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Ein Sommer im Baltikum... 1, 2, 3, 4, 5, 6


trevor2 am 07 Sep 2014 12:46:31

Sonntag, 29.06.2014, 22.40 Uhr, Tychowo (PL), neben dem Friedhof

Heute war also der große Tag - unsere Reise begann - wenngleich zunächst noch mit anderthalbstündiger Verspätung.
Schliesslich starteten wir um 13.20 Uhr vom Hof um dann nach zwei kurzen Zwischenstopps endgültig unser kleines norddeutsches Dorf zu verlassen. Wir fuhren auf die A 1 und hielten uns immer gen Norden bis Lübeck. Dann ging es auf der A 20 immer weiter gen Osten, bis wir in Pasewalk die Autobahn verliessen und auf wunderschönen Landstraßen und durch kleine recht verlassen wirkende Dörfer gen polnische Grenze fuhren.

Kaum hatten wir sie überquert, begann eine riesige 'Shoppingmeile auf polnisch' (Zelte und Baracken mit Gardinen, Baustoffen, Blumen, Angelbedarf), die allerdings nicht wirklich zum Shoppen einlud. Zwischen Zigaretten, Angelbedarf und Baustoffen aller Art konnte man in einer Baracke auch sein Augenlicht überprüfen lassen und sich eine neue Brille anfertigen lassen. Und dazwischen eine Tankstelle nach der anderen... es war bizarr!

Wir fuhren ein paar Kilometer weiter und schon waren wir in Stettin. Zunächst empfingen uns Vorstädte mit jeder Menge Plattenbausiedlungen und schmuddelig wirkenden Läden oder Dienstleistungsangeboten. Dann wurde es etwas kompliziert, weil die polnische Art der Beschilderung eine ganz eigene ist - und wir sie erst noch im Laufe der Zeit lernen müssen! ;)

Irgendwie verloren wir auf einmal mitten in Stettin unsere Bundesstraße und landeten wo ganz anders und mussten einen großen Umweg machen um wieder dahin zu kommen, wo wir eigentlich hinwollten. Schliesslich wurde es schon dunkler und wir fingen an, uns Gedanken für ein Nachtquartier zu machen. Laut Karte gab es direkt an dieser Bundesstraße einen Campingplatz. Nur leider fanden wir nichts dergleichen. Stattdessen verloren wir in Stargard Sczeczinski erneut unsere Straße und machten einen weiteren, kleineren Umweg. Schliesslich fanden wir zu 'unserer' Bundesstraße '10' zurück und beschlossen nun, einfach von der Strasse irgendwo abzufahren und uns einen freien Stehplatz zu suchen. Nach einem Blick in die Karte fanden wir einen klitzekleinen Ort, der nur einen Kilometer von der großen Straße entfernt liegt. Dahin bogen wir von der '10' ab und dort stehen wir jetzt neben dem Friedhof und werden hier jetzt gleich die erste Nacht unserer Reise in Trevor schlafen.



Gefahrene Kilometer heute 537km.



Montag, 30.06.2014, Zabiene hinter Jakubowo (PL), auf der Wiese

Nach einer kurzen aber guten Nacht wachen wir relativ früh auf. Berufspendler fahren an uns vorbei zur Arbeit und gucken etwas komisch... Wir frühstücken erstmal gemütlich in Trevor und dann packen wir auch schon wieder zusammen und weiter geht's gen Baltikum.

Heute der zweite lange Fahrtag - wir haben einige Kilometer vor uns. Immer auf der Bundesstraße '16' Richtung Masuren... Zunächst suchen wir uns eine Postbank zum Geld wechseln und finden eine bei strahlendem Sonnenschein in Kalisz Pomorski ebenso wie eine günstige Tankstelle.

Gut ausgerüstet und Trevor gefüllt bis oben mit Diesel starten wir wieder, um in herrlicher Landschaft - hügelig, kurvige Straßen und große Wälder - immer weiter gen Osten zu fahren. Wir durchfahren Walcz, Bydgoszcz, Grudziadz, Ilawa, Ostroda, Olsztyn und Mragowo. Stundenlang sind wir das einzige Womo weit und breit, aber je näher die Masuren kommen umso mehr Touristen sehen wir und natürlich auch Womos.

Kurz hinter Mragowo befinden wir uns jetzt schon mitten in Masuren in einem klitzekleinen Dorf mitten in der Pampa. Neben unserem heutigen Übernachtungsplatz war vorhin ein Storch... überhaupt haben wir auf der bisherigen Reise schon soviele Störche gesehen, wie in unserem ganzen bisherigen Leben nicht soviele auf einmal.
Später kam noch kurz ein junger Mann vorbei und er kam ganz dicht an 'Trevor', was wir doch etwas merkwürdig fanden. Felix ging raus und sprach ihn an und es stellte sich raus, dass er nur die Heuballen neben uns kontrollieren wollte. Halbwegs beruhigt, aber sicherheitshalber mit Alarmanlage hatten wir eine vollkommen ruhige Nacht!



Polen ist für uns erstmal gewöhnungsbedürftig mit den ganzen Reklame-Schildern aller Orten, den Läden, in denen es Polstermöbel und Trecker oder Kleidung und Eis zu kaufen gibt, den manchmal sehr lustig anmutenden Verkehrsschildern und manchen Kamikaze-AutofahrerInnen, denen man nur noch in letzter Sekunde ausweichen kann. Solche Verkehrsbegegnungen sind aber gottseidank sehr selten. Insgesamt gute bis sehr gute Straßenverhältnisse - eigentlich wie bei uns und teilweise auch besser. Nur einmal lenkte uns 'Thommy' heute über eine kleine Straße, die so war, wie uns viele vorher zuhause weismachen wollten, nämlich dass die Straßen in Polen so katastrophal seien. Wir sind einfach langsamer gefahren und schon war es kein Problem mehr!

'Thommy' hat uns heute sowieso paarmal geärgert, weil er sich nicht richtig einstellen ließ und uns zweimal eine 'TomTom'-typische vermeintliche 'Abkürzung' entlangschickte, die uns im Nachhinein doch eher als Umweg vorkam. Ich lotste Felix deshalb überwiegend anhand der Karte durch die Strecke.

Morgen werden wir wahrscheinlich Litauen erreichen und darauf freuen wir uns schon sehr, sind aber auch gespannt, was wir morgen noch hier in Masuren und auf dem Rückweg in knapp zwei Monaten noch alles in Polen erleben werden.

Gefahrene Kilometer heute 488km.


Dienstag, 01.07.2014, 22.15 Uhr OEZ, Vente (LIT), direkt am Kurischen Haff

Heute war ein wunderschöner Tag, an dem wir wieder sehr viel gesehen und erlebt haben - und vor allem sind wir heute im Baltikum angekommen!!!
Zunächst sind wir wieder so gegen 10.00 Uhr aufgebrochen. Unser heutiges Tagesziel war die Ankunft in Litauen!

Nach einer wunderschönen Fahrt durch die fantastische masurische Seenplatte über Mikolaijki und Elk (übrigens die ganze Gegend touristisch sehr rausgeputzt und aufgeräumt im Vergleich zu dem Polen, durch das wir bis dahin gefahren waren...), ging es dann die letzten polnischen Kilometer über Augustow und Suwalki auf der völlig überfüllten 'Via Baltica' bis nach Litauen rein - viiieeeel Verkehr, vor allem LKWs rauschten im Sekundentakt auf der Gegenfahrbahn an uns vorbei!

Um 13.50 Uhr MEZ erreichten wir die litauische Grenze, wo ein einsames Streifenfahrzeug der Polizei den GrenzfahrerInnen zuschaute. Und schon waren wir in Litauen. Ab jetzt wird die Uhr eine Stunde vorgestellt auf OEZ. Schnell entschieden wir uns, noch ein ordentliches Stück weiter zu fahren Richtung Klaipeda - und zwar auf kleineren und mittleren Landstraßen immer in der Nähe des Nemunas (dtsch. 'Memel', Grenzfluß zur russischen Enklave 'Kaliningrad') immer gen Nordosten.

In Jurbarkas tauschten wir erstmal Euros gegen Litas und versuchten an einer Tankstelle Wasser für unseren Kanister zu bekommen, leider vergeblich. Die Bedienung war etwas unfreundlich und wir mussten dann stattdessen eine 5l-Flasche Trinkwasser dort kaufen. Als wir noch vor der Tankstelle standen kam ein Pössl-Kastenwagen mit einem älteren deutschen Ehepaar auf die Tankstelle gefahren und der Mann kam direkt zu uns. Er meinte, endlich mal wieder Menschen, mit denen er sich verständigen könne!? Er fragte, ob wir wüssten wie das mit den Gasflaschen funktioniere und wie das Wetter werde - wir wussten ja leider beides nicht.

Bei einer Pinkelpause im Wald hinter Jurbarkas fiel mir beim Kartelesen ein, dass mehrere im Womoforum so von Vente geschwärmt hatten und so wurde das kurzerhand unser Tagesziel, das wir nach mehreren Pausen gegen 19.30 OEZ erreichten. Leider ist der Platz beim Leuchtturm gesperrt, weil die ganze Landspitze zur Zeit eine riesengroße Baustelle ist - Bau mehrerer Gebäude und Straßen für den Ausbau der ornithologischen Station... wird ein Riesending, wenn es fertig ist! Von der EU gefördert, soviel konnten wir verstehen...

Stattdessen stehen wir nun aber fantastisch auf einem Picknickplatz direkt am Kurischen Haff, keine drei Meter vom Wasser entfernt. Wir können aus dem Küchen- und vom Alkovenfenster aus aufs Haff und den Sonnenuntergang sehen - wunderschön!!! Dazu hören wir das Meer rauschen und die Möwen kreischen... hier werden wir sicher fantastisch schlafen!!!



Morgen haben wir hoffentlich W-LAN auf dem Campingplatz in Nida auf der Kurischen Nehrung - da wollen wir nämlich für die nächsten zwei Tage hin.

Gefahrene Kilometer heute 418km.


Mittwoch, 02.07.2014, 22.00 Uhr OEZ, Nida (LIT), auf der Kurischen Nehrung

In dieser fantastischen Kulisse unseres Übernachtungsplatzes in Vente sind wir recht früh aber völlig ausgeruht aufgewacht und schauten bereits vom Bett auf's Haff... die Sonne schien!




Da wir abends zum ersten Mal auf der Reise gekocht hatten und beide noch satt waren, tranken wir nur genüsslich draussen direkt am Haff mit Blick auf die Neringa (lit. für Kurische Nehrung) unseren Tee, packten alles zusammen und fuhren über Klaipeda gen Nida auf der Kurischen Nehrung. Dort wollten wir zum ersten Mal auf der Reise auf einen Stellplatz/CP, da auf der Neringa nichts anderes aus Naturschutzgründen erlaubt ist. Da wir nicht reserviert hatten, waren wir unsicher, ob wir noch einen Platz bekommen, aber unsere Sorge war unbegründet - wir konnten uns von vielen freien Plätzen einen Stellplatz mitten im Kiefernwald aussuchen...




Nachdem wir gespiesen und geruht haben, geht es zum ersten Mal mit den Fahrrädern los - nach Nida. Wir sehen uns Kurenwimpel, Kurenkähne, Fischerhäuschen und den Hafen an.










Achja, nicht zu vergessen das Thomas-Mann-Haus, das wir uns von innen schenken - wir sind beide keine Fans dieses Schriftstellers. Aber die Lage seiner 'Onkel Tom's Hütte' (wie sein Haus im Volksmund heißt) auf dem sogenannten 'Schwiegermutterhügel' ist schon einzigartig!






Ansonsten erkunden wir noch ein wenig weiter den Ort und kaufen schliesslich bei einem jungen, sehr netten Fischer etwas abseits der Touristenpfade geräucherten Heilbutt, den wir abends gleich mit Tomatensalat verspeisen. Er schmeckt köstlich!!!

Nach dem Abendbrot wandern wir zur Parniddener Düne (über 50m hoch!). Sie ist garnicht weit von unserem Campingplatz entfernt. Der Weg dahin und die Dünenlandschaft sind wirklich berauschend!!!










Gefahrene Kilometer heute nur 99km.


Donnerstag, 03.07.2014, 19.00 Uhr OEZ, Nida (LIT), auf der Kurischen Nehrung

Heute haben wir einen Fahr-Ruhetag eingelegt. Hier auf der Nehrung ist es soo schön, dass wir noch einen Tag geblieben sind und erst morgen weiterfahren. Heute morgen erstmal länger geschlafen, gemütlich gefrühstückt und ich hatte zum ersten Mal I-Net zur Verfügung, was ich heute ausnutzte um u.a. Mails zu beantworten und den Reisebericht fertigzustellen und hochzuladen...

Gegen Mittag sind wir dann zu einer längeren Wanderung in die unbegreiflich schöne Dünenlandschaft aufgebrochen - nachdem wir gehört haben, dass es hier Richtung russische Grenze Elche geben soll, war besonders ich hochmotiviert... leider sahen wir keine, kamen aber dafür dem Grenzgebiet gefährlich nahe, sodass wir nach Norden gen Nida abbogen. Gottseidank wurden wir nicht erwischt, denn später lasen wir auf Schildern, die allerdings ganz woanders standen, dass das Betreten dieser Dünenlandschaft streng verboten ist - uppps!










Dieses ganze Dünengebiet auf der Nehrung ist einmalig in Europa und als 'Weltkulturerbe' ausgezeichnet! Früher waren es Wanderdünen, die regelmäßig alle paar hundert Jahre die Dörfer unter sich begruben, jetzt sind sie befestigt und die Dörfer sind auf der Haffseite gebaut. Allein Nida wurde dreimal wieder aufgebaut...

Morgen werden wir nun die Zelte hier abbrechen und nach Klaipeda und Palanga fahren. Dort soll es ein fantastisches Bernsteinmuseum geben, das wir besuchen wollen. Danach wollen wir über Kurtuvenai Richtung Riga.

Gefahrene Kilometer heute 0 Kilometer.

trevor2 am 07 Sep 2014 13:15:43

Demnächst weiter...

trevor2 am 07 Sep 2014 18:36:52

Freitag, 04.07.2014, 20.00 Uhr OEZ, Giruliai (LIT), kurz hinter Klaipeda

Pünktlich zur Abfahrt, nachdem wir Abwasser abgelassen, Frischwasser zu uns genommen hatten und alles verpackt war, fing es nach zwei sonnenreichen Tagen wieder an zu regnen. Bis zur Fähre regnete es noch ziemlich heftig. Deshalb fiel unser Abstecher in Juodkrante (früher 'Schwarzort') auch recht kurz aus. Wir sahen den Fischerhafen und konnten ein paar Skulpturen vor dem Hafen bewundern, das war's auch schon. Den Rest beschauten wir von Trevor aus im Vorbeifahren. Den Bernsteinhafen - damals extra für den legendären Fund gebauter Hafen (ca. 2250 t Bernsteinschmuck und unbearbeitete Steine wurden im 19. Jhdrt vor Juodkrante durch Zufall beim Fahrrinne ausbaggern gefunden und zutage gefördert) - haben wir nicht mehr angeschaut, wäre wohl auch nicht mehr allzu viel zu sehen gewesen. Insgesamt ist Juodkrante ein kleiner netter Ort, sehr touristisch rausgeputzt - viele Schilder sogar in Deutsch...

Das Wetter klarte aber kurz nachdem wir die Fähre zum Festland verlassen hatten, schon wieder auf. Unser Tagesziel war heute Europa's größtes Bernsteinmuseum im Schloss von Palanga. Zuvor wollten wir eigentlich noch in die Altstadt von Klaipeda, aber in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit beschlossen wir lieber erst nach Palanga zu fahren. Dort kamen wir um 14.30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein an, suchten eine Weile einen sicher erscheinenden Parkplatz in den Nebenstraßen und dann schlenderten wir durch den Botanischen Garten zum Schloss und in das Museum. Von den Exponaten waren wir teilweise sehr begeistert! Die Geschichte des Bernsteins (Kurzfassung: Bernsteinkiefer vor 55 Mill. Jahren gelebt -> durch Klimaerwärmung zu stark ausgeharzt -> vor ca. 30 Mill. Jahren ausgestorben!) könnt Ihr auf den folgenden Fotos nachlesen, ebenso wie einige wunderschöne Exponate (teilweise auch aus dem Bernsteinschatz vor Juodkrante) bewundern.











Danach waren wir beide so abgefüllt mit Kultur und haben deshalb Klaipeda auf morgen verschoben. Stattdessen sind wir jetzt auf einem Stellplatz kurz vor Klaipeda in Giroliai gelandet, den wir von einigen aus dem Womoforum kannten und den uns ein deutsches Ehepaar in Nida auch noch empfohlen hatte. Ein netter, ganz kleiner Platz unter hohen Kiefern, aber direkt an einer Bahnstrecke.



Gefahrene Kilometer heute nur 107km.


Samstag, 05.07.2014, 21.30 Uhr OEZ, Kurtuvenai (LIT)

Heute morgen sind wir gegen 10.30 Uhr aufgebrochen gen Klaipéda. Um Trevor in Litauen's drittgrößter Stadt (180.000 Einwohner) sicher zu parken, hatten wir den Tipp vom CP Nida, beim Hotel Klaipeda zu fragen. Das tat ich dann auch und trat dort mit meiner Anfrage wegen unserer Fahrzeughöhe (3,05m) eine Lawine los. Der normale Parkplatz des Hotels ist ein Parkhaus für Fahrzeuge mit max. 2,00m Höhe. Die Frau an der Rezeption beriet sich mit ihrer Kollegin und anschliessend holten sie noch einen Kollegen dazu. Der meinte schliesslich, wir könnten auf dem Busparkplatz des Hotels stehen, der werde erst ab 19.00 Uhr wieder benötigt. Er erklärte mir, wo wir reinfahren mussten und kam hin und öffnete uns Kette und Tor und schon standen wir auf einem der bestbewachten Parkplätze der Stadt - echt klasse und total nett! Natürlich mussten wir diesen fürstlichen Parkplatz auch bezahlen, aber verglichen mit deutschen Preisen lächerlich. Als wir Trevor schliesslich nach vier Stunden abholten, zahlten wir für den ganzen Service und Parkplatznutzung gerade mal 20 Litas (umgerechnet ca. € 5,50). Am Ende erklärte er uns noch ausführlich den Weg zu einem Supermarkt und die Strecke nach Kurtuvenai und fragte, ob wir noch etwas wissen wollten... total nett!



Unser Parkplatz erwies sich wirklich als absolut zentral - in fünf Minuten waren wir in der Altstadt...







Eine Viertelstunde später schon beim Ännchen-von-Tharau-Brunnen, den ich unbedingt sehen wollte, weil ich in meiner Kindheit und Jugend immer wieder von vielen aus der Eltern- und Großeltern-Generation mit diesem Lied aufgrund meines Namens in Verbindung gebracht wurde... Jetzt weiss ich, dass der Dichter Simon Dach das Gedicht/Lied (vertont wurde es von jemand anderem) als Auftragsarbeit für eine zukünftige Fürstengattin zur Hochzeit schrieb, sich jedoch beim ersten Kontakt mit der Frau unsterblich in sie verliebte. Das Gedicht ist also auch ein 'Anschmachten', weil seine Liebe aussichtslos war. Das ist eine traurig-schöne Geschichte und das 'Ännchen' auf dem Brunnen sieht melancholisch aus. Diese Geschichte passt in diese Gegend!



Bevor wir uns den Brunnen anschauen wollten, schlenderte ich allein die ganzen Souvenirstände um den Theaterplatz mit dem Brunnen entlang auf der Suche nach einer schönen Postkarte. An einem blieb ich stehen, denn dort verkaufte eine ältere Frau Bernstein und Postkarten wie die anderen auch, aber neben ihr stand ein Schild, darauf stand 'Ich spreche Deutsch'. Ich blieb stehen, sie sprach mich sofort an, ob ich Bernstein kaufen wolle. Ich verneinte. Aber wir kamen ins Gespräch. Ich fragte sie, ob sie Deutsche sei (sie sprach diesen herrlichen ostpreussischen Akzent) - sie bejahte. Sie lebt seit ihrer Geburt in Klaipeda (früher 'Memel') und Umzu. 1942 wurde sie geboren, 1944 floh ihre Mutter mit ihrer Schwester gen Westen. Sie leben heute in Deutschland im Rheinland. Sie hat sie mal besucht, es hat ihr aber nicht gefallen. Sie wunderte sich, dass sie dort nicht ihre Nahrungsmittel im Garten selbst anbauen, sondern kaufen im Supermarkt. Das ist hier in Litauen in der Tat völlig anders - hier haben die meisten einen Garten mit allem, was das Herz begehrt hinterm Haus oder sie haben eine Datschia vor der Stadt - so wie diese Frau und ihre Familie auch. Dort bauen sie alles, was sie zum Leben brauchen an Obst, Gemüse, Kartoffeln, Zwiebeln, an... den Rest verkaufen viele am Strassenrand. Auf der Weiterfahrt haben wir auch viele Bauern gesehen, die ihre ein, zwei, sechs Kühe von Hand gemolken haben - so etwas würde in Deutschland niemand mehr tun. Die Milch ist hier auch entsprechend teurer, aber dafür geht es den Kühen hier vielleicht auch besser. Wobei man viele auch einzeln angepflockt in einer Wiese stehen sieht - ob das soo schön für Kühe ist, weiß ich nicht??? Aber sie werden umhegt und gepflegt, sind hier viel wertvoller für die Bauern als bei uns, wo überwiegend nur noch die Anzahl zählt nicht mehr das einzelne Tier! Also ein völlig anderes Lebenskonzept! Wie sagte die Frau mir noch zum Abschied: Ob Gott da nicht einen Fehler gemacht habe, dass die Menschen immer mehr wollten? Sie werde morgen nicht arbeiten, weil Sonntag ist - obgleich morgen ein Kreuzfahrtschiff einlaufen wird, was sehr gute Geschäfte verspricht... tolle Haltung!

Die restliche Zeit verbrachten wir im Skulpturenpark von Klaipeda mit über 100 Skulpturen litauischer Bildhauer. Wunderschöner Park und interessante Skulpturen! Hier eine kleine Auswahl...









Dann holten wir Trevor und machten wir uns auf den Weg über Land durch viele kleine und größere Dörfer Richtung Kurtuvenai...









Hier trafen wir um 18.30 Uhr ein. Es ist wirklich sehr nett und auch sehr ruhig hier. Gerade ist ein wunderschöner Sonnenuntergang!!! Sehr idyllisch...





Wir haben heute einen Salat mit litauischem Gemüse (baltische Paprikaschoten, kleine dicke Gurken und normale Tomaten) und dazu 'Varske' (eine Art Quark) gegessen, den Felix geschnibbelt und lecker angerichtet hat - dazu gab es geröstetes Brot... köstlich!

Gefahrene Kilometer heute 150km.


Sonntag, 06.07.2014, 18.30 Uhr OEZ, immer noch Kurtuvenai (LIT), ein Faulenzertag...

Heute morgen beschlossen wir, dass wir doch nicht so einfach Kurtuvenai schon wieder verlassen können - ohne uns den Ort und das Drumherum nochmal näher angeschaut zu haben - vor allem weil es uns sehr gut hier gefällt! Und wir merkten, dass uns ein Pausentag gut tun würde... so blieben wir kurzerhand hier in Kurtuvenai.

Bis eben war den ganzen Tag herrlichstes warmes Sommerwetter und jetzt braut sich ein Gewitter über uns zusammen - sehr gemütlich für uns, denn wir werden gleich sowieso im Womo sitzen und in Ruhe kochen und dann gemütlich essen... so kann Urlaub sein!!! :ja: :ja: :ja:

Heute morgen wollten erstmal unsere einzigen Nachbarn (VW-Bus mit älterem deutschen Ehepaar) losfahren, aber ihr Bus gab keinen Ton mehr von sich - Batterie wahrscheinlich leer. Felix' Fachkenntnis war zunächst mal gefragt, denn die beiden waren etwas überfordert. Dann kam noch Hilfe hier von Kurtuvenai und so konnten sie schliesslich mit gemeinsamer Hilfe starten.

Wir klärten zunächst, ob wir noch eine Nacht bleiben können und fragten wegen Wäsche waschen. Beides kein Problem - toll! Während die Wäsche in der Maschine wusch, frühstückten wir erst einmal gemütlich mit Müsli und frischen Erdbeeren, die Felix gestern in Klaipeda vor dem Supermarkt von einer Frau gekauft hatte.
Dann holten wir die Wäsche und ich wollte sie gerade aufhängen und dafür musste ich die Aufbautür kurz zumachen. Als ich kurz danach wieder rein wollte, war die Aufbautür auf einmal verschlossen??? Da die Fahrer- und Beifahrertür von der Nacht auch noch verschlossen waren, standen wir da ohne Schlüssel mit verschlossenem Womo... :eek: 'Trevor' wollte wohl nochmal sicherstellen, dass er heute wirklich noch Pause haben kann... :wink: Gottseidank war unser großes Panoramafenster bei der Sitzgruppe auf - so konnte Felix in 'Trevor' einsteigen! :ja: :lach:



Nach diesem Abenteuer zogen wir zufuß los, den Ort zu erkunden. Als erstes stiessen wir auf einen kleinen Markt (am Sonntag!) auf dem Parkplatz vor der großen Kirche - teilweise bio und auf alle Fälle regionale AnbieterInnen von Brot, Ziegenkäse, Wurst und Honig. Wir probierten uns von Stand zu Stand durch - der Wurst-Verkäufer konnte ein bisschen English und so verständigten wir uns mehr schlecht als recht - aber es machte allen riesig Spaß! Der Ziegenkäse-Verkäufer bot sogar Bio-Käse an. Wir haben natürlich zugeschlagen. Auch bei der Frau, die das angebotene dunkle Brot selbst buk, konnte Felix nicht wiederstehen und kaufte ein kleines süßes Honigbrot und ein kräftiges Brot mit Kümmel. Und schliesslich mussten wir bei dem Honig- und Wurstverkäufer auch noch etwas kaufen, weil er uns die ganze Zeit übersetzt hat... jetzt quillt unser Kühlschrank über, aber es ist alles sehr lecker!

