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Reisebericht - In die französische Alpen


Susebesitzer am 19 Sep 2019 14:02:31

In die französischen Alpen - Teil 1

1. Tag – 02.09.2019 - Montag

Grünberg

2. Tag – 03.09.2019

Thollon am Genfer See mit seinem kostenlosen SP, der sogar (kostenpflichtige) Stromanschlüsse und eine Toilette hat. Der Platz ist Teil des Parkplatzes für die Seilbahn, mit der ich morgen fahren möchte.


3. Tag – 04.09.2019

Ich werde gleich erstmal auf den Berg fahren, das wird nicht lange dauern, und dann suche ich mir eine Werkstatt, hier gibt’s ein paar in der Nähe, und dann sehen wir weiter.
Also: Mit Greisentarif (über 70) von 6 € mit der Bahn hoch auf den Pic de Mémises. Oben eine kleine Wanderung (15 Minuten) zum Pic mit Gipfelkreuz, viele Fotos gemacht, sehenswerte Aussicht über den Lac und das Skigebiet oberhalb von Thollon.


Refuge de Bise hab ich mir abgeschminkt und fuhr deshalb zunächst bis kurz vor Abondance, um dem Abzweig Col de Corbier (1235 m) zu folgen. Das war schon mal eine richtige Passstrecke mit Serpentinen usw.
Unten ging es nordwärts zu den Gorges du Pont du Diable.
Dort hat sich die Dranse im Verlauf vieler, vieler Jahre einen Durchbruch durch ein Felsmassiv geschaffen, das von oben einstürzte und so eine Brücke über eine höhlenartige Schlucht bildete. Das Ganze ist schon längere Zeit eine Attraktion in diesem Gebiet, mit 10,50 € pro Person aber auch recht teuer.
Der nächste SP sollte in Flaine sein, inmitten eines Skigebietes. Man sollte von dort mit einer Seilbahn auf einen Berg fahren können, der eine hervorragende Aussicht auf den Montblanc bietet. Die 37 km von Cluses nach Flaine waren eine reine Passstraße (Col de Pierre Carrée – 1844 m), ordentlich ausgebaut, aber es zog sich ein wenig.

Flaine ist ein moderner Ort am Hang mit vielen großen Blocks. Parkplätze gibt es reichlich, einer davon ist mein Stellplatz (kostenlos ohne alles, die angekündigte Toilette war versperrt, Strom gab es nirgendwo).

Vermutlich werden morgen auch die Seilbahnen nicht in Betrieb sein. Egal, wir werden sehen. Es ist hier eine fantastische Landschaft.

4. Tag – 05.09.2019

Die Gondel ging tatsächlich nicht.
Also unverrichteter Dinge nach Cluses zurück. Dort im Super U getankt (1,38 – der bisher gesehen günstigste Preis) und ein bisschen eingekauft.
Dann ging es weiter nach Le Reposoir mit seinem toll gelegenen Kloster

und anschließend über den Col de Colombière (1618 m) – eine richtige Passfahrt,

denn auf der anderen Seite ging’s natürlich auch wieder runter (viel 2. Gang).
Man landet schließlich in Thones. Dort in der Nähe befindet sich ein Mahnmal für französische Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg, die sich dort in der Gegend zahlreiche Gefechte mit den Deutschen geliefert haben.

Viele sind auch in Gefangenschaft geraten und dann hingerichtet worden, aber letztlich war das Gebiet um Annecy das erste, das ausschließlich von der Résistance befreit wurde. An der Site de Morette gibt es einen Ehrenfriedhof und ein Museum, in den Bergen noch ein großes Denkmal. Es haben sich dort ergreifende Geschichten abgespielt.
Ich zog meine CC-App zu Rate und las Bewertungen durch und entschied mich dann, mich der Touri-Region Annecy zu nähern. Direkt am See stehe ich jetzt auf einem richtigen CP (Le Solitaire du Lac) mit warmen Duschen, Strom und allem. Er liegt 9 km von Annecy entfernt, das man auf einem recht ebenen Radweg gut erreichen kann, wenn man will. Der Platz hätte mich etwa 25 € gekostet, aber Dank ACSI-Card kostet er „nur“ 19,10 € pro Nacht. Wahrscheinlich bleibe ich auch morgen noch hier.

