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Endlich wieder Norwegen und Schweden


Spooky am 08 Jul 2019 20:21:22

Nachdem ich im Jahr 2015 meine erste Norwegenreise aus familiären Gründen nach ein paar Tagen abbrechen musste, sollte in diesem Frühjahr die Reise nachgeholt werden. Bei der Reise 2019 auch mit meiner Frau, die damals nicht genug Urlaub gehabt hatte. Der grobe Plan, inspiriert durch viele Berichte im Wohnmobilforum, sah vor über Dänemark und Schweden bis Höhe Trondheim alles anzusehen, was als sehenswert beschrieben wurde. Wobei uns klar war, dass das nicht ansatzweise klappen würde.
Da wir aber vier bis fünf Wochen eingeplant hatten konnten wir spontan sein, bleiben wo es uns gefiel oder die Route nach Belieben ändern. Hier eine kurze Reisebeschreibung.

30.5.19, Himmelfahrt - Abfahrt Xanten

Spooky ist vollgepackt mit Vorräten und allem was man in Norwegen so braucht, inklusive Angelzeug für's Meer. Wir haben die Fähre Grenaa-Varberg für den 5.6. morgens um 1 Uhr gebucht. Das war deutlich preiswerter als die ursprünglich geplante Brückenfahrt. Für 68 Euro konnten wir mitfahren. Im Nachhinein sage ich Blödsinn. Die paar gesparten Euros machen die viel größere Flexibilität in der Planung nicht wett und so viele Kilometer spart man auch nicht. Bis zur Abfahrt hatten wir reichlich Zeit und die Wettervorhersage war gut, so dass wir noch irgendwo an der deutschen Nord- oder Ostseeküste ein paar Tage bleiben wollen.
Unspektakulär über die Autobahn ging es bis hinter Hamburg. Meist so 100 km/h, wenn ich mit Spooky reise mag ich nicht hetzen. Ohne nennenswerte Staus, es war ja zumindest in NRW Feiertag, sind wir in Itzehoe auf dem kostenlosen Stellplatz gelandet. Der ist wahrlich keine Schönheit, aber für die Nacht ok. Das Wetter war trübe und regnerisch, aber auch schwül. Trotzdem machen wir einen kurzen Stadtrundgang. Am nächsten Morgen wollten wir dann an der Küste weiter hoch.
Verbrauch nach Bordcomputer 6,9 Liter. Ein Hoch auf den Rückenwind und den holländischen Reisebus, der exakt 100 km/h fuhr und dem wir mit dem nötigen Sicherheitsabstand über weite Strecken gefolgt sind.

31.5.19
Wir haben ruhig geschlafen, waren aber relativ früh wach. Nach den morgendlichen Ritualen sind wir zur Entsorgung Platz (1,—€) und dann Richtung Heide gefahren. Dann großer Schreck: Die gelbe Motorkontrollleuchte brennt, aber der Wagen fährt ganz normal. In Heide sind wir dann zur Werkstatt, ATU, nachdem uns zwei andere Werkstätten an diesem Tag nicht mehr helfen wollten oder konnten.
Das Abgasrückführungsventil hatte die Fehlermeldung verursacht. Der Meister meine, die würde sicher wieder angehen irgendwann. Aber da Spooky noch keinen Partikelfilter hat, wäre keine Gefahr in Verzug und wir könnten das ignorieren. Vorab: Die nächsten 6000 Kilometer ist die Lampe nicht mehr angegangen!

Ohne weitere Fehlermeldung haben wir dann in St. Peter Ording eine "Stadtrundfahrt" gemacht. Wir empfanden das Touristenzentrum als viel zu eng und voll für uns und sind daher nach Husum weiter gerollt.
Das gefiel uns schon bedeutend besser und nach einem leckeren Fischbrötchen und einem Pfund frisch vom Kutter gekauften Krabben haben wir einen ausgiebigen Stadtrundgang gemacht. Nett da oben, und einen Stopp oder mehr sicher wert!
Bleiben wollten wir aber noch nicht, sondern noch ein bisschen weiter fahren. So haben wir von der Nord- an die Ostseeseite gewechselt und für die Nacht am Citti-Einkaufszentrum in Flensburg eingeparkt. Nicht schön, aber eben und kostenlos.
Die selbstgemachte Krabbenbrötchen (selbstgepult!!!) mit Biosalat aus Schwager's Garten waren Spitze.
Abends gab es dann noch Boeuf Stroganoff, das ich schon zuhause gekocht hatte.


1.6.19
Wir waren relativ früh auf und beschlossen die Küste südöstlich von Flensburg bis Kappeln zu erkunden. Also sind wir zeitig los und brauchten an der VE am Citti Einkaufszentrum auch nicht zu warten. Unterwegs haben wir eingekauft und wollten dann am Fähranleger von Langballingholz frühstücken. Haben wir auch in Ruhe gemacht bis meine Frau meinte, dass hinter mir (umgedrehter Fahrersitz) auf dem Parkplatz jemand steht, der Ähnlichkeit mit Conrad, dem jüngsten Sohn meines Kölner Freundes Wolfgang hat. Der hatte nicht nur Ähnlichkeit, es war es auch. Seit vielen Jahren wohnt er in Hamburg und war dort, um den Geburtstag der Schwiegermutter in einem Restaurant vor Ort zu feiern. Es gibt so unglaubliche Zufälle.
Danach haben wir die Küstenörtchen bis Kappeln abgeklappert, wo die Kappelner Heringstage gefeiert wurden. Knüppelvoll, aber dennoch ein schönes Erlebnis.
Auf dem Rückweg wollten wir uns einen schönen Stellplatz am Meer suchen, aber wir hatten die Rechnung nicht mit den Ausflüglern am langen Feiertagswochenende gemacht.
Erst in Westerholz haben wir einen schönen und einigermaßen windgeschützten Platz gefunden, wo wir uns für zwei Tage eingemietet haben und das vorhergesagte schöne Wetter am Meer verbringen wollen.

Abendstimmung Westerholz

2.6.19
Morgens hab ich mal wieder die Laufschuhe geschnürt und bin ein paar Kilometer auf dem Uferweg gelaufen. Mehrmals hin und her, zwischen Langballingholz und dem Lokal "Strandgut", denn so weit ist es nicht. Nach dem Duschen und frühstücken haben wir dann die Wanderstiefel angezogen und sind über den unbefestigten Förde-Wanderweg, erst am Ufer und der Steilküste lang, dann hoch und durch Wälder und Felder zurück. Das Wetter war herrlich sonnig und ein bisschen windig. Das hat uns aber nicht davon abgehalten später noch einmal zum Yachthafen zu laufen und dort in der Sonne ein leckeres Flensburger zu trinken und noch weiter Sonne zu tanken.

Strand-Wanderweg


3.6.19
Wir verlassen unseren Stellplatz im Lauf des Vormittags und wollen noch unsere Vorräte ergänzen, was wir in einem Aldimarkt auch machen. Dann fahren wir entlang der Küste Richtung Glücksburg und halten etwas abseits am Yachthafen unterhalb des „Ruhewaldes“, einem Waldfriedhof. Hier könnte man sicher auch über Nacht bleiben, denn außer den Mitgliedern des Yachtclubs und ein paar Spaziergängern kommt keiner vorbei. Nach einem Mittagsschläfchen machten wir auch noch einen ausgiebigen Spaziergang. Und weil das Laufen in Sand und Kies so anstrengend war, folgen wir einem Trampelpfad hoch in den Wald. Seeehr steil und wie sich nach der halben Strecke herausstellte auch kein Trampelpfad, sondern einfach Waldboden. Den wir aber gemeistert, allerdings teilweise auf allen Vieren.
Übernachtet nach der Tagestour haben wir wieder in Flensburg für eine weitere kostenlose Nacht am Citti-Park. Am nächsten Morgen soll es weiter gehen nach Dänemark.

4.6.19
Nach der VE erledigten wir die letzten Einkäufe, tankten nach und rollten in aller Ruhe Richtung Grenaa. Eigentlich wollten wir nur mal sehen, wie die Parksituation am Hafen ist, weil wir ja die unchristliche Abfahrtszeit um 1 Uhr morgens gebucht hatten. Am Schalter von Stena bekam ich die Auskunft, dass der große Parkplatz vor dem Terminal kostenlos genutzt werden kann. Da wir beide etwas müde waren haben wir nach einem kleinen Stadtbummel in Grenaa auch diesen Parkplatz angefahren und ein Nickerchen gemacht. Dann konnten wir auch schon Einchecken. Als ERSTE! Nur auf den LKW Spuren standen schon einige Trucker. Wir haben sogar noch ein Stündchen in der Sonne gesessen, dann gekocht und gegessen und dann begann das Warten wir auf die Fähre.
Vielleicht noch ein Stündchen schlafen, ein bisschen Fernsehen und dann geht es nach Schweden.


