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Das MoMo in Schottland 1, 2


moensters am 19 Mai 2019 13:34:47

Here comes the rain again



Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Das haben wir nicht kommen sehen.
Regen. Regen. Regen.
Grau. Grau. Grau.
Ohne Internetwetterbericht hat uns das kalt erwischt. Nachdem wir in den letzten Tagen wirklich sonnenverwöhnt waren, ist es uns gar nicht in den Sinn gekommen, dass es in Schottland ja durchaus auch mal regnen kann. Aber es hat auch sein Gutes. Denn so haben wir die letzten Tage damit verbracht, uns über die tolle Landschaft zu freuen und nicht schon bei den Gedanken an das schlechte Wetter der kommenden Tage zu verzweifeln.
Wir machen also das beste aus dem stoischen Trommeln der Regentropfen auf das MoMo-Dach. Gemütlicher Morgen und irgendwann dann doch aufbrechen, wenn der Regen heller wird.
Calgary Beach
Über die sich abenteuerlich bergauf und bergab windende Single-Track-Road fahren wir in Richtung Tobermory. Es ist hier so herrlich grün und verwunschen, dass wir uns an Irland erinnert fühlen. Als wir dann einen Pass mit steilen Kurven hinter uns haben, taucht vor uns der tolle Strand von Calgary Beach auf. Selbst bei diesem trüben Wetter atemberaubend schön.
Unten am Strand gibt es einen Parkplatz mit Toilettenhäuschen, der aber eine besondere Form der Womoverhinderung bietet: Die Zufahrt ist so verengt worden, dass vielleicht noch ein Kastenwagen, aber nichts größeres mehr durchkommt. kurz darauf gibt es aber einen größeren Parkplatz mit (leider geschlossener) Eisbude, an dem keinerlei Womoverbote bestehen. Uns ist es recht.
Denn trotz des Tröpfelregens machen wir uns auf dem Weg zum Pier, an dem man angeblich auch Otter beobachten könnte. Bei uns sind es aber nur die unvermeidlichen Schafe und Wasserlilien.
Ein Stück weit die Straße hinauf soll es einen Skulpturengarten und dahinter ein Café geben. Wir gehen über die Wiese links der Eisbude und denken, dass wir schon bald auf die erste Skulptur stoßen werden.
Aber das einzige, was wir finden, ist ein Reh, das schnell das Weite sucht. Und auf einer Anhöhe haben wir das erste mal seit 4 Tagen wieder 4G-Internet. Zivilisation! Aber keine Skulpturen. Stattdessen sind wir gut durchnässt und freuen uns über ein bisschen Wärme, Scones und Carrot Cake im Carthouse Café. Die Skulpturen sparen wir uns für besseres Wetter auf...
Tobermory, Inselhauptstadt mit ohne Charme
Unser Plan ist es, auf dem Campingplatz von Tobermory Strom zu tanken und ein bisschen durch die Stadt zu bummeln. Aber als wir den Campingplatz sehen, sind wir doch etwas ernüchtert. Direkt an der Straße und nicht besonders gepflegt wirkend. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Also doch lieber weiter? Wir haben ja noch die Empfehlungen für den neuen Campingplatz in Pennygown und der Platz in Crannich aus dem Mull-Prospekt sieht ja auch schöner aus als das hier. Also weiter!
Tobermory empfinden wir dann irgendwie zwiegespalten. Und vielleicht ist es ja auch nur das Wetter. Aber bis auf die wirklich hübsche bunte Häuserfront am Hafen und ein paar nette Shops, insbesondere Tobermory Chocolate (--> Link), hat uns die Stadt nicht wirklich gekriegt. Alles hat irgendwie eine leicht ranzige Patina, ist aber noch nicht im Stadium von „so kaputt, dass es wieder gut ist“.
Skurriles Erlebnis im Coop: Wir kaufen nur ein paar Sachen ein und legen unsere Sachen aufs Laufband an der leeren Kasse. Daraufhin werden wir freundlich darauf hingewiesen, dass es eine „1 queue“-policy gebe und wir uns doch bitte hinten anstellen mögen. Und tatsächlich: Am anderen Ende des engen(!) Shops sehen wir jetzt Leute, die eine Schlange bilden, um sich dann wieder an die Kassen zu begeben. Da das alles aber nicht wirklich durchdacht und gekennzeichnet ist und der Raum dafür auch nicht gebaut wurde, wird es wahrscheinlich jeden Tag Dutzende Male passieren, dass Leute sich falsch anstellen. Und man mehr Zeit mit der Korrektur als dem Kassieren verbringt...
Immerhin stimmt aber die Empfehlung, dass es im Fish&Chips-Wagen am Anleger wirklich leckere Fish&Chips gibt. Wobei wir beide den Fisch besser als die Pommes fanden. Und die Möwen, die uns beim Essen argwöhnisch beäugen, ob was für sie abfällt, scheinen uns bis zum MoMo zurück zu verfolgen...
Stellplatzjagd
Es soll jetzt für uns ganz unkompliziert weiter gehen. Landschaft genießen, Campingplatz aufsuchen, ausspannen. Bis auf ersteres kommt aber alles ganz anders.
Der Blick hinunter auf den Sound of Mull ist grandios. Leider können die Handyfotos die grandiose Lichtstimmung mit düsterem Himmel und hellglänzendem Meer nicht wiedergeben. Wunderschön. Ebenso wie die plötzlich zweispurige Straße - das ist ja ein wahrer Geschwindigkeitsrausch!
Und auch als wir auf Meereshöhe ankommen werden die Fotomotive nicht weniger. Ein paar Schiffswracks liegen fotogen am Wegesrand.
Kurz danach dann die Entscheidung: in die Berge nach Crannich oder am Loch bleiben und nach Pennygown? Wir entscheiden uns für Luxus mit dem flammneuen Stellplatz am Meer. Aber als wir dorthin kommen, sind wir erst mal ernüchtert. Der Platz wirkt noch eher wie ein Neubaugebiet, in dem schon mal die Plätze vorbereitet sind. Schön ist hier wirklich noch gar nichts (außer vielleicht den modernen Facilites). Und es kommt noch schlimmer: Plätze mit Strom gebe es leider gar keine mehr: fully booked! Und das war eigentlich unser Hauptgrund, den Platz aufzusuchen!
Aber wir haben ja noch Plan B: Der Stellplatz in Crannich (--> Link). Das liest sich ja auch alles gut. Dann eben wieder ein paar Meilen zurück fahren und ins Inland. Wieder vorbei an unseren Schiffswracks. Und dann into the middle of nowhere. Ruppelig, Single-track of course. Und ein Tor vor dem Stellplatz, das man zu Fuß öffnen muss.
Und natürlich, der geneigte Leser ahnt es schon: alle 6 Plätze fully booked... Auf mein „It‘s only May!“ antwortet der nette Betreiber nur mitleidig grinsend „best season!“ Schade, der Platz hatte was!
Jetzt ist guter Rat teuer. Auf Mull gehen uns die schönen Optionen aus. Also noch eine Nacht ohne Strom zu tanken? Müsste gehen. Dann ab aufs Festland. Wir steuern die Fähre von Fishnish nach Lochaline an.
Und haben Glück: Denn wir kommen um 19 Uhr auf die letzte Fährüberfahrt des Tages. Als einziges Auto neben einem fröhlichen Radfahrer, der die Bordcrew wie alte Freunde begrüßt - was sie wahrscheinlich auch sind...
Rauhe Morvernhalbinsel
Es ist unser Glück, dass es hier im Norden noch so lange hell ist. So können wir jetzt verschiedene Stellplatzideen abklappern. Und die Fahrt durch die urwüchsige Morvern-Halbinsel ist ein echtes Erlebnis. Wunderschöne karge und doch abwechslungsreiche Landschaft.
Wollen wir direkt im Fährort Lochaline an einem zugewachsenen Aussichtspunkt stehen? Nö.
Am Loch Arienas sieht es gewaltig gut aus. Aber als wir aussteigen, fallen innerhalb kürzester Zeit die Midges über uns her. Mistviecher! So schnell kann man ja gar nicht wieder einsteigen, dass man die nicht ins Womo bekommt! Also wieder nix.
Wir landen schließlich am Pass Richtung Liddesdale und können in den Wolken sogar den Loch Sunart ausmachen. Wild, urig, schön. Und keine Midges.

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

Sprintertraum am 19 Mai 2019 16:27:47

Hallo
Isle of Mull
Die Traum Insel meiner Frau.
Da kann ich euch die Fidden Farm Campsite empfehlen. Ist am Ende der Insel bei Fionnport.
Und eine Tages Fahrt nach Iona.
Das Wetter auf den Inseln ist immer schwierig. Die Einwohner sagen nicht ohne Grund das sich das Wetter auf den Inseln alle 30 min ändert. :mrgreen:
Weiterhin gute Reise :)


moensters am 19 Mai 2019 16:36:34

Hallo Sprintertraum,

Haben wir doch alles gemacht! --> Link

Ich habe die Einträge der letzten Tage gestern hintereinander weg veröffentlicht, weil es auf Mull in weiten Teilen kein verlässliches mobiles Internet gibt. Wahrscheinlich ist dir da was durchgerutscht. Fidden Farm: Top! Iona: super! Staffa mit den Puffins: Große Liebe!

Liebe Grüße, Michael

Sprintertraum am 19 Mai 2019 16:50:48

Ja Sorry, hatte erst den Beitrag gelesen.
Habt ihr fein gemacht !!! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

moensters am 20 Mai 2019 00:16:48

Fluffige Bäume



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Die ersten ¾ des Tages lassen sich schnell zusammenfassen: Rausgeguckt. Wolken und Regen. Abgewartet. Aufgeräumt und Blog gepflegt. Mittags Ortswechsel zum Campingplatz (--> Link) in Strontian. Noch mehr Regen. Virtuelle und echte Batterien aufgeladen.
Vorsichtiger Spaziergang
Als die dicksten Regenpakete durch zu sein scheinen, ziehen wir uns regensicher an und brechen zu den Ariundle Oakwoods (--> Link) auf. Uralte Eichenbäume, wie sie hier in der Nähe der Atlantikküste früher noch viel häufiger vorgekommen sein müssen.
Auf den ersten Metern sieht das noch ich sehr einladen aus. Das gesamte Gebiet um den Strontian River wurde gerodet und sieht ziemlich verwüstet aus. Nicht schön. Aber schon bald tauchen wir in den eigentlichen Eichenwald ein und sind mal wieder geflasht.
Fluffy Woods
Das sieht mit seinen an allen Ecken und Enden bemoosten Mauern, Bäumen und Böden umgeben von Tausenden von Bluebells herrlich verwunschen aus.
Und wenn man schon gerne Bäume umarmt, dann doch bitte solche, die sich auch entsprechend kuschelig angezogen haben!
Der über den sumpfigen Boden führende Steg durch Birkenwäldchen erinnert uns dann sehr an Schweden. Und auch der steinige, sanft plätschernde Strontian River könnte so ähnlich auch in Skandinavien zu finden sein.
Fairies Road
An der Brücke, die unseren Rundweg komplett machen soll, haben wir die Wahl: Runde abschließen oder am “richtigen” Flussufer zurück zum Campingplatz?
Wir entscheiden uns für die Fairies Road genannte Strecke und gehen im wieder etwas stärker werdenden Regen zurück zum Campingplatz. Aber mit einer kleinen Überraschung: Denn der Weg führt uns noch mal in die Höhe, so dass wir ganz gut ins Schwitzen geraten. Belohnt werden wir mit einem Ausblick ins Tal und wieder freundlicher werdendem Wetter, das sogar mal ein paar Sonnenstrahlen spendiert.

HeikeD am 20 Mai 2019 14:24:36

Sehr schöner Reisebericht und tolle Fotos!
Ich schau immer erst hier und dann auf der HP :D Bilder gucken ;D

Danke für die Mühe!

moensters am 22 Mai 2019 23:41:15

White Sands



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Wir starten in einen sonnigen Tag. Blauer Himmel, Schäfchenwolken, alles super.
Außer den Temperaturen. Die sind im Schatten eher noch im einstelligen Bereich. Windjackenwetter.
Dafür ist es in der Sonne und im Windschatten dann aber so richtig genial und man möchte am liebsten nur im T-Shirt sitzen. Annette hat am Ende der Bucht einen solchen Platz entdeckt, an dem wir uns zum Aufwärmen gerne hinsetzen.
Mit dem netten Platzbetreiber haben wir besprochen, dass wir bis zur Abfahrt der Fähre nach Uist am Nachmittag bleiben dürfen und gestalten uns daher einen gemütlichen Nichtstu-Vormittag.
Scenic indeed
Als wir dann aufbrechen, folgen wir der “scenic coast road”, was wir auch allen Leuten ans Herz legen wollen, welche die Strecke von Fort William nach Mallaig nehmen. Denn die Entschleunigung der langsameren Strecke wird mit den wirklich tollen, breiten Sandstränden belohnt, die sich hier aneinander reihen.
Am Strand Traigh Ho finden wir einen Parkplatz und sind wieder mal von der Weite des Strandes bei Ebbe beeindruckt. Das sind fast schon bretonische Verhältnisse!
Hafenstadt Mallaig
In Mallaig haben wir bis zur Abfahrt der Fähre gar nicht mal so viel Zeit. Für ein leckeres Scone mit Cream im Garden Café ist aber noch Zeit. Hier kassiert man übrigens gerne direkt nach dem Aufgeben der Bestellung - anscheinend hat man schlechte Erfahrung mit Gästen gemacht, die noch eine Fähre zu kriegen haben...
Das Einchecken für die Fähre funktioniert dann ganz unaufgeregt und einfach. Ich hatte mir ein Schiff für eine 3,5-Stunden-Überfahrt aber irgendwie größer vorgestellt.
Nächste Insel
An Bord der “Lord of the Isles” gibt es eine Lounge, in der auch Hunde erlaubt sind. Klasse, dass Elli auch mitkommen kann. Der gechillten Mia ersparen wir die Aufregung des steilen Treppensteigens und machen es ihr für die Überfahrt im Momo gemütlich.
Und bei absolut ruhigen Wetter genießen wir die Kreuzfahrt zwischen den inneren Hebrideninseln Skye und Rum, deren beeindruckend hohe Gipfel rechts und links an uns vorüber ziehen.
Und besonders freut es uns, dass wir ein sich ankündigendes Schlechtwetter hinter uns zurücklassen. Blauer Himmel in Richtung Uist (dass man übrigens wie das englische Wort “used” ausspricht, oder (je nach Akzent) auch wie die deutsche Insel Jüst)!
Als wir um 20.50 Uhr ankommen, ist es immer noch vor Sonnenuntergang. Genauer: Als wir von Bord fahren, fahren wir genau in die untergehende Sonne. Was spektakulär schön aussieht, zum Autofahren mit dreckiger Scheibe aber nur so mittel gut taugt.
Wir sind aber trotzdem sofort gefangen vom Inselfeeling und vor allem: von diesem endlos weitem Himmel. Man hat förmlich den Eindruck, dass es keinen Horizont mehr gibt und der Himmel einfach fantastilliardenmal größer und weiter ist als bei uns Zuhause.
Sunset supreme
Wir steuern unseren nächsten Britstop im Südwesten von South Uist an und sind sofort begeistert: Das ist hier ein Stellplatz am Ende der Welt, aber mit großartigen Aussicht aus die kleine Nachbarinsel Barra im Süden und der untergehenden Sonne im Westen.
Viel besser kann es jetzt doch wirklich nicht mehr werden!
Als wir uns fotografisch ausgetobt haben, freuen wir uns auf den Besuch im Pub. Mal ein Guiness vom Fass wäre doch was! Ist aber leider aus. Stattdessen wähle ich ein Strongbow, was vom Label auch wie ein Dunkelbier aussieht. Ist aber in Wirklichkeit so gar nicht strong, sondern einfach ein leckerer Cider. Wieder was gelernt...
Mit der Kellnerin, die einen Narren an Elli gefressen hat, unterhalten wir uns über ihre Hunde. Zwei Malteser, die sie von einer Frau auf der Nachbarinsel Barra bekommen hat. Und lernen bei der Gelegenheit, dass die Leute auf Barra alle Spitznamen haben. Einer heiße zum Beispiel “bear” (Bär). Und seine Söhne hießen dann logischerweise Paddington, Yogi und Rupert. Ich aber frage mich: Warum ist da kein Pu dabei?!
Als wir um 11 Uhr den Pub verlassen, ist der Himmel in Richtung Sonnenuntergang immer noch nicht dunkel. Und man merkt beim Blick in Richtung Horizont: Was ist das hier für eine tolle, klare Luft!

moensters am 23 Mai 2019 10:35:47

Danke an alle, die von den Hebriden so geschwärmt haben - es ist echt super! Auch wenn das Wetter in den kommenden Tagen eher suboptimal werden soll...


