22.03. - 02.04.2013
Tour: Kuchl - San Marino - Castel del Monte - Trulli de Alberobello - Taormina - Gola dell Alcantara - Etna - Siracusa - Portopalo di Capo - Agrigento (Tal der Tempel) - Porto Empedocle - San Vito lo Capo - Isola delle Femmine - Palermo - Pompeji - Greve - Kuchl (4876 km)
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Kurzvorstellung:
Rupert, 52 J jung
Von Beruf: Schuhmacher und Schuhhänderl
Hobby: Reisen (eh klar ...), Feuerwehr (eher Berufung als Hobby), Musik (Schlagwerker) ...
Daheim in Kuchl (Salzburg - Österreich)
Wie alles begann:
Alles sagten: Sizilien ist zu weit: Über 4500 km in 12 Tagen ist nur eine sinnlose Hetzerei - Sizilien ist zu gefährlich: Mafia und so - Sizilien ist zu dreckig: Überall liegt der Müll meterhoch herum - Nach Sizilien bei dem Verkehr: Da muss man ja Selbstmörder sein - usw. ...
Mein Freund und Reisegefährte sagte: Zu weit? Das schaffen wir schon, wenn wir es uns gut einteilen - Zu gefährlich? Vor wem oder was fürchten wir uns - Zu dreckig: Vorurteil oder nicht - das müssen wir uns ansehen - Verkehr: Entweder man kann Autofahren oder nicht. Wir können es ---
Also: Wir fahren zu Ostern nach Sizilien.
Ich sagte: Eigentlich hätte ich Korsika bevorzugt, aber wenn mein Reisegefährte Sizilien sagt, dann fahren wir eben nach Sizilien und so habe ich mir ein Büchlein gekauft, mich im Internet ausgiebig umgesehen und ein paar erfahrene Wohnmobilisten befragt und mich so auf Sizilien vorbereitet.
Sepp und Heidi sind dann leider nicht mitgefahren, weil es sich zeitlich nicht ausgegangen ist. Also sind Sonja (meine allerliebst Gattin), ich und unser neues Womo /(Chausson Flash 26) alleine losgezogen, um selbst zu erleben, wie denn nun Sizilien wirklich ist ...
Die Anfahrt:
Man glaubt es kaum - aber dieses Mal, ziemlich pünktlich - machen wir uns fluchtartig auf den Weg in den Süden. Warum fluchtartig? Ganz einfach: Der Wetterbericht hat für die Karwoche 2013 in unserer Gegend Schneefall und Minustemperaturen angesagt! Also, nichts wie ab in den Süden ...
... allerdings auch hier ein kleines Problem: Der Wetterbericht für Sizilien hat Mitte der Woche Regen und stürmischen Wind angesagt. Wir wären auch kurzfristig in eine andere Richtung gefahren, aber im Umkreis von 1000 km: Schnee, Regen, Sturm und Temperaturen um den Gefrierpunkt ...
Also doch nach Sizilien, immerhin werden Temperaturen von 10 - 15 ° C prognostiziert - Plus versteht sich. Meiner allerliebsten Reisegefährtin Sonja habe ich von den Sturmprognosen auf der größten Mittelmeerinsel nichts erzählt. Schauen wir mal wie es wird und dann kann man immer noch jammern ...
Wir verlassen die schneebedeckten Berge im Salzburgerischen Tennengau und kutschieren mit unserem neuen Wohnmobil der Marke Chausson Flash 26 auf der Tauernautobahn in Richtung Villach. Der Fiat-Ducato-Motor läuft ruhig und so gelangen wir ohne Probleme durch das Kanaltal in Friaul (Bundesstraße) auf den großen Stellplatz nach Spilimbergo, in der Nähe von Udine.