Wie überall in Litauen die Friedhöfe auf den Hügeln...



So eine große Kirche in dem kleinen Dorf... streng katholisch wie fast überall in Litauen.


Wir sahen auch einen Ziehbrunnen. Die Leute im Dorf scheinen nicht alle fliessendes Wasser zu haben...




In so einem kleinen Haus wohnt hier eine ganze Familie mit Großeltern, Eltern und Kindern...


Der Dorfladen von Kurtuvenai, der an sieben Tagen in der Woche von 8.00 - 22.00 Uhr auf hat (er wird von einer Frau betrieben!) und dessen Sortiment zu 60% aus Alkoholika jeder Art und Weise bestand...


Heute nachmittag haben wir dann noch eine Fahrradtour um den großen See gemacht, wurden in den Wiesen aber von Viehzeug fast aufgefressen, was vor allem bei mir zu ungewohntem Fahrtempo führte, worüber wiederum Felix sich sehr wunderte, dass ich soo schnell fahren könne... :ja: :lach:





Jetzt regnet es zum ersten Mal ein wenig, seit wir hier sind und das Gewitter ist vorbeigezogen. Gleich werden wir gemütlich essen, Felix hat während ich geschrieben habe, gekocht. Deshalb mache ich jetzt Schluss! Wohin es uns morgen treibt - lasst Euch überraschen! Geplant ist eine Reise über Siauliai/Lietuva nach Jurmala/Latvia...




Montag, 07.07.2014, 22.30 Uhr OEZ, Jurmala (LV)...

Heute morgen gegen 10.30 Uhr in Kurtuvenai gestartet gen Siauliai zum 'Berg der Kreuze', einem weiteren Highlight unserer Reise. Die Geschichte dieses Kreuzhügels ist schon recht alt. Vor allem aber in der Okkupationszeit, als Litauen ein Teil der UdSSR war, spielte der 'Berg der Kreuze' eine große Rolle für die LitauerInnen. Er half ihnen ihre eigene Identität zu behalten. Deshalb war der Hügel den Russen auch ein 'Dorn im Auge' und sie haben dreimal versucht, ihn plattzumachen. Doch jedes Mal, wenn sie das taten mit ihren Bulldozern, kamen schon in der folgenden Nacht tausende LitauerInnen, um die Kreuze genau an derselben Stelle wieder zu errichten - so ist er geblieben und seit den 1990-er Jahren zu einem Symbol für Frieden und Freiheit in aller Welt geworden! Wir trafen dort auch wirklich Menschen verschiedenster Nationen - Amerikaner, Japaner od. Koreaner, Holländer, Litauer, Letten und Deutsche. Kreuze stehen dort von Menschen aller Kontinente, Mönchen und Nonnen, sogar Soldaten verschiedener Länder (Frankreich, Polen, u.a.) - absolut beeindruckend! Und da wir recht früh und noch dazu an einem Montag dort waren, konnten wir tatsächlich dort die Stille erleben und das leise Klimpern der Rosenkränze und kleinen Kreuze an den großen hören... Es war bewegend, dort zu sein!











Danach fuhren wir der Grenze zu Lettland entgegen - auf einer litauischen und später dann weiter auf einer lettischen 'Autobahn'. Unter Autobahn versteht man hier etwas ganz anderes als bei uns... da fahren Fahrradfahrer auf der Straße, Menschen parken einfach am Rand, weil sie zu einem nahegelegenen Badesee wollen und das Witzigste war, dass ein Autofahrer mal eben auf der Ausfahrtspur anhielt, um sich mit einem vorbeikommenden Radfahrer in aller Ruhe zu unterhalten. Achja, nicht zu vergessen, man kann auf den meisten 'Autobahnen' an vielen Stellen umdrehen, es gibt viele einspurige Autobahnen und oft auch mit Ampeln. Im Grunde eher so etwas wie bei uns eine Bundesstraße. Einige wenige 'echte' Autobahnkilometer gibt es auch mal zwischendrin, die sind aber dafür mitunter dann mit Maut, weswegen wir sie nicht benutzen...

Die Qualität der Straßen ist hier in Lettland bisher wirklich gewöhnungsbedürftig und mit Abstand am schlechtesten! In Polen und Litauen hingegen hatten wir allen Unkenrufen zum Trotz keine Probleme mit den Straßen, weder den großen noch den kleinen... in Estland sollen sie auch wieder gut sein!



Gegen 14.30 Uhr kamen wir hier in Jurmala auf dem CP an. Der ist zwar ganz nett von den Stellplätzen her, aber alles recht schmuddelig und ungepflegt! Und direkt neben uns ist ein riesiger unbewohnter, verkommener Hotelkomplex - Fenster sind teilweise schon rausgeschlagen - es wirkt ein bisschen unheimlich! Heute nacht werden wir auch sicherheitshalber mit Alarmanlage schlafen... :roll: :ja:



Nachtrag 04.08.14: Wir haben nun im Nachhinein erfahren, dass dieser vermeintliche 'Hotelkomplex' in Wirklichkeit eine russische Reha-Klinik gewesen ist und seit der Unabhängigkeit leersteht. Zur Zeit wird er aber irgendwie um- oder ausgebaut???

Heute nachmittag waren wir mit den Fahrrädern in Jurmala, genauer in Majori, dem größten und mondänsten der Jurmala-Orte. Echt schon verrückt, was für Reiche es hier geben muss! Mondäne Villen (wenn auch oft wenigstens alte restauriert!) videoüberwacht und mit hohen Zäunen... daneben total verkommene abbruchreife alte Holz-Villen, für die sich (noch) kein Käufer gefunden hat. Schon bizarr! Wenngleich diese alten Holzvillen (auch die renovierten!) wirklich wunderschön sind!!!













Bilder vom abendlichen Strandspaziergang...




Gefahrene Kilometer heute 175km.


Dienstag, 08.07.2014, 22.10 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute morgen in Jurmala nach einem sehr anregenden und netten Gespräch mit einem anderen norddeutschen Ehepaar doch etwas später als geplant gestartet. Den CP Jurmala kann man leider nicht weiterempfehlen, zwar steht man total idyllisch und großzügig in einer Art Park ohne feste Plätze, dafür ist die Hygiene und die sanitären Anlagen zum Gruseln! Hier werden wir sicher nie mehr hinkommen!

Da wir von allen gehört hatten, dass es in Riga eng und voll sein würde, wollten wir früh da sein, um uns einen schönen Platz für ja immerhin sieben Übernachtungen auszusuchen. Und tatsächlich, als wir um kurz nach 11.00 Uhr hier eintrafen, waren noch einige Plätze frei und wir stellten uns auf Rat des sehr netten Mannes an der Rezeption in die letzte Reihe, weil es hier am ruhigsten ist.



Heute haben wir uns vor allem hier erstmal eingerichtet, schön geduscht, herrlich gespiesen und anschliessend gefaulenzt... achja, und drei Expeditionsmobile aus Australien bewundert, die vorhin ankamen! Apropos be-wundern... ich habe mich zuhause schon ge-wundert, wo Felix die ganzen Massen an Kisten mit Essen und Material in Trevor verstaut hat... jetzt habe ich ein 'Lager' entdeckt - die Rückseite der einen Sitzbank! Und er hat mir die anderen gezeigt... echt toll, auf welche Ideen er beim Bepacken gekommen ist und wieviel in unser kleines Mobil passt!!! :ja: Da ich mich glutenfrei ernähren muss, mussten wir nämlich einiges an Vorräten mitnehmen...




Felix ist nochmal mit dem Rad auf Erkundungstour nach Riga rein. Hier auf dem CP erwarten alle mit Spannung das Länderspiel Deutschland gegen Brasilien - alle Satellitenschüsseln sind schon ausgerichtet... :wink: Wir gehen lieber schlafen!

Es herrscht eine ausgesprochen freundliche Stimmung der internationalen Camper untereinander, was wir so noch nicht erlebt haben auf der bisherigen Reise! Wir freuen uns, dass wir hier jetzt länger bleiben!

Nachtrag: Felix ist doch noch Spiel gucken gegangen vorne neben der Rezeption, wo extra ein Fernseher aufgebaut war... und hatte viel Spaß! :ja:

Gefahrene Kilometer heute 20km.


Mittwoch, 09.07.2014, 22.10 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute morgen erstmal gemütlich gefrühstückt und unsere netten Nachbarn verabschiedet und dann haben wir uns gegen 11.00 Uhr aufgemacht mit den Fahrrädern in die Stadt. Es ist für uns nicht weit (2,5km) nach Riga rein, einfach mit den Fahrrädern zu erreichen! In der Stadt ist es dann allerdings eher stressig zu fahren, sodass wir heute erstmal die Räder vor der Saeima, dem lettischen Parlament am Anfang der Altstadt vor den wachsamen Augen der Polizei abgestellt haben und dann zufuß weiter sind.

Als erstes kamen wir zum Domplatz und als wir den Dom betreten wollten, fiel mein Blick zufällig auf ein Plakat mit einer Orgelkonzertankündigung für 12.00 Uhr - es war 11.55 Uhr. Wir sind sofort rein und erlebten ein halbstündiges Orgelkonzert auf dieser fantastischen Domorgel, die eine der besten Orgeln im Baltikum sein soll. Erst Bach und dann noch zwei neue Komponisten - gespielt von einer jungen Lettin. Wir waren sehr angetan!



Als wir nach dem Konzert uns noch ein wenig im Innenhof und in der Kirche umsahen, sprach uns ein älterer Mann auf Deutsch an. Er erklärte uns ein paar lettische Worte auf einem Plakat, über die wir uns gerade unterhalten hatten und wir kamen ins Gespräch. Er fragte uns, was wir vorhätten und lud uns zu einer kostenlosen Altstadtführung ein, was wir natürlich gerne annahmen. So streiften wir ca. anderthalb Stunden durch die Altstadt immer begleitet von seinen spannenden Erklärungen. Er ist in Göttingen geboren, seine Eltern waren Deutsche, die aber in Lettland gelebt haben und dann wegen Krieg und Okkupation nach Westen flohen. Er fährt seit 1972 jedes Jahr nach Riga, hatte dort auch noch einen Onkel. Jetzt lebt er immer ein halbes Jahr in Riga im Hostel bei einer sehr netten Lettin und ein halbes Jahr in Deutschland.

Wir sahen alles, was von der Altstadt besonders sehenswert ist und nachdem er mitbekommen hatte, dass wir aus dem Bremer Umland sind natürlich auch alle Zusammenhänge mit Bremen - Stadtmusikanten, Roland, St. Petri Kirche, Konventshof, ein Platz mit Börse, Handelskammer und Bank (ähnlich Markt Bremen)... der Bischof von Bremen hat ja damals auch schliesslich Riga gegründet. Vom Flair ist Riga auch ein bisschen ähnlich wie Bremen... Und immerhin sind Bremen und Riga heute ja auch Partnerstädte!

Das Kutschenhaus der Zarin Katharina der Großen... heute steht ein Golf drin... :wink:


Das Schwarzhäupterhaus...


Die Bremer Stadtmusikanten... sie sind frecher als die in Bremen und gefallen uns wesentlich besser!


Der wieder aufgebaute Konventshof, mit Geldern von Bremen restauriert...


Das Imkerinnungshaus...


Die Handelskammer...


Die Petrikirche...


Zum Schluss wollten wir ihn zu einem Kaffee einladen und da führte er uns in ein entzückendes kleines Café - etwas abseits der Haupttouristenwege gelegen, aber praktiksch fast gegenüber dem Platz, wo unsere Fahrräder auf uns warteten. Es gab sehr leckeren Kuchen und man konnte gemütlich im Garten sitzen. 'Ligita's Gardumi' - ein echter Geheimtipp!

Dort traf unser Begleiter auf ein Ehepaar, das er tags zuvor schon in diesem Café getroffen hatte und sie setzten sich kurzerhand zu uns an den Tisch. So waren wir eine größere Runde. Schnell stellte sich heraus, dass es sehr spannende Leute sind, die ebenfalls mit dem Womo unterwegs sind und sogar die letzte Nacht mit uns hier auf dem City-Camping verbracht haben. Sie haben einen alten T4-Bus und schon die ganze Welt bereist, auch im Baltikum sind sie schon mal gewesen. Er hat früher als Fotograf Bildbände über viele Länder der Welt gemacht. Wir haben zu fünft dann die Weltpolitik diskutiert, zB. wie es für die Balten ist, dass Russland die Ukraine teilweise vereinnahmt hat. Unser Stadtführer sagte, die Letten hätten alle große Angst wieder vereinnahmt zu werden von Russland. Und seine Befürchtung war, dass die NATO und Obama Russland im Falle eines Falles das Baltikum zwar unter offiziellem Protest, aber dennoch sang- und klanglos überlassen würden im Falle eines Anspruchs Russlands. Das hat uns nachdenklich gestimmt! Das weltgereiste Ehepaar teilte übrigens seine Meinung... Irgendwie scheinen die baltischen Staaten nie wirklich zur Ruhe kommen zu können - das ist nach dieser traumatischen Geschichte der drei Länder, die über Jahrhunderte von einer Okkupation in die nächste schlidderten, wirklich tragisch! Es gibt für die russischen BewohnerInnen Lettlands folgende Regelung: wenn sie die russische Staatsbürgerschaft wieder beantragen, bekommen sie doppelte Rente!!! Nach Auffassung unseres Stadtführers müsste die EU ihnen da auch etwas bieten, damit die Stimmung nicht kippt...

Nachdenklich verabschiedeten wir uns am Spätnachmittag und fuhren dann mit den Rädern wieder über die Daugava (früher deutsch 'Düna') mit einem kurzen Zwischenstopp beim Supermarkt zurück zum CP.

Hier angekommen, haben wir eben gegessen und jetzt schreibe ich den heutigen Tagesbericht... es ist herrlichstes Wetter heute wieder, ein heißer Sommertag liegt hinter uns - so lässt es sich hier prima aushalten!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km, gefahrene Fahrradkilometer 5,5 km.


Donnerstag, 10.07.2014, 20.10 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute morgen haben wir länger geschlafen, dann gemütlich gefrühstückt und unsere beiden Übernachbarn verabschiedet. Kurz danach bekamen wir auf beiden Seiten neue Nachbarn... es ist ein ziemliches Kommen und Gehen hier auf dem CP! Dann brachen wir mit den Rädern auf in die Stadt.

Am Ufer der Daugava hatten wir schon gestern auf der Heimfahrt zum CP das Kreuzfahrtschiff MS Deutschland (das 'Traumschiff') am Kai liegen sehen - jetzt lag es immer noch da, schien aber bald ablegen zu wollen.


Heute wollten wir zum Okkupationsmuseum - zum einen, um der Sonne ein wenig zu entkommen aber vor allem, um da anzuknüpfen, was wir gestern erfahren und diskutiert hatten. Zudem lese ich gerade das Buch von Sandra Kalniete, 'Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee' über ihre lettische Familie in der Zeit der russischen Okkupation und deshalb ist ein Besuch dort doppelt spannend.



Nach einer guten halben Stunde waren wir dort (ein altes KGB-Gebäude mitten in der Altstadt - direkt neben dem Schwarzhäupterhaus!) und tauchten ein in die Geschichte der Okkupationszeiten durch Russland und Deutschland und lasen erschütternde Dokumente und sahen dazu entsprechende Filme, Bilder und Gegenstände... Das lettische wie auch das litauische und estnische Volk sind mehrfach traumatisiert worden alleine in der jüngeren Geschichte und es wird sicher noch mehrere Generationen dauern, bis das aufgearbeitet und 'verdaut' ist. Es ist in jedem Fall ein sehr gutes Museum, das sich wirklich um neutrale Geschichtsschreibung bemüht! Es wird von einem Verein unterhalten mit staatlicher Unterstützung von Lettland. Die ganze Arbeit dort wird ehrenamtlich geleistet. Es wird kein Eintritt erhoben, lediglich Spenden werden entgegengenommen.

Unsere Vermutung, dass Lettland auch unter Nazideutschland nochmal sehr gelitten hat damals, bestätigte sich. Lediglich die Tatsache, dass die letzte Okkupation länger dauerte und durch Russland erfolgte und damit einfach noch stärker im Gedächtnis der Letten ist, lässt erklären, warum die Letten so freundlich uns Deutschen gegenüber sind. Wir waren beide tief bewegt!

Deshalb beschlossen wir, direkt zum Campingplatz zurück zu fahren und das Ganze zu 'verdauen'. Vorher lauschten wir noch eine ganze Weile einer Bläsertruppe vor dem Okkupationsmuseum - sie spielten richtig gut! Es gibt viele StrassenmusikantInnen in Riga...

Den Abend verbrachten wir bei Trevor mit Essen, Bericht schreiben und den lauen Abend geniessen...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km, dafür gefahrene Fahrradkilometer 5,5 km (Anne), 20,5 km (Felix).

trevor2 am 08 Sep 2014 12:07:06

Freitag, 11.07.2014, 18.45 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute sind wir noch später aufgestanden, haben gemütlich gefrühstückt. Wir sind nach dem Frühstück wieder nach Riga gefahren. Diesmal war unser Ziel die Neustadt von Riga und als Abschluss des Tages ein Freundschaftskonzert des 'World-Choir-Contest' auf der Esplanade.

Die Fahrradtouren in die Stadt werden immer entspannter, wenngleich die Kontakte mit manchen einheimischen FahrradfahrerInnen hier immer noch recht heftig sind - sie überholen rechts oder links an den engsten Stellen und in hohem Tempo und die Klingel (wenn sie überhaupt eine haben!) ist grundsätzlich wohl nur Zierde am Lenker. Selbst der Verkäufer im Fahrradladen hatte von 'aggressiven' und 'normalen' Fahrradfahrern gesprochen... aber die Stadt ist eigentlich sehr fahrradfreundlich. Es gibt überall Fahrradwege oder man darf auf dem Bürgersteig fahren. Es gibt sogar ein Fahrradverleih-Stationen-System. Da die Strecken zufuß in jedem Fall zu weit sind, ist es für uns ideal, die Räder dabei zu haben!

Je mehr wir von Riga kennenlernen, desto 'beschaulicher' kommt es mir vor, wenngleich es natürlich wirklich eine Großstadt ist. Aber es hat den Flair einer gemütlichen, beschaulichen Stadt. Nachdem wir uns also durch die Neustadt mit ihren vielen Jugendstil- und ein paar Bauhaus-Häusern schlenderten, fiel unser Blick auf eine jüdische Kafejnika, die ich sogar in unserem City-Guide beschrieben fand. Sie wird von der jüdischen Gemeinde Rigas betrieben und es gibt dort eine Mischung aus lettischem und jüdischem Essen. Ich war entzückt und wir beschlossen, später hierhin zum Essen zurückzukommen.

Unser Weg weiter durch die Neustadt führte uns zur Gertrudenkirche, einer kleineren Backsteinkirche. Wir gingen hinein, dort gibt es sogar eine Sauer-Orgel!



Am Ein-/Ausgang saß eine ältere Lettin. Sie sprach uns beim Rausgehen in gebrochenem Deutsch an und wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte, wie ihre Mutter und ihre Schwester in jener Nacht 1941 deportiert wurden. Sie wollte nicht weiter drüber sprechen und hatte Tränen in den Augen. Wir waren auch tief bewegt. Wir erzählten von unserem gestrigen Besuch im Okkupationsmuseum... sie erzählte dann, dass vor kurzem eine Großmutter mit ihrer Enkeltochter in die Kirche kam - die Enkelin so fröhlich, die Großmutter so traurig. Sie hatte dabei wieder Tränen in den Augen... Wir haben uns dann ganz herzlich voneinander verabschiedet, sie wollte jedem von uns die Hand geben und hat sich bedankt für das Gespräch - wir auch. Es war eine sehr rührende Begegnung. Wir stellten wieder einmal fest, dass zumindest ab Mitte 60 Jahren alle, mit denen wir bisher gesprochen haben, persönlich betroffen waren damals - entweder selbst oder Angehörige. Wirklich, eine ganze Generation scheint traumatisiert zu sein! Es sind ja auch erst 20 Jahre her seit der Befreiung von der UdSSR... und wir in Deutschland haben nie etwas erfahren, was hier wirklich passierte! Weder in der Schule noch später!

Dann schlenderten wir weiter durch die Neustadt, bewunderten Häuser...







...und entdeckten durch Zufall noch in der Nähe der Gertrudenkirche eine nette kleine lettische Suppenküche...



Doch erstmal begaben uns langsam Richtung 'Lechaim' (jüd. Caféteria, Restaurant). Dort im Souterain empfing uns eine ruhige Atmosphäre wie aus einer anderen Welt mit leiser Musik... Es gab lediglich fünf Tische. An einem saß der Rabbi mit jemand und aß. An die anderen Tische setzten sich kurz nach uns russische Juden und ein deutschsprachiger lettischer Jude (oder umgekehrt) und an einen anderen Tisch setzte sich ein amerikanisches (jüdisches) Paar. Das Essen schmeckte sehr lecker. Es war nur sehr dezent gewürzt, so wie in der jüdischen koscheren Küche üblich. Das Restaurant war einmalig, es herrschte eine sehr nette Stimmung!

Es war viertel vor drei und so schlenderten wir Richtung Esplanade, wo um 16.00 Uhr das Freundschaftskonzert verschiedener Chöre stattfinden sollte. Auf dem Weg dahin lag noch die russisch-orthodoxe Herz-Jesu-Kirche, die größte russisch-orthodoxe Kirche in Lettland, in die wir kurz hineinschauten... große Religiosität herrschte hier. Jung und alt bekreuzigte sich immer wieder beim Reingehen und vor den vielen verschiedenen Altären, viele küssten die Ikonen und stellten Kerzen auf. Es war sehr beeindruckend, wie selbstverständlich sie sich alle verhielten und ihre Religion ausübten...



Weil es dann doch noch eine Stunde zu früh war und Felix von den kleinen Portionen im 'Lechaim' nicht satt geworden war, schlug er vor, nochmal zu der Suppenküche zurückzugehen. Dort bestellte er die kalte Rote-Beete-Suppe (traditionell) und ein Hähnchen-Fleisch mit Zwiebeln und mit nicht definierbaren Gewürzen gewürzt und dazu gekochter Buchweizen. Ich durfte ein bisschen mitessen. Es schmeckte interessant, war aber nicht ganz (bis auf die Rote-Beete-Suppe!) unser Geschmack... aber nun haben wir an einem Tag etwas lettisches, russisches und jüdisches probiert!

Als wir uns wieder auf den Weg zum Freundschaftskonzert machten, mussten wir uns spurten, denn es begann in Kürze. Als erstes trat ein toller Schulchor aus Tobago auf, dann ein chinesischer Schulchor, ein lettischer Erwachsenen-Chor und zum Abschluss ein norwegischer Schulchor. Alle gaben ihr Bestes, die einen mit mehr Spaß und Lockerheit, die anderen etwas angespannter. Besonders die chinesischen Kinder und Jugendlichen hatten es schwer. Sie wirkten sehr angespannt und 'uniformiert' in ihren Bewegungen. Dazu sangen sie mit Abstand am schlechtesten. Hingegen der norwegische Chor am Ende war wirklich fantastisch! Eine total entspannte aber sehr engagierte Chorleiterin, die die Jugendlichen mitriss... das Publikum war begeistert, wir auch!!! Der lettische Chor sang sehr ausgefallene 'Dainas' (Volksweisen) in interessanten Arrangements - teilweise wunderschön!









Morgen werden wir uns in jedem Fall mindestens noch ein weiteres Freundschaftskonzert anhören, evtl. auch zwei...

Zurück ging es in 20 min. wieder zum CP und zu Trevor. Für heute hatten wir bei wieder perfektem Wetter (Sonne pur, aber etwas kühler!) genug erlebt!
Felix fuhr nochmal zum Supermarkt, während ich den Tagesbericht schreibe.

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Samstag, 12.07.2014, 21.30 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute sind wir wieder etwas früher aufgestanden, denn wir wollten unbedingt um 12.00 Uhr beim ersten Esplanaden-Konzert pünktlich sein, um diesmal einen Sitzplatz zu bekommen.

Wir kamen wie gestern auch wieder an der 'Milda', dem Freiheitsdenkmal mit der 'Urmutter Lettlands', vorbei. Sie ist ein Symbol für Freiheit und Frieden. In ihren Händen hält sie die drei Sterne, die stellvertretend für die drei Regionen in Lettland stehen: Vidzeme (Livland), Kurzeme (Kurland) und Latgale (Lettgallen). Auf dem Denkmal steht 'Für Vaterland und Freiheit'. Das Denkmal wurde 1935 gegen Ende der ersten freien Staatsjahre gebaut und eingeweiht. In den zwei Okkupationszeiten danach war das Denkmal Anlaufstelle für viele Letten, zu Milda für ihre Freiheit zu beten. Auch heute noch ist das Denkmal sehr wichtig für die lettische Bevölkerung... es wird von zwei lettischen Soldaten mit einer Ehrenwache bewacht.









