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Schottlandrunde 2019 - Lots of Scottish Sunshine


Tinduck am 03 Sep 2019 08:15:59

26.07.2019 Dortmund => Bergues

Heute sollte es losgehen in Richtung Calais, um diesmal mit dem Euroshuttle durch den Tunnel nach England zu gelangen. Das Womo hatten wir schon weitestgehend vorbereitet.

Auf dem Weg von der Arbeit zurück nach Hause (halbe Schicht) dann das erste Problemchen. Meine Frau ruft an und teilt mir mit, dass der Reisepass unseres Ältesten abgelaufen ist. Kurzer Anruf bei den Bürgerdiensten Dortmund: nein, schon alles geschlossen, frühester Termin nächsten Donnerstag... na prost. Dann die 0800-Nummer der Bundespolizei angerufen und siehe da, wir sind nicht die Ersten :-) und es ist eigentlich ganz einfach. Zuständig ist die Bundespolizeibehörde an dem Ort, wo die Bundesrepublik verlassen wird. Da wir bei Venlo über die Grenze fahren wollen, ist das Bundespolizeirevier Kempen zuständig, die haben 24/7 geöffnet und da wird uns geholfen.

Während meine Frau sich fertig macht, packe ich noch Restsachen ins Womo und bastele, weil der Kühli aus dem letzten Loch pfeift (35 Grad im Schatten und Sonne auf die Kühlschrankseite), noch schnell eine Zwangsbelüftung --> Link. Funktioniert super, nach Installation sinkt die Temperatur im Kühlschrank langsam.

Wir fahren gegen 16:00 los und treffen dann gegen 17:30 am Bundespolizeirevier Kempen ein, wo uns für 8 Euro völlig problemlos ein vorläufiger Reisepass für unseren Großen ausgestellt wird. Das ist mal ein Service für den Bundesbürger, der funktioniert!

Nach der kurzen Verzögerung sind wir wieder auf der Strecke und weil es schon so spät ist, gibt es weder in Eindhoven noch in Antwerpen den üblichen Stau. So treffen wir gegen 21:30 auf dem Stellplatz in Bergues --> Link ein, den wir uns für die Nacht ausgesucht haben, und bekommen diesmal sogar noch eine Lücke.

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27.07.2019 Bergues => Pateley Bridge

Wir brechen gegen 08:30 wieder von Bergues auf, um rechtzeitig unser Channel Shuttle zu erwischen. Man kann ja früher mitfahren, wenn was frei ist (bis zu zwei Stunden), und das klappt auch; schon beim automatischen Check-In kann ich einen Zug aussuchen, der eine halbe Stunde früher fährt als unser Abfahrtstermin. Perfekt.

Wir sind kaum in der Warteschlange angekommen, als das Verladen auch schon beginnt, und so fahren wir auf den Zug. Das geht gegenüber der Fähre alles ungewohnt 'zügig', ha. Der Zug fährt los, und wir frühstücken unter dem Ärmelkanal, mal was Anderes.

Video Auffahrt auf den Euroshuttle-Zug (YT): --> Link

Vom Zug runter gehts bei miesem Wetter (Dauerregen) erstmal über die M20 in Richtung Dartford Crossing, wo wir ja vom letzten Jahr noch registriert sind (hat auch wieder problemlos geklappt mit der Abbuchung). Dort wird es zum ersten Mal ein wenig stauig, die Engländer scheinen auch Ferien zu haben...

Weiter gings Richtung Norden (mit einem kurzen Stop bei einem Tesco, um britische Lebensmittel und Diesel zu bunkern). Hinter Leeds suchten wir uns per Search4sites eine Übernachtungsmöglichkeit raus, mitten im Nationalpark in der Nähe von Pateley Bridge. Der Parkplatz gehört zu einer künstlerischen Installation (The Coldstone Cut), welche den Toft Gate Lime Kiln (Kalksteinbruch) überschaut. Der Parkplatz ist nicht gerade eben, aber es geht... und wie so oft an Search4sites-Plätzen, ist man auch nicht allein --> Link.

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Der Blick auf den Steinbruch und das Kunstwerk sind übrigens sehr zu empfehlen, und bei besserem Wetter hat man auch einen tollen Blick von da oben.

28.07.2019 Pateley Bridge => New Abbey

Da wir unsere Schottland-Runde im Osten beginnen wollten, ging es weiter in Richtung Nordosten. Auf dem Weg liegt Gretna Green, was die Kinder natürlich sehen wollten, zusammen mit der romantischen Geschichte dahinter.

Das Ganze ist inzwischen sehr touristisch (2005 war es noch nicht so 'schlimm'), aber immerhin gibt es einen großzügigen Parkplatz, so dass wir uns komfortabel hinstellen konnten, und eine freie Holzbank lud zum Mittagessen ein. Danach schauten wir uns die alte Schmiede an und wühlten uns durch die Souvenirgeschäfte, allerdings ohne irgendwie was Passendes zu finden.

Danach gings noch kurz in das benachbarte Outlet Center, wir mussten nämlich noch unseren Vorrat an Regenklamotten aufstocken. Da es dort eine Niederlassung des Mountain Warehouses gab, wurden wir schnell fündig. Es gab (eher günstige) Wanderschuhe für die ganze Familie, dazu Regenhosen für die Kinder und eine Regenjacke für Papa. Damit sollte dieser Urlaub nicht total ins Wasser fallen!

Der Abend nahte, und unsere Wahl bezüglich des Übernachtungsplatzes fiel auf den Parkplatz der Sweetheart Abbey in New Abbey. Abteiruine und Friedhof sind wirklich einen Besuch wert, und der kleine Ort ist auch nett. Auf dem Parkplatz der Abtei kann man direkt neben dem Bowling Club schön übernachten, bei himmlischer Ruhe. --> Link

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29.07.2019 New Abbey => Tarbet

Jetzt war erstmal Entsorgung angesagt, nach 3 Tagen waren 1,5 Klokassetten voll und der Abwassertank sowieso. Gesucht, gesucht - die nächste Entsorgungsstelle ist auf einem Stellplatz bei einem Schloss, ca. 20 Minuten Fahrt entfernt. Also dahin und juchhu, man kann da tatsächlich entsorgen (was in Schottland nicht so einfach ist). Allerdings ist der Grauwasser-Ablass nicht mit dem Fahrzeug erreichbar, also Eimern... bei schönem Schlammboden, herrlich. Klokassetten auch noch geleert, Frischwasser nachgetankt und ein Pfund in die Honesty Box. Noch kurz Schlauch und Eimer reinigen und dann ging es weiter in Richtung Glasgow, welches wir aber links liegen ließen und bis zum Loch Lomond weiterfuhren. Dort kann man in Tarbet fast direkt am Loch stehen --> Link, was wir dann auch taten. Leider war das Wetter nicht so prall, weswegen der Ausblick mau und weitere Aktivitäten unattraktriv waren.

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30.07.2019 Tarbet => Mallaig

Wir entschieden uns am nächsten Tag nach einem Spaziergang am Loch, direkt nach Fort William zu fahren. Auf dem Weg dahin machten wir Pause an einem sehr malerischen Loch im Glencoe:

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Da könnte man auch über Nacht stehen, ist allerdings in der Nähe der vielbefahrenen Straße.

In Fort William gings erstmal zum Aldi und dann weiter zu Neptunes Staircase, eine Staffel von 8 Schleusen hintereinander, die den Caledonian Canal hier bis auf Meereslevel hinunterbringen. Immerhin gabs von hier aus auch mal einen klaren Blick auf den Ben Nevis, Großbritanniens höchster Berg.

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Auf dem Parkplatz steht leider ein 'No Overnight Parking'-Schild, sonst wären wir vielleicht über Nacht hiergeblieben. So fuhren wir weiter nach Glennfinnan, wo einerseits am Ufer des Lochs das Denkmal steht, dass die Landungsstelle von Bonnie Prince Charlie markiert (er führte den letzten Aufstand der Schotten gegen die Engländer an) und andererseits verläuft auf der anderen Seite die Eisenbahnbrücke, die aus den Harry-Potter-Filmen bekannt ist. Beides wurde fotografiert, im Souvenirshop noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft und dann ging es weiter in Richtung Mallaig.

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Dort gibt es in einer kleinen Nebenstrasse auf dem Hügel einen winzigen Parkplatz für 3 Autos oder 2 Wohnmobile, 200 m von der Hauptstrasse weg --> Link. Dort haben wir sehr ruhig übernachtet und wollten am nächsten Morgen mit der Fähre nach Skye übersetzen.

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31.07.2019 Mallaig => Dunvegan

Wollten. Als ich am nächsten Morgen im Fährterminal stand und auf das Geständnis, nicht reserviert zu haben, die Antwort bekam: 'Next free slot is at 5 pm', wurde uns klar, dass wir hätten vorbuchen sollen. Aber egal, ist ja nur 2 h Autofahrt bis zum Kyle of Lochalsh, da stellen wir uns bestimmt nicht 9 Stunden auf die Pier und warten....

