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Färöer Reisebericht 1, 2, 3, 4, 5


gnarz18 am 13 Sep 2014 16:17:54

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"Wohin?" - das ist die häufigste Reaktion, die man bekommt, wenn man erzählt, dass man auf die Färöer in Urlaub fährt. Viele haben Probleme, diese kleine Inselgruppe im Nordatlantik überhaupt auf der Karte zu finden. Wenn jemand sie kennt, dann meist wenn es um das Thema Fußball geht oder wenn man schon mal Urlaub in Island gemacht hat. Die Färöer sind so unbekannt oder unwichtig, dass sie sogar auf dem Globus vom „heute journal“ nicht zu finden sind, andere Inseln dieser Größe wie z.B. die Shetlands sind eingezeichnet. :D

Unsere Tochter hat das mal dem heute journal bekannt gemacht. Wenn Euch der heute journal Globus also irgendwann mal „verändert“ vorkommt …

Die Inselgruppe der Färöer liegt im Nordatlantik, zwischen den Shetland Inseln und Island. Sie besteht aus 18 Inseln, von denen die meisten bewohnt sind. Die Färöer gehören zur dänischen Krone, sind aber eine autonome Nation, die nicht zur EU gehört. Knapp 50.000 Färinger leben auf den Färöer, gut ein Viertel davon in der Hauptstadt Tórshavn. Die Amtssprache ist Färöisch bzw. Dänisch, aber mit Englisch und manchmal sogar Deutsch kommt man ganz gut zurecht.

Meine Frau und ich waren 2003 schon einmal auf den Färöer. Da in diesem Jahr die Sommerferien in NRW schön früh beginnen, wollen wir sie unbedingt auch unserer Tochter Paula zeigen. Der Weg auf die Färöer ist für uns recht lang. Zuerst gilt es die ziemlich genau 1000km von Aachen bis nach Hirtshals in den Norden von Dänemark zu überwinden. Anschließend muss man weitere 1000km mit dem Schiff bis auf die Färöer hinter sich bringen. Das entspricht (sehr zur Freunde meiner Frau, die schon beim Anblick von Schiffen seekrank wird) bei guter Wetterlage knappe 32 Stunden Überfahrt.
Wir starten am frühen Donnerstagnachmittag. Das Wohnmobil ist gepackt, der Tank ist voll und so rollen wir gegen 15:00 Uhr in Aachen los. Unsere Fähre geht Samstagmittag, d.h. es bleiben uns gut eineinhalb Tage für die Strecke bis Hirtshals.

Die Autobahn ist recht voll und immer wieder einsetzende starke Schauer behindern ein wenig unser Vorankommen. So schaffen wir es am ersten Tag nur bis Ladbergen in der Nähe von Tecklenburg. Dort gibt es einen SP neben einem Restaurant, genau Das was wir brauchen. Wir gehen lecker Essen und früh ins Bett, denn wir wollen es morgen bis nach Hirtshals schaffen.

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Stellplatz in Ladbergen

Pünktlich um 7:00 Uhr hole ich die bestellten Brötchen im Gasthaus ab und um 8:00 Uhr sind wir wieder auf der Autobahn. Das anfangs schlechte Wetter wird je weiter wir nach Norden kommen immer besser. Wir passieren ohne größere Staus Hamburg, Flensburg, Kolding, Arhus und erreichen gegen 16:30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein Hirtshals.
Da wir nach so langer Autofahrt auf großartige Stellplatzsuche keine Lust mehr haben, fahren wir dann auch sofort auf den CP in Hirtshals. Der CP liegt schön am Meer, direkt unterhalb des Leuchtturms.

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Campingplatz in Hirtshals

Wir richten uns ein wenig ein und machen uns dann sofort auf in das Städtchen, um uns die Beine zu Vertreten und um etwas zu Essen. Abends besuchen wir noch den Leuchtturm und die alten Bunker. Später genießen wir noch den wirklich schönen Sonnenuntergang.

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Der Leuchtturm von Hirtshals

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Wie ich dann abends uns zum Abschluss eines langen Urlaubstages ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank holen möchte, bemerke ich, dass dieser nicht mehr läuft. Und das schon seit Längerem … Mist! Irgendwie zündet er nicht mehr. Sowas kann man am Anfang eines Urlaubes ja echt nicht gebrauchen und so mache ich mich am nächsten Morgen nach dem Frühstück ans Werk, den Kühlschrank zu reinigen. Danach läuft er zwar wieder, aber er stinkt unangenehm nach Abgas. Ich packe mein Werkzeug weg und laufe so um unser Womo rum – der nächste Schreck! Die Kunststoffblende im Bereich des Auspuffes ist ungewöhnlich schwarz und weist auch schon leichte Spuren einer Verschmorung auf. Die Ursache ist schnell gefunden, ein fettes Loch in den letzten 30cm des Auspuffes. Hören tut man beim Fahren nichts, aber die heißen Abgase treffen halt nun direkt auf die Kunststoffverkleidung. Nun ist guter Rat teuer. Es ist Samstag und in drei Stunden geht unsere Fähre! Wir fahren ein paar Werkstätten an, aber diese haben alle geschlossen. Beim näheren Untersuchen des Auspuffs brechen mir dann endgültig die letzten 30cm des Auspuffes ab. Es hilft Alles nichts, wir müssen zur Fähre. Auf den Färöer gibt es ja schließlich auch Werkstätten. Und so fahren wir, nun ein wenig knatternd, zum CheckIn.

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Das Einchecken und Verladen geht recht zügig. Merkwürdig finden wir nur, dass alle Passagiere außer dem Fahrer mit dem Gepäck zu Fuß an Bord gehen müssen. Das kennen wir in dieser Form von keiner anderen Fähre. An Bord treffe ich meine beiden Damen wieder. Die warten etwas säuerlich vor unserer Kabine, weil diese noch nicht fertig ist. So lungern alle Passagiere mit ihrem Gepäck in den Gängen herum. Besonders Familien mit kleinen Kindern und ältere Personen sind echt genervt. Die Bars, Cafés und Restaurants haben noch geschlossen und es sind nicht genügend Sitzplätze vorhanden. Also lungern die meisten auf dem Boden herum während das Schiff bereits abgelegt hat. Nicht besonders gut organisiert das Ganze. Die Fährfahrt wird nach Auskunft des Kapitäns gut 31 Stunden dauern. Wir schauen uns zuerst das Schiff an, genießen die Sonne an Deck und begeben uns um halb sieben zum Buffet in den großen Speisesaal. Das Buffet hatten wir besser in Erinnerung. Es schmeckt zwar alles sehr gut und ist auch in ausreichender Menge vorhanden, aber die Vielfalt an Meeresfrüchten und Fisch, die wir vor elf Jahren angeboten bekommen haben, wird leider nicht mehr geboten.

Nach dem Essen gehen wir noch in eine der Bars, trinken ein paar Bier, lauschen der Live Musik und genießen die Fahrt entlang der norwegischen Südküste.

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...vorbei an der norwegischen Südküste

Am nächsten Morgen passieren wir Muckle Flugga bei den Shetland Inseln im dichten Nebel. Wir verlassen bei den Shetlands die Nordsee und im Atlantik lichtet sich dann auch schnell der Nebel und es wird wieder ein sonniger Tag. So ein ganzer Tag auf einem Schiff ist schon recht langweilig. Paula nutzt den im untersten Deck angelegten Mini Swimming Pool – immerhin mit einem der Schiffsbewegung angepassten natürlichem Wellengang! Wir lungern auf dem Deck in der Sky Bar herum, lesen und trinken Kaffee. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste einen ganzen Urlaub auf so einem Schiff zubringen, furchtbar!

Ein wenig nervig ist, dass man seine Kabine zwei Stunden vor Ankunft mit all seinem Gepäck verlassen muss. Es wird für eine viertel Stunde das Car-Deck geöffnet und man hat Gelegenheit sein Gepäck ins Auto zu laden. Jeder kann sich wohl gut vorstellen, in was für eine furchbare Drängelei und Hektik das Ganze ausartet. Danach kann man aber noch mal entspannt zum Abendessen gehen. Um 22:30 Uhr legen wir endlich in Tórshavn an.

Es dauert eine gute Stunde bis wir von Bord kommen und nun gilt es erst mal einen Schlafplatz zu finden. So einen ganzen Tag faulenzen macht halt irgendwie müde. Der CP von Tórshavn liegt nur ein paar Meter vom Hafen entfernt und er ist wie erwartet total überfüllt. Nach einer Runde um das Städtchen finden wir und ein paar Island-fahrenden Franzosen am Heliport einen Platz für die Nacht.