Nachdem wir die Wachablösung angeschaut haben, ging es weiter Richtung Esplanade. Wir erlebten mittags wieder vier Chöre, wovon uns wieder der letzte am besten gefiel ('Die Primaner' vom musischen Händel-Gymnasium aus Berlin). Witzigerweise war das genau der Chor, von dem wir am ersten Tag in Riga bereits Mitglieder in der Altstadt getroffen hatten...
Als erstes dieses 'Freundschaftskonzertes hörten wir einen russischen Kinder-/Jugendchor, dann einen griechischen Erwachsenen-Chor, sowie einen Kinder-/Jugendlichenchor aus China und Hongkong und abschliessend dann 'Die Primaner'. Danach machten die Griechen in einer Art 'After Show Party' richtig Stimmung und tanzten zusammen mit dem Publikum und Mitgliedern aus den anderen Chören zu Zorbas' Musik.



Es war eine tolle Stimmung, von der wir uns dennoch losrissen, weil wir ja noch zum regionalen Bauernmarkt wollten. Den fanden wir erst, nachdem wir zunächst vorbeigefahren waren und die Strecke nochmal zurückfuhren - es war nur ein recht kleines Eingangsschild und der Hinterhof, in dem der Markt stattfand, war in der hinteresten Ecke des Innenhofes... leider war dort nicht mehr allzu viel los. Dennoch kauften wir Heidelbeeren, Ziegenkäse und Wurst und Schinken (diesmal ohne Konservierungsstoffe!). Ausserdem kaufte ich mir einen wunderbaren orangen Seidenschal an einem Stand mit ganz viel selbstgewebten Leinen- und Seidenschals. Überhaupt wurde hier viel Handarbeit verkauft, es gab noch drei Stände mit selbstgestrickten Handschuhen und Socken, einen weiteren mit Leinen und einen mit Ketten und Ohrringen aus Holz, natürlich den obligatorischen Bernsteinstand nicht zu vergessen...

Felix brachte anschliessend die Einkäufe zu Trevor in die Kühlung, während ich wieder direkt zur Esplanade fuhr. Das zweite Freundschaftskonzert des Tages begann um 16.00 Uhr und endete gegen 18.00 Uhr. Es traten nochmal sechs Chöre auf, darunter zwei kanadische Highschool-Chöre, ein fantastischer und preisgekrönter Kinder- & Jugendlichenchor aus Südafrika, ein riesiger mixed Boys and Girls-Chor von einer Highschool in Hongkong (ca. 100 Mitglieder) mit einem sehr quirligen, witzigen, total fitten ganz jungen Chorleiter. Und dann folgte ein ganz kleiner traditioneller Frauenchor in Tracht aus Riga, der ausschliesslich lettische 'Dainas' in spannenden Arrangements vortrug. Im Anschluss kam ein italienischer Erwachsenen-Chor und den Abschluss bildete der zweite kanadische Chor, der vor allem indianische Lieder in Originalsprache und in sehr interessanten Arrangements sang.





Inzwischen war das Wetter ziemlich zugezogen und wir waren voll von Eindrücken und so machten wir uns wieder auf zum CP und zu Trevor. Das Wetter klarte langsam schon wieder auf. In letzter Sekunde bevor wir Trevor aufschlossen, wurden wir noch von unseren bayrischen Gegenübernachbarn und hessischen Nebenannachbarn angesprochen. Wir hatten uns kurz bei den Chören gesehen und tauschten uns jetzt über das Erlebte aus. Es ist wirklich eine aussergewöhnlich nette Atmosphäre hier auf dem Platz!

Es war ein toller Tag mit viel Musik und vielen netten Begegnungen! Jetzt bastelt Felix noch an Trevor rum (Fensterheber auf der Fahrerseite ist kaputt!) mit Unterstützung des bayrischen Gegenübernachbarn. Echt nett!!! Ich schreibe den Tagesbericht. Gleich gibt's Fußball vorne an der Rezeption, da werden alle hingehen. Ich werde stattdessen wohl duschen gehen...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Sonntag, 13.07.2014, 18.30 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute sind wir nach kurzer Nacht (Fußball!) recht früh aufgestanden. Zwei unserer Nachbarn haben sich verabschiedet, wir hingegen haben gemütlich gefrühstückt und sind anschliessend nach Riga zu den Markthallen aufgebrochen. Das Wetter verändert sich zunehmens, es zieht immer mehr zu.

Mit dem Fahrrad und am Ende zufuß waren wir in einer halben Stunde dort. Gewarnt vor vermehrten Diebstählen hatten wir nur das nötigste mit und passten doppelt gut auf unsere Taschen und Rucksäcke auf. Die Fahrräder hatten wir vorsichtshalber vor Beginn des Moskauer Viertels, also vor dem Bahnhof, zusammen an ein Straßenschild geschlossen. Dann begaben wir uns durch eine düstere Unterführung, die keiner von uns nachts durchqueren wollte, zum Zentralmarkt.



Dieser Zentralmarkt, der auch heute sonntags von 10.00 - 17.00 Uhr geöffnet hat, ist eine faszinierende Welt für sich! Stände an Stände gereiht, thematisch ein wenig sortiert (Obst- & Gemüsehalle, Fischhalle, Fleischhalle, Milchprodukte-Halle, Brot- & Süßes-Halle), wird man von der Fülle fast erschlagen. Da wir Käse und Wurst/Schinken ja noch genügend haben, beschränkte sich unser Einkauf auf Fisch (frisch und geräuchert), Gemüse (frisch und eingelegt) und Brot/Kuchen sowie Himbeeren.







Voll bepackt kamen wir schliesslich wieder bei unseren Fahrrädern an (sie waren noch da und heil!) und nachdem wir alles auf den Fahrrädern verstaut hatten und der Himmel bedrohlich schwarz wurde, fuhren wir zurück zum CP.

Auf der Brücke über die Daugava hielten wir nochmal kurz an, um den Blick zur neuen Nationalbibliothek vor dem dunklen Himmel zu genießen. Eine tolle Stimmung!



Die neue Nationalbibliothek wurde im Januar diesen Jahres zum Auftakt der 'Kulturhauptstadt 2014' mit einer spektakulären Aktion eröffnet... alle Bücher wurden in einer Menschenkette von der alten zur neuen Nationalbibliothek von Hand zu Hand gegeben in Erinnerung an die 600 km lange Menschenkette von Vilnius über Riga nach Tallinn im August 1989.

Zur Feier des Tages gab es heute frischen Lachs aus Norwegen (Markthallen-Kauf) mit lettischen Kartoffeln und dazu Salat aus Tomaten, baltischer Paprika und kleinen Gurken. Als Nachspeise dann Himbeeren mit Kréjums (Mittelding aus Schmand und Joghurt, 20% Fett). Ein seeehr köstliches Mahl, das Felix da zubereitet hat! Jetzt sind wir beide pappsatt!

Nachtrag: Wir haben beide mit unserer Sat-Schüssel mehr schlecht als recht das Endspiel gesehen und mitgefiebert und fanden, dass die Deutschen wirklich zu Recht gewonnen haben - bei dem aggressiven Spiel der Argentinier und dem 'parteiischen' Unparteiischen! :ja: :wink:

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.

trevor2 am 09 Sep 2014 12:39:47

Montag, 14.07.2014, 18.50 Uhr OEZ, Riga, City Camping (LV)...

Heute morgen sind wir später aufgestanden. Nach dem Frühstück mussten wir erstmal entsorgen, um überhaupt noch einen Tag hier bleiben zu können. Ausserdem konnten wir mal wieder waschen. Da wir uns beide auf kühlere Temperaturen eingestellt hatten, haben wir garnicht sooviele richtige Sommersachen mit. Nun soll es wieder eine Woche bestes Sommerwetter werden, hat uns der Mann an der Rezeption im I-Net gezeigt. Kaum zu glauben!!!

Nachdem wir dann alles erledigt hatten und Felix nochmal beim Supermarkt war, fuhren wir ein letztes Mal gen Riga Innenstadt. Ich wollte nochmal durch die Altstadt streifen, während es Felix tiefer ins Moskauer Viertel gen 'Akademie der Wissenschaften' und auf dem Rückweg erneut durch die Markthallen zog. Er kaufte noch ein paar Dinge ein, zB. das bei uns ziemlich unbezahlbare Kukuma an einem der zahlreichen Gewürz-/Nussstände und einen Küchenlöffel aus Eschenholz für Trevor's Küche bei einer alten Frau an einem der zahlreichen Aussenstände rund um die Markthallen.





Währenddessen streifte ich durch die Altstadtgassen und traf nochmal auf sieben SchülerInnen der 'Primaner', die gegenüber der Petrikirche einige Stücke zum besten gaben, unter anderem ihr Prüfungsstück von Schütz. Ich hörte eine Weile zu, sie sahen mich und winkten mir zu. Sie kamen später nochmal hinterher, als sie ihren Auftritt beendet hatten, um mich nochmal anzusprechen. Fand ich sehr nett.
Beim Weitergehen traf ich diesen Jungen, der ebenfalls mit einem Chor hier in Riga war. Er posierte auf der Pferdestatur für seinen Freund. Die beiden hatten richtig Spaß! Und ich auch beim Zuschauen... :wink:



Ich bummelte auch weiter Richtung Domplatz und dann weiter zu unserem Treffpunkt, dem herrlichen kleinen Café 'Ligitas Gardumi', wo ich mich schonmal niederliess, um die Postkarten zu schreiben, die ich zuvor besorgt hatte.

Die Gasse zum Café...




Die Hausnummer des 'Ligitas Gardumi'. Auf dem Schild steht die Straße (ganz oben), die Hausnummer (groß), darunter ob es ein privates oder ein staatliches Haus ist (in diesem Fall privat) und als unterstes der Grundbucheintrag. Also sehr aussagekräftig die Hausnummernschilder in Lettland...


Zufällig war unser Stadtführer vom ersten Riga-Tag dort mit zwei älteren Herren, die er wohl heute rumgeführt und anschliessend ins 'Ligitas Gardumi' gebracht hatte. Wir grüßten uns noch kurz, dann zog er mit den beiden Herren von dannen. Mein Gefühl vom Riga-'Dorf' bestätigt sich von Tag zu Tag... :wink:
Felix kam dann auch irgendwann ins Café und zusammen saßen wir noch eine Weile in diesem entzückenden Café-Garten, um dann schliesslich endgültig aus Riga Abschied zu nehmen.

Auch auf dem Rückweg über die Daugava und hier in Kipsala wurden all' unsere Erinnerungsorte nochmal im Bild festgehalten! Es kommt richtig ein wenig Wehmut auf, dass wir morgen nun Riga verlassen. Es war hier alles zusammen wirklich sehr schön! Einziger Abstrich, die rabiaten Auto- und FahrradfahrerInnen. Bei jeder zweiten Fahrt in oder aus der Stadt hatte mindestens eine/r von uns eine brenzlige Situation, das war weniger entspannend!

Wieder bei Trevor machten wir Abendbrot, es gab frischen Matjes mit lettischen Pellkartoffeln und dazu Tomaten, Gurken und zwei Sorten eingelegten Kohl vom Zentralmarkt. Und jetzt sitze ich am Tagesbericht und hab' eben die Fotos beider Kameras runtergeladen.

Felix verpackt schon wieder alles reisefertig, damit wir morgen früh zeitig los können. Morgen geht es nach Sigulda und vielleicht noch nach Césis und dann weiter zum Gauja-NP. Auf den freuen wir uns schon ganz besonders!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Dienstag, 15.07.2014, 21.50 Uhr OEZ, Camping 'Apalkalns', Raiskums (LV)...

Heute galt es also Abschied von Riga zu nehmen, was uns beiden sichtlich schwerfiel. Dank Thommy's Unterstützung kamen wir gut aus Riga raus, unser Ziel heute war der Gauja-Nationalpark. Der drittgrößte Nationalpark Lettlands und bekannt durch seinen durchquerenden Fluß, die Gauja. Wir hatten schon sehr viel gehört und waren sehr gespannt... zunächst fuhren wir nach Sigulda und gleich weiter zur Burg Turaida. Dort wurde eine ganze Burganlage auf einem Hügel gezeigt. Wirklich schön gemacht und beeindruckendes Dokument der Zeitgeschichte (13. - 16. Jhdrt.)!









Der Gedenkstein für die 'Rose von Turaida'... für diejenigen, die noch nichts davon gehört haben, es handelt sich hier um eine herzerweichende Liebestragödie mit Mord!


Danach waren wir beide erstmal kulturell 'abgefüllt', sodass wir beschlossen, irgendwohin in die Natur zu fahren. Mir fiel der CP 'Apalnkalns' in Raiskums bei Césis ein, der auch freies W-LAN hat. So beschlossen wir, dorthin zu fahren.

Das gestaltete sich jedoch nicht ganz so einfach. Schliesslich fragte Felix in einem 'Supermarkt' nach dem Weg, während ich völlig fasziniert einen klitzekleinen Milch-Laster beobachtete, der vor dem Laden hielt. Jetzt versteht man auch, warum die Milch in Lettland teurer ist... hier ist alles echte Handarbeit vom Melken bis zur Molkerei!

Auf dem Tank steht groß 'PIENS' (= lettisch für 'Milch'), kann man auf dem Foto leider nicht richtig erkennen... Nachtrag: Später auf unserer Reise haben wir noch viele dieser alten PIENS-Laster gesehen!


Schliesslich fanden wir den CP noch und als wir eintrafen, sahen wir gleich unsere Rigaer Nachbarn, von denen wir uns heute morgen eigentlich gerade verabschiedet hatten. Sie waren kurz vor uns hier eingetroffen, obgleich wir sie beim Freilichtmuseum in Riga wähnten... es gab eine herzliche Begrüßung und dann richteten wir uns ein und Felix kochte. Ich versuchte ein paar wichtige Mails abzuschicken und ins I-Net zu kommen. Es gelang mir, der Bericht wurde aktualisiert.

Als wir nach dem Essen eine Runde über den Platz zum See und zu den sanitären Anlagen des CP machten, riefen schon von weitem unsere Rigaer Gegenübernachbarn großes Hallo! Auch sie waren hier und das schon paar Tage. Sie erzählten uns, dass sie morgen mit einem anderen Paar eine Paddeltour auf der Gauja machen wollen. Der Campingplatzbetreiber bringt sie mit seinen Booten nach Césis und dann paddeln sie bis Ligatne (ca. 17km). Dort holt er sie dann wieder ab. Ich überredete Felix spontan, mitzupaddeln. Er ist ja erfahren und hatte auch große Lust, wenngleich die Gauja ja der gefährlichste Fluß Europa's ist und vom Schwimmen in ihr dringend abgeraten wird! Nachdem die anderen sich alle mehr oder weniger als Paddel-AnfängerInnen und -Laien entpuppten, überlegte ich nach kurzem Hin und Her auch mitzukommen, da die Strecke absolut anfängergeeignet sein soll. Im Laufe des Abends schlossen sich dann auch noch unsere Rigaer Nachbarn an, sodass wir morgen mit vier Paaren eine Paddeltour auf der Gauja machen werden - wir freuen uns sehr darauf!

Der CP hier ist wunderschön, der Betreiber sehr herzlich und um das Wohl jeden Campers bemüht - wir fühlen uns vom ersten Moment an hier pudelwohl! Natürlich ist es doppelt schön, die anderen hier zufällig alle wiedergetroffen zu haben! :ja: :)

Unser Stellplatz...


Blick auf den See am nächsten Morgen aus dem Alkoven...


Gefahrene Trevor-Kilometer heute ca. 70 km.


Mittwoch, 16.07.2014, 19.00 Uhr OEZ, Camping 'Apalkalns', Raiskums (LV)...

Heute morgen hieß es also etwas früher aufstehen, frühstücken, Picknick und sonstiges einpacken, denn um 10.00 Uhr startete die Kanutour an der Rezeption. Zunächst mussten wir uns alle eine Schwimmweste aussuchen und bekamen wasserdichte Beutel für unsere mitgenommenen Sachen. Dann fuhren wir im Bus mit Bootsanhänger bis Césis. Dort setzten wir ein und verabredeten, anzurufen wenn wir in Ligatne waren. Dann verliess uns unser Chauffeur und wir waren auf die 'Erfahrenen' unter uns angewiesen. Alles klappte prima und so starteten wir gen Ligatne auf der Gauja, die sich zunächst als breiter ruhiger und flacher Fluss zeigte - gut für den Anfang zum Reinkommen... zwei waren die kompletten Laien (davon war ich eine), zwei eher AnfängerInnen. Je länger wir paddelten, desto sicherer fühlte ich mich und fand das Paddeln recht einfach... Es war eine fantastische Tour mitten durch die Wildnis auf diesem wunderschönen und abwechslungsreichen Fluss - Stille, nur das Rauschen des Flusses und Plätschern der Wellen am Boot - es war magisch! Ab und an unterhielten wir uns, dann wieder fuhr jedes Paar für sich - wir waren eine ganz tolle Gruppe und ergänzten uns prima! Zwischendrin machten wir zwei Pausen, eine längere Picknickpause und eine kürzere Trinkpause. Alle haben die Kanutour sehr genossen.









Als wir am Fähranleger in Ligatne ankamen, wurden wir vom CP-Team schon mit Bus, Auto und Bootsanhänger erwartet. Kurz nach uns kam noch ein holländisches Paar an, die eine Stunde nach uns gestartet sind und zehn Minuten nach uns ankamen. Sie waren durchgepaddelt, wir hatten uns ja extra viiieeel Zeit gelassen... wieder am CP angekommen, konnten wir uns noch nicht sofort trennen und aßen zusammen noch ein Eis an der Rezeption. So klang der tolle gemeinsame Tag aus. Morgen reisen zwei Paare ab... nur unsere Rigaer Nachbarn bleiben auch noch hier.

Bei Trevor angekommen, spürten wir beide unsere Müdigkeit. Felix macht noch einen Salat, dazu gab es Pellkartoffeln. Es rundet den ohnehin fantastischen Tag angemessen ab. Ich schreibe Reisebericht. Abends gingen wir früh ins Bett...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.

trevor2 am 10 Sep 2014 22:19:56

Donnerstag, 17.07.2014, 21.50 Uhr OEZ, Camping 'Apalkalns', Raiskums (LV)...

Heute erstmal lange geschlafen und dann gemütlich gefrühstückt. Die anderen packten. Dann kam der unvermeidliche Abschied von den anderen! Wir hoffen, Christine und Robert irgendwann nochmal wiederzusehen und haben sie nach Bülstedt eingeladen!!!

Dann fuhren Felix und der Mann des dritten Paares, die auch noch bleiben, zusammen nach Césis mit den Rädern, wogegen wir Frauen 'Urlaub' machten... :wink: :lach:









Ich musste erst jedoch einiges 'büromäßig' erledigen. Dann sichtete ich die Bilderflut der letzten Tage und arbeitete mich langsam durch. Dazwischen saß ich draussen und las mein nächstes Buch. Das Buch von Sandra Kalniete 'Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee' habe ich fertiggelesen - ein tolles Buch mit einer harten Familiengeschichte... man erfährt sehr viel über die Geschichte der Menschen hier in Lettland!





Als die beiden wieder da waren, ging Felix erst im See baden und anschliessend kochte er für uns und erzählte mir von Césis. Abends unterhielten wir uns noch länger mit dem anderen Ehepaar, bevor wir ins Bett gingen. Sie werden morgen fahren, während wir beschlossen haben, noch einen Tag länger hier zu bleiben. Es ist hier einfach herrlich! Und das Wetter soll auch gut bleiben...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Freitag, 18.07.2014, 19.25 Uhr OEZ, Camping 'Apalkalns', Raiskums (LV)...

Heute erstmal lange geschlafen und dann gemütlich gefrühstückt. Die anderen bleiben doch noch... das freute uns!
Ich musste erst jedoch einiges 'büromäßig' erledigen. Dann sichtete ich weiter die Bilderflut der letzten Tage und arbeitete mich langsam weiter durch. Danach gingen Felix und ich im See baden, das war bei diesen heißen Temperaturen sehr erfrischend und hat wirklich Spaß gemacht! Schliesslich arbeitete ich weiter an unserem Reisebericht... Felix fuhr noch kurz zum Dorfladen einkaufen, anschliessend bastelte er weiter an seinem Fahrrad und fuhr dann nochmal zu einer Probefahrt rund um den See los...



Der See, an dem auch der CP liegt, von der anderen Seite...


Man kann den CP auch sehen...


Wieder ein unrestauriertes altes Herrenhaus, dieses steht in Raiskums...


Kurzum, es war ein gemütlicher, unspektakulärer Urlaubstag in wunderschöner Gegend, der uns beiden nochmal sehr gut getan hat!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Samstag, 19.07.2014, 17.45 Uhr OEZ, Hinterhofwiese Hotel 'Kantri', Tartu (EST)...

Ein Tag voller Eindrücke liegt hinter uns... Heute galt es nun, endgültig von unserem wunderschönen Campingplatz 'Apalkalns' in Raiskums Abschied zu nehmen. Es hat uns dort bis jetzt am besten von allen CP auf der Reise gefallen! Und auch von dem anderen Ehepaar, mit denen wir ein Stück der Reise teilten, mussten wir uns nun verabschieden. Sie bleiben noch einen Tag und eine Nacht in Raiskums... Felix ging, nachdem alles gepackt und entsorgt war, nochmal im See schwimmen und anschliessend duschen. Dann machten wir uns auf den Weg nach Unguri zum ehemals ostpreussischen Gut 'Orellen'. Allerdings landeten wir zunächst ca. 3km hinter Raiskums vor einem Tor - es ging nicht weiter! Stattdessen mussten wir eine recht lange Strecke rückwärts fahren, gottseidank immerhin auf einer für lettische Verhältnisse sehr guten Asphaltstraße... dann konnten wir endlich mit unserem super wendigen, kleinen Trevor auf der recht schmalen Straße wenden. Und dann fuhren wir doch über Auciems - so wie wir gekommen waren über die Schotterpiste hin zur P 14 Rtg. Valmiera zurück. Nach ca. 3 km kam dann die richtige Abzweigung zum 'Ungurmuiza Manor' - zum Herrenhaus Orellen. Es war das erste restaurierte Herrenhaus auf der Reise, das wir uns näher anschauten, weil es eben als Museum zugänglich war. Als wir näher kamen, saß auf dem Dach ein Storch. Die Störche begleiten uns, seit wir die polnische Grenze überfahren haben. An manchen Tagen haben wir bis zu acht gesehen! In Raiskums war auch jeden Morgen einer auf der Wiese neben dem CP.

Ungurmuiza Manor erinnert in seinem jetzigen Zustand an die Zeit um 1900 und die folgenden Jahre, im Gebäude hingen jedoch Bilder von 1731 und das Gut wurde bereits 1385 erstmalig erwähnt, damals im Besitz der Familie von Rosen, von denen wir auf der Burg Turaida schon gelesen hatten. Seit 1728 bis 1939 besaß und bewohnte die Familie von Campenhausen das Anwesen. Als die Russen 1919 das erste Mal Lettland und auch Orellen einnahmen, wurde Baron Baltazar von Campenhausen in Césis erschossen. Die restliche Familie zog zunächst in das 'Gesindehaus' (das ehemalige Schulhaus des Gutes), verschwand dann jedoch 1939 ganz von Orellen nach Deutschland. Wahrscheinlich bei dieser 'Heim ins Reich'-Aktion von Hitler, wo die meisten Baltendeutschen nach Westdeutschland umgesiedelt wurden... Sonst wären sie 1940 sicher deportiert worden nach Sibirien bei soviel Landbesitz... zwei Söhne der Familie sind im Krieg gestorben, ein Sohn hat sich als Theologe (Hans von Campenhausen) einen Namen in der Wissenschaft gemacht. Er lebte noch bis 1989. Das Gut übernahmen die Russen. Es war alles mögliche, zum Schluss eine Schule bis 1988. 1989, also zwei Jahre vor der Unabhängigkeit Lettlands, begann die Rekonstruktion und der Wiederaufbau durch eine Kooperation des lettischen und schwedischen Staats. Das Herrenhaus ist nun fast fertig restauriert - es ist beeindruckend und lohnt in jedem Fall einen Besuch! Auch der anschliessende Park und das 'Lusthaus'/'Teehaus' sind sehenswert und nett. Auch der Blick vom Park runter zum See...





In einem Raum werden gerade wieder alte Fresken freigelegt und restauriert...
















Irgendwann wurde es dort immer voller, es schien dort eine Familienfeier zu geben?! Da sind wir lieber gegangen. Wir fuhren dann weiter Richtung Estland. Unser heutiges Reiseziel sollte ja Tartu sein. Das Wetter zog immer mehr zu und es begann immer mal zu regnen. Man konnte jedoch schon dicke Gewitterwolken von Ungurmuiza aus sehen und als wir kurz vor Valka/Valga waren, begann es zu gewittern. Die Grenzgebäude sind geschlossen und vollständig verwaist.



Ab der estnischen Grenze besserten sich die Straßen wieder rapide! Auf den ersten estnischen Kilometern endete dann das Gewitter erstmal wieder, der Regen blieb allerdings. Das Gewitter, das sich nicht so richtig verzogen hatte, begann kurz vor Tartu erneut und war diesmal sogar sehr heftig und direkt über uns und klang nur langsam aus, als wir hier ankamen. Jetzt hellt es zum Abend etwas auf. Momentan scheint sogar die Sonne! Mal sehn, was morgen für Wetter ist, wenn wir Tartu erkunden?!

Unser heutiger Stellplatz... im Hinterhof des Hotel 'Kantri' in Tartu...