So fuhren wir wieder lustig zurück bis Fort William und von dort aus an Loch Lochy entlang in Richtung Kyle of Lochalsh.

Zirka 10 Meilen vorher stand links an einer Einmündung plötzlich ein Schild 'Alternate Ferry to Skye - 9 miles', was uns nicht lange fackeln ließ. Rein da und los gings über 9 lustige Meilen Single Track mit Steigungen und Gefällen bis ca. 20%, über einen Pass mit grandiosem Ausblick und wieder hinunter nach Glenelg, wo die alte Glenelg - Kylerhea Ferry auf uns wartete. Das ist die betagte 'Glenachulish', die letzte Fähre in Schottland mit per Muskelkraft bewegtem Schwenktisch. Sie bietet Platz für 4 PKW und fährt nur 10 Minuten rüber nach Skye, aber die Meerenge dort hat es wirklich in sich, eine einzige Sammlung von Strudeln, Felsen und - Seeottern.

Erstmal mussten wir allerdings die Mittagspause der Fährleute abwarten. Dann durften wir für 25 Pfund auf die Fähre fahren - und ein Cali passte auch noch mit drauf, wenn auch knapp.

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Link zum YT-Video: --> Link

War schon recht interessant, wie die Fähre an Tiefgang gewann und resultierend sich der Tisch drehte, als ich drauffuhr... ging aber alles gut, trotz Hecküberhang und so.

Auf der anderen Seite angekommen, ging es noch mal 7 Meilen auf Single Track durch die wilde Berglandschaft im Osten Skyes.

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Nach einem kurzen Halt in Broadford zur Orientierung buchten wir Online den Kinloch Campsite in Dunvegan, wo wir erstmal verschnaufen und uns ein wenig erholen wollten. Den Platz kannten wir noch von unserer 2005er Tour.

Dort angekommen, bekamen wir einen Platz mit schöner Aussicht auf MacLeods Tables zugewiesen, mit 23 Pfund pro Nacht auch ganz OK im Preis. Wir buchten erstmal 2 Tage.

01.-02.08.2019 Dunvegan

Wir blieben erstmal auf dem Campingplatz, das Wetter war schön, die Kinder hatten Spielkameraden gefunden - was will man mehr. Ich nutzte die Gelegenheit zu einem 14-km-Lauf, merkte aber, dass das ohne Wanderwege irgendwie doof ist - immer an der Straße entlang, und bei Single Track musste man öfter mal in die Büsche hüpfen, wenn der Gegenverkehr unglücklich zusammentraf.

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Einer unserer Nachbarn - auch ein Deutscher - beklagte sich, dass die Solaranlage auf seinem Mobil (gebraucht gekauft) nicht funktioniere. Ich bot mich an, das mal zu checken. Am Solarcontroller Spannungen gemessen - Eingang OK, Panels gehen also. Der Ausgang lieferte merkwürdig hohe Werte, und an den Batterien, sowohl Bord als auch Start, kam nix an. Nach einigem Suchen fand ich am EBL einen leeren Sicherungssockel, unter dem 'Solar' stand - eine 15-A-Sicherung eingesetzt, und plötzlich ging der Solarcontroller von 'Batt full' auf 'Load'... und die Spannungen am Ausgang waren auch plausibel. Offensichtlich floatete der Solarcontroller ohne Anschluss zur Batterie so vor sich hin. Hatte wohl der Vorbesitzer oder der Händler mal die Sicherung gezogen (warum auch immer) und dann nicht wieder eingesetzt... noch ein Argument, seine Solaranlage nicht über den EBL anzuschließen.

Eines fiel uns bei unserem Aufenthalt auf dem Kinloch Campsite schnell auf: Auf Skye kommen auf ein Womo in Privatbesitz ca. 4-5 Mietmobile. Bunk Campers, McRent, Escotia Campers, Space Ships und wie sie alle heißen, der Platz war voll davon. Offensichtlich ist Skye eines der Lieblingsziele in Schottland... na ja, wir waren ja auch da.

03.08.2019: Dunvegan => Carbost

Heute stand 'der Rest von Skye' auf dem Plan, und so fuhren wir nach Ver- und Entsorgung in Richtung Old man of Storr. Dort angekommen, hatten wir das Glück, eine ausreichend große Lücke auf dem Parkplatz am Straßenrand zu bekommen (pay and display). Allerdings erkannten wir die Gegend kaum wieder: 2005 war der Parkplatz umgeben von dichtem Wald, und man kam erst auf halber Höhe zum Old Man aus dem Wald raus - jetzt ist da alles ratzekahl abgeholzt. Nach einer Quelle im Netz wurde das gemacht, weil die angepflanzte Monokultur dort sowieso aus den falschen Bäumen bestand, die im Klima nicht richtig gedeihen und auf dem felsigen Boden kaum Halt fanden. Die Wiederaufforstung ist mit einheimischen Arten vorgesehen, außerdem sollen unten an der Straße auch für den Touristenandrang adäquate Einrichtungen geschaffen werden. Mal sehen.

Die beste Ehefrau von allen hatte keine Lust auf den Hike hoch zum Alten Mann, und so zogen die Kinder und ich unsere neuen Wanderschuhe an und warfen uns um die Schlacht am Old Man of Storr, um uns gegen die japanischen Massen den Berg hinaufzuarbeiten.

Nee im Ernst, war schon ziemlich voll da. Wir sind auch nur bis zur Fotolocation hochgelaufen (was aber schweißtreibend genug war bei dem schönen Wetter), haben da noch einen Geocache gehoben (so gut um die Ecke gelegt, dass es da menschenleer war), den wir schon 2005 als First-to-find gefunden hatten, und machten eine kurze Pause mit atemberaubender Aussicht.

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Dann gings wieder runter zum Womo, und nach einem kurzen Snack fuhren wir weiter zum Kilt Rock, wo auf dem Parkplatz auch schon wieder die Luzie tobte. Trotzdem noch ein Plätzchen gefunden, kurz fotografiert (auch den obligatorischen Dudelsackspieler, aber der war wirklich gut und hat auch ein Pfund dafür bekommen) und wieder weg.

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Nächster Stop war Portree. Wir flanierten durch das wirklich niedliche Örtchen, aßen ein Eis und danach unten am Hafen Fish and Chips. Wir kannten das Spielchen mit den Möwen schon und beugten uns gut über unsere Portionen, andere waren sorgloser und wurden Opfer der Seagull-Standardattacke:

- mehrere Scheinanflüge auf den Kopf aus verschiedenen Richtungen

- gezielter High-Speed-Anflug auf die Essensportion

- gemeinsames Verspeisen der vor Schreck fallengelassenen Fish-and-Chips

Wir haben in den 10 Minuten, die wir gegessen haben, zwei solcher Spektakel beobachtet. Echt unterhaltsam, wenn auch teuer für die Opfer.

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Nachdem alle satt waren und alle Fotos gemacht wurden, fuhren wir ab in Richtung Fairy Pools, die wir am nächsten Tag noch besuchen wollten. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz fiel uns auf, dass an der Hauptstraße sämtliche Parkbuchten voll belegt waren - entweder mit Mietmobilen oder mit Autos, und 10 m von der Straße weg standen dann die Zelte auf der Wiese. Es waren echt Massen von Leuten, die da frei campten. Bin mir nicht sicher, ob das auf Skye noch lange erlaubt bleibt!

Wir fanden unser Fleckchen in der Nähe von Carbost, an sich ein ganz guter Platz, der durch einen kleinen Wall von der Straße abgetrennt war. War zwar etwas vermüllt (Feuerstelle garniert mit Schnapsflaschen), aber na ja.

Beim Aussteigen wurde ich allerdings fast von einer schwarzen Wolke Midgets davongetragen, sapperlot. Schnell rein ins Womo, alle Schotten dicht - die Viecher kommen ja auch durch die Standard-Fliegengitter.

Nachdem drinnen alles erlegt war, was reingekommen war, gings dann. Aber so ohne offene Fenster wurde es schon etwas stickig... war dann keine ganz so tolle Übernachtung. Zumal gegen 24:00 dann auch noch Zelter ankamen, die mit großem Hallo ihre Zelte aufbauten. Bis da Ruhe war, verging auch einige Zeit... wir haben auf jeden Fall zugesehen, dass wir am nächsten Morgen schnell wegkamen, der Platz ist nicht zu empfehlen.

04.08.2019: Carbost => Glenshiel

Der Tag begann wieder mit Nieselregen, der sich langsam verdichtete - nicht unbedingt das Traumwetter für die Fairy Pools, aber wie drückte es die Parkplatzwächterin aus, als sie die 8 Pfund Parkgebühr kassierte? 'You'll get a nice mystic atmosphere there with that kind of weather!' Schaun mer mal.

Erstmal mussten sich alle in Regensachen und lange Hosen schmeißen, weil an den Pools wohl auch Midget-Warnstufe Rot herrscht, wenn kein Wind ist. Und da der Regen senkrecht fiel... dann noch die Wanderschuhe an und los.

