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Tunesien im Herbst 19 Auf den Spuren von Karl May


Sprinterklasi am 19 Okt 2019 07:06:53

Hallo an alle Mitleser,
vor Jahren durch den "arabischen Frühling" gestoppt und nach langem Zögern habe ich mich jetzt zu der seit langem geplanten Tunesien-Tour entschlossen. Der Schwerpunkt liegt im Süden und hier freue ich mich besonders auf die Überquerung des Chott El Jerid. Ich fahre mit meinem seit Jahrzehnten in Deutschland lebendem tunesischen Nachbarn und hoffe auf sonnige Tage in Nordafrika. Am Mittwoch, 23.10. startet die Fähre ab Genua und am 10.11. geht es dann zurück in den grauen November.
Bis bald mit neuen Nachrichten von der anderen Seite des Mittelmeeres, Euer klasi


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Beduin am 19 Okt 2019 07:15:36

Freue mich schon sehr auf den Bericht
Wir wollten mit IBEA Tours am 06.11 starten, leider zu wenig Leute :( machen wohl auch mit die Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt

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Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

Flatus am 19 Okt 2019 07:41:56

Hallo klasi

Es freut mich, dass sich endlich mal wieder jemand nach Tunesien wagt. Tunesien ist nach wie vor ein schönes Reiseland mit freundlichen Menschen und grossartigen Landschaften.

Deine Reiseroute ist aber – wie soll ich sagen – etwa banal :oops: Du fährst leider an viele schöne und interessante Orte knapp vorbei; ganz besonders am Chott und im Süden.

Und zur Info: Der "Lezard Rouge" fährt nicht, da die Bahnstrecke durch die Selja-Schlucht zerstört ist. Aber eine Wanderung durch die Schlucht geht, da die Brücken zwar auch kaputt, aber doch begehbar sind. --> Link

Gruss Flatus

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MiGu1418 am 19 Okt 2019 09:20:02

Hallo,

Auch ich freue mich schon auf dein Bericht und die Bilder. :D

Wir waren vor ca.35 Jahren dort, mit Flieger und PKW.
Interessantes Land mit freundlichen Menschen.
Viel Spaß und eine knitterfreie Fahrt.

Gruß Guido

troppau am 19 Okt 2019 10:38:23

Hallo Klasi,
wir freuen uns schon auf Deine Berichte und die Fotos. Wir wünschen Dir und Deinem Begleiter eine störungsfreie Fahrt und eine gesunde Rückkehr.
Deine Füssener

Flatus am 20 Okt 2019 10:22:57

Klasi hat mich um ein paar Routentipps gebeten.
Ich beantworte das mal hier im Forum, denn so haben alle etwas davon.



Alle diese Routen bin ich im letzten November gefahren und sie sind mit einem normalen Wohnmobil gut zu bewältigen. Die üblichen Routen habe ich weggelassen, denn die finden sich ja in jedem Reisebuch und jedem Reisebericht. Ebenso habe ich mich auf die Mitte Tunesiens konzentriert und den Norden und Süden weggelassen.
--> Link

Jede ist auf ihre Art landschaftlich reizvoll und/oder führt an Sehenswürdigkeiten vorbei. Einige habe ich markiert. Es gibt aber natürlich viel mehr interessante Orte. Bei meiner letzten Tour bewegten wir uns in einer Punktwolke (--> Link) mit mehr als 80 Zielen…

