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Reisebericht - Deutsche Alpenstraße und ein bisschen Österre


Susebesitzer am 27 Okt 2019 18:54:25

Deutsche Alpenstraße – Österreich - Ungarn Teil 1

Km-Stand bei Abfahrt 109 330 – bei Rückkehr 113 060 = 3730 Fahrtkilometer


06.10.2019 – Sonntag

Eigentlich wollten wir heute ordentlich Strecke machen, gekommen sind wir aber nur bis Salzgitter (vielleicht 250 km) auf den SP Salzgittersee. Der SP (5 € + Strom) macht einen sehr guten Eindruck, breite Buchten und ruhig.
Warum wir nicht mehr geschafft haben, liegt daran, dass wir wie üblich erst am Nachmittag loskamen und dass es viele Staus geben sollte (HH, vor und hinter Hannover). Uschi gab für den Weg bis Alsfeld Verzögerungszeiten von bis zu 7 ½ Stunden an. – Wir sind deshalb in Barsbüttel von der A 1 abgefahren und haben dann den Weg über Lüneburg, Uelzen, Gifhorn und Braunschweig genommen. Und dann kommt eben auch bald Salzgitter.
Das war eine recht mühselige Fahrt. Wir hoffen auf eine ruhige Nacht und darauf, dass es morgen besser geht.

07.10.2019 – Montag

Eigentlich gut geschlafen. Das Wetter war einigermaßen, kühl, aber auch sonnig.
Dann ging es für die letzten gut 600 km auf die Autobahn. Überall kamen wir gut durch, auch dort, wo Staus angekündigt waren. Wir fuhren über Kassel, Fulda, Würzburg und Ulm bis fast an den Bodensee, nämlich nach Wangen auf den dortigen Stellplatz (10,20 €, Strom inbegriffen). Netter Platz an einem Bach und sehr stadtnah. Gegen 16.30 Uhr machten wir uns zu Fuß auf in die Stadt.

Wangen hat ein durchaus sehenswertes Zentrum innerhalb z. T. erhaltener Stadtmauern. Kirche, Rathaus, Markt, viele Brunnen, bemalte alte Häuser … alles sehr nett. Note: 3
Durch Zufall entdeckten wir im Ort die Gaststätte Fidelis, angeschlossen an die gleichnamige Bäckerei. Diese einfache Gastwirtschaft war proppevoll, teilweise gab es reservierte Tische. Man setzt sich zu anderen Leuten an den Tisch und so bekamen auch wir eine kostengünstige Mahlzeit.
Gegen 19.00 Uhr gingen wir zurück zum Wohnmobil und jetzt – ½ Stunde später – ist es draußen schon dunkel.

08.10.2019 – Dienstag

Wieder eine ruhige Nacht.

Unser erstes Ziel ist der Skywalk-Park in Scheidegg, ein in die Wald- und Hügellandschaft gebauter Fußweg von etwa 700 m Länge, der in Höhen von bis zu 40m durch die Baumkronen des Waldes führt und enorme Aussichten auf die umliegende Landschaft bietet.

Man kann Teile des Bodensees sehen, Gebirge im Süden und postkartenähnliche Allgäu-Landschaften im Norden. Sehr interessant und lohnend, mit 11 € Normaltarif aber auch nicht eben billig.
Unser zweites Ziel sind die Scheidegger Wasserfälle, allerdings sind sie wegen Bauarbeiten für den Besuch gesperrt. Also keine Wasserfälle.
Durch wirklich sehenswerte, beeindruckende Landschaften

geht es auf der Deutschen Alpenstraße weiter über Oberstaufen, Immenstadt, Sonthofen nach Bad Hindelang. Von hier führt d i e Attraktion der Alpenstraße auf einen Pass (Oberjoch). Die Oberjoch-Straße gilt als die kurvenreichste, sie zu befahren, ist ein absolutes Muss und die Aussichten von den entsprechenden Punkten sind unbeschreiblich schön. Allerdings …
… ist die Passstraße wegen Bauarbeiten gesperrt. Also kein Pass, sondern ein Umweg über Sonthofen, Rettenberg, Wertach, Nesselwang, Pfronten, Weißensee nach Füssen.
In Füssen parken wir am Straßenrand und gehen die 600 m bis zur Altstadt. Der Ort gefällt uns sofort. Enge Bebauung, schön bemalte oder anders gestaltete alte Häuser und vor allem: lebhafte Atmosphäre, gefüllte Cafés, Menschen in der Fußgängerzone. Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen in der Sonne. Note: 2+