Noch ein paar Sonnenstrahlen tanken, wer weiß was kommt

5.6.19
Gegen Mitternacht, wir waren schon eine halbe Stunde auf und hatten unsere Rucksäcke gepackt, kam Leben in den Hafen. Die Fähre legte an und das Ausladen begann. Gas abstellen und Gaskasten versiegeln. Nach einem LKW fuhren wir als zweites Auto auf die Rampe. Es waren höchstens 10, 12 Womos, eine Handvoll PKWs der Rest LKW.
An Bord, die Einrichtung der Stena Nautica ist schon arg heruntergekommen, haben wir im öffentlichen Bereich eine Bank bezogen. Die "Clubsessel" waren lose und zu unbequem. Ein Leffe Bier haben wir uns gegönnt und weil es so leer war könnten wir sogar ausgestreckt ein bisschen schlafen. Die meisten Trucker hatten wohl Schlafkabinen gebucht.
Nach der Ankunft, wir waren auch die Zweiten die rausfuhren, ging es Richtung Göteborg. Offenbar haben wir da die Maut geprellt. Wir hatten etwas blauäugig erwartet, dass es wie in Frankreich an einer Péage Station kassiert wird. War aber nicht. Jetzt hoffe ich, dass es wie in Norwegen automatisch in Rechnung gestellt wird, sonst kommt das dicke Ende noch als Bußgeldbescheid. Ist mir mal in Melbourne so passiert, da war Wochen später die Abbuchung auf der Kreditkarte. Die Daten hatte der Vermieter ja und mit Sicherheit stand das auch irgendwo im Kleingedruckten des Mietvertrages für den Camper.

Da wir ziemlich k.o. waren, haben wir nach kurzer Fahrt auf dem Stellplatz Smartholmen bei Kungsbacka noch ein Stündchen geschlafen und sind dann teils Autobahn, teils kleine Straßen weiter Richtung Vänern gefahren. Da haben wir natürlich auch nach schönen Plätzen Ausschau gehalten. Gefunden haben wir welche, aber keine mit guter Übernachtungsmöglichkeit. Claudia entdeckte noch eine kleine Schlange, die aber kurz vor dem Exitus an der Straße lag und kaum weg kriechen konnte. Ich tippe, es war eine Schlingnatter.



In Amal auf dem kleinen städtischen Stellplatz am Hafen (ca. 10 €) haben wir übernachtet. Der Tag wurde noch richtig sonnig, so dass wir lange draußen gesessen haben. Abends habe ich dann noch eine Ringelnatter am See etwas abseits vom Stellplatz beobachtet. Keine Ahnung, wann ich in Deutschland das letzte Mal eine Schlange in freier Natur gesehen habe, und heute gleich zwei.



6.6.19
Von Amal aus führt uns der Weg weiter Richtung Norden. Wir folgen unspektakulär der 45 Richtung Karlstad. Zwischendurch verließen wir die Bundesstraße und fuhren über eine fast parallel verlaufende kleine Straße entlang eines der tausend kleinen Seen. Dieser hier, Mellan-Fryken war ca. 40-50 Kilometer lang...



Zwischendurch gab es noch eine Kaffeepause am See

Dann wieder auf die 45, auf der man gut voran kommt und trotzdem viel von der Landschaft sehen kann. Etwa 35 km vor Mora verließ uns die Lust am Fahren und wir sind auf einen Campingplatz (Steiner) am See gefahren. Es gab noch Sonne satt, Claudia hat die Waschmaschine angeworfen. Nach dem Abendessen habe wir das erste Mal Mücken im Womo gejagt. Keine Ahnung, wo das Ungeziefer reingekommen ist. Die Fliegengitter waren alle zu. Wenn ich mal mit einem Geistlichen ins Gespräch komme muss ich ihn fragen, ob er eine Idee hat,was sich der liebe Gott bei der Erschaffung dieser Spezies gedacht hat haben könnte.


Noch war Ruhe, aber dann kamen die Vampire...

7.6.19
Wir fuhren nach Mora, dem Ort des Wasalaufes und mussten aber erst einmal tanken. Mit zwei Tankfüllungen sind wir 1700 Kilometer weit gekommen. Da kann man nicht meckern (Verbrauch lt. Bordcomputer 7,5 l).
Dann, beim Stadtbummel, mussten wir natürlich ein Foto machen am Zieltor des Wasalaufes. Eine tolle Idee: am Tor stehen ein paar Langlaufskier, Stöcke und eine Startnummer, mit der man sich kostümieren und fotografieren kann. Haben wir natürlich gemacht, bzw. ich habe mein Weib fotografiert (ist nicht despektierlich, sie findet es selbst ok, wenn ich sie so nenne und es ist eher ein Kosewort für uns).




Dann haben wir unsere Vorräte ergänzt, unter anderem mit Zimtschnecken... lecker!!! Auch ein paar Dosen Leichtbier zum Probieren was mir blüht, wenn das deutsche Bier ausgetrunken ist, Salat und Wasser und dann ging es über kleine Straßen Richtung Norwegen.



Der Grenzübergang an der Straße hatte keine Zollstation, sonst hätten wir die drei Liter Wein und die 5 Liter Bier, die wir über das Limit hatten angemeldet, aber so...
Die erste Nacht in Norwegen verbrachten wir an einem kleinen Badeplatz am Seeufer des Bergesjoen. In der Nähe von Elverum. Am anderen Ende des Parkplatzes war eine kleine Geburtstagsfete im Gang. 10 - 15 Mädchen im Alter von 14, 15 Jahren zelteten da bewacht vom Vater des Geburtstagskindes. Es schien aber erträglich zu bleiben, also blieben wir auch.


Später kam noch ein belgisches Paar zu dem schönen Freistehplatz

8.6.19
Es war sehr ruhig. Von den Girlies haben wir nichts mitbekommen. Nach dem Frühstücken in der Sonne haben wir uns also auf den Weg gemacht über Elverum, Hamar nach Lillehammer, der Olympiastadt von 1994. Auf den Olympiaschanzen wurde sogar trainiert, ohne Schnee, dafür auf Kunstrasen.



Ich würde da nicht für Geld und gute Worte runter fahren.


Die trauen sich was, Chapeau!

Nach einer Stadtbesichtigung und dem Versorgen mit Bargeld machten wir uns auf den Rundweg um den Rondane Nationalpark, in dem sogar einige Moschusochsen frei rumlaufen. Eine ursprünglich geplante Wanderung hier musste leider entfallen, da es Claudia (meinem Weib) mit ihrem Asthma nicht so gut ging. Ursache unbekannt.
Die Landschaft ist einerseits beeindruckend mit der Sicht auf richtig hohe und z.T. noch mit Schnee bedeckten Gipfel, andererseits aber auch langweilig, da sehr karg ist und nur wenig Vegetation hat. Man sollte es aber mal gesehen haben. Fjordnorwegen ist (für mich) sicherlich interessanter. Übernachtet haben wir frei auf einer Hochebene am Dovrefjell. Der nächste Ort ist Hjerkinn. Keine Menschenseele weit und breit. Dafür eine gigantische Aussicht. Zwar weit und breit kein Baum kein Strauch, aber ein paar Edelstahlskulpturen.




Schon jeck diese Norweger. Mal sehen, was die Nacht bringt. Das Wetter ist regnerisch und windig vorher gesagt. Vielleicht fahren wir doch noch Richtung Lofoten, da soll Sonne sein.

9.6.19
Nach einer absolut stillen Nacht, nur ein kräftiger Schauer hat uns mal geweckt, sind wir noch auf den Aussichtspunkt Gautaseter am Ende der Schotterstraße gefahren. Da standen mehrere Mobile, die dort die Nacht verbracht hatten. Bestimmt war es da noch windiger und kühler als bei uns (7 Grad). Dafür war die Aussicht noch besser, denn der Wetterbericht hatte sich geirrt, es war teilweise klar und sonnig.

... wenn schon kein echter beim Wandern, dann wenigstens einer aus Eisen.

Gut gelaunt sind wir also in einen grandiosen Tag gestartet. Ohne Zweifel die schönste Tagesetappe der gesamten bisherigen Tour. Zunächst über Dombås, dann entlang der E136 Richtung Andalsnes. Ein Stopp an der für ihre Schnitzereien bekannten Kirche in Lesja lohnt sich.



