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Das MoMo in Brandenburg


moensters am 05 Sep 2020 19:09:45



Dornröschenstadt
Es geht wieder los! Auf der Suche nach Corona-armen Gegenden sind wir in Ostdeutschland fündig geworden. Für uns hört sich ein Trip in den Osten mit vergleichsweise geringen Infektionszahlen und der Möglichkeit des Paddelns auf den vielen Gewässern Brandenburgs oder der mecklenburgischen Seenplatte mehr als nur verlockend an. Da wollen wir hin! Und zum Wandern und Radfahren soll es auch mehr als genügend Möglichkeiten geben. Genau unser Ding.
Annettes Cousine, die mit Family in Berlin lebt, hat uns über den Sommer schon mit tollen Bildern aus dem Berliner Umland neugierig auf den Osten gemacht. Und als wir nach Tipps fragen, kriegen wir nicht nur eine reiche Auswahl an Reisezielen genannt, sondern wir verabreden uns spontan zum Paddeln im Nationalpark Unteres Odertal. Allerdings schon am Sonntag, sodass wir ordentlich Strecke machen müssen, um bis an die deutsch-polnische Grenze zu kommen.
Auf halber Strecke
Annette hat ausgekundschaftet, dass mehr oder weniger auf halber Strecke Magdeburg liegt. Dort waren wir noch nicht und können so mal wieder eine Lücke auf unserer Deutschlandkarte stopfen.
Nach ereignisloser, aber baustellenreicher Fahrt kommen wir nachmittags in Magdeburg an.
Auf der Elbinsel in der Mitte der Stadt soll es viele Parkmöglichkeiten geben. Wir entscheiden uns für den Platz Am Winterhafen, da dort, wo wir ursprünglich hinwollten, eine Kirmes aufgebaut ist. Und wir sind mehr als überrascht, dass es hier quasi im Herzen der Stadt einen großen Park gibt, der aber gar nicht so voll ist, wie man es von einer Landeshauptstadt erwarten könnte. Und mitten in diesem Park finden wir dann noch einen schönen, stillen Platz, an dem das Parken erlaubt ist. Was Womofreundlichkeit angeht, scheint Magdeburg ziemlich weit oben zu stehen!
Kräppelchen
Wir machen uns auf den Fußweg ins Zentrum, das ca. 2 Kilometer entfernt ist. Wir kommen an einem hübschen englischen Garten vorbei und landen an der Stadthalle, die mit ihrem Umfeld noch ein bisschen DDR verströmt.
An der Sternbrücke gibt es ein Büdchen, wo man Kräppelchen essen kann. Wir fragen erst mal nach, was das ist und bestellen uns nach der Auskunft, dass es frisch gebackene Schmalzringe sind, eine kleine Probierportion. Das sieht schon gut aus, wenn die Ringe in der Schmalzmaschine ausgebacken werden! Vom Geschmack her sind sie gut, aber keine Offenbarung.
Leere Straßen
Als wir die Brücke überquert haben, sind wir etwas ratlos. Am Elbufer entlang oder noch ein bisschen weiter in die Stadt hinein? Wir entscheiden uns gegen das Ufer und heben uns das für den Rückweg auf.
Die Straßen, die wir daraufhin beschreiten, sind durch zwei Dinge gekennzeichnet: Sie sind sehr breit und weitestgehend menschen- und auto-leer. Man sollte nicht meinen, dass man hier an einem Freitagabend nahe am Zentrum einer Großstadt ist. Uns gefällt die Hegelstraße mit ihren breiten Bürgersteigen, den vielen Bäumen und den Gründerzeithäusern aber trotzdem (oder gerade deswegen?) richtig gut.
Grüne Zitadelle
Auch im Zentrum Magdeburgs herrscht weitestgehend tote Hose. Es sind einfach auffallend wenige Leute unterwegs. Es wirkt fast, als sei die Stadt in einem Dornröschenschlaf und müsste mal wachgeküsst werden. Denn das würde sich lohnen! An den Domplatz angrenzend befindet sich die Grüne Zitadelle, eines der letzten Projekte Hundertwassers, die erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde. Wir mögen die knubbeligen, bunten Häuser mit so viel Grün ja sehr. Aber auch das Perlmuttblau der daneben liegenden moderneren Häuser sieht schick aus.
Auf dem wahrlich großen Domplatz gibt es Wasserfontänen, die in wechselnder Höhe Wasser speien. Zwei Kinder werden nicht müde, immer und immer wieder unter den Wasserbögen durchzulaufen. Ansonsten gilt aber auch hier die Magdeburger Regel „bloß nicht zu viele Menschen auf einen Haufen“. Ob die das mit dem social distancing hier übertreiben?
Hoflieferant
Den Dom kann ich leider nicht mehr besichtigen, da er um 18 Uhr geschlossen wird. Macht aber nix, denn wir haben Hunger! Auf der Suche nach einem Restaurant stoßen wir auf das Hoflieferant. Zwischen Dom und Elbe ein bisschen versteckt gelegen. Mit einer lauschigen Gartenterrasse. Wir haben Glück, denn wir kriegen so gerade noch einen Tisch – nach uns werden alle weiteren Anfragen abgelehnt. Und es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir dieses Essen verpasst hätten. Freundlicher Service, gut zubereitete Speisen und eine schöne Atmosphäre. Ein hervorragender Start in unser Ost-Abenteuer!
Abend an der Elbe
Wir gehen über die Hubbrücke zurück auf die Elbinsel und wundern uns auch hier wieder: An dem lauschigen Septemberabend sitzen zwar ein paar Junge Leute in den Nischen der Brücke, aber man hat eher den Eindruck, dass hier ein Studententreffen ist, als dass sich die laute Stadtjugend versammelt hat. Musik in Zimmerlautstärke und auch „Ey, Alter…“ haben wir nicht gehört.
Im MoMo hören wir zwar gelegentliches Jauchzen von der Gegend am Riesenrad, aber ansonsten bleibt hier alles friedlich. Ein toller Stadtstellplatz!

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frankjasper8 am 05 Sep 2020 22:18:57

Hallo, liebe Moensters!
Schön, wieder eine Tour von euch nachlesen zu können. Diese Reise fängt ja schon mal gut an. Magdeburg kenne ich von einem eigenen Besuch, wenn damals auch der Stellplatz am Petriförder, also an der Elbe bei den Schiffsanlegern, meine Anlaufstelle war. Ich verfolge diese Reise weiterhin, wenn ich auch in den Startlöchern für meine eigene nächste Reise stecke, morgen geht es bei mir auch wieder raus auf die Straßen.

moensters am 08 Sep 2020 09:35:52



Durchfahrtstag
Nach einer friedlichen Nacht wollen wir die Elbinsel noch etwas erkunden. Durch den südlichen Teil der Insel fließt die Taube Elbe. Hört sich irgendwie an wie der Name einer Magd auf einem Gutshof. Hier ist es aber nur ein toter Arm der Elbe, die rund um die Insel fließt.
Am Morgen haben wir beim Frühstück viele Womos an uns vorbeifahren sehen, die offensichtlich am Stellplatz Yachthafen gestanden haben. Im Gegensatz zu denen haben wir aber fast allein gestanden. So wie es uns auch in der Regel lieber ist.
Auch heute sind bis auf gelegentliche Radfahrer und Jogger kaum Leute in dem riesigen Parkgelände unterwegs. Wir drehen eine Runde durch die schon leicht herbstlich wirkende Landschaft. Es sieht aber eher so aus als hätte der trockene Sommer auch hier seine Spuren hinterlassen.
Wir landen schließlich im Herzen des Stadtparks, wo der Venustempel auf einem kleinen Inselchen liegt. Magdeburg hat wirklich bei uns gepunktet! Eine sehr entspannte Großstadt.
Auf nach Brandenburg
Heute liegt noch mal ein längerer Fahrtag vor uns. Wir wollen schließlich bis an die deutsch-polnische Grenze kommen. Auf dem Weg von Magdeburg zur Autobahn kommen wir noch durch Möser, was wohl hier eine örtliche Womo-Händler-Meile ist und wir erinnern uns daran, dass unser MoMo I damals aus Möser ins Bergische transferiert werden musste. Schöne Erinnerungen!
Unterwegs haben wir die Qual der Wahl, welchen Stau wir uns gönnen: den südlich von Berlin oder den westlich von Potsdam? Die salomonische Entscheidung: keinen von beiden. Wir fahren ab und schlagen uns über die Dörfer durch.
Über die Dörfer
Das Ganze wird dann eine sehr, hm, abwechslungsreiche Geschichte. Denn über topausgebaute Bundesstraßen bis zu DDR-Plattenstraßen und wunderschönen Alleen ist alles dabei. Inklusive eines wahrlich bestialisch stinkenden Wartburgs…
Die Idee der Stauumfahrung erweist sich aber trotzdem als goldrichtig. Nachdem das Navi irgendwann akzeptiert hat, dass wir wirklich nicht in den Stau fahren wollen, zeigt es uns eine sehr akzeptable Restfahrzeit an. Und abwechslungsreich war es obendrein.
Hinein in den Nationalpark
Als wir in der Grenzregion ankommen wird die Landschaft immer weiter. Wir fahren durch sanft hügeliges Gebiet mit abgeernteten Feldern links und rechts auf denen sich die runden Strohballen tummeln. Und am Himmel sehen wir sogar schon einen Zug Kraniche – so hatten wir uns das vorgestellt. Wir kriegen große Lust, diese Gegend in den kommenden Tagen zu erkunden.
Stellplatzglück
In Schwedt kommen wir am Wassersportzentrum an. Annette hatte sich vorab erkundigt, ob wir wohl einen Platz kriegen würden, da die Dame von unserer am Telefon gebuchten Kanutour darauf hingewiesen hatte, dass der Platz immer gut gefüllt sei. „Kein Problem“, war die Antwort, „das kriegen wir locker hin.“
Um so überraschter sind wir dann, als es an der Rezeption heißt es ungerührt „Wir sind ausgebucht.“ Aber dann kommt das, was wir im Osten schon häufiger erlebt haben, jedoch immer noch etwas gewöhnungsbedürftig finden. Denn es ist gar nicht so böse gemeint, wie es in unseren Ohren klingt. Eher gedankenlos. Und dann wird improvisiert, um doch noch eine Lösung zu finden.
Nach der doch etwas harschen Auskunft ohne ein „Tut mir leid.“ kümmert sich die Platzwartin nämlich doch darum, dass wir noch irgendwo unterkommen, auch wenn sie offensichtlich nicht ganz verstehen kann, warum wir zunächst so unangenehm überrascht waren. Sie geht mit uns hinunter zum Bereich, wo Wohnmobile stehen sollen und Boote angelegt sind und weist uns auf ein Fleckchen ein, was kein offizieller Stellplatz ist, uns aber fast noch besser gefällt als die anderen Plätze. Direkt an der Oder, hinter dem Schilf – echt idyllisch!
Aber das allerbeste ist vielleicht, dass genau hier am Wassersportzentrum morgen früh um 8 Uhr unsere Kanutour starten wird und wir praktisch direkt vom MoMo aus ins Kanu steigen können – perfekt!