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Heliport von Torshavn

Nach einer recht lauten Nacht, der Heliport liegt direkt an der Ringstraße von Tórshavn, werden wir am Morgen durch einen heftigen Regenschauer geweckt. Da der Platz nicht besonders schön ist, beeilen wir uns mit dem Frühstück und fahren nach Tórshavn rein. Wir wollen die Touri-Info aufsuchen und eine Werkstatt für das Auto ausfindig machen.

Aber in Tórshavn hat fast alles geschlossen. Es ist die Zeit der jährlichen Ólavsøka und da geht drei Tage auf den Färöer gar nichts. Wir laufen etwas planlos durch die Stadt, stöbern gemächlich durch die wenigen geöffneten Geschäfte und gehen am Hafen Kaffee trinken. Wir verlassen Tórshavn und fahren nach Kirkjubøur.
Der Ort gehört zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Färöer. Man kann dort den ältesten erhaltenen Hof aus der Wikingerzeit, die Olavskirche und die Magnus Kathedrale besichtigen.

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Kirkjubøur

Besonders eindrucksvoll sind die Gebäude nicht, aber die Lage so direkt am Meer hat schon was.

Die Hauptverkehrsader der Färöer, die Straße mit der Nummer 10, führt uns weiter nach Eiði in den Norden der Insel Streymoy. Hier gab es 2003 einen netten CP mit toller Aussicht direkt neben einem Hotel. Eiði gehört mit seinen 600 Einwohnern schon zu den größeren Ortschaften auf den Färöer und so gibt es dort eine Schule, einen Supermarkt und mittlerweile sogar ein Cafe´.

Der CP existiert leider nicht mehr, auch das Hotel ist geschlossen und verfällt so langsam. Im Ort gegenüber vom Supermarkt betreibt eine Familie in ihrem Wohnzimmer ein Cafe´. Wir gehen erst mal Kaffee trinken und Waffeln essen. Die Dame des Hauses erzählt, dass der CP und das Hotel schon seit Jahren geschlossen sind und dass dadurch leider auch weniger Gäste in den Ort kommen. Das gefällt den Ortsansässigen natürlich nicht so gut. Wir äußern unser Bedauern, dass wir nun nicht wie geplant die Nacht auf dem CP verbringen können. Unsere nette Wirtin verschwindet daraufhin kurz in der Küche und gibt uns dann Tipp, uns an den Sportplatz zu stellen. Dieser würde leider nicht mehr benutzt und somit würde es auch keinen stören. Man muss wissen, dass das freie Campen auf den Färöer absolut verboten ist. In allen Broschüren und Reiserführern wird eindringlich darauf hingewiesen. Aber die nette Frau hat extra für uns den Boss vom örtlichen Fußballverein angerufen und das für uns geregelt. Der Vereinschef gibt nicht nur grünes Licht, sondern schließt sogar noch das alte Vereinsheim auf, damit wir eine Toilette und (kalte, aber immerhin) Duschen haben. Die brauchen wir diese Nacht zwar nicht, nett ist es aber trotzdem.

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Kirche von Eiði

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unser Stellplatz am Fussballplatz

Wir gehen noch etwas an der Küste spazieren und bewundern die eindrucksvollen Klippen, die typisch sind für die Färöer. So gehört das Kap Enniberg (nördlichster Punkt der Insel Viðoy) mit seiner 754 Meter senkrechten Wand zu den höchsten Klippen der Welt. Im Westen sind die Inseln meist von hohen Klippen geprägt, die Ostseite dagengen ist relativ flach. Darum befinden sich die meisten Orte auch immer an der Ostseite der Inseln.

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Für den nächsten Tag haben wir uns die Ólavsøka in Tórshavn vorgenommen. Im Rahmen der Ólavsøka gibt es diverse Sportveranstaltungen, Konzerte Partys usw.. Die Hauptattraktion ist aber wohl die Parlamentseröffnung, bei der eine Prozession bestehend aus geistlichen und politischen Würdenträgern durch Tórshavn zieht. Der Premierminister hält die Rede zur Lage der Nation und ein Chor singt färingische Volkslieder. So spannend wie es sich anhört war es dann doch nicht, da es zum einen geregnet hat und zum anderen wir natürlich kein Wort verstanden haben. Die Färinger, überwiegend in Trachten gekleidet, hatten aber viel Freude dabei.

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Für die Nacht haben wir uns den CP in Elduvík ausgesucht. Vorbei geht es an der einzigen noch erhaltenen Walfangstation auf den Färöer in Við Áir. Ziemlich düster und beklemmend wirken die alten Gebäude und Werkzeuge. Hier wurden bis 1984 Wale verarbeitet, heute verfallen die alten Gebäude und Maschinen.

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Weiter geht es über die Sundbrücke bei Oyrarbakki, die die Hauptinsel Streymoy mit der Nachbarinsel Eysturoy verbindet.
Bei strömenden Regen erreichen wir Elduvík, einen kleinen schönen Ort mit vielen alten Häusern. Der CP ist eigentlich mehr ein Stellplatz und befindet sich mitten im Dorf.

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Elduvík

Der nächste Morgen startet wieder mit Regen. Macht aber nichts, denn heute wollen wir endlich unseren Auspuff reparieren lassen. Dies geht natürlich nur in Tórshavn und so fahren wir wieder zurück in die Hauptstadt und finden nach etwas Sucherei auch den einzigen Ford Händler auf den Färöer. Man nimmt sich auch sofort unseres Problems an. Ein neuer Spezial-Womo-Auspuff ist natürlich nicht vorrätig und es würde drei Wochen dauern, ihn zu beschaffen. Der zweite Lösungsansatz besteht aus drei Volvo-Ersatzteilen, die man irgendwie verschrauben und verschweißen könnte, so dass daraus ein passendes Stück Auspuff entsteht. Dieser Vorschlag wird aufgrund der Kosten und des Aufwands sofort wieder verworfen. Der dritte Vorschlag besteht darin, dass der Lehrling zum örtlichen Eisenwarenhändler fährt und versucht ein passendes Stück Rohr zu bekommen. Ein passendes Rohr ist nicht zu bekommen und so wird einfach ein nagelneuer Auspuff aus dem Ersatzteillagen zerschnitten und ein für meinen Ford passendes Rohr daraus gemacht. 200€ Euro werden dafür fällig. Eigentlich ein fairer Preis für zweieinhalb Stunden Arbeit und Ersatzteil bei 25% Mehrwertsteuer.

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unser neuer Auspuff

Da der halbe Tag nun schon wieder rum ist, beschließen wir nach Vágar zu fahren, um uns dort am einzigen Flughafen der Färöer nach einem Flug zu Vogelinsel Mykines zu erkundigen. Auf die Insel Vágar gelangt man durch einen der zwei Unterseetunnel der Färöer. Diese Tunnel kosten eine geringe Maut, welche durchaus gerechtfertigt ist, wenn man den Aufwand für so einen Tunnel bedenkt.

Wir fahren sofort zum Flughafen und buchen dort mit etwas Schwierigkeiten einen Hubschrauberflug und eine Übernachtung auf der Insel Mykines. Der Hubschrauber ist auf den Färöer ein öffentliches Verkehrsmittel, um schnell von einer Insel zur anderen zu kommen. Das Hubschauberfliegen wird vom Staat subventioniert und ist dementsprechend günstig. So zahlen wir für den Flug knappe 15€ pro Erwachsener, Paula die Hälfte. Der gut einstündiger Flug zu den Nordinseln würde knappe 50€ kosten, Rundflüge zu buchen ist allerdings leider nicht erlaubt. Das widerspricht auf den Färöer dem Gedanken des öffentlichen Nahverkehrs. Einen Anbieter privater Rundflüge haben wir nicht ausfindig machen können. Aber man sagte uns, dass wir den Heli privat mieten können. Was das dann kostet entzieht sich allerdings unserer Kenntnis …

Wir fahren weiter die Küste entlang nach Gásadalur, einen kleinen Ort an der Westküste von Vágar. Dieser Ort ist erst seit 2006 mit dem Auto zu erreichen. Früher mussten die Einwohner entweder das Schiff bzw. den Hubschrauber nehmen, um den Ort zu verlassen. Oder man nahm, wie der Postbote es dreimal pro Woche tat, den 2,5-stündigen Fußweg über einen Pass.
Gásadalur ist ein kleiner Ort mit gerade mal 18 Einwohnern und liegt traumhaft auf einem Felsensockel hoch über dem Meer in einem riesigen Talkessel.

