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Südwestfrankreich Atlantikküste und Dordogne


mithrandir am 17 Sep 2014 22:02:22

Drei Wochen Südwestfrankreich. Start war Bruchsal. Über Paray le Monial und angouleme bis Arcachon. Dann die Atlantikküste runter bis fast zur span. Grenze. Dune du Pyla, Mimizan, Vieaux-Boucau, Labenne, Biarritz, St. Jean de Luz. Rückweg zunächst entlang der Dordogne. Bergerac, Beynac-Cazenac, Rocamadour. Dann wiede ab nach Hause.
So lange die Erinnerung noch frisch ist, schreibe ich mal einen kurzen Reisebericht zu unserem dreiwöchigen Aufenthalt an der südfranzösischen Atlantikküste.
Noch ein paar Infos vorweg. Wir sind eine vierköpfige Familie (Kinder 7 und 9) und stehen bevorzugt auf CPs. Ich will nach der täglichen Dusche nicht alles trocknen und putzen um Bad/Klo wieder nutzbar zu machen.
Hauptaugenmerk lag auf einem Badeurlaub mit kleinem Kulturprogramm.
An- und Rückfahrt sollten so wenig wie möglich kostbare Urlaubszeit vergeuden.
Deshalb war die Route eigentlich komplett auf der (M)Autobahn geplant, besonders nach dem Fazit aus diesem Thread: --> Link.
„Bernierapido“ hat mich aber hier --> Link überzeugt doch einmal die Nationalstraßen zu versuchen.
Und ich muss sagen, das hat wunderbar geklappt. Wir waren ziemlich zügig unterwegs, da ein Großteil der beschriebenen Route vierspurig und mit wenigen Ortsdurchfahrten verläuft.
Anfangs hatten wir den Rückweg über das Loiretal geplant, aber da wir von ganz unten kamen, ersparten wir uns den Schlenker und gönnten uns stattdessen die Dordogne. Letztendlich landeten wir dann wieder auf derselben Route wie auf dem Hinweg.
So sparten wir am Ende doch mehrere Hunnis und hatten weniger Zeitverlust als gedacht.
Ich bin kein Pfennigfuchser, aber das die gesparte Maut investierte ich gerne in gepflegte Campingplätze und gutes Essen.
Ach ja, noch was. Dieser Urlaub hat bei mir von Anfang an mein Vorurteil über die Franzosen revidiert, dass diese keine Deutschen mögen und nur aus Trotz keine Fremdsprache sprechen. Diese Erfahrung hatte ich früher oft an der Ardeche und am Mittelmeer gemacht.
Bis auf einen stinkigen Kellner, waren alle supernett, hilfsbereit und sprachen zu einem Großteil auch Englisch oder sogar Deutsch wenn mein Französisch am Ende war.
An dieser Stelle ein dickes Kompliment und Danke an diese französischen EU Mitbürger.
Aber jetzt geht’s los …
Samstag, 23.08.14 (560 km)
Abfahrtstag, zunächst in Bruchsal auf die A5 Richtung Basel, bis Mühlhausen, dann franz. Autobahn Richtung Besancon bis Chalon sur Saone (Maut zwischen 50-60 EUR).
Wir wurden auf den Mautstrecken durchweg in Kat 3 eingestuft, obwohl wir 3,8t haben.
Danach Nationalstraße bis Paray le Monial. Der kostenlose Stellplatz nahe der Kathedrale ist für eine Nacht ganz OK.
Wir kamen spät an, die Kathedrale war schon zu, aber die sehr nette Dame von der Touriinfo gab uns noch ein zwei Restauranttipps (sehr gutes Deutsch).
Sonntag 24.08.14 (424 km)
Morgens noch einen kurzen Blick in und um die Kathedrale geworfen, dann ging es wieder auf die Piste. Über Montceau-les-Mines, Montlucon, Limoges, Angouleme.
Am Abend finden wir etwas abseits der Piste in Oriolles, einen kleinen schnuckeligen Campingplatz in der Pampa mit einem kleinen Spielplatz für die Kids. Piscine war auch vorhanden, wurde aber nicht genutzt (zu kalt).
Montag 25.08.14 (134 km)
Morgens gleich wieder auf den Bock und über Bordeaux (mautfreie Autobahn) Richtung Bassin d‘Arcachon. Kurzer Zwischenstopp am Hyper U kurz hinter Le Teich um die Vorräte aufzustocken.
Dann rein nach Gujan-Mestras erst mal den Wegweisern „Plages“ nach.
Wir sind platt und wollen ans Meer der erstbeste Platz am Weg wird gleich angefahren (Camping ATC). Aber die können es sich leisten in der Mittagspause die Einfahrt zu verweigern.
Hundert Meter weiter ist der Camping Municpal de Verdalle. 20 EUR pro Nacht ohne Strom, mit WLAN an der Rezeption ist OK.