Hier meine Reiseberichte, ab hier: --> Link

Gruss Flatus

Karliblue am 22 Okt 2019 20:25:44

Wir waren inzwischen schon 3 x mit dem Wohnmobil in Tunesien, 2 x vor der Revolution und dass letzte Mal 2018. Hier mal meine eigene subjektive Einschätzung, was das Thema Tunesien und Wohnmobil betrifft. Da kann ich derzeit niemanden mit guten Gewissen empfehlen mit dem Wohnmobil alleine nach Tunesien zu reisen.
Das liegt zum großen an der fehlenden Infrastruktur - es gibt ca. 5 bis 10 Campingplätze in Tunesien und diese sind zum Teil in einem sehr schlimmen Zustand. Dazu kommt noch, dass die Vermüllung der Städte und der Landschaft seit der Revolution zugenommen hat. Kein Vergleich mit den europäischen Stränden, wo man eventuell auch freistehen kann, was ich derzeit aus Sicherheitsgründen in Tunesien auch niemanden empfehlen kann. Auch die Korruption im Lande ist nicht besser geworden Das merkt man gleich, wenn man nach dem Verlassen der Fähre in den tunesischen Zoll einfährt. Man kann die Formalitäten zwar auch ohne Zahlung an einen der dort sich befindlichen Helfer (die mit den Zollbeamten zusammenarbeiten) bewältigen, dann kann es aber schon manchmal ein paar Stunden dauern, bis man abgefertigt wird. Was ebenfalls sehr ungewohnt ist, ist einmal die Fahrweise und die oft nicht vorhandene Rücksichtnahme, die bei vielen tunesischen Autofahren zu wünschen übriglässt. Dies ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Das merkt man sehr schnell, beim Verlassen der Fähre und bei der anschließenden Zufahrt zur Zollkontrolle.
Ein weiteres Problem ist jetzt noch dazu gekommen, bzw. wir sind 2018 das erste Mal damit konfrontiert worden.
In La Goulelett am Parkplatz vor dem Ticketschalter für die Fähre versuchen in letzter Zeit immer mehr Jugendliche sich Zugang bei den größeren Wohnmobils zu verschaffen, in der Hoffnung, so mit nach Europa zu kommen. Habe dies selbst im letzten Jahr erlebt. Mehrere jugendliche Tunesier haben sich an unserem Wohnmobil hinten an der Heckgarage zu schaffen gemacht. Ich war gerade mit unserem Hund unterwegs und meine Frau alleine im Wohnmobil. Die Jugendlichen erwähnten sich wohl von uns unbemerkt. Einer versuchte sich unterm Wohnmobil zu verstecken und einer in der Heckgarage, beide wohl in der Hoffnung, sie könnten so mit nach Italien. Von der Ferne aus konnte ich dies beobachten und sie dann nur unter Schreien, mit Hilfe meines Hundes und unter Androhung von Gewalt vom Fahrzeug drängen. Der unterm Wohnmobil Versteckte flüchtete, der anderer, der sich schon in der Heckgarage versteckt hatte, wurde dann von mir daraus entfernt
Die von mir kurzfristig abgedrängten anderen Jugendlichen kamen dabei wieder zurück und gingen aggressiv gegen mich vor. Sie waren auch gewaltbereit und wenn mir einige Italiener, die ebenfalls mit der Fähre nach Palermo wollten, nicht geholfen hätten, wäre es wohl schlimm für mich ausgegangen bei der Verteidigung unseres Wohnmobils.
Mehrere anwesende (Auslands)Tunesier, die ebenfalls mit der Fähre nach Italien wollten beobachteten zwar die gesamten Vorgänge, hielten sich aber raus und kamen uns auch nicht zu Hilfe oder hielten die Jugendlichen von ihren Vorhaben ab. Sie erklärten mir später nur, dass die Jugendlichen nichts stehlen wollten, sondern nur eine (illegale) Mitfahrgelegenheit nach Europa suchten (ich hatte nicht den Eindruck, dass sie dies besonders schlimm fanden). Im Übrigen sei dies nicht das erste Mal, dass dies vorgekommen sei. Mussten dann mehrere Stunden das Wohnmobil von außen bewachen, weil die Jugendlichen immer wieder um unser Fahrzeug herumschlichen, wenn wir uns im Fahrzeug befanden. Erst als wir auf dem gesicherten Hafengelände waren, hatten wir Ruhe. Obwohl man uns versicherte, dass die Polizei benachrichtigt worden sei, ließ sich diese während der gesamten Zeit nicht blicken, war wohl gerade beim Essen (Ramadan hatte begonnen).
Obwohl wir uns einbilden, Tunesien einigermaßen zu kennen, werden wir aufgrund der Vorkommnisse wohl nicht mehr mit einem Wohnmobil nach Tunesien fahren.
Ich erwähne dies nur, damit jeder weiß, auf was er sich einlässt, sollte er es sich doch zutrauen mit dem Wohnmobil mal nach Tunesien zu wollen. Das mag bei geführten Touren sicher was anderes sein, zumal das Land reich an Kulturgütern ist. Aber solange sich nichts an der Infrastruktur bezüglich Camper was ändert, rate ich davon ab. Wie gesagt, meine persönliche Einschätzung, aber wer das Abenteuer liebt...

Flatus am 23 Okt 2019 08:38:22

Karliblue hat geschrieben:... Obwohl wir uns einbilden, Tunesien einigermaßen zu kennen, werden wir aufgrund der Vorkommnisse wohl nicht mehr mit einem Wohnmobil nach Tunesien fahren.
... Aber solange sich nichts an der Infrastruktur bezüglich Camper was ändert, rate ich davon ab. Wie gesagt, meine persönliche Einschätzung, aber wer das Abenteuer liebt...

Hallo

Was Karliblue schreibt ist alles richtig. Tunesien befindet sich im Moment in einem grossen Umbruch. Die Gesellschaft ist verunsichert und geprägt von Arbeits- und Aussichtslosigkeit.
Die Infrastruktur für Individualtouristen nahezu Null und nicht mehr mit den 1990-er und 2000-er Jahren vergleichbar. Wer bloss Ferien machen will, sollte vielleicht tatsächlich anderswo hinfahren

Anderseits kann man Tunesien zurzeit ohne die üblichen Touristenmassen geniessen. Man hat alle Sehenswürdigkeiten und Landschaften ganz für sich alleine. Und man erlebt ein Land im Umbruch – Zeitgeschichte live sozusagen. Ein wenig wie damals in den 1980-er Jahren im Iran oder in den 1990-er Jahren in der ehemaligen DDR. Spannend, anregend, unsicher.

Wer das mag, wird sich in Tunesien sehr wohl fühlen und die paar Unannehmlichkeiten gerne auf sich nehmen. Wir haben uns jedenfalls auch dieses mal sehr wohl gefühlt.

Gruss Flatus

ebi1 am 23 Okt 2019 08:43:46

Zur vorherigen ausführlichen Meinung möchte ich noch anfügen:

Das mit den "Auswanderungswilligen" kann einem in Marokko auch passieren. Dennoch fahren Tausende nach Marokko.

Fehlende Infrastruktur: wir waren dankbar, dass wir eigene Dusche / Toilette dabei hatten. Wenn das gesichert ist, ist man auf die Infrastruktur nicht angewiesen. 5-10 Campingplätze, das stimmt nicht ganz. ok, man kann darüber diskutieren, ab wann etwas ein Campingplatz ist. "Tunesien mit dem Wohnmobil" ist nicht gerade der Burner, aber einige ziemlich hübsche Plätze sind da schon gelistet.

Wir haben das "leere Tunesien" unendlich genossen. Ist für die Leute dort nicht gut, aber alles hat seinen Grund, auch, dass Tunesien wenig besucht wird. Die nach Rom zweitgrößte Arena ganz allein zu besichtigen, oder eine alte römische Stadt allein zu besuchen, das war supertoll. In Rom haben sie Scanner wie am Flughafen und Menschenhorden stehen Schlange... Wir werden wieder hinfahren, wenn unser Mobil wieder verfügbar ist. Nach Rom werde ich nicht fahren. Rappelvoll, von Genuss, zumindest für uns, keine Rede.

Grüße
Ebi

ebi1 am 23 Okt 2019 09:21:33

Eben eingefallen...

Ist von 2013, denke aber, dass sich in dem Land wenig ändert. Auf unserer Website unter "Reisen" etwas runter scrollen, dann kommt man auf nen kurzen Statusbericht.

