalamarakia und gegrillte Lammkoteletts
Leider haben wir heute eine regelrechte Mückenplage, auch im Wohnmobil, die zu unserem Leidwesen viele Zeichen auf unserer Haut hinterlässt.
Tagesstrecke: 42 km
Freitag, 07. September 2018
Wir lassen den Morgen ruhig anlaufen, bevor es an der Küste entlang nach Ammoudia geht. Wir fahren am Wäldchen entlang nach vorne zum Fluß. Überall stehen die „weißen Dächer“. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen haben, finden wir im Wäldchen noch einen Platz für uns, um uns selbst das Mittgessen zuzubereiten.
Wenn wir alleine unterwegs gewesen wären, hätten wir den schönen Badeplatz auch zur Übernachtung genutzt. Da wir uns aber in zwei Tagen wieder mit Christian in Kastro treffen wollen, fahren wir nach dem Essen wieder weiter. Vorher besuchen wir aber noch gemeinsam das Nekromanteion. Der Eintritt von EUR 8,00 ist für das Dargebotene aber zu viel. Auch die uns zustehenden Reduzierungen will man uns nicht gewähren. Nach einer etwas längeren Diskussion und meiner unnachgiebigen Haltung klappt es dann doch.
Das Nekromanteion war eine heilige Stätte, wo man mit den Toten in Kontakt treten konnte. Dieses hier soll der Sage nach am Acheron gelegen haben, und der Eingang zum Hades gewesen sein. Aufgrund der Ergebnisse aus den Ausgrabungen zwischen 1958 und 1977 hat man die Funde als ein bedeutendes Nekromanteion eingeordnet. Nach heutigen Erkenntnissen sind die beherrschende Lage auf einem Hügel und die Gebäude aus der Zeit vom 4. Jhdt. vor Chr. nicht stimmig mit der vorhergehenden Interpretation. Es könnte genau so gut ein befestigtes Bauernhaus aus der hellenistischen Zeit gewesen sein.
Prevezza haben wir in der Vergangenheit immer nur bei den Vorbeifahrten auf den Straßenschildern gelesen. Heute wollen wir in der Nähe des Hafens übernachten, um uns dort etwas umzusehen. Der überall beschriebene Übernachtungsplatz gefällt uns nicht. Wir fahren wieder ca. 200 m zurück, und stellen uns auf den kleinen geschützten Parkplatz bei einem verwaisten Beachvolleyballplatz.
Ein kleiner Strand ist nahe dabei, wo wir uns im Wasser von dem heißen Tag erholen können. Das Wasser ist hier aber nicht so klar, wie wir es bisher erlebt haben.
Gegen Abend schlendern wir zum Hafen. Nun haben wir auf der einen Seite Segel- und Motorboote jeglicher Größe, …
… und auf der anderen Seite sind Bars und Restaurants wie an einer Perlenschnur aufgreiht. In der Mitte verläuft die Promenade, die sich immer mehr mit Menschen füllt.
Wenn man aber den Hafen durch die engen Gassen verläßt, kommt man in die Altstadt von Prevezza, wo sich auch ganz normales Leben abspielt.
Und mitten drin, als Ort der Ruhe, die Metropolitan Church of Aylos Charalambos (Kirche des Hl. Harald).
Christian und Leslie haben sich etwas außerhalb auf einem Campingplatz einquartiert und mit Hilfe von Googlemaps und Standortbestimmung treffen wir uns in einer Bar zum gemeinsamen Gute-Nacht-Trunk und schlendern noch ein wenig weiter.
Auf unserem Rückweg wird es bei Lena und mir aber etwas später, denn durch Zufall stoßen wir auf ein Fest der Kommunisten, die 100 Jahre KKE und 50 Jahre KNE feiern. Wir wissen zwar nicht was das bedeutet, aber es gibt frisch gegrillte Souvlaki und eine Band, die griechischen Speedfolk präsentiert.
Während wir dort sitzen, versuchen wir auch zu ergründen, auf was nun 13 % oder 24 % Mwst. zu bezahlen ist. Der Ouzo wird in der Ouzo-Brennerei (Geschäft) mit 13 % angegeben; in der Ouzeri mit Meze werden 24 % berechnet. Das Wasser kostet im Imbiss 13 %, im Restaurant 24 %. Irgendwann wird alles mit 24 % angegeben. Nur beim LIDL halten sich beide Positionen die Waage. Das Wasser kostet dort wieder nur 13 %. Keftedes in der Dose haben 13 %, Weinblätter oder dicke weiße Bohnen 24 %. Da lobe ich mir doch die handgeschriebenen Rechnungen ohne weitere Angaben.
