Dometic
motorradtraeger

Das MoMo in Schottland 1, 2


moensters am 05 Mai 2019 13:02:50

Hallo zusammen!

Unsere nächste Reise steht an: Endlich nach Schottland!

Auch diese Reise stellt einen kleinen Kreisschluss für uns dar.

Schottland war schon als Jugendlicher für mich ein Sehnsuchtsziel. Was lag da näher, als mit 16 Jahren ein Interrailticket zu kaufen und alleine nach Schottland zu reisen?
Wahrscheinlich viele Dinge und ich wundere mich noch heute, wie meine Eltern das damals als gute Idee unterstützt haben. Im Zeitalter von Helikoptereltern schier unvorstellbar! Für mich war es damals eine irre Erfahrung und sicherlich die Grundlage für meinen späteren Reisevirus. Infiziert!

Um so verrückter, dass ich es bisher nicht geschafft habe, mit Annette nach Schottland zu fahren. Für sie sind Highlands and Islands Neuland und ich bin schon so gespannt, wie sie es finden wird!

Und letztlich ist es auch für unsere Geschichte als Wohnmobilisten eine besondere Reise. Denn auf unserer ersten Fahrt mit einem gemieteten Wohnmobil nach Irland haben wir Schottland damals kurz gestreift.

Ab 8.5. berichten wir dann wieder live (wenn das schottische Mobilfunknetz es zulässt) von unseren Abenteuern.

Wenn jemand uns vorab noch Tipps und Lieblingsorte mitteilen möchte: Immer her damit! Denn wir haben zwar eine grobe Planung (NC500 plus Orkneys plus Äußere Hebriden), sind aber wie immer sehr flexibel und es kommt doch alles ganz anders als geplant...

Liebe Grüße, Michael

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

AndiObb am 05 Mai 2019 13:25:14

Hallo Michael,

ich wünsche Euch gaaaanz viel Spaß dort, Schottland ist definitiv immer eine Reise wert. Egal wann, wohin und mit was. Uns hats 2017 gleich doppelt erwischt: erstes mal Schottland und erstes mal Wohnmobil. Seither ist beides aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir sind Mitte/Ende Mai auch 5 Nächte in SCO, aber organisationsbedingt per Flieger und mit Mietwagen. Ich bin gespannt auf Eure Berichte.

VG
Andi

andreaveloce am 05 Mai 2019 14:01:41

Moin!

Gute Entscheidung, Schottland ist toll. Wir sind aktuell noch auf Barra sind jetzt 8 Tage von Stornoway (auf Lewis) bis nach Castlebay (auf Barra) gefahren. 700 km, davon geschätzt 650 km Single Track Road. Ist aber kein Problem, überall sind kleine Ausbuchtungen zum Passieren (lassen). Morgen geht‘s von hier dann zurück auf‘s Festland nach Oban.
Ein Stell- bzw. Campingplatz-Tip: wenn Ihr auf Uist (North-) angekommen seid, dann kommt Ihr irgendwann durch Lochmaddy. Im Ort geht’s dann nur nach links oder rechts. Fahrt nach links, nach etwa 3 Meilen kommt ein wunderschön gelegener, kleiner Platz mit hervorragender, liebevoller Infrastruktur. Ich meine mich zu erinnern, dass an dieser Gabelung 2 Plätze ausgeschildert sind - nehmt den mit der kürzeren Empfehlung. Den weiter weg (nach rechts) kenne ich allerdings nicht.

Ach so, noch ein Tip für Lewis: fahrt zum „Butt of Lewis“, dem Leuchtturm. Etwa 200m unterhalb des Leuchtturms ist das Fundament 2er ehemaliger Häuser. Da könnt Ihr super stehen und die Sicht ist traumhaft.



Munter bleiben!

Andreas

moensters am 05 Mai 2019 14:35:27

Hallo Andreas,

danke für die Tipps, sind notiert! Lohnen sich die südlicheren Hebrideninseln auch noch sehr? Wir wollten eigentlich nur Lewis/Harris besuchen und dann wieder aufs Festland zurück. Könnte man das spontan von der Situation abhängig machen oder kauft man besser bei der ersten Fährüberfahrt ein Hopscotch-Ticket mit genau den Inseln, die man besuchen will, weil es dann billiger ist?

Liebe Grüße, Michael

elinor am 05 Mai 2019 15:52:03

andreaveloce hat geschrieben:.

Ach so, noch ein Tip für Lewis: fahrt zum „Butt of Lewis“, dem Leuchtturm. Etwa 200m unterhalb des Leuchtturms ist das Fundament 2er ehemaliger Häuser. Da könnt Ihr super stehen und die Sicht ist traumhaft.



Munter bleiben!

Andreas



Man kann aber genau so gut (vielleicht sogar besser) oben direkt beim Leuchtturm übernachten.

Meine Wissens bringt Hopscotch keinen Preisvorteil mehr. Also flexibel bleiben und spontan buchen. Buchungsengpässe sollte es zu dieser Jahreszeit nicht geben.

By the way - ich war 1960 mit 17 Jahren das 1. Mal in Sco, mittlerweile 14 Mal.

Und über die heutigen Helikoptereltern :roll: habe ich mir in diesem Zusammenhang auch schon Gedanken gemacht. 5Wochen per Anhalter, 1 Postkarte, die kam aber erst an als ich schon wieder zuhause war :(

Gruß

oTTo

gespeert am 05 Mai 2019 21:13:04

Fahrt mal in Elgin die Distille von Glen Moray an, Besichtigung und Tasting möglich. Schilder vor Ort beachten!

In Lossiemouth geht es in Fahrtrichtung Hafen am Golfclub (links, rechts gegenüber ist ein Hotel) direkt scharf links zu einem Strandabschnitt runter.
Nur Tagesparkplatz!!!!

Auf alle Fälle gibt es Übernachtungsmöglichkeiten bei der Beach Bar "ne Straße weiter" mit Blick auf den Meereseinschnitt. Haben auch gutes Essen. Vorsicht, kein Essen alleine herumstehen lassen, die Möwen übernehmen dankbar das Abräumen!!!

Vorsicht mit dem Linksverkehr, da biegt man schnell mal falsch ab!! In der Ruhe liegt die Kraft, aber auch nicht als "lanehog" unterwegs sein (lanehog= Mittel-/Linksspurpenner).
Immer schön ganz links auf den motorways fahren und ausgiebig den Blinker nutzen!!!

moensters am 06 Mai 2019 07:24:10

Der Strand in Lossiemouth sieht ja mal super aus! Danke für den Tipp. Und liegt für uns auch super, da wir als alte Waterboys-Fans natürlich in Findhorn vorbeischauen werden!

Liebe Grüße, Michael

Sprintertraum am 06 Mai 2019 07:59:00

Moin
Gute Reise und schönen Urlaub.
Flugplatz Barra nicht vergessen, ist einzigartig auf der Welt :mrgreen:




AndiObb am 06 Mai 2019 08:59:40

Der Lossiemouthstrand war auch für uns eines der Highlights unserer Reise und der einzige Ort wo wir nicht nur eine Nacht standen. Selbt die Kinder schwärmen heute noch davon und die Bilder dienen auf unserer Homepage (WomoGlück.de) als Hintergrund

brina1510 am 06 Mai 2019 12:41:18

Schaut euch die Ruthwell Church an, schöne kleine Kirche mit altem Friedhof und auf dem Parkplatz darf man auch übernachten ;-)

Edinburgh ist definitiv auch einen Besuch wert, Aberdeen fanden wir nicht so wahnsinnig toll...

Wie schaut denn eure ungefähre Route aus?

Rockerbox am 06 Mai 2019 12:49:18

Ich werd noch die Überfahrt über den Bearlach-na-Ba-Pass in die Runde, eindrucksvolle Strasse und ebensolcher Ausblick von der Passhöhe!

willi_chic am 06 Mai 2019 15:59:39

so sieht der Bearlach-na-Ba aus der Fahrersicht eines 7-Tonners aus



grüße klaus

Solofahrer am 06 Mai 2019 16:35:09

willi_chic hat geschrieben:so sieht der Bearlach-na-Ba aus der Fahrersicht eines 7-Tonners aus

Du Glücklicher, ich hatte beim letzten Mal eine dichte Wolkendecke mit Sichtweite unter 5 Metern. Was hat der Entgegenkommende geflucht, auf einmal vor einer Womofront zu stehen und ohne seine Heckstoßstange sehen zu können, rückwärts zur nächsten Ausweichstelle fahren zu dürfen ... :eek:

andreaveloce am 06 Mai 2019 19:51:41

moensters hat geschrieben:Lohnen sich die südlicheren Hebrideninseln auch noch sehr? Wir wollten eigentlich nur Lewis/Harris besuchen und dann wieder aufs Festland zurück. Könnte man das spontan von der Situation abhängig machen oder kauft man besser bei der ersten Fährüberfahrt ein Hopscotch-Ticket mit genau den Inseln, die man besuchen will, weil es dann billiger ist?


Moin,

Sorry, hatte die letzten Tage schlechtes Netz. Deswegen erst jetzt meine Antworten:
Meiner Meinung nach lohnen sich Nord- und Süd-Uist und vor allem Barra auf jeden Fall. Mir persönlich haben sie bald noch besser als Lewis and Harris gefallen.

Da wir sowieso bis Barra runter wollten, habe ich Hopscotch gebucht. Ich glaube schon, dass das immer noch etwas günstiger ist, als alles einzeln zu buchen. Ein Tip: die Fähre auch reservieren. Nun sind die Fähren von Ullapool nach Stornoway und von Castlebay auf Barra nach Oban (unsere Route) groß und müssen jetzt zu dieser Zeit möglicherweise nicht reserviert werden, die kleineren aber (z.B. von Eriskay nach Barra) sind an Stoßzeiten recht voll und da kannst Du Pech haben und nicht mitkommen, oder aber Du stehst so wie ich :



Mein Vorschlag: lass Dich einfach treiben. Das ist so schön da!

Falls Du auf Ornithologie stehst: seit letzter Woche gibt es jeden Donnerstag um 10 Uhr auf (South)-Uist die Möglichkeit, eine begleitete Tour zu buchen. Kostet 6 Pfund pro Person, soll 90 Minuten gehen (bei uns waren es 150), und Martyn ist ein netter Begleiter.

Munter bleiben!

Andreas

moensters am 06 Mai 2019 20:02:01

Vielen, vielen Dank für eure tollen Vorschläge und Bilder. Da steigt die Vorfreude noch mal richtig!