5. Tag – 06.09.2019

Wieder eine herrlich ruhige Nacht, morgens und den ganzen Tag über war es dann aber kühl und bewölkt.
Erstmal warm geduscht und dann gefrühstückt, aber dann ging es los:

mit dem Fahrrad, das fuhr die ganze Zeit wirklich sehr gut. Bis nach Annecy sind es auf dem separierten Fahrradweg etwa 9 km. Und der Weg ist wirklich ziemlich eben. Teilweise führt er sehr nahe am Wasser entlang.
In Annecy (138 000 Einwohner) stellte ich das Fahrrad im Zentrum ab und ließ auch die Luftpumpe auf dem Gepäckträger. Dann suchte ich die Touristeninformation und die hatte dann einen Stadtplan und eine Wegbeschreibung (auf Deutsch) zu den Sehenswürdigkeiten für mich.

Ich wählte die Route „Die Altstadt und die Kirchen“ (oben der lilafarbene Weg von D nach Z). Und dann ging es mehr oder weniger in Schlängellinien durch die sehenswerte Altstadt. Es war nicht richtig spektakulär, aber sehr sehenswert und atmosphärisch anziehend.



Auf dem Rundgang erlebt man zahlreiche Kirchen, Klöster, bedeutende Wohnhäuser, Brunnen, Arkadengänge, das Schloss und natürlich das das Stadtbild prägende Wasserstraßennetz. Es gibt tatsächlich einige Kanäle, zahlreiche Brücken und Promenierwege entlang des Wassers. Der Fluss Thiou entwässert den See.


Alles ist herrlich mit Blumen geschmückt, im Park stehen Kunstwerke und es wird Boule gespielt. Im Reiseführer wird die Stadt als von Touristen überlaufen beschrieben, das war heute nicht der Fall, obwohl, leer war es nicht und auf den Straßen gab es einige Staus.
Gegen 17 Uhr machte ich mich auf den Rückweg. Die Pumpe war noch da.
Unterwegs machte ich noch Halt bei Mc Donalds. Außerdem konnte ich mir dort einige Maps-me-Karten herunterladen für die Gebiete, durch die ich so fahre.
Das war ein interessanter Stadt-Ausflug mit fast 20 km Fahrrad-Tour und einigen Metern zu Fuß.

6. Tag – 07.09.2019

Gegen 11 Uhr ging es los. Zunächst noch am See entlang und nach Faverges. Dann verließ ich die wunderbar ausgebaute Strecke nach Albertville und zwängte mich auf engen Straßen durch einen Gebirgsstock. Darin befindet sich – etwas abgelegen – das Kloster Notre Dame de Tamié, das ich allerdings nicht besucht habe. Ich war auf dem Weg zum Fort de Tamié, oberhalb von Albertville gelegen und Ende des 19. Jahrhunderts angelegt, um das ganze Tal der Isère in der Gegend zu überwachen.

Der Eintritt ist gratis, aber so richtig viel gibt es auch nicht mehr zu sehen; das Gelände ist an manchen Stellen in einen Freizeitpark umgewandelt worden, mit Hochseilgarten, Hüpfburgen und dergleichen. Das Wichtigste ist auch die tolle Aussicht von hier oben.

Danach ging es nach Albertville zur Cité Médiévale de Conflans, einem mittelalterlich geprägten Stadtteil. Direkt dabei ist ein SP, wo man ohne alles übernachten könnte. Im Grunde besteht Conflans aus einem Markt und ein paar Häusern drum herum sowie einer Kirche. Sieht alles nett aus.

Auf einer wunderschönen Schnellstraße ging die Fahrt dann weiter bis Moutiers und dann hinein ins Tal, an dessen Ende Val Thorens liegt. Dort soll man frei stehen können und es gibt neben vielen anderen eine Seilbahn auf den 3195 m hohen Cime de Caron, der fantastische Ausblicke bieten soll. Soweit das Buch. …


Letztlich war es wie in Flaine, keine Seilbahn war in Betrieb, der Ort in über 2300 m Höhe kalt und ausgestorben, der SP eine riesige Asphaltwüste … also wieder grandiose Landschaft, aber quasi ausgeschaltet, trotz Sonnabend. Was tun? Es war etwa 16 Uhr.
Es ging also die 35 km zurück bis Moutiers, dann ein Stück auf der schönen Schnellstraße von Albertville bis zur Abzweigung Col de Madeleine. Die Strecke rauf sind auch noch mal gut 30 km, und die hat es in sich, denn manchmal ist sie recht schmal und es kamen mir viele Fahrzeuge entgegen, vor allem Motorräder, die gerne mal an den Serpentinen die Kurven schneiden. Aber es ging alles gut und die Strecke ist wirklich einzigartig.
Um etwa 18 Uhr war ich oben.