Der Weg zu den Pools war schon gut besucht, obwohl der Parkplatz noch nicht mal zu einem Drittel voll war und noch kein Reisebus da. Midgets gab es zum Glück nur an ein paar Stellen, wo mehr Buschwerk war, ansonsten gings. Und die Pools sind wirklich sehenswert, das Wasser ist schon fast unwirklich klar und die ganzen kleinen Wasserfälle auch sehr idyllisch.

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Zurück am Mobil schälten wir uns erstmal aus den nassen Klamotten, ich bürstete die Wanderschuhe ab, und danach gings wieder hoch nach Carbost und dann über Broadford nach Elgol. Die Fahrt dorthin ist auch größtenteils Single Track und führt um einige Buchten und über einige Berge, bis man dann in Elgol ist. Hier hat man zum Hafen runter erstmal das steilste Straßengefälle auf Skye zu bewältigen (über 20%), man wird dafür aber mit dem echt süßen kleinen Hafen und der Aussicht auf die 'schwarzen Berge' belohnt.

Vom oberen Teil des Hafenparkplatzes hat man eine schöne Aussicht, und dort aßen wir erstmal zu Mittag. Danach gings noch in den kleinen Souvenirshop, wo man uns partout eine Fahrt mit dem Boot rüber in die Berge aufschwatzen wollte. Aber für 5 Personen dann ca. 80 Pfund für das Sichten von ein paar Seeottern zu zahlen, die wir auf der Glenelg-Fähre auch schon gesehen hatten, schien uns wenig verlockend. Dann lieber nächstes Jahr in Norwegen ne richtige Whale-Watching-Tour...

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Die Steigung wieder hochzukommen, erwies sich leichter als erwartet. Ich hatte vom letzten Mal mit dem kleinen Bürstner noch den 1. Gang und radierende Vorderräder im Gedächtnis (die Straße war wie fast immer nass), aber diesmal mit dem Heckantrieb ging es ganz locker im 2. Gang wie von selbst hoch.

Auf der Rückfahrt nach Broadford gab es noch einen kleinen Stop an einem idyllischen Friedhof, und dann ging es nach einer Tankpause in Richtung Kyle of Lochalsh, wo wir uns für dieses Mal von Skye verabschiedeten.

An der Straße in Richtung Ullapool trifft man dann fast automatisch auf das bekannte Eilean Donan Castle, welches unter anderem im Film 'Highlander' als Kulisse diente und vor allem durch seine Lage mitten im Loch und durch die bei Flut umspülte, lange steinerne Zugangsbrücke bekannt ist. Das Parken war - wie oft in Schottland an solchen historischen Sehenswürdigkeiten - umsonst, und wir konnten ein paar nette Schnappschüsse vom Castle machen. Die Kinder bekamen noch ein Eis, und dann ging es auf, einen Übernachtungsplatz suchen.

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Den fanden wir ein paar Kilometer weiter die Straße hinauf. Am Ende des Lochs führt eine Brücke darüber, und kurz vorher links rein und dann einen halben Kilometer weiter ist der Parkplatz eines Friedhofs, wo man sehr schön mit Blick in die Berge steht --> Link.

Dort richteten wir uns ein und konnten noch einen schönen Abend bei gutem Wetter genießen.

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05.08.2019 Glenshiel => Durness

Am nächsten Morgen ging ich mit den Kindern noch die 2 Kilometer in Richtung Campingplatz (Club Site), wo 2 Geocaches versteckt lagen. Die waren schnell gefunden, und als wir zurückkamen, war das Womo wieder abfahrbereit und wir konnten los.

Für heute stand erstmal Ullapool auf dem Programm, eine nette kleine Hafenstadt.

Auf dem Weg hielten wir noch bei einem Staudamm, in dem locker 20 m Wasser fehlten, bis der Pegelmesser überhaupt anfing. Merkwürdig, bei dem ganzen Regen hier... der Damm hatte auch das best-gesicherte Zugangstor der Welt würde ich wetten. Siehe Bild.

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Wir fanden am Ziel einen 2-Stunden-Parkplatz direkt an der Hafenpromenade und starteten zu einem Erkundungsspaziergang.

Gerade lag ein Kreuzfahrtschiff der norwegischen Viking-Linie im Hafen, und die Kinder konnten gar nicht genug von den hin- und herfahrenden Tendern bekommen, die die Passagiere an Land brachten. Entsprechend war auch in den Geschäften und Cafes am Hafen einiges los. Mir gelang es wieder nicht, eine Schottische Flagge im Format 2 x 3 Fuß aufzutreiben ('There ain't no flag with that size', meinte einer der Souvenir-Verkäufer zu mir), und so gingen wir zurück zum Womo und fuhren zum Tesco's, um unsere Vorräte wieder aufzustocken.

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In Ullapool gibts einen CP und man kann wohl auf dem Großparkplatz neben dem Tesco's auch über Nacht umsonst stehen, aber das schien uns nicht so verlockend, wir wollten die Nacht auf dem CP Sango Sands in Durness verbringen. Dort waren wir bei der letzten Schottland-Tour auch, der CP liegt oben auf den Klippen direkt an einem tollen Strand. Wir schickten eine Reservierungsanfrage per Internet raus, bekamen aber nur zur Antwort 'Kommt vorbei, wird schon passen'. Na gut, mal sehen.

Die Fahrt dorthin war interessent; um Ullapool ist ja viel Wald, man sieht sogar Redwoods an der Straße stehen. Weiter nach Norden wird es dann immer karger, die niedrige Highland-Vegetation nimmt zu, und die Besiedelungsdichte stark ab.

Einen kurzen Stop gab es noch bei Ardvreck Castle bzw. dessen Ruine. Es gab aber nur ein kurzes Foto, weil Midget-Warnstufe Purpur war. Aufenthalt im Freien nicht zu empfehlen...

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In Durness angekommen, fuhren wir zum CP. Ich hatt noch nicht ganz die Tür auf, da kam der Besitzer schon rausgesprungen und sagte mir, dass kein Platz mehr wäre. Auf meinen fragenden Blick auf die zahlreichen freien Plätze auf den Wiesen erklärte er, es gäbe jetzt schon Probleme mit kalten Duschen und Schlangen vor dem Klo, deshalb würde er keinen weiteren Gäste aufnehmen. Unser Hinweis auf die Mail generierte nur ein Schulterzucken. Auf die Frage, ob wir wenigstens Ver- und Entsorgen könnten, meinte er 'Yes, for 10 Pounds.' - wir verzichteten dankend, für eine Übernachtung müsste es noch reichen.

Später trafen wir noch ein älteres Paar, die trotz bestätigter Reservierung abgewiesen wurden, weil sie erst um 17:15 eintrafen. Merkwürdige Platzpolitik, aber hier oben kann man sichs wohl leisten, weil es nicht viele CPs gibt. Wir werden dort wohl nicht mehr absteigen. Jemanden abzuweisen, weil voll - kein Problem. Aber dann 10 Pfund für V/E haben wollen, fanden wir unverschämt - und sämtliche Briten, denen ich es hinterher erzählte, auch.

Tja, was nun. Wir entschieden, weiter in Richtung Westen zu fahren (wurden dabei noch von 2 Mobilen überholt), und kamen am Ende der Straße zu einem Parkplatz an einem Friedhof, wo wir erstmal einen Platz fanden. Ein kurzer Spaziergang klärte, dass weiter hinten noch der Parkplatz des lokalen Golfclubs war, der aber ein 'No overnight parking'-Schild hatte. Allerdings war auf dem Weg dorthin noch ein Platz in einer Haltebucht frei, dort war Platz für 2 Mobile, es stand aber erst einer dort. Also flugs wieder ins Mobil (inzwischen kamen weitere Ankömmlinge), rein in die Straße, auf dem Golfparkplatz gedreht und rin in die Haltebucht. Puh.

Lohn der Mühe war ein Stellplatz 5 m vom Strand entfernt (bei Ebbe), bei Flut gabs Wellenrauschen frei Haus und die Aussicht war unbezahlbar.

Insgesamt standen jetzt 5 Mobile in der Straße zum Golfplatz und nochmal fünf auf dem Friedhofsparkplatz, es wurde langsam eng, aber der Strom der ankommenden Mobile war dann auch versiegt. Allerdings ging eine Stunde später das gleiche mit den Zeltern los, davon quetschten sich noch einige auf den Parkplatz und schlugen ihre Zelte oberhalb des Strandes auf. Abends kam dann noch die Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene, quetschte sich durch bis zum Golfplatz, kehrt Marsch, dann einmal auf den Strand, und dann unverrichteter Dinge wieder weg. Ein Brite, mit dem ich am nächsten morgen quatschte, erklärte, dass die Feuerwehr hier oben immer käme, auch wenn die Polizei gerufen wird - Polizei gibts hier nämlich nicht mehr, Sparmaßnahmen. OK...

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Weiter gehts im zweiten Teil, wegen der Zeichenbegrenzung!