Insel hoch zwei



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Morgens wache ich so gerade noch rechtzeitig auf.
Rechtzeitig? Haben wir denn einen Termin? Ja, den haben wir. Bei der netten Kellnerin haben wir gestern angefragt, ob wir auch als externe Hotelgäste ein schottisches Frühstück bekommen könnten. Geht natürlich klar und wir hatten gedacht, dass 8.30 Uhr eher zu spät ist. Aber wenn man so tief schläft, dass man erst 10 Minuten vorher wach wird, muss auch mal eine Katzenwäsche reichen...
Wir werden wieder mit schottischer Herzlichkeit begrüsst und lassen uns erst mal bedienen. Nein, keine beans bitte.
Ferry or not
Wir fragen dann nach, wie es mit einer Überfahrt zur südlicheren Nachbarinsel Barra aussieht. „Oh, das könnte schwierig werden!“ Wir gucken sie ungläubig an. Aber auch sie erzählt uns jetzt wieder die Geschichte, dass das Geschäft für Mai absolut untypisch total brummen wurde - sie seien seit Wochen ausgebucht!
Als wir dann bei CalMac checken, sieht es zunächst gar nicht so wild aus: Eine Fähre nach Barra würden wir heute problemlos kriegen. Aber eine Rückfahrt ist erst wieder in 4 Tagen frei! Für uns stellt sich also die Gretchenfrage, ob uns der Abstecher nach Barra wirklich ganze 4 Tage wert ist. Und wir überlegen und argumentieren hin und her. Sind von der Idee schon fast wieder ab. Wollen aber doch unbedingt hin. Und entscheiden uns dann doch dagegen. Es gibt doch noch so viel zu sehen! Die Uists! Lewis und Harris! Skye! Und das ist nur das „Notprogramm“, denn von der NC500 haben wir uns schon lange (und ohne Groll) verabschiedet.
Neubewertung
Wir wollen aber immerhin so nahe wie möglich an Barra heranfahren. Und das bedeutet: Einen Abstecher auf die südlich von Uist gelegene Insel Eriskay, die einfach über einen Damm erreicht werden kann.
Was für eine gute Entscheidung! Denn schon die kurze Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Ich weiß nicht, wie oft wir zwischendurch denken, dass das einfach alles zu kitschig schön ist, als dass es noch gut finden kann. Aber gut finden: können wir ziemlich gut! Denn der „Prince‘s Strand“, an dem angeblich Bonnie Prince Charlie das erste Mal schottischen Boden betreten hat, sieht von oben atemberaubend perfekt aus. Weiß, feinsandig und das Meer davor legt sich mit verschiedene Schattierung von smaragd bis türkis auch ordentlich ins Zeug.
Am Fähranleger finden wir noch einen allerletzten Parkplatz fürs MoMo. Etwas neidisch-wehmütig gucken wir den Glücklichen zu, die einen Platz auf der Fähre ergattert haben. Und fangen doch wieder an, zu grübeln. Was spricht eigentlich dagegen, die Überfahrt zu machen? Nach allem, was wir gelesen haben, wird es uns auf Barra bestimmt gut gefallen. Und was sind dann schon 4 Tage...? Lange Rede, kurzer Sinn: Die Fähre für 16.15 Uhr wird gebucht, die Rückfhart für Sonntag früh auch und wir gucken mal, was dazwischen passiert...
Prinzenstrand
Da wir durch unsere späte Entscheidung jetzt reichlich Zeit haben, steht einer kleinen Wanderung auf Eriskay nichts mehr im Weg. Außer der Insel selbst. Denn wir stellen fest, dass der Prince‘s Strand bei näherer Betrachtung dann doch zu großartig ist, als dass man ihn schnell wieder verlassen will. Wir gehen also zum anderen Ende und bestaunen und bewundern ohne es leid zu werden diesen großartigen An- und Ausblick.
Die Vorstellung, dass wir auf diesen Inseln jetzt Tag für Tag solch tolle Strände sehen dürfen, lässt uns schier platzen vor Freude. Vielleicht sind Strände wirklich die beste Idee, die der liebe Gott in seinen 6 Tagen hatte, um die Welt zu erschaffen. Die in den Hebriden hat er wahrscheinlich als Letztes angefertigt.Da war ihm die Wärme leider schon ausgegangen, aber sie sind wirklich wahre Meisterwerke!
Frisch machen
Während wir noch auf die Fähre warten, stellen wir fest, dass man hier an den Fährhäfen anscheinend mit dem Womo hervorragend stehen kann. Wir freuen uns über wunderbar heiße Duschen für einen lächerlichen Euro und sogar Frischwasser und Toilettenentsorgung sind vorgesehen.
Als wir dann die Fähre befahren, fühlt sich das wie ein kleines Abenteuer an. 4 Tage und es gibt kein Zurück!
Juwel mit Spätzünder
Auf Barra sind wir dann zunächst mal desorientiert. Wo wollen wir denn hin? Links rum oder rechts rum?
Wir fahren erst mal zum Campingplatz an der Westküste, da in „Take the slow road“ dermaßen davon geschwärmt wird, dass es sich fast schon wie eine Sünde anhört, dort nicht hinzufahren. Der Platz selbst ist dann allerdings zwar toll gelegen, aber auch sehr klein. Jeder Platz hat quasi einen eigenen Balkon über dem Meer, von dem man eine tolle Aussicht hat. Aber es ist auch jeder Platz reserviert. Hm.
Wir fahren zurück zum Survival-Campingplatz, wie Annette ihn nennt. In Wirklichkeit ist es die Scurrival Campsite ganz im Norden der Insel. Und egal, wie toll der hochgelobte Platz in Borve auch sein mag: Dieser Platz hier gehört jetzt schon definitiv zu unseren absoluten Lieblingsplätzen!
Warum?
Schon die Anfahrt dorthin ist ein Erlebnis. Man fährt nämlich an den größten und schönsten Stränden vorbei, die man sich nur vorstellen kann. Und sie sind so groß, dass man sich auf Barra gedacht hat: Dann machen wir doch den Flugplatz draus! Das werden wir uns morgen mal aus der Nähe angucken!
Aber auch am Campingplatz selbst hat man einen tollen Blick auf die halbmondförmige Bucht, die vorgelagerten Inselchen und auch nach Uist, wo wir gestern noch gestanden haben, können wir rüberwinken.
Angus ist der Beste
Aber das allerbeste am Platz ist sein Betreiber. Angus John Morrison. Der kommt abends zum Kassieren und ist ein so liebenswerter und bemühter Gastgeber, dass man nur staunen kann. Es tut ihm fast mehr leid als uns, dass er noch nicht sagen kann, ob wir unseren hookup (also Strom) bekommen werden, da noch Gäste mit der letzten Fähre kämen, von denen er aber nicht mehr wisse, ob sie mit oder ohne Strom reserviert hätten. Und er überlegt, wie er es uns trotzdem einen möglichst bequemen Platz mit toller Aussicht verschaffen kann. Und das ganze auf eine herrlich bescheidene und unaufdringliche Art.
Wir überlegen eigentlich nur noch, ob wir gleich alle 4 Tage bei Angus bleiben möchten! Und da ist es uns auch ganz egal, dass es sich im Verlauf des Abends mehr und mehr zuzieht und fast gar kein blauer Himmel mehr zu sehen ist. Das wird trotzdem schön hier!

bonjourelfie am 23 Mai 2019 11:22:43

Hallo,
jeden Tag erwarte ich mit Spannung euren neuen Reisebericht in eurem Blog, phantastisch, und jeden Tag wird es noch scnöner! Ich bin so neidisch. Die Hebriden stehen schon ewig auf meiner Wunschliste, da muss ich wirklich bald mal hin. Ach ja, und deine "Schreibe" motiviert mich auch wieder weiter Blog zu schreiben, danke.

LGElfie

nuvamic am 23 Mai 2019 16:12:52

Da schließ ich mich gleich an - es macht einfach gute Laune, diesen Bericht zu lesen. DANKE :mrgreen:

(was nicht heißt, dass es hiermit aufhören sollte *g*)

moensters am 23 Mai 2019 20:40:05

Elfie, du wirst es in Schottland und auf den Hebriden lieben! Ich lese auch immer gerne euren Blog und denke, dass wir von den Reisezielen und der Art des Reisens ja ähnlich ticken.
Dieser Blick aus dem Fenster, den ich gerade habe, ist einfach unbezahlbar! Und heute haben wir „schlechtes“ Wetter!

Liebe Grüße, Michael

moensters am 23 Mai 2019 22:23:20

Planespotting



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Aus der wechselnden leichten Bewölkung von gestern ist heute morgen leider eine dichte graue Wolkendecke geworden. Aber trotzdem ist der Blick auf die vor uns liegende türkis-dunkelblau schimmernde Bucht beim Frühstücken ein Genuss.
Wir beschließen, uns von den trüben Wetteraussichten für die kommenden Tage nicht verrückt machen zu lassen und einfach das Beste daraus zu machen. Und wenn das ein Gammeltag mit prasselndem Regen auf dem Dach ist, dann wird uns das auch mal ganz gut tun. Heute ist aber nicht dieser Tag.
Denn wir wären ja verrückt, wenn wir nicht die einmalige Attraktion auf Barra besuchen würden, die buchstäblich direkt um die Ecke zu finden ist. Denn eine Bucht weiter befindet sich der einzige Linienflughafen der Welt, der eine Start- und Landebahn am Strand hat. Nix Asphalt, nix Beton: Sand!
Wir packen uns also gut ein und stiefeln los. Zunächst mal Richtung Strand. Der ist hier beim Campingplatz eher steinig und schmal, weitet sich aber schon bald beträchtlich.
Und hier gibt es skurriles Strandgut: Rudimentäre Überreste von Autos rosten hier vor sich hin. Eins hier, eins dort. Sieht aber eher wie coole Kunst als unangenehmer Müll aus.
Flugbetrieb
Als wir uns dem Flughafen nähern, sehen wir eine Maschine im Anflug auf die Insel. Da wir aber noch zu weit entfernt sind, verschwindet sie leider hinter den Dünen und wir verpassen die Landung.
Aber das macht nichts, denn auf dem Flugplan steht, dass die nächste Maschine bereits in einer halben Stunde eintrifft. Denn wir haben Glück: Heute sind ganze 3 Starts und Landungen am Airport Barra: Rush-Hour!
Wir machen es uns also am Strandrand bequem und folgen dem gemütlichen Treiben auf dem Rollfeld. Denn was auf Großflughäfen immer wie ein orchestrierter Ameisenhaufen wirkt, ist hier klar strukturiert.
Die Startprozedur läuft wie folgt ab: Nachdem alle Passagiere den Flieger bestiegen haben, startet der Pilot den rechten Propeller seiner Maschine. Dann gibts er ein Zeichen an den Fahrer des Pistenautos, der noch mal kontrolliert, ob der Runway auch wirklich frei von Fußgängern ist.
Denn der Flughafenstrand Tràigh Mhòr ist zu Zeiten, wo keine „windsock“ als Signal für Flugverkehr weht, für alle Spaziergänger und Muschelsucher frei zugänglich!
Wenn das Pistenauto grünes Licht gibt, startet der Pilot den linken Propeller der Maschine und begibt sich auf die Takeoff-Position. Heute ist das an der anderen Seite der Bucht, so dass das Flugzeug fast auf uns zu fährt, als es beschleunigt und schließlich abhebt. Cooles Erlebnis!
Airport-Café
Nachdem beide Maschinen abgeflogen sind, können wir uns eine Stärkung im Flughafen gönnen. Und auch hier ist alles etwas anders und dann aber auch genau so wie an einem „richtigen“ Flughafen.
Es gibt natürlich die übliche Sicherheitswarnung und auch einen Sicherheitsbereich, den alle Flugpassagiere durchqueren müssen. Einziger Unterschied: Das alles befindet sich im Flughafen-Café. Herrlich skurril!
Im Café gibt es dann leckerste Kuchen und natürlich auch jede Menge Souvenirs vom einzigen Linienflughafen mit einer Strandlandebahn. Besonders gefallen haben uns die Vogelmosaike an den Wänden, die aus Muschelbruchstücken gefertigt wurden.
Mörderstrand
Frisch gestärkt gehen wir über die Straße zum westlich vom Flughafen gelegenen Strand Tràigh Eais. Und der ist schon wieder der schönste Strand, den wir bisher gesehen haben! Sind wir denn jetzt so leicht zu beeindrucken, oder muss man das einfach neidlos so anerkennen?
Dumm ist nur, dass eine dunkle Regenwand auf uns zukommt. Wir packen uns regendicht ein und erleben dann das Phänomen, dass man auch nur von einer Seite aus nass werden kann: Da wo der Wind herkommt...!
Wir sind uns beide sicher, dass wir, zurück am MoMo, erst mal alles entsanden und entfeuchten müssen, so sehr sind wir eingesaut. Aber der Regen ist nur ein Schauer und als wir das nördliche Ende des Strandes erreicht haben, kommt sogar die Sonne raus. Was. Ein. Anblick!
Oberhalb einer kleinen Schlucht bleiben wir stehen und schauen den Möwen zu, die kunstvoll ihre Runden drehen und sich einen Spaß daraus machen, im Wind genau zum richtigen Zeitpunkt abzudrehen, um noch mal richtig Fahrt aufzunehmen.
Bull in field?
Am Ende des Strandes geht es steil bergauf. Wir landen auf einer Kuhweide und werden von einer Kuh sehr aufmerksam beäugt. Und sie fängt an, neugierig hinter uns her zu laufen. So ganz können wir nicht einschätzen, ob das Neugier oder Revierverhalten ist. Waren da nicht auch Kälber auf der Weide?
Als wir uns kurz mit anderen Wanderern unterhalten, die uns von der Aussicht vom Eisenzeitfort Dun Sgurabhal auf dem Hügel vor uns vorschwärmen, kommt unsere Killerkuh wieder etwas näher und scheint besonders Mia interessant zu finden. Als ich sie beherzt anschreie und vertreibe, interessieren sich auch die anderen Kühe, die hier rumstehen, auf einmal sehr für das, was da vor ihrer Nase passiert. Fühlt sich komisch an...
Natürlich geht dann doch alles gut, aber als wir auf dem Heimweg das Schild „Bull in field“ an einer anderen Weide sehen, wird mir doch etwas anders: Hatte „unsere“ Kuh eigentlich ein Euter...?
Relaxaussicht
Am MoMo kommen wir dann kaputter als erwartet an. An den Kilometern hat es nicht gelegen, aber weicher Strand, Regenschauer und die zerklüftete Kuhweide mit ihren Knochenbrecherlöchern haben uns doch mehr zugesetzt als gedacht.
Wenn man dann aber in der herrlich heimeligen Dusche frischgeduscht hat und mit einer so tollen Aussicht den Nachmittag verbringt, dann kehren die Lebensgeister schnell wieder.
Und abends folgt dann wieder ein netter Schwatz mit Angus, der mit sorgenvoller Miene seinen Reservierungskalender betrachtet, da er die „hookups“ für die kommenden Tage überbucht hat. Aber auch dafür wird er sicherlich eine gute Lösung finden...
Wichtige Info für Nachahmungstäter: Der Scurrival campground ist nur von April-Ende September geöffnet. Angus: „Six months are enough.“ Kann man auch verstehen, wenn man sieht, wie Angus von Wagen zu Wagen geht, um liebevoll sicherzustellen, dass alle auch wirklich den bestmöglichen Platz für sich gefunden haben und mit jedem einen kurzen oder gerne auch längeren Schnack hält. Ein wirkliches Unikum!

volkermuenster am 24 Mai 2019 09:24:27

Hallo ihr zwei.....