Da gerade Ebbe im Bassin d‘Arcachon ist, wird erst mal ent- und versorgt und der Platz erkundet. Nachmittags an den Strand (gegen 16:00 Uhr). Wasser noch relativ weit weg (Hochwasser um 18:30). Die Kids lassen Drachen steigen, und helfen der Flut beim Reinfließen durch diverse Kanalbauten im Sand.
Dienstag 26.08.14
Regentag, es nieselt die ganze Zeit. Also erst mal „Mensch-ärgere-dich-nicht-Marathon“ am Vormittag. Das schaffen wir auch nur im Urlaub.
Anschließend eine Erkundungsfahrt zur Dune du Pylat. Man hört oft, dass der offizielle Parkplatz schweineteuer sei, also wollen wir nach Alternativen suchen. Es stellt sich heraus, dass der Parkplatz 10 EUR/Tag kostet. Das halte ich für vertretbar. In diversen deutschen Städten habe ich mit dem PKW schon weit mehr bezahlt. Das WoMo steht im Schatten und man ist in wenigen Schritten an der Düne.
Danach rein nach Arcachon. Am Bahnhofparkplatz steht schon ein Alkoven, das können wir auch. Etwas eng, besonders bei der späteren Ausfahrt, aber etwas Abenteuer gehört zum WoMo Urlaub dazu.
Vielleicht lag’s am miesen Wetter, aber Arcachon hat uns nicht wirklich begeistert. OK, wir stapften nur durch die Fußgängerzone zum Pier und wieder zurück. Der Abendspaziergang zum Hafen von Gujan-Mestras (La Hume) war schöner.
Mittwoch 27.08.14 (65 km)
Am Vormittag ausgecheckt, dann auf zur Dune du Pyla. Optimales Wetter, trocken und nicht zu heiß. Der Andrang war zwar groß, aber nachdem sich oben alle verteilt hatten, war es erträglich.
Anschließend ging es weiter Richtung Biscarosse Plage. Dort fanden wir aber nur Schickimicki Camping mit Clubfeeling und entsprechend hohen Preisen (45-50 EUR). Nicht unser Ding, deshalb durchgestartet bis Mimizan Plage (Municipal Camping) schöner Platz (27 EUR mit Strom WLAN kostet extra). Es gibt dort mehrere Surfercamps, junge Leute mit Boards unterm Arm und coole Stimmung. Da möchte man noch mal jung sein, wie damals vor fast 30 Jahren in La Jolla….
Aber jetzt, Fahrräder vom Träger und ab durch den Wald an den ATLANTIK.
Endlich, echtes Meer mit tollen Wellen. Splish-Splash, bei 22°C Wassertemperatur, genau wie erhofft.
Donnerstag 28.08.14
Der Morgen ist leicht bewölkt, also geht’s mit dem Fahrrad nach in die Stadt.
Kleiner Bummel und Souvenirshopping. Am Nachmittag wird das Wetter besser. Also wieder an den Strand.
Freitag 29.08.14 (60 km)
Nächster Stopp ist der Camping Les Sableres in Vieux Boucau (25 EUR mit Strom und WLAN am Platz)
Nach der Ankunft ist der Himmel bedeckt, deshalb geht es zunächst mit dem Fahrrad in die Stadt. Mittagessen gibt’s in der Surferbar „Le Coconut“. Auch hier „Beach Boy Feeling“.
Der Strand am künstlichen Meerwassersee ist nicht wirklich schön. Keine Wellen, ziemlich schmutzig. Nachdem die Sonne wieder draußen ist, nichts wie ab ans Meer. Yeah, Monsterwellen und Fun.
Die Badezone zwischen den blauen Fahnen ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber zum Saisonende hält sich der Andrang in Grenzen.
Abends gibt es am Fronton ein kostenloses Rockkonzert zum Saisonende. Wir schauen uns die ersten zwei Bands an und essen Paninis zum Abendessen.
Samstag 30.08.14
Das Wetter ist leider etwas durchwachsen. Deshalb geht es morgens erst mal zum Markt.
Vom Chinakitsch über Foie Gras bis zum leckeren Kuchen, alles da.
Anschließend machen wir einen Ausflug nach Dax. Für einen halben Tag mit Schauern ist die Stadt OK.
Abends geht’s noch mal zum Strand. Zwar kein Schwimmwetter, aber Drachen steigen geht allemal.
Sonntag 31.08.14
Reiner Strandtag.
Montag 01.09.14
Und noch mal Sonne, Sand, Meer pur. Abends Sonnenuntergang am …na klar… Strand.
Dienstag 02.09.14 (25 km)
Heute geht es weiter nach Süden. Eigentliches Ziel ist Capbreton. Dort folgen wir den Wegweisern zum CCAS Camping und landen an einem Tor hinter dem man eindeutig WoMos sieht. Wir werden aber mit der Auskunft „C’est privee“ abgewiesen. Fragt sich nur wozu dann die Wegweiser da sind.
