Der Winter ist da. Wenigstens sieht es so aus, als ich um 7.00 Uhr vorsichtig aus dem Fenster luge. Alles ist weiss und das Thermometer zeigt –1°. Nach näherem Hinsehen stellt sich das weiss als Rauhreif heraus und wir hoffen, dass die gerade aufgehende Sonne dieses Problem schnellstens lösen wird. Wir frühstücken und fahren trotz Kälte und Nebel los Richtung Geiranger. Bald lichtet sich der Nebel und die Sonne zeigt uns eine vom Herbst gefärbte Landschaft.

Die Strasse folgt dem reissenden Ottafluss, der sich immer wieder in Kaskaden seinen Weg durch das Felslabyrinth sucht. An den Hängen tauchen immer wieder Jagdhütten auf, an der einen oder anderen sieht man Jäger. Wollen die etwa dem Elch ans Leder? Wir hoffen sehnlichst darauf, diesen Kerl mal in freier Wildbahn zu sehen und die wollen ihn killen? Wir durchqueren eine Hochebene und immer mehr Schneeberge zeigen sich uns in leuchtendem Weiss in der prallen Sonne bei Temperaturen um -4°. Wir versuchen, noch höher zu gelangen, aber der schmale Weg zum Felsplateau „Dalsnibba“ hat bereits Wintersperre. Dann geht’s bergab. Die Strasse windet sich in unzähligen Spitzkehren und einem Gefälle von 10 % den Berg hinab. Jeder Versuch, auszusteigen und Bilder zu schiessen, wird durch einen eiskalten Wind unterbunden. Im Kriechgang nähern wir uns Geiranger und schaffen es sogar, einen Omnibus an einer kleinen Ausweichstelle zu passieren. Vom Aussichtspunkt oberhalb Geiranger haben wir einen tollen Blick auf Geiranger und den gleichnamigen Fjord.

Im Ort angekommen, gestattet und die freundliche Dame vom Touristikverein, dass wir uns auf den Campingplatz stellen dürfen, obwohl dieser schon geschlossen hat. Der Platz direkt am Ufer ist unserer. Wir schlendern anschliessend durch den Ort und entschliessen uns, mit der Fähre nach Hellesylt und zurück zu fahren. Diese Tour geht 3 Stunden und es werden an Bord alle Sehenswürdigkeiten in mehreren Sprachen erklärt. Nur vom Schiff aus kann man die Wasserfälle „7 Schwestern“ und „Der Freier“ sehen. Gezeigt und erklärt werden auch die Berg-Bauernhöfe, die sich an die fast senkrechten Fjordwände schmiegen, zwischenzeitlich aber alle aufgegeben wurden. Wieder zurück wird erst mal das Abendessen gekocht. Der erste Angelversuch scheitert daran, dass die Ebbe einsetzt. Also nix mit Fisch.
Gefahrene Km 97



Juni 2012
August 2011