Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Farbexplosionen

In der letzten Zeit hat es uns ja gerne in die Ferne gezogen. Kalifornien! Skandinavien! Schweiz! Diesmal backen wir kleinere Brötchen, die aber vermutlich ähnlich gut schmecken werden. Wir erkunden einen Teil Deutschlands, den wir bisher doch eher vernachlässigt haben: Die Ostseeküste und die mecklenburgische Seenplatte stehen auf dem Programm.
Sonnenexplosion in Geesthacht
Unsere Anfahrt führt uns diesmal über Geesthacht, östlich von Hamburg, weil ich dort, quasi direkt von der Zentrale, meine neuen Filter zum Fotografieren abholen kann, die ich nicht mehr rechtzeitig vor der Reise bestellt hatte.
Und als wir dort ankommen, ist es schon Abend und die Sonne kündigt bei goldenem Oktoberwetter schon mal an, was uns die nächsten Tage erwarten könnte: ein spektakulärer Sonnenuntergang über der Elbe mit allen Farbtönen im roten Farbspektrum. Wow!

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wie bestellt und wir fahren weiter in Richtung Norden. Denn die Gegend um Kappeln hat uns auf der Rückfahrt von Dänemark schon gut gefallen und wir wollen mit der deutschen Ostseeküste dann auch ganz im Norden beginnen.
Outlet-Center-Test
Auf dem Weg dorthin kommen wir an Neumünster vorbei, wo es ein Outlet-Center vom Betreiber McArthur-Glen gibt, der auch bei uns Zuhause in Lennep eines errichten möchte. Da können wir ja schon mal gucken, was auf uns zukommt.

Und was wir sehen, ist ein sehr hübsch gestaltetes Kaufdorf mit großen Parkflächen. Aber anders als in Lennep liegt das Ganze am Stadtrand und es gibt hier eine direkte Zufahrt zur Schnellstraße, so dass der Verkehr kein Problem darzustellen scheint.

Entsprechend entspannt schlendern wir durch das Dorf, gucken hier und kaufen da und wundern uns nur ein bisschen, dass der Tag schon fortgeschritten ist, als wir aufbrechen.
Langballigau
Da Annette in einem Reiseführer eine lohnenswerte Wanderung in der Gegend gefunden hat, führt uns der Weg nach Langballigau. Hört sich so ein bisschen an wie ein verlorener Clown aus dem Zirkus Roncalli, bis wir schnallen, dass man hinten nur das -au als Silbe lesen muss…
Alles riecht schon sehr nach Saisonschluss - geschlossene Souvenirläden und Fischbuden. Aber der Campingplatz hat immerhin noch auf und es gibt sogar Womoplätze direkt am Strandweg, von denen einer noch frei ist: Nehmen wir!

Sonnenuntergang mit Spätzünder
Auf Empfehlung der Platzwartin gehen wir die paar Meter zur Fischbude Odinfischer hinüber. Ein Fischimbiss mit leckeren Varianten von Fischbrötchen direkt am Hafen. Und weil es so lecker war, gab es noch eine Fischfrikadelle als Nachtisch…

Während wir uns bei Fisch und Flens im Hafen die Segelschiffe angucken, ist ganz unspektakulär die Sonne untergegangen. Nicht so wie gestern - schade! Zumindest war das mein erster Gedanke. Aber Annette behält mit ihrem „Wart mal ab, was da noch kommt.“ so was von recht!

Denn zunächst wird die Landschaft über der Ostsee in ganz sanfte, pastellene Töne getaucht.

Eine Schwanenmutter zieht mit ihren 6(!) fast ausgewachsenen Kindern an uns vorbei. Eine Spaziergängerin erzählt uns später, dass der dazugehörige Vater von einem Hund totgebissen worden ist…

Dann leuchtet der Himmel immer intensiver in hellen Blautönen, die von orange-pinkfarbenen Streifen durchsetzt sind. Spektakulär!

