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Reisebericht Route Napoleon und Cote dAzur September 2019


birgit60 am 27 Sep 2019 22:48:46

Mittwoch, 28.8.2019
Die WetterApp kündigt für Frankreich bestes Reisewetter an. Unserem Vorhaben, die Route Napoléon zu fahren, steht also nichts im Wege. Im Gegensatz zu Napoléon, kommen wir nicht aus der Verbannung von Elba sondern aus Offenbach am Main und fahren seine Route in entgegengesetzter Richtung. Was Napoléon in 8 Tagen zu Fuß schaffte, sollte mit dem Kastenwagen in 14 Tagen doch zu schaffen sein. Heute steht es endgültig fest, es geht wieder einmal nicht nach Italien sondern in das inzwischen vertraute und zu unserem Lieblingsland gewordene Frankreich. Demzufolge besorge ich mittags beim ADAC die Vignette für die Schweiz und werde großzügig mit allerhand Kartenmaterial versorgt: Schweiz, Frankreich, Provence, Cote d’Azur, Ver- und Entsorgungsstationen für Wohnmobile und Wissenswertes zu den Ländern, die wir durchfahren.

Nachmittags beginne ich zu packen und räume schon mal ein. Nachdem im zurückliegenden Sommerurlaub unsere Versorgungsbatterie geschwächelt und eine Woche später komplett ihren Geist aufgegeben hatte, gönnten wir uns für diesen Urlaub solartechnisch ein Upgrade und erweiterten das 75 Watt Solarpanel um eine 105 Watt Platte. Dazu gab’s einen neuen Solarladeregler und zwei neue 85 AmH Gelbatterien. Damit sollten wir (trotz unseres energiehungrigen Kompressorkühlschranks) ein paar Tage frei stehen können. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen und weil die Gasprüfung anstand, leisten wir uns noch einen Crashsensor. Jetzt können wir die Gasflasche während der Fahrt aufgedreht lassen und müssen nicht umständlich mit schlechtem Gewissen die mit Fahrrädern beladenen Hecktüren öffnen um an den Gaskasten zu gelangen. Letztere Investition sollte sich schon bald amortisiert haben, denn wir sparen zig teure Kaffees und Café au Laits bei Zwischenstopps auf Tank- und Rastplätzen.

So. Alles fertig. Ich schließe mit Schwung die Hecktür und dabei fällt mir das linke Heckfester entgegen. Das kann doch nicht wahr sein. So können wir unmöglich losfahren. Warum muss es immer kurz vor Fahrtantritt solch unliebsamen Überraschungen geben? Ich teile mein Problem unseren Kastenwagenfreunden mit und werde wieder mit vielen guten Informationen versorgt. Unser Retter in der Not ist Hartmut, der spontan vorschlägt, schnell bei ihm vorbeizukommen. Gesagt, getan. Kaum angekommen, Fenster ausgebaut, mit Heißluftfön thermisch in Form gebracht, Fenster eingebaut und das abgebrochene Teil mit Sugru verklebt. Fertig. Fenster hält und lässt sich problemlos öffnen und schließen. Ein Hoch auf Hartmut!


Freitag, 30.8.2019

Um 14.30 Uhr setzen wir uns in Bewegung.



Es läuft wider Erwarten bestens und gegen Abend erreichen wir einen kleinen Ort namens Cheyres in der Nähe von Yverdon-Les-Bains am Lac de Neuchatel.



Wir stehen auf einem Parkplatz, der zu einer Ferienhaussiedlung gehört und verbringen eine ruhige Nacht.







Samstag 31.8.2019

Nach dem Frühstück geht’s weiter vorbei am Genfer See über Chambery nach Grenoble.



Hier lotst uns das Navi zunächst auf die (wohl schnellere) N75. Wir wollen aber auf die Route Napoléon und das ist nun mal die N85. Nach einem kurzen Umweg gibt TomTom es auf, uns ständig und immer wieder auf die von ihm vorgeschlagene Route zurückbringen zu wollen.



Wir sind auf der richtigen Route. Es fährt sich prima, selbst die berühmt berüchtigte Rampe von Laffrey stellt kein Problem dar, zumal wir ja aus der Gegenrichtung kommend, die Rampe bergauf fahren und erst am Ende feststellen, dass es diese gewesen ist. Am Lac de Laffrey machen wir Mittagspause.






Ein Gewitter kommt auf, zieht aber an uns vorbei. Wir genießen das Bergpanorama. Am späten Nachmittag erreichen wir den CP Les Prés Hauts in Sisteron.