Auch, wenn man wie wir nur zwei Minuten für die Besichtigung hat. Denn es war ja Pfingstsonntag und der Pfarrer stand am Eingang und begrüßte alle Gottesdienstbesucher mit Handschlag. Diese waren ausnahmslos sehr ordentlich gekleidet, sogar die Kinder im Anzug oder Kleid und die Erwachsenen in Tracht. Wir passten da überhaupt nicht zu in unserer Urlauberfreizeitkleidung und der Pfaffe stutzte kurz, als wir auf den Eingang zusteuerten. Ich fragte ihn, ob wir noch kurz reinschauen dürften, bevor die Messe beginnt. Wir durften, und wurden sogar eingeladen, der Messe beizuwohnen. Wir sind aber nicht geblieben, sondern weiter gerollt. Geschätzte 20 Mal haben wir angehalten auf der Strecke um Wasserfälle, Katarakte, Kirchlein und einfach schöne Aussichten zu fotografieren. An einem Rastplatz an einer Mischung aus Wasserfall und Katarakt haben wir Elch- und Rentiersalami gekauft (als Mitbringsel) und da wir schon einen Elch am Heck als Aufkleber spazieren fahren, einen Trollaufkleber.


Jede Menge Trolle!

Stromschnellen

Wasserfälle ohne Ende

Einfach grandios!

Petrus hat es richtig gut gemeint mit uns. Ab und zu ein Wölkchen, aber sonst blauer Himmel und Sonne! Am Trollveggen-Besucherzentrum haben wir angehalten und uns die größte senkrechte Steilwand Europas, die Trollwand, angesehen. Beeindruckend. Unten steht eine Tafel, auf der die Kletterwege der (für mich) Wahnsinnigen eingezeichnet sind, die oben angekommen sind.


So etwas kannte ich bisher nur von einer Wanderung am Fuß der Eiger-Nordwand.

Nach so vielen Eindrücken hatten wir keine große Lust noch weiter zu fahren und machten uns auf die Stellplatzsuche. Am Abzweig der 136 zum Trollstiegen sind wir auf die 63 abgebogen und nach ein paar hundert Metern auf den Campingplatz Trollstiegen Resort abgebogen, weil wir auch ver- und entsorgen mussten. Wir trauten unseren Augen nicht, denn die Betreiber warben in großen Lettern damit, das VE kostenlos sei, aber nicht nur das, auch Wohnmobile dürfen kostenlos eine Nacht stehen. Wer keinen Strom (3 Euro) braucht und die Duschen/WC nicht nutzen möchte (15€ für alle Personen) kann hier tatsächlich kostenlos übernachten Bei herrlicher Bergkulisse und sehr ruhig! (das Angebot ändert sich aber saisonweise!!!).



Am nächsten Morgen wollten wir dann weiter Richtung Molde über Andesnes.
Ålesund und Trollstiegen selbst wollten wir uns für den Rückweg lassen. Das Angelzeug hatte ich nachmittags in der Sonne vor dem Womo schon grob parat gemacht. Beim letzten Norwegenbesuch ließ es sich auch vom Ufer aus gut auf Pollack und Makrelen angeln...

10.6.19
Planänderung!!! Eigentlich war Dauerregen vorhergesagt für heute, daher wollten wir den Trollstiegen später fahren. Aber als ich um 6 aus dem Fenster sehe: Sonne und nur wenig Wolken!
Noch unter der Bettdecke reift der Plan, vorsichtig meine Holde zu wecken und möglichst zeitig auf den Berg zu fahren. Das habe ich dann auch gemacht. Zunächst war sie etwas mürrisch, aber mit jedem Höhenmeter und jeder Kehre auf dem Trollstiegen stieg auch die Stimmung. Wir hatten die Straße vollkommen für uns alleine!




Sogar oben am Infocenter schliefen den Womobesatzungen noch größtenteils.



Vier Menschen sind uns auf dem Weg zur Aussichtsplattform entgegen gekommen. Das passiert nur Frühaufstehern! Als wir dann zurück zum Womo gingen, war der erste Bus mit Chinesen aber schon da und auf der Weiterfahrt über die 63 kamen uns noch viele weitere Busse entgegen.
In einem kleinen Hafen haben wir dann die ersten Würfe mit der Angel gemacht, aber keinen Biss gehabt. Da wir aber später noch einmal angeln wollten, wurden die Ruten nur in die Dusche gestellt und mit einem Spanngummi an der Duschhalterung fixiert, statt sie ordentlich zu verstauen. Wie blöd von mir. Denn bei der Weiterfahrt wurde der Wasserhahn durch die Schwingungen und Vibrationen der Angeln geöffnet und die Pumpe sprang an. Das haben wir während der Fahrt aber nicht gehört. Erst bei einem kurzen Stopp fürs Kartenstudium viel es mir auf.
Doch da war es schon zu spät. Der komplette Frischwassertank, tags zuvor gefüllt, war leergepumpt. Die Nasszelle schwamm. Der Abwassertank war zu 3/4 voll!
Glück im Unglück: ich hatte die Handbrause in den Spüleimer, der in der Dusche stand gelegt, damit ich die Angelruten besser an der Duschstange befestigen konnte. So lief erst der Eimer voll, dann das Wasser in die Duschtasse und in den Abwassertank. Nur beim Bremsen schwappte etwas über. Die Teppiche waren durchnässt, aber schnell zum Abtropfen an eine Böschung gelegt. So wurde Spooky einmal gründlich durchgewischt, die Teppiche liegen nun in der Dusche und werden morgen in der Sonne getrocknet, sofern die Vorhersage stimmt.
Nach dem unfreiwilligen Putzstopp ging es über Stordalen, Sjaholt weiter entlang der E136 Richtung Andalsnes und weiter nach Afarnes.

Impressionen:


Alle überfahren???




Mit der Fähre nach Solsnes und über eine weitere ästhetisch geschwungene Tresfjordbrua 1290m Richtung Molde. Die Durchfahrt des Tunnels unter dem Fjord bereitete meinem Weib schon ein bisschen Gänsehaut. Aber das ist eine andere Geschichte.



Unser Nachtquartier bezogen wir hinter Molde am Skistadion. Die norwegischen Biathleten waren hier im Trainingslager und drehten auf Rollerskiern ihre Runden. Der Schießstand war in Sicht- und Hörweite. Ich habe natürlich mal geguckt. Ich wusste nicht, dass die Zielscheiben soooo klein sind. Im Fernsehen wirken die viel größer. Morgen, so der Plan, erobern wir die Atlantikstraße!





11.6.19
Gesagt, getan. Wir sind wieder zeitig unterwegs und starten am Skistadion von Molde bei blauem Himmel. Zuvor habe ich ein paar Kilometer Lauftraining hinter mich gebracht. Zuerst auf der Trabrennbahn neben dem Skistadion eine Runde, weil die schön eben und ohne Steigungen ist. Aber leider auch durchpflügt von den Hufen. Das war nicht der Knaller, aber bestimmt ein seltener Anblick. Jogger auf der Trabrennbahn. Immerhin wurde ich nicht disqualifiziert, denn ich bin nicht in den Galopp gewechselt, sondern schön langsam getrabt.
Dann aber, im Skistadion auf Asphalt, ging es noch ein paar Runden ganz gut, natürlich nicht auf Langlaufskiern und zum Schießen am Biathlonstand hatte ich auch nichts dabei. Dafür habe ich aber eine fette Kreuzotter entdeckt, die sich in der Sonne wärmte. Tolles Tier, in Deutschland habe ich die letzte vor gefühlt 50 Jahren gesehen.




Wir fuhren von Molde Richtung Bud und nach kurzer Fahrt entdeckte ich ein Hinweisschild auf eine Entsorgungsstation. Kostenlos an einer Tankstelle. Klasse Service. Ein paar hundert Meter danach ein Rema 1000 Discounter. Da unser Salat und unsere Tomaten verputzt waren und wir auch Mineralwasser benötigten sind wir einkaufen gegangen. Das erste Mal in Norwegen. Wir haben mehr gekauft als geplant. Und vor allem waren wir sehr erstaunt über die Preise. Die waren gar nicht so exorbitant wie man allgemein hört. Lebensmittel sind zwar deutlich teurer als bei uns, aber verarmen wird hier niemand, nur weil er was zum Essen und Trinken kauft.
Dann kam die berühmte Atlantikstraße. Sie ist wirklich imposant und ein Beweis großer Ingenieurskunst.



Mit der Great Ocean Road kann sie mithalten, auch wenn sie nur einen Bruchteil so lang ist. Der starke Wind hat mich aber davon abgehalten von einer der Brücken auf Makrelen zu angeln, wie es im Reiseführer empfohlen wurde. An der Küste haben wir dann in der Sonne an einem kleinen Picknick Platz am Wasser gefrühstückt und die restliche Feuchtigkeit aus den Womoteppichen brennen lassen. Auf den blanken Felsen ging das ziemlich flott.

Bei einem kleinen Spaziergang haben wir unsere ersten Stockfischgestelle gesehen, die noch dazu gerade „abgeerntet“ wurden. Gegessen habe ich so etwas noch nie und wenn ich es mir recht überlege, ist mir frischer Fisch auch um Längen lieber.


Dann ging es weiter Richtung Kristiansund. Durch einen Unterwassertunnel. Sechs Kilometer lang und er geht runter auf 250 Meter Tiefe, Grusel, grusel...