--> Link

Grüße
Ebi

Beduin am 23 Okt 2019 19:57:06

Als wir im Januar aus Marokko raus sind wurde unser Womo geröntgt. Kurz vor der Fahre Tanger-Mad. Jedes Fahrzeug musste da durch. Alle Insassen und Tier raus und dann fuhr der Röntger drüber. Dann auch noch ein Haufen Hunde unterwegs mit den unterschiedlichsten Nasen





Dachte das ist Standart?

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Sprinterklasi am 25 Okt 2019 22:47:44

Hallo, nach dem vielen Für- und wider heute nun mein erster Reisebericht aus Tunesien.Unser erstes Ziel war Ariolo, hinter dem Gorrhard, welches wir auch ohne Verkehrsprobleme gut erreicht haben. Auf dem großen Parkplatz oberhalb der Autobahn haben wir gut und ruhig übernachtet. Am nächsten Tag war die GNV-Fähre ab Genua war sehr pünktlich und höchstens halbvoll. Die Überfahrt verlief ohne Probleme. Polizei und Zoll im Hafen la Goulette bei Tunis auch ohne Probleme, hier machte sich wohl auch bemerkbar, daß ich einen arabisch sprechenden Begleiter habe. Bereits nach ca. 15 min waren wir auf dem Weg in die Stadt. Da haben wir im Sommer in Rußland und Polen ganz andere Erfahrungen machen müssen. Nicht einen Schrank haben wir öffnen müssen. Die erste Nacht haben wir sicher, aber wenig idyllisch in einem Fabrikhof verbracht. Unser erstes Ziel am nächsten Morgen war das durch die deutschen Maler Klee und Macke bekannte Sidi bou Said. Ein blau-weißes Touristendorf.


Unser Stellplatz oberhalb von Ariolo im Tessin


Sidi bou said von der Terrasse des Cafe de Nattes



Von Sidi... fuhren wir entlang der Küste Richtung Bizerte. Im Womo-Buch von 2011 ist ein Strand empfohlen worden mit folgendem Bild:

Der Strand von Ali el Mekki in 2011


So haben wir den Ort vorgefunden. In der einst einsamen Bucht stehen zahlreiche Häuser und Buden, zum Teil bereits durch die Flut zerstört. Baden wäre noch möglich gewesen, aber das Wetter war leider etwas regnerisch, sodaß wir nach unserer Mittagspause weitergefahren sind. Heute übernachten wir auf einem Parkplatz mitten in Bizerte, einer mittelgroßen, quirligen Hafenstadt.
Bis bald und schöne Grüße, klasi und Jedidi

ToniPETER am 26 Okt 2019 09:10:51

Servus!

Wünsche Euch eine schöne Reise und freue mich schon auf den nächsten Bericht.

babenhausen am 26 Okt 2019 12:22:05

Wenn du schon da oben bist hänge die doch den dortigen Nationalpark an
Wasserbüffel Zugvögel der grüne Kontrast zum nun im Herbst brauntrockenen Süden.
--> Link

Sprinterklasi am 26 Okt 2019 21:02:48

So, weiter e:
Der eigentlich nicht geplante Abstecher an die Nordküste hat sich nicht gelohnt, zum Baden reichte leider das Wetter nicht mehr. Aber bevor wir Bizerte verlassen haben, hat uns der Parkplatzwächter noch zum Fischkauf auf den Markt begleitet und das hat sich bestimmt gelohnt. Heute Abend gab es den gegrillten Thunfisch und der war Spitzenklasse.


Von Bizerte ging es nach Süden zum Weltkulturerbe "Dougga", eine Römerstadt um 100 v.Chr. in der Nähe von Teboursouk. Hier nur ein paar wenige Ansichten von dieser großen Stadt, einer der Hauptsehenswürdigkeiten von Tunesien:


Hier das Alexandertor, einer der Eingänge in die Stadt.


Das Kapitol als höchstes Gebäude und am besten erhalten.

Hier braucht man nicht viele Worte: Theater.

Anschließend sind wir zum Hotel Thugga gefahren, haben zum Abend unseren köstlichen Thunfisch verspeist. Da wir hier ein Zimmer zur Sanitärbenutzung bekommen haben (ca. 10€) können wir uns jetzt etwas pflegen.

Bis bald und schöne Grüße, klasi

Sprinterklasi am 28 Okt 2019 09:08:23

Hallo, da bin ich wieder.
Mit der Pflege im Hotel war das bei dem technischen Zustand nicht weit her.
Anschließend hatten wir mit über 350 km die längste Tagestour in den Süden vor uns. Die kürzeste Strecke verläuft durch das berüchtigte Hügelland um Kasserine. Kurz hinter El Kef stoppte uns ein Polizeiposten und nach einigem Hin und Her mit Telefonaten des Polizeichefs durften wir weiterfahren. Jedidi meinte, daß unsere Fahrt jetzt von Posten zu Posten weitergegeben wird. Die Polizeipräsenz in allen Orten war enorm. Jedenfalls kamen wir auf guter Straße zügig nach Gafsa. Dort stärkten wir uns mit gegrilltem Hammel am Straßenrand und ich habe die ersten Datteln am Baum gesehen.


Größere Büschel waren mit einem Netzt umwickelt als Schutz gegen Tiere.
Weiter ging es in die Phosphatgegend um Metlaoui. Leider sind die Gleise des berühmten "Lezard Rouge" zerstört. Wie mir gesagt wurde, ist der Zug seit 2011 nicht mehr in Betrieb. Die Gegend ist hier dramatisch um und um gewühlt, um die Phosphaterde zu gewinnen.


Schließlich erreichten wir mit den Ruinen des Bergdorfes Mides einen weiteren Höhepunkt auf meiner Liste. Hier stehen auf einem Felssporn die verfallenen Gebäude des alten Dorfes. Auch ein alter Grenzposten der Römer direkt an der algerischen Grenze.