Sonntag, 1.9.2019

Nach dem Frühstück entschließen wir uns, doch nicht mit den Rädern nach Sisteron zu fahren. Wir packen zusammen und wechseln auf einen kostenlosen Stellplatz direkt am Ortseingang von Sisteron, wo man auch hätte übernachten können und machen uns zu Fuß hinauf zur Zitadelle.










Nach deren Besichtigung haben im Ort die meisten Läden Mittagspause. Wir bummeln kurz durch den sehenswerten Ort und fahren anschließend weiter nach Digne-Les-Bains auf CP Les Thermes.





Nach einer kleinen Stärkung fahren wir mit den Rädern in den Ort. Hier findet gerade ein Oldtimer-Treffen statt.











Nach der Orts- und Kirchenbesichtigung radeln wir zurück zum CP.


Montag 2.9.2019

Unser heutiges Ziel ist Moustiers-Sainte-Marie.





Es soll eines der schönsten Dörfer Frankreichs sein. In dem beschaulichen Ort gibt es keine Parkmöglichkeiten, also steuern wir den am Fuße des Bergdorfes gelegenen Stellplatz an und stiefeln hinauf in den Ort, der zu Recht als einer der schönsten Frankreichs zählt.















Man erkennt ihn kaum: Zwischen den Felsen hängt hoch oben über dem Dorf ein goldener Stern, der das Dorf beschützen soll.











Hier nochmal der Stern:




Nach drei Stunden entschließen wir uns zur Weiterfahrt an den Lac de Saint Croix nach Les-Salles-Sur-Verdon.







Die beiden großen Cps sind leider belegt. Auf dem CP municipal Les Ruisses haben wir jedoch Glück. Die Empfangsdame ist ausgesprochen freundlich. Der Platz an sich ist relativ einfach aber die Sanitäranlagen sind ordentlich, wenn auch nicht die Neuesten.









Dienstag, 3.9.2019

Nach dem Frühstück unternehme ich (Gert) eine Radtour. Der Garmin hat mir mittels Roundtriprouting eine 65-Kilometer-Strecke rund um die als Sehenswürdigkeit beschriebene Schlucht, durch die der Verdon rauscht, zusammengestellt. Nach vier Jahren Garmin-Roundtriprouting-Erfahrung sollte ich eigentlich wissen, dass das mit den Kilometern am Ende nie stimmt, aber egal. Eine Banane, ein Dreiviertel Liter Apfelsaftschorle, das muss reichen … und los geht’s. Runter vom Campingplatz, links auf die Landstraße und nach einem Kilometer im Kreisel raus auf die D71, eine wunderschöne, schmale Landstraße, die nur ein Profil kennt – bergauf. Schnell finde ich meinen Tritt und kurbel mich Kurve für Kurve höher hinauf, an einsamen Höfen vorbei und genieße nach jeder Kehre die Aussicht auf den immer kleiner werden Lac de Saint-Croix.



Nach einer Weile wundere ich mich das erste mal über meinen Garmin. Im Feld „Distanz“ steht 0 Kilometer. Ich will das Ding schon verfluchen, das fällt mir ein, ich habe vor lauter Aufregung nicht auf Start gedrückt als ich die Campingplatzschranke passiert habe…da hat er aber Glück gehabt, der Herr Garmin. Ich halte zweimal kurz an um ein Foto zu machen, und weiter geht‘s nach oben. Irgendwann ist es geschafft. Auf 1190 Meter ging es hoch und die Ausblicke, die sich nach jeder Richtungsänderung zeigen sind unfassbar schön.



Die Landstraße verläuft nun mehr oder weniger parallel zur Schlucht. Auf der linken Seite der Canyon, rechts weiche Hügellandschaft bis zum Horizont. Es gibt zig Haltebuchten, die einen grandiosen Blick in die Tiefe ermöglichen, an machen Stellen geht es bis zu 700 Meter nach unten. Irre. Anfangs halte ich in jeder Kurve und gucke runter, und mir dämmert, wenn ich so weiter mache bin ich morgen erst zurück. Es wird ein weniger flacher, kurvig ist es sowieso und die ein oder andere Abfahrt kommt hinzu.




