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Erinnerungen - Meine erste Österreich-Tour 1993 nach Kärnten


frankjasper8 am 01 Mai 2020 13:04:37

Wie schon im "Deutschland-Block" vor Kurzem versprochen, schildere ich jetzt noch eine weitere Reise aus meinen Einstiegsjahren in das wohnmobile Urlaubsleben. In der derzeitigen Zeit für die zwangsdaheimgebliebenen Wohnmobiltouristen vielleicht ein kleiner Trost und vielleicht sind es ja ein paar Anregungen für Eure Reisen, wenn es dann hoffentlich bald wieder "grünes Licht" an der Startampel gibt. Viel Spaß beim Lesen und schaut auch ruhig mal in die gesetzten Links mit einigen zusätzlichen Informationen.
Diesmal springe ich zurück in den Juni des Jahres 1993, eine weitere Reise in einem gemieteten Wohnmobil. Diesmal, wie bei meiner ersten Reise, ein Wilk Aventura 480 auf einem Fiat-Talento Fahrgestell, den ich wieder bei einem Vermieter in Bad Grund im Harz abholen konnte.



Am 1. Reisetag, 01. Juni 1993, 12 Uhr Mittags, starte ich mit meinen Eltern in den Harz, um aus Bad Grund das Miet-Mobil abzuholen; das Fahrzeug steht schon abfahrbereit beim Vermieter vor der Tür und nach Geld- und Schlüsselübergabe erfolgt ist, geht es los. Zunächst noch einmal nach Hause, es muß ja noch alles eingeladen werden. Nachdem dann die mitzunehmenden Utensilien alle den Weg in das Fahrzeug gefunden haben und die Verabschiedung der Daheimbleibenden stattgefunden hat, kann die Reise beginnen.
Aus dem südniedersächsischen Raum steuere ich das frisch übernommene Mietfahrzeug gen Süden über die Autobahn A 7 an Göttingen vorbei. An der Ausfahrt Friedland (Anm.: heute das „Dreieck Drammetal“) verlasse ich die A 7 auch schon wieder und fahre über die Bundesstrasse B 27 an Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf und Eschwege vorbei. So erreiche ich den Ort Hünfeld in der Rhön und kehre hier an der Anschlußstelle Hünfeld/Schlitz zur Autobahn A 7 zurück. Über Fulda und auf der Rhönstrecke nach Bad Brückenau, bald biege ich auf die Rasstätte „Rhön“ ab. Dort hatte ich mein erstes Nachtlager aufschlagen wollen, fand aber da keinen Parkplatz mehr. Also weiter zur Rastanlage „Riedener Wald“, ebenfalls an der A 7, in der Nähe von Würzburg. Dort fand ich noch ein Plätzchen und legte mich aufs Ohr.
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Der nächste Morgen; nach einer unruhigen Nacht, beeinflußt von ständigen ankommenden und abfahrenden Lastkraftwagen, fuhr ich weiter zum Autobahnkreuz „Biebelried“. Dort wechselte ich auf die A3 und fuhr Richtung Nürnberg. Am Kreuz „Nürnberg/Feucht“ fahre ich auf die A 9 in Richtung München. Kurz hinter Ingolstadt signalisiert die Tankanzeige, daß der Dieseltank bald leer ist, also fahre ich von der Autobahn ab, um in Allershausen zu tanken. Bis hierher zeigt der Kilometerzähler 550 Kilometer an. Nach kurzer Rast geht es weiter Richtung München zur Rastanlage Vaterstetten; dort mache ich Mittagspause und anschließend geht es auf der A 8 weiter Richtung Landesgrenze Österreich. Am Chiemsee mache ich nochmal Halt, da es aber gerade zu regnen anfängt, setze ich die Fahrt bald fort und gelange nach Piding bei Bad Reichenhall. Am dort befindlichen Campingplatz --> Link mache ich Station, der Kilometerzähler zeigt 740 gefahrene Kilometer an.
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Tag 3 begann; es war Donnerstag und der Tag machte seinem Namen alle Ehre: Blitz und Donner, ströhmender Regen. Nach kurzem Einkaufsbummel in Bad Reichenhall geht es weiter über die Landesgrenze bei Freilassing nach Österreich. Auf der Tauernautobahn A 10 fahre ich durch den Tauerntunnel und Katschbergtunnel zum Millstätter See --> Link nach Seeboden. Auch hier starker Regen, die Berge sind in Wolken gehüllt und warm ist es auch nicht gerade. Trotzdem fahre ich auf einen Campingplatz in Seenähe. Bis hierher bin ich 919 Kilometer gefahren. Das Wohnmobil machte einen guten Job. Es war niegelnagel neu, erst drei Tage vor meiner Abfahrt zugelassen. Der 52kw-Dieselmotor verbrauchte so um 10 Liter, allerdings merkte man in den Bergen doch, daß nur geringe Leistung umgesetzt werden kann.