Die Stadt interessierte uns weniger, daher sind wir dann mit der Fähre von Seivika nach Tømmervåg übergesetzt. Als 6m Mobil und mit Behindertenermäßigung sind die Fähren da oben nicht einmal teuer! Ich hatte es gleich zu Anfang einfach einmal probiert. Da ich einen Schwerbehindertenausweis habe, fragte ich nach Ermäßigung auf der Fähre. Von Preisnachlass bis kostenlos für die zweite Person haben wir alles erlebt.


... man beachte den Forumsaufkleber am Heck!

Die kurze Wartezeit an der Fähre habe ich mir mit ein paar Würfen mit der Angel vom Fähranleger verkürzt. Kaum zu glauben: nach 5, 6 Würfen mit einem kleinen Pilker hat der erste Pollack gebissen. Danach noch einer, der aber wieder ins Wasser durfte, da zu klein. Der größere wurde waidgerecht um die Ecke gebracht "...und diente so, auf diese Weise - keiner Ameise sondern uns als (Vor)speise" - frei nach Heinz Erhard.
Vorher hatten wir uns eine Route nach der Landung auf der Insel Tustna ausgeguckt. Nicht die Bundesstraße 680, sondern an der Südküste entlang eine kleine Straße. Natürlich in der Hoffnung auf einen gescheiten Freistehplatz. Den haben wir auch gefunden. Mit phantastischen Blick auf den Fjord und im Hintergrund schneebedeckte Berge.




Kitschig schön. Zwar parkte bereits ein Monster-4-Wheel-Drive-Lkw aus dem Kreis Steinfurt dort, aber es gab noch genug Platz für uns und wir konnten die Nachmittagssonne ausgiebig genießen.
Zum Abendessen gab es Kasslerkotletts vom Rema und als Vorspeise gebratenen Pollack.

Ende Teil 1!
Vielleicht erkannte der Eine oder Andere ja einen Ort. Hoffe es gefällt Euch und Ihr bekommt Lust auch mal da hoch zu fahren.
Es lohnt sich!
Bei Gelegenheit schreibe ich weiter!

Grüße in die Runde
Andreas

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rudisson am 08 Jul 2019 20:31:43

Schon mal ein Danke an der Stelle für den Bericht.
Die Tour werden wir in ein paar Jährchen auch machen. Die Infos sauge ich auf wie ein Schwamm. :top:

fritzi2015 am 08 Jul 2019 22:48:12

Hallo Spooky,
vielen Dank für Deinen Bericht und die herrlichen Bilder. Wir starten in ein paar Tagen zum ersten Mal nach Norwegen. Deine Wegpunkte stehen auch in meiner Planung und ich freue mich, all das mit eigenen Augen sehen zu können. Leider haben wir viel weniger Zeit und haben daher als nördlichsten Punkt Alesund festgelegt.
Ich bin gespannt auf Deinen weiteren Bericht und hoffe sehr bald von Dir zu lesen, denn Vorfreude ist ja bekanntlich mit die schönste Freude.
HG
Fritzi

egocogito am 08 Jul 2019 23:04:00

Hallo Spooky, ich habe gelesen, du bist Läufer. Wenn du noch einmal nach Mora kommst, laufe die Trainingsstrecken der Langläufer (im Sommer ohne Ski) im Stadion ab, sie sind ein wirkliches Erlebnis und Leckerbissen, die gehen von 5 bis 15km.

Danke jedenfalls für den Bericht.

fritzi2015 am 08 Jul 2019 23:35:23

Hier noch eine Info zur Maut...
"Nach der Ankunft, wir waren auch die Zweiten die rausfuhren, ging es Richtung Göteborg. Offenbar haben wir da die Maut geprellt. Wir hatten etwas blauäugig erwartet, dass es wie in Frankreich an einer Péage Station kassiert wird. War aber nicht. Jetzt hoffe ich, dass es wie in Norwegen automatisch in Rechnung gestellt wird, sonst kommt das dicke Ende noch als Bußgeldbescheid."
Mach Dir keine Sorgen, Du erhältst eine Rechnung nach Hause. Der Betrag ist die Post dafür nicht wert, aber Ordnung muss sein. Überweisung tätigen und schon ist alles geklärt. Wir hatten letztes Jahr Spaß an der Post.
Ich glaube auch noch was in Erinnerung zu haben, dass im Juli keine Maut erhoben wird. --> Link
Gruß fritzi

reisemobil.online.cx am 09 Jul 2019 07:38:05

Sehr schöner Bericht mit tollen Fotos. Danke!

Gruß Michael

Fahima am 09 Jul 2019 08:10:44

Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Bilder!

Wir fahren auch schon viele Jahre nach Norwegen, jetzt im August ist eigentlich Schweden geplant - aaaaaber .... die Tendenz geht schon wieder Richtung Norwegen und beim Anblick deiner schönen Fotos wird die Tendenz nur noch verstärkt :D

Viele Grüße
Antje

HaMo19 am 09 Jul 2019 08:13:06

Danke für die Berichterstattung und die schönen Fotos.

speeedi am 09 Jul 2019 08:25:47

:gut: :gut: :daumen2: :gut: :gut:

heidchen am 09 Jul 2019 08:30:44

Toller Bericht und tolle Fotos. Danke für's Mitnehmen. :top:

AndreasS am 09 Jul 2019 08:33:45

Guten Morgen,

ein toller Bericht mit super Fotos!

Ist es sinnvoll, dort selbst eventuell Mitte August einfach spontan hinzufahren, oder wird
es dort pickepacke voll sein?

LG

Fahima am 09 Jul 2019 09:44:00

AndreasS hat geschrieben:Ist es sinnvoll, dort selbst eventuell Mitte August einfach spontan hinzufahren, oder wird
es dort pickepacke voll sein?


Norwegen habe ich noch NIE pickepacke voll erlebt :mrgreen:

Vielleicht ist es um "Mittsommer" (Sankt-Hans-Fest) ein wenig voller, aber selbst zu dieser Zeit hatten wir noch nie Probleme ein gemütliches Plätzchen (Campingplatz, Stellplatz, am Hafen usw.) zu finden.
In Schweden ist es zu Mittsommer schon etwas voller (da sollte man eventuell reservieren oder vorher anfragen auf Campingplätzen). Aber Mitte August ist auch Schweden nicht voll.

Viele Grüße
Antje

rkopka am 09 Jul 2019 12:12:43

AndreasS hat geschrieben:Ist es sinnvoll, dort selbst eventuell Mitte August einfach spontan hinzufahren, oder wird es dort pickepacke voll sein?

Das ist dort(Norwegen) schon recht spät. D.h. viele CP sind schon zu oder nur begrenzt offen (selber erlebt). Auch Sehenswürdigkeiten haben teils schon kürzere Öffnungszeiten. Ab 1.September wird das nochmals deutlich schlimmer. In Schweden dagegen habe ich das weniger festgestellt. Da war ich aber auch nur in Stockholm am CP, und es war das meiste noch gut besucht.

RK

volkermuenster am 09 Jul 2019 13:04:53

Moin Andreas und Spooky Team,

von mir ein Daumen hoch für diesen Bericht und den Bildern!

Vielen lieben Dank das du uns mitnimmst!

Letztes Jahr um diese Zeit waren wir auch oben in Norwegen bis zu den Lofoten. Viele Bilder kommen mir bekannt vor. Hier kommen schöne Erinnerungen wieder hoch.... :-)

Danke. Mach bloss schnell weiter mit Teil 2, 3, 4, usw.!!!!!

Gruß

Volker

kleibeeke am 09 Jul 2019 13:16:25

Schöner Bericht und tolle Bilder. In vier Wochen geht's auch in den Norden.
Gruß
Walter

Ganzalleinunterhalter am 09 Jul 2019 13:17:16

Danke fürs mitnehmen, den tollen Bericht und die schönen Bilder. Freue mich schon auf den 2. Teil der Reise.
Einiges aus unserer Tour in 2017 wiedererkannt.

Henri1 am 09 Jul 2019 13:27:41

Moin
Ganz toller Bericht, danke dafür.
Mach schnell weiter.

TiborF am 09 Jul 2019 14:19:53

Als ebenfalls Skandinavien-Fan sag ich auch mal Danke für den schönen Reisebericht und die schönen Fotos dazu.
Da kriegt man Lust, sofort dort hinzufahren. Freue mich schon auf die Fortsetzung.

Spooky am 09 Jul 2019 18:05:17

Danke für die positiven Rückmeldungen! Wenn es Resonanz gibt, macht das Schreiben deutlich mehr Spaß.

Türen zu, anschnallen, es geht weiter!