Und über allem kreisen, als wir zum MoMo zurück gehen, Hunderte von Krähen, die sich anscheinend geschlossen ins Nachtquartier begeben. So toll kann es auf dieser Reise gerne weiter gehen!

Wandertag

Wie bringt man möglichst viele Leute gegen sich auf? Ganz einfach: Morgens um 7 mit der Motorsense Rasen schneiden. Auf die Idee muss man erst mal kommen! Herzlichen Dank, Gemeindeverwaltung, die ihre Gärtner so früh auf die Gäste loslässt…
Ansonsten können wir aber nicht meckern. Immer noch Goldener Oktober. Und da es uns ansonsten gut hier gefällt, verlängern wir und bleiben noch eine Nacht. Denn für heute haben wir uns gleich zwei Wanderungen ausgeguckt. Einmal Wald und Steilküste und einmal in die Auen von Langballigau.
Buchen sollst du suchen
Die Steilküste ist hier zwar nicht so steil wie in Nimis, aber ein bisschen hinauf müssen wir doch, um dann von oben auf die Förde zu gucken.
Nachdem wir ein paar sehr hübsche Häuser (mal mit, mal ohne Reet) passiert haben, geht es in einen luftigen Buchenwald oberhalb des Kliffs. Eine tolle Lichtstimmung herrscht hier! Und Pilze gibt es in Massen - wenn wir jetzt bloß wüssten, ob die essbar sind!
Die Aussicht auf das offene Wasser und die gegenüberliegende dänische Küste haben schon was.

Und auch am Meer kann man anschließend gemütlich in der Sonne entlangschlendern.
Was uns besonders gefällt, sind die endlos langen Baumstämme, die sich in den Himmel strecken, aber immer noch genügend Licht durchs Laub. lassen - hat sehr was von einer natürlichen Kathedrale, wo alles noch oben strebt.


Pause bei Odin
Wir belohnen uns für diese erste Wanderung mit einem Mittagsfischbrötchen beim Odinfischer.

Und es ist gut besucht! Wir finden aber ein Plätzchen an einem der großen Banktische und kommen anschließend nett mit den Tischnachbarn ins Gespräch.
Eine ältere Dame erzählt, dass ihr Mann noch am Fischstand Kliesche kaufen würde. Auf unseren verständnislosen Blick hin klärt sie uns auf, dass dies eine Schollenart sei, die sich aber einfacher zubereiten und vor allem essen lasse. Kurzentschlossen kaufen wir uns die letzten verbliebenen 4 Fische für lumpige 4€ und planen sie fürs Abendessen ein.
Au ja!
Nach kurzer Kaffee- und Erholpause brechen wir am frühen Nachmittag wieder auf. Diesmal entfernen wir uns vom Meer und gehen landeinwärts in die Auen, die dem Ort seinen Namen gegeben haben.
Und vieles erinnert uns an heimatliche Spaziergänge durchs Bergische. Dass wir hier an der Küste so viel Wälder und hügeliges Auf und Ab antreffen würden, hätten wir vorher nicht gedacht. Gefällt uns aber ausgesprochen gut!

Fast noch besser gefällt uns dann das Museumsdorf Unewatt. Richtig schön hier. Landidylle pur!

Und im Landhaus Unewatt stärken wir uns dann erst mal mit Kuchen, damit wir auf dem Rückweg nicht vom Fleisch fallen.

Noch’n Sonnenuntergang
Als wir am MoMo ankommen, ist es schon kurz vor Sonnenuntergang. Ich packe Kamera, Stativ und meine neu erworbenen Filter ein und stiefele los. Nach den letzten beiden Sonnenuntergängen ist die Erwartungshaltung natürlich groß. Aber zunächst deutet nichts darauf hin, dass es wieder so spektakulär wird. Es ist diesig und die Sonne verschwindet eher unspektakulär in einem Wolkenfeld. Na super… Alles, was ich trotzdem an Aufnahmen versuche, wird eher so meh.
Aber mit ein bisschen Geduld werde ich schließlich doch noch belohnt. Denn auch heute erweist sich das ganze als Spätzünder, der erst recht spät das heute mal orangene Feuerwerk am Himmel zündet.