Für die Überfahrt und unseren ersten Tag auf der Insel sieht es wettermäßig ja ziemlich mau aus. „Fahr im Mai“ haben sie gesagt. „Da ist das Wetter am besten“ haben sie gesagt. :D

Mal gespannt, wie wir die Überfahrt überstehen...

Liebe Grüße, Michael

andreaveloce am 06 Mai 2019 20:02:24

Moin!

Noch was: mittlerweile gibt es auch 2 Whisky-Destillen auf Lewis und Harris. Die „Isle of Harris“-Destille ist noch nicht so weit (produziert aber schon Gin), die „Abhainn Dearg“-Destille dagegen schon. Den 3-jährigem kannste vergessen, der 10-jährige ist super!

Adresse für die Navi: HS2 9EX. Auf der linken Seite!

Munter bleiben!

Andreas

moensters am 08 Mai 2019 22:34:09

Und los gehts!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Relax-Start



Abfahrt.
Alles ist gepackt und irgendwie können wir es nicht glauben: 4 Wochen Schottland und es gibt kein Zurück mehr. Die Fähre von Amsterdam nach Newcastle ist gebucht und auch die Rückfahrt ist fest reserviert.

Und es klappt alles wie am Schnürchen. Kein Stau, keine vergessenen Papiere und das Reisewetter ist auch noch viel besser als angekündigt. Was will man mehr?
Mini-Hafen
Wir kommen daher viel zu früh am Fährterminal in Newcastle an und wundern uns: Wir hatten uns das alles viel größer vorgestellt! Kein riesiges Hafengelände mit ellenlangen und breiten Wartespuren.

Stattdessen gechillte Lotsen und eine superfreundliche Frau am Schalter, die uns noch ein paar Mahlzeiten verkaufen möchte. Wir lehnen erst mal ab und fragen nach, ob man denn am Hafen noch etwas zu essen bekäme. Denn die Fähre fährt erst um 17.30 Uhr. Und wir haben noch reichlich Zeit bis zum spätesten Check-in, der eine Dreiviertelstunde vor der Abfahrt sei.
Fish&Chips zum Ersten
Und ihre Empfehlung, das Restaurant Kop van de Haven (--> Link) ist dann auch wirklich ein Volltreffer. Es gibt leckere Fish&Chips (wie auf dieser Reise wahrscheinlich noch so manches Mal...) und wir können auf einer Bank in der Sonne sitzen und schon mal zugucken, wie unser Schiff, die King Seaways, beladen wird.

Und neben uns trifft sich eine Seniorengang zum Nachmittagsbiertje. Stilecht mit Fiets oder Elektroscooter.
Alle Mann an Bord
Nachdem die Hunde sich noch mal entleert haben, geht es an Bord. Und auch hier haben wir Glück. Unser Platz fürs MoMo ist quasi direkt am Aufgang zu den Hundekabinen, so dass wir nur 2 (recht steile und enge) Treppen hinauf müssen, was für die blinde Mia ein bisschen mühselig ist. Sie schafft es aber wie immer mit Bravour.

Die Kabine ist dann gemessen an der Unterkunft, die wir von der TT-Line nach Trelleborg kennen, eher spartanisch. Aber es ist alles sauber und insofern gibt es nicht wirklich was zu meckern. Außer, dass es keine Shampoos für die Dusche gibt. Muss man also mitbringen.
Erkundungsgang
Wir lassen die Hunde nach der Besichtigung von Hundeklo und Hundedeck in der Kabine zurück und machen uns auf zur Schiffserkundung.


Es ist alles da, was man von einem Fährschiff erwartet: Shop, diverse Bars, Lounges, Casino (sogar mit Roulette, was bei Seegang wohl für den Extrazufallsfaktor sorgt...) und sogar 2 Kinos. Wir genießen die lockere Stimmung auf dem Oberdeck an der Skybar, aber da dort alles voll ist, ziehen wir uns, auch wegen des frischen Windes, schon bald nach der Abfahrt in den Navigator‘s Pub zurück.

Sonnig haben wir es hier auch, Bierchen gibt es ebenso und dazu laufen alte Hits aus den 70ern bis 90ern, von denen man manche tatsächlich aus gutem Grund seit 30 Jahren nicht mehr gehört hat...

Ist uns aber herzlich egal: Es geht los!

moensters am 08 Mai 2019 22:35:36

Failte gu Alba



Unsere Kabine erweist sich als gute Wahl. Denn im Liegen lässt sich das manchmal doch recht heftige Schaukeln ganz gut aushalten. Im besten Fall ist es so, als würde man in den Schlaf gewiegt, im schlimmsten Fall ist es wie kurz nach einer Fahrt mit dem Breakdancer auf der Kirmes. Ganz so erholsam, wie ich mir die Nacht vorgestellt habe, ist sie dann leider nicht. Aber ich bin, was Seekrankheit angeht, auf einer Skala von 1-10 auch eher auf der Mimosenseite zu finden...

Breakfast mit Unterhaltungswert
Um 7.30 Uhr öffnet der Breakfast Club seine Pforten. Und wer meint, dass sich so früh nur ein paar verstrahlte Gestalten einfinden, wird schnell eines besseren belehrt. Es füllt sich zusehends. Und als Punkt halb Acht die heiligen Hallen geöffnet werden, schwankt eine an die White Walker von Game of Thrones erinnernde Masse von Frühstückszombies zum Essen.

Und wir haben Glück, dass wir dazu gehören. Denn so kriegen wir noch einen Top-Deluxe-Platz am Fenster und müssen uns nicht in die langen Schlangen einreihen, die sich bald darauf am Buffet bilden. Wo kommen all die Leute her?
Ein junger Kellner kommt elegant mit einem Tablett frisch gepresstem O-Saft zu mir. Und da die Kaffeekannen zuvor auch an die Tische gebracht wurden, greife ich gerne zu. Ach, die kosten dann extra? Gutes Geschäftsmodell... Ist mir aber egal, denn ich brauche nach dieser Nacht nicht nur Koffein, sondern gerne auch ein paar Vitamine!
Beim Frühstück können wir dann schöne Charakterstudien betreiben. Unser Favorit: das Mittdreißigerpärchen, dass sich abwechselnd liebevoll mit seinem hinreißenden Baby beschäftigt. Aber auch die grimmig dreinschauenden, asketischen Senioren in ihrem neonfarbenen Radfahroutfit sind spannend. Und ein echtes Gesamtkunstwerk ist der ältere, grauhaarige Mann mit Mahatma-Ghandi-Brille, Konfuziusbart, Strickkippa und Kreuzkettchen. Mehr Spiritualität geht echt nicht!
Alle Mann von Bord
Bei stürmischem Regen (oder regnerischem Sturm?) kommen wir in Newcastle an. Und trotzdem ist uns das Wetter zunächst mal herzlich egal. Wir sind da!

Und nach einer erstaunlich kurzen (aber für EU-Verhältnisse trotzdem gründlichen) Grenzkontrolle verabschiedet sich der Grenzbeamte mit einem deutschen „Vielen Dank!“ und wir stürzen uns in den Linksverkehr. Und das klappt erstaunlich gut, da man mit jeder Meile, wie in einem Tutorial, an Kreisverkehre und mehrspuriges Fahren herangeführt wird. Und in Newcastle ist dann richtig was los. Aber hier mache ich auch erste Bekanntschaft mit der Höflichkeit der Engländer. Als ich mich an einer Stelle falsch eingeordnet habe und die Spur wechseln muss, hält man sofort Abstand, als ich blinke und lässt mich die Spur wechseln. Klasse!
Durch Northumberland
Bald hinter Newcastle wird es einsam. Auf der A696 herrscht angenehm wenig Verkehr, so dass wir entspannt hinter einem LKW hinterherdümpeln können. Die Landschaft wird karger, mooriger und es tauchen die ersten Schafe und gelben Ginstersträucher auf. Und da zu dieser Landschaft ein trüber Nieselregen eigentlich ganz gut passt, sind wir gar nicht mal so enttäuscht, dass das Wetter zu Beginn unserer Reise nicht so gut ist.

Kurz vor der „Border“ machen wir im Northumberland National Park Station im Kielder Forest. Anscheinend ein Gebiet wo trotz Nationalparks Forstwirtschaft betrieben wird. Wir beschließen, uns erst mal die Beine zu vertreten und auch den Hunden ein bisschen Auslauf zu verschaffen. Außer uns ist nur der Förster unterwegs. Und so können wir in aller Ruhe am dahinplätschernden Bach entlang spazieren und langsam realisieren, dass wir wirklich angekommen sind.

Regen-Abbey
Nach wenigen Meilen haben wir die schottische Grenze erreicht. Und das obligatorische Foto vor dem „Welcome to Scotland“-Schild macht vor uns schon ein Auktionator indem er die komplette Spur blockiert. Der weiß, wie‘s geht!

Wir fahren weiter bis Jedburgh, um die dortige Abbey zu besichtigen. Damit man das darf, lohnt es sich, vor allem aus psychologischer Sicht, eine Jahresmitgliedschaft für Historic Scotland (--> Link) zu erwerben. Kostet für 2 Erwachsene zusammen 101£. Hiermit kann man dann jede Sehenswürdigkeit besuchen, die zum Portfolio gehört. Und der psychologische Vorteil ist, dass man ab sofort gar nicht mehr drüber nachdenkt, ob man etwas besichtigen will oder nicht. Man macht es einfach. Ob es sich am Ende für uns finanziell gerechnet hat, werde ich nachreichen.

Im Gespräch erklärt uns die freundliche Kassiererin dass wir zusätzlich noch 20% Rabatt in den Shops erhalten (praktisch! Dann ist der angegebene Pfund-Preis quasi der Euro-Preis) und dass in Schottland wirklich jedes -burgh so wie bei Edinburgh ausgesprochen wird: Also Jed-boro. Oder mit schottischem Akzent gerne auch direkt Jed-bra.

Natürlich kriegen wir als Members auch noch einen kostenlosen Audioguide mit auf die Besichtigung. Also los!

Die Ruine der Abbey ist dann auch wirklich sehenswert in Szene gesetzt und bietet viele, viele Fotogelegenheiten. Und das alles bei mehr als bescheidenem Wetter!


Und einen dieser herrlich angegammelten Friedhöfe mit verblichener Schrift und leicht schräg stehenden Grabsteinen gibt es als Bonus dann auch noch.

