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Das MoMo an der Ostsee und der Müritz


moensters am 22 Apr 2019 18:15:36

Letzten Herbst waren wir an der Schleswig-holsteinischen Ostseeküste und an der Müritz unterwegs. Bitte einsteigen!

Das ganze mit mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Farbexplosionen

In der letzten Zeit hat es uns ja gerne in die Ferne gezogen. Kalifornien! Skandinavien! Schweiz! Diesmal backen wir kleinere Brötchen, die aber vermutlich ähnlich gut schmecken werden. Wir erkunden einen Teil Deutschlands, den wir bisher doch eher vernachlässigt haben: Die Ostseeküste und die mecklenburgische Seenplatte stehen auf dem Programm.
Sonnenexplosion in Geesthacht
Unsere Anfahrt führt uns diesmal über Geesthacht, östlich von Hamburg, weil ich dort, quasi direkt von der Zentrale, meine neuen Filter zum Fotografieren abholen kann, die ich nicht mehr rechtzeitig vor der Reise bestellt hatte.
Und als wir dort ankommen, ist es schon Abend und die Sonne kündigt bei goldenem Oktoberwetter schon mal an, was uns die nächsten Tage erwarten könnte: ein spektakulärer Sonnenuntergang über der Elbe mit allen Farbtönen im roten Farbspektrum. Wow!

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wie bestellt und wir fahren weiter in Richtung Norden. Denn die Gegend um Kappeln hat uns auf der Rückfahrt von Dänemark schon gut gefallen und wir wollen mit der deutschen Ostseeküste dann auch ganz im Norden beginnen.
Outlet-Center-Test
Auf dem Weg dorthin kommen wir an Neumünster vorbei, wo es ein Outlet-Center vom Betreiber McArthur-Glen gibt, der auch bei uns Zuhause in Lennep eines errichten möchte. Da können wir ja schon mal gucken, was auf uns zukommt.

Und was wir sehen, ist ein sehr hübsch gestaltetes Kaufdorf mit großen Parkflächen. Aber anders als in Lennep liegt das Ganze am Stadtrand und es gibt hier eine direkte Zufahrt zur Schnellstraße, so dass der Verkehr kein Problem darzustellen scheint.

Entsprechend entspannt schlendern wir durch das Dorf, gucken hier und kaufen da und wundern uns nur ein bisschen, dass der Tag schon fortgeschritten ist, als wir aufbrechen.
Langballigau
Da Annette in einem Reiseführer eine lohnenswerte Wanderung in der Gegend gefunden hat, führt uns der Weg nach Langballigau. Hört sich so ein bisschen an wie ein verlorener Clown aus dem Zirkus Roncalli, bis wir schnallen, dass man hinten nur das -au als Silbe lesen muss…
Alles riecht schon sehr nach Saisonschluss - geschlossene Souvenirläden und Fischbuden. Aber der Campingplatz hat immerhin noch auf und es gibt sogar Womoplätze direkt am Strandweg, von denen einer noch frei ist: Nehmen wir!

Sonnenuntergang mit Spätzünder
Auf Empfehlung der Platzwartin gehen wir die paar Meter zur Fischbude Odinfischer hinüber. Ein Fischimbiss mit leckeren Varianten von Fischbrötchen direkt am Hafen. Und weil es so lecker war, gab es noch eine Fischfrikadelle als Nachtisch…

Während wir uns bei Fisch und Flens im Hafen die Segelschiffe angucken, ist ganz unspektakulär die Sonne untergegangen. Nicht so wie gestern - schade! Zumindest war das mein erster Gedanke. Aber Annette behält mit ihrem „Wart mal ab, was da noch kommt.“ so was von recht!

Denn zunächst wird die Landschaft über der Ostsee in ganz sanfte, pastellene Töne getaucht.

Eine Schwanenmutter zieht mit ihren 6(!) fast ausgewachsenen Kindern an uns vorbei. Eine Spaziergängerin erzählt uns später, dass der dazugehörige Vater von einem Hund totgebissen worden ist…

Dann leuchtet der Himmel immer intensiver in hellen Blautönen, die von orange-pinkfarbenen Streifen durchsetzt sind. Spektakulär!

Und über allem kreisen, als wir zum MoMo zurück gehen, Hunderte von Krähen, die sich anscheinend geschlossen ins Nachtquartier begeben. So toll kann es auf dieser Reise gerne weiter gehen!


Wandertag

Wie bringt man möglichst viele Leute gegen sich auf? Ganz einfach: Morgens um 7 mit der Motorsense Rasen schneiden. Auf die Idee muss man erst mal kommen! Herzlichen Dank, Gemeindeverwaltung, die ihre Gärtner so früh auf die Gäste loslässt…
Ansonsten können wir aber nicht meckern. Immer noch Goldener Oktober. Und da es uns ansonsten gut hier gefällt, verlängern wir und bleiben noch eine Nacht. Denn für heute haben wir uns gleich zwei Wanderungen ausgeguckt. Einmal Wald und Steilküste und einmal in die Auen von Langballigau.
Buchen sollst du suchen
Die Steilküste ist hier zwar nicht so steil wie in Nimis, aber ein bisschen hinauf müssen wir doch, um dann von oben auf die Förde zu gucken.
Nachdem wir ein paar sehr hübsche Häuser (mal mit, mal ohne Reet) passiert haben, geht es in einen luftigen Buchenwald oberhalb des Kliffs. Eine tolle Lichtstimmung herrscht hier! Und Pilze gibt es in Massen - wenn wir jetzt bloß wüssten, ob die essbar sind!
Die Aussicht auf das offene Wasser und die gegenüberliegende dänische Küste haben schon was.

Und auch am Meer kann man anschließend gemütlich in der Sonne entlangschlendern.
Was uns besonders gefällt, sind die endlos langen Baumstämme, die sich in den Himmel strecken, aber immer noch genügend Licht durchs Laub. lassen - hat sehr was von einer natürlichen Kathedrale, wo alles noch oben strebt.


Pause bei Odin
Wir belohnen uns für diese erste Wanderung mit einem Mittagsfischbrötchen beim Odinfischer.

Und es ist gut besucht! Wir finden aber ein Plätzchen an einem der großen Banktische und kommen anschließend nett mit den Tischnachbarn ins Gespräch.
Eine ältere Dame erzählt, dass ihr Mann noch am Fischstand Kliesche kaufen würde. Auf unseren verständnislosen Blick hin klärt sie uns auf, dass dies eine Schollenart sei, die sich aber einfacher zubereiten und vor allem essen lasse. Kurzentschlossen kaufen wir uns die letzten verbliebenen 4 Fische für lumpige 4€ und planen sie fürs Abendessen ein.
Au ja!
Nach kurzer Kaffee- und Erholpause brechen wir am frühen Nachmittag wieder auf. Diesmal entfernen wir uns vom Meer und gehen landeinwärts in die Auen, die dem Ort seinen Namen gegeben haben.
Und vieles erinnert uns an heimatliche Spaziergänge durchs Bergische. Dass wir hier an der Küste so viel Wälder und hügeliges Auf und Ab antreffen würden, hätten wir vorher nicht gedacht. Gefällt uns aber ausgesprochen gut!

Fast noch besser gefällt uns dann das Museumsdorf Unewatt. Richtig schön hier. Landidylle pur!

Und im Landhaus Unewatt stärken wir uns dann erst mal mit Kuchen, damit wir auf dem Rückweg nicht vom Fleisch fallen.

Noch’n Sonnenuntergang
Als wir am MoMo ankommen, ist es schon kurz vor Sonnenuntergang. Ich packe Kamera, Stativ und meine neu erworbenen Filter ein und stiefele los. Nach den letzten beiden Sonnenuntergängen ist die Erwartungshaltung natürlich groß. Aber zunächst deutet nichts darauf hin, dass es wieder so spektakulär wird. Es ist diesig und die Sonne verschwindet eher unspektakulär in einem Wolkenfeld. Na super… Alles, was ich trotzdem an Aufnahmen versuche, wird eher so meh.
Aber mit ein bisschen Geduld werde ich schließlich doch noch belohnt. Denn auch heute erweist sich das ganze als Spätzünder, der erst recht spät das heute mal orangene Feuerwerk am Himmel zündet.

Und als dann noch die Krähen ihr allabendliches Spektakel aufführen und sich in Scharen in die Lüfte schwingen, bin ich mir sicher: Das Warten hat sich gelohnt!

Fisch und Bonbons

Heute brechen wir unsere Zelte in Langballigau ab und fahren ein Stückchen weiter.

In einem Reiseführer hatten wir vom Hofladen in Hüsfeld gelesen, der ganz in der Nähe liegt. Die Mischung aus spanischen und norddeutschen Spezialitäten hört sich spannend an. Und in dem Lädchen gibt es vieles Leckeres und auch geschmackvolle Töpfersachen, die wir aber heldenhaft nicht kaufen, obwohl sie schön sind. Man kann einfach nicht alles kaufen, was einem gefällt…

Die Fahrt durch die sonnige Herbstlandschaft ist ein Traum - alles glänzt in warmen goldenen Tönen. In Kappeln werden wir an der hochgezogenen Schleibrücke kurz aufgehalten, können aber ansonsten problemlos zu unserem Mittagsstop in Eckernförde gelangen.