Die Straßen sind perfekt. Keine Schlaglöcher, kein Split in den Kurven. Ich fahre und fahre und kann es immer noch nicht glauben wie schön das hier ist. Der Garmin zeigt mittlerweile im Feld Distanz 35 Kilometer an. Wenn ich bedenke, dass der erste Teil fehlt und ich mich seit bald zwei Stunden weg vom See bewege, taste ich erstmals ängstlich nach der Banane in meiner Trikottasche. Nach einigen Kilometern in hügeligem Gelände nähere ich mich dem Ort Trigance. Das müsste der weiteste Punkt sein und allerhöchste Zeit, meine mittlerweile leere Trinkflasche aufzufüllen.





Eine kleine Brücke führt über den Verdon, was bedeutet, dass ich ziemlich weit unten bin. Ab jetzt geht es wieder stetig bergauf, und der Blick auf das Distanzfeld sagt mit, der Garmin hat mal wieder gelogen. Langsam melden sich die Oberschenkel. Mein Treckingrad hat keine Klicks, nur normale Pedale, das heißt ich kann nur treten, nicht ziehen. Der wunderschöne Aufstieg entlang des Verdons lässt mich dieses kleine Handicap schnell vergessen. Es geht wieder sagenhaft schöne Kilometer nach oben, mit Felsüberhängen und Spitzkehren, die unzählige atemberaubende Blicke in die Tiefe bieten. Nach rund 75 Kilometern sehe ich endlich die Brücke am Eingang zum See. Ich halte kurz an, fotografiere und schreibe Birgit, dass ich gleich zurück sein werde, denn es sind nur noch rund 4 oder 5 Kilometer. Dachte ich zumindest. Obwohl ich die Brücke von oben in wenigen hundert Metern Entfernung sehe, komme ich nicht runter. Ich muss die D952 weiter fahren und entferne mich immer mehr vom See. Langsam bekomme ich Hunger. Die Banane habe ich schon vor einer Stunde gegessen und ich werde langsam nervös. Es dauert eine Weile bis ich an einen Kreisel komme, der mir endlich eine Richtungsänderung erlaubt. Ich wechsele auf die D957 und nun stimmt die Richtung wieder. Nach 92 Kilometern passiere ich die Schranke vom Campingplatz und nehme mir zum wiederholten Male vor, mich nicht mehr auf den Garmin zu verlassen…


In der Zwischenzeit räume ich (Birgit)auf, löse Sudoku, halte ein Schwätzchen mit der Nachbarin, deren Mann mit Sohn gerade eine Kanutour auf dem Verdon unternimmt.
Gert ist zurück und ich fahre mit dem Rad nach Les Salles sur Verdon und finde dort einen tollen Metzger mit angrenzendem Gemüsestand. Ich kaufe Zutaten für einen Salat und wähle beim Metzger ein eingelegtes Filet Mignon (Filet zum Grillen kannte ich bisher nicht) und zwei Bratwürste. Am Abend grillen wir die Köstlichkeiten vom Metzger und fühlen uns wie Gott in Frankreich.

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birgit60 am 27 Sep 2019 22:59:10

Mittwoch, 4.9.2019

Nach dem Frühstück packen wir zusammen. Wir verlassen den See über die D952 in Richtung Castellane.



Vorher machen wir aber den Abstecher über die Route de Crêtes. Dazu muss man wissen, dass diese Route ca. zur Hälfte „Einbahnstraße“ ist und nur im Uhrzeigersinn befahren werden darf, wenn man die Runde komplett fahren möchte. Wir durchqueren also La Palud de Verdon und kurz hinter dem Ortsausgang ist die Route ausgeschildert. Was wir hier sehen, lässt sich nicht gut beschreiben. Es ist umwerfend, beeindruckend, fantastisch. Gut ausgebaut finden sich quasi hinter jeder Kehre Aussichtshalteplätze.










Offensichtlich halten sich die Meisten an das angeratene Im-Uhrzeigersinn-Fahren und uns kommen relativ wenige Fahrzeuge entgegen. Der Tross bewegt sich im gleichen Rhythmus und an den Aussichtspunkten treffen wir immer wieder die gleichen Leute. Dann kommt die Stelle, an der es nur noch in eine Richtung weitergeht. Es wird schmaler, wir freuen uns, dass mit entgegen kommenden Fahrzeugen nicht gerechnet werden muss.














