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Reisebericht: 4 Wochen in Südpolen unterwegs 1, 2


Ausderasche am 21 Okt 2007 19:54:24

Vor unserer Reise hatte ich hier und auch sonst im Internet viel gesucht und ausser Tipsels und BPHenneks Berichte über Südpolen nicht viel gefunden. Mittlerweile hat auch mabeniteam einen superschönen Bericht eingestellt. Deshalb werde ich hier auf Orte, die er bereits beschrieben hat, nur ergänzend eingehen. Reiseliteratur zur Vorbereitung waren: 1.) Lonely Planet: POLEN, 2.) Reise Know-How: Polens Süden, 3.) Reise-know How: Kulturschock: Polen, 4.) HB-Bildatlas: Polen, 5.) Izabella Gawin: Hohe Tatra, 6.)Michael Moll: Mobil Reisen: Polen und die 7.) Rother Wanderführer: Riesengebirge und Hohe Tatra. 1+2+3 sind im Nachhinein betrachtet eine gute Symbiose, 4 diente dazu, optisch einen Eindruck im Vorfeld zu bekommen, 5.)+6.) haben mich nicht überzeugt. Für 7.) war das Wetter nicht entsprechend.

„Natürlich“ sind wir mit den entsprechenden Vorurteilen gefahren: Armut, vielleicht angeschmudelt oder alt und verfallen, pass gut auf Dein Eigentum auf, Polen sind nicht gut auf Deutsche zu sprechen (Dazu muß ich sagen, wir waren schon 1992 mit dem PKW in Ostpreußen unterwegs und hatten dort etwas „gemischte“ Erfahrungen zwischen tätlichem Angriff bis überbordender Unterstützung gemacht und damals wirklich existierende Güterknappheit gesehen ).

Und jetzt muß ich als erstes Nestbeschmutzung betreiben: Köln (und andere deutsche Städte) sind Dreckslöcher gegen Krakau oder Breslau. Da waren die Strassen und Plätze pico bello sauber, wie geleckt, nichts mit MÄCKES Tüten oder Ähnlichem…nur von den Droschkenkutschern und Touristenrikschas ermordete Tauben…aber auch die wurden beseitigt. Außerdem haben wir uns SEHR SICHER gefühlt, denn dort fuhren permanent Polizeiwagen Streife- also SICHERHEIT war präsent. Die Dörfer alle sehr gepflegt, mit tollen Blumengärten – manche Häuser alt, teilweise beschädigt…aber auch hier, vor den Häusern, die Bürgersteige, alles sauberst. (Unsere Forumskollegen aus den „neuen“ Bundesländern mögen es mir nachsehen…gleich kommt noch eine zweite Bemerkung…In Polen kann man sehen, wie der deutsche Osten ohne die Transfermilliarden aussehen würde – Manches hat mich an die Zeit nach der Wende erinnert: Auch in Polen gibt es mit EG oder anderer Hilfe gebaute Bürgersteige zwischen den Dörfern oder Parkplätze, die dann gleich wieder verwildern)

Strassenverhältnisse sind sehr unterschiedlich, meistens stark ausgefahrene (Spurrillen) Straßen und folglich Aufschaukeln des Fahrzeuges selbst bei Geschwindigkeiten um 50km/h. Die Beschilderung nicht überzeugend, daher ist ein Navi mit polnischem Kartenmaterial SEHR hilfreich. Kartenmaterial: Copernicus POLSKA ATLAS SAMOCHODOWY 1:250.000.

Einkaufen: Es gibt alles in den Supermärkten (vor allem französische Ketten)– Essen gehen: Super und preiswert (allerdings viel Kraut und Kohl (warum nennen die Engländer uns eigentlich Krauts???) und Rote Beete). Nur: manchmal gibt es ausschließlich POLNISCH-sprachige Speisekarten. Und dann braucht man Übersetzungshilfe. (kleiner Polyglott z.B.), da man sich oft die Beilagen individuell zusammenstellen kann. – Stellplätze: CPs und 24 Stundenparkplätze (bewacht, oft umzäunt ), aber es geht auch frei. Agritourismus: Gibt es viele, aber sind nicht immer WOMO geeignet. Richtige SPs.: Keine gesehen. Die Polen selbst: sehr freundlich, aufgeschlossen, hilfsbereit…egal, wo wir waren, sofort ins Gespräch gekommen. Die beste Szene war ein Mütterchen im Supermarkt im Kassenstau. Obwohl klar war, dass ich kein Wort polnisch verstand (ich habe immer auf deutsch geantwortet), hat sie mir auf polnisch eine halbe Stunde lang erklärt, dass das mit den elektronischen Kassen alles Mist sei!!! Oder eine Panne: Da wurde solange telefoniert, bis einer kam, der fliesend deutsch sprach und unterstützen konnte.

Negative Erfahrungen:

Mit Polen keine – über einen Hitlergruß im Vorbeifahren kann ich nur Schmunzeln
Reisegruppen – und das ist die zweite Bemerkung – aus dem deutschen Osten:
- Auf der Schneekoppe wird die Küchenmamsel angefahren: Was ist das für ein Fraß hier, so eine Schweinerei – Selbstbedienung: Jeder konnte sehen, was es zu essen gab, und es hat geschmeckt
- In Bad Warmbrunn (Cieplice) im vollbesetzten Cafe, ziehen Bündel mit 100 Zloty-Scheinen „Wenn sie (die Bedienung) nicht sofort kommt, schmeiss ich das dahin und wir gehen – wir haben ja genug davon“ – 60 Sekunden, nach dem „Zahlen“ Schrei.
- Mit riesigem Bierbauch in Badehose und T-Shirt durch Klodzko (Glatz), einschließlich Kirchenbesuch
- Ein Pole zu uns in Breslau in der Strassenbahn: „Sie sind aus Westdeutschland! Das merkt, hört und sieht man am Benehmen!“ Ups! Zur Vermeidung von Fehlinterpretationen: Als er ausstieg, blieb er stehen und winkte uns hinterher, bis die Strassenbahn um die Ecke bog.

