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Tipps vom Norwegen-Einsteiger für Norwegen-Einsteiger


traveller69 am 25 Okt 2019 20:01:34

Nachdem ich über unsere schönsten Reiseziele --> Link in Norwegen berichte habe, möchte ich hier noch ein paar Tipps für Wohnmobilreisende in dem schönen Land zusammentragen und alles, was mir noch so aufgefallen ist:

An- und Abreise
Für die Anreise haben wir die Fähre von Fehmarn nach Dänemark gewählt. Die Fähre verkehrt sehr oft, die Fahrt verlief problemlos. Spannend war, dass auch ein kompletter Eisenbahnzug mit Fahrgästen auf die Fähre gefahren ist; dass es so etwas gibt, war mir neu … Dann ging es an Kopenhagen vorbei über die Øresundbrücke nach Schweden rüber. Fähre und Brücke hat als Kombi bei Scandlines online 115€ gekostet für ein Womo bis 6m und 2 Personen. Der schnellste Weg in den Norden führt über die E4 entlang der Ostseeküste Schwedens. Die Straße ist vor allem im Süden meist vierspurig. Noch während der Reise kam ein Brief aus Schweden von EPASS24, in dem um eine Überweisung von 0,84€ für die Brückenmaut in Sundsvall gebeten wurde. Das war es auch schon an Mautgebühren in Schweden. Für den Liter Diesel habe ich in Schweden rund 16 SEK gezahlt, also ungefähr 1,55€.
Für die Abreise haben wir die Fähre mit Fjord Line von Kristiansand nach Hirtshals genommen. 149€ für ein Womo bis 6 m Länge, über 2,95 m Höhe und 2 Personen. Aber Achtung, beim Einchecken wird peinlich genau Höhe und Länge des Fahrzeugs gemessen! Ein VW Bus vor mir ist erst einmal an die Seite rangefahren, um seine Markise abzuschrauben, die keine 10 cm über dem Dach stand… Tatsächlich kann man noch 15% sparen, wenn man auf der Seite des Fährbetreibers Norwegisch als Sprache wählt und in NOK bezahlt. Diesel in Dänemark kostete so um die 9,3 DKK pro Liter, umgerechnet also 1,27€, so viel etwa wie in Deutschland auch.

Grenzkontrollen
An keiner der Grenzen zu Dänemark, Schweden oder Norwegen haben wir Grenzkontrollen erlebt. Lediglich das Personal bei der Fährüberfahrt von Norwegen nach Dänemark wollte unsere Ausweise sehen. Trotzdem empfehle ich jedem, sich mit den jeweiligen Zollbestimmungen vertraut zu machen. Nach Norwegen dürfen u.a. keine Kartoffeln eingeführt werden, was auch nicht nötig ist, da die Erdäpfel des Landes richtig lecker sind ;-)

Geld
Ob Dänemark, Schweden oder Norwegen, jedes Land hat seine eigenen Kronen. Wie weit Euros akzeptiert werden, habe ich nicht ausprobiert. Kartenzahlung ist sehr weit verbreitet, manchmal ist die Kreditkarte sogar das einzig mögliche Zahlungsmittel, wie z. B. für die Maut auf entlegenen Straßen. Ich habe Kreditkarten von der comdirect und ING. Beide Banken erheben bei jeder Nutzung 1,75% Gebühren des Betrags wegen Zahlung in Fremdwährung. Vielleicht gibt es auch Karten, die keine Gebühren erheben, aber dann sollte man genau auf den Wechselkurs achten, denn ich habe schon erlebt, dass sich dann die Bank mit einem miserablen Wechselkurs doch noch bereichert hat. Die Gebühren konnte ich umgehen, indem ich Geld am Bankautomaten abgehoben und dann bar bezahlt habe. Auch wenn dies bei Skandinaviern sehr unüblich ist, werden Scheine und Münzen immer noch akzeptiert. Wechselkurs ist etwa 1€ = 10 NOK, das lässt sich gut im Kopf umrechnen ;-) Die Norweger haben übrigens seit 2012 das Kupfergeld gestrichen, es gibt nur noch Münzen mit 1, 5, 10 und 20 Kronen. Beträge im Supermarkt und an der Tankstelle werden entsprechend auf die Krone gerundet. Wir könnten auch mal das lästige Kupfergeld streichen, die Iren machen das ja auch schon teilweise …
Die EC-Karte habe ich übrigens nicht ausprobiert, hat jemand damit Erfahrung?