Es gibt zwei Einkehrmöglichkeiten, beide hatten schon geschlossen.
Na ja, ein paar Fotos gemacht, umhergelaufen … Die Sonne scheint noch, aber es ist auch hier in 2000 m Höhe kühl und windig. Ich habe beschlossen, ich bleibe jetzt hier oben. Der Parkplatz auf dem Col de Madeleine leert sich langsam, ein anderes WoMo scheint auch hier bleiben zu wollen.

7. Tag – 08.09.2019

Es war windig und ziemlich bedeckt, keine Aussicht auf den Mont Blanc.


Die Fahrt ging talwärts in Richtung La Chambre, aber es gibt wohl zwei Wege dort hin. Für mein Gefühl habe ich den schlechteren gewählt, mit sehr vielen Serpentinen und insgesamt in schlechtem Zustand und sehr eng.

Egal, schließlich war ich unten und stellte mich erstmal auf den SP von La Chambre, um mir den Ort ein wenig anzusehen. Viel war es nicht, es war ja Sonntag, die Geschäfte waren geschlossen, aber immerhin ...
Dann wollte ich weiter. Das nächste Ziel war der Col du Glandon. Also: rauf, Sonne und Regen im Wechsel. Oben kurz gehalten, geschaut, fotografiert …

… danach 2,5 km weiter zum nächsten Pass – Col de Croix de Fer (2067 m) …

… und dann bergab durch superschöne Landschaften. Entlang des Lac de Grand Maison, eines großen Stausees.

Ich fuhr über Bourg-d’Oisans, um von dort die letzten 14 km mit ihren 21 berühmten Serpentinen hoch nach Alpe de Huez in Angriff zu nehmen. Ich kam auch recht leicht hoch. Mit dem Fahrrad mag ich mir das gar nicht ausmalen. Oben dann ganz leichter Schneefall.
Der Ort war so wie zu befürchten: hässlich und total tot. Ich habe nichts entdeckt, was geöffnet hatte. Der Wohnmobilstellplatz ist riesengroß und wir drei Mobile verlieren uns quasi auf dem Platz.


Ich machte einen ausführlichen Rundgang, einerseits in den Retortenort, andererseits zu einer – man glaubt es kaum – Ausgrabungsstätte aus dem Mittelalter, als hier Leute gesiedelt und nach Bodenschätzen geschürft haben.

Es gibt noch ein paar alte Mauerreste einer Burg und einer Kirche und einige Funde, die im Museum ausgestellt sind, das aber – natürlich – geschlossen hatte.
Tja, es ist mal wieder 20 Uhr und wir läuten den Abend ein. Für die Nacht muss ich mich warm verpacken.

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lastrami am 19 Sep 2019 14:23:47

:top:, Klasse !!! Noch mehr! Gruss, S.

Julia10 am 19 Sep 2019 14:49:48

Das fängt ja schon gut an :) Interessanter Reisebericht :top: Bin gespannt, wie es weitergeht :)

Susebesitzer am 19 Sep 2019 17:35:44

In die französischen Alpen - Teil 2

8. Tag – 09.09.2019 - Montag

Die Nacht war wieder recht kalt, aber ich war etwas besser geschützt. Morgens schien die Sonne, die Aussicht aus dem Wohnmobil war herrlich. Die Heizung lief seit 8 Uhr. Aber der auf Gas gestellte Kühlschrank blinkte. Ausgestellt, wieder angestellt: blinkte nicht mehr. Dafür hatte ich den Eindruck, dass die Heizung nicht mehr heizte. Vielleicht habe ich ja schon zu viel Gas verbraucht, aber auch der Kocher ging. Mal das nächste Heizen abwarten, vielleicht nur eine Luftblase in der Leitung oder die Flasche ist wirklich leer. Hoffentlich ist es nichts Schlimmeres.
Alpe de Huez hat ja tatsächlich einen Flugplatz.

Und morgens landeten sogar zwei kleine Propellermaschinen dort, fast über den Parkplatz der Anflug und dann bergauf landen. Sachen gibt’s.
Jedenfalls ging es bei schönstem Wetter los und fuhr sich ganz gemütlich hinter einem Riesen-LKW runter. Herauf war stärkerer Verkehr, vor allem von schnaufenden Radfahrern.
Dann ging es südwärts durch einsame Gegenden, zunächst über den Col d’Ornon (1371 m) und dann eine ganze Zeit durch die tolle Landschaft bis Corps. Von dort zweigt eine Straße ab, die sich letztlich auf fast 1800 m hochschlängelt und am Sanctuaire de Notre-Dame de la Salette endet.