1.) Tag – Görlitz – Grenzüberschreitung bei Radomierzyce südlich von Görlitz – weiter Richtung Süden – die ersten polnischen Autofahrer, die entgegenkommen, winken zur Begrüßung, als sie unsere großen WOMOS sehen, aus den Autos – wo sind wir hier eigentlich, das ist Polen? – vorbei am tiefsten Loch Polens, dem Tagebau bei Bogatynia, dann nach Friedland in Tschechien – (Die Grenzer besichtigen erst mal ausgiebig Duschen und Toiletten und das WOMO und erzählen strahlend ihren Kollegen, was sie gesehen haben – wahrscheinlich waren wir so eine Art Caravan Salon Düsseldorf für sie) das Schloss Wallensteins – nach Hejnice – ein Wallfahrtsort mit barocker Kirche – weiter durch das Isergebirge – Inlineskater laufen den Berg hinauf und rasen dann die ganze Strasse wieder hinunter - nach Desna, dann über die Nationalstrasse 14 nach Harrachov – zum ersten mal in meinem Leben finde ich einen Fabrikverkauf für Bier bei der Brauerei in Harrachov, der Samstag abends geöffnet hat. Da wird sofort ordentlich Vorrat eingekauft, dunkles Starkbier in 3ltr. Plastikflaschen – echt lecker. Beim Grenzübergang Harrachov werden wir nur durchgewunken, dann kommen einige große Parkplätze an der Passhöhe – nein, Freistehen in Polen, das machen wir nicht – viel zu gefährlich. Nächster Ort ist Szklarska Poreba – einst: Schreiberhau – Sind wir in Mittenwald oder Garmisch? Aberhunderte von Touristen schlendern auf Bürgersteigen und Strassen. Alles voller Sportgeschäfte und Touristenbedarf. Da der Stellplatz nicht mehr existieren soll und alles sehr bergig ist, fahren wir weiter auf den CP nach Cieplice (Bad Warmbrunn).

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Ausderasche am 21 Okt 2007 19:58:00

2.) Tag: Fahrradtour nach Jelenia Gora (Hirschberg) – Erste Überraschung ist aber Cieplice – wunderschön herausgeputztes Örtchen – dann am Ufer der Kammiena entlang nach Hirschberg – auch hier nur große Augen über wunderschöne Bürgerhäuser mit Passagen, eine riesige Kirche und verfallene alte, deutsche Grabstätten. Mittagessen in einem der netten Restaurants. Auf der Rückfahrt halten wir wieder in Cieplice an und spazieren durch den Kurpark – da ist Party angesagt – klassische Musik eines Streichorchestors – ein bischen weiter das norwegische Haus – alle sitzen auf Bänken oder liegen im Gras und genießen 1,2,3 ltr. köstliches Fassbier in Gläsern, nicht Pappbechern. Wir auch. Wunderbar: Warka Strong! Abends auf dem CP wird das Pizzataxi bemüht, weil wir sooo müde sind. Dem Beispiel folgt der ganze CP. Das war für den Pizzaladen das Geschäft seines Lebens.

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Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: --->Link

Ausderasche am 21 Okt 2007 20:05:03

3.) Tag: mit dem Fahrrad nach Sobieszow (Hermsdorf) – Fahrräder auf dem 24 Stundenparkplatz abgestellt (~1€ pF) – und dann zu Fuß hinein in das Riesengebirge – erst noch 1€ Eintrittsgebühr pP abgedrückt (Das ist vollkommen in Ordnung, toll gepflegte Wanderwege, tolle Wegauszeichnungen und Karten unterwegs, wer sich verläuft, ist selber schuld – und gleichzeitig Arbeitsbeschaffung, vom Parkwächter bis zum Ranger) zur Burg Kynast (Zamek Chojnik). Unheimlich viel Betrieb, obwohl nur zu Fuß zu erreichen, tolle Aussicht über das Hirschberger Vorland – wer will kann auch Armbrustschießen. Wir wandern weiter nach Jagniatkow (Agnetendorf) – plötzlich sind wir ganz allein im Wald, nur ein Pilzsammler. Jagniatkow – was ist das? Wohnort des Nobelpreisträgers für Literatur: Gerhart Hauptmann! Die Weber! Dummerweise liegt sein Haus ganz am anderen Ende des Ortes oben am Berg! Und weil Montag ist: Geschlossen! Dann tippeln wir noch 9 km zurück nach Sobieszow und mit dem Fahrrad nach Cieplice. Platt!

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Ausderasche am 21 Okt 2007 20:13:41

4.) Tag: Wir verlassen Cieplice und suchen die legendären Schlösser im Hirschberger Tal. Keine Ahnung, wo die sind und was uns erwartet. Nur, wo Lomnitz (Lomnice) ist, weiß ich. Die Tour geht etwas kurvig (nach Navi, mit Karte hätte das nie funktioniert) an alten Fischteichen vorbei nach Staniszow – ah…ein Schloss…noch trauen wir uns nicht aus den Mobilen….im nächsten Dorf..eine riesige Schlossruine im Wiederaufbau ....mit tollem Teich davor…wir trauen uns nicht aus den Mobilen…. nach etlichen Haken und Kurven kommen wir nach Schloss Lomnitz….da gibt es eine Ausstellung über die Schlösser und das Leben im Hirschberger Tal…und wieder große Augen….Hier gibt es die größte Schloßdichte (Schlösser/km²) der Welt…eigentlich ein Landschaftspark, wo Schlosspark in Schlosspark übergeht…alles Relikte der preußischen Adeligen (König (Kaiser) und Fürsten)…ich schreibe mir die Namen der Dörfer mit Schlössern auf…aber vorher wird noch im Witwenhaus in der Sonne gespeist und durch den Schlosspark spaziert…und tatsächlich..jenseits des Flusses sieht man schon das nächste Schloss (riesengroß) ganz in WEISS, gerade in Renovierung. (Lomnitz Witwenhaus z.B. und auch andere Schlösser wurden privat wiederhergestellt, aber es gibt auch die Geschichte des BRD Kredits an Polen aus den 70er Jahren, der in den 90ern nicht zurückbezahlt werden musste und stattdessen in ausgewählte polnisch-deutsche Projekte fließt.) Der Rest des Tages ist eine Schlösser und Ruinenorgie – fahrerisch nicht immer ganz einfach durch das Bobertal, aber LANDSCHAFT!…nicht alle Schlösser haben wir gefunden. Und eines gelernt: Diese wirtschaftliche Differenz einst zwischen deutschem Hochadel einerseits und Armut der Weber andererseits auf geographisch engstem Raum – das sind vielleicht 10km Unterschied- ist unfassbar! Was muß das für eine Ignoranz, Hochmut, Desinteresse und Armut, Hunger, Leiden, Verzweiflung, Wut gewesen sein. Das konnte Schule nie vermitteln und hat sie nie versucht. Hier kapiert man das! Abends kommen wir nach Karpacz (Krummhübel). Wir verpassen den Campingplatz, trauen uns die Strasse zum Stellplatz (obwohl Busparkplatz) nicht hinunter (da stehen PKWs in der Zufahrt kreuz und quer drin), übernachten schließlich auf dem Parkplatz an der Wangkirche (30Zlts/24Std). Und machen noch die Besichtigung der WANG-Kirche.