Zum Tagesabschluss haben wir eben köstlich gespeist - Nudeln mit Parmesan und in Olivenöl gerösteten Zwiebeln. Jetzt schreibe ich noch kurz unseren heutigen Bericht und dann gehen wir früh ins Bett. Felix beschäftigt sich noch mit 'Thommy'und seinen Einstellungen, weil er uns mitunter in den Wahnsinn treibt! Ich habe mich gestern abend auf dem CP noch mit einem sehr netten jungen Schweizer Informatiker unterhalten, der denselben 'Thommy' in seinen Diensten hat wie wir - wir haben uns die wildesten Stories unserer Navis auf dieser Fahrt erzählt und hatten ein abendfüllendes Gespräch und viel Spaß! :ja: :lach: Wir haben ja noch zusätzlich - oder soll ich sagen hauptsächlich - sehr gutes Kartenmaterial in allen Ländern, das uns sehr gut hier durch lotst... (Einzelkarten von Nordpolen, Litauen, Lettland, sowie Estland vom Reise-Know-How-Verlag, Maßstab jeweils ca. 1:300.000, absolut empfehlenswert)

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 174 km.

trevor2 am 12 Sep 2014 11:58:19

Sonntag, 20.07.2014, 16.00 Uhr OEZ, Hinterhofwiese Hotel 'Kantri', Tartu (EST)...

Nach einer ruhigen Nacht wachten wir heute morgen durch ein weiteres herannahendes Gewitter auf. Erst fanden wir es noch sehr gemütlich und frühstückten in Ruhe und genüsslich. Nur leider wollte das Wetter sich nicht so richtig bessern. Zwar hörte nach anderthalb Stunden das Gewitter endlich auf, aber der Pladderregen blieb. Wir gingen erstmal zur Rezeption und erkundigten uns nach Bussen, Stadtplan von Tartu, etc. und bezahlten die Nacht (€ 15,- für den schlechten Service und den recht öden Stellplatz schon recht happig!!! Am Telefon vorher hatte man uns € 10,00 gesagt... Mit dem Fahrrad kommt man aber sehr gut von hier in die Stadt).

Es stellte sich heraus, dass garnicht weit eine Bushaltestelle war und der Bus fuhr auch recht häufig (alle 15 min.) und war recht günstig ( € 1,- pro Person). Wir entschieden uns mit dem Bus zu fahren und die Fahrräder auf Trevor zu belassen. Die Busfahrt ging problemlos, auf dem Bus stand 'NÖLVAKU -FI' und wir wunderten uns, dass auf dem Bus zurück auch 'Nölvaku -FI' stand. Erst auf der Rückfahrt an der Bushaltestelle begriffen wir, dass Fi ein Ortsteil von Tartu ist. Die Busfahrer waren beide sehr nett, verstanden kein Wort Englisch, freuten sich aber über die ersten estnischen Brocken, die Felix ihnen sagen konnte: Tere! (Hallo! Guten Tag!) und als er die Karten in Empfang nahm 'Tänan' (Danke!). Wir stiegen an der großen Kreuzung vor der Innenstadt aus und liefen am Emajögi (Fluss durch Tartu) Richtung Altstadt/Innenstadt...



Zunächst wollten wir zur 'Tourist Information', denn wir hatten leider unseren Reiseführer und unser Kauderwelsch 'Estnisch' im Womo vergessen. Auf dem Weg dorthin kamen wir am 'Schiefen Haus' und dem 'Brunnen der küssenden Studenten' vorbei. Der Brunnen ist erst zehn Jahre alt. Es gab eine Ausschreibung in Tartu für ein Brunnenmotiv und ein Studentenpärchen meldete sich mit dieser Idee und wurde ausgewählt. Sie durften dann sogar Modell stehen für den Brunnen. Direkt hinter dem Brunnen ist das rosa Rathaus von Tartu, ein klassizistischer Bau. Die Tourist-Info ist seitlich im Rathaus unten mit drin und dort wurde ich vollgepackt mit Prospekten über Estland und Tartu - das meiste sogar in Deutsch. Zusätzlich kaufte ich noch ein paar Postkarten - denn sie hatten wunderschöne! - und Felix durfte ausnahmsweise das MitarbeiterInnenklo der Tourist-Info benutzen. Weil es draussen immer noch schüttete, packte die nette Frau mir auch noch alles in eine Plastiktüte...

Das schiefe Haus...


Das Rathaus mit Brunnen davor...


Der Brunnen der küssenden Studenten...


Die Uni von Tartu - die bedeutendste in Estland...


Die Johanniskirche, eine auch von innen wunderschöne Backsteinkirche...


Wir stromerten so durch die Gassen und schauten uns Häuser an und stießen dabei auf den Wegweiser zum Spielzeugmuseum. Dorthin wollte ich sowieso gerne (hatte den Hinweis auf das Museum schon in unserem Reiseführer gelesen) und so konnte ich Felix überreden, hineinzugehen. Es war wirklich ein lustiges Museum - erinnerte ein bisschen an Bullerbü und Ikea, aber es gab auch viiiel estnisches Spielzeug. Alles war ganz liebevoll aufbereitet und es gab einiges, u.a. ein tolles Schaukelpferd und jede Menge Spiele zum Ausprobieren. Angeschlossen war ein Museumsteil, in dem Puppen einer Filmfirma ausgestellt waren, die Hauptfiguren in Filmen im estnischen Fernsehen früher waren. Dazu liefen einige Kurzfilme für Kinder, in denen einige der ausgestellten Puppen mitspielten. Es waren typisch osteuropäische etwas melancholische und sehr liebevoll gestaltete Kurzfilme, die wir uns natürlich ansahen... :ja: ;D

Das Spielzeugmuseum...


Schliesslich verpackten wir uns wieder in unsere Regensachen und verliessen das Spielzeugmuseum. Aber draussen stellten wir fest, der Regen hatte aufgehört - juchuh!!! Den Rest unseres Tartu-Besuchs verbrachten wir im Sonnenschein und im Trockenen.







Zunächst durchkreuzten wir einfach noch ein wenig die Gassen, dann schlugen wir irgendwann den Weg zum Domberg ein, der imposant über der Stadt thront. Ein riesiger klassizistischer Palast neben dem anderen und dazwischen der alte Dom - oder besser, was von ihm übrig ist - sehr imposante Ruinen (absolut sehenswert!)...









Da langsam meine Lauffähigkeit nach drei Stunden Sightseeing nachließ, beschlossen wir langsam Richtung Busstation zu schlendern. Wir wollten an einer anderen Station wieder einsteigen, weil wir noch durch die 'Kastani'-Straße mit ihren alten Holzhäusern gehen wollten. Und das war für mich fast das Schönste an Tartu - diese phänomenalen alten Holzhäuser... ich konnte mich garnicht sattsehen!!!













Leider war auch diese Straße irgendwann zuende und wir kamen wieder auf der 'Riia' raus, wo wir uns wieder in den Bus Nr. 1 setzten und die 'Riia' entlang zurückfuhren zum Hotel 'Kantri' und zu Trevor.

Wir haben uns nun entschieden, doch noch eine Nacht hierzubleiben und morgen erst weiterzufahren, obgleich die Zustände hier doch mehr als besch... sind bei dem gepfeffertem Preis! Aber so sparen wir einmal alles zusammenpacken und wieder auspacken.

Wieder angekommen ging ich erstmal duschen in den Katakomben des Hotels (nicht sehr einladend!), während Felix ein Festmahl bereitete. Danach fuhr er noch eine Runde mit dem Fahrrad zum Supermarkt, während ich abwusch und jetzt den Tagesbericht schreibe und reinstelle. Denn wir haben hier in der Hotellobby freies W-LAN. Das wird uns wohl auch in ganz Estland begleiten, denn hier ist in der Verfassung 'I-Netzugang für alle' ins Grundgesetz geschrieben!!! Dafür sieht man hier auch überall Sendemasten (nix für Strahlensensible... :roll: )...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.

trevor2 am 14 Sep 2014 18:59:29

Montag, 21.07.2014, 17.45 Uhr OEZ, Wiese am Peipussee, 'Willipu Külalistemaja', Pusi (EE)...

Heute morgen bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht, in Ruhe gefrühstückt - zum ersten Mal 'Kama' mit Joghurt probiert, dann haben wir alles gepackt... gegen 10.30 Uhr brachen wir auf vom südlichen Rand von Tartu. Eigentlich dachten wir, wird es ganz einfach, wir fahren immer auf der A 3 durch Tartu durch bis in den Nordosten Rtg. Kallaste, doch leider war nach vier Kreuzungen auf einmal eine Riesenbaustelle mit Umleitungsschild, das jedoch keine wirkliche Umleitung auswies, bzw. wir sie auch so auf die Schnelle nicht lesen konnten... also bogen wir mal nach rechts ab Rtg Osten der Stadt und wurden flugs wieder Rtg. Süden umgeleitet... wir wollten aber nach wie vor in den Nordosten! Schliesslich konnten wir von der Autobahn abfahren, was wir auch bei der ersten Gelegenheit taten. Der Ort hieß Ülenurme und - oh Wunder! - ich fand ihn auf meiner Karte und konnte Felix ab da dank unserer relativ genauen Karte über kleine und kleinste Strassen lotsen. Weil es uns auf den kleinen Staßen so gut gefiel entschieden wir uns ganz bis Koosi auf kleinen Straßen zu bleiben... es war wirklich eine wunderschöne Fahrt durch Wiesen, Wälder, ab und zu Häuser, kleine Dörfer... plötzlich standen wir vor einer kleinen handbetriebenen Seilfähre - ziemlich ähnlich der in Ligatne. Felix ging erstmal die Lage sondieren und studierte die Preisliste. Als er gerade wieder gehen wollte, stand der Fährmann neben ihm. Obgleich er kein Wort Deutsch oder Englisch verstand, machte er Felix deutlich, er solle ruhig kommen mit Trevor. Und so begann unser kleines Fährabenteuer! Zunächst ruderte der Fährmann rüber, um die Fähre rüberzuholen. Dann wurde es für Felix und Trevor ernst. Um es kurz zu machen, beim Rauffahren auf die Fähre war Felix etwas schwungvoll - wir setzten kurz auf! Gottseidank passierte aber nichts... Beim Runterfahren war er dann vorsichtiger und alles ging gut dank Trevor's doch sehr guter Bodenfreiheit...

Erst mal ging es steil hinunter zum Fähranleger...


Der Fährmann ruderte rüber und holte die Fähre...




In mühsamer Knochenarbeit versuchte er die Fähre tiefer zu bekommen... aber es blieb ein beträchtlicher Spalt...


Mit Handarbeit im wahrsten Sinne des Wortes kurbelte uns der Fährmann hinüber auf die andere Seite des Emajögu...


Diese Fährüberfahrt wäre mit einem längeren tiefergelegteren Womo nicht möglich gewesen... aber unser 'Wieselwomo' schaffte die Überfahrt spielend!


Wir bedankten uns nochmal ganz herzlich beim Fährmann und machten uns auf weiter Richtung Koosi. Die Straße ging über in einen in dreierlei Arten geschotterten Weg über die folgenden zehn Kilometer. Es ging mitten durch das Nichts - hier spürten wir die estnische Bevölkerungsdichte von 30 EW pro Quadratkilometer, hier waren es sogar noch viiiel weniger... Wahnsinnig schön!



Und auch im 'Nichts' überall flächendeckend Bushaltestellen...


Hier muss es doch Elche geben???


Schliesslich erreichten wir wieder Zivilisation in Koosi und eine größere Straße. Auf der fuhren wir dann ein kleines Stück, bis wir nach Kolkja, ein kleines Altgläubigendorf am Peipussee abbogen. Denn heute wollten wir ausnahmsweise essen gehen - in einem altgläubigen Gasthof - seehr beeindruckend und recht lecker!





Gegenüber kauften wir anschliessend noch an einem Fischstand zu einem völlig überteuerten Preis einen getrockneten Fisch, den wir aber morgen erst probieren werden... Dann ging es weiter über kleine Straßen nach Alatskivi. Auf dem Weg dahin boten altgläubige Bäuerinnen an der Straße ihr selbstgezogenes Gemüse an. Wir hielten auch an und wollten ein Pfund Zwiebeln kaufen. Die Bäuerin bat uns in ihren Garten und bot uns immer noch mehr an. Am Ende wurden es ein Pfund Möhren, 2,5kg Zwiebeln und 1 kg von den hier überall üblichen kleinen Gurken - direkt vom Feld geerntet. Allerdings wurde sie sich mit Felix nicht einig über den Preis. Sie wollte tatsächlich sage und schreibe € 14,00 für alles zusammen haben. Wir haben ihr schliesslich € 7,00 für alles gegeben, was immer noch weit über hiesigen Biopreisen liegt. Wir sehen es als 'Sponsoring', obgleich uns die Art der Bäuerin doch auch geärgert hat. Ich denke, die sehen alle unser Womo und dann erhöhen sie mal flugs die Preise! ;) Naja, wir hätten ja auch nichts kaufen müssen, aber wir sind weiter in der landestypischen Küche unterwegs und es macht großen Spaß, die Lebensmittel vor Ort einzukaufen.

Auf der Weiterfahrt sowie heute überhaupt wieder jede Menge Störche... unseren Rekordtag mit 9 Störchen in Kurtuvenai haben wir heute locker getoppt. Alleine auf der Wiese von diesem Foto waren sieben Störche gleichzeitig... echt toll! Viele standen direkt an der Straße beim Vorbeifahren oder liefen direkt hinter den Treckern her, die mähten oder wendeten. Das Baltikum ist wirklich Storchenland!!!



Schliesslich gings weiter bis Kallaste und sogar noch etwas weiter auf der Suche nach dem CP, den uns der Schweizer in Apalnkalns empfohlen hatte. Er wusste den Ort nicht genau und so gingen wir von Kodavere aus. Dort war aber nichts zu finden und die Gegend sah auch so recht düster aus, sodass wir dort auch nicht freistehen wollten. Also umdrehen. Auf der Fahrt hin hatten wir mehrere CP-Schilder gesehen. Als wir dem ersten folgen wollten, führte es uns ins Nichts... So drehten wir um und fuhren weiter. Kurz danach das Schild zu unserem heutigen Übernachtungsplatz - ich habe es vorhin sogar witzigerweise auch in unserem doch recht guten Reiseführer gefunden! Es heißt 'Willipu Külalistemaja' und liegt in Pusi in der Gemeinde Alatskivi. Es ist genau so, wie wir es uns gewünscht hatten, wir stehen direkt am See mit Blick aus dem Alkovenfenster (und dem Führerhaus und dem Küchenfenster) zum Peipussee, der hier wie ein Meer anmutet und auch eine echte Brandung hat und salzig schmeckt... Durch die Mitte dieses riesigen Sees geht die Grenze zu Russland - wir sind also wieder einmal ganz nah an der russischen Grenze. Hier leben auch überwiegend Russen. Die Altgläubigen sind ja auch Russen, die vor einigen hundert Jahren aus Russland aufgrund ihrer Religion vertrieben wurden und sich dann hier rund um den Peipussee angesiedelt haben.



Solaranlage des Guesthouse...




Der Guesthouse-Inhaber spricht deutsch und hat uns ganz herzlich empfangen! Wir konnten uns einen Platz mit Blick zum See aussuchen - HERRLICH!!! Der Platz betreibt eine große PV-Anlage - wir sind begeistert!
Wir waren dann erstmal am See. Felix war schwimmen, ich nur mit den Füßen im Wasser. Jetzt ist Felix nochmal los zu einer Fahrradtour und ich schreibe noch schnell den Tagesbericht und werde mich dann gleich in den Lehnstuhl setzen und auf den See schauen und lesen...

Felix war mit dem Fahrrad in Nina, einem kleinen altgläubigen Fischerdörfchen, ca. 5 km von unserem Stellplatz entfernt. Er kam ganz begeistert zurück...



Der Friedhof von Nina mit Blick auf den Peipsi Järv (estn. für 'Peipussee')...




Morgen machen wir uns auf nach Viljandi. Das Wetter ist schon wieder fantastisch und soll es die ganze Woche wohl auch bleiben - das freut uns für das Festival besonders!
Wundert Euch nicht, wenn die Bilder heute so einen Matschfleck haben, das Objektiv war dreckig, leider haben wir es eben erst gemerkt...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute dank der ganzen Umwege 104 km.


Dienstag, 22.07.2014, 16.15 Uhr OEZ, 'Felixi Maja külalistele', Viljandi (EE)...

Heute morgen sind wir früh aufgewacht, weil es in Trevor zum ersten Mal sehr stickig durch die Sonne wurde, weil wir gestern auch zum ersten Mal auf unserer Reise alle Luken zugemacht hatten zur Nacht aufgrund eines aufkommenden starken Windes vom Peipussee her, der sehr große Kälte mitbrachte. Der legte sich aber wohl in der Nacht wieder und da morgens ja gegen 4.00 Uhr die Sonne aufgeht, war es gegen 6.00 Uhr schon ganz schön stickig und das trieb uns trotz kurzer Nacht aus dem Bett.

Felix machte Tee und danach toastete er Brot und schnibbelte Obst zum Frühstück, während ich die Adresse des Guesthouse raussuchte, wo wir die nächsten fünf Tage sein würden in Viljandi. Als wir uns gerade zum Frühstück hingesetzt hatten machte es einen lauten Knall... wir erschraken total. Felix hatte vergessen, die Gasflamme auszumachen, hatte aber die Abdeckung des Herdes runtergemacht (Glasscheibe) und die heiße Pfanne wieder draufgestellt. Von oben und unten Hitze, das hielt die Glasscheibe nicht aus und zerbarst in tausend Stücke, die durch's ganze Womo flogen. Wir waren zwei Stunden mit aufräumen und säubern beschäftigt, um wenigstens soweit fertig zu sein, dass wir losfahren konnten! Wir haben Riesenglück gehabt, dass erstens Felix ausnahmsweise wegen der tollen Sicht auf den See neben mir saß und nicht wie sonst mir gegenüber (da flogen nämlich die meisten Splitter hin!) und zum zweiten, dass alle Schränke und Schubladen zu waren und so zwar immer noch eine Menge sauberzumachen war, aber nicht noch mehr, wenn die Splitter noch in Schränke und Schubladen geflogen wären... und zum dritten, dass wir einen sehr guten Handstaubsauger mithatten. Also, großes Glück im Unglück! Nur Felix hat sich ordentlich geärgert. Sowas wird ihm ab jetzt sicher nie mehr passieren! :ja:





Schliesslich fuhren wir mit zwei Stunden Verspätung gegen 12.00 Uhr los. Mit ganz kurzen Unterbrechungen (Toilette, Essen aus Kühlschrank holen) fuhren wir auf selbstgewählten Umwegen (denn wir wollten auf keinen Fall nochmal in das Baustellenchaos von Tartu geraten!!!) und teilweise nochmal auf sehr kleinen Sträßchen an Tartu vorbei nach Viljandi, wo wir gegen 14.30 Uhr eintrafen.

Leider war niemand da am Guesthouse 'Felix' und so warteten wir... und warteten... und warteten! Nach anderthalb Stunden riefen wir den Guesthouse-Besitzer an und siehe da, er schickte sofort jemanden, der uns alles zeigte und auf Estnisch erklärte... wir konnten uns sprachlich nicht verständigen, denn er sprach kein Wort Englisch oder Deutsch. Er machte uns aber mit Händen und Füßen deutlich, wo wir stehen konnten und zeigte Felix Toilette und Duschen. Dann zog er wieder von dannen. Seitdem sind wir hier alleine. Es ist aber sehr schön! Wir stehen auf dem offiziellen Parkplatz des Guesthouse und direkt vor dem Garteneingang. Zehn Meter von uns entfernt plätschert ein Brunnen im klitzekleinen Garten des Guesthouse, in den Nachbargärten wird rasengemäht - es ist hier eine sehr ruhige Gegend, in der wir 'Trevor' gut alleine lassen können, wenn wir beim Festival sind.









Felix ist nochmal einkaufen gefahren mit dem Fahrrad, ich habe mich schon mal im Garten des Guesthouse mit einem unserer Gartenstühle hingesetzt und gelesen und ausgespannt... heute sind wir beide sehr müde und werden früh ins Bett gehen. Morgen werden wir Viljandi erkunden und übermorgen geht das Festival los. Felix hat schon eine ältere Finnin auf dem Weg zum Einkaufen getroffen, die zum 16. Mal zum Festival hier ist. Das hört sich verheißungsvoll an... wir sind sehr gespannt!

Gerade eben hat sich uns auch der Inhaber kurz vorgestellt. Ein sehr netter, älterer Mann namens Jánis. Er hat früher in Helsinki als Busfahrer gearbeitet. Wir können den Garten nutzen und das natürlich typisch estnisch freie I-Net. Jetzt waren wir noch kurz duschen und ich stelle grade noch hier auf der Terasse sitzend den Tagesbericht online. Hier lässt es sich wirklich aushalten!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 133 km.


Mittwoch, 23.07.2014, 19.45 Uhr OEZ, 'Felixi Maja külalistele', Viljandi (EE)...

Heute morgen spät aufgestanden. Wir wollten es gemütlich angehen lassen. Das Tolle ist, dass Trevor hier morgens noch lange Schatten hat. Bis wir gefrühstückt und alles sortiert hatten, war es nach 11.00 Uhr. Bis wir schliesslich mit den Rädern in die Stadt losfuhren gegen 12.00 Uhr. Die Fahrt in die Stadt war ein wenig anstrengend, ging es doch beständig bergauf und ab mit beträchtlichen Steigungen! Viljandi liegt an einen Hügel 'angelehnt' und reicht vom Seeufer bei 0m bis 100m hoch auf der Ruine (meine Schätzung!!!). Schliesslich waren auch noch Bauarbeiten in der Stadt, sodass wir erst über Umwege die Touristinfo fanden. Dort fragten wir nach dem gedruckten Festivalprogramm, das dort aber noch nicht vorlag... netterweise druckte uns jedoch die Dame in der Touristinfo das gesamte Programm aus dem I-Net aus - auf estnisch... ab morgen wird es Programme geben, die man käuflich erwerben kann. Ein junger Mann beantwortete uns noch zigtausend Fragen. Im Gegenzug opferte ich mich und füllte einen dieser unsäglichen Qualitätsstandardbögen für die Viljandi-Touristinfo aus, weil er mich darum bat. Als Dank bekam ich eine nach Felix' Aussagen seeehr leckere Süßigkeit geschenkt (denn er durfte sie essen!) und wir bekamen eine kostenlose Stadtführung durch Viljandi mit einer ganz jungen Frau, die sogar ein wenig Deutsch sprach. Uns schloss sich noch eine Estin in unserem Alter an und los ging es durch ein Viljandi, das ganz im Zeichen des Aufbaus für das Festival stand. Natürlich besichtigten wir auch die Schauplätze des Festivals, die Johanniskirche (irgendwie heißen hier alle Kirchen 'Johanniskirche'?!?) und die Burgruine, aber auch die Altstadt und viele, viele Denkmäler - von denen Viljandi wirklich viele hat ebenso wie kleine Parks an allen Ecken... und überall - wie im ganzen Baltikum! - liebevoll blumenverzierte Vorgärten und Balkone mit Blumenkästen und -töpfen. Sehr hübsch und auflockernd. Zwischendrin immer wieder attraktive alte leerstehende große Gebäude, zB. die zuletzt als KGB-Hauptquartier und als Grand Hotel genutzten großen Gebäude mitten im Zentrum von Viljandi. Es finden sich keine KäuferInnen, meinte unsere Gästeführerin...

Die Johanniskirche von Viljandi...


Auch Konzertraum beim Festival, wie uns die Frau am Eingang erklärte...


Blick von der Burgruine auf das Tal und den Viljandi-See...


Pärimusmuusika-AIT (= Zentrum für Folkmusik), Organisator des 'Pärimusmuusika-Festival' in Viljandi...








Das alte 'Grand Hotel' - schon lange umgezogen in einen Neubau, seitdem steht dieses Gebäude leer und zum Verkauf...




Nach der ca. anderthalb Stunden dauernden Führung waren wir kulturell 'abgefüllt' und so verließ uns unsere Gästeführerin und wir gingen zur Touristinformation, um unsere Fahrräder zu holen. Dann machten wir uns auf den Weg zu 'Trevor' nach 'Petrimöesi' (so heisst unser Stadtteil, in dem übrigens auch der Großvater der Gästeführerin wohnt!) zum Guesthouse 'Felix'. Nach einer halben Stunde waren wir wieder dort und dann setzte ich mich in den Garten zum Lesen während Felix kochte. Danach genossen wir beide noch ein wenig den Garten, bevor Felix sich zum Baden aufmachte zum Viljandi-See - also den ganzen Berg runter. Er wollte auch noch an einem Autoreparaturladen vorbei, um eine neue Sicherung zu kaufen für unseren Wechselrichter, die gestern kaputtgegangen ist. Hier wie im gesamten Baltikum haben die Geschäfte in der Regel bis 22.00 Uhr auf an sieben Tagen in der Woche - echt hart für die VerkäuferInnen, praktisch für uns!

Ich sitze nun wie jeden Abend am Tagesbericht.

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Donnerstag, 24.07.2014, 22.40 Uhr OEZ, 'Felixi Maja külalistele', Viljandi (EE)...

Heute morgen erstmal spät aufgestanden, dann wollten wir gemütlich frühstücken, aber leider fing es nachdem auf dem Herd alle drei Flammen richtig gearbeitet hatten, plötzlich aus der Schublade raus ziemlich an zu stinken - also wieder nix gemütlich frühstücken, erstmal checkte Felix woher der Gestank kam. Leider konnte er es nicht richtig rausfinden. Und leider stinkt es heute abend immer noch???

Dann drängte die Zeit etwas und wir schmierten uns Brote und machten uns fertig zum ersten Festivaltag. Im Nu waren wir mit den Rädern bei der Touristinformation, um unsere Fahrräder anzuschliessen. Dann ging es zur Ticketregistrierung, die Tickets wurden gegen verblombte Armbänder getauscht. Wir ergatterten noch eins der wenigen englischsprachigen Programme, die waren kurz danach ausverkauft.