OK, dann halt weiter zum Camping „La Pointe“. Schon wieder einer mit Mittagspause. Dafür haben wir keine Zeit.
Also geht’s noch weiter bis Labenne. Dort kommen wir auf dem Camping „La Mer“ (20 EUR mit WLAN) unter. Schöner Platz mit Schwimmbad. Zum Strand sind es 800m mit dem Fahrrad.
Tolle Moooonsterwellen. Das bekommt meine wagemutige Tochter auch zu spüren, als sie sich zu weit vorwagt und in die Brandung gesaugt wird. Der Papa kann seine langjährige Erfahrung als Rettungsschwimmer endlich mal anwenden. Aber im Ernst, ich kann jedem nur empfehlen sich an den bewachten Bereichen aufzuhalten. Wir hatten zwei bis drei Einsätze gesehen, bei denen anscheinend unerfahrene Schwimmer nicht mehr zurück an den Strand kamen und vollkommen erschöpft aus dem Wasser gefischt wurden.
Am Strand gibt es auch Andenken unserer Großväter. Trotz der unschönen Geschichte, strahlen die Atlantikwallbunker einen morbiden Charme aus.
Mittwoch 03.09.14
Wieder einmal Strandtag. Ein längerer Spaziergang am Strand zeigt weitere im Sand versunkene Bunker/Gefechtsstellungen (Standen die früher auf der Düne und wurden heruntergespült?). Ein Pärchen nutzt die Einsamkeit zu einem lautstarken Liebesspiel. Gott sei Dank waren die Kids am Badeplatz geblieben. Keinen Bock auf Aufklärungsdiskussionen und –fragen.
Abends geht’s in die „Bodega“. Sieht von außen interessant aus. Der etwas ungepflegt anmutende Chef liest die Speisekarte persönlich auf Englisch vor (macht er wahrscheinlich auch nur in der Nebensaison).
Wir bestellen gemischte Tapas als Vorspeise. Meine Frau nimmt eine Seafoodplatte, ich bestelle ein Entrecote und die Kids ein Kidsmeal mit Fisch.
Die Tapas bestehen aus gebratener Chorizo, Onion Rings und irgendein Fischsalat mit Mayonnaise. Geschmacklich OK.
Die Seafoodplatte beinhaltet Muscheln und verschiedene Fischfilets und schmeckt auch gut. Ebenso die Kindermenüs.
Vom Entrecote bin ich maßlos enttäuscht. Ich hatte mich auf einen blutigen Brocken Fleisch gefreut und bekam einen zentimeterdünnen Fleischlappen, totgebraten, obwohl ich auf Nachfrage medium-rare bestellt hatte. Außerdem ziemlich sehnig.
Auf Diskussionen hatte ich keinen Bock, aber das Trinkgeld und der eigentlich geplante Cocktail fiel flach.
Donnerstag 04.09.14
Ein bedeckter Himmel verhilft der sonnengestressten Haut zu einem Erholungstag. Heute ist Kniffel dran. Anschließend Fahrradtour mit Stadtbummel nach Capbreton. Schöner Hafen, leckeres Eis und interessante Objekte am Fischmarkt. Sonst nix besonderes. Abends kommt die Sonne noch mal raus. Reicht für einen Abendspaziergang am Strand
Freitag 05.09.14 (36km)
Heute geht’s nach Biarritz. Parken am Stellplatz Milady. Der Automat ist defekt. Laut Schild kommen zwei Mal am Tag Stadtangestellte um zu kassieren.
In Biarritz machen wir einen Stadtbummel. Markthalle, Kirche, ein, zwei Gässchen. Dann an den Strand. Die Kids haben Spaß und lassen sich leider nicht zu einer weiteren Erkundungstour durch die Stadt überreden. Wir laufen an der Küste entlang zurück, fotografieren, wie alle, noch das einsame Haus auf dem Felsen an der Esplanade du Port Vieux und laufen zurück zum WoMo. Auf dem Parkplatz wird tatsächlich gerade kassiert. Allerdings zwei WoMos vor uns. So lange können wir nicht warten :-) also sparen wir fünffuffzich und fahren weiter nach St. Jean de Luz.
Angepeilt ist der Camping „Bord de Mer“. Der erste Landeanflug endet in einer Sackgasse und führt zum Abenteuer „Hang anfahren in der Kreiseleinfahrt mit 3,5 t“.
Der zweite Versuch führt uns zum gesuchten Platz, aber die Einfahrt ist mir zu eng (zugeparkt). Deshalb kommt uns der Camping „Ferme Erromardie“ direkt gegenüber sehr gelegen. Die supernette Dame am Empfang zeigt uns mit einem Golfcar erst mal die freien Plätze.
Bei der Registrierung sieht sie meine ACSI Card und fragt danach. Ich erkläre, dass sie 2012 abgelaufen ist. Sie nimmt sie trotzdem und verlangt nur den ACSI Preis (19 EUR inkl. Strom und WLAN am Platz).