Der Spaziergang am Schluchtenrand begleitet von Donner und Blitz war sehr eindrucksvoll.
Übernachtet haben wir dann an einem Restaurant in Tamerza sehr ruhig. Gleich will uns ein junger Mann abholen und mit uns zu einem Wasserfall mit Canyon wandern,. Der Himmel ist nach dem Dauerregen in der Nacht heute wieder klar, also müßte das klappen.
Wie immer schöne Grüße und bis bald, klasi

vx2200 am 28 Okt 2019 19:12:35

Da werden Erinnerungen wach.
1999 mit meinem Mercedes G und Freunden in ihrem Defender. Damals konnten wir noch Problemlos in den Ruinen von Mides übernachten (Dachzelt).

Freue mich auf weitere Berichte.

Sprinterklasi am 29 Okt 2019 21:24:08

Hallo, das Wetter in Tamerza spielt mit und der junge Mann ist pünktlich zur Stelle. Wir wandern mit ihm durch die Oase und durch eine kleine Schlucht wieder zurück. Auf dem Rückweg kaufen wir ihm noch einige Pakete Datteln ab, die hier in Massen angeboten werden. Nach einer guten Stunde starten wir nach Tozeur. In Chebika, der dritten Bergoase nach Mides und Tamerza, halten wir nur kurz, die Lage unten am Berg ist mit Mides überhaupt nicht vergleichbar, dafür gibt es hier zum erstenmal in TN richtig Touri-Rummel. In Tozeur finden wir den einzigen noch existierenden CP, der so klein ist, daß er mit uns und einem ital. Camper voll ausgebucht ist. Leider habe ich kein Foto gemacht. Die Fotografierunlust liegt auch am allgegenwärtigen Dreck und Müll und Chaos. Was für ein tolles Urlaubsland war dagegen Marrokko.


Gestern hat uns der Regen früh ins Womo zurück getrieben. Aber am Morgen schien wieder die Sonne und bei einem kurzen Spaziergang in der verlassen wirkenden Altstadt habe ich endlich ein Stück der typischen Mauerkunst von Tozeur gefunden. Die versetzten Ziegel sollen Schatten werfen und das Haus kühl halten.


Dattelkauf am Strauch, wie sie von der Dattelpalme geschnitten werden.
Jetzt aber los zu meinem tunesischen Reisehöhepunkt: Der Fahrt über das Chott el Jerid. Die Straße ist breit und in sehr gutem Zustand. Mit 90 km/hrauschen wir dahin, unterbrochen nur von einigen Fotostops.

Nach den Regenfällen der vergangenen Tage hat sich ein leichter Wasserfilm über der Salzkruste gebildet.Am Morgen verschwimmen Chott und Himmel zu einem einheitlichen Grau.


Ein Bild, das es nicht so häufig gibt: Die Wolken spiegeln sich im Wasser des Salzsees.


Das berühmte Klohäuschen am Cafe auf dem Chott.


Ich wollte die Salzkruste doch auch mal an den Füßen spüren, aber nach wenigen Schritten im Matsch hat mich mein Hadschi Halef Omar zurück gepfiffen.

In Douz haben wir auf dem bekannten "Desert Club"-Cp eingecheckt. Wie üblich gibt praktisch mangels Touristen kein Ausflugsangebot. (Vielleicht gibt es deshalb auch keine Touristen) Hier auf dem CP stehen außer uns noch ein Womo und zwei Zelte. Ein Zeltler aus A hat sich auch recht negativ über TN geäußert. Mein Versuch, an einer Wüstentour mit dem Kamel teilzunehmen ist kläglich gescheitert. Nur einfache Kurzspaziergänge von max. 1h werden angeboten.
Wir haben zwar noch einige Tage vor uns, aber es ist schon abzusehen, daß dies keine Werbetour für Tunesien wird. Wer nach Nordafrika reisen möchte, ist in Marrokko bestens aufgehoben. Wie oft habe ich in den letzten Tagen an die bezaubernden Medinas von Fes oder Marrakesch gedacht, hier gibt es nicht annähernd etwas vergleichbares. Noch hoffe ich auf bessere Eindrücke, wenn wir die Küste erreichen. Wie es aussieht werden wir doch noch Djerba besuchen, weil wir mangels Attraktionen gut in der Zeit liegen.

Kameltreff in Douz
Das wärs mal wieder. Aus den Bergen um Matmata melde ich mich wieder.

Bis bald, klasi

Sprinterklasi am 30 Okt 2019 20:26:17

Hallo mal wieder,
erstens kommt es anders....
Abends beim Bier machte ein CP-Angestellter meinem Hadschi doch noch eine Kameltour schmackhaft. Kein offizielles Angebot und Chefin darf auch nicht wissen, Taxi holt euch ab.... Wie ds eben in diesen Ländern so ist.
Heute hat dann auch alles geklappt, um 9:00 ging es los. Zunächst wanderten wir über 30min durch eine riesige Wüstenmüllkippe. Einmal überholte uns ein Trecker, der seine Fracht, wie hundert andere auch, einfach in die Wüste kippte.



Hier waren wir schon ein paar km vom Ort entfernt.(Von der Umweltsauerei habe ich keine Bilder, damit könnte ich hier ganze Alben füllen) Wenn man dann von den schönen Umweltkonferenzen hört und an unsere Dieselfahrverbote denkt, ist das alles nur noch lachhaft, wenn es nicht so traurig wäre. Man sollte die liebe Greta mal in diese Wüste schicken!!!



Kamel hat Pause


Hier ist mal eine Sandlandschaft. Meistens war es Sand mit Kies und Sträucher, eher eine Art Steppenlandschaft.

Jetzt folgen noch einige Bilder von unserem Picknick in der Wüste. Das Zubehör dazu hing alles in Säcken an den Kamelen:

Eintopf kochen


Brotteig kneten


Fladen formen


Zum Backen hat er die groben Holzstückchen zur Seite geschoben, dann die Asche beiseite geschoben, den Fladen in den heißen Sand gelegt und mit Asche abgedeckt. Davon leider kein Bild. Hier hat er das Fladenbrot gerade ausgepackt. Es wurde gesäubert, dann konnten wir Mittagessen.