Bin total begeistert. Danke für diesen (wieder mal) sehr sympathischen Reisebericht.
Euch weiterhin viel Spass und so tolle Gegenden, Fotos und Begebenheiten (kommt uns ja dann auch zu gute!).

Gruß
Volker

Sprintertraum am 24 Mai 2019 21:18:13

Ach wie schön, Barra. Und was noch für schöne Flugzeuge mit der Scott Flagg. Traumhaft.
Danke

moensters am 25 Mai 2019 15:40:02

Traumstrände



Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Heute gibt es eine MoMo-Küchenextravaganz. Annette macht uns ein schottisches Frühstück. Mit Rührei. Tomate. Bacon. Und Haggis! Letztere hatten wir uns bei der Räucherei in Glenuig gekauft und sind gespannt, ob sie so gut schmecken wie sie gekostet haben. Und sind dann sehr zufrieden, dass sie nicht nur prima schmecken, sondern vor allem Haggis uns beiden so richtig gut schmeckt. Weniger schön: Das MoMo duftet danach schon sehr nach Küchendunst... Immerhin ein leckerer.
Da das Wetter eher unspektakulär ist, lassen wir uns bis Mittags Zeit mit dem Aufbruch. Ein bisschen fällt es uns schwer, uns von diesem charmanten Platz zu verabschieden. Ich rufe noch mal bei Angus an, um zu fragen, wie wir denn jetzt bezahlen sollen. Denn er kam gestern Abend gar nicht mehr zum Kassieren vorbei! „Just put it in the honesty box in the kitchen.“ Passt irgendwie total zu diesem Platz.
Steiler als gedacht
Wir fahren nochmal am Flughafen vorbei, aber die Flüge für den Tag sind schon durch. Dafür liegt der Tràigh Mor sandig-blauschimmernd vor uns. Auch heute wieder ein toller Anblick.
Unser Ziel ist aber ein anderes. Heute wird der höchste Berg von Barra bestiegen! Naja, auf einer kleinen Insel kann das ja so schwer nicht sein. Lediglich 383m ist der Heaval hoch. Machen wir mal eben.
Also: So haben wir uns das gedacht. Was wir nicht bedacht haben: das geht ganz schön steil nach oben! Und der Weg ist nicht wirklich gekennzeichnet. Also, so wie: gar nicht. Not at all. Und so versuchen wir, einen Weg auszumachen, nachdem wir die 2 Tore zu Beginn des Aufstiegs durchschritten haben. Eigentlich ja auch einfach: immer bergauf.
Aber wir stellen fest, dass unsere Kondition noch nicht so gut ist, wie wir es uns gedacht haben. Mehr als einmal bleiben wir schwer atmend stehen und müssen erst mal Pause machen. Und das gemeine: Auf den Bildern wird das nicht wirklich deutlich! Sieht eigentlich ziemlich läppsch aus...
Das gute: Man kann nichts falsch machen. Denn die Route, die wir nehmen, hat vor uns wahrscheinlich noch kaum jemand genommen. Außer vielleicht ein paar Schafen oder Kühen, deren Hinterlassenschaften man hier auf Schritt und Tritt findet.
Von oben hat man dann im leider kühlen Wind einen tollen Rundumblick und kann Barra und Vatersay, die Nachbarinsel überblicken.
Beschissene Madonna
Was uns wundert: Auf den Fotos, die wir in der Beschreibung für diese Tour gesehen haben, ist eine Madonnenstatue mit Jesus auf der Schulter zu sehen. Sollte die etwa demontiert worden sein? Wir können sie nirgendwo entdecken!
Aber vom Gipfel aus können wir einen Trampelpfad entdecken: Das muss der „offizielle“ Weg nach unten sein, den wir beim Aufstieg vergeblich gesucht haben. Wir folgen ihm und nach einiger Zeit sehen wir dann auch die Statue.
So einen schönen Ausblick gönnt man den beiden dann sehr. Weniger gönnt man ihnen, dass sie von Vögeln ganz schön zugeschissen sind...
Kleiner Tipp für zukünftige Bergbesteiger: Haltet euch nach dem zweiten Gatter erst mal ca. 200m lang am Zaun entlang wieder nach rechts. Dann erahnt man den „offiziellen“ Weg nach oben. Denn mit Schildern oder Markierungen hat sich hier keiner Mühe gegeben.
Verschlafene Hauptstadt
Wir fahren weiter nach Castlebay und sind verblüfft, wie verschlafen es in der Inselhauptstadt zugeht. Alles wirkt irgendwie sehr verlangsamt und entschleunigt. Auch die Leute in den Geschäften wirken eher etwas schüchtern-reserviert - das offen-redselige, was wir von so vielen Begegnungen hier kennen, suchen wir heute vergeblich.
Dafür gibt es bei Hebridean Toffee die gewohnt leckeren Shortbread und Fruitcake mit ungewohntem Pappgeschirr und -bechern.
Herrliches Vatersay
Uns hält nicht viel in Castlebay, daher steuern wir die Insel Vatersay an, die über einen Damm leicht zu erreichen ist.
Am Community Center kann man gegen eine Spende von 5£ in die Honesty Box über die Nacht stehen. Nehmen wir dankend an, auch wenn die Duschen gerade repariert werden und der Stellplatz leider sehr schräg ist, so dass wir das auch mit den Auffahrkeilen nur halbwegs ausgleichen können.
Was. Ein. Strand.
Schon bei der Anfahrt zum Community Center hat uns kurz der Atem gestockt, als wir auf den Strand blicken konnten, der direkt davor liegt. Milchig weißes Türkisblau, das sich ganz sanft abgestuft zwischen blauem Meer und hellbeigem Strand ausbreitet.
Das ist jetzt selbst für uns, nach den Traumstränden der vergangenen Tage, noch mal eine Steigerung. Dass es so was überhaupt gibt!
Und das Sahnehäubchen: Man ist ganz alleine. An so einem Strand. Surreal!
Ach nee. Da ist ja noch einer!
Von der Karte wissen wir, dass das Gemeindehaus an der Engstelle der Insel liegt, wo man nach wenigen Minuten Fußweg noch einen Strand vor der Haustür hat. Den Tràigh Siar. Da lassen wir uns doch nicht lumpen!
Und fallen schon fast wieder in Ohnmacht: Können die mal aufhören mit diesen Wahnsinnsstränden? Man wird ja ganz unglaubwürdig, wenn man immer wieder von Neuem berichten muss, dass dieser Strand jetzt aber wirklich der tollste ist, den man bis jetzt auf den Hebriden zu sehen bekommen hat. Aber wenn es doch so ist...?
Hier am Weststrand sieht man den rauhen Atlantik vor sich. Heute hat er aber einen vergleichsweise entspannten Tag. So wie wir.
Einfach den Strand einmal der Länge nach ablaufen. Und staunen. Und ganz besoffen davon sein, wie schön das ist. Und auch hier: wieder keine Menschenseele zu sehen.
Das Lebendigste, dem wir begegnen, sind die Strandläufer, die in einer schrägen Choreographie mal hierhin, mal dahin laufen.
Und wie schon an den Tagen zuvor sind wir uns sicher: Schöner kann es jetzt doch wirklich nicht mehr werden!

gnarz18 am 25 Mai 2019 15:57:17

Was für ein toller Reisebericht, und dann auch noch über diese Gegend. :top: Barra ist schon wirklich schön und für alle die auf die Äußeren Hebriden fahren ein absolutes MUSS.

Vielen Dank für den schönen Bericht und noch weiterhin eine gute Fahrt und viel Spaß
Michael

Sprintertraum am 25 Mai 2019 21:47:42

Haggis , lecker :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:


moensters am 25 Mai 2019 23:20:12

Trübtag
Auf den Wetterbericht ist Verlass. Für heute war vorhergesagt, dass es Katzen und junge Hunde regnen würde und so ist es dann auch.
Es ist so trüb, dass es uns nicht mal reizt, noch mal zu den tollen Stränden zu gehen. Wir gucken uns lieber aus dem MoMo die Kühe an, die auf der Straße gemütlich an uns vorüberziehen. Oder die Schotten, die in Shorts aus dem Auto steigen, um sich dann unverdrossen für eine Wanderung vorzubereiten. So hart sind wir einfach nicht.
Wasserschloss
Am späten Vormittag brechen wir nach Castlebay auf, um dort mal wieder unsere Historic-Scotland-Mitgliedschaft zu nutzen. Es gibt dort nämlich eine der sicherlich ungewöhnlicheren Burgen zu besichtigen. Kisimul Castle ist nämlich nur mit dem Boot zu erreichen!
Und wir haben Glück: Als wir uns in den Regen hinaus begeben kommt gerade das kleine Fährboot an, dass uns innerhalb weniger Minuten übersetzt. Die harten schottischen Skipper, die den bei diesem Wetter undankbaren Job haben, stehen stoisch lediglich im Sweater und ohne Mütze, dafür über mit life-jacket bereit und machen freundlich-routiniert ihren Job. „Boat leaves again in 20 minutes!“ hören wir noch und wundern uns, warum der uns das sagt. Wir sind doch gerade erst mal bei der Attraktion angekommen...?
Aber uns wird schnell klar, dass man in den 20 Minuten dann auch alles gesehen hat, was es am Stammsitz des MacNeil-Clans zu sehen gibt.
Aber trotzdem ein lohnender Ausflug, weil es mit der Bootsfahrt, die auf dem Rückweg noch mal die Burg umrundet, einfach besonders ist.
Und bei besserem Wetter hätte man hier auch sicherlich mehr die Aussicht von der Brüstung aus genossen. So sind wir aber froh, als wir nach einer halben Stunde Besichtigung wieder im trockenen sind.
Airport-revival
Wir überlegen, wie es an diesem trostlosen Tag für uns weitergeht. Die Fähre haben wir ja für Sonntag morgen gebucht. Aber vielleicht nimmt uns ja heute auch schon eine mit? Die Zeit bis zur Nachmittagsfährabfahrt überbrücken wir an einer Stelle, wo es immer was zu sehen gibt und es warm und lecker ist: Im Flughafen-Café!
Dort ist wieder viel Betrieb. Vielleicht weil der erste Flug des Tages gecancelt wurde? Während wir fleißig bloggen und Tagebuch führen leert sich das Café zusehends. Und irgendwann steht fest, dass es auch mit dem zweiten Flug des Tages nichts mehr wird. Gut, dass wir dieses Erlebnis schon im Sack haben!
Fähre im zweiten Anlauf
Als wir nachher am Fährhafen in Ardmore ankommen, ist die Nachmittagsfähre bereits da. Wir kommen aber noch nicht mit - zu viele hatten wohl die gleiche Idee wie wir...
Aber der immer gut gelaunte CalMac-Mitarbeiter, der von Auto zu Auto geht, ist zuversichtlich, dass er uns auf der 17.30-Uhr-Fähre unterkriegt. „Just park yourselves behind that motorhome over there!“ sagt er und zeigt auf die Reihe mit 3 anderen Womos, die dort schon mit anscheinend gleichem Plan wie wir warten.
Und er hat recht: Auf der letzten Fähre des Tages ist dann reichlich Platz - komisch, wurde die uns online nicht als ausgebucht angezeigt?
Als wir nach der Fährpassage ankommen, nutzen wir erst mal die uns schon bekannten Einrichtungen zum Duschen und Entsorgen. Echt praktisch, wenn man sich schon auskennt!
Inselsupermarkt
Die Rückfahrt auf Eriskay ist ein krasser Unterschied zu unserer Ankunft dort. Der Prinzenstrand liegt jetzt wenig vielversprechend unter uns und jeder, der den Strand bei diesem Wetter sieht, muss denken, dass meine Bilder von vor ein paar Tagen bei Sonnenschein alle schlimmsten gephotoshopt sind.
Wir sind uns aber einig, dass die Landschaft auch bei diesem Wetter etwas hat. Vielleicht ist das aber auch unserer Nordlandaffinität zuzuschreiben. Aber als wir wenig später die Single Track Road neben den Strommasten entlangfahren, hat das was wirklich trostloses, was wir uns auch nicht mehr schön reden können.
Zu unserer Freude stellen wir aber fest, dass es auch hier auf der äußeren Hebrideninsel durchaus Öffnungszeiten wie in der Großstadt gibt. Der Coop hat sage und schreibe bis 22 Uhr geöffnet! Also füllen wir unsere Vorräte mal wieder auf und sind erstaunt, dass dieser Inselsupermarkt besser bestückt ist, als die letzten kleineren Geschäfte, die wir auf dem Festland gesehen haben.
Schlafplatz im Niemandsland
Wir fahren zum Startpunkt einer Wanderung aus unserem „Outer Hebrides“-Wanderbüchlein. Der könnte als Übernachtungsplatz dienen und wenn es morgen wieder etwas freundlicher ist, könnten wir uns auf der kurzen Wanderung auch mal etwas die Beine vertreten.
Unterhalb eines Friedhofs im absoluten Niemandsland finden wir dann einen Platz für die Nacht. Hier liegt nicht nur der Hund begraben...

Sprintertraum am 26 Mai 2019 11:39:01

moensters hat geschrieben: ... Es gibt dort nämlich eine der sicherlich ungewöhnlicheren Burgen zu besichtigen. Kisimul Castle ist nämlich nur mit dem Boot zu erreichen! ...

