wir waren im Winter / Frühjahr dieses Jahr in Tunesien und weil wir zu manchen Themen widersprüchliche oder unklare Informationen gefunden hatten, wollte ich hier mal ein paar Tips loswerden. Ich hoffe, dass das dem einen oder anderen hilft und nicht noch mehr zur Verwirrung beiträgt. Die Regularien und Vorgehensweisen scheinen sich ja öfter mal zu ändern.
Vor der Abreise:
- Prüft, ob die internationale („grüne“) Versicherungskarte Tunesien mit abdeckt. Bei uns (RMV/Kravag) tut sie das nicht, nach kurzem Anruf bei RMV haben wir eine Deckungserweiterung für Tunesien bekommen. Die neue Karte war am nächsten Tag in der Post
- Für die Fahrzeugeinfuhr ist es empfehlenswert, vorab den Fragebogen auf der Plattform --> Link auszufüllen. Den gab es nur auf Französisch und Arabisch, aber da muss man sich durchbeißen. Wenn man das nämlich nicht macht, muss man später bei der Einreise in einem abgeschotteten WiFi des tunesischen Zolls denselben Fragebogen auf Französisch oder Arabisch ausfüllen, ohne Zugriff auf Google Translate o.ä.. Als Ergebnis bekommt man einen QR-Code aufs Handy oder zum Ausdrucken, den man später im Zoll braucht
Einreise:
- Es hat niemanden interessiert, ob wir ein Rückreiseticket haben
- Bei der Passkontrolle und bei mehreren weiteren Stationen wurden wir allerdings nach einer Adresse gefragt. Wir hatten vorher schon auf der Fähre die Anschrift eines Campingplatzes in Nabeul auf einen Zettel geschrieben und den dann immer hingehalten. Das hat sich als sehr praktisch erwiesen. Zu dem Platz gefahren sind wir nicht ...
- Wenn man - wie wir - den QR-Code für die Fahrzeugeinfuhr nicht hat, muss man bei der Anmeldung am Zoll zu einem Büro namens "Service Informatique". Dort gab es ein WiFi vom Zoll (Name vergessen aber eindeutig dem tunesischen Zoll zugeordnet), und in diesem WiFi kam man über die Adresse 10.10.10.10 wiederum an den Fragebogen auf Französisch oder Arabisch
- Am Ende bekommt man einen weißen, grün bedruckten Zettel (Zolleinfuhrdokument). Den sollte man sicher verwahren: man braucht ihn, wenn man sein Auto wieder mit nach Hause nehmen möchte
- Das Fahrzeug wird bei einer Person in den Reisepass gestempelt. Relevant ist das, wenn eine Person ggf. das Land vorzeitig verlassen will. Die Person, bei der das Fahrzeug im Reisepass eingestempelt ist, kann das Land nicht so einfach ohne das Fahrzeug wieder verlassen
- Ob man ewig im Land bleiben muss, wenn man den grün bedruckten Zettel verloren hat, weil man das Fahrzeug ja nicht ausführen darf aber auch nicht ohne das Land verlassen darf, wissen wir nicht. Vermutlich gibt es dafür eine Lösung, ausprobieren wollten wir das nicht
Geld:
- Dinar darf man nicht ausführen, und man kann nur soviel Dinar zurücktauschen in Euro, wie man bei einer Bank oder Wechselstube bekommen hat. Belege von Geldautomaten zählen nicht. Es empfiehlt sich also, eine angemessene Summe als Bargeld zu tauschen. Was passiert, wenn man tatsächlich mehr Dinar hat als ursprünglich eingetauscht, weiß ich nicht. Bei uns hat das gepasst
- Die TSB (Tunisian Saudi Bank) hat als einzige keine Gebühren bei der Benutzung des Geldautomaten genommen. Dafür spucken deren Automaten immer nur 300 Dinar auf einmal aus. Bei anderen Banken bekamen wir bis zu 800 Dinar, aber mit 12 Dinar Gebühr. Die TSB gibt es leider recht selten, vor allem im Großraum Tunis, in Sfax, Kairouan und auf Djerba
Telekommunikation:
- Ausländische Telefone können in Tunesien zunächst nur 30 Tage lang mit tunesischen SIM-Karten für Telefon und SMS benutzt werden. Innerhalb der Zeit sollte man sie bei sajalni.tn anmelden, damit sie weiter benutzt werden können. Das dauert so ca. drei Tage und die Webseite gibt es immerhin auf Englisch, und ist einfach und verständlich. Man muss die IMEI des Telefons dazu wissen (je nach Hersteller irgendwo in den Einstellungen versteckt, steht aber auch auf der Verpackung, wenn man die noch hat).