Zurück zum Auto; die Fahrt geht weiter. Zur Wieskirche kommt man über die B 17 …
… heute leider nicht, denn die Straße ist vor Trauchgau wegen Bauarbeiten gesperrt. Also wieder Umleitung fahren: über Lechbruck nach Steingaden. Von dort aus lässt sich die Wieskirche dann aber doch erreichen: sehr imposant von innen und außen, sehr harmonisch von außen und sehr überladen von innen, insgesamt sehr gepflegt und beeindruckend.


Aber wir sind noch nicht am Ziel, denn das heißt heute Oberammergau, das wir verhältnismäßig problemlos erreichen. Wir landen auf dem CP Campingpark Oberammergau und bekommen Dank ACSI eine nette Ermäßigung, müssen insgesamt nur gut 18 € zahlen. Der Platz macht einen sehr ordentlichen Eindruck.
Es ist schon nach 18 Uhr. Wir machen uns auf den kurzen Weg ins Zentrum (10 Minuten) und finden einen Ort vor, der uns ebenfalls sehr gut gefällt; eher dörflich, aber lebendig, viele bemalte Häuser, viele gut besuchte Gaststätten. In einer essen wir zu Abend und in der Dunkelheit geht es zurück. Unsere Note für Oberammergau: 2

09.10.2019 – Mittwoch

Der Himmel war schon morgens bedeckt und das Wetter wurde während des Tages immer schlechter; es regnete praktisch den ganzen Tag über.
Zunächst fuhren wir am Kloster Ettal vorbei und nach Garmisch Partenkirchen hinein. Wir fanden einen Parkplatz direkt im Zentrum und machten einen Spaziergang durch Garmisch. Eine schöne Stadt, ähnlich wie Füssen, aber viel dörflicher. Garmisch bekommt von uns die Note 2.
Dann fuhren wir weiter in Richtung Mittenwald, bogen aber kurz vorher, in Wallgau, ab und näherten uns dann von Südwesten dem Walchensee, an dessen Westufer eine schöne Straße entlangführt, die in die Kesselbergstraße mündet. Diese weist zahlreiche Kurven und Serpentinen auf und überwindet den Höhenunterschied zwischen Walchensee und Kochelsee. Hier gibt es auch das Walchenseekraftwerk, das den Höhenunterschied durch Wasserkraft in Strom umwandelt.
In Kochel am See freuten wir uns auf das Franz-Marc-Museum, aber so einfach ist das nicht: ankommen, Eintritt zahlen, besichtigen, …
… denn ein größerer Teil der Ausstellung war geschlossen. Die Hauptwerke (z. B. Der Blaue Reiter) waren nicht zu besichtigen. So verzichteten wir auf den Museumsbesuch und fuhren bei strömendem Regen über Benediktbeuren (nichts besichtigt) und an Bad Tölz vorbei nach Lenggries. Dort gibt es den edlen Lenggrieser Bergcampingplatz, teuer und gut bewertet und genau richtig angesichts unserer schlechten Laune ob des Wetters. Dort verdödeln wir nun seit 14.30 Uhr den Tag.
Abends waren wir noch im zum CP gehörenden Restaurant. Sehr angenehmes Ambiente, wohlschmeckende Speisen, dafür aber nicht so üppig und ein bisschen überdurchschnittlich teuer.

