Leider ist es in diesem Sommer alles anders. Die Wohnmobile bleiben noch in den Heimatorten. Es herrscht ein Virus und dieser Virus beherrscht unser aller Leben.
Für mich bedeutet diese Zeit auch eine Phase der beruflichen Lage, die ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen konnte. Kurzarbeit in einem Beruf, der doch eigentlich zukunftssicher ist. Schließlich arbeite ich doch im Lebensmittel-Großhandel und essen und trinken müssen schließlich doch alle, oder?
Nun ist aber alles anders gekommen, Kurzarbeit ist angesagt. Für mich Zeit, zuhause etwas aufzuräumen und dabei habe ich meine alten Reiseaufzeichnungen wieder einmal in die Hände bekommen. Vielleicht in dieser Zeit eine Abwechselung, deshalb will ich an dieser Stelle mal wieder eine kleine Reisebeschreibung hier veröffentlichen. Um es vorweg zu nehmen, ich habe keine Fotos mehr von diesen Reisen, aber vielleicht ist es doch mal interessant, wie damals alles begann. Meine allererste Reise in einem Wohnmobil hatte ich ja schon einmal eingestellt,
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hier nun eine Fortsetzung. Wir machen einen Zeitsprung zurück ins Jahr 1992, in den Monat September. Und jetzt geht es los...
Am frühen Morgen dieses Samstages saß ich hinterm Steuer eines am Vortag abgeholten Mietmobils und startete bereits um 6 Uhr von zuhause aus. Auf der Autobahn A 7 ging meine Reise in Richtung Süden über Göttingen, Kassel, Würzburg und Ulm nach Kempten.
Hier habe ich die Autobahn verlassen und bin auf der B 19 über Waltenhofen zum „Niedersonthofener See“ gefahren, dort verbrachte ich die erste Nacht der Reise auf einem Campingplatz.
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Die Tagesstrecke betrug exakt 600 Kilometer. Boah, so etwas würde ich ja heute nicht mehr machen, aber damals war ich halt noch jung, 24 Jahre alt.
Das Wohnmobil damals ein Fendt-Mobil, ein teilintegriertes Model, das den Typ 560 HS trug, glaube ich.


Ein Fiat Ducato mit 60 KW, zugelassen am 27. Mai des Jahres 1992, Kilometerstand 9000 Km
Der nächste Morgen, Nebel lag über dem See. Ich fuhr irgendwann weiter, auf der B 19 über Immenstadt, Sonthofen und Fischen und erreichte Oberstdorf. Kurz vor dem Ort bog ich ab Richtung Tiefenbach und Breitachklamm. Nachdem ich 5,- D-Mark Parkgebühr und 3,- D-Mark Eintritt bezahlt hatte, öffnete sich mir der Weg durch die Klamm. Der Fußmarsch dauerte rund eineinhalb Stunden hin und zurück. Später fuhr ich dann noch durch das zu Österreich gehörende Kleinwalsertal bis Mittelberg und wieder zurück nach Oberstdorf. Der örtliche Campingplatz war leider belegt und so suchte ich nach einer Bleibe für die Nacht. Nach Befragen eines Polizisten finde ich einen Platz auf einem Werksgelände. (Anmerkung: Dies ist der Platz auf dem Gelände der Fa. Geiger, einer Strassenbau-Firma. Damals, 1992, sah der Platz noch gänzlich anders aus, als man ihn heute kennt. Es gab noch diverse Schuppen und Scheunen auf dem Gelände, welche in der Zwischenzeit der Planierraupe zum Opfer gefallen sind. Damals standen auch immer noch LKW und Baumaschinen dort herum und die Wohnmobile standen irgendwo dazwischen.)
Ich suchte ein Plätzchen, stellte das Mobil da ab und schaute mich in Oberstdorf um.
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Am nächsten Morgen erfolgte die Weiterfahrt über Fischen und Sonthofen, dann über den Oberjoch-Pass auf 1180 m Höhe hinunter nach Pfronten und nach Füssen. Das Wohnmobil auf einen Parkplatz abgestellt, machte ich einen Ortsbummel durch Füssen und erledigte ein paar Einkäufe und das Mittagessen. Später bin ich dann zum Forggensee gefahren und habe auf dem Campingplatz in Brunnen einen Platz für die bevorstehende Nacht bezogen. Inzwischen stand der Kilometerzähler bei 860 Kilometern. Mit einem Spaziergang am Seeufer ging auch der dritte Tag der Reise zuende.
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Tag 4 begann mit einem Regenschauer und der Weiterfahrt nach Österreich. Am Plansee bei Reutte die erste Pause. In Lermoos ein Bummel durch den Ort, den ich von einem Urlaub mit den Eltern bereits kannte, hier hatten wir mal eine Ferienwohnung; weiter nach Ehrwald zum Mittagessen in dem Lokal, wo wir früher mit den Eltern auch mal zum Essen waren. Anschließend ging es hoch zur Ehrwalder Zugspitzbahn und weiter über Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald. Auf dem dortigen Campingplatz „Am Isarhorn“ bekam ich noch ein Plätzchen für das Wohnmobil; ein Rundgang durch Mittenwald zum Beinevertreten.