Dort hatten zwei Kinder aus der Gegend 1846 eine Marienerscheinung, führten ein längeres Gespräch mit der Dame, erhielten Handlungsanweisungen und Ratschläge.

Der Bischof von Genoble lässt alles prüfen, erklärt die Erscheinung für wahrhaftig und ordnet den Bau einer Kirche dort an (1852 – 65).

Und jetzt steht dort ein imposantes Bauwerk der Heiligenverehrung. Es ist nach Lourdes die zweitwichtigste Marienerscheinungsstätte in Frankreich und es war gut besucht, nicht so ein Rummel wie in Lourdes, aber ein ziemlich großer Komplex. Und das in fantastischer Lage.

Dann ging es wieder raus aus dem Tal nach Corps zurück. Auf der Weiterfahrt noch schnell getankt: 1,39 – auch nicht billig.
Im Reiseführer wird ein SP in Pont du Fossé empfohlen. Dieser Empfehlung bin ich gefolgt. Man hat dort zwar kein Klo, aber Strom und man steht in einer Art Park ganz nah an dem Ort, der allerdings nicht so richtig viel hermacht. Leider muss man eine Mitgliedskarte des Betreibers erwerben (ca. 4 €), aber dafür hat man auf alle über 100 Stellplätze des Betreibers unkomplizierten Zugang mit dieser Karte.
Ich machte einen Spaziergang in den Ort, kaufte ein bisschen ein und jetzt, gegen ½ 8, gibt es Abendbrot mit frischen Tomaten.

9. Tag – 10.09.2019

Eigentlich wollte ich mir die Altstadt von Gap anschauen …
…, aber ich bin dann durchgefahren und kam über Chateauvieux und Rochebrune an den Stausee Lac de Serre-Poncon.
In der Nähe des Col Lebraud (1110 m) befindet sich ein Aussichtspunkt, von dem aus man große Teile des Sees überblicken kann.



Auch das Museoscope du Lac befindet sich hier, wo mit allen Schikanen alles um den Damm und den See aufgearbeitet wird. 14,50 € Euro kostet der Spaß, für mich zu viel.
Wenn man den Pass überwunden hat, kommt man nach Chorges und nach weiteren 12 Kilometern ist man in Savines-Le-Lac, dem Hauptort am See. Man erreicht den Ort über eine Brücke. Noch ein paar Kilometer weiter kommen einige Stellplätze und Campingplätze. Letztlich habe ich mich für einen der Campingplätze entschieden: Camping La Municipal Garenne (16,80 €). Er ist sehr einfach, liegt relativ nahe am Wasser und ansonsten sehr abseits.

Das ganze Gebiet hier hat sich zu einem Touristengebiet erster Güte entwickelt und im Sommer soll hier die Hölle los sein. Jetzt – im September – ist es wie überall hier menschenleer, Geschäfte, Restaurants und Souvenirshops sind verrammelt, auf diesem Platz verlieren sich ein paar Wohnmobile.

Übrigens ist – wie ich finde – sehr wenig Wasser im See. Die Ausbuchtung, an der der CP liegt, ist zu großen Teilen trocken

10. Tag – 11.09.2019

Ein Wunder! Die Sonne schien und das den ganzen Tag, da war die Laune doch gleich wieder im Plusbereich.
Ganz in Ruhe wurden die Dinge des Alltags erledigt, geduscht, Klo entleert usw. Ich machte noch ein paar Vergleichsfotos zu gestern und dann war es auch schon bald 12 Uhr, als ich loskam. Im Grunde war der CP doch nicht so schlecht.
Nach 2 ½ km kam ein Intermarché und ich konnte mich eindecken mit dem, was ich für wichtig hielt.
Der ursprüngliche Plan – durchbrausen bis Briancon – wurde kurz vor Mont-Dauphin über den Haufen geworfen, denn das gute Wetter ließ mich einen älteren Plan umsetzen: über den Col d’Izoard (2360 m) nach Briancon. Das war eine sehr gute Entscheidung!


Die Landschaft wurde, je näher man dem Pass kam, immer bizarrer. Die „Casse Déserte“ genannte Geröllwüste, umgeben von großen Geröllhalden, malerischen Felsformationen und pittoresken Felsnadeln bildet schon eine fantastische Mondlandschaft, dazwischen das Band der recht gut zu befahrenden Passstraße.

Oben – aber nicht nur dort – hat man eine schöne Aussicht, die man mit zahlreichen Motorradfahrern und auch vielen Radfahrern genießen kann.