Leider ist der schöne Strand direkt vor der Haustür mit viel Seegras bedeckt, das auch noch erbärmlich stinkt.
Nach dem Abendessen schauen wir uns den Sonnenuntergang an. Die Kids dürfen Disney’s Cars schauen, wir verabschieden uns für einen Absacker an die Strandbar.
Samstag 06.09.14
Heute steht eine Fahrradtour nach St Jean de Luz auf dem Programm. Der Radweg ist zwar teilweise steil, aber sehr schön und abseits großer Straßen.
In St. Jean wird erst mal gebummelt. Schöne kleine Gässchen und Lädchen, nicht ganz so tourimäßig wie z. B. in Mimizan. Bei Real Chocolat werden wir mit Kostproben gefüttert und nehmen gesalzene Karamellcreme und Kokos-Schoko-Brotaufstrich mit.
Die Kirche (St. Jean Baptiste) ist leider über Mittag geschlossen, also erst mal an den Strand. Danach noch mal zur Kirche. Dort läuft gerade eine Trauung. Wir nutzen die Wartezeit für einen Snack, dann wieder zur Kirche. Die Trauung ist gerade fertig. Schöne, typisch baskische Kirche. Sehenswert.
Anschließend mit dem Fahrrad wieder über den hügeligen Berg zurück zum Camping.
Sonntag 07.09.14 (110km)
Heute verabschieden wir uns vom Meer und wenden uns dem Landesinneren zu. Der erste Schlenker Richtung Heimat geht nach Espelette. Ein Städtchen mit sehr viel Hype um scharfen Paprika. Ein Lädchen neben dem anderen bietet alles Mögliche mit dem Gewürz an. Wir hätten gerne Kirschlikör mit Piment gekauft, aber der schmeckt nicht wirklich lecker. Wir entfernen uns vom Tourizentrum und besichtigen den Friedhof (ich mag alte Friedhöfe) und die Kirche, die imposant und schön ist. Vor allem auch ruhig und kühl.
Am WoMo Parkplatz machen wir noch einen Stopp in der Chocolaterie Antton. Dort nehmen wir dann doch noch Pimentschokolade als süßes Andenken mit.
Im Laden wird eine kostenlose Führung durch die Produktion angeboten. Ich nehme mit meiner Tochter teil. Die Erklärungen der Dame übersteigen meine Französischkenntnisse bei weitem. OK, mein Problem, aber dass die Führung nur durch eine Fakeschokoladenküche führt, in der nur theoretisch erklärt wird, wie Pralinen usw. hergestellt werden ist wirklich frustrierend. Tröstlich, dass man noch ein zwei Probiererle bekommt, aber letztendlich kann man sich die Führung sparen.
Weiter geht’s nach St. Jean Pied de Port. Wir parken auf dem Stellplatz bei der Jai Alai Halle für 5,50 EUR. Die Stadt selbst ist eine Wucht. Alte Stadt mit Stadtmauer und schönen Gässchen, aber der volle Jakobspilgerhype. Überall Pilgernippes, Pilgerzimmer, Pilgeressen und Pilger selbst bzw. solche die meinen sie wären welche. Von Entbehrung und Besinnlichkeit habe ich nichts gesehen.
Leider haben um 17:00 Uhr noch alle Restaurants in der Innenstadt geschlossen. Vor der Stadtmauer finden wir noch eine offene Pizzeria. Der Kellner war extrem unfreundlich (Typ Deutsch-/Englischverweigerer). Wenigstens ist das Essen gut und nicht überteuert.
Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Dordogne. Wer es eilig hat, sollte hier auf die Autobahn ausweichen, weil es wirklich durch die Käffer geht. Wir hatten Zeit und fuhren Nationalstraße bis zum Camping Esperbasque (24,40 EUR ohne Strom mit WLAN an der Rezeption) bei Salies-de-Bearn.
Der Platz ist schnuckelig und NL-lastig mit kleinem Pool. In der Umgebung gibt es wohl Wandermöglichkeiten und mittelalterliche Städte. Wir nutzen ihn nur als Übernachtungsstation.
Montag 08.09.14 (253km)
Heute geht’s erst mal nach Bergerac. Schönes Städtchen. Gut geeignet für einen Zwischenstopp. Danach weiter an der Dordogne entlang. Bei La Linde hat der Campingplatz schon geschlossen, also stehen wir frei direkt am Flussufer.
Dienstag 09.09.14 (113km)
Unser heutiges Ziel heißt Rocamadour. Vorher machen wir einen Zwischenstopp in Beynac-Cazenac. Wirklich cooles Burgstädtchen wie im Mittelalter. Sehr schön. Man legt wohl Wert darauf, dass das Flair nicht durch moderne Hausanbauten gestört wird. Der Friedhof und insbesondere der Ausblick von dort auf die Burg sind empfehlenswert. Eine Führung durch das Innere der Burg ersparen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes.