Und als dann noch die Krähen ihr allabendliches Spektakel aufführen und sich in Scharen in die Lüfte schwingen, bin ich mir sicher: Das Warten hat sich gelohnt!
Fisch und Bonbons

Heute brechen wir unsere Zelte in Langballigau ab und fahren ein Stückchen weiter.

In einem Reiseführer hatten wir vom Hofladen in Hüsfeld gelesen, der ganz in der Nähe liegt. Die Mischung aus spanischen und norddeutschen Spezialitäten hört sich spannend an. Und in dem Lädchen gibt es vieles Leckeres und auch geschmackvolle Töpfersachen, die wir aber heldenhaft nicht kaufen, obwohl sie schön sind. Man kann einfach nicht alles kaufen, was einem gefällt…

Die Fahrt durch die sonnige Herbstlandschaft ist ein Traum - alles glänzt in warmen goldenen Tönen. In Kappeln werden wir an der hochgezogenen Schleibrücke kurz aufgehalten, können aber ansonsten problemlos zu unserem Mittagsstop in Eckernförde gelangen.

Dort gibt es als Besonderheit nicht nur einen angeblich sehr guten Womo-Stellplatz (haben wir aber nicht besichtigt), sondern sogar einen Kurzzeit-Womo-Parkplatz, mit angenehm breiten Parklücken. Auch mal schön!

Unser Weg führt uns zunächst mal an den Strand mit einem Steg, der ins Meer führt und für Elli offensichtlich sehr unheimlich ist, da man zwischen den Bohlen immer schön das Meer unter sich sehen kann. Aber eine schöne Aussicht auf die Eckernförder Bucht hat man von hier!

FischZeit
Unser Mittagessen wird auch heute wieder ein Fischbrötchen. Wir sind echt auf den Geschmack gekommen! Die besten soll es laut TripAdvisor bei FischZeit geben. Und wir sind zumindest schon mal von der Freundlichkeit der Bedienung absolut begeistert. Denn hier bekommen sogar Hunde eine Fischfrikadelle „aufs Haus“. Elli kann ihr Glück gar nicht fassen…!

Aber auch unsere Fischbrötchen munden gar köstlich. Ich frage nach, was die Fischsoljanka denn für eine Art Suppe sei. Nach dem Schwärmen der Chefin von ihrer eigenen Suppe bestellen wir mal auf gut Glück für uns beide. Und werden nicht enttäuscht - eine sehr würzige, paprikalastige Suppe mit Creme fraiche und großen Fischstückchen vom Wels und winzigen Krabben. Anders als meine bisherigen Lieblingssuppen aber definitiv lecker!

Wir werden wiederkommen!
Bummel
Eckernförde hat eine beeindruckend lange Fußgängerzone mit einem undefinierbaren 80er-Charme. Nicht wirklich schlimm, aber auch nicht wirklich einladend oder gar mondän. Nachdem wir schon im Hofladen von den irrsinnigen Immobilienpreisen in der Region gehört haben, können wir das hier im Aushang der Banken und Makler bestätigt sehen. Da kann man auch gerne mal 1,5 Millionen ausgeben…
Bonbon-Heaven

Als wir schon fast am Hafen angekommen sind, zieht uns der Duft aus der Bonbonkocherei magisch an. Es gibt ein launig kommentiertes Showkochen der Bonbons und wir füllen uns ein Säckchen mit einem Sammelsurium der Bonbons, die uns anlachen. Leider sind das mehr als gut für uns (und die Reisekasse) sind. Aber als wir nachher Kokos-Krokant und Salmiakfondant Vollmilch schnagern sind wir überzeugt, das Geld gut angelegt zu haben und bereuen schon, die Tüten nicht üppiger gefüllt zu haben. Dicke Empfehlung!