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Gásadalur

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Wir laufen ein wenig durch das kleine Dorf und gehen über eine extrem steile Treppe zum alten Anleger hinunter. Früher wurden alle Waren, die das Dorf benötigte, hier mit dem Schiff angelandet und mit einer Seilbahn hoch zum Dorf befördert. Heute verfällt die ganze Anlage. Von hier unten hat man einen tollen Blick auf die Küste, den Wasserfall und das Dorf. Unseren ersten Papageientaucher entdecken wir hier, sowie Gestein mit glitzernden Kristallen. Paula ist schwer begeistert und sammelt für ihre Freunde in der Heimat schnell kiloweise die wertvollsten Kristalle ein.

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Wieder zurück beim Auto fahren wir anschließend nach Sandavágur zur JuHe, an die ist ein kleiner CP angeschlossen.

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Bøur

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JuHe in Sandavágur

Am Abend regnet es teilweise heftig. Aber wir sind sofort mit dem Wetter versöhnt denn der Regen beschert uns mehrere tolle Regenbögen.
Der nächste Tag beginnt leider, wie der alte geendet hat - mit Regen.
Wir fahren wieder zurück auf die Hauptinseln und bezahlen brav unsere Maut für den Tunnel an der nächsten Tankstelle hinter dem Tunnel. Bei den Maut-Tunneln werden die Kennzeichen automatisch erfasst und bei Nichtbezahlen entsprechende Rechnungen verschickt. Bezahlen kann man an jeder Tankstelle, eine Tunnelfahrt ( hin und zurück ) kostet für unser Womo 100kr. Wir fahren weiter nach Gjógv, dort hat im April 2014 ein neuer CP eröffnet. Die Lage ist wirklich phänomenal! Man steht ein paar Meter vom Meer entfernt und hat einen grandiosen Blick auf die Inseln Kalsoy und Kunoy. Zudem sind die Sanitäranlagen (noch) top in Schuss. Gjógv ist das färöische Wort für Felsspalte, von denen es hier auf den Färöer reichlich gibt. Der Ort Gjógv (eigentlich Við Gjógv) hat seinen Namen von einer ziemlich beeindruckenden Felsspalte. Diese dient dem Ort als natürlicher Hafen.

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Um uns heute noch ein wenig zu bewegen, laufen wir in Gjógv den nahen Hügel hoch und werden mal wieder mächtig nass. Beim zweiten Regenguss auf dem Abstieg können wir uns im Schafspferch unterstellen. Nass und nach Schaf riechend kommen wir nach einer schönen Kurzwanderungen wieder auf dem CP an. Zum Glück erwarten uns hier die tollen Duschen.

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...wirklich lang ist die Wanderung nicht

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links ist der Gjogv

Hier in Gjógv gefällt es uns richtig gut, der CP ist super und man kann im Hotel / Guesthouse von Gjógv abends sogar essen gehen. Ein großer Spaß für die Kinder ist der aufgestaute Bach im Ortszentrum. Hier kann man schwimmen gehen oder mit den selbstgebauten Booten rumpaddeln.

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Der nächste Morgen beginnt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Der Tag verspricht schön zu werden, also nehmen wir uns für heute den höchsten Berg der Färöer vor, den 882 Meter hohen Slættaratindur.

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Slættaratindur 882m

Der Weg startet auf dem Pass zwischen Gjógv und Eiði. Das hat den Vorteil, dass man sich die ersten 400 Höhenmeter spart.

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Es geht zunächst steil und ziemlich weglos bergauf, ziemlich anstrengend aber die Aussicht ist echt toll.
Von hier oben sieht man erst mal, wie gebirgig die Färöer sind und wie wenig ebene Flächen es hier gibt.

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Je weiter man nach oben kommt desto flacher wird der Weg. Und leider wird auch das Wetter immer schlechter. Das ist bei uns eigentlich immer so, trotzdem hadern wir auch diesmal mit dem Wetter. Kurz vor dem Gipfel hat man einen wunderschönen Blick auf Risin und Kellingin, zwei Felsnadeln vor der Küste von Eiði. Der Sage nach sind diese Felsen der Riese und das Trollweib, die die schönen Färöer eines Nachts rüber nach Island ziehen wollten. Die beiden sind so in ihre Arbeit vertieft, dass sie vom Tageslicht überrascht werden. Tja, das vertragen diese Wesen nun mal gar nicht und so werden die beiden versteinert und die Färöer bleiben da wo sie sind und schon immer waren.

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Auf dem Gipfel haben wir dann natürlich mal wieder keine Sicht und es fängt natürlich auch wieder an zu regnen. Wie gesagt, irgendwie typisch für unsere Bergbesteigungen.

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Gipfelglück

Nach einem kurzen Picknick beeilen wir uns dann auch vom Gipfel wieder runterzukommen. Kaum sind wir wieder unten hört es auf zu regnen und die Sonne kommt wieder raus. Und wieder : Typisch!

Da es noch früh ist, fahren wir nach Tjørnuvík, einem der wenigen Orte mit Sandstrand.

Tjørnuvík liegt, wie so viele Orte auf den Färöer, in einem Talkessel und ist über eine tolle Küstenstraße zu erreichen. Der Ort selber hat wenig zu bieten, einen kleinen Laden in dem man Souvenirs kaufen kann und einen Rentner, der auf einer Picknickbank im Freien den wenigen Touristen, in diesem Fall nur uns, löslichen Kaffee und Waffeln vom Vormittag anbietet.

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Tjørnuvík

Paula möchte schwimmen gehen. Uns ist es bei 8°C Außentemperatur zu kalt. Paula zwängt sich trotzdem unverdrossen in ihren Neoprenanzug und stürzt sich in die Fluten.

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Irgendwann werden Paulas Lippen blau und wir fahren wieder zurück nach Gjógv auf den CP. Paula freut sich die ganze Fahrt über auf die hervorragenden Duschen mit jeder Menge warmem Wasser.

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Abends wird das Wetter noch richtig schön und die untergehende Sonne taucht die Berge in ein wunderschönes Licht.

Für den nächsten Tag steht der kleine Ort Saksun auf dem Programm. Saksun mit seinen 20 Einwohnern gehört wohl zu den meistbesuchten Orten auf den Färöer und die kleine Kirche findet sich wohl in jedem Kalender von den Färöer wieder.

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Wir laufen den sehr schönen Weg am Fjord entlang bis zum Meer hinaus. Dieser Weg ist nur bei Ebbe gut begehbar. Man muss dazu sagen, dass der Tidenhub mit einem halben Meter auf den Färöer erstaunlich gering ist. Da die Felsen entlang des Fjords recht steil sind, sollte man bei einsetzender Flut trotzdem zügig zurück gehen. Sonst sind nasse Füße vorprogrammiert. Die Wanderung dauert knapp zwei Stunden und ist absolut empfehlenswert.

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Wieder zurück in Saksun mache ich mich dann alleine auf den Weg nach Tjørnuvík. Die meisten Wanderwege auf den Färöer sind alte Verbindungs- und Handelswege zwischen den einzelnen Dörfern.
Der Weg über den Gebirgspass dauert gute drei Stunden. Meine Frauen machen sich mit dem Womo auf den Weg, um mich in Tjørnuvík abzuholen. Die Strecke über die Straße ist 30 km lang, dauert bei der einspurigen Straße aber auch einige Zeit. Der Wanderweg startet am letzten Haus von Saksun und führt steil bergauf zu einem Steinmann, den man schon von unten sieht. Man hat einen tollen Blick hinein in den Fjord von Saksun.

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Der Weg ist sehr gut mit Steinmännern markiert und so habe ich kein Problem den Weg zu finden. Hat man erst mal den Bergrücken erreicht, geht es relativ flach weiter durch ein riesiges Tal hinauf zu einem Pass.

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Von dort sieht man schon die Felsnadeln Risin und Kellingin und etwas später, tief unten im Talkessel, Tjørnuvík. Für den, der gerne wandert, ist dieser Weg ein absolutes MUSS auf den Färöer.

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Meine Frau und Paula waren natürlich schneller am Ziel und nach kurzer Pause verlassen wir Tjørnuvík und fahren nach Selatrað.