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moensters am 08 Sep 2020 11:50:02



Durch die Polder
Heute ist Frühaufstehertag für unsere gebuchte Kanutour. Nicht nur für uns, sondern auch für die Berliner Verwandtschaft, die schon um halb sechs raus muss. Respekt!
Um 8 Uhr geht die Tour durch die Schwedter Polder los. Da vor den flachen Gewässern und versteckten Stöcken im Wasser gewarnt wird, lassen wir die Scubis mit ihren Luftkammern lieber in der Heckgarage und setzen uns in ein Doppelkajak mit festem Rumpf. Wie sich später herausstellt, ist das zwar schlau, aber auch ein leichtes Handicap…
Original Uckermark
Unser Tourguide hat original Uckermarker Temperament. Da ist alles seeehr bedacht und langsam. Jedes Wort wird abgewogen und nur das nötigste wird auch gesagt. Aber bei mir macht es irgendwie auch Klick und ich verstehe Angela Merkel auf einmal viel besser. Gemessen an diesem doch recht gebremsten Temperament ist sie ein regelrechtes Kommunikationswunder. Was unser Tourguide aber auch mitbringt ist der trockene Humor der Kanzlerin. Und wer schon mal einen Auftritt des Satirikers Nico Semsrott gesehen hat, wird unweigerlich an ihn erinnert. Der selbsternannte Demotivationstrainer fügt in seine Sätze auch gerne ein „Genau.“ ein, als müsste er sich selbst vergewissern, dass das, was er eben gesagt hat, auch richtig ist. Oder ein „So.“, das klingt, als müsste er sich selber ermahnen, mal weiterzureden.
Unflotter Zweier
Unser Zweier-Kajak bringt ungeahnte Probleme mit sich. Und das recht heftige Gewicht von weit jenseits der 30 Kilo ist noch das Geringste. Das stört nämlich nur bei den 3 Umtragungen, wo wir den Kajak über den Deich hieven müssen.
Wesentlich heftiger erwischen uns die irgendwie gefühlt viel zu kurzen Paddel und die Koordination, die man zu zweit hinlegen muss. Wir torkeln auf dem ersten Teilstück wie Besoffene nach dem 10. Schnaps über die Friedrichsthaler Wasserstraße. Und das Peinliche ist, dass sich das bis zum Ende nicht wesentlich ändert. Wir sehen aber das Positive: Was ein Glück, dass wir uns leichte Einer-Kajaks gekauft haben!
Gemeiner Wasserfarn
Nach der ersten Umtragung kommt der wirklich spannende Teil der Tour. Wir biegen ab in die Schwedter Polder und kämpfen uns auf schmalen Wasserstraßen vorwärts. Solange man links und rechts noch Platz zum Einstechen der Paddel hat, ist das ein wunderbares Naturerlebnis. Wenn man durch eine komplett von Wasserfarn bedeckte Wasseroberfläche fahren muss, wird es abenteuerlich. Das ist dann nämlich so, als würde man sich durch dicke Melasse hindurcharbeiten. So ähnlich muss sich Treibsand anfühlen…
Eng und schmuddelig
An manchen Stellen wird es dann haarig. Wir fahren durch schmale Passagen, die links und rechts von Schilf eingefasst sind. Und das Schilf hier besteht wirklich aus harten Schilfrohren, die gegen die Paddel klackern und ein gezieltes Fahren nicht leichter machen. Aber solange man nicht von einem Schilfrohr geschlagen wird, ist alles machbar.
Entnervender sind da schon die Wasserpflanzen, die wir uns regelmäßig ins Boot schleudern. Der Kajak sieht schon nach kurzer Zeit aus als hätten wir einen Tarnkurs bei der Bundeswehr gebucht.
Wunderwelt
Was hingegen ganz großartig ist, ist die komplett neue Sichtweise auf die Landschaft. Da wir oft nur Schilf rechts und links von uns sehen, ist die Überraschung groß, als uns auf einmal eine Kuh über den Rand anschaut. Da sind ja große Wiesen und nicht unendliche Weiten mit Schilf!
Und ganz skurril wird es, als wir vor uns mehrere Tiere das Wasser durchschwimmen sehen. Für Otter irgendwie zu groß - also müssen es doch Biber sein? Unser Führer aber weiß Bescheid: Nein, die hatten Ohren. Es waren also Wildschweine, die da zügig vor uns das Weite gesucht haben. Wie schnell die schwimmen können!
Halbzeit
Nach einiger Zeit gibt es doch tatsächlich einen kleiner Anleger, wo wir die Boote vertäuen und Pause machen können. Elli ist sichtlich erleichtert, dass sie mal wieder festen Boden unter den Füßen hat und nimmt gerne die Gelegenheit wahr, ein ums andere Mal hinter Stöckchen herzulaufen. Und wir haben Zeit, mal die Glieder zu strecken und uns zu stärken. Denn es ist gerade mal Halbzeit.
Schmerzen
Der zweite Teil der Tour führt uns noch einmal durch eine tolle Auenlandschaft hinüber zur Alten Oder. Aber mein Rücken und meine Arme melden sich das erste Mal und finden es gar nicht mal so gut, dass die längere Tour 11km dauert. Auf dem Papier sah das absolut harmlos aus. In der Realität kann ich mich, als wir nach 6 Stunden am Wassersportzentrum ankommen, nur noch eingeschränkt bewegen. Aua!
Den Nachmittag verbringen wir dann mit unserem Besuch vor dem MoMo und ruhen uns aus. Aber je später der Abend wird, um so mehr tut alles vom Nacken bis zur Körpermitte weh. Komischerweise nur bei mir und so gar nicht bei Annette. Gut, dass sie vor mir gesessen hat - sonst hätte ich glatt die Idee haben können, dass sie die Hände in den Schoß gelegt hat und sich lediglich von mir hat kutschieren lassen!
Double Rainbow
Am Abend werden wir dann noch von einem plötzlichen Regenguss überrascht - der stand doch gar nicht im Wetterbericht! Aber wenn er dann so einen farbintensiven Regenbogen an den Himmel zaubert, soll mir das recht sein!
Und fast noch besser ist der kitschig rote Abendhimmel, den wir beim Sonnenuntergang geboten bekommen. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt kaum noch bewegen kann und möchte, flitzt Annette nach draußen, um das mit dem Handy zu fotografieren. Sag noch mal einer, mit einem Handy könne man keine tollen Fotos machen!

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moensters am 09 Sep 2020 10:03:36



Wilder Wald
Wir fahren weiter ins Nationalparkzentrum in Criewen. Kurz vor dem Parkplatz fährt man an einem verlassen wirkenden LPG-Betrieb vorbei, der sich ideal als Drehort für einen Krimi eignen würde. Wenn da ein Psychopath verschleppte Kinder gefangen hielt – würde mich nicht wundern.
Umso krasser ist dann der Kontrast zum Park von Schloss Criewen, der mit uralten Bäumen und einer kleinen Teichanlage punkten kann.
Neben dem Schloss gibt es dann noch das Nationalparkzentrum mit einer Ausstellung zu diesem besonderen Naturraum. Besonders gefallen hat uns der simulierte Flug auf einer Gans über die Polder. Nicht, eil er besonders realistisch wäre, sondern weil man da so gut Unfug mit machen kann…
Auch cool war der Flutsimulator, bei dem man die Oderauen unter Wasser setzen und mit dem Schleusensystem spielen konnte.
Dass wir uns hier im Nationalpark befinden, merkte man daran, dass sich auf dem Parkplatz schon eine Ringelnatter breit machte.
Na ja, so breit wie ein Baby sich halt machen kann.
Holperstolper
Aber eigentlich sind wir nicht fürs Sightseeing hergekommen. Wir wollen eine Wanderung entlang des Wassers machen. Aber von dem werden wir gar nicht so viel sehen wie gedacht.
Der Weg nach Stützkow führt nämlich durch einen Wald. Und auf dem ersten Teilstück hat man das mit dem Nationalpark, in dem alles der Natur überlassen bleibt, sehr, sehr genau genommen. Denn es liegen alle paar Meter umgestürzte Bäume über dem Weg, die überklettert werden wollen. Es ist also ein stetes Auf und Ab.
Aber Pause machen möchte man hier auch nicht unbedingt, denn von Zeit zu Zeit hört man über sich einen Baum bedenklich quietschen und knarzen. Da wird doch nicht gleich der nächste umfallen?
Biberspuren?
An einer Weggabelung beschließen wir unseren Plan zu ändern. Der Weg entlang der Auen steht für morgen schon als Radtour auf dem Programm und wir folgen dann lieber dem Weg durch den Wald zurück zum Parkplatz. Denn mein Rücken ist von der gestrigen Tour immer noch in Mitleidenschaft gezogen. Und der Waldweg ist jetzt auch wirklich so wild wie es der Wegweiser behauptet.
Links und rechts sehen wir Spuren von Wildschweinen und auch Biber soll es hier geben. Aber bis auf einen Baumstumpf mit den typischen Spuren können wir nichts von ihnen entdecken.
Stattdessen stoßen wir auf merkwürdige pfeilförmige Muster an den Kiefernstämmen. Können das ernsthaft Spuren von Bibern sein? Aber die sind doch bestimmt zwei Meter hoch und laufen so ordentlich parallel, dass wir uns das kaum vorstellen können. Des Rätsels Lösung: so wird Harz gewonnen! Entlang der Rinnen fließt es dann in einen Topf, den man an den Stamm stellt.
Wisente
Auf dem Weg zurück zum Parkplatz sehen wir dann noch die Wisente, die hier angesiedelt worden sind. Und damit mit diesen bulligen Bisons kein Unglück geschieht, gibt es nicht einen, nicht zwei, sondern drei Zäune, die das Gelände einzäunen. Ob die da nach jedem Unfall einen neuen Zaun gezogen haben? Nach dem Motto: „Jetzt ist es aber bestimmt sicher!“
Single Track in Brandenburg
Wir fahren ein paar Kilometer weiter südlich nach Stolzenhagen. Dort gibt es einen Stellplatz direkt an der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, auf der wir gestern gepaddelt sind. Ein wunderbarer kleiner Platz wie wir ihn lieben. Nicht besonders komfortabel, aber alles da, was man braucht.
Der Weg dorthin ist ein kleines bisschen Schottland. Nicht, was die Landschaft angeht, aber single-track-roads hat man in Deutschland ja auch nicht überall. Und zwischendurch testen wir noch mal auf grobem Backsteinpflaster die Verarbeitungsqualität unseres Euras. Das wackelt und schüttelt alles durch!
Stolzenhagen ist ein nettes kleines Dorf und unmittelbar neben dem Stellplatz finden wir sogar mit dem „Huhn & Schaf“ einen kleinen Selbstbedienungsladen mit Kasse des Vertrauens vor. Da bedienen wir uns gerne für das Abendessen bei Frischkäse und Leberwurst und auch fürs Frühstück können wir neue Marmelade und Honig gerade gut gebrauchen. Ich finde, jeder Stellplatz sollte so einen Laden daneben haben!