Aber wir täuschen uns. Die folgende Begebenheit fasst Gert mal zusammen, da er das Gespräch mit dem „Geisterfahrer“ von Beginn an führte:
Wir stehen in einer Kurve an einem Aussichtspunkt. Ein kleiner Campingbus mit Mannheimer Kennzeichen und aufgestelltem Heki kommt von oben, wechselt ohne zu blinken über die Gegenfahrbahn in die Parkbucht und hält direkt vor mir. Ich deute auf das offene Heki. Am Steuer ein Deutscher, Mitte Fünfzig, daneben seine Frau mit starrem Blick geradeaus. Fenster offen, er ohne Begrüßung deutet nach oben: „Ich weiß.“ Der Motor läuft weiter. Er: „Stimmt das, man kann nur in eine Richtung fahren?“ Ich: „Soweit ich weiß, ja. Und zwar im Uhrzeigersinn. Also da lang“ und deute mit dem Finger in die Richtung. Sie recht barsch: „Sag ich doch!“ ER: „Wir sind andersrum gefahren. Da stehen ja auch keine Schilder.“


Doch doch , sie stehen da und sind nicht zu übersehen.

Er weiter:“Wir waren schon fast oben, da sagt einer wir müssen wieder zurück.“ Ich: „Ja, es stehen regelmäßig blaue Schilder mit einem weißen Pfeil in diese Richtung. Eigentlich recht eindeutig.“ Er: „Aber es steht nirgendwo, dass man nicht andersrum fahren darf.“ Ich: „Naja, auf der Autobahn steht ja auch nicht, dass man nicht anders rum fahren darf. Das weiß man eben.“ Sie, langgezogen und völlig genervt: „Siiieeehste!“. Er: „Also wieder zurück. Das haben wir doch schon alles gesehen, aber was soll’s. Alllaaa…“ und fährt davon. :lol: Leider kann ich das völlig genervte Gesicht der Frau nicht angemessen beschreiben, denn ich habe mich innerlich gebogen vor Lachen, weil ich war mir sicher war, sie hat zig kilometerlang versucht ihren Mann davon zu überzeugen, dass sie in der falschen Richtung unterwegs sind.

Gert erzählt mir die ganze Geschichte nochmal von Anfang an und ich denke dabei sofort an Loriots „Szenen einer Ehe“. Köstlich. Da ist er doch tatsächlich in der falschen Richtung durch 2 Tunnel gefahren. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Ich mach’s und habe immer noch Spaß dabei.










Zurück auf der D 952 fahren wir weiter nach Castellane. Auf CP Frédérik Mistral, der fußläufig zum Ort liegt, schlagen wir unser Lager auf.





Nach der Platzbesichtigung (alles tipp-topp, nette Betreiber) und einem Kaffee, radeln wir nach Castellane und schlendern durch den netten kleinen Ort.














Wieder einmal zur Mittagspause, zu spät zum Mittagessen, zu früh zum Abendessen haben wir keine Aussicht auf ein Menu und so kaufen wir unterwegs in einem Supermarkt ein. Zurück auf dem CP weihen wir unseren Omnia ein.



In der Dunkelheit haben wir einen schönen Blick von unserer Parzelle auf die beleuchtete Notre Dame du Roc:




Donnerstag 5.9.2019

Nach dem Frühstück radeln wir nach Castellane, stellen die Räder an der Kirche ab und machen uns auf den Weg hinauf zur Notre Dame du Roc. Ein schöner Pfad, der oft zum Innehalten einlädt und herrliche Aussichten auf das unten liegende Castellane und in die Umgebung freigibt.


















Oben angekommen, besichtigen wir die Bergkirche, die mit vielen Votivgaben ausgestattet ist.























Zurück im Ort sind wir hungrig von der Wanderung und entdecken ein schönes Restaurant, in dem gerade die ganze Gendarmerie speist. Das angebotene Menu liest sich vielversprechend und so fragen wir nach einem freien Tisch. Der Kellner ist „desollé“, weil die Küche gerade geschlossen wurde. Wieder einmal Pech gehabt. Also essen wir wieder auf dem Campingplatz. Heute bleibt der Omnia im Schrank. Die Kombüse bleibt kalt.

birgit60 am 27 Sep 2019 23:03:51

Freitag, 6.9.2019

Wir sind immer noch hier, es gefällt uns zu gut und wir denken noch nicht ans Weiterfahren. Gert unternimmt eine Radtour (wider Erwarten stimmt dieses Mal der Garmin)



und ich erkunde Castellane noch mal in die andere Richtung.





Zurück auf dem CP kommen wir mit unserem neuen Nachbarn, einem Belgier, der 20 Jahre in Castellane gelebt hatte und nun seine Urlaube hier verbringt, ins Gespräch. Er rät uns davon ab, Grasse zu besuchen: Zu voll, zu enge Straßen, kein Stellplatz, kaum Parkmöglichkeiten. Also wenn wir einen kostbaren Urlaubstag einsparen wollen, dann sollten wir Grasse auslassen. Naja, er muss es wissen. Wir streichen Grasse aus unserem Fahrplan.