Stinkeleuchtturm
Unser Tagesziel ist das Schwedeneck. Wie könnten wir auch an einem Ziel mit diesem Namen vorbeifahren?! Am dortigen Bülker Leuchtturm gibt es sogar extra Womoparkplätze. Wir spekulieren mal drauf, dass wir im Oktober da noch ein Plätzchen kriegen werden. Und tatsächlich ist es kein Problem, dort einen Stellplatz zu finden, obwohl es „nur“ 10 Plätze gibt. Etwas kurios ist die Parkregelung, dass man nachts kostenlos dort stehen darf, aber tagsüber bezahlen soll. Naja, jeder so wie er mag.

Nachdem wir uns im Leuchtturmcafe mit einem Bierchen gestärkt haben, erkunden wir die Umgebung. Und stellen fest, dass der leicht strenge Geruch in der Luft sicherlich durch die vielen Algen am Strand erzeugt wird, aber vielleicht auch dem Klärwerk der Region zu verdanken ist, das direkt nebenan ist… Aber nach einiger Zeit nimmt man den Geruch gar nicht mehr so sehr wahr, so dass wir beschließen, doch die Nacht hier zu verbringen.

Nur das Sonnenuntergangsspektakel macht heute, bei diesem makellos blauen Himmel, einfach mal Verschnaufpause.

Hinterlandidylle

Diesmal werden wir pünktlich zum Sonnenaufgang wach. Und ich bin überrascht, wie viele Vans sich neben uns tummeln. Bestimmt so an die 10. Und die Coolen haben einfach den Kofferraumdeckel geöffnet und begrüßen den Sonnenaufgang mit halboffenen Augen aus dem Bett. Hat auch was!

Nach dem Frühstück machen wir uns noch mal auf den Weg am Leuchtturm vorbei. Es geht an der nicht ganz so arg steilen Steilküste vorbei und auch hier finden wir wieder die dicken Buchen am Abgrund. Fotogen!

Am Strand buddelt sich Elli mal wieder voller Enthusiasmus in den Sand ein - da merkt man dann doch noch sehr, dass sie ein verspieltes Hundekind ist…
California, here we come
Wir verabschieden uns vom Bülker Leuchtturm und machen uns auf den Weg auf die andere Seite der Kieler Förde. Genauer gesagt nach Kalifornien. Ja, das ist kein Witz! Ein Fischer hatte einst eine Schiffsplanke mit dem Schriftzug „California“ gefunden und über seine Haustür genagelt. Und irgendwann war es dann der Ortsname geworden. Für uns natürlich willkommene Gelegenheit, an unsere Frühjahrsreise zurückzudenken!

Der Ort macht vom Wetter her seinem Namen alle Ehre - blauer Himmel und Temperaturen über 20°. Von der Geschäftigkeit eher weniger - alles ist schon mehr als halb im Winterschlaf. Lediglich das Personal im Touristenbüro ist auf zack und versorgt mich mit Infos und packt mir als Goodie noch die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ drauf. Kann man nicht meckern!
Wir machen uns auf den Weg zum Strand und werden mit einem Automaten zur Entrichtung der Strandbenutzungsgebühr konfrontiert. Aber gilt der auch für die breiten Wege über den Deich? Wir beschließen: Nein und gehen in Richtung Osten.

Nächster Halt: Brasilien

Die verrückte Geschichte an diesem Strand geht aber noch weiter. Denn wenn man einen Kilometer weiter geht, landet man in…: Brasilien! Denn der Nachbarfischer sah das protzige Kalifornien-Schild bei seinem Nachbarn, nahm das ganz dann mal in die eigene Hand und pinselte sich ein grün-gelbes Brasilienschild für sein Haus. Und so ist es dann heute noch…

Und als ich dort sehe, dass es einen Womo-Stellplatz gibt, macht es plötzlich „Klick!“ und wir beschließen, die eigentlich geplante Weiterreise zu verschieben und auf später zu verschieben. Denn eigentlich hätten wir hier alles, was doch in diesem Urlaub auch noch haben wollen: Sonne, Stellplatz, Gelegenheit zum Fahrradfahren. Bäng!