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moensters am 09 Sep 2020 21:17:17



Kuchen bei Beata
Unser Platz in Stolzenhagen liegt ideal am Oder-Neiße-Radweg. Was läge also näher als eine Radtour durch das Untere Odertal? Man kann eine schöne Rundtour daraus basteln. Auf dem Sommerdeich Richtung Schwedt hin, auf dem Winterdeich zurück. Und damit die Motivation stimmt, haben wir auch einen Zielpunkt auf halber Strecke. Unser Kajak-Führer hatte uns noch den Tipp mit auf den Weg gegeben, dass man auf der anderen Oderseite in Polen bei Beata wunderbaren Kuchen kriegen könne. Werden wir ausprobieren!
Entspannter Weitblick
Auf den ersten paar Metern sind wir noch skeptisch, ob der Radweg wirklich so super ist, wie er beschrieben wird. Dickes Kopfsteinpflaster und Betonplatten auf den ersten Metern lassen uns da zweifeln.
Aber als wir den Sommerdeich erreichen sind wir begeistert. Der Radweg ist fein asphaltiert, topfeben und es bietet sich ein herrlicher Weitblick in die Oderauen zur einen Seite und über den Fluss nach Polen zur Rechten. Entspanntes Radeln!
Vielfältige Tierwelt
Unterwegs gibt es reichlich Gelegenheit, die Tierwelt zu beobachten. Immer wieder steigen Fischreiher in aller Ruhe vor uns in die Luft und fliegen ein paar Schwingenschläge weiter. Oder man sieht Biberspuren – deutlicher und frischer als gestern im Biberwald.
Auch einen Seeadler sehen wir vor uns in der Luft. Aber bis ich die Kamera schussbereit habe, ist er schon weiter weg. Da ist der Fuchs, der den Weg kreuzt, schon deutlich gemütlicher unterwegs. Neugierig guckt er uns an und beschließt, dass von uns wohl keine Gefahr ausgeht.
Aussicht und Ruckelpiste
Am Stützkower Aussichtsturm kann man noch weiter als ohnehin schon in die Landschaft gucken. Diese Weite tut der Seele gut.
Leider wird der Weg ab Stützkow weniger erfreulich. Der samtige Asphalt endet und die ungeliebten Betonplatten fangen an und bleiben unser Begleiter bis zur Grenzbrücke. Aber dafür sind die schwarz-rot-goldenen Grenzpfähle hier selfiefreundlich direkt am Weg angebracht.
Genuss in Polen
Wir überqueren die Oder und landen völlig unspektakulär in Polen. Keinerlei Corona-Beschränkungen, die es wohl vor ein paar Monaten noch gab. Stattdessen die üblichen Hinweisschilder auf billige Zigaretten und den Friseur.
Wir kämpfen uns die letzten Kilometer durch den Gegenwind auf der anderen Oderseite und schaffen auch die gemeine Steigung, die es kurz vor dem Ziel noch mal in einem Waldstück gibt. Aber dann sind wir endlich im Café „U Beaty“ oder, extra für die deutschen Kunden „Bei Beata“ angekommen.
Auf der Terrasse lässt es sich herrlich sitzen und über den Fluss gucken. Aber dafür sind wir nicht hierhergekommen, sondern für den hochgelobten Kuchen. Und was soll ich sagen: Er ist wirklich superlecker – noch herdwarmer Pflaumenstreußelkuchen mit Sahne der Spitzenklasse. Wir würden uns nicht verzeihen, wenn wir den anderen Kuchen im Angebot nicht probiert hätten. Da geht dann auch noch ein mächtiges Stück Quarkkuchen, dass wir uns in weiser Voraussicht teilen.
Am Nebentisch unterhalten sich ein paar ältere Damen aus Deutschland mit Beata (die auch sehr gut deutsch spricht) über den Honig, den sie auch verkauft und sie holt ihre Geheimwaffe gegen Erkältungen namens Propolis hervor. Auch wir bekommen einen Teelöffel dieses Bienenharzes, das aus bunten kleinen Krümelchen besteht, zum Probieren. Angeblich soll es auch den Muskelaufbau fördern – können wir für den Rückweg gut brauchen.
Gegen den Wind
Auf dem Rückweg fahren wir wieder entlang der Friedrichsthaler Wasserstraße und werfen noch einmal einen Blick hinüber zu unserem Stellplatz am Wassersportzentrum. Schön, wenn man sich in einer Ecke ein bisschen auskennt.
Die restlichen 20 Kilometer werden dann nicht ganz so spaßig. Denn wie befürchtet haben wir ganz ordentlich Gegenwind. Und so ist es jetzt kein Dahingleiten wie noch auf dem Hinweg, sondern richtig Arbeit.
Wir sind reichlich fertig und beschließen daher, den Stolper Turm auf der anderen Wasserseite, seines Zeichens dickster Turm Deutschlands, rechts liegenzulassen und uns nur noch irgendwie zum MoMo zurück zu retten.
Die ersten Kraniche
Kurz vor der Ankunft am Stellplatz in Stolzenhagen wird die Landschaft auf einmal in goldenes Abendlicht getaucht. Und auf den abgeernteten Feldern sehen wir tatsächlich die ersten Kraniche stolzieren.
Ich überwinde mich daher am Stellplatz noch mal, packe den Fotorucksack auf den Rücken und fahre mit dem Telezoom auf der Kamera den Kilometer zurück zu den Kranichen. Was für ein herrliches Licht!
Candle-Light-Dinner
Zu so einem schönen Tag gehört auch ein schöner Abschluss, wir machen es uns draußen gemütlich, werfen Würstchen auf den Grill und genießen die friedliche Abendstimmung hier auf dem Stellplatz.

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moensters am 10 Sep 2020 18:11:02