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Der vierte Tag: Morgens auf dem Campingplatz Winkler in Seeboden am Millstätter See --> Link , es regnet immer noch stark, meine gute Laune ist wie weggeblasen. Scheiß Wetter, scheiß Laune. Egal, drauf auf den Fahrersitz und ab geht die Post am Seeufer entlang, durch die Orte Millstatt, Dellach, Döbriach. Hier ist der See zuende, das Regenwetter aber noch nicht. Also weiter nach Radenthein; auch hier regnet es heftig, genau wie in Bad Kleinkirchheim. Dort allerdings mache ich einen Bummel durch den Ort mit Regenschirm. Später geht es weiter, zunächst zurück nach Radenthein und dann über Feld am Brennsee, den Afritzer und Ossiacher See zum Wörther See nach Velden. Auch hier scheint weder die Sonne, noch ist es warm; nein, es ist kühl und das Wasser läuft vom Himmel. Sogar das Schlosshotel (Drehort für die Serie „Ein Schloss am Wörther See“ mit Roy Black) scheint die Sonne zu vermissen. Alles ist ruhig, nur die Handwerker mauern und putzen, hämmern und sägen. Auf dem See nicht ein einziges Boot unterwegs, alles ist still und es regnet in Strömen.
Also setze ich mich wieder ins zumindest innen trockene Wohnmobil und fahre weiter, auf der Autobahn zurück zum Millstädter See, zurück nach Seeboden... und es regnet... und regnet... und regnet. Daran ändert sich dann auch am Millstädter See nichts. Meine Laune wird noch schlechter; ich spiele mit dem Gedanken, dieses Regenbogenland schleunigst zu verlassen, doch so richtig habe ich selbst dazu keine Lust. Also fahre ich auf einen Campingplatz wieder in Seeboden und warte ab, ob es wohl morgen besseres Wetter wird.
Kilometerstand: 1071 Kilometer
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Tag 5: Samstag, 5. Juni 1993
Erwachen auf dem Campingplatz Haupt in Seeboden ( Anmerkung: Den CP gibt es scheinbar heute nicht mehr). Wo war denn der Regen geblieben? Die Sonne strahlte vom Himmel, meine gute Laune kam zurück, also wieder den Platz hinter dem Lenkrad reservieren und weiter geht’s. Erst einmal mußte ich Diesel bunkern, also eine Tankstelle aufgesucht und den Diesel in den Tank plätschern lassen... dann fahre ich über Millstadt und Dellach nach Döbriach auf den Campingplatz Burgstaller --> Link . Hier bleibe ich auch über Nacht. Eine Fahrt mit dem Boot auf dem See und ein Sonnenbad auf dem Campingplatz sind Höhepunkte dieses Tages; später am Abend beginnt es dann wieder zu regnen.
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Am Sonntag, 06. Juni ging meine Reise dann weiter, erneut am Millstätter See entlang, anschließend durch das Mölltal Richtung Heiligenblut am Fuße des Großglockner. Nach einem guten Mittagessen und einer rund 2-stündigen Pause im Ort, dann die bisher schwerste Aufgabe für das Wohnmobil. Der stetige Aufstieg über die Großglockner-Straße begann.
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Mit z.T. 12%iger Steigung ging es bergauf. ( Hier noch ein paar aktuelle Infos: --> Link )
Immer höher wand sich die Straße am Berg hinauf. Für das Mobil schien es aber ein leichtes Spiel zu sein. Im 2., ja sogar im 3. Gang brachte es mich hinauf bis ganz nach oben. Zum ersten Mal war ich auf dem Großglockner.
Wer Interesse hat, kann sich hier --> Link mal die Webcams anschauen. Von nun an ging es wieder bergab – ebenfalls mit bis zu 12% Gefälle. Radfahrer quälten sich den Weg hinauf; einige Autos standen mit geöffneter Motorhaube am Strassenrand. Unten angekommen war ich denn doch froh, den Berg geschafft zu haben. In Zell am See fuhr ich auf den Campingplatz im Ort Thumersbach --> Link und ruhte mich von den Strapazen aus.
Tagesfahrstrecke rund 180 Kilometer; Gesamtstand 1258 Kilometer
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Am Montag dann ging es vom Campingplatz in Thumersbach am Zeller See --> Link zunächst nach Zell am See . Ein Ortsrundgang und nach 1,5 Std bin ich nach Saalbach-Hinterglemm weiter gefahren. Von dort ging es dann über Lofer und Unken zurück nach Deutschland. Über Ramsau und Berchtesgaden kam ich dann (mal wieder) nach Schönau am Königssee, dort bin ich dann wieder einmal zum Campingplatz „Grafenlehen“ gefahren --> Link und habe dort einen Platz bezogen. Zu Fuß dann ging ich zum See; hier war der Bär los, Menschen, Menschen, Menschen. Ach, übrigens war es der erste Tag, an dem man die kurze Hose anziehen und den Regenschirm im Wohnmobil lassen konnte. Sollte der Wettergott doch ein Einsehen haben; meine Laune stieg jedenfalls wieder sprunghaft an. Das Berchtesgadener Land ist eben doch „der schönste Fleck auf Erden“. Zur Erklärung muß ich sagen, daß ich schon oft in dieser Region Urlaub gemacht hatte, mit Eltern und Großeltern schon an verschiedenen Orten gewesen bin.
--> Link