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Dort gibt es auch einen CP/SP. Außer uns ist nur noch eine Crew der Sea Shepards auf dem Platz. Die Organisation ist in diesem Sommer mit ca. 400 Leuten auf den Inseln, um den Färingern den Grind-Walfang zu vermiesen. Das sorgt natürlich für einen gewissen Unmut, manchmal aber auch für Erheiterung unter den Einheimischen.

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Wir gehen an die Hafenmole, um ein paar Krebse zu fangen und schauen ein paar Jugendlichen beim Angeln zu, während die Sea Shepards das Grauwasser ihrer Wohnmobile einfach auf dem CP laufen lassen – soviel dann mal zum Umweltbewusstsein. Paula entdeckt später hinter dem Duschhaus zwei selbstgebaute Seifenkisten. Die testen wir dann den Rest des Tages ausgiebig.

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CP in Selatrað

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Der nächste Tag führt uns auf die Nordinseln. Wir durchfahren den 2006 eröffneten Unterseetunnel zwischen Leirvík und Klaksvík. In dem Tunnel befindet an seiner tiefsten Stelle, immerhin 150 unter dem Meer, eine Lichtinstallation. So wird das Fahren durch die ca. 6km lange Röhre wenigstens ein wenig interessant.

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Klaksvík ist mit knapp 5000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Färöer. Da die Touri-Info geschlossen hat, fahren wir erst mal durch Klaksvík durch zur Insel Kunoy. Die Insel ist bequem über einen Damm zu erreichen. Und hier treffen wir dann auch zum ersten Mal auf einen Tunnel der unangenehmen Sorte.
Dunkel, wie im Bärenarsch - so beschrieb uns ein Touri aus Wien einmal die speziellen Tunnel der Färöer. Diese Tunnel hier sind aber auch wirklich unangenehm. Zumindest für Womo-Fahrer, denn sie sind unbeleuchtet, einspurig, eng und ziemlich lang.

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An der Einfahrt zum jeweiligen Tunnel prangen Schilder, die eine maximale Durchfahrtshöhe von 3,10m und eine max. Breite von 2,80m bzw. 2,50m vorschreiben. Nun ist unser Womo gemessene 2,98m hoch und (ohne Außenspiegel) 2,35m breit. Müsste also passen. Meine Frau meint, was durch den Eingang passt, dass passt auch durch den Tunnel. Ich gebe zu bedenken, dass das zweite Schild eine Verengung ankündigt, und der Eingang damit bestimmt nicht gemeint sei. Außerdem bezweifele ich, dass die Tunneleinfahrt etwas mit der maximalen Durchfahrtshöhe zu tun hat.

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Na ja was soll's, wir diskutieren nicht länger und rauschen in den "Bärenarsch". Einspurige Tunnel haben natürlich den Nachteil, dass einem auf den 3km Länge natürlich auch jemand entgegen kommen kann. Das passiert leider echt häufig. Wir haben das Gefühl, dass immer wenn wir einen solchen Tunnel befahren dort auch Rush Hour ist. Für das Eintreffen von Gegenverkehr im unbeleuchteten einspurigen Tunnel haben die Färinger ca. alle 150m eine Ausweichbucht angelegt. In die muss derjenige ausweichen, der die Bucht rechts von sich hat. Wir haben uns die Ausweichbuchten immer schon rechtzeitig ausgeguckt und bei Gegenverkehr auch schon mal eine „früh“ aber dafür ausreichend große Bucht gewählt. So im Vorbeifahren sahen manche Buchten so aus, als würden sie den Angaben an der Tunneleinfahrt nicht unbedingt gerecht werden. Für Womo-Reisende mit längeren und höheren Womos hier der Rat, sich vorher zu informieren. Einige Tunnel wurden in der Zwischenzeit auch neu asphaltiert … und damit werden sie wegen wachsendem Bodenbelag niedriger und schmaler!

Es ist unheimlich schwierig in so einer dunklen Röhre die Entfernung und Geschwindigkeit entgegenkommender Fahrzeuge abzuschätzen. Außerdem sind die Ausweichbuchten wie gesagt nicht immer so geräumig - bzw. stehen auch manchmal mit Baumaterialien voll - sodass es für ein Womo eng werden kann. Also echt spaßig diese Tunnels! Wir passen auf jeden Fall (noch) durch alle Tunnel auf den Färöer durch. Die Insel Kunoy hat ca. 160 Einwohner und besteht eigentlich wie die Nachbarinsel Kalsoy nur aus einem langgezogenen Bergrücken. Der erreicht immerhin eine Höhe von 830 Meter.

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Im Ort Kunoy wohnen noch ungefähr 80 Personen. Es gibt, wie in so vielen Orten auf den Färöer, eine wunderschön gelegene Kirche. Eine Besonderheit ist das kleine Wäldchen mitten im Ort.

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Kirche von Kunoy

Die kleinen Kirchen auf den Färöer sind fast alle in „bester Baulage“. Wenn ich mir auf den Färöer ein Haus bauen müsste, ich würde es meist genau dorthin bauen, wo in den Orten die Kirche errichtet wurde.

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Mitten im Ort an der alten Mühle mit Slipway machen wir eine ausgiebige Mittagspause und gehen im kleinen Hafen kurz auf Krabbenfang, allerdings mit mäßigem Erfolg.
Wir fahren zurück und nehmen den Abzweig nach Viðareiði. Wir müssen wieder durch zwei Tunnel durch und kommen nach Hvannasund. Hier führt ein kurzer Damm zur Insel Viðoy herüber.

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Hier ist das Wetter vollkommen anders als auf der Klaksvíker Seite. Das Wetter auf den Färöer ist sowieso recht launisch und sehr schwierig vorherzusagen. In Klaksvík (Insel Borðoy) kann die Sonne scheinen und im 19km entfernten Viðareiði (Insel Viðoy) kann es in Strömen regnen. 10 Minuten später kann es dann genau umgekehrt sein.

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In Viðareiði gibt es neben dem Hotel Norð das sehr empfehlenswerte Cafe / Restaurant „Matstovan hjá Elisabeth“. Wir nutzen die Gelegenheit natürlich sofort, um mal lecker Kaffee trinken zu gehen. Und, weil man sich solch eine Gelegenheit auf den Färöer einfach nicht durch die Lappen gehen lassen sollte, reservieren wir dann auch für den Abend sofort einen Tisch.
Viðareiði liegt auf der Rückseite vom Kap Enniberg. Leider gibt es ab Ende Juli bereits keine Bootstouren mehr zum Kap. Die höchsten lotrechten Klippen der Welt hätten wir uns schon gerne mal angeschaut, aber die Saison ist hier leider schon vorbei. Wir laufen gemütlich durchs Dorf, gehen im Supermarkt einkaufen und suchen uns dann einen Stellplatz für die Nacht.

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unser SP in Viðareiði

Zum Abendessen geht es dann nochmal ins Restaurant. Neben Fleisch wird, typisch Färöer, auch diverses Vogelvieh angeboten. Ich entscheide mich für Guillemot (Trottellumme) mit Kartoffeln. Genau wie beim Papageientaucher ist das Fleisch der Trottellumme dunkel und fest mit kräftigem Geschmack, sehr lecker. Am Nachbartisch wird Wal gegessen, aber das wollen wir uns nicht antun. Vor elf Jahren haben wir mal Wal probiert, unseren Geschmack trifft es nicht, viel zu tranig.

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Trottellummen

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Trottellumme, sehr lecker

Am späten Abend beginnt es heftig zu regnen, das ändert sich auch im Verlauf der Nacht nicht und so wir fahren nochmal zurück nach Klaksvík zum Shoppen. Dort beginnt in ein paar Tagen das jährliche Summar-Festival und die halbe Innenstadt ist schon wegen dem Event gesperrt.

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Mitten in der Stadt wurde ein großer CP eingerichtet, der sich zusehends füllt. Zu unserem Erstaunen mit ausschließlich färingischen Wohnwagen, wir hätten es niemals für möglich gehalten, dass es hier so viele Wohnwagen gibt. Und was machen die Leute damit? Zum großartig in Urlaub fahren können die nicht sein, denn dafür liegen die Färöer zu abgelegen. Bis nach Italien wäre man ja locker 4 Tage unterwegs, schon sehr merkwürdig...

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Klaksvík

Da das Wetter ein wenig besser wird, laufen wir auf den Hausberg von Klaksvík, den 413 m hohen Klakkur.
Von dort hat man ein super Blick auf die benachbarten Inseln und den Sund zwischen ihnen.

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das sieht nach Regen aus...