UM-Wege
Wir haben unsere übliche Reisegeschwindigkeit erreicht. Wer schon länger mitliest, weiß, dass das langsam bedeutet. Im heutigen Falle vielleicht sogar schneckenlangsam.
Mein Rücken zwingt uns dazu, heute mal einen Gang runter zu schalten. Denn er hat sich von der Kajaktour noch nicht völlig erholt und signalisiert mit den Schmerzen, dass er es heute mal ruhig angehen möchte.
Wir brechen erst gegen Mittag auf und kaufen im Bio-Hofladen der Stolzen Kuh ein. Auch hier gibt es eine Kasse des Vertrauens, in die wir gut einzahlen, um uns leckere Produkte mitzunehmen. Schön, dass das hier auch funktioniert.
Angermünde
Unser Weg führt uns in die Stadt. Denn unser Bargeldbestand ist gefährlich in Richtung Null gewandert und wir möchten doch für weitere Hofläden gewappnet sein!
Angermünde wartet mit einer Besonderheit auf. Es gibt hier doch tatsächlich einen zentralen Wohnmobilstellplatz, der nichts kostet. Zwar ohne Entsorgung, aber ansonsten kann man da nicht meckern. Klein, aber fein.
Überhaupt ist Angermünde anscheinend eine überraschend moderne Stadt mit einem rührigen Tourismus-Management. Überall finden sich Wegweiser, um sich in der Altstadt zu orientieren, es wirkt alles sehr adrett und mit gut gemachten Flyern werden die Höhepunkte der Region vorgestellt. Und wir stellen fest, dass uns das sehr anspricht. Spätestens beim Thema Genusswandern haben sie uns. Wobei: Mit dem kältesten Ort in Brandenburg zu werben muss man wirklich wollen…
Kulturzentrum Klosterkirche
Angermünde hat, genau wie unsere Heimatstadt Lennep, auch eine Klosterkirche, die als Kulturzentrum genutzt wird. Aber der Unterschied ist beträchtlich. Während unsere heimische Klosterkirche eher dem Motto „klein, aber fein“ frönt ist die Klosterkirche in Angermünde mächtig groß und wirkt mit den hohen roten Backsteinmauern zunächst mal gar nicht so einladend. Vor dem Gebäude findet die Glaziale Brandenburg statt. Was kein Treffen vom Haarausfall bedrohter älterer Männer ist, sondern vielmehr ein Bildhauertreffen, in dessen Rahmen mehrere Bildhauer vor dem Kloster an ihren Werken arbeiten.
Im Kloster selber gibt es nicht nur den großen Veranstaltungsraum, sondern auch noch die sehenswerten Deckenmalereien in der Sakristei und sogar ein Museum mit einer Ausstellung hiesiger Künstler.
Blumberger Mühle
Es gibt hier anscheinend mehrere versteckte Juwelen, die es zu entdecken gilt. Vom Weltnaturerbe des Buchenwalds von Grumsin haben wir noch nie etwas gehört. Hört sich vielversprechend an!
Wir beschließen, dass wir uns in der Gegend wohl ein paar Tage aufhalten werden. Das werden jetzt, angelehnt an das Uckermarker Autokennzeichen UM unsere UM-Wege.
Und der Erste führt uns zur Blumberger Mühle, dem NABU-Naturerlebniszentrum an den Fischteichen. Wir freuen uns schon mal, dass es hier kostenlose, aber schön schattig gelegene Womo-Stellplätze gibt. Zwar ohne alles, aber dafür sehr schön im Grünen. Und wenn nicht gerade ein Zug vorbeifährt, auch himmlisch still.
Auf dem Gelände der Mühle ist es dann recht einsam. Außer uns läuft vielleicht noch eine Handvoll Leute hier herum – was eigentlich sehr schade ist, da das Gelände wirklich schön angelegt ist.
Gut, vom Blick auf die Fischteiche hatte ich mir etwas mehr versprochen, aber vielleicht ist das zu einer anderen Zeit attraktiver. Dafür wissen wir jetzt, dass es Wollschweine gibt und dass Annettes Adleraugen kein Frosch im Schilf entgehen kann. Ich wäre an ihnen einfach vorbeigelaufen…
Wir beschließen, dass das hier ein guter Ort zum Übernachten ist und bleiben einfach hier. Nur das geplante Grillen müssen wir noch verschieben. Abends kommen doch tatsächlich noch mal ein paar Regentropfen vom Himmel!

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moensters am 11 Sep 2020 23:15:21



Genusstour
Am Vorabend hat es noch mal überraschend geregnet, aber heute Morgen ist das Wetter bombig. Heiter bis wolkig, angenehme Temperaturen um die 20° - ideal für die Radtour rund um den Wolletzsee. Das Geniale daran: wir können das MoMo einfach an der Blumberger Mühle stehen lassen, denn der Platz gefällt uns bis auf die stündlich vorbeifahrenden Züge ausgezeichnet. Und da er auch nicht gerade überfüllt ist, müssen wir nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben, dass wir jemandem den Platz wegnehmen.
Konsum in Wolletz
Die Radtour führt uns im entgegengesetzten Uhrzeigersinn um den Wolletzsee. Zunächst vorbei an den malerischen Fischteichen, auf die man von hier fast einen besseren Blick hat als gestern vom Naturpark.
Es geht durch einen Buchenwald, in dem es ganz schön schattig wird. Aber es fühlt sich schon an wie ein Vorgeschmack auf den Buchenwald von Grumsin. So ein richtig schön sich in alle Richtungen erstreckender Wald.
Nach einer halben Stunde haben wir das Örtchen Wolletz erreicht. Hier gibt es als willkommene Zwischenstation den Konsum. Aber das ist längst nicht mehr das Lebensmittelgeschäft für „Waren des täglichen Bedarfs“ aus DDR-Zeiten. Sondern ein Cafe-Restaurant für hungrige Wanderer. Und da wir morgens bewusst nur ein Müsli gegessen haben, sind unsere Bäuche bereit für die leckeren Burger, die hier an der Tafel angepriesen werden. Was uns nicht nur hier auffällt: Es wird gerne darauf verwiesen, dass es Zutaten aus regionaler Erzeugung sind. Gefällt uns! Und, wie sich wenig später herausstellt: Schmeckt uns auch.
Brennerei im Nirgendwo
Im weiteren Verlauf unserer Route kommen wir jetzt etwas näher an den Wolletzsee heran. So langsam kriegen wir ein Gefühl für die Region. Es ist so ein bisschen Bullerbü mit DDR-Aroma. Man sieht viele Häuschen, wo es sich die Leute nett gemacht haben und ihr kleines Paradies auf dem Land gefunden haben. Und auch Plattenbauten, die aber größtenteils zumindest mal einen Topf Farbe gesehen haben und nicht mehr arg so trist aussehen. Alles ist hier auf jeden Fall sehr beschaulich und friedlich. Für eine Verkehrsberuhigung in den Dörfern sorgen dann fast von alleine die sehr rustikale Kopfsteinpflasterung oder die nur wenig besseren Betonplatten.
Wir finden kurz vor Altkünkendorf einen Parkplatz, den wir uns schon mal vormerken - auch hier könnte man sehr ruhig und gemütlich stehen. Vielleicht schon heute?
Altkünkendorf ist für 2 Dinge bekannt. Zum einen ist es der Eingangsort zum Weltnaturerbe Grumsiner Buchenwald. Zum anderen gibt es hier die Grumsiner Brennerei. Und da man uns mit leckeren Spirituosen immer kriegen kann, klingeln wir am Tor und werden zur Verkostung im ersten Stock gebeten.
Man muss echt aufpassen, dass man sich nicht zu viel zumutet - wir müssen ja noch fahren! Aber ein paar Liköre kann man ja mal testen… Wir entscheiden uns am Ende aber für den Nuss-Brand, der wirklich genau so nussig-schokoladig schmeckt wie angepriesen. Phänomenal gut! Und der Gin mit seinen Orangennoten ist auch etwas Besonderes.
Entspanntes Radeln
Nachdem wir uns am Infopunkt des Grumsiner Buchenwaldes schlau gemacht haben, was wir dort morgen machen können, geht es auf den zweiten Teil des Rundkurses. Obwohl es hier keinen Radweg gibt, ist die Fahrt auf der K7346 ein reines Vergnügen. Verkehr gibt es hier so gut wie nicht und die Strecke ist abwechslungsreich mit immer neuen Aussichten in die Uckermarker Landschaft.
Gut Kerkow
Diesmal lassen wir das Zentrum von Angermünde rechts liegen und fahren auf dem Radweg neben der Umgehungsstraße zum Gut Kerkow. Denn dort wollen wir noch mal unsere Vorräte im Bioladen auffüllen und als Belohnung für unsere kleine Radtour noch mal Kaffee und Kuchen schlemmen. Die Auswahl an garantiert am Hof erstellten Fleischwaren ist wirklich beeindruckend. Und ich bin jetzt schon gespannt, ob das, was wir kaufen, auch so gut schmeckt wie von der Hofschlachterei in Sprakebüll kurz vor der dänischen Grenze.

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moensters am 12 Sep 2020 20:24:19