Ain‘t no money in Jedburgh
Da es sich langsam, aber sicher einregnet, verlassen wir das Gelände der Abbey und gehen in die Stadt, um endlich Geld zu wechseln.

Am ersten Geldautomaten denke ich noch „Kann ja mal passieren“ als die Meldung kommt, dass er leider außer Betrieb ist. Aber auch an der Royal Bank of Scotland das gleiche Spiel! Und mehr Banken und Geldautomaten scheint es nicht zu geben. Was nun?
In einem kleinen Supermarkt wollen wir uns mit ein paar Dingen versorgen und mit Karte zahlen. Aber auch hier: Bargeldloses Zahlen leider nicht möglich. Und meine Freude über den Geldautomaten im Laden verfliegt recht schnell, als klar wird, dass der einen so ungünstigen Umrechnungskurs verwenden möchte, dass wir am Ende 20€ für die Transaktion bezahlt hätten! Frustriert verlassen wir das eigentlich ganz schnuckelige Jedburgh.
Next Abbey
Auch im nicht weit entfernten Kelso gibt es eine Ruinenabbey. Und einen Parkplatz am Flüsschen Tweed. Hört sich ideal für einen ersten Übernachtungsplatz an! Der Platz ist dann auch wirklich gut. Nur leider das Wetter nicht. Es regnet sich jetzt ziemlich ein, so dass wir nur eine kurze Runde drehen, um Geld zu besorgen (klappt problemlos) und unsere Einkäufe zu erledigen.

Ein gemütliches Sightseeing heben wir uns allerdings dann doch lieber für morgen auf, wenn der Regen hoffentlich etwas heller wird.

Sprintertraum am 09 Mai 2019 08:01:35

Moin
Schön das ihr "angekommen" seit. :mrgreen:
Noch ein kleiner Tipp, falls es eure Zeit zulässt und ihr keinen strammen Zeitplan habt, nutzt mal die vierstelligen B Strassen ( z.B. B9097 ) . Sie sind auch für normale WoMo geeignet. Der Vorteil, sehr einsam und manchmal viel schöner als die vollen Hauptstraßen. Neben viel schöner Natur gibt es dort auch viele schöne Freisteher Plätze. Legal !
Schönen Urlaub




moensters am 09 Mai 2019 14:25:36

Schon gemacht...: :D


moensters am 10 Mai 2019 00:54:18

Von Abbey zu Abbey zu Abbey

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link



Wir befinden uns ja in der Borders-Region. Und da sind Abbeys anscheinend zum im Überfluss vorhanden. Nur leider alle kaputt. Sehenswert sind sie aber trotzdem. Wir haben uns vorgenommen, heute den restlichen Abbeys in Dryburgh und Melrose einen Besuch abzustatten.
Abbey im Sparformat
Während Annette einen morgendlichen Hundespaziergang entlang des beschaulichen Tweed-Rivers unternimmt, begebe ich mich auf Fototour zur Kelso-Abbey, die wir gestern im Regen links liegen gelassen haben. Heute nähere ich mich von der anderen Seite und komme erst mal durch eine Art Stadtpark.

Einziger Unterschied zu einem Stadtpark, wie wir ihn kennen: Hier stehen und liegen überall olle Grabsteine herum. Sehr malerisch.

Die Überreste der Kelso Abbey sind anscheinend so spärlich, dass man sich nicht traut, dafür Eintritt zu nehmen. Mir ist es egal, da wir ja seit gestern ohenhin überall freien Eintritt haben.

Was für einen Unterschied es machen kann, wenn dann doch mal die Sonne durchkommt! Und die kommt im Laufe des Tages dann immer mal wieder, wenn auch nicht zuverlässig und schon gar nicht mit der wünschenswerten Wärme. Im Gegenteil: Ein frischer Wind macht dicke Kleidung sehr erstrebenswert.
Tower of Joy
Wir fahren los und ich muss mich zunächst mal noch sehr aufs Linksfahren konzentrieren. Besonders böse: Wenn man in einer Baustelle rechts fahren muss und dann am Ende dran denken muss, dass man die Spur wieder wechselt!
Wir besuchen dank unseres Historic Scotland-Passes auf dem Weg mal noch eben den Smailholm Tower. Eine Art Westentaschenburg in the middle of nowhere. Und das kann man fast wörtlich nehmen, denn die asphaltierte Straße endet an einem Bauernhof, wo man mittendurch fährt und anschließend auf einem Lehmweg durch fette Pfützen zum Parkplatz gelangt.

Der Tower ist dann Marke „klein aber fein“. Die ausgestellten Sachen, die sich, wie alles in dieser Region, um Sir Walter Scott drehen, hat man schnell weggeguckt. Und auch die Aussicht vom Turm ist prima. Wenn nur die Sonne rauskommen würde und den Ginster ein wenig kräftiger bescheinen würde!

Dryburgh Abbey
Schon die Fahrt nach Dryburgh Abbey, unserem nächsten Stop, ist angenehm. Kleine Straße, aber wenig Verkehr. Entspannt! Nur der Harakiri-Fasan, der in aller Ruhe vor unserem MoMo die Straße überquert, zwingt mich zum Bremsen.
An der Abbey ist wenig los. Fast alle Parkplätze sind frei und wir zücken wieder unsere Membership-Belege. Ja, es sind tatsächlich nur schnöde Kassenzettel, die man ausgehändigt bekommt. Der eigentliche Ausweis wird einem per Post zugeschickt. Für 10£ extra. Reichlich witzlos, wenn man als Tourist unterwegs ist und so bald nicht wiederkommt. Und daher haben wir auch dankend darauf verzichtet, uns den Ausweis zuschicken zu lassen.
Dryburgh Abbey ist besonders. Zum einen, weil man von der Abbey fast nichts sieht, bis man das Kassenhäuschen erreicht hat. Zum anderen, weil es ein wirklich friedlicher Ort, in einer großzügigen und gepflegten Anlage ist.

Es gibt unendlich viele tolle Fotomotive und sogar kleine Entdeckungen kann man machen. Annette versteckt sich als Rapunzel auf einem Turm und lässt mich erst mal suchen. Gar nicht so einfach! Aber irgendwann habe ich dann auch den Weg hinauf gefunden!

Genauso beeindruckend wie die altehrwürdigen Gemäuer ist der Baumbestand der Anlage. Viele wirklich gigantisch dicke und hohe Bäume, meistens Zedern sind hier zu finden, die bis zu 250 Jahre alt sein sollen. Den Vogel aber schießt der Yew Tree ab, der fast 900 Jahre alt sein soll - älter als die Abtei!

Melrose Abbey
Nach einer kleinen Kaffeepause zieht es uns weiter zu nächsten Abbey. Die in Melrose liegt wieder mitten in der Stadt und für uns heißt es das erste Mal: Parkplatzprobleme. Wir lösen sie aber elegant indem wir bei der Abbey Mill, einem Woll-Touri-Café parken, dort Annette mit einem Kaschmirpulli, Shortbread und Fudge glücklich machen und als zahlende Kunden natürlich gerne das MoMo auch für unseren Abbey-Besuch noch dort parken dürfen.

Jede Abbey hatte bisher einen ganz eigenen Charakter und auch in Melrose ist alles wieder ein bisschen anders. Dies ist vielleicht von allen besuchten Abteien die besterhaltene mit einer majestätischen Ausstrahlung. Wir wissen jetzt schon, dass pittoresk vergammelte Grabsteine zum guten Ton quasi dazugehören.

Aber die Melroser haben doch noch ein paar Besonderheiten im Angebot. Das Herz von König Robert The Bruce ist hier verbuddelt und mit einem schicken Stein gekennzeichnet. Noch viel besser ist vielleicht nur das Dudelsack spielende Schwein, was man als Wasserspeier oben in der Luft neben diversen anderen originellen Köpfen entdecken kann. Dumm nur, wenn man sein Weitwinkelobjektiv drauf hat und es nicht findet...

Over the bridge
Wir folgen einem Stellplatztipp der besonderen Art. Rein nach Luftlinie sind wir 300m entfernt. Leider aber nur über eine Fußgängerbrücke zugänglich, denn der Platz befindet sich auf der Nordseite des Tweed River, der auch heute unser Begleiter ist. Also fahren wir einen 3km langen Umweg, um das MoMo dann auf einem lieblichen Platz am nördlichen Brückenende zu platzieren. Ist allerdings auch eher ein Platz für Kastenwagen oder höchstens bis 6m lange Fahrzeuge. Mit einem größeren Fahrzeug möchte ich hier nicht wenden müssen!

Gute schottische Küche
Wie es der Zufall will, sollen laut TripAdvisor in unmittelbarer Nähe gleich zwei richtig gute Restaurants sein. Also: mit Menü und allem Piffpaffpuff. Kein Fish&Chips-Laden. Wir beschließen, das Wagnis einzugehen, auch wenn die britische Küche ja einen eher verheerenden Ruf hat. Aber andererseits gibt es da ja auch einen Nigel Slater, dessen Kochbuch „Ein Jahr lang gut essen“ hiermit wärmstens empfohlen sei.

Wir machen noch eine kurze Gassirunde mit den Hunden und begeben uns ins Seasons (--> Link).

Und werden mit dem Menu für 20£ sehr glücklich. Die Erbensensuppe mit Minze schmeckt so erbsig wie sie grün leuchtet: Klasse.

Aber auch die anderen Speisen sind absolut prima zubereitet. Ich lerne sogar noch etwas dazu: Ein Hanger Steak ist auf deutsch das Kronfleisch. Nie zuvor gehört! Befindet sich im Bereich des Zwerchfells und hat die Konsistenz von Muskelfleisch, aber eher eine Geschmacksnote von Innereien. Und wird hier top zubereitet!

Und ein Schokoladenkuchen oder Sorbet als Nachtisch gehen schließlich auch immer.

Woran wir uns beim Heimweg nicht gewöhnen können: wie eisig es wieder geworden ist. Aber die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt werden uns von Bea, der Betreiberin des Seasons, glaubhaft als sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit erklärt. Bald soll es wärmer werden!

brina1510 am 10 Mai 2019 08:09:42

Da kommen viele Erinnerungen hoch :-)

Wir haben damals am Smailholm Tower übernachtet, auch wenns angeblich nicht erlaubt ist, der nette Herr an der Kasse hat gesagt, dass er nichts dagegen hat und uns das Tor einfach offen lässt, damit wir morgens rausfahren können.