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Tinduck am 03 Sep 2019 08:32:55

06.08.2019 Durness => John O'Groats

Das Wellenrauschen weckte uns am nächsten Morgen, und nach dem Frühstück musste ich mein Versprechen einlösen, mit den Kindern an diesem schönen Strand ins Wasser zu gehen. Eine kurze Fuß-Probe am Abend vorher hatte schon sehr erfrischende Temperaturen ergeben, ich würde mal schätzen so um die 10 Grad...

Also rein in die Neos und ab ins Wasser. Ich hatte einen mit langen Beinen und kurzen Armen, der ging, bis die Arme ins Wasser kamen - nach 30 Sec. fingen sie an, taub zu werden, unglaublich. Wir hielten es etwa 5 Minuten im Wasser aus, einmal untertauchen war natürlich Ehrensache, und dann ging es schleunigst zurück zum Womo, wo die improvisierte Aussendusche schon auf uns wartete.

Ich hatte nämlich noch ein Gardena-Anschlussstück im Werkzeugkoffer, das auf den Anschluss unseres Duschschlauches passte. Also flugs umgeschraubt, Wasserschlauch dran und aus dem Badezimmerfenster geworfen, und so konnten wir uns draussen mit warmem Wasser abduschen und die Neos ausziehen und ausspülen. Was für ein Luxus! Und noch dazu spart es Abwassertank-Volumen :-)

Als alle wieder trocken waren (die nassen Neos residierten in Mülltüten in der Dusche), verließen wir diesen sehr schönen Übernachtungsplatz und fuhren wieder durch Durness die paar Meilen bis zur Smoo Cave. Wir hatten Glück; am Tag vorher hatte es geregnet, so dass genug Wasser in der Höhle war und so konnten wir die Höhlenführung mitmachen, die eine kurze Bootsfahrt mit dem Schlauchboot beinhaltete. Es gab interessante Informationen; inzwischen hatte der Verein, der die Höhle vom County pachtet, die Genehmigung erhalten, einen alten, zugeschwemmten Gang freizulegen. An dessen Ende wird ein Höhlenraum erwartet, in dem Reste menschlicher Besiedelung zu finden sein könnten (es wird nämlich immer wieder Holzkohle von dort ausgeschwemmt). Ist ein mühseliger Job, weil nur Spitzhacke und Schaufel benutzt werden (schweres Gerät ist zu teuer). Also wird in den Sommermonaten mit den Höhlenführungen Geld verdient und im Winter gegraben. Nicht das durchschnittliche Hobby...

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Von dort aus gings dann weiter in Richtung John O'Groats. Nach der Smoo Cave wird die Strasse erstmal für viele Meilen Single Track und es herrscht relativ viel Verkehr, das Vorankommen ist also eher langsam.

Kurz hinter Loch Hope gibt es einen netten kleinen Layby an der Straße, wo wir zu Mittag aßen, und dann gings weiter über die Brücke bei Tongue und immer weiter über Single Track und durch kleine Dörfer, vorbei am Kernkraftwerk Dounreay (bisschen schneller), bis wir bei Thurso wieder in die Zivilisation kamen. Von dort bis John O'Groats gab es dann keine Single Tracks mehr, was das Fortkommen beschleunigte.

Am Ziel war dann auch CP angesagt (Link), weil mal wieder Abwasser und Klokassetten gut voll waren. War aber dort auch ohne Reservierung kein Problem. Das Wetter war sehr interessant, abwechselnd Sonne und Nebel. Wir besichtigten die Sehenswürdigkeiten, und im Souvenirshop bekam ich endlich die gesuchte Flagge, die ab dort an unserem Heck flattern durfte.

Kurz danach zog sich dann der Nebel zu und es fing an zu nieseln; gut, dass wir schon alles besichtigt hatten...

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07.08.2019 John O'Groats => Tomintoul

Das Wetter am nächsten Morgen war nicht diskutabel (Dauerregen, waagerecht), weshalb wir nach dem Frühstück schnell aufbrachen. Wir wollten in diesem Urlaub ja unbedingt einmal Higland Games sehen, die ja über den ganzen Sommer in ganz Schottland an vielen Orten stattfinden. Allerdings immer da, wo man gerade nicht ist... deshalb hatte meine Frau eine Veranstaltung ausgesucht, die ungefähr in unsere Reiseplanung passte, und das waren die Games am 08.08.2019 in Ballater. Wir mussten also jetzt einiges an Kilometern machen, da Ballater ein Srück südlichwestlich von Inverness liegt, in der Nähe von Belmoral Castle.

Also schruppten wir Kilometer, es gab nur einen Tankstopp, bis wir uns als Nachtquartier für den Wohnmobilstellplatz (!) in Tomintoul entschieden, der eigentlich der Parkplatz des örtlichen Bowling-Clubs ist. Für 7 Pfund ohne Strom eine faire Sache, so hat der kleine Verein schöne Mehreinnahmen :-) --> Link

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Schöner Nebeneffekt: 150 m vom Stellplatz ist das Whisky Castle, ein extrem gut sortierter Whiskyhändler, der weltweit bekannt ist. Da konnte ich mal schnöwen gehen und kam natürlich auch mit einer Flasche zurück.

Das Wetter blieb mäßig, und so blieb ausser einem kurzen Spaziergang (das Dörfchen hat man in 5 min durch) nicht viel zu tun.

08.08.2019 Tomintoul => Ballater => Aboyne

Die Highland Games in Ballater starteten laut Plan um 10:30, und so machten wir uns gegen 10:00 auf den Weg, sind ja nur 25 km. Allerdings durch die Highlands, auf Single Track... wir brauchten dann eine dreiviertel Stunde. Auf dem Weg gabs eine tolle alte Brücke.
In Ballatar angekommen, folgten wir der Beschilderung und wurden nach Zahlung des Eintritts (25 Pfund für alle zusammen) auf den Parkplatz geleitet. Einfach eine Wiese mit halbmeterhohem Gras... ich fuhr da vorsichtshalber mal mit eingeschalteter Diff-Sperre drauf, war aber nicht nötig, der Boden war fest genug.
Nach einem kurzen Snack ging es dann rüber zum Festgelände. Es war einiges an Kirmesbuden aufgebaut, aber auch Stände von lokalen Unternehmen und Vereinen, die viele Verlosungen und Gewinnspiele im Programm hatten, um die Vereinskassen aufzubessern. Und, natürlich, das eigentliche Gelände der Highland Games, noch eine Wiese. Rundherum ein paar Holzbänke, ein Seil zur Absperrung - alles sehr familiär und angenehm anders als viele Großveranstaltungen.

Als wir ankamen, liefen die ersten Disziplinen der Amateure (Weight for Height, Weight for Distance, Light Stone, Light Caber Toss). Das war schon mal sehr unterhaltsam. Dann zog die erste Pipe Band ein und blies uns die Trommelfelle frei, wirklich sehr beeindruckend!

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Lonach Pipe Band Video (YT): --> Link

Mittendrin gab es eine kurze Ansage und ein Audi, gefolgt von einem schwarzen Range Rover, fuhr auf den Platz. Dem Range Rover entstiegen ein Haufen dunkler, gut gefüllter Anzüge; aus dem Audi stieg .... His Royal Highness, The Prince of Wales - und eröffnete offiziell die Spiele, indem er die Flagge des lokalen Farquharson-Clans hisste. Donnerwetter. Und das ganze noch stilecht im Kilt.

Die Games kamen so langsam in Wallung, es liefen jetzt mehrere Wettbewerbe parallel (die klassischen Highlang-Kraftsportarten, aber auch Highland Dance, Pipe Contest, Hochsprung, Weitsprung, alle möglichen Laufentfernungen). Durchgehend fiel auf, dass insbesondere die 'normalen' Sportarten viel Resonanz bei den lokalen Einwohnern fanden, da hat echt der halbe Ort plus Umgebung wirklich teilgenommen, nicht nur zugeschaut. Die spezialisierten Disziplinen, die viel Vorbereitung erfordern, waren dagegen überregional besetzt, bei den Kraftsportarten waren sogar zwei Amerikaner und ein Tscheche mit dabei.

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Nach der Begrüssung einiger Sportler und Lokalprominenten entschwand Prince Charles dann wieder, es war aber durchaus ein distinguierter Auftritt und das Publikum und die Teilnehmer schienen hocherfreut, dass er da war. Wir fandens auch gut :-)

Ein Highlight war noch die Gratulation zum 100. (!) Geburtstag des Clan Chieftains Captain A. C. Farquharson, gleichzeitig sein 71. Jahr als Clan Chieftain... der muss schon einiges erlebt haben! Der Kommentator war emotional sehr bewegt, als er das ankündigte und kommentierte. Es gab ein extra Ständchen von den Pipe Bands (eigens komponiert) und eine längliche Rede.

Insgesamt haben wir uns von 11 bis 16 Uhr auf dem Gelände aufgehalten, es war sehr kurzweilig und Langeweile kam auch bei den Kindern nicht auf. Sehr zu empfehlen, wenn man man in Schottland ist!