Uriger Wald
An der Infotafel des Stellplatzes hier an der Blumberger Mühle wirbt ein Bäcker dafür, dass man sich die morgendlichen Brötchen per telefonischer Bestellung sogar bis 23 Uhr für den kommenden Morgen bestellen kann. Und die ausgewiesenen Preise sind sehr zivil. Da haben wir fast schon ein schlechtes Gewissen, dass die vielleicht extra für uns zum nicht so dolle besuchten Stellplatz fahren müssen. Und überhaupt, wie soll das denn funktionieren, wenn die Brötchen bis 7.30 Uhr geliefert sein sollen? Bezahlt man dann per Rechnung?
Wir wollen das einfach mal ausprobieren. Und es klappt tadellos. Kurz nach 7 Uhr hören wir, dass jemand am MoMo hantiert und sofort wieder weg ist. Als ich etwas später schlaftrunken aus der Tür komme, hängt ein Beutel mit den Brötchen und einer Rechnung am rechten Scheibenwischer.
So weit, so gut. Etwas baff bin ich dann nur, als ich die Rechnung betrachte. Statt der grob überschlagenen 3 € steht 5,80 € auf der Rechnung. Denn die Brötchenpreise auf dem Schild sind anscheinend von vor 20 Jahren und mittlerweile auf das doppelte gestiegen und auch von der Liefergebühr steht nichts auf dem Schild. Bei dem Betrag, um den den es hier geht, ist das alles ja keine wilde Sache, aber wir fühlen uns trotzdem etwas hinters Licht geführt.
Von nett bis pampig
Wir müssen jetzt noch mal entsorgen und freuen uns über den Geheimtipp, dass man hier in Angermünde im örtlichen Klärwerk sowohl Toilette als auch Grauwasser kostenlos entsorgen kann. Sicherheitshalber habe ich da telefonisch schon mal angefragt, ob die freitags auch länger als bis 12 Uhr aufhaben und freue mich über die netten Leute, mit denen ich da telefoniere. Sehr freundlich und hilfsbereit!
Und auch die Entsorgung klappt hervorragend – zumindest, nachdem Annette sich mit der Hochdruck-Spritzpistole vertraut gemacht hat, um die Toilettenkassette nachzuspülen.
Merkwürdigerweise kriegt man dort aber kein Frischwasser. Das können wir aber problemlos am Angermünder Stadtstellplatz erledigen.
Und wo wir schon mal da sind, nutzen wir die Gelegenheit für einen kleinen Shoppingrundgang. Denn wir haben gelesen, dass es sowohl eine Fischerei mit Hofladen als auch eine Fleischerei mit Werksverkauf gibt. Die klappern wir ab.
In der Fischerei können wir uns kaum entscheiden, denn es gibt leckeren Räucherfisch und auch ein paar Salate, die uns anlachen. Das mit dem Lachen ist mit der Verkäuferin schon etwas schwieriger. Annettes scherzhafte Frage, ob der Rest Algensalat denn noch frisch sei, wird mit einem patzigen „Ich hatte ja heute schon ein paar mehr Kunden als Sie.“ gekontert. Nach dem Motto „eure dummen Fragen könnt ihr euch sparen.“ Okay, wir sind ja schon still.
Aber das mit dem Pampigen kann die Verkäuferin in der Fleischerei auch. Ich sehe in der Auslage nur ein paar Grillwürste und frage, was es so zum Grillen gebe. „Dat sehn se doch! Wat wollnse denn? Schwein oder Rind?“ Schon leicht eingeschüchtert bestelle ich zwei Schweinesteaks. „Wat? 2 Stück? Wie meinense dat denn?“ Na ja, zwei Scheiben…? Schnaufend geht sie davon, um das Kammstück zu holen und zwei Scheiben abzusäbeln. Als sie mit Verachtung das Fleischstück in die Auslage wirft, bin ich irgendwie froh, dass sie mit dem Messer nicht hinter dem Tresen hervorkommen kann.
Mehr amüsiert als erschrocken gehen wir zurück zum MoMo. Aber meine Fresse, was können die Leute hier unfreundlich sein! Da ist es sehr gut, dass wir vorher die freundlichen Leute vom Klärwerk und vom Biohof Gut Kerkow auf der Habenseite verbuchen konnten.
Am Heiligen See
Wir fahren hinüber nach Altkünkendorf, wo wir gestern bei der Radtour einen für uns perfekten Stellplatz gefunden haben. Am Heiligen See ist ein Parkplatz, wo man am Waldrand mitten in der Natur stehen kann. Und sowohl Wolletzsee als auch der Grumsiner Buchenwald sind in Laufweite.
Während ich mich in den Alkoven lege und ein Schönheitsschläfchen mache, geht Annette mit Elli den Heiligen See erkunden, der direkt vor der Haustür liegt. Zum Paddeln viel zu klein, aber meine Güte ist der fotogen!
Das orange Blatt
Die freundliche Frau im Infozentrum zum Grumsiner Buchenwald hat uns gestern geraten, die Tour zu wandern, die mit dem orangen Blatt gekennzeichnet ist, da wir dort schon in den urigen Teil des Waldes kämen. Die Kernzone des Weltnaturerbes ist nämlich nur auf geführten Touren zugänglich.
Praktischerweise startet die Tour ganz in der Nähe unseres Parkplatzes und führt uns erst mal auf einer schönen Kastanienallee am Ufer des Wolletzsees entlang.
Hier gibt es sogar ein paar schattige Sandbuchten – bei heißem Sommerwetter bestimmt nicht das Schlechteste! Wir wandern aber weiter bis wir in einen schon recht urigen Wald kommen. Etwas irritiert sind wir nur von der plötzlich entfernten Wanderwegmarkierung. Warum ist die denn hier durchgestrichen worden? Haben wir was verpasst? Ist da was gesperrt?
Wir können das Rätsel nicht lösen, stellen aber beruhigt fest, dass auf wundersame Weise ab dem Louisenhof die Markierung wiederzusehen ist.
Die erhoffte Einkehr im Louisenhof müssen wir leider streichen. Denn hier ist nur am Wochenende geöffnet. Dafür gibt es aber ein Sammelsurium von Schildern, die nur ein kleines bisschen zusammengeklaut wirken. Zumindest halten wir in der Uckermark einen Wegweiser zum Gare de l’Est für eher unwahrscheinlich…
Weltnaturerbe
Die deutschen Buchenwälder sind eine solche Besonderheit, dass sie zum UNESCO-Weltnaturerbe gezählt werden. Nicht so spektakulär wie der Grand Canyon, aber ähnlich einzigartig. Denn solche reine Buchenwälder gibt es nur in Europa und auch hier nur noch an ganz wenigen Stellen. Unter anderem hier in Brandenburg.
Wir sind fast schon ein wenig aufgeregt, als wir den Wald betreten. Aber nicht mal ein „Willkommen im Urwald“-Schild gibt es hier. Einfach nur Wald.
Je weiter wir in den Wald vordringen, umso besonderer wird er. Zunächst sehen wir die Sumpflandschaft am Schwarzen See und gelegentlich quer über dem Weg liegende Baumstämme.
Aber so richtig abgefahren wird das ganze, als man wirklich in einer Kathedrale von ordentlich hohen Buchen steht, die mit dem grünen Blätterdach für gedämpftes Licht sorgen. Dadurch, dass praktisch nur eine Baumsorte vorhanden ist, die auch noch einen gewissen Abstand zueinander einhält, wirkt es längst nicht so dunkel und kühl wie andere Wälder. Sondern eher erhaben und zeitlos. Man spürt richtig, dass hier eher nach Jahrzehnten und Jahrhunderten gerechnet wird, bis sich in der Landschaft etwas grundlegend verändert.
Und am Buckowsee genießen wir einen Augenblick die Stille in der Abendsonne. Man wartet förmlich darauf, dass gleich noch ein paar Biber oder Otter an einem vorbeischwimmen.
Als wir am Ende am MoMo wieder ankommen, sind wir erstaunlicherweise kaputter, als wir nach einer Drei-Stunden-Wanderung sein sollten. Aber mit einem Abendessen aus der Fischräucherei sind die Energiereserven dann schnell wieder aufgefüllt.
Als es dann Nacht wird, sind wir hier fast allein. Ein anderes Womo ist noch dazu gekommen, hat sich aber dankenswerterweise mit gebührendem Abstand hingestellt.

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moensters am 13 Sep 2020 22:38:41



Faule Schnapsdrosseln
Das wird ein rekordverdächtig kurzer Blogeintrag.
Unser ruhiger Platz am Heiligen See gefällt uns so gut, dass wir noch eine Nacht dran hängen. Insofern ist heute einfach mal Nichtstun auf der Tagesordnung.
Elli findet aber immerhin für den Vormittag eine Spielkameradin. Sie kann mit Ebony, einem schwarzen Schnauzermix, über die Wiese toben während wir mit ihrem Frauchen quatschen.
Verkostungs-Queen
Da wir entdeckt haben, dass es durch den Wald nur ein Katzensprung bis zur Grumsiner Brennerei ist, gehen wir noch einmal dort vorbei, um die hübschen Degustationsgläser mit dem Mammut drauf zu kaufen. Wir geraten mitten in eine Führung und Annette glänzt bei einer Blindverkostung damit, dass sie den Pflaumenlikör fachkundig erkennt. Muss ja keiner wissen, dass wir den vor 2 Tagen schon einmal gekostet hatten…
Grillabend
Abends packen wir mal wieder den Grill aus. Die Steaks von unserer charmanten Fleischerin wollen gegrillt werden. Da es hier sogar einen überdachten Picknicktisch gibt, kommt uns das fast schon wie ein Restaurantbesuch vor. Ein echter Tisch! Und dazu noch ein Tisch mit Aussicht. Über uns ziehen die Kraniche hinweg und am Horizont sehen wir später Scharen von Gänsen in Richtung Odertal fliegen.
Es ist eine kleine, heile Welt hier.

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moensters am 14 Sep 2020 20:00:09




Zurück aufs Wasser
Es zieht uns weiter. Aber bevor wir den schönen Platz verlassen, macht Annette noch ihre Ankündigung wahr, dass sie im Heiligen See schwimmen will. Davon gibt es aber leider keine Beweisbilder, da sie sich nicht sicher ist, ob sie es im kalten See wirklich durchzieht und keine Loserbilder einer zitternden Frau, die sich nicht traut, haben will. Im Endeffekte hat sie es natürlich doch getan und schwärmt mir vor, wie toll und erfrischend es doch gewesen sei. Für mich Morgenmuffel und Warmduscher ist das aber nichts.
Herrlich entschleunigt
Auf den Brandenburger Nebenstraßen muss man auf alles gefasst sein. Holprige Strecken, gerne auch länger mal als Kopfsteinpflaster. Aber eben auch auf wunderbare Alleen, Felder und Seen als absolute Hingucker. Es macht uns also gar nichts aus, dass wir längere Strecken maximal 30 km/h fahren können und ordentlich durchgeschaukelt werden.
Wir müssen mal wieder entsorgen. Was sich hier in der Uckermark wirklich als Herausforderung darstellt. Einer der wenigen Plätze, wo es Entsorgungsmöglichkeiten gibt, ist der Campingplatz am Parsteiner See. Und auch ansonsten sieht das, was wir lesen vielversprechend aus. Bis auf den fatalen Satz „Hunde nicht erlaubt.“ Mist. Mit einem Anruf kläre ich, dass auch unsere lieben kleinen Hunde davon betroffen sind. Aber ich bringe auch in Erfahrung, dass eine Entsorgung gegen einen Obolus von 4 € möglich sei. Das soll uns dann recht sein.
Und als wir ankommen, sorgt eine regelrechte Hunde-nein-danke-Armada an Schildern für klare Verhältnisse. Hier will man wirklich keine Hunde haben! Aber immerhin klappt die Entsorgung dann problemlos.
Campen auf dem Acker
An dieser Stelle zahlt sich dann endlich unser Landvergnügen mal wieder aus. Im Nachbarort Brodowin gibt es den Biohof Schwalbennest, wo wir auf dem Acker stehen dürfen. Also, neben dem Acker. Aber die Zufahrt ist so abenteuerlich, dass ich froh bin, dass es seit Tagen nicht geregnet hat und auch für morgen kein Regen angesagt ist. Von dieser Wiese würden wir sonst aus eigener Kraft wohl nicht mehr wegkommen!
Das Gute daran: wir haben viel Platz um uns herum. Und das noch bessere: wir können uns hier unsere Scubi-Taschen auf den Rücken schnallen und ca. 500 m bis zu einer Badestelle gehen, wo wir die Boote einsetzen können. Denn der Parsteiner See lädt absolut zum Paddeln ein!
Paddelglück
Wir haben uns erstaunlich viel Routine im Aufbauen der Kajaks bewahrt und können schon bald in See stechen. Und was soll ich sagen: Es macht immer noch Spaß! Nach dem halben Fiasko auf unserer Polder-Tour im Unteren Odertal war ich doch etwas unsicher geworden, ob das mit den Kajaks so unser Ding ist. Unfug! Die Scubis gleiten federleicht durchs Wasser und auch unsere altvertrauten Paddel sind ein wahrer Genuss im Vergleich zu den doch sehr einfachen Paddeln bei unserem Leihboot.
Wir paddeln also im Nachmittagslicht bei angenehm schwachem Wind am Uferrain entlang und genießen die Stille und Ruhe der Landschaft.
Fast das gesamte Ufer ist hier mit Schilf bewachsen. Mal eben an Land gehen ist nicht. Aber Annettes Adleraugen finden dann doch eine Bucht, wo das Schilf etwas dünner ist und wo wir tatsächlich für eine Pause an Land gehen können.
Keine Abkürzung
Mittlerweile ist es Abend geworden. Wir sollten also sehen, dass wir zurückkommen. Es gibt noch die Möglichkeit, an der Pehlitz Laake, einem kleinen teichartigen Teil des Sees fast vor unserer Haustür, an Land zu gehen. Zumindest laut Karte. Das würde uns einige Meter Schlepperei ersparen. Aber es ist dann doch alles zugewachsen und an den Schilfrändern ist es eher eine übel riechende Vogelkloake.
Durch unseren Umweg kommen wir aber noch in den Genuss, einen riesigen Kranichzug beim Kreuzen des Parsteiner Sees zu beobachten. Wir lassen uns in den Kajaks einfach treiben und schauen dem Spektakel zu. Mehr Natur geht nicht!
Als wir dann abends doch recht kaputt am MoMo ankommen, gibt es noch einen schönen Sonnenuntergang als Bonus. Und wenn ich mein Tele auf der Kamera gehabt hätte, gäbe es an dieser Stelle noch ein superkitschiges Bild von Kranichen vor einem glutroten Abendhimmel…