Dort gibt es als Besonderheit nicht nur einen angeblich sehr guten Womo-Stellplatz (haben wir aber nicht besichtigt), sondern sogar einen Kurzzeit-Womo-Parkplatz, mit angenehm breiten Parklücken. Auch mal schön!

Unser Weg führt uns zunächst mal an den Strand mit einem Steg, der ins Meer führt und für Elli offensichtlich sehr unheimlich ist, da man zwischen den Bohlen immer schön das Meer unter sich sehen kann. Aber eine schöne Aussicht auf die Eckernförder Bucht hat man von hier!

FischZeit
Unser Mittagessen wird auch heute wieder ein Fischbrötchen. Wir sind echt auf den Geschmack gekommen! Die besten soll es laut TripAdvisor bei FischZeit geben. Und wir sind zumindest schon mal von der Freundlichkeit der Bedienung absolut begeistert. Denn hier bekommen sogar Hunde eine Fischfrikadelle „aufs Haus“. Elli kann ihr Glück gar nicht fassen…!

Aber auch unsere Fischbrötchen munden gar köstlich. Ich frage nach, was die Fischsoljanka denn für eine Art Suppe sei. Nach dem Schwärmen der Chefin von ihrer eigenen Suppe bestellen wir mal auf gut Glück für uns beide. Und werden nicht enttäuscht - eine sehr würzige, paprikalastige Suppe mit Creme fraiche und großen Fischstückchen vom Wels und winzigen Krabben. Anders als meine bisherigen Lieblingssuppen aber definitiv lecker!

Wir werden wiederkommen!
Bummel
Eckernförde hat eine beeindruckend lange Fußgängerzone mit einem undefinierbaren 80er-Charme. Nicht wirklich schlimm, aber auch nicht wirklich einladend oder gar mondän. Nachdem wir schon im Hofladen von den irrsinnigen Immobilienpreisen in der Region gehört haben, können wir das hier im Aushang der Banken und Makler bestätigt sehen. Da kann man auch gerne mal 1,5 Millionen ausgeben…
Bonbon-Heaven

Als wir schon fast am Hafen angekommen sind, zieht uns der Duft aus der Bonbonkocherei magisch an. Es gibt ein launig kommentiertes Showkochen der Bonbons und wir füllen uns ein Säckchen mit einem Sammelsurium der Bonbons, die uns anlachen. Leider sind das mehr als gut für uns (und die Reisekasse) sind. Aber als wir nachher Kokos-Krokant und Salmiakfondant Vollmilch schnagern sind wir überzeugt, das Geld gut angelegt zu haben und bereuen schon, die Tüten nicht üppiger gefüllt zu haben. Dicke Empfehlung!

Stinkeleuchtturm
Unser Tagesziel ist das Schwedeneck. Wie könnten wir auch an einem Ziel mit diesem Namen vorbeifahren?! Am dortigen Bülker Leuchtturm gibt es sogar extra Womoparkplätze. Wir spekulieren mal drauf, dass wir im Oktober da noch ein Plätzchen kriegen werden. Und tatsächlich ist es kein Problem, dort einen Stellplatz zu finden, obwohl es „nur“ 10 Plätze gibt. Etwas kurios ist die Parkregelung, dass man nachts kostenlos dort stehen darf, aber tagsüber bezahlen soll. Naja, jeder so wie er mag.

Nachdem wir uns im Leuchtturmcafe mit einem Bierchen gestärkt haben, erkunden wir die Umgebung. Und stellen fest, dass der leicht strenge Geruch in der Luft sicherlich durch die vielen Algen am Strand erzeugt wird, aber vielleicht auch dem Klärwerk der Region zu verdanken ist, das direkt nebenan ist… Aber nach einiger Zeit nimmt man den Geruch gar nicht mehr so sehr wahr, so dass wir beschließen, doch die Nacht hier zu verbringen.

Nur das Sonnenuntergangsspektakel macht heute, bei diesem makellos blauen Himmel, einfach mal Verschnaufpause.


Hinterlandidylle

Diesmal werden wir pünktlich zum Sonnenaufgang wach. Und ich bin überrascht, wie viele Vans sich neben uns tummeln. Bestimmt so an die 10. Und die Coolen haben einfach den Kofferraumdeckel geöffnet und begrüßen den Sonnenaufgang mit halboffenen Augen aus dem Bett. Hat auch was!

Nach dem Frühstück machen wir uns noch mal auf den Weg am Leuchtturm vorbei. Es geht an der nicht ganz so arg steilen Steilküste vorbei und auch hier finden wir wieder die dicken Buchen am Abgrund. Fotogen!

Am Strand buddelt sich Elli mal wieder voller Enthusiasmus in den Sand ein - da merkt man dann doch noch sehr, dass sie ein verspieltes Hundekind ist…
California, here we come
Wir verabschieden uns vom Bülker Leuchtturm und machen uns auf den Weg auf die andere Seite der Kieler Förde. Genauer gesagt nach Kalifornien. Ja, das ist kein Witz! Ein Fischer hatte einst eine Schiffsplanke mit dem Schriftzug „California“ gefunden und über seine Haustür genagelt. Und irgendwann war es dann der Ortsname geworden. Für uns natürlich willkommene Gelegenheit, an unsere Frühjahrsreise zurückzudenken!

Der Ort macht vom Wetter her seinem Namen alle Ehre - blauer Himmel und Temperaturen über 20°. Von der Geschäftigkeit eher weniger - alles ist schon mehr als halb im Winterschlaf. Lediglich das Personal im Touristenbüro ist auf zack und versorgt mich mit Infos und packt mir als Goodie noch die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ drauf. Kann man nicht meckern!
Wir machen uns auf den Weg zum Strand und werden mit einem Automaten zur Entrichtung der Strandbenutzungsgebühr konfrontiert. Aber gilt der auch für die breiten Wege über den Deich? Wir beschließen: Nein und gehen in Richtung Osten.

Nächster Halt: Brasilien

Die verrückte Geschichte an diesem Strand geht aber noch weiter. Denn wenn man einen Kilometer weiter geht, landet man in…: Brasilien! Denn der Nachbarfischer sah das protzige Kalifornien-Schild bei seinem Nachbarn, nahm das ganz dann mal in die eigene Hand und pinselte sich ein grün-gelbes Brasilienschild für sein Haus. Und so ist es dann heute noch…

Und als ich dort sehe, dass es einen Womo-Stellplatz gibt, macht es plötzlich „Klick!“ und wir beschließen, die eigentlich geplante Weiterreise zu verschieben und auf später zu verschieben. Denn eigentlich hätten wir hier alles, was doch in diesem Urlaub auch noch haben wollen: Sonne, Stellplatz, Gelegenheit zum Fahrradfahren. Bäng!

Radtour durchs Hinterland
Wir parken also das MoMo um and nehmen den Stellplatz am Mittelstrand. Nach einem stärkenden Kaffee schwingen wir uns (diesmal hundelos) auf die Räder und fietsen zur Fischbude nach Schönbergstrand. Denn ein Tag ohne Fischbrötchen ist momentan ein verlorener Tag!
Im Dorf Krummbek haben wir die Biometzgerei Muhs ausgekundschaftet und wollen uns dort Aufschnitt und etwas zum Grillen besorgen. Und der Weg dorthin macht schon richtig Spaß. Über das weite Land, durch kleine Dörfer, größtenteils auf Radwegen und immer mit wenig Verkehr. Herrlich!

Man kann auf dem Hof sehen, wie die Schweine sich in ihren Schweineställen suhlen. Einerseits ja wunderbar, zu sehen, wie die Tiere gehalten werden. Andererseits auch schwer, sich vorzustellen, dass das, was da freudig auf mich zugelaufen kommt, in ein paar Monaten als leckerer Schinken hinter dem Tresen auf einen wartet…

Auch die Rückfahrt ist ein Genuss. Durch die Felder, gemähte Wiesen, entlang kleiner Kanäle geht es auf hubbeligen Landwirtschaftswegen vorbei an Pferden und Schafen wieder zu unserem Stellplatz. Hier sind wir richtig!

Oktobersommer

Ach, was ist das morgens im Bett gemütlich! Aber ich möchte heute doch mal wieder raus zum Fotografieren. Denn ein Sonnenaufgang um viertel vor acht ist ja mit das angenehmste, was man sich vorstellen kann!

Also Rucksack und Stativ gepackt, aufs Fahrrad gestiegen und losgeradelt. Der Blick auf die still daliegende Ostsee ist schon mal wunderschön und ich stelle fest, dass es eine halbe Stunde früher wahrscheinlich noch toller gewesen wäre. Grmpf.

Mit meinen neuen Filtern bin ich noch nicht auf Du-und-Du und muss mir erst mal aneignen, an was ich alles denken muss, damit die Bilder nicht sehr speziell werden… Schön, wenn man im Blog dann nur die Bilder veröffentlichen kann, die was geworden sind!