12.6.19
Nachdem wir ausgiebig mit bester Aussicht gefrühstückt haben, ging es langsam weiter über Aukan, Richtung Aure. Die vielen kleinen Fjordbrücken luden zum Angeln ein. Bei mehreren Stopps an Brücken mit Gehwegen haben wir die Pilker ins Wasser gelassen und tatsächlich biss sehr schnell der erste Pollack. Wenig später mein erster Dorsch überhaupt, denn als Rhein- und Baggerseeangler hat man selten Gelegenheit zum Dorschangeln. Ein gutes Kilo wog er und hat ebenfalls eine sehr leckere Vorspeise abgegeben.


Ein weiterer Pollack konnte von der Brücke entkommen. Er war der größte aller bisherigen Pollacks und wohl noch schwerer als der Dorsch. Nachdem ich ihn von Haken gelöst hatte zappelte er noch einmal kräftig und da glitschig rutschte er mir aus den Fingern. Wie er den Weg durch den Regenwasserabfluss in der Fahrbahn so schnell finden konnte, ist mir rätselhaft. Den Köpper aus geschätzt 20 Metern Höhe hat er aber nicht überlebt und trieb langsam Richtung Meer. Nicht weit, denn dann hätte eine große Möwe den Leckerbissen entdeckt. Ich glaube aber nicht, dass sie ihn am Stück aus dem Wasser bekommen hat.
Irgendwo hatte ich von den wahnsinnig guten Angelmöglichkeiten auf der Insel Hitra gelesen. Da wollten wir dann mal gucken. Also los, etwas zeitverzögert durch viele Baustellen und dann durch den Hitra Tunnel, knapp sechs Klilometer lang und 260 Meter tief unter dem Meer. Es gibt schönere Erlebnisse.
Der Campingplatz, den wir uns ausgeguckt hatten ist für einen Angelurlaub sicherlich perfekt. Alles sehr sauber, aber vollkommen auf Angeln ausgerichtet


Wetterkapriolen unterwegs

Uns hat er folglich nicht so gut gefallen, weil wir kein Boot mieten wollten um raus zu fahren und das Meer konnten wir auch nicht sehen. Uferangeln ging nicht und dazu fing es auch noch an zu stürmen und zu regnen. Also blieben wir nur eine Nacht bei Burkhard, der sehr freundlich und hilfsbereit ist.
Da uns nicht nach Großstadt war, haben wir Trondheim ausgelassenen sind über Orkanger zur E6 und Richtung Süden gefahren. Angekommen sind wir auf dem Campingplatz Magalaupe, bei Driva, südlich von Oppdal. Sehr schön am Fluss gelegen und mit einem herrlichen Panorama auf die Berge des Dovrefjell. Für 195 Kronen kann man hier stehen pro Nacht. Wir wollen 2 Nächte bleiben und bekamen mit der ADAC Karte Rabatt, 20 Kronen - immerhin.




Stromschnellen unterhalb des Platzes

14.6.19
Der Wind hatte nachgelassen und die Sonne strahlte vom Himmel. Das Rauschen des Flusses hat uns nicht gestört. Im Gegenteil. Sogar ich habe bis 7:30 geschlafen und mich dann aus dem Womo geschlichen um eine Runde zu joggen. Entlang des Flusses ist es relativ eben und es ging ganz gut dafür, dass ich so faul war in den letzten Tagen. Nach dem Duschen und Frühstück wollte meine Holde lesen und die Sonne und den kilometerfreien Tag genießen. Ich habe mich dann noch einmal in den Wanderschuhen aufgemacht und bin ins Amotsdalen gewandert. 6 km bis dahin und dort dann in das geschützte Gebiet wo es allerlei Getier geben soll. Elche, Rentiere, Luchse, Vielfraße und Adler. Letzten habe ich sogar gesehen und fotografiert.




Wegweiser an einem Lokal


König der Lüfte

Der Rückweg streckte sich, denn langsam qualmten die Füße. Aber nach einem der letzten Biere und einem Nickerchen in der Sonne war alles wieder im Lot. Morgen geht es weiter Richtung Otta.

15.6.19
Vom schönen Campingplatz Magalaupe an der E6 fahren wir weiter Richtung Dombas und dort nicht wie bei der ersten Ortsdurchfahrt Richtung Andalsnes, sondern weiter Richtung Otta, denn das Ottatal wird in verschiedenen Reiseführern als äußerst sehenswert beschrieben. Wie Recht die Autoren haben! Durch schöne Täler entlang des Flusses, mal gestaut als ruhiger See, mal mit Stromschnellen und Katarakten, mal mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund, mal mit sanften Bergen wie im Allgäu. Und auch ein bisschen alte Wohnkultur gibt es zu bestaunen.



Wir besichtigen die Stabkirchen in Vagamo und in Lom, deren Grundsteine bereits in grauer Vorzeit gelegt worden sind, so um 1150.




Interessante Architektur im Inneren



Bleiben wollten wir in Lom jedoch noch nicht, und so rollten wir noch ein bisschen weiter. Dass dort herrliche Landschaften zu sehen waren verstehts sich von selbst. Wettermäßig waren wir rechte Glückspilze.


Müde vom Fahren und den tollen Eindrücken standen wir für die Nacht frei an einem herrlichen Wasserfall bei Billingen an der E15.



Das Rauschen des Wasserfalls und der Stromschnellen ist lauter als die Straße in Sichtweite, störte uns aber nicht. Neben uns stand ein Holländer, der offenbar Frust und Zerstörungsdrang hatte, denn er warf all die kleinen Steinpyramiden vor seinem Womo um, die andere Leute dort aufgebaut hatten. Muss man nicht verstehen, allerdings sind diese Steinhäufchen ja auch nicht für die Ewigkeit gedacht und der Nächste der eins bauen möchte hat Platz und Baumaterial.
Dann habe ich noch kurz die Wettervorhersage für Geiranger (ca. 50 km) gecheckt. Für den nächsten Morgen war jetzt Sonne statt grau wie bisher angekündigt. Das bedeutete: früh aufstehen, damit wir wieder vor den Bussen und Touristenströmen am Lookout Point sind...
Ach so, da wir zu sparsam Wein eingekauft und eingeführt haben, waren wir in Lom mal in einem Vinmonopolet gucken. Klar, alles teuer. Trotzdem habe ich zwei Flaschen Riesling erworben, so um die 12 Euro pro Flasche. Die gibt es bei uns bestimmt für ein Drittel oder die Hälfte. Aber sooo viel trinkt man auch nicht davon und auch daheim gönnt man sich ab und an einen guten Tropfen...

16.6.19
Das Vorhaben ist geglückt. Wir sind früh los und über die E15 und die 63 Richtung Geiranger. Einmal mehr beeindruckte uns die Landschaft. Wo der Fluss etwas gestaut und glatt war, spiegelten sich die teilweise noch schneebedeckten Berge.



Etwas weiter oben trieben noch die Eisschollen im See.


...schön zu fahren!

Dann erreichten wir den ersten Aussichtspunkt vor Geiranger und man hatte den bekannten Blick auf den Ort. Wie bestellt lagen auch zwei Kreuzfahrer im Fjord, einer direkt im Ort, einer ein Stück davor.



Auch wenn die nicht fahren stinken sie nach Dieselabgasen bis oben auf den Berg. Offenbar laufen irgendwelche Aggregate auch wenn die nicht fahren. Der Ort selbst ist relativ witzlos, aber überfüllt mit Touristen. Wir sind weiter die Serpentinen hoch zum Aussichtspunkt Ørnesvingen.


Links nach Geiranger


Rechts zu den 7 Schwestern

Wirklich großartig, aber nur bis 9 Uhr. Dann kommen die Busse, die alles rücksichtslos zuparken. Claudia hat sich kurzerhand vor einen Kreuzfahrerbus auf die Straße gestellt und diese blockiert. So konnte ich rückwärts zwischen zwei anderen Bussen auf die Fahrbahn ausparken und wir konnten weiter fahren zur Fähre nach Eidsdal und dann weiter Richtung Alesund. In Stordal haben wir am Hafen wieder geangelt. Mit Erfolg! Zwei schöne Köhler (=Seelachs) auf Pilker und später noch zwei fette Makrelen auf Paternoster.

...dabei bin ich der Angler!

Leider kam Regen auf, so dass wir von Alesund an diesem Abend noch nicht viel zu sehen bekommen haben. Übernachtet haben wir am Aquarium auf dem Parkplatz, der abends ab 18 Uhr fest in der Hand der Womoreisenden ist. Kein Wunder, denn er ist kostenlos im Gegensatz zum offiziellen Womoplatz, der 25 Euro kostet.

17.6.19
Den Womo Platz haben wir trotzdem angefahren, denn wir mussten dringend entsorgen. Zum ersten Mal überhaupt in den 11 Jahren in denen ich Spooky habe war die rote Warnlampe der Toilette angegangen. Jetzt weiß ich wenigstens, dass sie funktioniert. Als Erstes wollten wir uns Alesund in der Sonne vom Aussichtspunkt Aksla ansehen. Ein absolutes Muss! Eine herrliche Aussicht auf die Stadt und die Inseln. Die Zufahrt ist zwar schmal, aber so früh war auch kein Gegenverkehr.
Danach habe wir noch einen Stadtrundgang gemacht und die teilweise sehr schön restaurierten Fassaden angesehen. Auch das ist zu empfehlen.


