Dometic
luftfederung

Wasserschaden? - nur Mut


Trouw am 19 Nov 2019 15:54:23

Wasserschaden? – nur Mut!

Wir haben uns im Sommer ein Wohnmobil auf Fiat Dukato-Basis, mit SEA Aufbau aus GfK, Baujahr 2008, gekauft.

Bereits beim Kauf wurde auf einen Wasserschaden hingewiesen – Garantie ausgeschlossen.

Da das Mobil alle diese Eigenschaften verband, nach denen wir seit Monaten suchten, haben wir, zugegebener Maßen, blauäugig, dem Kauf zugestimmt.

Was konnte schon passieren, das Fahrzeug hatte wenig gelaufen, optisch alles ok und ja, ich traue mir auch schon einiges zu, wenn es um Reparaturen geht.

Man muss hier auch sagen, dass innen wie außen, keine Schäden erkennbar waren und es im Mobil auch nicht muffig roch.

Der Wasserschaden war lokalisiert, hinter der vorderen linken Sitzbank, zwischen Fenster und Küchenmodul.

Zunächst mal haben wir mit dem Mobil sehr schöne Wochenenden verbracht.

Zwischenzeitlich hatte ich mit einen Feuchtigkeitsmesser geliehen, so einer, den man mit zwei Spitzen eindrücken muss. Schnell war mir klar, dass das nicht die richtige Messmetode sein konnte, da dieses Gerät nur die Feuchtigkeit zwischen den beiden Spitzen misst, nicht aber in die Tiefe geht. Also nach einem ausgiebigen Seufzer ein Feuchtigkeitsgerät von der Firma Trotec bestellt.

Die Nässe wurde, jetzt offiziell mit einem Trotec-Gerät lokalisiert, wie bereits oben erwähnt und ich dachte noch, was habe ich für ein Glück, ich brauche nur die Stelle zwischen Küchenblock und Sitzbank zu öffnen.

Dann wurde das Fahrzeug auf den Hof gefahren und die Sanierung konnte beginnen.

Sitzbank ausbauen und im Keller verstauen, war in einer Stunde erledigt. Wie jetzt die Wand öffnen? Ich hatte an meinen Dremel gedacht. Von dem fand ich aber nicht das Sägeblatt. Also Flex! Nachdem ich den ersten Schnitt gemacht hatte, blieb mir fast das Herz stehen. Von innen nach außen sind es nur drei Zentimeter, wie schnell hätte ich mit der Flex draußen, durch den GfK-Ausbau sein können. Also vorsichtig weitermachen, Schweißperlen auf der Stirn.

Ja es war nass – und wie nass, es tropfte aus dem Styropor auf meine Hände. Die innere Öffnung wurde immer größer, noch größer als der Feuchtigkeitsmesser angezeigt hatte, in etwa von Hüfthöhe bis auf den Boden.

Erste Zweifel machten sich breit.

Der Balken am Boden, der Chassis und Aufbau verband, war total rott. Und jetzt merkte ich - der Balken war auch hinter, bzw. unter dem Küchenblock, nur noch Torf. Also schweren Herzens den Küchenblock entfernen – im nach hinein die schwierigste Aufgabe. Also der Balken, den es eigentlich nicht mehr gab, reichte hinten bis zum Radkasten und vorne bis zum Führerhaus und ließ sich von innen nach unten herausdrücken und der Torf landete auf dem Hofpflaster.

Nachdem Verkleidung und Styropor und natürlich der Küchenblock entfernt waren, konnte auch der Übeltäter für das Desaster ausgemacht werden. Das obere Dometic-Lüftungsgitter, hinter dem Kühlschrank, hatte aufgrund sehr mangelhafter Abdichtung am Rahmen das Wasser ins Innere gelassen. Das war anhand der Laufspuren des Wassers deutlich erkennbar. An der inneren GfK-Wand hatte sich schon leichtes Moos gebildet. Da das Fahrzeug immer leicht nach vorne geneigt steht, waren entsprechend auch die Laufspuren des Wassers schräg nach vorne sichtbar.

