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luftfederung

Alde befüllen und entlüften


fangixx am 09 Aug 2020 13:51:17

Hallo,

meine Alde hatte seit einigen Jahren keinen Wechsel der Flüssigkeit erhalten und dies wollte ich in eigener Regie unternehmen. Nach Lektüre der verschiedenen Artikel im Forum, Sichtung von Videos zum Thema habe ich dann eine eigene Anlage zur Befüllung und Entlüftung gebaut.

Im Kern werden verwendet: ein Vorratstank mit der neuen Flüssigkeit, eine Gartenpumpe, ein Befüllschlauch und ein Ablaufschlauch. Da die Pumpe einen zu hohen Druck (Gartenpumpe, 3,5 bar) für die Alde-Anlage erzeugt (laut Datenblatt: max 0,5 bar) muss der Druck angezeigt werden (Manometer) und reguliert werden (Ventil zur Drosselung des Zuflusses der Pumpe und Überströmventil).

Übersicht:

Vorratstank:


Pumpe mit Armatur, jedoch noch ohne Drosselventil (kam später dazu):


Anschluß am Ausgleichsgefäß: besser mit Schellen befestigen, siehe Artikel


Die Pumpe in Aktion:


Da die Anlage ja auch die Entlüftung übernehmen soll, habe ich mich oberflächlich dazu eingelesen und mitgenommen (Boussinesc-Zahl), dass ein hoher Volumenstrom (nicht unbedingt ein hoher Druck) dafür wichtig ist. Der hohe Strom reißt Luft in den Rohrleitungen mit, die sich an höher gelegenen Stellen angesammelt hat. Je höher der Radius der Rohrleitungen ist, desto höher muss die Geschwindigkeit der Flüssigkeit sein. Um auf der sicheren Seite zu sein, ist daher die Anlage mit 3/4" Schläuchen und Fittingen ausgestattet, damit hier kein Flaschenhals entsteht. Vermutlich ginge es auch auch mit 1/2", das wäre dann etwas günstiger, nicht nur bei den Verschraubungen, sondern auch bei den Schläuchen. Aber: wenn es nicht reicht, muss man einige Teile nochmal nochmal kaufen, also war ich lieber auf Nummer sicher.

Damit man sehen kann, was da grade so fließt, habe ich transparente Schläuche genommen. Es kämen auch normale PVC-Schläuche in Frage, aber die haben einen deutlich niedrigeren Berstdruck, das kann im Zweifelsfall eine echte Sauerei geben, also lieber Gewebeschlauch.

Bleiben noch die Anschlüsse an die Schläuche unter dem Ausgleichsbehälter: hier war es eine ziemliche Sucherei, bis ich die passenden Tüllen 22 mm gefunden hatte. Sind jedoch im Internet bei spezialisierten Versendern in Messing erhältlich.

Bevor ich das ganze an die Alde angeschlossen habe, standen erstmal Tests im Garten an. Dabei habe ich speziell ausprobiert, wie das Überströmventil funktioniert, ob man einfach den Befüllschlauch zuhalten kann, ohne dass dann der Druck durch die Decke geht und wie die richtige Einstellung des Drosselventils sein sollte.

Das klappte alles derartig gut, dass ich mich dann an den eigentlichen Tausch der Flüssigkeit machte. Zunächst jedoch musste Flüssigkeit aus dem Ausgleichsgefäß gesaugt werden, damit dann die Verbindungen getrennt und die Befüll- und Ablaufschläuche befestigt werden konnten. Das ging recht einfach, indem ich einen kleinen PVC-Schlauch 12mm in das Gefäß eingeführt und dort in den Rücklauf gehalten habe. Die verwendete Gartenpumpe hat dann mehrere Liter aus dem Gefäß und den Rohren gesaugt, dann konnte man das Gefäß abtrennen. Wichtig: beim Befestigen der Befüll- und Ablaufschläuche diese auf jeden Fall mit einer Klemme befestigen. Das hatte ich erstmal nicht gemacht (siehe Bilder) und der Befüllschlauch zog dann Luft, und der Ablaufschlauch ist einmal rausgerutscht, dann wurde es nass...