Im Hafen lag die Viking Sky, die im März vor Norwegen havariert ist...



Unser weiterer Plan sah vor, die Insel Runde anzufahren um dort ein bisschen zu wandern und die Papageientaucher zu fotografieren. Doch vorher mussten tanken. Kaum zu glauben: 13,9 Kronen für den Liter! Sehr günstig für norwegische Verhältnisse.
Leider holte uns das Regenwetter wieder ein, so dass wir Runde gecancelt haben.Stattdessen haben einem winzigen Campingplatz bezogen, kurz nach der Abzweigung Richtung Runde. Es schüttete und an einen Aufenthalt im Freien war zunächst nicht zu denken.
Es hat dann doch noch ein bisschen aufgeklart und wir haben noch ein paar Würfe mit dem Pilker gemacht. Aber außer zwei Minipollacks ging aber nichts mehr an den Haken.
Früher gab es hier wohl mal eine Walfangstation. Zumindest haben sie eine alte Harpune ausgestellt.



Abends gab es noch ein bisschen Sonne

Immerhin gab es auf dem CP eine kleine Küche, in der ich den Seelachs und die Makrelen braten wollte. Denn wenn es sich anbietet, brate ich Fisch lieber draußen und nicht im Womo.


18.6.19
Mensch, was war der Fisch lecker! Da in der Küche auch ein Backofen war, habe ich umdisponiert und die Köhler und die Makrelen in Folie mit ein paar Kräutern gegart. Im eigenen Saft, kein bisschen trocken. Dazu Rosmarinkartoffeln und Salat. Es war natürlich viel zu viel, und einen Verdauungsschnaps hatten wir nicht an Bord. Aber beim nächsten Mal, man ist ja noch lernfähig.
Nach entsorgen und ein bisschen Fahrzeuginnenreinigung machten wir uns auf den Weg Richtung Westkap. Darüber hatten wir im Womo-Reiseführer gelesen. Es ist müßig die Schönheit der Landschaften zu beschreiben. Ein sensationeller Ausblick jagt den nächsten und hinter jeder Kuppe, jeder Kurve könnte man jauchzen vor Freude über die Aussicht.
Wir nahmen die Fähre von Arvik nach Koparnes. Trotz starkem Wind und teilweise dunklen Wolken war die Überfahrt ein Erlebnis mit toller Aussicht.




Wir fuhren dann nicht über die Hauptstraße 61, sondern rechts um die Insel herum auf der Fv2. Es war grandios.
Das rauhe Westkap ist klasse, die Straßen dahin nicht wirklich. Recht eng, aber mit genügend Ausweichstellen. Besonders die schmale einspurige Strecke hinauf zum Gipfel mit der Antennenkuppel hat es in sich. Spooky musste ganz schön arbeiten, aber oben war so ein kräftiger Wind, dass er sich schnell wieder abkühlt hat. Dafür wurden die Bremsen auf dem Weg runter wieder arg strapaziert. Größeren Mobilen würde ich die Fahrt da hoch nicht empfehlen.



Oben auf dem Kap...

... und von der Seite

Dann wollten wir über Maloy zum Kannenstein. Diese Straße ist aber noch enger und noch mehr befahren als andere Engpässe. Claudia geriet in Panik und hatte so gar keinen Spaß mehr daran, obwohl es keinerlei brenzlige Situationen gab. Die Norweger sind überwiegend sehr vorausschauend und rücksichtsvoll. Trotzdem drehte ich nach ein paar Kilometern um. Es hat ja keinen Wert, wenn Angst und Panik dem Partner die Fahrt versauen und viele schöne Dinge hatten wir an dem Tag ja schon gesehen.
Nach Maloy sind wir Richtung Raudeberg gefahren um einen Übernachtungsplatz zu suchen. Von der Straße konnte ich einen kleinen Jachthafen sehen. Die Zufahrt war nicht leicht auszumachen, aber ich bin ja ein alter Pfadfinder und kurz darauf standen wir ruhig und windgeschützt direkt am Fjord, wo wir unsere letzte Weinflasche geleert haben. Morgen müssen wir Tee trinken oder vorher in einem Vinmonopolet vorbei schauen...

In Kürze geht es weiter.

Julia10 am 09 Jul 2019 18:15:19

Vielen Dank fürs Mitnehmen. Norwegen ist ein soooo schönes Land. Mußte vor zwi Jahren auch den Urlaub dort wegen saumäßigem Wetter abbrechen. Werde aber auf jeden Fall die Strecke zu Ende fahren. Viele Dank für die vielen Hinweise :)

schlabuster-1 am 09 Jul 2019 21:04:27

Da habt ihr fast die gleiche Reise gemacht wie wir vor zwei Wochen, leider hat uns das schlechte Wetter auf den Lofoten und Narvik dann zur Umkehr veranlasst.
Eines kann man auf alle Fälle sagen, die Sehenswürdigkeiten die in Schlagweite von Kreuzfahrtschiffen sind kann man definitv nur noch früh morgens vor 10 Uhr oder nach 17 Uhr besuchen sonst wird man erdrückt.
Nach 10 Jahren dachten wir dass wir dem Geiranger wieder mal besuchen, kurz gesagt es war die Hölle! Drei Kreuzfahrtschiffe lagen im Fjord, oben die Aussichtsfläche rammelvoll, die Straße runter ins Dorf voller Fußgänger, das Dorf selber total von Menschenmassen überlaufen ! Nix wie weg über die Adlerstrasse dachten wir und kamen oben in ein Verkehrschaos ohne Ende, 12 Busse waren mehr oder weniger ineinander verkeilt so das rauf und runter mal für ne halbe Stunde nichts mehr ging. Wir sind nur noch auf und davon und haben dann den Rest der Reise die schönen Orte früh am Morgen oder eben am Abend besucht was ja Dank der langen Tage kein Problem ist.
Denn eins kann man sagen, Skandinavien ist immer noch eine Reise wert!
Danke fürs mitnehmen

Spooky am 09 Jul 2019 22:40:23

schlabuster-1 hat geschrieben:Eines kann man auf alle Fälle sagen, die Sehenswürdigkeiten die in Schlagweite von Kreuzfahrtschiffen sind kann man definitv nur noch früh morgens vor 10 Uhr oder nach 17 Uhr besuchen sonst wird man erdrückt.
Nach 10 Jahren dachten wir dass wir dem Geiranger wieder mal besuchen, kurz gesagt es war die Hölle...


Wie Recht du hast. Das betrifft aber auch andere Sehenswürdigkeiten, die nicht in Schlagweite der Kreuzfahrer liegen Ich stehe inzwischen lieber früh auf und starte meine Reise oder Besichtigungen. Ein Nickerchen am Mittag gleicht das Defizit aus.
Auf so ein Riesenschiff wird mich definitiv niemals jemand kriegen. Segeln jederzeit...
Gute Nacht!
Andreas

Klemme am 10 Jul 2019 08:56:14

Hallo,
auch ich verfolge gespannt deinen Reisebericht und hatte teilweise den Gedanken,wie ist er denn nur an meine Fotos ran gekommen? :D . Wir waren letztes Jahr dort und kommen definitiv wieder !
Gruß Andreas und macht bitte weiter so

Antarena am 10 Jul 2019 15:20:51

Danke für den Bericht und die Bilder, bei uns ist Norwegen viel zu lange her, merke ich immer wieder!

Spooky am 10 Jul 2019 21:34:59

So liebe Mitreisende,
leider müssen wir uns ins letzte Drittel der Skandinavien-Tour begeben.


19.6.19
Die Nacht am Jachthafen mit Blick auf die Fischereibetriebe am anderen Ufer war sehr ruhig, lediglich die heftigen Regenschauer auf dem Autodach haben uns ab und zu geweckt. Der erste Weg führte uns zur Entsorgung unter der Brücke von Maloy, dann über die E15 nach Nordfjordeid und mit der Fähre von Lote nach Anda.


...eine von tausend sehenswerten Stellen

Nicht ohne vorher ein bisschen Weißwein zu shoppen. Je weiter wir ins Landesinnere voran kamen, desto besser wurde das Wetter. Einige Stopps zum Angeln führten nur zum Materialverlust durch Hänger. Dann gibt's eben keinen Fisch. Dafür bekamen wir am Ufer Besuch von einer Ziegenherde, die neugierig beäugten, was wir da am Ufer so trieben.


was die mir wohl sagen wollte???