Straßen & Verkehr
Norwegens Straßen sind oft sehr schmal, eine Mittelstreifenmarkierung ist daher eher die Ausnahme. Die Straßenbreite passt sich der Landschaft an, insbesondere entlang der steilen Fjorde bleibt nicht viel Platz. Aber irgendwie findet sich immer eine Ausweichbucht und ich musste nur einmal eine längere Strecke wegen einem entgegenkommenden Reisebus zurücksetzen. Generell ist die Verkehrsdichte eher dünn und es lässt sich auch auf den schmalen Straßen entspannt, wenn auch nur relativ langsam fahren. Zwar ist auf der normalen Landstraße 80 km/h erlaubt, aber im Durchschnitt kommt man auf schmalen, kurvigen Straßen nicht auf mehr als 50 bis 60.
Die Hauptstraßen sind in der Regel asphaltiert und meist auch in einem guten Zustand. Es gibt viele Baustellen, die dafür sorgen, dass es auch dabei bleibt. Während der Arbeiten wird die Durchfahrt oft in einer Richtung gesperrt und ein Kolonnenfahrzeug führt dann durch die Baustelle.
Viele Nebenstraßen haben allerdings nur eine Mischung aus Kies und Ton als Belag, was eine sehr glatte Oberfläche ergibt, wenn da nicht tiefe Schlaglöcher immer mal wieder ausgespült werden würden oder sich eine wellblechartige Oberfläche bildet, die auch die letzte Schraube aus dem Wohnmobil rüttelt ;-)
Ampeln findet man in der Regel nur in größeren Städten; der Verkehr an Kreuzungen wird meist mit Kreiseln geregelt. Die Krönung des Kreisverkehrs ist einer inmitten eines Tunnels. Norweger scheinen ganz versessen auf Tunnel zu sein und haben im Tunnelbau wahrhaftige Meisterschaft erreicht. Inzwischen sind die meisten alten Passstraßen, die im Winter gesperrt sind, durch eine Röhre ersetzt worden. Auf manchen Streckenabschnitten fährt man daher mehr untertage, als man Tageslicht sieht. Dann gibt es Tunnel, die sich in einer Spirale nach oben schrauben, um an Höhe zu gewinnen, und es verwundert auch nicht, dass die Norweger mit dem Lærdalstunnel --> Link den längsten Autotunnel der Welt haben. Damit die Durchfahrt nicht zu langweilig wird, gibt es mitten drin mehrere riesige Kavernen, die durch die Beleuchtung wie große Gletscherhöhlen wirken.
Etliche Orte sind auch heute noch nicht durch eine Straße angebunden und lediglich per Boot erreichbar. Wie ist wohl das Leben an einem so abgeschiedenen Ort?
Norweger als Verkehrsteilnehmer sind mir bereits bei unserer Reise 2013 in Schweden durch ihre aggressive Fahrweise unangenehm aufgefallen, wobei die Schweden ausnahmslos rücksichtsvoll und defensiv gefahren sind. Auch dieses Jahr bei der Fahrt durch Schweden haben die ausländischen Verkehrsteilnehmer aus Norwegen nicht gerade durch Freundlichkeit und Rücksichtnahme geglänzt. Die Krönung war der ausgestreckte Mittelfinger eines Norwegers, weil ich ihm wohl nicht schnell genug den LKW auf der Autobahn überholt habe. Deshalb war ich gespannt, was mich in Norwegen erwarten würde, wurde aber positiv überrascht, dass die Norweger im eigenen Land umsichtige Fahrer sind, (meistens) rücksichtsvoll und zuvorkommend. Und was ich noch nie vorher erlebt hatte: dass sogar große LKWs für mich an Engstellen angehalten haben, anstatt einfach durchzubrettern, wie ich es sonst von Berufsfahrern gewohnt bin. Umgekehrt habe ich an Haltebuchten immer mal wieder gehalten, um den rückwärtigen Verkehr vorbeizulassen, der sich dann auch bedankt hat. So war es trotz der engen Straßen eine entspannte Fahrt, und es zeigt sich wieder, dass man nicht von einzelnen Vorfällen (im Ausland) auf alle anderen schließen darf.