:mrgreen: :mrgreen:


moensters am 27 Mai 2019 21:08:42

Sturmstrand



Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link


Der Tag fängt so an, wie der gestrige geendet hat. Grau und trüb. Mann, ist das trostlos! Aber wir hatten uns ja an unserem Übernachtungsplatz eine kleine Spazierwanderung ausgesucht, die man auch bei dem schwachen Nieselregen getrost machen kann.
Die Cladh Hallan Roundhouses hören sich auf dem Papier spannend an: Uralte Häuser, die schon zu Tut-anch-amuns Zeiten bewohnt waren und wo man sogar die einzige Mumie auf den britischen Inseln gefunden hat.
Was man dann nach wenigen Minuten in den Dünen findet, sind eher unspektakuläre, kreisrunde Mauerüberreste. Da muss man schon Ärchäologe sein, oder halt die Geschichte dazu kennen, um sich länger dort aufzuhalten. Die heutigen Bewohner sind Karnickel und Strandvögel. Letztere nisten im Sand unter dem Mauerwerk und sind zurecht empört, dass wir stören.
Wir sind aber auch nicht traurig, dass sie uns zum Aufbruch drängen, denn der Nieselregen intensiviert sich gerade. Nach einem kurzen Abstecher zum grauen Strand drehen wir ab in Richtung MoMo. Und obwohl wir gar nicht so lange weg waren, kehren wir durchnässt zurück. Brrrr...
Ab durch die Mitte
Wir fahren weiter auf der A865. Das ist die Wirbelsäule der Insel. Die Hauptverkehrsstraße, die uns von Süd nach Nord führt. Und was ist die bei diesem Wetter trist! Torfgelb links, Torfbraun rechts, dazu ein paar Strommasten. Fertig ist die Straße.
Erst als wir wieder ein bisschen näher ans Wasser kommen, wird es spannender. Wir folgen für ein paar Meilen dem Hinweisschild zu einer Smokery, um dann festzustellen, dass die am Sonntag dann aber auch mal Pause machen und alles dicht ist. Sah aber auch alles mehr nach einer industrieartigen Verarbeitung als nach der Handarbeit von Glenuig aus.
Beeindruckend sind dann die Dämme, die die Insel Benbecula mit South- und North-Uist verbinden. Steinwall links, Steinwall rechts und dahinter dann das heute schmutzig-helltürkis leuchtende, aufgepeitschte Meer.
Der Sturm legt zu
Auf Benbecula kann man von der A865 abfahren und einen Schlenker an der Atlantikküste entlang machen. Puh, stürmt das! Am ersten Aussichtspunkt verkneifen wir uns noch das Aussteigen. Zu ungemütlich sieht das aus.
Aber als wir vor Nunton kurz die Dünen und die Brecher auf dem Atlantik sehen, ist uns klar, dass wir doch noch mal an den Strand müssen. Und es führt ein Sträßchen zu einem halbwegs windgeschützten Strandparkplatz hinter den Dünen. Perfekt!
Und ich weiß gar nicht, wofür ich mich mehr begeistern soll: Für die eindrucksvolle Kulisse der breit auslaufenden Wellenberge, die in der Bucht ankommen oder die verrosteten Ölfässer, die in einer Dünensenke so ungewöhnlich arrangiert sind, dass man unwillkürlich an ein Kunstwerk denkt.
Auch nach diesem kurzen Ausflug sind unsere Klamotten natürlich wieder feucht. Heute ist wirklich ein Tag, an dem man die Naturgewalten spürt!
Wir überlegen kurz, ob wir heute wegen des von Westen kommenden Sturms an der Ostseite der Insel nicht besser aufgehoben wären. Die Insel Flodda finden wir ja schon wegen des Namens charmant, stellen aber auch fest, dass am Ende des Weges ein Buswendeplatz ist, an dem man nicht stehen möchte, da zwei mal täglich der Bus vorbeikommt... Aber landschaftlich war bei diesem Wetter Flodda auch nicht der Brüller. Da sind wir von den Hebriden anderes gewohnt!
Traumplatz
Wir sind mutig und fahren doch wieder an die Westküste. Auf North Uist angekommen steuern wir die Insel Samala an, wo es einen Picknickplatz geben soll. Und man ahnt bis zum Schluss nicht, an was für einem tollen Strand man diesmal rauskommen wird.
Sehr weit, sehr weiß, sehr umtost. Denn der Sturm hat jetzt wohl seinen Höhepunkt erreicht. Da ich aber das MoMo geschickt in den Wind stelle, hören wir zwar das Pfeifen, stehen aber erstaunlich stabil und werden kaum durchgerüttelt. Hinausgehen wollen wir aber lieber nicht: Innerhalb von Sekunden ist die Windschutzscheibe vom Regen zu einer Zerrfolie umfunktioniert worden, durch die man das Meer nur noch erahnen kann. Brrrr!
Nach einer längeren Kaffee- und Lesepause passiert aber ein kleines Wunder: Wir sehen erst ein kleines bisschen blau am Himmel und spüren, dass der Wind deutlich nachgelassen hat. Schnell nutzen wir die Gelegenheit und gehen mit den Hunden nach draußen. Boah, ist das schön!
An einigen Stellen sieht man das Meer glitzern und kriegt erst beim Spazieren ein Gefühl für die Weite des Strandes. Die berühmte Stille nach dem Sturm hat eingesetzt. Auch wenn es immer noch bedrohlich dunkel am Horizont links und rechts von uns aussieht.
Aber der schlimmste Regen ist jetzt wirklich durch und wir können uns wieder auf sonnigere und hoffentlich auch wieder etwas wärmere Tage freuen. Denn beim Steinefotografieren bekomme ich dann doch irgendwann klamme Finger.
Die Hebriden machen ihrem Ruf als Nordland im Augenblick wirklich alle Ehre! Aber wir lieben es ja so.

moensters am 28 Mai 2019 01:08:53

Fotografentraum



Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Das Wetter hat sich wieder beruhigt. War ja auch wirklich nicht schön die letzten beiden Tage! Am Morgen zeigt sich der blaue Himmel noch etwas zaghaft. Das Wetter weiß noch nicht so recht wo es hin will, gibt sich aber deutlich Mühe.
So sehr, dass wir gegen Mittag zu einem längeren Strandspaziergang aufbrechen. Auch, wenn es noch bedeckt ist, sehen wir in der Ferne doch größere blaue Streifen am Stück. Die Sonne hat es noch nicht bis zu uns geschafft, aber an den nördlicher gelegenen Küstenstreifen sehen wir den Strand hellgelb leuchten.
Rostköppe
Unseren Fund des Tages machen wir nach einem guten Kilometer. Am Strand liegen die Überreste eines komplett verrosteten Bootsgerippes. Also, vermuten wir. Denn so richtig nach Boot sieht es nicht mehr aus, aber wofür sollen die zwei Motorblöcke sonst gut sein?
Als Annette mich darauf anspricht, dass das ja wohl zwei Charakterköpfe seien, fällt bei mir auch der Groschen und ich kann es nicht mehr nicht sehen: Das sind echt zwei Rostköpfe, die sich da zur Schau stellen!
Und während ich mich fotografisch abmühe, den richtigen Ausschnitt, den richtigen Winkel und die richtige Brennweite zu finden, um diesen rostigen Traum abzulichten, macht Annette sich auf den Weg Richtung Sonne. Und wird fündig.
Ich widme mich schließlich noch den ganzen kleinen Dingen, die einen Strand so erlebenswert machen. Jeder sollte einen Strand vor der Haustür haben - das macht einfach glücklich!
Sunny North Uist
Es kann ja sein, dass ich dem Südteil von Uist unrecht tue. Aber hier im Norden gefällt es mir einfach besser. Und alleine vom Wetter her scheint es auch freundlicher zu sein: Während wir im Süden dicke Wolken abregnen sehen scheint hier im Norden jetzt satt die Sonne.
Der Himmel wird immer blauer und es liegt auf einmal eine rechte Frühlingsstimmung in der Luft. Dazu die herrlich klare und frische Luft: So haben wir uns das vorgestellt.
Unseren Campingplatz in Balranald (--> Link) haben wir gestern in weiser Voraussicht vorgebucht. Wir haben mittlerweile verstanden: Hier kriegt man nicht mal eben so oder auf jeden Fall noch einen Platz mit Strom. Denn unsere andere Alternative in Moorcroft war komplett ausgebucht und auch hier haben wir für letzte Nacht keinen Platz mehr bekommen. Und verlängern ist leider auch nicht möglich, da der Platz für Morgen auch schon wieder ausgebucht ist. Was schade ist, da es ein sehr feiner, kleiner Platz mit neuesten Facilities ist: dicke Empfehlung!
Wir machen es uns erst mal gemütlich und genießen das Draußensitzen in der strahlenden Sonne - zumindest, wenn man im Windschatten sitzt, denn es weht ein durchaus kräftiger und eisiger Nordwind.
Amazing wildlife in a treeless landscape
Nachdem wir uns genug ausgeruht haben, wollen wir noch den Rundweg durchs nordwestlich von uns gelegene Balranald Nature Reserve (--> Link) machen. Gute Idee!
Wir gehen den vorgesehenen Rundweg durch das Naturreservat allerdings in umgekehrter Richtung gegen den Uhrzeigersinn, da wir erst mal gucken, was der Strand kann, der quasi 1 Minute vom Campingplatz entfernt liegt. Und wie bei allen Stränden der Hebriden: Der kann was!
Elli tobt mit einem Border-Collie den Strand auf und ab und wir kommen mit seiner Besitzerin ins Gespräch. Sie ist Sekretärin an der weiterführenden Schule auf Uist und erzählt uns, dass ein paar Lehrerinnen, welche jeden Tag die Fähre von Barra nehmen, nicht zur Schule gekommen sind, da die Fähre wohl einen Defekt habe. Da haben wir ja mal wieder Glück gehabt! (Auch wenn es schlimmere Dinge gibt, als auf Barra gestrandet zu sein)
Der Rundgang durch das Naturschutzgebiet ist dann ein einziger Genuss. Man kann sich nicht entscheiden, ob man die Aussichtin die Bucht toller finden soll oder dann doch lieber den Weg, der vor einem liegt.
Ganz unschottisch ist der Weg diesmal sehr gut und sorgfältig gekennzeichnet und erkennbar. Es sieht fast so aus, als habe jemand mit einem kleinen Rasenmäher einen Pfad in die Gänseblümchenwiese gemäht, durch die wir gehen.
Von den hier brütenden Vögeln sieht man zunächst wenig, dann aber immer mehr. Und im äußersten Zipfel der Halbinsel ist es dann für Ornithologen sicherlich ein Fest: Die verschiedensten Vögel stoßen ihre Rufe aus, segeln durch die Luft oder stolzieren hin und her. Da kann ich verstehen, dass wir bei der Anfahrt hierhin Fotografen mit den ganz dicken Geschützen gesehen habe.
Als wir gegen acht Uhr wieder am MoMo ankommen, steht die Sonne immer noch recht hoch am Himmel. Man merkt, dass es gegen Sommersonnenwende geht. Vor 11 Uhr wird es nicht wirklich dunkel. Aber unser Rhythmus stellt sich so langsam um. Annette stellt sich in die Küche und zaubert wieder ein leckeres Abendessen mit Puff Pastry. Und wir gehen einfach entsprechend später ins Bett, dann passt das auch wieder.
Aber als ich schon am Blogeintrag schreiben bin, meldet sich dann doch noch mal die Sonne mit einem tollen Untergang zu Wort. Ich gehe also noch mal kurz raus, auch wenn ich heute eigentlich schon genug frische klare Luft hatte. Aber wenn es sich so lohnt: Die Hebriden sind bisher ein feuchter Fotografentraum!

Elgeba am 28 Mai 2019 23:35:29

Danke, wieder mal ein toller Bericht,ich muß doch mal wieder da rauf fahren,weiter gute Fahrt.


Gruß Bernd

Sprintertraum am 30 Mai 2019 16:13:04

Schöne Grüße nach Schottland zum Feiertag.
Lg :mrgreen:


moensters am 31 Mai 2019 15:51:34

Woher wusstest du, dass ich Geburtstag hatte...? :D
Aber danke!

moensters am 31 Mai 2019 15:52:38

Strandnirvana



Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Um es mal direkt vorwegzunehmen: Ja, wir wissen, dass wir uns komplett unglaubwürdig machen, wenn wir heute schon wieder vom „schönsten“ Strand reden. Und wahrscheinlich wird es uns hier auf den Hebriden sogar noch ein paar mal passieren, dass wir wieder so in Entzückung geraten.
Aber so einen Platz wie diesen, den wir heute fast mehr durch Zufall entdeckt haben, gibt es einfach nicht so oft. Ziemlich sicher sogar. Denn heute ist uns beim Fahren über die Kuppe vor dem Strandplatz schlicht die Kinnlade runtergeklappt. Und das, obwohl wir auf der Fahrt hierhin schon mehr als genug traumhafte Ausblicke hatte.
Wir schauten unterwegs auf surreal breite Strände, die man mit einer schnöden Fotografie nicht mehr wirklich wiedergeben kann.
Auf pittoreske, strohgedeckte und weiß gekälkte Häuschen vor dem herrlichsten Strandpanomrama.
Auf azurfarbenes Wasser in allen möglichen Schattierungen, welches am Horizont verheißungsvoll leuchtet.
Und hier haben wir das ganze jetzt in epischer Breite vor uns liegen. Auch wieder so breit und spektakulär, dass die Netzhaut Purzelbäume schlägt, um das alles zu verarbeiten.
Planänderung
Diese Bucht an den Clachan Sands bietet für uns alles, was das Womoreisen so toll macht. Denn nicht nur ist die Aussicht grandios. Nein, es gibt einen offiziellen Stellplatz, zur Verfügung gestellt vom lokalen Landwirt, der mit 10£ in die Honesty Box entlohnt wird und dafür recht ebene Grasplätze, Picknicktische, Frischwasser und einen Müllcontainer bietet.
Die Anfahrt auf dem schotter-sandigem Weg wirkt auf den ersten Blick durchaus womoabschreckend, lässt sich aber durchaus passabel fahren. Und ganz große Angsthasen (zu denen zumindest eine Hälfte der MoMo-Besatzung nicht gehört) können auch ihr Fahrzeug erst mal am schön gelegenen Doppelfriedhof ca. 500m vorher abstellen. Aber seid euch sicher: Ihr werdet das Fahrzeug später dann doch den geschwungenen Weg mit dem kurvigen Gefälle entlangfahren, um länger etwas von dieser Aussicht zu haben!
Für uns ist nach wenigen Minuten klar, dass wir unseren eigentlichen Plan mal wieder verwerfen werden. Wir hatten nämlich gestern bereits im Westford Inn, dem “einzigen” Pub auf North Uist, für heute einen Tisch fürs Abendessen reserviert und uns schon drauf gefreut, dass man dort dann auch gerne nach ein oder zwei Bierchen übernachten darf.
Da wir hier mal wieder am Ende der Welt stehen, gibt es standesgemäß auch keinen Mobilfunkempfang. Aber netterweise leiht mir unsere Nachbarin Marilyn ihr Handy, mit dem sie (komischerweise ebenfalls mit Vodafone) Empfang hat, damit ich dort absagen kann. Und wir kommen mit ihr und ihrem Mann ins Gespräch, da beide einen Hymer 4x4 fahren, der schon mal nicht ganz verkehrt aussieht. Vor allem der Stauraum ist gegenüber unserem MoMo natürlich um Galaxien besser und man sieht ihm seine 7m Länge gar nicht mal so sehr an. Nice vehicle! Die beiden machen übrigens alles richtig: Sie haben sich für 2 Monate auf dem Campingplatz in Balranald eingemietet und haben auch ansonsten anscheinend alle Zeit der Welt für schöne Touren.
Was bisher geschah
Bevor wir an diesen Traumplatz gekommen sind, haben wir allerdings schon ordentlich was gemacht. Für unsere Verhältnisse sind wir früh aufgestanden, damit wir um 10 Uhr an der „guided tour“ mit einem Ranger vom Vogelschutzreservat der RSPB (Royal Society for Protection of Birds) teilnehmen können.
Nicht, weil wir besonders viel über Vögel wissen oder ornithologische Ambitionen haben. Sondern, weil es immer Spaß macht, auf so einer Tour ein bisschen etwas mitzunehmen, was man vorher noch nicht wusste. Also fragt uns bitte nicht nach Namen von Vögeln, die wir gesehen haben: Hoffnungslos. Bis auf den Corncrake, den Wachtelkönig, haben wir uns da nix merken können. Und der Corncrake ist vor allem deswegen so spannend, weil man ihn häufig hört, aber so gut wie nie sieht. Sein Ruf klingt, als würde man mit einem Nagel einen dicken Kamm entlang ratschen.
Lohnenswerte Guided Tour
Spannend ist es auch, zu hören, wie ungewöhnlich die Landwirtschaft hier funktioniert, damit dieses Vogelschutzgebiet erhalten bleiben kann. Denn das Land gehört nicht der RSPB, sondern den Bauern, die aber eine Vergütung bekommen, damit sie ökologisch wertvoll wirtschaften. Also keine Pestizide oder Herbizide und eine ganz bestimmte Ackerfolge, damit die Böden nährstoffreich bleiben.
Gestern auf unserer Wanderung haben wir schon Sandfelder gesehen, die ein bisschen nach Acker aussahen. Wir konnten uns aber kaum vorstellen, dass da wirklich was drauf wächst.
Heute haben wir gelernt, dass dort in der Tat Hafer und Roggen angebaut werden können, obwohl der Boden so sandig aussieht, als würde da kein Saatgut drin halten, geschweige denn wachsen. Aber gerade dieser sandig-torfige Dünengrasboden, die Machair, ist das besondere an den Hebriden. Ein Boden aus diesem feinen Muschelsand, der auch die Strände so unvergleichlich macht.
Was wir leider nur in den Anfängen mitkriegen, ist die tolle Wildblumenblüte, die hier in ein paar Wochen so richtig loslegen soll und dann die Wiesen in ein noch größeres Spektakel verwandeln als wir es gestern schon fanden. Das ist bestimmt super!
Und am Ende der Tour drehen über uns am Himmel noch 2 Seeadler ihre Kreise. Nichts zum Fotografieren, da sie so weit weg sind, aber mit Fernglas ein eindrucksvoller Anblick.
What the people say
Wir haben uns heute übrigens mit vielen Leuten über unsere anstehende Weiterfahrt nach Skye unterhalten. Und von “lovely” bis “bloß nicht!” waren alle Meinungen vertreten. Es sei crowded und meistens regnerisch-nebelig. Es sei, sobald man die Hauptstraße mit den Haupttouristenattraktionen verlässt, großartig und gewaltig. Wie gut, dass wir uns da bald selbst ein Bild von machen dürfen!
Noch mehr Strand
Am Nachmittag entdecken wir dass hinter den Clachan Sands ein noch viel größerer Strand in südlicher Richtung liegt. Der helle Wahnsinn! Wir gehen ihn entlang und wundern uns schon nicht mehr, dass uns trotz Prachtwetters nur ein einziger Spaziergänger entgegenkommt. Elli kann also nach Herzenslust toben und rasen.
Am Ende der Bucht kommt man an eine Art Mündungsbucht, denn das Meerwasser sieht hier wirklich so klar aus wie Trinkwasser. Unglaublich schön!
Der x-te tolle Sonnenuntergang
Sonnenuntergang geht ja immer. Der Himmel weiß noch nicht so recht, wo er heute mit seiner Lightshow hin will. Zunächst vielversprechend, dann eher gedämpft und im Finale dann noch mal großes Kino.
Besonders gut machen ihre Arbeit als Statisten heute die Austernfischer, die sich kurz vor Sonnenuntergang alle am Rande der sanften Wellen zum Stelldichein treffen und andächtig still ein letztes Sonnenbad nehmen.