Die Stimmung an der Schönberger Seebrücke ist herrlich entspannt. Eine Handvoll Leute ist schon unterwegs. Eine ältere Dame hat es sich in einem Strandkorb, der in Richtung der aufgehenden Sonne ausgerichtet ist, gemütlich gemacht und frühstückt.

Andere spazieren zum Ende der Seebrücke und wieder zurück. Und ein Müllwerker feudelt mal die ganzen Brückengeländer ab. Über allem liegt eine völlige Zeitlupenstimmung - als würde das noch ewig so weiter gehen. Aber als die goldene Stunde vorüber ist, mache ich mich auf den Rückweg zum Frühstücken.

Ruhestörung
Wir gehen den Tag heute mal noch ruhiger an als sonst schon. Das heißt: In Ruhe die Bilder des Morgens sichten bzw. Hunderunde am Strand. Und lesen, lesen, lesen.
Es könnte so schön sein, wenn nur nicht hinter der Hecke offensichtlich ein Freundestreffen im größeren Stile stattfinden würde. Und auch das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn es nicht diese eine Frau gäbe, die immer übertrieben laut reden und vor allem lachen würde. Eben alles einen Tacken too much. Wir sind da ja eher auf der Suche nach Ruhe…
Aber da der Stellplatz groß ist, kundschafte ich kurzerhand aus, ob man am anderen Ende noch etwas hören kann und tatsächlich: Bis auf ein röhrend hustendes Rind himmlische Stille!
Also bewegen wir das MoMo ein paar Meter weiter, richten uns häuslich ein und sind glücklich. Und als Beweis, dass wir nicht wirklich unsoziale Grantler sind, können wir es wunderbar aushalten, dass sich direkt hinter uns eine junge Familie mit Kleinkind und Großeltern einrichtet, die aber rücksichtsvoll daran denken, dass sie nicht alleine auf der Welt sind.
Oktobersommer
Das einzige Gesprächsthema heute ist das sommerliche Wetter. Komplett irre 26° für Mitte Oktober. Und wir verbringen tatsächlich den Tag in T-Shirt und Shorts und auch abends wird es uns lange nicht so kalt wie noch gestern. Alles fühlt sich nach Sommer an.
Mittags radel ich noch mal los und kaufe im Supermarkt ein paar leckere Sachen ein. Unter anderem einen Pudel.
Nein, auch in Schleswig-Holstein kriegt man keine Hunde serviert. Aber dafür einen Rosinenstuten. Lecker und so mächtig, dass wir nach unserem Kaffeetrinken keinen größeren Hunger mehr verspüren. Das eigentlich für den Abend geplante Grillen verschieben wir mal flexibel auf morgen.
Hundestrand
Nachmittags gehen wir noch mal an den Hundestrand, damit die beiden Vierbeiner auch zu ihrem Recht kommen. Während Mia so etwas ja eher entspannt-routiniert zur Kenntnis nimmt und pflichtschuldigst mal an einem Büschel Seegras schnuppert, ist Elli in ihrem Element.

So viele neue Freunde! Ein Hund nach dem anderen wird zum Spielen aufgefordert und mit den neuen Buddies wird dann eine Runde nach der anderen gerast, dass der Sand und das Wasser nur so spritzen.
Und abends sitzen wir dann locker noch eine Stunde länger als gestern draußen, weil es einfach so mild ist und vor allem: Weil es im MoMo immer noch reichlich (zu) warm ist! Dabei ist es doch Ok-to-ber! In Deutsch-land! Am Me-her!

Mit dem Rad durch die Probstei

Heute wollen wir es noch mal wissen: Ab aufs Fahrrad!
Die Route tüftelt sich fast von selber aus. Erst mal auf dem autobahnähnlich breit ausgebauten Radweg zwischen Deich und Strand mit Rückenwind in Richtung Westen brausen.
Man merkt, dass Sonntag ist. Es ist deutlich mehr los als noch am Freitag, aber ohne dass man von Touristenmassen sprechen könnte. Immer noch sehr entspannt.

In Heidkate biegen wir dann landeinwärts ab und fahren über einsame Straßen in verlassen wirkende, aber propere Dörfer, die mittlerweile anscheinend zum großen Teil aus Ferienwohnungen und -häusern bestehen.

Auch an der Krokauer Mühle, im Reiseführer als großes Touristenziel beschrieben, herrscht tote Hose. Nix mit Einkehrmöglichkeit. Fahren wir halt ins nächste Dorf mit einer Gaststätte mit dem charmanten Namen „Der alte Auf“. Müsste das nicht eher die oder das heißen? Ist aber auch egal, denn: Betriebsferien. Mmpf.

Sehr nett sind die gelegentlich am Wegesrand zu findenden Strohskulpturen. Mal ein Strohhaus, dann ein überdimensionales Strohtelefon, aber den Vogel hat für uns eine Stroh-Minnie-Maus abgeschossen - stilecht mit Stern vom Walk of Fame. Zu sehen in Passade am Passader See. Aber auch hier: alles dicht, keine Saison mehr.

Café Unterirdistan
Aber beim Hotelcafé Fischerwiege steht immerhin die Tür offen. Vielleicht kriegen wir ja hier eine Stärkung? Ich gehe zum Fragen hinein und kriege die patzige Antwort „Sie sehen doch, dass die Tür offen ist. Dann haben wir wohl geöffnet.“ Hui, die Dame des Hauses hat aber Haare auf den Zähnen! Und auch unsere Frage nach angebotenen Speisen und Getränken beantwortet sie nicht gerade einladend. Eher so, als wären wir lästige Schmeißfliegen, die man jetzt gerade nicht so gut brauchen kann. Aber da wir ja wissen, dass es ringsum nicht mehr viel geben wird, bestellen wir Schorle und Kuchen.
Der Kracher ist aber dann Annettes Erlebnis, als sie nach Wasser für die Hunde fragt, da ein Wassernapf auf der Treppe steht. Ob sie das Wasser aus der Gießkanne daneben nehmen könne? „Ist Dünger drin.“ „Ja, aber ich hätte gerne Wasser…?“ „Dann bringen Sie mir halt den Napf!“ Als sie dann erstaunlicherweise sogar den Wassernapf an den Tisch bringt, gibt es noch barsche Anweisungen: „Den stellen sie nachher aber schön wieder auf die Treppe!“
Für diesen herzlichen Service hat die Dame es sich aber sowas von verdient, dass ich ein großzügiges Trinkgeld von 0€ gebe…
Hügeliges Auf und Ab
Auf dem Rückweg geht es dann durch goldenstes Oktoberwetter und auf größtenteils leeren Straßen zurück. Obwohl es hier ja eher flach ist, machen mir der Gegenwind und der Hundeanhänger ganz schön dicke Beine. Oder ist es doch das mangelnde Training? Hintern und Beine sind auf jeden Fall bei der Rückkehr erst mal bedient.
Von der See an die Seen
Unser Plan für morgen steht schon länger fest: Wir wollen mal wieder Kanu fahren! Und das soll man auf der Schwentine, dem längsten Fluss der Region, hervorragend können. Leider (bzw. Gottseidank) habe ich gesehen, dass in Preetz, was wir eigentlich ansteuern wollten, der Kanuverleih Montags und Dienstags geschlossen ist.
Na, egal, dann fahren wir halt nach Plön. Da kann man auch paddeln und der dortige Campingplatz hat auch einen Kanuverleih und einen unschlagbaren Namen: Spitzenort!
Als wir dort auf dem vor der Schranke liegenden Stellplatz ankommen, sind wir schon mal beeindruckt: 12 einzelne, kreisförmig angelegte Stellplätze mit Full-Hookup. Das Prinzip von Frisch- und Abwasser direkt am Platz kennen wir eigentlich nur aus den USA und vom Campingplatz in Sestri Levante in Italien. Toll! Nicht so toll sind der Schatten und der fehlende Seeblick, die doch eher engen (aber okayen) Stellplätze und vor allem die Straßengeräusche, die sich doch mehr oder weniger störend bemerkbar machen.
Also gucken wir mal, wie der Rest des Platzes aussieht. Und finden, dass er seine Top-Bewertungen redlich verdient hat. Top Lage, top Plätze, top sanitäre Einrichtungen. Und daher zahlen wir dann (trotzdem zähneknirschend) den Aufpreis von 9€ für einen Stellplatz auf dem „echten“ Campingplatz. Wer sich solche Mühe mit dem Instandhalten einer schönen Anlage gibt, darf auch mehr verlangen.
Einen Wermutstropfen gibt’s dann aber doch noch für uns: „Kanuverleih? Nein, die Saison ist vorbei. Ich habe mit den anderen Verleihern gesprochen und hier in der Region macht keiner mehr was.“ Das ist jetzt nicht die Auskunft die wir haben wollten…
Abends sitzen wir dann fast in erster Reihe am See, sehen der Sonne beim Untergehen zu und schmeißen unsere Einkäufe vom Metzger Muhs auf den Grill.