Und dann ging es los zur Eröffnung zur Bühne 'EMT Kaevumäe Stage' vor der Ruine (die man in den ganzen Videos sieht, wenn man bei Youtube 'Viljandi Folkfestival' eingibt). Wir waren sogar noch pünktlich und ergatterten auch noch einen Sitzplatz. Es wurden viele Reden gehalten - leider ausschliesslich in Estnisch. Ausser einzelnen Worten wie 'üks' (= eins) und 'Pärimusmuusika Festival' (= Folkmusikfestival) verstanden wir garnichts, bekamen am Ende aber mit, dass ein anscheinend sehr wichtiger Mann (zumindest mit Bodyguards) das Folkmusikfestival für eröffnet erklärte.

Nachtrag vom 26.07.: Das war der Präsident Estlands Toomas Hendrik Ilves.

Bilder von der Eröffnungszeremonie...






Nach dem Ende der Eröffnungszeremonie sprach uns eine junge Journalistin an, die für die örtliche Zeitung schreibt. Sie interviewte uns über unseren Eindruck vom Festival und von der Eröffnung. Eigentlich müssten wir morgen die Zeitung kaufen, aber ausser unseren Namen würden wir ja eh kein Wort verstehen... :wink: Estnisch hört sich wirklich wunderschön an, ist aber sauschwer! Danach schlenderten wir ein wenig durch die tausende Stände und suchten uns ein schattiges Plätzchen, um erstmal zu picknicken. Überall sah man Familien mit Kindern, ältere Menschen und Jugendliche herumschlendern auf diesem wahnsinnig schönen Gelände oder irgendwo sitzen im Schatten... denn das Wetter war zwar fantastisch, aber doch extrem heiss! Besonders vor der Hauptbühne sitzt man in der prallen Sonne...





Von unserem Picknickplatz aus, konnten wir im Hintergrund auf der 'Kirsimäe Stage' Jugendliche auf den unterschiedlichsten Instrumenten spielen hören, die gerade einen zweiwöchigen Workshop vor dem Festival besucht hatten und nun ihr beträchtliches Können zum Besten gaben... Ich ging dann noch ein bisschen bummeln und kaufte mir erstmal einen Strohhut.

Unser erstes gemeinsames Konzert hörten wir dann um 16.00 Uhr wieder auf der Hauptbühne, die Gruppe 'Klapp' bestehend aus drei jungen Männern, die Folkmusik in Seto-Tradition darboten. Sehr schönes Konzert! Nur die Hitze machte mir noch ziemlich zu schaffen... Über unseren Köpfen flog eine Foto-/Filmdrone, die schon frühere Jahre im Einsatz war (s. Filme bei YouTube)... überhaupt ist hier der Stand der Technik wirklich sehr hoch... überall wird mit zig Hightech-Kameras alles gefilmt.









Dann gingen wir zur nächsten Bühne, eigentlich wollten wir eine tschechische Gruppe hören, die machten gerade Soundcheck als wir ankamen und nachdem wir beide das kurz gehört hatten, beschlossen wir einstimmig doch zu den Italienern zu gehen, was wir ja eigentlich auch wollten, wir dachten nur, dann verpassen wir die Tschechen. Nun ist es doch so gekommen... Aber unser Entschluss war goldrichtig. Schon als wir zur 'Kirsimäe Stage' reinbogen, war es ein wundervolles Bild. Überall auf der Wiese vor der Bühne lagen und saßen Menschen in kleinen Gruppen im Gras... wir fanden sogar einen Schattenplatz! Es war eine tolle Stimmung schon vor dem Konzert. Wir holten uns erst nochmal etwas zu essen, bevor das Konzert startete.

Dann startete das beste Konzert des Tages für uns, die Gruppe 'Canzionere Grecianico Salentino' bestehend aus 5 MusikerInnen und einer Tänzerin aus dem Süden von Apulien. Diese Gruppe macht wundervolle Musik, teilweise tranceartig, dann wieder ungeheuer lebendig. Wir haben uns hinterher zwei CDs gekauft, die ich noch habe signieren lassen... wir waren beide restlos begeistert. Die Gruppe musste auch noch zwei Zugaben geben, weil alle sooo begeistert wie wir waren.







Dann schlenderten wir eine Bühne weiter, um uns das letzte Konzert des Tages (für uns! das Festival geht bis 2.00 Uhr heute nacht weiter) anzuhören. Cedric Watson, den Felix so gerne hören wollte. Er ist Schwarzer aus Louisana und macht Cajun-Musik mit creolischem Einschlag. Er spielt mit zwei weiteren MusikerInnen in Besetzung Waschbrett, creolisches Akkordion und Geige. Wir waren dann beide nicht so begeistert, es wiederholte sich eigentlich eine Stunde immer dieselbe Musik. Sie erinnerte uns beide übrigens an den wunderschönen Film 'Schultze gets the blues'. :ja:



Abgefüllt mit genug Musik schlenderten wir zu unseren Fahrrädern, ich kaufte mir noch ein Festival-T-Shirt. Dann fuhren wir zu Trevor, gingen noch schnell duschen und jetzt hören wir grade die mitgeschnittenen Konzerte, fallen gleich aber beide total müde und 'voller Musik im Ohr' ins Bett!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.

Nachtrag: Beim Cedric-Watson-Konzert lernten wir Kersti und ihren ukrainischen Freund kennen. Kersti ist eine der BühnendesignerInnen der Kirsimäe-Stage. Witzigerweise hatten wir über dieses tolle Design vorher gerade gerätselt. Sie erzählte uns dann, dass es jedes Jahr ein neues - passend zum jeweiligen Thema gibt - von AbsolventInnen der Kunstakademie von Viljandi hergestellt. Sie hat hier früher auch studiert, lebt und arbeitet jetzt aber in Tartu. Sie hat uns nochTipps für weitere spannende Konzerte gegeben...

trevor2 am 16 Sep 2014 18:55:03

Freitag, 25.07.2014, 22.40 Uhr OEZ, 'Felixi Maja külalistele', Viljandi (EE)...

Heute morgen früh aufgewacht, kein Tee gemacht, denn Felix hat erstmal weiter nach der Ursache des Gestanks geforscht. Leider ist er nicht fündig geworden, aber wenigstens ist es nur wenn wir kochen... irgendetwas verträgt die Hitze nicht??? Eventuell hängt es noch mit der Gla?plosion zusammen...

Gegen Mittag sind wir aufgebrochen. Das erste Konzert fand um 14.00 Uhr statt, eine spanische Gruppe namens 'Feten, Feten'. Sie waren richtig klasse und es hat viel Spaß gemacht, ihnen zuzuhören!





Danach ging ich zu einem Konzert, das uns Kersti empfohlen hatte. Eine Frau namens 'Mari Kalkun' und ihre Band 'Runorun' , absolut spannende Musik angelehnt an die uralten Runogesänge der Esten... wir wollen sie Sonntag als Ausklang des Festivals nochmal zusammen hören... Felix war inzwischen beim Womo um einen neuen Foto-Akku zu holen. Dabei fiel ihm sein Fahrradmantel auf, der wohl kurz vorm Crash war und so drehte er eine Runde am Fahrradladen vorbei, wechselte den Reifen und kam deshalb erst spät dazu.





Das nächste Konzert 'Nordic' (drei Männer aus Schweden) hörten wir uns zusammen an. Ebenfalls fantastisch und sehr aussergewöhnlich! Durchweg hören wir bei diesem Festival erstklassige MusikerInnen, das ist aussergewöhnlich für ein solches Festival... dieses Konzert war wieder auf dieser wunderschönen 'Kirsimäe Stage', wo bei jedem Konzert, das wir dort hörten eine wunderbare und besondere Stimmung herrschte. Die meisten saßen oder lagen im Gras im Schatten, aßen oder tranken etwas und genossen - genau wie wir - die herrliche Musik bei diesem wunderschönen Sommerwetter!





Danch stand eigentlich eine wohl preisgekrönte Irin auf unserem Programm, aber wir hatten beide keine Lust auf irisch und gingen stattdessen zu einer estnischen Männergruppe namens 'Konterband'. Sie spielten estnische Volkstanzmusik und bei ihrem Konzert ging es richtig ab - alt und jung schwangen das Tanzbein! Es war faszinierend anzuschauen! Die Musik war nicht so ganz unsere (erinnerte an 'Musikantenstadl'), aber die Esten näher kenenzulernen mit ihrer Freude an der Bewegung und am Miteinander - das hat großen Spaß gemacht!



Danach fuhr ich zu Trevor, ging duschen und schreibe jetzt den Bericht, während Felix noch im fünften Konzert des Tages ist: 'Rüüt' (ebenfalls eine estnische Gruppe), die in der Johannis-Kirche auftreten...
Eben kam unser Vermieter an und zeigte mir die örtliche Tageszeitung. Er hatte unsere Namen unterstrichen. Wir stehen tatsächlich namentlich erwähnt drin... es steht aber wohl laut seiner Aussage nur drin, dass wir extra zum Festival von Deutschland nach Viljandi gekommen seien... :wink: :) Von unserer einzigen Kritik, dass so wenig bis garnichts ins Englische übersetzt wurde, wurde leider nicht berichtet.

Felix' Bericht vom restlichen Abend:
Zunächst schlenderte ich über das Festivalgelände, überall war noch viel los. Auf der Green Stage spielte ein junger Akkordeonspieler und viele tanzten...





Schliesslich ging ich zur Johannis-Kirche, in die ich zuerst nicht eingelassen wurde, dann aber doch noch. Es herrschte zunächst fast eine Art Beerdigungsstimmung in der Kirche, ein Pfarrer sprach stundenlang eine Art Predigt. Alles auf estnisch, es wurde aufgestanden und hingesetzt im Dialog mit dem Pfarrer. Aus Höflichkeit machte ich mit...
Als Rüüt dann auftraten, war eine sehr dichte musikalische Stimmung, die durch das Kirchenambiente und die tolle Akustik und die Ruhe im Publikum noch verstärkt wurde. Und die Musik eine Mischung aus Runo-Gesang und moderner Folkmusik mit viel Chorgesang. Es war ein sehr intensives und ergreifendes Konzert - das Warten hat sich in jedem Fall gelohnt!



Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Samstag, 26.07.2014, 22.15 Uhr OEZ, 'Felixi Maja külalistele', Viljandi (EE)...

Heute morgen länger geschlafen, gestern wurde es ja auch noch sehr spät... beim Frühstückmachen hat Felix tatsächlich herausgefunden, warum es die letzten beiden Tage so gestunken hat beim Kochen - er hat die Brotröstpfanne nur halb auf die Platte und halb auf den Rand gestellt und der ist von einer Gummidichtung unterfüttert und die konnten wir jetzt aufgasen sehen - daher kam also der Gestank. Als er die Pfanne daraufhin grade auf die Platte stellte, wurde er sofort weniger. Also völlig harmlos! JUCHUH!

Beim Frühstücken haben wir die Konzertmitschnitte von Nordic und Rüüt gehört, weswegen das Frühstück, Packen und Fertigmachen eben auch etwas länger dauerte... :wink:

Ich fuhr dann wie gestern schon mal los zum Festival, während Felix noch beim Autoteileladen vorbei wollte wegen der Sicherung. Auf dem Weg ging sein Fahrrad schon wieder kaputt, diesmal ein Teil der Gangschaltung. Der Fahrradladen hatte aber leider schon zu...

Ich hörte mir als erstes Konzert noch ein anderes Jugendprojekt an, die 'Umeuropa Ethno Caravan', die den ganzen Sommer mit einem blauen Bus durch Europa touren und sich in allen Ländern inspirieren lassen und dortige Lieder lernen. Dementsprechend bunt war ihr Repertoire. Die Gruppe besteht aus ca. 20 Jugendlichen aus aller Welt. Ihre letzte Station vor Viljandi war Riga... Qualitativ waren sie schon eine Spur besser und professioneller als das Estonian Ethno-Camp, das wir Donnerstag hörten. Es machte wirklich Spaß zuzuhören!



Danach machte ich mich auf zum verabredeten Treffpunkt - Felix kam kurz nach mir. Wir gingen in ein Konzert einer Gruppe Viljandi'scher AbsolventInnen - denn von Kersti erfuhren wir, dass es hier in Viljandi auch einen vierjährigen Studiengang in Pärimusmuusika (Folkmusik) gibt, den auch einige der hier auftretenden MusikerInnen absolviert haben. Die Gruppe heisst Lepaseree. Es fand in einem kühlen, sonnenfreien Saal des Pärimusmuusika-Hauses statt, weswegen wir es auch wählten. Das Konzert war aber sehr flach und die drei MusikerInnen spielten überhaupt nicht wirklich zusammen - es hat uns beiden nicht gefallen, wir sind nur aus Höflichkeit geblieben....

Danach gingen wir erst zu 'Zetod', eine hier sehr angesagte Rockgruppe, die so eine Art 'Seto-Rock' spielten und sangen. Nach zwei Stücken flohen wir, es war uns einfach zu laut. Aber den Massen Publikum nach zu schliessen, war es eins der angesagtesten oder das angesagteste Konzert des Festivals. Vor allem die weiblichen Teenies hingen den Jungs von Zetod an den Lippen... :ja: :lach:







Stattdessen gingen wir zu 'Ciac Boum', einer französischen Gruppe, die im Innenhof des Viljandi-Museums spielte und zumindest Felix restlos begeisterte.







Ich ging schon mal vor zur letzten Stage, um Plätze zu sichern. Trotz heftigem Lärm von der Nachbarbühne (Zetod) versprach schon der Soundcheck ein spannendes Konzert zu werden... und das bewahrheitete sich. Als Felix dann kam, ging es auch schon bald los. Eine Hommage verschiedener Bands (10 MusikerInnen auf der Bühne!) an einen estnischen Bagpipespieler mit Spitznamen 'Torupilli Juss' aus Hiiumaa, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Das war wieder ein fantastisches Konzert und wir hatten viiieeeel Spaß!



In dieser malerischen Kulisse...








Danach fuhr ich nach Hause, Felix blieb noch zu einem weiteren Konzert zusammen mit dem ukrainischen Freund von Kersti. Äio ist eine norwegisch-estnische Band und auch sie spielten in der Kirche. Diese Musik war sehr gut gemacht, sehr spannende Stücke, teilweise etwas Richtung Neue Musik und Jazz - es war aber auch etwas anstrengend für die Ohren - besonders um 22.00 Uhr abends nach einem langen Konzerttag... Felix kam daher etwas enttäuscht und sehr kaputt zum Womo zurück.



Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Sonntag, 27.07.2014, 21.15 Uhr OEZ, 'Felixi Maja külalistele', Viljandi (EE)...

Heute etwas früher aufgestanden. Es gab keine Katastrophen und trotz gemütlichem Frühstück mit Äio-Konzert nachhören kamen wir noch rechtzeitig zum Puppenworkshop von Matija Solze (Czech). Es war richtig klasse, vieles war uns vertraut, aber ihn zu sehen, wie er aus Nichts Puppen macht - das war klasse! Wir alle lernten in Kurzfassung mit unseren Händen (als Puppen) zu sprechen und später aus einem Zeitungsblatt eine Handpuppe zu formen und mit ihr kurz zu spielen... es machte großen Spaß! Es gab jeden Tag etliche Workshops, die wir aber leider nie besuchen konnten, weil es uns immer irgendwie zuviel war (vormittags) oder ein spannendes Konzert parallel lief (nachmittags), das wir sehen und hören wollten. Aber dieser eine hat uns entschädigt!









Danach gingen wir zu 'Svatja Vatra', einer ukrainisch-estnischen Gruppe, die sich zZt. ganz besonders für die Freiheit der Ukraine einsetzt. Zu diesem Konzert kam sogar der Präsident Estlands, der ja auch schon offiziell das Festival eröffnet hatte - umgeben von seinen Bodyguards. Es war ein ergreifendes Konzert, auch wenn wir natürlich mal wieder kein Wort verstanden - weder estnisch noch ukrainisch. Auch die Kinder des ukrainischen Bandleaders (und sehr guten Posaunisten!) Ruslan Trochynsky sangen bei einigen ukrainischen Volksliedern mit. Das Publikum war sehr bewegt und spendete in seinen Reden zwischen den Stücken immer wieder spontan Applaus. Ausserdem war der Bandleader so agil, man konnte ihm kaum mit den Augen folgen - er sprang immer zwischen Bühne und Publikum hin und her und begann eine Polonaise im imd mit dem Publikum und initiierte mehrere Kreistänze. Alle waren restlos begeistert!







Nach diesem schwungvollen Auftakt gingen wir erstmal etwas essen - geschmorten Lachs mit Bratkartoffeln gab es an einem Stand - köstlich!!! Danach besuchten wir - eigentlich mehr aus Verlegenheit, weil wir die Alternative nicht wollten, bzw. schon kannten, zu zwei belgischen - genauer flämischen! - Musikern, die unter dem Namen 'Surpluz' etliche CDs rausgebracht haben und spontan zu diesem Konzert noch von einer singenden flämischen Frau komplettiert wurden. Ihre Musik war richtig schön.





Bei diesem Konzert trafen wir dann Kersti und ihren Freund wieder und gingen anschliessend zusammen zu dem von mir sehnlichst erwarteten Höhepunkt des Tages, das Konzert von 'Mari Kalkun and Runorun' in einem Konzertsaal des Päärimusmuusika AIT. Felix war gespannt, was ihn erwarten würde, denn ich hatte ihm seit meinem ersten Hören der Gruppe permanent vorgeschwärmt. Aber bereits nach dem ersten Stück war er ebenfalls restlos begeistert. Und wie von mir erhofft, herrschte nun eine ganz andere Atmosphäre und die Musik konnte in Ruhe ihre Wirkung entfalten! Uralter Runo-Gesang, hervorragend 'aufbereitet' von Mari Kalkun (Gesang und Kantele), einer weiteren finnischen Kantele-Spielerin und Sängerin, einem finnischen Percussionisten und einem australischen Kontrabassisten!!! Kersti meinte hinterher, Mari Kalkun würde von Jahr zu Jahr immer besser. Sie wollten eigentlich zur Hälfte des Konzerts gehen, weil sie schon in so vielen ihrer Konzerte war - sie blieben aber dann doch, weil es auch ihnen sehr gut gefallen hat!





Nach diesem Tageshöhepunkt und für mich dem besten Konzert des ganzen Festivals verabschiedete ich mich von Kersti und ihrem Freund und auch endgültig vom Festival und fuhr mit Felix zu Trevor. Felix wollte nur kurz Akkus wechseln und gleich wieder los. Er war dann noch bei den beiden Abschlusskonzerten 'Ando and friends' und 'Estonian Ethno und Umeuropa Caravan', die dann das allerletzte Konzert um 0.00 Uhr gaben. Felix war nochmal mit Kersti und ihrem Freund dort zusammen. Es war richtig tolle Stimmung - bei den MusikerInnen und beim Publikum! Deshalb blieb Felix auch bis zum Ende des Festivals gegen 1.30 Uhr...

Ich setze mich zum letzten Mal hier beim Guesthouse 'Felix' auf die Terrasse um den Bericht ins Netz zu stellen und E-Mails zu checken. Ab morgen sind wir wieder 'on tour' und sicher nicht jeden Tag online. In zwei Tagen wollen wir in Tallinn ankommen... und dann weiter auf die Inseln, von denen nicht nur Kersti heute nochmal besonders geschwärmt hat! :wink:

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km

trevor2 am 17 Sep 2014 13:24:16

Montag, 28.07.2014, 17.15 Uhr OEZ, Käsmu, Käsmupoolsaar, Laheema Rahvuspark (EE)...

Heute morgen etwas früher aufgestanden, denn wir mussten ja packen und alles wieder reisefit machen, denn wir hatten einiges an Kilometern vor uns bis zur Ostsee...
Wenn man so sechs Tage an einem Ort ist, ist schnell alles ausgepackt und dann braucht es wieder viel mehr Zeit alles wieder einzusortieren und einzupacken als wenn ich nur eine Nacht irgendwo verbringe und nur das Nötigste auspacke. Immerhin gegen 11.00 Uhr konnten wir tatsächlich nach einem ganz herzlichen Abschied unseres sehr netten Guesthouse-Inhabers schliesslich starten. Den Umweg über den Peipussee strichen wir in Anbetracht der kurzen Nacht und unserer mangelnden Fitness. Gottseidank hatten wir ja schon ausgiebig den Peipussee besucht vor dem Viljandi Folk-Festival. Deshalb war das nun nicht tragisch, es geht eben nicht alles.

Ich fütterte 'Thommy' mit den Daten für heute und gab an 'kürzeste Route'. Und was machte er??? Nach ca. 40km Fahrtstrecke auf normalen Straßen lenkte er uns für 10km auf eine der hier häufig vorkommenden Schotterpisten, auf denen man aber nur zwischen knapp 20 - 30 km schnell fahren kann (mit Standgas im 3./4. Gang) und die wir meist eher meiden. Wir entschieden uns trotzdem die Strecke zu fahren und picknickten erstmal gemütlich auf der Weiterfahrt. In Väike-Maarja kauften wir dann in einem kleinen Supermarkt ein und Felix hob Geld ab. Witzig, dass viele Supermärkte hier garnicht von aussen als solche zu erkennen sind - wir bemerkten es nur, weil Leute mit Einkaufstüten da rauskamen... :? :wink:





Es war wieder sehr spannend, so quer durch's Land zu fahren, es gab viel zu sehen! Heute vor allem viele verfallene kleine Hofstellen, dafür etliche landwirtschaftliche Großbetriebe (genossenschaftlich oder nicht wissen wir leider nicht!) und viele Agrarflächen (Getreide und Gras/Heu). Die Heuernte ist hier im vollen Gange bzw. gerade abgeschlossen, überall lagen große Rundballen auf den Flächen. Siloballen sind nur ganz selten zu sehen. Sehr wenige Kühe sind draussen zu sehen und noch weniger Pferde gibt es hier. Reitställe sind ganz selten und wenn immer groß ausgeschildert.

Wir beschlossen kurz vor Rakvere, doch nicht mehr nach Osten (Kohtla Jörve) zu fahren, sondern in Anbetracht der morgigen Weiterfahrt nach Tallinn eher in den Laheema-Nationalpark und da auf eine der Halbinseln in der Ostsee. Und so landeten wir nach kurzem Blick in die Karte und den Reiseführer hier in Käsmu, einem kleinen (aber von Esten touristisch ziemlich frequentierten und auch rausgeputzten) Fischerdorf auf der Käsmu-Halbinsel am Rande des Laheema-Rahvuspark (= Nationalpark). Wir stehen hier sozusagen in zweiter Reihe mit Blick auf die Ostsee einfach so auf einem kleinen Parkplatz hinter einer Reihe Holzhäuser, die wohl fast alle als Feriendomizile genutzt werden. Direkt hinter uns beginnt Wald und das gibt Trevor Schatten. Ein idealer Platz! Denn heute ist es unerträglich heiss - eher Mittelmeertemperaturen! Eigentlich hoffen wir mal auf eine Abkühlung!







Toll an diesem Freistehplatz ist auch, dass ich hier sogar freies W-LAN habe!!! Estland eben! :wink: :)

Bilder vom späteren Abend am Strand in Käsmu. Der typische Laheema-Strand mit vielen großen und kleinen Findlingen... wunderschön und so friedlich! :)





Gefahrene Trevor-Kilometer heute 173 km.


Dienstag, 29.07.2014, 19.15 Uhr OEZ, Camping am Yachthafen Pirita, Tallinn (EE)...

Heute morgen sind wir recht früh aufgewacht und auch aufgestanden. Felix hatte wegen der großen Hitze zum ersten Mal unten geschlafen. Um kurz nach 11.00 Uhr waren wir schon wieder unterwegs. Immer noch sehr warmes sonniges aber auch drückendes Wetter. Wir genossen unsere Klimaanlage im Führerhaus sehr! Unser erstes Ziel heute war das Gutshaus Palmse ganz in der Nähe und nur ein kleiner Umweg auf dem Weg nach Tallinn. Dort hatten wir heute morgen angerufen und gefragt wegen Reservierung. Das bräuchten wir nicht, meinte der Mann am anderen Ende der Leitung. Na gut, trotzdem wollten wir nicht zu spät in Tallinn ankommen, um uns auf jeden Fall noch einen guten Platz aussuchen zu können.

Zunächst aber war Palmse unser Ziel. Wir erreichten es nach zwanzig Minuten. Palmse ist wie Orellen ein der Öffentlichkeit zugängliches und als Museum hergerichtetes Herrenhaus. Es ist größer als Orellen mit größerem Parkgelände und mehreren Gebäuden. Besonders fasziniert hat uns der Spieluhrenschrank eines russischen Baumeisters aus St. Petersburg. Er stand eigentlich in einem anderen Herrenhaus, das vor paar Jahren ausbrannte - kurz nachdem der Schrank hierher nach Palmse geschafft worden war. Was ein Glück, denn von diesem Schrank gibt es nur noch ca. 12 erhaltene Exemplare. Der Museumsangestellte zog ihn mehrmals auf - echt spannend zu sehen und zu hören! Der Schrank stand im Musikzimmer, wo neben einem zweiten Spieluhrenschrank ausserdem noch jede Menge Noten lagen, ein Harmonium stand und eine Geige auf dem Schrank lag. In zwei anderen Räumen standen Flügel - ein sehr musikalisches Haus! Nach ausgiebiger Besichtigung und zufälligem Mitlauschen bei einer deutschen Gruppe RentnerInnen, die mit einer deutschsprechenden lettischen ReiseführerIn mit Reisebus durch's Baltikum 'hechelten' (eine halbe Stunde für Palmse!), erfuhren wir nochmal einiges über die Deutschbalten in Lettland und Estland. Sie lebten von teilweise ca. 1130 (Deutschritterorden, Erzbischöfe, Adeligenfamilien) an bis spätestens 1939. Viele verliessen das Baltikum auch schon 1918/19 nach der Unabhängigkeitserklärung der beiden Länder und der darauf folgenden Landreform, die ihnen nur noch 50ha ihres Besitzes liess und den Rest (bei einer Familie über 100.000ha!) zu Recht enteignete, um ihn an Kleinbauern rundherum zu verteilen. Bis zu ihrem Weggang waren die Deutschbalten gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch führend in den beiden Ländern. Die Esten und Letten waren ihre DienerInnen und Leibbeigenen. Auffallend wie auf beiden Gütern, die wir jetzt besichtigt haben, sehr betont wurde, wie aussergewöhnlich freundlich und fürsorglich die Adelsfamilie zu ihren Angestellten war! Das stimmt eher nachdenklich, weil es zeigt, dass es natürlich eigentlich nicht so war und die Deutschen die beiden Völker nach Strich und Faden ausgebeutet haben! Mir fällt das Gespräch mit dem Deutschen in Riga wieder ein, der die kulturellen Errungenschaften durch Deutsche für Lettland so betonte und hochhielt - in meinen Augen nach wie vor eher eine Ausrede für das ganze Leid, das Deutschland dem Baltikum angetan hat! Umso verwunderter bin ich, dass wir Deutsche hier nicht ungern gesehen werden???





