10.10.2019 – Donnerstag

Morgens war das Wetter erheblich besser. Wir hatten Brötchen bestellt und konnten so angenehm frühstücken. Noch eine Dusche in den überaus edlen Sanitäranlagen und dann ging es zum Bezahlen: Es kamen gut 36 € heraus; so kostbar haben wir mit diesem Wohnmobil wohl noch nie gestanden. Was soll’s, so ein SP hat auch was.
Dann ging es los, die allermeiste Zeit bei sehr gutem Wetter. Zuerst kamen wir zum Sylvenstein Speichersee. Dann immer entlang der deutsch-österreichischen Grenze und weiter nach Wildbad Kreuth, Rottach-Egern und dann ist man schon am Tegernsee. An der Nordspitze liegt Gmund, aber das ließen wir links liegen und fuhren nach Schliersee an den Schliersee. Dann immer weiter auf der B 307 nach Bayrischzell unterhalb des Wendelsteins. Von dort führt die Sudelfeldstraße auf den Sudelfeldpass beim Sudelfeld-Skigebiet. Über die Tatzelwurmstraße gelangt man langsam in tiefer gelegene Gebiete im Inntal. Wir fuhren auf die Autobahn und nach 2 Kilometern in Kiefersfelden schon wieder ab, um eine Vignette zu erstehen. So bestens ausgerüstet wollten wir nach Kufstein hinein und dort eventuell Kaffee trinken. Leider hat das, was wir dort sahen, unsere Ansprüche mehr als untererfüllt. Wir fanden es nicht attraktiv, uns dort aufzuhalten und geben Kufstein daher ein Mangelhaft.
Immerhin fassten wir einen Entschluss: Ende der Deutschen Alpenstraße, kein Chiemseegebiet, sondern auf österreichischer Seite in Richtung Berchtesgaden.
Es ging also südlich des Wilden Kaisers auf der 173 bis St. Johann in Tirol, dann auf der 178 entlang der Saalach und durch zwei längere Tunnel nach Schneizlreuth und auf der B 305 über Ramsau und Schönau auf abenteuerlicher Strecke runter nach Berchtesgaden.
Seit St. Johann hatte es mehr oder weniger heftig geregnet und so wollten wir uns erstmal um einen SP kümmern. Dem 5 Sterne Camping-Resort Allweglehen, ca. 5 km außerhalb von Berchtesgaden und noch teurer als der Platz in Lenggries, ist ein Stellplatz angeschlossen.

Dort steht man mit Strom für 17 € (auch nicht wenig) und kann die Einrichtungen des CP mit nutzen, muss dafür allerdings fast 50 Stufen steigen, um den CP zu erreichen. Wir hatten großes Glück, dass, gerade als wir ankamen, jemand seinen Platz verließ.
Jetzt ist die Situation wie gestern: Wir vertrödeln die Zeit bis zum Abendessen. Für Berchtesgaden ist es zu spät (17 Uhr). Immerhin hat es aufgehört zu regnen.
Inzwischen haben wir nett und schmackhaft gegessen. Alles gut.

11.10.2019 – Freitag

Heute war den ganzen Tag schönes Wetter!
Wir verließen den SP gegen 10.30 und fuhren in Richtung Berchtesgaden, bogen dann allerdings kurz vor dem Ort nach links zum Obersalzberg ab. Dort gibt es große Parkplätze und von einem dieser Plätze startet der Bus zum Kehlstein-Haus. Das Haus wurde von 1936 bis 38 in 1834 m Höhe auf einem Felsvorsprung errichtet und sollte Hitler als Rückzugsort/Wochenenderholung dienen, allerdings ist er wohl selten in dem Haus gewesen.
Zu dem Haus führt eine 7 km lange Straße, die auf der Strecke etwa 800 Höhenmeter überwindet und den einzigen Zugang zum Haus darstellt, es sei denn, man geht zu Fuß
Die Rückfahrkarte kostet 16,80 €, dafür wird man auf einen Parkplatz unterhalb des Hauses gefahren. Dort betritt man über einen Tunnel den 124 hohen, luxuriösen Fahrstuhl und kommt dann direkt im Haus an. Das Gebäude ist heute eine Gastwirtschaft. Es gibt verschiedene kurze und lange Wanderwege.
Wenn man auf der Terrasse angekommen ist, erschlägt einen die Landschaft. Königssee, Watzmann, Berchtesgaden, Untersberg, all die anderen schroffen Gipfel … das ist schon eine beeindruckende Aussicht, die sich dort auftut. Das hat uns beiden enorm gut gefallen.



Mit dem Bus ging es wieder zurück zu den Parkplätzen.

Es gibt noch eine weitere Attraktion an dieser Stelle: das Dokumentationszentrum Obersalzberg. Hier hat sich die NS-Führung breitgemacht und Gebäude für die Oberen errichten lassen, zusätzlich wurde noch ein Tunnelsystem geschaffen. Es sollte nach Berlin der zweite Regierungssitz der Nazis werden. 1945 wurde der Bereich großflächig bombardiert und zerstört. Das Dokumentationszentrum stellt die Geschichte des Obersalzberges dar. Sehr eindringlich waren die Berichte, wie sich die Nazis, die von der Bevölkerung teilweise glühend verehrt wurden, die Grundstücke geschnappt haben und aus einer intakten Gemeinde eine Einrichtung für ihre Zwecke schufen.
Danach fuhren wir direkt ins Zentrum von Berchtesgaden, fanden einen Parkplatz und schlenderten durch die Fußgängerzone. Der Spaziergang gipfelte in Kaffee, Kuchen und einem riesigen Eisbecher. Berchtesgaden ist ganz nett: Note 3+.

