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Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon rentnerin am 11 Jun 2020 12:51:15

Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

Es ist Anfang März, nehme meinen Plan an der Donau entlang zu fahren wieder auf. Von Bad Wörishofen fahre ich nach Landsberg am Lech. Corona betrifft mich noch nicht. Kann die Stadt anschauen und schöne Spaziergänge machen. Die nächsten Stationen Augsburg, Pfaffenhofen an der Ilm, Ingolstadt, jeweils 3 oder 4 Tage Aufenthalt. Kann mich immer noch ungehindert bewegen und einkaufen.

Dann ist die Pandemie da. In Nord-und Ostdeutschland sind CP und SP geschlossen, Touristen müssen die Bundesländer verlassen. Was für mich unvorstellbar war, geschieht nun. In Bayern und Baden Württemberg am 19. März 2020 noch alles ok. Es ist sehr kalt. Fahre nach Donauwörth und Corona holt mich ein. Geschäfte geschlossen, außer Lebensmittel. Toilettenpapier gibt es nicht mehr in den Geschäften, kaufe ich eben Küchenrollen und Papiertaschentücher, geht auch. In der Stadt kaum Menschen unterwegs. Etwas gespenstisch das Ganze. Freitag 20.März ab 0 Uhr Ausgangssperre in Bayern, Schock. Bleibe noch bis Montag früh auf dem Stellplatz, Polizei fährt am Platz Streife, spricht mich aber nicht an. Weil in Bayern auch die Baumärkte geschlossen sind und eine meiner Gasflaschen leer ist muß ich nach Baden-Württemberg.

Alugasflaschen hat nicht jeder Händler und auch nicht jeder Baumarkt zum Tauschen. Also muß ich immer erst im Internet recherchieren und telefonisch anfragen ob vorhanden. In Ulm kann ich dann tauschen. Inzwischen heißt es auch in BW, CP und SP zu. Im Forum schreibt Hartmut vom Jagstcamp Widdern, daß Leute die im Wohnmobil leben, also keine Touristen sind, auf seinem Stellplatz stehen dürfen. Das beruhigt mich.

Fahre erst mal auf die Schwäbische Alb, Münsingen gesperrt, weiter nach Trochtelfingen, SP noch offen, V&E und Strom auch. Nach 2 Std. kommt ein Gemeindearbeiter und sperrt mit Flatterband die V&E, hängt ein Schild auf, daß der „Campingplatz“ (hat nicht mal die Ähnlichkeit mit einem solchen) gesperrt ist. Schreibe eine email an den Bürgermeister, erkläre meine Situation. Erhalte keine Antwort, aber es schickt mich auch niemand weg. An Strom und V&E kann ich hin, ist ja nur Flatterband, keine Wand. Gas habe ich 2 volle Flaschen, zur Hälfte heize ich mit Strom, es gibt einen Edeka und einen Netto, also bin ich versorgt. Voller Spannung lese und höre ich was es für Neuigkeiten in Bezug auf Corona gibt. Nach 5 Nächten sagt der Wetterbericht für die kommende Woche, nachts bis -7 Grad. Habe genug von der Kälte und fahre an den Neckar nach Heilbronn.

Im Kreis Heilbronn wohnen meine 4 Kinder mit Enkel. Inzwischen gilt das Abstandsgebot, Masken Empfehlung und Ältere sollen nicht unbedingt mit den Kindern Kontakt haben. Alles ist so ungewiß, aber ich bin nicht beunruhigt. Auf dem Stellplatz in Heilbronn holt meine Tochter meine Wäsche zum Waschen. Die Wäsche ist im Fahrerhaus, welches ich offen lasse, sodaß wir keinen Kontakt haben. Beim zurück bringen das Gleiche, wir winken uns durch das Fenster zu und wechseln ein paar Worte, ist schon eigenartig. Nach 3 Tagen wird auch dieser Stellplatz gesperrt. Nun nehme ich das Angebot von Hartmut gerne an und fahre nach Widdern an die Jagst.

Ende März hieß es, 3 Wochen Kontaktverbot bis zum Ende der Osterferien. Es wurden 8 Wochen die ich auf dem Stellplatz in Widdern verbrachte. In diesen Wochen war zum Glück dann, bis auf 3 Tage, immer schönes Wetter. Was sich positiv auf meinen Gasverbrauch auswirkte. Nur einmal kam mein Sohn um die Gasflasche zu holen, die er in Heilbronn tauschte. Auch wieder mit mehreren Metern Abstand, und die Enkel kamen mit, worüber ich mich freute. Es war schlimm die Kinder zu sehen, aber nicht umarmen zu dürfen. Hatte sie ja 3 Monate nicht gesehen.