Samstag, 7.9.2019

Vor dem Frühstück erledigen wir ein paar Einkäufe auf dem Markt in Castellane. Anschließend ver- und entsorgen wir, bezahlen und machen uns auf den Weg nach Cannes.



Aufgrund des dort herrschenden Trubels fahren wir weiter nach Agay. Der CP Agay Soleil ist komplett belegt, da geht nichts ohne Reservierung. Ok, so schön ist das dort nun auch wieder nicht und so tuckern wir weiter die Küste entlang.





Hin und wieder sehen wir Campingplätze, die aber auf der anderen Seite der Küstenstraße liegen. Also fahren wir planlos weiter, besichtigen im Vorbeifahren noch kurz den CP Les Mûres in Grimaud, durchqueren Saint Tropez ohne Stau(!) und landen letztendlich auf dem WoMostellplatz Bonne Terrasse in Ramatuelle, hinter dem Strand von Pampelonne.

Dieser ist wirklich gut besucht und wir ergattern den letzten freien Platz. Wobei der Platzwart immer noch Wohnmobilen Einlass gewährt, obwohl es längst keine regulären Abstellmöglichkeiten mehr gibt. Wie auf den meisten Stellplätzen, kommt man auch hier sehr schnell mit den Nachbarn ins Gespräch. Es ist gesellig und man muss es mögen. Eine Woche wollte ich hier nicht unbedingt stehen aber für 1-2 Nächte finde ich das nett und abwechslungsreich. Wir machen einen Spaziergang am Strand von Pampelonne, der unmittelbar an den Stellplatz angrenzt und schauen uns im Vorbeigehen die Strandclubs an. In einem findet gerade eine Hochzeit statt. In einem anderen sind alle Gäste ganz in weiß gekleidet. Draußen in der Bucht liegen einige Yachten vor Anker. Wer sich hier wohl gerade mit wem trifft?











Nach dem Strandspaziergang grillen wir. Unser Nachbar, ein netter belgischer Rentner, verbringt den halben Sommer hier. Er gibt uns den Tipp, dass morgen früh um halb 9 der Bäcker auf den Platz kommt und dass es von Vorteil sei, wenn wir uns da früh anstellen. Kurz vor Sonnenuntergang stehen wir einer Dame mittleren Alters mehr oder weniger gut mit Rat und Tat zur Seite, die gerade dabei ist, sich von ihrem Freund zu trennen und ihr Hab und Gut irgendwie zusammenpacken muss, weil sie bereits einen Flug gebucht hat und später noch mit dem Taxi nach Nizza zum Flughafen fährt.








Sonntag, 8.9.2019

8.15 Uhr auf dem Stellplatz. Schräg hinter unserem Schlafzimmerfenster stehen bereits die ersten Leute zusammen und plaudern. Ich geselle mich dazu. Bonjour, ca va? Aus der kleinen Gruppe wird innerhalb von Minuten eine lange Schlange und kurz darauf fährt ein kleiner Kastenwagen hupend über den Platz um dann genau vor der Schlange Position zu beziehen. Die nette Bäckerin macht hier das Geschäft ihres Lebens.



Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei und aus allen Richtungen duftet es nach Kaffee. Wir frühstücken ausgiebig, machen anschließend noch einen Strandspaziergang und beschließen, es bei der einen Nacht zu belassen.



Wobei, wir haben schon schlechter und enger gestanden. Der Platz kostet 10 € für 24 Stunden, zuzüglich 0.60 € Kurtaxe pro Person. Strom gibt es nicht aber immerhin zwei Duschen und zwei Toiletten, die wir allerdings nicht aufgesucht haben. Einfache Spülen und eine V+E Station gibt es auch. Alles nicht wirklich schön, aber funktionell. Nachdem wir uns vom belgischen Dauercamper gegenüber verabschiedet haben, machen wir uns auf den Weg nach La Londe Les Maures zum CP Le Pansard.