Es geht weiter Richtung Rocamadour. Schöne Fahrt entlang der Dordogne. Immer wieder Schlösschen und Burgen am Straßenrand. Empfehlenswert.
Dann Rocamadour selbst. Wir parken am ersten Parkplatz neben der eigentlichen Stadt, weil er kostenlos ist und wir denken, dass der offizielle Platz direkt am Chateau teuer und überfüllt ist. Typisch deutsch. Der Parkplatz ist tatsächlich fast leer und kostenlos.
Als ich bei der Vorbereitung das erste Mal Bilder von Rocamadour gesehen hatte, wollte ich unbedingt dorthin. Das Bauwerk ist wirklich beeindruckend.
Es besteht aus mehreren Ebenen. Wir liefen zunächst zum mittleren Bereich (Sanctuaire) Hier gibt es mehrere kleine Kapellen und eine große Kirche. Tatsächlich kommen auch echte Wallfahrer hierher und lassen sich die Beichte abnehmen, aber der Großteil ist echter Tourihype. Ich war noch nie in Rothenburg o. T. oder Rüdesheim, aber so stelle ich mir das vor. Im unteren Bereich ein Shop neben dem anderen. Waffenlädchen neben Reliquienshop neben Klamottenladen neben Pizzeria.
Wenn da mal nicht einer ein gutes Marketinggespür hatte, als er die Geschichte vom heiligen Eremiten erzählte.
Alle Ebenen lassen sich über moderne Aufzüge im Innern des Bergs erreichen. Aber 2 EUR pro Fahrt (1 Ebene) ist echte Abzocke. Zumal es meiner Meinung nach schlimmer aussieht als es ist. Ok, die Pilgertreppe bringt den Kreislauf in Schwung, aber wenn man das letzte Stück über den Kreuzweg geht, kommt man gemütlich oben an.
Oben wollten wir noch auf die Festungsmauern des Chateaus. Eintritt 2 EUR/Person. Nicht die Welt, aber der Automat an der Drehtür nimmt nur 1 und 2 Euromünzen. Die haben wir leider nicht dabei. Viel besser als 10m weiter unten wird die Aussicht aber auch nicht sein. Allerdings hätten wir uns sicher in den Allerwertesten gebissen, wenn wir dafür auch noch eine Aufzugsgebühr gezahlt hätten.
Mein Fazit: Rocamadour ist schön anzuschauen. Wer nicht wirklich religiöse Ansinnen hat, kann sich den Bereich um das Sanctuaire und die Pilgertreppe anschauen, der Rest ist Nippes. Aber das scheint ja auch bei vielen Gefallen zu finden.
Wir fahren wieder zurück bis nach La Cave zum Camping „La Riviere“ (25 EUR ohne Strom inkl. WLAN an der Rezeption). Ein schöner Platz direkt am Dordogneufer mit Swimmingpool.
Mittwoch 10.09.14 (420km)
Morgens besuchen wir die Tropfsteinhöhle in La Cave. Sehr schön und beeindruckend, leider nur eine französische Führung ((8 EUR Erw., 6,50 Kin.), aber es gibt eine deutsche Übersetzung auf Papier. Man fährt mit einer kleinen U-Bahn bis zum eigentlichen Beginn der Grotte. Die Führerin ist nett und bemüht sich, kann aber nur ein wenig Englisch. Dummerweise habe ich vergessen den Stempel des Campingplatzes vorzuzeigen, der angeblich Rabatt auf den Eintritt ermöglicht.
Nach dem Besuch geht es los Richtung Heimat.
Wir nehmen die gleiche Route wie bei der Anreise. Gegen 19:00 Uhr erreichen wir Paray le Monial und übernachten auf dem bekannten Stellplatz, der ziemlich gut besucht ist.
Donnerstag 11.09.2014 (550km)
Gleich früh aufgestanden und nach dem Frühstück wieder in Fahrposition. Die Heimat zieht :-)
Um 10:30 geht’s los. Wir fahren bis hinter Dole auf Nationalstraßen, dann auf die Autobahn. 27 EUR + 9,7 EUR Maut.
5km vor Bruchsal Stau/zähfl. Verkehr, aber halb so schlimm um 18:00 Uhr endlich/leider wieder zu Hause.
Ein toller Urlaub. Das Wetter war angenehm. Die wenigen sonnenlosen Tage brachten willkommene Erholung von der Sonne. Neben der landschaftlichen Aspekte hat sich Frankreich auch charakterlich von seiner besten Seite gezeigt. Wir kommen sicher mal wieder.
Ich habe gelernt, dass die Nationalstraßen mitunter kaum Zeitverlust bedeuten und erheblich Geld sparen können. Zumal man mit einem 3,8 Tonner sowieso kaum schneller als mit 100km/h unterwegs ist,
Merci Beaucoup.