Leider fängt es wieder kräftig an zu regnen und wir werden auch diesmal gründlich nass. Wir beschließen, uns hier in Klaksvík eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Wir buchen und bezahlen in der Touri-Info den örtlichen Standard-CP. Der große nur für das Festival angelegte CP im Stadtzentrum ist vollkommen ausgebucht. Inzwischen stehen die Wohnwagen schon beim Supermarkt und Schwimmbad auf dem Parkplatz. Der Standard-CP liegt etwas außerhalb bei einem Kindergarten. Die Sanitäranlagen sind ein wenig in die Jahre gekommen, aber sauber.
Das Wetter zeigt sich am nächsten Morgen von seiner besten Seite und so starten wir zu einer vierstündigen Wanderung nach Skarð, einem verlassenen Dorf auf Kunoy. Der Ort wurde 1919 verlassen, nachdem alle arbeitsfähigen Männer auf See geblieben waren. Vom Ort ist heute, außer ein paar Mauern, nichts mehr übrig. Der Weg führt immer an der Küste entlang, mal direkt am Wasser, mal 100 Meter über der See.

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Der Weg wird wohl nicht oft begangen, denn er ist z.T. schwer zu finden und stellenweise recht zugewachsen. Meiner Meinung nach ist er auch nicht ganz ungefährlich. Man muss andauernd Bachläufe queren. Diese laufen oft über große Granitplatten, die sehr glitschig sind und erst tief unten enden.
Das verlassene Dorf an sich ist ein wenig enttäuschend, die Landschaft ist allerdings atemberaubend schön.

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Anstrengend sind die Seeschwalben, die einen extrem aggressiv attackieren. Aber der Weg führt nun mal durch ihre Brutkolonie.

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Wir müssen uns ein wenig beeilen, denn wir wollen noch die Fähre nach Kalsoy bekommen. Wir schaffen es rechtzeitig und stellen uns als fünftes Auto in die Reihe. Es wird alles auf die Fähre gequetscht was nur geht. Alle müssen die Außenspiegel einklappen und jedes Auto wird millimetergenau eingeparkt. Das geht mit einiger Geschwindigkeit von Statten, die Leute von der Fähre machen das offensichtlich nicht zum ersten Mal.

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Die Überfahrt durch den Sund ist echt toll und man sollte sie auf jeden Fall machen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

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Kalsoy ist sehr schmal und der Länge nach von fünf Tunneln durchzogen. Das hat der Insel den Beinamen "Blockflöte" verliehen, wegen der vielen Tunnelöffnungen. Besonders der Tunnel zum Dorf Trøllanes ist sehr unangenehm. Er ist mit einer Breite von 2,50 Meter recht schmal, zudem wird wohl gerade die Fahrbahn erneuert und man rumpelt im Augenblick über eine Lehmpiste mit den dazugehörigen Schlaglöchern. Es staubt fürchterlich und man sieht fast nichts mehr im Tunnel. Man kommt sich vor, als würde man durch einen Bergwerksstollen fahren. Kalsoy, mit ungefähr 147 Einwohnern, ist eine ruhige Insel. Sie ist nur mit der Fähre zu erreichen und wirklich Verkehr gibt es nur zu den Fährzeiten.

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Wir fahren die drei Örtchen ab und machen eine längere Pause in Trøllanes, einem Ort mit 27 Einwohnern - und einem Kiosk!

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Trøllanes

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gut verankert, damit er nicht wegfliegt...

Wir kaufen uns ein leckeres Eis, setzten uns in die Sonne und genießen den Blick auf das Kap Enniberg. In der Touri-Info in Klaksvík sagte man uns, dass es auf Kalsoy keinen CP gibt. Wir sollten uns am besten in Mikladalur auf den Parkplatz im Dorf stellen, da hätten wir Wasser und ein WC. Mit 38 Einwohnern ist Mikladalur der größte Ort der Insel. Der von der Touri-Info vorgeschlagene Platz ist wirklich mitten im Dorf. Die Dorfbewohner scheint unsere Anwesenheit nicht zu stören und so bleiben wir. Schließlich hat man einen tollen Blick aufs Meer und die Nachbarinsel Kunoy.

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...mitten im Dorf

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aber mit super Aussicht

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Mikladalur

Abends gehen wir die steilen Treppen zum Hafen hinunter und genießen das Farbenspiel der untergehenden Sonne.

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Kunoy

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der 413 m hohe Klakkur in Wolken

Als wir am nächsten Morgen wach werden, scheint die Sonne. Wir beeilen uns mit dem Frühstück, denn heute steht eine kleine Wanderung auf dem Programm. Es geht von Trøllanes zu dem Leuchtturm auf der Nordspitze von Kalsoy. Wirklich lang ist die Strecke nicht, aber die Aussicht und Lage des Leuchtfeuers sind einmalig.

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Der Leuchtturm liegt, hier auf dem Bild von Gjógv aus gesehen, auf der zweiten vorderen linken Spitze, ziemlich exponiert!

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der Leuchtturm ist gerade noch so zu erkennen

In knapp einer Stunde erreichen wir den Leuchtturm, die Aussicht ist beeindruckend.

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Ausnahmsweise werden wir mal nicht nass. Wir machen eine ausgiebige Pause und genießen Aussicht und Sonnenschein. Erst als eine Gruppe Wanderer kommt, verlassen wir den Leuchtturm und machen uns auf den Rückweg.

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Wir beeilen uns wieder an die Fähre zu kommen und stehen dann auch als erstes Fahrzeug in der Reihe. Wieder zurück in Klaksvík fahren wir sofort nach Hvannasund.

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Von dort geht mehrmals täglich das Postschiff zu den kleinen Inseln Fugloy und Svínoy. Die Fahrt (Hvannasund – Svínoy – Fugloy – Svínoy – Hvannasund) dauert knappe drei Stunden und kostet subventionierte 6€ / Erwachsener. Mit diesem Postschiff wird alles zu den Inseln transportiert, was dort benötigt wird. Und so treffen nach und nach die Einheimischen ein und verladen vom "Hallo Kitty"-Fahrrad bis zu Dachlatten alles auf das kleine Schiff.

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Wir sehen das mehr als Rundfahrt, die in allen Reiseführern empfohlen wird mit Sätzen wie " eins der größten Abenteuer auf den Färöer ist eine Fahrt mit dem Postschiff nach...". Selbst bei schönstem Wetter ist das Meer rund um die Inseln Fugloy und Svínoy sehr rau und ein Anlegen ist meistens nicht möglich. Auf Fugloy leben 39 Einwohner. Erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bekamen die Leute auf Fugloy Strom und in den 80er Jahren eine Straße, die die beiden Orte Kirkja und Hattarvík verbindet. Die Route führt an beeindruckenden Klippen vorbei und da das Wetter leider suboptimal ist, wirken die Inseln aufgrund der tiefhängenden Wolken bedrohlich und unnahbar. Man kommt sich ein wenig vor wie in einem Fantasyfilm. Man kann gut 200 Meter der Klippen sehen, das Ende wird allerdings von den Wolken verschluckt. Dadurch bekommt man den Eindruck, sie wären unendlich hoch.

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mystisch

Als erstes erreichen wir also Svínoy. Ein direktes festes Anlegen ist (heute) nicht möglich. Also steuert der Kapitän das Boot so nah wie möglich an den Anleger und die Leute springen von Bord. Die Ladung wird von einem Kran quasi an Land geschmissen. Im richtigen Augenblick kuppelt der Kranführer das Seil aus und die Güter krachen auf's Pier, was dort sichtbare Spuren hinterlässt.

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Auch hierbei ist Erfahrung, nicht nur der Schiffsbesatzung sondern auch der Passagiere, von Nöten. Um 21 Uhr sind wir wieder in Hvannasund und fahren nochmals zurück nach Viðareiði auf unseren SP an der Küstenstraße.
Eine weitere wirklich schöne Wanderung führt von Árnafjørður zum Áarskarð und dem alten Tingplatz. Der Weg ist gut mit Steinmännern markiert und teilweise durch ein altes Eisengeländer gesichert.

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Der Weg startet genau zwischen den beiden Tunnel auf Borðoy und führt recht steil nach oben. Bis man auf den Grat kommt, der zum Tingplatz führt, gilt es zwei Felsstufen zu überwinden. Die Eisensicherungen sind zwar recht alt, würden im Ernstfall allerdings schon halten.