Dort angekommen läuft alles ganz unkompliziert. Wir sollen uns einfach eine Parzelle aussuchen und dann Bescheid sagen, für welche wir uns entschieden haben. Umstellen sei kein Problem, dann aber bitte (für den Evakuierungsfall) die neue Parzellennummer wieder mitteilen. Der Platz ist ganz nach meinem Geschmack. Kein Schickimicki, freie Platzwahl, saubere Sanitäranlagen. Auch wenn wir nicht in der vordersten Reihe stehen, so haben wir eine schöne sonnige Parzelle mit Blick auf das Meer, nur ein paar Schritte vom Strand entfernt. Mit einer gewissen inneren Genugtuung antworten wir auf die Frage, ob wir Strom benötigen, mit „non“. Hier lässt es sich aushalten. Nachdem wir uns eingerichtet haben, ruft das Meer. Das Wasser ist herrlich warm.











Montag, 9.9.2019





Nach dem Frühstück macht Gert mal wieder eine Radtour und ich fahre, ebenfalls mit dem Rad, nach La Londe Les Maures. Allerdings verfahre ich mich auf dem Rückweg mehrmals und habe so gesehen auch eine „längere“ Radtour gemacht. Es wird zunehmend windiger und stürmischer. Gut für die Surfer, schlecht für unsere Markise. Bei einem Nachbarn sind schon die Markisenstangen eingeknickt. Der Wind ist extrem böig und bevor das in einen strammen Sturm übergeht, schmieden wir einen Plan, wie wir die Markise rein bekommen ohne dass sie wegfliegt. Wir beobachten, dass zwischen den heftigsten Böen dreißig bis sechzig Sekunden Pause ist. Sobald der Sturm also eine kurze Pause einlegt, Heringe raus, Sturmband lockern, einer hält fest, einer kurbelt. Perfekt. Unser Plan geht voll auf und wir fahren das gute Stück ein, bevor es Schaden nehmen kann. Der gesamte Kasten ist mittlerweile mit einer feinen Sandschicht durchzogen, wir auch. Jedesmal wenn die Schiebetür offen stand hat der Wind den feinen Sand in den Innenraum geblasen. Auch durchs offene Heki kam er rein.
Nachmittags halten wir noch ein Schwätzchen mit Hamburgern, die 1978 einen Hanomag zum Wohnmobil ausbauten. Dieses Schmuckstück hat es uns angetan. Wir dürfen es fotografieren, ich sogar einen Blick ins Innere werfen.








Dienstag, 10.9.2019

Auf die WetterApp ist Verlass. Für heute ist den ganzen Tag Regen vorhergesagt. Es regnet aber nicht, es schüttet. Bis auf einen Gang zum platzeigenen Supermarkt und zum Leeren des Chemieklos, verbringen wir den Tag drinnen mit Lesen, Sudoku und Wissensquiz. Das von Hartmut reparierte Fenster bleibt dicht. Nichts hält besser als ein Provisorium ☺ Wollen wir mal hoffen, dass kein Evakuierungsfall eintritt.


birgit60 am 27 Sep 2019 23:08:00

Mittwoch, 11.9.2019

Heute ist das Wetter wieder wie vorgestern.



Die Sonne lacht, es ist warm, alles wieder gut: Die Campinggemeinde frühstückt draußen, Kinder radeln fröhlich über den Platz und der zähneputzend über den Platz marschierende Endvierziger aus der ersten Reihe taucht auch wieder auf. Ist das ein neuer Trend? Man putzt die Zähne, während man über den Platz läuft? Das ist nicht der Erste, den wir hier dabei beobachten. Auch in Castellane fiel uns das schon auf.

Nach einem Bad im Meer radeln wir zum Weingut Bastidon.





Auf dem Rückweg stellt Gert einen Platten am Hinterrad fest. Nun ist Schieben angesagt. 2 Kilometer sind es zurück zum CP, wo Gert den Schlauch flickt. Nach einer Kaffeepause radeln wir erneut los. Jetzt zur 6 km entfernten Ölmühle. Meinen Vorschlag vorsichtshalber Flickzeug mitzunehmen ignoriert Gert mit den Worten, dass es statistisch sehr unwahrscheinlich sei, jetzt wieder einen Platten zu bekommen.
Wir testen verschiedene Öle und decken uns reichlich ein.



Und auf der Rückfahrt passiert das Unwahrscheinliche: Die Statistik stimmt nur teilweise. Diesmal hat Gert vorne einen Platten. Gut, dass wir nicht schieben müssen und Gert sich mit mehrmaligen Aufpumpen bis zum CP behelfen kann.





Donnerstag, 12.9.2019

Unser Abschied rückt näher aber wir lassen es gemütlich angehen. Nach dem Frühstück packen wir alles zusammen und gehen nochmal an den Strand ein letztes Mal im Meer baden, anschließend duschen und um 12.30 Uhr verlassen wir Le Pansard.