Maut
Straßenbauprojekte wie Tunnel und Brücken werden in Norwegen über eine Mautgebühr finanziert, die in der Regel solange erhoben wird, bis die Baukosten wieder eingetrieben wurden. Dabei wird das Fahrzeug mittels Kameras automatisch erfasst, was meist durch Schilder kurz vorher angekündigt wird. Man muss es einfach hinnehmen, da es meist ohnehin kaum Alternativen gibt. In der Regel geht es auch nur um ein paar Euro. Die wohl höchste Maut war bei der Hardangerbrua über den Eidfjord fällig, 150 NOK für Fahrzeuge bis 3,5t. Schwerere Fahrzeuge zahlen auch mal das Dreifache. Die Mautbeträge werden gesammelt und Wochen oder gar Monate später kommt die Rechnung nach Hause geflattert, was bislang bei mir noch nicht der Fall war. Was mich das Ganze insgesamt gekostet hat, werde ich dann hier noch nachreichen.
Dann gibt es Maut, die direkt bei der Einfahrt fällig wird, meist abgelegene Straßen, die ins Hinterland führen. Ich bin nur Schrankensystemen begegnet, die sich ausschließlich mittels Kreditkarte öffnen ließen. 40 bis 100 NOK wurden dann abgebucht, um auf lehmigen Schlaglochpisten weiterfahren zu dürfen. Aber um die Wanderparkplätze in der „Wildnis“ zu erreichen, war es mir das wert.

Tanken
Diesel habe ich wie zu Hause getankt, aber bar an der Kasse gezahlt (siehe oben unter „Geld“). Es gibt auch die Möglichkeit, bei jeder Zapfsäule zuerst die Kreditkarte einzustecken; der Betrag wird dann abgebucht. Will man eine Quittung, ist es dann oft nötig, nach dem Tanken noch einmal die Karte einzuschieben. Tanken mit Karte ist die einzige Bezahlmöglichkeit an Zapfsäulen mitten im Nirgendwo, weil es dort kein Personal gibt. Für den Liter Diesel habe ich in Norwegen im Schnitt 15 NOK gezahlt, also etwa 1,50€. Damit war er sogar etwas günstiger als in Schweden. Gesehen habe ich es nicht, aber angeblich soll es an Norwegens Tankstellen auch Diesel ohne Mineralölsteuer für landwirtschaftliche Fahrzeuge geben ("avgiftsfri"). Daher sollte man bei besonders günstigen Preisen lieber Abstand nehmen, denn es ist nicht erlaubt, den eingefärbten Treibstoff zu tanken.

Fähren
Fähren an den stark zerklüfteten Küsten gehören zu Norwegens Alltag, verkehren recht häufig und sind unkompliziert. In den Häfen sind entsprechende Wartestreifen durchnummeriert und man stellt sich bei der niedrigsten Nummer hinten an. Gibt es verschiedene Fähren, weisen die Schilder auf die verschiedenen Ziele hin. Gezahlt wird dann in der Warteschlange oder an Bord der Fähre. Bei kurzen Verbindungen verlässt man dann auch gar nicht erst das Fahrzeug. Die Preise variieren je nach Länge der Überfahrt und des eigenen Fahrzeugs. Bis 6m zahlt man nur den PKW-Preis. Am Fährhafen hängen meist Preistabellen aus, wobei beim Preis für das Fahrzeug der Fahrer bereits inbegriffen ist, jede weitere Person kostet extra. Mit der Ferje Kort konnte ich noch den halben Fährpreis sparen. Die gibt es nun nicht mehr, es wird jetzt über AutoPASS abgerechnet: --> Link

Telefonieren und Internet
Norwegen gehört zwar nicht zur EU, aber zum EWR und daher konnte ich meine Freieinheiten und das Datenvolumen (otelo, alditalk) wie zu Hause ohne Zusatzkosten nutzen. Ich empfehle, Eure Mobilfunkverträge zu prüfen, welche Tarife bei Eurem Anbieter für Norwegen gelten.

Übernachten
Um es vorweg zu nehmen: Während unserer gesamten Reise haben wir kein einziges Mal auf einem kommerziellen Stell- oder Campingplatz übernachtet und daher haben wir keine direkten Erfahrungen damit. Natürlich freue ich mich über das gesparte Geld, aber der eigentliche Grund, warum ich diese Plätze meide, ist der Rummel dort. Ich fahre nach Norwegen wegen der Ruhe und Natur, doch vor allem zur Saison ist auf den Campingplätzen einiges los. Aber da hat wohl jeder so seine persönlichen Vorlieben und Abneigungen, was ja auch gut so ist. Wer lieber wie ich frei steht, findet Anregungen in den Bücher aus dem Womo-Verlag („Mit dem Wohnmobil nach Norwegen“), sowie auf entsprechenden Internetseiten und mittels Apps fürs Smartphone. Manchmal hat man Glück und steht wirklich mutterseelenallein in schöner Natur. Das wilde Campen nimmt aber auch mit der Zunahme an Wohnmobilen, Bussen und PKW, deren Besatzung im Fahrzeug schläft oder zeltet, immer mehr überhand und man findet die „No Camping“-Schilder an touristischen Hotspots recht häufig. Wie auch immer man diese Schilder interpretieren mag, ich persönlich habe an diesen Orten nicht übernachtet.