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es nun weiter in die Republik San Marino. Da war ich noch nie - da möchte ich hin. Schon die Anfahrt auf den Monte Titano ist ein bisschen abenteuerlich: Teilweise ist die steile Straße abgerutscht - teilweise ist sie im Bau. Unser neues Womo und auch ich schaffen das locker und auch Susi hat die Sprache wieder gefunden. Wir stellen das Womo gegen eine Gebühr auf einem der vielen Parkplätze ab und begeben uns zum Teil mit einem Lift und zum anderen Teil zu Fuß auf den Berg ...
San Marino ist die älteste bestehende Republik der Welt und sie ist quasi von Italien umgeben. Für Statistiker: In diesem Kleinstaat leben laut Wikipedia 32471 Einwohner. Davon oben in der Hauptstadt - 4214 Einwohner. Ein bisschen mehr als die Hälfte davon sind Frauen. Einen Teil davon sehen wir bei unserem Spaziergang in den engen Gassen stehen. Mir kommt - ich weiß auch nicht warum - ein ähnliches Bild von der Reeperbahn in Hamburg in den Sinn. Hamburg hat zwar keine so netten, mittelalterlichen Gässchen wie San Marino und ist auch nicht auf einem Berg erbaut, aber auch dort stehen ein paar Damen an die Hausmauern gelehnt ...
In San Marino jedoch mit dem Zweck, uns potentielle Kunden in ihre Geschäfte zu locken (vielleicht ist der Unterschied gar nicht so groß?). Wir widerstehen schweren Herzens diesen Verlockungen, es ist doch sehr viel Ramsch zu sehen. Was auffällt, ist die Tatsache, dass außer ein paar ganz wichtige Polizisten nur sehr wenige einheimische Männer zu sehen sind. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist das schuldenfreie San Marino der Staat mit der höchsten Lebenserwartung für Männer - vielleicht sollte ich in diesen Kleinstaat ziehen?
Was gibt es noch zu sehen: Viele, viele Touristen, schöne Plätze und Kirchen, majestätische Burgen und einen wundervollen Ausblick bis nach Rimini ... aber sehen Sie selbst:


Danach geht es weiter in Richtung Sizilien. Wir über nachten in Fossarcesia, wo ich zum ersten Mal die Zecherl in das Meer halte ..
Nach einer ruhigen Nacht kommt mir am nächsten Tag die literarische Erleuchtung:
"Man reist nicht nur, um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein"
Johann Wolfgang von Goethe
Oder anders gesagt: "Der Weg ist das Ziel" und so geht es heute am Palmsonntag mit Volldampf weiter in Richtung Sizilien.
Es war klar, dass als Palmesel (netter Brauch in unserer Heimat) nur die Sonja in Frage kam, nachdem ich in aller Früh einen Morgensparziergang unternehme.
Als erstes Zwischenziel steht Castel del Monte auf dem Programm: Wir parken unser Wohnmobil auf einer großen Wiese unterhalb des Hügels und zahlen dafür € 5,--. Dafür werden wir von einer netten Dame mit dem Shuttlebus zum Castel von Friedrich II. gefahren, dass ja eigentlich gar keine Burg sein soll, aber so genau weiß das anscheinend niemand ...

Nach dem Mittagessen geht die Fahrt wieder entlang der Küste weiter, an Bari vorbei nach Alberobello. In dieser Gegend sind die sogenannten Trulli-Häuser (Einzahl: Trullo) wegen ihrer eigenwilligen Bauweise berühmt. Deren Errichtung begann im 17. Jhdt. um sich Steuern zu sparen. Für uns eine ausgezeichnete Gelegenheit, um uns die Füße zu vertreten, eine Kaffeepause einzulegen und die netten Häuser zu besichtigen.

Gegen Abend durchqueren wir den unteren Teil des italienischen Stiefels und bis auf eine Polizeikontrolle passiert nichts Außergewöhnliches. Kurz nach 21:00 Uhr erreichen wir den Fährhafen Villa San Giovanni. Wir stellen uns da an, wo sich die anderen auch anstellen. Sonja löst ohne irgendwelche Italienisch-Kenntnisse fachmännisch das Ticket und befragt zugleich die umstehenden LKW-Fahrer nach der Abfahrtszeit: Es soll bald losgehen, der Busfahrer neben uns startet sein Fahrzeug und fährt zur Sicherheit um einige Zentimeter nach vorne. Es dauert doch einige Zeit und der anscheinend nervöse Nachbar bewegt seinen Bus alle paar Minuten in Richtung Abfahrt. Der Grund für die verzögerte Abfahrt ist, laut einem perfekt italienisch, sprechenden Fährangestellten, der stürmische Wind in der Straße (- quasi Meeresenge) von Messina. Als ich schon fast die Hoffnung aufgegeben habe und der Busfahrer fast schon eine ganze Fahrzeuglänge vor mir steht, geht es doch noch los. Von hektisch winkenden Arbeitern werden wir gegen 23:00 Uhr auf die Fähre gewunken. Es geht alles gut, ich stehe in der dritten Reihe und stelle meinen Motor ab - Denkste: Ein noch mehr hektisch winkender Arbeiter erklärt mir im perfekten Italienisch, dass ich zurück setzen muss - ganz zurück und dann an den Rand. Ich fluche auf "Kuchlerisch". Aber dank meiner neuen Rückwärtskamera, dank meiner nicht ganz neuen Gattin und dank des italienischen Arbeiters gelingt dies bemerkenswert gut. Wir laufen aus - eine Matrose schickt uns wegen dem Sturm in den sicheren Aufenthaltsraum an Deck. Ein letzter Blick auf unser Wohnmobil, auf die schwankende Fähre und die ebenso schwankenden LKW's erzeugt ein leicht mulmeliges Gefühl in mir.
Im ebenso schwankenden Aufenthaltsraum singt eine Gruppe italienischer Schulkinder das Lied aus dem Film: Untergang der Titanic. Mein mulmeliges Gefühl verstärkt sich zusehends ...