Schön in Plön

Wir tun uns zunächst etwas schwer. Mit einem Luxusproblem. Denn es gefällt uns ausgesprochen gut hier. Auf dem Campingplatz. Und am Plöner See. Aber der stramme Preis für den Campingplatz gefällt uns nicht. Die perfekte Lage aber schon. Also was tun? Wir überlegen hin. Wir überlegen her. Und entscheiden uns letztendlich für das, was wir ohnehin schon wussten: Hierbleiben! Denn wenn wir eins gelernt haben, dann ist es, auf unser Bauchgefühl zu hören. Und der Bauch will hier bleiben. Wir sind noch nicht fertig.
Und zum Nicht-fertig-sein gehört erst mal natürlich: Frühstücken bei 10° in der Morgensonne. Lesen. Meditieren. Da sein.

Auf der Prinzeninsel
Gegen Mittag beschließen wir dann aber doch, mal etwas zu unternehmen. Heute mal wieder zu Fuß. Denn die langgestreckte Prinzeninsel liegt nebenan und wartet nur darauf begangen zu werden.

Wir nehmen den Uferwanderweg und können von hier aus noch mal feststellen, wie sensationell die Lage unseres Campingplatzes ist. Schon schön hier! Und auch die Insel mit ihren Wegen durch die sonnenbeleuchteten Erlen am Ufer entlang hat ihren Charme. Kann man verstehen, dass Kaisers hier vor über hundert Jahren gerne hingekommen sind!

Planetenweg
Auf dem Rückweg entdecken wir den Planetenweg, der uns bis nach Plön begleiten wird. Alle Planeten des Sonnensystems in maßstabsgetreuem Abstand zur Sonne. Dauert zunächst ganz schön lang, bis man vom Neptun zum Uranus gekommen ist! Und dass, obwohl wir (maßstabsgerecht) mit 10facher Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind…

Unterwegs entdecken wir eine merkwürdige Insel mit größtenteils schneeweißen Blättern. Arbeitshypothese: Die Insel ist von Kormoranen zugeschissen worden…

City ohne Gastronomie
Als wir in Plön dann bei der Sonne ankommen, die einen Ehrenplatz auf einem Steg bekommen hat, haben wir bis dahin keine einzige Einkehrmöglichkeit gefunden. Alles dicht. Also ab in die Fuzo, um den aufgekommenen Hunger zu stillen. Aber auch dort ist das Angebot eher übersichtlich. Oder wir sind zu verwöhnt. Denn es gibt zwar einige Cafés - aber die wirken auf den ersten Blick wenig einladend. Wir entscheiden uns für das Vis-a-vis, was aber auch übersichtlich in der Qualität ist. Und auch die Suche nach einem Bäcker, wo wir uns Teilchen für das Kaffeetrinken am Womo kaufen wollen, wird wider Erwarten schwer. Alles Kettenbäcker, deren Angebot wenig ansprechend ist - zumindest, wenn man das mal mit dem Angebot in Frankreich vergleicht. Wir pendeln auf der Fumo auf und ab, ohne uns entscheiden zu können. In der Bäckerei ganz am Ende der Einkaufsmeile werden wir dann aber doch fündig. Der Striezel heißt hier Kopenhagenschnitte, ist dafür aber riesig und schmackhaft.
Stille am See
Wieder zurück am MoMo genießen wir die entspannte Atmosphäre auf dem Campingplatz. Fast wirkt es so, als wären wir die einzigen Gäste, so ruhig ist es hier.

In der goldenen Stunde gehe ich noch mal eine Runde fotografieren. Als ich an einem Steg Fotos schieße, deutet eine Frau auf meine Kamera und meint „Die hätte ich vorhin gut brauchen können!“ Denn auf der großen Insel gegenüber dem äußeren Zipfel der Prinzeninsel habe sie Seeadler gesehen, die aber auf ihren Handyfotos lediglich stecknadelgroß aussehen würden. Hm, da habe ich wohl was verpasst….

Und das es heute nahezu windstill ist, können wir in der Dunkelheit noch ein bisschen draußen sitzen und den Sternenhimmel angucken. Und das merkwürdige Schnaufen unter uns? Entpuppt sich als Igel auf Futtersuche!

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moensters am 22 Apr 2019 18:27:16

Der Osten ruft

Heute verabschieden wir uns von diesem wirklich herausragend schönen Campingplatz und verlassen damit auch die holsteinische Schweiz und Schleswig-Holstein. Wir hatten nicht erwartet, dass es uns hier so lange hält, aber im Gegenteil: Wir sind noch lange nicht fertig und kommen noch mal wieder! Den Abstecher nach Fehmarn verkneifen wir uns zugunsten der Weiterfahrt in den Osten. Denn ursprünglich wollten wir ja nach MeckPomm und die dortige Seenlandschaft erkunden.
Umweg übers Meer
Unser Ziel ist Wismar und wir wollen vorher noch ein bisschen die Ostseeregion östlich von Lübeck erkunden.
Unsere Route führt uns durch den Herrentunnel nördlich von Lübeck, der uns eine große Stadtumrundung erspart. Was ich bisher nicht wusste: Sowas kann auch in Deutschland mautpflichtig sein! Überrascht zahlen wir nach Durchfahrt durch den Tunnel brav unsere 3,10€. Ob das ähnlich wie in Norwegen auch irgendwann mal abgegolten ist und die Maut entfällt?

Die Weiterfahrt führt uns durch herbstliche Farben , die durch die vielen Alleen noch mal betont werden und sanft geschwungene Hügel. Wunderschön!
Biohof mit Aussicht
Am Hof Hohen Schönberg lassen uns der angekündigte Aussichtspunkt und der schöne Biobauernhof spontan anhalten. Der Bioladen kann mit einer wirklich einladenden Bauernhofauswahl überzeugen. Der frisch-leuchtende Mangold muss einfach gekauft werden! Und da das übrige Angebot an Wurst, Käse und Brot ähnlich gut aussieht, langen wir hier auch noch mal zu.

Der Aussichtspunkt ist dann auch richtig schön angelegt, aber leider ist es heute etwas diesig und fast schon schwül(!), so dass die Fernsicht leider zu wünschen übrig lässt. Schade!

Kurort ohne Charme
Next Stop Boltenhagen. Und für uns stellt es sich als Reinfall heraus. Was auf dem Papier noch verlockend aussah (Stellplatz mit Fischbude und Strand) entpuppt sich als kostenpflichtiger PKW-Parkplatz mit schmalem Strandstreifen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Und die Fischbude sieht nett aus, ist aber mit weitem Abstand auf dem letzten Platz, was die Qualität der bisherigen Fischbrötchen angeht.

Auch der Rest des Ortes kann uns nicht begeistern. Alles mit der typischen Touristeninfrastruktur, ein bisschen Kurort dazu, aber nichts, was uns zu einem längeren Halt verlockt.
Zweimal parken bitte
In Wismar sind wir zunächst höchst erfreut, dass wir mit park4night mal einen kostenfreien Stellplatz finden, der noch dazu am Stadtrand ist. Als wir in Richtung Stadt aufbrechen, sehen wir aber auch hier ein „Übernachten verboten“-Schild. Grmpf. Immerhin ist der offizielle Womostellplatz direkt in der Nähe und sieht auch noch gut aus. Und ist schon reichlich gut gefüllt - hätten wir Mitte Oktober nicht mehr erwartet!
Weltkulturerbestadt

Wir betreten Wismar dann über die Lübsche Straße und werden an großteils schön renovierten Häusern und ein paar netten Geschäften vorbei zum historischen Kern gelotst. Und hier sieht man, was sich in den letzten fast 30 Jahren dann doch getan hat: Schmucke Einkaufsstraßen, schön renoviert. Und selbst die Straßenmusikanten sind stilvoll: Ein Duo von Tuba und Klarinette, die abwechselnd Klassik und Filmmusiken spielen, gefällt uns richtig gut.

Glücklich macht glücklich
Irgendwie sind wir heute spät dran und so kommt es, dass wir erst kurz vor sechs im Café Glücklich aufschlagen, was in Reiseführer und Internet wärmstens empfohlen wird. Und wir wissen jetzt auch, warum. Zum einen ist es der sehr nette und freundliche Empfang, zum anderen die schnuckelige Einrichtung und natürlich die leckeren Torten und Kekse. Denn während ich eine Erdbeere-Windbeutel-Torte esse, genehmigt sich Annette zwei Glückskekse. Diese haben aber so rein gar nichts mit den mehr oder weniger geschmacklosen Chinakeksen zu tun. Es sind vielmehr köstliche Schokoladen-Cookies. Jam!

Vier-Schweine-Brücke
Wir lassen uns weiter treiben und kommen schon an der nächsten Ecke zur Nikolaikirche und direkt vor ihr eine kleine Gracht mit Brücken. Malerisch! Sehr schön finde ich dann die Schweinbrücke, wo an jedem Brückenpfeiler ein Schwein in einer anderen Pose zu bestaunen ist. Da kann Paderborn mit seinem 3-Hasen-Fenster einpacken!

Reichlich Bier und Schnaps
Im Brauhaus am Lohberg kehren wir dann für ein Abendessen ein, sind aber von Torte und Cookie noch so satt, dass es vorwiegend bei der flüssigen Nahrung bleibt. Wir stellen dann fest, dass die lokale Spezialität „Mumme“, ein Dunkelbier, nicht so sehr unseren Geschmack trifft, das lokal gebraute, aber komischerweise im Brauhaus(!) nicht vom Fass erhältliche Pale Ale dafür um so besser. Auch die Spirituosen können überzeugen und wir lernen, dass es nicht nur Weinbrand, sondern anscheinend auch einen Bierbrand gibt. Der „Mummebrand“ riecht und schmeckt dann tatsächlich ähnlich wie Whisky und ist gar nicht schlecht. Wieder was Neues gelernt!