Radtour durchs Hinterland
Wir parken also das MoMo um and nehmen den Stellplatz am Mittelstrand. Nach einem stärkenden Kaffee schwingen wir uns (diesmal hundelos) auf die Räder und fietsen zur Fischbude nach Schönbergstrand. Denn ein Tag ohne Fischbrötchen ist momentan ein verlorener Tag!
Im Dorf Krummbek haben wir die Biometzgerei Muhs ausgekundschaftet und wollen uns dort Aufschnitt und etwas zum Grillen besorgen. Und der Weg dorthin macht schon richtig Spaß. Über das weite Land, durch kleine Dörfer, größtenteils auf Radwegen und immer mit wenig Verkehr. Herrlich!

Man kann auf dem Hof sehen, wie die Schweine sich in ihren Schweineställen suhlen. Einerseits ja wunderbar, zu sehen, wie die Tiere gehalten werden. Andererseits auch schwer, sich vorzustellen, dass das, was da freudig auf mich zugelaufen kommt, in ein paar Monaten als leckerer Schinken hinter dem Tresen auf einen wartet…

Auch die Rückfahrt ist ein Genuss. Durch die Felder, gemähte Wiesen, entlang kleiner Kanäle geht es auf hubbeligen Landwirtschaftswegen vorbei an Pferden und Schafen wieder zu unserem Stellplatz. Hier sind wir richtig!
Oktobersommer

Ach, was ist das morgens im Bett gemütlich! Aber ich möchte heute doch mal wieder raus zum Fotografieren. Denn ein Sonnenaufgang um viertel vor acht ist ja mit das angenehmste, was man sich vorstellen kann!

Also Rucksack und Stativ gepackt, aufs Fahrrad gestiegen und losgeradelt. Der Blick auf die still daliegende Ostsee ist schon mal wunderschön und ich stelle fest, dass es eine halbe Stunde früher wahrscheinlich noch toller gewesen wäre. Grmpf.

Mit meinen neuen Filtern bin ich noch nicht auf Du-und-Du und muss mir erst mal aneignen, an was ich alles denken muss, damit die Bilder nicht sehr speziell werden… Schön, wenn man im Blog dann nur die Bilder veröffentlichen kann, die was geworden sind!

Die Stimmung an der Schönberger Seebrücke ist herrlich entspannt. Eine Handvoll Leute ist schon unterwegs. Eine ältere Dame hat es sich in einem Strandkorb, der in Richtung der aufgehenden Sonne ausgerichtet ist, gemütlich gemacht und frühstückt.

Andere spazieren zum Ende der Seebrücke und wieder zurück. Und ein Müllwerker feudelt mal die ganzen Brückengeländer ab. Über allem liegt eine völlige Zeitlupenstimmung - als würde das noch ewig so weiter gehen. Aber als die goldene Stunde vorüber ist, mache ich mich auf den Rückweg zum Frühstücken.