Dann sind es etwa 20 km bergab bis Briancon. Unterwegs begegnete ich noch einer Schafherde.
In Briancon kam ich gegen 15 Uhr an. Ich parkte das Auto auf dem offiziellen SP Parc des Sports (ohne alles, direkt an einer Durchgangsstraße und kostenlos), schnallte das Fahrrad ab und machte mich auf den Weg zur Cité Vauban, der Altstadt und Festung. 2 km war die Strecke, aber die letzten 500 m musste ich schieben, weil es mir zu steil bergauf ging.

Ich durchschritt die Hauptstraße Grand Rue, ebenfalls recht steil, bis zur Porte de Pignerol, besah mir die Kirche Notre Dame und den Place des Armes …

…, warf Blicke auf die Befestigungsanlagen des Forts und hinüber zu weiteren Forts des Gesamtkonstrukts und hatte schöne Ausblicke auf die Umgebung und die Stadt. Insgesamt alles nicht so schlecht, aber rein nur auf Tourismus ausgerichtet. Allerdings war, als ich da war, nicht viel los.

Zurück mit dem Fahrrad, huii 500 m bergab, die Bremsen haben gehalten, am SP das Rad wieder aufgeschnallt und gegen 17 Uhr mich aufgemacht zu Col du Lautaret (2058 m). Konnte man die Fahrt zum letzten Col noch toppen?
Es führt eine breite Straße hoch, keine echten Serpentinen, und auch hier eine – allerdings ganz andere – Bilderbuchlandschaft: grün bewachsene Hänge, dahinter dann steil aufragende Felswände, z. T. mit Schnee bedeckt, an einer Stelle sehe ich direkt auf einen kleinen Gletscher, alles nah wie zum Anfassen.


Das ist wirklich Gebirge pur hier, und das – es ist jetzt 19 Uhr – immer noch bei strahlendem Sonnenschein und T-Shirtwetter.

Heute Nacht bleibe ich hier oben. Es wird wohl wieder kalt, aber …

11. Tag – 12.09.2019

… aber auch heute ist T-Shirtwetter, ein Supersonnentag.
Am späteren Abend war die Batterie wieder leer, nachdem die Heizung lief und das Handy aufgeladen war. Darf doch eigentlich nicht sein, oder? Plötzlich ging nichts mehr, keine Toilettenspülung, kein Licht …
Heute Morgen hatte sich die Batterie durch den Sonnenschein wieder aufgeladen und alles war wie vorher. Ich glaube, sie ist einfach sehr schwach, nach 9 Jahren Tätigkeit.
Wie dem auch sei. Die Aussicht war wieder gigantisch, auch weil morgens das Licht aus einer anderen Richtung kommt als abends.

Ich bin erstmal über den Col du Galibier (2642 m) gefahren. Das muss man, wenn man nach St.-Michel-de-Maurienne kommen möchte.



Der höchste bisherige Pass, ganz oben total eng, mit Glück ein Plätzchen gefunden. Über 3,5 t darf man gar nicht ganz hoch. Alles voller Motorräder. Enorme Aussicht, wunderschön und warm.
Dann kam die Abfahrt in den Ort, wo es sich entscheiden sollte...

Susebesitzer am 20 Sep 2019 13:46:53

In die französischen Alpen - Teil 3

Ich hatte morgens lange überlegt. Soll ich mir die Runde über den Col de l’Iseran und Roselend-Sachen schenken, nach St.-Michel-de-Maurienne abfahren und dann über die Autobahnen nach Chamonix kommen (200 km/3 Std. Fahrzeit)?
Bis dahin kamen aber noch zwei Haltepunkte.Der erste war bei Valloire eine Ausstellung von Strohskulpturen …


… und der zweite war ein weiterer Pass: Col du Telegraphe (1566 m).

Und während der Runterfahrt war auch eine Entscheidung gefallen: Wenn ich den Galibier schaffe, schaffe ich auch den Iseran. (Eigentlich hatte ich immer ein bisschen Angst wegen Schneefalls oder Glatteis und so.) Das bedeutete,in St.-Michel-de-Maurienne nicht nach links auf die Autobahn, sondern nach rechts auf die D 1006, die zunächst in der Gegend von Modane zum Fréjus-Tunnel führte, der Hauptverbindung nach Turin.
Auf der Weiterfahrt kommt man an vielen Forts vorbei, die die Gegend in die eine oder andere Richtung absichern sollten. So auch an der Redoute Marie-Thérese.

Meine Fahrt ging weiter nordöstlich, am Col de Mont Cenis vorbei bis Bonneval-sur-Arc, wo es dann in die Auffahrt zum Col de l’Iseran (2770 m) geht. Da ist man zwar schon fast 2000 m hoch, blickt um sich auf Schneefelder und in der Höhe auf Gletscher, und es fehlen immer noch fast 800 m.