Der Weg führte uns weiter bis Fjærland. Vom Dorf aus kann man schon die Gletscher sehen, aber da es Claudia noch nicht wirklich gut ging, sind wir da nicht hoch gekraxelt. Obwohl es mich gejuckt hat.


Mit dem ewigen Eis ist es wohl in Kürze vorbei


Na denn Prost!

Der Ort ist ein einziges Antiquariat. Überall gibt es Stände mit alten Büchern. Wenn man was findet was einen interessiert, nimmt man es mit und kann es dann in der Touristinfo bezahlen.




Bei Laerdal sind auf einem großen geschotterten Parkplatz an der Fv243 direkt am Fjord gelandet. Perfekt. Bestimmt noch 10:andere Wohnmobile, aber auch ein Gespann und ein Camper mit Dachzelt sind hier auf dem kostenlosen Platz, den man passiert, wenn man nach Aurland und Flam aber nicht durch den Tunnel möchte. Ein weiterer Angelversuch blieb ohne Erfolg, sieht man von dem Seestern einmal ab, der dem Drilling meines Pilkers im Weg war. So gab es statt frischem Fisch Dosengulasch mit Bandnudeln und dazu eine riesen Schüssel Salat. Den Vergleich zwischen dem mittags gekauften Pfälzer Riesling und dem südafrikanischen Chardonnay gewann der Riesling klar.
Da die Wettervorhersage wieder mieses Wetter für die Region prophezeite, spielten wir mit dem Gedanken morgen Richtung Lillehammer und weiter Richtung Schweden zu fahren. Da war es eindeutig besser. Aber warten wir mal ab.

20.6.19
Ich schmeiße den Diesel an und wir machen uns auf eine spektakuläre Fahrt von Laerdal über die Passstraße nach Aurland. Teilweise sehr eng, aber dennoch gut zu fahren. Atemberaubende Aussichten, Wasserfälle, Seen, Schnee - wildes Norwegen.




Der Hammer ist der Aussichtspunkt oberhalb von Aurland. Man kann bis Flam in den Fjord sehen.

Eine wirklich gelungene, kühne Konstruktion

Flam selbst haben wir ausgelassen, Das Wetter...

Auch ohne Sonne sehenswert!

Bei der Abfahrt nach Aurland wusste der oder die FahrerIn eines alten BMW nicht, wie breit das Auto ist und fuhr fast in der Strassenmitte, ohne Anstalten zum Ausweichen zu machen. Ich musste so weit nach rechts ziehen, dass ich mir an der konischen Betonleitplanke (unten breiter als oben) eine kleine Schramme in die Plastikschürze gefahren habe. Nichts schlimmes passiert, aber mich ärgert eine solche Rücksichtslosigkeit. Eigentlich war die Straße an der Stelle breit genug für 2 Wohnmobile.
Die weitere Strecke und die Aussichten waren traumhaft, Schluchten wie ???


Der Grand Canyon kann nicht schöner sein...

Nicht so prickelnd sind die vielen, schlecht beleuchteten Tunnel bei der Weiterfahrt über die 50 nach Gol, die mehr an Bergbau erinnern als an Straßentunnel.
Der Weg führt uns weiter über Gol E7 Richtung Oslo. Eigentlich wollten wir nicht so weit fahren, fanden aber keinen schönen Übernachtungsplatz. Ein Versuch ein paar Kilometer von der Straße in ein Waldgebiet zu fahren, wo wir zunächst in absoluter Ruhe standen, wurde von aggressiven Mückenschwärmen rasch beendet. Obwohl die Fliegengitter alle zu waren, haben wir bestimmt 10 der Plagegeister innen erlegt. Da keine ruhige Nacht zu erwarten war, sind wir geflüchtet und noch bis kurz vor Honefoss gefahren. In der Nähe einer Schule, auf dem Parkplatz an einem antiken Gräberfeld haben wir eine ruhige und insektenfreie Nacht verbracht.

21.6.19
Wie erhofft und vorhergesagt scheint die Sonne am nächsten Morgen. Wir erledigen noch einige Einkäufe, tanken (14,1 Kronen/l) und spritzen an einer Waschanlage den groben Dreck vom Womo. Dann geht es vorbei an Oslo Richtung der Grenze nach Schweden. Kurz vor der Grenze musste ich kräftig in die Eisen gehen: Unser erster und einziger Elch kam ziemlich unvermittelt auf die Fahrbahn gelaufen. Blieb sogar stehen und er schien entrüstet, dass wir ihn erschreckt haben, obwohl das eher umgekehrt war. Auf der anderen Straßenseite blieb er noch einmal im Unterholz stehen und ich wette, wenn er es gekonnt hätte, hätte er uns den Stinkefinger gezeigt.





In Charlottenburg hinter der Grenze wollten wir noch eine Flasche Wein für die heutige Sonnenwendfeier kaufen, aber der Systembolaget im Einkaufszentrum hinter der Grenze war geschlossen. So gab es abends nur ein paar Dosen Leichtbier aus dem Supermarkt. Eigentlich wollten wir auf dem kostenfreien Stellplatz in Arvika hinter dem Bahnhof übernachten. Aber der ist gar nicht schön und zudem waren alle Plätze vorne am Wasser belegt und es stürmte heftig. So fuhren wir noch ein Stückchen weiter und haben einen rechten Glücksgriff getan. Am winzigen Jachthafen von Klässbol, einigermaßen windgeschützt hinter dem Klubhaus der Segler und mit Sicht auf den See haben wir genächtigt. Zwei Familien kamen noch vorbei und machten einen Abendspaziergang. Später noch zwei Mädels mit dem Rad und die sind tatsächlich baden gegangen! Die sind richtig hart da oben. Sonst ist nichts mehr passiert in der idyllischen Abgeschiedenheit.



22.6.19
Das war die bisher kürzeste Tagesetappe. Keine 40 Kilometer. Von Klässbol fuhren wir gemütlich Richtung Vänern See, kamen aber nur bis Nysäter, wo wir ein Hinweiszeichen auf einen Womoplatz sahen. Da wir die Entsorgung nutzen wollten steuerte ich den Platz an und wir waren positv überrascht. Der Stellplatz ist rund um einen Tennisplatz angeordnet, wo aber niemand spielte. Es hingen dort aber Leihschläger und auch Bälle lagen parat. Der Platz kostet 100 Kronen, hat Ent- und Versorgungsmöglichkeit, eine Dusche und Toiletten sind inklusiv, wie der Stromanschluss. So kam unser Kühlschrank zum zweiten Mal auf dieser Reise an den 220 Volt Anschluss.



Im Ort kauften wir deutlich preiswerter als in Norwegen ein und sogar das Dünnbier war bezahl- und trinkbar.
Auch eine Angelkarte kauften wir für 40 Kronen, denn der Platz liegt direkt an einem Fluss, der ein paar Kilometer weiter in einen See mündet. Da ich mit meiner Ausrüstung gänzlich auf Meeresangeln eingestellt war, gestaltete sich das Köderfischangeln etwas schwierig. Aber ich fand in meiner Kiste ein paar kleine, ungebundene Haken, eine Ersatzrolle mit dünner Schnur hatte ich auch. Ein bisschen altes Brot angefeuchtet und gut geknetet wurde zum Köderteig und dann ging es los. Jeder Wurf ein Biss, wobei der Haken doch etwas zu groß war. Dennoch konnten wir insgesamt 4 brauchbare Köderfische landen. Claudia hat mit geangelt und die hatte dann auch den Fang des Tages an der Angel: ein Rotauge von über 30 Zentimetern. Da passte die Hakengröße.
Nachmittags wurde dann erstmals der Cadac in Betrieb genommen und wir grillten Lammkotletts. Nach dem dicken Fisch als Vorspeise.
Obwohl der Kühlschrank meistens auf Gas lief und wir jeden Tag gekocht haben, waren noch zwei Kilo Gas in der Flasche. Zum Grillen mehr als genug. Wir hatten in Norwegen schon Bedenken, ob wir Gas nachkaufen müssen. Aber wenn man nicht heizt, kommt man ganz schön weit mit 2x11 Kilo.
Die angeblich zahlreichen Zander haben sich leider nicht für die Köderfische interessiert. Nur Claudia fing auf einen kleinen Spinner noch einen schönen Barsch, dem wir aber die Freiheit geschenkt haben. Nach ruhiger Nacht und Frühstück in der Sonne überlegten wir, wie wir weiter fahren.

23.6.19
Nachdem wir uns morgens noch das Wikingerschiff am Museum nebenan angesehen haben rollen wir weiter Richtung Süden.


Den Plan, auf dem Weg Richtung Göteborg einen Übernachtungsplatz am Meer zu finden haben wir aufgegeben, da an allen Plätzen übernachten verboten Schilder standen und es obendrein am Wasser nach verfaulenden Algen roch. So beschlossen wir bis in die Region nördlich von Malmö durchzufahren und in Bjärred zu übernachten auf einem Parkplatz am Badestrand.