Ver- und Entsorgung
An einigen Tankstellen und öffentlichen Rastplätzen kann man kostenlos seine Abwässer entsorgen und frisches Wasser problemlos tanken. Wenn das Wasser klar war, habe ich auch unsere Trinkflaschen aufgefüllt. Auf PET-Flaschen werden zwar 30 NOK Pfand erhoben und werden wie bei uns an Automaten gesammelt, aber es ist natürlich besser, erst gar keinen Müll anfallen zu lassen.
An jedem Rastplatz gibt es Müllcontainer oder Abfalleimer, die aber keine Mülltrennung erlauben. Auf den Parkplätzen von großen Supermärkten findet man aber öfters einen kombinierten Sammelcontainer für Glas und Metall, ganz selten auch mal welche für andere Abfälle wie Papier oder Plastik.

Essen
In den Supermärkten (meist geöffnet Mo. bis Sa. von 8 bis 22:00, selten sonntags) findet man all das, was es bei uns auch gibt, aber in Variationen. Diese Besonderheiten zu schmecken, gehört für mich zum Reiz einer Reise. Deswegen von zu Hause nur das Nötigste mitbringen und ausprobieren, auch wenn die Preise in Norwegen durchaus je nach Produkt höher sind. Ohne einen genauen Vergleich gemacht zu haben, habe ich in Norwegens Supermärkten ungefähr das bezahlt, was ich in Deutschland in einem Bioladen ausgegeben hätte, nur dass es in Norwegen nur wenige Bio-Produkte gibt. Am häufigsten waren wir im Rema 1000 einkaufen, weil er ein gutes Verhältnis von Angebot und Preis hat.
Bäcker und Metzger gibt es nur wenige und sind eine gute Gelegenheit für eine Abwechslung vom Supermarkt-Einerlei.
Wir haben ja nicht viele Laster, aber ohne Schokolade können wir nicht überleben ;-) Das ist auch das einzige, was ich aus Deutschland mitbringen würde. In Norwegen ist sie nicht nur sündhaft teuer (40 NOK für 200g), sondern es ist auch ganz schwierig eine gute Zartbitterschokolade zu bekommen.

Gas
Mit auf die Reise hatte ich drei 11kg Gasflaschen genommen. Zwei reichen für drei Monate für Kühlschrank und Kochen und eine haben wir morgens zum Heizen gebraucht, mit dem angenehmen Nebeneffekt warmes Wasser zum Duschen und Spülen zu haben. Um aber nicht auf der letzten „Gasblase“ zu fahren, habe ich unterwegs eine Flasche nachfüllen lassen. Orte dafür findet man theoretisch hier: --> Link
Aber als ich die Station in Trondheim anfahren wollte, war sie geschlossen. Zum Glück habe ich mein Gas um die Ecke bei Propan Senteret, Bratsbergvegen 25, Trondheim für 270 NOK, also 27€ bekommen. Sie sind dort auf das Befüllen ausländischer Flaschen eingestellt und haben die nötigen Adapter.

Blutsauger
Das Aufkommen an Stechmücken, Bremsen und Kriebelmücken war Mitte Juli in Schweden und Norwegen bis nach Senja hinauf schon unangenehm. Wenn man keine stoische Gelassenheit entwickeln kann, macht das sicherlich keinen Spaß. Linderung verschafft Mückenspray und entsprechend lange Kleidung, sowie die Devise: „Bloß nicht stehen bleiben!“ ;-)
Anfang August ab den Vesterålen war es zum Glück vorbei mit den Plagegeistern. Ob es am Ort oder der Zeit lag, weiß ich nicht, aber so richtig kalt war es im August an der Küste noch nicht.
Bereits nördlich des Polarkreises hatten wir keine Probleme mehr mit Zecken und es war pure Freiheit, sorglos durch Gras und Gesträuch zu streunen :-)