fliegerhahn am 25 Sep 2014 14:23:59

Schöner Bericht, den ich komplett nachvollziehen kann. Ich fahre mit meinem 4,6-tonner WOMO auf der Strecke zwischen Muelhausen und Chalon seit Jahren bereits in Dole ab und dann auf der RN quer rüber nach Chalon. Ist etwas kürzer und dauert trotz RN nicht länger, spart aber etwas Maut. In Chalon übernachte ich öfters schon auf dem Parkplatz vom Flugplatz. (nur so nebenbei als Tipp) Dann fahre ich die Strecke, wie von dir beschrieben, auch weiter (ohne Maut) über die RN bis Bordeaux. Tanken ist immer in PARAY le Monial, bei E.Leclarc sehr günstig.
Ich fahre diese Strecke schon seit fast 20 Jahren, weil wir in MONTALIVET, auf dem GIRONDE-Delta ein kleines Ferienhaus (--> Link) am Strand haben. Direkt nebenan (100 mtr.) ist ein relativ neuer Stellplatz, vor zwei Jahren für etwa 20 WOMO´s, jetzt sind dort knapp über 50 WOMO´s anzutreffen. Ich freue mich immer, wenn ich dort ein paar Deutsche antreffe. Jetzt, über den August waren etwa 10 deutsche WOMO´s dort, Kosten pro Nacht = 5.-Euro. Was ich unbedingt noch sagen möchte: Vor 15 Jahren gab es auf der Strecken Mulhouse - Bordeaux nur 3 Blitzer. Jetzt sind es exakt 40 !!! Es gibt die unterschiedlichsten Ausführungen, die "alte Form" der Standkasten, die modernen runden Pfeiler, die Blitzer-Brücken und ganz "drollig", die Form von nostalgische Straßenlaternen. Übrigends, jeder Km mehr Geschwindigkeit wird mit 10.-Euro geandet und es gibt keinen "Ungenauigkeits-Abzug" von 5 km/h, wie bei uns in Deutschland. Und noch was: Auf der vierspurigen RN10 von Angouleme nach Bordeaux stehen Blitzer ca. 10 km nach Angouleme und ca. 1 km vor der Brücke über die Gironde.
In diesem Bereich werden die WOMO´s, aufgrund ihrer Bauhöhe, als LKW angesehen und dann blitzt es bereits ab 80 km/h.
Mich hat es schon zweimal erwischt, als ich 110 km/h fuhr. Gekommen ist bis dato kein Strafzettel, da bei der Foto-Auswertung alleine nicht festzustellen ist, ob das WOMO über 3,5 to. hat. Das kann sich aber rasch bei dem EDV-Datenverbund ändern, dann sieht man es über das Kennzeichen relativ einfach.

mithrandir am 25 Sep 2014 15:31:19

Oh ja, die Blitzer habe ich auch gesehen. Unser TomTom hat auch regelmäßig gebimmelt. Aber ich fahre selten über 100. Die Windgeräusche nehmen dann rapide zu und machen die Sache ungemütlich.
Wie ist das eigentlich mit vierspurigen RNs (baulich getrennte Richtungsfahrbahnen), werden die, wie bei uns, den Autobahnen gleichgestellt, so dass 110 erlaubt wäre?