Ohne Paddeln glücklich

Es wird Zeit, dass wir in die Müritzregion kommen. Denn zu unserem Kanutrip sind wir immer noch nicht gekommen. Deshalb brechen wir frühzeitiger als sonst auf und steuern den Kanuverleih kurz vor dem Warnowdurchbruchstal in Starnberger Burg an. Auch heute können wir wieder durch traumhafte Herbstlandschaft fahren.

Als wir dort aber ankommen, machen wir erst mal ein langes Gesicht. Zwar gibt es Kanus, aber keine Menschen. Und auch ein Anruf unter der angegebenen Nummer wird nicht beantwortet. Frustriert ziehen wir von dannen.
Durchs Durchbruchtal
Aber wir haben ja noch ein As im Ärmel. Es gibt nämlich auch einen netten Wanderspaziergang durch das Durchbruchstal der Warnow. Die Anfahrt zum Wanderparkplatz führt durch eine schmale, leuchtend bunte Allee - da muss man schon gut gucken, dass das MoMo keinen Schaden nimmt.
Im Tal sind wir dann nahezu für uns und es ist teilweise fast schon unheimlich still. Aber eben auch faszinierend, so eine weitgehend urtümliche Landschaft vor sich zu haben.

Der Weg führt uns mal mehr, mal weniger nah an der Warnow vorbei. Meine Hoffnung, dabei auch mal Getier vor die Linse zu kriegen (die Rede ist von Bibern, Ottern und Eisvögeln), wird aber nicht erfüllt. Dafür müsste man dann wohl doch die richtigen Stellen kennen und mehr Zeit haben. Aber auch so gefällt uns die Wald- und Flusslandschaft schon mal ganz gut.


Anlegeplatz
Die Route führt uns wieder zurück in Richtung Kanuverleih und hinter der Brücke über die Warnow gibt es einen kleinen Kanurastplatz, der aber heute nicht genutzt wird. Wir sehen nämlich jetzt, warum: Der Wasserpegel ist einfach zu niedrig, als dass man hier noch gut mit dem Kanu fahren könnte!

Aber für eine Kaffeepause ist dieser Platz dann wirklich wie gemacht. Wir machen es uns bequem und genießen den Sonnenschein und die friedliche Landschaft mit der träge vor sich hin fließenden Warnow, die immer einige Herbstblättchen mit sich führt.

Und irgendwann wird uns klar: Hier wollen wir heute eigentlich gar nicht mehr weg! Also verbringen wir den Rest des Tages entspannt mit lesen und damit, Ideen für die weitere Route sammeln.
Unterbrochen werden wir nur durch sporadisch vorbeikommende Autos und dem Spektakel eines Schaftriebs 2.0: Ein Schäfer im Quad vorweg, dann eine riesige Schafherde und schließlich Schäfer Nummer 2, ebenfalls im Quad, mit Hütehund Atze (oder Axel?) der das ganze zusammenhält. Echt beeindruckend!

Abendromantik
Zum Sonnenuntergang gehen wir noch mal zur wenige Hundert Meter entfernten Aussichtsplattform. Während Annette mit den Hunden den Sonnenuntergang genießt, versuche ich, ein paar schöne Aufnahmen von der Ahornallee zu machen, die hier gelb-orange im Abendlicht leuchtet.
Und als wir zum MoMo zurückkehren, sieht es hier auch toll aus: Auf den Wiesen steigt der Nebel empor und der Mond beleuchtet die kleine Schafherde, die es sich am Waldrand für die Nacht bequem gemacht hat. Herrlich!

Tanzende Steine und Spätzünder-Stadt

Das wir das noch erleben dürfen! Ein Morgen, der herbstlich-trüb mit Nebel und Fiselregen beginnt! Und so ein Wetter passt dann ja auch ganz gut zum Herbst und fühlt sich daher auch irgendwie richtig an.
Wir fahren ein paar Kilometer weiter Richtung Osten und kommen in den Genuss des ganzen Spektrums ostdeutscher Straßen: von perfekt-samtig-glatt über hubbelig zu übelstem Schritttempo-Backstein, der hier mindestens schon seit Goethes Zeiten rumliegt.
Wir parken mit einem gruseligen Gefühl vor dem Schießplatz des Schützenvereins von Tarnow. Gegründet 1992, aber mit Frakturschrift und gehisster Deutschlandfahne. Den Rest will man sich dann gar nicht denken, aber die Frage stellt sich von selbst: Was ist bei diesen Leuten wohl falsch gelaufen…?

Bruchpilot
Da im Reiseführer steht, dass die 3km-Strecke bis zu unserem Ziel, den Steinkreisen des Boitiner Steintanzes, eher langweilig sein soll, nehmen wir die Räder und Annette probiert in dieser gottverlassenen Gegend mal aus, Elli neben dem Fahrrad laufen zu lassen. Klappt auch ganz famos!

Ich halte diesen Versuch beim Fahren fotografisch fest, denke aber nicht dran, dass Elli eben noch nicht dran gewöhnt ist. Und als sie plötzlich stehen bleibt, muss ich, Handy in der Hand, eine Vollbremsung hinlegen. Blöd nur, dass das mit der Vorderradbremse sein muss und ich zwar rechtzeitig zum Stehen komme, aber gleichzeitig einen formvollendeten Abgang in den Graben mache, weil mir das hinten hochsteigende Fahrrad den Hintern aus dem Sattel hebt und mich wie ein störrischer Gaul abwirft.
Ein erster Check ergibt, dass ich Glück im Unglück gehabt habe. Alle Knochen heil, aber der linke Rippenbogen schmerzt schon ganz nett. Aber halt so, dass man gut weiterfahren kann. Und auch Handy und Fahrrad haben keinen nennenswerten Schaden genommen. Puh!
Magische Steinkreise
Der Weg zu den Steinkreisen führt dann recht abwechslungsreich durch ein Waldstück. Das hatten wir uns langweiliger vorgestellt. Und auch der Boitiner Steintanz ist dann ein toller Ort mit von Bäumen beschatteten kreisrund angeordneten Hinkelsteinen in 3 Kreisen. Und das ganze komplett für uns alleine. Da kommt fast ein bisschen Obelix-Feeling auf!

Auf dem Rückweg ist Elli dann schon fast richtig in ihrem Element und flitzt hinter und neben Annettes Fahrrad her. Das sieht zu drollig aus, aber das Handy lasse ich dann doch lieber in der Tasche…
Parkplatznot
Als nächstes Ziel haben wir uns Güstrow ausgeguckt. Aber es liegt ein kleiner Fluch über unserem Besuch der Barlachstadt. Zum einen gibt es eine ellenlange Umleitung wegen Straßenarbeiten, die uns auf den engen Alleenstraßen und LKWs im Gegenverkehr das Fürchten lehrt.
Aber auch in Güstrow ist das Parken eine Wissenschaft. Auf den eigentlich vorgesehenen 3(!) Womoparkplätzen unterhalb des Schlosses haben 2 PKWs geparkt. Einen davon „verscheuche“ ich noch, komme aber trotzdem nicht in die frei werdende Lücke, da der Platz zum Rangieren einfach zu eng ist. Danke, du blöder BMW-Arsch!
Wir kurven weiter über einen noch abenteuerlicher vollgeparkten Parkplatz und fahren schließlich auf die andere Seite der Altstadt, wo wir auf einem Großparkplatz in Bahnhofsnähe einen Platz finden, wo wir niemanden behindern, aber nicht der Regel „nur auf den markierten Plätzen parken“ entsprechen. No Risk, no fun!
Liebe auf den zweiten Blick
Wir hatten uns von Güstrow eine etwas beeindruckendere Altstadt erwartet. Alles wirkt durchaus aufgeräumt, teilweise schön renoviert, aber irgendwie fehlt uns die „Seele“. Auch beim Schlendern über den Pferdemarkt, die Einkaufsmeile, entdecken wir alle üblichen Ketten einer Großstadt, aber nichts „einzigartiges“. Naja.

Im Internet hatten wir die WunderBar als Top-Tip ausfindig gemacht und in deren Umgebung gibt es glatt noch 2 andere Restaurants, die sich gut anhören. Wir bleiben aber bei der Wunderbar, wo in wunderschöner, aber leider wenig lesbarer Schrift die Tageskarte auf einer Tafel steht - gut, dass es auch noch eine Version in Druckschrift gibt…

Gesättigt streifen wir durch die Straßen und erledigen das Pflichtprogramm: Der Schwebende ist eine berühmte, waagerecht hängend angebrachte Skulptur des Bildhauers, Malers und Dichters Ernst Barlach, die im Dom zu bestaunen ist und tatsächlich so toll wie erhofft ist. Und am Schloss kann man schöne Fotos hinter Gittern schießen!