Inzwischen zogen langsam Wolken auf und wir waren froh, vor der Sonne geschützt zu sein. Wir kamen dann noch wohlbehalten am Womo an, bevor es einen kleinen Schauer gab.
Nach dieser Wüstentour werden wir morgen weiterziehen in die Bergwelt von Matmata.

Schöne Grüße, klasi

Beduin am 30 Okt 2019 22:05:51

Klasse, das war, abgesehen von dem Müll, bestimmt eine tolle Erfahrung

Sprinterklasi am 02 Nov 2019 20:41:55

Hallo, heute beschränke ich mich auf wenig Text, weil es viele Bilder sind:


Frühstück auf dem Camp"Desert Club" in Douz

Nach dem Frühstück bin ich etwas über den großen Markt geschlendert. Ich hatte aber Bedenken zu fotografieren.

Markt in Douz

Von Douz ging es dann quer durch die Wüste über Bir Soltane nach Tataouine. Bei einem südlichen Rundkurs besuchten wir zwei Speicherburgen "Ksar". Eine der größten und bekanntesten ist Ouled Soltane, zugleich der südlichste Punkt der Reise.








Ksar Zahra

Geschlafen haben wir dann im Hotel Mabrouk in Tataouine
Am nächsten Tag ging es nochmal in die Berge nach Chenini




Weiter ging die Hatz über den Damm nach Djerba:

Über den 6,5km langen Damm erreichten wir Tunesiens Sonneninsel. Übernachtet haben wir in Midou, wo mein Reisebegleiter einen Geschäftsmann kennt. Auf dessen Parkplatz konnten wir übernachten. Der nächste Morgen erfreute uns mit purer Sonne, sodaß dem Badevergnügen nichts im Wege stand.




Nach einem vergnügten Badevormittag mit einer angenehmen Wassertemperatur machten wir uns am Nachmittag wieder auf den Weg in die Berge. Heute übernachten wir im Ksar Metameur bei Medenine.



Leider hat mein Hadschi keinerlei Sinn für die Romantik dieses Ortes. Er fühlt sich hier eingesperrt und ist stinksauer.
Aber da muß ich leider durch, denn eine Woche haben wir noch.
Schöne Grüße,klasi

Sprinterklasi am 05 Nov 2019 00:58:31

Hallo mal wieder,
es hat sich gezeigt, daß meine Entscheidung um 17:00 nicht mehr nach Matmata zufahren, genau richtig war. Wie der nächste Tag zeigte, waren die 60 km eine kurvenreiche Bergstrecke, die ich seehr ungern im Dunkeln gefahren wäre, auch nicht als Beifahrer.

Frühstück im Ksar Metameur

Wie ich auch schon im Reiseführer gelesen hatte, fallen die Höhlenwohnungen im Gelände zunächst kaum auf. Es handelt sich um Hohlzylinder von geschätzt 20m Durchmesser, ca. 6-10m hoch mit senkrechten Wänden aus dem Lehm heraus gegraben.(Bei unseren Niederschlägen würde das alles einstürzen.) Von diesem Hohlzylinder aus werden dann rundum die Zimmer gegraben. Von der flachsten Geländeseite aus, meistens der Talseite, befindet sich der Eingangsstollen.


Hier ein Bild von einer nicht mehr zugänglichen Anlage


Als Museum eingerichtete Wohnhöhle


Wohnzimmer


Vorratsraum mit Handmühle


Hotel Sidi Idriss mit mehreren Höhlen


Drehort von Star wars (davon gibt es einige in Süd-Tunesien) (gehört zum Hotel)


Eines von mehreren Esszimmern des Hotels


Gastzimmer


Anschließend waren wir noch in einer anderen Wohnhöhle und wurden dort mit einem kleinen Imbiss bewirtet.

Nach dem Besuch von Matmata ( sehr eindrucksvoll) haben wir dann langsam die Berge endgültig verlassen und bei Sfax wieder das Mittelmeer erreicht. Mein Begleiter hatte sich den Besuch der Kerkennah-Inseln gewünscht. Wir sind also für gerade 4€ mit der Fähre in ca. 80 min übergesetzt. Übernachtet haben wir im Fischerhafen am Inselende.

Unser Übernachtungsplatz in El Attaya.

Am nächsten Morgen sind wir zu einem Strand gefahren, eigentlich zum Baden. Der Strand war auch ganz schön, aber beim Wassertreten ging mir das Wasser nach über 100m gerade bis zur Wade.(erinnert an das Wattenmeer bei Bensersiel) Erkenntnis: Einen Badestrand gibt es auf Kerkennah nicht. Auch der Reisefürer findet hier nichts Erwähnenswertes.

Also waren wir schneller wieder auf der Fähre, als gedacht. Auch der besonders gelobte Hotelcamping El Kahena, nördlich von Sfax hat keinen Strand, obwohl er direkt am Meer liegt. Also weiter.
Nördlich von Chebba, auf dem Weg nach Mahdia wurde ich dann fündig. Zwar ging es über eine üble Schotterpiste an den Strand, aber der hatte wirklich Sand und das Baden im immer noch warmen Wasser bei sonnigen 24° (04.11.2019!!!)machte noch richtig Spaß.