Der nächste Tag begann sonnig, ich ging zur Talstation der Jenner-Seilbahn --> Link, als ich die Preise sah, bin ich aus den Socken gefallen. Die wollten da für die Bergfahrt 18,- D-Mark haben, für Hin- und Rückfahrt sogar 28,- D-Mark. Der Jenner ist einer der Hausberge hier am Königssee im Berchtesgadener Land, mit seinen 1874 m Höhe ragt er hoch in den Naturpark hinaus. Die Aussicht vom Gipfel, aber auch schon von der Bergstation der Seilbahn aus, ist bei gutem Wetter sehr gut. Da brauchte ich dann nicht mehr hoch und ging den Wanderweg zum Malerwinkel, einem Aussichtspunkt am Königssee --> Link . Ich genoß die Aussicht auf den See, den Blick nach St. Bartholomae. Dann ging ich zur Schiffslände, wo wieder Menschenmassen auf die Boote warteten, um über den Königssee gefahren zu werden. Wer da noch mitfahren wollte, der brauchte Geduld. Der gesamte Platz vor den Anlegestegen war voller Menschen. Ich ging dann weiter zur Bob- und Rodelbahn und anschließend zurück zum Campingplatz.
Abends bin ich zum Bahnhof in Berchtesgaden gefahren, meine Großeltern kamen mit dem Zug an und ich hatte die Beiden dann ins Quartier gebracht. Schon viele Jahre waren wir, meine Eltern und Großeltern und ich damals in Berchtesgaden im Urlaub gewesen, meist immer im gleichen Quartier. Es waren in all den Jahren sicherlich so um die 30 Urlaube, die ich da im Berchtesgadener Land gewesen bin, manchmal sogar 2 mal pro Jahr. Und wenn ich das jetzt noch richtig in Erinnerung habe, waren es lediglich drei oder vier verschiedene Quartiere.
Ich brachte also die Großeltern zum Quartier, die Wiedersehensfreude war groß, auch mit den Hausherren. Später kehrte ich dann zum Campingplatz „Grafenlehen“ zurück.