Eigentlich lässt sich der Pass recht gut fahren. Manchmal ist es eng, ganz selten gesichert und es gibt unendlich viele Motorradfahrer und ein paar redlich kämpfende Radler, aber … Es trat rauf wie runter keine einzige brenzlige Situation ein, auch wenn die Motorradfahrer wie bekloppt fuhren. Und es begleitet dich eine unglaubliche Landschaft, vor allem bei diesem schönen Wetter.


Mein Beweisfoto vom Passschild konnte ich schließlich trotz der vielen davor posierenden Motorradfahrer auch noch schießen.
Ich bin sehr zufrieden mit mir, dass ich mich so entschieden habe.


Auf der anderen Seite des Passes kommt man zunächst an einem weiteren Stausee vorbei und ist dann bald in Val d’Isère, das im Zwischensaison-Schlaf vor sich hin dämmerte, das galt – noch viel mehr – auch für den nächsten bekannten Ort: Tignes, das sich äußerlich mit Alpe de Huez vergleichen lässt, dabei aber wesentlich größer ist. Schnell wieder weg! Und runter nach Bourg-Saint-Maurice. Dort wollte ich mir einen passenden CP suchen. Der ganze Ort war ein einziges Verkehrschaos. Ich kam da überhaupt nicht zurecht. Immerhin hab ich noch mal getankt (1,40 – damit werde ich wohl bis Deutschland kommen) und war dann froh, als ich aus dem Ort wieder raus war.

Ich folgte der Straße in Richtung Cormet de Roselend, ein schmales Sträßchen steil nach oben bis zum SP Les Chapieux, ein Platz am Fluss, ohne alles, aber auch kostenlos.

12. Tag – 13.09.2019

Ein wunderschöner SP, ein wunderschöner Tag …
Ich stand auf und die Stromanzeige für die Batterie zeigte auf Rot. Wenig später erreichte die Sonne das Dach und plötzlich hatte die Batterie volle Leistung. Schwer zu verstehen und natürlich nicht akzeptabel.
Ich machte einen Rundgang durchs Gelände und entdeckte eine zum SP gehörige Toilette, ein einfaches Café (1 Cappuccino und ein Chocolat = 4,20)

und eine Gedenkstätte für Résistance-Kämpfer, die sich hier 1944 deutschen und italienischen Truppen entgegenstellten.

Nachdem dann alles erledigt war, ging es rauf zum Cormet de Roselend (1968 m) und wieder zeigten sich alle Arten von tollen Gebirgslandschaften.


Von dort ging es runter zum Lac de Roselend, einem wunderschön gelegenen Stausee …

… und immer weiter talwärts nach Beaufort. Unten angekommen, wartete schon die andere Talseite mit dem Aufstieg nach Les Saisies auf dem Col de Saisies (1633 m). Der recht bekannte Wintersportort verbreitete Alpe-de-Huez-Charme.
Auf dem Weg ging es rauf und runter, Megève wurde durchfahren, es kam St.-Gervais-les-Bains und kurze Zeit später war ich plötzlich auf der Schnellstraße nach Chamonix. Vorbei am Tunnel du Mont Blanc fand ich mich – den Anweisungen des Reiseführers folgend – auf dem Großparkplatz Grépon ein, auf dem ich in Autobahnnähe übernachten werde.
Ich machte mich auf in die Stadt und war schnell an der Seilbahn, die auf die Aiguille du Midi (3842 m) führt. Bei der dortigen Informationsstelle wurde mir geraten, möglichst früh hochzufahren, es seien dann einfach weniger Leute oben. Der Spaß kostet 53,60 € und das ist schon ermäßigt (ü 65). Oben kann man noch für 31,00 € mit der Panoramic über den Gletscher nach Courmayeur (Italien) und zurück zur Aiguille du Midi fahren. Das werde ich morgen entscheiden.
Nach diesen Informationen habe ich mir die Stadt angeschaut und fand sie sehr ansehnlich.