In Mahdia wollte J. gerne eine komfortable Dusche, also haben wir uns eins der noch wenigen geöffneten Hotelzimmer geleistet.(Die Saison ist vorbei und fast alle Hotels geschlossen.)
Bei einem Rundgang durch die Medina bot sich wieder das gleiche Bild wie schon in Bizerte oder Tozeur: Um 19:00 ist absolut nichts los und die fehlenden Geschäfte lassen vermuten, daß dies auch tagsüber so ist. Hier gibt es einen langen Strand mit dutzenden Hotels. Aber in Mahdia gibt es genau zwei Restaurants und die liegen auch noch nebeneinander. Hier merkt man überdeutlich, daß der Tourismus in TN weitgehend tot ist. Das Einzige was wir gesehen haben, waren geführte 4x4-Touren im Süden(Franzosen und Italiener)


Nach unseren Erlebnissen in Griechenland, Marrokko und der Türkei ist es für mich unglaublich, wie tot die historischen Innenstädte hier in Tunesien sind. Morgen steht noch das Kollosseum in El Jem auf dem Programm und dann habe ich alle meine geplanten Besichtigungspunkte abgehakt.

Schöne Grüße nach Europa von klasi

Sprinterklasi am 07 Nov 2019 13:45:27

Hallo aus Nabeul(TN),
so langsam geht unsere Tunesien-Reise zu Ende und dies wird wohl der vorletzte Bericht. In Mahdia hatten wir Glück, weil das Wetter am nächsten Tag besser war als die Vorhersage. So stand dem Badevernügen nichts im Wege. Die meisten der wenigen Touristen am Strand kamen übrigens aus Deutschland.


Hotel Sirocco in Mahdia
Nur für uns wurde das Tor zum Strand geöffnet und nach uns auch wieder verschlossen. Andere Gäste waren wohl nicht im Haus.

Blick vom Balkon


Im November bei 26° noch im Meer zu baden ist schon ein besonderes Vergnügen.

Das letzte Ziel auf meiner Liste war das mächtige Kolloseum von El Jem, das dem in Rom nicht nachsteht. Leider sind alle Fotos von außen unscharf ??? Daher jetzt ein paar Innenaufnahmen. Ein solch riesiges Bauwerk kann man nur sehr schwer fotografieren.



Die restaurierte Tribüne rechts ist entstanden um die Lücke zu füllen, die ein türk.Sultan hat schlagen lassen, weil aufsässige Araber sich in den Gängen und unterirdischen Verliesen versteckten.
Man kann sich kaum vorstellen, wie das eher öde Umland zu Römerzeiten ausgesehen hat, um diese Riesenarena mit 30.000 Plätzen zu füllen.
Mein Beifahrer wollte mir nun in den verbleibenden Tagen noch einiges von TN zeigen, was ihm wichtig war.
Als nächstes fuhren wir in die für Tunesier heilige Stadt Kaiouran und fanden einen Übernachtungsplatz an der Kasbahmauer. Wie üblich fand sich gleich ein junger Mann, der uns für einige Dinar durch die Altstadt führte.
Am nächsten Tag regnete es leider, aber wir wollten noch zum historischen Brunnen, über dem später eine Moschee gebaut wurde, die Keimzelle von Kaiouran. Das Wasser aus diesem Brunnen wird von einem Kamel gefördert, das zu diesem Zweck zunächst eine Treppe hinauflaufen muß.

Das Kamel machte das ganz locker. Nach einer Frühstückspause wurde es dann vor den Göpel gespannt um das Fördergetriebe zu bewegen. Wegen Arbeiten an der Anlage waren keine Wasserkrüge am Förderseil befestigt. Das Kamel lief also nur ein paar Runden für die Touristen.


Nächstes Ziel war Monastier, der Geburtsort des Staatsgründers Bourgiba. Hier steht mit seinem Mausoleum das aufwendigste und gepflegteste Gebäude das ich in Tunesien gesehen habe. Beim Betreten wedelte der Wachhabende locker mit seinem MG herum. Überhaupt ist mir der hohe Anteil an massiv bewaffnetem Personal eher unangenehm aufgefallen, mein Begleiter fand das ganz ok und fühlte sich dadurch besonders sicher.

Das Mausoleum in form einer Moschee ist ganz hinten am Ende des riesigen Vorplatzes.


Blick auf den Strand von Monastier vom Turm des Ribat aus.

Unser Tagesziel war der Heimatort meines Reisebegleiters, Nabeul, das wir nach einem kurzen Abstecher in den Badeort Port El Kantoui am Abend erreichten.
Während ich dies schreibe, hat das gestrige Regenwetter der Sonne Platz gemacht. Vielleicht gelingt hier auch noch einmal ein Sprung ins Meer.
Schöne Grüße, klasi

Jagstcamp-Widdern am 07 Nov 2019 16:47:10

wahnsinn, wie sich ein land (negativ) verändert, allerdings war ich 95 zum letzten mal...
damals ging mir marokko auf den keks und tunesien war toll!

und das traumland algerien kann man eh komplett streichen.

allesbleibtgut
hartmut

schneggenhaus am 07 Nov 2019 17:32:23

vielen Dank fürs mit nehmen und einige Orte habe ich 1996 besucht und erkannt. Ich hätte nie gedacht, dass Tunesien so schlimm dran ist und bin ziemlich bestürzt. Ist es wirklich so schlimm ?? Wir hatten damals sehr schöne Erlebnisse mit meinen Kids ...... schade für dieses Land. Ich hätte das gerne einmal wiederholt, aber so glaube ich nicht.
Der Bericht ist trotzdem schön und vielen Dank dafür !!

mit lieben Grüssen Schneggenhaus

TiborF am 07 Nov 2019 18:30:46

Was für ein schöner Reisebericht und so schöne Fotos ..........da gehört schon Mut dazu, freue mich, dass alles gut geklappt hat auf eurer Reise. Ich bedanke mich sehr für diesen Bereicht, es hat meinen Horizont wieder erweitert.

troppau am 08 Nov 2019 10:35:45

Lieber Klasi,
vielen Dank für Deine Reiseberichte, die eines Kara Ben Nemsi würdig sind. Das Abenteuer geht nun zu Ende und Du musst mit Deinem treuen Hadschi Abschied nehmen. Wir wünschen Euch eine gute Heimfahrt! Deine schönen Fotos habe ich alle in einem Extra- Ordner gespeichert.
Deine Füssener