Beim Wohnmobil entschlummern wir sanft und die Prozente sind uns wurscht.
Tagesstrecke: 90 km
Samstag, 08. September 2018
Von unserem Übernachtungsplatz aus fahren wir direkt in den Tunnel bei Prevezza ( Gebühr EUR 7,50). Weiter geht es am Flughafen vorbei. Hier kreuzen wir die Landebahn. Zur Zeit ist aber schon eine große Umgehung, wahrscheinlich auch als Autobahn in Arbeit. Hinter Vonitsa geht es auf alten Straßen bergauf und bergab.
Als wir Amfilohia erreichen, tanken wir und nutzen wegen der Mittagszeit einen Imbiss um uns zu verköstigen.
15 km später fahren wir auf die neue Autobahn. Ab der Anschlussstelle Angelokastro, von hier ab gibt es bereits alle 10 km Toiletten auf den Rastplätzen, wird Maut erhoben (EUR 8,85 und 7,50). Es ist müßig, hier eine Systematik zu ergründen. Die Griechen scheinen bei der Mautfrage mit einer gewissen Willkürlichkeit vorzugehen. Gefahrene Kilometer sind es auf jeden Fall nicht. Für die Brücke nach Rio bezahlen wir EUR 13,50.
Patras umrunden wir nun auf dem kostenlosen Autobahnstück und wechseln auf die New Nationalroad. Hier tanken wir für EUR 1,395.
Bei Lehena biegen wir nach Kastro-Killini ab. Die Bäckerei hat schon zu. Bei einem kleinen Geschäft halte ich an und frage den Inhaber nach Brot. Während er mir erklärt, dass es nirgends mehr etwas gibt, und wir zwischendurch auf Nakos, den ehemaligen Betreiber der Taverne am Strand zu sprechen kommen, holt er ein großes Brot hervor, was seine Frau eigentlich für die Familie als Wochenendration eingekauft hat, und schneidet für mich die Hälfte ab. Geld will er auch nicht dafür haben. Wir bekommen jetzt schon das zweite Mal etwas mit einem freundlichen Lächeln geschenkt. Ich kann nur eines sagen, es hat sich in Griechenland in Bezug auf Freundlichkeit und Herzlichkeit nichts verändert.
Auf dem Strandparkplatz stehen 12 Wohnmobile. Das Übernachten ist noch immer per Schildern verboten und der Tavernenbetreiber heißt jetzt Sakis. Wir faulenzen und gehen im Meer schwimmen. Bei den Wassertemperaturen kostet es auch keine Überwindung einfach so rein zu gehen.
Christian und Leslie sind auf dem Campingplatz Melissa. Frauke und Wolfgang, Bekannte aus dem Wohnmobilforum, sind auch mittlerweile dort eingetroffen.
Am Abend gehen wir bei Sakis etwas essen.
Tagesstrecke: 252 km
Sonntag, 09. September 2018
In den letzten Tagen sind wir genug gefahren. Heute ist Relaxen angesagt. Faulenzen und Schwimmen bestimmen den Tagesablauf. Im Laufe des Vormittags kommt Vasili vorbei und verkauft uns 5 l seines sehr guten Olivenöls für EUR 30,00 (keine Preiserhöhung in den letzten Jahren). Dazu gibt es noch eine geschenkte Wassermelone.
Am Abend gehen wir mit Frauke und Wolfgang zum gemeinsamen Abendessen am Platz. Anschließend sitzen wir noch lange bei uns im Wohnmobil.
Tagesstrecke: 0 km
Montag, 10. September 2018
Der Erholung war genug Zeit gegeben. Christian will sich noch auf die Suche von Nakos machen. Uns zieht es aber weiter nach Süden. Doch nach nur wenigen Kilometern halten wir bei dem alten Heilbad von Loutra Killinis. In dem Eukalyptus-Wäldchen gibt es 26° warme, schwefelhaltige Thermalquellen mit Heilschlamm. Die Schlammpackungen helfen gegen jegliche Haut- und Gelenkbeschwerden. Heute wie damals schmieren sich die Leute diesen Schlamm auf den Körper.
Vorbei an Pyrgos, wo wir eine kleine Mittagsrast einlegen und beim LIDL einkaufen, und Kiparissia, fahren wir bis kurz vor Pylos nach Gialova. Hier treffen wir wieder auf Christian.
Zur Übernachtung wollen wir auf den Campingplatz „Erodius“ (EUR 21,00 ohne Strom). Die Einrichtungen sind gut, die Stellplätze sehr groß und überdacht und es gibt einen direkten Zugang zum Strand. Das Restaurant testen wir heute Abend. Jetzt ist erst einmal eine ausgiebige Abkühlung angesagt.