Nach einer letzten Runde durch die Verkaufs- und Verlosungsstände gingen wir zurück zum Mobil und konnten ohne Zwischenfälle von der Wiese fahren. Na ja, fast... als wir abfuhren, marschierte gerade eine Pipe Band vom Platz weg in Richtung Ortszentrum, wo wir auch durch mussten. So hatten wir quasi Geleit von einer Marching Pipe Band, was wahrscheinlich auch noch nicht vielen Wohnmobilen passiert ist :-)

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Zur Übernachtung fuhren wir ein paar Kilometer zum Muir of Dinnet Nature Reserve Parking in der Nähe von Aboyne --> Link. Dort kann man sehr schön übernachten, auch wenn es heute wegen wenig Wind etwas Midget-ig war.

09.08.2019: Aboyne => Loch Ness => Kinross

Jetzt nahte der Termin, an dem meine Frau von Edinburgh mit unserem Mittleren nach Hause fliegen musste, weil der am 11.08. auf eine Chorfahrt seines Knabenchors musste. Vorher wollten wir ihm und den anderen beiden noch Loch Ness zeigen, weil sie das sehr spannend fanden.

Also fuhren wir wieder die Strecke über Tomintoul nach Inverness zurück und von dort aus zum Loch Ness. Leider regnete es mal wieder in Strömen, wir hatten also mal wieder eher ein mystisches als ein sonniges Erlebnis, but that's Scotland for you.

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Am Urqhart Castle stand zwar 'Parking Full' dran, wir wurden aber trotzdem reingewunken und explizit auf einen Behindertenparkplatz gestellt, weil da mehr Platz war... und das Parken (und damit auch das Foto vom Castle) war umsonst. Die Tour durch die Ruine haben wir uns bei dem Wetter lieber gespart und sind wieder in Richtung Norden zum Loch Ness Center gefahren. Die Ausstellung bzw. Multimediashow dort ist bezahlbar und sehr interessant, es ist gut dokumentiert, wann welche 'Nessie' gesichtet wurde und was auf den 'Beweisfotos' eigentlich zu sehen ist. Auch die Erforschung des Lochs in den 60er bis 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist schön aufbereitet. Natürlich wird am Schluss die Frage der Fragen offen gelassen, aber es kommt schon klar raus, dass da unten weder ein Versteck noch das Nahrungsangebot für ein größeres Tier vorhanden ist. Wie gesagt, sehr interessant und durchaus zu empfehlen.

Nach einer Schleife durch den Souvenirshop (Plüsch-Nessies...) fuhren wir dann wieder zurück in Richtung Inverness. Nach dem Tankstop dort ging es die Schnellstraße wieder runter in Richtung Edinburgh.

Am späten Nachmittag klarte das Wetter dann auf, und wir fuhren den Kirkgate Park in Kinross am Ufer des Loch Leven an (Link). Auch wieder ein schöner Übernachtungsplatz an einer großen Wiese direkt am Ufer des Lochs.

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10.08.2019 Kinross => Falkirk

Der nächste Morgen brachte heiteres Wetter, und wir fuhren nach dem Frühstück zügig los, um die beiden Reisenden am Flughafen abzusetzen.

Wobei das so eine Sache war. Mit dem Womo kommt man nicht ans Terminal, also wild rumgekurvt. Der ausgeschilderte Free Dropoff Point ist eher für Reisebusse und führt über den Langzeitparkplatz, also auch Essig. Am Ende hab ich meine Frau und den Mittleren am Eingang des Langzeitparkplatzes rausgeworfen, weil da zumindest ein Shuttlebus zum Terminal fuhr.

Der Weg wieder raus war dann schnell gefunden, und wir fuhren bei schönstem Wetter erstmal in Richtung Glasgow, dann von der Autobahn ab und auf einen Parkplatz, um uns zu orientieren. Ich schaute mal auf die in der Nähe liegenden POIs meines Navis, und da fiel mir der Name 'Blackness Castle' ins Auge, das hört sich ja stark an. Kurz auf Google gecheckt, ja, eine nette Burg in der Nähe mit guten Bewertungen - nix wie hin.

OK, die Burg liegt im Dörfchen Blackness direkt am Firth of Forth. Man fährt am Hafen entlang (Single Track) und kommt dann auf den Parkplatz, der schon auf dem Gelände der Burg liegt. Und schau an, da war noch was frei, sehr gut.

Wir schauten uns erstmal draussen um; ja, das sah vielversprechend aus. So kauften wir uns Tickets (wieder recht günstig, 13,50 GPB für einen Erwachsenen und zwei Kinder), die Kinder bekamen noch ein Quiz (auf Englisch!), und wir zogen los zum Eingang der Burg.

Das Gebäude ist wirklich recht interessant, es ist gebaut wie ein Schiff (also mit Heckaufbau [das Hauptgebäude der Burg], Bugkastell [Knast und Kanonenturm] und 'Mast' [Prominentengefängnis]), der Bug zeigt auf den Firth of Forth hinaus.

Die Burg wurde primär als Garnison, zur Überwachung des Schiffsverkehrs auf dem Forth und als Gefängnis genutzt. Im Mittelturm wurden gern durchaus prominente Gefangene in Hausarrest gehalten, die bei der Krone in Ungnade gefallen waren, natürlich in allem Komfort mit eigenen Dienern, Familie etc.

Die Verhältnisse im 'Bug'-Gefängnis waren nicht so nett. Auf mittlerer Ebene gab es noch ein halbwegs komfortables Gefangenenzimmer mit Kamin und Abort, aber darunter war dann das Verlies auf Wasserlevel, das bei Flut immer automatisch gereinigt wurde, ahem.

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Wir nahmen auf dem Dach des Mittelturmes unter freiem Himmel das mitgebrachte Mittagessen zu uns und gingen dann zurück zum Wohnmobil, um einen Campingplatz ausfindig zu machen, es musste mal wieder entsorgt werden.

Der erste Platz in der Nähe hatte ein Online-Reservierungssystem, aber da war alles dicht wegen des Fringe-Festivals und des Tattoos in Edinburgh. Ein Stückchen weiter weg in Falkirk gab es noch einen Platz. Beim Anruf ging niemand ran, deshalb fuhren wir einfach mal hin.

Der Platz heisst THE WHEEL und ist 10 Fußminuten vom Falkirk Wheel entfernt. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch gar nicht, was das sein sollte, aber der Platz hatte noch ein paar Stellplätze frei und war mit 23 Pfund recht günstig, deshalb blieben wir.

Nach V/E liefen wir los, um rauszukriegen, was das Falkirk Wheel denn eigentlich ist. Der Weg führte am Union Canal und einer Doppelschleuse vorbei, dann parallel zum Kanal durch einen Tunnel unter Eisen- und Autobahn hindurch (Kanal im Tunnel? Auch selten...), und dann sahen wir schon das Wheel.

Des Rätsels Lösung: das Falkirk Wheel ist ein sehr elegantes Schiffshebewerk, bei dem zwei Wassertröge (mit Schiffen darin) vorn und hinten an zwei großen Rädern montiert sind. 'Oben' und 'Unten' tauschen bei einer halben Drehung der Räder einfach die Positionen, was viel Energie spart und spektakulär aussieht.

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Das Falkirk Wheel in Aktion (Zeitraffer, YT): --> Link

Unten direkt am Wheel waren wir nur kurz schauen, ist der reinste Rummelplatz, bisschen viel ‚Drumrum‘ für unseren Geschmack.

Von da aus ging es eine Viertelstunde Fussweg zu den Resten eines alten römischen Forts, das Teil der Augustuslinie war (wie Hadrians Wall, nur weiter nördlich). ‚Reste‘ ist aber zuviel gesagt. Es ist deshalb das besterhaltene Fort, weil man die Gräben noch sieht, sonst ist nix mehr über.

Dort überraschte uns auch noch ein plötzlicher Einbruch von ‚scottish sunshine‘ (in Deutschland ‚Schauer‘ genannt), so dass wir relativ schnell den Rückzug antraten. Natürlich war der Schauer pünktlich vorbei, nachdem wir nass waren.

Zurück auf dem Campingplatz bereiteten wir das Abendessen vor. Die Kinder schnitten das Gemüse für den Salat, Papa briet Hamburger auf dem Grill (Scottish Beef, traumhafte Qualität, bekommt man da in jedem Supermarkt für kleines Geld). Danach gingen die Kinder spülen, ich räumte alles wieder auf und machte den Grill sauber, und dann war auch bald Bettruhe angesagt.

11.08.2019 Falkirk => Carron

Für den heutigen Tag hatten wir uns noch eine Sehenswürdigkeit nahe Falkirk vorgenommen, die Kelpies.

Kelpies sind in der schottischen Sagenwelt nicht ganz freundliche Wassergeister in Pferdegestalt. Dieser Sagengestalt (und gleichzeitig den Arbeitspferden, die die Kähne über das schottische Kanalnetz gezogen haben), hat man mit dieser Installation ein Denkmal gesetzt.