Ausderasche am 21 Okt 2007 20:24:20

5.) Tag; Heute fällt die Schneekoppe. Wir wählen den Weg genau anders herum wie alle Reiseführer. Wir gehen von der Wangkirche aus (nach Bezahlen des Reisengebirgspark-Obulus). Und das ist gut so! Weil: Der Weg ist nicht so steil und gut befestigt (keine abgefahrene Skipiste). Wir wechseln allerdings zum Nebenweg über die kleine Teichbaude und dann zur großen Teichbaude und anschließend Anstieg zum Kamm des Riesengebirges. Ein Traum von Landschaft. Noch einmal Pause in der Baude vor dem letzen Anstieg. Über den Schlesierweg rundherum hinauf zum Gipfel. Wie heißt der Brunnen in Rom? Fontana di Trevi? Ja, so voll ist es hier..da kommt die Seilbahn auf tschechischer Seite fast bis obenhin, auf polnischer Seite muß man wenigstens von der Seilbahn noch eine Stunde laufen. Es ziehen blitzschnell Wolken auf.. Nichts ist es mit toller Aussicht. Hinunter nach Karpacz zur Talstation der Seilbahn.. Wir sind jetzt 8 Std. unterwegs, müde und hungrig. Zwischen Talstation und Sprungschanze gibt es noch einen 24 Std. Parkplatz auf einem riesigen ebenen Wiesengelände vor einem Hotel, das im Sommer stillgelegt ist. Ideal für WOMOs. Wir haben noch einen „Geheimtip“ zum Essen:.U Ducha Gor, Olimpijska 6. Da schleppen wir uns hin. Ich kann das Essen nicht beschreiben. Danach geht nichts mehr. Mit dem Taxi zurück zu den WOMOs von ganz unten im Ort bis ganz oben: 5€ für 4 Personen, 1,50€ extra für den Hund. Wir sind unfähig, darüber noch zu diskutieren. Gute Nacht!

Ausderasche am 21 Okt 2007 20:27:21

Der Geheimtip:

Gast am 21 Okt 2007 20:42:22

Weiter so, liest sich sehr gut ! :D und wunderbare Fotos !
wir waren mal in Harashov und wollen dort mal wieder hin.... wir haben damal mit 5 Personen auch nur 4,50 DM bezahlt ich wollte es kaum glauben, alle waren satt inkl. Bier !

sind Euch denn auch die Bordsteinschwalben aufgefallen ? hmmm räusper :oops:
LG Marry

Ausderasche am 21 Okt 2007 20:42:28

6.) Tag: Durch Wälder, Felder und Hügel geht es über Kowary nach Chlemsko Slaskie:12 Aposteln. Trotz viel Wodka zählen wir nur 11 Holzhäuser – einer ist wahrscheinlich abgehauen (Judas), es sind ehemalige Weberhäuser und heute wird darin zum Teil auch noch händisch gewebt. Isoliert wie Chlemsko Slaskie liegt, sieht es (leider) auch aus. Weiter geht es nach Kreszow (Grüssau) – Unesco Weltkulturerbe – „“Ein Bollwerk des erfüllten Traums gegen die Nüchternheit des Erwachens“ (Roswitha Shwieb)…ÄÄhhhh??.. Eher viel Geld auf Seiten der Kath. Kirche, weil JP.II war auch schon da (wie fast überall). Nächste Station soll Ksiaz sein. Schloss Fürstenstein. Leider leitet uns das Navi über Kamiena Gora, Bolkow, Swiebodzice einen Riesenumweg – und unsere Abkürzungsversuche (lt. Karte) scheitern im Nirwana. Es ist 17:00 Uhr – Feierabend – außerdem dürfen wir auf dem Parkplatz mit dem WOMO nicht halten. Schade …keine Fotos. Weiter nach Swidnica (Schweidnitz). Die berühmte, große Friedenskirche (schlecht ausgeschildert) umkreisen wir 2-mal, bevor wir sie hinter Mauern und Bäumen sehen. Auch verschlossen. Kreisau (Kreisauer Kreis) schenken wir uns. Die nächsten 2 Tage gehören der Erholung in

Ausderasche am 21 Okt 2007 20:53:01

@marry_c

Preise haben sich erheblich geändert, aber immer noch preiswert.

Schwalben bauen ihre Nester wohl im Moment gerade woanders.
(oder sie waren gerade im Wald aktiv)


Frank

Tipsel am 21 Okt 2007 20:58:00

Wir haben die Kirche auch nicht gefunden, obwohl wir den Schildern nachgefahren sind und immer wieder an der gleichen Stelle vorbeikamen. Aber zu diesem Zeitpunkt waren wir wegen der miesen Landstraße bis dorthin schon dermaßen genervt, dass wir aufgegeben haben.

Nochmal zurück nach Cieplice: Seid ihr mal außerhalb des Campingplatzes spazieren gegangen? Oder zu Fuß ins Badeörtchen? Dort waren die Häuser weder mit Blumenschmuck, noch war irgendetwas gepflegt. Lediglich die Innenstadt ist restauriert. Auch die Wohnblocks gegenüber vom CP sind noch im Urzustand und die Fußwege und Anlagen dazwischen bestehen aus festgetretener Erde. Dort wurde seit der Erbauung vor zig Jahren nichts mehr dran getan. Wir empfanden es dermaßen deprimierend, dass es uns peinlich gewesen wäre, sowas zu fotografieren. Und diese Wohnstadt war nicht die einzige in solchem Zustand.

Ansonsten muss ich dir Recht geben, es war nirgends vermüllt oder dreckig, lediglich vernachlässigt.