Ruhestörung
Wir gehen den Tag heute mal noch ruhiger an als sonst schon. Das heißt: In Ruhe die Bilder des Morgens sichten bzw. Hunderunde am Strand. Und lesen, lesen, lesen.
Es könnte so schön sein, wenn nur nicht hinter der Hecke offensichtlich ein Freundestreffen im größeren Stile stattfinden würde. Und auch das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn es nicht diese eine Frau gäbe, die immer übertrieben laut reden und vor allem lachen würde. Eben alles einen Tacken too much. Wir sind da ja eher auf der Suche nach Ruhe…
Aber da der Stellplatz groß ist, kundschafte ich kurzerhand aus, ob man am anderen Ende noch etwas hören kann und tatsächlich: Bis auf ein röhrend hustendes Rind himmlische Stille!
Also bewegen wir das MoMo ein paar Meter weiter, richten uns häuslich ein und sind glücklich. Und als Beweis, dass wir nicht wirklich unsoziale Grantler sind, können wir es wunderbar aushalten, dass sich direkt hinter uns eine junge Familie mit Kleinkind und Großeltern einrichtet, die aber rücksichtsvoll daran denken, dass sie nicht alleine auf der Welt sind.
Oktobersommer
Das einzige Gesprächsthema heute ist das sommerliche Wetter. Komplett irre 26° für Mitte Oktober. Und wir verbringen tatsächlich den Tag in T-Shirt und Shorts und auch abends wird es uns lange nicht so kalt wie noch gestern. Alles fühlt sich nach Sommer an.
Mittags radel ich noch mal los und kaufe im Supermarkt ein paar leckere Sachen ein. Unter anderem einen Pudel.
Nein, auch in Schleswig-Holstein kriegt man keine Hunde serviert. Aber dafür einen Rosinenstuten. Lecker und so mächtig, dass wir nach unserem Kaffeetrinken keinen größeren Hunger mehr verspüren. Das eigentlich für den Abend geplante Grillen verschieben wir mal flexibel auf morgen.
Hundestrand
Nachmittags gehen wir noch mal an den Hundestrand, damit die beiden Vierbeiner auch zu ihrem Recht kommen. Während Mia so etwas ja eher entspannt-routiniert zur Kenntnis nimmt und pflichtschuldigst mal an einem Büschel Seegras schnuppert, ist Elli in ihrem Element.

So viele neue Freunde! Ein Hund nach dem anderen wird zum Spielen aufgefordert und mit den neuen Buddies wird dann eine Runde nach der anderen gerast, dass der Sand und das Wasser nur so spritzen.
Und abends sitzen wir dann locker noch eine Stunde länger als gestern draußen, weil es einfach so mild ist und vor allem: Weil es im MoMo immer noch reichlich (zu) warm ist! Dabei ist es doch Ok-to-ber! In Deutsch-land! Am Me-her!
Mit dem Rad durch die Probstei

Heute wollen wir es noch mal wissen: Ab aufs Fahrrad!
Die Route tüftelt sich fast von selber aus. Erst mal auf dem autobahnähnlich breit ausgebauten Radweg zwischen Deich und Strand mit Rückenwind in Richtung Westen brausen.
Man merkt, dass Sonntag ist. Es ist deutlich mehr los als noch am Freitag, aber ohne dass man von Touristenmassen sprechen könnte. Immer noch sehr entspannt.

In Heidkate biegen wir dann landeinwärts ab und fahren über einsame Straßen in verlassen wirkende, aber propere Dörfer, die mittlerweile anscheinend zum großen Teil aus Ferienwohnungen und -häusern bestehen.

Auch an der Krokauer Mühle, im Reiseführer als großes Touristenziel beschrieben, herrscht tote Hose. Nix mit Einkehrmöglichkeit. Fahren wir halt ins nächste Dorf mit einer Gaststätte mit dem charmanten Namen „Der alte Auf“. Müsste das nicht eher die oder das heißen? Ist aber auch egal, denn: Betriebsferien. Mmpf.

Sehr nett sind die gelegentlich am Wegesrand zu findenden Strohskulpturen. Mal ein Strohhaus, dann ein überdimensionales Strohtelefon, aber den Vogel hat für uns eine Stroh-Minnie-Maus abgeschossen - stilecht mit Stern vom Walk of Fame. Zu sehen in Passade am Passader See. Aber auch hier: alles dicht, keine Saison mehr.