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Sind schon eindrucksvoll, die Statuen – 30 m hoch! Wir haben uns ein wenig umgeschaut und sind dann zurück zum Womo.

Die nächste Anforderung der jungen Herren war ein Stellplatz, von dem aus man einige Geocaches erreichen konnte. Hm, der Wanderparkplatz am Loch Carron sah ganz vielversprechend aus. Während der Fahrt verschlechterte sich das Wetter zusehends. Dort angekommen, fing es an zu regnen. Ich wollte mal am Parkautomat checken, was es denn kostet… hoppla, ganz schön steil, 12 Euro für 24 h. Aber siehe da, der Automat war defekt und auf der Haube darüber stand ‚Repairs in progress‘… dadurch war der Parkplatz gratis, und wir blieben mit ein wenig schlechtem Gewissen hier stehen.

Nach dem Mittagessen holten wir die Regesachen aus dem Schrank, packten uns gut ein und verschwanden bei strömendem Regen im Wald.

Von den 3 angelaufenen Caches haben wir immerhin 2 gefunden, den 4. Haben wir uns dann aufgrund fortgeschrittener Durchnässung gespart.

Danach gabs einen ruhigen Tagesausklang mit iPad für die Kinder (es regnete immer noch) und Abendessen, dann ab ins Bett. Geschlafen haben wir dort sehr gut, es war schön ruhig.

12.08.2019 Carron => Edinburgh => Pitlochry

Das Wetter sah schon viel besser aus (zumindest regnete es nicht). Nach dem Frühstück fuhren wir wieder in Richtung Edinburgh, da meine Frau gegen 11:00 wieder dort landen würde. Am Flughafen ging dann das Spielchen wieder los, wo man sich hinstellen könnte. Letztendlich standen wir mit 5 Taxifahrern in der sehr breiten Zufahrt eines Hotelparkplatzes (der selbst war natürlich nur für ‚patrons‘). Wie man am regen Wechsel der Fahrzeuge in der Wartezeit sah, war das wohl der Geheimtip, wo man für ein paar Minuten oder auch ne halbe Stunde mal kostenlos – oder in unserem Fall (Höhe über 2 m) überhaupt irgendwo - stehen konnte.

Nach 20 Minuten kam meine Frau an (ich hatte ihr unseren Standort über Handy geschickt), und nach einem kurzen Knuddeln der Kinder ging es wieder auf die Straße.

Wir beschlossen, nach dem ganzen Stress erstmal auf einen CP zu fahren und den Rest des Tages auszuspannen. Passend wäre Pitlochry, weil wir nochmal in die Highlands wollten. Dort gibt es den Milton of Fonab Caravan Park (was für ein Name), der durchgängig gute Noten hatte.

Sie hatten noch ein Plätzchen frei und waren auch kein Club Camping, was sich sehr vorteilhaft auf den Preis auswirkte (Paarundzwanzig Pfund). Wir bezogen unsere Parzelle und machten dabei bedenkliche Spuren in den vom Regen noch sehr weichen Rasen zwischen Strasse und Schotter, uiuiui. Es gab aber keinen Ärger, und nachdem ich sah, wie ein anderes Womo mit mehrfachen Hin- und Herrangieren da einen kompletten Sumpf anlegte, war auch mein Gewissen beruhigt. Man kann ja nicht auf die Parzelle schweben.

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Die Sonne schien, ich packte die Stühle aus, ich packte den Tisch aus… dann packte ich den Wäscheständer aus, um unsere nassen Regensachen vom Vortag zu trocken. Just in diesem Moment hüpfte eine vorwitzige Regenwolke über den Berg und richtete es sich über dem Campingplatz gemütlich ein. Es regnete bis zur Dämmerung, wobei die umliegenden Bergflanken im strahlenden Sonnenschein lagen. Danke, Wolke… wir verbrachten den Nachmittag also im Wohnmobil, was die Erholung ein klein wenig ruinierte.

Die Zeit wurde genutzt, den nächsten Tag zu organisieren. Wir hatten bei der Anfahrt gesehen, dass die Blair Athol-Brennerei direkt fußläufig vom Campingplatz lag. Kurz geschaut, aha… leider nur für Kinder über 10 Jahre. Man musste sogar, bevor man auf der Webseite was zu sehen bekam, sein Alter angeben… mal wieder Jugendschutz ein paar Schritte zu weit gedacht. Niemand verlangt, dass die Kurzen nach der Besichtigung einen Probier-Whisky bekommen, aber eine Brennereibesichtigung sollte doch wohl drin sein??

Ein paar Kilometer weg liegt die bekannte Edradour-Brennerei, die wir 2005 schon besichtigt haben. Sehr klein und niedlich und guter Whisky. Leider erst für Kinder ab 12.

Fündig wurden wir dann in Aberfeldy. Das ist die Brennerei, die für Dewars (ein blended Scotch) den Hauptanteil an Single Malt herstellt und diesen auch als solchen verkauft, es geht nicht alles in die Dewar-Plörre J und diese Brennerei kann man schon ab 6 Jahren besichtigen. Also direkt Online Eintrittskarten gekauft und eine Tour für 11:30 gebucht, perfekt.

Nochmal weiter im nächsten Beitrag, die Zeichenbegrenzung...

Tinduck am 03 Sep 2019 18:34:41

13.08.2019 Pitlochry => somewhere on the south bank of Loch Tummel

Wir schafften es, gegen 10:45 vom CP zu fahren (was ja locker für die 21 Meilen bis Aberfeldy reichen sollte) und gurkten los. Natürlich wurde es wieder knapp. Einerseits wegen der kurvigen Highland-Straßen, andererseits wegen mehrerer Baustellen-Ampeln. Aber wir kamen noch rechtzeitig an und meldeten uns im Shop an.

Dort bekamen wir nach kurzer Wartezeit erst einen Film zu sehen (der sich primär mit Dewars blended Whisky beschäftigte) und durften danach in die Ausstellung, wo es allerhand Informationen und durchaus unterhaltsame Memorabilia zu dieser Whiskymarke zu bestaunen gab.

Dann ging die eigentliche Besichtigungstour los. Wir wussten ja schon relativ gut Bescheid, weswegen ich flüsternd simultan für die Kinder übersetzte, die Führung war natürlich in bestem scottish english.

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Nach der Führung gab es natürlich im Shop erstmal für die Erwachsenen einen Dram (Portion Whisky) nach Wahl, selbstmurmelnd entschieden wir uns für den Aberfeldy single malt und nicht für das Mischprodukt. Damit die Kinder nicht zu kurz kamen, gab es Kuchen für alle und andere Getränke für die Kinder. Der kurze wollte wegen der Farbe Irn Brew haben (so ne Art Powerbrause, aber ohne bedenkliche Bestandteile). Das Zeug schmeckte wie das Abwasser einer Fabrik für Lebensmittelaromen… und sah auch so aus. Nachdem der Große seine Cola auf hatte, musste er daher dem Kleinen noch helfen, der konnte die Brühe nicht allein vernichten.

Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns, einen Whisky der besseren Sorte mitzunehmen. Die Wahl fiel auf eine Single Cask Abfüllung von 1999, unser Hochzeitsjahr J die wir dann sogar noch aus einer offenen Flasche probieren durften. Jungejunge, netter Tropfen… aber Cask Strength (59,8 Umdrehungen) ist schon ein Wort, da tut das Atmen nach dem Probieren weh.

Weiter gings einfach in Richtung Nordwesten. Irgendwann bogen wir eher so in Richtung Norden ab und sahen Schilder in Richtung Foss, was am Loch Tummel liegt. Wir fuhren da spontan mal her und meine Frau meinte, dass es da sogar einen halblegalen Campingplatz am Ufer gäbe.

Nach einigen Kilometern auf der sehr wenig gefahrenen single track Straße, kurz hinter dem Ort Foss, fanden wir eine freie Fläche neben der Straße, die fast direkt am Kiesstrand des Lochs lag. Kurz eingeparkt, tatsächlich, unser Bomber passte da knapp hin mit ausreichend Abstand zur Straße. Das war aber noch nicht der avisierte Platz… wir blieben erstmal so stehen, und ich joggte kurz die Straße weiter entlang. Und tatsächlich, nach 300 m ging links und rechts neben einem Bach eine grasbewachsene Landzunge ca. 50 m in den See, auf der mehrere Zelte aufgebaut waren und bunt verstreut Autos dazwischenstanden. Keine Chance, da ein Wohnmobil zwischen zu falten, alles stand komplett durcheinander. Hinterher stellt sich heraus, dass der Platz sogar schon in Google Maps als ‚inofficial campsite‘ steht, da braucht man sich über den Andrang ja nicht zu wundern.