Übrigens habe ich die alte Flüssigkeit erstmal durch destilliertes Wasser ersetzt, daher ist in den Schläuchen keine farbige Flüssigkeit. Kann ich auch nur jedem empfehlen, denn wenn bei den ersten Tests was schief geht, dann ist halt nur dest. Wasser und nicht farbige Kühlflüssigkeit an den Wänden. Abgesehen davon habe ich von blau (alte Flüssigkeit) auf G13 gewechselt und die soll man nicht mischen. Also lieber vorher schön spülen.

Abgesehen davon kann man damit auch toll seine Anlage auf Dichtigkeit prüfen und wenn etwas ausläuft, dann eben nur Wasser. Normal ist die Alde drucklos und Druck entsteht nur aufgrund der Differenz von höchstem und tiefstem Punkt, bei mir also ca. 2,5m und demnach ca. 0,25 bar (am tiefsten Punkt). Anfangs habe ich den Druck bei ca. 0,5 bar eingepegelt. Der Grund dafür war, dass ich erstmal schauen wollte, ob es durch Ablagerungen zu Verstopfungen führt. Da gab es aber nichts und später habe ich dann das Drosselventil ganz aufgemacht und nur noch das Überströmventil hat den Druck bei ca. 0,9 bar gehalten. Alle Verbindungen blieben dicht. In einem Video hatte ein Mitarbeiter von Alde von einem Druck beim befüllen von 1 bar gesprochen, das sollte also gefahrlos funktionieren.

Der Ablauf ist dann folgender:
- Flüssigkeit aus dem Ausgleichsgefäß absaugen
- Alde-Schläuche vom Ausgleichsgefäß trennen
- Befüll- und Ablaufschlauch anschließen, dabei die Flussrichtung der Alde berücksichtigen (incl. eventueller Rückschlagventile). Wenn die Fließrichtung unklar ist: Alde anheizen, dann erst das Thermometer hochdrehen und schauen, wann die einzelnen Rohre/Schläuche heiß werden. Der früh heiß werdende Schlauch ist (bei meiner Anlage) der Ablaufschlauch, der andere der Zulauf.
- Wasser oder Glykol in den Vorratstank füllen
- Schlauch vom Überdruckventil in den Vorratstank (hier läuft das Wasser mit „zuviel Druck“ dann einfach wieder zurück und wird neu angesaugt)
- Ablaufschlauch in einen Tank für das alte Glykol/Wasser, was dann entsorgt wird
- Pumpe anschalten, Druck kontrollieren, in den Schläuchen die Flüssigkeiten bewundern
- wenn nur noch neue Flüssigkeit kommt (die Farbe ändert sich deutlich!), dann die Pumpe ausschalten und den Ablaufschlauch in den Vorratstank hängen
- Pumpe wieder anschließen und die Flüssigkeit ein paar Minuten zirkulieren lassen. Dabei kann man sehen, dass immer weniger Luftblasen in den Schläuchen rum sausen. Wichtig: es muss genügend Flüssigkeit im Vorratstank sein, sonst saugt die Pumpe Luft an. Das würde man dann aber im Befüllschlauch sehen. Für meine Anlage rechne ich mit einem Volumen von ca. 18 Litern und der Tank ist 30 Liter groß. Hat wunderbar funktioniert.
- Pumpe abschalten, die Schläuche abnehmen, wieder am Ausgleichsbehälter anschließen und dann den Ausgleichsbehälter ganz normal befüllen. Die restliche Luft steigt in den senkrechten Rohren nach oben und der Rest vom System ist entlüftet. Wichtig: beide Rohrleitungen der Alde sollten beim Abnehmen auf derselben Höhe sein, sonst läuft es auf dem tieferen Rohr raus (Prinzip der kommunizierenden Röhren).

Von den Kosten her ist die Anlage nicht wirklich billig, aber sie funktioniert toll und es war ein großer Spaß, das Ding zusammenzuschrauben. Insgesamt war das immer noch wesentlich günstiger, als der einmalige Tausch der Flüssigkeiten beim Händler. Abgesehen davon konnte ich dann gleich ein Rückschlagventil und eine Vortex-Pumpe einbauen... In Zukunft fällt dann nur noch der Preis für das Glykol an, also ca. 60 EUR für 5 Liter plus 5 EUR für 15 Liter destilliertes Wasser.

Siehe Bilder für weitere Details.