moensters am 31 Mai 2019 16:12:30

Goodbye, Hebrides!



Die Nacht war wieder mal eisig. Von den Temperaturen her könnte es gerne mal 5 Grad mehr sein. Denn wir schielen immer noch auf unseren Gasvorrat. Auch wenn wir heiztechnisch sehr sparsam unterwegs sind, wird das noch eine enge Kiste. Momentan sieht es dennoch eher danach aus, dass wir wahrscheinlich mit dem letzten Hauch von Gas nach Hause kommen werden...
Kalt und doch nicht kalt
Beschweren können wir uns über das Wetter allerdings im Großen und Ganzen nun wirklich nicht. Denn auch wenn das Thermometer 10° anzeigt: In der Sonne lässt es sich mit langer Hose und Pullover locker aushalten. Und ein gutes hat es auch: Alle unsere kurzen Sachen müssen zuhause gar nicht mehr gewaschen werden, sondern können unbenutzt in den Kleiderschrank zurück...
Entsprechend angezogen kann man nämlich den auch heute noch grandiosen Ausblick ganz entspannt genießen. Der Wind ist etwas schwächer und somit fühlt sich alles direkt einen Tacken wärmer an als gestern.
Die Ebbe hat ihren Höhepunkt erreicht und das Meer ist weit, weit von uns entfernt, als wir den obligatorischen Strandspaziergang machen. Und sie hat ganz wunderbare wellenförmige Rinnen in den Sand gezaubert, in denen man sich glatt verlieren kann: Endlose Weite.
Next island
Nachdem wir reichlich und ausgiebig Abschied von diesem großartigen Platz gefeiert haben, brechen wir auf. Morgen soll unsere Fähre nach Skye gehen, aber wir haben vorher noch eine Insel auf dem Plan: Berneray. Das ist die kleine Insel nördlich von Uist, die aber mal wieder über einen Damm erreicht werden kann.
Und man glaubt es kaum: Obwohl sie nur ein paar Meilen weiter gelegen ist, hat sie doch wieder eine ganz anderen, eigenen Charakter.
Am Südwestzipfel, inmitten einer weiten Weidelandschaft parken wir auf einem Wanderparkplatz, um eine kleine Runde zu machen. Diese leicht hügelige Wiesenlandschaft mit Blümchenwiese ist von Schafen und Kühen so flach gemäht, wie es kaum ein Rasenmäher besser hinkriegen würde. Mit dem Unterschied, dass die Tiere die Blümchen stehen lassen und es einfach ganz bezaubernd aussieht. Eine Mischung aus Teletubbyland und Auenland. Fehlen nur noch die Hobbithöhlen...
Bull in the field. Diesmal wirklich.
Als wir am Weststrand von Berneray entlanggehen (natürlich inklusive klarem Wasser und feinem Sand) wird Annette auf einmal klar, dass das jetzt unser letzter Strand auf den Hebriden sein wird. Wie schnell man sich daran gewöhnen kann, dass jeder Strand so schön ist! Da ist jetzt der Abschiedsschmerz schon enorm und die Pläne für das Wiederkommen werden geschmiedet - wir sind noch nicht fertig mit euch, Hebriden!
In den mächtigen Dünen gibt es genau einen Durchgang zurück zum Auto. Und in dem steht: eine Kuh. Sehr stoisch, sehr gemütlich. Aber ich fühle mich natürlich sofort an unser unschönes Erlebnis mit der vorwitzigen Kuh auf Barra erinnert. Mal gucken, was diesmal passiert.
Und als wir den Engpass passiert haben, sehen wir auch die Herde. Und den Bullen, der das ganze beaufsichtigt. Was ein Brummer! Gefühlt mindestens das Doppelte von einer normalen Kuh. Er nimmt aber nicht wirklich Notiz von uns, sondern hat anscheinend andere Sorgen. Zumindest steht er sehr eng und willig neben einer Jungkuh...
Wir fragen uns trotzdem, wie wir da jetzt vorbeikommen. Vor allem wegen der Hunde. Und da hilft es auch nichts, dass uns die freundliche ältere Dame neben uns erzählt, dass ja immer mal wieder Leute durch einen Bullen zu Tode kommen.
Wir warten zunächst geduldig ab, bis die Herde etwas weiter gezogen ist und gehen dann mit den Hunden in großem Bogen vorbei. Aber der Bulle scheint schon registriert zu haben, dass wir unterwegs sind. Guckt der nicht gerade ganz auffällig genau in unsere Richtung? Annette hat die Idee, dass wir ja die Hunde auf den Arm nehmen könnten, damit er nicht die Vierbeiner als potentiell gefährlich entdeckt. Also nehmen wir Elli und Mia auf den Arm und schreiten zügigen Schrittes und zunehmend schwitzend Richtung Gatter am Parkplatz.
“Geschafft!” ruft uns der Mann, der mit uns zusammen losgegangen war, auf deutsch zu. Hundelos war er deutlich schneller als wir. Als ich ihn frage, woher er denn käme, ist die Überraschung perfekt: Er ist ein Deutschlehrer aus Newcastle, spricht einwandfreies Deutsch, hat sogar einen leichten badischen Akzent und erkennt sogar unser Autokennzeichen RS als Remscheid! Sachen gibt's...
Tristes Fährterminal
In Lochmaddy, wo unsere Fähre abfährt, ist der Hund begraben. Das hatten wir uns irgendwie doch ein bisschen mehr wie Stadt vorgestellt!
Immerhin gibt es aber das Lochmaddy Hotel, wo wir abends den Abschied von unseren jetzt schon heißgelaufensten Äußeren Hebriden mit einem leckeren Essen feiern. Scallops, die Jakobsmuscheln, schmecken hier einfach noch mal ein paar Tacken besser als auf dem Festland. Und auch mein Seebarsch ist so frisch und saftig, dass es eine Freude ist.

moensters am 31 Mai 2019 16:28:09

Fünfzig





Wir müssen uns mal wieder den Wecker stellen, um die Fähre nach Skye nicht zu verpassen. Denn die fährt schon zu gottloser Zeit um 7.15 Uhr los. Und da man 45 Minuten vor Abfahrt da sein muss, weil sonst der Platz vergeben werden kann, machen wir das ganz gewissenhaft und sind schon eine Stunde vorher da. Damit auch ja nichts schief gehen kann. Und stellen dann doch fest, dass das ganze hier schottisch-entspannt abgeht. Die meisten kommen eher eine halbe Stunde vor Abfahrt an und das Boarding beginnt auch nicht früher. Und natürlich ist Platz für alle...
Fährfrühstück
Das Wetter ist über Nacht dann doch noch mal kühler und wolkiger geworden. 3 Grad am Morgen sind für Ende Mai jetzt aber wirklich mal ne Hausnummer! Aber immerhin ist es trocken.
Auch auf der Hebrides gibt es ein Bordrestaurant und natürlich auch Scottish Breakfast. Zumindest für mich, da Annette einen Porridge-Tag einlegt. Zu diesem wird einem (warum auch immer) ein Glas Milch gereicht. Dumm nur, wenn das dann umkippt, und Klamotten und Tasche danach eingemilcht sind. Igitt!
Immerhin können wir aber meine Geschenke vom Tisch retten. Denn heute ist Geburtstag. Und 50 werden in Schottland - kann ich gut mit leben! Auf Skye habe ich mich in Schottland verliebt und heute nach Skye zu fahren passt irgendwie gut dazu.
Spektakuläre Aussichten
Kurz hinter Uig fahren wir zunächst Richtung Nordspitze der Trotternish-Halbinsel. Und wenn man selbst bei diesem grauen, wolkenverhangenen Wetter eine solch grandiose Aussicht hinüber zu den Bergketten von Harris und Lewis hat, muss es bei Sonnenschein wirklich unbeschreiblich schön sein!
Die Fahrt über die reichlich lädierte C1225 durchs Quiraing-Massiv ist dann zunächst gar nicht so grandios wie gedacht. Ist halt reichlich viel Moorland hier. Mondlandschaft. Beeindruckt eher durch seine trostlose Weite. Erst als man zu seiner linken den Steilabbruch des Quiraing und vor sich das Meer sehen kann wird es spektakulär. Und wir sind dann doch überrascht, dass auf einmal auch jede Menge Autos hier stehen. Also: richtig viele.
Dankenswerterweise gibt es neben der Straße einen schmalen geschotterten Streifen, damit man sein Fahrzeug nicht im feuchten und leicht sumpfigen Boden parken muss. Wenn das hier bei diesem Wetter und zu dieser Jahreszeit schon voll ist, mag ich mir nicht vorstellen, wie chaotisch es dann in der Hochsaison zugeht...
Scenic hoch zwei
Wir sehen wahre Karawanen von Wanderern in Richtung der beeindruckenden Abbruchkante des Quiraing zur Linken ziehen. Uns zieht es aber wieder mal auf eine „road less traveled“. Also wandern wir stattdessen rechts den Berg hinauf bis zum Aussichtspunkt Bioda Buidhe.
Wir haben uns wasser-, winddicht und warm eingepackt. Beim Anstieg sehe ich aber wieder einen jungen Mann mit Shorts - bei wahrlich eisigem Wind. „Die spinnen, die Schotten!“ denke ich noch, als ich höre, dass er sich mit seinen Kumpels auf deutsch unterhält. Und ich entwickele die Idee, dass all die Freaks, die auch bei eisigem Wind und Regen in T-Shirt und Shorts rumlaufen, in Wahrheit irgendwelche durchgeknallten Touristen sind, von denen die Schotten dann sagen „Crazy germans!“
Unsere Entscheidung erweist sich als Glücksfall. Nicht nur ist die Wanderung vergleichsweise kurz und einfach, sondern die Ausblicke von hier sind praktisch ein 360°-Panorama! Und ein unbeschreiblich großartiges noch dazu.
Ein bisschen Mut und Nervenkitzel wird hier auch noch reichlich belohnt. Denn wenn man sich vom Trampelpfad bis zur steilen und ungesicherten Abbruchkante vortraut (was bei starkem Gegenwind zumindest schon mal nicht die Gefahr mit sich bringt, dass man einfach über die Kante geweht wird), wird man reichlich belohnt. Unter einem kommen erst dann die Lochs und „kleinen“ Gipfel vor der Abbruchkante zum Vorschein, was dem ohnehin ganz großartigem Ausblick wirklich noch die Krone aufsetzt. Einmalig. Und mal wieder durch die Fotos nur ansatzweise wiederzugeben.
Aber Achtung an alle Nachahmer: Es geht an dieser Stelle wirklich steil nach unten! Prüft vorher dreimal nach, wie der Wind steht und macht lieber einen Schritt zu wenig als zu viel in Richtung Kante. Nicht, dass ihr noch auf Schafscheisse in den Abgrund rutscht!
Birthday Coffee
Nachdem wir wieder am MoMo angekommen sind, sind wir auch reichlich platt. Von einer zweistündigen Wanderung. Wir brauchen eine Verschnaufpause.
Ich fand mich gestern megaschlau, dass ich den Campingplatz in Staffin vorreserviert habe. Denn unser eigentlich gewählter Campingplatz an der Waternish-Halbinsel war (wieder mal) schon ausgebucht. Aber hier in Staffin ist richtig wenig los. Gerade mal drei Womos verlieren sich auf dem Gelände mit vielen ebenen geschotterten Plätzen, von denen wir uns einen beliebigen aussuchen dürfen.
Und nachdem wir uns in den antiken, aber heißen Duschen erfrischt haben, gibt es erst mal einen Geburtstagskuchen und Kaffee. Und da es sich draußen langsam, aber sicher einregnet, machen wir es uns erst mal gemütlich und planen, wie und wo wir die letzten Tage in Schottland verbringen möchten.
Beach is a bitch
Annette bringt vom Hundespaziergang gute Neuigkeiten mit. Sie hat von unseren Campgroundhosts das Kilmartin als Empfehlung bekommen und die netten Betreiber des Campingplatzes haben für uns einen Tisch für viertel nach sieben reserviert. Super!
Da bleibt noch genug Zeit, um mit den Hunden gemeinsam dem verlockenden Hinweisschild zum „Beach“ zu folgen. Strand geht ja immer.
Aber nach 10 Minuten Stapfen durch torfig-feuchtes Gelände stehen wir mitten im Nirgendwo und ein Strand ist noch nicht zu sehen. Hä? Wir beschließen, wenigstens noch bis zur Felskante zu gehen, von der man dann Richtung Meer runtergucken kann. Und sehen: zumindest keinen Strand. Sondern eine Felsküste und einen Beton-Bootsanleger. Nicht so ganz das, was wir Hebridenverwöhnten unter „beach“ verstehen...
Pub-Grub im Kilmartin
Als wir zum Campingplatz zurückkehren, werden wir von unserem Camphost schon erwartet. Warum wir denn um zehn vor sieben noch da seien? Den Tisch habe er doch für viertel vor sieben reserviert? Ups. Annette klärt das Missverständnis dann telefonisch und wir brechen strammen Schrittes unter immer stärker werdendem Regen auf zum Abendessen.
Gut, dass wir reservieren hatten! Denn der Laden ist voll und unser Tisch in der hinteren Ecke wartet schon auf uns. Die Karte ist dann sehr übersichtlich. 3 Vorspeisen, 3 Hauptgerichte und noch ein paar Specials. Also das, was man in England als pub-grub bezeichnet. Fish&Chips, Steak Pie und irgendwas mit Lamm geht da immer.
Annette wählt sich ein Gericht mit Haggis aus und ich probiere dann mal todesmutig was Neues: Steak Pie (denn Fish&Chips ist für heute aus...). Und es kommt dann auch genau das, was man in Großbritannien erwarten würde: Pommes, Erbsen und Möhren (die erst mal Bekanntschaft mit Salz machen müssen), Mais am Kolben und ein Steak, was keines ist. Denn das, was sich in der kleinen Auflaufform unter der Blätterteighaube befindet, würde in Deutschland deutlich eher unter Gulasch als unter Steak laufen! Aber es ist lecker gewürzt, so saftig wie versprochen und vor allem: eine echt große Portion.
Nachdem wir dann nur mäßig nass wieder am MoMo angekommen sind, lassen wir den Tag mit einem Schlückchen Whisky stilvoll ausklingen.