Hund
Mit dem Hund nach Norwegen zu fahren, ist inzwischen wesentlich einfacher als vor Jahren, als noch ein Bluttest verlangt wurde. Der Hund braucht heute lediglich einen Heimtierausweis, muss gechipt sein und über eine gültige Tollwutimpfung verfügen: --> Link
Außerdem benötigt er eine im Heimtierausweis eingetragene Bandwurmbehandlung. Dafür gibt es die 28-Tage-Regelung, oder die Wurmkur muss mindestens 24 Stunden, aber höchstens 120 Tage her sein. --> Link
Weil wir die längere Anreise über Schweden gewählt haben, haben wir dort auch die Wurmkur gemacht (hat knapp 33€ für Mittel und Eintragen (mit Datum und Uhrzeit!) gekostet).
Beim Grenzübertritt nach Norwegen muss die rote Spur angefahren und der Hund beim Zoll angemeldet werden… so die Theorie. In der Praxis meinte der Zollbeamte, dass ich nur vorstellig werden müsse, wenn etwas mit dem Hund bzw. den Papieren nicht in Ordnung wäre … (???)
Vom 1. April bis 20. August herrscht generelle Anleinpflicht für Hunde. Die Kommunen verlängern aber diesen Zeitraum oft, teilweise gilt das Gebot ganzjährig. Auf Flächen mit weidenden Schafen (und das scheint ein Großteil Norwegens zu sein ;-)) sind Hunde ohnehin an der Leine zu führen. Selten habe ich einen Norweger seinen Hund frei laufen lassen sehen und sie sind auch sehr darauf bedacht, dass die Hunde nicht in Kontakt kommen. Auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen, aber ich finde es schade, dass Hunde an der Leine aneinander vorbei gezerrt werden und die Hunde dadurch immer neurotischer werden, bis sie wirklich gar nicht mehr von der Leine können. Früher kam man über den Hund leicht ins Gespräch mit anderen Hundehaltern, heute herrscht die Angst vor…

Land und Leute
Über das Land habe ich ja schon viel vorgeschwärmt und die Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Die Natur ist einfach überwältigend - es gibt wohl kaum etwas Vergleichbares. Und ich liebe es, mich frei in dieser Landschaft ohne Zäune und Zecken zu bewegen. Insbesondere die Fjell-Region mit ihren schneebedeckten Gipfel n und ausgedehnten Gletschern und Hochebenen hat es mir angetan.
Mit Norwegern und noch nicht einmal mit Hundehaltern bin ich in engeren Kontakt getreten. Über eine Begrüßung mit „Hei“ oder „Hallo“ ging es meist nicht hinaus, dabei sprechen so gut wie alle Norweger fabelhaft Englisch. Ich habe das Gefühl, dass der Norweger lieber für sich ist und von sich aus eher keine Konversation startet. Alle Initiative ging eher von mir aus. Ich könnte mir vorstellen, dass es auf Campingplätzen geselliger zugeht. Die Norweger sind ohne Frage sehr freundlich.

Wandern
Das Wandern gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen und da bietet Norwegen viel Fläche. Die Norweger sind selbst wanderbegeistert und es gibt über das ganze Land verteilt immer mehr einheitlich markierte Wanderwege. Schilder mit grünem Punkt weisen auf eine leichte Wanderung hin, blau heißt moderat, rot ist dann für Fortgeschrittene und schwarz für Experten. Die Markierungen sind mal mehr oder minder vorhanden, je nachdem wie gut der örtliche Wanderverein organsiert ist. Auch die Instandhaltung ist sehr unterschiedlich. Anfangs sind sie oft sehr ambitioniert, Stege und Treppen helfen über Moore und Hindernisse, aber im weiteren Verlauf der Strecke ist dann plötzlich damit Schluss. Auch kennt man in der Regel keinen Wegebau, eine Wegführung, die sich in sanften Serpentinen hin zum Gipfel windet. Nein, meist geht es senkrecht über Stock und Stein hinauf. Ich mag das eigentlich, wenn nicht alles komplett ausgebaut ist, aber man muss sich halt auf alles einstellen. Auf jeden Fall sollte das Schuhwerk gut vor Nässe schützen, denn fast überall gibt es Sumpfgebiete oder Bachläufe zu durchqueren. Wanderstöcke sind dabei jedenfalls hilfreich. Will man querfeldein oder es hat viel geregnet, kommt man oft nur mit Gummistiefeln weiter.
Generell empfehle ich so früh wie möglich aufzubrechen, umso länger bleibt man alleine und darf sich als Entdecker fühlen. Norweger sind offenbar Spätaufsteher und kommen oft erst um 11:00 in die Puschen.
Anregungen für unsere Wanderungen habe ich auf verschiedene Arten bekommen:
- Für Senja hatten wir uns über die Suchmaschine im Internet gezielt über Wanderungen informiert.
- Dann hatten immer die Touri-Infos der jeweiligen Region viele Anregungen und Broschüren.
- Für die Regionen Lofoten und Jotunheimen hatten wir spezielle Wanderführer vom Rotherverlag.
- Ansonsten sind wir auch einigen Wandertipps aus "Mit dem Wohnmobil nach Norwegen" gefolgt.
- Außerdem haben wir vor Ort Anregungen durch Wandertafeln und Wegweiser bekommen.
- Auf dem Smartphone habe ich dann noch die App "Locus Map" mit topographischen Karten von openandromaps (OSM) - dort sind die meisten Wanderwege eingezeichnet.
- Und last but not least bin ich auch ab und an einfach querfeldein marschiert, Schafpfaden und der Topografie gefolgt - das macht am meisten Spaß :-)