Café Unterirdistan
Aber beim Hotelcafé Fischerwiege steht immerhin die Tür offen. Vielleicht kriegen wir ja hier eine Stärkung? Ich gehe zum Fragen hinein und kriege die patzige Antwort „Sie sehen doch, dass die Tür offen ist. Dann haben wir wohl geöffnet.“ Hui, die Dame des Hauses hat aber Haare auf den Zähnen! Und auch unsere Frage nach angebotenen Speisen und Getränken beantwortet sie nicht gerade einladend. Eher so, als wären wir lästige Schmeißfliegen, die man jetzt gerade nicht so gut brauchen kann. Aber da wir ja wissen, dass es ringsum nicht mehr viel geben wird, bestellen wir Schorle und Kuchen.
Der Kracher ist aber dann Annettes Erlebnis, als sie nach Wasser für die Hunde fragt, da ein Wassernapf auf der Treppe steht. Ob sie das Wasser aus der Gießkanne daneben nehmen könne? „Ist Dünger drin.“ „Ja, aber ich hätte gerne Wasser…?“ „Dann bringen Sie mir halt den Napf!“ Als sie dann erstaunlicherweise sogar den Wassernapf an den Tisch bringt, gibt es noch barsche Anweisungen: „Den stellen sie nachher aber schön wieder auf die Treppe!“
Für diesen herzlichen Service hat die Dame es sich aber sowas von verdient, dass ich ein großzügiges Trinkgeld von 0€ gebe…
Hügeliges Auf und Ab
Auf dem Rückweg geht es dann durch goldenstes Oktoberwetter und auf größtenteils leeren Straßen zurück. Obwohl es hier ja eher flach ist, machen mir der Gegenwind und der Hundeanhänger ganz schön dicke Beine. Oder ist es doch das mangelnde Training? Hintern und Beine sind auf jeden Fall bei der Rückkehr erst mal bedient.
Von der See an die Seen
Unser Plan für morgen steht schon länger fest: Wir wollen mal wieder Kanu fahren! Und das soll man auf der Schwentine, dem längsten Fluss der Region, hervorragend können. Leider (bzw. Gottseidank) habe ich gesehen, dass in Preetz, was wir eigentlich ansteuern wollten, der Kanuverleih Montags und Dienstags geschlossen ist.
Na, egal, dann fahren wir halt nach Plön. Da kann man auch paddeln und der dortige Campingplatz hat auch einen Kanuverleih und einen unschlagbaren Namen: Spitzenort!
Als wir dort auf dem vor der Schranke liegenden Stellplatz ankommen, sind wir schon mal beeindruckt: 12 einzelne, kreisförmig angelegte Stellplätze mit Full-Hookup. Das Prinzip von Frisch- und Abwasser direkt am Platz kennen wir eigentlich nur aus den USA und vom Campingplatz in Sestri Levante in Italien. Toll! Nicht so toll sind der Schatten und der fehlende Seeblick, die doch eher engen (aber okayen) Stellplätze und vor allem die Straßengeräusche, die sich doch mehr oder weniger störend bemerkbar machen.
Also gucken wir mal, wie der Rest des Platzes aussieht. Und finden, dass er seine Top-Bewertungen redlich verdient hat. Top Lage, top Plätze, top sanitäre Einrichtungen. Und daher zahlen wir dann (trotzdem zähneknirschend) den Aufpreis von 9€ für einen Stellplatz auf dem „echten“ Campingplatz. Wer sich solche Mühe mit dem Instandhalten einer schönen Anlage gibt, darf auch mehr verlangen.
Einen Wermutstropfen gibt’s dann aber doch noch für uns: „Kanuverleih? Nein, die Saison ist vorbei. Ich habe mit den anderen Verleihern gesprochen und hier in der Region macht keiner mehr was.“ Das ist jetzt nicht die Auskunft die wir haben wollten…
Abends sitzen wir dann fast in erster Reihe am See, sehen der Sonne beim Untergehen zu und schmeißen unsere Einkäufe vom Metzger Muhs auf den Grill.