Sprinterklasi am 09 Nov 2019 18:38:16

Hallo an alle,
es freut mich, wenn der Reisebericht bei dem einen oder der anderen Interesse gefunden hat. Wenn ich wieder zu hause bin, werde ich noch ein Fazit dieser Reise schreiben. Bitte beachtet, daß alle Äußerungen aus meiner subjektiven Sicht erfolgen, so, wie ich sie wahrgenommen habe.
Heute ist der letzte Abend in Nabeul, morgen geht es in Tunis wieder auf die Fähre Richtung Genua. Erwähnenswert aus den letzten Tagen ist der Besuch einer großen Farm, wo ich Südfrüchte gepflückt und direkt vom Baum gegessen habe. Heute waren wir in einem Hamam zur Massage und Waschen. Mein weis ja, wie Muslime mit Frauen umgehen, aber das auch die Männer untereinander aus westlicher Sicht unglaublich prüde sind, hätte ich so nicht erwartet. In meiner naiven Vorstellung hatte ich gedacht, dort laufen alle nackt herum: weit gefehlt. Nur unter dem Schutz des Bademantels durfte ich mir die Badehose anziehen. Das feuchtwarme Klima im Gebäude setzte mir etwas zu, die anderen übergossen sich aus Eimern mit heißem Wasser, das konnte ich nicht ertragen, glücklicherweise konnte man das regulieren. Danach die Massage war ganz ok, waschen kann mich eigentlich auch alleine, dafür brauche ich keinen Angestellten. Der anschließende "Ruheraum" diente auch zum Umziehen und bot nur harte Holzpritschen mit Teppichauflage. Ich konnte weder darauf liegen noch sitzen und war froh, als meine beiden Begleiter auch fertig waren und wir endlich gingen. Dazu war dieses "Vergnügen" mit über 20€ wahrlich nicht billig. Natürlich war es interessant und so kann ich wenigstens mitreden.
Gestern waren wir zu Gast bei einem ehemaligem tunes. Gastarbeiter und seinem 33jährigem Sohn, der in Deutschland geboren ist und nur wenig arabisch kann. So kam ich in den Genuß, daß auch mal wer mit mir sprach. An den Abenden vorher waren wir jeweils mit anderen Freunden meines Reisebegleiters zum Essen und dort wurde ich völlig ignoriert. Besonders gestört hat mich auch, daß bereits während des Essens am Tisch geraucht wurde. Und zwar an beiden Abenden von wechselnden Personen, also kein unhöflicher Einzelfall, sondern üblich.
Der arbeitslose junge Mann erzählte mir, daß er einen Pflichttermin beim Arbeitsamt nicht wahrgenommen hat, weil er ja in Tunesien ist. Dafür bekäme er zwar 10% abgezogen, aber das juckt ihn nicht weiter. In 14 Tagen muß er aber in Dortmund auf der Matte stehen, denn er will ja die Bezahlung seiner deutschen Wohnung nicht gefährden. Da denkt man doch gleich: AFD läßt grüßen. Er meinte dann noch zu den Zuständen im Land: Acht Stunden durcharbeiten schafft kein Tunesier, und wenn es regnet fällt die Arbeit ganz aus.
Dann wünsche ich den Tunesiern und uns ganz viel Sonnenschein, auch wenn das im November etwas schwierig ist.
Mal wieder viele Grüße, klasi
(PS: Wenn heute abend jetzt noch der BvB bei den Bayern über sich hinauswächst, fahre ich morgen ganz beschwingt nach hause.)

troppau am 10 Nov 2019 19:00:09

Hallo Klasi,
nur eine Frage: fährt die Fähre Non Stop nach Genua oder macht sie Zwischenstopps?
Eine gute Überfahrt wünschen wir euch!
Deine Füssener

MiGu1418 am 10 Nov 2019 19:52:42

Hallo Klasi,

interessanter Reisebericht mit tollen Bilder, von einem schönen Land.
Aber auch ich musste feststellen das Tunesien sich nicht zum Vorteil verändert hat.

Gruß Guido

Jagstcamp-Widdern am 10 Nov 2019 20:24:26

genua - tunis fährt nonstop!

allesbleibtgut
hartmut

troppau am 10 Nov 2019 21:37:15

Danke aus Füssen

Sprinterklasi am 13 Nov 2019 18:36:04

Hallo,
nach ca. 4800km, davon 2600 km in Tunesien sind wir wieder gut zuhause angekommen. Der massive Schneefall am Gotthard hat uns auf dem Rückweg etwas ausgebremst. Mit rutschendem, schlingerndem Womo haben wir in Ariolo gerade noch den Parkplatz direkt nach der Abfahrt erreicht. Bei der Gelegenheit konnte ich dann feststellen, daß meine nagelneuen Pirelli-Ganzjahresreifen leider eigentlich komfortable, leise Sommerreifen sind. Die Schneeflocke ist eine Mogelpackung. Da wir ja Wintercamping betreiben, werde ich also auch weiterhin nicht um den halbjährlichen Reifenwechsel herum kommen.
Zurück zu Tunesien:
Ich habe sehr viel Land und Leute gesehen und erlebt. Durch meinen tunesischen Begleiter habe ich viel mehr Volksnähe erlebt, als zum Beispiel bei unserer (sehr schönen) Reise nach Marrokko.
Zum anderen mußte ich aber auch feststellen, daß TN ein armes (nichts Neues) und ein korruptes (eigentlich auch nichts Neues), vor allem aber ein sehr dreckiges Land ist. Noch nie habe ich soviel Müll allüberall gesehen. Bevor irgendwelche Steinewerfer gegen die Regierung wegen der Zustände im Land demonstrieren, sollten diese Leute jeder vor seiner Haustür für Ordnung sorgen, statt im Cafe lauthals zu lamentieren und allen ginge es besser. Dann würden vielleicht auch wieder mehr Touristen kommen und Geld ins Land bringen. Es war für mich richtig erschütternd zu sehen, wie südlich von Douz der Müll mit Lastwagen einfach in die Wüste gekippt wird, wo gerade Platz ist. Über km zog sich diese Mülllandschaft hin. Sicherheitsprobleme hatten wir keine, schwerbewaffnete Polizei und Militär steht an jeder Ausfallstraße, aber diese Müllwüste kann ich niemandem empfehlen.
Trotz diese negativen Erfahrungen überwiegen letztlich die positiven Erlebnisse und ein Beutel mit Salz vom Chott el Jerid wird mich daran erinnern, mir einen Traum erfüllt zu haben, auch wenn die Asphaltpiste über das Chott alles andere als ein Abenteuer war. Darin unterscheidet sich die Wirklichkeit des 21. Jhrd. von der Fiktion des Karl May aus dem 19.Jhrd. Aber im Gegensatz zu ihm war ich wirklich da. Ich bedanke mich bei allen, die bis hierher mitgelesen haben und verbleibe mit lieben Grüßen an alle bekannten und unbekannten Leser, euer klasi

