"Klack". Tief und klar plonkt es durch den trüben amsterdamer Morgen in meine Ohren.
Ich kenne dieses Geräusch. Ich kenne diesen Moment. Wir kennen das.
Als wir Biene Maja neu hatten war uns die Verwendung der Natoknochen, welche die Batterien trennen nicht ganz klar.
Wenn du Biene Maja einen richtigen Kaltstart mit nur einer defekten Batterie abringen willst, entgegnet sie dir das dumpfe Schlagen des Magnetschalters nachdem die Glühkerzen und die Dieselvorwärmung ihren Spaß hatten.
Gegen das zähe 15er ÖL zieht der Anlasser jetzt den ganz kurzen.
Die dringend benötigten 100 RPM Startdrehzahl werden nicht erreicht.
Du hast ein Problem.
Der Startprozess verschlingt etwa soviel Energie wie benötigt wird einen durchscnittlichen 4 Zylinder Block in Aluguss oder Grauguss zu formen.
Das grüne Monster will nicht anspringen.
Die Flucht vor der Kältewelle ist in Gefahr.
Wenn dein Trecker nicht anspringt, ist es gut wenn du noch nen Trecker hast.
Vor dem grünen Monster stehend schauen wir richtung Biene Maja , während ein Berlingo an den Starthilfekabeln hustet.
" There is a 180Amps Accu , or we take the Chevy"
Biene Maja schaut etwas entgeistert zu uns " Jungs, gehts noch? ich soll jetzt bei -8 Grad den 15er Honig durch meinen Block pressen?
Ist der Blockheater angeschlossen? Nein? Haut bloß ab"
Silas, bemerkt wie ich mit unserem Wohnmobil Kommunikation betreibe. Er kennt das.
Er entscheidet.
" We should try the Battery"
Der in grösster Not gekaufte 180Ah AGM Akku, welchen wir quasi noch nie benutzt haben, kann jetzt zeigen ob das Geräusch beim ersten Laden sein Tot zum Ausdruck bringen wollte, oder einfach zu nem 300€ Kracher dazugehört.
Wir gehen direkt an die Pole. Die verbaute Batterie hat 220Ah.
Ich halte die Batterie auf einem provisorischem Gestell.
Dank der Verwendung von altem Frittenfett als Kraftstoff, ist ihm mangels Dieselkaltstartzufuhr, völlig egal wie schnell der Anlasser jetzt dreht. Immerhin baut der Motor in den 3 Minuten konstantem Orgeln genug Öldruck auf.
Die kleineren Wölkchen aus den abgasführenden Röhrchen haben bereits ein paar Womotüren aufgehen lassen.
" Look the guys with the plastic trashcans..." schallt es mir mit einer Eiswolke aus dem Führerstand des Monsters entgegen
Tatsache hält sich die Hilfsbereitschaft der glotzenden Meute in Grenzen während meine Hände am Gestell festfrieren.
Der Wind ist lausigst frisch.
Angenehm ist eine andere Sportart.
Wir atmen durch.
Klack. Vorglührelais ist HOT. Gedenkminute.
" Ignition!!!!!" " Yeahhhhhh"
Der Chinapaletten AGM feuert dem Anlasser nochmal schön was in die Wicklungen.
Mindesten 3 Zylinder zünden zuverlässig.
Das Röhrchen wirft dem Wohnmobilisten dahinter eine auch mit einem guten Messer schlecht zu schneidende Masse durch die plastikbehangende Schiessscharte. Der "Trübungswert" übertrifft eine gepflegte Verlustschmierung via Brennraumabdichtung oder ein ordentliches Ventilschaftdichtungsbläuen bei weitem.
" Welcome to Camping Zeeburg..." . Der Mann lacht nicht mit. Allerdings verschwindet er zusammen mit dem gesamten B Feld rasch im " Nebel des Patat". Und verbleibt dort sehr lange.
Mit der Abfahrt des Hippiebusses war uns klar das auch wir mal weiter müssen.
3 Monate Amsterdam. Wir haben gelebt, geliebt, geweint, Alles.
Es war wunderbar. Und auch grausam.
Wir blicken zurück auf 4 Monate im Wohnmobil leben.
Davon 3.5 Monate in den Niederlanden.
Am 1. April nähert sich auch unser 1 jahr mit Biene Maja Tag.



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