Viel Fußgängerzone, alter Häuserbestand und dann die Berge ringsherum: Die toppen sogar den Col du Lautaret, und das will etwas heißen. Reichlich Paraglider senkten sich immer wieder von oben herab. Ich hab einige Zeit gesucht, aber dann doch den Landeplatz gefunden. Schon beeindruckend, wie die punktgenau auf der Wiese am Rande der Stadt ankommen. Von fast überall in der Stadt hat man Ausblick auf die schneebedeckten Riesen und den von unten sichtbarem Gletscher. Meine Sorge gilt jetzt aber morgen früh. Ob die Sonne schon das Dachpaneel erreicht (hab extra umgeparkt), damit man die Funktionen nutzen kann. Zur Not kann ich Kaffee ja auch so kochen. Die zweite Frage ist, wie ich mich ausrüste. Auf 2700 m Höhe bin ich im T-Shirt rumgelaufen, jetzt geht es aber noch 1000 m höher. Wahrscheinlich nehme ich den Rucksack mit und stopfe da die dicke Jacke und was zu trinken rein. Ich glaub nicht, dass sich das Wetter wesentlich ändern wird.
Jetzt ist es ½ 8, jetzt wird gleich gegessen und dann bei Kerzenlicht gelesen. Bloß keinen Strom verbrauchen.

13. Tag – 14.09.2019

Heute war das absolute Highlight dieser Reise, nicht nur wegen des supertollen Wetters!
Ich hab mich schon früh wecken lassen, konnte aber auch schlecht schlafen. Kurz vor 8 Uhr stand ich in der Schlange vor dem Kassenhaus,

und es war wirklich eine Schlange: verschiedenste Typen, Bergsteiger mit kompletter Ausrüstung, Wanderer, Touristen, Paraglider … alles dabei. Ich zahlte 53,60 € mit Greisenrabatt, wurde in eine große Kabine gepfercht und schon ging es die Steilwand hoch zur Zwischenstation Plan de l’Aiguille (2317 m). Dort steigt man um und wird in 10 Minuten auf die Aiguille du Midi auf 3777 m transportiert. Die Höhe von 3842 m erreicht man auf der obersten Aussichtsplattform.


Die ganze Felsspitze ist eine komplizierte Ansammlung von für Touristen geschaffenen Einrichtungen.
Von der Seilbahnstation geht man über eine feste Brücke und durch einen Tunnel in die Aiguille hinein. Dort kann man sich ein Ticket für die Panoramic Mont Blanc (Seniorenrabatt 27 €) kaufen, was ich auch tat. Aber zunächst schaute ich mir die Aiguille an.
Das Wichtigste ist natürlich der Ausblick auf den Mont Blanc (4810 m) und der ist, wie alles hier, gigantisch.


Es war ein Riesenglück, dass der Himmel fast wolkenfrei war und die Sonne, auch in dieser Höhe, warm herabschien. Es gibt Reiseberichte, wo alles im Nebel oder in Wolken verhangen war.
Auf die oberste Terrasse gelangt man mit einem Fahrstuhl, der in den Felsen hineingebohrt worden ist. Über einem bleibt dann nur noch die gewaltige Antenne. Man hat Ausblicke in alle Richtungen, nach Chamonix unten, zum Mont Blanc oben oder in die Gletscherwelt.

Achte mal auf den "kleinen" Bergsteiger im Vordergrund! Unbeschreiblich.
Ans oberste Gebäude „angeklebt“ ist Le Pas dans la Vide, ein Glaskasten, der in fast alle Richtungen ins Nichts zeigt.

Das Foto oben zeigt nicht mich, sondern ist aus dem Internet ... hoffentlich war das legal!
Man steht auf einer Glasplatte und darunter ist nichts als der Abgrund. Das gibt schon einen gewissen Kick!
Es gibt auch Gänge mit zahlreichen Informationen zur Seilbahn und zur Geschichte des Mont Blanc, Restaurant, Café und Souvenirshop runden die Sache ab.
Ich konnte alles machen, was ich wollte, musste nirgends groß anstehen. Ein Glück, dass ich so früh hochgefahren war. Übrigens gab es auch keine gesundheitlichen Probleme mit der Höhe, höchstens ein bisschen Höhenangst.
Dann ging ich zur Panoramic.

Diese Seilbahn führt in 30 Minuten zum Pointe Helbronner (3462 m) direkt über das Gletschermeer dort oben. Eine ganz tolle Fahrt. Ich hatte eine ganze Viererkabine für mich und somit ungetrübte Aussicht.




Auf den Gletschern waren viele Menschen zu Fuß unterwegs. Auch den Startplatz für Paraglider konnte man sehen, ebenso Bergsteiger, die an der senkrechten Wand hingen.
Auch vom Pointe Helbronner hat man einen gewaltigen Blick auf den Mont Blanc (eben von der anderen Seite), und man könnte mit einer weiteren Seilbahn nach Italien runterfahren, nach Courmayeur.