Tagesstrecke: 163 km
Dienstag, 11. September 2018
Heute machen wir eine kleine Rundtour mit Christians PKW. Unser erstes Ziel ist der Kalamari Wasserfall bei Shinolakka. In Gialova zweigt der Weg dorthin noch gut ausgeschildert von der Hauptstraße ab. Der Weg und die Ausschilderung werden immer schlechter. Bei einer Gabelung verpassen wir den richtigen Weg und landen statt bei dem Wasserfall auf der Anhöhe in dem Dorf Shinolakka. Hier drehen wir trotz der Auskunft einer Einheimischen zwei Ehrenrunden.
Nachdem wir wieder ein paar Kilometer zurück gefahren sind, sehen wir bei der Abzweigung das versteckte Hinweisschild zu dem Wasserfall. Der Weg dorthin ist grottenschlecht. Mit dem Wohnmobil wäre er nicht befahrbar.
Ein Parkplatz befindet sich in einem kleinen ebenen Bereich unter Olivenbäumen. Von hier aus geht es zu Fuß ungefähr 20 Minuten zum Wasserfall.
Als nächstes fahren wir nach Pylos, spazieren am Hafen und um den Marktplatz herum und essen dort zu Mittag.
Wir waren schon sehr oft in Pylos, aber noch nie hinter den rundumlaufenden Mauern des 1572 errichteten Niokastro, der Zitadelle hoch über Pylos. Die historische Fläche ist riesig und besteht aus einem unteren Bereich mit einer griechisch-orthodoxen Kirche und Überresten von Wohn- und Verwaltungsgebäuden. Über allem thront die sechseckige Festung.
Christian hat noch nicht genug und will unbedingt noch einmal nach Methoni. Er hat sich eine harte 2-wöchige Tour rund um den Peloponnes vorgenommen. So geht es weiter in den Süden Messeniens. Wir parken direkt vor dem Kastro von Methoni. Zuerst wollen wir nur links herum am Strand entlang spazieren.
Dann reizt es uns aber doch, auch zum dritten oder vierten Mal durch die großzügige Anlage bis vorne zum venezianischen Wehrturm zu laufen. Methoni wurde bereits zu Zeiten der Römer als Festung ausgebaut. Später kam es unter die Verwaltung der Osmanen. Im 17. Jhdt. bauten die Venezianer die Festung landseitig noch weiter aus. Trotzdem wurde die Stadt wiederum von den Osmanen besetzt. Im Griechischen Unabhängigkeitskriegkrieg wurde Methoni 1825 dann total zerstört.
Die Besichtigungstour war insgesamt sehr anstrengend und wir kommen total müde im Dunkeln wieder zum Campingplatz zurück.
Tagesstrecke für uns: 0 km
Mittwoch, 12. September 2018
Es wird gepackt und ver- bzw. entsorgt. Unser erstes Ziel für heute ist die Voidokilia-Bucht. Ich versuche vom Campingplatz aus einfach weiter zu fahren. Unter Bäumen stehen zwar viele ausgebaute Lastwagen, doch ist die Zufahrt zur Bucht mit einem Balken versperrt.
Also geht es wieder zurück und wir fahren die Bucht, wie auch sonst, von der anderen Seite an. Bis Voidokilia ist die Straße gut zu befahren. Danach geht es über eine schmale Schotterpiste, die nicht viel Platz für den Gegenverkehr läßt. Die Lagune ist aber ganz einfach nur traumhaft. Ganz egal wie oft man schon hier war.
Nach einem ausgiebigen und erfrischenden Bad verabschieden wir uns von Christian und Leslie. Die Wege trennen sich. Wir fahren über Kalamata an die westliche Küste des Taigeto. Zum ersten Mal seit vielen Tagen zeigen sich dunkle Wolken am Himmel. Es verirren sich auch ein paar Regentropfen auf unsere Windschutzscheibe.
Unser Mittagessen in Kalamata besteht aus zwei Pita Gyros und ein Wasser für EUR 4,90. Der Imbiss ist sehr gut besucht.
Die Straße führt uns an der Küste hoch hinauf. Wir kommen durch kleine wirklich sehenswerte Ortschaften.
Danach geht es wieder steil hinunter nach Kardamyli und Stoupa, zwei Badeorten. Wir finden hier kein Plätzchen für uns, werden dann aber in Agios Nikolaos für unsere Suche vollauf entschädigt. Links hinter dem Hafen befindet sich ein Parkplatz, der für eine Übernachtung vollauf seinen Zweck erfüllt.
