Nach mehreren Jahren Pause, 20 um genau zu sein, war es Mitte Juni wieder mal Zeit, eine dreiwöchige Tour durch Südnorwegen zu machen.
Da wir dieses Land schon mehrfach mit dem Mobil besucht hatten waren wir sehr gespannt, ob und wenn ja was sich gegenüber „früher“ verändert hat.
Die Tour ging via Dänemark und per Fähre von Hirtshals nach Kristiansand und dann im Uhrzeigersinn in etwa über Südkap, Sandnes, Stavanger, Bergen, Flam, Loen, Geiranger, Trollstigen, Ornevegen, Andalsnes, Atlantikstrasse, Lillehammer, Vikersund und Oslo und anschließend mit der Fähre Larvik zurück nach Hirtshals und weiter heimwärts.
Festgestellt haben wir folgendes:
Von der „weißen Pest“, wie die Wohnmobilflut gerne bezeichnet wird, war nichts zu sehen. Die Anzahl der Mobile war durchaus überschaubar. Das mag sich in der Hauptsaison ändern, zu unserem Zeitpunkt war es harmlos.
Ähnlich verhielt es sich mit freien Plätzen. Sowohl Stell- als auch Campingplätze waren bei weitem nicht voll belegt, sogar an absoluten Highlights wie in Geiranger waren ausreichend Plätze sogar in der ersten Reihe direkt am Fjord frei.
Selbiges gilt für Freihsteh-Plätze. Allen Unkenrufen zum Trotz sind immer noch unzählige Plätze zum Freistehen vorhanden, insbesondere auf den verschiedenen Fjellen. Ja, es gibt auch Hinweisschilder mit „Parken verboten 00:00-06:00“ oder „No Overnatting“ (Übernachten verboten), aber wenn man die Augen aufmacht findet man problemlos Fleckchen zum Freistehen.
Die Ver- und Entsorgungssituation war vor Jahren schon vorbildlich in Norwegen und hat heute noch zugelegt. Gefühlt alle 20 Kilometer findet man zumindest an den wichtigeren Straßen sog. „Tömmestasjoner“ zum Ablassen und Bunkern, egal ob an Tankstellen oder Rastplätzen oder einfach so sinnvoll angelegt. In den allermeisten Fällen ist das sogar kostenlos möglich! Und das Frischwasser in Norwegen ist einfach nur köstlich!
Die Mautabwicklung ist ebenso wie die Bezahlung der Fähren elektronisch, vollautomatisiert und problemlos mittels Skyttelpass und Ferjekort-Abo möglich. Bargeldlose Bezahlung war auch früher schon weit verbreitet in Norwegen, dies hat sich zum Standard weiter entwickelt. Wir hatten einige Kronen dabei und es war eher mühsam, diese unters Volk zu bringen. Im Supermarkt sagte die freundliche Kassieren mit einem Lächeln „naja, ist ja auch Geld“ … Selbst das Softeis am Kiosk wird per Karte / Handy / Uhr bezahlt.
Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen in Norwegen ist nach wie vor bezeichnend. Ich hab meine rudimentären Norwegisch-Sprachkenntnisse hervorgekramt und ein paar Sätze in der Landessprache haben immer ein Lächeln hervorgerufen.
Die Straßen haben sich in den letzten Jahren schon sehr verändert, insbesondere der Tunnelbau scheint in Norge zur Normalität geworden zu sein. Egal ob durch Berge oder unter Seen oder Fjorde durch, Tunnel sind die große Leidenschaft. Von einfach roh aus dem Felsen gesprengt und unbeleuchtet und auch mit Kehren im Tunnel bis hin zu hochmodernen mehrspurigen Tunnel mit bunter wechselnder LED-Beleuchtung ist alles vorhanden.
Deutlich abgenommen hat die Anzahl der Single-Road-Tracks. Viele Straßen sind sehr gut ausgebaut. Auch die Auffahrt zum Dalsnibba ist mittlerweile asphaltiert, hat aber nichts von ihrem Reiz verloren. Und die herausfordernden Strecken gibt es schon noch, insbesondere die landschaftlich besonders schönen Strecken wie der „Gamle Aurlandsvegen“ oder der „ Ornevegen“ erfordern vorausschauende Fahrweise. Wenn Gegenverkehr kommt, dann hoffentlich ein Einheimischer, auch wenn’s ein Reisebus oder ein Truck ist, weil die kennen solche Situationen und ihre Fahrzeuge - was man von so manchen offensichtlichen Mietmobilfahrer nicht immer sagen konnte.
Über die landschaftliche Faszination von Norwegen brauche ich wohl nicht viele Worte zu verlieren, wer einmal dem rauen Charme und der absoluten Vielfalt dieses Landes verfallen ist wird wissen was ich meine.
Last but not least noch zwei Worte zu unserem Mobil. Unser Frankia war uns ein perfekter Begleiter auf der Tour, der Fiat lief ohne jegliche Probleme und hat sämtliche Berg- und Talfahrten anstandslos gemeistert. Die 180 PS stehen dem 4,7-Tonner gut und auch die Automatik gab keinerlei Anlass zur Sorge, weder im Automatikbetrieb noch im manuellen Modus.
Unser Fazit:
Norwegen ist immer noch ein absolutes top Reiseland, insbesondere für Mobilisten. Es ist nicht ganz günstig da oben, Restaurantbesuche können ordentlich ins Geld gehen aber Einkäufe in den gängigen Supermarktketten sind erträglich. Der Diesel war während unserer Reise deutlich günstiger als in Deutschland.
Und wer in der Vorsaison reist findet kein von Mobilen überflutetes Land, aber dafür faszinierende Natur, beeindruckende Städte und herzliche Menschen!
Wer noch weitere Fragen hat kann mich gerne kontaktieren.