Schön in Plön

Wir tun uns zunächst etwas schwer. Mit einem Luxusproblem. Denn es gefällt uns ausgesprochen gut hier. Auf dem Campingplatz. Und am Plöner See. Aber der stramme Preis für den Campingplatz gefällt uns nicht. Die perfekte Lage aber schon. Also was tun? Wir überlegen hin. Wir überlegen her. Und entscheiden uns letztendlich für das, was wir ohnehin schon wussten: Hierbleiben! Denn wenn wir eins gelernt haben, dann ist es, auf unser Bauchgefühl zu hören. Und der Bauch will hier bleiben. Wir sind noch nicht fertig.
Und zum Nicht-fertig-sein gehört erst mal natürlich: Frühstücken bei 10° in der Morgensonne. Lesen. Meditieren. Da sein.

Auf der Prinzeninsel
Gegen Mittag beschließen wir dann aber doch, mal etwas zu unternehmen. Heute mal wieder zu Fuß. Denn die langgestreckte Prinzeninsel liegt nebenan und wartet nur darauf begangen zu werden.

Wir nehmen den Uferwanderweg und können von hier aus noch mal feststellen, wie sensationell die Lage unseres Campingplatzes ist. Schon schön hier! Und auch die Insel mit ihren Wegen durch die sonnenbeleuchteten Erlen am Ufer entlang hat ihren Charme. Kann man verstehen, dass Kaisers hier vor über hundert Jahren gerne hingekommen sind!

Planetenweg
Auf dem Rückweg entdecken wir den Planetenweg, der uns bis nach Plön begleiten wird. Alle Planeten des Sonnensystems in maßstabsgetreuem Abstand zur Sonne. Dauert zunächst ganz schön lang, bis man vom Neptun zum Uranus gekommen ist! Und dass, obwohl wir (maßstabsgerecht) mit 10facher Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind…

Unterwegs entdecken wir eine merkwürdige Insel mit größtenteils schneeweißen Blättern. Arbeitshypothese: Die Insel ist von Kormoranen zugeschissen worden…

City ohne Gastronomie
Als wir in Plön dann bei der Sonne ankommen, die einen Ehrenplatz auf einem Steg bekommen hat, haben wir bis dahin keine einzige Einkehrmöglichkeit gefunden. Alles dicht. Also ab in die Fuzo, um den aufgekommenen Hunger zu stillen. Aber auch dort ist das Angebot eher übersichtlich. Oder wir sind zu verwöhnt. Denn es gibt zwar einige Cafés - aber die wirken auf den ersten Blick wenig einladend. Wir entscheiden uns für das Vis-a-vis, was aber auch übersichtlich in der Qualität ist. Und auch die Suche nach einem Bäcker, wo wir uns Teilchen für das Kaffeetrinken am Womo kaufen wollen, wird wider Erwarten schwer. Alles Kettenbäcker, deren Angebot wenig ansprechend ist - zumindest, wenn man das mal mit dem Angebot in Frankreich vergleicht. Wir pendeln auf der Fumo auf und ab, ohne uns entscheiden zu können. In der Bäckerei ganz am Ende der Einkaufsmeile werden wir dann aber doch fündig. Der Striezel heißt hier Kopenhagenschnitte, ist dafür aber riesig und schmackhaft.
Stille am See
Wieder zurück am MoMo genießen wir die entspannte Atmosphäre auf dem Campingplatz. Fast wirkt es so, als wären wir die einzigen Gäste, so ruhig ist es hier.

In der goldenen Stunde gehe ich noch mal eine Runde fotografieren. Als ich an einem Steg Fotos schieße, deutet eine Frau auf meine Kamera und meint „Die hätte ich vorhin gut brauchen können!“ Denn auf der großen Insel gegenüber dem äußeren Zipfel der Prinzeninsel habe sie Seeadler gesehen, die aber auf ihren Handyfotos lediglich stecknadelgroß aussehen würden. Hm, da habe ich wohl was verpasst….

Und das es heute nahezu windstill ist, können wir in der Dunkelheit noch ein bisschen draußen sitzen und den Sternenhimmel angucken. Und das merkwürdige Schnaufen unter uns? Entpuppt sich als Igel auf Futtersuche!