Anschließend fuhren wir zunächst in Richtung Salzburg, aber nur bis zur Autobahn, und dann immer geradeaus am Chiemsee vorbei zum Inntal-Dreieck bei Rosenheim. Von dort ging es wieder in Richtung Österreich und bei Oberaudorf, kurz vor der Grenze schloss sich ein kleiner Kreis.
Bald kam die Abzweigung ins Zillertal und die bekannten Orte tauchten auf: Aschau, Zell, Mayrhofen, Finkenberg, Lanersbach, Hintertux. Auf dem großen Parkplatz an der Gondel standen einige wenige WoMos. Wir gesellten uns dazu und hatten einen schönen Platz direkt am Bach, allerdings ohne alles, dafür auch kostenlos. Inzwischen war es auch dunkel (halb 8. Eine passende Einkehrmöglichkeit fanden wir allerdings nicht, und so gab es eine Art Resteverwertung aus dem Kühlschrank.

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Kakowo am 27 Okt 2019 20:22:00

Wie lustig. ..da waren wir doch auch gerade......und einen Reisebericht hab ich auch geschrieben.
Hat Spaß gemacht

Reimobil am 27 Okt 2019 20:23:31

Schöner Bericht und schöne Tour, mit vielen Orten die wir auch schon besuchten und deshalb alte Erinnerungen wach wurden.

frankjasper8 am 27 Okt 2019 20:46:14

Eine schöne Route, die Du hier im ersten Teil des Reiseberichts beschreibst. :)
Viele der von Dir/Euch besuchten oder durchfahrenen Orte kenne ich auch sehr gut. Die Bilder habe ich auch gleich wiedererkannt.

Mir persönlich wäre allerdings die Etappenwahl viiiel zu groß, da könnte man zwischendurch immer noch ein oder zwei Stopps mehr einbauen. :)
Aber das soll keine Kritik an Deiner Reise sein.

Ich bin schon gespannt auf die weitere Reiseroute und bleibe hier gern am Ball. :)

Susebesitzer am 27 Okt 2019 21:14:52

Deutsche Alpenstraße – Österreich - Ungarn Teil 2

12.10.2019 – Sonnabend

Die Nacht war ziemlich kühl und morgens waren wir nicht nur von der Kälte erstarrt: Der ganze Parkplatz war von oben bis unten zugeparkt. Offenbar war so was Ähnliches wie Ski-Opening. Aber wir hatten ja unsere schöne Aussicht zur anderen Seite. Das Wetter wurde den ganzen Tag über sommerlich.
Wir hatten einen Tipp bekommen, zur Bichlalm zu wandern, quasi ein Spaziergang ohne Herausforderungen, Dauer etwa 1 Stunde hin. Das machten wir.
Eine wunderschöne Wanderung, allerdings stetig und mäßig bis steil bergauf, so dass wir mehrfach stoppen und Luft holen mussten. Aber es kam mit der Stunde ganz gut hin und oben hat man dann einen sehr schönen Blick auf Hintertux und die Gletscher.



Außerdem gab es dort oben eine große Portion Kaiserschmarrn. Der Weg runter ging deutlich einfacher und schneller. Wir kamen im alten Hintertux raus und wanderten entlang des Baches bis vor unsere Haustür auf dem Parkplatz, der sich gegen Mittag schon erheblich geleert hatte.
Dann fuhren wir nach Lanersbach zum Spar-Markt und kauften für meine weitere Reise ein. Anschließend kam der Moment des Abschieds, denn meine Frau blieb für einen Skikurs im Tuxer Tal zurück und ich fuhr weiter.