Der 9. Tag begann ebenfalls wieder mit Sonnenschein, ich ließ den Tag gemütlich angehen, später fuhr ich zu meinen Großeltern und mit den Beiden zum Essen in unser Stammlokal. Später kehrte ich zurück auf den Campingplatz und bummelte noch einige Kilometer durch Schönau.

Dann kam der 10. Tag der Reise und der sollte ganz anders enden, als es damals wahrscheinlich geplant war... soweit ich mich daran heute noch erinnern kann.
Zunächst fuhr ich mal nach Berchtesgaden und machte einen Stadtbummel; es war Feiertag, Fronleichnahm, und die Geschäfte waren geschlossen. Um 9:30 fuhr ich zu Oma und Opa in die Pension und wurde dort schon erwartet. Meinem Großvater ging es gesundheitlich nicht so gut und Oma und Opa hatten besprochen, mit mir nach Hause zu fahren. Ich weiß heute nicht mehr, ob ich sonst an diesem Tag schon heim gefahren wäre, so aber machten wir uns nach der Verabschiedung so gegen 10 Uhr morgens auf den Heimweg. Über Bischofswiesen und Bad Reichenhall ging es zur Autobahn A 8 Richtung München. Ich glaube, mich an die Mittagsrast auf der Rastanlage Vaterstetten an der Ostumfahrung Münchens an der A 99 erinnern zu können, dann ging es fast „Non Stop“ über Nürnberg, Würzburg, Fulda und Göttingen nach Hause, wo ich mit meiner Begleitung gegen 20:30 Uhr angekommen war. Der Kilometerzähler zeigte rund 2 200 Kilometer an. Die Strecke von Berchtesgaden zurück in die Heimat waren etwa 700 Kilometer.
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* * * * * ENDE * * * * *

So, das war ein kleiner Rückblick auf meine erste Reise allein nach Österreich ins Bundesland Kärnten. Ich hoffe, liebe Leser, dieser Ausflug hat Euch gefallen. Und mit dieser Tour im Jahr 1993 endete für mich dann die Erprobungsphase des Wohnmobilurlaubs. Ich war infiziert; ich hatte mir ein Virus eingefangen, das "Wohnmobilvirus" hatte Besitz von mir genommen. Im darauf folgenden Jahr 1994 hatte ich dann die Gelegenheit, ein erstes eigenes Wohnmobil von Privat zu erstehen, einen Eura 470 HS auf Mitsubishi L 300.
Aber das wird dann eine andere Geschichte! :)
Vergesst nicht, jetzt wieder in die Zeitmaschine einzusteigen und Euch ins Jahr 2020 zurück beamen zu lassen! :)


null550 am 01 Mai 2020 13:33:16

Danke für den Bericht. Er erinnert mich an mein damaliges Wohnmobil, einen Dethleffs A470, ebenfalls auf Fiat Talento und ein direkter Konkurrent zu dem Wilk. Damals hat die Modellbezeichnung 470 bzw. 480 noch die tatsächliche Länge des Wohnmobils angegeben, also 4,70 m bzw. 4,80m, und war ausreichend groß für eine 4 bis 5köpfige Familie. Wobei die 70 PS aus 1,9 L Hubraum eigentlich zu wenig waren. Die angebene Höchstgeschwindigkeit 105 km/h wurde nur unter günstigen Bedingungen erreicht und am Berg wurde man von den LKWs aufgeschnupft.
Ich habe zwar Fotos aus der Zeit, könnte aber keine Reisen so detailliert nachvollziehen. Also nochmals danke.

frankjasper8 am 01 Mai 2020 20:30:35

null550 hat geschrieben:...
Ich habe zwar Fotos aus der Zeit, könnte aber keine Reisen so detailliert nachvollziehen. Also nochmals danke.


Danke für Deine Rückmeldung!
Ja, bei mir ist es genau umgekehrt; ich habe leider nur die damals geschriebenen Reisenotizen ohne Fotos. Die Fotos hatten nach den vielen Jahren keine schöne Bildqualität mehr. Ich hab vor ein paar Jahren mal fast alle damaligen Bilder weggeworfen. Außerdem hab ich damals immer nur wenig Fotos gemacht, war ja immer nur so ein 24er Film oder so! :ja:


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