Entsprechend waren hier viel Italiener hochgekommen. Pointe Helbronner und Aiguille du Midi ähneln sich ansonsten sehr. Auch hier kann man durchs Glas in die Tiefe schauen.
Dann ging es mit der Panoramic wieder zurück.
Ich saß mit einem Pärchen aus Livorno in der Gondel und wir radebrechten so über dies und das.
Noch ein kleiner Rundgang auf der Aiguille du Midi, die sich deutlich gefüllt hatte (Wartezeit am Lift: 45 Minuten) und dann fuhr ich mit der Gondel wieder runter nach Chamonix. Da war es gut 13 Uhr.
Das war ein ganz toller Ausflug!
Dann musste ich 16 € Parkgebühr bezahlen und konnte danach Chamonix verlassen.
Die Straße in die Schweiz führt über Argentière und den letzten Pass – Col de Forclaz (1527 m) – nach Martigny. Von dort geht es durchgängig auf Autobahnen über Fribourgh, Bern und Basel nach Deutschland. Hinter Freiburg habe ich erfolglos versucht, einen passenden SP zu finden, bei Karlsruhe ebenfalls. So bin ich gelandet – na klar – in Alsfeld, allerdings war „unser“ SP komplett belegt, aber es gibt in der Nähe einen weiteren beim Gasthaus Schäferhof für 5 €. Leider waren alle Stromanschlüsse besetzt. Beim Befahren (es war schon ½ 11 Uhr) machten die Bremsen laute, knirschende Geräusche und ich dachte schon, ich müsste morgen den ADAC rufen.

14. Tag – 15.09.2019

Das Wetter war wieder gut, aber nachts war es kalt gewesen.
Beim Losfahren verhielten sich die Bremsen einigermaßen leise, und so beschloss ich dann, die 450 km nach Hause durchzufahren. Noch kurz getankt (1,29) und dann war ich gegen ½ 4 wieder zurück. Es gab ein paar Staus, aber Dank Uschis Umfahrungskünsten kam ich eigentlich ganz gut durch.


Kleines Fazit
* Superschöne Landschaft
* Gut befahrbare Straßen
* Viele Stellplätze (häufig kostenlos, selten mit Strom)
* Ungefährliche, leicht zu befahrende Pässe
* Viel Motorradverkehr
* Hohe Preise für Kraftstoff
* „tote“ Wintersportorte im September
* Absolutes Highlight: von Chamonix zum Mont Blanc

Auch wenn’s im Text manchmal anders klingt: Die Reise hat sich absolut gelohnt und ist sehr zu empfehlen.
Inzwischen sind auch die Mängel am Fahrzeug behoben (ein Stein in der Bremsanlage und eine defekte Batterie).

gnarz18 am 20 Sep 2019 15:20:19

Vielen, vielen Dank für diesen absolut hervorragenden Bericht. Die Gegend kenne ich von früher und leider auch nur im Sommer, wenn sich die Touristen auf den Pässen stapeln. Aber im September bestimmt ein Genuss.
Grüße
Michael

nuvamic am 20 Sep 2019 18:12:54

Danke für den Bericht - und ja, das war Glück mit dem Mont Blanc. Das Teil versteckt sich IMMER, wenn ich komme! Hat er aber mit einigen anderen Gipfeln gemeinsam.... grummel

Petri40 am 20 Sep 2019 20:39:29

Sauber :daumen2:
Vielen Dank!
Tolle Vorlage, leider inzwischen für uns außer Reichweite. :sniff:

Henri1 am 21 Sep 2019 08:09:46

Moin
Toller Bericht ,danke.

Kakowo am 22 Sep 2019 09:01:01

Hach schön !!!
Danke für's mitnehmen !!!

Susebesitzer am 22 Sep 2019 18:14:23

Vielen Dank für die netten Kommentare. Da macht das Einstellen doch noch mehr Spaß.

Übrigens möchte ich noch meinen "geistigen Vater" benennen, also den Reiseführer, dessen Spuren ich gefolgt bin:
"Mit dem Wohnmobil in die französischen Alpen" von Heiner Newe und Heiderose Thomsen-Newe (WOMO-Verlag, Band 91, 2018).
Das ist ein ganz ausgezeichneter Führer mit vielen, vielen Informationen.

birgit60 am 30 Sep 2019 20:35:28

Vielen Dank für diesen schönen Bericht und die tollen Fotos. Da bekomme ich schon wieder Fernweh und möchte gleich losfahren. Auf jeden Fall sind da einige Stationen dabei, die ich mir jetzt schon für's nächste Mal merke.

Nette Grüße

Birgit

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