Aber wieso war der Balken in Richtung Heck so rott? Das konnte unmöglich von der jetzt lokalisierten Stelle kommen, weil der Balken vorne weniger Torf war als hinten. Es musste eine zweite undichte Stelle geben.

Da alle Gas- Strom und Wasserleitungen in der Küche frei lagen, untersuchte ich die Wasserleitungen. Also Pumpe an, Druck drauf – alles dicht. Bis zu dem Augenblick, wo ich ein Verbindung zu einem Y-Verteiler berührte. Es waren alles Steckverbindungen, zwei davon ließen, wenn man die Leitungen berührte, zischend Wasser austreten – die zweite undichte Stelle war gefunden.

Die Sanierung war relativ einfach. Ich habe einen neuen Balken zurechtgesägt. 3 cm x 5 cm x 165 cm.
Ich habe den Balken mit Dekalin eingeklebt und für 24 Stunden mit dem Chassis und dem Aufbau verpresst. An dem senkrechten Balken, vorne am Führerhaus, wurde der Rott und etwas mehr, bis ca. 15 cm Höhe, entfernt. Das fehlende Material wurde mit Glasfaserspachtel aufgefüllt.

Als Ergänzung habe ich von außen den Radkasten nach oben mit einem dünnen Blech abgedichtet und von dann innen in den Hohlraum Bauschaum gesprüht. Bis dato schützte da nur eine Gummilippe vor hereinkommendes Spritzwasser. Nach Aushärtung des Bauschaums habe ich das Blech wieder entfernt.

Dann habe ich den sichtbaren Teil des neuen Balkens von unten fett mit Unterbodenschutz, auf Teerbases, eingesprüht.

Der Aufbau innen war relativ einfach. Allerdings, um auf drei Zentimeter Wandstärke zu kommen, hätte ich 25 mm Styropor haben müssen und 5 mm Sperrholz. Es gab aber nur 30 mm oder 20 mm Styropor. Also 20 mm Styropor und die 5 mm Sperrholz gekauft. Sperrholz zurechtgeschnitten und zu zwei Lagen verklebt. Auf das Styropor flächig mit Zahnspachtel Kleber aufgebracht an die Innenwand verpresst. Nach 24 Stunden das zusammengeklebte Sperrholz ebenfalls flächig mit Kleber versehen und gegen das Styropor gepresst. Das waren dann auch 30 mm. Jetzt noch die passende Tapete besorgt und tapeziert.

Dann alle Steckverbindungen der Wasserleitungen gekappt, mit doppelten Schellen und Trinkwasserschlauch verbunden. Küche wieder eingebaut, Gas abgedrückt und fertig.

Für die ganze Maßnahme habe ich 14 Tage gebraucht. Aber nur stundenweise gearbeitet.

Die Kosten lagen bei etwa 200,00 Euro. Das meiste kostete wohl der Kleber.

Die vordere Bank wird nicht wieder eingebaut, hier werde ich im Frühjahr eine neue Eckbank einbauen. Man muss ja was zu tun haben.

Warum schreibe ich das hier alles auf? Ich möchte allen Leidensgenossen Mut machen. Es gibt sicherlich größere Schäden – aber auch gleiche oder kleinere Schäden. Es ist machbar.

Gruß

Hans-Theo

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speeedi am 19 Nov 2019 16:05:37

Moin,
freut mich das alles so gut gelaufen ist hätte ja auch schlimmer kommen können .
Vielen Dank für den Bericht .
ps. Bilder wären echt Super gewesen das macht das Ganze noch etwas Anschaulicher :)
mfg Dieter

felix52 am 19 Nov 2019 16:10:41

Nicht schlecht, "Herr Specht"! :)

Ich drücke die Daumen und gehe davon aus, dass das hält. :ja:

rolf51 am 19 Nov 2019 18:01:21

Hallo Hans Theo,
danke für deine Ausführung. Werde am Frühjahr mit meinem Feuchtigkeitsmesser an Kühlschranklüftung und am unteren Fahrzeugbau messen.

rkopka am 19 Nov 2019 21:31:37

Trouw hat geschrieben:Der Aufbau innen war relativ einfach. Allerdings, um auf drei Zentimeter Wandstärke zu kommen, hätte ich 25 mm Styropor haben müssen und 5 mm Sperrholz. Es gab aber nur 30 mm oder 20 mm Styropor. Also 20 mm Styropor und die 5 mm Sperrholz gekauft. Sperrholz zurechtgeschnitten und zu zwei Lagen verklebt.