Recht schnell war ich wieder In Mayrhofen und wenig später, bei Zell ging es dann rechts ab zum Gerlospass (1628 m), eine richtige, allerdings gut ausgebaute Passstraße, die sich oben dann aber teilte. Ich habe vermutlich die schlechtere Wahl getroffen, denn ich wurde die ganze Zeit enorm durchgeschüttelt auf einer schmalen und steilen Straße, die in der zweiten Hälfte nur noch bis 2,5 t zugelassen war. Bei Wald im Pinzgau traf ich wieder auf die andere Strecke, breit ausgebaut und in gutem Zustand. Kurz danach kam schon Neukirchen am Großvenediger.
Den dortigen SP am Gasthof Friedburg (12 € inkl. Strom) hatte ich mir ausgesucht. Leider war der Gasthof geschlossen, nicht aber der SP. Der Platz liegt toll oberhalb von Neukirchen. Man hat sehr gute Sicht ins Tal und es standen schon einige WoMos dort. Die Zufahrt ist übrigens recht abenteuerlich.


Gut, dass ich durch den Einkauf versorgt war, denn zu Fuß in den Ort (fast 5 km) war mir viel zu weit.

13.10.2019 – Sonntag

Wieder kam ein totaler Sommertag zum Vorschein.
Ich machte mich irgendwann auf den Weg. Ich wollte ein paar Prospekte aus und über Neukirchen ergattern. Touristeninformation gab es nicht, außerdem war ja sowieso Sonntag, also keine Chance. Vielleicht an der Seilbahn. Irgendwie alles zugeparkt, stand plötzlich in einer Sackgasse, wollte wieder zurück und dann wenden … es gab einen wahrscheinlich teuren Blechschaden an meinem Mobil. Ich klebte ein bisschen Elefantenband auf die Stelle, aber der Schaden muss natürlich zu Hause behoben werden.
Meine Laune sackte in den Minusbereich und ich dachte schon ans Aufgeben und Heimfahren. Die nächste Strecke fuhr ich wie in Trance.
Die Karte sagt mir, dass ich durch Mühlbach, Mittersill, Zell am See und St. Johann im Pongau kam, aber richtig wahrgenommen habe ich das nicht.
Es kam ein kurzes Stück Autobahn und dann ging es auf der 320 über Schladmig und Stainach nach Liezen.
Ab dort wurde die Landschaft richtig toll, bizarre Felsen, enge Schluchten, reißendes Wasser: Ich durchfuhr den Nationalpark Gesäuse.

In Hieflau ging es dann auf der 115 bis Eisenerz am 1405 m hohen Erzberg.

Dort stehe ich auf dem SP Rudolf Müller am Schwimmbad. Der Platz war total leer, ist nicht besonders schön (Abfallkontainer), aber er ist kostenlos und hat vier Stromanschlüsse. Den Strom muss man natürlich bezahlen.
Der Ort ist ganz nett und verwinkelt, macht aber einen verschlafenen Eindruck, vielleicht auch wegen Sonntag. Das Meiste ist mal wieder geschlossen. Pizzeria und Türke haben geöffnet, ansonsten: tote Hose.

Das Interessante ist dieser Erzberg. An dem wird offenbar schon seit dem ausgehenden Mittelalter Eisenerz abgebaut.

Man kann die LKW-Fahrstraßen entlang des rötlich schimmernden Berges sehen.
Abends habe ich noch einen Döner Teller gegessen. Der Dönermann erzählte mir, dass die jungen Leute aus Eisenerz abwanderten und nur einige Alte zurückblieben. Das läge daran, dass der Erzabbau immer mehr automatisiert werde und es so kaum Arbeitsplätze in dem an sich schönen Ort gebe.

14.10.2019 – Montag

Auch heute war den ganzen Tag über schönes fast-T-Shirt-Wetter.
Am späten Vormittag kam ich los und folgte der 115, die weiterhin durch spektakuläres Panorama führte.