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moensters am 15 Sep 2020 09:45:13



Rosin, Brodowin und Chorin
Tag Eins der spätsommerlichen Hitzewelle. Auch wenn wir die 30°-Marke hier deutlich verpassen, merken wir, dass es Shorts-Wetter ist. Und wir damit planerisch mal wieder aufs falsche Pferd gesetzt haben. Alle dicken Thermohosen und gefütterten Jacken hätten wir für diesen Altweibersommer getrost zu Hause lassen können. Stattdessen wird unsere Sommerkleidung langsam knapp.
Am Rosinsee
Wir lassen das MoMo auf der Ackerwiese stehen und machen uns auf zu einer Wanderung durch das Umland des Ökodorfs Brodowin, zu dem auch der Hof Schwalbennest zählt.
Auf den ersten Metern machen wir uns noch ein bisschen Sorgen. Denn 2 Dorfhunde laufen hinter Elli her, die offensichtlich sensationell lecker riecht und folgen uns bis auf den Feldweg. Was, wenn sie einfach immer weiter mitlaufen? Aber nach 200 Metern ist ihnen wohl klar, dass da nichts läuft und sie kehren zurück ins Dorf.
Wir sind begeistert von der abwechslungsreichen Strecke, die hier als Wanderweg mit schönen Raststationen angelegt wurde. Sanft geschwungene, frisch bestellte Felder wechseln sich mit Blicken auf Seen und Wälder ab. Großartig!
Wir haben die Qual der Wahl, welchen Wanderweg wir an einer Weggabelung nehmen, treffen aber eine im Nachhinein sehr schlaue Entscheidung. Denn der Weg zum Rosinsee und zurück zum MoMo führt in weiten Teilen durch schattige Wäldchen. Und die können wir, bereits durchgeschwitzt, gut gebrauchen!
Der See ist fast schon typisch Brandenburg. Man nehme Wald, viel Schilf, ein paar tote Bäume im Wasser und jede Menge Ruhe: fertig. Und uns gefällt’s.
Der Waldweg auf dem Rückweg ist fast ebenso typisch: Uraltes Kopfsteinpflaster, dass immer wieder hervorlugt, aber schon sehr abgenudelt ist. Im Wald empfindet man das dann einmal mehr als kleine Zeitreise.
Ökodorf
Wir kommen ziemlich platt am MoMo an, da die Hitze sich beim Wandern dann doch bemerkbar macht. Ich kaufe im Schwalbennest noch 2 Stücke Rhabarberstreuselkuchen und frage, ob wir das Landvergnügen um eine Nacht erweitern können. Für 10 € sei das kein Problem, wird mir gesagt. Und wir denken: 10 €, um ohne irgendwelche Leistungen auf einem Acker zu stehen? Och nö, lass mal.
Wir fahren weiter durchs friedensbewegte Brodowin, was wirklich ausgesprochen bullerbümäßig daher kommt. Von außen: eine absolut heile Dorfwelt.
Im örtlichen Hofladen füllen wir noch mal unsere Vorräte auf und fahren wieder mal durch eine wunderschöne Buchenwaldstrecke weiter zum Kloster Chorin.
Historic Brandenburg
Da es schon später Nachmittag ist, ist auf dem großen Besucherparkplatz nicht mehr viel los. So recht mag ich mir nicht vorstellen, dass es hier wirklich mal voll sein könnte. Und kurzzeitig überlegen wir, ob wir über Nacht bleiben. Denn von 20 bis 8 Uhr ist das Parken kostenfrei und eine Tageskarte kostet 3 €. Aber da der Platz jetzt auch nicht sooo hübsch ist, werden wir nach der Besichtigung des Klosters weiterfahren.
Wir gehen die paar Schritte neben der Straße zurück zur ehemaligen gotischen Zisterzienserabtei. Als wir brav den Eintritt bezahlen, kriege ich einen Schreck – nur noch eine Stunde Zeit. Wird das reichen? Es reicht. Denn das Gelände ist nicht so groß wie anfangs noch gedacht. Und wir haben sogar doppeltes Glück. Zu dieser späten Stunde sind wir dort praktisch allein und das Sonnenuntergangslicht ist einfach herrlich zum Fotografieren.
Und nachdem wir die Anlage wieder verlassen haben, gibt es noch einen kleinen Bonus. Denn frei zugänglich finden wir an der linken Seite des Klosters noch das Pfortenhaus und hinter dem Klosterkomplex einen kleinen Friedhof mit teilweise sehr alten Gräbern. Und überhaupt hat uns das alles hier sehr an Historic Scotland erinnert. Ein altes Gemäuer, was fein, aber nicht übermäßig instand gehalten wird, sodass man immer noch das Gefühl vermittelt bekommt, dass das hier wirklich, wirklich alt ist.
Imbiss am Kanal
Als Nächstes machen wir Station am Oder-Havel-Kanal bei Eberswalde. Dort soll es Stellplätze direkt am Kanal geben. Und einen Imbiss praktisch vor der Haustür. Hört sich verlockend an, denn nach dem vollen Tag sind wir etwas platt. In der Realität sieht es nicht ganz so gut aus, wie auf den Fotos. Denn den Verkehr von der Hauptstraße kriegt man hier laut mit und auch das Umfeld am Festland ist nicht gerade das, was wir attraktiv finden.
Aber der Imbiss hat geöffnet, die Preise sind sehr zivil und die Wirtsfrau ist freundlich. Für die Mahlzeit reicht es. Auch wenn man sich inmitten von stiernackigen, durchtätowierten Leutchen in Camouflage-Kleidung nur so mittelwohl fühlt.
Kanal ohne Leute
Ein paar Kilometer weiter, unweit vom Schiffshebewerk Niederfinow, finden wir dann einen deutlich ruhigeren Platz am Kanal. Zwar führt auch hier die L291 auf der anderen Kanalseite entlang und bringt etwas Autolärm mit sich, dafür haben wir aber einen Platz direkt am Kanal für uns allein. Fast schon wieder ein bisschen unheimlich…

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moensters am 16 Sep 2020 21:07:38