Ausderasche am 21 Okt 2007 21:03:45

Friedenskirche
(Habe gerade Probleme meine Fotos zu laden - System meckert an, ich verwende suspekte Zeichenfolgen :D )

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Ausderasche am 21 Okt 2007 21:05:17

7.) 8.) Tag: Uciechow, einem kleinen Campingplatz (Agritourismus) an einem Minisee unter polnisch/holländischer Leitung (ja die Liebe hat goldene Flügel). Sehr nett, sehr ruhig, Gänse, Schafe, Katzen bringen uns abends zum Wohnmobil. Gutes Essen und Bier. 40 Zlt p.Tag

Tipsel am 21 Okt 2007 21:06:34

Boah, ist die schön. Schade, dass wir sie nicht gesehen haben.

Ausderasche am 21 Okt 2007 21:08:53

Campingplatz Dzierzoniow Uciechow

Ausderasche am 21 Okt 2007 21:22:23

8.) Tag: Jetzt geht es ins Eulengebirge zum Projekt Riese. Nie gehört. Das Navi auch nicht. Aber nach einer Fahrt über den Sokola Pass, etwas Mut bei einer 3,30 Eisenbahnbrücke erreichen wir Sierpnice (Die meisten Touris fahren nach Walim), aber S. soll der „interessantere“ Teil sein. Es geht um riesige Höhlenanlagen, die die Nazis durch KZ-Häftlinge haben bauen lassen. Hier wurde 1944/45 mehr Beton verbaut als für alle zivilen Schutzmaßnahmen im Deutschen Reich. Es gibt Führungen (leider nur in Polnisch). Nach dem Urlaub habe ich noch recherchiert. Es gibt kaum Dokumente über „Riese“, d.h. Sinn und Zweck sind nicht klar, auch keine Baupläne – vielleicht Dokumente in russischem Besitz? Vermutlich ein geplantes Führerhauptquartier. Gerüchte über: Hier ist das Bernsteinzimmer. Gefunden habe ich eine ausführliche Examensarbeit eines Dortmunder (?) Refrendars (heute Studienrat in Bergheim b. Köln): Arbeit der KZ-Häftlinge unter grausamsten Bedingungen. Beispiel: 500 junge, jüdische Gefangene werden abgelehnt, da zur Arbeit nicht geeignet , und sofort nach Auschwitz weiter transportiert. Gleiches passiert auch mit Kranken und Verletzten. Aufarbeitung vor Ort in einem Dokumentationszentrum, was hier eigentlich war und stattgefunden hat: Bisher keine. Wir sind die einzigen deutschen Besucher in der Führung.
Über Wambierzyce (Albendorf), einem Walfahrtsort, der im 19. Jahrhundert jährlich 200-250 T. Pilger pro Jahr hatte, fahren wir nach Polania Zdroj – Bad Altheide (beschrieben bei: mabeniteam) und Duszniki-Zdroj. Noch kurz zu Albendorf : Große Barockkirche am Berg und rund um das Dorf 1xx lebensgroße Heiligenfiguren – Ensembles in der Landschaft verteilt (u.a. ein kompletter Kalvarienberg). Da wurde gesungen und gebetet mit Fahnen und Musik und Megafon….und geheiratet im ½ Stunden Takt. So viele Ave Marias von Schubert per Lautsprecher habe ich noch nie gehört. (Die Dorfbewohner müssen Schubert hassen). In Duszniki Zdroj (Bad Reinerz) finden wir einen 24 Std. Parkplatz, umzäunt, immer bewacht, direkt am Kurpark, direkt am Stadtzentrum, direkt neben einer Gaststätte (15 Zloty (4€) pro Nacht. Von hier aus unternehmen wir Spritztouren die nächsten 2 Tage….

Ausderasche am 21 Okt 2007 21:23:08

Albendorf

Poldi am 21 Okt 2007 21:27:34

Hallo Ausderasche,

das ist ein sehr anschaulicher und interessanter Bericht, der wirklich Lust auf einen Besuch in Polen macht, vielen Dank.

Poldi (Hella)

Ausderasche am 21 Okt 2007 21:33:31

Duszniki-Zdroj - Bad Reinerz - hier hatte: Frederik Chopin angeblich seinen ersten öffentlichen Auftritt in dem kleinen Gebäude im Hintergrund - sehr schöne und gepflegte Parkanlagen im klassizistischen Stil - Außerdem gibt es ein Museum zur Papieherstellung in einer alten Papierfabrik

Ausderasche am 21 Okt 2007 22:05:38

9.) + 10.) Tag : Kudowa Zdroj – Bad Kudowa (sehr gut beschrieben bei: mabeniteam – in Bad Kudowa gibt es einen CP, der ist aber für WOMOs eigentlich nicht anfahrbar – enge Tannen am Eingang – ist, liegt hinter einem hässlichen Marktgelände, nahe an der Nationalstrasse nach Tschechien - der 24 Std. Parkplatz wiederum ist sehr schräg ) und Heuscheuer Gebirge. Hier gibt es zwei SEHR SEHENSWERTE, aber auch sehr unterschiedliche Wandergebiete,. Szczeliniec Wielki (SW) und Gory Stolowe. (GS). Während SW mehr ein Labyrinth ist, ist GW ein auf und ab über Tafelberge und an riesigen Sandsteinfiguren vorbei. Unser überall gewesener Goethe war 1790 auch schon da, wie eine 2002 wieder aufgehängte Tafel zeigt (die zwischen durch mal mit Hammer und Meissel für ein paar Jahrzehnte zertrümmert wurde). Laßt bei SW Euer WOMOS, wenn größer als 7m unten an der Einfahrt auf der Parkplatzwiese stehen. Die 5 km Straße hinauf zum Eingang des Nationalparks SW ist in sehr schlechtem Zustand und eine Qual (nur in Kolonne befahrbar, zumindest als wir da waren, Einfahrt wird terminiert und gesteuert (wenn eine Fahrzeugkolonne raus ist, darf die nächste rein)). Oben ist nur SEHR WENIG, ENGER Parkraum. Ein paar Fotos aus Bad Kudowa und dem Heuscheuergebirge….

Ausderasche am 21 Okt 2007 22:06:53

Heuscheuer Gebirge

Ausderasche am 21 Okt 2007 22:10:32

Heuscher Gebirge - Labyrinth

Bericht wird fortgesetzt ..wenn Ihr es wollt ????