moensters am 31 Mai 2019 23:54:08

Landunter



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Der Wetterbericht hat nicht gelogen. Grau in grau. Trüb. Feucht. Mehr als feucht. Nass. Igittwetter.
Für uns steht eine folgenschwere Entscheidung an: Wollen wir, wie geplant, bis Sonntag auf Syke bleiben und dann in zwei längeren Etappen nach Newcastle zurück? Oder brechen wir unsere Zelte heute ab und machen uns auf kürzeren Wegen auf den Rückweg?
Zunächst wirkt das Wetter noch gar nicht mal so schlimm. Man sieht zwar nichts von den Bergspitzen, aber es scheint eher zu nieseln. Aber als wir losfahren, wird der Regen schon stärker. Unser erster Stopp am Kiltrock fällt dementsprechend kurz aus, denn es ist wirklich ungemütlich. Man hakt die durchaus sehenswerte Steilküste mit Wasserfall eher ab, als dass man sie wahrnimmt.
Ist das voll hier!
Was uns sofort auffällt: Skye ist eine ganz andere Liga als die anderen Ziele, die wir bisher aufgesucht haben. Bei der nächsten großen Attraktion, der Felsnadel Old Man of Storr sind alle Parkplätze am Straßenrand (und das sind richtig viele!) besetzt. Ganz am Ende finden wir zwar den allerletzten, sind dann aber doch über das plötzlich wieder vorhandene Internet erfreuter als über die Aussicht darauf, mit Dutzenden anderen Touristen durch den strömenden Regen zu einem Felsen zu gehen, den man kaum sehen wird. Denn die Wolken hängen wirklich tief!
Kleiner Exkurs zum mobilen Internet in den vergangenen Wochen: Mit Vodafone gelinde gesagt eine reine Katastrophe. Das skurrile: Wir hatten oft guten Telefonempfang! Aber datenmäßig wurde G angezeigt. So wie garnix. Manchmal gab‘s E. So wie entnervend. 3G oder 4G gab es tendenziell, vor allem auf den Inseln (auch in den „Städten“!), eher selten. Selbst wenn man neben einem Mobilfunkmast stand. Hat da jemand Erfahrungen, ob das grundsätzlich so ist, oder ob man mit der Telekom da besser unterwegs wäre?
Als wir durch Portree fahren, kriegen wir spontan Lust, einen kleinen Stadtbummel zu machen. Sieht nett aus. Aber: Alle Parkplätze mehr als voll. Wir kurven also einmal rum, machen lange Gesichter und fahren weiter.
Ein bisschen ist es tragisch, die großartige, ausgesprochen norwegisch anmutende Landschaft nur im Vorbeifahren zu erleben und die Spitzen der Cuillins, der mächtigen Gebirgskette auf Skye, nur erahnen zu können. Noch dazu, wenn das Fahren bei dieser Witterung alles andere als spaßig ist, da auf Skye auch so viel Verkehr herrscht, wie wir ihn jetzt lange nicht mehr hatten und wir Geschwindigkeiten über 50mph auch nicht mehr gewohnt sind.
Spaß an der Fähre
Als wir in Armadale, dem Fährhafen zum Festland ankommen, frage ich den Gelbwesten-Einweiser, ob wir wohl mit der nächsten Fähre mitkämen, auch wenn wir für Sonntag reserviert hätten. Er steht stoisch im Regen und erklärt mir, dass das dann auch vor Sonntag nichts werden würde. Schließlich hätte ich das ja gebucht. Und warum ich denn jetzt schon weg wolle? Ich deute zum Himmel. „Weather!“ Grinsend fährt er fort: „Ich bin 137 Jahre alt. Man sieht das meiner Haut nur nicht an, weil ich so oft im Regen stehe. So schlecht ist das Wetter doch gar nicht!“ Spätestens jetzt ist klar, dass er sich seinen Job einfach versüßt, indem er sich ein Späßchen daraus macht, zumindest ein bisschen Konversation mit den Fährgästen zu haben. Natürlich kommen wir mit!
Auch seine anderen Kollegen sind für so ein Pisswetter erstaunlich gut drauf. Bei ihnen ist es anscheinend ein Ding, ein Törchen so elegant zuzuschubsen, dass es so gerade eben ins Schloss fällt. Und wenn es klappt, freut man sich, als hätte man ein wichtigstes Tor in der Premier League geschossen. Und auch beim Einweisen kriegt man immer ein Zwinkern, ein Thumbs-up oder ein Grinsen ab. Ich mag das.
Traumstrecke mit Alptraumwetter
Die Strecke zwischen Mallaig und Fort William gehört mit zu den schönsten Strecken in Schottland. Es gibt dauernd etwas zu sehen. Es wird nie langweilig. Wenn das Wetter mitspielt.
Heute ahnen wir mehr etwas davon, als dass wir es genießen können. Denn es schüttet jetzt. So sehr, dass die kleinen Wasserfälle am Straßenrand das Wasser nicht mehr halten können, sondern es teilweise auf die Straße ergießen. Abenteuerlich! Und auch gefährlich, wenn man durch so einen überraschenden See auf deer Fahrbahn fährt und noch Gegenverkehr dazu kommt. Eklig schön. Schön eklig.
Die Dampflok, den „Harry-Potter-Zug“, der auf dieser Strecke verkehrt, sehen wir nur für ein paar Sekunden. Die mächtigen Dampfwolken dafür etwas länger...
Stau und Tankstellen-fail
In Fort William passiert etwas, was wir schon ewig nicht hatten: Stau. Die Straße kriegt den Berufsverkehr einfach nicht bewältigt und dazu sehen wir, dass ab morgen auch noch Mountainbike-WM in der Stadt ist. Wir kommen uns vor wie in einer Metropole!
Wenige Meilen hinter Fort William ist die Tankstelle, wo wir laut unserer Gas-Experten aus Oban unsere Gasflasche Befällen lassen können. Und da meine Kalkulation mit Hilfe des Gasmess-Stiftes bis ca. Montag Abend reicht, wollen wir mal auf Nummer sicher gehen. Aber leider ist es eine Fehlinformation: Was sie dort können, ist LPG auffüllen. Mit unseren deutschen Gasflaschen können Sie nichts anfangen. Als ich aber später abends noch mal den Gasfüllstand prüfe, haben wir angeblich in den letzten 2 Tagen Null Gas verbraucht und müssten jetzt auf der sicheren Seite sein. Trotzdem werde ich mir für das Gasproblem eine Lösung überlegen. Es nervt, wenn man so viel Energie für dieses Thema verwenden muss!
Happy End
Ein gutes hat unser Aufenthalt an der Tanke aber. Der Dieseltank ist wieder voll und wir kriegen ein eindrucksvolles Bild von den enormen Pfützen und Wasserduschen, die die Autos hier erzeugen.
Ich rufe bei 2 Campingplätzen an, die aber schon voll sind. Das kennen wir mittlerweile ja schon. Beim kleinsten der drei Plätze, die ich in der Nähe gefunden habe, haben wir aber Glück. Pitch No.1 ist noch frei. Reserviert!
Und als wir ankommen, sehen wir einen schönen, neuen Stellplatz direkt zwischen Straße und Loch Creran. Wir richten uns auf Pitch 1 ein und lassen erst mal den Regen aufs Dach prasseln.
Da es mit dem Regen aber einfach nicht aufhört, stapfe ich schließlich doch durch den Regen und gehe über die Straße zur Rezeption. Unser Host, Jim, ist mal wieder ein Musterbeispiel für schottische Herzlichkeit. Wir plauschen nett und er findet, dass das Wetter in den letzten 4 Wochen doch ganz okay gewesen sei. Er habe mal einen Gast gehabt, der 4 Wochen im Juli total verregnet erlebt habe. Als dieser dann im folgenden Jahr wiederkam, war er ganz überrascht, dass es auf der anderen Seite des Lochs Berggipfel zu sehen gebe...
Selbst wenn das Wetter heute keine Werbung für Schottland macht: Die Schotten sind für sich schon Grund genug, dieses großartige Land zu besuchen!

moensters am 01 Jun 2019 23:20:08

Zu-spät-Tag



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Der Regen ist über Nacht heller geworden. Es ist nahezu freundlich. Wir fahren weiter zum Castle of Aaaaarrrrrrggghhh. Zumindest Monty-Python-Fans wissen jetzt Bescheid. Schottland-Kenner würden jetzt eher vom Castle Stalker sprechen. Eine Wasserburg, wo auch mal wieder die Ritter der Kokosnuss gedreht wurde.
Wir stellen uns auf den Parkplatz vom Castle Stalker View Cafe (--> Link) und gönnen uns nach dem Betrachten der Aussicht Scones und Fish Cake. Wobei das, was die Schotten einem als Cake verkaufen, hierzulande dann eher Frikadelle heißen würde.
Glen Coe
Unser Weg führt uns heute ins Glen Coe. Dieses Tal ist nicht zu Unrecht berühmt für seine tolle Landschaft und die schönen Aussichten. Wir können das bestätigen und fühlen uns hier wirklich sehr an Norwegen erinnert. Mächtige Berge links und rechts und man fühlt sich noch ein bisschen kleiner, als man als Mensch in dieser Landschaft ohnehin schon ist. Leider spielt das Wetter noch nicht so ganz mit. Es ist schwer bewölkt und zwischendurch regnet es gerne auch mal.
Was auf dieser Strecke aber ziemlich nervt (zumindest als Fahrer) ist der enorme Verkehr und die doch eher sparsam ausgebaute Straße. Da hat man dann, zusammen mit dem Linksverkehr, nur noch begrenzt Kapazitäten, um das alles auch wirklich erfassen, geschweige denn genießen zu können.
Immerhin an ein paar Parkplätze steuern wir an, damit ich auch mal gucken kann. Und auch hier wieder mein Gedanke: Wie muss das erst im Sommer sein! Und: für so eine vielbefahrene Straße könnten die Schotten durchaus mal ein Lifting spendieren!
Unser Ziel nach dem Glen Coe ist das Städtchen Killin. Dort gibt es die Falls of Dochart, welche ein Wasserfall mitten in der Stadt sein soll. Hört sich spannend an, fahren wir hin.
Was wir dann sehen, würde ich eher als Stromschnellen mit Gefälle bezeichnen. So richtig tief fallen tut da nix. Ist uns aber fast egal, da die eigentliche Attraktion der Stadt etwas anderes ist: Über die Falls führt eine Brücke, die aber so schmal ist, dass es eigentlich einer Ampel bedarf, damit sich keine Staus bilden. Haben sich die Stadtoberen aber geschenkt und stattdessen einen hohen Unterhaltungswert vorgezogen.
Die Brücke des Grauens
Denn nicht nur ist es eine schmale Brücke. Nein, sie ist dazu auch noch kurvig angelegt, damit es nicht zu einfach wird. Und sie ist lang, so dass man nicht mal eben in eine Ausweichlücke zurücksetzen kann. Und auf die netten Mäuerchen am Rande setzen sich auch gerne Kunden des nahegelegenen Pubs. Also alles ideal vorbereitet, um Chaos zu stiften. Und so geschieht es.
Annette überlegt zunächst noch ernsthaft, die Brücke mit den Hunden gar nicht zu betreten, weil sie Sorge hat, dass sie von einem Auto erfasst werden könnten. Die Sroge kann ich ihr aber nehmen. Denn uns entgegen kommen bereits mehrere Autos, aber hinter uns ist auch ein Reisebus schon auf die Brücke gefahren. Und das bedeutet: Stillstand.
Der Busfahrer steht auf dem Standpunkt: Ich bin dick und lang, ich bewege mich hier schon mal gar nicht, auch wenn hinter mir eigentlich genug Platz zum Zurücksetzen ist, da seine Hintermänner mitgedacht haben. Dumm nur, dass die 6 PKWs ihm gegenüber sagen: „Wir sind aber mehr!“ Und so passiert über mehrere Minuten gar nichts mehr. Außer, dass sich der Verkehr staut und staut und staut.
Schließlich muss sich der Busfahrer doch geschlagen geben und setzt rückwärts. Vielleicht, weil er gesehen hat, dass ihm gegenüber jetzt auch schon ein anderer Reisebus in der Schlange steht. Unrer dem Gejohle der Zuschauer setzt sich schließlich die Karawane in Gang und nach 5 Minuten hat sich der Spuk verflüchtigt.
Stau im Nirgendwo
Wir verlassen Killin in Richtung Süden und wollen noch mal nach Callander. Aber nach wenigen Kilometern ist mitten auf der Strecke auf einmal Stau. Nichts geht mehr. Ein Blick auf die Karte verrät uns: Mal eben umfahren kann man den Stau hier in den Highlands nicht. Also bleibt nur abwarten.
Nach mehreren Minuten sehen wir einen Abschleppwagen zurückkommen, der in Killin noch rasant an uns vorbei gefahren war. Anscheinend wurde er aber nicht gebraucht, denn seine Ladefläche ist leer. Nach einiger Zeit kommen uns weitere Rettungs- und Feuerwehrwagen entgegen. Alles sieht nach einem größeren Unfall aus. Wir rätseln: Vielleicht ein Motorradfahrer? Oder der Autofahrer, der uns und zwei Motorräder auf dem Weg nach Killin halsbrecherisch überholt hat? Wir werden es nicht erfahren, da sich der Stau dann erstaunlich schnell normalisiert und auf der Strecke nichts auf einen dramatischen Zwischenfall hindeutet. Sicherlich auch besser so!
Und noch ’n Umweg
In Callander wollen wir noch mal in die Wollen Mill, da wir beide auf dem Kaschmir-Trip sind. Wir sind uns todsicher, dass wir beim letzten Mal um kurz vor sechs dort waren, also durch den Stau nicht wirklich wertvolle Zeit verloren haben. Und sind entsprechend gebügelt, als wir sehen, dass schon um 5 Uhr Feierabend war. Ohne Stau hätte das vielleicht noch was werden können...
Wir freuen uns aber, dass endlich die Sonne rausgekommen ist und wir uns wirklich und wahrhaftig auch mal ohne Jacke wohl fühlen. Das ist jetzt wirklich schon lange her! Und als wir durch Callander fahren, sehen wir einen großen Parkplatz am Fluss, auf dem auch mehrere Womos stehen. Und es gibt eine große Grünanlage und Pubs in der Nähe. Das wäre doch was! Aber als wir auf den Parkplatz fahren, sehen wir auch schon das Schild: No sleeping in vehicles... Und es ärgert mich, dass es offensichtlich so viele Idioten gibt, dass so ein Schild nötig ist. Denn eigentlich hätte die Stadt doch richtig was davon, wenn Leute wie wir Geld in Restaurants und Pubs tragen, anstatt es, wie heute, im Portemonnaie zu lassen.
Finale am Lake
Annette hat noch eine echte Kuriosität ausgekundschaftet. Wir übernachten nämlich am einzigen See, der in Schottland auch wirklich Lake und nicht Loch genannt wird. Der Lake of Menteith. Neben dem Namen ist das besondere, dass es auf ihm eine Insel gibt, wo wir mit unserer Historic-Scotland-Membership die Inchmahome Priory besuchen können. Stilecht mit Überfahrt.
Heute natürlich nicht mehr, da an der Abfahrstelle schon alles verriegelt und verrammelt ist. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Dafür finden wir einen wirklich prima Parkplatz ein paar Hundert Meter weiter. Es gibt drei Parkbuchten, die fast ein bisschen wie Womo-Stellplätze aussehen. Leider nicht so ganz eben, so dass wir mit den Keilen etwas nachhelfen müssen. Aber dann ist es wirklich ein himmlisch ruhiger Platz mit Blick auf die Bäume vor dem See und dem gelegentlichen Klopfen eines Spechts im Hintergrund. Idyllisch.
Bei einem kleinen Abendspaziergang hören wir auf einmal noch jauchzende Kinderstimmen. Da ist echt eine vierköpfige Familie in den See gesprungen und hat die Badesaison eröffnet! Als wir den Familienvater auf die Temperatur des Wassers ansprechen, schätzt er mal eben 10°...