Blick zum Gärtnerhaus, heute ein gehobenes Restaurant...


In dieser Laube zu sitzen hatte schon was... ! :wink:


Auch dieser See gehörte zum Park des Gutshaus Palmse, ebenso wie ein Labyrinth-Garten, u.a.m.


Blick vom Park aus auf das Herrenhaus...


Nach einer ausgiebigen Besichtigung von Herrenhaus und Park zogen wir weiter - gerade rechtzeitig bevor die nächsten zwei Busse ihre Insassen ins Gut entliessen und es noch unerträglicher dort wurde. Nach einer Woche ausschliesslich Esten um uns herum war es richtig komisch und fast unangenehm, lauter Deutsche um uns herum zu hören...

Während der Weiterfahrt zog es langsam zu. Als wir dann schliesslich auf der ersten Autobahn in Estland gen Tallinn (Autobahn á la Baltikum mit Fahrradfahrern, Umkehrspuren und Bushaltestellen...) fuhren, war es schon stark bewölkt und kurz darauf begann ein heftiges Gewitter, was uns ähnlich wie in Tartu bei der Einfahrt in der Stadt begleitete.





Trotz einiger Unstimmigkeiten und Unklarheiten konnte Thommy uns in Tallinn wieder recht gut leiten - zumindest fast bis zum CP am Yachthafen. Den letzten Rest fanden wir dank Felix' Spürsinn und einem spärlichen Wohnwagensymbol. Gegen 15.00 Uhr waren wir auf dem CP und stellten uns eher an den Rand, sofern man das hier sagen kann... es ist ein teurer CP und nicht sehr schön - ziemlich versiffte Sanitäranlagen und noch dazu extra zu bezahlen. Das einzig Schöne ist die Lage am Yachthafen und damit mitten im maritimen Geschehen.





Felix hat dann erstmal gekocht und wir haben gegessen. Auf dem Speiseplan heute stand Kartoffeln mit Salat und dazu unser Trockenfisch vom Peipussee - seeehr lecker!



Danach haben wir ein wenig in der Sonne vor Trevor gesessen und dem Treiben im Hafen zugeschaut. Dann ist Felix nochmal losgefahren in die Stadt, während ich es mir hier in und vor Trevor gemütlich mache, lese und den Tagesbericht schreibe. Hier zwei Bilder von seiner Fahrradtour entlang am Meer in die Stadt...





Gefahrene Trevor-Kilometer heute ca. 80 km.

trevor2 am 21 Sep 2014 19:55:29

Mittwoch, 30.07.2014, 19.15 Uhr OEZ, Camping am Yachthafen Pirita, Tallinn (EE)...

Heute morgen aufgewacht nach einer recht ruhigen Nacht trotz rappelvollem CP - dicht an dicht die Womos und Wohnwagen und direkt dahinter die Zeltwiese. Erstmal gleich zur Waschmaschine und eine Wäsche gemacht, war wieder dringend fällig! Dann in Ruhe gefrühstückt und anschliessend versucht, Fährtickets für die übermorgige Überfahrt nach Hiiumaa zu buchen über die Homepage und das Telefon - beides Fehlanzeige. Wir müssen einfach früh genug am Fährhafen sein übermorgen...

Inzwischen konnte man an den Wolken schon sehen, dass sich da irgendwann noch was zusammenbrauen würde und so verlagerten wir die halb getrocknete Wäsche ins Womo, wo Felix noch schnell Leinen spannte. Inzwischen war es schon 12.00 Uhr, als wir schliesslich aufbrachen gen Tallinner Altstadt mit den Rädern. Felix hatte am Abend vorher schon mal den Weg erkundet und den besten rausgesucht - toll! Die ersten 4 Kilometer ausgebauter Fahrradweg am Meer entlang ist prima zu fahren und spannend zu gucken - die Kreuzfahrtschiffe und die Fähren (Stockholm, Helsinki) tummeln sich im gegenüberliegenden Fähr- und Kreuzfahrthafen und man kann sie während der An- und Abfahrt gut beobachten.

Leider waren wir dann auch so spät in der Stadt, dass auch alle Passagiere der drei Kreuzfahrtschiffe, die gerade in Tallinn vor Anker lagen, dort unterwegs waren. Wir hatten es uns jedoch noch schlimmer vorgestellt, es verlief sich doch noch einigermaßen. Klar war es nervig, wenn überall diese Gruppen lang liefen (und dazu noch vor allem Deutsche und AmerikanerInnen), im Weg standen oder hordenartig auftraten... und sie waren immer in Eile... wirklich schrecklich muss das sein! :wink:

Wir hingegen ließen uns ein wenig treiben, schauten zwischendurch in den Reiseführer und zogen dann wieder so weiter. Nach einem ausführlichen Bummel durch die Gassen und auf den Domberg mit herrlichem Ausblick auf die Altstadt gingen wir in ein laut unseres Reiseführers typisches kleines estnisches Kellerlokal, was übersetzt soviel wie 'Bei Großmutter' hieß. Felix aß ein vegetarisches Gericht, ich aß Zander mit Pfifferlingen. Sehr lecker und supernette Bedienung!!!

Auf dem Rückweg mit Umweg über zwei Kirchen und eine ganz enge wunderschöne Gasse ('Weckengang') und einen Touri-Markt, gingen wir ziemlich schnurstracks zu den Fahrrädern, denn es braute sich ein Gewitter zusammen, sodass wir dann lieber wieder gen CP aufbrachen, bzw. Felix machte noch einen Umweg über den Fahrradladen (Ersatzteil für sein Fahrrad) und den Supermarkt, um noch einzukaufen, während ich die Wäsche zusammenlegte und das Womo aufräumte. Das Gewitter zog dann später aber am CP vorbei...



Kurzum, Tallinn hat uns am ersten Tag trotz der 'Touristenmassen' richtig gut gefallen! Leider (oder gottseidank???) hatten wir beide Kameras heute vergessen und so konnte auch Felix ganz entspannt durch die Straßen bummeln ohne ans Fotografieren zu denken.

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Donnerstag, 31.07.2014, 19.30 Uhr OEZ, Camping am Yachthafen Pirita, Tallinn (EE)...

Heute morgen früh aufgestanden, wir konnten beide nicht mehr schlafen. Wir tranken erstmal Tee und dann mussten noch ein paar Telefonate geführt werden. Schliesslich starteten wir wieder später als gewollt, aber immerhin eine Stunde früher als gestern gen Tallinn - wieder mit dem Rad. Heute war allerdings heftiger Gegenwind, was die Strecke rein gefühls- und kräftemäßig verdoppelte. Ziemlich kaputt kam ich in Tallinn an, Felix machte der Wind natürlich nicht soviel aus, er ist ja viel besser trainiert. Die Fahrräder schlossen wir wieder gegenüber der Olaikirche an ein Strassenschild, wo sie wieder sicher auf uns warteten. Dann bummelten wir los.







Ziel heute war die Stadtmauer mit ihren neun Türmen und eine kleine ukrainische Kirche gegenüber, auf die uns gestern hier auf dem CP ein Schweizer Ehepaar hingewiesen hatte. Es war sehr berührend dort in der kleinen Kirche, die der 'Heiligen Jungfrau mit den drei Händen' gewidmet ist. Die Legende besagt, dass sie sich besonders um alle Kreaturen, also auch um die Menschen kümmert, die unrechtmäßig verhaftet, gequält und gefoltert werden. In der Kirche stand auch eine Kerze für die Opfer der abgestürzten Boeing. Wir wurden von einem etwa 14-jährigen Jungen angesprochen, der uns auf einer Bekanntmachung zeigte, wieviel Geld die Tallinner und Touristen pro Woche für die Opfer des Maydan und der Ostukraine spenden - das waren immerhin letzte Woche ca. € 7.000,-. Wir denken, dass sicher auch viele Esten aus Solidarität die Ukrainer unterstützen. Natürlich haben wir auch etwas gespendet. Der Junge kam selbst aus der Ukraine, allerdings aus dem Westen. Sein Vater arbeitet in Estland und so verbringt er hier seine Ferien.

Kurz darauf besichtigte Felix noch einen Turm in der Stadtmauer, der auch von dieser ukrainischen Gemeinde unterhalten wird und wo eine Kunstausstellung bestehend hauptsächlich aus Holzskulpturen für bedrohte Tierarten aufgebaut war. Auch hier sprach ihn ein junger Mann an. Sie sprachen eine Weile über die Situation und schliesslich kaufte Felix ihm noch eine selbstgemachte Karte ab. Die werden wir aber nicht abschicken, sondern selbst behalten.





Nachdem wir dann noch die anderen Türme und die restliche Stadtmauer gesehen hatten, wechselten wir auf die andere Seite und gingen durch die Gartenschau hinter der Mauer. Dort waren etliche zum Teil sehr fantasievolle, zum Teil sehr skurrile Gartenobjekte für diesen Sommer ausgestellt. Leider waren die meisten Erklärungen wie so oft hier in Estland nur in estnisch, was wir inzwischen zwar ein Hundertstel besser verstehen können, aber das Allermeiste ging natürlich leider inhaltlich an uns vorbei...







Nachdem wir dann noch durch einige enge Gassen und spannende Strassen gebummelt waren, wuchs der Hunger. Da ich Felix nochmal überredet hatte essen zu gehen, suchten wir erneut den 'Weckengang' auf, um dort ins Knoblauch-Restaurant 'Balthazar' einzukehren. Hervorragendes Essen, aber Preise auf gehobenem Westniveau - allerdings berechtigt. Wir bestellten uns zusammen eine Vorspeise (Lachs-Carpacchio) und eine gemeinsame Hauptspeise (Fleisch - Hammel und Ente mit vielen Zutaten). Als wir in dem Restaurant ankamen, schien noch die Sonne. Als wir zur Hauptspeise übergingen, fing es plötzlich ziemlich an zu schütten und zu donnern. Wir rutschten etwas um den Tisch ins Trockene (wir saßen am Rande einer überdachten Terrasse) und konnten so gemütlich im Trockenen den Gewitterschauer abwarten.





Als es schliesslich weniger wurde mit dem Regen, brachen wir auf. Zufällig kamen wir am 'Olde Hansa' vorbei, wo ich natürlich unbedingt einmal reinschauen wollte. Im Souvenir-Shop des 'Olde Hansa' sprach uns eine junge Frau der 'Olde Hansa'-Crew an, die unsere Armbänder von Viljandi, meinen Viljandi-Hut und meinen Viljandi-Rucksack gesehen hatte, ob wir in Viljandi waren. Sie war auch dort (und hat Knoblauch-Mandeln verkauft, die ich auch dort bei ihr probiert hatte :wink: ) Wir unterhielten uns eine Weile über das diesjährige Folkfestival und das Wetter. Sie bestätigte, dass es tatsächlich fast jeden Sommer hier ab Juli tolles Sommerwetter ist - nur nicht soo heiß wie dieses Jahr. Dasselbe bestätigte uns die Inhaberin eines estnischen Handcraft-Ladens, mit der wir auch noch ein wenig länger redeten. Sie war ca. 40 J. alt, die junge Frau im 'Olde Hansa' hingegen Anfang zwanzig. Für uns ist es immer besonders spannend mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen und mehr über ihr Leben hier zu erfahren.

Das Rathaus von Tallinn...


Häuser am Rathausplatz...


Typische enge Gasse in Tallinn's Altstadt...


Das 'Olde Hansa'...


Wir bummelten schliesslich noch ein wenig durch weitere wunderschöne und exklusive Handcraft-Shops in der Altstadt, wo ebenfalls estnische handgemachte Dinge verkauft wurden. Heute haben wir einige Mitbringsel und Geschenke eingekauft... Die Läden ebenso wie die Restaurant-Empfehlungen fanden wir übrigens dank unseres wirklich guten City Trip-Reiseführers 'Tallinn' vom Reise-Know-How-Verlag. Er ist genauso wie der City-Trip- Reiseführer von 'Riga' wirklich empfehlenswert. Irgendwann dann fing es wieder an zu regnen und wir waren auch schon ziemlich abgefüllt mit allem. So machten wir uns auf den Rückweg.

Hof der Meister, Katharinengilde...


Peter und Paul-Kathedrale...


Nun schreibe ich schon mal den heutigen Tagesbericht und Felix fängt an die ersten Sachen im Womo zu verstauen und dann nachher noch die Fahrräder. Am Abend hatten wir nochmal (wie gestern) auf unserem abendlichen Rundgang durch den Hafen ein sehr nettes Gespräch mit einem Schweizer Ehepaar, die wir zum ersten Mal in Palmse getroffen hatten. Und sooo schön war die abendliche Stimmung auf dem CP in Pirita bei Tallinn...





Morgen wollen wir früh los, damit wir noch einen Platz auf der Mittagsfähre in Haapsalu (ca. 100km von hier entfernt) bekommen. Unser erstes Ziel der Inseln wird Hiiumaa sein, die ruhigste und am wenigsten touristisierte der drei Inseln, wo auch 'Torupilli Juss', DER Bagpiper von Estonia gelebt hat!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.

trevor2 am 22 Sep 2014 21:51:02

Freitag, 01.08.2014, 19.30 Uhr OEZ, neben Windrad in Tahkuna, Hiiumaa (EE)...

Heute morgen sind wir sehr früh aufgewacht und aufgestanden. Da wir keine Fährtickets im Vorhinein kaufen konnten, mussten wir sehen, dass wir möglichst früh in Rohuküla am Fährhafen sind, damit wir heute am Freitag (WE-Beginn) noch mitkommen. Wir kamen immerhin um 9.00 Uhr vom CP Pirita in Tallinn los. Leider gab es wieder einmal - ebenfalls wie in Tartu - genau auf der Straße, auf der wir durch Tallinn ans andere Ende wollten eine Vollsperrung mit Umleitung... diese war dann ein ziemlicher Bogen, den wir fahren mussten, was uns etwas aus dem Zeitplan warf. Wir gaben ziemlich Gas, um möglichst frühzeitig an der Fähre zu sein.

Als wir an der Fähre ankamen, mussten wir uns in eine laaange Schlange einreihen. Wir warteten zwei Fähren (3 Std.), bis wir endlich - und nur auf Drängen von mir, weil es schon wieder so aussah, als kämen wir zum dritten Mal nicht mehr mit, weil einer der Lader uns stoppte während andere an uns vorbeifuhren, die zwei Std. nach uns überhaupt erst an den Fähranleger gekommen waren. Er fragte dann kurz nach bei den Ladern und auf einmal durften wir sofort rauf auf's Schiff und hatten sogar einen Sonnenplatz (optimal für Kühlschrank über Solar!). JUCHUH! Die Überfahrt verlief ganz ruhig und dauerte eine Stunde und 15 Minuten. Wir haben sie beide total genossen. Wir standen erst, dann saßen wir vorne über dem Bug des Schiffes auf einer Bank mit Blick in die Weite. Es war wirklich herrlich und hätte meinetwegen noch Stunden so weitergehen können! :ja:







Auf Hiiumaa angekommen, fuhren wir zunächst auf der Ringstraße bis in den Norden. ;) :) Nein, die Straße heißt hier natürlich nicht so, aber ist wirklich ähnlich wie auf Island - eine ausgebaute Straße aussen rum um die Insel, ansonsten quer durch nur Schotterwege. Es fehlt nur noch die isländische Landschaft -> hier sind eindeutig mehr Bäume!!!

Unser erster Stopp galt dem Hauptort auf Hiiumaa 'Kärdla'. Hier ging ich erstmal zur Touristinformation... die Frau in der Touristinfo war total nett und empfahl mir einen Leuchtturm-Reiseführer für die Insel. Den nahm ich natürlich sofort, weil uns sowieso vorschwebte, heute nacht frei am Leuchtturm 'Tahkuna' zu stehen, hatte ich mir doch als Tipp aus dem Womoforum (Gogolo???) gemerkt. Und wir auch weiter vorhaben, weitere Leuchttürme zu besuchen.

Da Kärdla uns jetzt nicht so übermäßig begeisterte und wir auch beide ziemlich groggy waren, fuhren wir ziemlich bald weiter nach Tahkuna zum Leuchtturm. Hier stellten wir uns auf den Parkplatz vorm Leuchtturm und besichtigten erstmal das Gelände. Auf der äußersten Landspitze befindet sich ein eindrückliches Denkmal für die beim Fährunglück der 'Estonia' 1994 gestorbenen und nie geborenen Kinder, von denen keins überlebt hat. Es ist eine frei schwingende Glocke, die bei der Sturmstärke, bei der die Estonia sank, anfängt zu läuten...









Danach fragte ich beim Leuchtturmhaus, ob es o.k. sei, dass wir heute nacht auf dem Parkplatz davor stehenbleiben. Sie meinte aber, das sei heute schlecht, weil nachher dort noch ein Konzert stattfindet. Es wird laut und sie braucht wohl auch den ganzen Parkplatz. Sie riet uns zum Windrad zu gehen. Das taten wir dann auch und nun stehen wir hier fantastisch neben dem einzigen Windrad Hiiumaa's, das zZt. leider ausser Betrieb ist. Es ist ein Versuchs-Windrad, ob sich Windenergie auf Hiiumaa lohnt. Da wir kein weiteres bisher gesehen haben, scheint der Test wohl negativ verlaufen zu sein. Wir stehen jedenfalls sehr gerne zu seinen Füßen! Zur Feier des Tages gab es mal wieder Lachs, den man hier ganz günstig und frisch in jedem Supermarkt kaufen kann - er kommt aus Norwegen.







Abends saßen wir noch ganz lange am Meer und schauten dem Sonnenuntergang zu! Es war wunderschön...



Gefahrene Trevor-Kilometer heute ca. 150 km, gefahrene Fährkilometer ca. 30 km.


Samstag, 02.08.2014, 22.25 Uhr OEZ, Yachthafen Orjaku, Hiiumaa (EE)...

Heute morgen mit Meeresrauschen aufgewacht. Es war ein wunderschöner Morgen und nach Frühstück und Mittagspicknick vorbereiten gingen wir nochmal ans Meer, bevor wir diesen fantastischen Freistehplatz verliessen. Er rangiert ab sofort auf Platz 1 unseres Übernachtungsplatz-Rankings!







Zunächst war unser Ziel der 500 Jahre alte Köpu-Leuchtturm, ein beeindruckendes Bauwerk, auf das Felix ganz raufstiefelte. Ich blieb unten im Schatten, ging spazieren auf dem Gelände des Leuchtturms und setzte mich dann auf eine Bank und genoß das Drumherum und machte Fotos. Nachdem Felix wieder unten war, machten wir auf der Schattenbank am Fuße des Leuchtturms Picknick.







Dann fuhren wir weiter gen Süden nach Söru, um uns im Hafen schon Tickets für die Überfahrt nach Saaremaa zu kaufen für Montag. Das wollten wir zumindest - ging allerdings nicht, es ist dasselbe wie in Rohuküla, man muss das Ticket vor Ort kaufen und ganz früh warten und hoffen, ob man mit der Fähre mitkommt. Dasselbe Drama wie bei der Überfahrt nach Hiiumaa - ätzend! Wir waren etwas genervt...

Im Hafen von Söru...


Dann fuhren wir weiter Richtung Kassari, weil wir dort von einem tollen CP gehört hatten. Ich wollte mal wieder richtig duschen und gutes Wifi zum Abrufen der Mails und endlich Hochladen des Reiseberichts der letzten Tage haben. Wir folgten einem CP-Schild in Kassari, was uns zwar Kühe im Meer zeigte, jedoch der Zeltplatz war zwar unschlagbar günstig aber dafür auch mehr als gruselig mit stinkenden Plumsklos und überall lagen Essensreste herum - so kehrten wir wieder um.

Zunächst besuchten wir jedoch in Kassari noch das Heimatmuseum - eine rührende private Sammlung von Dingen und Dokumenten aus Hiiumaa aus vielen Jahrhunderten. Ganz spannend!



Essplatz mit Geschirr einer typischen Familie auf Hiiumaa um 1900...


Schaukelstuhl in XXL...


Auf der Hinfahrt hatte ich einen Hafen in Orjaku gesehen, wo auch ein Wohnwagenschild an der Straße stand. Dort sah es im Vorbeifahren ganz nett aus und da machten wir nun auf dem Rückweg Halt und siehe da, es war ein Volltreffer! Strom, Duschen (wirklich brauchbare!), Frischwasser und ein Platz direkt am Wasser wurde uns für € 10,00 angeboten. Nur leider keine Entsorgung. Wir nahmen gerne an und so stehen wir jetzt hier. Wifi ist erstklassig... Wir waren mal wieder die einzigen Camper weit und breit und saßen beide abends noch gemütlich auf unseren Stühlen vor Trevor direkt am Wasser und genossen das Treiben im Yachthafen und den Sonnenuntergang...







Wir werden nun morgen schon Hiiumaa verlassen und nach Saaremaa weiterreisen...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 113 km.


Sonntag, 03.08.2014, 19.20 Uhr OEZ, Tehumardi, Saaremaa (EE)...

Heute morgen um 5.00 Uhr aufgestanden - natürlich vom Wecker geweckt! Denn sonst wären wir nicht soo früh aufgewacht...
Da wir zur Fähre wollten, die um 8.15 Uhr abfahren sollte, fuhren wir um 5.40 Uhr los gen Söru Saddam (was 'Hafen' bedeutet - unser estnischer Wortschatz erhöht sich von Tag zu Tag... ;) ), wo wir um 6.15 Uhr eintrafen. Vor uns in der Warteschlange stand erst ein Milch-LKW, sonst war niemand am Hafen. Wir genossen diesen herrlichen Morgen und frühstückten erstmal in aller Ruhe... Da wir von anderen Campern wussten, dass ca. 30 PKWs auf die Fähre passen, zählten wir bei jedem dazukommenden Auto, das in der e-Ticket-Schlange stand, ob es noch reichte, dass wir mit konnten. Es reichte am Ende tatsächlich und wir konnten diesmal nach nur zwei Std. Wartezeit mit der ersten Fähre des Tages nach Triigi auf Saaremaa übersetzen - JUCHUH!









Auf der Fähre lernten wir eine junge Estin kennen, die gerade von dem Musikfestival am WE auf Hiiumaa kam und nun zu ihrer restlichen Familie nach Saaremaa weiterfuhr. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns angeregt über Stromerzeugung, -preise und regenerative Energien, sowie den Frieden in der Ukraine und der restlichen Welt. Es war sehr spannend! Und wir alle drei gingen sehr bereichert aus diesem Gespräch...

Auf Saaremaa fuhren wir erstmal auf einen Parkplatz nahe dem Hafen, um das Womo wieder reisefertig zu machen... Als alles verpackt war, starteten wir gen Tehumardi, von dessen CP wir von verschiedenen Leuten gehört hatten, dass er gut und günstig sein sollte. Dort wollten wir eine oder zwei Nächte bleiben.

Zunächst kamen wir direkt an den Windmühlen von Angla vorbei, die wir uns als 'brave Touris' natürlich anschauten. :ja: :wink: Hier waren wir um punkt 9.00 Uhr die ersten BesucherInnen des Tages. Die Geschichte dieses Platzes in Angla und die verschiedenen Windmühlen ebenso wie die ausgestellten Kutschen, Landmaschinen und Trecker - alles in Familienbesitz - begeisterten uns, obgleich alles schon seeehr auf Touristen ausgerichtet war...













Dann fuhren wir weiter zu einem 'touristischen Höhepunkt' der Insel, der ebenso wie Angla auf der Strecke lag und deshalb unsere Aufmerksamkeit bekam. Der Meteoritenkrater von Kaali - der grüne Tümpel mit riesigem Krater aussen rum... :wink: Beeindruckend auf jeden Fall die Wucht des Aufpralls (20-80 t Meteoritenklumpen mit Tempo 1000 - 3000 km/h) vor ca. 4000 Jahren... das kann man sich eigentlich garnicht richtig vorstellen?! Wir wanderten einmal um den Krater herum und setzten uns in den Schatten auf ein Bänkchen mit Blick durch die Bäume zum Krater. Im Schatten war es auszuhalten, denn ansonsten fing es wieder mal an stickig zu werden und der Himmel verzog sich leicht gelb mit Gewitterwolken.







Wir rechneten mit einem Gewitter - das blieb aber bis jetzt aus. Es verzog sich und der Himmel klarte im Laufe des Nachmittags wieder auf und die Schwüle ist wieder weg... Laut Wetterbericht soll es bis Freitag nur trocken und sonnig bleiben, dann eintägige Unterbrechung und anschliessend weiter Sonnenwetter... bis auf zwei, drei Gewitter und einen ganzen und zwei halbe Regentage hatten wir bisher tatsächlich durchgehend Sonnenschein in den ersten viereinhalb Wochen - unglaublich!