....wir hatten die Pässe bereits vorher bestellt und haben dann auch schöne Karten ähnlich einer Bankkarte bekommen, ich glaub nen schlichten Kassenbon hätte ich auch eher verloren :-D

Viel Spaß noch weiterhin und hoffentlich besseres Wetter :-)

andreaveloce am 10 Mai 2019 10:38:49

Moin Michael,

ach, das ist witzig - Ihr steht bis heute an der Mellrose Abbey und wir wollen da heute hin (am Samstag geht die Fähre zurück von Newcastle).
Danke für die Tips zum Stehen und Essen dort und weiter eine schöne Reise,

munter bleiben,

Andreas

moensters am 10 Mai 2019 12:37:15

Wir klettern gerade auf die Eildon Hills.
Vielleicht sehen wir uns ja nachher noch...

andreaveloce am 10 Mai 2019 15:22:40

moensters hat geschrieben:Wir klettern gerade auf die Eildon Hills.
Vielleicht sehen wir uns ja nachher noch...


Joh, hat geklappt! :)
Euch weiter eine schöne Reise und viele tolle Erlebnisse!

Andreas

moensters am 10 Mai 2019 23:10:32

Ginstertag

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link



Es bleibt eisig. Nachts kratzen wir an den Null Grad. Brr!
Also ist es nur logisch, dass wir unsere Thermowanderhosen anziehen und auch unsere Oberbekleidung eher dick ausfällt. Denn wir wollen einen der Eildon Hills erklimmen, die sich im Süden von Melrose erheben und gar nicht mal so steil aussehen. Böser Fehler! Also nicht das mit dem Hill, sondern das mit der dicken Kleidung.

Eildon
Denn es geht direkt zackig bergauf. Mit sowas trivialem wie Serpentinen hält sich der gemeine Schotte nicht auf. Stattdessen gibt es eine endlose Treppe und auch danach wird die Steigung nicht wesentlich geringer. Und da dann auch noch die Sonne scheint kommen wir reichlich ins Schwitzen.

Ginstergelb
Die drei Hills haben, so wie Mönche, alle eine Art Tonsur. Nur ist es hier der Ginster, der üppig gelb in einem Streifen rund um die Eildon Hills blüht. Und wir spazieren mitten hindurch. Herrlich!

Zwischendurch gibt es immer wieder Stellen mit heftigen Steigungen - kaum zu glauben, dass der Rekord für das Eildon Hill Race (einmal rauf und runter) bei 29 Minuten liegen soll!

Wir genießen lieber eine kleine Pause auf einer Bank und ich mache eine Fotosession mit Elli.
Baustelle
Auf dem Saddle, der Senke zwischen Mid Hill und und North Hill, finden wir dann eine Baustelle vor. Der Mid Hill ist wegen Wegarbeiten mit Großgeräten gesperrt. Gut, dass wir keine Komplettisten sind und ohnehin nur einen Hill besteigen wollen. Dann nehmen wir halt den North Hill...

Von dort oben hat man dann eine richtig tolle Rundumsicht und wir können sogar in der Entfernung den Smailholm Tower von gestern ausmachen.
Der Weg bergab geht dann auch noch mal richtig in die Beine, so dass wir froh sind, dass der Rest der Wanderung sehr anspruchslos ist. Aber für das Eingrooven ins schottische Wandern hat uns das wirklich ausgesprochen gut gefallen.

Belohnung im Cellar
In Melrose kehren wir als Belohnung noch im Abbey Cellar am zentralen Kreisverkehr der Stadt ein. Sieht von außen aus wie ein Weingeschäft (was es auch ist), hat aber im hinteren Bereich einen ganz urigen Bereich mit Tischen und Sesseln und es gibt Kleinigkeiten zu essen. Genau das, was wir jetzt brauchen.

Auf demRückweg zum MoMo sehen wir noch den charakteristischen Woelcke Autark Runner vom Wohnmobilforumskollegen Andreas, der sich mit seiner Frau auf der Rückreise befindet. Wir sagen Hallo und erhalten noch ein paar Tipps für unsere weitere Reise. Nett, euch kennengelernt zu haben!
Überraschung Crichton Castle
Unser Plan ist es, jetzt weiter in den Norden zu kommen. Denn so schön die hügelige Landschaft der Borders ist - es darf schon noch ein wenig highlandiger werden und Meer würden wir auch gerne dabei haben.

Wir fahren also los. Annette schmökert in unserem Historic-Scotland-Heftchen und entdeckt, dass wir quasi am Wegesrand Crichton Castle passieren. Das wäre doch was für eine kleine Kaffeepause? Also fahren wir kurzentschlossen ab und fahren durch die wirklich schmale Straße zum Castle. Kurz davor gibt es auch noch die Collegiate Church, an deren Eingangstor ein prächtiger Kirschbaum blüht und vor deren Tor eine Bank steht, die für ein Kaffeepäuschen wie gemacht ist. Sonnig und windgeschützt.

Und ein bisschen ist man hier schon am Ende der Welt. Kein Durchgangsverkehr, nix los und kein Handyempfang. Wir wundern uns daher, dass man für die Castlebesichtigung angeblich bezahlen soll. Welche arme Sau muss denn hier Dienst schieben? Die arme Sau heißt Robert und zeigt mir stolz die Liste, auf der vielleicht 10 Besucher stehen, die er bis zum Nachmittag schon in Empfang genommen hat. Puh, das ist ein einsamer Job!

Das Castle bietet dann zwar durchaus ein paar sehenswerte Ecken und Aussichten, aber ich bin mir sicher, dass kaum jemand ohne Membership sich hierhin verirrt, denn es gibt nicht die besondere Sehenswürdigkeit. Es ist eher der Gesamteindruck, der uns in Erinnerung bleiben wird.

Witches Craig Camping
Als Tagesziel haben wir uns den Witches Craig Campingplatz (--> Link) bei Stirling ausgesucht. Denn Ver- und Entsorgung sind so was von dringend fällig, dass Freistehen keine Option ist. Hier vermissen wir das erste Mal den von Frankreich gewohnten Luxus, dass es praktisch an jeder Ecke eine Ver-/Entsorgungsstation gibt. Hier in Schottland ist das immer mit einem Besuch auf dem Campingplatz verbunden.
Der Weg nach Stirling führt größtenteils über die wenigen Autobahnen, die es in Schottland gibt und das ist wider Erwarten äußerst entspannt. Denn die Spuren sind äußerst großzügig bemessen und der Verkehr fließt gleichmäßig.

Als wir am Campingplatz ankommen, freuen wir uns über den sehr gepflegten und sauberen Platz, vermissen aber auf dem großen geschotterten Bereich für Wohnmobile etwas die Gemütlichkeit. Aber da wir bei den Temperaturen ohnehin drinnen bleiben müssen, fällt das nicht ganz so sehr ins Gewicht.

moensters am 11 Mai 2019 18:43:36

Könnte sein, dass wir ein Problem bekommen.
Ich habe heute morgen mal unseren Gasvorrat gecheckt und mit Entsetzen gesehen, dass die erste 11kg-Flasche schon zur Hälfte leer ist. Und das nach 3 Tagen und bewusst sparsamem Verbrauch. Aua! Hat jemand von euch Erfahrung, ob in Schottland jemand deutsche Flaschen wieder auffüllt? Bzw. wo man einen Adapter für die Calorgas-Flaschen bekommen würde?

Wäre gut, wenn da jemand Ahnung hätte, denn sonst wird es nichts mit unseren 4 Wochen Schottland... :(

Liebe Grüße, Michael

Sprintertraum am 11 Mai 2019 19:05:02

Hallo
Nein machen sie nicht.
Leih dir eine blaue volle, kannst du dann den Rest in Schottland fast überall tauschen. Zum Schluß gibst du sie wieder ab.
Viel glück

moensters am 11 Mai 2019 19:07:16

Danke für die schnelle Antwort.

Und wie schließe ich die blaue an? Haben die an den Stationen auch Adapter parat? Oder muss man da zum Fritz Berger von Schottland? Und wie heißt der...?

Liebe Grüße, Michael

Sprintertraum am 11 Mai 2019 19:19:28

Hallo
Ist schon lange her. Ich glaube mich zu erinnern, das der Anschluss ( Sechskant Überwurfmutter ) der gleiche ist.
Nur aus rechtlichen und € Gründen betanken sie dir nicht deine rote Flasche aus D.
Fahr mal Montag zu einen Gasfüller oder Tankstelle mit Flaschen. Vorher Googeln. Die Gitterkäfige mit Flaschen stehen immer neben der Tankstelle, sieht man gleich. Sieh dir den Anschluss an, oder frage. Am besten aber zu einer Gas Station fahren, die wissen besser bescheid.

Es gibt auch Adapter womit man seine Flasche an Gas Tankstellen befüllen kann. Ist verboten und wirklich nicht zu empfehlen !!!

Sprintertraum am 11 Mai 2019 19:21:50

Guck mal auch hier : --> Link

moensters am 11 Mai 2019 19:37:54

Danke, das hilft mir schonmal. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wo ich das kriegen kann.

Liebe Grüße, Michael

Sprintertraum am 11 Mai 2019 19:41:07

Wo bist du denn zur Zeit, bzw. Montag ?

Hab gerade mal gegoogelt, du brauchst doch ein Adapter, siehe hier --> Link

moensters am 11 Mai 2019 21:14:06

Wir sind jetzt in den Trossachs, also nördlich von Glasgow.

Sprintertraum am 11 Mai 2019 21:20:17

Hallo
Also bei Rob Roy. Da gibt es ein schönes Pub mit Hotel und mit der Rob Roy Bar. Kings House , sehr geil. :mrgreen:
So, zurück zum Thema.
In Glasgow / Sterling gibt es viele Camping Ausrüster, da bekommst du den Adapter. Einfach weiter fahren und gucken wo es die blauen Flaschen gibt. Es wird schon und du schaffst das. Deswegen würde ich nicht den Urlaub abbrechen.
Viel Glück

moensters am 12 Mai 2019 10:07:56

Danke für die Aufmunterung!