- Ist das Telefon gesperrt, hat aber zwei SIM-Karten-Slots, dann kann man den anderen Slot benutzen. Für die nächsten 30 Tage
- Die Sperre betrifft nur SIM-Karten, mit denen man telefonieren oder SMS verschicken kann. Reine Daten-SMS kann man offenbar uneingeschränkt nutzen und dann per Signal, SIP oder dem Unaussprechlichen telefonieren
- Wir hatten auf unserer Reise für verschiedene Geräte SIM-Karten von Oredoo, Orange und Tunisie Telecom benutzt. Unser subjektiver Eindruck war, dass Tunisie Telecom vor allem in der Wüste an deutlich mehr Orten verfügbar war. Die Verfügbarkeit der anderen beiden war vergleichbar, bei Orange gab es aber nur einfaches LTE, bei den anderen beidem zum selben Preis "4G+"
- Wir hatten bedauerlicherweise ein SIP-Telefonat mit einer tunesischen Notrufnummer (197 - Polizei) führen müssen und dabei festgestellt, dass die eine tunesische Nummer sehen möchten. Dafür reicht eine Daten-SIM nicht
Lebensmittel:
- Auch wenn unzählige Reiseblogs von den offenen Märkten schwärmen, haben wir fast nur vergammeltes, altes Obst und Gemüse gesehen, im Supermarkt eigentlich immer, bei Gemüsehändlern und auf dem Markt hat man Chancen mit langer Suche etwas frisches zu finden. Dafür ist es sehr billig. Manchmal gibt es EU-Importware in guter Qualität aber zu exorbitanten Preisen
- Die Auswahl an Milchprodukten ist eingeschränkt. Frischmilch und Butter sind z.B. im Supermarkt nicht zu bekommen (Ausnahme war der Monoprix in Karthago, wo es Butter gab), vieles ist aus Milchpulver hergestellt
- Im Tiefkühlregal beschränkte sich die Gemüseauswahl meist auf Bohnen, Erbsen, Mais und Macedonia-Mischung
- Brot ist normalerweise fünf Minuten nach dem backen schon altbacken. Dafür kostet es fast nichts
Ausreise:
- Es gibt in La Goulette an allen Stationen "Agenten", die gegen Geld die Formalitäten für einen übernehmen möchten. Meiner Erfahrung nach haben diese Agenten sich alle klar als solche identifiziert, also nicht so getan als seien sie Offizielle. Sie waren auch nicht aufdringlich
- Man muss zuerst beim Büro der Fährgesellschaft einchecken. Dann fährt man zu einem Wartebereich seitlich von Tor 13, wo es Toiletten, Verkaufsstände etc. gibt. Das Tor öffnet erst eine gewisse Zeit vor Abfahrt einer Fähre. Erst hinter dem Tor ist man im Hafen
- Hinter dem Hafentor geht es durch die Passkontrolle zur Ausreise und durch den Zoll, zunächst zur Ausfuhr des Fahrzeugs. Hier ist zu beachten, dass ein Zollbeamter das Fahrzeug anschaut und dann das Importdokument (den Zettel mit der grünen Schrift) abzeichnet. Mit dem abgezeichneten Dokument geht man in ein Büro, in dem das Auto aus dem Pass ausgestempelt wird. Das Importdokument wird dort einbehalten! Dieser Schritt ist nicht klar kommuniziert und im Wartebereich beim Einschiffen waren später einige, die zurückgeschickt wurden, weil sie das Importdokument noch in der Hand hatten und das Fahrzeug nicht ausgestempelt war. Also: wenn der Ausfuhrstempel im Pass fehlt, seid ihr beim Zoll nicht fertig!
- Im Hafen kreuzen sich die Wege zu verschiedenen Schiffen und mit der Route für Nutzfahrzeug-Auflieger. Immer wieder sind Leute in die falsche Schlange gefahren und wurden dann zurückgeschickt. Also aufpassen und nicht immer automatisch den anderen hinterherfahren
- Beim Warten und Einschiffen gibt es nochmal mehrere Kontrollen der Dokumente, sowie eine gründliche Untersuchung des Fahrzeugs auf blinde Passagiere