Am Rand von Kuressaare kauften wir ein für die nächsten drei Tage, ein Supermarkt mit Musikbeschallung auf dem Parkplatz - erinnerte uns irgendwie an die USA! Dann ging es gleich weiter zum CP Tehumardi, denn für Kuressaare waren wir beide schon zu groggy... das holen wir in den nächsten Tagen nach - wir wollen Kuressaare unbedingt sehen!

Jetzt sind wir schon ein paar Stunden hier, geniessen die Ruhe und den CP. Ich hab' erstmal geduscht und mich dann draussen im Stuhl unter der Markise zum Lesen hingesetzt, Felix hat lieber einen gepflegten Mittagsschlaf gemacht. Wir haben beschlossen, morgen hier einfach noch einen Tag auf dem CP Pause einzulegen... und erst übermorgen unsere Erkundung von Saaremaa fortzusetzen.
Morgen sichte ich auch die Fotos der letzten Tage und bebildere das Reisetagebuch noch nachträglich, versprochen!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 90 km.


Montag, 04.08.2014, 22.20 Uhr OEZ, Tehumardi, Saaremaa (EE)...

Heute haben wir mal wieder einen Erholungstag eingelegt, den wir dringend nötig hatten!
Wir haben länger geschlafen, gemütlich gefrühstückt und dann habe ich die Fotos der letzten Tage gesichtet, ausgesucht, verkleinert und hochgeladen. Nun müssen sie nur noch eingefügt werden. Das klappte aber nicht mehr, weil Felix unbedingt einige Mails schreiben musste. Danach habe ich noch die Homepage um eine neue Seite erweitert - auf der es jetzt weitergeht...

Zwischendurch habe ich heute mit dem Buch 'Kriegsenkel' von Sabine Bode angefangen, nachdem ich ihr Buch 'Kriegskinder - Die vergessene Generation' durchgelesen hatte - ein interessantes Buch. Wir haben abends noch lange darüber geredet... Felix hatte zuvor mit dem CP-Besitzer beim Bezahlen schon länger geredet. Er ist ca. 10 Jahre älter als wir und erzählte Felix in einem intensiven Gespräch seine ebenfalls traumatische Kindheit (Flucht vor Russen, Trennung von Eltern, etc.).

Wann hier im Baltikum wohl die (transgenerationale) Traumatisierung aufhört? Immerhin haben wir bei der Enkelkinder-Generation das Gefühl, die Schwere wird weniger, sie denken positiver und zukunftsgewandter. Dafür scheint zumindest einigen von ihnen das Verständnis für ihre Eltern- und Großelterngeneration zu fehlen, auch die junge Frau auf der Fähre redete immer etwas abschätzig über die vielen Menschen, die nach ihrem Geschmack noch zuviel in der Vergangenheit verhaftet sind... im Grunde kann man die Inhalte von Sabine Bode auch hier alle wiederfinden, auch wenn sie spezifisch für Deutschland geschrieben wurden.

Was das Baltikum - und das haben wir bisher in allen drei Ländern erlebt! - viieeel besser macht als Deutschland ist die Würdigung des Unrechts und das Gedenken daran, das immer frisch gehalten wird durch Rituale und Gedenkfeiern sowie Gedenkstätten (und das ist für die Opfer ja extrem wichtig!) an allen Orten - sogar im kleinsten Dorf gibt es mindestens eine Gedenktafel mit den Namen der Opfer. Und es gibt hier eine ganz andere Form des Nationalismus - entstanden aus dem Widerstand gegen ihre jeweiligen Okkupanten. Alle drei baltischen Länder sind eben Opfernationen anders als Deutschland, das ja Täternation war. Der Nationalismus drückt sich aus im Alltag, überall Fahnen auf fast jedem Grundstück, alle ausländischen Eigennamen werden zB. im Lettischen sogar ins Lettische übersetzt, zB. Johann Sebastian Bach hieß beim Konzert nicht so sondern bekam einen lettisierten Namen verpasst (den weiss ich jetzt nicht mehr genau?). Darüber kann man erstmal schmunzeln, es sagt aber viel aus über das Denken hier. Ich weiss nicht mehr, wer im Vorfeld der Reise angesichts der vielen Deutschlandfahnen zur WM und meinem geäußerten Unmut dazu zu mir sagte, dass es mir dann sicher im Baltikum schwerfallen würde, weil sie ja solche Nationalisten seien. Jetzt kann ich sagen, ja, hier spürt man einen Nationalismus und großen Stolz auf das eigene Land, aber keinen der andere verdrängt!

Genug philosophiert. Morgen geht's weiter. Wir werden noch zwei Tage auf Saaremaa bleiben. Morgen aber ganz im Norden freistehen und deshalb wahrscheinlich kein Netz haben.

Hier noch paar Bilder von diesem wunderschönen Campingplatz - übrigens ziemlich leer trotz Hauptsaison und mit erstklassigem Wifi... ;)







Gefahrene Trevor-Kilometer heute 0 km.


Dienstag, 05.08.2014, 17.44 Uhr OEZ, Suuriku Pank, Undva, Saaremaa (EE)...

Heute etwas später aufgewacht. Felix hat in Ruhe alles gepackt, dann haben wir gemeinsam gefrühstückt. Währenddessen habe ich im Akkord noch die ganzen Fotos der letzten Tage reingestellt, die ich gestern schon vorbereitet hatte. Ich weiß ja nicht, wann ich wieder soo gutes I-Net habe...

Zum Schluss bei der Entsorgung trafen wir noch auf ein sehr nettes Schweizer Ehepaar, die auch gerade im Begriff waren abzufahren. Sie hatten einen Golden Retriever dabei, der auf einem dort liegenden Mühlenstein draufstand 'wie bestellt und nicht abgeholt'. Ich lachte und sprach die Frau an, ob der Hund auch Zirkuskunststücke könnte, sie meinte 'Nein!' aber er stand auf ihren Befehl hin darauf... sie arbeite mit dem Hund mit Kindern und so kamen wir natürlich ins Gespräch, weil mich das nun brennend interessierte. Sie ist HeilpädagogIn (ebenso wie ihr Mann) und beide arbeiten in einer Schule für Geistigbehinderte. Den Hund setzt sie in ihrer Arbeit ein, obgleich er NICHT als Therapiehund ausgebildet ist. Er ist top in jeder Situation inzwischen im siebten Lebensjahr - eben ein Retriever!!! :ja: :wink:

Unser erstes Ziel heute war 'Landsend' der Sörve-Halbinsel (estn. Sörve poolsaar), an deren Beginn ja Tehumardi liegt. Es waren nochmal etwas über 26 km bis zum südlichsten Landzipfel Estlands. Den letzten Kilometer musste man sowieso zufuß gehen. Gegenüber liegt ungefähr Kap Kolka in Lettland, wir konnten es zwar nicht sehen, erahnten es aber am Horizont... Der Leuchtturm ist nicht öffentlich begehbar, also nix mit Hochsteigen. Stattdessen beobachteten wir einen Kiter, der vor der Küste seine Bahnen zog... Neben dem Leuchtturmgelände lagen und standen Trümmer der Deutschen aus dem zweiten Weltkrieg rum... etwas gruselig! Umso schöner als sich irgendwann eine Möwe auf einen der Felsbrocken setzte. Ein Vogel der Freiheit auf einem Kriegsüberbleibsel - ein tolles Symbol!







Museum von Sörve...










Irgendwann zog es uns wieder zu Trevor und wir fuhren wieder los - jetzt gen Norden der Insel auf einen der drei 'Finger' der Insel - Undva, besser gesagt die Steilküste von Suuriku Pank war unser Tagesziel. Auf der Rückfahrt von Sörve Richtung Norden hielten wir irgendwo am Straßenrand nochmal an, weil Felix noch einmal 'Tee wegbringen' musste. Er kam ganz begeistert zurück, um seine Kamera zu holen - und es entstand dieses stimmungsvolle Bild! :wink:



Wir erreichten Suuriku Pank gegen 16.00 Uhr nach zahlreichen Schotterpistenkilometern. Teilweise waren die Bäume, das Gras und die Sträucher am Wegrand dieser Schotterpisten richtig grau vom Staub...



Alles voller Wacholderbüsche, je näher wir Suuriku Pank kommen...


Hier in Suuriku Pank ist es wirklich recht einsam - HERRLICH! Fast ein wenig mediterran wirkt es hier, zumal auch heute der Wind noch vom Süden also hier von der Landseite kommt und entsprechend heiß ist! Aber um uns herum ist Natur pur - Nationalpark. Genau das hatten wir uns gewünscht!







Felix kocht jetzt, ich schreibe zur Musik von Mari Kalkun den Tagesbericht und sichte die Fotos von heute und setze sie schon mal in den Bericht ein. Da wir mitten in der Pampa sind, gibt es hier natürlich auch kein W-LAN. Also werde ich erst morgen in Kuressaare alles hochladen.

Nachher werden wir mit unseren Stühlen runter zum Meer gehen und dort den Sonnenuntergang erleben! Darauf freue ich mich schon...

Nachtrag: Es war der sensationellste Sonnenuntergang der ganzen Reise... unbeschreiblich!!!









Gefahrene Trevor-Kilometer heute 118 km.

trevor2 am 23 Sep 2014 22:44:28

Mittwoch, 06.08.2014, 18.05 Uhr OEZ, Parkplatz Spa Hotel, Kuuressaare, Saaremaa (EE)...

Heute morgen vom sanftem Wellenrauschen und zwischendurch Vogelgeschrei aufgewacht. Ein herrliches Gefühl von Frieden und Freiheit in dieser Einsamkeit! Dieser Freistehplatz ist ab sofort in unserem Ranking unbestritten auf Platz 1, Tahkuna rutscht somit auf Platz 2, Vente auf Platz 3. Bevor wir heute wieder gestartet sind, haben wir uns noch einmal gemeinsam ans Meer gesetzt - diese kraftvolle Ruhe des Meeres hat uns beiden noch einmal sehr gut getan bevor wir dann in den Trubel der Hauptstadt der Insel gefahren sind... auf dem Rückweg kamen wir nochmal durch die verlassenen russischen Militäranlagen - ein bisschen gruselig und recht trostlos...







Die Fahrt ging recht schnell, die Insel ist ja nicht allzu groß, in einer Stunde waren wir vom Norden der Insel im Süden angekommen. Wir übernachten heute auf dem Parkplatz eines Hotels mit Entsorgungsmöglichkeit und Toiletten - und direkt neben der Bischofsburg, dem 'Wahrzeichen' von Kuuressaare. Eine der besterhaltensten Burgen des Livländischen Ordens. Sie war Bischofssitz und Kloster zugleich.

Es war Mittag, als wir hier ankamen. Auf dem Parkplatz stand nur ein estnischer Wohnwagen mit PKW. Der Este sprach uns gleich an, wir seien zusammen am Peipsi-Järv (Peipussee) gewesen... wir erinnerten uns ganz schwach. Er konnte sehr gut Deutsch und ist jahrelang durch Deutschland mit dem LKW gefahren - von Lübeck-Travemünde bis Italien, Spanien. Immer drei Monate gearbeitet, drei Monate frei. Ein harter Job! Es war wirklich nett, nochmal mit ihm zu reden... leider war die Familie kurz vor dem Aufbruch. Sie fuhren wieder nach Hause in die Nähe von Tallinn. Wir erzählten ihm noch wie begeistert wir inzwischen von Estland sind! Er freute sich. Dann fuhr die Familie ab - schade eigentlich!







Nachdem wir draussen vor unserem Trevor - übrigens mit Blick mal wieder auf einen Jachthafen :wink: - unsere geschmierten Brote gegessen hatten, machten wir uns auf gen Bischofsburg. Als wir endlich den Eingang gefunden hatten, bot sie neben den Gebäuden noch zusätzlich eine dermaßene Vielfalt an Ausstellungen, dass wir nach drei Stunden erschlagen von Eindrücken den Rückweg antraten.









Wenn ich schon in echt keinen Elch sehe, dann wenigstens diesen ausgestopften... naturkundliche Sammlung in der Bischofsburg...




Ein wunderschöner Kreuzgang...


Das Schönste an der ganzen Besichtigung war der wunderschön gespielten Renaissance-Musik dieser sehr netten jungen Lautenspielerin in diesen Räumlichkeiten (Refektorium) zu lauschen und zuzusehen... man fühlte sich sofort in die Zeit damals zurückversetzt... wir blieben lange dort und hörten einfach zu...


Ein Hotel der gehobenen Klasse auf der Insel vor der Bischofsburg... ganz traditionell gebaut und restauriert...


Das Kurhausmit Kursaal von Kuuressaare...


Direkt hinter unserem Hotelparkplatz ist ein Kauplus (kleiner Supermarkt) und da wollten wir dann noch unsere Einkäufe tätigen. Leider stellte er sich jedoch hauptsächlich als Alkoholverkaufsstelle heraus, der wenig bis keine anderen Lebensmittel im Sortiment hatte. Deshalb holte Felix kurzerhand sein Fahrrad vom Gepäckträger und fuhr nochmal los gen Stadt zu zwei größeren Supermärkten, denn im ersten gab es keine brauchbaren Bananen. Ich duschte zunächst in Trevor und setzte mich dann in die Sonne vor unseren treuen Begleiter und las weiter in meinem Buch 'Kriegsenkel'. Zwischendurch beobachtete ich das Treiben im Hafen und dem Park davor.



Knappe 100m von Trevor entfernt befindet sich dieses bekannte Denkmal von 'Suure Töll', um den sich hier überall viele Geschichten und Legenden ranken. Alle, die das Denkmal anschauen lassen sich in irgendeiner Pose davor fotografieren - echt witzig! Wir natürlich dann auch... 8) Ansonsten hörte ich zu gerne den Esten, die vorbeikamen zu, wenn sie sich unterhielten. Estnisch ist einfach eine wunderschöne Sprache!

Unsere Tage hier in Estland sind nun ja auch leider gezählt. Morgen werden wir nach Muhu weiterreisen und uns Muhu anschauen - besonders den Typ besuchen, der die Saareema-Pferde züchtet. Und dann geht es übermorgen unweigerlich zurück nach Lettland... wir werden Estland auf jeden Fall vermissen!!!

Heute abend werden wir nochmal leckeren frischen Lachs essen und dann hier am Hafen im Sonnenuntergang unsere Seele baumeln lassen...

Als wir nach dem Essen gemütlich in unseren Stühlen den Sonnenuntergang beobachten wollten, zog es stattdessen immer mehr zu und das erste Gewitter kam... das mit den Wetterwechseln geht hier verdammt schnell, genauso schnell ist es aber auch wieder vorbei. In der Nacht kamen noch zwei Gewitter, die uns aus dem Schlaf holten, da wir dann auch die Fenster schliessen mussten, denn sie waren erheblich heftiger. Deshalb war die Nacht nicht soo erholsam!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 50,5 km.


Donnerstag, 07.08.2014, 19.30 Uhr OEZ, Varbla Puheküla, Varbla (EE)...

Heute morgen recht früh aufgewacht. Der Himmel war wieder blau, jedoch eine halbe Stunde später regnete es schon wieder. Aber wiederum nur kurz. Als wir schliesslich zwei Stunden später starteten, war der Himmel wieder bedeckt. Zuerst stand uns noch eine etwas abenteuerliche Entsorgung bevor... Trevor passte gerade unter das Dach.



Das Wetter blieb uns so auch den ganzen Tag erhalten - mal schien die Sonne, dann wurde es plötzlich drückend und zehn Minuten später ging ein Gewitterschauer runter. Einen Kilometer weiter war die Straße trocken... insgesamt ist es hier seeehr trocken und daher auch höchste Waldbrandgefahrenstufe.

Heute sind wir zunächst erstmal nach Muhu rübergefahren. Von Saaremaa gibt es einen Damm nach Muhu.



Hier wollten wir als erstes ins Museumsdorf Koguva an der Westküste. Wir fuhren über eine kleine Schotterpiste zum Dorf hin. Koguva ist zwar stark touristenorientiert, aber dennoch unbedingt einen Besuch wert. Wir hätten hier sogar mittendrin auf einem Hof mit Trevor stehenbleiben können, aber wir wollten heute ja noch weiter... Als erstes liefen wir einmal um den Ortskern herum und besichtigten die 'normalen' Behausungen der Dorfbevölkerung, die dort - und das ist das Besondere an Koguva! - auch noch leben, ebenfalls fast alle in alten Häusern/Höfen, die liebevoll hergerichtet waren. Auf diese Grundstücke durfte man jedoch größtenteils nicht draufgehen.

Wir besichtigten eine Galerie mit diesen wunderschönen Trachten von Muhu - sie sind in meiner Lieblingsfarbe - ORANGE! Sofort erklärte ich spontan Muhu ab sofort zu meiner Lieblingsinsel... man begegnet hier orange in vielem - von der traditionellen Kleidung für Männer und Frauen bis zu Kissenbezügen und Decken, etc. Herrlich kräftige Farben! Leider kostete so ein selbstgenähter und -gewebter Rock ca. € 800,-, also völlig indiskutabel. Fotos von den Röcken durfte man auch nicht machen... :(

Als wir wieder vorne ankamen, entdeckten wir erst den Museumshof in der Mitte des Dorfes, der dann auch Eintritt kostete. Es ist ebenfalls ein erhaltener Hof, der genau so schon immer hier stand und nicht wie in einem Freilichtmuseum hier wieder aufgebaut wurde. Auf diesem Tooma-Hof lebte ausserdem noch der bekannte estnische Schriftsteller Johan Smuul. Es gab also viel zu sehen... In einem Nebengebäude, in dem Puppen und weitere Trachten von Muhu ausgestellt waren, trafen wir auf einen ca. 40-jährigen Mann, mit dem wir uns sehr lange über Estland, seine Geschichte und am Ende die Agrar- und Energiepolitik unterhielten. Es war wieder einmal sehr spannend und viele neue kleine Puzzlesteine zur Vervollkommnung unseres Eindrucks von Estland und seinen BewohnerInnen. Er selbst spielt russisches Akkordeon (heißt anders, fällt mir grade nicht ein) und gibt neben seiner Tätigkeit in Koguva auch Workshops für Männer in Muhu-Gesang. Auf Muhu wird ein besonderer Dialekt gesprochen, den andere Esten kaum verstehen und der Gesang ist wohl ein besonderer - im Gegensatz zu dem auf dem Festland. Er hat auch vor etlichen Jahren mal einen Workshop für Männer in Viljandi in einer Schule gegeben - organisiert vom 'Pärimusmuusika-Keskus'.







Der Tooma-Hof, Museumshof...


Ziehbrunnen auf dem Tooma-Hof...


Mägdekammer Tooma-Hof...


Trachten, die man wenigstens fotografieren durfte...


Das originale Sommer-Arbeitszimmer auf dem Tooma-Hof von Johan Smuul...


Ein Denkmal für Johan Smuul am Rande des Dorfes mit Blick zum Meer...


Wir fuhren dann nach einigen Stunden weiter nach Hellimaa zum 'Tihuse'- Reiterhof, wo wir endlich die Saaremaa-Pferde kennnenlernen wollten. Wir fanden den Hof und auch die Pferde ohne Probleme und liessen uns von einer jungen Frau die Pferde zeigen und erklären. Es sind allerdings keine Saaremaa-Pferde sondern 'Estnische Pferde'. Es gibt sie von Stm. 1,36 - 1,62m. Überwiegend sahen die achtzig, die wir dort auf dem Hof im Paddock sehen konnten, allerdings ponyhaft aus, es waren nur so ein, zwei größere warmblutartige Exemplare dabei. Ihr Charakter muss toll sein und sie haben starke Nerven, wie uns die Frau berichtete. Ein bisschen ähnlich den Highlandponies, nur ohne den vielen Behang. Und die Farbvielfalt der Rasse erinnert an die Isis - es gibt hier viele Falben in allen Schattierungen. Teilweise wunderhübsche Tiere!
Der Hof scheint für einen 'Touri'-Reitstall sehr vorbildlich zu sein. Die junge Frau erzählte uns schon, dass ihr die Pferde bei schweren AnfängerInnen leid tun und sie immer versucht, die ReiterInnen gerecht zu verteilen (zudem haben sie viele Pferde!). Nach dem Ritt wurden alle Pferde in der Sattellage und an der Brust an vorbereitete Eimern mit Schwämmen abgewaschen von den ReiterInnen. Und zum Abschluss, bevor sie in den Paddock kamen, gab's ein Brotstück als LecGast. Die Sattelgurte wurden von den MitarbeiterInnen abgewaschen und die Satteldecken in die Sonne zum Trocknen gelegt. Ab 22 Jahren gehen ihre Pferde in Ruhestand. Das älteste Pferd ist zZt. 26 Jahre alt. Es gibt Anfängerpferde, die jeden durch's Gelände tragen und es gibt Fortgeschrittenenpferde, mit denen man durch's Gelände fetzen kann. Sie züchten pro Jahr um die 25 Fohlen und verkaufen auch ungefähr 25 Pferde - vor allem an Finnnen! Es war spannend ihr zuzuhören, aber da sie soviel zu tun hatte, wollten wir sie nicht länger stören und verabschiedeten uns. Es war ein toller Abstecher!

Typische Hofschilder in Estland - aus Holz und oft verziert...






Wir wollten dann erst irgendwo beim Hafen von Koivastu übernachten, aber kurzfristig entschieden wir doch noch mit der Fähre schon heute zurück auf's Festland zu fahren. Diesmal gab es lediglich eine Viertelstunde Wartezeit. Die Fahrtzeit der Fähre betrug ca. eine Dreiviertelstunde. Zu unserer großen Freude sahen wir sogar zwei Windparks auf beiden Seiten von Virtsu, als wir uns dem estnischen Festland näherten - es gibt also doch wenigstens vereinzelt regenerative Energie in Estland...



Das Wetter wechselte öfter an diesem Tag...


Tolle Wolkenspiele bei der Überfahrt... ganz hinten ist der eine Windpark von Virtsu zu erkennen...


Und dann ging die Suche nach einem Freistehplatz am Meer los, der hier beim 'Varbla Poheküla' (zZt. leerstehendes Guesthouse 'Varbla') endete. Nun zahlen wir zwar € 10,00 für die Nacht, stehen aber genau so wie wir wollten - ziemlich einsam und mit Blick vom Bett zum Meer... HERRLICH!!!



Etwas später am Abend ritten zwei junge Mädchen noch mit ihren Ponies und deren Fohlen am Meer entlang... heute war wirklich unser 'Pferdetag'! :ja:


Wir haben in den bisherigen 18 Tagen Estland soooviel erlebt und gesehen - es ist ein fantastisches Land und wir haben den heutigen Abend deshalb nochmal bewusst genossen! Zu essen gab es heute diesen kleinen silbernen Fisch, den es für wenig Geld im ganzen Baltikum zu kaufen gibt und dessen Namen wir leider immer noch nicht wissen, bzw. immer wieder vergessen. Diese kleinen Fischchen in Olivenöl einfach gebraten in der Pfanne - köstlich! Dazu gab's Kartoffeln und frischen Salat. Ein Festmahl zum letzten estnischen Abend! Den Sonnenuntergang haben wir uns anschliessend natürlich nochmal am Strand angeschaut... er war wieder wunderschön und es war diese wundervolle 'estnische' Stimmung!

Für uns steht fest, wir kommen wieder nach Estland!!!!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 135 km.

trevor2 am 24 Sep 2014 22:14:34

Freitag, 08.08.2014, 16.30 Uhr OEZ, Camping 'Leiputrija', Ilkene (LV)...

Heute morgen nach total ruhiger und frischer (juchuh!) Nacht entspannt aufgewacht. Gefrühstückt und gepackt. Und dann ging Felix nochmal in der Ostsee baden. Die war dort allerdings seehr flach und er musste schon eine ganze Strecke reingehen, bis es 'schwimmbar' wurde. Währenddessen tüftelte ich die heutige Route und unser Ziel aus. Wir wussten von anderen Womo-Leuten aus Riga, dass das Parken vor dem Freilichtmuseum nicht sooo prickelnd sein sollte und deswegen brauchten wir ein Ziel, dass möglichst dicht dran und trotzdem in der Natur liegt. Das ist im dicht besiedelten Speckgürtel um Riga nicht sooo leicht zu finden Aber natürlich :wink: :ja: haben wir es wieder einmal gezogen - das 'große Los'...