——

Castletag



Der erste Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Herrlich! Da wir aber schon wieder eine sehr kalte Nacht hatten, checke ich mal unsere Gasflasche, wie viel wir verbraucht haben. Und falle fast vom Hocker. Die erste Flasche soll schon zur Hälfte leer sein! Das könnte aber ein kurzer Urlaub werden. Und natürlich frage wir uns, wie das kommen kann. Denn wir haben bewusst wenig geheizt und Heizung/Warmwasser lieber einmal zu viel abgestellt. Sehr ungewöhnlich. Wenn es jetzt nicht rasch wärmer wird, kriegen wir spätestens nach 2 Wochen ein Problem. Schlecht, wenn man eigentlich 4 Wochen weg sein will... Mal gucken, wie wir das Problem lösen.
Stirling Castle
Leicht unentspannt fahren wir nach Stirling und müssen erst mal auf andere Gedanken kommen. Die Parkplatzsuche klappt schon mal problemlos. Auf der steilen Zufahrtsstraße hoch zum Castle finden wir einen perfekten Bezahlparkplatz. 2£ für 2 Stunden: Sollte nach unseren bisherigen Erfahrungen locker reichen.
Routiniert stellen wir uns an der Kasse als „member“ vor, erhalten unsere Audioguides und schlendern hinein. Und das Castle hier ist dann schon eine andere Hausnummer als die bisherigen Sehenswürdigkeiten. Sowohl die Touristenzahl, als auch der Aufwand für die Inszenierung ist deutlich höher als bei unseren zuvor besuchten Sites. Gut, dass wir in der Vorsaison sind. Im Sommer müssen sich die Leute hier tottreten!
Als wir von den Burgmauern die vor uns liegende weite Ebene mit teilweise noch schneebedeckten Bergen der Highlands im Hintergrund betrachten, hören wir plötzlich einen sehr lauten Schrei. Bald darauf wieder. Ich tippe auf entweder eine Militärwachablösung oder den sehr ungehaltenen Vater eines ungezogenen Jungen. Es ist dann aber nur ein Tourguide, der sehr anschaulich eine Belagerung des Castles nachspielt: „Boom!“
Und auch in den Gemächern wird nachgespielt: Ladies in feinen Gewändern erklären, was in den Räumen zu sehen ist und es zeigt sich: Einhörner waren in Schottland schon früh trendy.
Beeindruckend sind auch die leuchtend bunt bemalten Holzschnitzereien, die in einigen Räumen an Wand und Decke hängen. Für die Portraits an der Decke soll der Künstler pro Nase 5 Wochen gearbeitet haben. Respekt!
Mit der Besichtigung sind unsere 2 Stunden wie im Fluge vergangen - hier kann man echt Zeit verbringen!
Doune Castle
Und es wird langsam langweilig.
Also vielleicht für den Leser, aber nicht für uns. Denn nach dem Castle ist vor dem Castle. Direkt um die Ecke gibt es das Doune Castle (gesprochen: Duhn), was Schauplatz für die Ritter der Kokosnuss von Monty Python, die erste Folge von Game of Thrones und die Serie Outlander nach den Gabaldon-Büchern war.
Der Knüller hier: Der Audioguide wird von Terry Jones aus der Monty-Python-Truppe gesprochen. Und der macht seinen Job absolut fantastisch. Absolute Empfehlung!
Das Castle ist leider an vielen Stellen zu Renovierungszwecken eingerüstet. Insofern wird der „authentische“ Eindruck etwas getrübt. Aber im Inneren ist dann vor allem die unterhaltsame Audioführung hilfreich. Besonders beeindruckend ist die Küche, mit der bestimmt 5 Meter breiten Feuerstelle, wo dann schon mal ein ganzer Ochse am Spieß gegrillt wurde.
In die Trossachs
Jetzt hat es sich aber ausgecastlet. Wir sind jetzt wirklich reif für mehr Natur und weniger Historie. Und die Trossachs, das Gebiet nordöstlich vom Loch Lomond, scheinen hierfür wie gemacht.
Die Straßen werden hinter dem Einfallsort in die Region, Callander, richtig kurvig, hügelig und schmal. Und da uns anscheinend alle Wochenendausflügler entgegenkommen, muss man schon gut gucken, wie man fährt.
Wir haben beschlossen, heute mal einen BritStop zu machen. BritStops ist die britische Variante von France Passion. Also kostenlose Unterkunft bei einem Gastgeber, der Bauer, Winzer oder Gastronom ist.
Unser erster Versuch ist die Trossachs Woolen Mill hinter Callander. Da ich stur nach Navi fahre, den ich mit der britischen Postleitzahl gefüttert habe, fahren wir gekonnt daran vorbei. Und wenden kann ich dann auf der engen Straße erst nach ein paar Kilometern bei der nächsten Kreuzung.
Im zweiten Anlauf landen wir dann aber doch da, wo wir hin wollen. Der dortige Stellplatz ist aber lediglich der Parkplatz an der „Hauptstraße“. Könnte nachts zwar ganz okay ruhig sein, aber schön ist anders.
Immerhin komme ich aber jetzt auch zu einem Kaschmirpulli. Denn ich habe Annette in den letzten Tagen doch etwas um das kuschelig warme Stöffchen beneidet. Und als wir dann noch ganz geschäftstüchtig einen 20%-Discount-Gutschein zugesteckt bekommen, musste ich halt zuschlagen...
Der nächste Britstop ist im Örtchen Brig o‘Turk in Richtung Loch Achray. Diesmal ein „lively country pub“, das Byre Inn (--> Link). Ganz so lebhaft ist es am frühen Abend aber noch nicht. Der Parkplatz ist weitestgehend frei und auch als wir am frühen Abend dort essen gehen, ist es übersichtlich gefüllt.
Das Byre Inn punktet dann mit einer sehr abwechslungsreichen Playlist, die von Iggy Pop über Nena bis zum Radetzkymarsch reicht. Und mit den Scallops, die wir uns als Vorspeise teilen, stimmen wir uns schon mal aufs Meer ein.
Fotospaziergang
Da es nach dem Abendessen immer noch hell ist, machen wir einen Abendspaziergang zum Loch Achray. Über eine kleine malerische Steinbrücke gelangt man zum Weg, der einen zum See bringt.
Und dort kann man dann noch den letzten Sonnenstrahlen beim Untergehen zugucken und Schottlandfeeling tanken.

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

Sprintertraum am 12 Mai 2019 10:54:11

Guten Morgen
Schön das das Wetter besser wird.
Ich denke mal ihr seit auf dem Weg Richtung Oban. Dort gibt es eine große Gas Service Station mit Zubehör Shop. Vielleicht können sie dir dort helfen ( befüllen :wink: )
Adresse :
West Highland Gas Ltd
Torrangorm Industrial Estate, Oban PA34 4PL, Vereinigtes Königreich
CG4F+GX Oban, Vereinigtes Königreich

Ansonsten dort bei Tesco Oban volltanken und einkaufen. :ja:

moensters am 14 Mai 2019 22:20:32

Mein lieber Sprintertraum,

Vielen Dank für deine Mühe, uns auf die richtige Fährte zu bringen! Sollten wir uns mal treffen, hast du definitiv mindestens ein Bierchen gut.

Die Leute in Oban waren schon mal richtig nett und haben uns jetzt eine Tankstelle Richtung Fort William genannt, zu der sie immer die Leute vom Kontinent schicken, die knapp mit Gas sind. Angeblich werden dort die deutschen Flaschen gefüllt...
Es ist die hier: PR27+4F North Ballachulish, Fort William, Vereinigtes Königreich (ist ein Google Plus Code, einfach in Google Maps eintragen)

Wir sind mittlerweile aber auch gar nicht mehr sooo besorgt, weil das Wetter sich deutlich verbessert hat und unser Messgerät in den letzten 3 Tagen lediglich einen minimalen Gasverbrauch meldet - so wie wir es eigentlich auch erwartet hätten. Also vielleicht ist auch einfach alles gut...

Und da wir in den letzten Tagen eher funklochmäßig unterwegs waren, gibt‘s jetzt noch den Beitrag vom Loch Katerine, den ich hier im Forum noch nicht gepostet habe.

——-

Loch Katrine



Der Wetterbericht verheißt nur Gutes. Der Himmel ist strahlend blau und wir freuen uns, dass wir für unsere heutige Wanderung so ein prächtiges Kaiserwetter haben. Denn der Ben A‘an ist hier um die Ecke. Und der soll ein großartiger Aussichtspunkt über die Trossachs sein.
A‘an ma
Wir haben Glück: Kurz vor dem „offiziellen“ Parkplatz finden wir einen kleineren Parkplatz am Loch Achray, in den das MoMo perfekt reinpasst. Eine gute Wahl, denn der Wanderparkplatz ist schon überfüllt und am Straßenrand könnte man mit dem Wohnmobil nur bedingt gut stehen.
Heute ist Sonntag und anscheinend hat es sich in halb Schottland rumgesprochen, dass das hier eine tolle Wanderung ist. Wahre Heerscharen sind unterwegs, so dass man zu keinem Zeitpunkt auf dem Weg mal keine Leute sieht.
Der Weg hat es in sich! Nach dem ersten steilen Anstieg ist man gut angeschwitzt und nimmt das folgende, eher flache Teilstück dankbar an.
Am Fuße der eigentlichen Bergkuppe des Ben A‘an machen wir noch mal eine Verschnaufpause und gucken erst mal den Leute zu, die sich auf das folgende, wirklich steile Stück der Wanderung begeben.
Wirklich schwer ist es nicht, bis zum Gipfel zu kommen, da der Weg sehr gut angelegt ist. Es ist eher wie eine nicht enden wollende steile Treppe nach oben. Aber als wir dann oben sind heißt es nur noch: wow!
Kurz unterhalb des Gipfels machen wir eine Pause, damit wir den fantastischen Blick auf den plötzlich unter uns liegenden Loch Katrine für uns alleine haben, während alle anderen zum Gipfel strömen. Eine nette Schottin mit ihrem Hund Logan macht es genau so und wir schießen gegenseitig Erinnerungsfotos. Das einzige, was stört, ist das Hornissenschwarmbrummen einer Drohne, die über uns schwebt. Die Bilder werden nachher bestimmt toll, aber mannomann: Das nervt!
Am Gipfel steppt dann der Bär. Aber was uns schon auf dem Weg so angenehm aufgefallen ist: Alle sind total relaxt und rücksichtsvoll. Eine ganz angenehme Gemeinschaft, wo jeder stolz ist, dass er es bis nach oben geschafft hat.
Der Abstieg ist dann aufgrund der hohen „Treppenabsätze“ fast ähnlich anstrengend - Knie und Waden lassen grüßen!
Erster Single Track
Nachdem wir kurz im MoMo verschnauft haben brechen wir zum nächsten BritStop auf. Am gegenüberliegenden Ende des Loch Katrine gibt es das Pier Café (--> Link). Das ist der Anleger für das Schiff, dass den Loch der Länge nach durchquert.
Mit dem MoMo müssen wir aber einen kleinen und sehr lohnenswerten Umweg nehmen, da es keine Straße am See entlang gibt. Also fahren wir den Duke‘s Pass nach Aberfoyle bei schönstem Autofahrwetter.
Die 11 Meilen hinter Loch Ard sind dann unsere erste Single Track Road in Schottland. Eine ganz wunderbare Mischung aus wild und lovely erwartet uns entlang der Strecke. Wir fahren durch kleine Märchenwäldchen, kommen uns dann wieder wie mutige Entdecker vor, da die Straße zwischendurch mal eher Zumutung als Freude ist und man sich auch nicht wundern würde, wäre sie nach wenigen Meilen einfach ganz zu Ende.
Das Café am Rande der Welt
Wir kommen natürlich trotzdem am Pier Café an und sind geflasht: So toll hatten wir uns das nicht vorgestellt! Da der größte Ausflugsverkehr mit dem Ablegen des letzten Schiffes schon abgeebbt ist, herrscht eine entspannte Vorfeierabendstimmung. Brian, der entspannte und freundliche Chef, sagt, dass wir uns gerne überall hinstellen können: „Your choice!“ und hat darüber hinaus noch absolut fantastische Scones und Toffee Crunch im Angebot. Wer könnte da noch Nein sagen?
Wir können unser Glück nicht so recht fassen: Wir stehen an einem fantastischem Ort im Sonnenschein und haben noch den ganzen Nachmittag vor uns! Denn irgendwie gehen in Schottland die Uhren langsamer. Obwohl wir schon wieder so viel erlebt haben, ist noch so viel vom Tage übrig. Super!
Wir sitzen also entspannt auf der Mauer am See und gucken Elli beim Toben zu und freuen uns über unsere alte, blinde Mia, die komplett angstfrei auf der großen Wiese umherschnüffeln kann, was es hier Gutes gibt.
Und abends packe ich dann noch das Stativ aus und genieße die Abendstimmung am See. Ein neuer Lieblingsort und heißer Anwärter für die Großen 12 in 2019!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 14 Mai 2019 23:34:15