Bald hinter Eisenerz stieß ich auf eine Gedenkstätte: Wie in Norddeutschland war es auch hier gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zu sogenannten Todesmärschen von KZ-Häftlingen gekommen.
Bei Traboch konnte man dann auf die A9 fahren, die bis Spielberg, dem Grenzübergang zu Slowenien, führt. Zunächst kam aber mal der Gleinalmtunnel, 8,3 km lang und 9 € teuer, in dem es auch noch Bauarbeiten gab. Dann kamen die Großstadt Graz und ein weiterer Tunnel, der Plabutschtunnel (10 km lang und kostenlos), und zack, waren die Alpen weg. Man befand sich im flachen Land und höchstens nach hinten konnte man noch die Berge sehen.
Um slowenische Autobahngebühren zu sparen, bog ich kurz vor Spielfeld nach links ab und fuhr parallel zur Grenze in Richtung Osten. Orte wie Mureck, Halbenrain und Bad Radkersburg lagen auf der Strecke und plötzlich ist man dann in Slowenien.
Auf meist schlechten Straßen quält man sich abseits der Autobahn durch die Dörfer. Der größte Ort war Murska Sobota mit einem riesigen Einkaufszentrum und dann ging es leicht nordwärts über Gornji Petrovci und Salovci zur Grenze nach Ungarn. Auch hier war es ähnlich: relativ schlechte Straßen, viele Dörfer, teilweise sehr marode und eine hügelige Landschaft mit sehr vielen Maisfeldern. Von meinem ursprünglichen Ziel – Lenti – war ich inzwischen abgekommen: Ich wollte gleich direkt an den Plattensee.
Je näher man dem See kam, umso besser wurden die Straßen, neu, breit, teilweise vierspurig. Gegen 18.30 hatte ich mein Ziel erreicht: Camping Gärtnerhof in Keszthely am Westufer des Balatons. Dort kann ich mit allem für 12 € stehen (Strom, Dusche, Toilette), von den 15 Plätzen war die Hälfte belegt, die Plätze sind schön groß und eben. Es gibt auch einen kleinen Swimming Pool. Im Sommer ist der Platz teurer. Der Besitzer spricht sehr gut Deutsch und ist sehr freundlich.


15.10.2019 – Dienstag

Ich werde hier 2 Nächte bleiben und so konnte ich mir heute richtig Zeit lassen, ausgiebig zu duschen und zu frühstücken. Der ganze Tag bot wieder ein Traumwetter, allerdings recht windig am See.

Mein wesentlicher Tagespunkt war heute ein langer Spaziergang durch den nicht so kleinen Ort.

Erstmal musste ich einen Zugang zum See, der gar nicht weit entfernt ist, finden. Das ist schwierig, weil zwischen See und CP noch eine Eisenbahnstrecke verläuft, zwar wenig befahren, aber wenn ein Zug kommt, kann man den auf dem Platz natürlich hören.
Ich fand dann natürlich einen Zugang, musste dafür aber über den Bahndamm klettern und hoffen, dass gerade kein Zug kommt. Dahinter ist man dann schnell am See, der farblich enttäuschte: eine graue Soße. Ansonsten recht schön. Am Ufer gibt es einen Rad-/Wanderweg, der wohl ganz um den See führt. Im Sommer dürfte ein reges Strandleben auf den vielen Grasflächen stattfinden, allerdings würde mich das Grauwasser vom Baden wohl abhalten. Übrigens gibt es hier natürlich auch – abends – ein Mückenproblem.

Es gibt Yachthäfen, ich habe Kiter gesehen und auch Ausflugsdampfer drehen hier ihre Runden (nicht heute). Es gibt auch Strandabschnitte, wo man bezahlen muss (nicht heute), und viele Kioske. Und natürlich den Blick über den weiten See. Wenig Hotelriesen, alles eine Nummer kleiner, auch verfallener und pflegebedürftig wie so Manches, was man hier sieht. Am See und in der Stadt sieht man deutlich, dass die Saison beendet ist.

Ich wandte mich vom See ab und ging durch den Stadtpark die Sohajallé entlang. Von dort ist man dann bald im Zentrum und ab dem Platz Fö tér mit der Pfarrkirche von 1386 beginnt eine kurze Fußgängerzone. Dort stehen natürlich Geschäfte, aber auch viele Museen aller Art.
Der Weg mündet im Schlossbezirk. Das üppige Schloss Festetics inmitten eines zum Naturschutzgebiet erklärten Schlossparks macht schon was her.

Im Schloss und in mehreren weiteren Gebäuden gibt es verschiedenste Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Ich hab mir das Interieur geschenkt und bin lieber durch den Park gestreift.
Auf dem Rückweg habe ich mir noch eine vom CP-Besitzer empfohlene Gastwirtschaft angesehen. Vielleicht gehe ich ja gleich noch da hin, teuer war es nicht. Draußen ist es schon wieder dunkel.
Jetzt bin ich gerade vom Essen zurück.
Es gab:
Schweineschnitzel auf ungarische Art, d. h. mit Pilzen, Schinken und Käse überbacken 6,47, gemischter Salat 1,65, 2 dl Rotwein 1,80, also nach aktuellem Kurs für unter 10 € vorzüglich gespeist. Nicht schlecht.