Wir blieben, wo wir waren. Die Kinder fanden es toll uns spielten erstmal Piraten am Strand. Auf dem Kies fanden wir eine alte Feuerstelle, was unsere Essensplanung für den Abend auf ‚Burger vom Lagerfeuer‘ verschob. Ich zog mit der Handaxt los und fand diverses Totholz grösseren Formats, von dem ich genug Äste abschlagen und in ein handliches Format bringen konnte für ein nettes Lagerfeuer. Die Kinder sammelten noch etwas Kleinholz dazu und konnten es gar nicht erwarten, dass es losgeht.

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So gegen 17:00 gaben wir der Jammerei nach und ich ging mit Papier, Rinde und Kleinholz bewaffnet ans Werk. Leider wollte das Holz nicht zünden, war alles noch etwas feucht vom Regen der letzten Tage… es ging fast, endete dann aber bei der ersten Windbö immer in Rauch.

Also das angekokelte Zeug weg, neues Holz aufgeschichtet und mit Brennspiritus (*ahem*) getränkt, einmal Feuerzeug dran und mit sattem ‚Wuff‘ war das Feuer an. Es blieb auch an, wurde sorgfältig nachgefüttert und nach einer halben Stunde war genug Glut da, um mit dem Grillen anzufangen.

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Aus zwei feuchten Ästen (noch extra im Wasser getränkt) bastelte ich einen Halter für den Grillrost unseres Safari Chefs, und dann lagen die Hamburger (Scottish Beef!) über der Glut.

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Die waren in Rekordzeit braun und knusprig, und der hinterher gegrillte Bacon schrumpelte innerhalb von Sekunden zu perfekter Konsistenz zusammen. Das waren die besten Burger, die wir in Schottland gegessen haben… vom Spaß bei der Zubereitung ganz abgesehen. Wir holten das ganze Zubehör aus dem Womo und aßen direkt am Feuer, so muss das sein.

Netterweise fanden wir auch noch eine olle Packung Mäusespeck von den Highland Games in Ballater, und so gab es auch noch gegrillte Marshmallows zum Nachtisch.

Nachdem das Feuer heruntergebrannt war, ging es für die Kinder ins Bett und wir tranken noch einen Whisky als Betthupferl, bevor es in die Falle ging.

14.08.2019 Loch Tummel => Braemar

Auf dem Rückweg in die Zivilisation kamen wir noch an dem Beweis vorbei, dass es einmal glanzvolle Zeiten be Scottish Water gab...

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Einen Tag wollten wir noch mal so richtig in die kargen Highlands und suchten uns dafür einen Stellplatz in der Nähe von Braemar heraus. Der Weg dahin führte durch das berühmte Glenshee und vorbei am gleichnamigen Ski Center. Vor dem Ski Center hielten wir noch in einem Cafe, das exzellentes Essen zu annehmbaren Preisen bot (kurz vor Spittal of Glenshee). Und auch einen (vom Cafe-Eigner empfohlenen Fotostop nahmen wir noch mit:

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Relativ kurz nach dem Ski Center ist man in Braemar. Wir liessen den CP links liegen und fuhren durch den Ort und dann weiter Richtung Westen zum Linn of Dee. An diesen Wasserfällten gibt es einen Parkplatz, wo man auch stehen darf, ist aber sehr touristisch, trubelig und auch nicht kostenfrei. Und auf die dort aufgestellten Dixi Klos will eh keiner… also weiter in Richtung Allanaquoich. Kurz vor dem Ort, an dem einmal eine Brücke über das Quoich Water führte, ist ein Wanderparkplatz mit Pay & Display. Der war zwar wesentlich ruhiger als der am Linn of Dee, aber dafür stand man hier auch unten im Tal, und der Ausblick riss uns nicht vom Hocker. So hatten wir uns die letzte Übernachtung in den Highlands nicht vorgestellt. Also kehrt Marsch, wieder zurück, am Linn of Dee vorbei … und siehe da, hatte ich beim Hinweg gar nicht gesehen, kurz vor Braemar gab es am linken Straßenrand einen Parkplatz mit Aussichtspunkt, der von der Straße durch ein kleines Wäldchen abgetrennt war. Es war niemand da, wir konnten den Platz frei wählen und standen mit gigantischer Aussicht über das Glen Dee und mit Blick auf die Mar Lodge. Lustigerweise konnten wir sogar den Parkplatz sehen, der uns zu trist erschien.

Die Kinder hüpften durch Farn und Gebüsch runter bis zum Bach, der in den River Dee mündete, und erkundeten ein wenig die Gegend. Wir setzten uns vors Mobil auf die Wiese und genossen den famosen Ausblick.

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Ab und zu kam jemand zum Fotografieren auf den Parkplatz gefahren, und als es langsam dämmerte, gesellte sich noch ein Dortmunder (!) Paar im Landrover mit Dachzelt dazu. Leider schlief dann der Wind ein, die Midget-Meute fiel über alles nicht schon Blutleere her, und die beiden taten uns ein wenig leid, weil sie im Freien noch kochen mussten. Hilfsangebote wurden allerdings abgelehnt (man hat ja auch als Zelter seinen Stolz, denke ich), und so mussten wir kein schlechtes Gewissen haben.

Der Abend klang dann nach Huhn mit Reis (indisch) ruhig aus, und wir schliefen sehr ruhig und gut.

15.08.2019 Braemar => Lauder

Das Frühstück am nächsten Morgen sollte in Braemar stattfinden, weshalb wir uns nach dem Aufstehen nur fertig machten, das Mobil in den Fahrmodus versetzten und kurz nach Braemar tuckerten.

Das Örtchen ist auch sehr nett, und wir kehrten in ein Cafe ein, um ein ordentliches schottisches Frühstück zu uns zu nehmen. Das Cafe ‚The Bothy‘ ist übrigens direkt am Clunie Water, das sich hier seinen Weg im steinigen Bett durch Braemar bahnt, tolle Aussicht beim Essen, wenn man den richtigen Tisch bekommt – wir hatten Glück!

Es gab ein Full Breakfast für Papa (Baked Beans, Hashbrowns, Sausages, Bacon, Eggs and …. Black Pudding!), eine verkleinerte Version für Mama und für die beiden Kurzen Baked Beans und Rührei mit Toast. Der Black Pudding war gar nicht so schlecht, nächstes Mal nehm ich ne Scheibe Haggis :mrgreen:

Nach dem üppigen Frühstück hiess es Hühner satteln, am 17.08. war unser Zug für unter’m Kanal durch gebucht, bis dahin mussten wir wieder in Folkstone sein. Also nahmen wir die Straße unter die Räder. Das Wetter war mal wieder besch….eiden, im Skigebiet Nebel und gleichzeitig Wind in Sturmstärke, ziemlich interessant. Wir mussten die ganze Strecke bis fast Pitlochry wieder zurück und dann auf die A90, die wieder runter nach Edinburgh führte. Dort besserte sich das Wetter langsam.

Natürlich war südlich von Edinburgh der Motorway alsbald wieder zu Ende, und das Gegurke auf den Landstraßen ging wieder los. Jeder Ort wird durchfahren mit Ampel oder Kreisverkehr… so kommt man echt kaum voran, wenn man Kilometer machen will. Irgendwie ist das Straßennetz in GB noch sehr ausbaufähig, zwischen Edinburgh und Newcastle gibt es noch nicht mal eine durchgehende Autobahn (Motorway)… wahrscheinlich mögen die das nicht, weil Hitler es erfunden hat, oder so :D

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Im kleinen Städtchen Lauder suchten wir uns einen Campingplatz, den Thirlestane Castle Caravan Park --> Link. Dort versuchen sie, ihre Mobile Homes an den Mann zu bringen, aber es gibt auch eine schöne Campingwiese, und Sanitäranlagen und V/E sind ohne Fehl und Tadel, durchgängig zu empfehlen. Einziger Wermutstropfen ist, dass man die Straße tagsüber ganz gut hört, kann aber auch an der Windrichtung liegen.

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Wir bekamen vom Wetter noch ein paar Sonnenstunden gegönnt und konnte so draußen zu Abend essen. Für einen Fahrtag war es dann doch noch schön erholsam.

16.08.2019 Lauder => Edith Weston

Das war dann auch der reine Fahrtag, es ging mit verschiedenen Abstufungen von Stau (von noch gut Rollen bis Stop and not so much go) runter in Richtung Süden. Das Wetter war grausam, waagerechter Dauerregen, was unser Bomber mit einem Verbrauch von ca. 14,7 L/100 km quittierte, normal kommen wir so auf 13… na ja.

Wir verließen kurz hinter Jedburgh im Northumberland National Park Schottland bei waagerechtem Regen (also stilecht).

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Im Süden wurde es auch spärlicher mit den Campingplätzen, wir fanden in search4sites den Rutland Water Campsite. Der ist direkt neben dem Yachthafen am Rutland Water, eine etwas rustikale Angelegenheit. Hab den Platz wegen Dauerregen nicht groß erkundet. Es gibt Wasser, Mülltonnen und angeblich eine Entleerungsgelegenheit für Klokassetten, die ich aber nicht gesehen habe. Man steht mitten auf der Wiese und hofft, dass die nicht allzusehr aufweicht J. Preis ist aber OK, 9 Pfund in die Honesty Box. Und tagsüber kann man wohl die Klos am Yachtclub benutzten.