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Der fünfte Reisetag begann mit dem „Umsetzen“ des Fahrzeugs nach Mittenwald, wo der Kilometerzähler die 1000er-Marke erreichte. 2 Stunden Aufenthalt in Mittenwald, dann fuhr ich weiter über Wallgau, Kochel und Bad Tölz zum Sylvenstein-Stausee und über die Staatsgrenze nach Österreich zum Achensee. In Pertisau erneut eine Unterbrechung der Fahrt und ein Rundgang durch den Ort. Auch hier hatte ich mit den Eltern schon mal einen Urlaub verbracht. Weiter ging es dann hinunter ins Inntal, auf der Autobahn Richtung Landesgrenze bei Kufstein und zum Dreieck Inntal. Auf der A 8 dann Richtung Chiemsee nach Bernau, wo ich auf einem Campingplatz am See die Nacht verbringen wollte. Diese Teilstrecke führt über 240 Kilometer.
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Am nächsten Morgen fuhr ich nach Reit im Winkel und nach einem Ortsbummel dort weiter über Ruhpolding, Inzell und Ramsau zum Hintersee im Berchtesgadener Land. Hier wanderte ich mal um den See herum, der mir wiederum auch von einigen Urlauben mit Eltern und Großeltern bekannt war. Zurück am Mobil fuhr ich nach Schönau am Königsee auf den Campingplatz „Grafenlehen“. Den Rest des Tages bummelte ich durch Schönau und am Königssee entlang. An diesem Tag war ich 135 Kilometer gefahren.
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Der 7. Tag begann mit einem Spaziergang zum Königssee zur Schiffslände. Ich kaufte eine Rundfahrt-Karte für 18,- D-Mark, dann ging es mit dem Elektroboot „Jenner“ über den See zur Anlegestelle St. Bartholomae. Die Überfahrt dauert etwa 45 Minuten, vorbei an der Rodelbahn, der Haltestelle „Kessel“ und an der Echowand entlang, am Fuße des Watzmann-Massivs. Auf er Halbinsel St. Bartholomae bin ich zuerst am See entlang gegangen, später dann hinauf zur „Eiskapelle“, einem Gletscherfeld, wo auch im Sommer immer noch ein Schneefeld in einem Felskessel zu sehen ist. Zurück am See gab es in der Gaststätte an der Wallfahrtskirche einen Schweinsbraten mit Knödl und Kraut, dazu eine Radlermaß. Dann ging es mit dem Schiff weiter zur Anlegestelle „Salet“. Ein Fußmarsch zum Obersee und zurück und dann mit dem Elektroboot wieder zurück über den ganzen See zum Anleger in Königssee.
Am späten Nachmittag war ich zurück am Campingplatz und habe das Mobil für die Rückreise klar gemacht.
Tag 8 war am Morgen mit dem Besuch von Berchtesgaden verplant; ein Rundgang durch die Marktstraßen, die Fußgängerzone. Später startete ich dann Richtung Heimat über Bischofswiesen und Bad Reichenhall ging die Reise Richtung Chiemsee bis Prien; dort verließ ich die Autobahn und fuhr über Wasserburg und Erding nach Freising zur Autobahn A 9. Dann fuhr ich an Ingolstadt vorbei und am Altmühltal vorbei Richtung Nürnberg. An der Rastanlage „Nürnberg-Feucht“ beendete ich diese Tagesetappe und legte mich am Abend nach etwa 350 gefahrenen Kilometern zur Ruhe.
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Tag 9 war der letzte Tag meiner Reise und ich verließ am frühen Morgen die Rastanlage Nürnberg-Feucht und über die A 3 gelangte ich in die Nähe von Würzburg, wo auf der Raststätte „Riedener Wald“ noch einmal Halt gemacht wurde. Dann ging es über Fulda, Kassel und Göttingen zurück in den Heimatort. Nach 2160 Kilometern Gesamtstrecke ging damit mein 2. Urlaub mit einem Wohnmobil zuende. Am nächsten Tag mußte das Mobil wieder beim Vermieter abgegeben werden.
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Ende
Das war mein kleiner Rückblick ins Jahr 1992, in 9 Tagen durch Deutschland. In der heutigen Zeit würde ich aus dieser Reise wahrscheinlich eine 3-wöchige Tour machen, damals war man aber noch jung, 24 Jahre alt und wollte etwas von der Welt sehen. Damals gab es auch noch nicht so viele Stellplätze und ich habe mehrfach Campingplätze angesteuert.
So, nun geht es mit der Zeitmaschine wieder zurück in die Gegenwart, zurück ins Jahr 2020.
Ich hoffe, dieser kleine Zeitsprung hat Gefallen gefunden. Vielleicht eine kleine Ablenkung vom Krisenleben.