Da im Magen noch ein bisschen Platz ist, machen wir noch Station im Café Küpper. Anscheinend eine Institution in der Stadt. Denn als wir zur besten Kaffeezeit dorthin kommen ist es brechend voll! Wir kriegen noch einen Platz bei zwei anderen Gästen am Tisch und können nach unserer Bestellung (Stachelbeere-Baiser- und Apfel-Mohn-Torte, beides topp!) zusehen, wie sich die Kuchenauswahl in besorgniserregender Geschwindigkeit verringert. Der Laden brummt!

Und als wir fröhlich weiterziehen, finden wir doch glatt noch einen neuen Lieblingsladen. In der Inselliebe gibt es Sachen unter der Überschrift „Bücher Wohnen Leben“. Und alles folgt dem einfachen Prinzip, dass es schön und gut sein muss. Und tatsächlich könnten wir den Laden gerne leerkaufen, wenn Portemonnaie und Platz im MoMo es hergäben. So werden es (für heute) nur 2 Bücher…

Endstation Wildpark
Beschwingt kehren wir zum MoMo zurück, um natürlich ein Knöllchen vorzufinden. Danke, Güstrow! Grmpf.
Wir fahren weiter zum Wildpark MV. Hier wollen wir übernachten und uns morgen den Tierpark in aller Ruhe angucken. Etwas komisch fühlt es sich aber schon an, als einzige Besucher auf dem riesigen Parkplatz zu stehen!

Unter Wölfen

Wir verbringen eine ausgesprochen ruhige Nacht auf dem Parkplatz des Wildparks. Keine Spur von Wolfsgeheul oder brünstigen Hirschen. Schade eigentlich. Aber kalt ist es geworden! Das Thermometer zeigt für draußen nur noch 2° an. Da muss man die Heizung dann doch mal ordentlich aufdrehen!

So ein schöner Park
Dann geht es los in den Tierpark. Nur mit Elli. Mia hat einmal die Nase in die Kälte gesteckt, ihr Geschäft verrichtet und dann ihren kuscheligen Platz im MoMo wieder eingenommen.

Und für Elli ist es das Abenteuer ihres Lebens. Fische! Meerschweinchen! Hühner! Frettchen! Bei letzteren gucken wir bei der Fütterung zu und Elli wird für ihr braves Verhalten sogar mit einem Stückchen Fleisch belohnt. Und die Tierpflegerin ist anschließend Freundin Nummer 1.

Wir sind vom Tierpark und seinem Konzept wirklich angetan. Gar nicht mal so viele Tiere. Aber für diese gibt es vergleichsweise riesige Areale in denen sie sich aufhalten können und doch reichlich artgerecht leben können. Futterservice inklusive.
Ausgesprochen cool finden wir die Idee der Raubtier-WG, wo Wölfe und Bären in einem Gehege zusammen leben und sich gekonnt ignorieren. Das sieht schon prickelnd aus, wenn drei Wölfe in ihrem elegant schwebenden Gang an einem entspannt dösenden Bären vorbei ziehen!
Besonders beeindruckt sind wir auch davon, dass man mit Hund (natürlich angeleint) fast überall hindarf - nur bei den Wölfen müssen die Hunde reichlich Abstand halten. Aber selbst im Freigehege mit dem Damwild dürfen die Vierbeiner mit rein - und es klappt wunderbar.

Lediglich zum Fotografieren ist es nicht so ganz optimal, weil der Park zum größten Teil in einem Wäldchen mit sehr hoch gewachsenen Kiefern angelegt ist. Zum Durchlaufen und für die Tiere bestimmt super, zum Fotografieren aber böse, da es dauernd zu dunkel ist.
Auf zum Müritzsee
Als wir am frühen Nachmittag alles weggeguckt haben geht es weiter zum östlichen Endpunkt unserer Reise: in den Nationalpark Müritz.
In unserer ACSI-App habe ich den Campingplatz Ecktannen gefunden, der südlich von Waren am Müritzsee liegt. Ein riesiges Areal mit verschiedenen Teilbereichen, von denen einige schon im Winterschlaf sind und nicht mehr benutzt werden sollen. Wir orientieren uns erst mal grob und finden dann einen Platz, an dem man noch die restliche Nachmittagssonne genießen kann.


Erst als wir später an den Zugang zum See gehen, sehen wir noch andere schöne Plätze, die Annette wegen ihres Seeblicks natürlich viel besser gefallen. Aber für einen nochmaligen Umzug fehlt uns dann doch das entscheidende Argument für „so viel besser“.

Nachdem wir Seeufer und Campingplatz noch mal zu Fuß erkundet haben, sind wir uns sicher, dass wir hier in der Region dann auch die letzten Reisetage verbringen werden. Das wird gut!

Stadttag

Der Herbst ist jetzt wirklich nicht mehr zu leugnen. Die Nacht war kalt, der Morgen zunächst sonnig, aber dann wird es immer bewölkter und die Temperaturen bleiben irgendwie an der 10°-Grenze hängen. Wir packen uns entsprechend ein und schwingen uns auf die Räder, um in die Stadt zu fahren.
Wie man sehen kann, hat Waren die Tourismus-Chancen der Wende voll genutzt und hat wirklich eine voll ausgebaute touristische Infrastruktur. Und gebaut wird immer noch an vielen Ecken. Das sieht alles sehr adrett aus!
Fischbrötchen reloaded
Kurz bevor wir den Ort erreichen gibt es eine Werbetafel für eine Fischbude. Und wir haben Lust. Nach dem Boltenhagener Fischbrötchen-Debakel waren wir etwas skeptisch, im Osten noch mal eines zu probieren. Aber die Müritzfischer katapultieren die Ehre des Ostens mal eben auf Platz 1. Sagt zumindest Annette, die geräucherten Wels auf ihr Brötchen bekommt. Und auch mein klassisches Backfischbrötchen schmeckt lecker.

Im Fahrradgeschäft um die Ecke frage ich vergeblich nach einem neuen Kettenschutz für mein Rad, da der alte beim Sturz das Zeitliche gesegnet hat. Dafür bekommt Annette einen neuen, deutlich bequemeren Sattel, der dann auch noch auf die richtige Höhe eingestellt wird. Anschließend schnacken wir noch nett mit dem Eigentümer, der ein bisschen von seinem Werdegang nach der Wende berichtet. Schon spannend, wenn man sieht, was sich hier in den letzten 30 Jahren getan hat!

Stadtbummel mit ohne Torte
Anschließend bummeln wir durch die Stadt, wärmen uns mal in diesem, mal in jenem Geschäft auf und kriegen frühen Kuchenhunger. Und als wir am vielgelobten Tortenhus ankommen, ist der Laden um halb zwei schon voll. Man möge bitte warten, bis man platziert wird. Der Laden brummt! In der Schlange unterhalten wir uns mit zwei netten Frauen, die ihre Alternativen durchgehen und auf das tetè a tee kommen. Wir beschließen, dort mal unser Glück zu probieren und versprechen, uns zu melden, wenn es dort leerer sei.

Aber dort angekommen ist es auch rappelvoll - was ist denn hier los? Aber der freundliche Chef besorgt uns einen Platz am Tisch eines anderen Paares - wir nehmen dankbar an. Und es lohnt sich doppelt, denn neben dem gemütlichen Ambiente mit individuell bezogenen Sesselchen gibt es auch leckeren Kuchen und freundliches Personal. Und es sei, wie die Frau am Tisch uns erzählt, auch viel gemütlicher und leiser in den Räumlichkeiten. Nehmen wir gerne mit!
Gemütlicher Nachmittag
Nach einem Einkauf zum Vorräte auffüllen begeben wir uns zurück zum MoMo, wo wir schon sehnsüchtig von den Hundis erwartet werden. Annette geht erst mal eine üppige Runde mit ihnen spazieren während ich versuche, in der Sonne zu faulenzen. Aber mit dem Sonnenschein ist es heute leider schnell wieder vorbei und es wird kühl. Herbst!
Nachdem wir dann noch gemeinsam einen schönen Sonnenuntergang am Seeufer genossen haben, gibt es ein köstliches Abendessen und dann noch einen Spieleabend - haben wir auch ewig nicht gemacht!


Grandiose Radtour

Wir brechen erst gegen Mittag bei vollem Sonnenschein auf. Und bewegen uns nur eine Handvoll Kilometer weiter in den Nationalpark Müritz. Dort soll es 2 Stellplatzmöglichkeiten für Womos geben. Wir gucken uns zunächst den asphaltierten Platz in Federow an und finden ihn zwar okay, aber nicht besonders heimelig. Sein Vorteil ist die zentrale Lage mit der Nationalparksinfo vor der Haustür und dem Schnittpunkt von vielen Wander- und Fahrradwegen.

Der Platz in Schwarzenhof sagt uns da schon mehr zu. Ist zwar letzten Endes auch nur die Wiese hinter einem Bauernhaus, dafür landschaftlich aber viel schöner fürs Auge. Hier bleiben wir. Und zwar für 2 Nächte. Denn auch von hier kann man viel unternehmen.