Agepi am 09 Aug 2020 15:22:38

Ich kann dir leider kein + geben, daher auf diesem Weg.
Sehr gut beschrieben.
LG HP

kamikaze am 09 Aug 2020 19:17:52

Könntest du auch die Kosten angeben, deine eigenen und was ein Händler dafür haben wollte?

Gruß
Günter

Anzeige vom Forum


fangixx am 09 Aug 2020 23:12:16

Hi, die Pumpe ca 50, Schläuche 20, Ventile 30, Fittinge 50, also unter 200 EUR. Glykol 17 EUR x3.

Habe nur von Händler-Preisen hier im Netz gelesen und würde da mit 300 EUR plus rechnen

WolleM am 09 Aug 2020 23:48:42

fangixx hat geschrieben:Hi, die Pumpe ca 50, Schläuche 20, Ventile 30, Fittinge 50, also unter 200 EUR. Glykol 17 EUR x3.

Habe nur von Händler-Preisen hier im Netz gelesen und würde da mit 300 EUR plus rechnen


Klasse, wenn man was selbst macht! Aber... Deine Kosten, 150 plus Glykol für 51€... Da lass ich das das doch für 100 mehr machen, und hab Gewährleistung

stoppie am 10 Aug 2020 04:20:21

Prima beschrieben - ein virtuelles + auch von mir.

Ätt WolleM, ab dem 2 Einsatz rechnet sich die Selbstbauanlage dann besonders gut, weil dann nur noch das Glykolgemisch angeschafft werden muss.

kamikaze am 10 Aug 2020 09:14:51

Ja danke für die Zahlen.

Auf der einen Seite steht die Lust am Selbermachen, positiv kommt hinzu, wenn es auch noch so professionell durchgeführt und dokumentiert wird. Damit reduzieren sich die Kosten für einen zweiten Tausch und um so mehr, wenn eventuell auch liebe Freunde davon profitieren können.

Auf der anderen Seite, wenn man es nur für sich macht, ist es über die Zeit fast ein Nullsummenspiel. Der Geschäftsführer von Alde D hat mal in einem Interview sinngemäß gesagt, dass das zweijährige Wechselintervall die unterste Grenze der Betriebszeit wäre, dass viele Kunden kämen, die seit bis zu 10 Jahren einen störungsfreien Betrieb gehabt hätten und dann erst wechseln liessen. Ich nehme an, der Schnitt liegt irgendwo in der Mitte.

So war es bei mir auch. Als ich das sechs Jahre alte Womo kaufte, stand der Punkt überhaupt nicht auf der Checkliste. Erst durch Beiträge hier wurde ich darauf aufmerksam und so habe ich letztes Jahr eine sowieso anstehende Tour um 30 km verlängert und war in Röthlein. Neben dem Wechsel wurde auch die Heizung geprüft und in allen Bereichen für gut befunden. Dazu gab es noch einen Liter Glykol extra mit auf den Weg. Das Ganze hat mich € 280 gekostet. Da ich wohl in 4 Jahren das Fahrzeug wechseln und mir ein etwa zweijähriges kaufen werde, käme im besten Fall die nächste Ausgabe erst in 11 Jahren auf mich zu. Ob ich dann überhaupt noch fahren kann, steht auf einem anderen Blatt :D

Für deinen Beitrag ein klares +.

Günter

andwein am 10 Aug 2020 09:49:11

fangixx hat geschrieben:.......habe ich dann eine eigene Anlage zur Befüllung und Entlüftung gebaut.

Sehr gute Beschreibung und Doku. Dafür habe ich den Punktezähler gedrückt.
Gruß Andreas

fangixx am 10 Aug 2020 10:59:54

Merci für das positive Feedback. Ich selbst mag Werkstätten und Termine nicht und obendrein hat das mal wieder so richtig Spaß gemacht. Ich kann verstehen, dass andere gerne zum Händler gehen, sonst gäbe es die ja nicht.

Hier im Forum habe ich schon so viele gute Tipps abgeholt, da ist es mir ein Spaß, etwas zurückzugeben - an die, die etwas damit anfangen können.