Roman am 25 Sep 2014 17:40:01

mithrandir hat geschrieben:...Wie ist das eigentlich mit vierspurigen RNs (baulich getrennte Richtungsfahrbahnen), werden die, wie bei uns, den Autobahnen gleichgestellt, so dass 110 erlaubt wäre?


Wenn keine extra Beschilderung angebracht ist, gelten immer die Höchsgeschwindigkeiten des jeweiligen Straßentyps. In dem Fall also 100km/h.
Wenn AB Geschwindigkeit erlaubt wäre, wären das dann übrigens 130 und nicht 110. :wink:


Roman

mithrandir am 25 Sep 2014 20:49:46

Roman hat geschrieben:Wenn AB Geschwindigkeit erlaubt wäre, wären das dann übrigens 130 und nicht 110. :wink:


Ich fahre ein >3,5t Mobil

bernierapido am 26 Sep 2014 11:17:17

OT:
jeder Km mehr Geschwindigkeit wird mit 10.-Euro geandet und es gibt keinen "Ungenauigkeits-Abzug" von 5 km/h, wie bei uns in Deutschland.

Das stimmt leider nicht: Ungenauigkeitsabzug beträgt 5kmh, und dann ab 1kmh bis 20kmh kostet innerhalb geschl. Ortschaften 90€, außerhalb 45€ (wird mittlerweile auch nach Deutschland nachgeschickt).
Wenn man nicht sofort zahlt oder Einspruch erhebt kostet es gleich 130€ und nach zwei Monaten oder garnicht zahlen beim nächsten Polizeistop in Frankreich 360€.

Tom89081 am 26 Sep 2014 14:01:20

Hallo,

toller Bericht! Die Bunker sind alle mal AUF der Düne gestanden. Aufgrund der Erosion, wie letzten Winter (teilw. 12 m) stehen die Bunker nun unten am Strand und teilweise sogar komplett bereits im Wasser.

Viele

Tom

Tom89081 am 26 Sep 2014 14:07:30

zum Thema Blitzer in Frankreich und Strafverfolgung, gab es vor kurzem einen recht aussagekräftigen Artikel im Focus… leider kann ich keine Links posten.

Einfach mal googlen.

Viele

Tom

morcenx am 27 Sep 2014 00:53:27

Sehr schöner Bericht und spannend geschrieben. Die Orte kenne ich alle ziemlich gut (außer Bruchsal - :lach: ). Aquitanien gehört seit dreißig Jahren zu meinen Lieblingszielen (man siehts an meinem Nickname). Aber was sagt ihr zu der Papierfabrik in Mimizan. Seit dreißig Jahren stinkt sie in erbärmlicher Weise vor sich hin. Erstaunlich wenig Touristen beanstanden das öffentlich. Zum Glück merkt man in Mimizan Plage so gut wie nichts davon.
Übrigens - eine der interessantesten Höhlen befindet sich in der Nähe von Roccamadour - die Gouvre de Padiraq. Der Zugang führt über einen Aufzug in ein kreisrundes Loch in der Erde von etwa 30 m Durchmesser in eine Tiefe von ca. 70m. Dort fährt man mit einem Kahn über einen unterirdischen Fluss in die eigentliche tropfsteinhöhle. Vielleicht bei der nächsten Tour.

mithrandir am 27 Sep 2014 22:19:07

morcenx hat geschrieben:Aber was sagt ihr zu der Papierfabrik in Mimizan. Seit dreißig Jahren stinkt sie in erbärmlicher Weise vor sich hin. Erstaunlich wenig Touristen beanstanden das öffentlich. Zum Glück merkt man in Mimizan Plage so gut wie nichts davon.