moensters am 03 Jun 2019 00:22:15

Grau zu Blau




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Och nööö. Schon wieder Regen. Und beim ersten Spaziergang mit den Hunden schießt Annette zwar schwer stimmungsvolle Bilder in Variationen von grau, aber das ist nicht das, was wir uns für den letzten Tag in den Highlands gewünscht haben.
Priory mit Priority
Unseren Plan, die Inchmahome Priory zu besuchen, geben wir trotzdem nicht auf. Denn der Regen soll im Laufe des Tages aufhören. Diese Abtei ist insofern besonders, als dass sie mitten auf dem See liegt. Wir dürfen also wieder Bötchen fahren!
Als wir uns an den Steg begeben, kommt gerade das kleine Boot an, das uns hinüber bringen wird. Wire kriegen eine gründliche Sicherheitseinweisung, setzen uns gerne unter das kleine Vordach und lassen unsere Skipperin im leichten Fisselregen stehen. Fühlt sich an wie eine Luxusbehandlung, dass das Boot nur für uns zwei gefahren wird.
Die Insel ist dann ganz anders, als wir uns das vorgestellt haben. Eher etwas verwildert, was aber für eine ganz eigene Stimmung sorgt. Hier ist nicht so sehr die Ruine der Priory der Star, sondern viel mehr die Natur.
Viele vermooste und urig gewachsene Bäume, die teilweise schon uralt sein müssen, säumen den Uferweg, den man auf keinen Fall auslassen sollte.
Wir nehmen also nicht den direkten Weg zur Ruine der Abtei sondern umrunden erst mal die Insel. Aber als der Regen dann wieder stärker wird sind wir doch froh, dass man sich unter eines der wenigen halbwegs funktionierenden Dächer der Priory stellen kann.
Touri-Shopping
Nachdem wir uns wieder haben zurückschippern lassen geht es weiter ins nahegelegenen Aberfoyle. Dort gibt es das Scottish Wool Centre. Angeblich ein Must-see wenn man schottische Produkte shoppen will. Wir werden so halb fündig. Eine Verkäuferin kann für mich auf wundersame Weise den schwarzen Rollkragenpulli besorgen, der eigentlich ausverkauft schien.
Annette probiert viele Tweed-Jackets durch, wird aber mit keinem zu 100% glücklich. Und das sollte man bei den hohen (und gerechtfertigten) Preisen für Harris-Tweed dann auch sein. Immerhin gibt es aber noch ein paar Mitbringsel für Zuhause. Und beim Verlassen noch eine Hütehundshow, der ein paar Laufenten durch einen Parcours lotst.
Abschied von den Highlands
Wir machen auf einem kleinen Parkplatz mitten im Grünen erst mal ein Kaffeepäuschen. Und danach einen Verdauungsspaziergang durchs wirklich üppig Grüne.
Denn danach steht Autofahren und der Abschied aus den Highlands auf dem Programm. Wir haben heute schon so viel Zeit mit unseren Unternehmungen verbracht, dass unser optimistischer Plan „und nachmittags machen wir Edinburgh“ schon Makulatur ist. Müssen wir aufs nächste Mal verschieben.
Wir suchen uns stattdessen einen Platz aus, der sich gut anhört. Prestonpans liegt östlich von Edinburgh an der Nordsee und es gibt einen Platz direkt am Meer. Gute Alternative! Wir lassen also auch den Besuch bei den von der Autobahn toll aussehenden Kelpies aus und fahren straight an Edinburgh vorbei.
In Prestonpans stehen bereits mehrere Womos in Reih und Glied unmittelbar am Meer. Ganz schön gute Aussicht! Auch wenn die Franzosen neben uns sich ein bisschen ärgern, dass wir Ihnen jetzt in der Sicht auf die (nicht sehr attraktive) Häuserfront des Ortes stehen.
Das Bier des Grauens
Für den Abend haben wir uns einen Ausflug ins Nachtleben von Prestonpans vorgenommen. Und zu unserer Verzückung ist es nicht nur sonniger geworden, sondern auch noch richtig warm: 20°! Wir können also lediglich mit einer dünnen Jacke bekleidet nach draußen und würden jetzt auch nicht frieren (Der gemeine Schotte hat währenddessen bereits Shorts und T-Shirt an). Sensationell!
An der etwas heruntergekommenen Seaside gehen wir spazieren. Die Häuser sehen alle etwas runtergekommen aus und auch der Betonpier, auf dem wir gehen, hat schon bessere Tage gesehen.
Aber Rost und Algen geben dann halt ganz gute Fotomotive ab. Geht schon in Ordnung.
Annette hat das Gothenburg als „the place to be“ ausgemacht. Ein Pub, in dem man auch etwas zu Essen kriegt. perfekt!
Und als wir dort ankommen, sieht alles nach einer richtig guten Pub-Atmosphäre aus. Viele Einwohner, die sich lautstark am Tresen unterhalten, die Männer eher leger, die Frauen eher aufgebrezelt.
Als ich am Tresen nachfrage, wie es mit Essen aussieht, kommt die niederschmetternde Antwort: „Ab sieben macht die Küche zu.“ Es ist kurz vor sieben und für uns gibt es nichts mehr. Mist. Dann aber immerhin Bier und Chips als Notlösung. Ich bestelle uns ein IPA. Einer Eingebung folgend nur als half-pint, so dass ich mir schon Sprüche von meinem Tresennachbarn anhören muss, was dass denn für ein armseliges Bierchen sei.
Es stellt sich dann aber als Glücksfall heraus, denn das Bier, frisch aus dem Zapfhahn, ist dann die berühmte aus den Asterix-Heften bekannte „lauwarme Cervisia“. Boah, schmeckt das scheisse! Nicht erfrischend, nicht so, wie sich das der Brauer gedacht hat - kurz vor ungenießbar. Brrrrr!
Die Pommes des Grauens
Da wir immer noch Hunger haben, machen wir uns auf die Suche und treffen die dümmstmögliche Entscheidung. Denn schon bei Tripadvior hatten wir einen gemischten Eindruck und als wir zum Pub gingen, sahen wir. eine Familie, die sich gar nicht mal so appetitliche Pommes teilten.
Aber der Hunger lässt einen manchmal merkwürdige Entscheidungen treffen. Unsere ist dann auf der nach oben offenen Deppenskala schon mal bei bekloppt einzuordnen. Wir bestellen Haggis bzw. Black Pudding in einer panierten Version zusammen mit Pommes. Und was soll ich sagen: Gar nicht mal so lecker!
Die Pommes so weich, mehlig und und blass, dass sie einem fast schon leid tun können. Der mangelnde Geschmack wird dann mit Tonnen von Salz kaschiert. Die Panade für die eigentlich ganz okayen Haggis und Black Pudding ist zäh und fad. Und alles zusammen liegt schwersten im Magen. Da helfen erst mal zwei(!) Pinnchen Killepitsch, als wir am MoMo ankommen. Gut, dass wir unseren Schnaps dabei haben!
Dafür gibt es dann aber schön stimmungsvollen Sonnenuntergang für unseren wahrscheinlich letzten Abend auf schottischem Boden.

moensters am 04 Jun 2019 16:49:50

A church, two castles and Fawlty Towers




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Hui, das war eine stürmische Nacht! Am späten Abend kam der angekündigte Wind mit Sturmböen. Und unser MoMo bietet da genug Angriffsfläche! Aber es ist dann auch irgendwie so als würde man sanft in den Schlaf gewiegt. Wenn nur die Geräusche nicht wären. Denn der Wind erzeugt in unserem Verdunkelungsschieber am Heki ein grässlich nervendes Flattergeräusch. Irgendwann komme ich mitten in der Nacht auf den Gedanken, dass es sich vielleicht besser schläft, wenn es heller aber dafür leiser ist und schiebe die Verdunkelung zurück. Und so ist es dann auch.
John Muir für Arme
Als wir aufwachen, ist das schlechte Wetter wieder da, was wir gestern hinter uns gelassen hatten. Verfolgt uns das etwa? Immerhin regnet es nicht. Aber es ist windig und wieder deutlich kühler als gestern.
Wir machen eine kleine Runde mit den Hunden und stellen fest, dass der hier lang führende John-Muir-Weg den Mitbegründer der amerikanischen Nationalparks (der im Nachbarort Dunbar geboren wurde) im Grabe rotieren lassen würde. Schon das Stück gestern durch den Ort war alles andere als landschaftlich schön. Aber die Runde heute führt uns dann noch an einem trostlosen Kraftwerk vorbei. Klar, muss es auch geben, aber für einen Wanderweg wirklich nicht toll.
You‘ve come to the right place
Wir haben beschlossen, dass wir noch ein bisschen Historic Scotland erkunden möchten. Denn eine Sache hat uns auf dieser Reise echt Spaß gemacht: Das Besuchen von Kirchen und Burgen, die wir vorher noch gar nicht so auf dem Schirm hatten und die dann ganz tolle Entdeckungen sind.
Eine davon ist definitiv die Seton Collegiate Church. Liegt auf der Strecke, wird uns im Historic-Scotland-Prospekt sehr ans Herz gelegt und ist dann auch wirklich schöner als erwartet. Schon der Weg dorthin ist urig.
Noch besser ist dann der Warden namens Aidan, den wir darauf ansprechen, ob wir unsere Membership-Card nachträglich doch noch zugeschickt kriegen können. Ursprünglich hatten wir darauf verzichtet, da sie an die Heimatadresse geschickt wird. Und somit 10£ gespart. Die zahlen wir heute nach, da wir vorhaben, im Herbst einfach noch mal wiederzukommen. Wir haben noch zu viele Lücken auf der Landkarte!
Derr schon etwas nerdig aussehende Aidan ist da ganz bescheiden: „I don‘t want to flatter myself too much but you‘ve come to the right place.“ Man muss wohl ein bisschen im Computersystem rumhacken, um das zu schaffen, aber er sei so versiert, dass das angeblich geklappt hat. Prima, dann kann es im Herbst ja weiter gehen!
Die Collegiate Church ist dann wieder so ein kleines, aber feines Gebäude, dass genau richtig hergerichtet wurde. So schön, dass man es würdigen kann. So roh, dass man merkt: Das ist echt alt hier!
Wundertütencastle
Unser nächster Stopp ist dann noch eine Empfehlung von Aidan. Der kann echt was. Wir besuchen nämlich Dirleton Castle, was wir sonst vielleicht eher nicht getan hätten. Und das wäre echt eine Sünde gewesen. Gehört definitiv in die Top3 unserer Historic-Scotland-Besuche!
Warum? Weil es viel mehr zu bieten hat, als man auf den ersten Blick denkt. Und wenn man dann denkt, dass man fertig und vollkommen zufrieden ist, kommt noch mal eine dicke Überraschung um die Ecke.
Aber der Reihe nach. Man kommt erst mal in einen schön angelegten Garten. Und kriegt ein Gefühl für die Größe der Anlage. Eher eine von den größeren Burgen.
Schon das Taubenhaus ist ein Highlight. Ein von außen bienenkorbartiges Gebäude, in dem sich dann tausende Taubenlöcher befinden. Abgefahren!
Und das Castle an sich ist dann erst mal das übliche Ensemble aus ziemlich viel Zusammengekrachtem. Das coole daran ist aber, dass hier vieles begehbar ist und man quasi wie in einem Labyrinth schon mal die Orientierung verlieren kann. Habe ich das jetzt schon gesehen? War ich dort schon drin?
Und Annette schickt mich noch mal in einen Bereich, den ich sonst glatt übersehen hätte. Und mindestens um den Zwei-Klassen-Kerker wäre es dann wirklich schade gewesen. Eine Etage für die Adligen, eine für den Pöbel. Und das Gefängnis für die Adligen sah schon gar nicht mal so nett aus. Aber immerhin noch mit Feuerstelle und frischer Luft...
Das ganze ist wirklich ein kleiner Abenteuerspielplatz. Und als wir die Burg verlassen, gibt es noch einen kleinen Bonus: Auf einer riesigen quadratischen Rasenfläche spielen 3 ältere Herrschaften Bowling. Also nicht so wie man das bei uns kennt. Sondern eher eine Art britisches Boule. Und es ist beeindruckend zu sehen, wie treffsicher das alte Ehepaar die Kugeln bis an die Zielkugel heranrollen kann. Respekt!
Magnificient view
Im nächsten Tescos füllen wir unsere Vorräte ein letztes Mal auf und werden Zeuge, wie das Wetter im Nu auf eklig umschwingt: Schauer, Sturm und Graupel. Brrr!
Dafür gibt es bei der Weiterfahrt aber eine doll beeindruckende Lichtstimmung als wir zum nächsten Ziel fahren. Vor dem Tantallon Castle sieht man schon auf dem Meer den Bass Rock weiß leuchten. Also nicht so weiß wie die White Cliffs of Dover, sondern weiß wie Vogelkacke! Auf der Insel brüten Tausende von Basstölpeln und entsprechend zugeschissen ist das ganze Eiland dann auch. Sieht aber vor einem schwarzen Himmel geradezu dramatisch gut aus!
Am Tantallon Castle warten wir den nächsten Schauer bei Kaffee und Keksen ab und machen uns dann bei schönstem Sonnenschein auf den Weg zu diesem wieder mal anders ungewöhnlichen Castle. Das besondere hierbei: Von vorne sieht es mächtig und bedeutend aus. Dahinter ist aber alles reichlich kaputt und größtenteils nicht mehr vorhanden. Stattdessen gibt es eine große Rasenfläche und dann: nur noch das Meer. Was muss das früher für ein genialer Ort gewesen sein!
Immerhin kann man durch die 2 noch intakten Türme auf den obersten Wehrgang gelangen und hat dann einen fantastischen Ausblick auf das gesamte Umland. Das ist schon ganz großes Kino!
Wir haben heute aber auch richtiges Glück: Als wir uns auf den Rückweg zum MoMo machen, sehen wir schon das schwarze Regengebiet auf uns zustürmen. Und wir schaffen es aber auf die Sekunde genau zusammen mit den ersten Regentropfen wieder zurück zu sein und können uns von drinnen ein wirklich beeindruckendes Unwetter angucken. Brrrr!
Byebye Scotland
Dann ist aber die Stunde der Wahrheit gekommen. Morgen geht die Fähre und wir möchten nicht in Schwulitäten kommen. Daher fahren wir noch ein paar Meilen weiter in Richtung Newcastle und somit bald über die Grenze nach England. Byebye Scotland, you‘ve been great!
Unser Ziel ist der Campingplatz in Beadnell in Northumberland. Eine Empfehlung von Chris und Doug, unseren neuen Freunden vom Campingplatz auf Mull. Auf dem Weg kommen wir noch am riesigen Bamburgh Castle vorbei. Boah, das sieht ja schon wieder so toll aus! Aber diesmal fahren wir dran vorbei. Nächstes Mal!
Auf dem Campingplatz werden wir sehr freundlich, aber auch sehr präzise eingewiesen. Da kommt ein Warden mit zu der Sektion, wo wir uns einen Platz aussuchen sollen. 5x8 Meter. Gekennzeichnet mit einem weißen Pflock. Auf fein gemähtem Rasen.
Fawlty Towers
Für unseren letzten Abend auf britischem Boden gönnen wir uns noch mal ein Essen in einem Restaurant. Unsere Wahl fällt auf das Beadnell Towers, laut Doug‘s Schwester eine gute Wahl.
Beim Betreten haben wir den Eindruck, dass wir von der eigentlichen Bedienung gekonnt wegignoriert werden. Kein „Hi“, kein „Welcome“. Tische sind aber genug frei. Der junge Mann am Tresen guckt nach meiner Frage nach einem Tisch wichtig auf den Reservierungsplan und weist uns dann den Tisch zu, den ich als letztes gewählt hätte. Es gibt dann auch noch genügend andere Tische, die den Rest des Abends auch nicht besetzt werden. Merkwürdig.
Das ganze macht eigentlich einen sehr schicken Eindruck. Frisch renoviert und liebevoll dekoriert (wie wir am Ende erfahren, haben sie erst vor einer Woche nach 18 Monaten Renovierung wiedereröffnet). Und wir kriegen ein kühles Bier serviert. Hurra!
Wir wollen uns nach mal unser neues Lieblings-Seafood gönnen: Scallops. Den Geschmack der Jakobsmuscheln aus Lochmaddy habe ich immer noch auf der Zunge! Die werden also als Vorspeise geordert.
Einige Zeit nach unserer Bestellung wird aber das Besteck für die Vorspeisen von der Bedienung abgeräumt und wenig später steht sie strahlend vor uns und möchte die Hauptspeisen servieren. Ähm, da war doch was...? Wir weisen auf die bestellten Scallops hin und sie dackelt wieder ab. Annette schaltet aber schnell, denn wir möchten nicht, dass unser frisches Essen jetzt ewig warm gehalten wird, oder, noch doofer, weggeschmissen wird. Also gibt es jetzt halt die Hauptspeise vor der Vorspeise! Einfach mal was Verrücktes machen!
Immerhin kriegen wir für diesen peinlichen Faux-Pas die Jakobsmuscheln jetzt nicht mehr berechnet. Da kann man nicht meckern. Und da sie dann auch bei weitem nicht so lecker schmecken wie die in Highlands und Hebriden sind wir dann auch nicht enttäuscht. Denn die Hauptspeisen waren echt lecker!
Und als wir zum MoMo zurückkehren, gibt es dann noch einen besonderen Sonnenuntergang mit linsenförmigen, völlig plattgedrücktem Wolken, die rötlich leuchten. Sieht fast so aus wie gigantische Ufos am Himmel.