Von Kanal zu Kanal
Es ist erstaunlich friedlich am Oder-Havel-Kanal. Wir stehen hier ganz allein und auch der morgendliche Berufsverkehr auf der gegenüberliegenden Landstraße stört uns nicht. Um so überraschter sind wir, als morgens um kurz vor acht(!) ein Wohnmobil hier auftaucht. Wo kommen die denn bitteschön her? Und kurioserweise bleiben sie dann für eine halbe Stunde und fahren wieder weg.
Schiffshebewerk
Da es nur wenige Kilometer von hier entfernt ist, nehmen wir einen Besuch beim Schiffshebewerk Niederfinow im Vorbeigehen mit.
Der Größe des Parkplatzes nach zu urteilen ist das hier eine der Top-Attraktionen in Brandenburg. Schließlich kriegt man hier auch 2 zum Preis von einem geboten! Denn der Neubau befindet sich direkt neben der alten, noch voll funktionstüchtigen gigantischen Anlage und soll spätestens 2025 die Funktion des alten Hebewerks übernehmen, was die Auszeichnung als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland trägt.
Wir haben Glück und sehen, wie ein Ausflugsschiff von oben nach unten befördert wird. Das Ganze ist zum Zuschauen aber nur so mittelinteressant. Man sieht im Großen und Ganzen eigentlich nur ein paar Stahlseile, die sich nach oben und unten bewegen und am Ende geht ein Schleusentor auf.
Wir haben jetzt ein Problem: Wir sehen zwar, was für ein dolles Bauwerk das ist und was da für ein Konstruktionsgeschick hinter stehen muss. Aber es interessiert uns nicht die Bohne. An der Stelle ist bei uns echt Hopfen und Malz verloren. Wir entscheiden uns als gegen eine Begehung des großen Stahlungetüms und fahren weiter. Sorry!
Unser kleines Paradies
Wir fahren ein kurzes Stückchen weiter und landen am Campingplatz Triangel, in den wir uns spontan verlieben. Es ist einer von den kleinen, schnuckeligen und angenehm unperfekten Plätzen, die mit jeder Menge Charme daher kommen. Und ein bisschen Glück haben wir auch noch: Anscheinend ist just im Moment einer der nur 8 Wohnmobilplätze frei geworden. Wir überlegen nicht wirklich lange und entscheiden uns dafür, hier gleich 2 Nächte zu verbringen.
Denn der unschlagbare Vorteil des Platzes ist die Lage unmittelbar am Finowkanal. In die eine Richtung kann man in Richtung Schiffshebewerk fahren und in die andere Richtung auf idyllischem Weg nach Eberswalde. Packen wir aufs Programm.
Zunächst aber machen wir es uns gemütlich und setzen uns in den Schatten. Denn heute kratzen die Temperaturen an den 30°. Da will man sich ja auch nicht zu sehr stressen. Und als Luxus gönnen wir uns noch die selbstgebackenen Kuchen, die im Kiosk verkauft werden. Leider gibt es kein Foto, da wir sie regelrecht eingeatmet haben. Tut uns leid!
Wasserstraße für uns allein
Am Nachmittag machen wir die Scubis startklar und paddeln in Richtung Osten los. Zunächst aber nur für 100 Meter, wo wir am anderen Ufer aussteigen und die Kajaks um die Stecher-Schleuse herumtragen müssen. Bisher waren wir mit den Booten ja nur auf Seen unterwegs und jetzt sind wir das erste Mal auf einem fließenden Gewässer. Aber das Ein- und Aussteigen gelingt ohne Slapstickeinlagen und auch das Tragen von zwei Kajaks mit einem Bordhund an der Leine ist problemlos.
Auf den folgenden 4,5 Kilometern genießen wir die Flusslandschaft, die besonders im ersten Teil bis Niederfinow City mit seiner Klappbrücke sehr abwechslungsreich ist. Immer wieder sehen wir Leute, die es sich am Ufer in einem Stuhl gemütlich gemacht haben und uns freundlich zuwinken.
Die zweite Hälfte gleicht dann eher einer Regattastrecke. Es ist ein schnurgerades Stück, mit weiten Ausblicken. Auch das Schiffshebewerk ist hier noch mal gut zu sehen. Spannender finden wir dann aber die Greifvögel, die über uns kreisen. Und um die Schwäne mit ihren Jungtieren machen wir lieber einen großen Bogen. Aber wir wirken anscheinend auch nicht wirklich bedrohlich, denn der Mutter sind wir herzlich egal.
An der Schleuse Liepe, kurz bevor man dann in den Oder-Havel-Kanal einfahren würde, machen wir am Anleger ein kurzes Päuschen, bevor es auf den Rückweg geht. Was uns wirklich fasziniert: Auf der gesamten Strecke kommt uns kein einziges Boot entgegen. Wir haben die Wasserstraße völlig für uns allein.
Natur pur
Ziemlich groggy kommen wir nach guten 2 Stunden wieder an unserem Campingplatz an. Während Annette ein Omnia-Essen mit überbackenen Zucchini zaubert, kann ich noch mal zum Kanal gehen und die Sonnenuntergangsstimmung dort genießen. Was ein schönes Fleckchen Erde das hier ist!


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moensters am 17 Sep 2020 08:46:50



Wohlfühltag
Das Wetter ist ja mal grandios! Ein Frühstück im Freien ist da schon Pflicht und wenn einem die Brötchen dann noch so nett im Körbchen überreicht werden wir hier, fühlt sich das fast wie Sonntag an.
Wir beschließen, heute mit den Rädern nach Eberswalde zu fahren, um den Ort zu erkunden. Der Radweg führt mehr oder weniger den Kanal entlang und ist größtenteils super asphaltiert. An der Qualität der Radwege dürfen sich andere Bundesländer gerne mal ein Beispiel nehmen. Lediglich die kurzen Abschnitte mit Betonplatten und Kopfsteinpflaster rufen einem in Erinnerung, dass die Straßen im Osten auch mal großflächig anders aussahen.
Geheimtipp Eberswalde
Von Eberswalde haben wir bisher nur den Imbiss am Oder-Havel-Kanal gesehen und haben so keine rechte Vorstellung, was uns erwartet. Triste Platte oder überraschend schön restaurierte Altstadt, wie in so vielen ostdeutschen Städten?
Es ist zunächst ein bisschen eine Mischung aus beidem. Aber als wir zwischen Marktplatz und der hübschen Backstein-Pfarrkirche Maria Magdalena erfahren, dass die Innstadt in den letzten Kriegstagen zu 50 % von der deutschen Luftwaffe zerstört wurde und danach zu DDR-Zeiten gar nicht mehr aufgebaut wurde, kriegen wir doch wieder großen Respekt für das, was anscheinend nach der Einheit alles wiederaufgebaut worden ist.
Zu den sicherlich neuen Einrichtungen gehört auch das Eiscafé Venezia am Markt, wo wir gegen die Hitze mit 2 Eis ankämpfen und uns in die Liegestühle lümmeln dürfen.
Danach erkunden wir weiter die Stadt. Die Pfarrkirche lässt sich leider nicht betreten, aber immerhin gibt es einen „Segen to go“. Kirche auf dem Stand der Zeit.
Aber auch der Park am Weidedamm und das Karree rundherum machen einen netten Eindruck. Da wir im Café KoBaMugasmus, was sich von den Empfehlungen her ganz toll liest, vor verschlossener Tür stehen (Corona sei Dank), trösten wir uns, indem wir im Kaffeehaus Gustav am Markt Patisserie zum Mitnehmen kaufen. Annette flippt schier aus, als sie sieht, dass es Tarte Citron und Zimtschnecken gibt. Und damit für mich auch was abfällt, gibt es noch ein Stück Stachelbeerbaiserkuchen.
Alles wird in einen festen Pappbehältnis verstaut und vorsichtig in die Packtasche gelegt. Aber als hätte ich eine Vorahnung gehabt, mache ich noch ein Erinnerungsfoto von der Auslage im Geschäft. Denn als wir am MoMo ankommen, sieht der hübsche Inhalt dank des Betonplattenabschnitts leider nur noch so aus:
Aber geschmacklich ist das trotz der jämmerlichen Optik immer noch die beste Tarte Citron, die wir außerhalb Frankreichs zu essen bekommen haben. Sehr zitronig!
Go west
Sehr praktisch, dass wir gestern die Scubis einfach liegen lassen konnten. Unsere Kajaks warten brav darauf, wieder zu Wasser gelassen zu werden.
Heute wollen wir das Kanalstück in Richtung Eberswalde bis zur nächsten Schleuse entlang paddeln. Auch heute ist es wieder ein Genuss ohne großen Verkehr. Der große Vorteil eines so kleinen Kanals für uns Anfänger: Es ist alles sehr übersichtlich. Breit genug, kaum Strömung und viel Zeit zum Üben und Trainieren von Muskelpartien, die man sonst nicht so auf dem Schirm hat…
Von den Kranichen, die man ab und zu trompeten hört, sehen wir nichts. Aber dafür ist das Gesamterlebnis vom Rauschen des Schilfs, des weiten Himmels und der Bäume, die sich im Wasser spiegeln schon ziemlich super.
Erst an der Ragöser Schleuse sieht es dann wieder nach Zivilisation aus. Heute sparen wir uns aber das Umtragen, sondern wenden die Kajaks und machen uns auf den Heimweg.
Einfach, aber lecker
Wir beschließen, dass wir heute die MoMo-Küche kaltlassen und uns etwas am Kiosk des Campingplatzes zum Abendessen kaufen. Denn die Preise dort sind echt zivil, die Portionen ordentlich und das Essen erstaunlich lecker. Eine echte Empfehlung ist der überbackene Schafskäse, der woanders sicher nicht für 3,50 €, sondern eher locker für das Doppelte über den Tresen wandern würde. Tolle Erklärung von der Servicekraft: „Wir wollen halt, dass die Leute sich das auch noch leisten können.“ Wären wir nicht vorher schon in diesen Campingplatz verliebt gewesen – spätestens jetzt aber auf jeden Fall! Ein absoluter Wohlfühlort.

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moensters am 17 Sep 2020 21:16:04