Gast am 21 Okt 2007 22:15:37

Ja ja, sehr interessant. Und tolle Bilder hast Du gemacht, Kompliment!!
Es soll ja auch sehr schöne Schlösser mit wunderschönen Schloßgärten in Polen geben, hab mir schon des öfteren solche Berichte im TV angeschaut.
Mich interessiert das jetzt schon ...

Ausderasche am 21 Okt 2007 22:50:07

11.) Tag: Klodzko (Glatz) – liegt in einem riesigen Talkessel von 6 (?) Gebirgszügen umgeben und ist zu Zeiten, als die Österreicher es nicht mit den Deutschen (Preussen) konnten und umgekehrt – das ist ja heute gaaaanz anders - wohl strategisch sehr wichtig gewesen, da hier die Wege von Süden nach Norden und von Osten nach Westen blockiert werden konnten. Folge ist eine riesige PREUSSISCHE Festung. Wer sich viel in Frankreich herumgetrieben hat, kennt die Festungswerke des Herrn Vauban, aber das wir das auch konnten, wusste ich nicht. Ich kann mich nicht entsinnen (ausser Ehrenbreitstein vielleicht), so etwas in Deutschland gesehen zu haben. Die Festung ist komplett erhalten, leider teilweise zugewuchert, aber teilweise auch renoviert. Übrigens gibt es noch mehr solche Festungen z.B. in Nysa, aber nicht zugänglich…es fehlt hier einfach das Geld, um aus überall herumstehenden Sehenswürdigkeiten etwas zu machen. Schade, dass das Zeug immer mehr zerfällt. Außerdem gibt es eine Gang durch die mittelalterlichen Keller der Stadt (unter den Bürgerhäusern hindurch). Angeblich wurde sich bei Feindbefall hier versteckt – es gibt hier z.B. unterirdische Bäckereien. Und die Hauptsehenswürdigkeit ist eine Brücke ähnlich der Karlsbücke in Prag.
Und zum Thema Sicherheit in Polen: Hier ist der sicherste Campingplatz (30 Zlotys) Europas. Munition ist aber selber mitzubringen, auch Kenntnis über Bedienung der Geschütze wird vorausgesetzt.

Ausderasche am 21 Okt 2007 22:54:57

Klatzko (Glatz)

Gast am 22 Okt 2007 09:53:51

Brrrrrrrr - diese Festung hätte ich mir auch nicht angeschaut. Mich schüttelt es schon bei dem Anblick dieses Kriechganges - nicht wegen des A-Geweihs ...

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:01:54

12.) Tag: Ladek Zdroj: (Bad Landeck) – Friederich der Große: „Die Bäder von Landeck haben mir den Gebrauch meiner Füße wieder gegeben“. Wir suchen erst mal ziemlich lange eine Stellplatzmöglichkeit, kommen dann aber auf der obersten Ecke eines 24-Stundenparkplatzes am Rande des Kurviertels – direkt an einem Fischteich mit Grill - zu stehen. (Und da hätten wir besser auch gegessen, denn die typische polnische Kost in einem typischen polnischen Restaurant, direkt am Fluß war ein Reinfall). Ansonsten auch hier – ein sehr schöner Park mit Quellen und lauschigen Plätzchen – eine habe ich probiert….igitiiigit, ekelhaft, lieber Feuerzangenbowle…..gut, dass meine Füße noch funktionieren. Eine junge Frau verkauft selbst hergestellten (verschiedene Sorten) Honig am Eingang zum Kurpark und bedankt sich mit einem Knicks dafür, dass wir 1 kg kaufen. (Weiß noch jemand, was ein Knicks ist?) . Eine uralte Frau verkauft selbstgepflückte Brombeeren aus einem Marmeladenglas. Das ist sichtbare und fühlbare Armut. Aber auch der Stolz nicht zu betteln, sondern etwas anzubieten. Das alte Kurbad ist echte Klasse, wie ein klassischer Rundtempel. Leider kann man nicht von oben hineinschauen, wie unten im kreisrunden Becken geplanscht wird

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:03:56

13.) Tag: Wir planen eine Rundfahrt durch das Schneegebirge. Erst gibt es aber noch einen Besuch in Stronie Slaskie in der Glashütte: Bleikristallgläser. Der dort produzierte Stil ist nicht unser Geschmack. Mittagspause auf dem Puchaczowka Pass. Wir kaufen geräucherten Schafskäse – eine Spezialität, auch Goralenkäse genannt! Wem es denn schmeckt! Ist so eine Art Gummimasse, die beim Kauen auch noch im Mund quietscht. Lagert noch heute bei uns im Kühlschrank. Uuuups! Wird aber in allen Reiseführern empfohlen. Aber Schafsfelle sind echt hier Klasse und preiswert – brauchen wir aber nicht! Nach einigen Überlegungen streichen wir die Bärenhöhle aus dem Besuchsprogramm und freuen uns auf das Carcasonne Polens: Bystrzyca Klodzka. (sehr hoher Anspruch!). Nach 3 Umrundungen ohne Parkplatz, einer Wende kurz vor einer 3,10m hohen Brückendurchfahrt passen wir. Kaum wieder auf der RN33: Nous sommes en panne sur la route…Bis wir weiter können….weitere 2-3 Stunden gehen ins Land ..aber sehr hilfsbereite Polen im nächsten Haus …telefonieren so lange im Ort, bis sie jemanden auftreiben, der deutsch spricht, der kommt dann auch und hilft!!! Beim ADAC haben wir bis dahin nur 70€ in Warteschleifen vertelefoniert. Also ändern wir unsere Planungen: Auch das GOLDWASCHEN in Zloty Stok fällt aus (so wollten wir doch unsere Tour finanzieren). Über Klodzko (Kreis geschlossen), Paczkow (Patschkau) fahren wir nach Skorochow auf den Campingplatz (kurz vor Nysa (Neisse)) am Stausee von Nysa. Den Stellplatz dürfen wir uns frei aussuchen. War halt der 13.te Tag.