Sizilien
Unsere erste Nacht in Sizilien verbringen wir in Taormina.
Die Parkplatzsituation in Taormina ist laut Reiseführer für Wohnmobile nicht gerade erfreulich. Aus diesem Grund fahren wir nach dem Frühstück in die naheliegende Ortschaft Letojanni (I-98037) und stellen unser Wohnmobil bei der Vigile del Fuogo (unseren Feuerwehrkollegen) in der Via Fiumara ab und spazieren zur Bushaltestelle an der Hauptstraße neben einem Hotelkomplex. Nach einer kurzen Busfahrt haben wir zusammen mit vielen Touristen den Hauptplatz von Taormina erreicht ...
Taormina soll eine der schönsten sizilianischen Städte sein, die schon zahlreiche Persönlichkeiten - unter ihnen Wolfgang Johann von Goethe, Kaiserin Elisabeth von Österreich, Jim Kerr von Simple Minds, Rupert, ein kleiner Schuhmacher aus Kuchl, usw. - besucht haben. Auf jeden Fall ist sie mit Abstand, die bei Touristen beliebteste Stadt Siziliens. Und das aus gutem Grund: Die Lage auf einem Felsen hoch über der Bucht von Naxos und dem Meer ist schon mal sehr beeindruckend, die Küste vor Taormina mit der kleinen Isola Bella, was soviel heißt wie schöne Insel, ist wie der Name eben sagt. Die Innenstadt Taorminas, mit ihren engen Gassen macht auf uns einen lieblichen Eindruck, mit sehenswerten Kirchen und vielen Plätzen, die einen herrlichen Ausblick auf das Mittelmeer und den Etna bieten (wenn er nicht gerade in den Wolken versinkt ...).

Wir verbringen einen wunderbaren Tag in Taormina, mit allem was dazu gehört: Spaziergang durch die engen Gassen und Geschäfte, Besichtigung der Sehenswürdigkeiten, Fahrt mit dem Bus nach Castelmola, das 521 Meter über dem Meer liegt und einen herrlichem Blick auf die Küste bietet, anschließend zu Fuß Rückweg auf dem Kreuzweg nach Taormina, italienische Köstlichkeiten und vieles mehr ...

Nach einer Fahrt durch die Berge erreichen wir Gola dell' Alcantara, eine Schlucht ähnlich wie bei uns in Österreich in der Salzachklamm oder die Lammeröfen, mit dem Unterschied, dass die bizarren Wände der Schlucht aus erkaltetem Lavagestein bestehen.

Die Wanderung durch die Schlucht tut uns trotz leichtem Nieselregen außerordentlich gut. Die Alcantaraschlucht ist wirklich sehenswert. Leider können wir wegen Hochwasser nicht direkt durch den Fluss wandern, aber es ist auch so schön.
Danach geht es gemütlich hoch in Richtung Etna.
Naja "gemütlich" ist vielleicht übertrieben: Die Nacht bricht herein, der Regen und der Wind nehmen stark zu und die Gegend wirkt einsam. Zuerst werden die Häuser weniger und die Besiedelung hört ganz auf, dann passieren wir auch die Baumgrenze. Ich suche einen Übernachtungsplatz und stelle unser Wohnmobil in einer Stichstraße, mitten in einem alten Lavastrom. Die Aussicht auf die Küste muss bei Sonnenschein und Tageslicht beachtlich sein - der Sturm ist es allemal. Alleine und verlassen stehen wir auf ca. 1500 Meter Höhe und unser Wohnmobil wird ordentlich vom Sturm hin und her geschaukelt. Eigentlich hatte ich heute schon genug Abenteuer und was ist, wenn der Regen in dieser Höhe in Schneefall übergeht und wir morgen mit unseren Sommerreifen im Schnee stehen? Also, vernünftig wie wir sind, fahren wir ein paar hundert Höhenmeter hinunter auf einen kleinen Parkplatz: Hier ist es ruhiger und so können wir nach diesem ereignisreichen und intensiven Tag erschöpft in's Bett fallen ...

Nächster Teil folgt bald ...
lg
Rupert