17.08.2019 Edith Weston => Bergues (F)

Heute sollte es also wieder aufs Festland gehen. Natürlich war ausgerechnet an diesem Tag die M20, die zum Zugterminal nach Folkstone führt, in beide Richtungen voll gesperrt. Netterweise hat Euroshuttle uns eine Mail mit einer Warnung geschickt.

Also fuhren wir nach dem Frühstück in Richtung Canterbury, um die M20 zu meiden. Von Staus blieben wir trotzdem nicht verschont… Von dort aus in Richtung Folkstone ist nur Landstraße, und wir fanden im kleinen Örtchen Swingfield einen sehr schönen Pausenplatz, war von der Straße aus kaum zu sehen wegen der engen Einfahrten. Also nach einer kleinen Ehrenrunde kurz das Mobil durch die Hecke gedrückt, und wir standen völlig allein in der Sonne und konnten die Stunde, die wir sonst zu früh am Terminal gewesen wären, mit Mittagessen und Fußballspiel überbrücken.

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Am Terminal angekommen, gingen wir noch kurz in den Duty Free Shop. Fatal, fatal… uns hüpfte eine Flasche 10er Talisker und eine Flasche 12er Aberfeldy in den Einkaufskorb, beides Literflaschen und zusammen für 75 Pfund, da konnten wir nicht dran vorbeigehen. Für die Kinder gabs noch ein Eis, und dann waren wir auch schon dran mit dem Shuttle. Wir fuhren auf den Zug, verteilten während der Überfahrt (oder eher Unterfahrt) ein paar Snacks, und danach gings wegen einer Sperrung der Autobahnauffahrt in Richtung Calais nicht ganz so schnurstracks in Richtung Dünkirchen und von dort aus nach Bergues auf den altbekannten Stellplatz, wo wir auch noch einen Platz bekamen.

18.08.2019 Bergues => Dortmund

Um den Tag zu einem Schönen zu machen, holte ich morgens als erstes Croissants und Baguettes beim Patissier in Bergues am Markplatz. Nach dem gelungenen Frühstück fuhren wir auf die Autobahn und waren gefühlt Ruckzuck aus Frankreich raus und durch Belgien in Holland. Da fällt einem erst auf, wie vorsintflutlich das Straßennetz in GB ist, zumindest hoch nach Schottland.

Der Sprit reichte bis hinter die holländische Grenze, und wir tankten nach drei Wochen endlich mal wieder für einen annehmbaren Preis (1,18 Euro/L) voll. Die Weiterfahrt nach Dortmund verlief Stau- und Ereignislos, und so kamen wir gegen 15:00 wieder zuhause an und konnten erstmal verschnaufen.

Bis denn,



Uwe

Tinduck am 09 Sep 2019 11:28:19

So, jetzt ist der Bericht endlich fertig und im Länderforum gelandet. Ich freue mich auf eure Kommentare!

bis denn,

Uwe

AndiObb am 09 Sep 2019 14:34:52

Hallo Uwe,
ich hoffe meine PN hatte Dich erreicht. Dort hatte ich mich schon für diesen (für mich) hervorragenden Bericht bedankt. Immer weiter so - auch wenn´s um unser Lieblingsland ging, in der Art lese ich gerne auch über andere Länder.
VG
Andi

Rockerbox am 09 Sep 2019 15:20:16

Tinduck hat geschrieben:So, jetzt ist der Bericht endlich fertig und im Länderforum gelandet. Ich freue mich auf eure Kommentare!

bis denn,

Uwe


Super Bericht und super Tour, Uwe, da kamen sofort Erinnerungen an unsere Schottland-Fahrt im letzten Jahr hoch, wir sind ab Newcastle fast die identische Tour gefahren, allerdings "anders rum", also gegen den Uhrzeigersinn!

Schottland hat schon was!

gnarz18 am 09 Sep 2019 15:43:27

Als bekennender anglophiler Schottlandfan kann man mich mit Reiseberichten immer begeistern. Viele Dank für den unterhaltsamen Bericht und die schönen Fotos.
Da ist man ja schon angefixt für den nächsten Urlaub in Schottland.
Grüße
Michael

Tinduck am 09 Sep 2019 16:03:30

AndiObb hat geschrieben:Hallo Uwe,
ich hoffe meine PN hatte Dich erreicht. Dort hatte ich mich schon für diesen (für mich) hervorragenden Bericht bedankt. Immer weiter so - auch wenn´s um unser Lieblingsland ging, in der Art lese ich gerne auch über andere Länder.
VG
Andi


Ja, die PM hat mich erreicht, danke dafür. Konnte aber nicht antworten, du weisst wahrscheinlich warum :-)

bis denn,

Uwe

peter1956 am 09 Sep 2019 21:58:55

Danke für den tollen Bericht.

FamilieWeber am 12 Sep 2019 18:31:59

Vielen Dank für den tollen Bericht. Wir fahren vom 5. - 23.8. in Schottland und waren auch an vielen Stellen, an denen ihr gewesen seit. Habe gerade geschaut, ob wir uns irgendwo überschnitten haben :)

Herzliche Grüße aus Bayern, Familie Weber

Tinduck am 13 Sep 2019 17:42:58

Dankeschön!

Hoffe, euer Urlaub war genauso schön und vielleicht ein klitzekleines bisschen weniger feucht :)

bis denn,

Uwe

Tinduck am 18 Sep 2019 08:36:49

Hab noch was gefunden, was zum Titel des Reiseberichtes passt - ist aus der schottischen ‚Nationalhymne‘ „Scotland the Brave“:

Far off in sunlit places,
Sad are the Scottish faces,
Yearning to feel the kiss
Of sweet Scottish rain.


Das erklärt einiges :D

Aber auch wir fanden, dass Regen in Schottland nicht so stört wie anderswo!

bis denn,

Uwe

Sprintertraum am 18 Sep 2019 09:01:17

Hallo Tinduck
Danke für den tollen Bericht und für die schönen Foto`s.

Tinduck hat geschrieben: ... Aber auch wir fanden, dass Regen in Schottland nicht so stört wie anderswo! ...

Ein Sprichwort sagt, es gibt kein schlechten Regen, nur falsche Bekleidung. :mrgreen:

Gruß

rkopka am 18 Sep 2019 09:15:21

Sprintertraum hat geschrieben:Ein Sprichwort sagt, es gibt kein schlechten Regen, nur falsche Bekleidung. :mrgreen:

Naja. Wenn man schon im Ganzkörperkondom rumlaufen muß, um nicht nach 2min durchnäßt zu sein, finde ich es schon schlecht, außer man bleibt in der Zeit drin. Und wenn für den Fotografen eine Kamera mit Scheibenwischer an der Frontlinse angebracht ist.
Das spielt keine so große Rolle, wenn man 2 Monate für den Urlaub hat. Wenn man aber z.B. nur 2 gut durchgeplante Wochen hat, kann es schon das Programm etwas durcheinanderbringen.

RK

CKgroupie am 18 Sep 2019 11:42:24

Danke für den wunderschönen Bericht. Erweckt in mir das starke Bedürfnis wieder in mein Lieblingsland zu fahren! Hoffentlich nächstes Jahr im Herbst wieder!

shoe1 am 19 Sep 2019 10:28:08

Hallo Tinduck,
schöner Bericht mit ebensolchen schönen Bildern - herzlichen Dank dafür.
Nachdem wir heuer ebenfalls zu ähnlicher Zeit (19.7. - 5.8.2019) in Schottland waren, wird's für mich wohl auch endlich Zeit - einen Reisebericht zu erstellen …
Liebe Grüße
Rupert

Tinduck am 20 Sep 2019 17:35:46

ätt RK: Ja, aus Deinem Reisebericht lief ja fast das Wasser raus, Du hast anscheinend echt Pech mit dem Wetter gehabt. Wir sind nur einmal so richtig nass bis auf die Knochen geworden, der Rest ging.

ätt alle anderen: Danke für die Blumen. Erstaunlich, wie viele Foristi dieses Jahr in Schottland waren!

bis denn,

Uwe

liesje am 07 Okt 2019 19:12:42

Es beruhigt mich, dass ihr auch so eine nasse Zeit hattet. Wir genossen 2012 im Juli und August England und Schottland 2 Monate und hatten tatsächlich 5 Tage ohne Regen! Trotzdem war es ein Genuss, heute mit euch einige Ziele nachzufahren.
Vielen Dank und weiter erholsame und erlebnisreiche Touren!

TheWall am 08 Okt 2019 08:14:55

Auch von mir herzlichen Dank für den tollen Bericht und die Fotos. Schottland steht bei uns noch auf der Liste, schöne Inspiration :-)

HaMo19 am 08 Okt 2019 08:50:15

Danke für den tollen Bericht und die Bilder. Wir hatten noch nicht das Vergnügen dieses Land zu besuchen. Nach dem Lesen steigt aber die Lust dazu...….

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