babenhausen am 14 Nov 2019 08:54:59

Du schreibst von Korupption , in wie weit betrifft es Reisende? Was hast du dazu erlebt?Zoll,Grenzpolizei ,Polizeikontrollen,etc.
Dass Tunesien etwas ärmer ist als Mitteleuropa muss ja nicht negativ für eine Reise sein.Und der Müll...bei uns wird er verbrannt und in die Luft geblasen ,auf Schiffe verladen etc.noch bis vor wenigen Jahren wurde auch in D noch der Müll in die Landschaft gekippt mit dem Unterschied abgedeckt mit Planen Humus drauf und angepflanzt man sieht es halt nicht.

Flatus am 14 Nov 2019 11:01:51

babenhausen hat geschrieben:Du schreibst von Korupption , in wie weit betrifft es Reisende? Was hast du dazu erlebt?Zoll,Grenzpolizei ,Polizeikontrollen,etc. ...


Korruption ist in Tunesien seit der Revolution ein grosses Problem. Davon betroffen sind aber nur die Einheimischen, als Tourist spürt man davon gar nichts.
Zum Beispiel werden die die Händler immer wieder genötigt den Beamten kleine „Abgaben“ zu bezahlen. Oder wer als Bittsteller auf einem Amt vorspricht, muss ein „Geschenk“ mitbringen, sonst bewegt sich da keiner. Anderseits muss man die Beamten auch verstehen. Die Polizisten, Soldaten, Lehrer, Ärzte, Bürgermeister, usw. warten teilweise monatelang auf ihren Lohn. So verwundert es nicht, dass sie versuchen sich bei ihren Kunden schadlos halten...
(in Marokko ist das übrigens genauso!)

Wie gesagt, als harmloser Tourist merkst du davon gar nix.

Gruss Flatus

anton-reiser am 14 Nov 2019 11:11:52

schade, dass du keine bilder von der vermüllung gepostet hast. hätte mich sehr interessiert.
vor einigen jahren war ich in süditalien unterwegs. die vermüllung begann ab neapel. wüsste gern, ob es in tunesien noch schlimmer ist.

Anton

Sprinterklasi am 14 Nov 2019 12:21:32

Hallo Flatus,
auch wie du meinst als "harmloser Tourist" merkt man das sehr wohl. Entweder die bezahlst an der Grenze den Zöllner, oder du packst dein Womo komplett aus. Kontrolliert wurden wir weder bei Ein-noch bei Ausreise, weil mein Reisepartner stets ein paar Scheine zur Hand hatte. Bei der Rückfahrt haben sie sogar noch über die Höhe gefeilscht.
Auch im Restaurant wurde bei der Ankunft sofort ein Bakschisch übergeben, das sichert dir einen guten Platz und ein weniger zähes Stück Fleisch. Auch der Mann an der Hotelrezeption freut sich über ein Zubrot. Damit steigen deine Chancen ein Bad zu bekommen, indem es tatsächlich warmes Wasser gibt und die Armatur noch funktioniert. Jedenfalls gab es zig Gelegenheiten, wo ein Scheinchen zu einer eleganten Lösung verholfen hat.

Hallo Anton,
auch auf Korfu haben wir im letzten Jahr viel Müll gesehen, aber soo schlimm wie in TN war es doch nicht. Und wenn "babenhausen" unsere Deponien mit dem Müll in TN vergleicht ist das sowas von daneben, da sage ich lieber nichts mehr zu.
Bei dem danieder liegenden Tourismus freuen sich die Tunesier sicher über jeden Gast. Alle sind daher herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Schöne Grüße, klasi

babenhausen am 14 Nov 2019 13:19:57

Sprinterklasi hat geschrieben:Hallo Flatus....

Bei dem danieder liegenden Tourismus freuen sich die Tunesier sicher über jeden Gast. Alle sind daher herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.
Schöne Grüße, klasi


Deine zwei letzten Sätze klingen schon zynisch in dem Kontext. Schade

Flatus am 14 Nov 2019 14:19:24

Sprinterklasi hat geschrieben:... auch wie du meinst als "harmloser Tourist" merkt man das sehr wohl. Entweder die bezahlst an der Grenze den Zöllner, oder du packst dein Womo komplett aus. Kontrolliert wurden wir weder bei Ein-noch bei Ausreise, weil mein Reisepartner stets ein paar Scheine zur Hand hatte. ...

Hallo klasi

Korruption ist immer Gegengeschäft. Beide Seiten müssen korrupt sein, sonst klappt das nicht! :idea: Mitmachen muss da keiner.

Ich war bis jetzt 25-mal mit dem eigenen Womo in Tunesien - und habe nicht ein einziges Mal bezahlt oder bezahlen müssen. Ich bekam zwar ein paarmal entsprechende Angebote, habe die aber immer danken abgelehnt. Nachteile hatte ich deswegen nie. Ganz im Gegenteil: Wer einmal bezahlt, zahlt immer wieder.

Gruss Flatus


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