Nationalparks
Norwegen hat sagenhafte 47 Nationalparks, die zur Entdeckung der Natur einladen. Aber man sollte sich gut vorbereiten, denn Nationalparkcenter gibt es in der Regel vor Ort nicht. Es führen auch keine Straßen hinein und meistens gibt es nur ganz wenige Wanderwege. In der Praxis parkt man außerhalb des Parks, läuft ein paar Kilometer bis zu seiner Grenze und muss dann schon wieder auf gleichem Weg umkehren, wenn man am selben Tag wieder zurück zum Auto will. Richtig erkunden lassen sich die Nationalparks nur auf Mehrtagestouren mit Zelt oder mit Übernachtung in den einfachen Schutzhütten.
Die Natur in den Nationalparks ist sehr schön, aber Tiere wird man nur mit viel Geduld und Glück sichten, denn in Nationalparks ist das Angeln und Jagen, Nationalsport der Norweger, erlaubt.

Tierbeobachtung
Trotzdem bietet sich eine Reihe von Möglichkeiten, um interessante Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Zur Brutzeit nisten viele Seevögel an Norwegens Küste. Vor allem auf den Vesterålen haben wir viele Seeadler gesehen.
Mit Einbruch der Nacht kamen bei Ebbe die Otter und Minke und haben die Uferbereiche nach Fressbarem abgesucht.
Zur Walbeobachtung kommt man nicht um eine entsprechende Safari herum. Der Anbieter „Whalesafari Andenes“ bietet Sichtungsgarantie und wir hatten das Gefühl, dass sie was von ihrem Geschäft verstehen. Ein Trip kostet etwa 110€. Die Ausfahrt kann heftig sein, Mittel gegen die Seekrankheit blieben wirkungslos.
Auch für Elche gibt es geführte Safaris. Unser Tipp: Auch mal abends fahren. Die Elche stehen dann meist auf Weiden und Feldern entlang der Straße und lassen es sich dort schmecken. Aber nicht bei Dunkelheit fahren, sonst läuft man in Gefahr, den Elchen näher zu kommen als einem lieb ist.
Einmalig und besonders beeindruckend ist eine Begegnung mit Moschusochsen im Dovrefjell-Sunndalsfjella Nationalpark. Wir hatten Glück, als wir vom Parkplatz 62°16'35"N 9°35'11"E aus ins Dovrefjell gewandert sind. Etwas weiter nördlich von Kongsvoll aus soll es auch vielversprechend sein. Ich hatte mich vorher in der Touri-Info von Oppdal nach dem letzten Sichtungsort erkundigt. An der Touri-Info in Oppdal oder Dombås kann man aber auch eine geführte Safari buchen.
Nur Rentiere haben wir nicht gesehen, zumindest keine lebenden. Die großen Rentierherden gibt es vor allem in der Finnmark, hoch im Norden Norwegens. Ich denke, weiter südlich haben die Schaffarmer bereits vor Jahrhunderten die Sami verdrängt. Im Rondane und im Hardangervidda Nationalpark soll es noch große Bestände wildlebender Rentiere geben, aber da sie dort bejagt werden, sind sie sehr scheu.

Klima und Reisezeit im Spätsommer/Herbst
Zwar hatten wir keine Mitternachtssonne und keine Polarlichter, aber die Reisezeit Spätsommer/Herbst war für uns ideal. Die Hauptsaison war vorüber und es wurde spürbar ruhiger. Und obwohl wir uns auf der Höhe von Grönland befanden, war es Dank Golfstrom noch unerwartet warm. Lediglich morgens haben wir ab und an die Heizung gebraucht. Gleichzeitig sind ab August auch so gut wie alle Blutsauger verschwunden und erst wieder in Dänemark unangenehm aufgefallen. Zudem gab es frische Beeren und Pilze im Überfluss, leckere norwegische Kartoffeln und Äpfel wurden geerntet und ab September gibt's das zarte Lammfleisch - Norwegen ist auch durchaus eine kulinarische Reise gewesen ;-) Wir haben die Ruhe des Herbstes in seinen wunderschönen, warmen Farben jedenfalls sehr genossen.
Prinzipiell muss man sich in Norwegen auf jedes Wetter einstellen können. Wir hatten jedenfalls alles von Sonne bis anhaltenden Starkregen, in den Höhenlagen auch mal Schnee und Graupel, sowie Hitze und Frost, Flaute und Sturm…

Oih, das ist ja ein kleiner Roman geworden, ich hoffe, die Informationen können dem ein oder anderen helfen…
Wenn :wink: ich etwas vergessen haben sollte, fragt ruhig nach!