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die Eisensicherung ist schon etwas in die Jahre gekommen

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Da das Wetter gerade auf den Nordinseln nicht optimal ist, fahren über Klaksvík zurück nach Eysturoy. Auf Eysturoy ist das Wetter viel besser, man könnte sagen direkt schön, und so fahren wir zu den kleinen Orten Hellur und Oyndarfjørður. Diese liegen an einer Stichstraße, die über einen steilen Pass führt und geniale Aussichten auf die färingische Inselwelt bietet.

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Hellur

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Oyndarfjørður

Wir stehen früh auf. Denn heute soll es zur Vogelinsel Mykines gehen und d.h. wir müssen zuerst nach Vágar.

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Mykines, die westlichste Insel der Färöer

Wir sind viel zu früh am Flughafen. Netterweise erlaubt man uns, unser Wohnmobil kostenlos auf einem Betriebsparkplatz zu parken. Die auf dem Flughafengelände zur Verfügung stehenden Parkplätze sind einfach zu kurz. Und sind natürlich kostenpflichtig. Wir essen und trinken etwas in der Flughafen Cafeteria und schauen dem erstaunlich regen Flugverkehr zu.

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Eine halbe Stunde vor unserem Flug werden wir von einem Flughafenangestellten mit gelber Weste in der Cafeteria abgeholt und zu einem VW-Bus geführt.
Er fährt einmal mit uns um das Gebäude rum, bleibt dann auf dem Rollfeld 20m von der Cafeteria entfernt mit laufendem Motor stehen und steigt aus.
Wir sitzen zu fünft ziemlich planlos im Bulli und harren der Dinge die da kommen. 10 Minuten später kommt der Helikopter und landet 50m neben uns.
Ein anderer Flughafenangestellter mit gelber Weste steigt ins Auto und fährt uns die restlichen 50m zum Hubschrauber.

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Wir krabbeln in den Hubschrauber, schnallen uns an, ziehen unsere Ohrschützer auf und los geht's Richtung Mykines.
Der Flug geht viel zu schnell vorüber und nach zwanzig Minuten schon kommen die Häuser von Mykines in Sicht.

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Auf Mykines leben ganzjährig nur ungefähr 12 Personen. Im Sommer sind es ein paar mehr, wegen der Schafe und dem Vogelfang. Wenn man am Flughafen von Mykines aussteigt und sich die Info-Tafel anschaut, denkt man in was für einer Metropole man gelandet ist - Schwimmbad, CP, Post usw.. Man wird allerdings schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn man sich die Objekte in Natura anschaut…

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Bitte sehr: Das Natur Schwimmbad von Mykines.

Wir suchen erst mal unser Quartier. Das kostet 100€/Nacht inklusive Frühstück für uns drei. Wir werden beim vorletzten Haus im Ort fündig und auch schon von unserem Wirt empfangen.
Da das Wetter immer noch schön ist, machen wir uns dann auch sofort auf zum Mykines Holmur, einer vorgelagerten Insel, die über eine Brücke zu erreichen ist.

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unsere Wanderung

Wie nicht anders bei einer Vogelinsel zu erwarten ist, gibt es natürlich unzählige Vögel, allen voran Papageientaucher (Lundi). Diese putzigen Vögel gibt es hier in einer unglaublichen Anzahl. Sie werden normalerweise auch von den Färingern bejagt, d.h. sie werden mit großen Köchern aus der Luft gefischt. Unser Wirt erzählt uns, dass die Papageientauchen in den letzten Jahren nicht mehr genügend Sandaale fangen konnten und deshalb der Nachwuchs ausblieb. So hat die Kommune Mykines, um die Bestände nicht zu gefährden, seit vier Jahren den Papageientaucher-Vogelfang ausgesetzt. Dieses Jahr sei allerdings ein gutes Jahr für die Lundis, denn sie würden wieder genügend Sandaale fangen können. Im nächsten Jahr werde man dann sicher wieder auf Jagd gehen können.
Leider muss ich sagen, dass Lundi auch wirklich ziemlich gut schmeckt.

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Eine weitere Vogelart, die man hier gut beobachten kann, ist der Basstölpel. Der wird natürlich auch bejagt. Nahe der Klippen findet man überall die tief in den Boden gerammten Eisenstangen, an denen sich die Männer von Mykines in die Klippen abseilen, die Vögel packen, ihnen den Hals rumdrehen und runter ins Meer werfen. Dort werden sie von weiteren Vogelfängern in einem Boot aufgesammelt.

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Mykines

Der Weg führt vom Dorf steil bergauf zum Klippenrand. Man muss schon echt aufpassen, dass man nicht über die Bruthöhle eines Papageientauchers stolpert. Auf dem Klippenrand biegt der Weg dann nach rechts in die Klippe ab. Über in den Fels gehauene Stufen geht es dann hinunter zur eindrucksvollen Brücke, die auf den Holmur führt.

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Nach gut einer Stunde, wir haben oft Pause gemacht und die putzigen Papageientaucher beobachtet, erreichen wir den Leuchtturm von Mykines, die westlichste Spitze der Färöer.

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Bei dem Wetter ein echtes Wow-Erlebnis! Wir sind ganz alleine, denn die meisten Besucher verlassen die Insel mit der letzten Fähre. Wir laufen wieder langsam zurück und beobachten, wie die Seeschwalben den Papageientauchern das Futter abjagen. Während die Seeschwalben nur auf die Sandaal aus sind, jagen die großen Möwen die Papageientaucher selbst. Arme, kleine, tapfere Papageientaucher …
Wir müssen uns ein wenig beeilen, denn wir wollen noch ins Restaurant von Mykines. Wobei die Bezeichnung „Restaurant“ ( OT unseres Pensionswirts ) ein wenig optimistisch ist. Es ist vielmehr eine Mischung aus Kiosk, Imbiss und Aufenthaltsraum. Aber man bekommt über Bier, Tampons, Chips, Erbsensuppe und Zigaretten alles mehr oder weniger Wichtige zu kaufen.

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das Restaurant von Mykines

Im Restaurant gibt es keine Karte, dafür aber immer ein Tagesgericht. Das besteht meist aus frischem Fisch, Kartoffeln und Gemüse. Wenn man in der Lage ist oder Glück hat, richtig ein Abendessen vorzubestellen, kann man auch in den Genuss des Tagesgerichts kommen. Wir haben das mit der Vorbestellung zwar telefonisch versucht, aber doch nicht hinbekommen. Das Standard Angebot an Speisen ist mit Hotdog, Würstchen und Hamburger recht überschaubar. Wir entscheiden uns für Hamburger mit Pommes und Bier. Paula trinkt natürlich kein Bier sondern Wasser.
Wir lernen Sheila, Privatlehrerin aus Sheffield in England, kennen und verbringen einen netten Abend mit Lobreden auf die schottische Landschaft.

Nach einer wenig erholsamen Nacht, es fing fürchterlich an zu regnen und unter unserem Fenster tummelt sich eine Schar Gänse, die jeden Regentropfen kommentieren mussten, bekommen wir von unserem Wirt ein ausgezeichnetes Frühstück vorgesetzt.

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auf Mykines gibt es keine Autos

Da es auch nach dem ausgiebigen Frühstück in Strömen regnet, nehmen wir das Angebot unseres Wirts an und bleiben noch etwas in der Pension. Er muss mit der ersten Fähre nach Vágar übersetzen, hat aber kein Problem damit uns das Haus zu überlassen. Färingische Gastfreundlichkeit.
Irgendwann wird es uns dann doch zu langweilig und wir laufen ein bisschen durch's Dorf. Es schüttet wie aus Kübeln und das dorfeigene Natur-Schwimmbad läuft über.

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wir finden neue Freunde...

In einer kurzen Regenpause gehen wir nochmal zu den Lundis und Basstölpen, werden aber dann auf dem Rückweg wieder mal nass. Zum Glück können wir ja noch die Pension nutzen, und so können wir uns umziehen und anschließend ins Restaurant setzen. Auch Sheila kommt nach ihrer Expedition zum Holmur nach zwei Stunden vollkommen durchnässt im Restaurant an.
Als Engländerin muss sie so ein Wetter ja eigentlich gewöhnt sein. Sie setzt sich zu uns und trinkt erst mal einen schön heißen Tee.

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Gegen Nachmittag geht dann auch unsere Fähre zurück nach Vágar. Der kleine Hafen von Mykines ist nicht ganz ungefährlich und kann nur bei relativ gutem Wetter angefahren werden. Vor elf Jahren hingen wir hier zwei Tage fest, weil weder Hubschrauber noch Fähre bis zur Insel durchkamen.