Ach so: jetzt habe ich dann auch eine tolle Gartenpumpe und überlege schon, wie ich damit Grauwasser abpumpen kann, wenn ich mal wieder weiter weg stehe von einem Ausguss auf einem Camping (so wie dieses Jahr; ca. 15 m). Dann würden die Bewegungsfahrten alle 2-3 Tage für Wasser wegfallen, was mich nervte... :-)

schnecke0815 am 10 Aug 2020 20:36:27

Der TE könnte aber auch seine Anlage gegen Erstattung der Transportkosten und z.B. einer Nutzungsgebühr von sagen wir mal € 50 an Forumler
verleihen. Dann reduziert sich der Preis für den Austausch der Flüssigkeit auf ca. 120 € und somit auf ca. ein Drittel der Kosten bei Alde.
Eine Win-Win Situation für alle Aldenutzer und den TE.

schnecke0815 am 10 Aug 2020 20:37:11

Sorry - 2x gedrückt.

wiptron am 13 Aug 2020 09:29:56

Super Anleitung, vielen Dank dafür.

Welchen Frostschutz hast Du verwendet?
Platin Antifreeze AN13?

Danke im Voraus

Gruß
André

fangixx am 14 Aug 2020 18:03:51

Hallo, ja - genau den.

Hier noch ein Bild von der Befüllung

mauimeyer am 14 Aug 2020 19:15:53

Genauso habe ich das auch gemacht, nur mit dem Unterschied, das ich eine andere Pumpe nutze. Sowas in der Art für die Bohrmschine.

--> Link

Ach, einen Yehaaa-Klick haste von mir auch bekommen! :D

fangixx am 15 Aug 2020 11:10:59

Die Bohrmaschinen-Pumpe hatte ich mir auch überlegt. Allerdings kostet die Gartenpumpe grade 45 Euro und war dann 3/4 Zoll und mit höherer Leistung = Volumenstrom. Auch ist die Pumpe abgedichtet, wenn es mal spritzt kann das mit der Bohrmaschine schlecht enden.

stoppie am 16 Aug 2020 11:18:30

Hallo fangixx,

könntest Du freundlicherweise einen Link von dem Überströmventil hier einstellen?

Weshalb bist Du auf Platin Antifreeze AN13 gewechselt?

fangixx am 17 Aug 2020 04:46:16

Das Ventil ist folgendes: Caleffi 519500 Differenzdruck-Überströmventil 3/4 Zoll. Ich habe es voll geöffnet eingestellt i.e. kleinster Druck. Laut Datenblatt geht es bis 30% Glykol, was hier überschritten wird. Auf der anderen Seite wird es ja nur kurz benutzt und danach gespült, also sollte das kein Problem darstellen

Das Kühlmittel war recht günstig und G13. Es kommt mit einer Freigabe von VW, sollte also qualitativ ok sein

fangixx am 17 Aug 2020 04:52:03

schnecke0815 hat geschrieben:Der TE könnte aber auch seine Anlage gegen Erstattung der Transportkosten und z.B. einer Nutzungsgebühr von sagen wir mal € 50 an Forumler
verleihen. Dann reduziert sich der Preis für den Austausch der Flüssigkeit auf ca. 120 € und somit auf ca. ein Drittel der Kosten bei Alde.
Eine Win-Win Situation für alle Aldenutzer und den TE.


Habe darüber mal ein paar Tage nachgedacht. Bei Interesse kann die Anlage bei mir wie vorgeschlagen ausgeliehen werden (plus Deposit im Wert ca. der Komponenten). Allerdings nur Abholung im Rhein-Main-Gebiet. Kontakt via KN. Es wird dann noch ein 30 Liter Kanister für das Alt-Glykol benötigt

Lisaaaaa am 18 Aug 2020 09:15:23

Hallo zusammen,

bin so froh auf dieses Forum gestoßen zu sein, finde es wirklich sehr interessant unterschiedlichen Projekte und Dokumentationen anzuschauen und zu verfolgen! Fangixx, danke für die tollen Informationen und ich muss sagen, dass es mich auch sehr ansehen würde selbst ein bisschen zu basteln und werkeln, anstelle immer in die Werkstatt zu müssen, mal sehen ob und wieweit ich mich darüber hinaus sehe, vielleicht schaffe ich es ja mithilfe von den vielen Threads im Forum und Videos auf YouTube. Wenn ja, dann will ich es auch so toll dokumentieren und Teilen!

Auch von mir gibts ein riesiges virutelles + :razz:

LG Lisa


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