Styropor oder Styrodur (habe ich als Ersatz benutzt) kann man recht leicht mit einem Heißdraht schneiden. Ich habe auf eine Holzplatte zwei Arme montiert, Draht dazwischen, damit die Höhe eingestellt und dann die Platten, bzw. Stücke davon durchgeschoben, weil es bei mir auch nicht die richtige Dicke gab. Allerdings mußte ich im Fachwerk eine ganze Reihe von Elementen ersetzen.

RK

jorgito am 19 Nov 2019 23:21:49

Bilder wären das i Tüpfelchen zu deiner Geschichte gewesen.....dann hätte man auch bildlich das Ausmaß erkennen können......aber beim nächsten Mal denkst du bite dran :razz:

kjcoe am 20 Nov 2019 11:34:32

Sehr schöner Bericht, und auch das Gefühl es ist zu reparieren. OK, nicht jeder ist handwerklich geschickt aber man kann die Schäden auch vom Profi ausbessern lassen.
Viel Glück für die Zukunft und das alles schön trocken bleibt.

Trouw am 20 Nov 2019 12:18:30

...ok, Bilder wären tatsächlich gut gewesen.
Hatte ich mir auch vorgenommen. Aber wie das so ist, der Umfang wurde ja auch für mich immer mehr, meine Emotionalität auch, und so war ich mitten drin, ohne ein Bild geschossen zu haben.

Ich gelobe jetzt Besserung, aber ich hoffe nicht, dass es ein nächstes Mal - in gleicher Sache - gibt.

Danke für Euro Antworten!

Gruß
Hans-Theo

ralle1967 am 20 Nov 2019 13:30:38

Hallo Hans-Theo,

Gratulation für den Mut und das Selbstvertrauen. Wenn man Wohnmobil fährt, sollte man keine zwei linke Hände haben.


Zu der Reparatur des Radkastens mit Bauschaum noch eine kleine Anmerkung. Dieser Schaum zieht wunderbar Wasser, wie ein Schwamm. Hie würde ich darüber nachdenken, den Schaum wieder zu enfernen und Radhausschalen aus Kunststoff einzusetzen (wenn ich denn die Reparatur richtig verstanden habe).

Grüße,

ralf

Trouw am 21 Nov 2019 15:46:04

Vielen Dank für den Hinweis mit dem Bauschaum - ja, habe ich bisher nicht gewusst. Wenn ich Zweifel gehabt hätte, hätte ich gefragt. Es beruhigt mich aber, dass der Bauschaum nicht mit der Außenwelt in Berührung kommt, sondern da ja noch immer die Gummilippe ist. Der traute ich zwar nicht alles zu, daher ja auch die Idee mit dem Bauschaum, aber nun ist es so. Da ich ja jetzt innen im Küchenschrank nichts mehr verkleide, kann ich da schon mal nachsehen. Übrigens, ist ja verrückt, seit der Reparatur latsche ich jeden zweiten Tag in das Mobil und prüfe, ob alles trocken ist. Das wird hoffentlich nachlassen.

Gruß

Hans-Theo

babenhausen am 21 Nov 2019 15:53:02

Verwende einfach Brunnenschaum der zieht kein Wasser dann hast du eine sorge weniger
--> Link

turbokurtla am 22 Nov 2019 10:11:00

Mensch Leute,
was wollt ihr denn mit Bauschaum am Womo ? :eek:
Das Zeugs gehört auf den Bau oder in den Brunnen, aber niemals an ein Womo.
Und sowas noch empfehlen, irre.
Was meint ihr wohl warum es ganz spezielle Kleber gibt ?