Den kannten wir noch von unserem ersten Schwedenurlaub. Aber da Sonntag und herrliches Wetter war, war der gerappelt voll. So warteten wir zunächst auf dem Randstreifen einer Seitenstraße um dann gegen 20 Uhr umzuziehen. Da war dann Platz und Ruhe.... Allerdings nur bis gegen ein Uhr nachts. Dann kamen ein paar (für mich) verrückte Motorsportfans, die mit Fernlicht und durchdrehenden Reifen Schleuderübungen und Drifts machten. Da die Situation nicht sehr behaglich war und man nicht wusste, was kommt, habe ich vorsichtshalber die Dashcam aktiviert und das ganze gefilmt. Als die Verrückten das bemerkten, waren sie blitzartig verschwunden. Aber an Ruhe war nicht mehr zu denken, also sind wir nachts noch in ein Wohngebiet umgezogen und haben da noch ein paar Stunden geschlafen.

24.6.19
Wir hatten noch ein paar Kronen. Dafür haben wir wieder Zimtschnecken und Diesel gekauft. Dann ging es Richtung Öresundbrücke. Die Fahrt über diese Brücke ist immer wieder ein tolles Erlebnis. Da der schwedische Diesel recht teuer war und ich in Dänemark nicht noch einmal nachtanken wollte, bin ich schön sparsam mit den LKWs mitgeschwommen. Der Sprit reichte dann bis Flensburg, wo wir für 1,21 Euro den Tank randvoll gemacht haben. Danach führte uns der Weg nach Westerholz zum Stellplatz. Da waren wir ja auf der Hinfahrt schon. Abends könnten wir bei herrlichem Wetter Grillen, das letzte Dünnbier austrinken und einigermaßen ruhig schlafen.

25.6.19
Wir haben beschlossen, die Hitzewelle daheim am Ostseestrand auszusitzen.
Daher fuhren wir über Kappeln Richtung Eckernförde und haben uns den kleinen, etwas alternativ angehauchten Campingplatz Langholz ausgesucht. Zuvor waren wir am Ostseecamping Heide in Kleinwaabs und sind entsetzt weiter gefahren. Einchecken in zweispuriger Warteschleife, eigener Supermarkt, asphaltierte Wege und riesengroß. Als Überwiegendfreisteher war das nix für uns. Da waren wir in Langholz besser aufgehoben. Bei einer kühlen Brise in der ersten Reihe mit Blick auf´s Wasser, gab es erst mal Espresso und norwegische Kekse. 2 Tage wollten wir bleiben und dann mal sehen, ob Xanten noch steht oder inzwischen vertrocknet ist.


Zuhause 35 Grad? Juckt uns nicht!

26.,27.6.19
Der Platz ist klasse. Viele Camper mit alten VW Bussen, nette, überwiegend junge Leute und viele kleine Kinder, die aber überhaupt nicht nervig waren, im Gegenteil.
Ich habe endlich mein Geoheft von vorne bis hinten gelesen, Claudia ein dickes Buch. Unter der Markise war die Hitze gut auszuhalten. Nachmittags wurde allerdings der Wind so heftig, dass ich sie einrollen musste.
Dann fiel mir auf, dass das Bier nicht mehr kalt war. Claudia hatte den Kühlschrank auf 12 Volt statt 220 V gestellt. Bei meinem Modell muss das noch von Hand passieren. Alles war aufgetaut. Zwar noch kalt im Eisfach, aber einige Sachen haben wir dann doch entsorgt. Auch die Milch. Denn die war geronnen und der Schluck aus der Packung war widerlich.
Aber nach dem Ausspucken und Spülen und Nachspülen mit einem kräftigen Schluck inzwischen wieder kaltem Riesling habe ich überlebt. Am nächsten Morgen ging es langsam Richtung Lüneburg. Übernachtet haben wir diese Nacht Auf dem Stellplatz Brietlingen am Reihersee, kurz vor Lüneburg. 8 Euro, auf einem riesigen Gelände direkt am Wasser. Für die Entsorgung gibt es da einen Bodeneinlass, aber ohne Spülmöglichkeit für die Kassette. Strom haben wir nicht gehabt, die gesamte elektrische Versorgung bestand auch nur aus einer Kabeltrommel, die in der Nähe des Kiosks stand. Bei der Infrastruktur sind 8 Euro happig, aber wir hatten keine Lust weiter zu fahren..

28.6.19
In Lüneburg war ich in meiner Bundeswehrzeit mal stationiert. Ich habe nicht gedacht, dass man in 45 Jahren sooo viel vergisst. Klar habe ich einige markante Punkte in der Stadt wiedererkannt, aber dass die Altstadt und die Fußgängerzone so groß sind, hatte ich nicht mehr auf dem Schirm. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Von Lüneburg sind wir über Soltau durch wunderschöne Orte und Landschaften weiter bis an die Weser gefahren. Nienburg war unsere letzte Station, ebenfalls direkt am Wasser.
Zum Abendessen sind wir noch in die sehenswerte Stadt getappt, die Claudia schon nachmittags erkundet hatte, während ich ein Nickerchen gemacht habe. Endlich gab es ein frisch gezapftes Bier. Ein Genuss nach dem schwedischen Dünnbier aus der Dose! Den restlichen Abend haben wir vor dem Womo sitzend und mit dem Schweizer Nachbarn quatschend verbracht. Er stammt aus MV, war früher Fernfahrer und seit den 60ern Fahrlehrer in der Schweiz. Tolle Geschichten, die der nun 81 Jährige zu erzählen hatte. Er und seine Frau wollten die Ostsee umrunden. Auch eine Idee für den nächsten Sommer (???).

29.6.19
Wir haben die Heimfahrt angetreten. In aller Ruhe. In Minden haben wir noch einmal entsorgt und dann ging es bei gutem Wetter und wenig Verkehr an den Niederrhein. Nach rund 6500 Kilometern hat die Heimat uns wieder. Hier ist es auch ganz nett, aber der Entschluss im nächsten oder übernächsten Jahr wieder nach "oben" zu fahren und dann bis zu den Lofoten ist gefasst.
Wir freuen uns schon darauf!
Hoffe, es hat Euch Freude gemacht mitzureisen.
Bis bald!
Andreas

volkermuenster am 11 Jul 2019 20:09:41

Moin Andreas und das ganze Spooky Team,

nochmals ein positiv von mir für diesen sehr schön geschriebenen und bebilderten Bericht.
Da denke ich doch gerne an letztem Jahr in Norwegen (ging die RV17 hoch bis zu den Lofoten) zurück.


Hat Spass gemacht mitzufahren - ihr ward (wird das so geschrieben? Sieht irgendwie komisch aus) tolle Reiseleiter! :-)

Schöne Restwoche.

Gruß

Volker

Spooky am 11 Jul 2019 21:06:21

Hallo Volker,
danke für das Lob. Ich lese hier im Forum mehr, als ich dazu beitragen kann.
(Technisch und besonders elektrisch bin ich eher kein guter Ratgeber).
Daher mache ich mir gern die Mühe einen bebilderten Bericht einzustellen.
Und wenn er dann auch noch positiv bewertet wird, hat sich der Zeitaufwand doch gelohnt.

Viel Vorfreude für die nächsten Touren!
Andreas

rudisson am 11 Jul 2019 21:28:47

Danke Andreas!
Wir fahren in 6 Stunden Richtung Schweden - dein Bericht hat die Vorfreude ins Unermessliche steigen lassen. :kette:

Spooky am 11 Jul 2019 22:03:05

Gute Fahrt und traumhafte Erlebnisse!!
Andreas :top: :top:

Jonah am 13 Jul 2019 10:53:01

Ein toller Bericht, mir hat er ebenfalls sehr gut gefallen, vielen Dank dafür.

sternleinzähler am 13 Jul 2019 22:48:42

Eigentlich wollten wir nicht mehr nach N fahren,
(da wir uns 2018 auf Grund der Preissteigerungen auf vielen Stellplätzen die in den vergangenen Jahren stattgefunden hat sehr abgezockt vorkamen)
dein Bericht lässt unser Einstellung aber wanken!! :oops:
Danke dafür.

TiborF am 14 Jul 2019 10:29:03

Großes Lob Andreas für den wundervollen Reisebericht. :respekt:
Und Norwegen und Schweden zu bereisen, ist immer sehr aufregend und es gibt auch nach mehreren Reisen dorthin immer noch so viel neues zu entdecken.

Klar sind die Preise höher als bei uns in Deutschland, aber die wunderschöne Landschaft entschädigt einen dann in dem man sich etwas einschränkt und eben "gesünder" lebt - weniger Alkohol tut so manchem gut, auch wenn es oftmals schwer ist, das einzusehen. :mrgreen:

womifahrer am 14 Jul 2019 11:08:29

Hallo,einfach Klasse wir sind praktisch mit gefahren,danke

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