Ab aufs Rad
Es ist jetzt deutlich kühler als noch die Tage zuvor, aber im warmen Licht der Sonne lässt es sich perfekt radeln. Und die Radtour von Schwarzenhof ergibt sich quasi von selbst. Zunächst durchs Moor in Richtung Müritz, dann querfeldein zu den Seen und Aufstieg auf den Käflingsbergturm und. Über Speck zurück.

Schon das erste Stück ist sehr abwechslungsreich. Während man zunächst noch durch ein Wäldchen fährt, wird es am Specker Horst schon interessanter. Von einem Aussichtsturm aus hört man Dutzende Vögel mehr als dass man sie sieht, hat aber gleichzeitig eine Aussicht auf den Specker See, auf dem sie sich tummeln.

Dann geht es durch deine schilfige Morrlandschaft mit hohen Birken und ganz wunderbar entlang des Herrmannskanals, in dem sich das bunte Laub der Bäume und der strahlende Himmel spiegeln.
Annette macht das Experiment, beide Hunde oben aus dem Hänger herauslugen zu lassen. Mia genießt es sichtlich, sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen - ob sie sich daran erinnern kann, was sie früher alles bei einer Radfahrt aus dem Hänger sehen konnte? Und irgendwie sehen die beiden aus dem Fahrradhänger schauenden Hunde aus wie Figuren aus der Muppet-Show. Knuffig!
Aussicht zum Seele baumeln lassen
Nördlich von Boek machen wir Rast an einer Aussichtsplattform, von der aus vor einem die Müritz in großartigem 180°-Panorama liegt. Ein Ort, an dem man bei diesem Wetter einfach stundenlang sitzen könnte. Balsam für die Seele.

Wir fahren trotzdem weiter und zwar jetzt landeinwärts auf breiten, manchmal etwas sandigen Wanderwegen Richtung Priesterbäkersee. Auch hier ist die Fahrt ein Farbrausch aus allen Herbstfarben plus klares Blau vom Himmel und zum Verfeinern noch das leuchtende Weiß der Birken.

Am See machen wir an einem Aussichtspunkt eine kleine Rast, um unseren Proviant zu vertilgen. Dort treffen wir erneut auf ein älteres Ehepaar, das wir schon am Ausguck an der Müritz getroffen hatten. Wir kriegen eine Kostprobe des lokalen Plattdeutsch, in das man sich ein bisschen reinhören muss.

Wir verabschieden uns und sind uns fast sicher, dass wir sie auf der weiteren Tour bald wieder sehen werden. Aber das passiert dann doch nicht.

Feuchte Hände auf dem Turm
Es geht jetzt weiter durch den Wald. Der schon vom letzten Rastplatz sichtbare 31m hohe Aussichtsturm am Käflingsberg verspricht einen weiten Blick in die Landschaft. Wir parken die Räder an der Straße und gehen die Strecke zum Turm zu Fuß. Man merkt, dass hier früher Schießplatz der russischen Armee war: Am ganzen Weg sind Warnschilder, dass man doch bitte mal lieber nicht in den Wald abbiegt: Lebensgefahr! Wir sind beeindruckt…

Auf den Turm geht es in Treppen hinauf. Und hinauf. Und noch mal: hinauf! Und mit jeder neuen Treppe wir mir beim Blick durch die unten offenen Stufen mulmiger. Die Vorstellung, dass einer von unseren dösigen Hunden durch diese Lücken einen Abgang macht, lässt meine Hände feucht werden und als wir ganz oben sind, kann ich die in der Tat sensationelle Aussicht über das Nationalparksgebiet gar nicht so recht genießen. Das ist für meinen Geschmack dann schon zu luftig.

Als wir dann wieder wohlbehalten unten angekommen sind, hilft es, sich die Baumspitzen wieder von unten aus anzugucken - so soll es doch sein! Puh!

Das letzte Stück führt uns dann durch die unterschiedlichsten Waldarten wieder zurück zum MoMo. Was eine schöne Tour das war!
Abendessen in der bunten Kuh
Da das Hotel-Restaurant direkt vor der Haustür verheerende Kritiken bei TripAdvisor hat, beschließen wir, noch mal aufs Rad zu steigen und nach die 4km nach Federow zu radeln. Dort soll es in der „Bunten Kuh“ solide Hausmannskost geben. Und genau die kriegen wir dann dort. Als wir dort, nun wahrlich nicht spät, um 19 Uhr aufbrechen ist es nahezu dunkel. Und auf der Rückfahrt läuft vor uns noch ein Tier schnaufend über die Straße - Annette meint, es könne ein Dachs gewesen sein. Aufregend!

moensters am 22 Apr 2019 18:28:00

Unspektakulär spektakulär

Wie gut, dass Wetter sich im Laufe eines Tages ändert. Denn der Vormittag ist alles andere als viel versprechend: Grau und tröpfelig trüb. Und wenn wir vom Wetterbericht nicht Hoffnung gemacht kriegten, dass es im Laufe des Tages immer besser würde: Wir wären wahrscheinlich abgereist. Gut, dass wir das nicht getan haben!
Mittagswanderung zum Rederangsee
Gegen Mittag klart es zusehends auf und auf einmal haben wir blauen Himmel über uns. Sogar reichlich! Also machen wir uns auf die Eichhörnchenrunde, die an unserem Stellplatz vorbeiführt. Zunächst noch mal auf der gleichen Runde wie gestern, dann aber größtenteils durch den heute noch ein Stückchen bunteren Wald. Wir haben jetzt wirklich den Höhepunkt der Herbstfärbung erreicht und es sieht einfach (wie jedes Jahr) unvergleichlich aus, was die Natur noch mal ins Land pinselt, bevor es in den kommenden Monaten trübgrau wird.

Am See angekommen setzen wir uns im Beobachtungsstand zur Gruppe von Leuten, die mit einem Ranger auf Adlersafari sind. Vor uns liegt der stille See, unter uns der Schilfgürtel am Erlenwald. Alles sehr friedlich und man wird automatisch ein paar Takte leiser. Angeblich sind in Richtung Sonne auch ein Adler und zwei Bussarde zu sehen. Annette kann das bestätigen, aber ich sehe rein gar nichts, außer grellem Sonnenlicht. Und ich überlege mir, dass das ja auch ein pfiffiges Geschäftsmodell sein könnte: Wenn die Leute nicht sehen, was der Profi erkennt, kann man ja immer noch die Karte ziehen, dass man dafür halt entsprechende Erfahrung brauche…

Auf dem Rückweg kommen wir noch am deutlich kleineren, fast schon knuffigen Jankersee vorbei, der uns aber trotzdem sehr gefällt, weil alles so übersichtlich ist. „Was ist das für eine schöne Ecke hier!“, überlegen wir mehr als einmal auf dieser Wanderung. Nicht spektakulär wie bei den erhabenen Fjorden Norwegens oder der endlosen Weite in den USA, aber einfach herrlich bodenständig schön. Geradezu ein idealtypischer Wald: Nicht zu düster, nicht zu eintönig, nicht zu kultiviert.

Kranich-Ticket-Tour
Als wir am MoMo ankommen, haben wir ganz schön Kohldampf und Annette macht sich daran, einen Milchreis zu kochen. Den können wir als Stärkung für die 3-stündige Kranich-Wanderung, die wir abends noch machen wollen, aber richtig gut brauchen können! Dumm nur, wenn man nicht mehr auf die Uhr geguckt und auch nicht bedacht hat, dass die Abendwanderung schon um 16 Uhr beginnt. Und so ein Milchreis braucht seine Zeit! Argh! Wir brechen also ungesättigt auf und stopfen uns als Notration lediglich ein paar Kekse rein.
Am Nationalparkszentrum in Federow kommen wir dank Annettes strammer Pace sogar noch deutlich vor 16 Uhr an und stellen fest, dass es noch immer ganz schön viele Leute gibt, die den Ausflug machen wollen. Wenn man tagsüber rumgelaufen ist und kaum jemandem begegnet ist, wundert man sich, wenn dann fast 30 Leute zusammenkommen!

Die Führung erweist sich dann als absoluter Volltreffer. Zumindest, was unseren Ranger angeht: Herr Micheel hat eine ausgesprochen gut Art, mit trockenem Humor nicht nur die Entstehung des Nationalparks (quasi der letzte Akt der DDR-Regierung am 1.10.1990) sondern auch die Natur in Flora und Fauna gut zu erklären. Dicke Empfehlung!
Es dauert recht lange, bis wir am nur 2km entfernten Aussichtsstand ankommen und zunächst war ich etwas verunsichert, ob wir nicht durch die ganzen interessanten Erklärungen das Beste verpassen würden. Die Sorge ist aber unberechtigt, den als Profi weiß unser Ranger, dass die Vögel sowieso erst nach Sonnenuntergang ankommen werden.
Nachdem wir also alle brav Platz genommen haben und noch mal darauf hingewiesen werden, dass es wichtig sei, leise zu sein, können wir erst mal den Sonnenuntergang genießen, bevor dann die ersten Kranichzüge heimkehren. Die sind aber weit weg! Da lohnt es sich doppelt und dreifach, ein gutes Fernglas dabei zu haben.