Langer Trödel
Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass es noch mal ein Frühstück draußen geben könnte, aber der Wettergott bleibt uns weiterhin mehr als gnädig. Es ist zwar deutlich abgekühlt, aber eben auch sonnig. Da kann man in den morgendlichen Sonnenstrahlen aber ganz bequem draußen sitzen!
Der Abschied von einem unserer neuen Herzensplätze fällt uns schwer. Wir haben uns hier wirklich sauwohl gefühlt und werden sich wiederkommen.
Wir machen uns in Zeitlupe auf den Rückweg und fahren Richtung Westen nach Liebenwalde. Heute steht dann tatsächlich mal über eine Stunde Fahrtzeit auf dem Navi. Und weil wir in Eberswalde noch unsere Vorräte ergänzen wird es sogar noch etwas länger. Aber bei dem Prachtwetter ist das eher Belohnung als Anstrengung. Das fahren wir locker weg.
Schnuckeliger Hafen
Für uns Paddler ist der Wohnmobilstellplatz perfekt gelegen. Direkt an der Marina gibt es 11 befestigte Wohnmobil Stellplätze mit Strom und Ver- und Entsorgung. Da kann man wahrlich nicht meckern!
Wir wollen uns brav anmelden, aber ein richtiges Büro gibt es wohl gerade coronabedingt nicht. Stattdessen wird der Hafenmeister vom Tresen des kleinen Bistros aus gerufen und erklärt uns dann unter freiem Himmel, wie das hier abläuft. Es wirkt alles sehr entspannt.
Schnelles Trödeln
Warum sind wir eigentlich nach Liebenwalde gefahren? Touristisch gibt es hier nicht allzuviel zu sehen. Aber paddelmäßig geht es für uns auch hier wieder auf den Finowkanal. Und zwar auf ein ganz besonderes Teilstück: den Langen Trödel, für den wir uns ja allein schon wegen des Namens begeistern können. Die Bezeichnung kommt wohl daher, dass hier früher auch getreidelt wurde, also Schiffe von Nutztieren (oder Menschen) gezogen wurden. Und weil das entsprechend langsam ging, wurde aus dem langen Treidel dann der lange Trödel.
Wir trödeln aber gar nicht, sondern sind mittlerweile beim Scubi-Aufbau schon alte und flotte Hasen. Und da es am Hafen sogar eine extraniedrige Einsetzstelle für Kajaks gibt, sind wir wohl in Rekordzeit auf dem Wasser.
Noch mal Kanalruhe
Hier ist sogar richtig was los! Auf den ersten Metern begegnet uns direkt ein Motorboot, das aber in sehr ziviler Geschwindigkeit an uns vorbeituckert. Und wenige Meter weiter bringt ein Opa seinem Enkel das Angeln bei. So viele Menschen sind wir auf dem Kanal ja gar nicht gewohnt!
Aber das war’s dann auch mit Betrieb. Auf den kommenden 3 Kilometern sind dann nur noch wir, ab und zu eine Ente und jede Menge Wasserläufer unterwegs.
Langweilig ist es aber trotzdem nicht. So langsam sind wir auch mit der Paddeltechnik vertrauter und können das Boot immer geschickter steuern. Auch die Muskeln haben sich jetzt wohl damit arrangiert, dass sie etwas mehr arbeiten müssen als sonst. Und so kommen wir beim Paddeln auf dem langen Trödel mit seinen Bäumen links und rechts fast schon in eine meditative Stimmung. Rechtes Paddel einstechen, durchziehen, linkes Paddel einstechen, durchziehen, rechtes Paddel… linkes Paddel… rechts… links…
Päuschen und zurück
Annette entdeckt einen Mini-Steg, an dem wir nacheinander festmachen und aussteigen können. Heute gibt es als Belohnung Teilchen von der Bäckerei Flach aus Niederfinow, die uns die letzten Tage so leckere Frühstücksbrötchen gebacken hatte. Zu schade, dass die Bäckerei nächsten Februar aus Altersgründen schließt.
Auf dem Rückweg haben wir noch ein echtes Paddelerlebnis. Ein Tier schwimmt vor uns quer über den Kanal. Diesmal ist es kein Wildschwein, da es keine sichtbaren Ohren hat. Und für einen Biber fehlen die charakteristischen Pfade, die aus dem Wasser herausführen. Dann muss das wohl ein Otter gewesen sein!
Nachdem wir wieder gut an der Marina angekommen sind, zerlegen wir die Kajaks routiniert und machen es uns für den Rest des Tages im MoMo gemütlich, da es mit den hohen Temperaturen trotz des Sonnenscheins vorbei ist. Der Nordwind bringt da doch mehr Kühle mit als wir aushalten wollen.


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TiborF am 18 Sep 2020 07:13:58

Ein richtig schöner Reisebericht - dafür Daumen hoch von mir.

Freue mich schon auf die Fortsetzung.

moensters am 18 Sep 2020 10:34:28

Danke Tibor,

Wir sind so langsam auf dem Heimweg. Aber ich denke, dass man in Meck-Pomm auch ganz schön paddeln kann - demnächst werden wir also gerne auch mal in eurer Ecke vorbeigucken. :-)

Liebe Grüße
Michael

TiborF am 18 Sep 2020 12:15:35

moensters hat geschrieben:Danke Tibor,

Wir sind so langsam auf dem Heimweg. Aber ich denke, dass man in Meck-Pomm auch ganz schön paddeln kann - demnächst werden wir also gerne auch mal in eurer Ecke vorbeigucken. :-)

Liebe Grüße
Michael



Klar gibt es tolle Ecken hier in Meck-Pom ............ und außerhalb der Saison genießen auch wir das besonders.
Jetzt in den bundesweiten Sommerferien allerdings hätte ich gerne reißaus genommen - es war einfach sehr sehr voll bei uns. Aber im CORONA-Jahr findet sich keine Normalität, das wird auch mal wieder anders.

moensters am 19 Sep 2020 10:58:35




Sternengucker
Der Herbst kommt jetzt mit großen Schritten. Unser Hafenmeister erzählt mir beim Brötchenholen morgens, dass er auf dem Weg von Zuhause hierhin unterwegs 2° auf dem Thermometer hatte. Was aber auch bedeutet: Es ist klarer Himmel und morgens scheint mal wieder die Sonne.
Schöner Stellplatz
Wir fahren ins ein paar Kilometer entfernte Oranienburg. Auf der Hinfahrt sind wir dort durchgefahren und wir erinnern uns vor allem daran, dass die Landstraße mitten durch die City direkt am Schloss vorbei verlief. Das wollen wir uns mal genauer ansehen.
Wir parken am Hafen, wo es neben dem offiziellen Womo-Stellplatz auch einen kleinen Parkplatz gibt, wo wir prima stehen können. Aber auch der Stellplatz macht richtig was her. Direkt am Hafen, mit Plätzen direkt am Hafenbecken oder in großzügigen Parzellen. Da hat sich jemand aber mal richtig Gedanken gemacht, wie so was aussehen sollte.
Und da wir auf dieser Reise auf den Geschmack gekommen sind, was die wunderschöne Brandenburger Landschaft angeht, können wir uns Oranienburg auch super als Basis für Ausflüge in die Region vorstellen. Denn es gibt ein hervorragendes Radwegenetz und Paddeln kann man vom Anleger direkt am Stellplatz auch noch. Wir kommen wieder!
Hochzeitsschloss
Wir schlendern die Havel entlang und lassen die Stadt auf uns wirken. Der Park auf dem ehemaligen LaGa-Gelände ist kostenpflichtig und für Hunde verboten. Elli guckt uns bereist sorgenvoll an. Also werfen wir nur einen Blick durch den Zaun und gehen weiter zum Schloss. Das hat eine wahrlich bewegte Vergangenheit und musste in der Vergangenheit nach den Adligen schon Lehrer, Polizisten und Soldaten als Nutzer erdulden. Heute beherbergt es zwei Museen und ist offensichtlich eine nicht ganz schlechte Hochzeitslocation.
Menu ohne Menu
Direkt daneben gibt es den Italiener L’Oasi, der mit einem Business-Lunch-Menu zu bezahlbaren Preisen wirbt. Und als Frankreich-affine Menu-Liebhaber müssen wir da natürlich zuschlagen.
Und auch, wenn das Menu jedem Franzosen die Zornesröte ins Gesicht treiben würde (das “Menu“ besteht lediglich aus Beilagensalat und Hauptgericht) sind wir sehr zufrieden. Netter Service mit viel Grazie und Prego und wirklich leckeres Essen sind da wichtiger als fehlende Vorspeise und Dessert.
Stadtbummel
Danach lassen wir uns ein bisschen treiben und bummeln an der Havel entlang und durch die Stadt. Man hat den Eindruck, dass hier was wächst. Wir sind gespannt, was sich in den kommenden Jahren hier im Berliner Umland tun wird!
Bei einem Buchhandlungsbesuch werden wir mal wieder fündig und decken uns mit schönen Büchern ein und freuen uns über die engagierte Buchhändlerin, die uns das Buch vom Angebär so begeistert empfiehlt, dass wir es auch gleich noch kaufen.
Holterdipolter
Unser Tagesziel liegt wieder ein gutes Stück weiter westlich. Sozusagen im westlichsten Zipfel von Brandenburg. Der Sternenpark Westhavelland drängt sich bei einem so klaren Himmel ja förmlich als logisches Ziel auf. Denn in dieser Region soll die Lichtverschmutzung (also das menschgemachte Kunstlicht) so gering sein, dass man noch eine weitestgehend unverstrahlte Milchstraße zu sehen bekommen soll. Und seit wir mal im Bryce Canyon gesehen haben, wie so ein unverschmutzter Nachthimmel aussehen kann, können wir diesen grandiosen Anblick nicht mehr vergessen. Denn das, was man an einem normalen mitteleuropäischen Himmel nachts sehen kann, ist nur ein müder Abklatsch dessen, was vielleicht noch unsere Urgroßeltern am Himmel sehen konnten.
Aber bevor wir dorthin kommen, müssen wir noch mal über brandenburgische Straßen. Im Guten wie im Schlechten.
Das Gute: Die schier endlosen Alleen sind ein wahrer Augenschmaus. Noch dazu bei diesem sonnigen Prachtwetter! Es sieht einfach immer wieder von Neuem grandios aus.
Das Schlechte: Mann, sind das Ruckelpisten! Mit Tempo 50 komme ich mir schon vor wie ein Draufgänger. So sehr ruckelt und wackelt alles im MoMo. Den Vogel aber schießt die L17 zwischen Königshorst und Lobeofsund ab. Eine Hälfte schlechter Asphalt, die andere Hälfte Kopfsteinpflaster. Wir machen es schließlich so englisch wie der Autofahrer vor uns und fahren einfach auf der linken Fahrbahnhälfte. Die ist dann nämlich statt unerträglich nur noch miserabel…
Am A… der Welt
Je länger wir in Richtung Gülpe fahren, wo es einen Stellplatz im Sternenpark gibt, umso einsamer wird die Landschaft. Aber nicht falsch verstehen: Wir mögen so etwas ja sehr. Wir sind fast schon verwundert, dass der Stellplatz tatsächlich am Rande eines Dorfes ist und noch dazu gut ausgestattet ist. An einer Stelle gibt es ein gepflastertes Rechteck, das wir zu unserer Grill-Terrasse machen. Denn in Oranienburg haben wir bei einem Straßenhändler noch mal leckere Grillwürste gekauft, um unseren letzten Abend in Brandenburg auch angemessen zu feiern.
Und so bereiten wir uns mit Birnencidre aus der Uckermark und Grillgut aus Oranienburg im Westhavelland auf den morgigen Abschied aus Brandenburg vor.
Sternengucker
Das Beste kommt dann, wie es sich gehört, zum Schluss. Nachdem es draußen stockduster geworden ist, gehen wir noch mal raus und bewundern die Milchstraße und die unzähligen Sterne über uns. Da kann man schon ein bisschen süchtig nach werden!

Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link


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