Über Landstraßen tuckern wir gen Norden nach Sisteron.









Wir schlendern noch einmal durch den Ort, kaufen beim Metzger 2 Scheiben vom berühmten Sisteronlamm und zwei Würstchen und setzen unsere Fahrt gemütlich fort. Dieses Mal nehmen wir die parallel verlaufende N 75. Sie fährt sich nicht nur besser als die Route Napoléon (N 85), auch die Eindrücke sind deutlich schöner.





Wir übernachten in einem kleinen Ort namens Lus-la-Croix-Haute am Ortseingang unterhalb der Feuerwehr. Auf dem kostenlosen Stellplatz für 4 Wohnmobile, kann man ver- und entsorgen. Zum Abendessen gibt es das Sisteron Lamm (mein Fall ist es nicht, Gert findet es super) mit Baguette und Tomatensalat.













Freitag 13.9.2019

Im Gegensatz zur warmen Cote d’Azur ist es hier oben in den Bergen empfindlich kühl am frühen Morgen. In kurzen Hosen mache ich einen kleinen Rundgang.








Danach freue ich mich auf ein Heißgetränk. Wir frühstücken und setzen unsere Fahrt fort nach Annecy.



Der dortige WoMostellplatz ist hoffnungslos überfüllt. Auf dem CP Au Coeur du Lac haben wir Glück.







Wir laden die Räder ab und fahren nach Annecy, auf einem tollen Radweg, 5 km immer am See entlang. In dem sehenswerten Ort genehmigen wir uns ein Eis, schlendern durch die Altstadt und radeln zurück zum CP.



























Kurz darauf testen wir die Radstrecke noch einmal in die andere Richtung und finden quasi im Vorbeifahren einen Metzger. Heute Abend gibt’s nochmal Filet Mignon mit Taboulé.


Samstag 14.9.2019

Unser letzter Urlaubstag bricht an. Über schweizer und deutsche Autobahnen fahren wir zurück nach Offenbach, wo wir gegen Abend eintreffen.





Fazit:

Übereinstimmend stellen wir fest, dass dies eine der schönsten und abwechslungsreichsten Reisen war. Wir fuhren 2400 km, genossen die Berge, bestaunten den Grand Canyon du Verdon, besuchten wunderschöne Orte und kamen aus dem Staunen oft nicht heraus. Dieser Urlaub hat etwas in uns ausgelöst, an das wir uns immer wieder gerne zurückerinnern. Es war mit Sicherheit nicht unser letzter Urlaub in den Bergen.

janoschpaul am 28 Sep 2019 07:10:31

Wau welch wunderschöner Reisebericht, ganz toll gemacht ! :daumen2:
Vielen Dank fürs mitreisen.

Auch wir sind gerade aus Frankreich zurück und wieder schwer begeistert von diesem Womowunderland.

Eine Tour zum Nachreisen.

kedi3001 am 28 Sep 2019 07:47:01

Hallo Birgit,
vielen Dank für den wunderschönen Reisebericht und die tollen Bilder. Da bekommt man doch gleich Lust wieder mal nach France zu fahren - leider müssen wir aber noch bis Januar warten. :(

LG
Conny

anton-reiser am 28 Sep 2019 09:46:32

Super Reisebericht, schöne Bilder, instruktive Details, sehr gut geschrieben! Es macht grosse Freude, eure Reise nachzuerleben.
Frankreich ist auch unser Lieblingsreiseland. Am 12. 10. fahren auch wir los, in die Bretagne.

Anton

Aretousa am 28 Sep 2019 10:40:20

Hier laufen gerade 2 Leute um ihren Bus herum und putzen die Zähne :lol:
Liebe Birgit, herzlichen Dank für deinen wunderschönen Bericht über eine, wie mir scheint,
rundherum gelungene Reise in unser Lieblingsland.
Tolle Fotos habt ihr gemacht. Und die Sache mit dem Geisterfahrer hat mir Gänsehaut bereitet.

Liebe Grüße aus Biscarrosse :)

cerberus am 28 Sep 2019 11:49:09

Toller Reisebericht. Mehr davon :D

womifahrer am 28 Sep 2019 12:31:54

hallo,einfach super,danke wir waren mittendrin i euerer Reise.

birgit60 am 28 Sep 2019 13:08:27

Aretousa hat geschrieben:Hier laufen gerade 2 Leute um ihren Bus herum und putzen die Zähne :lol:
Liebe Birgit, herzlichen Dank für deinen wunderschönen Bericht über eine, wie mir scheint,
rundherum gelungene Reise in unser Lieblingsland.
Tolle Fotos habt ihr gemacht. Und die Sache mit dem Geisterfahrer hat mir Gänsehaut bereitet.