Breakfast am Loch



Was ein Luxus. Wir stehen hier am wunderbaren Loch Katrine und haben ihn quasi für uns alleine. Denn am Anleger ist „früh“morgens um 8 Uhr nichts los. Dafür scheint die Sonne und wir können uns an einem Picknicktisch neben dem MoMo niederlassen. Und das alles, ohne zu frieren! Denn es wird jetzt (und laut Wetterbericht auch in der kommenden Woche) Frühling! Nichts mehr mit nächtlichem Zähneklappern und Angst, dass das Gas nicht reicht. Apropos Gas: Irgendwas ist da schief gegangen. Mit meinem tollen neuen Ultraschallmessstift erziele ich auch nach 2 frischen Nächten und Kochen und Kühlen das exakt gleiche Ergebnis. Also hoffentlich viel Lärm um nichts!
Scottish Breakfast
Gegen 9 Uhr kommt unser Host Brian mit seinem Weimaraner-Labrador-Mix Castro an. Ein herrlich entspannter und hübscher Hund - aber bei der Vorstellung, so ein 60kg-Kalb bei uns im MoMo zu haben wird uns dann doch etwas anders...
Im Pier gibt es verschiedene Frühstücksangebote, wobei wir uns fragen: Für wen? Denn bis 11 Uhr ist hier keine Menschenseele! Naja, dann halt für uns! Natürlich ein Full Scottish Breakfast und was soll ich sagen: Kracher! Gehört definitiv in meine Top3 von Britisch-irischen Frühstücken, die wir bisher hatten. Und unser erstes Haggis (--> Link), was in Fladenform ebenfalls dabei ist, schmeckt wie Saumagen auf Speed - superlecker! Aber auch die anderen Bestandteile sind richtig gut zubereitet - die nächste Überraschung für uns: die schottische Küche hat uns bisher voll überzeugt!
Radtour zu Fuß
Vom Pier aus müssen wir danach erst mal einen Verdauungsspaziergang machen. In Richtung Nordwesten führt eine Straße rund um das Nordufer des Loch Katerine und wir ärgern uns heute tatsächlich, dass wir die Räder diesmal bewusst nicht mitgenommen haben. Das wäre eine tolle Radtour geworden!
Stattdessen erkunden wir zu Fuß zumindest ein Stück der Strecke und genießen es, dass sich die Pullover aufgrund des sonnigen Wetters schon fast als zu warm erweisen. Frühlingsgefühle!
Richtung Meer
Leicht wehmütig brechen wir schließlich unsere Zelte am Pier ab und fahren die lange und auch auf der Rückfahrt wunderschöne Strecke Richtung Aberfoyle zurück. In den Wäldchen blühen wahre Meere von diesen blauen Blumen, deren Namen wir als Botaniknieten mal wieder nicht kennen. Aber schön sind sie!
Nachdem wir in Callander nochmal das Nötigste eingekauft haben fahren wir durch eine abwechslungsreiche Landschaft: tiefblaue Lochs, karge Täler, in denen viele Bäume leider abgeholzt sind und schließlich wieder freundlicher, je näher wir dem Meer kommen.
Urige Kirche
Am Loch Awe verpassen wir zunächst die eine Attraktion (Kilchurn Castle), weil wir eine Abfahrt verpassen und finden unverhofft eine andere, richtig tolle am Wegesrand: St. Conan‘s Kirk! Diese alte Kirche hat richtig viel Flair und ist bestimmt ein heißer Kandidat, auch mal in Filmen mitzuspielen. Mit dem Kreuzgang, der kleinen, aber feinen Kirche und den tollen Wasserspeiern bekommt man auf kleinem Raum viel geboten!
Räucherei im Nirgendwo
Kurz vor Taynuilt geht es ab zur Räucherei Inverawe Fisheries&Smoker (--> Link). Über eine zwischen abenteuerlich und wildromantisch schwankende Single-Track-Road fährt man ein ganzes Stück. Gut, dass man auf dem Weg von Schildern bei Laune gehalten wird - wir wären sonst sicherlich umgekehrt...!
Da wir schon in Skandinavien unsere Liebe für frisch geräucherten Fisch entdeckt haben, wandert natürlich auch hier so einiges in den MoMo-Kühlschrank! Ein besonderer Fund ist dann noch das „Wild Guide“-Buch für Schottland, was ich nach einem kurzen Durchblättern früh spannend genug halte, dass man es ausprobieren sollte. Wir werden berichten, ob es etwas kann!
Camping im zweiten Anlauf
Wir sind etwas überrascht, wo heute die Zeit geblieben ist. Klar, wir haben es am Loch Katrine sehr gemütlich angehen lassen und sind spät aufgebrochen. Aber plötzlich ist es schon früher Abend! Man merkt, dass man ähnlich wie in Norwegen, deutlich langsamer als Zuhause voran kommt. Zumindest auf den Nebenstrecken.
Wir fahren also den nördlich von Oban gelegenen Campingplatz North Ledaig (--> Link)an. Die Lage direkt an der A828 ist nicht so toll, aber die geschotterten Stellplätze mit großen, ebenen Rasenflächen mit Blick aufs Meer sehen super aus. Aber als wir uns in der Rezeption anmelden wollen, heißt es mitleidig „Sorry, we‘re full!“ Es ist doch erst Anfang Mai!
Wir wählen Plan B. Camping südlich (--> Link) von Oban. Und es sieht zunächst mal gar nicht so gut aus. Denn der Zufahrtsweg ist eng und scheint immer enger zu werden. Dafür aber direkt am Meer entlang und mit reichlich Passing Places, so dass es am Ende überhaupt kein Problem darstellt. Und auch der knorrige Camphost hat einen feinen Humor und weist uns in die Platzregeln ein. Aber da es noch mehr als reichlich freie Flächen gibt, stellt sich am Ende scheinbar doch jeder so hin wie er will. Und bei dem doch sehr unebenen Gelände um hinteren Bereich des Platzes ist das auch sinnvoll, wenn man halbwegs eben stehen möchte.
Aber als wir das dann nach einigem Hin und Her geschafft haben, können wir getrost den Tisch aufbauen und unser in Callander gekauftes schottisches Feierabendbierchen genießen. Und abends dann einfach mal den Blick auf das gegenüberliegende Inselchen schweifen lassen.

volkermuenster am 15 Mai 2019 11:40:05

Ein Moinsen nach Schottland!

Vielen Dank für den tollen Bericht und den super Fotos.

Da will ich jetzt auch hin......... :-)

Gruß
Volker

Sprintertraum am 15 Mai 2019 15:22:57

moensters hat geschrieben:Mein lieber Sprintertraum, ... Vielen Dank für deine Mühe, uns auf die richtige Fährte zu bringen!

Hallo
Danke für die Blumen :D
Weiterhin gute Reise und schönen Urlaub.
Dein Blog wird immer besser und die Bilder immer schöner. Man hat das Gefühl das man selbst erst gestern da war. :mrgreen:
Gruß

tztz2000 am 15 Mai 2019 16:23:58

Schöner Bericht und tolle Fotos! :top:

Bei Pokey Hat waren wir letzten Sommer auch.... Ihr hattet das deutlich bessere Wetter! :twisted:

Das Eis ist jedenfalls Spitze! :ja:



moensters am 18 Mai 2019 22:06:40

Boah, die Isle of Mull ist total geil, hat aber lausiges Internet. Man fühlt sich um 20 Jahre zurück versetzt. Aber das hat ja auch seinen Charme!

Bitte anschnallen, es folgen Krachertage!