Aber der Reihe nach. Zunächst suchten wir nach unserer Abfahrt erstmal eine Tankstelle, da wir bereits am Abend vorher 30km auf Reserve gefahren waren. Sonst ist das Baltikum übersät mit Tankstellen - nur heute und nur auf unserer Strecke kam eben leider keine. Da wir eine falsche Tankangabe vom Hersteller hatten und somit immer falsche Berechnungen bisher angestellt hatten, machten wir uns noch keine großen Gedanken, doch plötzlich war der Tank nach weiteren 50 km leer - so etwas ist uns noch nie passiert. Felix meinte nur 'Wir haben ein Problem!' und ließ Trevor dann noch soweit wie möglich ausrollen und gottseidank waren wir dann schliesslich als wir zum Stehen kamen recht nah (ca. 300m) an einem Gehöft, wohin Felix dann mit einer leeren 5l-Wasserflasche (!!!) stapfte, da wir garkeinen Reservekanister mithaben. :roll: Nach paar Minuten war er schon dort. Die Menschen waren sehr nett und kutschierten Felix (nachdem er allerdings von einem der Hofhunde - einem Bernhardiner! - richtig in die Seite gebissen worden war! :cry: ) zu einer Tankstelle anderthalb Kilometer zurück wo wir hergekommen waren (aber von der Strasse ab in einer Seitenstraße - für Ortsunkundige nicht zu finden!). Dann fuhr der Mann Felix direkt zum Womo und wartete sogar noch, ob Trevor ansprang nachdem Felix ihn mit 10l betankt hatte. Und gottseidank war es wirklich nur das fehlende Benzin - er sprang nach zweimaligem Anlassen tadellos an und fuhr uns zweihundert Kilometer weiter ohne Probleme bis hierher. In Pärnu tankten wir dann nochmal richtig randvoll und da erfuhren wir, dass der 80l-Tank von Trevor so nicht stimmen kann - es passen exakt 68l in Trevor's Tank. Wenigstens wissen wir es jetzt genau und auch, dass die Reserve noch ca. 80 km hält bis zum vollständigen Aus. Also müssen wir zukünftig immer spätestens nach 50km (statt 150km wie gedacht!) Reserve neu tanken. Und es ist alles gut gegangen, weil wir eben gerade nicht mal wieder durch die Pampa auf Schotterwegen unterwegs waren sondern in der Zivilisation... und dann der nette Mann, der Felix zur Tankstelle gefahren hat - alles ist nochmal gutgegangen! 'Miss Maple', unser 'Trevor'-Schaf und Maskottchen der Reise (oh, das hört sie garnicht gerne!!! :wink: :D ) hat uns gut bewacht!!! :ja:



Dann verließen wir schweren Herzens auf der Via Baltica endgültig (zumindest für diesen Sommer!) Estland. Hier seht Ihr die seit zwanzig Jahren verwaisten lettischen Grenzanlagen...



Nachdem wir auf der Karte und auf dem Plan der 'Camping Baltic States' einen CP rausgefunden hatten, der unseren Wünschen entsprach, führten uns 'Thommy' (ausnahmsweise !) und die Hinweisschilder des CPs genau hierher. Die letzten 10km waren jedoch abenteuerlich, weil es quer durch ein Truppenübungsgelände ging. Überall Schilder auf lettisch, die sicher wie in der Lüneburger Heide verboten, den Wald zu betreten - Lebensgefahr! Wir hätten es eh' nicht versucht... Am Ende des Militärgeländes ging es dann nochmal 1,5km weiter mitten in die Natur und nahe an die Gauja, bis wir hier landeten. Es ist ein klitzekleiner CP, der sicher nur seeehr selten von ausländischen Womos besucht wird. Wir sind jedenfalls weit und breit die einzigen CamperInnen überhaupt - ausser uns kein Zelt, kein Wohnwagengespann und kein Womo auf dem ganzen Platz... wir hatten die volle Auswahl der Plätze! Und das in der Hauptsaison... Der Platz liegt 300m von der Gauja, unserem lettischen Lieblingsfluss entfernt...
Allerdings fand gerade ein Jugendcamp in kleinen Holzhütten statt, die sie auch vermieten wie fast alle baltischen CPs und die wie es scheint überall sehr gut angenommen werden. Und zusätzlich begann gerade eine Hochzeitsfeier in einer größeren hallenartigen Hütte, zu der viele Menschen anreisten. Auch solche 'Feierhütten' haben wir auf fast jedem baltischen CP bisher gesehen, sie scheinen in den Sommermonaten stark frequentiert zu werden von Familienfeiern...



Der Blick von unserem Womo über den Womo-/Wowa-Platz... bis zum Wald ganz hinten. Davor rechts noch ein neugebautes Hotel, das aber ohne Gäste zu sein schien...


Ich musste dringend mal wieder waschen und fragte beim Ankommen nach einer Waschmaschine, die laut Camping-Map zur Verfügung stehen sollte. Es stellte sich aber raus, dass sie keine Waschmaschine zur Verfügung stehen haben für Camper, aber sie bot uns an, die Wäsche in ihrer eigenen Maschine zu waschen für uns - total nett!!! Eben brachte sie die erste Maschinenladung - sauber und sogar zusammengelegt!!! Das habe ich bei nasser Wäsche noch nie erlebt - ich bin gerührt!!! Und das wo sie eigentlich kaum Zeit haben, weil der CP mit dem Kindercamp und der Hochzeitsgesellschaft recht viel zu tun hat. Und dann das Ganze für € 3,00 - sehr günstig im Vergleich mit allen vorherigen Waschmöglichkeiten...

Jetzt habe ich eben erstmal geduscht und schreibe schnell den Tagesbericht. Gleich werden wir hier in Trevor gemütlich unseren letzten estnischen Lachs essen und dann draussen in unseren Liegestühlen gemütlich den Abend ausklingen lassen. Um 22.00 Uhr macht die Hochzeitsgesellschaft Schluss und dann herrscht hier Nachtruhe auf dem Platz. Das ist prima! W-LAN gibt es auch, morgen früh spätestens werde ich den Tagesbericht und hoffentlich schon ein paar Fotos der letzten Tage hochladen...

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 234 km.


Samstag, 09.08.2014, 18.40 Uhr OEZ, Camping 'Sniedzes', Bekuciems (LV)...

Heute morgen ist Felix recht früh aufgestanden während ich mich noch ein wenig im Bett 'rumgedrückt' habe, weil ich ziemliche Kopfschmerzen hatte und weil die Nacht ziemlich kurz gewesen war. Es gab nämlich mitten in der Nacht ein heftiges Gewitter mit richtigem Platzregen, wie wir ihn noch nie zuvor in Trevor erlebt haben. Gottseidank hatten wir die meisten Fenster schon gesichert und die meiste gewaschene Wäsche war ebenfalls bereits im Wagen. Bevor es richtig schlimm wurde, flitzte Felix noch einmal kurz raus, holte die letzten beiden Handtücher rein und baute die Wäscheleine noch schnell ab. Eigentlich dachten wir zunächst, es wird wohl nicht so doll, deswegen überlegten wir vorher auch noch kurz, ob wir die Sachen überhaupt reinholen sollten. Die Entscheidung war aber goldrichtig, denn kaum war Felix wieder im Womo, wurde es schon doller und dann kam der erste heftige Regen begleitet von Gewitter. Dann war kurze Wetterberuhigung, wir schliefen wieder ein. Ca. eine Stunde später ging es dann aber nochmal richtig los mit eben diesem Platzregen und einem kurzen heftigen Gewitter. Gottseidank standen wir ja direkt neben der Rezeption... also gewittermäßig recht ungefährlich. Und da Trevor ja dicht ist, ist es eher gemütlich, so einen Regen zu erleben - nur eben ziemlich laut! Felix war schnell wieder eingeschlafen, bei mir dauerte es noch etwas länger...

Es ging uns schon gestern den ganzen Tag so, dass wir noch gedanklich in Estland waren und estnisch grüßten und dankten, obwohl wir ab der lettischen Grenze die lettischen Wörter für 'Hallo', 'Guten Tag', 'Auf Wiedersehen', 'Bitte' und 'Danke' wieder hervorgekramt hatten und sie uns nochmal wieder verinnerlichten ebenso wie die lettische Aussprache. Heute morgen war es dann besonders lustig. Als Felix aus Trevor stieg, grüßte ihn der lettische Mitarbeiter des CP mit 'Good morning!' und Felix antwortete mit 'Tere' (estn. für 'Guten Tag'). Ich hörte es vom Bett aus und hab' mich schlapp gelacht. So ist das, wenn man in so kurzer Zeit mit soovielen verschiedenen Sprachen jonglieren muss... :wink: :D

Heute hat es ansonsten schon wieder viieeel besser geklappt mit unseren lettischen Worten und wir haben noch ein neues ganz einfaches Verabschiedungswort gelernt, das eher familiärer ist als das eher förmliche 'Auf Wiedersehen' in lettisch ('Uz redzesanos!'), das ziemlich kompliziert gesprochen wird und das wir lange geübt haben, dafür nun aber schon fast 'echt' (also wie die Letten selbst) aussprechen. Jedenfalls freuen sie sich immer sehr, wenn wir es sagen und antworten genau so! ;D

Unser heutiges Ziel war ja das Ethnografische Freilichtmuseum in Riga, besser gesagt am Rand von Riga am Juglas-See. Ein riesiges Gelände mit seeehr vielen großen und kleinen Gebäuden, wo man gut und gerne mehrere Tage verbringen könnnte - wir haben uns auf einen guten halben beschränkt, dann konnten wir beide nichts mehr aufnehmen.

Gleich zu Beginn war auf dem Gelände des 'Brivadabas muzeis' zufällig heute ein riesiger Handwerker- und Lebensmittelmarkt aufgebaut mit Handwerk und Lebensmitteln aus der Region. Der findet nur einmal im Sommer an einem WE dort statt und wir hatten großes Glück, dass das heute war... Und dreimal dürft Ihr raten, wen wir dort wieder getroffen haben (als fleissige MitleserInnen könnt Ihr es Euch natürlich sicher schon denken?!!) - ja, tatsächlich den tollen Schinken-Stand (diesmal verkauften allerdings zwei Frauen) und einen Leinen-Stand, die wir beide in Riga auf diesem besonderen regionalen Markt getroffen und mit denen wir auch länger gesprochen hatten - echt witzig! Als der Schinken in Viljandi alle war, hatten wir so getrauert, dass er schon zuende war und wir hatten uns geärgert, dass wir nicht mehr gekauft hatten. Heute haben wir uns nochmal ein großes Stück mitgenommen! :ja: ;D

Als wir anschliessend durch die Höfe und Häuser bummelten, kamen wir nach fast anderthalb Stunden an einer alten 'Schmiede' vorbei, wo heute lettische 'Schmankerln' angeboten wurden zu essen, alles lettische Hausmannskost und zu kleinsten Preisen. Das liessen wir uns natürlich nicht entgehen! Wir aßen wieder zusammen eine kalte Rote-Beete-Suppe, dann aß Felix Grauerbsen mit Speck und Zwiebeln und ich Hering mit Kartoffeln und Dill-Quark. Als Nachtisch aß Felix noch diese fantastischen lettischen 'Pfannkuchen' (aus so einer Art Schmalzkuchenteig) mit selbstgemachtem Erdbeermus. Der Nachtisch schmeckte ihm am besten!





Gut gestärkt konnten wir uns weitere Höfe, Häuser, Schuppen und Kirchen anschauen... ein wunderschön angelegtes, weitläufiges und hügeliges Gelände...











Typische altlettische Wohnstube mit Webstuhl, Betten und Wiege...


Schlafstube...


Speisezimmer auf reichem altlettischen Hof...


Eine der beiden Kirchen, heute noch genutzt...




Ein sehr witziger alter Russe, der Holzbearbeitung zeigte und selbstgemachte Holzbretter von verschiedenen Holzen sowie Holzspielzeug (Bumerangs, Kreisel, etc.) verkaufte...


Diese junge Dame am Eingang zum Freilichtmuseum sah aus wie eine Estin und sie trug auch einen dieser fantastischen orangenen Muhu-Röcke... wir haben uns aber nicht getraut sie anzusprechen...


Übrigens fanden hier und heute in diesem Freilichtmuseum auch jede Menge Hochzeiten statt - es scheint jedes SommerWE in Lettland so zu sein? Aber die Scheidungsquote ist leider auch entsprechend hoch...

Irgendwann waren wir beide nicht nur kulinarisch sondern auch kulturell sehr abgefüllt und es drängte uns gen Ausgang. Das Wetter wurde auch schon wieder recht schwül und drückend, ein Gewitter oder Regen blieb aber bis zum Ende aus. So war es wettertechnisch für mich ein fast idealer Tag - bewölkt, überwiegend kühler und trocken! Herrlich nach den heißen Sommerwochen.

Wieder bei Trevor angekommen überlegten wir wohin nun zur Übernachtung. In Anbetracht des doch immer noch etwas unaufgeräumten Wetters wollte ich lieber zu einem CP und so sind wir dann hier gelandet auf dem trotz Hauptsaison wieder fast Womo-/Wowa-leeren CP 'Sniezdes' in Bekuciems direkt an der Daugava, Lettland's größtem Fluss.





Und wieder wird es heute abend hier eine Hochzeitsfeier geben, diesmal aber wohl lauter und open end. Die Tochter des CP-Besitzers heiratet. Deswegen haben wir erst auch noch gezögert, sind dann aber doch geblieben und hoffen nun, trotzdem einigermaßen schlafen zu können! Wir können auf jeden Fall feststellen, Letten heiraten gerne und feiern am liebsten auf einem CP - echt witzig!

Ich hoffe, morgen den Tagesbericht wenigstens noch hochladen zu können hier vor der Rezeption bevor wir abreisen. Heute morgen ging es nicht, weil in Ilkene alle Sitzgelegenheiten vor der Rezeption nach dieser Nacht noch komplett nass waren...

Morgen werden wir in Salaspils die KZ-Gedenkstätte besuchen und das Daugava-Museum. Dann wollen wir noch zur Burg 'Lielvarde' (besser gesagt, ich möchte noch dahin, weil es eine altlettische Burg ist und man sie wohl mal gesehen haben sollte... :ja: ).

Übermorgen verlassen wir dann Lettland schon wieder und fahren weiter nach Litauen. Dort werden wir jetzt auf der Rückfahrt noch ein wenig länger bleiben, weil wir auf dem Hinweg doch recht schnell durchgefahren sind. Wir werden uns ein paar Tage Vilnius anschauen, Trakai, eventuell noch Kaunas und vor allem den südöstlichsten Nationalpark Litauens und natürlich auch Druskininkai. Und dann geht es unweigerlich aus dem Baltikum raus Richtung Heimat. Diesmal werden wir aber etliche Zwischenstopps in Polen und auch in Deutschland einlegen, bevor wir wieder in Bülstedt ankommen. So ist zumindest unser jetziger Plan!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 91 km.


Sonntag, 10.08.2014, 19.35 Uhr OEZ, Pasarté, bei Dusetos (LT)...

Heute morgen gemütlich aufgewacht, Felix ist aufgestanden und hat Frühstück gemacht, ich durfte wegen meiner Kopfschmerzen noch im Bett bleiben und genoß es sehr. Zum zweiten Mal in den letzten Wochen weckte keine Sonne, im Gegenteil es war sehr dunstig, fast nebelig. Dieser Morgennebel erinnerte uns an Septembermorgen. Er verging jedoch bald und die Sonne kam hervor und es wurde ein heißer sonniger Sommertag!

Nach einem kurzen Plausch mit unseren einzigen Nachbarn auf dem Platz, einem holländischen Ehepaar, fuhren wir zurück nach Salaspils, wo wir uns die KZ-Gedenkstätte und das Daugava-Museum anschauen wollten. Doch zunächst mussten wir nochmal über den großen Staudamm der Daugava in Salaspils. Er ist noch aus Sowjetzeiten - ein Wasserkraftwerk mit gigantischen Ausmaßen! Das kommt auf den Fotos garnicht soo gut raus...







Die KZ-Gedenkstätte fanden wir dank unseres Reiseführers 'Lettland' vom ReiseKnowHow-Verlag recht einfach, obwohl sie nur mit einem kleinen Schild ausgeschildert war. Es war eine von den Sowjets errichtete Gedenkstätte, was zumindest bei uns wieder einmal (wie in Tallinn) ein 'Geschmäckle' hinterliess. Wir verstehen nicht, warum die baltischen Länder diese Gedenkstätten nicht wenigstens noch kommentieren nach dem Motto: 'Dieses Mahnmal der deutschen Okkupation ist von den russischen Okkupanten errichtet worden. Da die Russen selbst mit Unmenschlichkeit gegen das lettische Volk vorgegangen sind, sind ihre Beweggründe in Zweifel zu ziehen. Das Mahnmal bleibt so erhalten um nicht fälschlicherweise den Eindruck entstehen zu lassen, dass der Opfer nicht genügend gedacht wird.'

Das Mahnmal selbst war sehr groß und mit teilweise gigantischen Ausmaßen - alles aus Beton. Beeindruckend aber auch irgendwie erschreckend. Mich beeindruckte am meisten der Tunnel ins Dunkle und das Metronom, das aus Steinen heraus gleichmäßig wie ein Herzschlag tickte. Es wurde übrigens 1995 von der Bundesrepublik Deutschland restauriert.

Der bedrückende Eindruck wurde noch davon verstärkt, dass im Wald Hundegebell zu hören war und zweimal ein Zug über die nahegelegende Bahnstrecke fuhr.
Wir konnten uns sehr gut - zusammen mit den Bildern aus dem Okkupationsmuseum in Riga - die Szenen vorstellen... wirklich ein seeehr trauriges Kapitel in der lettischen und der deutschen Geschichte! Umso bewundernswerter das Wohlwollen der meisten Letten gegenüber den Deutschen. Erstaunlich!

Mit uns waren heute nur Russen dort, um sich das Mahnmal anzuschauen. Das war auch ein merkwürdiges Gefühl, zumal sie uns recht arrogant von oben bis unten musterten... Wir machten uns recht bald wieder auf den Rückweg zu Trevor. Trotzdem bin ich froh, es gesehen zu haben.



Alle Namen der Opfer eingraviert...


Blick unter dem Tunnel durch auf das riesige Figurenfeld...


Der Tunneleingang...






Das Daugava-Museum muss noch warten bis wir das nächste Mal in Lettland sind, nach dem KZ-Mahnmal wollten wir lieber weiter zur Burg Liévarde. Unser nächstes Ziel war dann aber erstmal noch die Kirche in der Daugava bei Ikskile. Wir besahen sie allerdings nur vom Ufer aus, ganz hinlaufen wollten wir dann doch nicht.



Es badeten tatsächlich viele Menschen in der Daugava - hier wie überall in Lettland. In Riga hatten wir es ja auch schon gesehen. Dabei ist die Daugava ein sehr belasteter Fluss - sie führt immerhin von Russland kommend durch die ganzen Industriegebiete von Lettland und mündet ja dann hinter Riga in die Ostsee und zur Zeit hat sie zudem einen sehr niedrigen Wasserstand und müffelt ziemlich vor sich hin - nicht gerade einladend... anscheinend ist hier das Bewusstsein jedoch ein anderes, sonst würde man ja nicht sooviele Menschen, auch Kinder dort baden sehen.

Als nächstes suchten wir die Burg Lielvarde in Lielvarde - allerdings vergeblich! Kurzerhand beschlossen wir, nicht mehr weiter zu suchen sondern einfach weiterzufahren. Unsere Idee, schon den Weg von morgen Richtung Vilnius ein Stück weiter zu fahren und heute schon Lettland zu verlassen. Das taten wir dann auch und SOFORT besserten sich die Straßen schlagartig und auch das Verhalten der Autofahrer wurde wieder zusehens moderater! Die Grenze war wie alle anderen bisher verwaist...



Abends suchten wir einen Freistehplatz und entdeckten ein Schild am Wegrand, das wir für ein Schild für einen Waldparkplatz hielten (in Erinnerung an die estnischen Schilder des RKM) und deshalb fuhren wir in den schmalen Weg rein. So landeten wir hier auf einem Guesthouse-Grundstück am See in Pasarté bei Dusetos. Mitten in einem Nationalpark mit ganz vielen Seen und recht hügelig - echt wuuunderschön!
Der Inhaber nimmt eigentlich keine Camper auf, er vermietet ja seine Guesthouse-Appartements, aber er machte für uns freundlicherweise eine Ausnahme...





Felix geht morgen früh bestimmt noch schwimmen vor unserer Abfahrt... der Guesthouse-Inhaber hat uns seinen Badesteg in den See angeboten.

Achja, als Felix das Grundstück erstmal zufuß betrat, um zu fragen, ob wir hier stehen dürfen über Nacht, hörte er seit langem mal wieder deutsche Urlauber. Und das zweite Witzige war, dass die kleine Schafherde, die wir den ganzen Abend immer wieder mal gehört haben im Hintergrund hinter den Tannen aussehen wie 'Rauhwollige Pommersche Landschafe'... Leider spricht der Besitzer zu wenig Englisch, als das wir uns über die Schafe hätten unterhalten können. Ich fragte ihn zB. wie sie in Litauen heißen, aber er konnte es mir nicht sagen, weil er meine Frage leider garnicht verstand. Schade, dass wir nicht mehr Litauisch können!!! Es ist wirklich seeehr nett hier. :ja:

Morgen fahren wir dann zu einem CP, auf dem wir ein paar Tage stehen bleiben werden. Von dort kommen wir gut nach Vilnius und nach Trakai. Darauf freu'n wir beide uns besonders, mal wieder an einem Ort zu bleiben. Der CP wurde uns von unserem Reiseführer und dem holländischen Ehepaar heute morgen wärmstens empfohlen. Er wird von einem Holländer und einer Litauerin geleitet, die beide ganz viel soziale Arbeit vor Ort leisten. Das Wifi auf dem Platz kostet zB. € 3,00 pro Tag. Dieses Geld sammelt der Besitzer für Aktionen mit den Jugendlichen oder Kleidung für die Familien, die sie betreuen. Wir sind sehr gespannt und freuen uns sehr, so interessante Menschen kennenlernen zu dürfen!!!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 237,7 km.

trevor2 am 26 Sep 2014 15:55:15

Montag, 11.08.2014, 18.10 Uhr OEZ, Camping 'Slenji', bei Trakai (LT)...

Heute morgen entspannt im kühlen Womo aufgewacht - HERRLICH! Felix ist vor der Abfahrt noch einmal schwimmen gegangen. Dann sind wir aufgebrochen immer weiter gen Süden. Wir hatten uns eine Strecke von ca. 150 km vorgenommen. Das Highlight des heutigen Tages war eine Frau auf einer Weide, die eine Kuh longierte... Wir haben zweimal hinsehen müssen, um zu begreifen, was sie da tut. Felix interpretierte es als Rekonvaleszenz-Übung, ich dachte eher an Showtraining. Was auch immer, es war klasse!!! :ja:

In Moletai tauschten wir erstmal Geld, denn jetzt brauchen wir ja nochmal Litas. Dann gingen wir einkaufen und zu meiner großen Freude gab es wieder Bio-Joghurt - und noch dazu den leckersten, den ich auf der ganzen Reise kennengelernt hatte... in ganz Estland gab es nämlich keine Bio-Produkte, erst wieder in Lettland und natürlich hier in Litauen, aber insgesamt seeeehr spärlich.

Auf dem Weg lag noch der Mittelpunkt Europa's, den wir als 'echte Touris' natürlich auch kurz besuchen 'mussten' - ich wollte, Felix wollte eigentlich nicht. Dort trafen wir dann zwei sehr nette junge Männer aus Deutschland und Österreich mit ihren Hunden. Ich machte für sie ein Foto von ihnen mit ihren Hunden auf dem Mittelpunkt, worüber sie sich sehr freuten. Wir redeten noch ein wenig, sie waren ganz spontan ins Baltikum gefahren - ohne etwas darüber vorher zu wissen... sind aber bis jetzt sehr begeistert.





Da wir uns noch nicht einig waren, wohin genau wir nun wollen - auf den Platz mit Bademöglichkeit im See oder zu dem netten Holländer-Platz mitten im Wald - fuhren wir erstmal gen Trakai-CP. Felix' Wunsch schwimmen gehen zu können, ist ja verständlich! Ich dachte, der CP bietet auch einen tollen Blick auf das Wasserschloss Trakai, dem ist aber nicht so - vom Stellplatz aus kann man die Wasserburg leider garnicht sehen. Mit Glück kann man einen klitzekleinen Blick auf den See in der Ferne ergattern - so wie wir jetzt. Und die Duschen sind gewöhnungsbedürftig und Wifi nur in der Rezeption. Dafür ist der Preis mit € 22,00 ein sehr stolzer! Wir werden nun nur eine Nacht hierbleiben und morgen, nachdem Felix nochmal gebadet hat, weiter nach Trakai fahren und uns das Schloss angucken. Dann werden wir weiter zum Holländerplatz 'Harmonie' fahren und von dort dann nach Vilnius reinfahren.





Wirklich witzig ist, dass direkt vor uns ein Ehepaar aus einer Stadt in direkter Nachbarschaft unseres Heimatortes eincheckte und gerade eben noch ein Bremer Bus direkt neben uns einparkte. Nun haben wir solange keine Deutschen mehr gesehen und auf der ganzen Reise nur zwei andere norddeutsche Ehepaare (OD und IZ) - und jetzt auf der Rückfahrt ballt es sich hier mit Deutschen und dann noch aus unserer Region! :wink: Die Bremer sind aber sehr nett!

Felix fuhr nochmal bisschen Fahrrad, ich habe die Reiseführer für unsere Vilniustage gelesen und durchgeguckt. Freu' mich schon lange auf diese Stadt mit jüdischer Geschichte!
Felix kam gerade noch bevor ein Gewitter richtig los ging von seiner Fahrradtour zurück. Wir sind dann sogar nochmal runter zum Wasser gegangen, wo er nochmal kurz geschwommen ist. Als wir dann zu Trevor zurückkamen, fing es schon an zu tröpfeln. Felix ging dann duschen, ich genoss das 'Im Trockenen sitzen' und Beobachten des Wetters.

Wir haben vorher noch lange mit den Bremern geredet. Wir haben uns über die wie sie wussten wohl leider seit Jahren ruhende Partnerschaft zwischen Bremen und Riga unterhalten. Letzteres finden wir seehr schade und waren auch verwundert, weil uns von den Letten ja in Riga immer signalisiert wurde, wie gut und wichtig ihnen die Partnerschaft mit Bremen ist...

Nach dem Gewitter regnete es den restlichen Abend und die ganze Nacht mehr oder weniger weiter. Wir gingen dann auch recht früh ins Bett, nachdem wir noch ein wenig bei Kerzenschein in Trevor gesessen hatten und den Tag haben ausklingen lassen...

Je südlicher und westlicher wir kommen, desto früher wird es wieder dunkel - die 'weissen Nächte' von Estland sind leider endgültig vorbei!!!

Gefahrene Trevor-Kilometer heute 176,5 km.

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