Es ist schön an der Jagst und um Widdern herum. Habe viele Wanderungen gemacht, zum ersten Mal in meinem Leben eine Nachtigall gehört. Jede Nacht zwischen 23 und 24 Uhr verausgabte sich der Nachtigallen Mann. Zum Einkaufen fuhr ich mit meinem Faltrad an der Jagst entlang, ca. 15 km, nach Möckmühl. Das Faltrad ist nicht sehr stabil mit einem Korb voller Einkäufe auf dem Gepäckträger.

Habe mich genauso wie die Menschen in ihren Häusern verhalten. Dreimal am Tag mit dem Hund gelaufen, einmal in der Woche einkaufen, und sonst im Wohnmobil aufgehalten. Es sollte nicht so aussehen als würde ich Urlaub machen, mache ich ja auch nicht, nie. Bei den längeren Spaziergängen mit dem Hund im Wald ist mir selten jemand begegnet. Ich habe den Eindruck, auch ohne Corona, die Menschen wandern nicht mehr so viel durch Wald und Feld. Sie fahren mit dem Rad und sind in den Städten unterwegs, auch die Wohnmobilisten.

Endlich dann, ab 18.05.2020 sollen die Stellplätze wieder öffnen dürfen. Weil aber das lange Wochenende kam mit Christi Himmelfahrt, blieb ich noch bis Montag den 25.05.20. Mir war sofort klar, daß sehr viele los fahren würden. Auch in Widdern war alles reserviert, sogar die Ersatzplätze waren belegt.

Mir wurde bewußt in den 8 Wochen immer am gleichen Platz zu sein, daß ich noch lange nicht bereit bin, wieder in eine Wohnung zu ziehen. Erst jetzt weiß ich, daß ich mein ganzes Leben lang diese Sehnsucht nach Freiheit hatte, schon als Kind. Das Leben im Wohnmobil ist für mich die größtmögliche Freiheit.

Trotzdem bin ich Hartmut dankbar, daß ich die Möglichkeit hatte auf seinem Stellplatz die Zeit zu verbringen. Auf dem Stellplatz mit dem Wohnmobil war ich sicherer vor der Ansteckung durch die Coronaviren als bei einem meiner Kinder.

Jetzt bin ich wieder unterwegs und genieße es immer neue Orte zu sehen und ungebunden zu sein.

Liebe Grüße, Christa
6 Kommentare 40114 mal betrachtet
Kommentare

RE: Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon VoBo am 13 Jun 2020 21:24:30

Vielen Dank für den informativen Bericht.

Viele Grüße
Volkhard
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RE: Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon Tinduck am 19 Jun 2020 11:43:08

Hallo Christa,

interessanter Bericht. Gut, dass du bei Hartmut untergekommen bist!

bis denn,

Uwe
Alberto Brandolini: "The amount of energy needed to refute bullshit is an order of magnitude bigger than to produce it." :wall:
Tinduck
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RE: Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon Anonymous am 19 Jun 2020 14:31:27

Erst jetzt weiß ich, daß ich mein ganzes Leben lang diese Sehnsucht nach Freiheit hatte, schon als Kind. Das Leben im Wohnmobil ist für mich die größtmögliche Freiheit.

Ein schöner Bericht, und es war der eine Satz, der mich getroffen hat.
Die Sehnsucht danach hatte ich auch schon immer, aber erst seit 2019 konnte ich mir das Fahren erfüllen.

Und es ist noch schöner als gedacht.
Anonymous
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RE: Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon DoReNo am 29 Jun 2020 16:42:58

Aus meinem Herzen gesprochen

....Erst jetzt weiß ich, daß ich mein ganzes Leben lang diese Sehnsucht nach Freiheit hatte, schon als Kind. Das Leben im Wohnmobil ist für mich die größtmögliche Freiheit......


Danke dass Sie uns an Ihren Erlebnissen undund Gedanken teilnehmen lassen.

Renate Katharina (auch eine Rentnerin)
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RE: Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon ddausoh am 28 Jul 2020 18:49:32

Danke für den interessanten Bericht. Das war keine einfache Situation, schön dass es so gut geklappt hat.

Wir haben auch schon abundzu darüber nachgedacht einmal so zu leben, sind aber noch einige Jahre berufstätig. Mal sehen was kommt. Vielleicht mal später mit längeren Reise herantasten.

Weiterhin alles Gute

Daniel
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RE: Leben im Wohnmobil während der Corona Pandemie

permanenter Linkvon rolandderaeltere am 31 Aug 2020 23:56:46

Danke Christa.

Macht doch Mut.

PX (Pleip Xunt)
Grüße aus Niederbayern
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und 74 seit 1971 mit VW Bulli bereisten Ländern
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