Strandfarm



Da die Bedingungen für eine schöne Sonnenaufgangsstimmung gut sind, stelle ich mir den Wecker. Aber das Schlechte an Schottland ist die nördliche Lage. 4.30 Uhr ist einfach nicht meine Zeit...
Dafür herrscht aber eine wunderbar friedliche Morgenstimmung und ich habe den Strand ganz für mich alleine. Also kann ich vor mich hin fotografieren und bei den langen Belichtungszeiten habe ich auch genügend Zeit, einfach diese feine Landschaft auf mich wirken zu lassen.
Geilomat 2000
Zum draußen Frühstücken ist uns heute der Wind dann doch eine Nummer zu kühl. Im Laufe des Vormittags verlassen dann fast alle anderen Womos eins nach dem anderen den Platz, bins wir schließlich ganz alleine in unserer Ecke stehen.
Zeit für den Auftritt von Geilomat 2000. So tauft Annette den jungen Schäferhund/Bordercollie-Mischling, der hier herumstreunt. Bildhübsch, aber auch sehr aufdringlich. So aufdringlich, dass er ernsthaft versucht, unsere alte Lady Mia zu besteigen und von Annette erst mal in die Schranken gewiesen werden muss. Trotzdem kommt er immer wieder zurück und äußert Interesse....
Strandimpressionen
Bevor wir abfahren, gehen wir noch einmal den Strand auf und ab. Es gibt hier neben Seetang und Blümchen auch hauchdünne, glitzernde Schieferplättchen, die sich offensichtlich von den Steinen abgelöst haben. Sehr hübsch und federleicht.
Bauernhof mit Aussicht
Unser Plan sieht die Überfahrt nach Iona vor, der heiligen Insel westlich von Mulls Südwestküste. Aber in Fhionnphort, dem Hafenörtchen, biegen wir dann erst mal zur Fidden Farm ab, da es dort einen Campingplatz auf dem Bauernhof geben soll, der direkt am Sandstrand liegt. Und das hört sich so gut an, dass wir das mal auskundschaften wollen, bevor wir zur Insel übersetzen.
Als wir den Weg zur Farm befahren, wissen wir schon, dass wir dort bleiben werden. Auf einem großen Areal kann man sich selber einen Stellplatz aussuchen und hat dann einen Ausblick auf Strand, Meer und Iona. Hat was! Und als wir dann noch einen Platz zwischen zwei anderen Womos sehen, der definitiv kein Kuschelcampplatz ist, ist die Entscheidung gefallen: Der ist es und hier können wir gut bleiben. Der Inselbesuch läuft uns nicht weg. Heute wird ein Relaxtag.
Lovely neighbours
Am Nachmittag kehrt das ältere Pärchen zum Womo neben uns zurück. Und wie das hier in Schottland so ist, kommt man wieder sehr leicht ins Gespräch. Und Christine und Doug erweisen sich als ausgesprochen geistreiche, witzige und großzügige Nachbarn.
Sie haben die von uns für morgen gebuchte Tour zur Puffin- und Vulkansteininsel Staffa bereits hinter sich und schwärmen begeistert davon. Und als Annette meine mögliche Seekrankheit ins Spiel bringt, eilt Doug zu seinem Womo, um mir seine Seekrankheitstabletten zu holen, die super wirken sollen. Und wenig später stehen noch Bierchen und Oliven auf dem Tisch und wir tauschen uns über unsere Reiserlebnisse aus. Die beiden haben auf ihren Reisen insgesamt schon 26 Wochen in Schottland verbracht und seien immer noch nicht fertig. Wir kriegen aber ein paar Tipps, die wir bestimmt noch gut brauchen können.
Let the good times roll
Den restlichen Nachmittag verbringen wir vergleichsweise faul mit Lesen, Gassigehen und Fotografieren. Bis Annette sich dann abends in die Küche schwingt und mit dem Puff Pastry (kein Puffreis, sondern Blätterteig) eine leckere Quiche mit Möhren, Paprika und Feta zaubert.
Und nach dem Essen laden wir Chris und Doug auf ein Gläschen Wein ein und können mit jedem Schlückchen wieder ein bisschen besser Englisch. Und spätestens als Doug und ich bei einer Verkostung des Whiskys aus der Inselhauptstadt Tobermory feststellen, dass wir beide besonders die Whiskys von der südlicher gelegenen Insel Islay (und ich lerne: gesprochen: Eila) mögen, ist uns mal wieder klar: Freunde kann man überall finden.

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 18 Mai 2019 23:26:11

Staffa, Puffins und Iona



Wären wir es bis jetzt noch nicht gewesen - nach diesem Supertag muss man einfach Schottland-Fan sein!
Gestern hatte ich telefonisch den Ausflug nach Staffa gebucht. Fürs 35£ kann man einen Trip hinüber auf diese besondere Insel buchen. Und ich lege mich mal fest: Bucht diese Fahrt, wenn ihr hier in der Ecke seid! Ihr werdet es nicht bereuen und könnt mir später danken...
Wir haben bei Staffatours (--> Link) gebucht, weil laut Doug und Christine deren Boote im Vergleich zu anderen Anbietern deutlich moderner und PS-stärker wirkten. Können wir bestätigen: Top-Schiff, Top-Crew.
Vulkaninsel
Was ist an Staffa jetzt so besonders und besser als auf den Tausenden von anderen Inseln vor der schottischen Küste? Zwei Dinge. Zum einen ist es die Insel selbst, mit ihren hexagonalen Basaltsäulen, die nebeneinander wie Orgelpfeifen aus dem Boden nach oben streben. Ähnlich wie am Giant‘s Causeway in Nordirland, aber doch anders.
Denn hier gibt es als Bonus noch Fingal‘s Cave. Eine nach dem Sagenriesen Fingal benannte Höhle, die ebenfalls aus diesen Basaltsäulen besteht. Bei unserem Besuch war der Besuch der Höhle leider nicht möglich, da der Zugang nach den Winterstürmen gelitten hat und noch nicht wieder hergerichtet werden konnte. Aber auch so ist es ein sehenswerter Anblick. Das andere, wofür man auf diese Insel fährt, sind die Puffins, die liebenswerten Papgeientaucher, an denen man sich einfach nicht satt sehen kann.
Graue Überfahrt
Wir haben uns entschieden, das MoMo noch eine Nacht auf Fidden‘s Farm stehen zu lassen und den Weg von ungefähr 2km zum Hafen von Fionnphort (ungefähr gesprochen: Feien-fort) zu Fuß zurückzulegen.
Das Boot ist gut gefüllt und wir brechen gespannt auf. Das Wetter sieht eher trüb und bedeckt aus, aber an einigen Stellen reißt der Himmel dann doch auf, so dass wir schon auf der Fahrt eine tolle Lightshow vor der Küste Mulls geboten bekommen.
Bei der Ankunft sehen wir einige große Schlauchboote die Anlegestelle der Insel umkreisen und bereiten uns schon mal darauf vor, gleich umzusteigen. Aber unser Käpt'n schafft es wirklich mit beherztem Motoreinsatz, mit dem Motorboot an der Anlegestelle anzulegen. Dolles Manöver!
Uns wird eingeschärft, dass wir in einer Stunde wieder zurück zu sein haben. Ansonsten „See ya tomorrow!“Das ist doch mal eine klare Ansage!
This way for the puffins
Nach dem Anlegen kann man sich entscheiden: Links herum direkt auf den Basaltsäulen zu Fingal‘s Cave oder eine kurze, gut gesicherte Treppe steil hinauf zu den Puffins, mit dem Hinweis, dass man bitte 5-10 Minuten Geduld haben möge, wenn man an der gekennzeichneten Stelle keine Puffins sehen würde.
Frohen Mutes heben wir uns die Höhle für spätere auf und folgen dem Schild zu den Puffins. Aber an der rosa Boje herrscht tote Hose. Als wir kommen, sehen wir noch für ein paar Sekunden einen einzigen Puffin, aber das war‘s dann auch schon. Also: bitte in Geduld üben!
Nach 12 Minuten neige ich dazu, das ganze als geschicktes Marketing zu sehen, weil sich wirklich so gar nichts tut. Aber dann kommen sie! Erst ein paar, dann ein größerer Trupp, der sich tatsächlich an der Klippe niederlässt, wo wir warten.
Nachdem ich schon mal ein paar Aufnahmen im Sack habe, werde ich mutiger. Am anderen Ende der Klippe hat sich eine ganze Kolonie niedergelassen. Ich gehe hinüber und bin überrascht, wie nah ich den Burschen komme. Ratterratterratter macht mein Auslöser. Und noch ein Stück näher. Ratterratterratter. Noch näher. Ratterratterratter. Am Ende habe ich die kleinen Kerle in mehr als ausreichender Größe auf dem Sensor und das bei 55mm maximaler Brennweite! Wunderbar - da hatte ich wirklich nicht mit gerechnet!
Annette hat übrigens eine interessante Theorie: Puffins müssten doch hervorragende Therapievögel sein. Jeder, der sie sieht, ist geradezu automatisch gut gelaunt. Und wenn die kleinen Burschen vor einem noch starten und landen kann man gar nicht anders als lächeln.
Sie wirken beruhigend, ausgleichend, stimmungsaufhellend, anregend und erheiternd.
Außerdem schulen sie die Disziplin, die Ausdauer und Geduld, weil man eine ganze Weile auf sie warten muss.
Und als ich nachher im Prospekt beim Touranbieter Turus Mara nachschaue, steht da tatsächlich was von „Puffin Therapy“... Sachen gibt‘s!
Sunshine on Staffa
Und als hätten wir nicht schon genügend Glück gehabt, kommt kurz vor unserer viel zu frühen Abfahrt noch die Sonne raus. Und man wird dann von den bizarren Felsstäben mit ihren merkwürdigen Drehungen und Richtungswechseln noch viel mehr geflasht als schon bei der Ankunft.
Leicht wehmütig besteige ich als letzter das Schiff und kriege vom Skipper keinen blöden Spruch, sondern nur die freundliche Nachfrage „Did you enjoy it?“ Könnten sich Berliner Busfahrer auch mal ne Scheibe von abschneiden... Das einzige was man bemängeln kann: Die eine Stunde an Land ist wirklich ein Witz. 2-3 Stunden könnten man locker füllen. Denn für den Weg hinüber zu Fingal‘s Cave hat es bei uns leider nicht mehr gereicht. Die sehen wir nur von Bord aus.
Auf der Rückfahrt guckt man überall in beseelte Gesichter. Alle hatten eine gute Zeit. Zumindest die, die nicht von einer hochschäumenden Welle durchnässt wurden...
Iona. Finally.
Auf der Rückfahrt hält das Schiff dankenswerterweise auf Iona. Der magischen Insel, die von den Waterboys auf „Peace of Iona“ so perfekt besungen wird:
Peace of the glancing, dancing waves
Peace of the white sands
Peace of Iona
Peace of the singing wind
Peace of the stones
Peace of Iona
Peace of the crying gulls
Peace of the humming bees
Peace of the noontime stillness
Peace of the dreaming hills
Peace of the breath of angels
Peace of Iona
Peace of the saints and seekers
Peace of the monks and druids
Peace of the resting place of kings
Peace of the ruins
Peace of doves in the belltower
Peace of Iona
Wir gehen an Land und fühlen uns sofort wohl. Karibikblaues Wasser mit weißen Stränden und dümpelnden Booten.
Und ich erinnere mich vage an die Empfehlung von Chris und Doug für ein gutes Restaurant auf der Insel. Irgendwas mit „ar“ am Anfang. Und neben dem Anleger gibt es das „Martyrs Bay“-Schnellrestaurant, in das auch die anderen Bootsinsassen strömen. Und da mich auch die „Mussels in Garlic and Wine“ anlachen und es draußen hundekompatible Tische gibt, nehmen wir Platz. Erst, als wir später weitergehen, fällt beim Schild für das „Argyll Hotel“ der Groschen: Das wäre es gewesen. Und dort gab es dann auch eine Seafood Platter und Bananabread, von denen uns Chris und Doug vorgeschwärmt hatten...
Ist aber nicht so wichtig, denn die Muscheln waren gut und wir wollen ja die Insel erkunden. Also machen wir uns auf zum Nordzipfel der Insel, dessen weiße Strände wir vom Boot aus schon gesehen hatten. Vorbei an einer Horde studienreisender Bustouristen auf dem Weg zur Abbey, weswegen wir beschließen, die Abbey auf dem Rückweg zu besuchen.
Peace of the dreaming hills
Auch auf dem Weg zum Strand herrscht Betrieb. Also: relativ gesehen. Denn Autos fahren hier keine (außer von den Locals). Und das macht schon mal einen großen Teil der Ruhe aus. Denn es ist wirklich friedlich auf dieser Insel. Wir sehen jemanden fleißig sein Haus streichen und gehen an der größten Gänseblümchenwiese ever vorbei. Bullerbü auf schottisch.
Peace of the white sands
Am Strand macht Elli kurz Bekanntschaft mit einem verwesenden Wal, in dem sie sich hingebungsvoll wälzen will. Hunde sind so ekelig! Aber Annette kann das schlimmste verhindern, so dass Elli die kommende Nacht nicht draußen verbringen muss.
Ich widme mich da lieber dem Strand mit seinen vielfach geschichteten Felsen, den sanften Wellen und natürlich dem feinen Sand vor kristallklarem Wasser. Traumhaft schön!
Peace of the monks and druids
Irgendwann geht es dann doch wieder zurück. Zur Abbey. Weil wir denken, dass am Nachmittag da weniger los ist. Aber Pustekuchen! Auch jetzt gibt es noch mehrere(!) Reisegruppen, die dort herumgeführt werden.
Was uns an der Abbey besonders gefällt, ist, dass sie als interkonfessioneller Ort gilt. Es ist richtig wohltuend, dass es dort nicht die „einzig richtige“ Religion gibt, sondern jeder eingeladen ist, dort seinen Glauben zu praktizieren. Wenn doch alle Gotteshäuser so undogmatisch wären! Und hier macht es auch wieder etwas vom besonderen „Peace of Iona“ aus. Wo hat man schon mal einen so entspannten Ort des Glaubens...?
And business too
Aber es gibt auch die ausgesprochen geschäftstüchtige Seite von Iona. Es gibt mehrere Craftshops und Andenkenläden, die aber immerhin ziemlich geschmackvoll sind. Auch hier siegt meistens die Schönheit über das Geschäft. Teuer mit Inselaufschlag ist es aber trotzdem.
Auf dem Rückweg wollen wir noch im Argyll Hotel einkehren, stellen aber fest, dass es feste Essenzeiten gibt. Und für Tea Time sind wir zu spät und für Dinner zu früh. Aber das passt dann auch zu dem Spruch, den ich in der Abbey gefunden habe: Nach Iona kommt man nicht einmal, sondern dreimal. Und ich bin mir sicher: Das stimmt für uns.
Dinner with friends
Als wir abends ziemlich kaputt und voller fantastischer Eindrücke an der Fidden Farm ankommen, treffen wir auf Chris und Doug, die sich dankenswerterweise als Dogsitter für Mia angeboten hatten. Und Chris berichtet stolz-belustigt-entsetzt von den „4 poos“ die Mia in der Zeit gemacht hat. Und was das für ein toller Hund sei. Da können wir nur zustimmen!
Und schon bald sitzen wir zusammen, trinken Bier und Wein, gucken Puffin-Fotos und werden spontan von Christine zum gemeinsamen Pasta-Essen eingeladen. Völkerverständigung kann so einfach sein - man muss nur die richtigen Leute treffen!