Ich hatte ja zuvor schon davon gelesen. Wusste aber nicht mehr in welchem Ort es war. Bis wir dann quasi nach einer Kreuzung direkt davor standen. Hässliches Teil, klar, aber gerochen haben wir nix und später auch nix mehr davon gesehen.
Deshalb sehe ich auch keinen Grund mich zu beschweren. Papier muss auch irgendwo produziert werden. Da bietet es sich an, das in der Nähe des Waldes zu tun.
Und ich denke, dass die Einheimischen nicht alle vom Tourismus leben können. Die werden froh sein, dass es auch eine ordentliche Industrie gibt. Davon habe ich ansonsten ziemlich wenig gesehen. habe aber auch nicht danach gesucht :-)
Ich habe auch keinen Bock mich da reinzuhängen. Klar, wenn es gestunken hätte, wäre ich wahrscheinlich weitergefahren und hätte mich hier beschwert. So kann ich den Ort nur empfehlen.

morcenx am 27 Sep 2014 22:37:01

Ja, richtig. Der Ort ist ganz schön. Mimizan-Plage gehört zu meinen bevorzugten Badestränden.
Die Papierfabrik soll eine der größten Europas sein und - auch richtig - ein wichtiger Arbeitgeber der ganzen Region. Nicht nur für die dort selbst arbeitenden, sondern zu sehen im Gesamtbild der dort vorherschenden Holzindustrie.
Ich denke nur, ich kann mir in Deutschland keinen Industriebetrieb vorstellen mit solchen Geruchsemissionen. Ihr habts zum Glück nicht erleben müssen. Da könnte man sicher was mit Filtern machen.
Aber wir haben bei uns ja ähnliche Probleme, nur etwas anders gelagert. Das touristisch sehr bedeutende Mittelrheintal wird tags und nachts mit ratternden Zügen malträtiert. Wenn die Franzosen das hier erleben würden sie vermutlich genauso darüber den Kopf schütteln.
Lassen wir uns unsere Urlaubstage nicht verderben und sehen wir bewußt nach den schönen Dingen! Davon gibt es ganz viele!
viele - Uli

mithrandir am 28 Sep 2014 00:20:28

morcenx hat geschrieben:Ich denke nur, ich kann mir in Deutschland keinen Industriebetrieb vorstellen mit solchen Geruchsemissionen. Ihr habts zum Glück nicht erleben müssen. Da könnte man sicher was mit Filtern machen.

Nun ja, da kann ich aus eigener Erfahrung widersprechen.
Bei uns in der Nähe gab es früher eine Zuckerfabrik. Während der Rübenernte hatte man wochenlang einen ziemlich heftigen süßlichen Gestank, aber ein Großteil des Wohlstands der Region kam von der Fabrik.
In Mannheim gibt es eine Schokoladenfabrik. Wenn auch das Produkt lecker ist, der Geruch kann sehr belastend sein.
Und in Heilbronn kam ich regelmäßig in den Genuss von leckerer Ravioli in Form vom typischen Knorrgeruch.
In Mimizan ist halt der Kontrast sehr hoch. Paradiesische Atlantikküste - stinkende, hässliche Papierfabrik Da ist man halt schon eine Nummer sensibler.
Aber lieber wieder zurück zum Thema schöne Atlantikküste.
Interessant fand ich halt diese reinen Touristätdte. Wie sieht es dort im Winter aus? Wohnt dort dann noch jemand?

morcenx am 28 Sep 2014 09:16:55

Früher war ich auch im zeitigen Frühjahr dort, Februar, März. Man kann Glück haben, dass es dann auch mal 20 ° sind. Aber durchweg ist es sehr windig und nass, so dass ich das heute nicht mehr mache.
In Mimizan-Plage und auch in Contis-Plage direkt in der Strandsiedlung wohnt eigentlich niemand im Winter. Die Häuser auf den Dünen sind z.T. bis in zwei Meter Höhe von Sand zugeweht. Mit Baggern und Bulldozern müssen sie im März freigelegt werden.

pwglobe am 28 Sep 2014 09:30:23

Wir waren vor einigen Jahren im Februar/ März zum Surfen am Atlantik, Gironde bis Capbreton, die sogenannten Sommerdörfer sind fast menschenleer, keinerlei Infrastruktur, Restaurants und Läden geschlossen und auf den Stellplätzen höchstens ein anderer Surfer.
Traumhaft

Poldi am 06 Okt 2014 11:25:05

Danke für den sehr schönen Bericht, bei dem man die Fotos kaum vermisst. Manche Etappen haben wir im Laufe der Jahre, erst mit Wohnwagen, dann WoMo, auch kennengelernt. Schön, dass Ihr Euer Urteil über die Franzosen revidieren konntet!
Der kleine Seitenhieb auf Rüdesheim ist nicht unberechtigt, aber Rothenburg o.d.T. tust Du Unrecht. :denk: Man darf nur nichts gegen Chinesen und Japaner haben. :D

Klaus

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