volkermuenster am 05 Jun 2019 11:42:06

Noch einmal: DANKE für den tollen Bericht und den super Fotos.

Daumen hoch.

Gruß
Volker

AndiObb am 05 Jun 2019 14:12:41

Auch von meiner Frau und mir ein dickes Dankeschön fürs virtuelle Mitreisen lassen. Wir sind große Schottlandfans, waren vor drei Wochen (diesmal Mietwagen) und haben einige Eurer Stationen wiedererkannt... und festgestellt dass wir noch viiiiiel zu wenig gesehen haben. Da zitiere ich doch gerne meine Frau: "es wird kein Jahr mehr vergehen, an dem ich nicht schottischen Boden betreten habe". Und mit Eurem Bericht sehen wir, dass uns die Ziele dort auf die nächsten Jahre auch nicht ausgehen werden.
VG
Andi

MiGu1418 am 05 Jun 2019 22:22:00

Hallo,

auch von mir ein fettes Danke und ein für den tollen Bericht und den dazugehörigen Bildern

Gruß Guido

moensters am 15 Jun 2019 21:46:44

Hallo zusammen,

vielen Dank für das nette Feedback - das motiviert immer, weiter zu machen. :-)

Bei uns war ein bisschen Trubel nachdem wir nach Hause gekommen sind, aber einen hab' ich noch:

# Fish&Finish
Unser letzter Tag auf der britischen Insel ist schnell erzählt. Wir haben den Vormittag genüsslich mit Frühstück und Tagebuch (online und offline) vertrödelt. Den spätestens Check-out auf dem Campingplatz haben wir um 11.57 Uhr locker um 3 Minuten zu früh umschifft.
## Coastal route
Für unsere letzte Etappe wählen wir die coastal route. Sah auf der Karte sehr vielversprechend aus, da sie wirklich immer parallel zur Küste verläuft. Aber vom Meer sieht man leider nicht oft etwas. Stattdessen ist es eine schmale Straße mit Steinmauern rechts und links - noch einmal was zum konzentrierten Fahren und weniger zum Cruisen.
Als Zwischenziel haben wir uns Newbiggin by the Sea ausgesucht. Die Engländer können das ja mit den malerischen Ortsnamen. Und einen breiten Strand soll e Sport auch geben. Mehr brauchen wir doch gar nicht!
## England in a nutshell
Und auf eine Weise ist das Städtchen dann eine ganz kompakte Version von allem, was man in England so erleben kann. Stressfrei erreichen wir einen großen, kostenlosen Parkplatz am Strand. Dieser ist aber so was von ausdrücklich für Hunde verboten, dass wir gar nicht mal auf den Gedanken kommen, ein letztes Mal mit Elli und Mia ans Mer zu gehen. Und „no fouling“-Hinweise noch und nöcher.
Aus dem Strandrestaurant dröhnen uns „Walking on sunshine“ und Dire straits entgegen. Lustig, weil das für das Publikum hier sicher immer noch fetzige Junge-Leute-Musik ist. Aber irgendwie auch süß, wenn die Omi mit ihrer Enkelin uns bedeutungsvoll darauf anspricht, dass es später ja noch regnen soll.
Zum Mittag soll es ein letztes Mal Fish&Chips geben. Nach unserem Imbissdebakel in Prestonpans sind wir aber etwas vorsichtig geworden. Der Imbiss, den wir finden, scheint brauchbaren Fisch zu servieren, aber die Pommes sehen schon wieder so blass und matschig aus - bitte nicht!
Also gehen wir in das Endeavour, ein hutzelig-kleines seafood-restaurant. Alles wirkt schon reichlich alt und auch die Decke ist so niedrig, dass ich so gerade aufrecht stehen kann. Aber halt auch mit dem gewissen Charme. Und wir kriegen dann ein so was von klassisch englisches Fish&Chips mit garden peas serviert, dass es besser gar nicht sein könnte.
## Fähre im Schnelldurchgang
Das letzte Stück zum Fährterminal fährt sich dann viel entspannter und schneller als ich mir das vorgestellt habe. Gute Verkehrsführung, keine Staus, wenig Verkehr - so muss das!
Und beim Fährterminal flutscht dann auch alles wie am Schnürchen. Wir haben sogar den Luxus, dass das MoMo auf dem Hubdeck landet und wir damit original keine 50 Schritte bis zu unserer Hundekabine zurücklegen müssen. Besser geht‘s nicht!
Der Rest des Programms ist dann einfach erzählt: Auf in den Navigator’s Pub und Leute gucken. Und sogar Live-Musik gibt es. Ist aber ein ganz hartes Brot für die Band. Kaum jemand klatscht nach den Songs, obwohl es eine wirklich ordentliche Coverband ist. Erst als eine Gruppe von deutschen Abschlussfahrtschülerinnen (allerdings so brav wie Religions-LK…) die Tanzfläche entert, kommt so etwas wie Stimmung auf.
Am nächsten Morgen erinnern wir uns noch an die White-Walker-Schlange von der Hinfahrt: Wir sind pünktlich! Lohnt sich aber nicht, denn wir haben die Zeitumstellung nicht berücksichtigt. Also nicht so, dass wir zu spät oder zu früh sind. Aber während auf der Hinfahrt allen um gefühlten 8 Uhr der Magen knurrte, stehen heute nur die ganz harten zu gefühlten 6 Uhr (jeweils Bordzeit 7 Uhr) auf der Matte. Wieder was gelernt…
## Wieder auf dem Kontinent
Ich war gespannt, wie es sich nach 4 Wochen Linksverkehr anfühlt, wieder „normal“ zu fahren. War aber sehr enttäuschend, denn es ist alles einfach wieder auf Autopilot. Keine Anpassungsschwierigkeiten. Und so machen wir uns auf den Heimweg, freuen uns über die „billigen“ Spritpreise in Deutschland und wissen jetzt schon: Wir kommen eher früher als später wieder. Schottland, wir sind noch nicht fertig miteinander!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link


Jetzt stellt sich nur noch die Frage: Im Herbst noch mal nach Schottland oder erst im nächsten Jahr? - wir sind angefixt!

Sprintertraum am 16 Jun 2019 10:28:19

Moin
Schön das ihr wieder gesund und heile zu Hause angekommen seit.
Die ( eure ) 4 Wochen waren ein toller Urlaub und ihr wolltet früher abreisen ... :mrgreen:
Schön das sich alles so gut entwickelt hat, bis auf das Wetter aber das ist in Schottland nun mal so.
Dann erholt euch mal gut und lass den Urlaub in Gedanken an euch vorbei fahren.
Wir fahren frühstens alle 2 Jahre nach Schottland. Dann ist die Freude um so größer und man sieht kleine Veränderungen im Land mit anderen Augen.

Danke für die schönen Beiträge :ja:

moensters am 05 Sep 2019 20:38:49

Und es geht bald weiter:

Scotland reloaded



Ja, richtig gelesen. Die Mönsters fahren schon wieder nach Schottland!
Man kann natürlich jetzt argumentieren: Aber ihr wolltet doch dieses Jahr nach Slowenien! Und im Herbst mal nach Lappland! Und uns blutet tatsächlich ein ganz, ganz kleines bisschen das Herz, dass es mit diesen Reisezielen in diesem Jahr nichts mehr wird. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Beides steht immer noch reichlich hoch auf unserem Reisewunschzettel und kommt sicherlich schon bald dran. Aber eben noch nicht in diesem Jahr.
Scotland love
Denn wir sind verliebt. Schwerstens! Das haben wir bereits in diesem Sommer gemerkt. Wer vor einem halben Jahr über die menschenleeren Traumstände der Hebriden spaziert ist, dem kommt die überfüllte deutsche Ostseeküste im Sommer nicht mehr ganz so prickelnd vor… Und wer sich so großartig mit den freundlichen, immer zu einem Schwatz aufgelegten Schotten (und Engländern (hello, Doug and Chris!) unterhalten hat und auch im Straßenverkehr die Schotten als sehr rücksichtsvoll kennengelernt hat, will gerne mehr davon. Viel mehr!
Schon als wir im Frühjahr zurückgekehrt sind, haben wir festgestellt, dass wir ja trotz 4 Wochen Aufenthalt nur einen Bruchteil dessen gesehen haben, was wir eigentlich sehen wollten und was noch auf dem Reisezettel steht. Annette grinst mich daher auch seitdem immer spöttisch an, wenn ich mir wieder Sorgen mache, dass 4 Wochen vielleicht doch zu lang sind…
Fähre gebucht!
Wir haben also flugs wieder die Fähre von Amsterdam nach Newcastle beim famosen Reisebüro Gaeltacht (--> Link) gebucht. Deren Webseite ist zwar maximal unübersichtlich, aber telefonisch kann man sich bestens beraten lassen. Und vor allem, wenn man, wie wir, eine Hundekabine buchen will/muss, immer noch besser, als sich durch tausend Untermenüs der Fährgesellschaften zu klicken, nur um nachher zu lesen, dass die Hundekabinen nur an der Hotline abgefragt werden können.
Das einzig Negative: Da Gaeltacht eigentlich ein Veranstalter für Irlandreisen ist, wird bei mir gleichzeitig noch der Irlandreisevirus gekitzelt - da waren wir ja auch schon ewig nicht mehr! Und nachdem ich die tollen Berichte von Rolf und Anita (--> Link) gelesen habe, ist Irland auch wieder ganz weit oben auf der Liste. Ob das nächstes Jahr mit einem Brexit noch so einfach mit dem Womo geht…?
Denn auch das war ein guter Grund für eine erneute Schottlandreise. Bis zum angekündigten Brexit am 31.10. bleibt ja für uns noch alles beim alten. Also müssen wir uns auch keine Sorgen machen, ob die Einreise mit den Hunden weiter möglich bleibt. Angenehmer Nebeneffekt des ganzen Brexit-Irrsinns: Das Pfund purzelt immer mehr in den Keller und so könnte es für uns ein deutlich günstigerer Urlaub werden als noch in den vergangenen Jahren.
Reiseprogramm
Was steht auf dem Programm?
Selbstverständlich lassen wir uns wieder treiben und sind keiner spontanen Kursänderung abgeneigt.
Aber wir versuchen, diesmal doch ein größeres Stückchen von der NC500 (--> Link), der touristisch vermarkteten North-Coast-500-Route, zu sehen. Sprich: Whiskytasting in der Speyside, Delfinegucken am Cromarty Firth, Wandern in den Highlands und natürlich jede Menge großartige Landschaft auf den Orkney-Inseln, der rauhen Nordküste und ein Abstecher auf die großen Inseln der äußeren Hebriden Lewis und Harris mit ihren Traumstränden.
Reisevorbereitungen
Hört sich doch jetzt gar nicht mal so schlecht an, oder? Lediglich die Shorts und T-Shirts lassen wir zuhause und gucken, dass unsere Zwiebelschalenkleidung und Regenjacken vollständig sind…
Denn es wird Herbst, bis wir wieder nach Hause kommen. Mal gucken, was das in Schottland bedeutet! Im günstigsten Fall leuchtende Landschaften und röhrende Hirsche. Und im ungünstigsten Fall? Werden wir durchnässt sein und frieren…
Aber damit wir nicht wieder (beinahe) ein Gasmangeldrama wie im Frühjahr erleben, haben wir uns diesmal mit Gasadaptern bewaffnet und hoffen, mit den englischen Gasflaschen von Calorgas auf der sicheren Seite zu sein. Ansonsten würde das schon seeehr frisch werden…
Wir sind gespannt!

AndiObb am 05 Sep 2019 22:13:31

Mit unserem ersten Schottlandbesuch 2017 haben wir unser Herz an dieses Land verloren. Wir können Euch also absolut verstehen und freuen uns auf weitere interessante Reiseberichte. Für 2020 hoffen wir auch auf eine Schottlandreise in unserem Womo, müssen aber momentan wegen Brexit und Hunden noch abwarten. Die Einreisebestimmungen (6 mon. Quarantäne) waren davor ja nicht so praktikabel.

moensters am 09 Sep 2019 09:11:08

Leider schlechte Nachrichten. Aus persönlichen Gründen können wir nicht reisen. :-(

Da wir unsere Fährüberfahrt nicht verfallen lassen wollen: Hätte jemand Interesse, eine Fährüberfahrt Amsterdam-Newcastle hin und rück mit Hundekabine und 2 Hunden zu übernehmen? Dann meldet euch gerne per PN heute bis 14 Uhr bei mir.

Liebe Grüße, Michael

fritzi2015 am 09 Sep 2019 15:03:05

Oh nein. Hatte mich für und mit euch gefreut. Und war gespannt auf den nächsten Bericht...
Wünsche Euch alles Gute...und aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Herzliche Grüße
Fritzi

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