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:07:43

14.) Tag : Auf das Fahrrad und am See und der Glatzer Neisse entlang in der Sonne ins schlesische Rom: Nysa. (Neisse). Rom, weil es so viele Kirchen dort gibt. War im Krieg wohl fast total zerstört. Trotzdem.: die Kirche sah wohl schon immer so aus und hat angeblich das steilste Kirchendach Europas. Auf der anderen Seite des Marktplatzes entdecken wir zum ersten Mal eine Bar Mlecny, eine Milchbar. Hier gibt es alles, nur keine Milch. Das ist eine Art öffentliche Kantine: Polizist, Rechtsanwalt, Mütterchen und Väterchen, Schüler und Rentner, alle kommen dahin zum Essen und für ein paar Zloty wird man mit einem typischen polnischen Gericht wie Klösse, Piroggi, Rote Beete Suppe etc. wunderbar satt. Klar, dass wir das auch getestet haben. **** Sterne für diese polnische Einrichtung. Nach 3 weiteren Stunden Besichtigung (u.a. versuchen wir vergeblich in die preussische Festung „einzudringen“, die größtenteils von Wald überwachsen ist) kehren wir noch im Cafe am Marktplatz ********** ein. Ein Traum: schlesischer Mohn- und Apfelkuchen, aber auch Tiramisutorte, und und und (kein Foto, da wird man schon vom Hinsehen dick). Auf dem Rückweg geht es noch auf den Friedhof:: kleiner Besuch bei Josef Freiherr von Eichendorff: Und meine Seele spannte, Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus. Da liegt er nun, dessen Gedichte ich in der Schule sowieso nicht interpretieren konnte: Die Ähren wogen, was will uns der Dichter sagen? Es ist Sommer! Setzen: Sechs. Dabei bin ich der einzige aus der Klasse, der ihn, wenn auch erst jetzt, persönlich getroffen hat.

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:12:26

15.) Tag: Ruhetag – Also mit dem Fahrrad 60km um den See. Und da gibt es doch tatsächlich weitere kleine Campingplätze, wo man direkt auf Halbinseln am Wasser stehen kann. Aber die sind nirgendwo verzeichnet, nicht einmal Hinweisschilder an der Strasse gibt es – eigentlich unauffindbar. Einzig besuchter Ort: Otmuchow (Ottmachau). Auch hier wieder: Barock, Barock, Barock und eine Burg mit Restaurant. Ehemaliger Eigentümer Wilhelm von Humboldt, der Bruder von dem Alexander, und Gründer der Humboldt Universität?

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:19:01

16.) Tag: Weiter geht es nach Mozna (Mosna). Neben den Fürsten u.ä. gab es auch noch deutsche Großindustrielle, denen die Bergwerke und die Schwerindustrie im schlesisch-polnischen Industrierevier gehörte. Und was die Jungs verdienten, sah dann umgesetzt so aus: Ein Schlösschen mit Park Der Eigentümer hieß von Tiele-Winkler und war vor dem WK I das, was die ALDIS heute sind: Die Reichsten im Reiche. Kein Wunder, dass hier Willi, der Erste, und andere zu Besuch waren. Die Tochter hatte aber einen sehr sozialen Touch und sorgte sich um die Armen und Kranken im Dorf, nachdem der Alte nach langem Widerstreben sein Beutelchen ein wenig geöffnet hat. Heute ist das Ganze ein Nervensanatorium. Naja, zur mir kommt halt meine WOMO-Nachbar zum Bier oder Wein. Und dann ist die Moselwiese mein Park. Von Mosna nach Opole (Oppeln). Schönes Rathaus, schöner Platz. Außerdem spielt gerade `ne Amerikanische Rockband auf einer großen Bühne: Schöne Akkustik. In der Kirche sehe ich zum ersten Mal, was Katholizismus im Extrem in Polen heißt: Alte Frauen, die stundenlang knieend ein großes Kreuz in einer Eingangshalle umarmen und Gebete murmeln. Abends erreichen wir den Turawski Stausee nordöstlich von Oppeln und finden einen 24 Std. Parkplatz mit vielen Blumenbeeten in einer Feriensiedlung. (20Zlt.). Hunger! Ein Junge erklärt mir, dass ich wir den Waldweg dahinten rein gehen sollen. Er schaut uns lange nach und fuchtelt mit den Armen, dass wir auch wirklich da rein gehen. Der Weg öffnet sich zu einem wunderschönen Seeufer und da ist: Ein Restaurant mit polnischer Küche! Ich umarme die Kellnerin.

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:20:24

Oppeln

Ausderasche am 22 Okt 2007 23:29:25

17.) Tag: Gemäß BPHennek sind wir hier im Land der Schrotkirchen und haben unseren Weg so ausgelegt, dass wir einige besuchen können. Sehr gepflegte Anlagen und da steckt jede Menge Arbeit drin. Mittags kommen wir in die Hölle: Czestochowa (Tschenstochau), die heilige Stadt Polens. Heute wird das zentrale Ernte Dank Fest Polens gefeiert, tausend Busse, hunderttausende Besucher. Der Campingplatz auf dem Heiligen Berg ist fast leer. Spätnachmittags „schleichen“ wir uns nebenan in die „Verbotene Stadt“. Jubel, Trubel, Heiterkeit! Möchtest Du Dein Auto gesegnet haben? Oder dein x, y, Z? Kannst Du haben! Beichtverfahren wie im Supermarkt? Schlange stehen nebeneinander an zig-Beichtstühlen, Schlange beichten, Schlange büssen, Schlange Kommunion empfangen? Kannst Du haben! Schlange auf den Knien oder Bauch um die Schwarze Madonna kriechen? Kannst Du haben! Unendlich Rosenkranz beten? Kannst Du haben! Mache trauen sich gar nicht rein und werfen sich schon vor den Kirchen auf den Bauch! (Wir sind nächsten Morgen noch einmal durchgegangen. Es war da beschaulicher, aber in der Tendenz gleich). Rund um die Schwarze Madonna hängen TONNEN an Bernsteinketten. Anerkennen muß man: Sie hat ja viel geleistet: Die Schweden vertrieben, die Nazis besiegt, einen Polen zum Papst befördert, die Kommunisten besiegt, mit der EU wird sie auch noch fertig. Anschließend sind wir noch über die Erntedankfestshow gezogen: Da gab es nicht etwa Riesenbratwürste, nein Riesenschaschlick: ½ Meter lang! Super! Und Volkstanz und alles, was dazu gehört.