16.10.2019 – Mittwoch

Heute hat’s geregnet, allerdings kam gegen Mittag die Sonne durch und blieb bis zum Untergang.
Ich habe noch mal geduscht und dann für 2 Nächte 24 € bezahlt.
Die Seegegend ist an sich nicht so schlecht. Die graue Wasserfarbe ist durchaus normal, allerdings treten, wie mir der Besitzer erzählte, bisweilen Algenteppiche auf, die kein gutes Anzeichen sind.
Ich wollte auf die 84, die quer durchs Land schnurgerade in Richtung Südende des Neusiedler Sees führt. Der ungarische Ort heißt Sopron und ist recht groß. Bis dahin (so etwa 120 km) geht es durch ebenes und dünn besiedeltes Gebiet. Ganz zu Anfang hat man noch (verregnete) Ausblicke auf den Balaton, später eine nette Aussicht auf eine Festung am Straßenrand.

Zur österreichischen Grenze wird es dann hügeliger und die Einreise ist ganz unkompliziert. Da ich an den Neusiedler See wollte, musste ich bald in Richtung Rust abbiegen. Das ist einer der Orte am Westufer und gar nicht so leicht zu erreichen. Und wenn man ihn erreicht, ist man noch nicht am See, denn dieser ist ja von einem dichten Schilfgürtel umgeben und wenn man den durchquert hat, kommt man zum Hafen und zum „Strand“ von Rust, aber beides befindet sich an einer von Schilf umgebenen Bucht. Freie Sicht, z. B. aufs andere Ufer, gibt es nicht. Die Wasserfarbe hier ist ebenfalls grau. Alles, was den Sommertrubel ausmacht, war geschlossen.

Während ich die weitere Reiseplanung durchdachte (Slowakei, Tschechien), kam mir Mauthausen in den Schädel, das KZ in Österreich in der Nähe von Linz und Ziel vieler Todesmärsche. Und so beschloss ich, die gut 200 km zu einem SP bei Linz zu fahren. Morgen wird man dann weitersehen.
Ich umkurvte also Wien, St. Pölten und Amstetten und fuhr flott in die Abendsonne hinein, die teilweise enorm blendete.
Ich hatte mir den SP Mostschänke Familie Grasser in Naarn im Machlande ausgesucht (12 € mit Strom, Dusche, Toilette), ein Bauernhofplatz in der Einöde, ca. 10 km von Mauthausen entfernt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, z. B. fand ich die Strombuchsen nicht in der inzwischen um sich greifenden Dunkelheit, habe ich als einziger Gast exklusiven Zugang zu den sanitären Facilities. Der Platz liegt wirklich weit ab, man hört nichts, keine Straße, keine Eisenbahn.


17.10.2019 – Donnerstag

Nachts war’s wieder kalt gewesen, aber das Wetter wurde wieder gut.
Bei einem netten Mütterchen entrichtete ich meinen Obolus und fuhr dann irgendwann die 10 km nach Mauthausen.
Mauthausen ist einerseits ein ganz normaler Ort an der Donau, bekannt für sein Granitwerk, aber oberhalb des Ortes gab es eben von 1938 bis 45 das KZ Mauthausen, in dem über 120 000 Menschen ums Leben gekommen sind.
Gemessen an den anderen KZs, die ich besucht habe, ist Mauthausen das am besten erhaltene. Die Baracken um den Appellplatz sind noch erhalten, Man kann im Gefängnistrakt und in der Küchenbaracke auch jeweils die Keller mit den dortigen Einrichtungen besichtigen, von den Duschen im Aufnahmebereich bis zu der Gaskammer und den Verbrennungsöfen.



Das Ganze ist eine von einer hohen Mauer umschlossene Anlage. Bis zu 8000 Mann gehörten zum Wachpersonal. Dort, wo deren Unterkünfte waren, besteht heute eine Art Skulpturenpark. Fast jedes betroffene Land hat den Toten und Überlebenden eine Art Gedenkstätte geschaffen.