Und es ist dann ein ganz simples Vergnügen, einfach nur dazusitzen und den Kranichen beim Formationsflug zuzugucken. Fast wie eine Meditation. Wenn da nicht der Honk wäre, der trotz des vorherigen Hinweises nicht das akustische Autofocus-Signal abgestellt hat und uns alle damit nervt, dass es alle naselang „Pie-piep“ macht.
Leider haben wir heute Pech und alle Kraniche lassen sich am Westufer des Sees nieder - wir sitzen am Ostufer und können sie von dort aus praktisch nicht mehr sehen. Noch vor 2 Tagen seien die meisten Kraniche eine Bucht von unserem Aussichtstand entfernt gelandet. Tja…
Aber trotz der lediglich auf Entfernung gesehenen Kraniche und auch, wenn es „nur“ 2000 Kraniche statt der 12.000 vor ein paar Wochen waren, sind wir absolut zufrieden mit unserer Tour - das werden wir irgendwann noch mal wiederholen, wenn wir früher im Oktober hier sein können!
Als wir im Dunkeln dann am MoMo ankommen, gibt es erst mal was zu Essen und dann ist wirklich verdienter Feierabend. Was ein schöner letzter Erlebnistag im Nationalpark!

Lulu im Regen

Das nenne ich doch jetzt mal Abschiedswetter. Nämlich so ungemütlich, dass es einem so gar nicht schwer fällt, nach Hause zu fahren. Es ist grau und regnerisch und alles riecht schon schwer nach November und feuchter Kälte. Da brechen wir gerne auf!
Wir haben beschlossen, wieder in „kleinen“ Häppchen nach Hause zu fahren. Erste Station soll Ludwigslust mit seinem an Versailles erinnernden Schloss und dem großen Schlosspark sein. Kann man sich ja auch bei nicht ganz so schönem Wetter angucken.
Der Weg dorthin ist aber mühsam. Fast alles Landstraße und auch die ist nicht ohne, weil die reichlich engen DDR-Alleen den reinen Nervenkitzel bieten: Touchieren wir jetzt den entgegenkommenden LKW oder den leicht in die Fahrbahn zu ragen scheinenden Baum? Geht natürlich immer glatt, aber entspannt ist anders. Wir sind froh, als wir in Ludwigslust ankommen.

Die Straße, die einen in LuLu (wie es hier heißt) dann aber zum Schloss führt, ist genau das Gegenteil: Für so einen überschaubaren Ort gleich drei Hausnummern zu breit und leider mehr kahl als repräsentativ wirkend. Wir parken das MoMo am Straßenrand und sind guten Willens, ein paar Schritte zu laufen. Aber zum Regen hat sich jetzt auch noch ein kräftiger Wind gesellt. Ungemütlich!

Wir retten uns in die Alte Feuerwache, wo es erst mal einen Mittagssnack gibt und Annette nicht nur für sich sondern auch für das Restaurant die Glühweinsaison einläutet.
Der Schlosspark kann es dann in Größe und Weitläufigkeit dann durchaus mit Versailles aufnehmen, aber was die Pflege und Üppigkeit der Bepflanzung angeht, ist die französische Konkurrenz dann doch noch ein paar Lichtjahre weiter vorn. Uns gefällt aber vor allem der uralte Baumbestand ausgesprochen gut.

Die weitere Fahrt führt uns dann von den neuen zurück in die alten Bundesländer. Und bei der Grenzüberquerung auf der Elbbrücke bei Dömitz sieht die Elbe aus wie aufgepeitschtes Meer und die rot-weißen Windsäcke an der Brücke stehen stramm waagerecht in der Luft. Sturm!
Ziel unserer heutigen Etappe ist Winsen an der Aller am Rande der Südheide. Zum Abschluss der Fahrt wollen wir uns noch mal einen Campingplatz gönnen und mal wieder im Jann-Hinsch-Hof essen gehen.
Am Ende sind wir nur so mittelbegeistert von unserer Idee. Der Campingplatz hat zwar noch geöffnet, wirkt aber schon wie im Winterschlaf und bei dem feucht-stürmischen Wetter schon dreimal nicht einladend.
Und das Essen im Jann-Hinsch-Hof hatten wir deutlich leckerer (und auch sättigender) in Erinnerung, als das, was wir heute bekommen haben. Übersichtliche Portionen zu sportlichen Preisen und eine Küche, der man die Ambition ansieht, aber sie leider nicht in vollem Umfang schmeckt. Und der Service durch die zwei jungen Herren war sympathisch-tollpatschig und passte dann auch ins Bild. Da möchte jemand sehr gerne mehr sein, als er ist. Für uns leider, leider kein Grund zum Wiederkommen.
Aber da wir ansonsten auf unserer Reise so viel Glück mit Essen, Unterkunft und Wetter hatten, können wir an diesem Tag sehr entspannt damit umgehen. Auch nach Nordostdeutschland werden wir mit Sicherheit noch mal zurückkehren!

Das ganze mit viel mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

vosu99 am 22 Apr 2019 18:35:49

Ganz toller Bericht mit super Bildern.

Vielen Dank fürs Mitnehmen.

frankjasper8 am 22 Apr 2019 20:47:10

Liebe "moensters",

Ihr habt mich jetzt aber recht neugierig gemacht! :)
Diese "Aperitif-Version" hier im Threat macht Hunger nach me(e)hr und ich werde mal nach und nach Eure HP "verschlingen"! :ja:

Aber schon jetzt ein "Dankeschön!" für diese Reisebeschreibung, die gerade in die Planungsphase meiner nächsten Ausfahrt kommt. Ich hatte auch schon mit der Ostseeküste geliebäugelt. Vielleich kann ich Euch ja ein paar Ziele abgucken. :eek:

Schöne Grüße nach Remscheid

pipo am 23 Apr 2019 08:30:43

Sehr schöner Bericht :ja: Ich war mal so frei und habe die Bilder gedreht :wink:

moensters am 23 Apr 2019 14:46:47

Danke, Susanne!

Frank, wenn Du da was Nettes für dich finden konntest, habe ich ja mein Ziel erreicht. :-)

Pipo, was meinst du mit “Bilder gedreht”? Bei mir wurden sie korrekt angezeigt. Muss man da was besonderes beim Upload beachten...?

Liebe Grüße, Michael

volkermuenster am 24 Apr 2019 13:29:26

Ein Moin an die "moensters",

vielen lieben dank für diesen wieder mal sehr schön geschriebenen Reisebericht.
:) :) :)
Eure Berichte mit den tollen Fotos lese ich immer mit wachsender Begeisterung!

Danke für die Mühe.

Gruß
Volker

PietroMobil am 28 Apr 2019 01:15:42

moensters hat geschrieben:Das ganze mit viel mehr Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Servus,
ein ganz toller Bericht, hab ihn gerne auf Eurer Seite mit den tollen Bildern gelesen. Planen für dieses Jahr auch eine Fahrt in die Region und konnte mir schon einige gute Ideen mitnehmen. Danke! Freu mich auf weitere Berichte von Euch!

moensters am 28 Apr 2019 06:13:10

Dankeschön! Wenn ich mir eure letzten Reiseberichte ansehe, dürftest du dich dann über unseren Bericht über die kürzliche Reise in die Provence freuen: :D --> Link

Liebe Grüße, Michael

zeus am 28 Apr 2019 07:48:32

Ich kann mich den Vor-Schreibern nur anschließen, ganz toller Reisebericht! Danke dafür.

Aretousa am 28 Apr 2019 09:58:39

Guten Morgen Michael, du hast mir den wettermäßig bisher nicht sehr freundlichen Sonntag versüßt.
Zwar stehe ich weniger auf Torten, aber die Landschaften drumherum waren sehr nach meinem Geschmack. Deine Fotos und dein Schreibstil, einfach klasse.

Wir fahren demnächst auch nach Nordosten, da können wir die ein oder andere Anregung gut gebrauchen.
Und jetzt freue ich mich auf den Provencebericht.

moensters am 28 Apr 2019 10:26:08

Lena, du darfst dich auch auf den Provence-Berichte freuen. Habe gerade mal in eurem Blog gestöbert und gesehen, dass ihr letztes Jahr auch in der Provence wart. Ich sag nur: Chez Francine... ;-) :D

Aretousa am 30 Apr 2019 16:04:08

Ja, das Lokal habe ich gerade im neuen Bericht entdeckt.
Wie du bei uns gelesen hast, waren auch wir begeistert.
Ich lese natürlich gerne weiter. :D

iwoi am 30 Apr 2019 16:44:45

ich wollte ja nur mal in den Reisebericht "reinschauen" und später lesen. Doch ich konnte nicht aufhören. Unterhaltsam geschrieben und erst die Bilder!
Ganz große Klasse. Der Igel ist so süß. Die Herbststimmung ist genial wieder gegeben auf den Bildern! Danke fürs mitnehmen!

moensters am 30 Apr 2019 22:26:26

Danke, Ines!

Fühlte sich etwas komisch an, in den ersten Frühlingstagen einen Herbstbericht einzupflegen. Aber irgendwie ist Herbst schon auch immer eine tolle Jahreszeit. Jetzt freuen wir uns aber erst mal auf den Frühling! :ja:

Liebe Grüße, Michael

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