Michael 2000 am 23 Okt 2007 01:41:07

Hallo Frank


Vielen dank für deinen/euren sehr unterhaltsamen und informativen
reisebericht, untermalt mit tollen bildern.
Für mich war es besonders interessant da wir vor ein paar jahren ebenfalls in polen war und somit die weiterentwicklung herauslesen konnten.
Mit der anzahl der CP´s und deren standard scheint es immer noch knapp bestellt zu sein.

Um es einmal mit deinen worten auszudrücken !!!

Setzen--Weitermachen.. Eine Eins :D

Ausderasche am 23 Okt 2007 10:55:21

Hallo Michael,

das mit den Campingplätzen geht eigentlich vom Standard her, aber zugegebenermaßen bin ich KEIN CP Freak. (Wir sind ja mit dem WOMO relativ unabhängig von sanitären Anlagen). Leider sind sie nicht sehr zahlreich (die Campingplätze) und wir haben sie uns aus Verzeichnissen und Landkarten (da ist einer eingezeichnet, also muß da auch einer sein) zusammengesucht. Und manchmal "stolpert" man auch über sie. Wichtig waren sie für uns zum Ent- und Versorgen, d.h wir haben darauf geachtet, so jeden 3-4 Tag abends auf einem CP zu landen. Und das funktionierte gut
Ja, es geht aufwärts, aber vieles wohl mit ausländischen Kapital (was die Polen z.T. nicht so toll finden. (Thema: Ausverkauf)). Und natürlich fließt durch Tätigkeiten im Ausland etwas zu, was dann wieder in die Häuschen gesteckt wird. So nach der Devise: Ich gehe nach E, F, D, S als Erntehelfer oder Ähnliches, während der Zeit macht der Ukrainer mein Gärtchen - von der Differenz kann ich gut leben.

Da gibt es ein schönes Kabarettstückchen - in der Fortsetzung dieser Lieferkette kommt der letzte aus Absurdistan. Das sind dann wieder wir :D

Viele
Frank

Waldi am 23 Okt 2007 15:44:48

Hallo Frank

Besten Dank für deinen wunderschönen Bild und Reisebericht ,der hat in jeder Beziehung lust auf eine Reise nach Polen gemacht.

Herzliche Waldi

Michael 2000 am 23 Okt 2007 20:05:39

Hallo Frank

Vielen dank für deine ergänzenden auskünfte.
Ich bin auch kein CP freak aber wir haben aus sicherheitsgründen
oftmals CP´s aufgesucht.

Einige von denen waren kleine festungen.
Angefangen von einem sehr hohem zaun umgeben, bewachte ein und ausfahrt mit immer geschlossener schranke, bis zum wärter der auf dem CP rundgänge machte.
Auch die parkplätze der grossen kaufhäuser waren bewacht.
Ausserhalb konnte man bewachte oder unbewachte parkplätze benutzen.
Die bewachten waren teurer und mehr besucht.

In den kaufhäusern liefen massenweise mit kontrollanten herum.
Nach dem verlassen der kassen wurde man noch einmal kontrolliert.
Nicht überall aber an einigen plätzen war es so.

So waren auf jeden fall meine erlebnisse.
Ob es noch immer so ist weiss ich nicht.

Aber dieses grosse kontroll und sicherheitsaufgebot muss ja seine gründe gehabt haben.

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:14:18

18.) Tag: Zum Abschluss der Morgenrunde in Tschenstochau, die bis mittags dauert, kaufen wir noch ein Polenfähnchen, dass wir auch immer schön „bereit“ sind. Wir wollen entlang der Adlerhorst-Route durch den (das) Jura nach Krakau. Adlerhorst-Route, weil hier mittelalterliche Burgenruinen ganz in Weiß, oben auf den Bergspitzen sitzen. Erste Ruine ist Olsztyn , genau wie das Olsztyn in Ostpreussen. Also auch in Polen ist Vorsicht mit dem Navi geboten. Im Jura gab es auch eine ausgeprägte jüdische Kultur. In Zarki sogar einen Rundweg. Trotzdem brauchen wir fast eine Stunde und viel Fragen, bis wir den abseits gelegenen jüdischen Friedhof finden. Es ist eine trostlose Stimmung in trostloser Gegend. Mehr zufällig finden wir den schönen Campingplatz Podlesice. Wir sind die einzigen Gäste.

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:19:10

19.) Tag: Ein (mehr zufälliger) Umweg führt uns nach Ogrodzieniec. Dort soll auch eine Burg sein. Und was für eine. Viel größer, schöner als Olsztyn (das in allen Reiseführern angepriesen wird) und herrlich zwischen Felsen, die wie Drachen aussehen, gelegen. Dazu Ausstellungen über das mittelalterliche Leben, eine kleine Folterkammer und viele Türmchen zum Besteigen. Weiter geht es nach Pieskowa Skala, einem original restauriertem RenaissanceSchloss. Aber das hat bereits um 16:00 Uhr geschlossen, wenigstens ist das Cafe im mittelalterlichen Turm geöffnet. Wegen Regen können wir die Dachterasse auf dem Turm mit Blick über das Pradniktal (Ojcowski Nationalpark) und das Schloss nicht nutzen. Wir beschließen noch eine Wanderung durch das Tal zu machen, da der Reiseführer sagt, dies wäre der schönste Teil und in 2 Stunden zu erledigen. Tatsächlich ragt auch gleich neben dem Schloss die 18m hohe Herkulessäule aus dem Boden. Die hat der Teufel da hingerammt oder der edle Ritter, der den Krakauer Drachen erledigt hat? Mit der Wanderung durch das Tal ist es nichts, hier gibt es keinen Wanderweg. Aber vor der Zufahrt zum Schloss ist ein Mini-CP (Agrotourismus) zum Übernachten – 15 Zlt. Die hier gerade feiernden Krakauer versorgen uns mit gegrillten Krakauern – Ist ein makabrer Kalauer, aber wahr und sehr nett von den Leuten. (Tip: Bei Ojcow gibt es einen großen Parkplatz und hier endet die Strasse in einer Sackgasse vor dem Ort. Auch gut zum Übernachten mit dem WOMO geeignet und direkt am eigentlichen Wandergebiet (Hier soll es ungefähr 200 Höhlen geben, einige sind erschlossen).

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:21:55

Herkulessäule und Campingplatz

Tipsel am 23 Okt 2007 23:23:58

Beeindruckender Bericht mit tollen Bildern. Da wir ja seinerzeit unsren Urlaub abbrechen mussten, ohne die hier gezeigten Ziele, die wir ja mehr oder weniger auch geplant hatten, gesehen zu haben, werden wir irgendwann diese Tour fortsetzen. Da ist dein Bericht für uns besser als jeder Reiseführer. Danke dafür.