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Hafen von Mykines

Diesmal klappt es auf jeden Fall problemlos und nach gut einer Stunde legen wir im Hafen von Sørvágur an.

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Felsnadeln zwischen Mykines und Vagar

Ein Ehepaar von der Insel Suðuroy nimmt uns mit und bringt uns zu unserem Womo am Flughafen.

Für den nächsten Tag steht eine Bootstour auf dem Programm. Von Vestmanna aus geht es raus zu den bis zu 800m hohen Klippen, sehr eindrucksvoll.

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Jeder Passagier bekommt einen Bauhelm aufgesetzt. Wobei ich mal behaupte, dass wenn einem ein Stein von 300/400 Meter Höhe auf den Kopf fällt, der Helm nur noch kosmetische Funktion oder Versicherungs-technische Gründe hat. Das Boot fährt durch Grotten und Torbögen und hinein in enge Schluchten, echt empfehlenswert diese Tour.

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144m soll der Stack hoch sein

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Eine sehr schöne und recht ausgesetzte Wanderung führt uns am nächsten Tag von Elduvík nach Oyndarfjørður.

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Auch dieser Weg ist ein alter Handels- bzw. Kirchweg. Als es noch keine Kirche in Elduvík gab sind die Menschen diesen Weg gegangen, um den Gottesdienst in Oyndarfjørður zu besuchen. Ganz schön heftig.

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Wegblockade

Der Weg führt zuerst immer an der Küste entlang und biegt später zu einer Scharte ab, über die man dann schließlich Oyndarfjørður erreicht.

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Zwei Stunden dauert diese sehr lohnenswerte Wanderung.

Von Oyndarfjørður fahren wir nach Tórshavn in den Hafen, wir wollen auf die südlichste Insel der Färöer nach Suðuroy.

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auf dem Weg nach Torshavn

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Die Fähre dorthin fährt dreimal täglich von Tórshavn aus, die Überfahrt dauert ungefähr zwei Stunden. Das Fährschiff ist die alte Norröna, die früher die Strecke Hanstholm - Island bedient hat.
Ein wenig merkt man dem Schiff sein Alter an, alles wirkt ein wenig schlichter als auf der neuen Norröna. Bezahlt wird auf der Rückfahrt und so gehen wir im Bordrestaurant etwas essen und trinken. Ist wohl leider der übliche Fährkantinenfrass.

Wir erreichen Suðuroy erst gegen 19:00 Uhr und fahren vom Hauptort Tvøroyri nach Hvalba. Dort entdecken wir einen wunderschönen SP an der alten Müllkippe.

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SP in Hvalba

Der SP in Hvalba ist einer der wenigen Plätze, die nach Westen zeigen. Die meisten Orte auf den Färöer liegen an den flachen Ostküsten der Inseln. Es gesellen sich noch ein paar Einheimische zu uns um den Sonnenuntergang zu bewundern und auch hier scheinen wir keinen zu stören.

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Am nächsten Morgen regnet es wieder. Wir fahren gemütlich über die Insel, bringen die letzten beiden Tunnels der Färöer hinter uns und schauen uns die höchsten Klippen von Suðuroy an.

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Auf der Südspitze von Suðuroy treffen wir dann auch wieder auf eine holländische „Onshore Crew“ der Sea Shepards. Sie beobachten von hier aus das Meer und nach dem kleinen Hügel der weggeworfenen Zigaretten zu urteilen, machen sie dies auch schon seit einiger Zeit. Überhaupt scheint die Aktion „Grind Stop 2014“ bis dato nicht besonders ereignisreich gewesen zu sein. Das einzig Besondere war wohl, dass eine Gruppe von Jungendlichen eine leere Milchtüte gegen ein Boot der Sea Shepards geworfen hat.

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to be continued...


gnarz18 am 13 Sep 2014 16:19:05


Den Nachmittag verbringen wir mit Shoppen und Kaffee trinken. In Vágur gibt es den Werksverkauf von Sirri, einem färingischen Modelabel, das überwiegend Wollprodukte herstellt.
Wir fahren für die Nacht zurück nach Hvalba und plötzlich ist die Hölle los. Alle Autos der Insel scheinen mit uns nach Hvalba zu wollen. Es wird auf Teufel komm raus überholt und gehupt. Kurz vor dem Tunnel nach Hvalba geht nichts mehr! Vor der Tunneleinfahrt sehen wir auch den niederländischen Wagen der Sea Shepards vom Vormittag wieder. Die Sea Shepards hatten wohl „Probleme“, durch den Tunnel zu kommen. Im Tunnel herrscht Stau und das ist echt ungemütlich! In einem unbeleuchteten, einspurigen, unbelüfteten und 2,5m breiten Tunnel im Stau zu stehen hat den Nachteil, dass die Luft extrem schnell giftig wird und man gerade so noch seinen Vordermann sieht.
Wieder aus dem Tunnel, tauschen meine Frau und ich die Plätze. Ich steige aus, um einen Mann an der Leitplanke zu fragen „Was denn los sei“. Zur Antwort bekomme ich, dass er zu „gently“ wäre mir sofort eins auf die Fresse zu geben. Der gute Mann hat dem Geruch nach auf jeden Fall schon zu viel Bier getrunken. Ich erkläre ihm, dass ich kein Problem mit dem Grind-Walfang hätte, es zwar nicht unbedingt gutheißen würde, aber diesen Walfang akzeptieren würde. Seine Laune bessert sich und er wünscht mir noch einen schönen Tag. Die Polizei ist auch schon vor Ort, um die Sea Shepards festzusetzen und es herrscht allgemeine Hektik. Der Grind wird kurze Zeit später wieder gestoppt, da die Strömungsverhältnisse wohl nicht stimmen. Schade, wir hätten uns das gerne mal angeschaut, um uns unser eigenes Bild zu machen. Auch wenn es ohne Zweifel ein Gemetzel ist und man sich durchaus fragen muss, ob diese färingische Tradition heute noch so angebracht ist.

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es herrscht Verkehrschaos in Hvalba

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die Sea Shepards waren rechtzeitig zur Stelle

Die Nacht verbringen wir in Hvalba auf dem CP bzw. SP, der sich direkt neben der Schule befindet.

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Der Platz ist zwar nicht so schön wie der vom Vortag, verfügt dafür aber über Duschen und Entsorgungseinheit. Wir nehmen Abschied von der Südinsel und fahren wieder mit der alten Norröna zurück nach Tórshavn. Dort hat gerade die neue Norröna angelegt. Man erkennt sie sofort an ihrem markanten Bug, der dem Schiff eine ruhigere Lage bei schwerer See geben soll.

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Norröna

Wir fahren wieder nach Gjógv auf „unseren“ CP und erleben einen Schock: 17 italienische Wohnmobile und 5 französische Island-reisende Offroader sind auf dem Campingplatz eingefallen.

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ganz schön voll

Die Italiener mögen es auf jeden Fall eng. Der Chef der Truppe weist jedem Womo seinen Platz zu und bestimmt auch am nächsten Tag die Reihenfolge beim Ausparken und die Position im Konvoi.

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auf dem Weg nach Skála

Die letzten Tage brechen an und da wir uns noch ein wenig bewegen wollen, unternehmen wir eine kurze Wanderung von Skála nach Selatrað. Der Weg führt immer an einem Gjógv vorbei, zeitweise auch durch ein tiefes Gjógv hindurch.


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man ist fast alleine unterwegs

Der Weg lässt sich sehr gut gehen, da er hervorragend markiert ist und landschaftlich wirklich sehr reizvoll ist. Unterwegs treffen wir außer ein paar Schafen niemanden. Diese Einsamkeit macht das Wandern hier auf den Färöer zu etwas ganz Besonderem. Dazu gibt es auch noch die grandiose Aussicht, echt toll.


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typisch Färöer, tiefe Gjogvs

Was uns besonders gefällt ist tatsächlich das wechselhafte Wetter. Die Wolken erzeugen manchmal eine dramatische Szenerie, dazu kommen die vielen Wasserfälle und Wasserläufe. Man merkt sofort, dass die Torfschicht auf den Färöer relativ gering ist. Es ist bei weitem nicht so sumpfig wie in Schottland, da das Regenwasser meist in riesigen Sturzbächen oberflächlich abfließt.


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Unseren letzten Abend auf den Färöer wollen wir in Gjógv verbringen, alleine schon weil wir nochmal Essen gehen wollen. Für die Nacht ist Sturm angesagt und man merkt schon bei der Rückfahrt, dass der Wind recht kräftig am Wohnmobil rüttelt.