Liebe Grüße aus Biscarrosse :)


Stimmt, als aufmerksame Leserin eurer Reiseberichte, bin ich im Bilde: Wir haben ein ungerades Jahr und da seid ihr ja in Paimpol zum Festival, oder ihr wart, besser gesagt, oder? Ich wünsche euch auf eurer Reise im Süden viele schöne Eindrücke und freue mich schon jetzt auf den kommenden Bericht dazu :-)

Jagstcamp-Widdern am 28 Sep 2019 13:18:49

prima!
danke!

hartmut :ja:

Trebbiano am 28 Sep 2019 13:43:12

Danke für den schönen Bericht, der mich beim Lesen und Bilder anschauen gleich an unsere ähnliche Tour vor ein paar Jahren erinnert und Lust auf mal wieder Frankreich geweckt hat.


Grüße aus Norddeutschland

Kakowo am 28 Sep 2019 19:43:22

Vielen Dank für den schönen Bericht.
Ich mag es die Bilder direkt zu sehen und nicht auf einen Link verwiesen zu werden !!!

Elgeba am 29 Sep 2019 10:18:08

Danke für den schönen Bericht.Ich war vor Jahren ebenfalls in den Gorges du Verdon unterwegs,einfach großartig.


Gruß Bernd

bonjourelfie am 29 Sep 2019 15:53:36

Ich bedanke mich auch für den wunderbaren Reisebericht. Bonne Terrasse kennen wir auch gut, allerdings im November, nur 5 Womos und zum Bäcker 5km bergauf ins nächste Dorf. Und Annecy habe ich mir jetzt mal gemerkt für die nächste Frankreichreise.

LGElfie, z.Zt. auf Lefkas, GR

mk9 am 29 Sep 2019 18:33:02

Schöner Reisebericht mit den vielen schönen Fotos Eurer Reise. [url=https://www.wohnmobilforum.de]Bild[/url

Wir waren schon 1982 am Grand Canyon du Verdson und Umgebung. Auch die von Euch befahrene D 23 von La Palud kennen wir.
Dem "Geisterfahrer" hätte schon am Ortsausgang von La Palud der Hinweis auffallen müssen, dass nach einigen km die Weiterfahrt nicht gestattet sei.
Spätestens dann, als am Chalet de la Maline der Hinweis auf die Einbahnstraße / bzw. Durchfahrt gesperrt zu sehen war.
Ist er denn wieder zurückgefahren :?: :D Als Beifahrer auf der rechten Fahrbahnseite bei der Weiterfahrt auf der teilweise schmalen Straße sicherlich
nicht erfreulich.

birgit60 am 29 Sep 2019 19:40:08

Manfred, am Chalet de la Madine war er längst vorbei und auch die beiden "Tunnel" hatte er passiert. Er war fast an der Stelle angekommen, wo das Fahren wieder in beide Richtungen erlaubt war, doch dort schickte ihn jemand zurück. Kein Wunder, dass die Beifahrerin sauer war :-)

Tipsel am 29 Sep 2019 19:50:35

Eine wunderschöne Reise. Danke für den Bericht und die tollen Bilder :daumen2:

Susebesitzer am 30 Sep 2019 16:26:48

Das ist ein sehr schöner Bericht und die Fotos sind toll.
Vielen Dank dafür!
Ich war in der gleichen Zeit in den französischen Alpen unterwegs; kann ich sehr empfehlen.

andioldi am 30 Sep 2019 17:53:19

Habe vieles wiedererkannt und ein paar Anregungen fürs nächste Jahr bekommen, da soll es wieder in die Provence gehen. Moustiers ist unser persönlicher Favorit, ein must see!!.
Vielen Dank dafür.

Ganzalleinunterhalter am 30 Sep 2019 19:04:35

Danke für den toll bebilderten Reisebericht aus meinem Lieblingsreiseland. Bei unserer diesjährigen Frühjahrstour sind wir auf einem Teil der hier beschriebenen entgegengesetzt unterwegs gewesen. Amüsant - auch das Schlangestehen in Ramatuelle haben wir so erlebt und Moutiers haben wir auch ausgiebig erkundet.
Danke für's mitnehmen !

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