Aber noch seid ihr ja nicht zuhause angekommen.... bin gespannt

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:27:30

20.) Tag: Die Profis haben es schon gesehen. Seit Tagen werden meine Fotos schlechter. Die Sonne ist weg und seit heute schüttet es, was der Himmel hergibt. Also nach Wielicka ins Salzbergwerk – Weltkulturerbe – Tolle Fotos schaut ihr hier: --> Link Die komplette Besichtigung dauert rund 4 Stunden. Übernachtet wird auf dem nagelneuen 24 Stundenparkplatz an der „S-Bahnlinie“ unterhalb des Bergwerks für 20 Zlt. Der ist durch Gebäude von der Strasse abgeschirmt und ruhig (Nachts keine S-Bahn) mit Blick auf ein Kloster am Berg. Gegenüber im Hotel im Keller ist ein ordentliches Restaurant.

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:34:58

21., 22.) Tag: Krakau: Wir suchen uns einen 24 Std. Parkplatz an der Al. Marsapka Ferdinanda Focha – zwischen Fussballstadion und Hotel Cracovia – sehr citynah: 500m zu Fuß – zwar nicht schön, aber „relativ“ ruhig, umzäunt und ständig bewacht (wir finden es sicherer als den frei zugänglichen Busparkplatz am Wawel) 35Zlt. Die CPs liegen alle weit vor der Stadt und sind auch nicht ruhiger. Der Marktplatz mit den Markthallen ist eine Wucht, der Wawel toll – (die Innenräume muß man nicht gesehen haben, höchstens die Waffenkammer – lohnt nicht: alles Interieur von Russen und Preussen geraubt, einschließlich der polnischen Königskronen). Fotos seht Ihr bitte wieder bei Mabeniteam. --> Link Hier nur Ergänzungen. Z.B. Kazimierz, das jüdische Viertel – bekannt durch Schindlers Liste – komisch, dass ein Film erst ein Stadtviertel berühmt macht - wenn diese Strassen und Häuser reden könnten, was mögen sie gesehen haben? Nach dem Besuch der Synagoga Wysoka mit einem jüdischen Buchladen (und blättern in den Dokumentationen dort) sind wir so erschüttert, dass wir Ausschwitz NICHT auf die Routenplanung nehmen. Manchen vielleicht unverständlich, aber a) wir hätten es psychisch nicht ertragen und b) uns stört innerlich auch das „Vertourismen des Massenmordes“. Da Samstag ist, sind auch die jüdischen Friedhöfe geschlossen – freitags und samstags ist echte Friedhofsruhe – wieder etwas gelernt.

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:39:09

Kazimierz

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:41:31

Krakau

Ausderasche am 23 Okt 2007 23:53:02

23.) Tag: Wir wollen unbedingt in der Dunajec-Schlucht Bötchen (Floß) fahren, wenn schon nicht auf der Isar dann hier. Also fahren wir nachmittags über Bochnia (Salzbergwerk) nach Süden. Am Roznowskie See suchen wir im Dunkeln vergebens einen CP/SP. Bei Tabaszowa bringt uns ein deutsch sprechender Pole zwar auf die richtige (ausgeschilderte), schmale Zufahrt zu einem CP, aber die geht nach 4 km Berg hinunter durch Wald in eine steil abwärtsführende Piste über. Jetzt bleibt auch mir das „No risk, no fun“ im Halse stecken. Im Rückwärtsgang im Regen im Dunkeln im Wald wieder den Waldweg hoch, nach 1 km ist der Weg so breit, dass wir in 20 Zügen wenden können - immer knallhart auf Abhang gefahren. Sonst hätten wir noch 3 km rückwärts fahren müssen. Schweissgebadet finden wir oben auf dem Berg ein Holzkirchlein mit großem Parkplatz in schönster Einsamkeit….. Vor dem Einschlafen sehe ich noch ein Glockentürmchen direkt neben dem WOMO.

24.) Tag: BIMM-BAMM-BUMM – die Nacht ist rum – 6:00 Uhr – Frühmesse – Die spinnen, die Polen, so früh geht doch keiner in die Kirche – quietsch, brems, knall, knall, knall, knall – alle 4 Autotüren sind zu, das 50-mal: in 10 Minuten ist der Parkplatz voll, die Kirche auch – eine Stunde haben wir wieder Ruhe – dann das Gleiche umgekehrt – UND ALS DAS UM 9:00 Uhr WIEDER LOS GEHT, ERGREIFEN WIR DIE FLUCHT…unter mithilfe der Kirchgänger, die unser Fahrzeug vorsichtig vom Parkplatz lotsen ….und fahren nach Nowy Sacz…nettes Städtchen mit Papst JP II (der steht übrigens mittlerweile überall), klassischer Musikberieselung und Springbrunnen. Auch hier ständig Messen, die per Lautsprecher ins Freie übertragen werden und Menschenmassen, die draußen mitsingen, mitbeten, etc. Wir ziehen uns in den Rathauskeller zurück, übersetzen mühsam die Speisekarte (20min), um dann vom jungen Kellner gefragt zu werden: „Sie wünschen? Das ist das und das ist jenes und ich empfehle Ihnen…“ Ein junger Deutscher und wieder die Liebe…mittlerweile arbeiten ca. 30.000 Deutsche in Polen, erzählt er uns. ….Bei Szczawnica finden wir den Eingang zur Dunajec-Schlucht..Parkplatz: 5Zlt DIE STUNDE, das sind deutsche Großstadtparkhauspreise…der Dunajec hat RICHTIG Hochwasser..da fahren keine Bötchen mehr..Lebensgefahr…aber wir können wenigstens im strömenden Regen 2 Stunden auf dem Rad- und Fußweg in die Schlucht hineinlaufen….traumhaft schön…mit Passport über die slowakische Grenze..auch der Hund muß seinen Gesundheitspass zeigen (Jetzt hier zum ersten Mal ) . Unseren Übernachtungsplatz finden wir in Niedzica. Ein Supercampingplatz nur für uns allein mit allem Komfort, sogar Entsorgung an jedem Stellplatz, 20 Zlt.


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Campingplatz in Warschau
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