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jede Menge Wetter...

Gegen Abend wird es dann richtig windig und in der Nacht denkt man manchmal, es würde das Wohnmobil zerreißen. Aber es passiert natürlich nichts.

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Unseren letzten Tag auf den Färöer verbringen wir in der Hauptstadt Tórshavn. Wir besuchen das Nordic House, das Freilichtmuseum von Tórshavn und das Landesmuseum. Besonders letzteres ist sehr zu empfehlen, es wird eine Menge über die Geschichte, Flora und Fauna und Besonderheiten der Färöer erzählt. So kamen die ersten Wespen erst 1999 mit Baumaterial auf die Färöer, finde ich schon sehr erstaunlich.
Wir schlendern nochmal durch das Städtchen mit seinen engen und verwinkelten Gassen und besichtigen noch den Regierungssitz des Landes.

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Der Regierungssitz des „Føroyar Løgting“ liegt auf der kleinen Halbinsel Tinganes

Leider fängt es wieder an zu regnen und so ziehen wir uns zum Essen in eins der wenigen Restaurants zurück.

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Der Sturm hat zum Glück ein wenig nachgelassen, sodass die Überfahrt wohl nicht so schlimm wird wie befürchtet. Unsere Fähre geht abends um 22:30 Uhr und nach und nach füllen sich die Lanes. Auch der italienische Trupp mit seinen 17 Wohnmobilen und die Franzosen sind am Start, wobei auch diesmal wieder alle Fuß-Passagiere mit dem Gepäck zu Fuß an Bord gehen müssen.

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Und diesmal dauert das Beladen ewig und die Kabinen sind auch diesmal noch nicht fertig. Wir müssen gut über eine Stunde mit unserem Gepäck auf dem Boden zubringen, bis wir um 0:30 endlich in unsere Kabinen können. Zugegeben, die Überfahrt von Hirtshals zu den Färöer durch den Sturm der vergangenen Nacht wird recht heftig gewesen sein - wie der Geruch und die Spuren in unserer Kabine belegen. Trotzdem ist das Ganze Ein – und Auschecken schlecht gelöst.
Der nächste Tag ist ziemlich öde, das Schiff schaukelt recht heftig und das Wetter ist ziemlich durchwachsen. Das einzige Highlight ist die Umfahrung vom Sumburgh Head auf den Shetlands. Da werden Erinnerungen wach.

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Sumburgh Head

Der nächste Morgen startet früh um 6:30 durch den Weckruf des Kapitäns. Der fordert uns auf, doch gleich unsere Kabinen zu verlassen und unser Gepäck zum Auto zu bringen. Ganz toll! Wir hätten gerne noch etwas geschlafen, da wir heute einen ziemlich langen Tag vor uns haben. Wir müssen heute noch zurück bis nach Aachen, am nächsten Tag geht für Paula die Schule wieder los.
Wir sitzen gut beim Frühstück, da kommt die Meldung, dass wir eine Stunde Verspätung haben werden. Aus der einen Stunde werden 2,5 Stunden, weil ein Schiff der Fjordline im Hafen festhängt. Das erzeugt natürlich nicht nur bei uns einen gewissen Unmut. Das mit der Verspätung wusste man ja sicher auch schon zur Weckzeit um 6:30 Uhr. Dazu kommt, dass die Passagiere nun natürlich nicht mehr in ihre Kabinen und somit auf ihre Toilette können. Die Kabinen werden ja jetzt schon wieder fit für die nächste Überfahrt gemacht. Und so knubbelt sich alles vor den wenigen Toiletten, die sich im öffentlichen Bereich befinden.
Um 12:00 Uhr sind wir endlich vom Schiff runter und nun gilt es die 1000km bis nach Aachen hinter sich zu bringen. Unterwegs sichten wir einen Wohnmobilforum-Aufkleber ( ahd250 ) und erreichen, zum Glück ohne einen einzigen Stau, ziemlich gestresst um 22:30 Uhr Aachen.
Schön war’s mal wieder. Aber für die Rückfahrt sollte man sich definitiv mehr Zeit nehmen, damit die Urlaubsstimmung nicht so abrupt endet. Aber wenn man an die Ferienzeiten gebunden ist … zum Glück sind bald wieder Herbstferein!





Ulli K am 13 Sep 2014 19:36:41

Hallo,
mit diesem Reisebericht hast du mir die Inseln echt näher gebracht! Toller Bericht mir Spitzenfotos!
Danke dafür!
Herzliche aus Köln
Ulli

bennykater am 13 Sep 2014 19:48:15

Das ist einer der besten Reiseberichte, die ich hier jemals gesehen habe, ein Juwel in Wort und Bild! Herzlichen Dank für die Mühe, die du dir damit gemacht hast! Du hast es ja selbst geschrieben, die meisten Reisenden haben kaum eine Ahnung davon, wo die Färöer liegen, geschweige denn dass sie hin fahren!

Die Bilder sind eine Klasse für sich; solch ausgezeichnete Fotografien muss man lange suchen! Das eine oder andere Landschaftbild erschien mir einen Hauch zu dunkel, aber das ist dort wohl so. Die Aufnahmen von den Wasserfällen sind einzigartig!

Dieser Reisebericht vermittelt dem Zuschauer einen Eindruck davon, wie es auf diesen Inseln tatsächlich aussieht, nach dem Betrachten hat man fast das Gefühl, selbst dort gewesen zu sein :D Jetzt weiß ich sicher, wo in meiner Prioritätenliste ich diese Inseln einzureihen habe :)

nochmals ganz vielen herzlichen Dank, ganz große Klasse! :dankeschoen: :dankeschoen: :dankeschoen:


Martin

flairmichel am 13 Sep 2014 19:57:19

WIE GEIL IST DAS DENN !!!

super gemacht und die Fotos erst... /haste viele stunden in der digitalen Dunkelkammer zugebracht

lg
Michel

Lancelot am 13 Sep 2014 20:10:41

Einfach TOLL :!: Weiß ja nicht, ob ich mich jemals wieder traue, ein Foto einzustellen ... :oops:

:D

Vielen herzlichen Dank fürs mitnehmen in eine fantastische Urlaubsregion mit diesen unglaublich stimmungsvollen Fotos ... :dankeschoen:

ichsehnix am 13 Sep 2014 20:33:13

Wow! Einfach nur schön! Super Bilder :ja: :ja:

traveller69 am 13 Sep 2014 20:48:07

Suuper! Die Bilder sind genial!!!

nuvamic am 13 Sep 2014 21:30:32

Boah ey! Kann mich nur anschließen - suuuuuuuuuuuuuuper Bilder und dein Bericht liest sich so, dass man fast glaubt, selbst dabei gewesen zu sein! Herzlichen Dank dafür!

sonnenblume58 am 13 Sep 2014 23:37:51

Ich habe mich jetzt hier richtig festgelesen, so schöne Landschaften, Fotos und interessante Beschreibungen, ganz toll.
Vielen Dank
Steffi

Gast am 14 Sep 2014 00:26:22

Vielen Dank für den wirklich tollen Bericht.Ich war vor einigen Jahren dort,auf der Durchreise nach Island,ist eine großartige Gegend und vom Massentourismus noch unberührt.

Arno

silent1 am 14 Sep 2014 05:37:30

Die Superlative sind bereits alle verbraucht.
Deshalb von mir :top: :top: :top: :top: :top:
Vielen Dank!

Waldi am 14 Sep 2014 06:40:52

Danke für den wunderschönen Reisebericht mit den sehr schönen Bildern . Auch hat mir der Wechsel von schwarz weiß und bunten Bildern sehr gut gefallen.

Waldi

peterundgisela am 14 Sep 2014 07:20:21

Wollte, wie immer, nur kurz ins Forum gucken und dann Frühstück machen.
Habe jetzt 1 Std. 10 Min. gelesen und geguckt, bin immer noch nicht ganz durch... Peter hat Frühstück gemacht :D
Hab' "meinen Urlaub" unterbrochen, diese Luft und die Natur machen natürlich hungrig. Fortsetzung bei uns folgt gemeinsam.
Ich bin genau so begeistert :ja: Sehr viel Arbeit hast Du Dir mit uns gemacht, D A N K E :!: :!:

wolfworldwide am 14 Sep 2014 07:29:49

Starke Destination, starke Geschichte, starke Fotos.


Mit fröhlichen n

Wolf

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