An der „Promenade“ entlang gibt es noch zahlreiche offene Bars und Restaurants, und ab 20.00 Uhr ist die Straße für den Verkehr gesperrt.
Tagesstrecke: 124 km
Donnerstag, 13. September 2018
Der Himmel zeigt sich wieder in einem strahlenden Blau. Auf der Suche nach einem frischen Brot, komme ich morgens an den Fischerbooten vorbei, wo gerade frische Ware zum Verkauf angeboten wird.
Bevor wir weiter fahren, nutzen wir das schöne Wetter nochmals zu einem kleinen Spaziergang durch Agios Nikolaos.
Heute besteht die Fahrt aus einem ständigen auf und ab. Als wir dabei den kleinen Ort Nomitsi durchfahren, fallen uns zwei Kirchen ganz besonders auf. Zuerst ist es in der Ortsmitte eine alte byzantinische Kirche, die schon etwas dem Verfall preisgegeben ist und tiefer als das Straßenniveau liegt. Sie stammt aus dem 13. Jhdt. und ist den Agios Anargyroi (den heiiligen Geldverächtern; hier: Kosmas und Damian) geweiht. …..
…. Am Ortsende steht die Church of the Metamorphosis, ein besonders schönes Beispiel byzantinischer Architektur, deren Anfänge im 11. Jhdt. liegen. In der Zwischenzeit haben einige Restaurierungen stattgefunden. Die Dachform des ansonsten quadratischen Baues zeigt bereits die räumliche Innengestaltung in Kreuzform.
In Nea Itilo schauen wir uns mal an, wie die Wohnmobile dort aufgereiht stehen. Dann weiter in Richtung Pirgos Dyrou zum Sauriereier-Strand. Die Abfahrt dorthin ist letztendlich doch nicht so steil, wie sie ausschaut, und einige Wiederkäuer stehen dumm rum. Wir kochen uns dort zu Mittag und ruhen uns noch ein wenig aus.
Die letzte Etappe nach Githio zum Schiffswrack läßt sich vollkommen relaxt fahren. Zum Schwimmen ist es uns etwas zu spät geworden, so laufen wir am Strand entlang bis zum Schiffswrack und genießen den Abend.
Tagesstrecke: 97 km
Freitag, 14. September 2018
Vor uns liegt eine lange Strecke, trotzdem halten wir in Githio noch einmal an, da sich ein großer Wochenmarkt über mehrere Straßen erstreckt. Wir schauen uns viel an, ohne aber etwas zu kaufen.
In Sparta fahren wir extra von der Hauptstraße ab, um in einem kleinen Imbiss etwas zu essen. Alle Versuche sind erfolglos. Irgendwie sind wir nicht in die entsprechenden Straßen gekommen. Bis kurz vor Tripoli fahren wir auf einer super ausgebauten Straße. Dann führt mich mein Navi auf kleine und noch kleinere Straßen, zwecks Abkürzung, über Tegea und Stadio nach Steno, wieder auf die Hauptstrecke nach Mili und Nafplion (Wie sich später herausstellt, wird Christian von seinem Navi den gleichen Weg geschickt.). Wir sind hier auf 1000 m und wissen, dass wir auf einer relativ kurzen Strecke mit Serpentinen wieder auf Meereshöhe hinunter müssen. Kurz bevor die Bremsen heiß werden, erreichen wir Mili.
Am Meer entlang fahen wir zum Hafenparkplatz von Nafplion. Hier stehen viele Wohnmobile, doch uns gefällt die „Nachbarschaft“ nicht. Wir bummeln ein wenig durch die Gassen, treffen Christian und Leslie und essen verspätet zu Mittag. Natürlich führt kein Weg an unserem Lieblingslokal vorbei. Hier haben wir schon vor vielen, vielen Jahren noch in der Küche unser Essen ausgesucht. Da wurde das Lokal noch von den Eltern des heutigen Besitzers geführt, der mittlerweile auch schon so alt ist.
Aufgrund der besagten „Nachbarschaft“ wollen wir nicht im Hafen übernachten, sondern entschließen uns, schon heute nach Epidaurus auf den Bekas-Camping (ACSI-Platz EUR 17,00 mit Strom) zu fahren. Hier ist es auch schon die nächste Generation der Besitzer, die den Campingplatz führen. Und unser älterer Sohn fühlte sich als Kind hier wie im Paradies, da er sich an Ostern Orangen, Zitronen und Mandarinen direkt von den Bäumen pflücken konnte.
Tagesstrecke: 200 km
Den gesamten Bericht mit noch weiteren 4 Wochen Urlaub gibt es hier --> Link