Kloibi79 am 24 Nov 2019 10:46:44

Hallo Kollegen,
Zu der Styropor Stärke möchte ich eventuell noch einen Tipp geben.

Ich verzweifelte auch wegen der Stärke, da hat der mir im Baumarkt gesagt warum ich die Platten denn nicht abhobel.
Natürliche die festen rosa Platten, aber die sind ohnedies besser.

Ich wollte nochmal in die Runde Fragen , wegen sperrholzplatten. Im Mega großen Bauhaus konnte ich da auch nicht passendes finden. Ich hatte die Auswahl Sperrholz ohne Beschichtung 4,5 bis 5 mm, und so weiße Schrankrückwände 3,5mm Hdf Platten. Ich habe die Dinger zuhause und bin mir nicht schlüssig ob ich das verbauen soll. Orginal Sperrholz ist auch 3,5.

Was ich noch fragen welches Feuchtigkeitsmessgerät hast du gekauft, das um 70€ oder das über 200€.?

Trouw am 25 Nov 2019 19:43:17

Hallo Kloibi,

ich bin jetzt ein wenig vorsichtig, mit meinen weitern Angaben, da der Kurt mich hier mächtig angemacht hat, wegen dem Bauschaum. Ich find die Idee zwar immer noch gut... aber ja, der Kurt hat ja hier schon mächtig viel an Wissen investiert.
Wie war die Frage? Ach ja, nun mein Trotec-Gerät kostete etwa 70,00 Euro - und absolut die Bedienungsanleitung beachten. Zum Sperrholz; da habe ich normales Sperrholz, 5mm, das ist Pappel oder sowas billiges, genommen. Das wird eh übertapeziert (vorher grundieren) und was soll gut oder schlecht sein? Nun, für´s Gefühl wäre eine Mahagonieplatte sicher besser. Nein ich denke, normales Sperrholz reicht aus. Wir machen ja dicht, soll ja nicht mehr feucht werden.

Grüße

Hans-Theo

turbokurtla am 26 Nov 2019 08:40:59

Trouw hat geschrieben:ich bin jetzt ein wenig vorsichtig, mit meinen weitern Angaben, da der Kurt mich hier mächtig angemacht hat, wegen dem Bauschaum.

Berechtigerweise. :D

Ich lese hier sowas jetzt seit sehr vielen Jahren.
Weil spezielle Kleber/Dichtmaterialien etwas teuer erscheinen, greift mancher auf Baumarkt Ware zurück.
O.K., sein Problem, aber Empfehlungen im Forum aussprechen ohne irgendwelche Erfahrungen damit zu haben finde ich einfach nicht gut. "Pappt dran, muss super sein, das kann ich empfehlen."
Wenn die Platten nach Wochen oder Monaten abfallen oder abstehen, wenn sich Schaum auflöst oder was sogar wieder undicht oder nass wird, schreibt keiner mehr was drüber.
Ähnlich verhält es sich ev. mit Tapeten auf normalen Sperrholzplatten. Durch viel Feuchtigkeit in solchen Wägen kann da einiges mit passieren. Das man damit auch einige Arbeitsschritte mehr hat verdrängt man durch die geringen Kosten der Platten.
Warum arbeiten Profis wohl mit beschichteten Platten und den für solche Arbeiten entsprechenden Klebern ???

kiteliner am 26 Nov 2019 09:17:16

Stimme Kurt 100% zu.
In meinem Bus hat ein Vorbesitzer Bauschaum verwendet um Hohlräume hinter Möbeln/Verkleidungen zu "isolieren" (vermute ich wenigstens :evil: ).
An manchen Stellen konnte ich das sehen, an anderen nicht. In eine solche Stelle habe ich reingebohrt. Das Wasser lief!!! aus dem Bauschaum raus, der war vollgesogen wie ein Schwamm!
Da kam noch mehr raus als aus dem Styropor, welches daneben eingesetzt worden war.

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