Was mich neben allem sehr betroffen gemacht hat:
* In manchen Baracken gab es keine Betten, die Häftlinge schliefen auf dem blanken Boden wie – tatsächlich – die Ölsardinen.
* Im Februar 45 brachen 500 Häftlinge aus, 11 haben die Flucht tatsächlich geschafft. An der Jagd zur Ergreifung der Flüchtlinge hat sich auch die Mauthausener Bevölkerung rege beteiligt. Der Vorgang wird auch als „Mühlviertler Hasenjagd“ bezeichnet.
* Direkt unterhalb der KZ-Mauern gab es einen Sportplatz, wo das Wachpersonal u. a. Wettkämpfe mit Einheimischen ausgetragen hat. Direkt daneben waren die völlig überfüllten Krankenbaracken.
* Von den Wachmannschaften wurden viele Häftlinge absichtlich in die Elektrozäune getrieben und das dann als Selbstmord dargestellt.
* Viele Häftlinge arbeiteten in den Granit-Steinbrüchen. Die Todesrate war dort enorm hoch. Es waren meist Juden oder russische Kriegsgefangene, die dort arbeiten mussten.
* In den Mauthausen-Prozessen wurden einige Todesurteile verhängt und auch vollzogen. So manche (Todes-) Strafe wurde aber später revidiert und spätestens 1954 waren die meisten Täter wieder frei.
* Gegen Ende des Krieges gab es auch im Alpenraum die sogenannten Todesmärsche. Viele gingen in Richtung Mauthausen, das damit natürlich völlig überfordert war.
* Zum Schluss haben die Nazis die Gewalt an die Feuerwehr von Mauthausen übergeben und sich selbst aus dem Staub gemacht. Die Amerikaner kamen am 3.5.45.

Ich bin alle Stationen mit dem Audio-Guide abgegangen. Der Besuch hat mich sehr berührt. Ich hatte immer noch die Bilder von den glühenden Verehrerinnen Hitlers vom Obersalzberg vor Augen. Wie sie verzückt den Kies aufnahmen, auf dem er gestanden hatte und sich ans Herz drückten. Welch eine Schande! Ich denke, ein Teil der Schuld an allen Nazi-Gräueln liegt bei den namenlosen anonymen Mitläufern und Wählern, die das Ganze erst ermöglicht haben.

Nach einem kleinen Imbiss im Bistro hatte ich mich dann auch entschieden, wie es weitergehen sollte. Kein Tschechien, keine Slowakei, sondern Richtung Passau sollte es gehen und dann so weit wie möglich nach Norden.
Der Platz, den ich mir ausgesucht hatte (in Marktredwitz für lau und mit Stromanschlüssen), war natürlich voll belegt. Also 20 km weiter. Jetzt stehe ich 35 km vor Hof auf dem Selb Wohnmobilstellplatz (6 € + Strom). Der Platz macht einen sehr guten Eindruck; es gibt eine offene Toilette. Wo man das Ticket kauft, habe ich nicht gefunden.
Morgen muss ich als erstes tanken und dann warten noch 628 km auf mich.

18.10.2019 – Freitag

Ich habe eine ruhige Nacht auf diesem tollen Platz verbracht. Insgesamt wirklich ein merkenswerter Platz. Neben der Toilette und ausreichend vielen Stromsteckern gibt es sogar noch 2 Duschen (1 €).
5 km entfernt ist die Grenze zu Tschechien. Dort habe ich in Asch getankt (1,24 statt 1,30 €). Und dann ging es auf den Heimweg über die A 9, an Berlin vorbei und dann der übliche Weg: Schwerin, Wismar, Lübeck.
Insgesamt fuhr es sich einigermaßen, es waren einige Staus und bei Wismar hat es fast schon extrem geschüttet. Ich bin aber letztlich gut durchgekommen und war etwa ½ 7 wieder zu Hause.

Susebesitzer am 27 Okt 2019 21:30:51

Kakowo hat geschrieben:Wie lustig. ..da waren wir doch auch gerade......und einen Reisebericht hab ich auch geschrieben.
Hat Spaß gemacht


Ich weiß, ich hatte euren Bericht gelesen und als Anregung für meine Tour benutzt. Vielen Dank dafür!

MiGu1418 am 27 Okt 2019 21:57:25

Interessanter Bericht, tolle Route und gute Bilder.
Danke für die Mühe

Gruß Guido

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