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CamperJogi am 26 Okt 2019 07:20:53

Moin Torsten

Hut ab - und Dankeschön! Top gemacht!


Gruss
Jürgen

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Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

Spiritofharley am 26 Okt 2019 07:42:03

Hallo Torsten,
vielen Dank für die vielen interessanten Informationen.
Wir sind selbst erst seit letztem Jahr vom Skandinavien Virus befallen und da nächstes Jahr Nordnorwegen ausführlich auf dem Plan steht, ist dein Bericht umso hilfreicher. Ich denke gerade als „Neuling“ sieht man ein Reiseland noch mit anderen Augen und schreibt über Dinge die für andere newcomer wichtig sind. Vielen Dank nochmal dafür.
Gruß Rainer

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rudisson am 26 Okt 2019 08:09:08

Und wieder ein dickes Danke an dich für die tollen Tipps.

rkopka am 26 Okt 2019 10:13:21

Wer möglichst billig nach Schweden rüber will, sollte sich auch die Fähren Rostock/Travemünde-Trelleborg ansehen. Die kamen bei meinen Recherchen meist am billigsten heraus. Aber wenig flexibel bzgl. Zeiten.

Wer auch mehr besichtigen will, könnte ab Mitte August und besonders ab 1.September öfter mal enttäuscht werden. Vieles hat da nur noch stark eingeschränkte Öffnungszeiten oder ist schon geschlossen. Ähnlich bei Campingplätzen. Für die größeren Städte trifft das normalerweise nicht zu.

RK

Bikerxxl am 26 Okt 2019 13:56:38

Moin Thorsten, danke für die umfassenden Informationen. Wir planen Norwegen und Schweden im kommenden Jahr. Jedoch wollten wir Juli/August fahren. Deiner Erfahrung nach würden sich die Monate August/September wohl eher anbieten, obwohl wir in 2013 für 6 Wochen im Juni und Juli dort oben waren und, da wir stets an der Küste waren, kaum oder garkeine Blutsauger dort erlebt hatten.
Wir freuen uns schon sehr auf diese atemberaubende Landschaft.
Gruß Biker

traveller69 am 27 Okt 2019 10:43:19

Ich danke sehr für Euer Lob!

Und RK, vielen Dank auch für den Hinweis für die alternative Fährverbindung, von den es eine große Anzahl gibt. Je nach geplanter Reiseroute oder persönlichen Vorlieben (lange, kurze oder lieber gar keine Fähre) kann da gewählt werden. Auch ein wichtiger Hinweis von Dir mit den Besichtigungszeiten. Wir haben es auch so erlebt, dass in den Städten wie Bergen und Trondheim in der Nebensaison vielleicht lediglich die Öffnungszeiten eingeschränkt sind, schließen manche Stabkirchen bereits im August, die meisten folgen dann im September. Daher lohnt es sich, sich vorab zu informieren.

Hallo Biker, für Schweden hatte ich bereits auch eine solche Übersicht erstellt: --> Link
Wie groß das Aufkommen der Stech- und Beißbiester lässt sich schwer verhersagen, da gibt es höchstens Tendenzen (Im Norden öfter als im Süden, im Innland mehr als an der Küste oder im Sommer mehr als im Herbst). Es gibt ganz schlimme Jahre und dann welche faste ohne Mücken, letzendlich steckt man da nicht drin.
Für uns eher ausschlaggebend und weitaus besser berechenabr war das Touristenaufkommen. Deswegen haben wir uns für den Spätsommer/Herbst entschieden und gegen eine Reise im Juni/Juli.
Die Landschaft ist und bleibt auf jeden Fall atemberaubend, gute Fahrt!

bonjourelfie am 27 Okt 2019 12:58:51

Vielen Dank Torsten!
Genau so haben wir Norwegen auch erlebt, sowohl im Frühsommer als auch im Spätsommer/Herbst. Nur hatten wir leider ziemlich viel Regen, deshalb waren wir dann öfter auf CPs. Wenn man nicht gerade im Juli unterwegs ist, sind die CP ziemlich leer und man hat immer viel Raum. Die landschaftlichen Eindrücke sind einfach überwältigend. Jederzeit wieder!

LGElfie

MiGu1418 am 27 Okt 2019 22:14:30

auch von hier ein Dank, für den Aufwand und die Mühe.

Gruß Guido

tessa4 am 01 Nov 2019 15:16:23

Hallo Torsten,

da wir nächstes Jahr eine Norwegen/Nordkapp Tour planen, sind wir für jeden Tipp dankbar.
Danke für den tollen Reisebericht und die Infos.