Die Bilder lohnen sich diesmal sehr! In unserem Womo-Blog: --> Link

moensters am 18 Mai 2019 23:27:11

Der wilde Westen von Mull



Morgens verabschieden wir uns von Christine und Doug, die nach Tobermory weiterfahren wollen. Wir sind aber noch nicht so weit. Etwas wehmütig, aber trotzdem fröhlich verabschieden wir uns von unseren neuen englischen Freunden.
Auf einem Spaziergang entlang des Strandes diskutieren wir hin und her, ob wir noch eine Nacht hier bleiben, oder ob es uns doch weiterzieht. Letzten Endes siegen die Neugier darauf, was noch kommt und die Zigeunergene: Wir fahren.
Mittagspause am Loch Sridain
Entlang des Loch Sridain, der eher ein Meeresfinger ist, fahren wir zurück ins Herz der Insel und biegen hinter Pennyghael ab auf die scenic route entlang der Westküste. Und in einem etwas größeren Passing Place machen wir dann ein kleine Mittagspause. Nach 20 Meilen braucht man einfach eine Erholung!
Annette zaubert mit unserem Räucherlachs aus Inverawe kleine Mittagssnackbrötchen und wir beobachten ein kleines Lamm, was hilflos mäht und seine Mutter sucht.
Scenic coastroad
Wir folgen der scenic road, die uns durch ein karges Berggebiet mit schnuckeligen Kälbern führt, bis wir eine großartige Aussicht auf den Loch Na Keal vor uns haben und noch mal auf Staffa und seine Nachbarinseln gucken können.
Die können was mit ihrer Landschaft, die Schotten! Zunächst führt die Straße verwegen eng am steil über uns abfallenden Bergmassiv entlang. Es sieht so aus, als würde hier häufiger mal ein Steinschlag runterkommen. Wir bleiben aber verschont.
Bald verbreitert sich aber der Uferbereich und die unvermeidlichen Schafe tauchen auf. Am Wegesrand gibt es an manchen Stellen schon richtige kleine Ansammlungen von Womos, die gerne auch ein Stativ mit fettem Fernglas darauf vor sich stehen haben. Wir vermuten, dass sie auf Adlersuche sind. Gesehen haben wir aber keinen. UNd zu so einer Ansammlung dazustellen möchten wir uns auch nicht so recht.
Beim Umfahren des Lochs, der eher eine große Meerbucht ist, machen wir immer wieder kleinere Stops, um die Landschaft auf uns wirken zu lassen. Was für ein Panorama!
Insel mit Ruhetag
Unser Plan ist es, an der Fähre hinüber zur Insel Ulva zu parken und dorthin überzusetzen. Aber da es schon später Nachmittag ist, macht das heute keinen Sinn mehr. Die Fähre verkehrt nämlich um 17 Uhr das letzte Mal. Flexibel schmieden wir den Plan, dann heute hier zu parken und morgen die Insel zu erkunden. Und als wir feststellen, dass man bei den Parkplätzen von Turus Mara (--> Link), dem Anbieter für Wildlifetouren zu den Inseln Staffa und Treshnish (ja, die mit der Puffin Therapy!), geduldet über Nacht parken können, ist der Plan beschlossen. Hier bleiben wir. Und die Vorfreude steigt, als eine andere Deutsche uns von ihrem Tagestrip nach Ulva vorschwärmt. Tolle Wanderung, tolles Essen im Bootshaus. Alles super!
Aber eine Sache verhagelt uns leider die verlockende Aussicht. Auf Ulva gibt es genau einen Ruhetag, an dem gar nichts geht. Und das ist: morgen...
Unverhoffter Schlafplatz
Auf der Weiterfahrt entlang der wenig befahrenen B8073 entdeckt Annette einen für die bisherige Strecke völlig untypischen, größeren Parkplatz ohne „Please no camping“-Schilder. Kurze Überlegung: Sollen wir...? Schnelle Antwort: Ja.
Das MoMo wird geparkt und wir verbringen einen weiteren internetfreien Tag. Denn das Mobilfunknetz hier auf Mull ist wirklich sehr sparsam ausgebaut. Wir würden über ekliges „E“ fast schon jubeln, da man damit zumindest mal halbwegs verlässlich Emails abrufen könnte. Aber GPRS ist wirklich zu gar nichts nutze...
Und Annette macht noch eine wichtige Entdeckung. Der Parkplatz hat nämlich wirklich einen Zweck. Wir befinden uns unmittelbar am dreistufigen Wasserfall Eas Fors!
Der obere Teil ist ein nach norwegischen Maßstäben kleiner Wasserfall. Trotzdem fotogen.
Nachdem das Wasser unter der Straßenbrücke durchgeflossen ist, kommt die zweite Kaskade, die in einem kleinen Pool mündet, an dem es sich ein Pärchen mit Zelt idyllisch eingerichtet hat. Ein geiler Schlafplatz!
Von hier gelangt man an die Abbruchkante, von der der Wasserfall hinunter ins Meer fällt. Von oben kann man nur erahnen, wie das wohl aussehen mag, da sich nur sehr mutige oder lebensmüde Kandidaten bei dem böigen Wind an die Kante wagen würden.
Da wir keinen Weg nach unten ausmachen können, setzen wir uns an einen gemütlichen Platz mit einem Logenausblick auf den Loch Tuath und die Laggan Bay vor Ulva. Es ist herrlich still hier und bis auf das Zwitschern der Vögel hört man so gut wie nichts, da auch der Autoverkehr immer mehr abnimmt, so dass abends praktisch niemand hier vorbei kommt. Wir haben schon schlechtere Schlafplätze gehabt!

  • Die neuesten 10 Themen
  •  
  • Die neuesten 10 Reiseberichte
  • Die neuesten 10 Stellplätze

Mit dem 7,5 Tonner nach Wales
Reisebericht - London und die Grafschaft Kent Juli 2019
Alle Rechte vorbehalten ©2003 - 2018 AGB - Datenschutzerklaerung - Kontakt