saxe hat geschrieben:Wo steht das?? Muß ich das wissen?
Und zur Gasprüfung gehört das auch nicht!!!!
Das Feature bauen die marktbeherrschenden Hersteller, v. a. Thetford und Dometic natürlich, seit (geschätzt) zwanzig Jahren in die Kühlschränke ein. Ist einfach eine neue Sicherheitsvorkehrung, jemand wies auf Tankstellen hin. Die Funktion gibt es freilich erst, seit das D+Signal zur Verfügung steht und es auch modern wurde, dieses zu verwenden. Die ganzen alten Recken der Electrolux-Ära kennen das natürlich nicht, die ballern hemmungslos durch. Bemerkenswerterweise gilt da Bestandsschutz, man muss weder etwas nachrüsten (was am Markt gar nicht zur Verfügung steht) noch die Kühlschränke tauschen. Der Aufwand wäre auch nicht gering.
Dass diese Funktion nicht zur G607-Prüfung gehört, ist korrekt. Sicherlich kann man sich auch darüber streiten, ob diese 15 Minuten Abschaltung jetzt wirklich das sind, worauf die Welt gewartet hat. Ich bin seit 1986 auf den Campingplätzen Europas unterwegs und kann mich nicht an Zeiten erinnern, in denen Campingkühlschränke an Tankstellen reihenweise für Verpuffung oder Explosion verantwortlich gewesen wären. Bevor aber das bashende Forengeschrei losgeht: natürlich trägt das Ganze zur Sicherheit bei. Wir waren früher auch ohne Gurte und Airbags unterwegs, da mag niemand die Sinnhaftigkeit abstreiten.
Problematisch wird diese Abschaltung allerdings, wenn man im Sommer gern in heißen Ländern unterwegs ist. Das Betreiben des Kühlschrankes mit Gas ist auch während der Fahrt eine sehr effiziente Sache. AES in allen Ehren, aber die Automatik konkurriert leider mit der physikalischen Tatsache, dass die Absorber sehr, sehr träge Systeme darstellen. Bei guter Zuleitung (z. B. in Wohnmobilen, dort gerne in 2x4mm² ausgeführt) funktioniert die 12V-Kühlung prima. Ist man aber bei 38° unterwegs, fährt am Campingplatz los und ist zwei Stunden unterwegs, ist der 12V-Schrank innen abgetaut. Bei sechs bis acht Stunden Fahrt (so meine Erfahrung) sieht das schon anders aus, da lohnt sich ggf. eine Umschaltung in den Kleinspannungsbetrieb.
Die 15 Minuten Abschaltzeit im Gasmodus können bei ungünstigen, jedoch absolut realistischen Bedingungen im Urlaub richtig Schaden anrichten. Szenario: wir fahren wieder bei 38° los und stellen den Gasbetrieb ein. Nach zwanzig, dreißig Minuten legen wir einen Tankstopp ein, wir wollen ja später auf die Autobahn. An der Tanke: erste Zwangspause für das Kühlsystem. Wir fahren weiter, und da wir noch einiges vorhaben, steuern wir den nächsten Supermarkt zum Einkauf an. Auf dem Parkplatz in der brütenden Hitze geht der Motor aus und der Kühlschrank legt erneut 15 Minuten Päuschen ein, bevor er sich zur Wiederzündung bequemt. Nach einer halben Stunde Einkauf läuft das Ding gerade ein paar Minuten und kämpft bereits gegen den abtauenden Nachverdampfer im Inneren an, da wird die Tür geöffnet und das neue Kühlgut kommt leicht angewärmt hinein. Das System wimmert bereits unhörbar um Gnade. Wir fahren weiter, der Kühlschrank bollert und versucht alles aufzuholen, was verlorenging. Das gelingt nicht ganz optimal, da Absorber während der Fahrt zwar grundsätzlich funktionieren, aber nicht so perfekt wie im Stillstand in der Waage. Als nächstes kommt dann im subjektiv definierbaren Zeitabstand eine Pinkelpause, weil Sohn von der Rückbank nölt, Mutti nach zwei Täßchen Filterkaffee zum Frühstück ebenfalls unruhig auf ihrem Beifahrersitz herumrutscht und man Angst um seine Polster bekommt. Vati fährt raus, der Kühli geht aus, es wird defäkiert, der Kühli pausiert. Abends wundert man sich dann, warum das Bier 13° hat und der Käse in der Aufschnittbox sich leicht nach oben biegt.
Im mittel- und südeuropäischen Sommer ist jede Minute Betriebsunterbrechung einfach nicht gut für's Kühlgut. Wir verbringen den Sommer seit vielen Jahren in Frankreich, und dann läuft der Absorber sechs Wochen auf Gas durch, Tag und Nacht, ohne Pause. Damit das zuverlässig gelingt, wurde die D+Ader getrennt und mit einem Blindstopfen versehen. Ergebnis: zuverlässiger 24h-Betrieb, kaltes Bier, guter Aufschnitt, Mutti glücklich, Vati auch.