Grüße Wolfgang

traveller69 am 30 Jan 2020 16:14:43

So, vier Monate nach unserer Ankunft haben wir noch einmal Post aus Schweden bekommen: Die englische Firma "Euro Parking Collection" schickt uns eine Aufstellung und Rechnung für die Nutzung der Mautstraßen in Norwegen. Da unser Womo unter 3,5t liegt hatten wir uns zuvor nicht angemeldet. Mit Mautchip von AutoPASS und Anmeldung wäre eine Ermäßigung von bis zu 20% möglich gewesen. Aber so sind bei 13 Mautstrecken 537 Kronen zusammengekommen, mit Abstand am kostspieligsten mit 145 NOK war die Hardangerbrua auf der Rv.7, das andere sind eher Kleckerbeträge. Die Rechnung kann auch in Euro mittels Sepa-Überweisung beglichen werden. Leider ist der Umrechnungskurs lausig, 537 NOK wären eigentlich knapp 53€, sie wollen aber 57€. Insgesamt finde ich aber das ganze System sehr nutzerfreundlich.

phili am 30 Jan 2020 23:24:11

Hallo Torsten,

auch von mir vielen Dank für die vielen Informationen. Bis auf "Hund" interessierte mich alles sehr :D

Grüße

Phili

leoline am 31 Jan 2020 13:37:24

Vielen Dank für diese wirklich sehr ausführlichen und h ilfreichen Tipps! Nach so etwas habe ich schon lange gesucht.
Norwegen stand für uns eigentlichen für letztes Jahr auf der Wunschliste, aber umzugsbedingt ist daraus nichts geworden und ich weiß auch nicht, ob uns das noch jemals gelingen wird. Jetzt haben wir hier so viele neue interessante Ziele (wir sind ja ca. 500 km weit weggezogen :mrgreen: ), dass wir die erst mal abgrasen möchten. Und ich weiß auch nicht inwieweit sich die Hundekrankheit dort noch auswirkt. Mal sehen, was die Zukunft bringt - jedenfalls nochmals ein dickes Lob für deine Arbeit! :lol:

mefor am 03 Feb 2020 16:43:57

traveller69 hat geschrieben:So, vier Monate nach unserer Ankunft haben wir noch einmal Post aus Schweden bekommen:.

Das muss nicht die letzte Post zu dem Thema sein :D Da können noch ein paar kleinere Rechnungen kommen. Das zieht sich... Von unser Tour im Mai/Juni habe ich im Oktober, November und Dezember noch Post bekommen bzw. Mails da ich das über EPC mache.

traveller69 am 04 Feb 2020 16:41:30

mefor hat geschrieben:Das muss nicht die letzte Post zu dem Thema sein :D Da können noch ein paar kleinere Rechnungen kommen. Das zieht sich... Von unser Tour im Mai/Juni habe ich im Oktober, November und Dezember noch Post bekommen bzw. Mails da ich das über EPC mache.


Oha, na da schaun mer mal...
Die Auflistung sah schon recht komplett aus, aber wer weiß wo noch überall ein Foto von uns gemacht wurde :wink:
Ich werde dann hier weiter berichten...

dieterlein am 21 Feb 2020 17:41:06

Hallo Torsten -

Das sind super tolle Tipps - und tolle Bilder - wir planen unsere 1. Norwegen Reise gerade - für Ende Juni - und nach Deinem Bericht können wir es kaum erwarten. Da wir zeitlich nicht eingeschränkt sind und wir alle Zeit der Welt haben - werden wir uns ein wenig an Deiner Reiseroute orientieren.
Da wir "Neueinsteiger" mit dem Wohnmobil sind - erst im Frühjahr 2019 ein Wohnmobil zugelegt - sind wir für alle Tipps und Ratschläge (auch für die ungefragten auf mancher Tour) dankbar.
Schön das Du Dir soviel Zeit genommen hast - um diesen wirklich informativen Bericht zu schreiben.

Viele Grüße von Dieter

traveller69 am 25 Feb 2020 10:56:25

Hallo Dieter,
das freut mich, dass ich Euch für Eure anstehende Reise ein Parr Inspirationen geben konnte.
Dann wünsche ich Euch eine tolle Reise mit vielen wunderbaren Eindrücken!

Leberkas am 25 Feb 2020 11:50:24

Hallo Torsten,
auch von uns ein dickes Danke. Wir wollen heuer im August nach Norwegen und freuen uns schon sehr darauf. Als „Südstaatler“ ist das noch Neuland für uns und deshalb sind wir für jeden Tipp dankbar :)

Liebe Grüße aus München




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